Beiträge von Gurnemanz

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    Original von Wulf
    [...] am Karsamstag nachmittag schon wieder einen heben - muss das denn sein??


    Nein, das muß nicht sein. Stattdessen höre man wie ich eben, bei Mineralwasser, angemessene und würdige Musik:


    Jan Dismas Zelenka (1679-1745)
    Gesù al Calvario, ZWV 62 (1735)
    Componimento sacro
    Passions-Oratorium für fünf Soli, Chor und Orchester
    (Text: Michelangelo Boccardi)
    David Cordier, Altus (Gesù); Ingrid Schmithüsen, Sopran (Maria Vergine); Larissa Malokowa, Sopran (Maria Maddalena); Lena Susanne Norin, Alt (Maria Cleofe); Kai Wessel, Altus (San Giovanni); Rheinische Kantorei; Das kleine Konzert; Ltg.: Hermann Max
    Capriccio 1999



    So ganz nebenbei: Wann geht's hier denn wieder weiter?

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    Original von Joseph II.
    Ich denke bei Ersatzreligion in der Musik zwar auch an Bruckner, eher aber noch an Wagner.


    Ich auch. Wagner hat sein Werk als Ausdruck seiner "Kunstreligion" ganz offen und mit Schriften untermauert propagiert. Bei Bruckner fällt mir zwar spontan die "dem lieben Herrgott" gewidmete 9. Symphonie ein, also durchaus religiös motiviertes Komponieren (aber das gibt es ja bei einigen Komponisten, man denke auch an Mahlers 2.). Aber daß er damit irgendetwas im Sinn einer neuen Religion à la Wagner in die Welt setzen wollte, gar noch mit sich selbst als "Guru" - das glaube ich eher nicht. Oder gibt es anders zu interpretierende Quellen?

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    Original von Fairy Queen
    [...] Stella Doufexis singt die zweite Stimme- das könnte Dir gefallen- ich bin allerdings kein wirklcher Fan vonChristine Schäfers Timbre.


    Mit C. Schäfer habe ich noch kaum eigene Erfahrungen, aber St. Doufexis klingt gut - und G. Souzay und S. Graham auch. Merci beaucoup!

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    Original von Fairy Queen
    Und möchte auch an Chausson als Liedkomponisten erinnern!


    Gibt es eine Chausson-Lieder-CD, die Du empfehlen könntest? (Wenn ich es richtig sehe, findet man seine Lieder eher verteilt in Sammeleditionen.)

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    Original von Cassiodor
    Hier wurde bislang noch gar nicht auf eines der schönsten späten Kammermusikwerke des Meisters hingewiesen, das Klavierquartett in A-dur. Cassiodor hat es hier Dieser thread gehört dem KLAVIERQUARTETT! kurz angesprochen.


    Dieser Empfehlung bin ich gefolgt, gestern ist die CD bei mir eingetroffen - und bin begeistert, sowohl vom Werk als auch von der Interpretation. Auffällig ist für mich - Cassiodor hat es auch schon angedeutet - die Nähe zu Gabriel Fauré: auch hier die langen Spannungsbögen, mit immer wiederkehrenden schwärmerischen Aufschwüngen, wunderbar ausmusiziert, und der typisch französischen melancholischen Leichtigkeit.


    Das gilt auch für das andere hier eingespielte Werk (Konzert für Klavier, Violine und Streichquartett D-dur).


    Unbedingte Kaufempfehlung:



    Konzert D-dur für Klavier, Violine und Streichquartett, op. 21 (1889-91)
    Pascal Devoyon, Klavier; Philippe Graffin, Violine; Chilingirian Quartet
    Klavierquartett A-dur, op. 30 (1897)
    Pascal Devoyon, Klavier; Philippe Graffin, Violine; Toby Hoffman, Viola; Gary Hoffman, Violoncello
    Hyperion 1996


    Lieber Cassiodor,


    auf Deine Empfehlung hin habe ich diese Aufnahme jetzt auch, gestern und heute zweimal gehört - und bin begeistert, sowohl vom Werk als auch von der Interpretation. Auffällig ist für mich - Du hattest es auch schon angedeutet - die Nähe zu Gabriel Fauré: auch hier die langen Spannungsbögen, mit immer wiederkehrenden schwärmerischen Aufschwüngen, wunderbar ausmusiziert, und der typisch französischen melancholischen Leichtigkeit. Auch das andere hier eingespielte Werk (Konzert für Klavier, Violine und Streichquartett D-dur) läßt keine Wünsche offen.

    Auch heute wieder, in Ruhe und mit weitgehender Konzentration:


    Ernest Chausson (1855-1899)
    Konzert D-dur für Klavier, Violine und Streichquartett, op. 21 (1889-91)
    Pascal Devoyon, Klavier; Philippe Graffin, Violine; Chilingirian Quartet
    Klavierquartett A-dur, op. 30 (1897)
    Pascal Devoyon, Klavier; Philippe Graffin, Violine; Toby Hoffman, Viola; Gary Hoffman, Violoncello
    Hyperion 1996



    Sowohl Werk als auch Interpretation sehr, sehr ansprchend, mit großer Leidenschaft musiziert und vor allem - hier wichtig - die langen Spannungsbögen so, wie's sein soll. Wer wie ich schon für die Kammermusik Gabriel Faurés gewonnen ist, kann bei Chausson eigentlich nicht enttäuscht werden: Beide Meister sind sich stilistisch erstaunlich nah.

    Ein interessantes Thema! Ja, mir geht es da ganz ähnlich wie Manuel: Ob vor meinen Lautsprechern, mit Kopofhörer oder im Konzertsaal: Ich schweife immer wieder mal ab und ärgere mich dann, daß ich es nicht schaffe, mich mal ganz auf die Musik zu konzentrieren. Gut, Ärgern bringt gar nichts, vielleicht aber ein Ratschlag, den jemand mal gegeben hat, um besser meditieren zu können (da gibt es ja das gleiche Problem): Man nehme die Gedanken wie Wolken am Himmel und lasse sie vorüberziehen. Aber leichter gesagt als getan, bei mir klappt es nur ganz selten. Aber dann ist es ein großer Gewinn und Genuß! Am ehesten erlebe ich es mit Kopfhörer und geschlossenen Augen, wenn nichts um mich her mich ablenkt. Dann kann es gehen, wie Frank eben schreibt:


    Zitat

    Bis hin zu diesen magischen Momenten, wo nur noch man selbst und die Musik da ist - oder sogar nur die Musik ohne einen selbst!


    :yes:

    Und zum Tagesausklang eine weitere Erstbegegnung - und es klingt gut bislang!


    Ernest Chausson (1855-1899)
    Klavierquartett A-dur, op. 30 (1897)
    Pascal Devoyon, Klavier; Philippe Graffin, Violine; Toby Hoffman, Viola; Gary Hoffman, Violoncello
    Hyperion 1996


    Wieder hieraus:



    "Melancholische Leichtigkeit" findet sich auch hier, wenn auch, nach erstem Eindruck, in Maßen.

    Zitat

    Original von Fairy Queen
    Lieber Gurnemanz,
    das Faszinerende an der frz.Musik für mich ist eine für Deutsche ungewohnte Schwerelosigkeit und die melancholische Leichtigkeit des Seins.


    Liebe Fairy Queen,


    genau das zieht mich an: "melancholische Leichtigkeit" finde ich bei einigen französischen Meistern (R. Hahn ist da natürlich ein gutes Beispiel, aber nicht das einzige). Übrigens trage ich mich seit ein paar Tagen mit dem Gedanken, demnächst mal einen Thread zu eröffnen, Arbeitstitel: "Was fasziniert mich an französischer Musik?" oder "Typisch französisch, typisch deutsch in der Musik" - aber vielleicht gibt es so etwas hier schon?


    Zu Hans Sommer: Viel Erfolg mit "Desdemona"! Der Zusammenhang H. Sommer - Debussy interessiert mich natürlich näher. Vielleicht in einem neuen Thread "Zu Unrecht vergessene bzw. unbekannte deutsche Liedkomponisten des 19./20. Jahrhunderts"? Dieses Thema schwebt mir auch noch vor, seit ich H. Sommer entdeckt habe.

    Zitat

    Original von Zwielicht
    Zumindest als Operndirigent ist Cornelius Meister hier schon mehrfach gewürdigt worden, vor allem von Alviano und Gurnemanz.


    So ist es. Ich habe Cornelius Meister auch mehrfach im Konzert erlebt, u. a. mit dem Grieg-Klavierkonzert, als Pianist und Dirigent in Personalunion. Bemerkenswert dabei war nicht nur das virtuose Können, sondern eine Interpretation, die dieses allzu populäre Werk als fein durchgearbeitetes symphonisches Werk präsentierte, womit ich mich von ein paar Vorurteilen gegen Grieg lösen konnte. Der Mann ist einfach gut und er wird seinen Weg machen, da bin ich sicher.


    Das freut mich sehr!! Deine Beschreibung kann ich nur wärmstens unterstreichen, "Farbenreichtum", "Finesse" und "musikalisches Einfühlungsvermögen", das trifft es gut! Vielleicht läßt sich Richard Wagner besser ertragen, wenn man sich an Komponisten hält, die deutlich von ihm beeinflußt sind, wie eben Hans Sommer, der allerdings gerade unter diesem Einfluß zu einem durchaus eigenständigen und meisterlichen Stil gelangt.


    Ähnliches läßt sich vielleicht auch von den Werken sagen, die ich heute nachmittag gehört habe, beide CDs sind Neuanschaffungen:


    Marcel Dupré (1886-1971)
    - Quatre Motets, op. 9 (1916)
    Charles-Marie Widor (1844-1937)
    - Messe à deux chœurs et deux orgues, op. 36 (1890)
    - Tu es Petrus, op. 23 (1876)
    - Tantum ergo, op. 18 Nr. 1 (vor 1875?)
    - Surrexit a mortuis, op. 23 Nr. 3 (1876)
    Joseph Cullen, Andrew Reid, Orgel; The 'Hyperion' Chorus of Baritons; The Choir of Westminster Cathedral; Ltg.: James O'Donnell
    Hyperion 1996



    Ernest Chausson (1855-1899)
    - Le Concert en ré pour piano, violon et quatuor à cordes, op. 21 (1889-91)
    Pascal Devoyon, Klavier; Philippe Graffin, Violine; Chilingirian Quartet
    Hyperion 1996



    Allmählich muß ich mir mal Gedanken darüber machen, was mich, eigentlich nicht übermäßig frankophil eingestellt, an französischer Musik so anzieht... Was ich hier an Vierne, Dupré, Widor und Chausson kennenlerne, fasziniert mich jedenfalls nicht wenig.

    Gestern eingetroffen - und eben gehört, nach den ersten Eindrücken eine grandiose Einspielung (sowohl interpretatorisch als auch aufnahmetechnisch), über die an geeignetem Ort noch das eine oder andere zu rühmen sein wird:


    Louis Vierne (1870-1937)
    Messe solennelle cis-moll für Chor und zwei Orgeln (1899/1900)
    Joseph Cullen, Andrew Reid, Orgel; The Choir of Westminster Cathedral; Ltg.: James O'Donnell
    Hyperion 1996



    Gekommen bin ich drauf, weil mein Chor das Werk demnächst aufführen wird - jetzt freue ich mich noch mehr darauf!

    Bei mir heute morgen und gleich wieder:


    Gabriel Fauré (1845-1924)
    Violinsonate Nr. 1 A-dur op. 13 (1875)
    Violinsonate Nr. 2 e-moll op. 108 (1917)
    Krysia Osotowics, Violine; Susan Tomes, Klavier
    Brilliant 1987


    Aus dieser höchst empfehlenswerten Edition:



    Die zweite Sonate zeigt den reifen Fauré, den ich so sehr schätze, mit seinen langbögigen Auf- und Abschwüngen, ein organisches Dahinfließen, das mir sehr behagt. Die erste Sonate ist für alle, die sich an César Francks A-dur-Sonate schon sattgehört haben, den Stil aber noch mögen, eine brauchbare Alternative.

    Zitat

    Original von petemonova


    Vielleicht hat ja schon jemand Erfahrung mit diesem neuen Label, das von SONO Music vertrieben wird, gemacht.


    Persönlich kenne ich noch keine der genannten Einspielungen - scheint aber eine interessante Sache zu sein!


    Debussys Le Martyre de Saint Sébastien hatte ich vor Wochen hier kurz erwähnt; die Einspielung mit prominenter Besetzung wird ja ganz positiv besprochen.

    Es folgt meine zweite Nominierung: Diese Dame hat mir die Schönheit des Barockviolinspiels nahegebracht; dadurch hat sich mir eine musikalische Welt erschlossen, die ich nun nicht mehr missen mag. Die französische Barockgeigerin Hélène Schmitt hat beim Label Alpha mehrere wunderschöne Aufnahmen eingespielt; ich nenne zwei, die mir besonders gut gefallen:


    Eine Nominierung fällt mir leicht, da ich die Künstlerin kürzlich zweimal im Konzertsaal erleben konnte:


    Stella Doufexis, Mezzosporan


    Die Weite ihres Repertoires wird in dieser CD deutlich:



    Was die beiden weiteren Nominierungen angeht: Das möchte ich mir vorerst noch offen lassen. (Sind denn nun auch Ensembles zulässig?)


    Nach einmaligem Anhören schwer zu beschreiben: Le Temps et l'Écume klingt spannend, eine teilweise recht stimmungsvolle Abenteuerreise durch das Reich der Klänge, wobei mir die Kompositionstechnik, die "Spektralrecherche", noch völlig unvertraut ist.


    Das Vokalwerk Les Chants de l'Amour bereitet mir größere Schwierigkeiten, das ist nun mal Musik, die konzentriert gehört werden will. Die Schola Heidelberg mit Walter Nußbaum ist mir allerdings von mehreren Konzerten hier bekannt, die sind klasse!


    Interpretatorisch scheinen beide Aufnahmen hervorragend zu sein, aufnahmetechnisch auf jeden Fall: Klares, schönes Klangbild! Und das Booklet ist wirklich informativ, wenn auch nicht einfach zu verstehen für mich. Doch das gehört sicher zur Materie.

    Und jetzt für mich absolutes Neuland:


    Gérard Grisey (1946-1998)
    - Le Temps et l'Écume (1988-89)
    für 4 Schlagzeuger, Synthesizer und Kammerorchester
    Paulo Alvares, Benjamin Kobler, Synthesizer; Ensemble S; WDR Sinfonieorchester Köln; Ltg.: Emilio Pomárico
    - Les Chants de l'Amour (1982-84)
    für 12 Stimmen und Tonband
    Schola Heidelberg; Ltg.: Walter Nußbaum
    Kairos 2007


    Zitat

    Original von rolo betman
    ich wurde auf die Internetseite "www.haydn107.com" aufmerksam (gemacht); dort kann man sich alle 107 Symphonien Haydns anhören (komplett, nicht nur Schnipsel), und man kann sich zu allen Symphonien die kompletten Partituren anschauen.


    Ja, in der Tat interessant, vielen Dank, Rolo!


    Bei mir gerade eben allerdings nicht Haydn, sondern ein anderer, ebenfalls humoristisch begabter Meister, CD 1 aus dieser maßstäblichen Edition:



    Erik Satie (1866-1925)
    Werke für Klavier, hieraus:
    - Quatre Ogives
    - Trois Sarabandes : Sarabande
    - Fête donnée par des chevaliers normands
    - Trois Gymnopédies
    - Six Gnossiennes
    - Prélude D'Eginhard
    - Trois préludes du fils des étoiles
    Jean-Joel Barbier, Klavier
    Accord 1971

    Zitat

    Original von Wulf


    Ich wollte damit auch nur ironisch auf die vorherigen, zwar nett gemeinten, dennoch völlig threadfernen Beiträge, anspielen.... ;)


    Schon klar :yes: Aber: Ironie bei Tamino, das ist manchmal eine heikle Angelegenheit :pfeif: :D

    Mir ist heute abend nach Sakralem; eine meiner Lieblingsaufnahmen:


    Franz Schubert (1797-1828)
    Messe Es-dur D 950
    Soile Isokoski, Sopran; Martina Borst, Alt; Christoph Prégardien, Tenor; Peter Grönlund, Tenor; Cornelius Hauptmann, Baß; Kammerchor Stuttgart; Deutsche Kammerphilharmonie Bremen; Ltg.: Frieder Bernius
    Berlin Classics 1995


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    Original von Wulf
    Einen hab' ich auch noch. Die Werke haben zwar vermutlich auch rein gar nichts mit Schach zu tun, sollte aber klar sein, warum ich das poste: [...]


    Vielleicht bedeuten Beiträge wie dieser, daß nun alle Kompositionen genannt sind, die irgendwie, wenn auch nur entfernt, mit Schach zu tun haben? Ich bin jedenfalls ganz erstaunt und hocherfreut über die vielen Beispiele, mit denen ich gar nicht gerechnet hatte: Lehrreich das!


    Dabei frage ich mich, warum fast alle Schachmusiken aus dem 20. Jahrhundert zu stammen scheinen. Schach gibt es ja schon viele Jahrhunderte und es war früher gerade beim Adel und an Höfen recht beliebt, also gerade dort, wo z. B. Ballett und Oper gepflegt wurde. Deshalb: Gibt es denn keine Barockopern oder andere höfische Festmusiken, die Schach zum Thema haben? (Ob Händels Lotario, von gruppetto genannt, hier wirklich hineinpaßt, ist mir nicht klar.)


    Was die Literatur angeht, da fallen mir aus dem 18. Jahrhundert immerhin Lessings Nathan der Weise und Goethes Götz von Berlichingen ein: In beiden Stücken wird auch Schach gespielt. Aber leider ohne Musik.