Beiträge von Walter Heggendorn

    Zitat


    oooch, das kann dann aber auch der Cellist sein. :D :stumm: :untertauch:



    das sollten alle machen, und meistens ist es auch so, zum Glück..... :yes:


    Lieber Michael,


    natürlich hast Du recht: Wer nicht hören will, muss (Intonations-Teufel) fühlen...:D


    Kammermusik ist per se eine Schule des Hörens. Als Solist kann man es ab und zu mal einfach rauschen lassen (solange man die Technik im Griff hat), in der Kammermusik ist das nicht im gleichen Mass möglich, ausser man hat so phänomenale Mentalitätsübereinstimmungen wie etwa die „Hagens“: die "rauschen" dann halt synchron!


    Es geht ja in diesem Thread in erster Linie darum, der zweiten Geige Gehör zu verschaffen und ihre Rolle und Bedeutung wertzuschätzen. Deshalb meine Hörpflicht-Fokussierung auf die 2. Geige.


    Mit liebem Gruss von Bern nach Laer


    Walter

    Lieber Schmello.


    na klar, der Enthusiasmus ist nicht sterblich und ohne Alter! („ en theos“ = im „Göttlichen“ verbleiben wir allemal, ob wir wollen, oder nicht. Und wenn etwas „göttlich“ genannt werden darf, dann ist es wohl die holde Frau Musica!).


    Du hast recht: Echte Führung ist Vermittlung.
    Die zweite Geige ist das vermittelnde Scharnier zwischen den Fronten. Die erste Geige kann munter drauflosfiedeln (na ja, auch nicht so ganz...), aber die zweite muss wirklich hören, hören, nichts als hören.
    Wer zuhören kann, hat die Übersicht, wer die Übersicht hat, hat die echte Macht.


    Mit liebem Gruss aus Bern,


    Walter

    Zitat

    Original von schmello
    der Dick Cheney des Streichquartetts (also jemand andern den ersten sein lassen, aber die Macht doch bei sich wissen)


    DER ist gut! :D, an sich..., eigentlich...., auch wenn ich der zweiten Geige die Gleichsetzung mit DIESEM Namen nun wirklich nicht zumuten will...!



    Hallo Schmello,


    zuerst einmal ein herzliches „Willkommen!“ auf unserem Forum!
    Das ist hoch erfreulich, wenn sich ein noch enthusiasmierter junger Musiker uns "alten", doch schon etwas resigniert-abgebrühten Musi-freaks widmet!


    Aber zurück zum Quartett:
    Nur wer eigentlich ein erster Geiger ist, kann ein guter zweiter Geiger sein! (-innen mitgemeint!)

    Aus der Laienperspektive mag die quartettmässige Geigenhierarchie etwas kompliziert sein: Man könnte sich vorstellen, dass sich die zweite Geige wegen dem (vermeintlich) elitären Gehabe der „Ersten“ als „Bratsche“ der Geigen fühlt... :D


    Das ist natürlich Unsinn: „Die Ersten" werden bekanntlich „die Letzten“ sein!
    Kein Quartett wird auf Dauer Bestand haben, wo die erste Geige die zweite als „Zweite“ behandelt!
    Jede Stimme ist einzigartig und unersetzlich:
    Es gibt keine ersten Geiger, es gibt einfach vier „erste“ Quartettmitglieder.
    Das Streichquartett müsste eigentlich Inbegriff und Quintessenz von „Demokratie“ sein.


    Dir, werter Schmello, wünsche ich gute erste Erfahrungen auf dem Parkett der musikalischen Demokratie.


    Mit liebem Gruss aus Bern


    Walter

    Lieber Davidoff,


    dies ist in der Tat eine ganz tolle Scheibe! Insbesondere die Lieder von Zieritz waren mir eine lohnende Entdeckung: Musikalische Haikus à la Schönberg, mild und zart: Eine hervorragende Musik!
    Die Anschaffung dieser CD möchte ebenfalls wärmstens empfehlen, mit bestem Gruss aus Bern, der


    Walter

    Zitat

    Original von Johannes Roehl
    Es geht wohl auch nicht darum, daß Brucker selbst Musik als Ersatzreligion sah.


    Das sehe ich gleich wie Du, lieber Johannes: Auch wenn ich letztlich natürlich nicht wissen kann, in welchen Kategorien der grosse Anton aus St. Florian empfunden haben mochte, gehe ich davon aus, dass Bruckner keine Ersatzreligion brauchte und suchte! Für ihn war das katholische Christentum die einzig gültige und ausreichende religio zum Schöpfer. Die Musik wird ihm also wohl kein Ersatz gewesen sein für die Angebote aus der christliche Tradition.


    Wohl aber gehe ich davon aus, dass Bruckner seine musikalische Gabe als ein Gottesgeschenk empfand, als „Talent“, mit dem es zu wuchern galt.

    Die aus seiner Gottesgabe emergierenden Kompositionen empfand er allenfalls als „Gebete“, als „Opfergaben“, oder vielleicht – in letzer Zuspitzung – als communio mit dem Göttlichen.
    Ein solcher Ansatz hat aber noch nicht die Qualität einer Ersatzreligion.


    Es kann sein – und ich möchte es hoffen - dass auch Bruckner (trotz seiner vermeintlichen Naivität) die menschliche Beschränktheit jeglicher Religion schmerzlich zur Kenntnis nahm, und aus dieser Konsequenz nach einer musikalisch geprägten Methode der Gotteserkenntnis suchte. Aber auch dieser „musikalische“ Gott blieb für ihn selbstverständlich der christliche Gott.


    Dass das Mysterium der „Klangwerdung der Zeit“ zu metaphysischen Spekulationen verleiten kann, wirst auch Du, lieber Johannes, wohl nicht abstreiten wollen. Dass man aus den spekulativen Ergebnissen einen „Gott-Fetisch“ bastelt, möchte auch ich zurückweisen, und ich gehe nicht davon aus, dass Bruckner solchermassen empfunden hat.


    Ein Anderes ist die Beobachtung, dass das Hören von Bruckners Musik offenbar spirituelle Gefühle auslösen kann. Mag sein, dass die erste Ursache dafür der Umstand ist, dass seine Musik oft in kirchlichem Umfeld erklingt und eine zweite Ursache in der Tatsache zu suchen ist, dass eben im Zusammenhang mit Bruckners Werk immer wieder von Religion gesprochen wird: Das heisst: Die Rezeptions- und Wirkungsgeschichte begünstigt eine Nähe von Bruckners Musik zu Topoi der (christlichen) Religion.


    Dessenungeachtet wage ich mal die unwissenschaftliche These, dass die Musik von Bruckner (gerade auch wegen ihrer Wirkungsgeschichte) eine Aura eröffnen kann, die den Hörer/die Hörerin in Bruckners eigenen intimen Dialog mit dem Göttlichen sog-artig einbezieht, und somit uns Brucknerbegeisterte gleichsam stellvertretend „tauft“ mit der Kraft seines Glaubens.


    Ich persönlich empfinde in der Musik von Bruckner (trotz ihrer Abgründe und Ausbrüche) eine zutiefst positive, lebensspendende Energie. In Zeiten eigener Bedürftigkeit, in denen ich mir (naiverweise) ein positiver Gottesbild wünsche, kann mir Bruckner tatsächlich für gewisse Momente zu einer Art Ersatzreligion werden. (Wobei ich ehrlicherweise zugebe, dass ich überhaupt nur "Ersatzreligionen" pflege: Denn die wirkliche religio ist bar aller Worte und Beispiele, sie ist weder tröstlich noch ängstigend, sie IST einfach....niemand kann sie "vollziehen", allen ist sie geschenkt!)


    Das sind einfach halt so österliche Gedanken vom Berner


    Walter

    Na dann wollen wir doch mal:


    Ob Felix Weingartner den gesuchten Künstler, der ursprünglich eigentlich Musiker werden wollte, und zum Geigen-Studium nach London reiste, wohl gekannt hat?


    Geboren wurde er im sonnigen Weingarten (Lac Léman) der Schweiz.


    An dieser Stelle einmal ein Kompliment an die Verantwortlichen der cpo, welche meistens sehr passende Cover-Abbildungen finden!


    Mit freundlichem Gruss aus Bern,
    Walter

    Liebes heiliges Wässerchen,


    Du lancierst einen sehr interssanten Faden!

    Das Quartett, welche mir am nächsten steht, (weil ein Mitglied davon der Lehrer meines Sohnes ist) das Aria-Quartett aus Bern, pflegt die Usanz, den Geigenpart abzuwechseln, ohne dass dabei der Charakter des Gesamtklangs wesentlich verändert wird. (Adelina Oprean/Thomas Füri (Violinen) Ettore Causa, (Viola) Conradin Brotbek, Cello)

    Sie tun dies nicht nur von Konzert zu Konzert, sondern innerhalb eines Konzertes von Werk zu Werk. Ich finde diese Gepflogenheit sehr sympathisch und in diesem Fall absolut überzeugend.



    Eine weitere Beobachtung in dieser Sache betrifft das leider aufgelöste „Berner Streichquartett“:

    Es erfreute sich einer hervorragenden 2. Geige (Christine Ragaz), die in ihrer absolut sicheren Intonation die brillante Schärfe der ersten Geige (Alexander van Wijnkoop), die Extravaganz der Bratsche (Henrik Crafoord) und die Coolness des Cellos (Angela Schwartz) idealerweise zu amalgamieren verstand.

    Die zweite Geige ist das Rückgrat eines Streichquartetts!


    Das Resultat führe man sich anhand folgender, preisgekrönter Aufnahme zu Gemüte:




    Mit freundlichem Gruss aus Bern


    Walter


    Lieber Amfortas08,


    (wie vielleicht auch schon Caesar) finde ich solche pauschalen Statements nichtssagend und ärgerlich. Wo soll ich entgegenhalten: Nicht bei Strauss, aber bei Hindemith: Wer "Mathis" und "Harmonie der Welt" als "armselig" betitelt, erntet mein Unverständnis, von Bruckner 0-6 ganz zu schweigen. Bitte verrate mir, lieber Amfortas08, wo Du mit diesem exotischen Statement hinaus willst? Es ist so unkonstruktiv!


    Dennoch mit freundlichem Gruss aus Bern


    Walter

    Meine Lieben,


    in der Tat darf man das Werk der Wirkenden nicht loslösen von ihrem, durch dieses, protègierten Umfeld!
    Zu recht legt sich der Dunst des Diabolischen über die Exegesen der Elly Ney.


    Die vertiefte Beschäftigung mit der Protagonistin, lässt mich einmal mehr über den Umstand erschaudern, dass ich mich (in Ignoranz ihrer desaströsen Wirkungsgeschichte) zu einer gewissen Anerkennung ihrer beethovenschen Gestaltungskraft hinreissen liess.


    Wie dem auch sei: Wir haben die Wahl: Wir schicken Elly Ney in den Orkus
    (ungeachtet: ... „ werfe den ersten Stein“....), oder wir entscheiden uns, unter Ignorierung des nazistischen Vorzeichens, nur ihre musikalischen Leistungen zu beurteilen.


    Letzteres aber scheint mir angesichts der Beweislage schwerlich möglich, denn: Jede Interpretation ist eine bewusste Infiltration des geistigen Empfindungsspektrums der Interpretin/des Interpreten hinein in das Programm der Partitur.


    Wenn jemand menschenverachtendes Gedankengut in die Exegese einer Partitur einfliessen lässt, muss sie/er geächtet werden.


    Ob Elly Ney dieser Sachverhalt zu Lasten gelegt werden kann, entzieht sich letztlich meiner Beurteilung aus Distanz. Wenn ja, ist sie totzuschweigen!


    Mit freundlichem Gruss aus Bern,


    Walter

    Richtig, liebe Queen, zum Glück! Es ist ja auch eine 100%XX gleichen Namens, welche das tolle Magnificat schmettert: und das möge sie bitte auch im monasterium alfredini weiterhin tun! Das ist Labsal für uns ausgetrocknete Zwinglianer....

    Dir auch eine gute Nacht.


    Walter

    Zugegeben, ich hatte schon immer eine gewisse Affinität zum Klösterlichen, wenn mich bisher auch die unerträgliche Vakanz des Weiblichen nachhaltig und vehementiter vor der Klausur abhielt.


    Dass ich jetzt aber dennoch nolens volens im Kloster St. Tamin gelandet bin, rührt mich zu Tränen.


    Pater Quattro sei Dank
    und meine Lobhudeligkeiten und Verbeugungen seien ihm gewiss bis in alle in Ewigkeit für seine exquisite regula tamini!


    Was zum grossen Glück allerdings noch fehlt ist der Jause-Choral: "Magnificat anima mea cerevisium nostrum cottidianum",
    auf dass sich dem ketzerischen Protestanten aus den fernen barbarischen Bankenlanden endlich der Hlg. Dvorak offenbaren möge...( :hello:Waldi)


    Walther von der Bärenwiesn


    Lieber Michael,


    auch ich verneige mich gerne vor Deinen mutigen und ehrlichen und richtigen Worten. Das ist ein brillianter Beitrag, ein Paradebeispiel dafür, weswegen ich Deine Mitwirkung so schätze auf dem Forum. Ich danke Dir.


    Je mehr ich über Elly Ney hier lese, umso peinlicher wird mir der Umstand, dass ich in einem unkritischen, naiv-ahnungslosen Zustand mich hinreissen liess, die gehörten Ausschnitte aus ihrer Beethoven-Exegese mit „spannend“ zu bezeichnen. Nun ja, so war halt mein spontaner Eindruck, und zu dem stehe ich auch.


    (Wobei es ja wirklich fast unverzeihlich ist, anhand von Schnipseln und nicht nach Begutachtung der vollständigen Aufnahmen eine Stellungnahme abzugeben).


    Nach dem intensiven Studium dieses Threads ist mir aber ehrlich die Lust vergangen, mir die Aufnahme ganz anzuhören oder gar anzuschaffen, auch wenn die Hörschnipsel – ich gebe es zu – (und das ist mir nicht peinlich) mein Interesse an ihrem Spiel geweckt haben.


    Aber eben: Um genau diese Dichotomie (Musik vs Person) geht es ja in diesem Faden.


    Mit freundlichem Gruss aus Bern


    Walter

    Lieber Thomas,


    danke für den informativen Bericht. Ich gestehe, dass ich den ganzen Thread erst vollständig gelesen habe, nachdem ich relativ unvoreingenommen (und etwas naiv) mir die jpc-Schnipsel der angezeigten Beethoven-Scheibe zu Gemüte geführt hatte und damals durchaus angetan war vom sehr individualistischen Spiel der Pianistin.


    Und es ist halt schon interessant zu beobachten, wie mir das neu erworbene Wissen um die Gefährdungen der spielenden Person das vergangene Hörerlebnis eintrübt... irgendwie zu recht. Schade, aber unausweichlich.


    Mit nächtlichem Gruss aus Bern



    Walter


    Alfred Schmidt schreibt: "An manchen Stellen - ich habe die CD noch nicht - spielt sie wie eine Besessene - vieles ist anders als gewohnt."


    Ich möchte diesen Eindruck bestätigen. Ohne die Pianistin bisher je gehört zu haben, muss ich gestehen, dass mir die jpc-Schnipsel grosse Lust machen, die CD zu erwerben: ich höre (abgesehen von zeitbedingt etwas unorganischen Temposchwankungen) grossartiges, sehr subjektives Klavierspiel. Spannend!



    Es grüsst herzlich aus Bern


    Walter

    Meine Lieben,


    ich kann mich heute an der Diskussion leider nicht beteiligen: meine angeschlagene Gesundheit fordert wieder einmal ihren Tribut. Aber ich danke für die Stellungnahmen.


    Drei Anmerkungen seien mir erlaubt:
    Erstens zu meinem Stil: Ich pflege meine (durchaus ernsthaft gemeinten) Beiträge manchmal etwas ironisch-satirisch zu überzeichnen.
    Dies dient meiner Schreibfreude und hoffentlich der Leselust.
    Ich bin weit davon entfernt, provozieren zu wollen.


    Zweitens zu Dvorak: Ich bekenne mich selbstverständlich zur Bedeutung des böhmischen Meisters, aber sein Feuer entzündet mich persönlich leider eher selten
    (auch nicht mit Gerstensaft...).
    Interessanterweise irritieren mich die volkstonlichen Anklänge in der Musik der österreichisch-ungarischen Nachbarkultur überhaupt nicht:
    Ich bin wohl eher ein Csardas- als ein Polka-Typ :D.



    Und: last but not least: „Vivat, Blacky, the prophet!“ :D:hello:


    Mit freundlichem Gruss aus Bern


    Walter

    Zitat

    Original von Reinhard
    (Du müßtest ja dann wohl die slawischen Tänze besonders hassen... )


    Lieber Reinhard,


    auch wenn Du es ganz klein gedruckt hast (ach, das verflixte Kleingedruckte...):
    Hassen tu` ich überhaupt nichts in der Musik!
    Hassen tu`ich überhaupt grundsätzlich nicht...jedenfalls gebe ich mir alle Mühe!
    ...auch wenn ich mir die Slavischen Tänze tatsächlich nur selten antue... :D.


    Dvorak bereitet mir einfach nicht nur Wohlsein, das ist eigentlich alles.


    Dir auch eine gute Nacht


    Walter

    Zitat

    Original von rappy
    Jeder erfolgreiche Satz von Dvorak besitzt mindestens einen Ohrwurm


    Ich glaube, Du hast recht, wobei diesem "Ohrwurm" fast immer etwas Liedhaftes eignet.
    Ich empfinde die Musik Dvoraks sehr vom Lied, vom Gesanglichen her entworfen.
    Da ich persönlich dem Lied nicht so zugetan bin, mögen meine Schwierigkeiten wohl daher rühren.
    Mal so eine Vermutung.


    Gute Nacht wünscht


    Walter

    Lieber Reinhard


    Du hast recht. Ich gehe davon aus, dass "grins-be-smilte" Aussagen der Lesesüffigkeit dienen sollen und nicht der weiteren Vertiefung bedürfen. Ich frage nicht nach den Volksgeschmack. Ich frage nach den Parametern, die den Eindruck des Böhmisch-mährischen generieren, welcher mir Mühe bereitet.


    Walter

    Zitat

    Original von Reinhard Ja, das unterschreibe ich sofort. Aber das ist ja hier nicht das Thema...


    Na ja, lieber Reinhard, es ist immerhin insofern für das Thema relevant, als ich festzustellen geneigt bin, dass das Publikum mit Sicherheit vom böhmischen Gesamtschinken lieber die fetten Dvorak-Scheiben vorgesetzt bekommen will, als den harten Suk-Knochen...:D.


    Das ist a priori nicht zu verurteilen, aber Dvorak ist nun mal massentaugliche Musik, und das meine ich jetzt bitte ohne Abwertung, und das ist nicht der Grund, weshalb ich mich weniger zu Dvorak hingezogen fühle.
    Viel Dvorak im Konzertsaal bedeutet weniger Fibich, Novak und Suk. (Aber das ist ein Gemeinplatz, denn viel Bach in der Kirche bedeutet ebenfalls weniger Krebs u.co. und so weiter.)


    Mich interessieren die Gründe für Dvoraks (erfreuliche) Massentauglichkeit. Es hat etwas mit der Volkston-Nähe zu tun.


    Walter grüsst aus Bern

    Zitat

    Original von Reinhard
    Ja, er ist in einigen Frühwerken ein Wagner-Epigone, und ja, er hat auch schon mal Schwierigkeiten, seinen überbordenden Einfallsreichtum im Zaum zu halten.


    Erstaunlicherweise, lieber Reinhard, gefällt mir ausgerechnet der Wagner-inspirierte langsame Satz aus der Vierten ganz ungemein: Schmacht: Das ist mein Dvorak-Highlight!
    Aber leider ist er "von Wagner abgefallen" :D und dem Volkston verfallen (Achtung: Polemik, genauso wie das "Humptärätä" :D).


    Was die etwas jüngeren böhmischen Brüder betrifft, hast Du natürlich recht mit der Unmöglichkeit numerischer Verteilung. Aber im Konzertsaal hörst Du mit Sicherheit eher eine Dvorak-Sinfonie als eine von Fibich, ganz zu schweigen von Suks "Asrael" oder seinem "Ripening": und das sind mE zwei Jahrhundertwerke tschechischen Schaffens, die jedem "Dvorak" ebenbürtig sind.


    Es grüsst Dich aus Bern der Walter

    Zitat

    Original von rappy
    Die selten zu findene völlige Ablehnung Dvoraks


    Lieber Rappy,


    bitte lies meine Statements genau: Ich gehe nicht davon aus, dass aus meinen Worten eine "völlige Ablehnung" Dvoraks zu lesen ist. Mitnichten!
    Ich bringe in zugegebenermassen etwas burschikosen Worten mein Ringen um das Dvorak-Idiom zum Ausdruck. Wenn nötig, werde ich zu gegebener Zeit durchaus in der Lage sein, Dir meine Kenntnis des Werkes von Dvorak zu demonstrieren:D


    Walter

    Zitat

    Original von Johannes Roehl
    Durch den gewissen Volkston sind die Werke oft recht eingängig, allerdings meist unprätentiös und weniger kitschgefährdet als einiges von z.B. Tschaikowsky. Dabei bleibt aber meistens alles recht übersichtlich und wird nicht allzu exotisch usw.


    Du hast recht, lieber Johannes, die Siebente hat ihre Meriten, weil der Volkston darin etwas zurückgedrängt ist.
    Kann mir jemand erklären, was diesen Volkston ausmacht, den ich bei Dvorak nicht so schätze?
    Ich wills ja nicht a tout prix kompliziert und unverständlich, aber manchmal ist mir der Dvorak-Ton tatsächlich zu "einfältig" (ich meine das nicht abwertend, im Sinne von "doof", sondern zu "eindimensional" irgendwie, ach ich weiss doch nicht...)


    Walter

    Lieber Wulf,


    Danke für Deine Replik. Ich gestehe, dass ich das Requiem tatsächlich noch nicht kenne.
    (ich bin grundsätzlich kein Freund geistlicher Musik!)


    Aber das G-Dur Quartett op.106 habe ich mir gerade heute angehört: In einer fulminanten Interpretation mit dem Artemis Quartett:



    Ach, das ist doch tolle Musik, ohne Zweifel (so bescheuert bin ich nicht, dass ich dies nicht realisiere). Aber dennoch gibt es gerade etwa im zweiten Satz eine Bordun-Monotonie, Trauer andeutend, die ich einfach schlecht ertrage... Ich weiss doch nicht weshalb! Och, ich leide durchaus an diesem Umstand!


    Das Quartett "atmet den Duft der böhmischen Felder" meint ein gewisser Sourek (Dvorak komponierte es kurz nach seiner Rückkehr aus den Vereinigten Staaten). Ich habe diesen Duft bisher nicht in mein Parfümsortiment aufgenommen.


    Das Klavierkonzert ist mir sehr wohl bekannt (in den Exegesen mit Richter/Kleiber sowie Schiff/Dohnanyi). Aber das spröde Werk reizt mich nicht zu Begeisterungsausbrüchen.
    (By the way: spielt Schiff in der genannten Aufnahme auf Bösendorfer? Weiss das Jemand? Eigenartiger Klavierklang, den ich eben auch nicht so liebe, wissen die Böhmen, weshalb...)


    Lieber Gruss aus Bern


    Walter

    Ach Blackadder, wenn Du wüsstest, wie gruuusig die "Ovo" schmeckt, jedenfalls mir....


    Ich hüte mich, Dvorak abzuwerten, das sollte aus meinem Statement hervorgegangen sein.
    Ich habe einfach meine Mühe mit dem gewissen "Böhmakeln" in seiner Musik.
    Mag sein, dass die Schschweiz halt etwas gar sehr im (wilden) Westen liegt...


    Sei gegrüsst aus Bern


    Walter

    Liebe ForianerInnen,


    in Anlehnung an den Buchtitel von Francoise Sagan „Aimez vous Brahms?“, formuliere ich eine Thread-Frage, die ich leider beantworten muss mit dem Ausruf:
    „Je regrette: Non!“


    Johannes Brahms war sich nicht zu schade, über Dvorak Folgendes verlauten zu lassen:
    «Der Kerl hat mehr Ideen als wir alle. Aus seinen Abfällen könnte sich jeder andere die Hauptthemen zusammenklauben.»


    Ich persönlich muss aber gestehen, dass ich recht wenig anfangen kann mit dem böhmischen Kolorit und dem mährischen Idiom in den Werken des trefflichen Musikanten aus Prag.
    (Aber ich achte selbstverständlich jede(n), der/die sich in diesem Thread verlauten lässt: Was mich an Antonín Dvorák fasziniert....)


    Mit wenigen Ausnahmen, so etwa dem langsamen Satz aus seiner vierten Sinfonie, (na ja: das Cellokonzert h-moll ist auch nicht übel...) klingt vieles von Dvorak für meine Ohren einfach wie, hmmm...„gehobene Folklore“: Da gibt es massenweise kunstvoll aufgemotzte „Polka-Seligkeiten“, haufenweise artifiziell gestylte „Furaintismen“ und akademisch-elaborierte „Dumkysmen“ und, nicht zuletzt, Myriaden von tränendrüsenstrapazierenden „Rusalkigkeiten“...


    Man nehme bitte meine Wortwahl nicht allzu ernst, ebenso nicht meine bewusst eingesetzte Polemik, denn ich bin mir sehr wohl im Klaren, dass Dvorak einer der wenigen allgemeinverständlichen Säulenheiligen der klassischen Musik darstellt, und es liegt mir ehrlich fern, ihn von seinem hoch verdienten Sockel herunterzuholen (ist doch etwa sein Klaviertrio op. 21 ganz grosse Kunst, oder auch sein Klavierquintett, oder sein Violinkonzert, oder seine Mittagshexe, seine Waldtaube und, und, und...).
    Aber ich erlaube mir dennoch - insbesondere behufs forianischer Anregung - die unverschämte Frage in die Runde zu werfen, ob Dvorak nicht doch etwas gar zu exklusiv bewertet wird (das heisst explizit: zu Ungunsten eines Suk, Novak, Fibich, Foerster), und die tendenziöse Rede vom böhmisch-mährischen, naiv-folkloristischen Erzmusikanten nicht halt doch eine gewisse Berechtigung hat... (was ich keineswegs abwertend, sondern einordnend, verstanden haben will!).


    Aber zugegeben: ich persönlich habe so meine Mühe mit dem „Humptärätä“-Anton aus Praha, (ganz im Gegensatz zum “Agnus dei“-Anton aus St.Flo).


    Es grüsst freundlich aus Bern


    Walter

    Lieber Rolo,


    da ich Deinen Musikgeschmack sehr schätze und ich die Akribie bewundere, mit der Du Dein Hörverhalten dokumentierst, würden mich ein paar Sätze zu Deinem Höreindruck im Schmidt-Kowalski-Thread natürlich freuen.
    Aber empfinde jetzt bitte keinen Druck in dieser Richtung, denn es ist schon erfreulich genug, dass sich jemand aufgrund meines Engagements zum Hören dieser etwas exotischen Musik entschliesst.


    Mit liebem Gruss aus Bern


    Walter