Beiträge von Fiordiligi

    Liebe Severina,
    ich kann Deine Bedenken alle verstehen, aber soooo schlimm fand ich den Film letztendlich nicht, vor allem weil ich Schlimmeres erwartet hatte, nach den Kritiken im Vorfeld. Es gab auch 2 Dokumentarfilme zum Dreh von ORF und ZDF. Dort wurde das Regiekonzept erläutert und man bekam Aufschluss über manche Szenen, die hier, zu recht wie ich meine, kritisiert wurden. Zum Beispiel war es Anna's Idee mit dem offenen Kleid: Dornhelm meinte, dass Anna ihre Schwangeren-Brüste so toll fand, dass sie sie unbedingt zeigen wollte. Sie meinte, wenn sie am Anfang wie das blühende Leben aussehen würde, dann wäre der Kontrast zum Ende umso stärker. Ja, wenn das make-up nicht so schlecht gewesen wäre und sie nicht so prall! Im lezten Akt war sie so übertrieben blass geschminkt, dass es fast komisch wirkte im Kontrast mit ihrer doch etwas fülligen Figur. Und ja, ich habe mich auch gefragt, wenn sie so friert, warum tun sie ihr dann die Decke nur auf die Füße? ?(
    Weiterhin war es wieder Anna's Idee, vor dem Cafe Momus noch ein Schäferstündchen mit Rodolfo in ihrer Wohnung zu halten. Sie war auch der Meinung, Mimi würde es darauf anlegen, sich einen von den lustigen Gesellen in der Nachbarswohnung zu angeln und kommt unter dem Vorwand, ihr Licht sei ausgegangen, ja sie lässt die Schlüssel sogar mit Absicht fallen. Für mich zerstört das all die Voraussetzungen für das weitere Drama, aber dieser Film ist halt ein "Denkmal" für die Netrebko, an dem sie auch kräftig mitgearbeitet hat. X( und Dornhelm sie begeistert hat gewähren lassen. Um bei ihr zu bleiben, ich fand sie schauspielerisch gut, aber manchmal unglaubwürdig. Gesanglich bin ich eh kein Fan von ihr, es gibt so viele, die das interpretativ besser und einfühlsamer können als sie.


    Adrian Eröd's Spiel hat mir ausnehmend gut gefallen und fand es schade, dass er nicht auch gesungen hat. Nicole Cabell fand ich sängerisch und schauspielerisch sehr gut.


    Nun bleibt noch Villazon... Obwohl ich ein großer Fan von ihm bin, muß ich gestehen, dass ich sein Spiel auch oft übertrieben fand. Seine sonst so gerühmte Chemie mit der Netrebko war kaum zu spüren. Es halten sich hartnäckig die Gerüchte, dass die zwei etwas miteinander hatten und dass Villazon's crash vor einem Jahr auch damit zu tun hatte. Dornhelm selber verrät, dass es schwer für Rolando war, am ersten Drehtag zu erfahren, dass Netrebko "von einem anderen Sänger geschwängert wurde" und jetzt mit ihr eine Liebesgeschichte spielen musste. Ich will mich auf keine Spekulationen einlassen, aber wenn da etwas Wahres dran ist, dann lässt sich manches leicht erklären. Villazon ist immer übertrieben, wenn er die Rolle nicht richtig mitfühlen kann, so wie auch beim Romeo in Salzburg, zum Beispiel. Was mich noch arg gestört hat war, dass er wie ein Penner ausgesehen hat, unrasiert und mit verfilztem Haar. So "gestylt" musste ich mich ständig fragen, wass denn diese fesche Mimi an ihm wohl sieht (wahrscheinlich die inneren Werte ;)). OK, wenn alle der 4 Freunde so verlottert ausgesehen hätten, aber nur er wirkte so ungepflegt und das in allen Szenen gleich. X(


    Die Regie ist sehr Zefirelli-like, mit viel Liebe zum Detail, da mag man drauf stehen oder nicht, Sicher wirkt vieles künstlich, aber Dornhelm wollte es so (seinen eigenen Aussagen zufolge), weil Oper eine künstliche Gattung sei und er müsse das auch im Film beibehalten. Am gelungensten fand ich den dritten Akt, trotz des vielen Kunstschnees. Das Ende davon war die einzige Stelle, wo ich irgendwie gerührt war. Die Sterbeszene hat mich kalt gelassen, ich konnte Netrebko einfach nicht die sterbende Mimi abnehmen. Villazon war hier rührend, aber zu dieser Szene gehören immer zwei. Ich mußte lachen, als zum Ende des Films im Saal sich manche die Nase schnäuzten.


    Das gesagt, wünsche ich Dir mehr Vergnügen mit der La Boheme in der Staatsoper Wien. Ich habe Villazon im Oktober im Onegin erlebt und da war er in sehr guter stimmlicher Verfassung. Er scheint auch aktuell als Hoffmann in London gleichermaßen Kritiker und Zuschauer zu begeistern.

    Ich war in der Onegin-Aufführung vom 19. Oktober und muß Rosenkavalier leider recht geben. Zwar war das, was auf der Bühne geschah, irgendwie faszinierend anzusehen, aber die Musik und das Drama wurden durch diese Pantomime im Zeitlupentempo ziemlich in den Hintergrung gedrängt. Die Idee der Inszenierung war, dass alle Menschen in vorbestimmten Bahnen ihr Leben abwickeln, in immer wieder kehrenden Zyklen, deshalb auch eine Choreografie, die sich 4 oder 5 mal auf der Bühne wiederholt. Die schwarz-weißen Gewänder habe ich als das nach aussen gekehrte Bild des Inneren des Menschen gedeutet, weiß steht für mich für die Konventionen und die Zwänge, die uns von der Gesellschaft auferlegt werden und schwarz für die Seele und deren Empfindungen. Alle sind in fleckigen schwarz-weißen Gewänder gekleidet, ausser Tatiana, die ganz schwarz erscheint, als Zeichen, dass sie ganz der Liebe geöffnet ist und dass die gesellschaftlichen Regeln für sie nur zweitrangig sind. Onegin ist ganz in weiß, als blasierter Frauenschwarm, dessen Seele keine Liebesregungen mehr kennt. In jedem Zyklus reicht Lenski (warum er?!?) Tatiana immer wieder einen weißen Brautschleier, den sie jedes mal abstreift und wegwirft. Im letzten Akt erscheint auch Onegin ganz in schwarz, er wird sich seiner Liebe für Tatiana bewusst. In dem Moment, in dem Tatiana ihn andgültig abweist und sich für Gremin entscheidet, hat ihr Kleid plötzlich die weiße Farbe und der verhasste weiße Schleier bleibt auf ihrem Haupt und verbirgt ihr trauriges Gesicht. Ich weiß nicht, ob meine "Erkenntnis" wirklich der Absicht des Regisseurs entspricht, aber er soll gesagt haben, dass er es dem Zuschauer überlässt, seine Choreografie zu deuten. Villazon jedenfalls soll gesagt haben, dass er nicht so recht verstehe, was er da macht, aber dass er sich als ein Teil einer großen Skulptur betrachtet.


    Gesanglich hat mich Roman Trekel am wenigsten beeindruckt. Anscheinend war er gerade von einer Erkältung genesen, damit wäre seine nicht so tolle Gesangsleistung zu erklären. Aber auch sonst war er sehr farblos.
    Tatiana hat schön gesungen, aber sie hat sicher auch unter der Regie gelitten, es schien mir wirklich schwer, sich gleichzeitig auf den Bewegungsablauf zu konzentrieren und auch nuanciert zu singen. Ihr Vortrag in der Briefszene war mir zu eintönig und insgesamt etwas zu laut gesungen.
    Lieider hat in dieser Aufführung nicht Rene Pape gesungen, sondern Christoph Fischesser, der aber auch nicht schlecht war.
    Stimmlich positiv zu erwähnen sind die Amme, die Mutter und Olga, alles sehr russisch klingende Stimmen.
    Gesanglich eher ein Latino, schien Villazon überhaupt keine Probleme mit der Regie zu haben. Er hatte die schwerste Choreografie, weil er sich dauernd in die Knie lassen mußte (im Zeitlupentempo!) und vorne an der Bühne angekommen, sich sogar hinlegen und räkeln mußte. Dabei sang er mit der Konzentration, als ob er in einem Aufnahmestudio für eine CD gesungen hätte und nicht indem er in den unmöglichsten Stellungen verharren musste. Er schien zum Schluss auch den meisten Spaß daran gehabt zu haben, obwohl er bis zum Ende der Oper auf der Bühne sein mußte, sogar als Leiche mußte er weiter wandeln. Gremin und Tatiana hatten Doubles, die auf der Bühne waren, während sie nicht zu singen hatten. In der vorletzten Vorstellung war es dann für Villazon wieder so weit, eine Atemwegsinfektion hat ihn singunfähig gemacht. Es wurde ein russischer Tenor geholt, der vom Rand sang, währen Villazon spielte, trotz Behandlung mit Antibiotika. Ich muß sagen, dass ich über seine sehr gute stimmliche Verfassung überrascht war, nachdem er bei seinem Salzburger Romeo nicht immer ganz souverän geklungen hatte. Vielleicht ist die Partie des Lenski kürzer und leichter, aber seine Stimme klang sehr sauber, völlig unangestrengt, es gelangen ihm alle Feinheiten und die hohen Töne waren strahlend und bombensicher. Klar war er der Star des Abends, zumal sicher viele seinetwegen gekommen waren, trotz der völlig ungewöhnlichen Regie.


    Barenboim hat toll dirigiert und der Musik eindrucksvolle Akzente gegeben. Er hat so zu sagen eine tolle Background-Musik für ein Pantomime-Balett gemacht, in dem zufällig hinter den grotesken Masken auch Stimmen zu hören waren. Man hat immer wieder Buh-Rufe gehört, so auch als Barenboim nach der Pause zurückkam. Da drehte er sich zum Publikum um und sagte "Liebes Publikum, ich kann ihnen versprechen, es wird nicht besser!"

    1. Oberto, Conte di Bonifacio------Punkte: 0
    2. Un giorno di regno---------------- Punkte: 0
    3. Nabucco------------------------------ Punkte: 9
    4. I Lombardi alla prima crociata--- Punkte: 8
    5. Ernani-----------------------------------Punkte: 10
    6. I due Foscari--------------------------Punkte: 6
    7. Giovanna d'Arco---------------------Punkte: 8
    8. Alzira------------------------------------Punkte: 0
    9. Attila------------------------------------Punkte: 10
    10. Macbeth-----------------------------Punkte: 10
    11. I masnadieri-------------------------Punkte: 0
    12. Il corsaro-----------------------------Punkte: 0
    13. La battaglia di Legnano----------Punkte: 0
    14. Luisa Miller---------------------------Punkte: 8
    15. Stiffelio-------------------------------Punkte: 7
    16. Rigoletto-----------------------------Punkte: 10
    17. Il Trovatore-------------------------Punkte: 10
    18. La Traviata--------------------------Punkte: 10
    19. I vespri siciliani----------------------Punkte: 9
    20. Simon Boccanegra----------------Punkte: 9
    21. Un ballo in maschera-------------Punkte: 10
    22. La forza del destino-------------- Punkte: 10
    23. Don Carlo----------------------------Punkte: 10
    24. Aida-----------------------------------Punkte: 10
    25. Otello---------------------------------Punkte: 10
    26. Falstaff-------------------------------Punkte: 10


    Die Opern, wo 0 steht, kenne ich leider nicht. :untertauch:

    Willy Decker (La Traviata, Don Carlo, Tosca in Stuttgart, Onegin in Paris, Otello in Barcelona)
    Mc Vickar (Manon in Barcelona und Le Nozze di Figaro aus London)
    Dario Fo (Barbier von Sevilla mit Jennifer Larmore und L'Italiana in Algeri aus Pesaro)

    Willy Decker (La Traviata, Don Carlo, Tosca in Stuttgart, Onegin in Paris, Otello in Valencia)
    Mc Vickar (Manon in Barcelona und Le Nozze di Figaro aus London)
    Dario Fo (Barbier von Sevilla mit Jennifer Larmore und L'Italiana in Algeri aus Pesaro)

    Liebe Severina,
    ich versuche auch objektiv zu sein, aber wie auch Du gesagt hast, gibt es so etwas überhaupt? Vielleicht ist meine Toleranzgrenze im Falle Villazon etwas dehnbarer, aber ihm verzeihe ich mehr als anderen, weil er meist so wahrhaftig ist, Ich denke, das kannst Du nachvollziehen, da Du ihn auch sehr magst und er Dich live so oft begeistert hat.
    Ich finde es auch unfair, wenn jemand, der einem so viel Freude in der Vergangenheit bereitet hat und dann in einer Krise steckt, wie eine heiße Kartoffel fallen gelassen wird. OK, er ist größtenteils selbst schuld daran, aber hat er uns nicht wunderbare Stunden beschert durch seine Hingabe an seine Rollen? Fairy sagte einmal, dass sie einen Künstler bevorzuge, der 10 Jahre großartig singt, als einen, der 30 Jahre im Mittelmaß herumdümpelt. Ich bin genau derselben Meinung, wobei ich hoffe, dass es mit Villazon noch nicht zu Ende ist.


    Liebe Fairy,
    Du hast wieder mal recht mit der Beschreibung der Sängerin und ihrer Mängel. Sie ist aber noch jung, sie kann noch lernen und vielleicht ist sie irgendwann wirklich die zweite Netrebko :D. Schauspielerisch ist sie aber noch weit entfernt davon und sie kann sich wirklich nicht in die Liebesszenen hineinfühlen. Villazon gestikuliert und agiert übertrieben, versucht zu retten, was noch zu retten ist, aber trotz der vielen Küsse, spürt man da keine Funken sprühen zwischen den beiden.
    Was die Musik anbelangt, da liebe ich viel mehr das Feuer aus Verdis und Puccinis Opern, daher scheinen mir die französischen Opern im Vergleich wie ein leichter Schaumwein. Aber Dessay und Villazon haben es geschafft, mich zur "Manon" zu bekehren, also schade, dass nicht die beiden in Salzburg agieren durften. Vielleicht irgendwann...
    Ich sage nicht, dass mich die Regie vom Hocker reißt, nur dass ich sie angemessen fand für Shakespeare (der Regisseur soll Experte für Shakespeare Inszenierungen sein). Das Publikum hat auch positiv auf die Regie reagiert, also was soll's? Es hätte viel schlimmer kommen können...
    Fiordiligi

    Zitat

    Original von severina
    Wonach ich wirklich giere, sind ausführlichere Liveberichte von Leuten, die ich einordnen kann ;) , denn natürlich ist es z.B. ein Unterschied, ob Fiordiligi oder Gregor ein Urteil über Villazón abgibt :D :D :D :D :D :D (Ich schätze, wenn ich von beiden die Hälfte abziehe, käme es ungefähr hin :stumm:;) )


    Hallo Severina,
    wie darf ich Deine Aussage verstehen? Dass ich im Falle Villazon nicht objektiv sein kann? In dem Fall muss ich Dich enttäuschen, da ich ziemlich das Gleiche denke über seine Leistung in Salzburg wie Du.
    Ich habe ein wenig in eine "Romeo et Juliette" Aufnahme von 2002 in Spanien hineingehört und es war deutlich zu hören, dass seine Stimme damals freier und unangestrengter klang als in diesem Jahr. Gesanglich war er auch jetzt gut, aber irgendwie hatte ich fast die ganze Zeit das Gefühl, einen Drahtseilakt zu erleben. Manches gelang ihm sehr schön, einiges klang angestrengt und in der Schlussszene war ich froh, als es endlich zu Ende war. Schauspielerisch fand ich ihn in Salzburg ziemlich hyperaktiv, ja manchmal übertrieben. Er versuchte mit allen Mitteln zu überzeugen, vielleicht auch um die fehlende Chemie zur Georgierin wett zu machen. Trotzdem ist er ein sehr guter Romeo und ich frage mich, wer heutzutage mit ihm mithalten kann, trotz Aussprache-Mängel und eher Puccini- als Gounod Stil (darüber bin ich gar nicht traurig, da ich die Musik eh ziemlich süßlich finde). Es ist halt das Gesamtpaket, was letztendlich zählt.
    Ich bin kein Netrebko-Fan, muß aber gestehen, dass ich sie viel lieber an seiner Seite gesehen hätte. Sie hat auch die bessere und schönere Stimme, ist schauspielerisch viel überzeugender, dafür singt Machaidze mit mehr Nuancen und gefühlvoller. Die Regie fand ich gut, aber nicht aussergewöhnlich.
    So, nun zieh die Hälfte von dem ab, was ich gesagt habe, mal sehen, was da übrig bleibt :no:
    Fiordiligi

    Hallo Severina,
    in der "La Cenerentola" von Glyndebourne hatte ich keinen Moment das Gefühl, dass Mironov überfordert klingt. Und er hat richtig überzeugend gespielt. Er hat aber eine kleine Stimme und versucht vielleicht zu pushen, damit er gehört wird. Ich gebe zu, in der Hinsicht ist Florez ein anderes Kaliber. Aber lassen wir diese Diskussion, jedem das seine. By the way, wie fandest Du Genaux? Ihre Stimme ist nicht besonders schön, aber die Technik ist atemberaubend. Da schlägt sie locker auch die Cecilia Bartoli. In Bajazet von Vivaldi ist sie senzationell.


    Nein, leider (oder nicht leider) war ich nicht beim Don Carlos aus London. Hier ist ein Link, wo Ohrenzeugen über verschiedene Aufführungen berichten
    http://www.crescendo.de/blog/villazons-don-carlo/1292


    Die Auitorin der Rezension, Hannah Glaser, hat wegen der vielen Kommentare zum Artikel ein neues Villazon-Forum gegründet. Die Adresse lautet:
    http://www.anonyme-villazoniker.de,/ :D
    Man muss sich aber als Mitglied anmelden, um hineinsehen zu können. Es ist ganz interessant, weil sogar eine Dame da ist, die beim Florez-Villazon Konzert dabei war. Und die meisten haben Villazon schon mehrmals live gehört oder haben ihn sogar persönlich kennengelernt.


    Ich habe eine Aufnahme des Londoner Don Carlo gehört. Ich finde nicht, dass Villazon's Stimme in einem katastrophalen Zustand ist, In den lyrischen Passagen klingt er wunderschön, besser als vor der Stimmkrise. In den dramatischen Teilen und im Forte forciert er hörbar und das kann die kleinen Wackler in der Stimme erklären. Die Rolle ist halt eine Grenzpartie für ihn und er sollte lieber bei lyrischen Partien bleiben. In Schönbrunn hat er auch ganz ordentlich geklungen, oder? Die Presse hat jedenfalls seine Stimmkrise als endgültig überwunden gesehen.
    Oops! War das nicht der Mironov thread? :no:


    Fiordiligi :hello:

    Liebe Severina,
    ich weiß nicht, welche "La Cenerentola" Du gehört hast. Es gibt auf DVD eine von Glyndebourne mit Ruxandra Donose (höchst empfehlenswert, tolle Regie, sehr gute Sänger), eine mit Garanca aus Paris und eine mit Vivica Genaux aus Genf. Ich kenne die letzten beiden nicht, aber ein guter Opernfreund, der Florez bis zu einem gewissen Grad zu schätzen weiß (jedenfalls bis zu einem höheren als ich :untertauch:), hat sich schwärmerisch von Mironov geäußert, bezüglich der Genfer Aufnahme. Es gibt inzwischen noch eine zweite "L'Italiana in Algeri" mit Mironov aus Pesaro, an der Seite von Mariana Pizzolato. Auch hier zieht er Mironov Florez vor. Begründung: besserer Schauspieler, mehr Gefühl und Wärme in der Stimme, weniger mechanisch, insgesamt überzeugender. Jedoch hat jeder ein Recht auf seinen eigenen Geschmack und wir alle hören verschieden. Dir gefallen mehr Florez und Kaufmann, mir mehr Mironov und Calleja. Das ist OK so.
    Fiordiligi

    Vielen Dank an Jacques Rideamus und Maggie für die möglichen Antworten zu meinen Fragen. Sie klingen sehr plausibel. So etwas ähnliches habe ich mir auch gedacht, aber erst nachdem ich die Schlußszene mehrmals gesehen habe. Na ja, Regietheater heisst auch, seine Fantasie spielen zu lassen. Ich wünschte mir, ähnlich wie bei Willy Decker's Inszenierungen, dass man sofort erkennen kann, was gemeint ist, damit der unmittelbare Effekt nicht verloren geht.


    Gruß
    Fiordiligi

    Auch ich habe die Übertragung aus Dresden gesehen und seither öfters in die Aufnahme hineingeschaut. Für mich war es eine sehr gelungene „Rigoletto“ Aufführung.


    Die Regie finde ich eine gute Alternative zu den klassischen Inszenierungen. Sie unterstreicht gut die Handlung, ohne besonders provokant zu sein. Was ich nicht verstanden habe, ist warum im letzten Akt der Duca plötzlich die Gilda im Arm hält und sie kurz darauf angewidert wegstößt oder wieso sie, tödlich verletzt, auf einmal putzmunter herumläuft, bevor sie dann tot umfällt. Auch Gildas Kleid wirft Fragen bei mir auf. Im zweiten Akt ist es, nach dem unfreiwilligen tete-a-tete mit dem Duca, an einer vielsagenden Stelle mit Blut befleckt, damit da kein Zweifel aufkommt, was im stillen Kämmerlein passiert ist. Im letzten Akt ist das Kleid wieder ganz makellos weiß und sogar die Blutspuren von der Erdolchung fehlen. Ein Versehen vom Regisseur? Oder will er uns damit sagen, dass Gilda eigentlich aus Liebe stirbt?
    In italienischen und französischen Opernforen ist die Regie sehr schlecht bewertet, Worte wie „orribile“ oder „brutto“ kommen häufig vor.


    Florez war besser als ich es erwartet hatte, nachdem ich in einem Konzert seine „La donna e mobile“ nicht besonders ansprechend fand. Er hat in Dresden schön gesungen und phrasiert, ohne aber eine persönliche Note zur Rolle zu bringen. Aber das ist allgemein nicht seine Stärke, wie auch das Schauspielen es nicht ist, Ich glaube, dass der Duca eine Grenzrolle für ihn ist, die er nicht zu oft singen sollte. Man hat deutlich gemerkt, dass er oft seine ganze Kraft einsetzen musste, um mit dem Orchester und den Singpartnern mitzuhalten. Daher vielleicht auch die 1-2 unsicheren hohen Töne. Was passieren kann, wenn man die Stimme zu arg strapaziert, sollte er inzwischen am Beispiel Villazon gelernt haben.


    Diana Damrau war eine großartige Gilda, sowohl schauspielerisch als vor allem interpretatorisch. Obwohl ihre Stimme manchmal zu „reif“ für die Rolle klingt, mit einem leichten Vibrato in allen Registern, schafft sie es, eine wunderbar glaubhafte junge Frau darzustellen, wie sie sich mit ihrem strengen Vater auseinandersetzt oder wie sie zum ersten Mal verliebt von Ihrem Angebeteten schwärmt, um dann durch eine traumatische Erfahrung plötzlich reif zu werden und dann wie eine Erwachsene für die Liebe zu leiden und zu sterben. Ich habe die Arie „Gualtier Malde“ vorher noch nie so gesungen gehört, wo jedes Wort eine ganz bestimmte Bedeutung bekommt. Damrau erinnert mich hier an Nathalie Dessay, die ähnlich detailliert und feinfühlig die Partie der Manon in Barcelona gestaltet hat.


    Seht beeindruckt war ich auch von Lucic, den ich vorher noch nie gehört hatte, Stimmlich fand ich ihn großartig und interpretatorisch war das endlich wieder einmal ein Rigoletto, der nicht nur die ganze Zeit brüllte. Schauspielerisch hat er mich auch überzeugt, obwohl er zu sehr mit den Händen „dirigiert“ hat. Da hätte der Regisseur eingreifen müssen.


    Toll fand ich auch Georg Zappenfeld in der Rolle des Sparafucile, mit einer ganz dunklen und beeindruckenden Bassstimme, ähnlich wie bei Furlanetto oder Laszlo Polgar.


    Fiordiligi

    CD 1955
    C.M. Giulini, Orchestra della Scala 5
    Maria Callas 5
    Giuseppe die Stefano 4
    Ettore Bastianini 4
    Sonstige 4
    Wertung: 4,4
    TQ: 2



    DVD 2005
    Wiener Philharmoniker, Carlo Rizzi 3
    Anna Netrebko: 4
    Rolando Villazon: 5
    Thomas Hampson: 4
    Sonstige: 4
    Wertung: 4
    TQ: 3
    Regie: 5


    Decca DVD
    Covent Garden, Georg Solti: 5
    Angela Gheorghiu: 4,5
    Frank Lopardo: 3,5
    Leo Nucci: 3
    Sonstige: 3
    Wertung: 3,8
    Regie: 3



    DECCA, DVD 2006



    LA Opera Orchestra, James Conlon: 4
    Renee Fleming: 4
    Rolando Villazon: 5
    Renato Bruson: 4,5
    Sonstige: 3
    Wertung: 4,1
    Regie: 4 (Verstaubte Zeffirelli-Regie, profitiert aber vom tollen Spiel der Darsteller)


    Fiordiligi

    DVD, Virgin Classics
    Barcelona 2007


    Symphony Orchestra Gran Teatro de Liceu, Victor Pablo Perez - 4



    Nathalie Dessay (Manon) - 5 (eigentlich Abzug für die manchmal aufgerissenen hohen Töne und chromatisch nicht so reiche Stimme, aber extra Bonus für Interpretation und schauspielerische Leistung)
    Rolando Villazòn (De Grieux) - 5 (auch Abzug für die zuweilen nicht ganz so frische Stimme, aber Riesen-Bonus für den Rest: Interpretation, schauspielerische Leistung und Glaubwürdigkeit))
    Manuel Lanza (Lescaut) - 4 (ganz ordentlich gesungen, ohne ein Highlight zu sein)
    Samuel Ramey (De Grieux Sr.) - 3 (und das mit viel Wohlwollen, da er eigentlich einer meiner Lieblingssänger ist. Sein Vibrato hier ist grausam) wird nicht gewertet, da von der Vorgabe abweichend - J.R.II
    Restliche: 4


    Wertung: 22/5 = 4,4 Punkte


    Regie (David McVicar): 4,5 (gewöhnungsbedürftig beim ersten Mal, aber ein Hochgenuss auf den zweiten Blick. Ich weiß aber immer noch nicht, was die Ränge auf der Bühne bedeuten sollen. Meinungen habe ich viele gelesen, aber der Regisseur selber schweigt dazu)


    TQ: 4,5


    [Kommentar: Diese Aufnahme erst hat mich zum Manon-Fan gemacht]


    Fiordiligi

    Mein Favorit:


    Opus Arte DVD, Glyndebourne 2006





    Ivan Fischer, Orchestra of the Age of Enlightenment - 4,5


    Fiordiligi - Miah Persson- 4,5
    Dorabella - Anke Vondung - 4,5
    Despina - Ainhoa Garmendia - 4
    Ferrando - Topi Lehtipuu - 4,5
    Don Alfonso - Nicolas Rivenq - 4
    Guglielmo - Luca Pisaroni - 4,5


    Ges. 30,5/ 7 = 4,36


    Regie: Nicholas Hytners - 5
    TQ: 4,5



    [Kommentar: Wunderschöne, "schockierend traditionelle" Inszenierung mit jungen, gut aussehenden Sängern, die obendrauf toll singen und spielen. So kurzweilig habe ich diese Oper noch nie erlebt)


    Fiordiligi

    Sehr schwer, sich auf nur 12 zu beschränken:


    12 Pkt Rolando Villazon, Tenor
    11 Pkt Luciano Pavarotti, Tenor
    10 Pkt Placido Domingo, Tenor
    9 Pkt Fritz Wunderlich, Tenor
    8 Pkt Samuel Ramey, Bass
    7 Pkt Renato Bruson, Bariton
    6 Pkt Feruccio Furlanetto, Bass
    5 Pkt Sherill Milnes, Bariton
    4 Pkt Giuseppe di Stefano, Tenor
    3 Pkt Tito Gobbi, Bariton
    2 Pkt Nicolae Herlea, Bariton
    1 Pkt Jose Carreras, Tenor




    Fiordiligi

    Hier leider nur wenige der Sängerinnen, die mir sehr gut gefallen. Maria Callas ist mit Abstand meine Favoritin.


    12 Pkt Maria Callas, Sopran
    11 Pkt Renata Scotto, Sopran
    10 Pkt Agnes Baltsa, Mezzosopran
    9 Pkt Cecilia Bartoli, Mezzosopran
    8 Pkt Mirella Freni, Sopran
    7 Pkt Nathalie Dessay, Sopran
    6 Pkt Montserrat Caballe, Sopran
    5 Pkt Christa Ludwig, Mezzosopran
    4 Pkt Kiri Te Kanawa, Sopran
    3 Pkt Angela Gheorghiu, Sopran
    2 Pkt Diana Damrau, Sopran
    1 Pkt Ruxandra Donose, Mezzosopran


    Fiordiligi

    Dazu habe ich eine Aussage von einer Zuschauerin gefunden:


    "Although Salzburger Festspiele's official website has alread confirmed soprano Ailyn Pérez singing Juliette for the August 18th performance of Gounod's Roméo et Juliette -- the same Roméo et Juliette that our pregnant Anna Netrebko pulled out of to prepare her nest for bebbe -- we are left wondering who else can fill Nepregko's swollen shoes and sing opposite of Rolando Villazón's Roméo?


    OC has been told that the heavily-hyped (by the Scala publicity machine, since, among other reasons, she's also a graduate of Scala's own academy) Georgian soprano Nino Machaidze, who is currently Lauretta -- singing an underwhelming O mio babbino caro -- in Scala's Il Trittico, will step into the rotation as Juliette. The premiere is on Saturday, August 2, with an additional 8 performances running until Monday, August 25. John Osborn will be sharing the role of Roméo with Villazón.


    We want to congratulate Machaidze's PR machine (complete with bland, vaguely sycophantic fluff magazine pieces) for churning out yet another mediocre soprano to fill the void. Too many MCs not enough mics. We weren't impressed with her Lauretta, but whatevs. The Hypeman Cometh... "


    Fiordiligi

    Eines meiner Lieblingsduette ist aus "Cavalleria rusticana" von Mascagni "Tu qui, Santuzza?" Meine Favoriten sind da Callas / Di Stefano, Simionatto / Di Stefano und Obraszova / Domingo.
    Dann liebe ich so ziemlich alle Duette aus "Norma" von Bellini, in der Variante Callas / Corelli / Ludwig.
    Ein weiters Lieblingsduett von mir ist "Sulla tomba..." aus "Lucia di Lammermoor" und da gefällt mir besonders der Edgardo von Rolando Villazon, aber eher mit Patrizia Ciofi, als mit Anna Netrenko.


    Fiordiligi

    Liebe Fairy,


    ich habe die Beiträge im Manon-Thread schon vor längerer Zeit gelesen und finde, es ist alles schon gesagt. Vor allem stimme ich dem zu, was Du geschrieben hast und bewundere Deine ausführlichen Kenntnisse. Mit Severina stimme ich in punkto Regie nich überein, mir gefällt diese nämlich ausgesprochen gut. Eine Rezension von Klassik.com zu dieser Aufnahme finde ich besonders zutreffend:
    http://magazin.klassik.com/rev…=2095636&CFTOKEN=62836022


    Mit Fleming fast Du natürlich recht. Sie hat manche Eigenarten in ihrer Interpretation, die wirklich grenzwertig sind, auch in der von mir angesprochenen La Traviata. Doch sie ist eine fantastische Schauspielerin und schafft es, mich mehr als Netrebko oder Gheorghiu zu überzeugen. Ihr Duett mit Villazon im ersten Akt ist "heiss" und in der Sterbeszene finde ich sie sehr beeindruckend, ohne dass sie versucht, auf die Tränendrüsen zu drücken. Es ist mehr eine ruhige und noble Art wie sie ihr Schicksal annimmt, die aber immer wieder durch verzweifelte und umso beeindruckendere Ausbrüche unterbrochen wird. Und Rolando ist ein Alfredo auf Maß. Ich denke, das muß man sehen, wie er es schafft, der Rolle einen ganz anderen Charakter zu verleihen als in Salzburg.


    Ich wünsche AN, dass sie nach der Geburt in allen Hinsichten reifer wird, vielleicht kann sie dann so ihrem Ruf endlich auch gerecht werden.


    Gruß nach Lille


    Fiordiligi

    Hallo allerseits,


    tut mir leid, dass ich die Hoffnungen der Kaufmann - Fans zerstören muß, aber soeben habe ich diese Mitteilung gelesen:
    "Am 6., 9. und 12. April wird Massimo Giordano an Anna Netrebko's Seite für den verletzten Tenor Jonas Kaufmann einspringen, die Besetzung der Rolle des Des Grieux für den 15. ist noch offen. "
    Kaufmann hat angeblich eine Rippenverletzung, hoffentlich nichts Schlimmes.


    Zum Liederabend von RV habe ich auch nicht viel Gutes gelesen, der zweite Teil des Konzerts soll allerdings nicht so schlecht gewesen sein. Hier ein Artikel aus dem Tagesspiegel:
    http://www.tagesspiegel.de/kultur/;art772,2500058
    Bei dieser Adresse sind Meinungen von Zuhörern der letzten Konzerte von RV in Deutschland, einschließlich Liederabend, zu lesen: http://www.crescendo.de/blog/?p=773#comment-4736.


    Die neue CD "Cielo e mar" hatte ich schon am Tag des Erscheinens und die Arien sind mir inzwischen ziemlich vertraut geworden. Ich finde sie sehr gut, aber fast übertriefend von Dramatik. Am besten man hört sie in kleinen Häppchen, denn sonst kann das Zuhören auf die Dauer anstrengend werden. Am besten gefällt mir die Arie aus "Poliuto" von Donizetti, weil sie sehr facettenreich ist und dem Sänger die Möglichkeit bietet, seine Fähigkeiten - falls vorhanden - unter Beweis zu stellen. Sie hat viele hohe Stellen und endet im hohen Cis, was Villazon sehr gut meistert. Aber auch die Arie aus "Fosca" ist sehr schön, oder die Arien aus "Mefistofele" (ich liebe übrigens diese Oper sehr) oder "Luisa Miller" (eine Oper die ich auch sehr, sehr mag). Ich habe schon viele Rezensionen zur neuen CD gelesen, persönlich finde ich folgende am zutreffendsten:
    http://magazin.klassik.com/rev…IEW&RECID=12777&REID=8150


    Liebe Fairy Queen, die "Manon" aus Barcelona finde ich auch wunderbar (viel besser als die aus Berlin: bessere Manon, bessere Regie). Vielleicht schreibst Du irgendwann auch eine kurze Rezension zu "Cielo e mar", denn die, die Du zu "Malibran" verfasst hast, fand ich sehr zutreffend.


    Dem Herrn Beczala kann ich irgendwie nicht auf den Geschmack kommen, obwohl er eine schöne Stimme hat und auch sonst ordentlich singt. Ich finde ihn manchmal operettenhaft, vor allem durch die Gluckser die er manchmal im hohen Register einbaut. Sorry Severina :untertauch: Allerdings habe ich auch nur Die Zauberflöte und Evgeni Onegin mit ihm gesehen, wo er auch schauspielerisch nicht gerade brilliert hat. Neulich sang er in der Aids Gala, wo er mich auch nicht überzeugen konnte. Genau so wenig wie der Ersatz für Netrebko bei den Salzburger Festspielen 2008, Nino Machaidze. Dieses Konzert wird übrigens im April auf ZDF-Theaterkanal mehrmals gesendet.


    Kennt jemand die neuere Aufnahme der "Traviata" mit Fleming und Villazon aus LA? Die alte Zefirelli / Martha Domingo - Regie ist ziemlich banal, dafür wird aber beachtlich gesungen. Villazon's Gesang gefällt mir hier besser als in Salzburg und Fleming ist interpretatorisch manchmal sonderbar, aber insgesamt gefällt sie mir besser als Netrebko. Und Bruson, trotzdem dass er nicht mehr die herrliche Stimme von einst hat, ist er ein überzeugender Germont und ein wahrer Verdi - Bariton.


    Fiordiligi

    Ich finde diese Traviata auch überbewertet (sie wird mindestens einmal im Jahr im Fernseher gesendet) , wenn sie auch Aspekte hat, die mir durchaus sehr gut gefallen.


    Meine Ohren sind "infiziert" von der Callas, da kann die Netrebko gar nicht mithalten. Wesentlich besser gefallen mir aber auch Cotrubas, Gheorghiu, Caballe oder Freni. Renata Scotto hingegen, die ich im dramatischen Fach sehr liebe, mag ich in dieser Rolle nicht. Netrebko hat vor allem im ersten Akt Probleme mit der Atmung, technisch ist sie auch nur durchschnittlich und erlaubt sich allzu oft, Verdi's Tempi frei zu gestalten. Es bleiben ihre Stimme und Bühnenpräsenz die letztendlich ihren Erfolg ausmachen. Mich persönlich hat sie in keinem Aspekt wirklich überzeugt.


    Hampson hat mich beim ersten Hinhören entäuscht. Das klang irgendwie nicht sehr nach Verdi, nachdem ich die Rolle des Germont von Gobbi, Bruson und Herlea gesungen gehört hatte. Auch der Charakter, den er zu spielen hatte war etwas ungewohnt. Doch nach mehrmaligem Anschauen der DVD habe ich meine Meinung geändert. Ich mag Hampson sowieso sehr und finde, dass er auch hier seiner Rolle aus Willy Decker's Sichtweise gerecht geworden ist.


    Villazon ist auch einer meiner Lieblingssänger, doch als ich diese Traviata zuerst auf CD gehört habe, hat mich sein übertrieben engagiertes Singen irgendwie genervt. Erst als ich die Inszenierung sah, begriff ich, dass er sich auch stimmlich dem Charakter angepasst hat, den er darzustellen hatte. Für mich macht er den beeindruckendsten Charakter dieser Inszenierung. Stimmlich und interpretatorisch mag ich ihn mehr in der neueren Aufnahme an der Seite von Renee Fleming (übrigens meiner Meinung nach auch eine bessere Violeta als Netrebko, trotz einigen wirklich sonderbaren Eigenheiten in ihrer Interpretation).


    Die Regie hat mich anfangs etwas verblüfft, doch ich fand sie zunehmend interessanter, je mehr Details ich entdeckte. Ich finde, auch wenn sie manchmal sehr unkonventionell ist, schafft sie es, eine neue, durchaus plausible Sichtweise dieses Dramas zu skizzieren. Willy Decker ist ein intelligenter Regisseur, der nicht wie andere im modernen Regietheater darauf aus ist, zu schockiern, sondern verfolgt eine klare Linie, die er mit Hilfe von schlichten Bühnenmitteln, aber umso pregnanterer Personenregie in die Tat umsetzt. Auch sein Don Carlo aus Amsterdam hat mich sehr beeindruckt. Gleiches kann ich auch von seinem Onegin für die Pariser Oper sagen. Bald werde ich in Stuttgart eine Tosca in seiner Regie sehen und weiter ist es für mich zweitrangig, wer die Interpreten sein werden.


    Fazit: Für mich lohnt sich das Anschauen dieser Inszenierung vor allem wegen der Regie und Villazon.


    Fiordiligi

    Nino Machaidze - Netrebko Nachfolgerin? Kommt drauf an, ob man das positiv oder negativ sieht :D


    Ich sah diese Sängerin neulich in der Aids Gala, wo sie die Arie der Gilda sang. Vorher hatte ich noch nie von ihr gehört und muss gestehen, dass ich auch nicht geglaubt hätte, so bald wieder etwas von ihr zu hören. Sie ist relativ hübsch und hat eine gute Gesangstechnik, aber Ihre Stimme hat mir nicht besonders gefallen, sie ist gelegentlich schrill und das Timbre ist nichts Besonderes. Der Vortrag schien mir durchschnittlich und deswegen habe ich mich über die Bravo-Rufe gewundert, die sie bekommen hat. Wahrscheinlich ist sie doch bekannter als ich dachte.


    Ob sie ein "würdiger" Ersatz für Netrebko ist? Technisch ist sie sicher nicht schlechter, aber Netrebko hat die entschieden schönere Stimme und darstellerisch ist sie eh einer der Besten. Als nicht Netrebko Fan muß ich in diesem Fall bedauern, dass sie in Salzburg nicht dabei sein kann.


    Fiordiligi

    OK, OK, wir sind bei Kaufmann, also hier eine Fotokollage von ihm ... und anderen.


    http://allyoucanupload.webshots.com/v/2004382604465654638


    Übrigens, liebe Severina, ich habe gerade die Münchner La Boheme gehört. Es wäre eine Reise wert gewesen, wegen des Tenors (keine Namen mehr auf fremdem Gebiet), denn die Sopranistin ist interpretativ ziemlich einfach gestrickt und berührt nicht wirklich. Schade. Vielleicht hilft es im zukünftigen Film, dass ihr Dekoltee ziemlich großzügig geschnitten ist und dass ihre Lippen feuerrot sind, als könnten sie wirklich "sehr heiss küssen".


    Fiordiligi

    Ja, das stimmt, es ist der Soundtrack für den neuen La Boheme-Film und ausserdem glaube ich, soll die Aufnahme auch als CD erscheinen. Ich werde diese noch einmal anhören, weil es schon lange her ist, aber ich kann mich erinnern, keine großen stimmlichen Probleme bei RV heraugehört zu haben. Die Kritiken damals waren durchwachsen, vor allem die von der ersten Vorstellung, doch bei der Radio-Übertragung fand ich alles OK.


    Fiordiligi

    Liebe Severina,


    Du hast vielleicht recht, dass Villazon nicht mehr so klingt wie 2002 in Bregenz, aber ich finde das nicht unbedingt eine negative Entwicklung, abgesehen von seiner Stimmkrise, die er hoffentlich ganz überwinden wird (sein letztes Konzert in Paris mit Arien aus seinem neuen Album hat sehr gute Kritiken bekommen). Ich habe eine Aufnahme von der letztjährigen La Boheme aus München an der Seite von Anna Netrebko und fand ihn noch anrührender als in Bregenz. Er ist ein Sänger dessen Interpretationen großartig sind, und ich finde dass er sich diesbezüglich in den letzten 5 Jahren enorm entwickelt hat. Dasselbe kann ich auch über seinen Edgardo aus Lucia di Lammermoor sagen, wenn ich eine Variante aus 2000 in Mexico mit der 2006 in Orange vergleiche. Die Stimme klang 2006 etwas müde, aber seine Rollengestaltung war ungleich besser als in 2000. Aber genug davon, wir sind jetzt doch bei Kaufmann.


    Ich gebe Dir recht, liebe Sebverina, freuen wir uns, dass es mehrere sehr gute Tenöre gibt, weil die immer Mangelware waren. Das mußte ich auch am Sonntag in der Stuttgarter "Norma" feststellen, wo ich mir sehnichst Kaufmann in der Rolle dea Pollione gewünscht hätte, statt des Norwegers Thomas Ruud. Sicher ist Kaufmann ein sehr guter Sänger, sicher einer der besten heutzutage, aber der Versuch, ihn uns gleich als großes Wunder zu verkaufen find ich doch etwas übertrieben.


    Fairy Queen sprach die Statur von Jonas Kaufmann an. Ich habe ein Bild - leider habe ich es nicht geschafft, es hier einzufügen - auf dem Kaufmann, Angela Gheorghiu, Placido Domingo und Rolando Villazon nebeneinander auf einem Gruppenfoto zu sehen sind. Kaufmann und Villazon haben etwa die selbe Statur.


    Fiordiligi

    Liebe Fairy Queen,


    Deine Anmerkungen zur Berliner "La Boheme" decken sich mit einer Rezension, die ich soeben gelesen habe. Da ein Ausschnitt:


    "Stürmische Leidenschaft


    Ein glanzvoller Repertoireabend Unter den Linden also, der das Publikum zum Jubeln bringt, andererseits aber doch einiges in rechte Proportionen rückt. Ja, Dudamels Interpretation hat jugendliches Feuer, stürmend-drängende Leidenschaft, er dirigiert gewissermaßen mit lodernden Locken, so wie man es sich für dieses Drama um die Pariser Twentysomethings wünscht.


    Doch der 27-Jährige hat auch hörbar wenig Erfahrung mit Puccini, noch gelingt es ihm nur selten, das Parfum der Partitur voll zu entfalten, mit einem Spitzenorchester wie der Staatskapelle die tausend kleinen atmosphärischen Details auszukosten. Weil er die Emotion immer sofort zum Anschlag hochpeitscht, bleibt vieles roh, gerät zu laut, so dass sich die Sänger unnötig zum Fortissimo gedrängt fühlen.


    Eiskaltes Händchen dreht auf


    Allen voran Jonas Kaufmann: Schon in seiner „Wie-Eiskalt-Ist-Dies-Händchen“-Arie dreht er zu sehr auf. Selbstverständlich gelingen ihm die Powertöne mühelos, er zeigt mannhaften Glanz mit metrosexuellem Schmelz, doch so plakativ ausgestellt berührt sein Rodolfo kaum, bleibt oberflächlich, wo Puccini viel raffinierter denkt.


    Verglichen mit Rolando Villazon, der jede Rolle hundertprozentig durchlebt, durchleidet (und am 25. und 26. Februar in Berlin mit Verdis „Requiem“ unter Barenboim beweisen will, dass er nach der sechsmonatigen Zwangspause wegen Stimmbandüberreizung wieder ganz der Alte ist), wird man bei Jonas Kaufmann das Gefühl nicht los, dass sich hier einer vor allem gerne selber zuhört. "


    Ich kann da nicht mitreden, da ich nicht dabei war, aber schon die Arie auf seiner neuen CD hat mich nicht vom Hocker gerissen. Wenn ich an Villazon's Rodolfo in Bregenz denke, den ich vor ein paar Tagen wieder gesehen habe, dann stimme ich Dir voll zu in der vergleichenden Beurteilung der beiden Sänger.


    Fiordiligii