Beiträge von Gregor

    Im Alter von 84 Jahren ist die österreichische Schauspieklerin Christine Hörbiger verstorben.


    Möge sie in Frieden ruhen.

    Ihr Name lautet korrekt Christiane Hörbiger!


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    Das ist eine traurige Nachricht. Sie gilt als die letzte große deutschsprachige Schauspielerin, als Grande Dame des deutschsprachigen Films und enstammt der berühmtesten österreichischen Schauspielerdynastie. Ihre Eltern waren die legendären Attila Hörbiger und Paula Wessely.


    Grandezza, Noblesse, Charisma sind Worte mit denen Christiane Hörbiger zu Recht gerne beschrieben wird. Ihr Ableben markiert das Zuendegehen einer ganzen Schauspielära.


    Sie selbst wurde zum Star auf der Theaterbühne und ab den 1980er Jahren vorwiegend in Film und Fernsehen. Sie war die Lieblingsdrehpartnerin von Götz George und vice versa.

    Ihre Schwestern sind die ältere Elisabeth Orth, die Doyenne des Wiener Burgtheaters, und die jüngere Maresa Hörbiger. Ihr Onkel war Paul Hörbiger, ihre Neffen sind Schauspielstar Cornelius Obonya (Sohn von Elisabeth Orth) und Schauspieler Manuel Witting (Sohn von Maresa Hörbiger). Interessant die verwandtschaftliche Beziehung zum deutschen Schauspieler Christian Tramitz - seine Mutter Monica ist die Tochter von Paul Hörbiger.


    Auf der Theaterbühne spielte sie alle großen Klassiker - Kabale und Liebe, Nathan der Weise, Vor Sonnenuntergang, Der Schwierige, Totentanz, Maria Stuart, Die Möwe, Was ihr wollt, Faust, Anatol, Der Zerrissene, Das weite Land und und und. Sie war von 1969 bis 1972 auch die Buhlschaft im Salzburger Jedermann.


    Ihre Theater-, Film- und Fernseherfolge lassen sich kaum alle auf einmal aufzählen. Zu ihren bekanntesten Kinofilmen gehören Der Bauer als Millionär (1961), Der Verschwender (1964), Herr Ober! (1991), Schtonk! (1992), Tafelspitz (1994) und Die Gottesanbeterin (2001). Zu ihren vielen Fernseharbeiten gehören unter anderem die Verfilmung von Leutnant Gustl (1963), Lamorte (1997), Alpenglühen (2003), Blatt und Blüte (2004), Der Besuch der alten Dame (2008), Meine Schwester (2011) und Die Muse des Mörders (2018).

    Sie trat auch in Serien wie Derrick, Der Alte oder Kommissar Rex auf. Ein großer Publikumserfolg war auch ihre TV-Serie Julia - Eine ungewöhnliche Frau. Sie war im Komödienfach ebenso überzeugend wie im dramatischen. Und sie scheute sich im fortgeschrittenen Alter nicht, Rollen wie Mörderinnen, Alkoholikerinnen, Demenzkranke und sterbende Menschen darzustellen.


    Hörbiger war nicht nur bei Kritikern sondern auch beim Publikum enorm beliebt. Stand ihre Name auf der Besetzungsliste waren stets rekordverdächtige Einschaltquoten garantiert.


    Wie heute bekannt wurde, wird Christiane Hörbiger am 17. Dezember 2022 auf dem Wiener Zentralfriedhof ein Ehrengrab erhalten.



    Gregor

    Grace Bumbry erleidet Schlaganfall!


    In einer kürzlich veröffentlichten Pressemitteilung wurde bekannt gegeben, dass Grace Bumbry einen Schlaganfall erlitten hat. Die 85-jährige Künstlerin befindet sich derzeit in einem New Yorker Krankenhaus.


    Wie es weiter heißt, betrifft der Schlaganfall Bumbry's Bereiche im Gehirn, die für die Sprache und das Verständnis verantwortlich sind. Es gibt zwar Chancen auf Genesung, aber besonders in Anbetracht ihres Alters kann das Ausmaß und der Zeitraum einer Rehabilitation nicht vorhergesagt werden und kann Wochen bis Monate dauern.


    Wie ihre Familie mitteilte, ist sie zunehmend in der Lage gesprochene Kommunikation zu verstehen und darauf auch zu reagieren.


    Hoffentlich erholt sich Grace Bumbry vollständig und so rasch als möglich!



    Gregor

    Im März 1955 stand Ettore Bastianini im Rahmen seines mehrmonatigen USA-Aufenthaltes auch für die Fernsehserie Opera Cameos erstmalig vor Fernsehkameras.

    Gefilmt wurden Szenen aus Verdi's La traviata mit einer sehr jungen Besetzung. Der damals 32-jährige Bastianini wurde erwartungsgemäß auf einen älteren Papa Germont geschminkt, auch wenn man ihm seine Jugend natürlich trotzdem ansieht. Es ist wohl das früheste Filmmaterial welches es überhaupt von Bastianini gibt.

    Das Fernsehdokument wartet zudem mit der erst 25-jährigen Beverly Sills als Violetta auf. Der Tenor Paul Knowles, der den Alfredo singt, ist mir allerdings unbekannt. Diese Fernseh-Traviata scheint auch das einzige Dokument zu sein, auf dem wir ihn hören können. Er scheint zuvor und vor allem auch danach nicht mehr groß in Erscheinung getreten zu sein. Auch an der MET ist er niemals aufgetreten und man findet so gut wie keine Informationen über ihn. Umso ungewöhnlicher ist, dass dieser praktisch unbekannte Sänger für die Fernsehaufzeichnung als Alfredo eingesetzt wurde. Und eigenartig ist, dass man manchmal auf Sänger stößt, über deren Verbleib nichts bekannt ist. Paul Knowles ist wohl so ein Sänger.


    Bastianini drehte das Duett mit Violetta als auch die Vater-Sohn-Szene aus dem zweiten Akt mit seiner Arie Di provenza il mar.


    Folgende Szenen wurden für die Fernsehsendung gefilmt:


    Oh qual pallor! ... Un di felice, eterea / Follie, follie delirio vano é questo ... Sempre libera!

    Madamigella Valery? ... / Pura siccome un angelo

    Che fai? ... / Mio padre! ... Di provenza il mar




    Diese Fernsehsendung ist auch auf der DVD Beverly Sills - Made in America enthalten.



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    Gregor

    Leoš Janáček im Hauptabendprogramm des österreichischen Fernsehens:


    Sonntag, 13. November 2022
    20.15 Uhr ORF III


    Theater an der Wien im MuseumsQuartier

    Leoš Janáček

    DAS SCHLAUE FÜCHSLEIN


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    Milan Siljanov (Förster), Mélissa Petit (Füchsin Schlaukopf), Alžbeta Vomácková (Försterin/Schopfhenne/Eule/Frau Pásek), Jana Kurucovà (Fuchs), Marcell Bakonyi (Harašta), Ya-Chung Huang (Schulmeister/Mücke/Dackel/Hahn/Specht) und Levente Páll (Pfarrer/Dachs)

    Wiener Symphoniker

    Arnold Schönberg Chor (Leitung Erwin Ortner)

    Musikalische Leitung: Giedre Šlekyte

    Regisseur: Stefan Herheim


    Aufzeichnung aus dem Theater an der Wien im MuseumsQuartier

    Oktober 2022



    Gregor

    Neben der bereits erwähnten Aufnahme von La forza del destino und dem Live-Mitschnitt von La traviata aus der Mailänder Scala sind noch weitere Aufnahmen aus dem Jahr 1955 erschienen.


    Allen voran ist hier die Studioaufnahme der Donizetti-Oper La favorita zu erwähnen, in der Ettore Bastianini und Giulietta Simionato zu Hochform auflaufen.


    Was Live-Aufnahmen aus der MET betrifft wurde die Aufführung von La traviata vom 01.01.1955 genauso auf CD veröffentlicht wie der Don Carlo vom 05.03.1955. Auf diesem Mitschnitt singt Bastianini einen seiner ersten Rodrigos. Die restliche Don-Carlo-Besetzung glänzt mit namhaften Sängerstars der MET. Richard Tucker singt den Don Carlo, Eleanor Steber ist die Elisabetta, Jerome Hines der Filippo und Blanche Thebom die Eboli.

    Zudem ist auch ein Mitschnitt von Puccini's Il tabarro aus Florenz vom 29.12.1955 auf CD erschienen.



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    Hier die Szene Rodrigo/Elisabetta/Eboli aus dem ersten Akt mitsamt Rodrigo's Solo - Carlo, che sol il nostro amore - vom 1955er-Don-Carlo-Live-Mitschnitt.




    Gregor

    Teil 5 - Triumphe mit Callas (1955)



    My0xMDA3LmpwZWc.jpegDen Jahreswechsel 1954/55 verbrachte Ettore Bastianini in New York wo er am Neujahrstag 1955 an der Metropolitan Opera den Giorgio Germont in La traviata – abermals an der Seite von Licia Albanese und Giacinto Prandelli – gesungen hat. Es folgten bis Anfang April Auftritte an der MET als Carlo in Andrea Chenier, Marcello in La bohème und Amonasro in Aida.


    Zudem debütierte er am 28. Januar 1955 in New York mit einer Partie die zu einer seiner Glanzrollen werden sollte und die man bis heute mit ihm verbindet – den Rodrigo, Marquis di Posa in Verdi’s Don Carlo.


    In Musical America hieß es über sein Rollendebüt: "Ettore Bastianini war zum ersten Mal an der Metropolitan Opera in der Rolle des Rodrigo zu hören. Seine Stimme war warm, voluminös und emotional überzeugend. Wenn er erstmal sein Schauspiel auf ein vergleichbares Niveau gebracht hat, wird er ein Rodrigo sein, mit dem jedes Opernhaus angeben kann."


    Am 2. April 1955 fand eine Operngala an der MET statt, in welcher Ettore als Marcello gemeinsam mit Licia Albanese als Mimi und Giuseppe Campora als Rodolfo den dritten Akt von Puccini’s La bohème auf die Bühne brachte. Weitere Darbietungen an diesem denkwürdigen Abend waren der erste Akt von Madama Butterfly mit Victoria de los Angeles als Cio-Cio-San und Mario Del Monaco als Pinkerton und der zweite Akt der Strauss-Operette Die Fledermaus in welcher auf dem Fest von Orlofsky Hilde Güden, Victoria de los Angeles und George London als auch Ettore Bastianini - der zwei italienische Lieder darbot - zu den musikalischen Überraschungsgästen zählten.


    Vom 05. April bis 10. Mai 1955 ging Bastianini mit der MET auf ihre übliche Frühjahrstournee die ihn nach Philadelphia, Cleveland, Boston, Dallas und Houston führte, und in der er die Partien Marcello, Giorgio Germont und Carlo Gerard sang.


    Nach seiner Rückkehr aus den USA im Mai 1955 blieb Ettore Bastianini nur eine sehr kurze Pause bevor es direkt zu den Proben einer Produktion ging, die Geschichte machen sollte. Es handelte sich um die Neuinszenierung von Verdi’s La traviata des italienischen Starregisseurs Lucchino Visconti an der Mailänder Scala.


    Mit Carlo Maria Giulini am Dirigentenpult und mit Maria Callas als Violetta, Giuseppe Di Stefano als Alfredo Germont und Ettore Bastianini als Giorgio Germont sorgte Visconti mit seiner Produktion in der Premiere am 28. Mai 1955 für eine Sensation.


    Endgültig vorbei waren die Zeiten der typischen Standard-Operngesten. Visconti’s hervorragende Opernregie machte aus den Protagonisten Figuren aus Fleisch und Blut.

    Jede kleinste körperliche Bewegung drückte etwas aus, jedes Detail der Austattung und der Kostüme bis hin zur ausgefeilten Lichtregie hatte große Bedeutung.

    Das Publikum zeigte sich begeistert.

    Diese legendäre Traviata wurde auf Schallplatten bzw. später auch auf CD veröffentlicht.

    Callas, Di Stefano und Bastianini präsentierten sich in bester Verfassung.

    Di Stefano sang nur die Premierenvorstellung und wurde in den folgenden Aufführungen von Giacinto Prandelli ersetzt.



    Eine schöne Bildergalerie von Callas und Bastianini in der Visconti-Produktion fungiert im folgenden Video als optische Untermalung des Violetta-Giorgio-Duetts des zweiten Aktes:




    Bastianini eilte danach nach Rom, um die Partie des Giorgio im Juni auch am dortigen Opernhaus zu singen. Hier waren Virginia Zeani und Giacinto Prandelli seine Bühnenpartner.

    Anfang Juli reiste er für Don-Carlo-Vorstellungen ins sizilianische Tripani, um seinen in New York bejubelten Rodrigo nun auch in seinem Heimatland - an der Seite von Adriana Guerrini und Carlo Bergonzi - zu singen.


    In den Sommermonaten freute er sich wieder auf Auftritte im Freien. So zog es ihn im August in die Arena Flegrea in Neapel wo er den Carlo Gerard interpretierte.


    71S8J4ilpWL._SL400_.jpgIm Sommer 1955 machte er zudem seine ersten Aufnahmen für Decca Records. So entstand eine Gesamtaufnahme von Verdi’s La forza del destino in dem Bastianini den Don Carlo di Vargas, Renata Tebaldi die Leonora, Mario Del Monaco den Don Alvaro, Cesare Siepi den Padre Guardiano und Giulietta Simionato die Preziosilla singt. Bei der Einspielung von Donizetti’s La favorita war abermals Giulietta Simionato seine Partnerin in der Titelrolle.


    Im Oktober 1955 lockte ihn das sonnige Mexiko nach Monterrey wo er als Carlo Gerard und als Marcello mit Victoria de los Angeles als Mimi Auftritte hatte. Währenddessen stand in Chicago die gerade mal 29-jährige neue Managerin des Lyric Opera House, Carol Fox, vor ihrer ersten Saison als Leiterin des berühmten Opernhauses. Schnell holte sie die großen Stars nach Chicago und nahm beispielsweise Maria Callas, Giulietta Simionato, Giuseppe Di Stefano als auch die beiden Baritone Tito Gobbi und Giangiacomo Guelfi unter Vertrag.


    Doch ist es Fox auch nicht entgangen, dass da ein neuer junger italienischer Bariton international Furore machte. Nun wollte sie unbedingt und schnell Ettore Bastianini für die Premiere von Bellini’s I puritani als Partner für die Callas. So eilte der begehrte Bariton direkt aus Monterrey nach Chicago und sein dortiges Debüt am 31. Oktober 1955 in der Partie des Riccardo Forth wurde zum Ereignis.

    Laut Kritiken hat er bereits bei Bel sogno beato di pace das Publikum zu enthusiastischem Applaus angeregt. Die gefürchtete Kritikerin Claudia Cassidy erinnerte sich an diesen denkwürdigen Abend und bezeichnete ihn als einen der großartigsten Belcanto-Darbietungen ihrer umfangreichen Erinnerungen.



    Nachdem Basti am 02. November eine zweite Puritani-Vorstellung gesungen hat, trat er am 05. November auch als Luna in Verdi’s Il trovatore in Chicago auf. Dieser Troubadour ist von besonderer Bedeutung und hat heute Legendenstatus, da es das einzige Mal gewesen ist, dass Maria Callas und Jussi Björling miteinander aufgetreten sind. Seit damals hält sich das Gerücht, dass es einen privaten Mitschnitt geben soll, obwohl bis heute keiner aufgetaucht ist.


    Backstage entstand dieses Foto welches Ettore Bastianini mit Jussi Björling und dessen Ehefrau Anna-Lisa Björling zeigt:


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    Nach dem Chicago-Triumph ging es für Ettore wieder zurück nach New York. Dort folgten im November und Dezember Auftritte als Amonasro mit Renata Tebaldi als Aida und als Carlo Gerard in Andrea Chenier mit Zinka Milanov als Maddalena. In einer Kritik damals hieß es, dass man sich für den Carlo keine schönere Stimme als jene von Bastianini wünschen kann.


    Nach diesen ungeheuren Erfolgen in den USA kehrte Bastianini Mitte Dezember nach Europa zurück und übernahm in Florenz abermals den Michele in Puccini’s Il tabarro.


    Und so endete das Jahr 1955, welches Bastianini einen Triumph nach dem anderen bescherte. Eine Erfolgswelle die auch die folgenden Jahre andauern wird - bis eines Tages …



    Gregor

    Auf den Jury-Sesseln nahmen heuer im Großen und Ganzen die gleichen Leute wie im letzten Jahr Platz: Peter Katona (Casting Direktor der Royal Opera London), Samuel Gelber (Planungsdirektor der Washington Opera), Jonathan Friend (langjähriger künstlerischer Leiter der MET) und Carolin Wielpütz (künstlerische Betriebsdirektorin der Oper am Theater Bonn).

    Ich bin mir sicher auch Evamaria Wieser (Casting Direktorin der Salzburger Festspiele und Casting Consultant der römischen Oper und der Lyric Opera Chicago) und Sophie de Lint (Direktorin der Niederländischen National Oper) erkannt zu haben.


    Mir ist es letztendlich egal welcher Sänger von wem "gemanaged" und vertreten wird und wer dann gewinnt, wenn die künstlerische Leistung stimmt. Dass manche da jetzt offensichtlich so ein Theater daraus machen passt in unsere Zeit, wo jeder auf jeden den Finger zeigt.


    Was mich vielmehr wundert, ist, das Nicht-Interesse an Nils Wanderer. Dass man hier im Forum immer weniger am Sängernachwuchs interessiert ist, ist eine Sache. Jedoch wurde in der Vergangenheit gerne schon mal moniert, dass kaum deutsche Sänger im Rennen sind und schon gar nicht gewinnen. Nun hat man endlich einen, und dem deutschen Feuilleton ist das nicht mal eine Meldung wert. Aber wie ist das mit dem Propheten im eigenen Land?

    Oder liegt es einfach nur daran, dass Wanderer ein Countertenor ist. Die stoßen ja selbst hier im Forum auf wenig Interesse.



    Gregor

    Die Gewinner von OPERALIA 2022


    Die Ersten Preise gingen an den US-Tenor Anthony Leon und die armenische Sopranistin Juliana Grigoryan.

    Leon gewann zudem auch den Zarzuela-Bewerb.


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    Operalia-Gründer Placido Domingo mit seinen beiden Operalia-Siegern Juliana Grigoryan und Anthony Leon



    Die Zweiten Preise heimsten gleich drei Sänger ein: Die spanische Sopranistin Serena Sáenz, der US-Tenor Duke Kim und der deutsche Countertenor Nils Wanderer.


    Auch die Dritten Preise wurden überraschend gleich drei Sängern zuerkannt: Der US-amerikanischen Mezzosopranistin Maire Therese Carmack, dem südkoreanischen Bariton Youngjun Park sowie dem ebenfalls aus Südkorea stammenden Bassbariton Jongwon Han.


    Der 25-jährige Anthony Leon holte sich mit der schwierigen Arie des Nadir aus Bizet's Die Perlenfischer den Ersten Preis:





    Gregor

    Am Sonntag findet das Finale von Operalia 2022 statt. Dieses wird ab 17 Uhr MEZ bei Medici TV sowie auf den Facebook-Seiten von Operalia, Placido Domingo und Medici TV übertragen.


    Auffallend bei den heurigen Finalisten ist, dass fast die Hälfte von ihnen aus den USA stammen. Nicht überraschend konnten sich auch dieses Jahr wieder junge Sänger aus Südkorea für das Finale qualifizieren während der einzige Russe - wie hier bereits spekuliert wurde - gar nicht erst angetreten ist. Ebenfalls im Finale und erfreulich aus deutscher Sicht - Countertenor Nils Wanderer hat Chancen der erste Preisträger bei Operalia zu werden, der aus Deutschland stammt.



    Finalisten Oper

    Maire Therese Carmack, Mezzosopran, USA
    Anthony Ciaramitaro, Tenor, USA
    Juliana Grigoryan, Sopran, Armenien
    Jongwon Han, Bassbariton, Südkorea
    Jenni Hietala, Sopran, Finnland
    In-Ho Jeong, Bass, Südkorea
    Duke Kim, Tenor, USA
    Anthony León, Tenor, USA
    James Ley, Tenor, USA
    Youngjun Park, Bariton, Südkorea
    Serena Sáenz Molinero, Sopran, Spanien
    Emily Sierra, Mezzosopran, USA
    Nils Wanderer, Countertenor, Deutschland



    Finalisten Zarzuela

    Anthony Ciaramitaro, Tenor, USA

    Juliana Grigoryan, Sopran, Armenien
    Duke Kim, Tenor, USA
    Anthony León, Tenor, USA
    Serena Sáenz Molinero, Sopran, Spanien



    Gregor

    Rafael Fingerlos hat ja angekündigt, sich in dieser Saison wieder verstärkt dem Liedgesang und Liedprojekten zu widmen.

    Im vergangenen Sommer gab er in der Kaiservilla in Bad Ischl ein vielbeachtetes Konzert unter dem Titel Franz Schubert und die Volksmusik.


    Die Idee und das Konzept für dieses Konzert stammen von Dirigent Franz Welser-Möst und Fingerlos selbst. Beide verbindet eine große Liebe zur Musik von Schubert als auch zur österreichischen Haus- und Volksmusik. Ziel dieses Konzertes ist diese beiden musikalischen Welten zusammenzuführen. Schubert und seine Musik kommen ja aus dem Volkstümlichen und seine Lieder stehen der Volksmusik sehr nahe.


    Dieses Konzert in Bad Ischl wurde fürs Fernsehen aufgezeichnet und wird am kommenden Sonntag, 16.10.2022 ab 21.45 Uhr in ORF III unter dem Fernsehtitel Schubert aus der Kaiservilla ausgestrahlt.

    Ich weiß nicht, ob österreichisches Fernsehen auch in Deutschland empfangen werden kann. Ich gehe mal davon aus ...


    Vom Konzert hier schon mal Fingerlos mit Schubert's Der Wanderer an den Mond.




    Gregor

    Lieber Gregor, ich hoffe, daß Dir Erin Morleys Gilda gefallen hat! Im letzten Winter habe ich sie in Berlin in dieser Rolle gehört und gesehen. Es grüßt Hans


    Sie hat mir gut gefallen, lieber Hans. Aber sie war nicht die beste Gilda, die ich je gesehen habe. Zu Beginn war ihre Stimme gar etwas klein, aber dann hat sie zum Glück akustisch aufgeholt und sich den beiden hervorragend singenden Herren angepasst. Auffällig war, dass sie bei den extremen Spitzentönen keine Rerserven hatte und rasch im Ton wieder "runter" musste. Da wurde einiges nur angetippt, leider, ohne im Ton zu verweilen. Aber sonst war ihre Gesangsleistung sehr gut.

    Wie hast du sie denn empfunden, Hans?


    Gregor

    Was Tonträger aus dem Jahr 1954 betrifft ist es geradezu bitter, dass es ausgerechnet keine Aufnahme des Eugen Onegin aus der Scala geben soll. Das ist eigentlich kaum zu glauben. Seine anderen russischen Partien sind nämlich alle auf Tonträger dokumentiert. Es hält sich aber das Gerücht, dass es sehr wohl eine Aufnahme geben soll.


    So bleiben uns bis auf weiteres nur die schönen Scala-Bilder von damals mit Bastianini, Tebaldi und der Regisseurin Tatiana Pavlova.



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    Was es von 1954 gibt sind zwei Live-Mitschnitte - Massenet's Thais und Tschaikowsky's Mazeppa, auf der auch wieder David Poleri auftaucht.


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    Gregor

    korrekt ist das Jahr 1955!


    Das kommt mir komisch vor. Alle Quellen benennen nämlich den Juni 1953. Das käme auch zeitlich hin.

    Juni 1955 ist da schon problematischer. Da war Bastianini in Italien wo er zuerst in Mailand und dann in Rom in Aufführungen von La traviata mitgewirkt hat.

    Wie sollte da Hamburg dazwischenpassen? :/


    Die Arien mit dem Sinfonie-Orchester des Norddeutschen Rundfunks unter der Leitung von Wilhelm Schüchter wurden am 23. und 24. September 1954 aufgenommen:


    „Andrea Chenier“: Nemico della patria? (4,26) / „Un ballo in maschera“: Eri tu, che macchiavi quell’ anima (5,30) / „Don Carlos“: O Carlo, ascolta (3,05) / „Otello“: Vanne! La tua meta già vedo… Dio in un Dio crudel (4,45) / „Rigoletto“: Cortigiani, vil razza dannata! (4,09) / „La forza del destino“: Urna fatale del mio destino (2.50) / „Ernani“: O de’ verd’ anni miei (2,19) / „Il barbiere di Siviglia“: Largo al factotum (4,25).


    Dieses Arien-Recital ist leider unauffindbar. Kann es sein, das es niemals auf CD überspielt wurde? Aber selbst die Schallplattenaufnahme scheint nicht mehr verfügbar zu sein.



    Gregor

    Teil 4 - Traumstart an der Mailänder Scala (1954)


    1954 hat Bastianini den Karrieregipfel erreicht. Die Verträge von den verschiedensten Opernhäusern trudelten nur so bei ihm ein, und zum ersten Mal in seiner Karriere war er gezwungen, Entscheidungen über seine zukünftigen Verpflichtungen treffen zu müssen. Obwohl er im Dauereinsatz war, konnte er unmöglich alle Anfragen erfüllen.


    Nach seinem vielbeachteten MET-Debüt kehrte er Anfang 1954 nach Italien zurück wo er am Opernhaus in Como den Zurga in Bizet’s Les pecheurs de perles präsentierte. Im Anschluss daran sang er in Triest den Athanael in Massenet’s Thais.


    Danach reiste Bastianini nach Venedig, wo er am 13. Februar 1954 sein Debüt am venezianischen Teatro La Fenice gab und dabei auf Maria Callas traf, um mit ihr und Luigi Infantino als Edgardo in Lucia di Lammermoor aufzutreten. Er reiste anschließend weiter nach Genua, um im März am dortigen Teatro Carlo Felice mit Aufführungen von La forza del destino ein weiteres Hausdebüt zu geben. Mit ihm auf der Bühne standen Caterina Mancini, Giulietta Simionato, Roberto Turrini und Giorgio Tozzi. Nur eine Woche später erlebte das Genueser Publikum ein weiteres seiner vielen Rollendebüts in jener Zeit – Bastianini sang den Melchior in Menotti’s Amahl and the Night Visitors (Amahl und die nächtlichen Besucher).


    Im April tourte er gemeinsam mit Caterina Mancini durch Straßburg und andere Städte in Frankreich, abermals um den Don Carlo di Vargas in La forza del destino zu singen.


    Für Ettore Bastianini ging ein weiterer Traum in Erfüllung als es 1954 zu seinem „zweiten Debüt" an der Mailänder Scala kam. Nachdem er bereits 1948 die Basspartie des Teiresias in Oedipus Rex gesungen hatte, kehrte er nun als Bariton nach Mailand zurück.


    R.a70efdb23475cdd72456515edb2d25ef?rik=ozqDbU6fk5ZLYg&riu=http%3a%2f%2fspazioinwind.libero.it%2fdavidmac%2fImmaginiBas%2fonegin.jpg&ehk=3rdBfcgv5uNQMnaPOBm7jIxCmjNfc3KP5T7tFspH7g4%3d&risl=&pid=ImgRaw&r=0Die ihm angebotenen Rollen in Zweitbesetzungen lehnte er ab und am 10. Mai 1954 kam es dann zu seinem „echten Scala-Debüt" als er die Titelrolle in Tschaikowsky’s Eugen Onegin (Bild links) übernahm. Die italienische Opernwelt, die in jener Zeit die Russische Oper gerade für sich entdeckt hatte und die für Ettore so viele Türen öffnete und Möglichkeiten bot – verliebte sich ganz besonders in Tschaikowsky’s erfolgreichste Oper, was auch an Bastianini’s Interpretation der Rolle lag. Die Partie des Onegin war wie geschaffen für ihn und seinen virilen klangvollen Bariton.


    Die Besetzung war erstklassig. Bastianini’s Partner waren Renata Tebaldi als Tatiana, Giuseppe Di Stefano als Lenski, Raffaele Arié als Gremin, Cloe Elmo als Filipjewna und Ira Malaniuk als Olga – gespielt wurde die Oper damals natürlich in italienischer Sprache.


    Es war ein Triumph für alle Beteiligten, doch besonders für Ettore Bastianini, der ein Onegin wie aus dem Bilderbuch gewesen ist. Das Publikum war einfach hingerissen von ihm. In diesem Publikum befand sich auch der italienische Bass Nicola Rossi-Lemeni, der sehr beeindruckt von Bastianini’s Gesang und Erscheinung gewesen ist und sich später erinnerte:


    „Ettore’s Stimme von den ersten Phrasen an zu hören war magisch! Die Klangfarbe, das Timbre, die samtige Qualität seines Tonfalls!"



    Nur wenige Wochen nach diesem Triumph feierte Ettore mit einer weiteren Tschaikowsky-Partie einen großen Erfolg. Das Publikum in Florenz erlebte ihn neben Magda Olivero und Boris Christoff in der Titelrolle von Mazeppa.


    Nach Rigoletto-Aufführungen die ihn nach Augsburg führten und nach Vorstellungen von La forza del destino mit Adriana Guerrini in Enna, schloss sich Ettore im Sommer 1954 dem Carro di Tespi – einer herumreisenden Freilichttheatertruppe – an, und sang im Rahmen einer Tournee Rigoletto in Perugia, San Benedetto del Tronto, L’Aquila, Macerata, Avezzano und in Chianciano Terme mit Gianna D’Angelo als Gilda und Giuseppe Di Stefano als Herzog von Mantua.

    Die gleiche Partie sang er dann auch in den römischen Caracalla-Thermen, abermals mit D’Angelo und Di Stefano.

    Es war zu dieser Zeit als Bastianini seine Liebe zu Freilichtaufführungen und Open-Air-Festivals entdeckte.


    Bevor er im Herbst 1954 für fast sechs Monate nach New York aufbrach, um an die Metropolitan Opera zurückzukehren, sang er in Turin noch den Marcello in La bohème an der Seite von Clara Petrella als Mimi.


    In New York angekommen, sang er zunächst Giorgio Germont in La traviata, abermals mit Licia Albanese als Violetta und mit Giacinto Prandelli als Alfredo, und den Amonasro mit Zinka Milanov als Aida und Mario Del Monaco als Radames.


    Über seinen Amonasro urteilte ein Kritiker von Musical America: „Der junge Herr Bastianini hat heute eine der schönsten Baritonstimmen an der MET und sie erklang in der Musik Amonasro’s außergewöhnlich aufregend. Und dennoch fühlte der Künstler sich noch nicht ganz wohl in der Bewegung und holte noch nicht alles aus der Musik heraus, aber er ist immer noch ein Talent, auf das man achten muss."


    Am 10. Dezember 1954 sang er seinen ersten Carlo Gerard in Andrea Chenier an der MET. Eine Rolle, die zu eine seiner besten werden sollte, und in der er auch an der MET für Begeisterungsstürme sorgte. Die Maddalena wurde von Hella Nervi gesungen, die Titelrolle von Mario Del Monaco.


    In einer Kritik zu seiner Interpretation des Carlo Gerard hieß es: "Bastianini’s Nemico della patria, Carlo’s Arie im dritten Akt, brachte die Vorstellung zu einem Stillstand, wie es auch verdient war. Sein Gerard hatte mehr Dimensionen als die meisten anderen Charaktere, die er an der Metropolitan Opera gegeben hat, und sein Schauspiel verlieh seinem strahlenden Gesang in der Arie zusätzliche Kraft. Wenn eine Oper der menschlichen Kehle so umwerfende Klänge entlocken kann, wie es Andrea Chenier bei Nervi, Del Monaco und Bastianini tat, sind Aufführungen absolut gerechtfertigt."


    Kurzzeitig verließ er New York um für die San Antonio Opera Company in Lucia di Lammermoor – mit Lily Pons als Lucia – aufzutreten.


    Die Erfolge des Jahres 1954 und die Triumphe in den Opernmetropolen Mailand und New York machten aus dem 32-jährigen Baritonaufsteiger einen der führenden und wichtigsten Baritone seiner Zeit. Und der Zenit war noch gar nicht erreicht. Denn für Basti ging es weiter und weiter hinauf und der nächste Triumph, von dem bis heute noch die Rede ist, wartete schon auf ihn.

    Davon mehr im nächsten Teil.


    Gregor

    Jetzt scheint es wirklich unschön zu werden zwischen Herrn Jordan und Herrn Roscic. Wenn das so stimmt, dass vereinbart war, dass keiner von beiden ein Interview gibt und Roscic dann in der ZIB auftaucht ... :no:


    Jordan will auf jeden Fall seinen Verpflichtungen an der WSO bis 2025 nachkommen. Diese beinhalten in nächster Zukunft das Dirigat der neuen Meistersinger und der Rosenkavalier im Dezember. Ich hoffe, dass Jordan dirigiert!



    https://kurier.at/kultur/kein-…egnet-anwuerfen/402169533



    Gregor

    Zurück zu David Poleri: Ein Opernfreund von mir hat ihn mir einst extra vorgestellt, weil er ihm so gefällt.

    Das klingt als wärst du ihm persönlich begegnet, lieber greghauser. 8)

    Jedenfalls Danke für deine Informationen zu Poleri, über dessen Karriere ich bislang nichts wusste. Abgesehen von besagter Pique Dame.

    Ich erinnere mich gelesen zu haben, dass er während seiner Flitterwochen gemeinsam mit seiner Ehefrau bei einem Hubschrauberabsturz jung ums Leben kam.


    Ich werde demnächst versuchen, beim NDR zu den drei genannten Opern etwas Näheres zu erfahren.


    Außerdem werde ich nachfragen, wann genau Ettore Bastianinis Arien-Aufnahmen (aus "Il barbiere di Siviglia", "Rigoletto", "Un ballo in maschera", "La forza del destino", "Otello" und "Andrea Chenier") mit dem Sinfonie-Orchester des Norddeutschen Rundfunks unter der Leitung von Wilhelm Schüchter eingespielt wurden.


    Dann bin ich schon gespannt was du noch zu Tage förderst, lieber Carlo.



    Gregor

    Wer kennt David Poleri?


    Auf Youtube kann man sich den Mitschnitt der Pique Dame von 1952 anhören. Obwohl ich ein Verfechter der Originalsprache bin, stört mich der italienische Tschaikowsky gar nicht.

    Was zum Teil vielleicht daran liegt, dass Tschaikowsky ein ohnehin sehr westlich orientierter Komponist gewesen ist, und seinen Opern bzw. seiner Musik oft etwas Italienisches anhaftet. Es liegt aber auch sicher an der fantastischen Wiedergabe dieser Oper.

    Die Sänger sind exzellent, darunter Sena Jurinac, Gianna Pederzini, Mario Petri und eben Bastianini.

    Dann ist da noch der Tenor David Poleri als Hermann, der mir bis zu dieser Aufnahme unbekannt gewesen ist.

    Sein Hermann ist großartig. Poleri vermittelt die Verzweiflung und den Wahn Hermann's so eindringlich mit vokalen Mitteln, dass man ihn gar nicht sehen muss, um ergriffen zu sein.


    Wer sagt eigentlich, dass Sänger in jenen Tagen nur Rampensingen betrieben haben und es kein schauspielen gab? Das kann gar nicht sein, wenn man sich diese packende Aufnahme anhört!


    Leider scheint es nicht viele Möglichkeiten zu geben, Poleri (auf dem Youtube-Bild ganz rechts zu sehen) in anderen Aufnahmen zu hören. Ein Vergessener?





    Gregor

    Das gesamte Kurier-Interview darf aus Urheberrechtsgründen bei Tamino nicht kopiert werden. Aber nun berichten auch andere Medien von Jordan's Gründen warum er seinen Vertrag mit der Wiener Staatsoper nicht mehr verlängern will.


    Zitate von Philippe Jordan:


    "Die Antwort kann nicht sein, dass wir den ausgetretenen Weg des dahinsiechenden deutschen Regietheaters unbeirrt immer weitergehen."


    "Selten in meiner Karriere war ich bei Inszenierungen wirklich glücklich"


    "Bei vielen, um nicht zu sagen bei den meisten der heutigen Regisseure vermisse ich aber diese gründliche Vorbereitung. Etwas drumherum zu erfinden oder es auf primitive Weise zu aktualisieren, ist im eigentlichen Sinn des Wortes keine Kunst."



    https://www.news.at/a/musikdir…ordan-staatsoper-12726994



    Gregor

    Ein neues Interview mit Philippe Jordan, dem musikalischen Direktor der Wiener Staatsoper, sorgt derzeit für große Aufregung. Für viele wird er dadurch jetzt auch zum Helden:


    Auszug aus dem Interview:


    Die Problematik der Regie: "Ich glaube, dass unser Theater, was die Regie betrifft, seit langer Zeit einen fatalen Irrweg eingeschlagen hat. ... letztendlich führt dieser Weg auf Dauer zu einem unvermeidlichen Scheitern." Und: "Ich habe nicht das Gefühl, dass Intendanten, Dramaturgen und besonders die Regisseure wirklich an diesem Miteinander von Theater und Musik interessiert sind."


    Das gesamte Interview:


    https://kurier.at/kultur/dirig…-fatalem-irrweg/402166506



    Gregor

    71u57+dDuXL._SL500_.jpgDer NDR-Mitschnitt von Puccini's Il tabarro ist ebenfalls 1953 entstanden.


    Es gibt manchmal auch Hinweise auf die Entstehungsjahre 1954 und 1955, die aber nicht stimmen. So auch auf der von Carlo erwähnten MYTO-Aufnahme, die zwar am Cover das Produktionsjahr 1955 nennt, aber auf der Rückseite den Hinweis "Live-Aufnahme 1953" angibt.


    Das Label GOP Great Opera Performances gibt sogar das konkrete Datum der Aufnahme an. Den 21. Juni 1953 in Hamburg.


    Das Orchester und der Chor sind vom NDR, die Besetzung aller Gesangsrollen ist allerdings rein Italienisch.


    Die Sopranistin Nora de Rosa beispielsweise, die einige Jahre nach dieser Aufnahme auch an der Mailänder Scala aufgetreten ist, ist die Giorgetta dieser Aufnahme.

    Der Tenorpart des Luigi wird von Salvatore Puma gesungen.

    Beide Sänger - der Generation Bastianini's angehörend - tauchten vor allem auf Spielplänen und Aufnahmen der 50er und 60er Jahre auf.


    Übrigens singt der junge und noch ganz am Anfang seiner Karriere stehende Luigi Alva die Partie des Il venditore.


    Bastianini's Michele wurde von Publikum und Presse gefeiert. Mit seiner schön timbrierten und kräftigen Stimme vermochte er auch die Verzweiflung und die Qualen seiner Figur so glaubhaft und eindringlich auszudrücken.


    Auch wenn alle Sänger zwar gut miteinander agieren, wird diese Aufnahme von Puccini's Verismoschocker ganz klar von Bastianini getragen.



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    Gregor

    Mit Beginn seiner Baritonkarriere fand Bastianini's Stimme auch ihren Weg zu Tonaufnahmen und Schallplatteneinspielungen.


    So erschien 1953 seine erste Studioaufnahme: Verdi's Aida mit Bastianini als Amonasro. Die Titelrolle singt Mary Curtis Verna.


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    Die triumphale Pique Dame aus Florenz von 1952 mit Bastianini's gefeiertem Yeletzky ist auf CD erschienen.


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    Außerdem erschien der Mitschnitt von Prokofiev's Krieg und Frieden aus Florenz von 1953 in dem Basti's Partner Franco Corelli und Rosanna Carteri sind.



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    Dann noch der Paisiello-Barbier:

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    Gregor

    Teil 3 - Durchbruch als Bariton (1952 - 1953)


    Nach dem großen Erfolg als Giorgio Germont in Bologna und seinem Debüt als Amonasro in Aida in Pescara - es war seine bereits dritte Partie in dieser Verdi-Oper nach Ramfis und dem König - war es interessanterweise die Russische Oper die ihm alle Türen öffnete. In den 1950er Jahren kam es an den italienischen Opernhäusern geradezu zu einer "Entdeckung" des russischen Repertoires - natürlich damals noch in italienischen Übersetzungen.

    Im Dezember 1952 kam es am Teatro Comunale in Florenz zu Aufführungen von Tschaikowsky's Pique Dame oder wie es in der italienischen Fassung heißt La Dama di Picche. Als Dirigent Artur Rodzinski und Regisseurin Tatiana Pavlova die gehaltvolle und satte Stimme des 30-jährigen Baritons hörten, wussten sie sofort, dass sie ihren idealen Fürst Yeletsky gefunden hatten. Sena Jurinac sang die Lisa.


    Diese Aufführungen gelten als die eigentliche Geburtsstunde des Baritons Ettore Bastianini.


    Nun brachte er wirklich alles mit, um eine außergewöhnliche Karriere zu machen. Er war attraktiv, besaß eine "goldene Stimme", war auf dem Weg zu Berühmtheit und Wohlstand, und zahlreiche begeisterte weibliche Fans umschwärmten ihn. Es heißt vielen davon hat er widerstanden - nun, sicher nicht allen. Aber die Karriere stand für ihn an erster Stelle.

    Er hat sich mit viel Arbeit und Ehrgeiz von einem "Nullachtfünfzehn-Bass" zu einem Bariton mit Weltklasse-Potential verwandelt.


    Nur einen Monat nach seinem bejubelten Yeletsky kam es zu einer Begegnung die seiner Karriere den nächsten Schub verpassen sollte - in Form von Maria Callas, die genau wie Bastianini selbst gerade richtig durchstartete. Callas kam nach Florenz um dort am 25. Januar 1953 mit Ettore als Enrico und Giacomo Lauri-Volpi bzw. später Giuseppe di Stefano als Edgardo Donizetti's Lucia di Lammermoor aufzführen. Es war leicht für Maria und Ettore das florentinische Teatro Comunale zu füllen und das Publikum zu begeistern.


    md17006938554.jpgIn Bastianini’s Karriere gab es nur wenige komische Rollen. Aber er sang beide Barbiere - den von Paisiello, 1953 in Florenz, später dann auch den von Rossini. Viele Verdi-Baritone vermögen es nicht ihre Stimmen für diese Art von Rollen aufzuhellen und lockerer zu werden. Bastianini konnte es! Man hört es sowohl in den Aufnahmen dieser Opern als auch in den italienischen Liedern wie beispielsweise in Tosti’s Marecchiare.


    Dann ging es nach Genua für ein weiteres Rollendebüt - Olivier in Richard Strauss' Capriccio (!). Und dann wartete in Florenz ein anderer Fürst auf ihn. Nämlich der Andrei in Prokofiev's Krieg und Frieden bzw. Guerra e Pace. Die erste Aufführung dieser Oper außerhalb von Russland fand am 26. Mai 1953 statt. Damals konnte das Vier-Stunden-Werk, welches auch mit Rosanna Carteri und Franco Corelli besetzt gewesen ist, nicht überzeugen. Aber Ettore Bastianini erfüllte seine romantischen Szenen mit unbeschreiblicher vokaler Schönheit, besonders seine Stimmpracht wurde in Kritiken gerühmt und er wurde - genauso wie Corelli - für seine so lebensnahe Darstellung hochgelobt.


    Ebenfalls im Jahr 1953 reiste er für eine Fernsehfassung von Puccini’s Il tabarro - für eine Rolle die normalerweise von älteren Sängern übernommen wird - nach Hamburg. Der Michele ist eine Figur in seinen Fünfzigern, Bastianini war gerade mal 30 Jahre alt. Aber er besaß die Klangtiefe und die Reife für diese Partie. Michele’s quälerisches Misstrauen und dessen Unglücklichsein fielen ihm leicht.


    Wie es ganz typisch für ihn war, erreichte er Augsburg in Deutschland für Auftritte als Amonasro und als Don Carlo in Verdi's La forza del destino – mit Leonie Rysanek als Partnerin - im August 1953 mit seinem Auto, in dem er von Florenz über die Alpen und den St. Gotthard-Pass fuhr und sein Ziel drei Tage später erreichte. Nach dem Don Carlo ging es mit dem Auto zurück nach Triest für den Zurga in Die Perlenfischer, danach nach Turin für den Carlo Gerard in Andrea Chenier und schließlich nach Perugia für La Passione di Cristo von Lorenzo Perosi.


    Zum ersten Mal ging es für Ettore Bastianini auch in ein Aufnahmestudio. So nahm er für eine Gesamtaufnahme den Amonasro in Aida auf.


    Sein kometenhafter Aufstieg in Europa blieb in den USA nicht unbemerkt und Rudolf Bing, Direktor der New Yorker Metropolitan Opera, bat seinen "Mann in Europa", Roberto Bauer, Bastianini's Sprung über den Atlantik zu vereinbaren. Ein vom ausgiebigen Fahrradfahren topfitter Ettore Bastianini kam somit nach Amerika, ganz versessen darauf dort zu singen und Amerikanische Western- und Marilyn-Monroe-Filme zu genießen.


    Sein MET-Debüt erfolgte am 05. Dezember 1953 als Giorgio Germont in La traviata an der Seite von Licia Albanese als Violetta und Richard Tucker als Alfredo.


    Die Kritiken waren etwas zurückhaltend. Er wurde für seine wunderschöne Stimme zwar allseits gelobt so wie auch gerne darauf hingewiesen wurde, dass er ein außergewöhnlich gutaussehender Mann ist, er wurde aber auch als etwas schwerfällig in seinem Bühnenspiel empfunden - was sicher auch an seiner Rolle lag die er darstellte.


    Tatsächlich war es seine sehr jugendliche Ausstrahlung als alternder Aristokrat – er war immerhin erst 31 Jahre alt – die zunächst noch nicht alle überzeugte.


    Ein Rezensent von Musical America vermerkte damals: „Die erste La Traviata der Saison diente dazu, einen vielversprechenden jungen italienischen Bariton, Ettore Bastianini, in der Rolle des älteren Germont vorzustellen. Die Stimme ist voluminös und von angenehmer Textur, und Herr Bastianini hat eine tenorartige Projektion, die verhindert, dass seine Töne jemals verschluckt werden oder hohl klingen. Sein Di Provenza il mar brachte ihm einen Beifallssturm ein, der nicht abklingen wollte, bis der Dirigent die Aufführung wieder aufnahm."


    Ein anderer Kritiker beobachtete dazu: "Wenig wusste man über ihn bevor er hier ankam. Die dunkle Fülle seines Klanges qualifizierte ihn als Partner für Albananese und Tucker, obwohl er eindeutig dazu neigte, seine Stimme zu übertreiben und seine Rolle runterzuspielen".


    Weiter heißt es dann: "Die Stimme war ein akustischer Hochgenuss als Luna in Verdi's Il Trovatore (mit Zinka Milanov) am 25. Dezember und genauso am 13. Januar als Enrico in Lucia di Lammermoor mit Lily Pons und Jan Peerce."


    Innerhalb von weniger als zwei Jahren hat Bastianini sich einen so beachtlichen Ruf als Bariton erschaffen, dass er von praktisch allen wichtigen Opernhäusern weltweit angefragt wurde.



    Gregor

    Heute abend um 19.30 Uhr in Radio Ö1 von den Salzburger Festspielen 2022:


    Gaetano Donizetti

    LUCIA DI LAMMERMOOR


    mit der Traumbesetzung Lisette Oropesa als Lucia und Benjamin Bernheim als Edgardo.


    In weiteren Rollen: Ludovic Tézier (Enrico), Roberto Tagliavini (Raimondo), Riccardo Della Sciucca (Arturo), Ann-Kathrin Niemczyk (Alisa), Seungwoo Simon Yang (Arturo)

    Philharmonia Chor Wien, Mozarteumorchester Salzburg, Dirigent: Daniele Rustioni


    https://oe1.orf.at/



    Gregor

    Um den zweiten Teil und die Basskarriere Bastianini's abzuschließen, hier noch ein Überblick über die uns bekannten von ihm gesungenen Basspartien. Und das waren gar nicht wenige!



    Abimelech (Samson et Dalila) - Alexandria 1950

    Alvise (La gioconda) - Ferrara 1948

    Betto di Signa (Gianni Schicchi) - Barcelona 1948

    Brander (La damnation de Faust) - Genua 1948

    Colline (La bohème) - Ravenna 1945, Bologna, Forlì, Ravenna, Ferrara, Como 1948, Caracas 1949, Turin 1951

    Comte Des Grieux (Manon) - Lucca 1950

    Don Basilio (Il barbiere di Siviglia) - Florenz, Rubiera, Pisa 1946, Ägypten Tournee 1947, Kairo 1949 (mit Tito Gobbi), Ägypten Tournee 1951

    Ferrando (Il trovatore) - Lucca, Ferrara 1948, Kairo 1949 (mit Maria Caniglia), Ägypten Tournee 1950

    Grech (?) (Fedora) - Parma 1949

    Grenvil (La traviata) - Ägypten Tournee 1950 (mit Virginia Zeani)

    Gualtiero (?) (I puritani) - Barcelona 1949

    Il Re (Aida) - Alexandria 1949

    Il Talpa (Il tabarro) - Barcelona 1948
    Il Vescovo (?) (La fiamma) - Barcelona 1948

    Kezal (?) (Die verkaufte Braut) - Turin Radioproduktion 1950

    Lothario (Mignon) - Ägypten Tournee 1950

    Mephistofele (Faust) - Cento 1948

    Padre Guardiano (La forza del destino) - Ägypten Tournee 1950

    Raimondo (Lucia di Lammermoor) - Ägypten Tournee 1947, Caracas 1949, Ägypten Tournee 1950 (mit Beniamino Gigli)

    Ramfis (Aida) - Novara 1948, Caracas, Barcelona 1949, Ägypten Tournee 1951

    Rodolfo (La sonnambula) - Kairo 1949

    Sparafucile (Rigoletto) - Rubiera, Florenz 1946, Ägypten Tournee 1947, Kairo (mit Tito Gobbi), Caracas 1949, Alexandria 1950 (mit Gino Bechi)

    Teiresias (Oedipus Rex) - Mailand 1948

    Timur (Turandot) - Lucca 1950, Ägypten Tournee 1951

    Walther Fürst (?) (Guglielmo Tell) - Ägypten Tournee 1951

    Zio Bonzo (Madama Butterfly) - Florenz 1946, Parma 1949



    Es ist eigentlich kaum zu glauben, dass es keinerlei Aufnahmen Bastianini's aus seiner Basszeit geben soll.



    Gregor

    Teil 2 - Karriere als Bass und der Wechsel zum Bariton (1945 bis 1952)


    Nach Ende des zweiten Weltkrieges konnte Bastianini mit einigen Konzerten - unter anderen in Ravenna und Forlì, für die er exzellente Kritiken bekam - seine beginnende Karriere fortsetzen und endlich das Stipendium genießen, das ihm durch den Wettbewerbssieg 1942 in Florenz zuteil wurde, und welches ihm ein Studium am dortigen Teatro Comunale ermöglichte.

    An diesem Haus sang er dann mit bereits bekannten und zukünftigen Operngrößen wie Fedora Barbieri, Mirto Picchi oder Rolando Panerai. Er sang zudem in zahlreichen Opern in kleineren italienischen Opernhäusern, darunter das Teatro Verdi in Florenz.

    Zu seinen Rollen gehörten Bonzo in Madama Butterfly, Don Basilio in Il barbiere di Siviglia oder Sparafucile in Rigoletto.


    Im März 1946 bekam er exzellente Kritiken für zwei Konzerte am Teatro Comunale in Florenz.


    Mit Maestro Flaminio Contini und dessen Ehefrau, der Sopranistin Dina Mannucci Contini, bildete er in dieser Zeit gemeinsam mit einigen anderen Sängern eine Operngruppe die 1947 nach Ägypten reiste. Dort wurde ihm erstmals international Aufmerksamkeit zuteil, und er trat dort ab Januar 1947 zuerst in Alexandria, dann in Kairo und in Gizeh auf und übernahm die Basspartien an der Seite von Dina Mannucci die Sopranrollen wie Gilda, Lucia und Rosina sang. Gino Bechi kam als Bariton bei dieser Tournee zum Einsatz.


    Ettore_Bastianini.jpg1948 blieb er vorwiegend in seinem Heimatland und trat in einer Vielzahl von Häusern in 18 verschiedenen italienischen Städten auf. Um seine Auftrittsorte zu erreichen, leistete sich der motorbegeisterte 25-jährige seine ersten schnellen Autos. Zuerst einen Topolino, dann ein dunkelgrünes Fiat-Sportauto, später dann auch einen Porsche.


    Im selben Jahr folgten erste Auftritte in Spanien. In Barcelona sang er Basspartien in Il tabarro, Gianni Schicchi und Respighi's La fiamma, 1949 dann in I puritani.


    Am 24. April 1948 debütierte er als Teiresias in Strawinsky's Oedipus Rex an der Mailänder Scala.


    Er reiste für Auftritte nach Südamerika, flog nach Caracas, Venezuela, um dort in vier verschiedenen Opernpartien aufzutreten - Ramfis (Aida), Raimondo (Lucia di Lammermoor), Colline (La bohème) und Sparafucile (Rigoletto).

    Er kehrte aber in den Jahren 1949, 1951 und 1952 auch immer wieder nach Ägypten zurück.


    Am 29. Dezember 1950 gab Ettore Bastianini sein Liederabend-Debüt, welches im italienischen Radio übertragen wurde und ihn im ganzen Land bekannt machte.




    Eines Tages, als er mit Gino Bechi zusammensaß, lehnte sich dieser zu Ettore herüber und meinte:


    "Du bist in Wirklichkeit ein Bariton, weißt du? Ich bin ein Narr, dir das zu sagen, weil ich eigentlich nicht noch mehr Konkurrenz brauchen kann, aber es ist wahr!"



    Und tatsächlich besaß Bastianini zwar ein herrliches Timbre, aber als Bass war er in der Lautstärke begrenzt, und das tiefe Bassregister war schwach und leise. Er hatte Schwierigkeiten die ganz tiefen Töne zu erreichen und verließ sich bei so mancher Rigoletto-Vorstellung auf den Chor, um das letzte "Fa" in der Arie Sparafucile's zu stützen und zu kräftigen.


    Bastianini kam ins Grübeln. Seine Karriere lief zwar gut und er war stets beschäftigt, doch von Ruhm und Popularität konnte keine Rede sein. Er fühlte sich festgefahren. Er vertraute Freunden an, dass er sich im Baritonfach, mit dem er schon experimentiert hat, eigentlich sehr wohl fühlt. Doch er ließ sich davon überzeugen, dass sein wahres Talent doch in den dunkleren und tieferen Regionen seiner Stimme liegen würde, und er doch seinem bisherigen Weg weitergehen solle. Das tat er dann auch, aber das sollte nicht für lange sein.


    Als er eines Tages mit seinem Lehrer, Luciano Bettarini, den Padre Guardiano in La forza del destino einstudierte, sang Ettore plötzlich Tu mi condanni a vivere ..... - die Zeilen des Tenors.

    Dazu erklärte Bastianini später: "Die Musik war so schön, dass ich sofort weitersang. Ich konnte einfach nicht anders."

    Bettarini hörte sich seinen Gesang an und war erstaunt wie mühelos er mit der hohen Tessitura zurechtkam. Bettarini sagte ihm:


    "Ich glaube nicht, dass du überhaupt ein Bass bist!"



    Aber konnte er so einfach elf Jahre Bassgesang und -ausbildung aufgeben? Viele meinten, dass das unmöglich sei.

    Das spornte den ohnehin ehrgeizigen Bastianini noch mehr an. Er ging mit Entschlossenheit daran, sich in einen Bariton zu verwandeln - er fühlte, dass das seine eigentliche Bestimmung sei.

    Für mehr als ein halbes Jahr zog er sich zurück und arbeitete mit Bettarini intensiv an seiner Bariton-Stimme.


    Zuvor gab er im April 1951 seinen letzten Auftritt als Bassist am Teatro Alfieri in Turin. Er beendete seine Basskarriere mit jener Partie, mit der seine Opernkarriere einst begann - mit dem Colline in La bohème.

    Ein Kreis schloss sich.


    Am 17. Januar 1952 war es dann soweit: Erstmalig trat Ettore Bastianini in einer Baritonpartie vor das Publikum. In Siena sang er den Giorgio Germont in La traviata. Die ihn stets unterstützenden Continis waren an seiner Seite. Maestro Contini dirigierte die Vorstellung, Dina Mannucci Contini sang die Violetta. Am Ende des Abends steuerte er mit zwei Arien aus Andrea Chenier und Il trovatore sogar noch zwei Zugaben bei.

    Aber Bastianini war noch nicht zufrieden. Auch das Publikum war noch nicht überzeugt. 11 Jahre als Bass kann man nicht so einfach abschütteln.

    Es fehlte seiner Baritonstimme noch an Brillanz. Die Spitzentöne, die später zu eine seiner großen Stärken werden sollten, waren noch nicht ausgereift.


    Also zog er sich abermals für ein halbes Jahr zum Studieren zurück, und am 19. Juli 1952 folgte in Siena sein "zweites Bariton-Debüt". Diesmal als Rigoletto!

    Während des zweiten Aktes jedoch kam es im Duett zu einem Gesangsfehler der Sopranistin, der Bastianini derart irritierte, dass er plötzlich selbst aus dem Konzept geriet und einen Aussetzer hatte.

    Danach kam es zu großen Debatten unter Fachleuten als auch dem Publikum. War sein Wechsel zum Baritonfach ein Fehler? Ist er bereits am Ende?


    Doch der selbstbewusste Bastianini ließ sich nicht beirren. Er wusste, dass er auf dem richtigen Weg war.

    Im Herbst 1952 sang er in Bologna abermals den Germont in La traviata mit Virginia Zeani als Violetta. Mit triumphalem Erfolg. Bastianini war an seinem Ziel angekommen.



    Gregor

    Zwei neue Veröffentlichungen mit Lisette Oropesa im Oktober 2022.


    Zuerst erscheint am 07. Oktober mit French Bel Canto Arias ein Album auf dem Oropesa zwei ihrer Leidenschaften miteinander verbinden kann - Belcanto und die Französische Sprache.

    Zu Gehör bringt die Sopranistin weniger Bekanntes als auch Berühmtes von Gioachino Rossini und Gaetano Donizetti - wobei es immer wieder auch mehr deutliche Unterschiede zu den original italienischen Fassungen gibt als nur die Sprache.


    Schon mal reinhören in das Album kann man auf der Homepage von Pentatone:


    https://www.pentatonemusic.com…t/french-bel-canto-arias/




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    Am 28. Oktober erscheint Händel's Theodora mit Oropesa in der Titelrolle und mit Joyce DiDonato und Michael Spyres in weiteren Hauptpartien.



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    Gregor

    Lieber Rüdiger, ich danke auch dir.

    Was das "eigene Thema" betrifft, bin ich davon ausgegangen, dass es natürlich in den thread des Sängers gehört (ich finde es immer furchtbar, wenn es zu einem Thema gleich zwei oder gar noch mehrere threads gibt), und es wahrscheinlich ohnehin nicht viele Kommentare geben würde. Aber es kommt ja manchmal anders als man denkt ...

    Sollte es wirklich zu sehr zerfranst werden, macht dein Vorschlag natürlich absolut Sinn und man könnte die entsprechenden Beiträge einfach ausgliedern. Ich werde mal schauen wie sich das in nächster Zeit gestaltet. Ich werde aber auf jeden Fall ohnehin immer durch Kapitelangaben versuchen eine Struktur und Übersicht hereinzubringen.


    Gregor