Beiträge von Gregor

    Bei Domingo glaube ich angesichts der Vielzahl der Frauen, die sich dazu geäußert haben, nicht an seine Unschuld.

    Das finde ich immer interessant, wenn solche Anschuldigungen auftauchen. Es gibt oft immer gleich eine ganze Reihe von Opfern die sich melden. Egal ob Levine, Weinstein, Cosby ... Aber ist es tatsächlich so? Je mehr Leute sich melden, umso "wahrer" ist die Geschichte? Da wäre ich vorsichtig. Haben die Menschen denn nichts aus der Benny-Fredriksson-Tragödie gelernt? Solche Geschichten können einen Menschen wirklich ruinieren. Obwohl bei Fredriksson ja andere Anschuldigungen im Raum standen, aber die Wirkung ist die gleiche.

    Somit sollte man vorsichtig sein mit Vorverurteilungen.


    Interessant ist auch zu sehen wie unterschiedlich die Opernhäuser in Europa und den USA reagieren. Über dem großen Teich werden ja Domingo-Veranstaltungen abgesagt, nicht nur Philadelphia, sondern auch in San Francisco wurde die Feier zu seinem dortigen 50-jährigen-Jubiläum abgesagt. Die LA-Opera startet eine Untersuchung und die Dallas Opera sagt, man werde die weiteren Entwicklungen genau verfolgen. Auch die MET wartet ab.

    Trotzdem spricht die Frankfurter Rundschau in einem Artikel bereits von seinem Karriereende.


    Auch europäische Opernhäuser wie die Oper in Zürich und die Staatsoper in Wien sehen derzeit noch keinen Handlungsbedarf und kündigen Domingo nach wie vor in ihren Spielplänen an. Unterstützung erfährt Domingo bislang einzig und allein von den Salzburger Festspielen und deren Festspielpräsidentin Rabl-Stadler, die ein dementsprechendes Statement veröffentlicht hat, das sicher inzwischen alle kennen.


    Somit wird Domingo seinen ersten Auftritt seit diesen Schlagzeilen am 25. August in der konzertanten Luisa Miller in Salzburg haben.


    Gregor

    Jetzt stellt sich auch die Frage, wie es mit Domingo's Karriere weitergehen wird. Was denkt ihr? Haben im Grunde doch alle Künstlerkarrieren, die in Verbindung mit solchen Anschuldigungen stehen, ein jähes Ende gefunden. Kann ein Superstar wie Domingo auch so einen Sturm überstehen?


    Ein Levine hat das nicht geschafft. Und ein David Daniels auch nicht. Die Sache mit Daniels war ja auch eine besonders üble Geschichte, die hier im Forum allerdings erstaunlicherweise totgeschwiegen wurde. Oder lag es einfach nur daran, dass man sich für Countertenöre nicht besonders interessiert?

    Die Daniels-Affäre hat ja auch optische Spuren bei dem Sänger hinterlassen. Auf den neuesten Fotos ist der Countertenor ja kaum noch zu erkennen. Ich bin fast erschrocken ...


    Gregor

    Der starke Ausdruck ist bei ihr öfter mal ein Aus“druck“. Die Hände zu Fäusten geballt gelang die anschließende Piano-Stelle nicht wirklich.


    Das hast du sehr gut ausgedrückt, liebe Boismortier. Und durch diesen Druck bekommt die Stimme dann diese unschöne Farbe und ein Tremolo schleicht sich ein. Ihr erster Platz bei Operalia erstaunt schon etwas, denn da gehörten Sängerinnen zu ihrer Konkurrenz, die als Gesamtpaket doch überzeugender waren. Allen voran Maria Kataeva zum Beispiel, die ich übrigens erst durch Operalia kennengelernt habe.

    Aber es ist schön, dass es zumindest ein Mitglied hier gibt, welches ein bißchen genauer hinhört und jede Kritik nicht gleich persönlich nimmt. Das ist doch zu albern.

    Man wird ja sehen, wie es mit Frau Gonzalez weitergehen wird. Wird sie zu den Operalia-Gewinnern zählen, die durchstarten, oder wird sie zu denen gehören, denen die große Karriere doch nicht gelingen will? Denn eine Weltkarriere garantiert auch ein Sieg bei Operalia nicht. Auch wenn dieser Wettbewerb für Gewinner laut Joyce DiDonato die Türen der führenden Opernhäuser öffnet und man den Placido-Domingo-Stempel bekommt.


    Gregor

    Ich habe mich nun mehr mit Adriana Gonzalez beschäftigt und inzwischen ist ihr Finalbeitrag vom Operalia-Wettbewerb auch auf YT zu finden. Und beim nochmaligen Anhören muss ich sogar noch mehr relativieren. Sie drückt viel zu sehr auf die Stimme und da schleicht sich jetzt schon ein leichtes Tremolo ein. Die Arie der Juliette ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht ideal für sie.


    Die Lobeshymnen die Caruso41 zur Sängerin gemacht hat, sind nicht ganz nachzuvollziehen. Weder ist die Stimme besonders farbenreich noch macht sich ihre Risikobereitschaft bezahlt. Im Gegenteil. Vielleicht kann sie ihre Qualitäten mit den von ihr gewählten Arien auch nicht ausdrücken, weil sie noch eine Nummer zu groß für sie sind. Aber für das rein dramatische Fach bietet sich die Stimme bei näherer Betrachtung doch nicht an. Es sei denn Caruso will, dass sich die Sängerin stimmlich runiert.

    Das dunkle Timbre mag im ersten Moment vermitteln, dass das eine Stimme für dramatische Partien ist, aber eine zart-lyrische Stimme ist das auch nicht. Sie befindet sich wohl eher in einem Zwischenfach. Wenn sie die Stimme zurücknimmt gelingen ihr immer wieder sehr schöne Phrasen, sobald sie dramatisch wird, verfärbt sie sich unschön und sie gerät deutlich hörbar an ihre Grenzen.


    Nein, da gibt es schon einige Alarmzeichen.





    Gregor

    In diesem Jahr bei Cavalleria/Pagliacci haben mich vor allem die beiden Damen Liudmyla Monastyrska (Santuzza), Aleksandra Kurzak (Nedda) angelockt und nicht enttäuscht.

    Marco Berti (Canio und Turridu) und Claudio Sgoura (Tonio und Alfio) singen zwar auch an ersten Bühnen, und hatten in Hannover durchaus Erfolg, konnten mich freilich mit ihrem ungenauen und undifferenzierten Singen nicht überzeugen.

    Ich habe es mir nun über TV angesehen, Caruso. Monastyrska war ganz klar die Sängerin des Abends. Da stimmte alles. Auch Kurzak sehr gut, auch wenn ihr lyrischer Sopran bei manchen dramatischen Ausbrüchen deutlich hörbar an Grenzen stieß.

    Sgura singt mir generell zu grob und polternd, und Berti sang ohne jegliche Geschmeidigkeit und ohne irgendwelcher Farben. So blieben beide eher eindimensional. Wobei das alles schon sehr spannend präsentiert wurde. Das war schon eine szenische Aufführung, aber eben ohne Bühnenbild.



    Bleibt Xabier Anduaga , um den es ja hier eigentlich nur geht. Die Partie des Beppe ist natürlich keine wirkliche Herausforderung und ich habe wohl noch keinen schlechten Interpreten damit gehört. Aber mir fiel er positiv auf, weil er erfreulich präzise sang, mit einer echten Eleganz des Atems und nobler Phrasierung. Nur leider ist die Stimme sehr leicht und denn für eine Open Air Vorstellung fast zu leicht. Solltest Du Dich weiter mit dem Tenor beschäftigen wollen, findest Du hier Material Entdeckungen: Neue Stimmen

    Anduaga's Timbre ist wirklich schön. Das Ständchen des Arlecchino hat er sehr geschmackvoll vorgetragen. Über seine Live-Wirkung kann ich nichts sagen, denn über das TV-Gerät klang seine Stimme genauso groß wie die der anderen Sänger, klar. :)


    Den Link zu Anduaga hast du übrigens schon weiter oben eingestellt. Vergessen? ;)


    Gregor

    Xabier Anduaga


    Der Operalia-Gewinner war vor kurzem der Beppe/Arlecchino in einer halb-konzertanten Aufführung von Leoncavallo's I Pagliacci beim NDR Klassik Open Air in Hannover. Es gab auch eine TV-Übertragung. Eine Veranstaltung, die an mir total vorbeigegangen ist. Aber vielleicht hat es ja jemand gesehen.
    Man kann sich die Aufführung auf der NDR-Homepage derzeit noch ansehen. Keine Ahnung wie lange. Wer es also sehen will, sollte sich beeilen.

    Neben Anduaga singen Marco Berti und Aleksandra Kurzak die Hauptrollen.

    Es dürfte im Anschluss auch noch eine Cavalleria Rusticana aufgeführt worden sein.


    https://www.ndr.de/kultur/musi…ir,klassikopenair288.html



    Gregor

    Optisch gibt die Kulisse von St. Margarethen natürlich viel her, da kann man sich als Zauberflöten-Regisseur wirklich austoben.


    Leider wurde diese Zauberflöte auch sehr kontrovers aufgenommen, da ein Schauspieler und kein Sänger die Rolle des Papageno übernommen hat. Die Kritiken für Max Simonischek, Sohn von Schauspielstar Peter Simonischek, fallen dementsprechend aus. Simonischek sagt ja gleich selbst, dass er nicht singen kann. Auch das Publikum zeigt sich sehr enttäuscht. Man liest leider kaum was Gutes über diesen Papageno.


    Simonischek versucht ja eigentlich gar nicht zu singen, es ist eher ein Sprechgesang. Ich habe mir unter anderem das Duett mit Pamina "Bei Männern welche Liebe fühlen" angehört, und wenn ein Papageno gesanglich nicht mit einer Pamina mithalten kann, verpufft da jede Wirkung.


    Das folgende Video mit einem Interview mit Herrn Simonischek - bei dem er in Ausschnitten von der Probenarbeit auch singend zu hören ist - wird nicht zur Akezptanz seiner Rollendarbietung beitragen. Wenn man seinen Worten folgt, war die Beschäftigung mit Mozart bisher eher eine Zeitverschwendung für ihn, und von der Opernarbeit hält er auch nach der Probenarbeit anscheinend nicht allzuviel. Geht es doch nach seiner Meinung eher um Optik und Wirkung als um die Zeichnung einer Rolle. Obwohl er auch lobende Worte für Opernsänger und deren Disziplin findet.

    Für ihn war das eher ein Ausflug aus seiner Komfortzone, eine Leidenschaft für die Gattung Oper scheint er wohl nicht entwickelt zu haben. Dafür erzählt er all das viel zu nüchtern.






    Gregor

    Ich habe mir Deine Videos nochmal angehört, auch wenn ich beide schon kannte. Christina Nilsson ist recht gut zu verstehen, u.a. da sie bei einigen Wörter neu ansetzt, die von Lise Davidsen legato durchgesungen werden und dadurch etwas verwischen. Allerdings wirkt der Gesang von Frau Nilsson auf mich etwas “eieriger“, nicht so „gradeaus auf der Luft“. Das gefällt mir persönlich nicht so gut, obschon ich ihren Klang sehr mag.

    Das kann ich nun so gar nicht sagen, liebe Boismortier. Da eiert für mich gar nichts, im Gegenteil. Ihr Ton kommt für mich klar und rund. Da ist die Stimme von Davidsen im Vergleich die deutlich unruhigere. Besonders in der Höhe beginnt ihr Sopran auffällig zu flackern. Aber es gibt Hörer, denen das halt gefällt. Mir gefällt das nicht ganz so gut, weil es den Gesamteindruck, der bei ihr schon gut ist, etwas trübt.


    Was das Legato betrifft, habe ich mir die beiden Videos nochmal ganz genau angehört und festgestellt, dass da kein großer Unterschied ist. Lediglich zum Ende hin akzentuiert Nilsson besonders deutlich und verbindet die Töne nicht mehr. Das macht Davidsen aber auch nicht, allerdings kaschiert sie das zugegebenermaßen sehr geschickt.


    Nilsson hat sich seit ihrem Auftreten beim Wettbewerb Neue Stimmen vor zwei Jahren, wo sie mir noch gar nicht so gut gefallen hat wie jetzt, deutlich weiterentwickelt. Im gleichen Jahr hat sie ja auch noch den Concorso Renata Tebaldi gewonnen und im Jahr zuvor schon ging sie als Siegerin beim Wilhelm Stenhammar-Wettbewerb hervor. Das ist schon auch eine junge Sängerin, die bei ihren Wettbewerbsauftritten immer deutlich hervorsticht.

    Müsste nicht heuer auch wieder eine neue Ausgabe des Neue-Stimmen-Wettbewerbes kommen? Ich glaube dieser findet ja im Zwei-Jahres-Rhythmus statt.


    Letztendlich sind das beide sehr interessante, sehr unterschiedliche Sängerinnen mit unterschiedlichen Vorzügen. Und es wird interessant sein von beiden in Zukunft mehr zu hören.


    Gregor

    Nachdem die Operalia-Preisträgerin von 2015 Lise Davidsen im Bayreuther-Tannhäuser zuletzt nicht alle begeisterte, hat jemand die Idee gehabt, dass doch die Operalia-Preisträgerin von 2019, die Schwedin Christina Nilsson vielleicht eine noch überzeugendere Elisabeth sein könnte. Keine Ahnung, ob Nilsson die Elisabeth schon im Repertoire hat, aber es ist schon interessant diese beiden Stimmen zu vergleichen.


    Beide Sängerinnen singen die Hallen-Arie hier sehr gut, aber es fällt auf, dass Davidsen's Sopran zwar stählerner aber auch viel gedeckter ist, während Nilsson's Gesang in allen Lagen strahlt. Ihre Stimme ist klar, ihr Sopran jubilierend, was zu der Arie hervorragend passt. Zudem ist Nilsson's deutsche Aussprache sehr gut, man versteht praktisch jedes Wort. Das kann man von Davidsen nicht sagen.







    Christina Nilsson - da empfiehlt sich eine weitere Sängerin für Wagner und Bayreuth.



    Gregor

    Warum, lieber Gregor, mochtest Du Dir dann nicht erst mal ansehen, was hier im Forum schon über sie zusammengetragen wurde?

    Hätte nicht der bemerkenswert scharfsinnige Beitrag von Rheingold Anknüpfungspunkte geliefert?


    Die Links habe ich mir ganz bewusst erst später angesehen, lieber Caruso, um ganz unvoreingenommen meine Gedanken formulieren zu können, und dabei bin ich ja zu einer sehr ähnlichen Erkenntnis gelangt wie Rüdiger und du. Wenn auch zu einer etwas kritischeren. Aber ich weiß nicht ob ein Anknüpfen jetzt noch so viel Sinn macht. So großes Interesse scheint ja ohnehin nicht zu bestehen, wahrscheinlich nicht mal mehr bei Rüdiger selbst. Für dich ist ja scheinbar auch schon alles gesagt. Um mehr sagen zu können, müsste einfach mehr von der Sängerin kommen. Wirklich Neues von ihr gibt es ja noch nicht.


    Und die Suche nach Videos hättest Du Dir dann sparen können, da die schon seit anderthalb Jahren im Forum stehen


    Ach, das macht doch nichts. Zum einen findet man die ja recht schnell, und zum anderen gibt es hier im Forum viele Themen und Postings doppelt, dreifach, vierfach usw. ^^


    Gregor

    Ich muss gestehen, dass mir der Name Adriana Gonzalez bis Operalia 2019 unbekannt gewesen ist. Ich habe mich jetzt auch ein wenig durch ihre YT-Aufnahmen gehört. Das ist schon eine recht gehaltvolle Stimme, die sich für dramatischere Partien empfiehlt. Die Stimme mag vielleicht nicht besonders individuell sein, aber sie hat Substanz und ist von eindringlicher Intensität. Für Mozart ist mir ihr Sopran viel zu üppig, da ist die Arie der Juliette Amour, ranime mon courage mehr ihr Metier, auch wenn sie bei dieser schwierigen Arie doch (noch) an ihre Grenzen stößt. Für den Walzer der Juliette wird es dieser Stimme allerdings wohl an der nötigen Leichtigkeit fehlen.

    Auch die Rusalka-Arie liegt ihr. Eine persönliche Note gilt es allerdings noch zu finden.

    Für die Micaela ist mir ihre Stimme etwas zu hart, zu dramatisch. Da hört man schon deutlich, dass sie in ein anderes Fach drängt. Die Stimme ist im Piano sehr wohlklingend, wenn auch noch etwas unruhig geführt, aber dramatische Spitzentöne bekommen eine unschöne Färbung. Da wird mit zu viel Druck gesungen.


    Es wird interessant sein, zu sehen, welche Rollen sie annimmt, wenn sie denn mal dauerhaft größere Partien singt. Bislang ist sie vornehmlich mit Nebenrollen in Erscheinung getreten. Drei große Opernpartien hat sie allerdings schon gesungen: Pamina, Liù und Micaela.







    Gregor

    Pietro Mascagni

    CAVALLERIA RUSTICANA

    03. August 2019

    20.55 Uhr ARTE



    Vor einigen Jahren gab es La Traviata am Hauptbahnhof und La Bohème im Hochhaus. Heuer folgt Cavalleria Rusticana aus den Sassi di Matera!


    Die süditalienische Stadt Matera ist weltberühmt für ihre Höhlensiedlungen, die Sassi.

    Die Höhlenstadt Matera, die eine der ältesten Städte der Welt ist, und seit 2013 zum Weltkulturerbe gehört und die 2019 zur Kulturhauptstadt Europas gewählt wurde, wird nun zu einer Opernkulisse.

    Die Höhlen die noch aus der Jungsteinzeit stammen, die berühmten Sassi, die noch heute bewohnt werden, werden zum Schauplatz von Mascagni's Sizilianischer Bauernehre.

    Als Spielorte kommen die Straßen, der Domplatz und der Platz vor der Felsenkirche Santa Maria d'Idris zum Einsatz.


    Cavalleria Rusticana in den Sassi di Matera ist eine Koproduktion des Teatro San Carlo Neapel mit der Stadt Matera, und des Fernsehsenders ARTE mit den Fernsehsendern RAI (Italien) und RSI (Italienische Schweiz).



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    Matera, Basilikata, Süditalien



    Besetzung:

    Veronica Simeoni (Santuzza), Roberto Aronica (Turridu), George Gagnidze (Alfio) Leyla Martinucci (Lola), Elena Zilio (Mama Lucia);

    Chor und Orchester des Teatro di San Carlo Neapel; Dirigent: Juraj Valcuha

    Inszenierung: Giorgio Barberio Corsetti


    Gregor

    Wer sind denn diese Operalia-Preisträger eigentlich?


    Xabier Anduaga hat 2016 sein Debüt gegeben, als Belfiore in Rossini's Il viaggio a Reims, nachdem er an Alberto Zedda's Accademia Rossiniana teilgenommen hat.

    Größere Beachtung erfuhr er dann durch seine Teilnahme am Francisco Vinas Gesangswettbewerb bei dem er gleich fünf Preise gewinnen konnte.

    Inzwischen war er Ramiro in La cenerentola in Bilbao, Pesaro und Padua, Conte Almaviva in Ancona, Parma, Peking und St. Petersburg, Nemorino in Palma de Mallorca, Fenton in Budapest, Lindoro in Buenos Aires und Turin. Zudem sang er Arturo in Lucia di Lammermoor in Paris, den Cavalier Belfiore in Il viaggio a Reims in Wien, Ernesto in Ricciardo e Zoraide in Pesaro und Leicester in Il castello di Kenilworth in Bergamo.


    Es ist noch recht schwer Tonmaterial von ihm online zu finden. Auf YT gibt es die Arie des Lindoro aus Rossini's L'Italina in Algeri und man findet Anduaga auf CD und DVD in Donizetti's Il castello di Kenilworth. Übrigens mit einem früheren Operalia-Preisträger, dem die ganz große Karriere auch neun Jahre nach dem Wettbewerbssieg nicht gelungen ist - Stefan Pop.


       



    Anduaga besuchte diverse Meisterkurse, so auch einen bei Juan Diego Florez, mit dem er ja bereits in Pesaro auf der Bühne stand.
    Vom Unterricht mit dem peruanischen Tenor gibt es ebenfalls einen Ausschnitt auf YT.





    Gregor

    Die Gewinner von OPERALIA 2019 stehen fest, wie Jolanthe bereits bekanntgab.


    Schon interessant, wie unterschiedlich die einzelnen Sängerwettbewerbe ausgehen. Da sieht man auch, dass die Experten die in der Jury sitzen oft ganz unterschiedlicher Meinung sind.

    Schön fand ich das salomonische Urteil, alle Finalisten mit Preisen auszuzeichnen.

    Die im Vorfeld als Favoriten gehandelten und bereits als mehrfache Wettbewerbspreisträger angereisten Sänger wie Piotr Buszewski oder Mario Bagh (nur um die zu nennen, die im Finale standen) wurden hier "nur" mit Encouragement Awards ausgezeichnet.


    Die beiden ERSTEN Preise gingen an Xabier Anduaga und Adriana Gonzalez.


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    Xabier Anduaga sah ich auch sofort als den Favoriten in der Zarzuela-Kategorie. Als Gesamtsieger sah ich ihn dann doch nicht. Für den Ersten Preis hätten sich andere Künstler empfohlen. Anduaga ist natürlich ein hervorragender junger Sänger mit viel Potential und Domingo betonte ja bei der Preisvergabe ganz besonders, dass er eben Spanier sei. Ich hatte eigentlich mit Gihoon Kim gerechnet, denn der Bariton war von allen der stimmlich reifste und in der vokalen Darbietung den anderen schon deutlich voraus.

    Bei den Damen hätte ich auch Maria Kataeva als Kandidatin für den Ersten Preis gesehen. Eine Mezzo-Stimme mit Rossini-Feuer. Hört man heute ja nicht oft.

    Obwohl Adriana Gonzalez natürlich auch beachtlich gut ist.


    Die Dichte an hervorragenden jungen Sängern war dieses Jahr so groß, dass man anstatt zehn Sängern diesmal zwölf ins Finale mitnahm, wie Domingo am Ende betonte. Es wundert nicht, denn alle zwölf werden sicher ihren Weg gehen.


    Gregor

    Das hängt vom Reglement des Wettbewerbes ab. Wenn die Arie von Moniuszko nicht als mögliche Arie vorgesehen ist, wird er sie nicht singen dürfen. Weißt Du etwas von den Regeln des Operalia-Wettbewerbes?


    Die Künstler müssen vier Arien vorbereiten, von denen dann in der ersten Runde zwei vorgetragen werden müssen. Eine kann der Künstler sich selbst aussuchen, die zweite wird von der Jury ausgewählt. In der Finalrunde haben sie erneut die Möglichkeit eine der vorbereiteten Arien auszuwählen.



    Der komplette Moniuszko-Wettbewerb ist derzeit auf YT zu sehen. Da sang Buszewski als ersten Beitrag übrigens die Donizetti-Arie Inosservato, penetrava ... Angelo casto e bel aus Donizetti's Il duca d'Alba.

    Am Rande des Wettbewerbs erzählte der sympathische Tenor dann unter anderem mehr über die von ihm vorgetragenen Arien und wer seine Vorbilder sind.

    (Einfach auf die Playtasten klicken - Arie im ersten Video bzw. Interview im zweiten starten dann automatisch an der richtigen Stelle.)







    Gregor

    2.8.2019


    Mit seinem Namen auf dem Cover wäre ich eigentlich davon ausgegangen, dass Villazon den Tamino singt. Springt er jetzt schon auf Baritonrollen um? Den Domingo-Pfad beschreitet Villazon aber schon sehr früh. :D Andererseits verläuft Villazon's Karriere ohnehin im Zeitraffer ...


    Die Besetzung finde ich im Allgemeinen auch etwas eigenartig und recht unspektakulär. Aber die in den letzten Jahren erschienenen Mozart-Einspielungen unter Nezet-Seguin, bei denen Villazon ja in allen dabei ist, sind sowieso nicht der große Wurf geworden. Wer aus der Zauberflöten-Einspielung heraussticht, ist natürlich Albina Shagimuratova, die führende Interpretin der Königin der letzten zehn Jahre.


    Gregor

    vielen Dank, dass Du auf den Tenor Piotr Buszewski aufmerksam gemacht hast. Er hat wirklich eine für sein Alter außerordentlich reife Ausstrahlung. Besonders gefällt mir sein piano. Das Publikum war völlig zu recht so begeistert. Ihn werde ich im Auge behalten.


    Liebe Boismortier, das freut mich, dass du Buszewski auch für dich entdecken konntest. Man hört bei ihm gelegentlich gewisse Intonationstrübungen, aber die kann man ausbügeln. Die Höhen kommen kraftvoll und sicher, und man hört schon eine gewisse Portion Metall in der Stimme.

    Was bei ihm dazukommt, ist, dass er eine ungemein gewinnende Persönlichkeit hat und extrem sympathisch rüberkommt. Kein Wunder, dass er zum Publikumsliebling avanciert.



    Die Arie des Stefan aus Stanisław Moniuszkos „Straszny Dwór“ist aber auch wirklich eine ganz wundervolle Opernarie. Sie erlaubt dem Tenor,seine Stimme mit all ihren Möglichkeiten und Vorzügen vorzuführen. Dass siehierzulande so wenig bekannt ist, erstaunt mich immer wieder. Selbst die großartigenInterpretationen von Bogdan Paprocki, Wiesław Ochman oder Piotr Beczała habenda keine Abhilfe gebracht. Ich bin gespannt ob Piotr Buszewski bei Operaliadamit antreten wird. Er könnte es sich ohne Frage leisten, denn er singt dieseArie wirklich wunderschön.


    Ich habe Piotr Buszewski im Herbst 2018 als Herzog in Verdis Rigoletto im Wolf Trap National Park for the Performing Arts, der übrigens ganz in der Nähe von Vienna/Virginia liegt.

    Woher kennst Du ihn?

    Im Herbst wird Buszewski übrigens in etlichen Aufführungen den Nemorino in Leipzig singen.


    Hallo Caruso, für mich auch unverständlich, dass Opern von Moniuszko generell in unseren Breiten so gut wie gar nicht auf den Spielplänen zu finden sind. Das ist so herrliche Musik. Gerade die Arie des Stefan aus Das Gespensterschloss ist etwas ganz Besonderes, mit dieser Melodie der Uhr, die um Mitternacht zu schlagen beginnt. Das Glockenspiel, welches wie eine Polonaise erklingt. Gespenstisch schön trifft es ganz gut, und wird somit dem Operntitel gerecht.


    Ich kann mir gut vorstellen, dass Buszewski die Arie auch bei Operalia vortragen wird. Er hat sie auch gesungen als er im Frühjahr Finalist bei den Met National Council Auditions gewesen ist. Und auch beim MET-Publikum hat er damit einen überwältigenden Erfolg gehabt.

    Ich habe Buszewski erst vor kurzem entdeckt, unter anderem beim Moniuszko-Gesangswettbewerb, wo er eben ganz schön an Preisen abgeräumt hat. Leider gibt es im Moment kaum noch Material von ihm im Netz. Auf seiner Homepage gibt es zumindest auch noch zwei Audios. Parigi aus Puccini's La Rondine und zumindest den zweiten Teil von La donne é mobile.


    https://www.piotrbuszewski.com/media



    Gregor

    Mit einer großen Anzahl an Preisen im Gepäck kommt auch der junge polnische Tenor Piotr Buszewski zu Operalia. Er gilt schon im Vorfeld als ein ganz großer Favorit. Was einen nicht verwundert. Er ist wirklich ein großes Talent. Erstaunlich wie vokal reif der junge Tenor mit seinen erst 26 Jahren schon klingt und auftritt. :yes:

    Hier einer seiner Auftritte beim Moniuszko Wettbewerb im Mai 2019, bei dem er gleich drei Hauptpreise (darunter den Publikumspreis) und fünf zusätzliche Preise abräumte. Man höre sich nur den Jubel des Publikums nach seinem Vortrag der Tenorarie aus Moniuszko's Oper Das Gespensterschloss an. So etwas hört man nicht alle Tage bei einem Gesangswettbewerb.


    Eine herrliche Stimme und ein Timbre wie geschaffen für das slawische Repertoire - und nicht nur für dieses.

    Großartig! :jubel::jubel::jubel:





    Gregor

    Samuel Hasselhorn wurde soeben drei Mal für den Opus Klassik nominiert.

    Für seine CD Dichterliebe² erhielt er eine Nominierung in der Kategorie "Solistische Einspielung im Liedgesang", gemeinsam mit dem Pianisten Boris Kusnezow taucht er für Dichterliebe² in der Kategorie "Kammermusikeinspielung Duo" auf, Hasselhorn erhielt zudem noch die Nominierung in der Sparte "Sänger des Jahres". :jubel:


    Zurück zur Operalia, die ich auch seit Jahren aufmerksam verfolge. In den letzten Jahren wurde sie auf medici.tv live übertragen. Meistens kann man sie sich auch dort noch einige Zeit kostenlos ansehen bzw. anhören. Es ist immer sehr spannend.


    Das ist auch heuer so, dass medici.tv zumindest das Finale überträgt.


    Gregor

    Ich empfinde diesen Sänger auch als eine sehr große Begabung und habe mich mal näher mit seinen zwei "Dichterlieben" beschälftigt, die ich für ein spannendes Projekt halte. Vielleicht mache ich dazu noch ein eigenes Thema auf.


    O ja, mach das, lieber Rüdiger.

    Das ist tatsächlich ein interessantes Experiment, die Dichterliebe von Schumann den Vertonungen der Heine-Gedichte anderer Komponisten gegenüberzustellen.

    Die Dichterliebe würde ohnehin einen neuen thread vertragen, mit Einbeziehung der verschiedenen Aufnahmen und eben jenen Vertonungen durch andere Komponisten.


    Weißt Du, was darauf zu hören sein wird?


    Das hat uns der Sänger noch nicht verraten. Aber er steht dieser Tage im Tonstudio wie er auf seiner Facebook-Seite informiert.


    Ich muss aber gestehen, dass ich derzeit von Hasselhorn nicht loskomme, obwohl ich mich ja auch mit so manchen anderen der Operalia-Teilnehmer beschäftigen will.


    Hasselhorn wird als Ensemble-Mitglied der Wiener Staatsoper nächste Saison unter anderem Belcore, Barbier und Almaviva singen. Besonders interessant wird ja auch ein Liederabend im Wiener Musikverein sein, in welchem er Schubert's Winterreise singen wird. Mit dem hervorragenden Malcolm Martineau am Klavier, der ja der Haus- und Hofbegleiter von solchen Kapazundern wie Susan Graham, Bryn Terfel oder Simon Keenlyside ist.


    Gregor

    imager.php?file=%2Fmedia%2Fimage%2Foriginal%2F17329.jpgNoch mehr zu Samuel Hasselhorn:


    Der junge Bariton räumt derzeit bei den diversen Lied-Wettbewerben alle ersten Preise ab. So hat er 2013 den Schubert-Wettbewerb in Dortmund gewonnen, 2015 war er Gewinner bei den Young Concert Artists Auditions in New York und 2017 hat er den Ersten Preis bei Thomas Quasthoff's Wettbewerb "Das Lied" gewonnen, in welchem er Jury-Mitglieder wie Brigitte Fassbender, Dame Felicity Lott, Bernarda Fink und den amtierenden Direktor der Wiener Staatsoper Dominique Meyer überzeugt hat. Kein Wunder, dass Meyer den Bariton sofort nach Wien geholt hat.

    2018 war Hasselhorn dann noch Gewinner des Emmerich Smola Preises "SWR Junge Opernstars" und siegte beim Queen-Elizabeth-Wettbewerb.

    Hinzu kommen dann noch einige weitere Zweite und Dritte Preise bei diversen Wettbewerben.


    Und wer den Mann singen und interpretieren hört, erkennt, dass hier ein ganz besonderer (Lied-)Sänger heranreift.


    Auf Youtube gibt es eine ganze Reihe an Videos mit ihm. Und besonders erfreulich ist, dass es inzwischen schon CD-Veröffentlichungen mit ihm gibt.


    Bereits 2014 erschien Nachtblicke mit Liedern von Schubert, Pfitzner und Reimann. 2018 folgte Dichterliebe2. Neben dem titelgebenden Werk von Schumann finden sich auf dem Album noch Lieder von zehn weiteren Liedkomponisten.

    Im April ist ein Mitschnitt von seinen Auftritten beim Queen-Elizabeth-Wettbewerb als MP3-Download veröffentlicht worden.

    Wie stark dieser Sänger doch in Live-Auftritten fesseln kann.

    Derzeit nimmt Hasselhorn sein drittes Studioalbum auf, welches Anfang 2020 erscheinen soll.


    Freunde des Liedgesangs kommen bei Hasselhorn wirklich auf ihre Kosten. Eine Stimme die süchtig macht!


    Wenn es nur einen Mitleser gibt, den ich für Samuel Hasselhorn interessieren konnte, dann hat es schon Sinn gemacht, ihn hier vorzustellen.


       


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    https://www.amazon.de/Samuel-H…ompetition/dp/B07Q7S84Q8/



    Gregor

    Es sind nicht nur Mitglieder der Wiener Staatsoper für das Finale des Wettbewerbes qualifiziert

    Das ist wohl jedem klar, Caruso. Und das habe ich auch nicht behauptet. Ich erwähnte die beiden weil sie mir durch die Wiener Staatsoper eben bekannt sind.


    Samuel Hasselhorn gefällt mir derzeit im Liedgesang besser als in der Oper. Eine schöne, runde Baritonstimme von starkem Ausdruck. Höre mich gerade durch sein Liedrepertoire.




    Erstaunlich die interpretatorische Tiefe beim erst 24-jährigen Sänger bei Schubert's Erlkönig.




    Gregor

    placido_domingo-20181211205448.jpgPlacido Domingo's 1993 gegründeter internationaler Gesangswettbewerb OPERALIA - The World Opera Competition hat sich zu einem der bedeutendsten Wettbewerbe für junge Sänger entwickelt. Jährlich werden 40 Kandidaten aus rund 1000 Bewerbern ausgewählt, die dann beim eigentlichen Wettbewerb - der jedes Jahr in einer anderen Stadt ausgetragen wird - auftreten.

    Ins Halbfinale gelangen 20 Bewerber, ins Finale schaffen es zehn Sänger. In diesem leitet Placido Domingo selbst das Orchester. Er tritt nicht als Juror in Erscheinung, ist aber stets präsent, überwacht das Geschehen, und steht den jungen Künstlern als Berater zur Seite. Am Ende der Veranstaltung verkündet er dann auch die Preisträger.

    Dabei werden Erste, Zweite und Dritte Preise als auch der Zarzuela-Preis, der Birgit-Nilsson-Preis, der Cultur-Arte-Preis und der Publikumspreis vergeben.


    So hat der Bewerb im Laufe der Jahre eine Reihe hervorragender Interpreten und heute berühmter Sänger hervorgebracht. In den Gewinnerlisten finden sich beispielsweise Nina Stemme, José Cura, Ana Maria Martinez, Erwin Schrott, Joyce Di Donato, Joseph Calleja, Hui He, Dmitry Korchak, Irina Lungu, Ailyn Perez, Lisette Oropesa, Sonya Yoncheva oder Pretty Yende.

    Sie alle galten einst als "Sänger von morgen". Inzwischen sind sie "Sängerstars von heute".


    Im letzten Jahr war die kanadische Mezzosopranistin Emily D'Angelo die überragende Künstlerin des Wettbewerbes als sie gleich vier (!) Preise erringen konnte: Erster Preis, Birgit-Nilsson-Preis, Zarzuela-Preis und Publikumspreis.


    Vom 21. bis 26. Juli 2019 findet der Bewerb bereits zum 27. Mal statt. In Prag stellen sich erneut vierzig junge Sänger der Jury. Ins Viertelfinale haben es dieses Jahr auch zwei Mitglieder der Wiener Staatsoper geschafft. Der 29-jährige deutsche Bariton Samuel Hasselhorn und die 30-jährige russische Sopranistin Maria Nazarova.


    Man darf gespannt sein ...


    Gregor

    Nach Joseph Calleja hat nun auch Sonya Yoncheva im spanischen Platea Magazin ihre sehr ambitionierten Pläne für die Zukunft verraten:


    An der Mailänder Scala wird sie Fedora singen, an der New Yorker MET Puccini's Manon Lescaut. Sie liebt Puccini, und so soll auch die Madama Butterfly in London in einer Neuproduktion kommen.


    Was Verdi betrifft: sie plant die Trovatore-Leonora und später dann - als für sie natürlicher Schritt danach - die Leonora aus La forza del destino.

    Sie hat Angebote für Abigaille in Nabucco und Odabella in Attila erhalten. Darüber denkt sie jetzt aber noch nicht nach. Aida interessiert sie derzeit nicht.

    Von der Desdemona in Baden Baden sagt sie, dass es wohl ihre letzte war, während sie La traviata noch nicht ganz aufgeben will.


    Interesse hat sie auch am Deutschen Repertoire. Sie plant die Elisabeth in Tannhäuser und die Sieglinde würde sie gerne singen, aber da ist noch nichts entschieden.

    Dennoch will sie auch weiter Barockmusik singen, zu Händel's Giulio Cesare zurückkehren und mit der Theodora des gleichen Komponisten debütieren.


    Vor einigen Jahren erhielt sie das Angebot Salome zu singen, nun denke sie ernsthaft darüber nach, ob das in ein paar Jahren möglich sei.


    Die Medea für die Salzburger Festspiele diesen Sommer musste sie aufgrund ihrer Schwangerschaft übrigens absagen.


    Mit ihren neuesten Partien wie Tosca, Medea und Imogene in Il pirata möchte sie sich noch intensiver beschäftigen und so findet man die Partien auch in ihrer Saison 2019/20:


    November/Dezember 2019 Il pirata Teatro Real Madrid

    Januar 2020 La bohème Covent Garden London

    Februar 2020 Medea Staatsoper unter den Linden Berlin

    März 2020 Tosca Wiener Staatsoper

    April/Mai 2020 Manon Lescaut Metropolitan Opera New York

    Juni 2020 Fedora Mailänder Scala

    Juli 2020 Tosca Bayerische Staatsoper München



    Gregor

    Von den genannten Rollen kenne ich ihn in allen außer dem Luisa-Miller-Rodolfo. Aber den wird kaum einer von uns hier gesehen haben, den hat er ja bislang erst an einem einzigen Opernhaus gesungen.

    In den Puccini-Partien ist er ohnehin ein Muss. Und der Boccanegra in New York ist natürlich besonders interessant, ließe er sich doch wunderbar mit der Bohème verbinden. Und in beiden Opern ist ja Ailyn Perez seine Partnerin, die ich vor ein paar Jahren als fantastische Violetta gesehen habe.


    Gregor

    Joseph Calleja - Neue Rollen:


    Laut einem Interview plant Joseph Calleja in etwa fünf Jahren seinen ersten Manrico zu singen. Er hofft in etwa zehn Jahren auch den Otello singen zu können. "Wenn die Stimme die Entwicklung macht, und alle Zeiger deuten daraufhin, dass das so sein wird."

    Calleja weist auch auf Briefe von Verdi hin, in denen der Komponist anführt, dass die Tenorpartien in Rigoletto, Trovatore und Traviata vom selben Stimmtyp gesungen werden sollen. Er denkt auch an den Radames in Aida - in ferner Zukunft.


    Er möchte sich aber auch dem Französischen Repertoire verstärkt widmen. Calleja spricht die Sprache fließend und liebt dieses Fach. Er wird wieder den Faust singen, der Des Grieux in Manon wird kommen, und auch der Werther ist für die Zukunft geplant. Es gibt noch mehr französische Rollen die er in der ferneren Zukunft singen möchte, weil seine Stimme - wie er sagt - in diesem Repertoire auch wirklich schön klingt.

    Doch es scheint als möchte er zuvor noch mehr an seinem Französisch arbeiten: "Manchmal singe ich Vokale Italienisch gefärbt aus, ich weiß nicht warum, es ist der Stimmsitz - sie sind perfekt wenn ich spreche, aber wenn ich singe, mache ich manche Vokale auf die geschlossen sein sollten."


    Doch mit den neuen Rollen lässt sich Calleja noch Zeit. Er will nicht zu viel auf einmal und seine Stimme überfordern.


    In der Saison 2019/20 singt er ausschließlich Rollen seines bisherigen Repertoires:


    Juli 2019 Tosca Festival Aix en Provence

    Oktober 2019 Luisa Miller Lyric Opera House Chicago

    November/Dezember 2019 Tosca Wiener Staatsoper

    Januar 2020 La bohème Semperoper Dresden

    Februar 2020 Tosca Bayerische Staatsoper München

    April 2020 Simon Boccanegra Metropolitan Opera New York

    April/Mai 2020 La bohème Metropolitan Opera New York

    Juli 2020 Rigoletto Bayerische Staatsoper München



    Gregor

    Marina-Rebeka-Prima-Classic-Fron-2t.jpg?w=450Marina Rebeka wurde am 10. September 1980 im lettischen Riga geboren. In ihrer Heimatstadt begann sie auch ihre musikalische Ausbildung. Ihre Studien führten die Sopranistin dann an das Konservatorium Arrigo Boito in Parma und an das Konservatorium der Schönen Künste in Rom sowie das Konservatorium Santa Cecilia in Rom.

    Sie besuchte Seminare von Alberto Zedda in Pesaro und Meisterklassen bei Grace Bumbry in Salzburg.


    In der Spielzeit 2007/08 gab Rebeka ihr Bühnendebüt am Theater in Erfurt - mit ihrer Schicksalsrolle der Violetta in La traviata. Früh in ihrer Karriere trat sie auch an der Wiener Volksoper, ebenfalls als Violetta, an der Komischen Oper in Berlin und an der Finnischen Nationaloper auf.

    Internationale Beachtung erfuhr die Lettin als sie 2009 bei den Salzburger Festspielen in Rossini’s Moise et Pharaon unter der Leitung von Riccardo Muti debütierte.


    Inzwischen gehört Marina Rebeka zu den führenden Sopranistinnen ihres Faches, gastiert regelmäßig an den deutschen Opernhäusern von München und Berlin, der Wiener Staatsoper, dem Covent Garden in London, der Mailänder Scala, der Lyric Opera in Chicago oder der Metropolitan Opera in New York.


    Sie gilt heute als eine der besten Interpretinnen der Violetta in Verdi’s La traviata als auch der Donna Anna in Mozart’s Don Giovanni, wie sie generell als Spezialistin für Rossini - und den Belcanto überhaupt - und für Mozart bezeichnet wird. Doch ihr Repertoire ist erstaunlich breit gefächert und reicht auch über Gounod und Massenet bis hin zu Verdi, Puccini oder Tschaikowsky.


    Sie verfügt über eine leicht dunkle Sopranstimme, die nicht nur in der Höhe klar und kräftig ist. Ihr Ton ist voll, die Stimme reich timbriert. Zudem verfügt sie über beachtliche Dramatik. Sie ist keine Norina oder Adina (auch wenn sie letztere Rolle auch einmal gesungen hat), sie ist eine Norma oder Anna Bolena. Dazu kommt ein tiefes Verständnis für den Gesang des Belcanto.


    Die Flexibilität ihrer Stimme scheint grenzenlos zu sein, und ermöglicht es ihr, in so unterschiedlichen Rollen wie Donna Anna, Norma, Maria Stuarda, Leila, Marguerite oder Juliette genauso zu reüssieren wie als Nedda, Mimi, Liù, Amelia Grimaldi oder Tatjana. Dabei kann sie sich natürlich auf ihre hervorragende Gesangstechnik verlassen.

    Bereits nach etwas mehr als einem Karrierejahrzehnt kann Rebeka auf ein Repertoire von über 30 Rollen zurückblicken!


    Marina Rebeka hat eine Tochter aus ihrer Ehe mit dem ukrainischen Tenor Dmytro Popov.


    Marina Rebeka als Donna Anna an der MET:





    Marina Rebeka auf CD und DVD:


    2013 erschien ihre erste Arien-CD, die Mozart gewidmet ist. Vier Jahre später folge Amor Fatale mit Arien von Rossini. Zuletzt wurde das Album Spirito mit Arien aus Opern von Bellini, Donizetti und Spontini veröffentlicht. Sie ist auf Gesamtaufnahmen von Mozart’s La clemenza di Tito, Verdi’s Luisa Miller und in Rossini's Petite Messe Solennelle zu hören. Auf DVD sind Rossini’s Wilhelm Tell und Verdi’s La traviata erhältlich.



         


       


     



    Gregor

    Disziplin, Geschmack und Stil sind ihr nicht gegeben.

    Eigentlich ist dieser Kommentar eine Beleidigung wenn nicht gar Rufschädigung. Denn er stimmt einfach nicht. Wenn man genau hinhört, dann kann man leicht erkennen, dass Frau Rachvelishvili sehr wohl geschmackvoll und diszipliniert singen kann. Das beweist sie auch, wenn man sich ihre Debüt-CD und sich beispielsweise ihre Aufnahmen von Printemps qui commence, O ma lyre immortelle oder die Arie der Lyubasha anhört.



    Rachvelishvili wächst in ein Fach hinein, dass Mezzos wie Fiorenza Cossotto oder Giulietta Simionato einst so beherrschten, ein Fach welches dann Dolora Zajick für sich eroberte, und ein Fach, dass seit dem Abgang von Luciana D'Intino sehnsüchtig auf eine Nachfolgerin wartet. Mit Anita Rachvelishvili scheint diese Lücke nun wirklich wieder gefüllt zu werden. Wenn man Rachvelishvili hört, fällt einem aber nicht nur ihre Fähigkeit große Töne zu produzieren auf, sondern auch, dass sie sehr wohl mit Feinheit und Sensibilität aufwarten kann.


    Manchmal scheint sie Mühe zu haben ihren fülligen Mezzo zu zähmen, so auch beim CD-Opener, der Seguidilla der Carmen. Aber vielleicht ist das auch so gewollt. Denn hier hört man nicht so sehr die Verführerin, sondern auch schon die Bedrohung, die von ihrer Carmen ausgeht. Der Don José der das hört, müsste hier schon gewarnt sein. Verführerischer klingt dann schon ihre Habanera.

    Ihre Dalila, die ebenfalls zweifach auf dem Album vertreten ist, ist ganz klar die Verführerin. Printemps qui commence ist betörend, auch Mon coeur s'ouvre a ta voix wird herausragend gesungen, ist technisch sehr gut und präzise. Dem Vortrag fehlt es vielleicht an Emotion, was aber auch an dem etwas forschen Dirigat von Giacomo Sagripanti liegt, der Rachvelishvili etwas durch die Arie hetzt. Da kann sich der Zauber dieser Arie nicht so recht entfachen.


    Ganz hervorragend singt die Georgierin Condotta ell'era in ceppi aus Verdi's Il trovatore. Sie beginnt die Erzählung der Azucena geradezu nüchtern klar, und steigert sich dann immer mehr in Verzweiflung und Besessenheit. Großartig! Kein Wunder, dass sie mit der Partie an der MET einen phänomenalen Erfolg feiern konnte.


    Auf der CD trifft man auch auf nicht so gängiges Repertoire. Da ist zum einen die betörend vorgetragene A-cappella-Arie der Lyubasha aus Die Zarenbraut, und mit Misi sakheli Timatin aus Dimitri Arakishvili's Die Legende von Shota Rustaveli nutzt Rachvelishvili die Gelegenheit Musik ihrer georgischen Heimat einem breiteren Publikum vorzustellen und demonstriert dabei ihre ganze vokale Leidenschaft. Hier hört man deutlich wie viel Geschmack und Stil dieser Sängerin gegeben ist.

    Eine Partie die man vielleicht nicht sofort mit ihr in Verbindung bringen würde, ist die Charlotte in Massenet's Werther, die sie mit der Brief-Arie ausgezeichnet und sehr subtil als auch sehr expressiv zu Gehör bringt. Angefangen von der leisen Zurückhaltung bis zum großen dramatischen Ausbruch. Da darf man schon auf ihre Live-Charlotte gespannt sein.

    Was das französische Repertoire der CD betrifft, gehört O ma lyre immortelle aus Gounod's Sapho sicherlich zu einem absoluten Höhepunkt.


    Verdi's Don Carlo kommt ebenfalls zweimal zum Einsatz. Im Schleier-Lied der Eboli spielt sie gekonnt mit den Verzierungen, mit O Don Fatale macht sie dann Eindruck mit der Kraft und der Emotionalität ihrer Stimme. Die Rolle singt sie erstmalig im Herbst 2019 in Paris.


    Ihrer Santuzza aus Cavalleria Rusticana - wenn auch wieder sehr gut gesungen - fehlt es noch an Verzweiflung, an Drama. Jedenfalls scheint sie hier (derzeit noch) an ihre Grenzen zu stoßen.

    Vielleicht ist es aber auch so, dass Rachvelishvili erst Live auf der Bühne das komplette Package abliefert. Das, was einem vielleicht manchmal an Emotion noch fehlt, bietet sie dann auf der Bühne. Andererseits ist die Sängerin mit 35 Jahren noch sehr jung. Lassen wir sie reifen und Erfahrung sammeln. Das was sie bisher hat hören lassen, zeugt von enormen Potential. Ihre Debüt-CD unterstreicht dies.


    Gregor

    Lieber Gregor, die erwähnte Premiere von "Elektra" in der Regie von August Everding fand 1973 unter der Leitung von Karl Böhm in Hamburg statt. Birgit Nilsson sang die Titelrolle, Astrid Varnay die Klytämnestra und Leonie Rysanek die Chrysothemis. Ich kann mir absolut nicht vorstellen, dass diese Kolleginnen die Rothenberger nicht mehr gekannt haben sollten oder wollten. :no:

    Interessant, lieber Rüdiger. Vielleicht hat sie da einfach nur eine Premierenfeier mit einer anderen verwechselt. Über Jahrzehnte hinweg verschwimmen die Erinnerungen schon mal. Ich hatte eher das Gefühl sie sprach da von einer neuen Sängergeneration. Denn ich bin mir sicher, dass eine Birgit Nilsson Frau Rothenberger erkannt hätte. Oder auch eine Leonie Rysanek. Stand Frau Rothenberger mit diesen beiden doch immer wieder mal gemeinsam auf der Bühne. Bei Frau Varnay liegt mir diesbezüglich keine Info vor. Von daher nehme ich eher an, dass sie da eine andere Elektra-oder-Everding-oder-Hamburg-Premiere gemeint haben muss. ;)


    Gregor