Beiträge von Gregor

    Endlich wieder einmal gehört: Sir Simon Keenlyside's Interpretation von Schubert's Winterreise. Nun, meine letzte von ihm ist gar nicht so lange her. 2019 in Wien. Auf YT gibt es zwar nicht die berühmte aus Paris, aber immerhin jene von der Schubertiade Schwarzenberg von 2004 mit Malcolm Martineau am Klavier.


    Sir Simon's Meriten im Liedgesang sind bekannt, stehen aber doch immer etwas im Schatten seiner hervorragenden Rollenportraits auf den Opernbühnen. Zu unrecht natürlich. Wir alle wissen, dass der Liedgesang einen wichtigen Anteil seiner musikalischen Laufbahn einnimmt und beide Genres für ihn gleich wichtig sind. So wechselt er ständig zwischen Oper und Lied.


    Simon Keenlyside's Winterreise versteckt den Opernsänger nicht ganz. Dieser Umstand bringt eine große gestalterische Kraft und Spannung mit in seine Interpretation ein. Zugegeben heute noch mehr als anno 2004.

    Sobald er mit Gute Nacht beginnt wird man schnell in diese Winterreise hineingezogen. Seine Diktion ist vorbildlich, die Stimme ist farbenreich, ausdrucksvoll, nuanciert. Dazu kommt sein attraktives Timbre. Mich erstaunt überhaupt wie ein Brite so ein gutes Deutsch singen kann.


    Schön, diese Live-Aufnahme entdeckt zu haben.




    Gregor

    Still scheint es geworden zu sein um Renate Holm. Zumindest hier im Forum. Selbst ihr 90. Geburtstag im Jahr 2021 blieb unerwähnt.

    Dabei hat Renate Holm eine schwere Zeit hinter sich.


    Hier mal ein Update zur beliebten Sängerin.


    Renate Holm erklärte kürzlich, sehr dankbar zu sein, den 90. Geburtstag überhaupt feiern zu können. Vor drei Jahren erhielt sie die Diagnose Lungen- und Lymphdrüsenkrebs. Sie wollte das aber nicht öffentlich machen, da sie das mit sich selbst ausmachen wollte.

    Eine Immuntherapie hat bei ihr sehr gut angeschlagen und seit mehr als einem Jahr sei sie praktisch wieder gesund. Die Therapie müsse sie noch weitermachen, aber die Krankheit kostete ihr viel Kraft.


    renate-holm-esel-marcello-und-struppi-homestory-alte-schlomhle-bei-picture-id181021764?k=20&m=181021764&s=612x612&w=0&h=cdBI9P5rgbz02DkFir9NyBkCV27NzMeywJih-kBeX5Q=So kann sie nicht mehr in der auch hier im Thread erwähnten Wassermühle in Niederösterreich leben, die sie mehr als 50 Jahre bewohnt und mit ihren Kulturveranstaltungen auch bespielt hat. Sie musste sie schweren Herzens verkaufen.


    Was für sie besonders bitter war, war die Sorge, ihre geliebten Tiere dort zurücklassen zu müssen.

    Renate Holm ist ja als große Tierfreundin und Tierschützerin bekannt, hat bis heute einen Hund und in der Mühle lebten auch noch andere Tiere wie ihre Esel.


    Doch sie erzählt von ihrem großen Glück einer Tierärztin begegnet zu sein, die Tiere genauso sehr liebt wie sie und deren Vater für sie die Mühle kaufte. Ihre Tiere leben weiter dort in der Mühle und ebenda gründete die Ärztin inzwischen das Renate Holm Reha- und Tierschutzzentrum.





    Renate Holm lebt heute in ihrer Wiener Wohnung und erklärt, dass es auch ihr Hund ist, der sie so fit hält. Denn schließlich müsse sie mehrmals am Tag die Treppen ihrer Wiener Wohnung rauf und runter und mit ihrem Hund Gassi gehen.

    Sie sagt von sich, dass sie mit der Zeit geht, googelt sich gerne auch mal selbst und ist zum Glück auf keinerlei Hilfe angewiesen.


    Mit 90 Jahren ist sie aber auch noch künstlerisch aktiv. So sang sie zuletzt Musik von Lehár beim Serenadenkonzert in Baden bei Wien und rezitierte aus Texten von und über Beethoven.



    Gregor

    Vor wenigen Tagen habe ich nun die Dokumentation Pavarotti von Oscar-Preisträger Ron Howard aus dem Jahr 2019 gesehen. Der Film zeichnet Pavarotti's Aufstieg vom begabten Opernsänger zum globalen Superstar nach. Zu sehen sind Ausschnitte aus vielen Interviews mit Pavarotti. Extra für die Dokumentation bat Howard prominente Weggefährten wie Placido Domingo oder José Carreras vor die Kamera. Zu Wort kommen beispielsweise auch Angela Gheorghiu, seine ehemaligen Manager sowie Pavarotti's erste Ehefrau Adua Veroni und auch die drei gemeinsamen Töchter.


    Für alle Pavarotti-Fans sicher empfehlenswert.

    Hier der Trailer:




    Gregor

    Zitat

    Live habe ich sie nie gesehen, aber ich erinnere mich an eine schöne Lucrezia Borgia mit ihr im TV, in welcher der junge Marcelo Alvarez ein großartiger Gennaro gewesen ist.


    Die DVD dieser Lucrezia-Aufführung mit Devia und Alvarez ist mir gerade wieder untergekommen. Mariella Devia ist auch in dieser späten Mittelphase ihrer Karriere immer noch hervorragend und Marcelo Alvarez ist auch dank seines Luxustimbres ein Gennaro der Extraklasse. :hail:

    Belcanto vom Feinsten! :yes:


    Es gab auch mal eine CD-Aufnahme von Devia's Lucrezia Borgia, die entstand aber wohl erst später und leider ohne Alvarez und blieb immer etwas im Schatten der großartigen Mailänder Aufführung.



    Die Vorstellungen mit Devia und Alvarez fanden im Teatro Arcimboldi statt - anno 2002 das Ausweichquartier der Mailänder Scala wegen einer mehrjährigen Scala-Renovierung.


    Lucrezia Borgia - Mariella Devia

    Gennaro - Marcelo Alvarez

    Maffio Orsini - Daniela Barcellona

    Don Alfonso - Michele Pertusi


    Chor und Orchester der Mailänder Scala

    Dirigent: Renato Palumbo

    Teatro Arcimboldi

    Mailand 2002


    Hier das Lucrezia-Gennaro-Schlussduett:




    Gregor

    Pretty Yende und Brian Jagde


    Die beiden Operalia-Preisträger Pretty Yende (2011) und Brian Jagde (2012) bestreiten gemeinsam das Neujahrskonzert 2022 des Teatro La Fenice in Venedig.

    ARTE zeigt das Concerto di Capodanno am 01. Januar 2022 um 18.15 Uhr.


    Es bleibt nur zu hoffen, dass den Künstlern heuer hämische Sprüche wie im vergangenen Jahr erspart bleiben, als einige Mitglieder im Forum meinten, ihren Frust über die corona-bedingten Einschränkungen bei der Darbietung des Konzertes an den Künstlern auslassen zu müssen.


    Das Programm setzt sich wie folgt zusammen:


    Ponchielli La Gioconda Feste! Pane! Feste! (Barnaba: Emanuele Pedrini)

    Offenbach Le Contes d'Hoffmann Barcarolle

    Gounod Romeo et Juliette Je veux vivre

    Leoncavallo I Pagliacci Vesti la giubba

    Verdi Il trovatore Chi del gitano i giorni abbella?

    Verdi La traviata Vorspiel 1. Akt / Di Madride noi siamo mattadori

    Puccini Turandot Nessun Dorma

    Rossini Il barbiere di Siviglia Una voce poco fa

    Wagner Lohengrin Vorspiel 3. Akt

    Verdi Nabucco Va pensiero

    Puccini Turandot Padre augusto

    Verdi La traviata Libiamo ne' lieti calici


    Fabio Luisi dirigiert Chor und Orchester des venezianischen Opernhauses.



    Gregor

    Mittwoch, 29. Dezember 2021

    22.45 Uhr ARTE


    Jacques Offenbach

    LES CONTES D'HOFFMANN - HOFFMANN'S ERZÄHLUNGEN

    Aus der Staatsoper Hamburg




    Besetzung:

    Benjamin Bernheim (Hoffmann), Olga Peretyatko (Olympia, Antonia, Giulietta, Stella), Angela Brower (Niklausse, Muse), Luca Pisaroni (Lindorf, Coppélius, Dr. Miracle, Dapertutto), Andrew Dickinson (Andrés, Cochenille, Frantz, Pitichinaccio)

    Philharmonisches Staatsorchester Hamburg, Chor der Hamburgischen Staatsoper, Dirigent: Kent Nagano

    Inszenierung: Daniele Finzi Pasca

    Staatsoper Hamburg 2021



    Gregor

    Vor wenigen Tagen fand Marina Rebeka's beachtliches Rollendebüt als Puccini's Madama Butterfly am Palau de les Arts Reina Sofia in Valencia statt. Die Aufführung vom 19. Dezember ist via Operavision aktuell auf Youtube zu sehen.


    Die Regie von Emilio López verlegte die Handlung von der Jahrhundertwende ins Jahr 1945 und zeigt in einer Videoeinspielung den Atombombenabwurf auf Nagasaki. Cio-Cio-San und Suzuki sind Überlebende dieses Abwurfs und leben in Schutt und Asche des zerstörten Nagasaki.

    Neben der mit prächtiger Stimme singenden Titelheldin von Marina Rebeka singen Piero Pretti den Pinkerton, Àngel Òdena den Sharpless und Cristina Faus die Suzuki. Dirigent ist Antonino Fogliani.





    Zur bestmöglichen Wiedergabe via W-LAN über den Fernsehbildschirm ansehen, HD einstellen und mit entsprechender Soundbar anhören.



    Gregor

    CD-News von Michael Spyres

    Es heißt, er nimmt sogar mehr CDs auf als Jonas Kaufmann. Das will was heißen.

    Und für 2022 sind tatsächlich bereits drei Veröffentlichungen fix.



    1. Barock-Arien

    Die Aufnahmen für diese CD sind längst abgeschlossen. Michael Spyres singt Arien des 17. und 18. Jahrhundert's. Das Orchester Il pomo d'oro wird von Dirigent Francesco Corti geleitet.


    2. Berlioz' Les nuits d'été

    Diese Berlioz-Kunstlieder in der Interpretation von Michael Spyres sind ebenfalls bereits aufgenommen worden und sollen im Frühjahr bei Erato erscheinen.


    3. Theodora

    Das Oratorium von Händel wurde kürzlich in mehreren konzertanten Vorstellungen aufgeführt. Dabei wurde auch für eine CD-Produktion mitgeschnitten. Michael Spyres singt den Septimius, Joyce DiDonato die Irene und Lisette Oropesa die Titelrolle.



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    Gregor

    Vor wenigen Tagen startete Steven Spielberg's Verfilmung von Bernstein's West Side Story in den Kinos.
    Die Kritiker sind begeistert. Die Neuverfilmung gilt als einer der Besten Filme des Jahres. Hochgelobt werden die talentierten Jung-Schauspieler.

    Sämtliche puertoricanische Rollen wurden auch mit Schauspielern und Tänzern mit lateinamerikanischer Herkunft besetzt.


    Im berühmten Film von 1961 spielte Rita Moreno übrigens noch die Anita. Spielberg verpflichtete die inzwischen 90-jährige auch für die Neuadaption in der Moreno nun die Rolle Valentina spielt und den Hit Somewhere singt.





    Gregor

    Wie ich gerade sehe, soll wohl im kommenden Jahr trotz Corona der "Wiener Opernball" wieder stattfinden.

    Auch wenn wir live nicht dabei sind, freue ich mich auf die TV - Übertragung - für uns seit vielen Jahren immer ein Pflichtprogramm.


    Diese Vorfreude kann erst mal gestrichen werden. Wie gestern bekannt wurde, sah sich die Wiener Staatsoper dazu gezwungen, auch den Opernball für 2022 abzusagen.


    Dazu teilt der Direktor der Wiener Staatsoper mit:


    https://www.wiener-staatsoper.…-opernball-2022-abgesagt/



    Gregor

    Zitat

    Zurück zu den vier letzten Liedern: Tenöre singen sie wohl - wenn überhaupt - nur in Live-Konzerten. Hat Jonas Kaufmann sie nicht mal gesungen?

    Aber kommerzielle Aufnahmen von Tenören scheint es nicht zu geben. Jedenfalls ist mir diesbezüglich nichts bekannt.


    Ich muss mich da korrigieren. Jonas Kaufmann war es wohl nicht, der die Vier letzten Lieder gesungen hat. Aber ein anderer Tenor hat das getan, wie ich informiert wurde. Daniel Behle. So geschehen im Dokumentarfilm über Hermann Hesse, "Brennender Sommer".


    Eine offizielle CD-Aufnahme eines Sängers gibt es tatsächlich. Der mir bislang unbekannte Konrad Jarnot hat diese Strauss-Lieder mit Klavierbegleitung auf CD eingespielt. Bei ihm handelt es sich allerdings um einen Bariton!


    Gregor

    Auch Breslik, von dem ich ansonsten viel halte, konnte mich nicht überzeugen. Er singt diese feinsinnigen Lieder für meinen Geschmack viel zu grob und zu opernhaft.


    Diesen Eindruck habe ich teilweise auch, lieber Rüdiger. Was mich etwas überrascht, ist Breslik doch ein versierter Lied-Sänger.


    Vielleicht hat er sich nicht an die Klavierbegleitung angepasst, er singt die Vier letzten Lieder als hätte er ein Orchester im Rücken. Ich weiß allerdings nicht, ob Breslik diese Strauss-Lieder zuvor überhaupt schon mit Orchester gesungen hat.


    Die Debussy-Lieder gefallen mir recht gut, auch wenn er hier ebenso gelegentlich zu sehr auf die Tube drückt. Überhaupt sollte man dem Lied-Komponisten Debussy wohl mehr Aufmerksamkeit schenken. Ich höre nur gelegentlich etwas von ihm wenn ich in einem Live-Konzert bin. Dabei stellen sich seine Lieder immer als etwas Besonderes heraus.


    Zurück zu den vier letzten Liedern: Tenöre singen sie wohl - wenn überhaupt - nur in Live-Konzerten. Hat Jonas Kaufmann sie nicht mal gesungen?

    Aber kommerzielle Aufnahmen von Tenören scheint es nicht zu geben. Jedenfalls ist mir diesbezüglich nichts bekannt.


    Gregor

    Ein Video von Pavol Breslik's Liederabend vom 30.11.2021 am Brünner Nationaltheater wird durch Operavision zur Verfügung gestellt.

    Breslik singt Lieder von Debussy, Tiurina, Janacek, Berg und R. Strauss.

    Viele rümpfen ja die Nase wenn ein Tenor die Vier Letzten Lieder von Richard Strauss singt. Breslik singt sie hier dennoch.


    Zu dem Liederabend schreibt Operavision:


    Ein Spaziergang vom Impressionisten Claude Debussy zum einsamen Wolf Leoš Janáček, vorbei an Alban Bergs Zweiter Wiener Schule und der spätromantischen Tradition von Richard Strauss und dem weniger bekannten spanischen Komponisten Joaquín Turina.

    Pavol Breslik gilt als einer der wichtigsten Tenöre unserer Zeit und wurde vor kurzem zum Bayerischen Kammersänger ernannt. Sein Solokonzert am National Theater Brünn, begleitet von Pianist Róbert Pechanec, bietet eine reiche Auswahl an Liedern von Komponisten, welche die fortschrittlichen Trends in der Musik des frühen 20. Jahrhunderts geprägt haben.



    Claude Debussy

    Ausgewählte Lieder (Nuit d'étoiles/Clair de lune/Beau soir/Apparition)


    Joaquín Turina

    Poema en forma de canciones (Dedicatoria/Nunca olvida/Cantares/Los dos miedos/Las locas por amor)


    Leoš Janáček

    6 Volkslieder (Něumrem ja na zemi/Šiel som cez mesto/Štyry kosy/Na Slatinských lúkách/Široko ďaleko/Už těbe Anička)


    Alban Berg

    Ausgewählte Lieder (Nacht/Schilflied/Die Nachtigall/Sommertage)


    Richard Strauss

    Vier letzte Lieder (Frühling/September/Beim Schlafengehen/Im Abendrot)



    Gregor

    Wie ich gerade erfahren habe, tritt Edgardo Rocha bei der am kommenden Samstag stattfindenden AIDS-Gala der Deutschen Oper in Berlin auf.

    Die Veranstaltung wird auch dieses Jahr wieder fürs Fernsehen aufgezeichnet und am Samstag, dem 04. Dezember um 20.15 Uhr auf 3 SAT ausgestrahlt und wie gewohnt von Max Raabe moderiert.


    Neben Rocha soll es auch Auftritte von Noel Bouley, Nicole Car, Rihab Chaieb, Etienne Dupuis, Alex Esposito, Aida Garifullina, Asmik Grigorian, Samuel Dale Johnson, Byung Gil Kim, Riccardo Massi, Jonathan Tetelman, Karis Tucker und Pretty Yende geben.



    Gregor

    Auf ihrem neusten Album Rebirth widmet sich Sonya Yoncheva der Alten Musik.


    Neben Arien von Monteverdi, Stradella oder Cavalli findet man darauf aber auch einen Song von ..... ABBA!


    Das eindringliche Like an angel passing through my room vom genialen letzten ABBA-Album "The Visitors" (1981) wurde allerdings musikalisch so bearbeitet, dass es wie eine Arie eines Komponisten des 16. Jahrhundert's erklingt.

    Erstaunlich und hörenswert!



    Wer den Originalsong nicht kennt würde nicht erraten, dass es sich hier um eine Komposition von Benny Andersson und Björn Ulvaeus - den beiden Männern und Masterminds von ABBA - handelt.







    Hier die "Alte-Musik-Version" von Yoncheva:




    Ich habe mal das Original von ABBA von 1981 herausgesucht, welches unerreicht bleibt.

    "Frida" singt als wäre sie selbst dieser Engel der den Raum durchquert.




    Gregor

    In der neuen Gesamtaufnahme von Bellini's Il pirata erweist sich Javier Camarena als eine für die Titelrolle hervorragende Besetzung. Sein Belcanto-Tenor entfaltet sich auch bei Bellini prächtig, und die bekannt schwierige Partie des Gualtiero meistert er weitgehend beeindruckend.

    Auch Marina Rebeka erweist sich - dank ihrer gerühmten Stimmtechnik - als souveräne Interpretin der Imogene. Sie ist aufgrund ihres Stimmtypus' nicht die typisch fragile Bellini-Protagonistin wie sie heute oft auf den Bühnen zu hören ist, sondern eher von dramatischerem Zuschnitt.


    Es gibt ja nur eine Handvoll offizieller Gesamtaufnahmen dieser Oper. Davon welche mit berühmten Sängerinnen für die Imogene, während deren Partner in der Titelrolle auf nicht so große Begeisterung stoßen. Mit Javier Camarena hat man wohl den für die Rolle besten Tenor auf CD gefunden.


    Im Juni 2022 wird es an der Oper in Zürich zu konzertanten Vorstellungen dieser selten aufgeführten Bellini-Oper kommen. Mit Javier Camarena in der Titelrolle!




    Gregor

    Oft angekündigt und scheinbar wieder verschoben. Bereits 2020 sollten sämtliche Recitals von Jessye Norman bei der Decca als CD-Box veröffentlicht werden. Dann wurde diese auf Oktober 2021 verschoben. Dieser Termin ist vorbei und die Box immer noch nicht erhältlich.


    Sie wird nun für 31. Dezember 2022 (!) angekündigt.











    Was aber am 26. November 2021 erscheint ist diese Strauss-CD mit Live-Aufnahmen von Liedern und dem Schlussgesang der Salome. Entstanden sind diese bei einem Konzert mit dem London Philharmonic Orchestra unter Klaus Tennstedt in der Royal Festival Hall im Jahr 1986.


    Richard Strauss

    Cäcilie

    Ruhe, meine Seele

    Meinem Kinde

    Wiegenlied

    Zueignung

    Orchestersuite "Der Bürger als Edelmann" (Le Bourgeois Gentilhomme) op.60

    Tanz der sieben Schleier aus Salome

    Schlussszene aus Salome





    Gregor

    Daraus geht hervor, dass Anja Silja - wie teils schon erwähnt - 1967, also im Jahr nach Wieland Wagners Tod, in Osaka die "Walküren"-Brünnhilde und in Barcelona die Senta sowie in Budapest Elisabeth und Venus im "Tannhäuser" sang. 1968 folgten die Senta in Hamburg und in Genf Brünnhilde ("Walküre"). Als Elisabeth trat sie 1969 in Barcelona und als Senta in Chicago auf. Elisabeth sang sie 1970 auch in München.


    Das deckt sich dann auch mit dem was Anja Silja im Fässlacher-Interview sagt. Dass sie die Verträge noch erfüllt hat, die Wieland Wagner gemacht hat. An den Spielorten wo er wollte, dass sie das singt. Sie hat danach keinen Wagner mehr gesungen. Die einzige Ausnahme, den Wilson-Lohengrin, erwähnt sie hier gar nicht mehr. So unbedeutend scheint das letztendlich zu sein.


    Erstaunlich finde ich, dass ihr Operndebüt dann tatsächlich schon mit 16 Jahren stattfand. Ich wüsste keine andere Sängerin, deren Debüt so früh gewesen ist. Das früheste was einem so unterkommt ist mit 19 oder 20. Das ist gar nicht so ungewöhnlich. Auch eine Ausnahme: Domingo soll 17 gewesen sein.


    Gregor

    Dabei fing sie ganz früh an. War sie nicht erst sechzehn, als sie die Rosina sang?

    Ihr frühestes offizielles Tondokument dürfte eine Senta aus Bayreuth von 1961 sein. Da war sie gerade mal 21 Jahre alt. DAS ist ja schon beachtlich. Ihr Bayreuth-Debüt fand bereits ein Jahr vorher statt.


    Ihr bislang letztes TV-Interview gab sie 78-jährig wohl für Peter Fässlacher. Da war sie deutlich relaxter als damals bei Biolek. :yes: Vielleicht lag es daran, dass kein Wagner anwesend war ^^, oder kam das mit dem Älterwerden. Könnte auch an Fässlacher gelegen haben, der seinem (weiblichen) Gegenüber immer ein Strahlen entlockt. ;)


    Silja erzählt unter anderem, dass sie schon mit zehn Jahren erste öffentliche Konzerte mit Opernarien gegeben hat!

    Überhaupt ist sie hier sehr offen in ihren Erzählungen über Bayreuth und Wieland Wagner und spricht unter anderem auch über ihre Kraft in schweren Zeiten.




    Gregor

    Xabier Anduaga


    Der Operalia-Sieger von 2019 streift die Gesangs- und Nachwuchspreise nur so ein. Nachdem er erst im Mai den International Opera Award als "Bester Junger Sänger" gewonnen hat, ist ihm nun der spanische Opera Actual als "Vielversprechendster Junger Sänger" zuerkannt worden.


    Mit nur 26 Jahren gilt der Tenor bereits als einer der wichtigsten Nachwuchstenöre in Opern von Bellini und Donizetti.

    Im vergangenen Jahr sang er mit dem Ferrando in Cosi fan tutte seine erste Mozartpartie.


    Derzeit singt Anduaga am Teatro Maggio Musicale in Florenz seine erste Verdi-Rolle - den Fenton in Falstaff.



    Gregor

    In der Talk-Show Boulevard Bio kam es 1994 zu einem recht interessanten und aussagekräftigen Auftritt von Anja Silja. Im Gespräch mit dem im vergangenen Sommer verstorbenen Alfred Biolek wird deutlich, wie wenig sie vom Wagner-Clan akzeptiert wurde, und dass ihre Beziehung mit Wieland Wagner der Familie - allen voran wohl der Mutter Winifred - ein Dorn im Auge gewesen ist. Es ist ja auch schon aussagekräftig, dass sie mit dem ebenfalls anwesenden Wolfgang Wagner per Sie ist. Überhaupt stimmt da die Chemie zwischen Silja und ihm überhaupt nicht.

    Ihre Aussage, dass sie nicht weiß, was Wolfgang Wagner in Bayreuth überhaupt für Funktionen hatte, zeigt schon deutlich, dass sie nicht viel von ihm hält. Für sie zählte nur Wieland, wie sie sagt. Wagner nimmt im Gespräch eine Verteidigungshaltung ein. Und Körpersprache sagt viel aus. Während er sie vehement mit einem eingefrorenen Lächeln ansieht und man das Gefühl hat, es brodelt schon in ihm, würdigt sie ihn keines einzigen Blickes. Die Spannung zwischen den beiden ist förmlich spürbar. Sie muss als junge Sängerin damals ganz schön was mitgemacht haben.


    Diese Ausgabe von Boulevard Bio hatte das Thema Mythos Bayreuth. Zu Gast war damals auch Bernd Weikl, der die Sendung in voller Länge auf seinem YT-Kanal hochgeladen hat.


    Wenn man das Video startet, springt es sofort zur oben beschriebenen Situation. Man kann dann aber natürlich zum Anfang zurückspringen.




    Gregor

    Lieber Gregor, verbindlichsten Dank für Deine ausführlichen Anmerkungen, die ich mit Gewinn las. Ich teile sie. Sie machen ein Problem deutlich, mit dem ich mich ständig herumschlage. Neuen und neuesten Aufnahmen grundsätzlich zugetan, lande ich rasch wieder bei den historischen Produktionen, was ich eigentlich nicht möchte. Denn im Vergleich mit Minkowski ist die Hager-Einspielung den Jahren Jahr sehr historisch. Es liegen fast fünfzig Jahre dazwischen.


    Das freut mich, lieber Rüdiger, dass du etwas mit meinen Zeilen anfangen konntest und darauf reagierst. Gut, Fiesco's infantile Replik ignorieren wir besser. Was ist mit diesem Mann eigentlich los? Immer nur Draufhauen und Bashing um des Bashings willen spricht nicht gerade von Forumstauglichkeit. So macht das Forum wirklich keinen Spaß. Umso dankbarer bin ich dir, Rüdiger, für deine gut formulierten Gedanken.


    Mir geht es doch genauso wie dir, lieber Rüdiger. Auch ich höre immer gerne neue Aufnahmen und neue oder heute aktive Sänger, das heißt aber nicht, dass ich nicht auch jahrzehntealte Aufnahmen und Sänger genauso schätze. Dass die Hager-Aufnahme aus den 70er Jahren stammt macht sie doch nicht schlechter. Sie vermittelt lediglich ein anderes Mozart-Bild und einen anderen Zugang zu seiner Musik als den von heute. Wie bereits weiter oben gesagt, kann ich beiden etwas abgewinnen und beides genießen. Altes ist nicht gleich schlecht. Darum ist mir ein Schwarz-Weiß-Denken à la Fiesco fremd. Zum Glück. Man nimmt sich selbst vieles dabei weg.


    Für mich hängt die Wirkung von Oper immer an der Qualität der Sänger. Da kann der Dirigent rasant sein wie er will. Bei Minkowski geht die Post ab. Wenn nur durchgehend auch so gesungen würde.


    Das habe ich mir auch gedacht.

    Wenn man doch nur Aufnahmen mischen könnte. Spyres mit Gruberova, Auger, Baltsa und Cotrubas in einer Mitridate-Aufnahme hätte schon was.

    Wenn man heutzutage Elvis Presley mit Helene Fischer und Robbie Williams mit Frank Sinatra im Duett hören kann, sollte das eigentlich gar kein Problem sein. Was meinst du? ;)


    Gregor

    Saisoneröffnung der Mailänder Scala bei ARTE TV


    Giuseppe VERDI
    MACBETH


    07. Dezember 2021

    20.15 Uhr ARTE
    LIVE zeitversetzt aus Mailand


    Arte TV überträgt die Saisoneröffnung der Mailänder Scala. Davide Livermore zeichnet für die Neuinszenierung von Verdi's Macbeth verantwortlich.

    Riccardo Chailly dirigiert Chor und Orchester der Mailänder Scala.


    Macbeth - Luca Salsi

    Lady Macbeth - Anna Netrebko

    Banquo - Ildar Abdrazakov

    Macduff - Francesco Meli

    Dame der Lady - Chiara Isotton

    Malcolm - Iván Ayón Rivas



    Gregor

    Damit auch die neue Aufnahme unter Marc Minkowski im Forum Erwähnung findet ...


    Minkowski, der das Orchester Les Musiciens du Louvre leitet, vertritt hier natürlich den neuen, modernen Mozartstil. Heißt also, dass man sich hier weiter entfernt hat vom "Mozart-Belcanto-Stil", hin zu einem "Barock-Mozart". Die Musik, auf historischen Instrumenten gespielt, ist ruppiger und härter als frühere Mozart-Interpretationen. Der Musik wird ein Feuer verliehen, welche das Werk und die Handlung deutlich dramatisiert.


    Michael Spyres in der Titelrolle ist sensationell. Mit seinem robusten Baritenor, gepaart mit einer fulminanten Technik, hat er selbst mit den schwierigsten Anforderungen der Partie keinerlei Mühe. Sein Stimmumfang ist beeindruckend. Von extremen Spitzentönen bis zu baritonalen Tiefen steht Spyres alles zur Verfügung. Meisterhaft ist seine Auftrittsarie Se di lauri il crine adorno mit der zweiten Strophe, die er Pianissimo singt. Fulminant trumpft Spyres in den weiteren vier Arien des Mitridate auf. Die gewaltigen Oktavensprünge begeistern ebenso wie seine Rachearie. Zuhören und staunen!


    Dass in Rezensionen die anderen Sänger dieser Aufnahme teilweise nicht ganz so gut wegkommen, ist nachvollziehbar. Auch wenn es durchaus solide Leistungen gibt. Unter den Sängerinnen sticht am ehesten Julie Fuchs als Aspasia hervor, die ihre Rolle manchmal etwas zu nüchtern angeht. Wie man die Rolle sinnlicher gestaltet hört man zum Beispiel von Arleen Augér in der wunderbaren Aufnahme unter Leopold Hager von 1977. Eine zärtliche Ismene hingegen ist Sabine Devieilhe, deren Sopran die Partie mit makellosen Tönen austattet, die aber auch etwas monochrom erklingt. Das hört sich bei Ileana Cotrubas - ebenfalls in der Hager-Aufnahme - einfach großzügiger an. Cotrubas stehen aber auch Farben zur Verfügung die es bei Devieilhe nicht gibt. Sifare wird von Elsa Dreisig gesungen, deren Stimme sich bei allem was über die Mittellage hinausgeht immer wieder unschön schärft. Dass ihr Timbre noch dazu dem von Fuchs sehr ähnelt nimmt dem großartigen Schlussduett mit Aspasia im zweiten Akt an Wirkung.

    Um bei der Hager-Aufnahme zu bleiben - die Sifare von Edita Gruberova ist da auch ein ganz anderes Kaliber. Überhaupt fällt auf, dass die Sängerinnen der neuen Aufnahme über kein individuelles Timbre verfügen. Es klingt alles sehr einförmig. Bei Hager unterscheiden sich Gruberova, Augér und Cotrubas aber in allem deutlich voneinander.


    Ob man nun einen Countertenor oder einen Mezzosopran für die Rolle des Farnace vorzieht, ist wahrscheinlich Geschmackssache. Agnes Baltsa ist ausgezeichnet in der Hager-Aufnahme, aber auch Paul-Antoine Bénos-Dijan hat wunderbare Momente in der Minkowski-Einspielung. Vor allem in seiner Arie im letzten Akt gefällt er.


    Cyrille Dubois ist ein etwas leichtgewichtiger aber agiler Marzio. Interessanterweise ist Juan Diego Florez auf der Rousset-Aufnahme von 1998 ein hervorragender Marzio, obwohl ich Florez als Mozart-Interpret eigentlich eher entbehrlich finde.

    Als Arbate ergänzt die dunkel timbrierte Mezzosopranistin Adriana Bignagni Lesca.


    Die Minkowski-Aufnahme glänzt vor allem durch Michael Spyres in der Titelrolle - er allein macht die Aufnahme unbedingt hörenswert - und durch das Dirigat von Minkowski. Die Damen bieten durchwegs solide bis gute Gesangsleistungen.

    Wer lieber im geschmeidigeren Mozart-Wohlklang badet wird mehr mit der Hager-Aufnahme anfangen können. Ich kann beiden Interpretationen etwas abgewinnen. Bei Hager triumphieren vor allem die Damen Augér, Gruberova und Cotrubas. Und auch Baltsa. Hollweg ist vom Stimmtyp her ein ganz anderer Mitridate.


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    Gregor

    Jetzt ist sie da - die neue Aufnahme von Mozart's Mitridate. Wie zu erwarten, ist Michael Spyres ein herrlicher Mitridate. Er hat die Rolle ja schon in verschiedenen Produktionen auf der Bühne gesungen. Auch hervorragend Julie Fuchs als Aspasia oder Sabine Devieilhe als Ismene. Dazu das tolle Orchester Les musiciens du Louvre unter Marc Minkowski.


    Wahrscheinlich hat hier im Forum niemand die besagte Mitridate-Aufnahme gehört. Ist sie doch erst seit kurzem auf dem Markt, und die Serienopern von Mozart sind ja auch nicht so populär wie beispielsweise die drei Da-Ponte-Opern.


    Nach erneutem Anhören der Aufnahme muss ich allerdings etwas relativieren. Natürlich ist Michael Spyres' Mitridate eine Klasse für sich. Seine fünf Arien gehören sicher zu den Höhepunkten der Einspielung. Wie er beispielsweise in der zweiten Strophe der Arie Se di lauri il cride adorno ins Pianissimo wechselt und dann mit zarter Stimme singt ist natürlich umwerfend.

    Unter den Sängerinnen ist Julie Fuchs die beste, auch wenn man sich bei ihr etwas mehr Ausdruck wünschen würde. Das gilt auch für Sabine Devieilhe. Elsa Dreisig ist der Schwachpunkt der Aufnahme.

    Aber wahrscheinlich führt das hier zu weit. Es gibt doch im Forum sicher einen Mitridate-thread, wo man näher auf diese Aufnahme eingehen kann.



    Zitat

    [.....] Michael Spyres ist - zumindest bei uns (noch) nicht der Superstar, der er für viele sein sollte.


    Das galt wohl vor einem Jahr als die Rossini-Duett-CD mit Lawrence Brownlee nicht so recht zum Verkaufsseller wurde. Bei Spyres' neuer Solo-CD Baritenor sieht das allerdings schon anders aus. Baritenor verkauft sich sehr gut und landete international in den Top 10 der Klassikcharts. In Deutschland findet sich gar ein Platz 4. Offensichtlich wird auch dem breiten deutschen Publikum langsam klar, dass es nicht nur Jonas Kaufmann gibt. ;):D



    Gregor

    Ist es wirklich Bedingung, dass ein Dirigent vorher schon einmal mit den Philharmonikern zusammengearbeitet haben muss, um für die Leitung des Neujahrskonzertes in Betracht zu kommen?


    Es ist halt langweilig, wenn immer die üblichen Verdächtigen "die Ehre" bekommen. Ein wenig Abwechslung würde da schon mal gut tun.

    Mir fielen da einige Dirigenten ein, die frischen Wind reinbringen könnten. Philippe Jordan, Pablo Heras-Casado, Constantin Trinks, Robin Ticciati, ...

    Ich weiß jetzt allerdings nicht, ob diese Herren alle schon mal die Philharmoniker dirigiert haben. Jordan sicher, Heras-Casado auch.


    Gregor