Beiträge von Gregor

    Warner Classics hat nun einen Album-Trailer veröffentlicht, in dem Michael Spyres und Lawrence Brownlee am Rande der Aufnahmesessions über das Album - welches in nur fünf Tagen aufgenommen wurde - sprechen.

    Gesanglich zu hören und zu sehen ist in diesem Video auch der junge spanische Tenor Xabier Anduaga, welcher ja 2019 den Operalia-Gesangswettbewerb gewonnen hat und im dazugehörigen Operalia-thread vorgestellt wurde.





    Als "Appetizer" hat das Label auch gleich einen weiteren Track als Video-Single veröffentlicht: Céleste providence aus Le siège de Corinthe.




    Gregor

    Ein großer Sänger, der so vernünftig ist, rechtzeitig Schluss zu machen. Dadurch wird er in guter Erinnerung bleiben.

    Ob 77 1/2 Jahre das "vernünftige" und "rechtzeitige" Alter ist, darüber kann man sicherlich geteilter Meinung sein.


    Nun hat Leo Nucci selbst bestätigt, dass er wieder auf die Opernbühne zurückkehrt!


    Eigentlich hatte Nucci Anfang des Jahres erklärt, seine Karriere als Sänger beenden zu wollen. Doch nach dem Lockdown im Frühjahr hat er sich dazu entschlossen, nun doch wieder zu singen.

    Im September sang er den Giorgio Germont an der Mailänder Scala. Die gleiche Rolle hätte er nun an der Oper im belgischen Liège singen sollen. Die Vorstellungen wurden aber wegen Covid-19 inzwischen abgesagt. Im Februar und März 2021 plant er in Florenz wieder in seiner Paraderolle als Rigoletto aufzutreten.


    Nucci erklärte in einem Interview warum er sich dazu entschlossen hat, seine Sängerlaufbahn wieder aufzunehmen:


    Zitat

    "Was mich dazu bewogen hat die Bühne nicht zu verlassen, war der Gedanke, dass es das Publikum bedauern würde, mich nicht mehr wieder auf der Bühne zu sehen. Ich habe verstanden, dass wir alle eine Rolle im Leben haben, die wir spielen müssen, da wir dadurch für andere nützlich sind. Durch Covid-19 habe ich Kollegen verloren, ich habe Freunde verloren, und zu ihrem Andenken muss ich meine Karriere weiterführen. Diese schreckliche Zeit muss durch den Einsatz von allen gemeistert werden."


    Der 78-jährige Bariton ist also definitiv wieder zurück.



    Gregor

    Wenn ich an Sean Connery und seine Filme denke, fallen mir ganz andere ein als die von Joseph II. genannten. Natürlich ist er DER James Bond. Aber das waren und sind nicht "meine" Filme.

    Ich denke bei ihm zum Beispiel an den Hitchcock-Streifen Marnie (1964) mit Tippi Hedren oder Die Strohpuppe (1964) mit Gina Lollobrigida. Natürlich auch an den originalen Mord im Orient Express (1974).

    Mir fällt gerade - wegen des Österreich-Bezuges in der Darstellerliste - die John-Le-Carré-Verfilmung Das Russland Haus (1990) ein, in der er neben Michelle Pfeiffer und Klaus Maria Brandauer zu sehen gewesen ist.

    Aber wohl nur wenige wissen, dass Connery bereits in jungen Jahren die Titelrolle in Macbeth (1960) gespielt hat.


    Joseph II. postet übrigens ein Foto von Connery mit dem Oscar in seiner Hand, den dazugehörigen Film verschweigt er uns aber. Den Academy Award in der Kategorie Best Supporting Actor erhielt Connery für Die Unbestechlichen (1987).


         


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    Viele seiner Kollegen aus dem Filmgeschäft haben sich zum Ableben Connery's öffentlich geäußert. Sein Untouchables-Filmpartner Kevin Costner beschreibt ihn als den größten Star mit dem er je zusammengearbeitet hat, und er wird für immer dankbar dafür sein, dass er durch einen Film mit ihm verbunden ist.


    Auch seine Bond-Nachfolger reagierten. Daniel Craig sagte beispielsweise, man solle sich für immer an Connery als den originalen James Bond erinnern, und er hofft, dass dort, wo er jetzt ist, es einen Golfplatz gibt.

    Pierce Brosnan erklärte, dass Connery für ihn immer der größte James Bond gewesen ist, und jeder der ihm in der Rolle nachfolgte, mit Ehrfurcht und Bewunderung zu ihm aufsah, während die anderen versucht haben, mit ihren eigenen Interpretationen der Rolle ihren Weg zu gehen. Connery war für ihn groß in jeder Hinsicht, als Schauspieler und als Mann.


    Catherine Zeta-Jones, seine Partnerin aus Verlockende Falle (1999) schreibt "Ich liebe dich, Sean Connery, von ganzem Herzen. Bis wir uns wiedersehen, werde ich jeden Moment, den ich mit dir geteilt habe, festhalten."


    In den letzten Jahren hat man Connery so gut wie gar nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen, und wenn, dann waren diese Bilder eher beunruhigend. Allerdings wusste man, dass Connery schon seit langer Zeit an Demenz gelitten hat.


    Gregor

    Warner Classics weiß wie man eine neue CD bewirbt und die potentiellen Käufer heißmacht. :) Nun hat das Label einen dritten Track aus Amici e rivali vorab als Video auf YT veröffentlicht. Es handelt sich hier um Ah vieni, nel tuo sangue vendicherò le offese aus Rossini's Otello.


    Besonders beeindruckend die unglaubliche "Range" von Michael Spyres. Er dringt in baritonale Tiefen genauso souverän ein wie in extreme Spitzentöne.

    Erstaunlich! :hail:




    Amici e rivali erscheint am 13. November und gilt inzwischen als spannendste CD-Veröffentlichung des Jahres.

    Und wer nach dem neuesten Video immer noch nicht neugierig ist, dem wird wohl auch nicht mehr zu helfen sein. ;):P


    Gregor

    Im Rahmen der Live-Konzerte der Metropolitan Opera (die einzige Aktivität des US-amerikanischen Opernhauses dieser Saison, da die MET in der laufenden Spielzeit geschlossen ist) fand am Samstag abend ein Konzert mit Joseph Calleja und Diana Damrau - in der Kapelle des Königlichen Palastes im italienischen Caserta - statt. Es ist noch für etwa zwei Wochen über die Homepage der MET abrufbar!


    Diana Damrau hat zuletzt ja keine so guten Kritiken für ihr Tudors-Donizetti-Album eingefahren und auch Belcanto-Freunde zeigten sich nicht gerade begeistert. Für das Konzertprogramm lässt sie die Königinnen-Partien beiseite und steuert sogar neues Repertoire an. Sie singt mit Calleja gar Ausschnitte aus Tosca!


    Hier ein Ausschnitt aus dem Tosca-Cavaradossi-Duett aus dem ersten Akt. Es stammt nicht vom tatsächlichen Konzert, sondern es entstand zwei Tage zuvor bei den Proben für das Konzert. Die Kapelle des Schlosses in Caserta bietet dafür auf jeden Fall die passende Location.




    Das komplette Programm der beiden Sänger:


    Giacomo Puccini TOSCA Mario! Mario!/E lucevan le stelle/Vissi d’arte

    Gaetano Donizetti L'ELISIR D'AMORE Una parola, o Adina ... Chiedi all’aura lusinghiera

    Giuseppe Verdi UN BALLO IN MASCHERA Ma se m’è forza perderti

    Gioachino Rossini SEMIRAMIDE Bel raggio lusinghier

    Georges Bizet CARMEN La fleur que tu m’avais jetée/Parle-moi de ma mère

    Emmerich Kalman GRÄFIN MARIZA Höre ich Zigeunergeigen

    Agustín Lara Granada

    Ernesto De Curtis Non ti scordar di me

    Johann Sebastian Bach/Charles Gounod Ave Maria


    Gregor

    Cosmin Ifrim kenne ich aus seiner Wiener-Zeit in der er vor allem kleinere Rollen gesungen hat. Er hatte da wenige Möglichkeiten sich zu profilieren, machte aber seine Sache stets gut. Man hatte aber nicht das Gefühl, dass er sich für die ganz großen Rollen prädestiniert hätte. Und das soll nicht falsch verstanden werden, es ist doch gut wenn auch die kleineren Rollen von guten Sängern gesungen werden.


    Ich hatte jedenfalls nie den Eindruck, einen zweiten Florez zu hören. Dass Herr Hauser ihn sogar über den Peruaner stellt hat mich schon etwas überrascht. Ist das nicht doch schon eine andere Liga? Als Wunder-Tenor würde ich Ifrim nicht bezeichnen, er gehörte aber definitiv zu den guten Mitgliedern des Ensembles. Und das ist ja auch schon etwas.


    Woher kommt eigentlich dieser Hang zu Superlativen? Heute ist schon fast jeder der auf der Bühne steht ein Wundersänger oder gleich ein Superstar. Bleiben wir bitte auf dem Teppich. Wenn Herr Ifrim schon als Wundertenor bezeichnet wird, was sind dann erst Sänger wie Camarena, Calleja, Spryres und wie sie alle heißen? Da müssten wir ja schon einen neuen superlativen Ausdruck erfinden. ^^


    Gregor

    Danke für den Hinweis auf das Video, Rüdiger.


    Das Interview wirkte wie einstudiert. Und dann wieder mal die Aussage vom dummen Publikum das keine Ahnung,hat , macht ihn mir nicht grade sympathisch.


    Er bringt das Beispiel des Pianisten, der bejubelt wird, obwohl dieser gar nicht so gut gespielt hätte. Kann es nicht sein, dass das nur sein Empfinden war und viele andere das einfach anders empfunden haben? Natürlich kennen wir das Phänomen, dass Stars bejubelt werden, auch wenn sie mal nicht so gut sind.

    Aber ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass da im Publikum schon oft viele Leute sitzen, die auch Ahnung haben. Das sind doch nicht alle Idioten. Als Gegenbeispiel nennt er dann das von ihm gesungene hohe D, das vom Publikum nicht akklamiert wurde. Vielleicht war das D ja gar nicht so gut. Ich habe schon oft erlebt, dass wenig bis unbekannte Künstler vom Publikum gefeiert wurden, wenn sie eben richtig gut waren. Das musste kein Star sein. Das kenne ich zumindest so aus Wien. Es ist vielleicht im von ihm erwähnten Frankfurt anders, das weiß ich nicht.


    Was ist im übrigen ein "Ränder-Publikum?" (Habe ich ihn da akustisch richtig verstanden?) Das sollte ja eindeutig eine Abwertung des Publikums sein.

    Wenn er schon so in einem Interview argumentiert, möchte ich nicht hören, was er über das Publikum in einer privaten Unterhaltung ohne Kamera sagt. ?(


    Gregor

    Ich habe mir das Gespräch vollständig angetan und bin einfach nur sprachlos. :no::no:

    Das bin ich auch. :no:


    Allerdings bin ich auch von dem Ablauf des Interviews irritiert. Nicht von seinem Standpunkt zur Corona-Krise und ihren Folgen. Hier hat jeder das Recht auf seine eigene Meinung. Groissböck wirkte jedoch so ungewohnt unkonzentriert, fahrig und nervös. Das ist er sonst nicht.

    Also unkonzentriert kommt mir Herr Groissböck hier sicher nicht vor. Im Gegenteil, der Mann weiß genau was er sagt, und ich habe keinen Zweifel daran, dass er das so meint, wie er es sagt.


    Kennt jemand übrigens auch das von Groissböck erwähnte Interview mit Herrn Behle, in dem der Tenor meint, dass das Publikum sich ändern müsse? Wäre interessant zu erfahren, was der Sänger genau damit meint.


    Gregor

    Ein Beitrag von Fiesco konnte diesen thread nicht wiederbeleben. Mara Zampieri scheidet offensichtlich die Geister. Und mir war nicht bewusst, dass diese Sängerin überhaupt noch singt. Zumindest hat die Wiener Staatsoper sie für diese Saison als Mamma Lucia in Cavalleria Rusticana angekündigt.

    Nun hat sie ihre fünf Auftritte in dieser Rolle an der WSO abgesagt. Die 69-jährige Sopranistin, die zur Covid-19-Risikogruppe gehört, möchte zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht reisen und an Proben und Aufführungen teilnehmen.


    Zampieri dürfte in den letzten Jahren mehrheitlich nur noch in kleineren Partien aufgetreten sein. So hat sie neben der Lucia zuletzt auch die Annina in La traviata an der Mailänder Scala gesungen.


    Immer wieder ist zu lesen, dass die Lady Macbeth ihre beste bzw. eine ihrer besten Rollen gewesen sein soll.

    Diese prominent besetzte Aufnahme soll jedenfalls sehr gut sein und Bruson als auch Shicoff machen schon Lust in die Aufnahme reinzuhören.



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    Gregor

    Das klingt ja wirklich interessant. Ich werde Michael Spyres in einem Monat in Wien als "Roméo" sehen/hören. Was Lawrence Brownlee angeht - er hatte vor Jahren einen Auftritt in Wien im Barbiere - und er hat mich seinerzeit nicht wirklich angesprochen. Allerdings war er in der Met-Übertragung ein paar Jahre später schon viel besser (das war die Cenerentola mit Garanca) - daher werde ich auf jeden FAll in diese Aufnahmen reinhören!


    Danke auf jeden Fall für's aufmerksam Machen !

    Gerne, lieber Kurt. Ich habe ebenfalls Karten für seinen Wiener Romeo im nächsten Monat. :) In den Genuss seiner stratosphärischen Spitzentöne wird man da allerdings nicht kommen, das höchste was der Romeo zu singen hat ist wohl das Hohe C. Das singt Spyres ja im Vorbeigehen. ;)


    Was Brownlee betrifft - seine Auftritte in Wien sind ja schon lange her. Seit 2014 war er hier nicht mehr zu hören. Der Barbier war überhaupt schon vor mehr als zehn Jahren. Er scheint sich inzwischen aber prächtig entwickelt zu haben. Trotzdem scheint er heute aber im Schatten von Camarena zu stehen.


    Gregor

    Nun steht die genaue Tracklist für das Rossini-Album:


    0190295269470.jpgIl barbiere di Siviglia

    01 All'idea di quel metallo (Figaro/Almaviva)

    Ricciardo e Zoraide

    02 S'ella mi é ognor fedele (Ricciardo)

    03 Qual sarà mai la goia (Ricciardo/Ernesto)

    04 Donala a questo core (Agorante/Ricciardo)

    05 Teco or sarà (Agorante/Ricciardo)

    La donna del lago

    06 Nume! Se a' miei sospiri (Uberto/Elena)

    07 Qual pena in me già desta (Uberto/Rodrigo/Elena)

    Elisabetta, regina d'Inghilterra

    08 Deh! Scusa i trasporti (Leicester/Norfolk)

    Otello

    09 Non m'inganno - Al mio rivale (Otello/Iago)

    10 Ah vieni, nel tuo sangue vendicherò le offese (Otello/Rodrigo)

    11 Che fiero punto e questo (Otello/Rodrigo/Desdemona)

    Le siège de Corinthe

    12 Grand dieu, faut-il qu'un peuple (Néoclès)

    13 Cher Cléomène (Cléomène/Néoclès)

    14 Céleste providence (Cléomène/Néoclès/Pamyra)

    Armida

    15 In quale aspetto imbelle (Rinaldo/Carlo/Ubaldo)



    Michael Spyres, Tenor

    Lawrence Brownlee, Tenor

    Tara Erraught, Mezzosopran

    Xabier Anduaga, Tenor

    I Virtuosi Italiani

    Corrado Rovaris


    Nach dem Barbier-Duett hat Warner Classics vorab eine weitere Aufnahme aus dem Album als Video veröffentlicht. Es handelt sich dabei um Qual pena in me già desta aus La donna del lago. In diesem Terzett ist nun auch die irische Mezzosopranistin Tara Erraught zu hören und zu sehen:




    Gregor

    Javier Camarena ist der Star des Monats September an der Wiener Staatsoper. Zuerst hat er eine Vorstellung von Donizetti's Der Liebestrank gerettet, als er ganz kurzfristig als Nemorino eingesprungen ist. Eigentlich war er jedoch für Vorstellungen von Die Regimentstochter in Wien. In dieser Oper begeisterte Camarena dann das Publikum so sehr, dass er auch im Haus am Ring die Tonio-Arie mit den neun hohen Cs wiederholen musste.


    Für Camarena ist das ständige Arien-Wiederholen wohl schon normal. Das tat er auch schon mehrfach in Madrid, Barcelona oder New York. Nicht umsonst wird der Sänger auch schon "König des Bis" genannt.


    Das Teatro Colon in Buenos Aires hat nun ein Arien-Konzert Camarena's auf ihre Facebook-Seite gestellt. Er singt Arien aus Werken von Gounod, Bizet, Rossini, Donizetti und Verdi.


    Hier geht's zum Video:


    https://www.facebook.com/Teatr…l/videos/344172406788213/



    Gregor

    Ich war auch gestern in dieser Vorstellung. Ich möchte dazu sagen, dass sich meine Meinung mit der Kurt's praktisch vollständig deckt. Warum also eine zweite Kritik schreiben?


    Was die Hausdebütantin, Vida Miknevičiūtė, betrifft, muss ich sagen, dass das eine der besten Salomes war, die ich bisher gehört habe. Eine tolle Stimme, die Spitzentöne setzte sie gekonnt, sie hatte keine Mühe mit dem opulenten Orchesterklang, die Stimme war immer deutlich zu hören. Hervorragend im Schlußgesang. Die kräftezehrende Partie bereitete ihr auch hier keine Mühe. Die Sängerin ist eine gertenschlanke Frau, und das figurbetonte Kleid saß ihr so gut wie selten einer Salome. Sie macht das junge Mädchen absolut glaubhaft. Eine Sängerin die man gerne wieder hören möchte.


    Zweiter Star des Abends ganz klar Tomasz Konieczny als Jochanaan. Sein eigenwilliges Timbre ist nicht jedermanns Sache. Aber in den richtigen Partien - in der Regel im deutschen Fach bzw. bei Wagner zu finden - sticht er immer hervor. Sein hartes markantes Timbre verlieh der Figur des Jochanaan besondere Authentizität und Charisma. Die Stimme dröhnte schon hypnotisierend aus der Zisterne. Kein Wunder, dass Salome sofort wie gefesselt von ihm gewesen ist. Konieczny hat wohl eine neue Paraderolle gefunden. Dass der Pole auch ein großartiger Darsteller ist - er kommt auch vom Schauspiel - ist ja bekannt. So bot er auch als Jochanaan ein ausgefeiltes Rollenportrait. Beispielsweise als er aus der Zisterne stieg und mit der plötzlichen Helligkeit konfrontiert war, und er gezwungen gewesen ist, sich mit abwehrenden Händen vor der Sonne zu schützen. Da stimmte einfach jedes Detail.


    Ein weiterer Höhepunkt war ganz klar das Dirigat des jungen britischen Dirigenten Alexander Soddy, von dem ich zuvor noch nie etwas gehört habe. Noch nie habe ich die Musik von Strauss mit so einer Wucht und so einer Kraft gehört. Die Luft vibrierte förmlich an manchen Stellen. Die aufkeimende Lust Salome's war bei Soddy deutlich zu vernehmen. Ein Klangrausch wie ich ihn in dieser Oper bisher nicht gehört habe.


    Mit Vincent Wolfsteiner hörte ich erstmals einen Heldentenor anstatt eines Charaktertenors in der Rolle des Herodes, was allerdings akustisch kaum eine Rolle spielte. Er spielte den von Salome faszinierten Herrscher sehr gut. Bei Salome's Tanz der sieben Schleier war sein lüsternes, ja, dreckiges Lächeln nicht zu übersehen.

    Mit Marina Prudenskaya stellte sich auch eine neue Herodias dem Publikum vor. Man hätte sich gewünscht, dass sie in ihrer Rolle den Herodes vom Spiel her noch mehr aufstacheln würde. Man hat die Herodias natürlich schon exaltierter gesehen. Gesanglich war sie überzeugend.

    Carlos Osuna hatte mit dem Orchesterklang zu kämpfen, sein Narraboth war stellenweise kaum zu hören. (Und ich gehe davon aus, dass das Osuna war, denn im Programm stand sein Name, während die Staatsopern-Homepage nach wie vor hartnäckig behauptet Josh Lovell würde in dieser Serie den Narraboth singen. Optisch sah er nämlich auch eher nach Osuna aus.)


    Unbedingt zu erwähnen ist auf jeden Fall noch Wolfgang Bankl als stimmlich eindrucksvoller Erster Soldat. Das war schon eine Luxusbesetzung.


    Eine tolle Vorstellung die auch beim Publikum hörbar gut ankam. Das Bravo-Rufe-Verbot (oder ist es doch nur eine Empfehlung?) interessiert wohl niemanden oder wurde schon vergessen. Mit viel Jubel und Bravos sparte das Publikum nämlich nicht. Miknevičiūtė und Konieczny heimsten unter den Sängern den meisten Zuspruch ein. Erfreulich, dass Soddy und das umwerfend aufspielende Orchester der Staatsoper mit dem gleichen Jubel gefeiert wurden wie die Sänger von Salome und Jochanaan.


    Jetzt ist ja doch eine Rezension daraus geworden. :pfeif:


    Gregor

    Nach dem großen Box-Office-Erfolg von Mord im Orient-Express (immerhin mehr als $ 350 Millionen weltweit eingespielt) ist es nicht überraschend, dass Kenneth Branagh erneut in die Rolle des belgischen Meisterdetektivs schlüpft und abermals am Regiestuhl Platz genommen hat. Ende des Jahres kommt die Neuverfilmung von Tod auf dem Nil ins Kino. Aber auch hier tritt diese Verfilmung gegen den hervorragenden Film von John Guillermin aus dem Jahr 1978 mit Sir Peter Ustinov in der Rolle von Hercule Poirot an.

    Mit einem Star-Aufgebot wie anno 1978 kann der neue Streifen nicht aufwarten. Maggie Smith, Bette Davis oder die fulminant aufspielende Angela Lansbury in der Hammerrolle der Salome Otterbourne bleiben ohnehin eine Klasse für sich.

    Berühmte Namen finden sich kaum im Branagh-Film. Immerhin übernimmt "Wonder Woman" Gal Gadot die (Opfer-)Rolle der reichen Lynnet Ridgeway von Lois Chiles. Hier der Trailer:




    Gregor

    Wenn man in Wien wohnt, dann muss man nicht weit reisen, wenn man mal eine Rarität sehen möchte. Hier wird man vom Theater an der Wien diesbezüglich immer wieder verwöhnt. So wurden in der vergangenen Spielzeit beispielsweise Die Vestalin von Spontini mit Michael Spyres oder Moniuszko's Halka aufgeführt. Im September wurde Leoncavallo's sehr selten gespielte Oper Zazà auf die Bühne gebracht. Vielleicht hat ja jemand die Übertragung im Radio gehört. Es folgt auch noch eine TV-Aufzeichnung.


    Gregor

    Auf YT ist dieser Tage ein TV-Interview mit dem deutschen Tenor aufgetaucht, das unter seinen Fans schnell Verbreitung gefunden hat. Es stammt aus dem Jahr 1965 und Wunderlich wird hier vom legendären österreichischen Journalisten und Moderator Heinz Fischer-Karwin interviewt.


    Er erzählt hier unter anderem von der Rennert-Inszenierung des Barbier von Sevilla die er für die beste Inszenierung der Rossini-Oper überhaupt hält. Er hat in der Premiere dieser Produktion im Jahr 1966 gesungen und diese ist auch heute noch in Wien zu sehen.

    Und Witze hat Herr Wunderlich offensichtlich auch gerne mal erzählt. ;)


    Nicht nur ein großer Tenor, sondern auch ein sehr smypathischer Mensch.




    Gregor

    Wie kürzlich bekannt wurde, findet Operalia im Jahr 2020 aufgrund der Corona-Pandemie nicht statt. Der Wettbewerb hätte im Oktober in Tel Aviv abgehalten werden sollen.


    Die nächste Ausgabe von Operalia soll dann wieder 2021 stattfinden und vielleicht hat Placido Domingo dann noch mehr Zeit sich um seinen Wettbewerb zu kümmern. Heißt es doch, dass Domingo im Jahr 2021 seine Opernkarriere beenden wird. Nach dem Nabucco in Wien im Jänner 2021 - zur gleichen Zeit wird er seinen 80er feiern - wird er dann wohl nur noch Konzerte geben.


    Gregor

    Nein, ich arbeite nicht für die Volksoper. Für mein Buchprojekt (Österreichische Tenöre der Nachkriegszeit) war ich aber sowohl mit der Volksoper (von der ich diverse statistische Daten erhielt) als auch mit Adolf Dallapozza selbst in Kontakt. Ich habe ihn zuhause besuchen dürfen und wir hatten davor und danach einige Zeit einen sehr regen Austausch. Herrliche Erinnerung für mich!

    Das Buch hört sich auf jeden Fall interessant an. Bekommt man das in jedem Buchhandel und auch über Morawa oder Thalia?
    Gibt es eigentlich ein Unterforum in welchem man auch Bücher vorstellen und/oder besprechen kann?


    Leider wollte mir Herr Hauser nicht mehr auf meine Frage antworten. Das Buch hätte mich interessiert, scheint aber nicht mehr erhältlich bzw. vergriffen zu sein. Ich habe es weder bei Thalia noch sonst wo gefunden.

    Bei meiner Recherche bin ich aber auf ein anderes Buch gestoßen, das mit Dallapozza's Stammbühne in Verbindung steht. Das Buch "Ihre Dienste werden nicht mehr benötigt" beschäftigt sich mit aus der Volksoper vertriebenen Künstlern und deren Schicksal im Jahr 1938.


    https://www.thalia.at/shop/hom…ldetails/ID143568879.html



    Gregor

    Und heute ist das Album erschienen. Zeitgleich hat das Label daraus den größten Tenorhit der Musicalgeschichte, das Maria des Tony, sowie das nicht minder berühmte Duett Tonight aus Bernstein's West Side Story auf YT bereitgestellt.


    Ich muss gestehen, dass die von mir ansonst sehr geschätzte Emily D'Angelo nicht über die ideale Stimme für die Maria verfügt. Ihr Mezzo hört sich eher nach einer Anita an. Im Finale von Tonight geht ihre Stimme neben der Calleja's total unter.








    Gregor

    Nein, ich arbeite nicht für die Volksoper. Für mein Buchprojekt (Österreichische Tenöre der Nachkriegszeit) war ich aber sowohl mit der Volksoper (von der ich diverse statistische Daten erhielt) als auch mit Adolf Dallapozza selbst in Kontakt. Ich habe ihn zuhause besuchen dürfen und wir hatten davor und danach einige Zeit einen sehr regen Austausch. Herrliche Erinnerung für mich!

    Das Buch hört sich auf jeden Fall interessant an. Bekommt man das in jedem Buchhandel und auch über Morawa oder Thalia?
    Gibt es eigentlich ein Unterforum in welchem man auch Bücher vorstellen und/oder besprechen kann?


    das ist ja genau meine Auffassung: Ich bringe hier auch viel lieber Sängerinnen und Sänger in Erinnerung, die über Jahrzehnte viel geleistet haben, aber nun ihren Zenit überschnritten und ihre Karriere nicht selten längst beendet haben. An ihnen kann keine Agentur mehr verdienen und so fallen sie dem Vergessen anheim. Ich möchte hier gegensteuern. Um aktuelle, gar "neue" Sänger, die ihre Agenturen haben, welche kräftig die Werbetrommel rühren, weil sie an ihnen gut verdienen, muss ich mich meiner Auffassung nach da nicht auch noch kümmern. Wider das Vergessen, das ist mir wichtig, das ist mein Antrieb. Solange das Rennpferd rennt und gutes Geld abwirft, wird es auch nicht vergessen...

    Da kann ich dich total verstehen, lieber Stimmenliebhaber. Wobei es ja viele Sänger gegeben hat, die nie die großen Moneymaker waren, weil sie einfach nicht die Verträge hatten wie mancher andere Star. Solche Sänger gibt es ja reihenweise auch heute. Die wenigsten werden zu Stars aufgebaut.

    Und wie gesagt, wenn sich noch so viele unterschätzte, wenig beachtete Sänger und Sängerpersönlichkeiten finden lassen, die schon lange in ihrem Beruf aktiv sind und bislang hier im Forum wenig erwähnt werden oder vielleicht gar unerwähnt geblieben sind, sollten wir uns auch gerade mit diesen beschäftigen. Wobei auch ich immer wieder mal hervorragende junge Sänger entdecke, die einen begeistern können, klar. Allerdings nicht so inflationär wie im Neue-Stimmen-thread. :rolleyes::D



    Und um zum Thema zurückzukommen: Ich habe doch tatsächlich einen Videomitschnitt von Dallapozza's Rodolfo in italienischer Sprache gefunden. Dieser stammt aus einer Fernsehshow von 1975. Zum Video heißt es: [...] Helen Donath, Jeanette Scovotti und Adolf Dallapozza in der ZDF-Show "Musik ist Trumpf" mit Peter Frankenfeld aus der Rheingoldhalle Mainz im November 1975.




    Das müssen noch Zeiten gewesen sein, als man im TV-Hauptabendprogramm Unterhaltungsshows gemacht hat, in denen man dem Publikum tatsächlich Opernarien und Opernduette präsentiert hat, die fast eine Viertelstunde Sendezeit in Anspruch nahmen. In welcher Fernsehabendsendung dürfen denn heute Opernsänger Arien singen? Heute eigentlich unvorstellbar.


    Gregor

    meines Wissens nach ist dem so, wobei ich bisher noch nie Probleme bei Vocal Classics (bzw. dem Hamburger Archiv für Gesang) hatte, die CDs wurden immer schnell und zuverlässig geliefert.


    Danke für den Hinweis. Man findet dort ja viele interessante Aufnahmen, auch von Dallapozza.

    Der Werther, von dem hier seinerzeit die Rede war, ist übrigens auch über Vocal Classics erhältlich. :)


    zo-werther_2.jpg


    Eigenartig hier ist, dass die Interpretin der Charlotte (also die weibliche Hauptrolle der Oper) nicht auf dem CD-Cover genannt wird. Dafür der Interpret des Amtmannes (!) schon. Sowas ist eigentlich peinlich und sollte nicht vorkommen. :no:


    Hans-Martin Nau war seit 1969 Ensemblemitglied der Komischen Oper und dort 1982 die Premierenbesetzung der Colline in Kupfers dortiger "Bohème"-Inszenierung, die ja quasi an die Volksoper Wien übertragen wurde, ohne deshalb in Berlin zu verschwinden. Nau durfte dann in Wien in dieser Rolle eine ganze Zeit lang gastieren.

    Und hier eine Videoaufzeichnung vom Japan-Gastspiel der Berliner Kupfer-Inszenierung 1991 (auch mit Nau):

    So kommen zur akustischen Erinnerung an die erste "Bohème" vielleicht auch einige visuelle wieder.


    Danke für die Information zu Herrn Nau. Es ist immer interessant etwas über den Background von Sängern zu erfahren. Danke auch für das Video bezüglich der Kupfer-Inszenierung, die an der Wiener Volksoper ja immer noch im Repertoire ist.

    Durch das Video habe ich erstmalig etwas über und von Frau Paßow gehört, die mir stimmlich sehr gefällt. Zumindest in dem Teil den ich mir gerade angehört habe. Es ist schade, dass man sich zwar hier im Forum seitenweise über neue Sänger und den Sängernachwuchs auslässt, wo es ja noch gar nicht so viel zu sagen gibt, während man über andere Sänger, die lange etabliert sind und schon lange Karrieren hinter sich haben, so gut wie gar nichts im Forum erfährt. Ich stelle fest, dass eine ganze Sängergeneration hier praktisch sehr stiefmütterlich behandelt wird, denn Frau Paßow kann diesbezüglich stellvertretend für viele andere Sänger genannt werden.


    Übrigens ist es nicht die visuelle Erinnerung die mir fehlt. Wie gesagt, habe ich die Sänger in ihren Kostümen und auch die Inszenierung - die ich seit meiner Kindheit nicht mehr gesehen habe - noch in guter Erinnerung. Es ist eher die akustische Erinnerung die mir abhanden gekommen ist. Die Stimmen der Sänger habe ich längst nicht mehr im Ohr.


    Es freut mich, dass es so viele neue Wortmeldungen zu Adolf Dallapozza und seinem Rodolfo gibt.

    In dieser Harry-Kupfer-Inszenierung sang er genau 48 Mal. Sie war sehr beliebt und wurde immer wieder gespielt. Dallapozzas letzter Auftritt in der Hauptrolle datiert vom 11.3.1996. Dein Besuch, lieber Gregor, kann sich also während dieses zwölfjährigen Zeitraums ereignet haben.

    Herr Dallapozza meinte mir gegenüber, der Rodolfo hier sei seine Lieblingsrolle gewesen.


    Er empfahl mir daher auch persönlich diese CD, die man in der Tat (siehe Kommentar von Boris) sehr problemlos auf der Website bestellen kann. Später meinte er allerdings, dass die ganze Aufnahme einen Halbton zu hoch sei.


    Du bist ja offensichtlich bestens informiert über Herrn Dallapozza. Hast du näheren persönlichen Kontakt zu dem Sänger? So klingt es nämlich. Oder arbeitest du für die Volksoper? ;)


    Gregor

    Ich war besonders erfreut, als ich jüngst erfahren habe, dass Dallapozza's Bohème-Rodolfo aus der Wiener Volksoper bei Vocal Classics erschienen ist. Erfreut deshalb, weil mein erster Opernbesuch überhaupt - ich war natürlich noch ein Kind - La bohème an der Volksoper gewesen ist. Und zwar mit Adolf Dallapozza als Rodolfo! :jubel:


    zo-la_boheme_4.jpgBei näherer Recherche habe ich festgestellt, dass der Mitschnitt 1984 entstanden ist. Das war für mich noch etwas zu früh. Ich habe die Oper mit ihm erst später gesehen. Aber die Besetzung auf der Aufnahme ist sehr ähnlich mit der von mir später gesehenen Aufführung.

    Wie auch auf dem CD-Mitschnitt war Jolanta Radek auch später seine Partnerin in der Oper und meine erste Mimi. Radek war ja bis in die 90er Jahre hinein Ensemblemitglied an der VO. Sie ging dann, glaube ich, ins Ensemble irgendeines deutschen Opernhauses. Sie war jahrelang die führende lyrische Sopranistin an der Volksoper und ein absoluter Publikumsliebling.


    Ebenfalls auf dem Mitschnitt vertreten ist Mirjana Irosch als Musetta. Auch sie sang in meiner ersten Live-Bohème diese Rolle und war somit wieder Partnerin von Dallapozza und Radek. Irosch war über Jahrzehnte hinweg DIE Opern- und Operettendiva der Volksoper. Ihre Tochter ist übrigens die Sopranistin Martina Serafin, die aus der Ehe mit Harald Serafin stammt.


    Wer die Rollen Marcello, Colline und Schaunard in meiner Aufführung gesungen hat weiß ich nicht. Das Programm von damals habe ich leider nicht mehr. Diese Rollen wurden aber wohl von anderen Sängern als jenen auf der Aufnahme gesungen. Christian Boesch hatte ich wohl nicht als Schaunard und die anderen Sängernamen sagen mir gar nichts.

    Aber ebenfalls auf dem Mitschnitt von 1984 taucht Karl Dönch als Benoit und als Alcindoro auf. Auch Dönch gehörte gemeinsam mit Dallapozza, Radek und Irosch zu meiner ersten Live-Bohème.


    Und so ein erster Opernbesuch ist prägend oder kann prägend sein. Ich sehe jedenfalls Dallapozza und Radek auch heute noch vor meinem geistigen Auge in ihren Partien vor mir. Besonders hat sich mir auch die aufreizende Musetta von Irosch im Café Momus eingeprägt und auch Karl Dönch sehe ich noch förmlich als amüsanten Benoit vor mir. :)


    Somit ist bzw. wäre die Anschaffung dieser Volksopern-Bohème irgendwie ein "akustisches Zurückholen" meines ersten Opernbesuches und meiner ersten Bohème. Damals an der VO natürlich in deutscher Sprache.


    http://www.vocal-classics.com/…---la-boh-me--2-cds-.html


    Verstehe ich das richtig, dass Aufnahmen bei Vocal Classics NUR über die Homepage zu beziehen sind? Also bei Amazon und JPC findet man CDs des Labels nämlich gar nicht.



    Schade übrigens, dass die Feierlichkeiten zu Dallapozza's 80. Geburtstag wegen der Corona-Pandemie ins Wasser gefallen sind. Irosch konnte ihren 80er letzten Herbst noch prominent im Marchfelderhof in Deutsch-Wagram feiern. Da gab es natürlich auch eine TV-Berichterstattung dazu. Für Dallapozza wäre wohl ähnliches geplant gewesen - die Künstlerfeiern finden ja oft und gerne im Marchfelderhof statt - aber Corona machte eine solche Feier für den großen Tenor leider unmöglich.


    Gregor

    Edita Gruberova beendet Karriere!


    Nun ist es also soweit. Edita Gruberova hört auf. Eigentlich hätte sie in den nächsten Monaten noch einige Konzerte geben sollen. Jenes vom 14. Juni im Teatro del Maggio Musicale in Florenz wurde aufgrund von Corona ja auf den 03. Oktober verschoben. Dieses Konzert wurde nun endgültig abgesagt.

    Da es für die Sängerin nicht möglich war, durch Auftritte ihre Stimme in Form zu behalten, hat sie sich nun dazu entschlossen, ihre Karriere zu beenden. Genaueres gibt der Leiter des Maggio Musicale, Alexander Pereira, in einem Stament auf Instagram bekannt:




    Von der Opernbühne hat sich Gruberova bereits letztes Jahr - mit der Elisabetta in Roberto Devereux an der Bayerischen Staatsoper - verabschiedet.


    Ich selbst hatte das Glück sie noch mehrfach sehen zu können. Zerbinetta, Elisabetta, Norma, Puritani-Elvira und auch beim Konzert zu ihrem 45-jährigen Bühnenjubiläum an der WSO.


    Gregor

    Es ist schon erstaunlich, dass der Thread über Edgardo Rocha in mehr als drei Jahren nur ein Strohfeuer über noch nicht mal eine Woche war. Dabei hat der am 6. September 1983 in Rivera/Uruguay geborene Tenor in den letzten zehn Jahren eine erstaunliche Karriere an europäischen und internationalen Theatern gemacht, vor allem mit Rollen von Rossini.


    csm_Edgardo_Rocha-Foto-neu-1_c_Edoardo_Piva_6e581efdd5.jpegDamit befindet sich der Sänger hier im Forum allerdings in bester Gesellschaft. Werden doch leider viele Sängerthreads kurz nach Eröffnung schnell wieder vergessen. Was oft daran liegt, dass die betreffenden Sänger nicht im Zentrum des Interesses stehen, weil sie von anderen gehypten Sängern überschattet werden. Viele werden dann auch noch von Marketingabteilungen ignoriert. Da pickt man sich ein paar Sänger heraus, die dann einen Album-Vertrag bekommen und dann kräftig beworben werden, andere bleiben dadurch - unverdient - auf der Strecke.

    Das wirkt sich natürlich auch hier im Forum aus. Diese Sänger finden dann wenig bis keine Beachtung, während man sich auch hier auf die üblichen Verdächtigen stürzt. Da werden dann viele junge Sänger, die eigentlich gerade auf dem Weg sind eine beachtliche Karriere hinzulegen, leider (auch hier im Forum) total übersehen.


    Ich habe Edgardo Rocha und seine Auftritte - seitdem ich ihn durch den Lindoro in L'Italiana in Algeri an der Wiener Staatsoper "entdeckt" habe - immer beobachtet und seinen beachtlichen Werdegang verfolgt.


    Letztes Jahr beispielsweise sang er einen hervorragenden Percy in Donizetti's Anna Bolena und auch sein fulminanter Puritani-Arturo soll hier genannt werden. Seine flexible, elastische Tenorstimme ermöglicht es ihm, bis zu einem bombensicheren hohen F zu gelangen.



    Ich freue mich, dass die neue Staatsopern-Direktion den Tenor Anfang 2021 als Ramiro in La cenerentola nach Wien zurückholt.


    Ein Sänger der wirklich viel Freude macht. Schön, dass du ihn hier im Forum aus der Versenkung geholt hast.


    Gregor

    Die Presse überschlägt sich nämlich mit Lob. Auch ich selbst habe einiges anders empfunden.


    Das ist der Grund warum ich wohl seit einiger Zeit offizielle Kritiken nur noch sporadisch lese. Man liest zumeist wie toll alles war und es werden ständig Superlative bedient und Sternstunden beschrieben.


    Wenn ich Kritiken lese, dann sind es zumeist jene, die von Kennern geschrieben werden, die privat schreiben. Darum ist Der Neue Merker hier immer eine gute Adresse. Da findet man einige hervorragende Rezensenten, die viel von der Materie verstehen und kenntnisreich "kritisieren". Mit ihnen gehe ich selbstverständlich auch nicht immer konform, aber es sind fundierte Kritiken mit denen man etwas anfangen kann, die sich nicht scheuen, Negatives anzusprechen, und die sich nicht in Allgemeinheiten und Oberflächlichkeiten verlieren.


    Ich habe mir jetzt deshalb auch gerade angesehen, was im Merker so an Butterfly-Kritiken zu finden ist. Immerhin vier Rezensionen vom Premieren-Abend. Und alle kommen was die Gesangsleistungen betrifft zum genau selben Resultat.



    https://onlinemerker.com/wiener-staatsoper-madama-butterfly/


    http://www.dermerker.com/index…011-11EA-BA1D005056A64872


    https://onlinemerker.com/wien-…ison-eroeffnungspremiere/


    https://onlinemerker.com/wien-…adama-butterfly-premiere/



    Gregor

    ... Puccini-Meisterwerk ohne Puccini-Stimmen!


    Die neue Staatsoperndirektion Roscic/Jordan startete mit einer Premiere in die neue Saison. Nach 63 (!) Jahren wurde die legendäre Butterfly-Inszenierung von Josef Gielen entsorgt und durch die bereits rund 15 Jahre alte Inszenierung von Filmregisseur Anthony Minghella ersetzt. Diese Produktion wurde bereits an der English National Opera, dem Litauischen Nationaltheater und an der Metropolitan Opera gezeigt, wo sie durch die Kinoübertragung(en) einem breiten Publikum bekannt geworden ist.


    Minghella, der durch Hollywood-Filme wie dem Remake von Der talentierte Mr. Ripley, Cold Mountain und natürlich Der englische Patient – für den er den Regie-Oscar gewonnen hat – weltberühmt geworden ist, setzt in seiner Produktion auf Lichteffekte und Farben, Spiegelungen und schöne Kostüme, die Austattung ist aber eher karg. Es gibt aber immerhin ein paar verschiebbare Wände und Liebe zum Detail. Da regnet es Blüten und es gibt auch Atmosphäre erzeugende Lampions. Und Minghella orientiert sich in seiner Regiearbeit, die nun von seiner Witwe - der aus Hongkong stammenden Choreographin und Regisseurin Carolyn Choa - für Wien neu aufgearbeitet wurde, am japanischen Bunrakutheater. Typisch dafür die Bunraku-Puppe, die als Kind Cio-Cio-San’s zum Einsatz kommt und die von Puppenspielern durch natürliche Körperbewegungen faszinierend menschlich dargestellt werden kann.


    Da die Inszenierung also weitgehend bekannt ist konzentriere ich mich hier auf die musikalische Seite. Und die war vor allem sängerisch enttäuschend. Asmik Grigorian hat ja nur wenige italienische Rollen in ihrem Repertoire. Die Butterfly ist eine von ihnen, und sie bewegt sich stimmlich hier außerhalb ihrer "Comfort-Zone". Ihr Sopran ist praktisch in allen Lagen geschärft, vor allem in den Höhen und Spitzentönen überfordert. Da wo die Stimme bei Puccini aufblühen sollte, gerät der Sopran Grigorian’s in Bedrängnis und wird eng. Der unschöne Spitzenton am Ende ihrer Auftrittsszene ist da symptomatisch. Auch wenn sie darstellerisch sehr engagiert ist, kann die Sopranistin nichts von der Jugend ihrer Figur vermitteln. Vor allem kann sie in keiner Minute berühren. Es fehlt dieser Butterfly an Wärme und an emotionaler Emphase.


    Auch der Tenor des Abends, Newcomer und Hausdebütant Freddie De Tommaso als Pinkerton, konnte alles andere als begeistern. Ja, seine baritonale Tenorstimme ist unspektakulär und er hat kein individuelles Timbre, das einem besonders aufhorchen lässt. Das ist natürlich noch nicht das Problem. Aber der Sänger fällt leider vor allem durch sein eher gestemmtes Singen auf, Spitzentöne werden zwar kraftvoll und durchaus eindrucksvoll demonstriert, aber lyrischer Gesang ist da nicht herauszuhören, und es fehlt dieser Stimme ganz und gar an Puccini-Schmelz. Selten habe ich ein so kraftmeierisches Addio fiorito asil gehört. Alles erstaunlich eindimensional.


    Das große Liebesduett am Ende des ersten Aktes – wohl eines der schönsten in der gesamten italienischen Opernliteratur – verpufft mit den viel zu harten Stimmen der Hauptrollensänger im Nichts. De Tommasi's Viene la sera erklingt belanglos, Bimba dagli occhi pieni di malia mangelt es an Zärtlichkeit, Vogliatemi bene an jeglicher Romantik. Enttäuschend.


    In den Nebenrollen überzeugt zumindest Boris Pinkhasovich als stimmlich adäquater Sharpless. Die Suzuki von Virginie Verrez, deren Mezzo an diesem Abend etwas hart erklingt, hat es auch schwer mit ihrer Herrin stimmlich eine Linie zu finden.


    Und nun noch zum Dirigat von Philippe Jordan. Man hört schon deutlich, dass er auch ein Könner von symphonischer Musik ist. Er legt viel Wert auf Details, und badet vor allem nicht in Süßlichkeit. Manche werfen der Puccini-Oper vor kitschig zu sein. Kommt halt immer darauf an, was man aus der Musik macht und wie man sie spielt. Das man diese Oper völlig kitschbefreit musizieren kann beweist Jordan mit den Philharmonikern im Orchestergraben. Zu hören bei vielen Stellen, so beispielsweise im großartig gestalteten Intermezzo. Trotzdem vermisst man an manchen Stellen dann doch vielleicht etwas mehr emotionale Eindringlichkeit. Puccini muss doch auch Puccini bleiben.


    Am Ende gab es dann doch viel Jubel im - derzeit natürlich - halbvollen Haus. Man war sicher auch froh und glücklich darüber, Oper endlich wieder live zu hören und zu sehen.


    Im Frühling 2021 soll dann Hui He, immerhin die führende Butterfly-Interpretin der letzten Jahre die Titelrolle in dieser Produktion übernehmen, und Roberto Alagna wird als amerikanischer Marineleutnant angekündigt. Dann sollten Cio-Cio-San und Pinkerton wieder mehr nach Puccini klingen.



    Gregor

    Das Mailänder-Verdi-Requiem ist aktuell noch bei ARTE Concert im Stream zu sehen. Unten der Link dazu, auch wenn das Interesse wahrscheinlich an einem Requiem hier im Forum gering ist - auch wenn es von Verdi ist. Obwohl es derzeit der gefragteste Stream bei ARTE sein soll (es gibt also ein Publikum dafür). Und eine Zeit des Innehaltens ist auch wichtig.


    Es mutet derzeit wohl noch befremdlich an, Orchestermusiker, Dirigent und Sänger mit Gesichtsmasken auftreten zu sehen. Aber das gehört nun mal heute dazu. Stoyanova, Garanca und Pape waren sehr gut. Lediglich Francesco Meli stemmte sich - zumindest phasenweise - durch. Dabei gilt es beim Requiem doch nicht auf die Tube zu drücken. Er hätte die Stimme einfach nur fließen lassen sollen. Egal, für Rezensionen ist das wohl nicht der Platz.


    Da es in den Opernthread nicht passt stelle ich den Link nun hier in einen der Sängerthreads ein:


    https://www.arte.tv/de/videos/…equiem-im-mailaender-dom/



    Gregor

    Bei Spotify gibt es schon mal "Al dolce guidami" aus dem zweiten Akt der "Anna Bolena" zum Probehören. Mich wundert diese Auswahl, weil ich sie nicht als Werbung für die neue CD empfinde. Die Arie ist trotz sehr gelungener Details insgesamt ziemlich unstet gesungen. Deren technische Schwierigkeiten machen Frau Damrau hörbar Schwierigkeiten. Die Koloraturen sind für mein Empfinden nicht sauber genug ausgeführt. Ihre Fans werden da vieles überhören, was ganz in Ordnung ist. Ich gehörte nie dazu, weil mir die Stimme immer etwas zu kalt vorkam.


    Ich habe mir das Video angehört, in dem man Damrau sieht wie sie Deh! Tu di un umile aus Maria Stuarda im Studio aufnimmt und komme hier zu einem ähnlichen Ergebnis wie Rüdiger. Unstet ist das richtige Wort. Es klingt alles etwas hart, die Höhen scharf und mit teilweise unschöner Färbung, mir fehlt da die belcanteske Geschmeidigkeit.




    Als Audio-Aufnahmen stehen bei YT auch noch Vivi, Ingrate der Elisabetta aus Roberto Devereux und das von Rüdiger erwähnte Al dolce guidami aus Anna Bolena zur Verfügung:


    https://www.youtube.com/watch?v=JkfIYcU-Xrc


    https://www.youtube.com/watch?v=Jw-7g23Pw90



    Gregor

    Diana Damrau hat es in diesem Forum recht schwer. Ihre letzte CD mit den Vier letzten Liedern von Strauss stieß eher auf geringes Interesse. Vielleicht liegt es an der übermächtigen Konkurrenz in diesem Repertoire.


    Vielleicht kann sie mit ihrem neuen Album mehr überzeugen? Auf Tudor Queens nimmt sie sich den Donizetti-Königinnen-Rollen an, aber auch hier tritt sie scheinbar gegen schier übermächtige Konkurrenz an. Sängerinnen wie Edita Gruberova, Beverly Sills oder auch Mariella Devia haben in diesem Repertoire Maßstäbe gesetzt.


    Tudor Queens vereint die ausgedehnten Finalszenen aus Anna Bolena, Maria Stuarda und Elisabetta I. aus Roberto Devereux.

    Antonio Pappano dirigiert Chor und Orchester der Accademia Nazionale di Santa Cecilia.

    Belcanto- und Damrau-Fans warten sicher auf diese Veröffentlichung, die mit 02. Oktober 2020 datiert ist.



    Gregor

    Verdi's Requiem heute auf ARTE!


    Am Freitag fand im Mailänder Dom eine Aufführung von Verdi's Requiem zu Gunsten der Opfer von Covid-19 statt. Heute nachmittag um 16.45 Uhr strahlt ARTE den Mitschnitt im TV aus.

    Es war das erste Mal, dass das Requiem von Verdi im Mailänder Dom erklungen ist. Das Orchester spielte in voller Besetzung.

    Die Scala sagte dazu in einer Pressemitteilung:

    "Die Scala will die Opfer der Coronavirus-Pandemie ehren, einer globalen Tragödie, die Mailand und Lombardei auf besonders grausame Weise getroffen hat".


    Giuseppe Verdi

    MESSA DA REQUIEM

    ARTE TV 16.45 Uhr


    Krassimira Stoyanova, Sopran

    Elina Garanca, Mezzosopran

    Francesco Meli, Tenor

    René Pape, Bass

    Chor und Orchester der Mailänder Scala

    Riccardo Chailly, Dirigent


    Heute findet übrigens in der Basilica di Santa Maria Maggiore in Bergamo das Requiem in gleicher Besetzung noch einmal statt. Am 09. September ein weiteres Mal im Duomo von Brescia. Bergamo, Brescia und die gesamte Lombardei wurden vom Corona-Virus ja besonders hart getroffen.



    Gregor