Beiträge von MarcCologne

    Ich habe auch gute Erfahrungen mit "eloquence"-CDs machen können - das Schöne ist halt, dass man wegen des niedrigen Preises von gerade mal 5 Euro pro CD eigentlich kein Risko eingeht und auch mal "experimentierfreudig" und spontan-neugierig zugreifen kann, ohne sich hinterher ärgern zu müssen, was mir aber auch noch nicht passiert ist hierbei.
    Gut, es gibt nicht annähernd die Vielfalt, die einem fürs gleiche Geld bei NAXOS geboten wird (und die schaffen es ja sogar, ein Booklet mit knappen aber meist guten Texten beizufügen!!), aber das Angebot wächst und wächst und hier sind zur Abwechslung eben mal die "großen" Interpreten-Namen vertreten, die es nun wieder bei NAXOS nicht gibt.


    Zu Beginn dachte ich auch, dass das mit der Reihe "eloquence" wohl eher etwas kurzlebiges werden würde, denn die ersten Titel waren mit Bachs Brandenburgischen Konzerten oder Mozarts letzten beiden Symphonien ja nicht wirklich originell - aber im Laufe der Zeit habe ich dann doch überrascht feststellen können, dass es hier noch etwas zu entdecken gibt :yes:


    Ich mag vor allem die Telemann-Zusammenstellungen innerhalb dieser Reihe - da war einiges dabei, was ich immer schon mal gesucht hatte ("Schulmeister-Kantate"; "Hamburger Ebb und Flut") - sehr schöne Aufnahmen!


    Am bizarrsten finde ich die "Dreigroschenoper" in der "eloquence"-Reihe mit dem Orchester von James Last - da gehört schon echt Mut zu :D

    "Idomeneo" gehört zu meinen absoluten Mozart-Favoriten, allein schon deswegen, weil die Entstehungsgeschichte so gut dokumentiert ist und das Textbuch durch die ganzen Striche und Alternativ-Versionen ein interessantes "Setzkasten-Spiel" ermöglicht - keine Inszenierung/ CD-Aufnahme gleicht der anderen, sowas finde ich immer sehr spannend!


    Wenn ich Mozarts wunderbare Briefkommentare lese ("il mio molto amato castrato Dal Prato" :D :D), die er während der Probenphase an seinen Vater geschrieben hat, bewundere ich seinen Theater-Instinkt, gerade auch unter dramaturgischen Gesichtspunkten. Wenn es da z. B. sinngemäß heißt, dass das Gewitter und der Seesturm ja wohl nicht deshalb höflicherweise pausieren werden, bloß weil Idomeneo jetzt etwas singen möchte, dann ist das aus heutiger Sicht vielleicht logisch, aber zu Mozarts Zeiten hat sich doch (fast) niemand um solche Belange gekümmert! Wenn ich überlege, in was für absurden dramaturgischen Situationen in manchen Barockopern immer noch Zeit für eine ausgedehnte Arie bleibt - das ist manchmal echte Situationskomik :D
    Damals hat es keinen gestört - und dann kommt Mozart und macht sich plötzlich Gedanken um dramatische Stringenz und Handlungslogik und versucht, alles in eine einigermaßen überzeugende Form zu gießen - in dieser Phase experimentiert er hemmungslos mit der Form "Opera seria" und versucht, verschiedene Elemente (Ensembles, Chor und Ballett) zu integrieren - alles zusammen macht den "Idomeneo" zu einer sehr spannenden Oper! Und die Musik ist absolut umwerfend! Schade, dass Mozart auf dem Gebiet der "ernsten Oper" bis auf den ganz anders gestalteten späten "Titus" 10 Jahre später keine weiteren Beiträge zu dieser Gattung mehr geliefert hat - die weitere Entwicklung wäre bestimmt sehr spannend geworden, bei sovielen Ambitionen und tollen Ideen.


    Ich habe den Kölner "Idomeneo" in diesem Frühjahr gesehen und fand die Inszenierung eher farblos und mal wieder bemüht auf "heutige Zeiten" getrimmt (Kriegs-Vertriebenenschicksale als Hauptthema). Dafür gab es einige selten gespielte Arien zu hören, die sonst meist gestrichen werden (z. B. Arbace im 2. Akt).
    In der letzten Bonner Inszenierung (die war in 1999, glaube ich) gab es sogar mal das Ballett am Ende zu sehen und zu hören - war eine interessante Abwechslung und fügte sich ganz stimmig in die Handlung!