Beiträge von Philhellene

    Ich bin, was das 20. Jahrhundert betrifft, nicht so über-drüber-bewandert, aber Angst habe ich auf keinen Fall. Um Angst zu haben, habe ich mit der Musik dieser Epoche zu viele gute Erfahrungen gemacht. Lassen wir alle diese Spät- und Spätestromantiker wie Janácek, de Falla, Villa-Lobos, Strauss etc. weg und konzentrieren uns auf die wirklich neuen Dinge:


    Schönberg: Ich kenne bislang von ihm nur "Erwartung", und es hat mir recht gut gefallen - es ist natürlich ein Werk, das sehr viel Konzentration benötigt. Ich müsste es aber wieder einmal hören - genau so wie seine CD-Kommilitonen


    Rihm: "Schattenstück" (aufregende Klangfolgen, die allerdings keinen wirklichen Genuss bieten)


    und Haas: "Konzert für Violine und Orchester" (ein Werk, das mir wenig zusagte und mir sehr zerfleddert vorkam, aber wie gesagt, ich müsste diese CD wieder einmal hören)


    Bártok: "Herzog Blaubarts Burg" ist absolut genial! Kodály sagte darüber: "ein Vulkan, der mit dramatischer Intensität eine Stunde lang ausbricht." Wie die Türen nacheinander geöffnet werden, wie Judit immer tiefer in Blaubarts Seele eindringt... äußerlich geschieht nicht viel, keine Action auf der Bühne, aber innen geschieht so wahnsinnig viel, und das alles drückt die Musik aus. Es ist ein Werk, bei dem eine konzertante Aufführung den Vergleich mit der szenischen nicht scheuen muss. Sein "Konzert für Orchester" müsste ich wieder einmal hören, es hat mir, soweit ich mich erinnern kann, deutlich weniger gut gefallen als die Oper.


    Britten: Gehört auf jeden Fall zu meinen Top 20 Komponisten, obwohl ich sehr viele Leute kenne, die ihn überhaupt nicht mögen. Ich finde, er ist der bedeutendste Opernkomponist nach dem zweiten Weltkrieg. "Peter Grimes", "The rape of Lucretia", "The turn of the screw" sind drei wunderschöne Opern, ganz bestimmt mit einigen unbequemen Stellen (insgesamt aber eher textlich als musikalisch gesehen), aber auch mit ausgesprochenen Ohrwürmern wie der Arie der Ellen "Embroidery in childhood was a luxury of idleness" (Peter Grimes, 3. Akt, 1. Szene) oder Miles' Lied "Malo" (The turn of the screw, 1. Akt, 6. Szene) o. a.
    Allein sein War Requiem aber ist schon bewundernswert (eine der wenigen Kompositionen des 20. Jh. übrigens, die tatsächlich auch einen enormen kommerziellen Erfolg hatten - neben Ariel Ramírez' "Misa Criolla" und ein paar Werken von Mikis Theodorakis vielleicht). Es ist ein sehr bewegendes Werk, bei dem es - auch wenn die Wischnewskaja auf der Aufnahme wirklich sehr gut singt - vielleicht noch wichtiger als bei anderen Werken ist, dass man es live hört.


    Poulenc: "Dialogues des Carmèlites" - sehr gute Oper, viel zu selten gespielt, mit vielen packenden Szenen (und damit meine ich jetzt nicht die sehr makabre Schlussszene, bei der ich mich frage, wie man als Zuhörer und -schauer danach applaudieren kann...).
    "Gloria" und "Stabat mater" - auch formidable Stücke, besonders das "Domine Deus, Agnus Dei" aus dem Gloria gefällt mir ausnehmend gut. Sehr problematisch für mich als Altphilologie-Fan sind die bewusst falschen Lateindeklamationen, weniger die Musik.
    Aus den "Quatre motets de la temps de pénitence" kenne ich nur "Vinea mea electa" (mit dem Kirchenchor gesungen), aber das ist ein hervorragendes kleines Chorwerk, zwar ebenfalls mit falscher Betonung, aber mit wunderschönen dissonanten Akkorden (wunderschön und dissonant ist kein Widerspruch!) und vor allem einer herrlichen Sopranmelodie: "Quomodo conversa est in amaritudinem...", beginnend am gis''.
    Mein Griechischprofessor empfiehlt das Konzert für Orgel und Orchester, aber ich kenne es nicht. :D


    Theodorakis: Klanglich kaum Probleme, wenn man sich erst einmal auf die archaischen Byzantinismen zumindest in seinem "Requiem" eingestellt hat, also gehört er eigentlich gar nicht hierher, oder?


    Radulescu: Detto, nur dass die Archaismen westkirchlich sind und das Werk kein Requiem sondern eine Passion. ("Leiden und Tod unseres Herrn und Heilands Jesus Christus", uraufgeführt in Graz)


    Kropfreiter: Noch eine moderne Motette haben wir im Kirchenchor gesungen: Die "Heilig-Geist-Motette" von Augustinus Franz Kropfreiter. Einige SängerInnen im Chor, insbesondere die vor-70er Jahrgänge konnten damit irgendwie reichlich wenig anfangen, aber mir hat es sehr sehr gut gefallen. Es beginnt und endet mit einem G-Dur-Akkord, dazwischen ist allerdings auch sehr viel Dissonanz, aber auch sehr viel Melodie. Ich finde allerdings, den heiligen Geist kann man nur durch Dissonanzen darstellen, und sowohl Musik als auch Text sind wirklich schön.


    Wie ich bei dieser Rundschau bemerkte, habe ich mit den wirklich Hardcore-modernen allerdings kaum Erfahrungen. Ich mag eine gewisse Art von moderner Musik sehr gerne, die zwar eigentlich sehr dissonant ist, aber wo sich doch ein bestimmter tonaler Bezug wenigstens der Hauptmelodie herstellen lässt und die Dissonanzen dann im Gehirn des Zuhörers eher als zusätzliche Klangfarbe wahrgenommen wird, falls irgendwer diese kryptische Äußerung und meinen Versuch, meine Empfindungen beim Musik hören in Worte umzusetzen, verstehen kann. ;)

    Aber der Umstand, dass der Name Karajan größer geschrieben ist als diejenigen der Komponisten, besagt doch eh schon alles, oder?
    Und das "Heldenleben"-Cover finde ich noch aus ganz anderen Gründen unerträglich: Karajan posiert da in einer arroganten Haltung, als ob das Werk, das er da dirigiert, sein Leben porträtierte. Dabei dachte Strauss ganz sicher nicht an ihn! :rolleyes:
    Diese Covergeschichten bestärken mich jedenfalls wieder in meiner Karajan-Abneigung...

    Also mal langsam...


    Wenn ich in die Oper oder ins Konzert gehe, nehme ich meist davor eine Kleinigkeit zu mir und hinterher esse ich gar nichts mehr. Obwohl es mich bisweilen reizen würde, aber Restaurantbesuche sind teuer und ich bin noch länger nicht Verdiener, und daheim würde ich dann gerne ein tolles Menü kochen, aber das würde zu lange dauern...


    Und zu den Kleidungsvorschriften :baeh01: (oder wurde inzwischen ein eigener Thread dafür geöffnet? Dann kopiere ich das folgende dorthin!):
    Ins Opernhaus gehe ich nur mit Anzug und Krawatte. :] Im Theater oder im Konzert kann man mich allerdings durchaus bisweilen "nur" mit schwarzen Jeans, Hemd, Krawatte und Sakko sehen. Kellertheater attendiere ich mit der Kleidung, die ich auch in der Schule anhabe, also Jeans und Hemd. (Ich bin absoluter Hemdenfanatiker!)


    Und zuhause? Ich würde gerne zum Essen ausgewählte Tischmusik (dem jeweiligen Menü natürlich angepasst) hören, kann das allerdings aus Rücksichtnahme auf andere Familienmitglieder nicht. Allerdings wenn ich koche, was ich gerne tu und selten darf, lasse ich es mir nicht nehmen, Musik dazu zu hören. Die Zwiebeln werden viel gleichmäßiger braun, wenn man sie mit klassischer Musik traktiert! :yes: Wenn Puristen jetzt einwenden mögen, dass die Kochgeräusche doch den Genuss trüben: Wenn ich Aufnahmen schon sehr gut kenne, darf ich auch einmal nicht ganz so konzentriert zuhören und Nebengeräusche erdulden.


    Meine Lieblingskochoper ist übrigens "La bohème", obwohl es sich mit "Jenufa" auch gut kocht.
    Und mein Lieblingskochoratorium - jetzt dürft ihr mich wirklich steinigen ("Lasst ihn steinigen!") - ist die Matthäuspassion.

    Ich höre Aufnahmen bisweilen sehr oft an, bis ich den Wert wirklich erkenne, das heißt, es passiert mir häufig, dass ich eine Aufnahme kaufe, die ich dann zwar nicht schlecht finde, aber auch nichts Besonderes, und erst, nachdem ich sie schon öfter gehört habe, entdecke ich die eigentliche Schönheit des Werkes, der Interpretation etc. Ich glaube, es hat auch ein bisschen mit Gewöhnung zu tun. Erst wenn man mit einer Aufnahme vertraut ist, kann sie wirklich ihre volle Schönheit entfalten.


    Ich habe z. B. auch ewig gebraucht, bis mir Schuberts Messen gefallen haben, über ein Jahr lang. Und bei der Missa solemnis von Beethoven ist das Aha-Erlebnis noch immer ausständig...

    Heutzutage gibt es einfach keine Kammern mehr, wo man Kammermusik aktiv, sprich live, aufführen könnte. Kammermusik - da denke ich an einen Abend in einer gutbürgerlichen Villa, wo viele Gäste geladen sind - der ausgedehnte Freundeskreis des Gastgeberpaares - und von diesen haben jene, die ein Instrument beherrschen, eben Werke einstudiert, die sie nun zu Gehör bringen. Kammermusik im Konzertsaal ist völlig verfehlt. Kammermusik gehört in einem kleinen, intimen Salon in einer Villa oder Palais aufgeführt, auch wenn die romantische Vorstellung, der ich oben gefrönt habe ("...ausgedehnter Freundeskreis des Gastgeberpaares...jene, die ein Instrument beherrschen...") natürlich nicht durchführbar ist. Es gäbe wohl in jeder Stadt solche passenden Aufführungsorte, nur sie werden allzu selten bespielt.


    Ich persönlich mag Kammermusik aufgrund ihrer größeren Intimität und des durchsichtigeren Satzes auch sehr gerne, aber ich muss schon eingestehen, dass das Zuhören viel mehr Konzentration abverlangt, als das bei einem größer besetzten Werk der Fall ist.

    Gewisse Cover sind wirklich so beschaffen, dass sie einen halbwegs rechtschaffenen Mann wie mich vom Kauf abhalten. Wenn ich eine so entblößte Dame auf einem CD-Cover sehe, drängt sich doch wirklich die Frage auf, ob sie musikalisch so miserabel ist, dass sie nur mit pornographischen Darstellungen punkten kann - und da ich mir eine CD um der Musik willen kaufe, ist das abschreckend. (Anna Netrebko sieht auf "Sempre libera" übrigens wirklich schrecklich aus!)


    Was Inszenierungen betrifft, ist das natürlich anders. Es gibt doch einige Opern, die eigentlich nicht ganz jugendfrei sind - nicht nur Salome und Thaïs (wobei Erotik eigentlich nicht in der Méditation, sondern viel mehr am Ende des ersten Aktes (Nicias' Fest) und im Divertissement im zweiten Akt vorkommen sollte, meiner unmaßgeblichen Meinung nach), sondern auch beispielsweise "Lady Macbeth von Mzensk". Die Frage ist nun, wie sensibel der Regisseur Erotik umsetzen kann. Erotik und Nacktheit sind nämlich nicht direkt proportional, wie manche offenbar glauben, und weniger ist immer mehr.


    P.S.: Bezüglich der Antikopern-Cover (Orfeo ed Euridice; Iphigénie en Aulide) - es könnte doch ein Hinweis auf die auch von den Griechen gepflogene Nacktheit sein, oder? Wenn es nicht all die anderen eindeutigen Cover auch noch gäbe...

    ABQ mit "Der Tod und das Mädchen" - Streichquartett Nr. 14 d-moll von Schubert habe ich heute auch schon gehört, allerdings wusste ich da vom Tod des Bratschisten noch nichts. 8o:(


    Derzeit bin ich wieder beim Villa-Lobos, Klavierkonzert Nr. 2, wie schon gestern. Ich komme von der wunderbaren Musik nicht los... Was dann folgt, weiß ich noch nicht. Wahrscheinlich Mittagessen! ;)

    Der wohl wichtigste brasilianische Komponist aller Zeiten erfreut sich im deutschsprachigen Raum nicht gerade großer Bekanntschaft. :rolleyes: Schade eigentlich, denn in seinem Œvre finden sich einige wunderschöne Werke, die des Anhörens unbedingt wert wären:


    Da sind vor allem die neun Suiten "Bachianas Brasileiras", in denen der Komponist eine Synthese zwischen Brasilien und Bach anstrebt. Was vielleicht eine merkwürdige Idee scheint, entpuppt sich als Glücksgriff des Komponisten. Da werden volksnahe, folklorebeeinflusste Melodien fugiert und erhalten ein neues Gewand aus barocker Polyphonie, das ihnen vorzüglich steht. Stets spielt der Rhythmus eine wichtige Rolle. Villa-Lobos ist kein simpler Epigone, denn die "Bachianas Brasileiras" klingen nie wie Barockmusik, es ist spätestromantische bis frühmoderne Musik (auf der nach oben offenen Modernitätsskala eine Stufe über de Falla), die aber barocke Ideen und Formen aufgreift und gemeinsam mit der südamerikanischen Volksmusik zu einem wunderbaren Ganzen verschmilzt. :jubel:
    Ich empfehle die Aufnahme unter dem Dirigat des Komponisten, auf der sich die Suiten Nr. 1, 2, 5 und 9 präsentieren:

    Es gibt, glaube ich, auch noch eine Poly-CD-Box "Villa-Lobos dirigiert Villa-Lobos", in der nicht nur alle "Bachianas Brasileiras" zu finden sind, sondern eine nicht zu knappe Auswahl anderer Werke aus seinem umfangreichen, über 2000 Stücke umfassenden Œvre, aber diese müsste man wohl aus den USA oder sonstwo importieren, im deutschsprachigen Gebiet scheint sie nicht erhältlich zu sein.


    Dann kenne ich auch noch die fünf Klavierkonzerte, die ich mir heute gekauft habe - ich bin beim Durchhören gerade im Scherzo des vierten angekommen (Scherzi sind bei Villa-Lobos in der Regel die Bravourstücke für die Solisten). Es sind sehr farbreiche Konzerte, die sich meist an das Kontrastprinzip halten: Aus sehr rhythmischen Abschnitten erblühen plötzlich die herrlichsten Lyrismen, die sich dann allmählich wieder einem Rhythmus unterwerfen müssen. In jedem einzelnen Konzert gibt es eine Unmenge an Melodien und Rhythmen - ein Kaleidoskop für die Ohren! :yes:


    Auch ein Harfenkonzert besitze ich von Villa-Lobos, das ich allerdings schon länger nicht mehr gehört habe. Dementsprechend kann ich nicht wirklich viel darüber schreiben, aber vielleicht höre ich es mir heute noch an und poste dann darüber.

    Ich kann die vier Jahreszeiten auch noch immer hören, obwohl der Frühlings-Anfang in der Tat sehr abgedroschen ist. Aber im Laufe des Satzes legt sich das intensive Déjà-ecouté-Gefühl sehr rasch, und der 2. Satz Frühling ist ja wirklich wunderbar. Dennoch bleiben Frühling und Herbst im Vergleich zu Sommer und Winter meiner Meinung nach ein bisschen hinten - Sommer und Winter sind einfach effektvoller (und in moll, im Gegensatz zu den beiden Übergangsjahreszeiten!).

    Die Kindertotenlieder in der selben Aufnahme hatte ich heute auch schon. Jetzt allerdings höre ich das dritte Klavierkonzert von Heitor Villa-Lobos... herrlich... manchmal, insbesondere in der Einleitung des ersten Satzes, erinnert es fast ein ganz ganz klein wenig an Janácek...


    Mittlerweile hab ich im übrigen ein Bild davon gefunden:


    Dank eines -20%-Gutscheines auf alle lagernden Klassik-CDs war bei mir heute Großeinkauf angesagt:


    Zunächst einmal die fünf Klavierkonzerte von Heitor Villa-Lobos :jubel: auf einer Doppel-CD, gespielt von Cristina Ortiz und dem Royal Philharmonic Orchestra unter Miguel Gómez Martinez - die höre ich mir gerade an, und es ist gewohnt gut. Bild habe ich leider keines gefunden.


    Dann eine Lieder-CD mit Victoria de los Angeles, von der ich ebenfalls kein Bild finde.






    Und was ist daraus geworden?


    Eine Carmen, die die Intention des Komponisten völlig verfehlt.


    Eine Mezzosopranistin, deren Gesang ein Sprechen auf Tonhöhe ist.


    Ein lyrischer Mozart-Tenor, der die ganze Zeit forciert und herumbrüllt.


    Ein grober, derber Escamillo.


    Ein Dirigat, das die Sinnlichkeit der Musik zu Eis erstarren lässt.

    Ich darf hier wohl gar nicht posten, weil ich das Abendland eher verrate denn rette (außerdem habe ich Faust II noch nicht gelesen, sondern kenne nur die Teile, die Schumann vertonte), aber um die Diskussion ein bisschen kontroverser zu gestalten: Ich finde, Goethe und auch sein Faust wird im deutschen Sprachraum gewaltig überschätzt.


    Goethe schrieb schöne Balladen, aber seine Dramen können es mit diesen bei weitem nicht aufnehmen. Es mangelt ihnen einfach an Charakterisierung und ihm an dramaturgischen Geschick. Wo im Faust gibt es einen einzigen Charakter? Alle handelnden Personen sind mir, ehrlich gesagt, zu archetypisch. Das Ganze erinnert mich eher an eine dieser derben spätmittelalterlichen Typenkomödien, denn an ein gutes Schauspiel. Vielleicht ist der Faust über weite Strecken überhaupt eher als ein Roman mit verteilten Rollen zu bezeichnen.


    Eine sehr wünneclîche Bearbeitung des selben Stoffes liefert hingegen Lessing in seinem 17. Literaturbrief, in welchem er Gottsched angreift und Shakespeare als Beispiel darstellt: Es ist eine Szene aus seinem Faust-Dramenfragment, in welcher Faust die sieben Geister der Hölle beschwört. Schade, dass er den Faust nicht fertiggestellt hat, mir gefällt diese Szene nämlich um einiges besser als die vergleichbare Szene bei Goethe (Studierzimmer).


    Shakespeare ist im übrigen überhaupt ein packender Schriftsteller mit genialen Charakteren und Dramaturgie - und mich dünkt, die englische Literatur ist noch immer von ihm positiv beeinflusst, während die deutschsprachige noch immer an Meistersang, Martin Opitz, Gottsched und Goethe laboriert.

    Mikis Theodorakis: Requiem für Mezzosopran, Sopran, Bass, Tenor, Chor und Orchester (1974-75)


    Ein wunderschön elegisches Werk, das sowohl auf dem liturgischen Begräbnistext als auch auf der Musik der griechischen Orthodoxie aufbaut - der Text ist übrigens viel schöner als der des katholischen Requiems!
    Besonders grandios die Mezzosopranistin Janne Polewtsowa auf der oben geposteten Einspielungen!

    Auch das "Concierto Andaluz" von Rodrigo, von ähnlicher Geisteshaltung, aber für vier Gitarren, ist ziemlich schön, obwohl es natürlich nicht an den Mittelsatz des "Concierto de Aranjuez" heranreicht. Sonst hab ich Rodrigo nur noch auf der Spanische Lied-CD von Victoria de los Angeles, mit zwei Mini-Liederzyklen, wobei mir der zweite, "Tríptic de Mossèn Cinto", besser gefällt.

    Ich werde am 11. August in St. Margarethen sein. Ich freu mich schon darauf, hab allerdings den leisen Verdacht, dass ich Carmen bald nicht mehr hören kann (styriarte...)


    Martin Fournier (Remendado) dürfte in Graz auch relativ bekannt sein... Er tritt hier des öfteren in Konzerten und auch in kleineren Partien in der Oper auf.

    Ich hatte noch nicht so viel Zeit, eine Sammlung aufzubauen, und ich bin noch in dem Stadium, wo mein ganzes Geld für unterschiedliche Stücke draufgeht. Es gibt noch so viel Musik, die ich gerne hätte, dass ich mir nur selten Alternativeinspielungen leiste.


    Die wenigen Male:


    W. A. Mozart: Die Zauberflöte:
    Frick, Popp, Janowitz, Gedda; Klemperer. EMI
    van Dam, Ott, Mathis, Araiza; von Karajan. DG
    (natürlich ist die erste Aufnahme, die ich mir später gekauft habe, die bessere!)


    Ariel Ramírez: Misa Criolla:
    Los Fronterizos, Chor der Basilika von Cocorro; Ramírez. Philips 1968
    Mercedes Sosa, Estudio Coral de Buenos Aires; Hagman. Decca 1999
    (die zwei Aufnahmen sind nicht wirklich vergleichbar, es sind beide auf ihre Art schön)

    Janácek zählt auch zu meinen absoluten Lieblingskomponisten. Das herrlichste Musikstück, das ich kenne, stammt von ihm: Der "Starodávný II" aus den Lachischen Tänzen!


    Und auch die Opern sind alle sehr empfehlenswert, wobei mir "Jenofa" und "Aus einem Totenhaus" am besten gefallen. Die Glagolithische Messe ist natürlich ein Meisterwerk, zutiefst spirituell und ausdrucksstark, obwohl Janá
    ek Atheist oder wenigstens Agnostiker war. Wenn man sich nur das "Vruju", das "Gospodi pomiluj" oder das "Svet" anhört... da wird Glaube zum Erlebnis!

    Ein Buch, das ich sehr empfehlen kann, meiner unmaßgeblichen Meinung nach eines der "größten" literarischen Werke des 20. Jahrhunderts, wiewohl leider zumindest im deutschen Sprachgebiet offensichtlich eher wenig bekannt, allerdings aufgrund der Syntax, der metapherreichen Sprache und der Langatmigkeit relativ schwierig zu lesendes Buch, für das man Zeit, Geduld und Freude am Surrealismus benötigt, ist "Paradiso" von José Lezama Lima. Insbesondere wer - so wie ich - den lateinamerikanischen Schriftstellern verfallen ist, sollte es unbedingt lesen!

    Man darf sich eben nicht abschrecken lassen, sondern muss sich die wunderbare Sprache auf der Zunge zergehen lassen...

    Meine Favoritinnen sind:


    Victoria de los Angeles (wegen ihres phänomenalen Timbres und der seelenvollen Darstellung ihrer Opernpartien und spanischen Lieder)


    Galina Wischnewskaja (alleine schon aufgrund des "War Requiems", aber auch ihre Katerina Ismailowa ist wunderbar)


    Elisabeth Söderström (weil sie die großen Sopranrollen meines Lieblingskomponisten so herrlich aufgenommen hat, und auch aufgrund ihrer Mélisande)

    Ich bin schon gespannt - das ist das einzige Stück, das mir anschaubar erschien, nachdem ich den Spielplan der Grazer Oper für die kommende Saison gesehen hatte und ich kenne es bislang auch nicht (nur eben das, was der Opernführer behauptet).

    Ich bin auch ein leidenschaftlicher Anhänger von Alten (nein, nicht Greisen!) und Bässen, insbesondere, wenn sie sehr tief singen.
    Besonders Altarien tauchen ja in der Oper leider viel zu selten auf; überhaupt scheint Alt eine von den Komponisten wenig geschätzte Stimmlage zu sein. Bach macht dabei glücklicherweise eine Ausnahme: Die Altarien in der Matthäuspassion, allein schon "Erbarme dich", trösten dann doch über die Ignoranz anderer Komponisten gegenüber dem Alt hinweg.


    (Ausgerechnet mein Lieblingskomponist Leoš Janá
    ek ist leider auch nicht besonders altfreundlich!)

    Victoria de los Angeles war meine absolute Lieblingssängerin. Wenige Sopranistinnen im 20. Jahrhundert hatten eine so wundervoll und individuell timbrierte Stimme wie sie.


    Unvergleichlich erotisch, ohne vulgär zu sein, eine moderne Interpretation einer unabhängigen Frau, ist noch immer ihre Carmen in der klassischen EMI-Aufnahme von 1959 unter Sir Thomas Beecham, die wohl allen bekannt sein dürfte.


    Auch die schon oben angesprochene Bohème, der ebenfalls in "Great Recordings of the Century" eine Neuauflage zuteil ward, ist nur zu empfehlen.



    Das wirklich Unübertreffliche sind aber die wirklich spanischen und lateinamerikanischen Musikstücke, die sie aufgenommen hat, wo Orchester und Sängerin wirklich mediterrane Luft atmen und Victorias Stimme wie das Licht der Sonne funkelt:

    Songs of Spain
    Enrique Granados:
    Collección de canciones amatorias
    La maya y el ruiseñor (Arie aus der Oper "Goyescas")
    Xavier Montsalvatge:
    Cincos canciones negras
    Madrigal sobre un tema popular (komponiert für die Schlussveranstaltung der Olympischen Spiele 1992 in Barcelona)
    Joaquín Rodrigo:
    Cuatro madrigales amatorios
    Tríptic de Mossèn Cinto
    Federico Mompou:
    El combat de somni
    Oscar Esplá:
    Cinco canciones playeras españolas
    Eduardo Toldrá:
    Cuatro canciones


    Achtundzwanzig wunderbare Lieder, die ich nicht mehr missen möchte.


    Herrlich ist auch die großartige de Falla-CD, ein Festspiel nicht nur für de Falla-Fans, sondern auch für de los Angeles-Anhänger!

    Wie immer kommt das Beste ganz am Schluss: de Fallas Vertonung von Jean-Aubrys Gedicht "Psyché" für Kammerorchester und Sopran, zauberhaft zart und weich, Victorias Stimme ist wie geschaffen für dieses Lied.


    Und noch etwas, was eigentlich einen eigenen Thread verdienen würde (vielleicht schreibe ich in naher Zukunft einen solchen - ich glaube jedenfalls, noch keinen derartigen gesehen zu haben!): Heitor VILLA-LOBOS - Bachianas Brasileiras

    Victoria de los Angeles war für das Sopransolo in den Bachianas Brasileiras Nr. 5 die Sängerin erster Wahl des Komponisten (der auch dirigiert!). Die Suiten sind aber alle absolut herrlich anzuhören, und die CD zählt zu meinen Lieblingsaufnahmen überhaupt. Es wäre schön, wenn Villa-Lobos ein breiteres Publikum fände, verdient hat er es jedenfalls.