Beiträge von Philhellene

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    Original von georgius1988
    Danke für den Hinweise, mit der Janacek-Doppel-CD hab ich alle Werke, die mich fürs erste interessieren mit einem Schlag.


    Die werde ich mir vielleicht auch zulegen, zwar habe ich da die Mehrzahl der Werke auch schon, aber fast immer in anderen Interpretationen.


    :hello: Martin

    EMI bringt Ende Jänner in der Serie "20th century classics", Doppel-CDs mit ausgewählten Werken eines Komponisten des 20. Jahrhunderts zu einem ziemlich vernünftigen Preis - keine Häppchen, versteht sich - einige Neuerscheinungen heraus.
    Einige Aufnahmen davon habe ich bereits in anderen Auflagen, so kann ich z. B. die folgende CD guten Gewissens empfehlen:



    El sombrero de tres picos, El amor brujo, Siete canciones populares espanolas, Noches en los jardinos d'España, Cembalokonzert, Psyché :jubel:, Soneto a Córdoba, Piezas españolas, Fantasia bética.


    Victoria de los Ángeles, Sopran
    Gonzalo Soriano, Klavier
    Rafael Frühbeck de Burgos, Dirigent
    Carlo Maria Giulini, Dirigent
    et al.


    Weitere Neuerscheinungen in dieser Reihe:


    EMI 1968



    Orchestre de Paris; Georges Prêtre - 4,5 (Eine typische Prêtre-Leistung, wenn ich das so ausdrücken darf: kompetent, mit Stil, und sogar durchaus überzeugend - aber für die Höchstnote ist es mir zu wenig beeindruckend.)


    Werther: Nicolai Gedda - 5 (Meine erste Wahl in französischen Opern: so stilsicher und idiomatisch wie er singt kaum ein Tenor nach 1960. Seine Interpretation ist hier wiederum sehr sensibel: sein Werther ein empfindsam-romantisch-schwärmerischer junger Mann, auch leidenschaftlich, aber letztlich zu wenig mannhaft, um über den Dingen zu stehen.)


    Charlotte: Victoria de los Ángeles - 5+ (Der absolute Höhepunkt der Aufnahme: eine nuancenreiche und einfühlsame Interpretation, die kaum zu übertreffen ist! Besonders ihre herausragende Briefszene ist ein Erlebnis!)


    Albert: Roger Soyer - 4 (Tadellos, aber mir bisweilen zu wenig böse. Mein idealer Albert muss das gespaltene Verhältnis zu Werther auch stimmlich zum Ausdruck bringen können.)


    Sophie: Mady Mesplé - 3,5 (Ich mag ihr Stimmchen einfach nicht wirklich, schon gar nicht für die Sophie, aber muss nach nochmaligem Nachhören doch zugeben, dass sie zumindest im zweiten Akt ein paar ziemlich gute Passagen singt...)


    Die Übrigen: 4,5 (auf hohem Niveau und von sehr französischem Gepräge, selbst Brühlmann und Käthchen sind hervorragend! (:D) )


    TQ: 4


    Gesamtwertung: 26,5/6 = 4,42


    Somit komme ich auf das selbe Gesamtergebnis wie Jacques Rideamus, aber mit leicht differierenden Einzelwertungen. Ein großer Vorteil dieser Aufnahme ist, dass alle perfektes Französisch singen und sich bestens mit dem französischen Stil auskennen. Darüberhinaus wäre es zumindest für jeden Fan der französischen Oper ein Versäumnis, das geniale Rollenporträt von Victoria de los Ángeles nicht zu kennen!


    Bitte verdoppeln! =) :yes:

    Liebe Theodora!
    Natürlich sollst du gleich ein Bild davon zeichnen - und uns dann auch zeigen! :yes:


    Zitat

    Original von Fairy Queen
    Allerdings gibt es einen entscheidenden Unterscheid zwischen einer üppigen, deutlich übergewichtigen aber trotzdem gut proportionierten, erotischen Frau und Montserrat Caballé, die einfach nur fett ist.


    Das habe ich auch nicht bestritten und sehe ich genauso. Eine Inszenierung, die die perverse Lust in den Vordergrund rückt, wäre zwar vielleicht zynisch, aber wenigstens glaubwürdig, was man von besagtem Youtube-Video ja nicht gerade sagen kann.


    Stimmlich gehört sie allerdings zu den besten Salomes, die mir untergekommen sind, obwohl ich eigentlich kein besonderer Caballé-Fan bin.


    :hello: Martin

    12 Punkte - Victoria de los Ángeles (Sopran)
    11 Punkte - Patricia Petibon (Sopran)
    10 Punkte - Kathleen Ferrier (Alt)
    9 Punkte - Magdalena Kozená (Mezzosopran)
    8 Punkte - Arleen Augér (Sopran)
    7 Punkte - Natalie Dessay (Sopran)
    6 Punkte - Christa Ludwig (Mezzosopran)
    5 Punkte - Susan Graham (Mezzosopran)
    4 Punkte - Cora Burggraaf (Mezzosopran)
    3 Punkte - Lucine Amara (Sopran)
    2 Punkte - Anne Sofie von Otter (Mezzosopran)
    1 Punkt - Régine Crespin (Sopran)


    Liebe Grüße,
    Martin

    Ich habe den Werther eigentlich ein bisschen lieber als die Manon, aber weniger gern als die Thais. :D Er braucht ein bisschen lang, bis die Oper wirklich "anläuft", aber spätestens ab dem dritten Akt, und das ist immerhin die Hälfte der Oper, finde ich ihn großartig! Ich mag sehr, dass das Drama so intim abläuft (im Gegensatz zur Manon), die handelnden Figuren so beschränkt sind, und überhaupt alles so auf die Seelenzustände der Protagonisten, besonders der Charlotte, zentriert ist. Die Goethe'sche Vorlage hingegen ist überhaupt nicht mein Fall. :rolleyes:


    Zitat

    Original von Zwielicht
    Vom Werther existiert ja eine zu Recht als klassisch gerühmte Einspielung mit Nicolai Gedda und Victoria de los Angeles - höchste Gesangskultur bei beiden, Noblesse pur, aber auch viel Bewegendes in der von de los Angeles überragend gesungenen Briefszene. Da gibt's hier sicherlich Berufenere als mich, um noch mehr dazu zu sagen. Was mir etwas weniger gefällt, ist das nicht immer auf gleicher Höhe stehende, manchmal fast grobe Dirigat von Prêtre, der aber eh nicht zu meinen Lieblingsdirigenten zählt. Hier hat mir de Billy in München besser gefallen. Das ändert aber nichts am Rang dieser Aufnahme:




    Ich mag Nicolai Gedda sehr gerne, weil er eine schöne Stimme mit intelligenten und sensiblen Interpretationen kombiniert und außerdem eine Top-Aussprache nicht nur im Französischen hat. Auch als Werther ist er wieder stilistisch exzellent, aber auch leidenschaftlich und empfindsam - wohl einer der besten!

    Überhaupt die Charlotte ist für mich Victoria de los Ángeles, und wers nicht glaubt, der höre sich die wahrhaft überragend gesungene Briefszene an: Wie viele Nuancen sie aus ihrer Stimme zaubert, ist schier an der Grenze des Möglichen. Nicht nur, dass sie die Emotionen Charlottes in ihrer Stimme (!) deutlich macht - die Vorwürfe ("comment m'est venu ce triste courage d'ordonner cet exil et cet isolement" - man beachte die Rauheit bei "ordonner" und das Nonvibrato auf "isolement"), dann die nackte Panik ("Ah! ce dernier billet me glace et m'épouvante!" :jubel: - das herbe "glace" und das angstvolle "épouvante" spielen in einer ganz eigenen Liga!), dann die düstere Vorahnung im letzten "Tu frémiras!" -, nein, sie gibt auch, nur mit ihrer Stimme, die Gefühlsregungen von Werthers Briefen wieder: die Melancholie des "ciel gris lourd de décembre" (nach ihrem "linceul" war ich schon süchtig!), die eigenartig heiter-verzweifelte Nostalgie des zweiten Briefes, und dann die leidenschaftlich-wilde Drohung "ne m'accuse pas, pleure-moi!" mit dem sanftem Mittelteil "tu les mouilleras de tes larmes", Werthers einzigem Trost. Für alles findet sie eine eigene Farbe und adelt damit die sowieso schon schöne Musik Massenets zusätzlich! Ihre Interpretation dieser Szene zählt zu meinen kostbarsten Hörerfahrungen und kann wohl nicht leicht übertroffen werden.


    Der Rest ist aber fast genauso genial: Ihre "Tränenarie" (die von Massenet so genial komponiert ist, wenn beim letzten Satz "Tout le brise!" ("Alles zerbricht es [Charlottes Herz]"), die Musik von Moll nach Dur bricht!!!), ihr Duett mit Werther, wo ihre Stimme, als sie ihn zurückweist, so eigenartig tränenverhangen ist ("Non! Vous ne me verrez plus!"), dass ich gar nicht weiß, ob das gewollt ist oder sie sich so hineingesteigert hat, dass sie bei der Aufnahme wirklich so aufgelöst war - aber man weiß hier, was Charlotte fühlt, wenn sie sich selbst zur Strafe auferlegt, Werther nie mehr zu sehen. Unvergleichlich berührend! Und Victorias Aussprache und Stilempfinden ist ja sowieso immer hervorragend.


    Was ich an dieser Aufnahme weniger schätze, ist Mady Mesplés Sophie, aber das ist wohl Geschmackssache.


    Liebe Grüße,
    Martin

    Zitat

    Original von audiamus
    Unter den Altistinnen eine Ethno-Künstlerin und vier Damen aus den Jahrgängen 1861, 1899, 1912 und, die Jüngste, 1930!


    Wobei ich mich Fadia El-Hage nicht anzuführen getraut hätte, wenn ich sie nicht schon live mit klassischem Repertoire erlebt hätte, namentlich der Altpartie im Messias, die sie ausdrucksvoll gestaltet hat - und was für eine aufregende Stimme! (Und sie ist auch eine sehr attraktive Frau, unverständlich, wieso sie nicht mehr gehypt wird :D )
    Händels Leibaltistin Susannah Cibber geb. Arne war übrigens eher singende Schauspielerin, die für ihre Shakespeare-Interpretationen gerühmt wurde, als Sängerin, zumindest stimmlich wohl mit damaligen italienischen Sängerinnen nicht vergleichbar (was man auch an den Altarien im Messias merkt!). Daher fand ich die Besetzung mit einer hauptsächlich Ethno-Künstlerin gar nicht so un-HIP... :D
    (einen sehr interessanten Musikclip mit ihr gibt es auf der Homepage des Ensembles Sarband unter "Programs" und "An Arabian Passion")


    Zitat


    Kürzlich unterhielt ich mich mit einer ehemaligen Schülerin, die nun in Saarbrücken Gesang studiert, bisher zum Mezzo oder gar Sopran hochgepusht werden sollte und nun eine Gesangsprofessorin gefunden hat, die sie in ihrer wunderschönen tiefen Lage belassen und dort ausbauen möchte.
    Ich gratulierte ihr dazu mit der Behauptung, ein "echter" Alt von hoher Qualität sei seltener als alles andere, wenngleich nicht unbedingt populärer.


    Diese Umfrage scheint zu zeigen, dass ich dem Mädel nicht gänzlich dummes Zeug erzählt habe...


    Nein, das hast du nicht, und wenn die Dame ihr Gesangsstudium beendet hat und ins Geschäft einsteigt, würde ich gern davon hören! Ich liebe echte Altstimmen!


    :hello: Martin


    Lieber Peter!
    Erwähnung findet Kassandra immer wieder, wenn es um Troja oder um Agamemnons Tod geht, aber an Berlioz reicht das alles nicht heran (die Alexandra des Lykophron kenne ich nur dem Namen nach, zu der kann ich nichts sagen). Sicher, bei Homer und der frühgriechischen Lyrik darf man prinzipiell keine Charakterisierungen im modernen Sinn erwarten, aber das Überlieferte verdient dennoch das Prädikat "spärlich".
    Bei den attischen Tragikern ist sie schon präsenter, das stimmt, aber auch da sind es kurze Auftritte und nur in den Atridendramen, auch der Auftritt in den Troerinnen und die Erwähnung in der Hekabe beziehen sich auf ihr Ende. Die Rolle, die sie bei Berlioz im Fall Trojas spielt, ist zum größten Teil Berlioz'sche, wenigstens aber neuzeitliche Erfindung.


    Wobei man vielleicht noch erwähnen muss: Der Beginn des zweiten Aktes, wo sich die Frauen alle um den Altar der Athena-Kybele scharen, ist noch beeinflusst von der Überlieferung, nach der ja Ajax die Kassandra vom Altar weg vergewaltigt habe und daher mit Wahnsinn geschlagen worden sei.


    Liebe Grüße,
    Martin

    Zitat von Jacques Rideamus

    Das braucht Euch nicht schleierhaft zu sein, denn auf YouTube könnt Ihr es Euch ansehen, und zwar in einer Madrider Aufführung von 1979. Erotisch würde ich das allerdings nicht gerade nennen, wenn man von dem leicht perversen Touch der angedeuteten Selbststrangulierung am Schluss absieht. Der Link kommt gleich hoch, wenn man Caballé und Salome googelt.


    Erotisch ist es wirklich nicht sehr, aber auch bemerkenswert schlecht choreographiert... Zu oft läuft sie einfach sinnlos kreuz und quer herum. Mehr solche - durchaus wirkungsvolle! - Szenen, wie da, als sie den grünen Schleier langsam am Boden schleift, weniger Hektik, sondern sparsame, laszive Gesten (wäre auch der Musik angemessener!), und ein bisschen stationärer - dann hätte man durchaus ein ganz passables Ergebnis erzielen können.
    Außerdem hätte sie selbst bei ihrer Figur nicht unbedingt ein Einmannzelt als Kostüm tragen müssen... :D


    Prinzipiell finde ich nämlich eine adipöse Tetrarchentochter angesichts der Verkommenheit und Dekadenz des Hofes sehr passend - und halte es auch nicht für ausgeschlossen, dass dem Herodes das auch noch gefällt! (Ganz abgesehen davon, dass antike Schönheitsideale zwar nicht steinzeitlich-fett, aber durchaus wohlproportioniert-üppig waren, die Abweichung vom Ideal also nicht ganz so groß ausgefallen wäre)


    :hello: Martin

    Zitat

    Original von pbrixius
    Normalerweise hält man sich wie der Hedrich an Livius, da ist Aeneas der Sohn von Anchises und Venus, Ascanius der Sohn der Creusa und des Aeneas. Aber wenn man sich mal unter dem Namen Iulus (Ascanius) umschaut ...


    Das macht griechische Mythologie eben so interessant, dass es da keine "orthodoxen" Texte gibt, sondern sich die unterschiedlichen Autoren verschiedenster Quellen bedienen - und am Ende auch wieder selbst etwas dazu schreiben, was sie für spätere Autoren zur Quelle macht ...


    Liebe Grüße Peter


    Mythos war im antiken Griechenland quasi "Work in Progress", oder vielleicht mit heutiger Fanfiction vergleichbar, wo jeder Autor auf einem Kanon aufbaut, aber die verschiedenen Personen nach Belieben verändern, austauschen, andere Akzente setzen kann, Nebenfiguren zu Hauptfiguren machen und umgekehrt, wie er gerade lustig ist. So ist z. B. der Kindsmord der Medea (wie Fairy Queen als Christa-Wolf-Leserin vielleicht schon weiß) erst von Euripides in dessen Medea-Drama als effektvolles Ende erfunden worden, hat sich dann aber schnell in den Kanon eingeschlichen. Auch die homerischen Epen haben natürlich, in kaum zu unterschätzender Weise, die griechische Mythologie entscheidend geprägt, ebenso Hesiod. Bei den frühgriechischen Mundartdichtern wie Alkman, Archilochos, Sappho..., die ungefähr zur gleichen Zeit lebten, findet man dagegen oft ganz andere Darstellungen.


    Wann tritt Cassandre in jener Inszenierung noch einmal auf? Unter den Schatten im fünften Akt, die Énée endgültig davon überzeugen, nach Italien abzufahren, taucht sie ja prinzipiell auf!
    Ich, der ich "Les Troyens" ja seit der Übertragung aus Salzburg kenne und also vor meinem Latein- und Altgriechischunterricht kennengelernt habe, war dann ziemlich enttäuscht von der spärlichen Erwähnung Kassandras in den antiken Quellen... :D


    Liebe Grüße,
    Martin

    Gut, dann fange ich einmal an mit einem Vergleich Vergil-Berlioz, nur einmal den ersten Teil:


    Bei Vergil ist der Fall Troias eine Rückblende, die Aeneas am Hof der Dido berichtet (darauf nimmt Berlioz noch raffiniert im vierten Akt Bezug, als er Didon das Schicksal der Andromaque erfragen lässt). Aeneas beginnt mit der List vom hölzernen Pferd, die er ganz zu Beginn erläutert; seine Zuhörer wissen also im weiteren Verlauf schon, was es mit dem Pferd auf sich hat. Bei Berlioz wird das nicht zu Beginn erläutert, Cassandre errät es erst im Finale des ersten Aktes, aber das Wissen darüber kann beim Publikum eh vorausgesetzt werden.


    Ganz wesentlich erscheint mir, dass Cassandra bei Vergil nur in zwei Nebenbemerkungen vorkommt (Die erste: "Daraufhin [nach Laokoon] öffnet auch Cassandra den Mund zur Verkündigung der Zukunft, den Mund, dem auf Befehl eines Gottes die Trojaner nie glaubten."; die andere später am geeigneten Ort), bei Berlioz aber die Zentralgestalt geworden ist. Folglich ist auch das Duett Chorèbe-Cassandre (inspiriert vielleicht von der zweiten Nennung Cassandras, siehe unten) und sämtliche Solostellen der Cassandre reiner Berlioz. Laokoon, dem bei Vergil relativ breiter Raum gegeben wird ("Quidquid id est, timeo Danaos et dona ferentes"), kommt dagegen bei Berlioz nur noch als Leiche vor.


    Ein langer Einschub ist bei Vergil die Sinon-Szene (Ein Grieche behauptet, er wäre von den Griechen als Opfer vorgesehen gewesen, sei entflohen und habe sich bis jetzt verborgen. Nun, da die Griechen ja weg sind, will er in Troia bleiben und rät den Trojanern, das Pferd, eine Weihegabe an Pallas, in die Stadt zu ziehen, wodurch den Griechen Übles zustoße. Denn das Pferd sei absichtlich so groß, damit es nicht durch die Tore Troias passe. Der greise König Priamos ist schon so dement, dass er daraufhin die Mauern niederreißen lässt.). Berlioz hat diese Szene auch vertont, aber später gestrichen, weil der erste Akt als zu lang kritisiert wurde. Das Streichen hat aber nichts genützt, der Akt wurde trotzdem zu seinen Lebzeiten nicht aufgeführt... Meistens wird die Szene heute auch gestrichen, in der Dutoit-Aufnahme ist sie enthalten.


    Der Schlussmonolog Cassandres existiert bei Vergil natürlich nicht. Interessant ist vielleicht, dass Berlioz aus dem viermaligen Waffenlärm im Bauch des Pferdes, verbunden mit einem viermaligen Stopp des Einzugs, ein einmaliges Ereignis macht. Der heilige Gesang von Knaben und Mädchen ("pueri circum innuptaeque puellae | sacra canunt") ist auch von Vergil vorgegeben und von Berlioz großartig umgesetzt.


    Die erste Szene des zweiten Aktes ist fast wörtlicher Vergil. Aeneas spricht Hector im Traum an:
    "o lux Dardaniae, spes o fidissima Teucrum,
    quae tantae tenuere morae? quibus Hector ab oris
    exspectate venis? ut te post multa tuorum
    funera, post varios hominumque urbisque labores
    defessi aspicimus! quae causa indigna serenos
    foedavit vultus? aut cur haec vulnera cerno?"

    ("O Licht Dardaniens [=Troias], treueste Hoffnung der Teucrer [=Trojaner],
    was verursachte dir so großen Aufschub? Von welchen Ufern, Hector,
    Erwarteter, kommst du? Wie sehen wir Erschöpfte dich nach vielen Begräbnissen der Deinen,
    nach vielen Mühen der Menschen und der Stadt wieder? Welche Schande
    hat dir das heitere Gesicht verunstaltet? Oder warum nehme ich diese Wunden wahr?")


    Und Hector antwortet:
    "heu fuge, nate dea, teque his" ait "eripe flammis.
    hostis habet muros; ruit alto a culmine Troia.
    sat patriae Priamoque datum: si Pergama dextra
    defendi possent, etiam hac defensa fuissent.
    sacra suosque tibi commendat Troia penatis;
    hos cape fatorum comites, his moenia quaere
    magna pererrato statues quae denique ponto."

    ("Ach, flieh, Sohn der Göttin, und entreiß dich diesen Flammen.
    Der Feind hält die Mauern; vom hohen Gipfel an stürzt Troia ein.
    Genug ist dem Vaterland und dem Priamus gegeben worden: wenn Pergama [=Troia]
    von einer rechten Hand verteidigt werden könnte, wäre es auch von dieser verteidigt worden.
    Troia vertraut dir seine Heiligtümer und Penaten an;
    nimm sie zu Begleitern deines Schicksals, such mit ihnen [oder: für sie] die großen Mauern,
    die du endlich errichten wirst, nachdem du das Meer durchirrt hast.")
    Interessant: Berlioz übernimmt den Text fast wörtlich, baut aber hier schon eine Vorhersage ein, dass Rom in der Zukunft die Welt beherrschen werde.


    Dann kommt Panthus. Aeneas spricht ihn an:
    "quo res summa loco, Panthu? quam prendimus arcem?"
    ("Wo ist das Hauptgeschehen, Panthus? Welche Burg sollen wir ergreifen?")
    Das und die folgende, lange Erzählung des Panthus kürzt Berlioz bzw. gibt es sinngemäß wieder. Danach kommt Coroebus, der als Verlobter ("von ungesunder Liebe entbrannt") der Cassandra vorgestellt wird, der erst in den letzten Tagen nach Troia gekommen sei, um im Kampfe zu helfen, trotz des dringenden Abratens seiner Verlobten. Aus dieser kleinen Bemerkung hat Berlioz im ersten Akt ein ganzes Duett gestaltet!
    Die Szene endet bei Berlioz mit der von Vergil übernommenen Sentenz des Aeneas:
    "una salus victis nullam sperare salutem."
    ("Ein Heil gibt es für die Besiegten: kein Heil mehr zu erwarten."
    "Le salut de vaincus est de n'en plus attendre.")


    Was Aeneas Dido noch vom Fall Troias erzählt (z. B. von Astyanax, Priamos und Hekabe, Helena, die Erscheinungen von Venus und Kreusa), spielt bei Berlioz keine Rolle mehr. Dafür ist die zweite Szene des zweiten Aktes ohne Vorbild bei Vergil.


    Liebe Grüße,
    Martin


    Liebe Fairy Queen!


    Die weniger melodiöse, auch dramatischere Musik im ersten Akt hat, denke ich, schon mit der Ausnahmesituation zu tun, in der sich Troja befindet: In einem schon zehnjährigen permanenten Kriegszustand kommt man nicht mehr auf die Idee, so schöne Kantilenen zu singen wie im Frieden Nordafrikas, man ist ständig in Erregung, besonders, wenn man wie Cassandre mit den Sehergaben ausgestattet ist. Das Duett Cassandre-Chorèbe ist musikalisch sogar betont unschwelgerisch und reduziert, behaupte ich - realistisch-naturalistisch! - und steht im Kontrast zur realitätsfernen Entrücktheit Didons und Énées, eine Haltung, die Cassandre einfach nicht annehmen kann, die ihrem Charakter entgegenstünde.


    Dennoch gibt es im ersten Teil schöne Szenen: neben der Repräsentationsszene im ersten Akt und der erschütternden Pantomime der Andromaque, sowie dem Finale des ersten Aktes, das ja ganz Cassandre gehört, bin ich vor allem ein Fan (in musikalischer - ja, und auch in dramaturgischer - Hinsicht! :D ) der Massenselbstmordszene, wo Cassandre mit der Hymne "Mourez dignes de gloire et partageant mon sort" auch ihre schöne Musik bekommt, die sie freilich altruistisch mit allen anderen Trojanerinnen teilt. Ich finde die beiden Szenen des zweiten Akts, die ja komplementär aufgebaut sind (Männer-Frauen, Flucht-Tod...) und gemeinsam einen faszinierenden, wenn auch leider sehr kurzen Akt ergeben, grandios und ebenso einheitlich wie den vierten Akt.


    Liebe Grüße,
    Martin

    Zitat

    Original von Edwin Baumgartner
    Sind "Les Troyens" wirklich eine politisch zu verstehende Oper?
    Ich bin mir dessen nicht so sicher.
    Wo hat Berlioz seine Dramaturgie gelernt? - Das sagt er in seinen Schriften oft genug: Bei Shakespeare. Nun sollte man aber im Gedächtnis haben, wie man Shakespeare zur Zeit von Berlioz auffaßte. Der herbe Renaissance-Shakespeare ist eine Entdeckung des 20. Jahrhunderts (u.a. Rothe, wenn er auch viel Unheil angerichtet hat). Berlioz begriff ihn sicherlich primär als einen Dichter der Leidenschaften - zumindest fand er diesen Aspekt am anziehendsten.
    Somit hat er meiner Meinung nach das Vergil-Epos psychologisiert, wobei Berlioz natürlich ein Kind seiner Zeit geblieben ist. Was an politischem Kontext einfließt, entsteht meiner Meinung nach dadurch, daß Berlioz als extrem intelligenter und sensibler Künstler durch die Strömungen der Zeit nolens volens beeinflußt war. Ich glaube jedoch nicht an eine bewußte politische Botschaft seitens Berlioz; daß sie dennoch vorhanden ist, leugne ich keineswegs, sie ist eine der Schichten des Werkes, aber meiner Auffassung nacht nicht seine wesentliche.


    Ich glaube auch nicht an eine bewusste politische Kernaussage, gestatte mir aber, "Les Troyens" ebenso als politisches Drama zu sehen, wie die Königsdramen Shakespeares (sieht man von deren Propagandafunktion ab), nämlich in dem Sinne, dass die Politik die wichtige Triebfeder des Handelns ist. Nicht unbedingt eine politisch zu verstehende Oper, aber eine politisch motivierte Oper, in der auch Politik vorgeführt wird, die natürlich interpretiert werden kann.
    Wesentlich ist aber der psychologische Konflikt, in den die Hauptpersonen zwischen politischen und privaten Entscheidungen geraten, zwischen göttlichen Befehlen, tradierten Moralvorstellungen und eigenem Willen:


    Zitat

    Original von Fairy Queen
    Die erste Geige spielt m.E. die Spannung zwischen Schicksal/Bestimmung und dem Individuum.


    :yes:


    Zur Berlioz'schen Dichtkunst möchte ich mich, nachdem ich des Französischen nicht mächtig bin, nicht äußern; was Dramaturgie betrifft, finde ich ihn ziemlich genial, originell die Idee, den Text des Liebesduetts Didon-Énée aus anderen Liebesgeschichten zu beziehen. Manche Passagen sind mehr oder weniger wörtliche Vergilübersetzungen.


    :hello: Martin

    Zitat

    Original von Fairy Queen
    Mir war die Didon bisher kein bisschen unsympathisch-im Gegenteil!
    Allerdings lebt sie bei mir ja noch und stirbt erst in etwa zwei Stunden. Aber was ist an verzweifletem Liebesleid, das keinen Ausweg mehr sieht unsympathisch? Aggression und Raserei sind erstmal ganz gesunde Reaktionen in einer solchen Situation. Dass sie in Selbstdestruktion enden, ist dann weniger gesund, aber entspricht der antiken Mentalität vollkommen. Siehe Lucrezia und Genossinnen.
    Auch Dido hat ihre Ehre verloren und weiterleben ohne Ehre ist unmöglich. erst Recht für eine Königin!
    Cassandras Beispiel im zweiten Akt macht das bereits deutlch, wie ihr ja ebenfalls oben feststellt.


    Liebe Fairy Queen!
    Bei dir hat meine bewusst provokant negative Zeichnung der Didon jedenfalls gewirkt! :D
    Wie meistens sind wir aber gar nicht weit voneinander entfernt. Ich wollte keineswegs Liebe und Liebesleid gegenüber Heldentum und Vaterland geringschätzen - ganz im Gegenteil! Ich denke schon, dass ich bei meiner Darstellung des Leides der Trojaner gerade auf Liebe, Familie, Beziehungen und Geborgenheit Bezug genommen habe, nicht aber auf Heldentum. Auch "Heimat" möchte ich nicht als "Vaterland" verstanden wissen.
    Aber ich bezweifle ja die Liebe im romantischen Sinne zwischen Énée und Didon, Liebesduett hin oder her (in dem die beiden interessanterweise ja berühmte Liebesgeschichten rezipieren, als suchten sie nach einem eigenen Ausdruck, und sich schlussendlich selbst in diese Reihe eingliedern). Berlioz versucht, die Liebesgeschichte zu stärken, das gebe ich zu, aber der Antike war Liebesdenken, wie wir es heute pflegen, eigentlich fremd.
    (Bei Vergil - knapp und daher notgedrungen oberflächlich zusammengefasst - begehren Dido und Aeneas einander, und als Aeneas absegelt, treiben Dido ihre Schuldgefühle (sie hat ihrem geliebten Mann Sychaeus ewige Treue versprochen) in Wahnsinn und Tod.)
    Interessanterweise, obwohl Berlioz diesem Treueschwur sonst so viel Raum zugesteht (vgl. das Duett Anna-Didon im 3. Akt und das Quintett im 4., wenn Ascagne Didon den Ring des Sichée entwendet), kommt dieser Hauptauslöser von Didos Katastrophe im fünften Akt kaum mehr vor (einmal "ma honte", einmal "mon amour insensé", was man darauf beziehen könnte) und verschiebt hier das Gewicht zugunsten der romantischen Liebe erheblich. Trotzdem stelle ich noch einmal fest, wieder in Übereinstimmung mit der Feenkönigin, dass es Didon letztendlich nicht um Liebe, sondern um Ehre geht.



    Die Frauengestalten dieser Oper sind nämlich nicht solche Frauen, deren ganzes Leben Liebe ist und deren Welt das Herz ist! Cassandre ist eine politische Frau, im ersten Teil quasi die Gegenspielerin Énées, die mit ihren Prophezeiungen versucht, das Geschick Trojas zu beeinflussen und es in ihrer beeindruckenden Szene im zweiten Akt tatsächlich vermag, dem Schicksal einen Tod in Freiheit nicht nur für sich, sondern für alle Trojanerinnen abzutrotzen. (Inwieweit man das jetzt positiv sieht oder nicht, ist freilich Geschmackssache, ich werde mich hüten, diese Handlung moralisch zu beurteilen :D )


    Ebenso ist Didon eine politische Frau. Ihr Hintergrund, der in der Oper eigentlich wenig beleuchtet wird, weist sie als intelligente, willensstarke Persönlichkeit aus, die die Lokalfürsten in Numidien übers Ohr haut, Karthago gründet und als verwitwete Migrantin zur Königin der ganzen Region aufsteigt. Ist das nicht eine Erfolgsgeschichte für eine Frau, erst recht in der damaligen Zeit? Aber dann zieht sie ihren Verstand versehentlich mit den Kleidern aus, als sie sich dem Schiffbrüchigen hingibt und gibt aus eigenem Verschulden ihre Ehre preis. Énée kann nichts dafür! Denn Didon weiß ja - es wird ausdrücklich festgehalten, dass das eine allseits bekannte Tatsache ist -, dass Énée nach Italien soll, und sie ist auch noch nicht so vergesslich, dass sie sich an ihren Schwur, kein zweites Mal zu heiraten, nicht erinnern würde. Auch sie versucht, das Schicksal zu umgehen, aber (wenn ich nun doch moralisch werden darf) aus Egoismus, weil sie Énée halten will, nicht aus politischen Motiven. Narbal beklagt diesen Rückschritt Didons im Duett mit Anna im vierten Akt: Die Aufgaben, die Didon früher erfüllten, der Wille zur politischen Gestaltung, das alles interessiert sie jetzt gar nicht mehr. Die "Liebe" Didons und Énées erweist sich nicht nur als negativ für den göttlichen Auftrag des Trojaners, sondern auch als schädlich für Karthago. Didon vernachlässigt für ihre persönliche Befriedigung ihre königlichen Pflichten und verletzt ihren heiligen Eid.
    Sie stirbt nicht triumphierend wie Cassandre, sondern elend, im Unglück - und mit dem unsympathischen Zug, dieses Sterben mit einem Fluch (nicht wie Cassandre mit einem Segen!) in der Öffentlichkeit zu inszenieren und zu zelebrieren, um, neidisch auf das Glück anderer, möglichst viele andere Leute in ihr Unglück mithineinzureißen (nicht wie Cassandre, um sie dem Unglück zu entreißen!).
    (NB. Ich sehe Didon nicht so negativ wie gerade ausgeführt und so unsympathisch ist sie mir dann doch wieder nicht, aber ich habe jetzt auf den Vergleich Cassandre-Didon hingearbeitet und verstärkt die Kontraste herausgezeichnet. Das ist nicht als vollständige Charakterisierung zu werten.)


    Und auch die Oper ist selbstverständlich eine politische Oper! Ich tendiere dazu, den Anteil der Liebesgeschichte noch geringer zu werten als Jacques Rideamus. Aber, liebe Feenkönigin: Es ist nicht der heroische Auftrag des Énée, der im Kern dieser Oper steht, es geht nicht um hehre römische Geschichte. Die Hauptfiguren sind doch Cassandre und Didon! Man leistet der Oper mit einer Überbetonung der Liebesgeschichte Énée-Didon meines Erachtens keinen guten Dienst: Es könnte leicht dazu führen, dass das dazu führt, den ersten Teil unterzubewerten und als "Vorspiel" zur eigentlichen Tragödie zu sehen. Das wäre ein fataler Fehler! Ich habe schon einige Bezüge zwischen den Selbstmorden der Protagonistinnen hergestellt, man findet noch viele weitere Parallellen zwischen erstem und zweitem Teil. Berlioz hat hier zwei persönliche Schicksale kontrastiert - zwei Schicksale, die sich allerdings vor dem Hintergrund und eigentlich im Zwiespalt von Geschichte/Politik und Privatleben, auch zwischen kollektivem und persönlichem "Glück", abspielen - durchaus realitätsnäher als das übliche Opernlibretto. Die Dramaturgie und Handlung von "Les Troyens" ist moderner, als es vielleicht zunächst den Anschein hat!
    @ Rideamus: Daher kann man m. E. ersten und zweiten Teil in der Diskussion nicht ganz trennen.


    Die Liebesgeschichte Cassandre-Chorèbe wird nicht so leicht überbewertet. Warum? Nur weil Berlioz ihnen kein so schönes Duett gegeben hat? Dabei gefällt sie mir eigentlich besser: die wollen einander nicht besitzen, sondern beschützen! Und eine dritte Liebesgeschichte, die bei Vergil breiten Raum einnimmt, nämlich Aeneas-Kreusa (seine trojanische Frau), wird von Berlioz gar nicht erst erwähnt.


    Liebe Grüße,
    Martin

    Zitat

    Original von Edwin Baumgartner
    Nur zur Verständigung: Diskutieren wir die "Troyens" hier weiter oder in einem neuen Thread? Ich halte mich vorerst zurück, damit dann die Moderation nicht so viel Arbeit beim Transferieren hat. Der Thread scheint ja jetzt richtig ins Rollen zu kommen.
    :hello:


    Ja, und meiner Meinung nach sollte man die Threads schmieden, solange sie heiß sind! :D

    Von mir keine Liste, sondern eine Frage: auf welcher CD bekommt man am meisten Josef-Strauß-Walzer? Bei den Neujahrskonzerten wird ja meistens nur einer gespielt (wenn überhaupt). Und Polkas und Galoppe interessieren mich ehrlich gesagt nicht so, mit Ausnahme von Polka mazur.


    :hello:
    Martin

    Lieber Jacques!


    Berlioz versucht ja eh und bemüht sich redlich, mir Didon sympathisch zu machen, und ihr Monolog "Adieu, fière cité", nachdem sie sich schon ausgetobt hat, ist wirklich außerordentlich gelungen. :D
    Bei Vergil wütet sie viel heftiger und der Zusammenhang zwischen der Untreue zu Sychaeus und ihrem Selbstmord wird deutlich herausgearbeitet, indem die Opfer, die sie an seinem Gedankaltar darbringt, sich schwarz verfärben und ein Uhu ständig vom Dach des Tempels ruft... Am Scheiterhaufen verflucht sie Aeneas und die Römer und wünscht sich ewige Feindschaft zwischen Karthago und Rom und dass aus ihren Knochen ein Rächer erstehe ("nostris ex ossibus ultor"), mit dem Vergil natürlich auf Hannibal anspielt, ohne den Namen zu nennen (was in der antiken Literatur nicht allzu ungewöhnlich ist; man ging von einem gebildeten Publikum aus, das sowieso versteht, was gemeint ist.).


    Auch dass sich Dido noch dreimal zu erheben versucht, als Anna sie anspricht, steht bei Vergil. Berlioz hat sich oft sehr genau an die ihm sehr liebe Vorlage gehalten - gerade manche Passagen in den Monologen der Didon sind fast wörtlich Vergil -, und wo er abweicht, etwa beim Massenselbstmord der Trojanerinnen, den es in der antiken Literatur ja nicht gibt (Kassandra wird Agamemnons Beutefrau und gebiert ihm Zwillinge, alle vier werden von Klytaimnestra und Aigisthos umgebracht), schafft er meiner Meinung nach großartiges Eigenständiges.


    Ich will ja eigentlich der inhaltlichen Diskussion auch nicht allzu weit vorgreifen, aber noch eine Anmerkung: Das Heimweh, das in der Arie des Hylas so ergreifend zum Ausdruck kommt, hätte eigentlich auch in der Charakterisierung Énées und Didons Platz - schließlich sind sie alle Migranten! -, wo es aber bewusst ausgespart bleibt.


    Liebe Grüße,
    Martin

    Zitat

    Original von Theophilus
    Keine Frage aber ist, dass die Musetta bei Dessay keinesfalls sehr gut aufgehoben sein kann! Das ist eine Mezzo-Partie


    :no:


    Ich würde die Musetta zwar auch nicht unbedingt zum leichten Koloratursopran zählen und bezweifle, dass Natalie Dessay die ideale Interpretin der Musetta ist, aber Mezzo-Partie ist das keine!


    Die Musetta ist ein lyrischer Sopran, der mitunter auch von schon zum Lyrischen tendierenden Koloratursopranen gesungen werden kann. Natalie Dessay hat aber, fürchte ich, zu wenig Körper (im stimmlichen Sinn! :D ) für die Musetta. Ihre Stimme erscheint mir zu fragil für dieses sehr robuste Mädchen!


    :hello:
    Martin

    Zitat

    Original von Fairy Queen
    Heute abend bin ich vom dritten bis zum vierten Akt gekommen(vorgestern bereits die ersten Beiden und musste eben den Bildschirm ausmachen, weil es ncihts Schöneres mehr geben kann als das Duett "Nuits d'ivresse". Da muss Zauberei sein.
    Schon bei den vorangehenden Ensembles und der von Mark Padmore gesungen Hymne an Ceres dachte ich , jetzt gibt es keine Steigerung mehr, aber was Susan Graham , Gregory Kunde und Gardiner dann machen, ist so betörend schön..... :angel:
    Und all das kannte ich bis heute nciht- unfassbar!


    Kann ich danach noch weiter hören oder sollte ich besser hier aufhören, um nicht auch noch vom Felsen (der Begeisterung) zu stürzen?


    Das Schönste kommt erst noch! Berlioz baut eine kontrastreiche Steigerung während des vierten Aktes auf: das Ballet und die Hymne an Ceres sind ja "nur" Beispiele für die Hofhaltung Didons und für die käufliche Schönheit, die sie sich leisten kann, um ihre innere Unruhe zu übertünchen. Denn sie weiß ja eigentlich, dass das mit Énée erstens nicht gutgehen kann, weil er nach Italien muss, und sie weiß auch, dass sie gegen das Ideal der univira, dem sie sich freiwillig verschrieben hatte, nun verstoßen hat. Dann kommt dieses herrliche Septett mit Chor, währenddessen man die Meeresbrandung so schön hört - schon hier beginnt die Musik mit den Protagonisten, die Realität zu verlassen. Dann das Duett, bei dem Didon und Énée ganz abgehoben sind und Didons Ruhe in ihrer Realitätsflucht anscheinend endlich hergestellt ist. Vielleicht hat sie auch nur endlich genug libyschen Wein intus.
    Dann Auftritt Mercures, wo dem Zuhörer deutlichgemacht wird, dass das alles nur eine Scheinwelt ist, die sich Didon und Énée aufgebaut haben.
    Und dann gibts wohl auch bei Liveaufführungen eine Pause - und nach der Pause, in der schlichten Arie für Haute-contre "Vallon sonore", da erfährt man erst die vielen wirklichen Tragödien: nie mehr nach Hause zu kommen, die Mutter nie mehr zu sehen, nie mehr Familie zu haben, sein ganzes Leben, und ja: mit seiner Heimat auch seine Identität verloren zu haben; und das ist nur ein Beispiel für die vielen Schicksale aller mit Énée geflohenen Trojaner!
    Hier hört man eine stille Trauer und einen stillen Schmerz, die weniger pathetisch sind als Didons hysterische Racheausbrüche und ihre dekadenten Abschiedsinszenierungen, mit denen sie sich das Mitleid möglichst vieler Leute erpressen will - aber dafür ehrlicher und tiefer. Mit dieser Arie wird Didon für mich richtig unsympathisch, weil aus ihr danach im Vergleich dazu nicht mehr die Stimme unglücklicher Liebe spricht, sondern die Stimme grenzenlosen Egoismus. Und tötet sie sich, weil sie ohne Énée nicht leben will? Oder nicht eher, weil ihr erst jetzt so richtig bewusst wird, dass sie ihren Schwur gebrochen hat, sich dem erstbesten an den Hals geworfen hat wie eine Dirne und dem gesellschaftlichen Ideal der Zeit nicht mehr entspricht? Und weil sie ohne einen karthagischen König Énée das alles nicht rechtfertigen kann?
    Die Niedrigkeit ihres Selbstmordes kontrastiert jedenfalls durchaus bewusst mit dem Heroismus, mit dem Cassandre und die Trojanerinnen in den Tod gehen.


    Zitat


    P.S. Martin wirft die Frage auf, ob Dido ein Sopran oder Mezzo ist. Wenn man sich das Duett mit ihrer Mezzo-Schwester ansieht, ist sie eigentlich ein Sopran. Zwei Mezzi im Duett auf der Bühne habe ich jedenfalls noch nie erlebt und das widersprciht jeder Logik. ebenso wie Mezzo und Tenor als Liebespaar..... :D.
    Aber das ist ohnehin egal. die Rolle sollte sich Jede "krallen", die sie singen und spielen kann, egal welches Stimmfach.


    Sie wird tendenziell aber eher von Mezzi gesungen, von Sopranen eigentlich nur, wenn sich jemand die Doppelrolle Cassandre/Didon antut. Und eigentlich passt meiner Meinung nach ein sinnliches und dunkles Mezzo-Timbre auch besser zu luxe, volupté und Verkommenheit des karthagischen Hofes.
    Die Frage ist außerdem, inwieweit Didon dem Typ der "jugendlichen Geliebten => Sopran" entspricht, und ob sie nicht eher unter "femme fatale/Bösewichtin => Mezzo" fällt, da sie ja Énées Sendung behindert und Vergil und Berlioz (vgl. die Schlussszene) ja auch Karthagos feindselige Haltung gegenüber Rom immer im Auge hatten.


    Liebe Grüße,
    Martin

    Zitat

    Original von Frank Georg Bechyna
    Patricia Petibon oder de los Angeles mit Dessay direkt zu vergleichen halte ich für problematisch.


    Liebe Fairy Queen, lieber Frank, lieber Arimantas!
    Was Direktvergleiche betrifft, so ist das in meinen Augen immer schwierig - aber doch auch interessant und lohnend und ich bin sehr froh darüber und dankbar dafür, dass Arimantas es sich immer wieder antut, nicht nur viele verschiedene Interpretationen vergleichend zu hören, sondern uns auch noch so detailliert über seine Erfahrungen zu berichten.
    Oft mag es ja vorkommen, dass Interpretinnen deutlich nicht entsprechen, aber ab einem gewissen Niveau, das bei den genannten Damen ( :jubel: ) zweifellos gegeben ist, wird es schwierig, eine Rangfolge auszumachen. Denn es ist jede Stimme anders und jede intelligente Sängerin (zu denen die genannten Damen auch sämtlich zählen!) wird die Rolle nicht nur aus ihren persönlichen Erfahrungen heraus, sondern auch mit ihren stimmlichen Mitteln interpretieren. Und da kommt bei Stimmtypen, die so verschieden sind wie de los Ángeles (mit einem berückenden Timbre und einem robusten, großen und eher tiefen lyrischen Sopran, den sie aber auch sehr zart werden lassen und zu beeindruckenden, rhythmisch und intonatorisch präzisesten Koloraturen verwenden konnte, vgl. ihr "Sempre libera" - @FQ: vielleicht hätte sie doch einmal die Thais probieren sollen, aber ein d''' hat sie nicht einmal zu ihrer Glanzzeit öffentlich gesungen) und Dessay (deren Stimme zwar auch ein schönes Timbre, wenngleich ganz anderer Art, hat, aber ansonsten nicht robust, nicht groß, nicht einmal lyrisch ist und auf die sie aufpassen muss, dafür eine viel mühelosere Höhe hat), einfach eine völlig unterschiedliche Interpretation heraus, wo eine Grenze zwischen sehr sehr gut und am besten nicht einfach zu ziehen ist. (Es sei denn bei Rollen wie Manon und Mélisande, die ganz Victoria gehören.)
    Im übrigen stimme ich Arimantas zu, dass es Natalie Dessay an stimmlichem Agieren mangelt, was ich so bei Victoria de los Ángeles, Patricia Petibon, Magdalena Kozená... schätze, die tatsächlich durch ihren Gesang Bilder vermitteln.


    Liebe Grüße,
    Martin

    Thais


    Aus aktuellem Anlass - damit Fairy Queen ihre neue Boué-Aufnahme rezensieren kann und in der Hoffnung, dass Jacques Rideamus den guten Vorsatz fasst, im neuen Jahr die DVD mit Eva Mei zu erwerben. :D


    Bewertet werden sollen:


    - Chor, Orchester und Dirigent
    - Thais
    - Athanael
    - Nicias


    In der Wertung nicht berücksichtigt werden somit Crobyle, Myrtale, La Charmeuse, Palémon, Albine und der Hausangestellte des Nicias, die gleichwohl bei besonderer Leistung kursiv genannt werden dürfen. (Von "Rest"-Wertungen halte ich ehrlich gesagt nicht viel) Sollte irgendjemand dagegen ernsthafte, wohlbegründete Einwände hegen, kann er sie mir ja mitteilen.



    EMI 1976



    John Alldis Choir, New Philharmonia Orchestra, Lorin Maazel - 3,5 (ich halte die Orchesterleistung für nicht überragend, aber ganz brauchbar. Maazel lässt auch immer wieder französische Eleganz durchschimmern.)


    Thais - Beverly Sills - 4 (Interpretation: 5+, stimmlich leider einige Schwächen)


    Athanael - Sherill Milnes - 4,5 (rundum vollkommen zufriedenstellend)


    Nicias - Nicolai Gedda - 4 (lässt sich im ersten Akt sehr gut an, aber im zweiten Akt doch ein bisschen nach. Schade, denn ich habe seine Stimme sehr gern. Vielleicht hätte für ihn die Aufnahme einige Jahre früher kommen sollen.)


    Gesamt: 16/4 = 4,00


    Links:
    Opernführer: Eine christliche Legende aus Ägypten - Thais
    Eine christliche Legende aus Ägypten - Thais

    Zitat

    Original von Zwielicht
    Tamino als Musik- oder Kulturforum?


    Zählt Nahrungsaufnahme zur Kultur?


    Feierliche Eröffnung des neuen Unterforums "Essen und Trinken"
    Bitte unbedingt den einleitenden Beitrag mit den 79 wichtigsten Gesetzen, Verhaltensmaßregeln, formalen Bestimmungen, Vorschriften zur Gestaltung der Beiträge nebst spezifischen Copyright-Bestimmungen für dieses Unterforum zur Kenntnis nehmen!!!


    Ich habs geahnt, dass sowas jetzt kommt... :D
    Aber da kann man es mit Oscar Wilde halten, der sich in seinem Gerichtsverfahren dazu bekannte, Kochen zu Kunst zu zählen (Nahrungsaufnahme offenbar nicht), was ihm nicht gerade die Sympathien des (englischen :P ) Gerichts eintrug...


    :hello:
    Martin

    Liebe Fairy Queen,


    einigen wir uns darauf, dass die Thais so leicht wie möglich und so schwer wie nötig besetzt werden sollte? Vielleicht ein Spinto-Koloratursopran? :D


    Renée Fleming war allerdings keine Straßendirne, dennoch war mir ihre Performance im ersten Akt zu direkt und zu wenig raffiniert. Und auch später könnte man über manche Dinge noch diskutieren...


    Es kommt natürlich auch immer darauf an, wie man die Oper insgesamt anlegt. Innerhalb eines gewissen Rahmens kann man ja lyrischer oder dramatischer agieren (siehe Hampson), und wenn Eva Mei oder Patricia Petibon die Thais singen, werden sie die Partie wohl eher möglichst lyrisch interpretieren (was der Partie m. E. nicht schadet und stellenweise wohl zugute kommt). Wenn die Kollegen und der Dirigent da mitziehen, dann funktioniert das!


    Über deine - ausführliche - Sicht auf die neue Petibon-CD warte ich mit Spannung am entsprechenden Ort.


    Liebe Grüße,
    Martin

    Liebe Fairy Queen,


    Natalie Dessay kann in der Thais auch meiner Meinung nach nur die Charmeuse singen. Aber das heißt noch nicht, dass man gleich Renée Fleming auffahren muss... :D


    Du bist natürlich Expertin in stimmlichen Fragen, vor allem hier, da du selbst als leichter Sopran ja eine Betroffene bist und Erfahrung hast, was die Stimme noch schafft und was nicht mehr. Eine Erklärung, weswegen ich die Thais aber doch eher als leichteren Sopran ansehe (nicht als Soubrette oder reinen Koloratursopran!), ist nicht so einfach, weil ich keinen Beweis habe, nur Indizien, die dafür sprechen.
    Ich glaube, für die Thais braucht man idealerweise eine Sängerin, deren Stimme auch in schnellen Passagen leicht anspricht (sonst kann man das "Dis-moi" mit seinem rasanten Beginn und den vielen Sprüngen vergessen - siehe Montserrat Caballé), die eine sichere, mühelose und ätherische Höhe aufweist (besonders für die d'''s in der Schlussszene), die Verzierungen, besonders die vielen Triller, beherrscht; ferner eine Sängerin, deren Sahnelage nicht zu tief liegt, die möglichst "einregistrig" klingt und die auch stimmlich eine elegant-kokette Kurtisane und keine Straßendirne darstellt. Wenn eine hochdramatische Sopranistin über diese Möglichkeiten verfügt, soll sie die Thais singen, und de facto handelt es sich bei der Thais wohl ebenso wie bei der Manon um eine Rolle, die man auf viele verschiedene Arten besetzen kann. Am ehesten aber wird man diese Fähigkeiten wohl bei leichteren Sopranen finden, die sich aber natürlich schon ein bisschen entwickelt haben müssen, damit sie sich im zweiten Akt nicht die Stimme ruinieren.
    Unterstützt wird diese These auch durch die Sängerinnen, die sich der Rolle in der Vegangenheit angenommen haben: Geori Boué, Andrée Esposito (auch von ihr gibt es eine Aufnahme, die mir auf den nicht sehr aussagekräftigen jpc-Schnipseln recht gut gefällt), Beverly Sills sangen Violetta, Gilda, Lucia, Manon die ersteren beiden auch Lakmé und Juliette. Ich muss allerdings zugeben, dass Mary Garden, die berüchtigste Thais aller Zeiten, auch die Strauss'sche Salome sang.


    Die Thais hat aus meiner Sicht (die sich nur aufs Hören stützt, weil ich keine Noten habe) eine etwas eigenwillige Tessitura, die eigentlich fast ein "Loch" in der Mitte hat. Es ist auffällig, wie viele Stellen entweder ziemlich tief oder ziemlich hoch liegen. Renée Flemings Aussage im Pauseninterview, die Tessitura befinde sich schön in der Mittellage, ist m. E. sachlich falsch, genau die wird eigentlich nach Möglichkeit ausgespart (natürlich kann Massenet nicht ohne sie auskommen, aber tiefe und hohe Abschnitte überwiegen doch in der Partie). Ich weiß nicht, ob und was man daraus auf Sybil Sandersons Stimme und stimmlichen Defizite schließen kann, aber die große Arie "Dis-moi" ist symptomatisch für die ganze Partie: tief-hoch-tief-hoch-tief-hoch...


    Der Inhalt der Oper ist zweifellos sehr aktuell: wir haben Jugendwahn, Spaßgesellschaft, religiösen Fundamentalismus - es lohnt sich darüber nachzudenken und zu diskutieren! Umso schändlicher war die Inszenierung, die diese Aktualitätsbezüge nicht nur nicht verdeutlicht, sondern sogar nach Möglichkeit vertuscht und verunklart hat! Vielleicht, wenn ich Zeit habe, werde ich einige Szenen aus der Oper in den kommenden Tagen auf diese Aktualitätsbezüge hin untersuchen.


    Liebe Grüße,
    Martin

    Zitat

    Original von rappy
    Achja: in der Winterreise Trost zu finden, finde ich aber erklärungsbedürftig! ;) Der Zyklus endet ja nicht gerade positiv...


    Ich kann in sehr positiver Musik keinen Trost finden. Das ist wahrscheinlich von Mensch zu Mensch verschieden, aber fröhliche Musik wie Haydn oder "erhebende" Musik wie Strauss kann ich nur hören, wenn ich gerade besonders guter Laune bin, ansonsten geht sie mir wahnsinnig auf die Nerven. Dunkles geht immer, in der Dunkelheit kann ich mich zurückziehen, geborgen fühlen und regenerieren, und eben den Trost finden, den ich im grellen Licht nicht sehe.


    Abgesehen davon hat die Winterreise für mich ein positives, optimistisches Ende. Die Tragödie geschieht vorher, den Schluss empfinde ich als sehr versöhnlich.


    Liebe Grüße,
    Martin

    Zitat

    Original von Fairy Queen
    Nichts, wir singen natürlich selbst!!!!!


    F.Q.


    Am Heiligen Abend wird bei uns auch nur selbst gesungen und selbst musiziert! Besonders eindrucksvoll am Christtag bei meinen Großeltern, wo wir heuer 24 Personen waren (der Rekord liegt allerdings noch höher) - da kommt schon ein ganzer Chor zustande, obwohl wir es noch nie geschafft haben, tatsächlich einen Chorsatz einzulernen - wir improvisieren allerdings immer rasch zumindest Dreistimmigkeit. Und auch ein paar Instrumentenkundige sind stets dabei.


    Im Advent erfreue ich mich besonders gern eines Tamino-Rätsel-Gewinns aus meiner absoluten Frühzeit hier, der ja - aufgrund des wenig passenden Themas - zu anderen Zeiten im Jahr bei mir so gut wie nie gedreht wird:



    Und natürlich finden Bach, Händel, sowie z. B. die Poulenc'schen "Quatre motets pour un temps de Noel" in der Adventszeit sowie in den "Twelve days of Christmas", die in den Alpen Rauhnächte heißen, auch ihren Platz.


    :hello: Martin


    Ich glaube, wenn man die Dame mit den Aufnahmegeräten von 1930 aufnimmt, ist sie mit Florence Foster Jenkins durchaus vergleichbar - und außerdem empfehle ich ihr mal einen kleinen Autounfall, um ein höheres f''' singen zu können. :wacky:


    Liebe Grüße,
    Martin


    Ja, auch diese Einteilung hinkt, denn mir sind außer Morales zumindest noch zwei Requiemvertonungen mit Graduale und Sequenz (in dem Fall auch noch plus Pie Jesu) bekannt: Cherubini c-moll und d-moll.


    Außerdem war ich bisher der Ansicht, der Text des Tractus würde wie folgt lauten:
    Absolve, Domine, animas omnium fidelium defuntorum ab omni vinculo delictorum.
    Et gratia tua illis succurente mereantur evadere iudicium ultionis. Et lucis aeternae beatitudine perfrui.


    Liebe Grüße,
    Martin