Beiträge von Dr. Holger Kaletha

    Bitte dabei nur zu berücksichtigen, dass die Regietheaterfreunde, diejenigen, die nicht ihrer Meinung sind, als Ewig-Gestrige stigmatisieren. Gerade hier wieder geschehen.

    Da hast Du mich gründlich missverstanden, lieber Hans. Wir leben nun mal in einer Mediengesellschaft und Oper ist ein Teil davon. Es ist von daher einfach ziemlich schräg, wenn wie geschehen eine Kennzeichnungspflicht für RT-Inszenierungen gefordert wird, die schlicht überflüssig ist, weil man ohne Mühe im Internet alle Informationen die man braucht vorher bekommen kann. Dann kommt als Antwort darauf, dass ja viele RT-Gegner mit dem Computer nicht umgehen könnten. Tut mir leid, aber dann darf man erwarten, dass sie es gefälligst lernen. Eine öffentlich-rechtliche Institution ist nicht verpflichtet Rücksicht zu nehmen auf Menschen, die sich dem verweigern, aus welchen Gründen auch immer elementare Kenntnisse im Umgang mit dem Computer zu erlernen, die schon Schulkinder heutzutage haben und daraus auch noch Forderungen ableiten. Das ist einfach nur befremdlich und zeugt dann eben von einer modernitätsfeindlichen Einstellung. Das ist keine Stigmatisierung, sondern eine schlichte Feststellung.

    Wenn ich für die Oper "brenne" (und nur dann sollte man sich meines Erachtens dazu äussern), dann lasse ich ich doch keine der wenigen Übertragungen aus, die mir vom Fernseher aus den führenden Opernhäusern mit den heute führenden Sängern frei Haus geliefert werden.

    Es gibt Opernliebhaber, die kennen nichts außer Oper. Ich gehöre zu denen, die ein etwas breiteres Spektrum haben und sich auch für andere Gattungen interessieren. Deswegen muss ich auch nicht jede Operninszenierung im Fernsehen sehen, sondern beschäftige mich sehr selektiv mit den Opern und Operninszenierungen, die mich wirklich interessieren.


    Was mich hingegen nervt, ist dass der gelahrte Herr Doctor immer wieder zu Opernthemen Stellung nimmt, ohne dass seinen zum Teil überlangen Beiträgen ein wirkliches Interesse an dieser Kunstgattung zu entnehmen ist.

    Erst einmal sind meine Beiträge hier glaube ich nicht "überlang". Außerdem ist meinen "langen" Beiträgen wohl zu entnehmen (meine Kolumnenseite über die Ästhetik des Hässlichen etwa oder meine sehr ausführlichen Rezensionen von gut vorbereiteten Opernbesuchen), dass ich mich sehr fürs Thema interessiere. Sonst würde ich mir den Aufwand der langen Beiträge wohl kaum machen...

    Ein Musterbeispiel war für mich seine Verteidigung des Bayreuther Tannhäusers, ohne ihn gesehen zu haben,

    Das finde ich jetzt wieder lustig. RT-Gegner äußern sich regelmäßig über Inszenierungen, die sie nicht gesehen haben. Das ist natürlich völlig legitim! Wie heißt es so schön: Wer im Glashaus sitzt.... ^^


    Schöne Grüße

    Holger

    ….. suche bitte nicht weiter, da bin ich wohl einem Irrtum aufgesessen. Auf der von Dir gezeigten EMI-Box steht vorne drauf "Waltzes", da bin ich davon ausgegangen, daß die da komplett drin sind. Es sind aber bei genauem Hinsehen nur zwei von den üblichen 14 (es gibt weitere 5, die aber meist weggelassen werden).

    Rubinsteins EMI-Aufnahmen sind für mich ein Buch mit 7 Siegeln, die habe ich nie gekauft.

    Lieber Nemorino,


    da sind wir dem selben Irrtum aufgesessen! :D Die EMI-Aufnahmen sind schon sehr interessant, weil Rubinstein z.B. bei den Mazurken doch ein merklich anderes Interpretationskonzept hat!


    "Gemütlich" war mein Abend gestern zwar nicht - ich hatte diverse Vorbereitungen für die Woche. Aber auch nicht stressig, sondern schön ruhig, wie es an einem Sonntag sein soll!


    Einen schönen Wochenbeginn wünscht

    Holger

    Dr. K. kann es nicht lassen! Wenn er wirklich an Oper interessiert wäre, hätte er gestern auch die Tosca von der Scala gesehen....

    Aber er hatte ja, wie üblich, keine Zeit und es geht ihm ja, wie üblich, nur um theoretische Betrachtungen! :wacko:


    Also RT-Gegner bestimmen diktatorisch, welche Oper man zu sehen hat (auch im Fernsehen) und verleihen dann ebenso selbstherrlich das Prädikat "an Oper interessiert oder nicht interessiert". Solche Haltungen sind der Grund dafür, warum ich nicht bereit bin, militanten RT-Gegnern irgendeinen kulturpolitischen Einfluss einzuräumen, weil ich das für eine Gefahr für die Kunstfreiheit und überhaupt für demokratiegefährdend halte. Das habe ich aus den Tamino-Diuskussionen gelernt, dass so etwas zu tun eine große Dummheit wäre.


    Nur zur Information: Ich habe in den letzten Wochen kaum Musik gehört, weil ich mir einige Hifi-Gerätschaften angeschafft habe und mit Probieren usw. beschäftigt bin. Morgen bekomme ich deswegen Besuch, weil mir Jemand hilft, den Raum einzumessen. Dafür hatte ich gestern und vorgestern auch noch einige Vorbereitungen. Zweitens sehe ich am Samstag und Sonntag Abend grundsätzlich nicht fern (das passiert nur in seltenen Ausnahmefällen), weil ich eben noch kein Rentner bin, sondern dann Montags früh um 4:30 Uhr raus muss und am Wochenende diverse Vorbereitungen für die Woche habe und dazu all die Arbeiten - auch wissenschaftliche - versuche zu erledigen, wozu ich in der Woche nicht komme. Den Luxus, mehrstündige Opern zu gucken, kann ich mir leider nicht leisten.

    Ein Zusatz: Noch nie ging es Dr. Kaletha um eine konkrete Inszenierung (er schaut sich ja kaum was an) sondern um die Freiheit der Kunst, bzw. wie man mit der Inszenierung die gesellschaftlichen Bedingungen verändern könnte. Brecht lässt (bei ihm leider immer noch!!) grüssen.!

    Das ist lustig. Und warum habe ich dann - hier nachzulesen - über konkrete Inszenierungen berichtet? Hier in Münster gab es genau eine Inszenierung einer traditionellen Oper in der Brecht-Ästhetik, nämlich "Hoffmanns Erzählungen", also eine romantische Oper. Auch darüber habe ich geschrieben. Bei dieser Inszenierung ging es aber so gar nicht darum, "die gesellschaftlichen Bedingungen zu verändern".

    der Vergleich hinkt aber. Wann, wie und wo hat man denn das Publikum demokratisch über dieses Thema abstimmen lassen?


    Warum? Die Entscheidungen, die zur Einladung von Künstlern führen (Wahl der Intendanz etc.) sind doch alle demokratisch legitimiert! Die ganze RT-Debatte geht für mich an der Realität nahezu vollständig vorbei. Hier in Münster hält sich der Generalintendant, weil es eben ein ausgewogenes Programm gibt und die Oper gut ausgelastet ist. Es gibt sehr unterschiedliche Regiekonzepte - für Jeden ist also etwas dabei. Mit der Unterscheidung RT - Nicht-RT lässt sich das überhaupt nicht fassen! Deswegen interessiert mich schlicht und einfach die Klassifizierung "RT" nicht, sondern allein, ob das, was ich sehe, mich überzeugt oder nicht. RT-Gegner werden auch deshalb so wenig beachtet, weil sie versuchen, den Anderen ihre Sichtweise aufzuzwingen, nämlich künstlich die Welt in RT und Non-RT einzuteilen, was sich längst von der Wirklichkeit, die eben weit komplexer ist, himmelweit entfernt hat.


    Viele Opernfreunde haben weder das Informationsmaterial noch einen Computer wie wir bzw. können damit auch nicht so umgehen.

    So reden die Ewig-Gestrigen, die noch irgendwie in einer anderen Welt und Zeit leben und noch nicht gemerkt haben, dass sich das Rad der Zeit ein bisschen weiter gedreht hat! :D :D :D :D :D


    Schöne Grüße

    Holger

    Ein grundsätzliches Recht auf Regietheater habe ich nie verneint, es wäre ja auch mit der propagierten "Freiheit der Kunst" nicht vereinbar.

    Da sind wir uns einig, lieber Nemorino!

    Mich stört aber sehr der dogmatische Anspruch, wie er ja auch hier von lustein apostrophiert wurde, wie ja der von ihm initiierte Thread-Titel schon aussagt. Ich glaube, die RT-Gegner würden längst nicht so vehement gegen das RT protestieren, wenn es ein vorzeigbares Angebot konventioneller Aufführungen gäbe. Das ist aber eindeutig nicht der Fall.

    Ich habe das jetzt nicht als "dogmatisch" aufgefasst. Kultur lässt sich nicht reglementieren. Die Frage sollte man beantworten können, wie eine Kultur des Theaters zu der geworden ist, die sie heute ist. An einem Teil des Publikums ist diese Entwicklung offensichtlich vorbei gegangen und es fühlt sich benachteiligt. Ich sehe aber nicht, warum daraus irgendwelche Ansprüche abzuleiten sind. Der Wahlverlierer muss ja auch akzeptieren, dass er eben nicht Gewinner sondern Verlierer ist und nicht meinen, statt Opposition stehe ihm auch "ein bisschen Regierung" zu. :D

    Und ich schließe mich auch dem Wunsch bzw. der Forderung an, daß ein Bühnenstück, das szenenmäßig in eine ganz andere Zeit verpflanzt wird als vom Komponisten bzw. Librettisten vorgesehen, als solches in den Programmen angekündigt wird.

    Warum sollte das denn so sein, wenn diese Praxis allgemein üblich ist?

    Dann hätte jeder die Freiheit zu entscheiden, was er sehen bzw. nicht sehen möchte.

    Auch dafür sehe ich die Notwendigkeit nicht. Im Internet-Zeitalter kann man sich vorher zu jeder Aufführung informieren und bekommt alle gewünschten Informationen, die man braucht. Überraschungen sind somit ausgeschlossen.

    Aus dem Dauerstreit darüber habe ich mich bisher weitestgehend herausgehalten und möchte das auch in Zukunft tun, weil es eigentlich nicht meine Baustelle ist. Ich komme kaum noch dazu, ein Theater zu besuchen, und missionarischer Eifer war noch nie meine Sache, zumal sich in dieser Frage weder die eine noch die andere Seite jemals bewegen wird. Doch rein geschmacksmäßig bekenne ich mich zu den Freunden herkömmlicher Aufführungen.

    Ich lasse mir alles gefallen - wenn es denn Niveau hat.

    Natürlich stimmt es auch, daß Oper eine museale Kunstform ist. Nach Richard Strauss gibt es kaum noch musikalische Bühnenwerke, die sich fest in den Spielplänen etabliert haben. Ob das Kunstwerk "Oper" überhaupt eine Zukunft hat, scheint mir fraglich.

    Gilt das aber nicht für klassische Musik insgesamt? Es gibt heute sicher nicht weniger zeitgenössische Musik als früher - nur ist das nicht "Klassik", sondern zum großen Teil Pop und Jazz. Ist deshalb Klassik "museal"? Ist das Hören einer Mozart-Sonate mit dem Gang ins Museum vergleichbar, also Musik, betrachtet in einer Glasvitrine? Ich glaube nicht. Mozart muss gespielt oder aufgeführt so frisch klingen, als sei die Musik gerade komponiert. Für Oper erhebe ich da genau dieselben Ansprüche!

    Aber diesem Kunstwerk neues Leben einzuhauchen, indem man zwar Musik und Text weitgehend unangetastet läßt, dafür aber - und das ist m.E. die große Mehrzahl der Fälle - ihr ein Bühnengeschehen überstülpt, das die überwiegende Mehrheit der Besucher verstört oder ratlos zurückläßt, scheint mir der falsche Weg zu sein. Auch darüber ließe sich trefflich streiten, aber einen für alle Seiten tragfähigen Kompromiß sehe ich da nicht.

    Ich bezweifle, dass das die Mehrheit ist. Wenn dem nämlich so wäre, gäbe es diese Form von Theater längst nicht mehr. Es gibt doch eigentlich nur einen alternativen Weg - das war der von Brecht und Weill: die Aufführung von mehrheitlich zeitgenössischen Opern. Nur das ist eine Illusion.

    Ich habe keine Statistik zu Rate gezogen, die gibt es sicher auch gar nicht, aber wenn ich die Kritiken in der Presse und nicht zuletzt auch hier verfolge, so muß man diesen Eindruck bekommen. "Sex sells" bezieht sich ja nicht nur auf Handel und Industrie, sondern nicht zuletzt auch auf das breite Unterhaltungsangebot.

    Ich gehe hier ja 5 Jahre in die Oper und habe noch keine Sexorgien erlebt trotz RT. Ich finde es zudem lustig, dass wenn ich ein Kleid von Katia Buniatishvili geschmacklos finde, dann dieselben RT-kritisch Eingestellten das verteidigen und über mich herfallen, dass Frauen am Klavier sexy sein dürfen wie sie wollen: Yuja Wangs Super-Minirock ist gerade gut genug! Aber auf der Opernbühne: Pfui Teufel! :D Sex als Sex zu zeigen hat auch eigentlich wenig mit RT an sich zu tun, sondern ist naturalistische Ästhetik. Ein Problem habe ich damit nur, wenn solche Mittel lediglich effekthascherisch sind und Aufmerksamkeit erzielen wollen mangels Substanz des Regiekonzeptes. Dann ist das provinziell.

    Man hat es ihm aber verübelt, daß er seine Zukunft in der DDR gesehen hat, obwohl darin ja eine gewisse Konsequenz lag, denn er war ja bekennender Marxist. Doch das ist ja kein Grund, ihm die künstlerische Kompetenz abzustreiten.

    Bei uns gehörte er zur Standardliteratur in Deutsch! :)

    Darin stimme ich mit Dir 100 %ig überein, und ich hoffe, daß mir das heute auch gelingt.

    Mir leider nicht.... ;( Dafür habe ich aber eine lecker Gulaschsuppe für Morgen gekocht! :hello:


    Liebe Grüße aus Münster

    Holger

    zunächst einen schönen, friedlichen Sonntagmorgen nach Münster!

    Lieber Nemorino,


    Dir auch noch einen schönen Adventssonntag! :)

    Klanglich sind die Unterschiede minimal, bei Stereo ist der Klavierton etwas voller, runder, aber es ist erstaunlich, wie klar und sauber die ältere Monofassung klingt. Interpretatorisch unterscheiden sich beide Version wenig, insgesamt ist Rubinstein in der jüngeren Aufnahme etwas rascher unterwegs, was naturgemäß bei einzelnen Stücken umgekehrt sein kann. Es gibt m.W. noch eine weitere Walzer-Aufnahme Rubinsteins, aus den 1930er Jahren (EMI), die ist mir aber unbekannt.

    Ich habe alle drei Aufnahmen - die älteste ist von EMI und in dieser Box enthalten - gibts für nur 11.99 Euro und noch mit 20% Weihnachtsrabatt bis einschließlich heute (habe mir die DVD Rubinstein/Haitink mit dem 1. Brahms- und 3. Beethoven-Konzert deshalb u.a. bestellt):



    Ich sehe gerade, da sind die Walzer gar nicht komplett drin! Da muss ich mal nachforschen, ob ich die Gesamt-Aufnahme auch habe...


    Liebe Grüße

    Holger

    Ich kann all diese Animositäten gegenüber Mono, nur weil es Mono ist, nicht nachvollziehen. Für mich, für den der Schwerpunkt beim Hören bei Klavier liegt, ist erst einmal ein Großteil der herausragenden Aufnahmen in Mono. Ohne Mono hätte ich etliche "Jahrhundertaufnahmen" von Horowitz, Rubinstein, ABM... usw. nicht. Gestern noch habe ich von Rubinstein seine Aufnahme der Chopin-Walzer (RCA 1953) gehört. Die Aufnahmetechnik ist dermaßen gut, da habe ich etliche Stereo-Digitalaufnahmen in meiner Sammlung, die an diese herausragende Klangqualität nicht heranreichen. Auch historische Aufnahmen sind sehr wohl anzuhören, oft sehr gut. Wenn ich bei einer Cortot-Aufnahme von 1926 die Magie seines Klavierspiels nachvollziehen kann, dann sind das bisschen Nebengeräusche wirklich Nebensache. Vorausgesetzt, man hat eine hochwertige Hifi-Anlage. :)


    Schöne Grüße

    Holger

    Lieber Markus,


    Entschuldige, dass ich Dir nicht direkt geantwortet habe. Meine Lösung ist, dass ich zwei Ketten an einem Lautsprecher betreibe - eine puristisch konventionelle Vor-Endstufe nur für CD und dann die andere modern vernetzte mit dem Netzwerk-Receiver.


    Schöne Grüße

    Holger

    So,,


    Der Marantz ist zurück. Sehr gut geworden und klingt sehr, sehr gut. Wollte ein Bild einfügen aber ich schaffe es nicht. Der Klang ist wärmer als bei meinem alten PM 8000 - das passt zu den eher analytischen Canton Referenz 7 Boxen bestens.


    Kalli

    Lieber Kalli,


    das ist ein wirklich schönes Gerät und die Hauptsache ist, das alles zusammenpasst! Dann hat man wirklich Freude und alle theoretischen Diskussionen erübrigen sich!


    Schöne Grüße

    Holger

    vielen Dank für Deine ausführliche Antwort.

    Den zitierten Satz möchte ich sogar unterstreichen, was soll daran so verkehrt sein? Man kann dem Alltag und seinem Stress nicht entfliehen, möchte ihn aber doch manchmal für wenige Stunden vergessen, und was wäre dazu geeigneter als eine Oper oder ein klassisches Theaterstück? Bestimmt nicht das Fernsehen, ob öffentlich-rechtlich oder privat. Man muß da nur an Marcel Reich-Ranicki denken, mit seiner berühmten Rede von 2008, als er den Deutschen Fernsehpreis ablehnte und den Verantwortlichen öffentlich die Leviten las. Genützt hat es, wie zu erwarten war, nichts. Das Niveau befindet sich weiterhin im Sinkflug.

    Lieber Nemorino,


    das ist eine gute Frage! :)Das ist erst einmal eine bestimmte Rezeptionshaltung - und die kann für sich genommen nicht richtig oder falsch sein, denn sie ist wie sie ist. Wenn die Romantik das Hören eines Musikstücks als "Andacht" empfand, kann man das auch nicht kritisieren. Nur ist es natürlich so, dass Rezeptionshaltungen Ausdruck von Leben und Lebenseinstellungen sind. Und das Leben ändert sich und damit auch die Rezeptionshaltungen. Es ist wohl so, dass anders als beim Sprechtheater die Unterhaltungskomponente bei Oper eine gewichtigere Rolle spielt. Nur unterliegt auch dies dem Wandel. Nehmen wir zum Beispiel Mozart die "Entführung aus dem Serail". Schon im 19.Jhd. wurde der Harem zu einer Art Unterhaltungskino - man hat das berühmte Klavierstück, das modische "Rondo alla turca", orchestriert und in die Oper eingefügt. Nicht sehr "werktreu". Aber das entsprach eben dem Unterhaltungsbedürfnis des Publikums. Zu Mozarts Zeit war die Oper zwar auch schon Unterhaltung, aber eben doch mehr. Das bürgerliche Opernpublikum damals hatte ein emanzipatorisches Interesse. Der Harem stand sehr konkret auch für die Zwänge des überlebten Feudalismus, aus dem man sich auch gerne durch einen Helden befreien lassen wollte. Man wollte den Alltag also nicht vergessen, sondern hat seine Alltagsbedürfnisse in die Oper projiziert. Mit dem veränderten Zeitkontext verschwindet das einfach. "Verkehrt" daran ist, nimmt man jede Epoche für sich, nichts. Nur kann sich eben der Sinn der Aufführung eines Stückes ins Gegenteil verkehren, dadurch, dass die Welt sich ändert. Aus einem Stück, was einst mehr war als nur Unterhaltung, wird reine Unterhaltung. Was macht Regietheater also falsch, wenn es diesen verlorenen Sinn wieder belebt, der über das Unterhaltsame hinausgeht? Das wollte die Inszenierung in Münster, die ich gesehen habe. Meine Bekannten, die das auch gesehen haben und RT gegenüber aufgeschlossen sind, fanden das dramaturgisch nicht besonders gelungen. Da stimme ich zu. So etwas kann schief gehen. Aber damit kann man das grundsätzliche Recht von Regietheater nicht bestreiten, eben den ursprünglichen Sinn einer solchen Aufführung - die Herstellung eines aktuellen Zeitbezugs - wiederherzustellen. Hier sind die RT-Gegner inkonsequent und widersprüchlich. Zur Intention des Komponisten/Librettisten gehört nicht nur das Werk, sondern auch die Art der Aufführung, welches Publikum sie im Sinn hatten. Gemessen daran ist Eure Rezeptionshaltung dann wirklich - historisch betrachtet - "verkehrt". Und da finde ich: genauso wenig, wie man Euch eine solche "verkehrte" Rezeptionshaltung zum Vorwurf machen kann, kann man RT einen Vorwurf machen, dass sie die Rezeptionshaltung von einst wiederbelebt, die eben gesellschaftlich und politisch war und eine Form der Identifikation dessen, was auf der Bühne zu sehen war mit dem eigenen Leben.


    Und wo Du das Thema Fernsehen ansprichst: Gerade was Unterhaltung und Entspannung angeht, ist die Oper längst nicht mehr konkurrenzlos: Es gibt Musical, Film, Fernsehen und nicht zuletzt die Pop-Events. Im Barockzeitalter hat Oper so ziemlich alle Bedürfnisse abgedeckt, die "ernsten" und die nach Entspannung/Unterhaltung. Heute, wo es eine Unterhaltungsindustrie gibt, kommt es zwangsläufig zu einer Differenzierung. Da muss die Oper aufpassen, dass es ihr nicht geht wie der alten Tante SPD, die kaum Jemand mehr wählt, weil man nicht mehr weiß, wofür sie steht. Abschalten vom Alltagsstress - dazu braucht man heute keine Oper mehr. Wenn Oper den Anspruch aufgibt, ernstes und Ernst zu nehmendes Theater zu sein, wird sie gegenüber der Konkurrenz des "Pop" den Kürzeren ziehen. Das ist meine Meinung.



    Das stimmt, aber dazu sollten zeitgenössische Dichter und Komponisten neue Stücke auf die Bühne bringen. Schillers Dramen oder Gerhart Hauptmanns Stücke waren im höchsten Grade zeitkritisch, aber sie setzten sich mit ihrer Zeit und deren Problemen auseinander. Ich habe gar nichts gegen zeitkritisches Theater, unsere Zeit bietet dafür Stoff in Hülle und Fülle. Es gibt auch durchaus klassische Stücke, die eine neuzeitliche Deutung zulassen, und dagegen wäre wenig einzuwenden, wenn der Zuschauer damit wirklich etwas anfangen könnte und nicht ratlos und verstört das Theater verlassen muß.

    Wer akzeptiert aber heute ein Opernhaus, wo 80% zeitgenössische Stücke gespielt würden? Und was für Schiller gilt, gilt auch für Verdi oder Wagner: Das ist Musiktheater mit Zeitbezug. 100 oder 200 Jahre später soll man diese Werke dann ohne Zeitbezug aufführen, als "Museums"-Stücke? Ist das nicht auch eine Zweckentfremdung wie Dein Beispiel einer sakralen Messe, die verweltlicht wird?

    Den fand ich auch nicht sonderlich toll, aber mir fiel kein besserer Vergleich ein, um die Diskrepanz zwischen Werk und Bühnengeschehen aufzuzeigen. Was da geboten wird, ist auch alles andere als geschmackvoll. Und wer wollte bestreiten, daß sex & crime in den meisten Fällen eine herausragende Rolle spielt. Dafür gibt es genügend Beispiele, auch hier im Forum.

    Ich bestreite das. Wo ist denn die Statistik, die zeigt dass RT zu 80 oder 90 % aus Sex and Crime besteht? :D

    ich kann nur für mich sprechen, aber Parteipolitik zu treiben liegt mir völlig fern. Ich bin ein wertkonservativ eingestellter Mensch, daraus mache ich gar keinen Hehl, aber ich habe nie einer Partei angehört und mich auch nie zum Sprachrohr einer Partei gemacht. Ich passe in keine Schublade, war und bin Wechselwähler, seit geraumer Zeit Nichtwähler, weil keine Partei (von Splittergruppen abgesehen) meinen Wertvorstellungen auch nur annähernd entspricht. Ich beobachte das Zeitgeschehen, allerdings fällt es mir immer schwerer, mich damit zu identifizieren. Das mag auch dem Alter geschuldet sein.

    Es mag Dich sicher verwundern, wenn ich hier sage, daß mir spontan in der deutschen Politik nur zwei Leute einfallen, die ich für authentisch halte und die nach meinem Empfinden für das stehen, was sie sagen: das sind Gregor Gysi und Sahra Wagenknecht. Das sind Leute mit einem sehr hohen Intellekt, die einen festen Standpunkt haben und den auch vertreten, und nicht das Fähnchen dauernd nach dem Wind drehen, der gerade weht. Dafür haben sie meine Hochachtung, auch wenn ich in vielen Dingen ihre Auffassung nicht teile. Jedenfalls unterscheiden sich ihre Aussagen wohltuend von dem Bla-bla, was unsere "politische Klasse" von sich zu geben pflegt. So viel "Politik" mußte jetzt sein, aber nun Schluß damit.

    Gysi und Wagenknecht schätze ich auch. Selbst wenn man nicht ihrer Meinung ist, hat das, was sie sagen, immer Niveau. Da können sich andere Politiker eine Scheibe davon abschneiden. Mitglied einer Partei werde ich auch nie werden. ich bin absolut kein "Parteigänger"! ^^

    Volle Zustimmung, lieber Holger! Ich schätze Hauptmanns "Weber" außerordentlich, wie ich auch Schillers "Räuber" schätze, und ich halte Bert Brecht und Anna Seghers für überragende deutsche Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Von Brecht habe ich u.a. "Galilei", "Der gute Mensch von Sezuan" und "Herr Puntila und sein Knecht Matti" auf der Bühne erlebt und war nicht nur tief beeindruckt, sondern auch sehr zum Nachdenken angeregt. In meiner Bibliothek finden sich, was das vergangene Jahrhundert betrifft, viel mehr "linke" Schriftsteller als andere.

    Ich finde auch, Brecht ist ein Klassiker!

    Darauf bin ich gespannt, aber ich ärgere mich immer noch, daß ich mich hier vorgestern überhaupt zu Wort gemeldet habe. Mir ist aber der dogmatische Anspruch, den lustein in seinem Thread aufgestellt hat, so gegen den Strich gegangen, daß ich spontan darauf reagiert habe. Ich hätte es besser gelassen, denn seit zwei Tagen komme ich kaum vom Computer weg, statt mich mit Musik zu beschäftigen. Das werde ich aber jetzt wieder tun, und dann können wir wieder in Ruhe über Tschaikowsky & Co. ausgiebig diskutieren. :)

    Ich habe mich in den letzten Wochen mehr mit Hifi-Gedöns beschäftigt. Jetzt muss endlich wieder die Musik die Zeit bekommen! :hello:


    Schöne Grüße

    Holger

    ich habe einen HiFiMAN Magnetostaten, der symmetrisch betrieben wird.

    Lieber Karl,


    sehr interessant! Magnetostaten kenne ich gar nicht! Ich war überrascht, wie gut mein 40 Jahre alter Stax SR-5 Gold zusammen mit dem SRD-7 passiven Verstärker am neuen Yamaha Netzwerkreceiver klingt! Das war damals das bessere Konzept bei Stax - man konnte die Qualität des angeschlossenen Verstärkers voll mitnehmen und muss nicht wie heute sündhaft teure Kopfhörerverstärker bei Stax kaufen. Jedenfalls hat es der Focal Clear schwer, am Yamaha angeschlossen sich vom alten Stax groß abzusetzen. Das tut er aber mit AVM. Dazu habe ich mir dann doch ein hochwertiges Kabel (Audioquest Water mit patentierter Abschirmung, es werden 76 Volt Gleichstrom auf die Ummantelung gegeben) gegönnt, das alles aus dem Kopfhörer rausholt. Die Klangqualität ist schon überirdisch - Kopfhörerhören, das süchtig macht! Das ist eine Basswiedergabe so wie bei einem Lautsprecher, was man bei einem Kopfhörer eigentlich nicht für möglich hält.


    Schöne Grüße

    Holger

    Aber dass Brecht das auch auf das klassische Theater und auf die klassischen Opern bezogen haben wollte, bezweifle ich stark, ja stelle ich in Abrede.

    Das ist sogar so - kann man in den Schriften von Brecht und Weill zum Thema Oper nachlesen. Brecht und Weill wollten keine Modernisierung der alten Oper, sondern neue, zeitgenössische Opern schaffen (Weill betonte im Unterschied zu Brecht den Vorrang der Musik und orientierte sich dabei an Mozart). So etwas wie RT ist ihnen deshalb auch gar nicht in den Sinn gekommen. Genau das zeigt aber das Problem der Gattung Oper, das Johannes Roehl angedeutet hat.


    Schöne Grüße

    Holger

    woher nimmst Du diese Erkenntnis? Wie gesagt, ich habe als Jugendlicher häufig die Oper besucht, da ging es mir vor allem um das Werk, die Musik, den Komponisten, die Handlung und die Zeit, in der sie spielte. Daß dazu eine konforme Kulisse geboten wurde, war eine Selbstverständlichkeit. Im Umkehrschluß stelle ich jetzt die These auf, den RT-Freunden geht es weder um das Werk noch um die Musik, sondern nur um den Event, der auf der Bühne stattfindet, auch oder vielleicht sogar weil er zu den Intentionen der Werkschöpfer (Komponist u. Librettist) keinerlei Bezug hat.

    Was würdest Du denn sagen, wenn Du in einen Gottesdienst gehst, in dem der Chor auf der Empore, wie angekündigt, Bachs Johannes-Passion oder eine Mozart-Messe singt, während vorne im Altarraum das Pornostück "Aufstand in der Lederhose" oder was ähnliches aufgeführt würde?

    Woher ich diese Erkenntnis nehme, lieber Nemorino: Aus den wiederholten Äußerungen von RT-Gegnern! Sie wollen ein möglichst entpolitisiertes Illusionstheater, was von der eigenen Lebensrealität so weit wie möglich weg ist. Das hat aber mit der Realität gerade von Theater in unserer Tradition wenig zu tun. Theater war und ist immer vornehmlich gesellschaftlich und gesellschaftskritisch, moralisch-politisch, gewesen. Wenn sich die Diskussion nur um die Kulissen dreht, dann zeugt das von einer entpolitisierten Einstellung, die sich eben mit dieser konstitutiven Dimension von Theater nicht mehr beschäftigen will. Und Eventtheater ist Zeffirelli in Verona auch. Das hat mit der Frage RT oder nicht RT nun wirklich nichts zu tun. Und den Vergleich von RT mit Pornographie finde ich ebenso geschmacklos wie völlig unsachlich. Auch bei RT sind nackte Männlein oder Weiblein auf der Bühne eher die Ausnahme. Das so zuzuspitzen, ist also tendentiös.

    Das, lieber Holger, ist gelinde gesagt eine Anmaßung. Erkläre mir bitte, wieso man eines Menschen Bildungshorizont daran erkennen kann, ob er in RT-Aufführungen einen Sinn zu erkennen vermag oder nicht!

    Ich finde es äußerst problematisch, Leuten, die die eigene Meinung nicht teilen, Bildungslücken vorzuwerfen. Folgender Satz trifft wahrscheinlich den Kern:

    Da hast Du meine Äußerung aus dem Kontext gerissen. Wenn Tamino den Anspruch hat, das führende Klassikforum im deutschsprachigen Raum zu sein, dann muss es sich an diesem hohen Anspruch auch messen lassen. Und da sind Äußerungen aus dem Kreise von RT-Gegnern insbesondere einfach peinlich, weil sie eine intellektualitätsfeindliche Haltung und eben erhebliche Bildungslücken offenbaren. Ich habe Niemandem Bildungslücken einfach vorgeworfen, sondern sie konkret aufgezeigt.


    Was mir wirklich auf den Wecker geht - das muss ich hier mal sagen - ist diese Art von parteipolitischer Politisierung, etwa von Alfred oder auch von Dir. Politisch wird immer quasi automatisch mit parteipolitisch gleichgesetzt und dann insbesondere gegen die Grünen und die Linken geschimpft. Warum, ist auch klar. Wenn man entpolitisiertes Illusionstheater will, dann wird jeder politisch-gesellschaftliche Anspruch von Theater als parteipolitische Propaganda gewertet. Das ist aber einfach nur Unsinn, mit Verlaub gesagt. Es gibt auch unter konservativen Katholiken oder unter CDU-Mitgliedern Brecht-Fans. Und man muss nicht Mitglied der Linkspartei sein, um ein Stück wie Gerhard Hauptmanns "Die Weber" zu schätzen. Gesellschaftspolitische Themen und ihre Thematisierung sind überparteilich. Das ist einer der eklatanten Selbstwidersprüche bei RT-Phoben: Sie werfen engagiertem Theater eine falsche Politisierung vor, die sie selber aber bei jeder sich bietenden Gelegenheit betreiben.


    Ich muss wohl doch endlich meinen "systematisch"-gründlichen Beitrag zu RT einstellen.... Ansonsten diskutiere ich mit Dir auch lieber über Tschaikowsky! :P :hello:


    Schöne Grüße

    Holger

    Klar, jede Form von Gewandung ist ein Kostüm, und auf der Bühne ist alles Kulisse. Ich will beides nicht abschaffen, sondern bin nur gegen das unbedingte Festhalten an den Kostümen und Kulissen, von denen wir glauben, dass Komponist und Librettist sie im Sinn hatten. (Insofern war meine Formulierung nicht präzise genug.) Kostüme und Kulissen sind Teil der Realisierung einer Oper, die immer wieder anders ausfällt.

    Worüber diskutiert wird, ist doch schon bezeichnend. Es geht nur um die schönen oder nicht schönen Kulissen, also das schmückende Beiwerk, weil man Oper rein hedonistisch betrachtet (als "kulinarische Oper") und sie als Kunstform - ein echtes Drama zu sein nämlich - was eigentlich das Wesentliche ist, gar nicht Ernst nimmt.

    Und trotz aller schönen und aller hochgelehrten Worte kann mir bisher keiner erklären, warum man den Maskenball in Gera ins Clan-Milieu verlegen mußte.

    Wollt ihr nicht oder könnt ihr nicht?

    Warum bin ich Dir verpflichtet, eine Inszenierung in Gera zu "erklären", die ich gar nicht kenne? Wo Du zudem gar kein Interesse daran hast?

    Fangt mir aber bitte nicht damit an, daß ihr den Käse nicht gesehen habt und deshalb ein Urteil nicht möglich ist.

    Ja eben. Weil für Dich feststeht, dass das "Käse" ist, ist Dein Urteil unumstößlich. Und ein mögliches anderes Urteil interessiert Dich schlicht nicht.

    Meine Meinung zum Besuch hat die Rezension und haben die veröffentlichten Fotos eindeutig negativ beeinflußt, dazu noch die Meinung von Besuchern, die in der Premiere gewesen waren. Die kannten nur ein Wort: Furchtbar!! Da kann Holger jetzt wieder wettern wie er will und mich für doof erklären oder mir mangelnde Bereitschaft vorwerfen, so etwas anzusehen - ich bleibe bei meinem Standpunkt: So etwas will und brauche ich nicht!

    Ja schön. Und warum stellst Du es dann hier zur Diskussion, wenn nichts für Dich verbindlich ist als Deine eigene Meinung?

    Unsinn erklärt sich vermutlich ganz von selbst. :pfeif:

    Das Urteil "Unsinn" erklärt sich zunächst einmal durch den, der dieses Urteil glaubt fällen zu können, weil es nunmal keinen Sinn an sich ohne ein Sinnverstehen/Sinn-Nichtverstehen gibt.

    Es ist zum Verzweifeln. Da stellt ein neu gewonnenes Tamino-Mitglied - übrigens ein Fachjournalist - einen Beitrag mit vielen ernst zu nehmenden, sachlichen Aussagen ein, statt dass wir uns damit analytisch kritisch auseinandersetzen, wird die Gelegenheit offensichtlich "dankbar" ergriffen, um unseren Forenkrieg fortzusetzen. Selbst der 30-jährige Krieg wurde einmal beendet. Bei uns aber geht der Streit niemals zu Ende. Wer hat noch eine Idee, wie wir aus dem Schlamassel herauskommen?

    Herzlichst

    Operus (Hans), der sich jetzt zum Adventskranz 2019 oder zum Holzwurm flüchtet.

    Sehr richtig! Es gibt keinen Ausweg - so wie bei Kafka. Selbst wenn man die Laufrichtung ändert, wird man gefressen. =O

    Doch noch eine Replik: Wenn ich mich in einem Forum als Neumitglied anmelde, dann starte ich nicht mit einem provokantem Beitrag, der noch zusätzlich den Intentionen des Forumseigners widerspricht. Das wäre für mich eine Frage des Anstands!

    Warum wohl fühlt Ihr Euch durch diesen nun wirklich moderaten und vernünftig-klugen Beitrag provoziert? Antwort: Weil Ihr keine abweichende Meinung von Eurer eigenen in diesem Forum zu dulden bereit seid. Jeder ist ein Provokateur, der nicht "auf Eurer Seite" steht - und hat für Euch in Tamino nichts verloren.

    Das ist leider inzwischen Standard geworden, wie die anderen Beispiele hier gezeigt haben, die ich nicht aufwärmen will.

    Vielleicht könnte man es als taminisches Ikarus-Phänomen bezeichnen: stark starten - stark abstürzen.

    Ich will auch nicht die Beispiele aufwärmen, wo die Gruppe der RT-Phoben erfolgreich Neumitglieder oder die es werden wollten durch ihre Mobbung-Aktionen aus dem Forum vertrieben hat. Und Orfeos Reaktion (s.u.!) zeigt, Dass Eure Abschreckungsstrategie mal wieder Erfolg verspricht. Ich finde das ehrlich gesagt zum K.....

    Es gab - und gibt - ungeschriebene Gesetze, Handlungen die nie verboten wurden, weil einst niemand auf die Idee kam, dass so etwas überhaupt getan werden könnte

    Im Mittelalter war es beispielweise verboten sich in das Tischtuch zu schneuzen.

    Gab es im Mittelalter Opern? ^^ Das "ungeschriebene Gesetz" im 19. Jhd. war jedenfalls, dass in Bezug auf Opernaufführungen so gut wie gar nichts verboten war.

    Ich hatte vor längere Zeit mal ein kurzes Pausengespräch in der Stuttgarter Cherubini-Medea mit Herrn Steinbach (der Klarname wurde bereits von Operus und m.joho erwähnt) und hatte ihn dabei als umgänglichen und für Gegenargumente offenen Menschen kennengelernt.

    Da lernt unser sympathisches Neumitglied Herr Steinbach hier gerade kennen, dass es in Tamino aber ganz anders ist...

    Ich bin so neu hier wie "lustein", habe bisher aber nur einen substanziellen Beitrag geleistet, der Gott sei Dank nicht weiter beachtet wurde (meine anderen Beiträge sind nur Reaktionen auf Beiträge) und ich werde mir jetzt wirklich überlegen, ob ich mich weiterhin hier aktiv einbringen will.

    Lass Dich bitte nicht von der RT-Phoben-Fraktion einschüchtern, lieber Orfeo! :hello:


    Schöne Grüße

    Holger

    Darum ging es mir nicht, lieber Holger, sondern um die von lustein postulierte und m. E. untragbare Degradierung von Museen, den Stätten unseres kulturellen Erbes.

    Das habe ich aber bei lustein überhaupt nicht gelesen, lieber Joseph II.! Museen gibt es für bildende Kunst, aber eben nicht für das Theater.

    Eine Oper von 1800 spiegelt nur eben erst einmal die Zeit von 1800 wider, eine von 1850 jene von 1850, eine von 1900 jene von 1900 etc. pp. Es ist natürlich nicht ausgeschlossen, dass die Aussage in der jeweiligen Oper gleichsam zeitlos ist und uns auch noch heute etwas zu sagen hat. Dazu bedarf es aber nicht zwingend einer Aktualisierung von Zeit und Raum. Zeitlosigkeit drückt sich ja gerade dadurch aus, dass man etwa den Figaro von Mozart auch heute problemlos im Stile von 1786 spielen kann und sich trotzdem dabei denken: Großartig, die Grundaussage trifft doch auch heutzutage noch zu. Auch in Rokokokostümen wird es nicht automatisch zum Museum.

    Das ist aber genau das entscheidende Problem. Die meisten Opern, die heute gespielt werden, stammen aus dem 19. Jhd. Der herrschende Geist des 19. Jhd. ist aber der Historismus. Richard Wagner z.B. lehnt es kategorisch ab, dass Theater und Oper etwas "Zeitloses" zum Ausdruck bringen könne. Theater ist für ihn rein historisch, ausschließlich für das Hier und Jetzt, ein bestimmtes politisch-soziales Milieu, geschaffen. Genau deshalb stellt sich dann die Frage (die Wagner weder gestellt noch beantwortet hat, weil er davon ausging, dass primär zeitgenössische Bühnenwerke zur Aufführung kommen), wie man diesen Zeitbezug auch nach 100 oder 200 Jahren herstellen kann. Da gibt es nur zwei bzw. drei Möglichkeiten: Entweder man führt die Werke einfach nicht mehr auf, weil sie als nicht mehr aktuell und ihres historischen Zeitbezugs verlustig geworden im Grunde unaufführbar geworden sind, oder man aktualisiert sie. Oder man monumentalisiert sie zum Überhistorisch-Musealen, dann macht man aber genau das, was Wagners Historismus radikal mit großer Vehemenz abgelehnt hat. Was die Kostüme angeht, muss ich mich wiederholen: Friedrich Schiller: Die handelnde Person auf der Bühne ist nicht die historische Person, die in einem (historischen) Kostüm steckt, sondern die "moralische" Person. Und die ist im Grunde "nackt", sagt der große Griechenliebhaber Schiller. ^^


    Schöne Grüße

    Holger

    Das ist eine sehr subjektive Aussage, die allerdings in dieser Form als Dogma formuliert ist

    Nirgendwo ist definiert wozu Theater dienen soll.

    Falsch. Eine Bildungslücke von Dir. Friedrich Schiller - und das ist die Hochzeit der deutschen Philosophie und Literatur, Deutscher Idealismus nämlich - definiert, dass Theater eben nicht nur zum Vergnügen und zur Unterhaltung da ist, sondern primär einen moralisch-gesellschaftskritischen Zweck hat. Es geht nach Schiller um nichts Geringeres, als die "moralische Weltregierung" auf dem Theater zu errichten.

    Es war mir klar daß irgendein Kommunist hier als Wertevermittler genannt werden würde...

    Auch da hast Du eine Bildungslücke. Brecht beruft sich auf das französische Theater des 18. Jhd. - und stellt sich damit in eine sehr alte Tradition. Da gab es überhaupt noch keinen Kommunismus. Und das französische Theater wiederum fußt auf Horaz. Das heißt: Brechts Verständnis von Kunst und Theater hat seine Wurzeln letztlich in der Antike, ist also sehr "konservativ".


    Mehr sage ich aber nicht dazu.


    Schöne Grüße

    Holger

    Diese Aussage ist entlarvend und führt vor Augen, wes Geistes Kind sie ist. :!:

    Nee, entlarvend ist der Bildungshorizont so mancher Taminos. Tamino soll ja ein Forum für nicht ganz ungebildete "Kulturmenschen" sein.


    Dann sage mir doch mal, welcher Klassiker - um nur einige Namen zu nennen: Lessing, Schiller, Richard Wagner... - hat denn gefordert, das Theater müsse ein Museum sein? Antwort: Wenn man sie alle gelesen hat, weiß man: "Museales" Theater ist im Selbstverständnis dieser nicht ganz unbedeutenden Klassiker ein hölzernes Eisen!


    Schöne Grüße

    Holger

    Lieber Lustein,


    da hast Du wirklich sehr schön und treffend alles gesagt! :thumbup::thumbup::thumbup::thumbup::thumbup::thumbup:


    Von der Gruppe der RT-Gegner kommt - berechenbar - immer dieselbe Leier - teils wiederum mehr als peinlich. ^^ Nichts Neues also unter der Sonne. Dazu ist alles gesagt worden und deshalb erspare ich mir dazu auch den Kommentar.


    Schöne Grüße

    Holger

    Jetzt wird es mir, bei so vielen "alternativen Fakten", zu bunt und ich bin raus aus dem Thread. Und konsequent sollte man zumindest sein - nicht eine Diskussion mit führen und dann hinterher den "Anderen" vorwerfen, sie seien undemokratisch, weil sie da mitwirken. Es gibt übrigens kein Verbot für Flüchtlinge, ein Land zu betreten. Über die Rechtmäßigkeit eines Flüchtlingsanspruchs entscheidet nicht die Grenzpolizei, sondern ordentliche Gerichte. Und damit ist nun Schluss! Eine gute Nacht!

    Und was ist mit Endrik Wottrich, der nach der Verweigerung der Zusammenarbeit mit Schlingensief am Bayreuther Parsifal keine Angebote von Spitzenhäusern mehr bekam? Ich konnte ihn danach als Siegmund in der Chemnitzer Walküre bei bester Stimmkraft bewundern, an der Leistung kann es nicht gelegen haben, daß er keine Berücksichtigung an großen Häusernmehr fand.

    Da sind viele Antworten denkbar, lieber La Roche. Nur ist die hier gegebene, das läge an einer "Verschwörung" durch ein RT-Netzwerk, wofür es keinerlei Belege gibt, reine Spekulation und argumentativ betrachtet nur suggestiv.

    Ich kenne auch sein Interview im Opernglas, wo er darüber sprach.

    Und ich kenne Aussagen vieler namhafter Sänger, die erst nach Ende ihrer Karriere über die Differenzen mit Regisseuren sprachen, weil sie Repressalien befürchteten. Selbst an meinem heimischen Theater kenne ich solche Aussagen.

    Es wird sicher viele Beispiele solcher unerfreulichen Konflikte geben. Nur ist das kein Beleg für ein RT-Netzwerk, das Künstler in einer konzertierten Aktion aus dem Betrieb rauskickt. Außerhalb des Opernbetriebs im normalen Berufsalltag gibt es solche Phänomene ja auch zuhauf. Oper macht hier keine Ausnahme.

    Und warum wurde extra für Domingo ein anderes Bühnenbild geschaffen, als er in Berlin in Simone Boccanegra gastierte? Diese Macht hat nur ein Sänger seines Ruhmes!

    Warum hat sich z.B. Elisabeth Kulman von der Opernbühne zurückgezogen? Sicher gibt es noch viele andere Beispiele.

    Sowas ärgert mich, weil es gegen den Ensemble-Geist verstößt.

    Schockiert hat mich allerdings, dass eine Formulierung wie "gleichgeschaltete Presse" eines "Moderators" hier unwidersprochen bleibt. Wir leben nicht im Totalitarismus.

    Nein, so etwas darf nicht unwidersprochen bleiben, lieber WoKa! Da hast Du völlig Recht. Bezeichnend ist ja, dass dieselben Populisten, die von "Lügenpresse" u. dgl. reden, die Demokaratie untergraben durch demokratiefeindliche Aussagen wie die von der "schweigenden Mehrheit" und Verschwörungstheorien anhängen.

    Ich weiß nicht ob der werte Herr Dr. K., ich unterstelle ihm mal eine schöne Gesangsstimme, bereit wäre unter Bieito in einer Hauptrolle nackt auf der Bühne zu stehen. Solche Verweigerer kann ich sehr gut verstehen.

    Es gab aber gerade in diesem Fall keine Verweigerer. Zu lesen war: Besagter Sänger wollte unbedingt bei einer Bieito-Inszenieurng mitwirken. In der Probe kam dann die Idee des "nackten Mannes" auf der Bühne. Natürlich hat der Regisseur das von ihm nicht verlangt und es ihm freigestellt. Weil besagter Sänger aber davon dramaturgisch überzeugt war, hatte er kein Problem damit, die Rolle nackt zu übernehmen. :D Warum eigentlich die Aufregung? Im Kino gibt es auch ständig nacktes Fleisch zu sehen - und kein Mensch nimmt daran Anstoß. :P


    Schöne Grüße

    Holger

    Genau - und diese Inkonsistenzen sind uns aufgefallen

    Wie kommt es, daß langlärige Opernabonnenten ihre Abonnements kündigen, daß ein buhendes Piblikum ignoriert wird, Sänger, die sich dem Regietheater verweigern fallen gelassen werden

    Wie kommst Du dazu, zu unterstellen, dass RT so was wie ein "System" sei? Das ist einzig und allein Deine private und ansonsten völlig unverbindliche Interpretation, dass Sänger fallen gelassen werden, weil sie sich "RT" (gemeint ist ja: "dem System" RT) verweigern. Erst einmal geht es hier schlicht um Arbeitsrecht. Arbeitsverträge muss man erfüllen - unter den im Arbeitsvertrag festgelegten Bedingungen, d.h. hier: egal mit welchem Regisseur. Wo steht im Vertrag, Sänger XY darf die Arbeit verweigern, wenn ihm das Regiekonzept von Regisseur YZ nicht gefällt? Wenn Du Intendant eines Opernhauses bist und ständig die Hälfte der Sänger die Arbeit verweigert, weil mal dem einen oder dem anderen bei dem oder dem Regisseur die Zusammenarbeit nicht passt, dann bricht der Betrieb zusammen. Das ist bei einem Opernhaus nicht anders als im sonstigen Berufsleben. Was meinst Du, wie lange ich beschäftigt bin, wenn ich ständig meckern würde, ich will mit dem oder dem Kollegen nicht zusammenarbeiten, womit ich dann fürs Teamwork nur unter Vorbehalt zur Verfügung stehen würde? Sowas macht kein Arbeitgeber mit!

    oder daß man ihnen droht, letzlich hat man aus MIR gedroht, und als ich die Drogun veröffentlichte, hat man mir gedroht, ich hätte das Briefgeheimnis verletzt, Das war natürlich nicht der Fall, denn auch wenn es Anwälten von Drohbriefen nicht passt

    Das hat doch nichts mit RT zu tun! Briefgeheimnis ist Briefgeheimnis! :hello:


    Einen schönes Wochenende wünscht

    Holger

    Hallo Holger, da musst Du mir jetzt helfen: Klar, Einsteins Relativitätetheorie war zumindest anfänglich ein reines Theoriegebäude zwar motiviert durch - ggf. auch empirische - Beobachtungen (z.B. war keiner der Versuche, den sog. Lichtäther nachzuweisen, von Erfolg gekrönt), aber basierend auf theoretischen bzw. logischen und natürlich nicht-empirischen Überlegungen (z.B. Was passiert eigentlich, wenn sich jemand schneller bewegt, als das Licht?). Später jedoch war es dann möglich, etwa durch genauer messende Instrumente und neue technische Möglichkeiten, die Theorie tatsächlich im naturwissenschaftlichen Sinne sozusagen operativ, also nicht nur theoretisch zu verifizieren.

    Das habe ich natürlich vereinfacht, lieber Michael. Theorien sind niemals ausschließlich empirisch begründet, sondern zum nicht unerheblichen Teil systemisch, indem z.B. gewisse Inkonsistenzen im System damit bereinigt werden, man überhaupt ein Erklärungsmodell für gewisse Phänomene gewinnt, das man vorher nicht hatte usw. Die Annahmen sind aber wiederum nicht rein spekulativ, sondern fußen auf anderen streng wissenschaftlich begründeten Voaussetzungen. Verschwörungstheorien dagegen sind reine Spekulation und eben damit letztlich unbegründet.


    RT-Netzwerke gibt es schlechterdings nicht. Das sind reine Phantasieprodukte von RT-Phoben. Auch bei Wahrscheinlichkeiten ist nämlich zwischen bloßer Spekulation und Wirklichkeit zu unterscheiden. Bei hohem Luftdruck ist Regen unwahrscheinlich, bei tiefem eher wahrscheinlich. Hier liegt der Wahrscheinlichkeit eine Kausalität zugrunde - und damit ist eine solche Wahrscheinlichkeit keine bloße Spekulation, die steht und fällt mit der spekulativen Annahme. RT-Phobe können schicht keinen einzigen Beleg dafür anführen, dass ein solches Netzwerk existiert.


    Was ich meinte: Es gibt Atomkraftgegner, Katholiken, Abtreibungsgegner, die Netzwerke bilden können. Hier ist die Gruppenzugehörigkeit eine Selbstzuschreibung. Genau das ist bei RT aber nicht der Fall. Bezeichnend sagt ein Regisseur wie Peter Konwitschny, den man zur Gruppe von RT-Regisseuren rechnet, er mache gar kein RT. D.h. die Gruppenzuschreibung RT ist gar keine Selbstzuschreibung, sondern eine Zuschreibung von außen durch RT-Phobe. Nur Gruppen, die sich ihre Gruppenzugehörigkeit selber zuschreiben, können aber Netzwerke bilden. Würde sich nicht jedes Mafia-Mitglied auch für einen Mafiosi halten, würde es auch kein Mafia-Netzwerk bilden. RT-Netzwerke sind also nichts als Hirngespinste in den Köpfen von RT-Phoben, die unter Verfolgungswahn leiden. Das Ganze ist letztlich psychologisch begründet. Denn so schreibt man sich selbst die Rolle des armen Opfers zu, was den Schmerz mindert, eine machtlose Minderheit zu sein. So kann man sich selbst wenigstens bemitleiden und darin Trost finden.


    Schöne Grüße

    Holger

    a)Verschwörungstheorien werden deshalb so gerne bekämpft uind ins Lächerliche gezogen, weil sie sehr oft die Realität aufzeigen.

    Sie stellen eine Gefahr dar - so versucht man sie unschädlich zu machen. Nicht jede Verschwörungstheorieist zutreffend, aber ein großer Prozentsatz. Sie sind in der Regel nicht zu beweisen - aber meist sehr gut mit Indizien zu stützen.

    Verschwörungstheorien muss man nicht unschädlich machen, weil sie einfach sich selber unschädlich machen durch ihre Lächerlichkeit. (Und wenn Du meinst, die meisten Verschwörungstheorien hätten Recht, an welche glaubst Du denn? An die von der nie stattgefundenen Mondlandung oder vom 11. September? ^^ ^^ ^^ ) Nur Don Quichote kämpfte gegen Windmühlen! ^^ Vor Gericht gibt es freilich den Indizienbeweis. Aber gerade da gilt, wenn die Indizienkette nicht wirklich lückenlos aufgezeigt ist, endet es mit dem Freispruch für den Angeklagten. Wenn es nicht so ist, siehe USA: Wieviel Menschen sind dort zu Unrecht zum Tode verurteilt worden oder sitzen bzw. saßen Jahrzehnte im Gefängnis, weil man sie aufgrund eines unzulänglichen Indizienbeweises verurteilt hat? Das ist dann gar nicht lustig. Wenn RT-Gegner wirklich nicht Ernst genommen werden wollen, dann sollten sie solche absurden Verschwörungstheorien verbreiten. Und es ist nunmal so: "Regietheater" ist ein journalistischer und kein wissenschaftlich anerkannter Begriff. Auch da machen sich dann RT-Gegner mit ihrer irrationalen, wissenschaftsfeindlichen Einstellung nur lächerlich. (Ich sage: Als "operativen Begriff" kann man ihn durchaus gebrauchen, aber als mehr nicht.) :D


    Und Einsteins Relativitätstheorie mit einer Verschwörungstheorie gleichzusetzen, was ihre Begründung angeht, ist einfach nur haarsträubend und natürlich falscher als falsch. Nur ein Grund: Die Relativitätstheorie ist reine Theorie und keine Empirie. Deswegen ist sie zum erheblichen Teil auch nicht empirisch begründet durch irgendwelche Fakten, sondern rein theoretisch, kann also auch nur theoretisch verifiziert oder falsifiziert werden. Verschwörungstheorien dagegen stützen sich ausschließlich auf Empirisches und Behauptungen, das sie aber schlicht nicht ausgewiesen haben und nicht belegen können. Da passt Adornos Vergleich eines haltlosen Systems mit einem Kreditsystem: Ein Kredit stützt den anderen und das System gibt sich so den bloßen Anschein von Faktizität und Konsistenz.


    Schöne Grüße

    Holger

    Also man muss schon sehr naiv sein ...

    Übrigens gab es Netzwerke früher auch schon (wenn auch nicht für's RT) - und das wird sogar beforscht:

    https://www.mdw.ac.at/916/


    Aber es ist natürlich sinnlos, mit Leuten zu reden, die mit dem RT-Begriff Probleme haben (Regietheaterbegriffsphobie).

    Ich sehe da rein gar nichts "Verdächtiges" - also alles nur Verschwörungstheorie statt belegbare Fakten. Wie sollte es auch ein Netzwerk zu etwas geben, dass es gar nicht gibt? RT ist letztlich nur ein Konstrukt von RT-Phoben und keine Realität - alles was sie nicht sehen wollen, ist RT, eine reine privatio, ein Nichtsein als Sein also. Wie könnte sich ein Nichts vernetzen, also etwas tun, wenn es einfach Nichts ist? ^^

    Lieber Holger, Sonntag hast Du in Düsseldorf noch eine Chance: https://operamrhein.de/de_DE/t…samson-et-dalila.16007528

    Ich bin leider an diesem Wochenende und überhaupt im Dezember komplett ausgebucht, lieber Bertarido. Die Opernbesuche habe ich deshalb alle ab Januar eingeplant. Mit meinen Münsteraner Wagner-Freunden werde ich dann wohl auch nach Dortmund zum Lohengrin fahren, die Anfrage kam die Tage schon! :hello:


    Schöne Grüße

    Holger

    Pro-RT-Netzwerk? Welche Komödie oder besser gesagt welches absurde Theater wird denn hier gespielt? ^^


    Weswegen geht Ihr denn eigentlich in die Oper? Ich jedenfalls wegen des Stücks - und dann kommt eine ganze Weile gar nichts und dann irgendwann die Inszenierung. Samson und Dalila habe ich nie gesehen und ich würde auf jeden Fall die Aufführung nicht verpassen, wäre sie in Münster, Dortmund oder Düsseldorf. Berlin ist leider für mich zu weit. Was ich habe, ist eine Rollen-Aufnahme von Camille Saint-Saens persönlich vom Klavierstück (Transkription) zur Oper. Allein schon deshalb interessiert mich das Stück besonders.


    Und wo ist das Problem? Ist es nicht die Hauptsache, dass Opernfreunde in die Oper gehen? Ist doch eigentlich egal, warum! Hinterher haben sich alle gefreut, das selten gespielte Stück zu sehen und die einen meckern ein bisschen über die Inszenierung, während die anderen hoch zufrieden sind. Worum streitet man sich also eigentlich? Ist das nicht der berühmte Streit um des Kaisers Bart?


    Schöne Grüße

    Holger

    Wenn wir hier schon über Gesamtaufnahmen reden, dann wundert es mich, dass die beiden besten bisher nicht erwähnt wurden, nämlich die absolut idiomatischen Einspielungen von Václav Neumann mit der Tschechischen Philharmonie. Er hat die Symphonien zweimal komplett aufgenommen, einmal in den 70ern in analog und etwas später (ich glaube in den 80ern, müsste ich zuhause nachsehen) in digital.

    Da nimmst Du mir ab, lieber Bertarido, darauf hinzuweisen. Ich habe beide Aufnahmen! Neumann und Dvorak mit der wunderbaren Tschechischen Philharmonie - das kann man bei Dvorak nicht übertreffen! :)


    Schöne Grüße

    Holger

    so bin ich bspw. nicht fähig, aus dem anderen thread in diesem thread zu zitieren. Das ist mir zu umständlich.

    Lieber Christian,


    ist das denn nötig? Diesmal ist es wirklich ein langer Kolumnenartikel geworden, der hier gar nicht passen würde. Mit der Maus kopieren und hier kursiv setzen geht auch immer! ;)

    Ein ziemlich radikale Aufnahme hat zuletzt die kürzlich verstorbene Dina Ugorskaja rausgebracht:

    Das ist wirklich sehr traurig. Ich habe sie einmal in Bielefeld gehört - die Aufnahme habe ich aber nicht, leider. Würde ich mir gerne anhören!


    Liebe Grüße

    Holger