Beiträge von Dr. Holger Kaletha

    2. Regietheater-Karneval: Die „Altenheimveranstaltung“ mit Kissin und Perahia.


    Bald ist es endlich wieder soweit! Der Karneval kommt, der Rosenmontag steht fast vor der Tür. Und Theater-Seppel ist dabei, Stoff für seine Büttenrede zusammenzutragen. Und zu seiner großen Freude und seinem Glück wird er bei Tamino fündig:


    Warum überlebt das Regietheater so lange ? - Versuch einer Analyse


    Da ist der folgende Witz zu lesen: Klavierabende mit Kissin und Perahia, die nur eine langweilige „Reproduktion bestehender Werke“ geben, sind nicht mehr jugendlich frisch, sondern eine „Altenheimveranstaltung“ (so – natürlich mit Humor gesprochen und nicht wirklich Ernst gemeint – der nette Christian B., Link s.o.!,) Gleich greift Theater-Seppel zur Feder. Die Büttenrede steht – jedenfalls als Entwurf, den wir hier wiedergeben:


    Helau!


    Meine lieben Karnevalisten! Wer bin ich? Seht Ihr´s nicht? Ich bin – nein, nicht der tolle Bomberg – der tolle Theater-Seppel. Toll bin ich wirklich! Denn ich frage Euch: Gibt es eine Welt außerhalb des Karneval? Was antwortet Ihr? Na….? – – Natürlich nicht!


    Eben!


    Helau!


    Und genau deshalb sage ich: Für mich, den Theater-Seppel, existiert nur EINE Welt, nämlich MEINE Welt: der Theaterboden! Dort entsteht, meine lieben Karnevalisten, etwas wunderbar Schönes, was mich unwiederholbar und unnachahmlich macht, mein ei-ei-einmaliges und ei-ei-einzigartiges Theaterkunstwerk! Ihr kennt doch das Wunderhornlied vom „himmlischen Leben“ – genau so schön, wie der Himmel auf Erden dort humoristisch beschworen wird, ist es in meiner Theaterwelt: „Es gibt ja nichts auf Erden, was mit meinem Theaterkunstwerk kann verglichen werden!“ ICH, der Regisseur und MEIN Theaterkunstwerk – wir sind der Karneval der Welt, das Universum!


    Helau!


    Und in meiner Theaterwelt – das ist wahrlich Karnevals-Tollheit – ist, oh großes Wunder, alles und nichts machbar. Deswegen haben wir Regietheater-Künstler auch diese geniale Fernsehwerbung zu unserem Wahlspruch erkoren:


    „Nichts ist unmöglich, Toyota!“


    Helau!


    Aber nun, meine Lieben, will ich Euch nicht länger mit meiner viel zu gelehrten Einleitung langweilen. Ich erzähle Euch eine schöne Geschichte – und Ihr seht, ob Ihr da etwas zu lachen habt!


    Helau!


    Wisst Ihr, trotz Karnevals-Frohsinn muss ich Euch zunächst ein Klagelied anstimmen – der Clown hat schließlich ein lachendes und weinendes Auge!


    Helau!


    Auch der genialste Künstler hat seine menschlich-allzumenschlichen Wehwehchen! Um meine Krampfadern zu pflegen war ich neulich in Bad Schömberg – nicht Schönberg! – zur Kneipp-Kur. Wisst Ihr, wen ich dort getroffen habe? Ihr werdet es kaum glauben: Yevgeny Kissin und Murray Perahia! Jetzt werden Ihr fragen: Was machen solche Weltstars im schwärzesten Schwarzwald von Bad Schömberg, wo sie leider Arnold Schönberg nicht treffen können? Die Antwort: Sie geben ein Kurkonzert!


    Helau!


    Ja helau! Die beiden Starpianisten machten einen Spaziergang und hatten eine griesgrämige Miene aufgesetzt wie zehn Tage Regenwetter. Ich sprach sie an: Warum schaut Ihr so finster wie die Tannen des Schwarzwaldes und warum zum Teufel habt Ihr Euch hierher verirrt? Dann überschütteten sie mich mit ihrem Jammer. (Er imitiert ihre weinerliche Stimme.) „Wir sind hier, um ein Kurkonzert zu geben.“ Ein Kurkonzert, Ihr, die großen Weltstars, die in der Carnegie Hall auftretet! Das ist doch nur ein Scherz, oder? Ich konnte mich vor Lachen nicht mehr halten. „Nein, kein Scherz“, schluchzte Perahia. Unsere Konzertagentur hat uns hierher verbannt. Von ihr erhielten wir den folgenden Brief:


    „Euren Vertrag habt ihr nicht erfüllt. Kein ausverkauftes Haus! Also: Haut endlich einfach ab! Der große Konzertsaal ist dafür da, vom Volk auch wirklich gefüllt zu werden. Eure Klavierabende sind nur was für das esoterische Häuflein von vergreisten Kulturspießern, die nach den Gesetzen der Biologie sowieso dabei sind, auszusterben. Das junge Volk, das ein ausverkauftes Haus garantiert, kommt erst gar nicht zu Euch. So aber habt Ihr Eure große Chance, die wir Euch lange genug gewährt haben, vertan! Damit zeigt Ihr letztlich nur, wo Ihr eigentlich hingehört: Meine Herren, Euer angestammter Platz ist nicht die Stadthalle oder Tonhalle in der Großstadt und schon gar nicht die Carnegie Hall, es ist das kleine aber feine provinzielle Kurkonzert! Die gute Nachricht für Euch: Dort geben wir Euch eine zweite Chance! Kündigen wir Euch da groß auf Plakaten an, werden all die Kurgäste mit silbrigem Haar in Scharen herbeiströmen, die ein bisschen Kultur konsumieren wollen als höherer Geistes-Genuss und „erhabenen“ Nachtisch gleichsam, nachdem die niederen körperlichen Bedürfnisse befriedigt sind mit dem Kur gemeinen Sinnen-Genuss von Kaffee und Kuchen. Garantiert wird da auch nicht der letzte Lehnstuhl für Gehbehinderte frei bleiben. Dort findet Ihr Euer Publikum: den schon etwas ergrauten Bildungsbürger mit wert- und werkkonservativer Einstellung, der seine Wehwehchen – inclusive „Kurschatten“ – gemütlich auskuriert und dabei viel Gelegenheit und Muße hat, den „guten alten Zeiten“ nachzutrauern. Diese Staubis und Gruftis, das kann ich Euch versichern, sind ganz bestimmt ein dankbares Publikum! „Werktreue“ lieben sie! Denen könnt Ihr so viel Ihr wollt romantisch „Erbauliches“, die heiligen Werke von Beethoven, Schubert und Brahms, andachtsvoll darbieten.““


    Weint Ihr nun schon mit, meine lieben Zuhörer? Nein, das ist doch nun wirklich komisch!


    Helau!


    Ich jedenfalls konnte mir den Bach nicht mehr halten vor Lachen und es platzte aus mir heraus:


    Selber schuld, meine Herren Starpianisten von Weltruf! Leider haben viel zu viele von Euch etablierten, schon etwas altbackenen „großen“ Pianisten immer noch nicht begriffen, dass sich die Zeiten längst geändert haben. Hättet Ihr nur auf Altmeister Schnabel gehört! Artur Schnabel meinte einst scherzend im Gespräch mit Vladimir Horowitz zu seinen Konzertprogrammen mit Beethoven-Werken und „schweren Brocken“ von Brahms: „vor der Pause langweilig – nach der Pause: noch langweiliger!“ Mit der Langweiligkeits-Apotheose von Werkaufführungen könnt Ihr die aufgeweckten jungen Leute von heute nun wirklich nicht von ihrem PC weglocken, wo sie ihre Zeit mit aufregenden Ballerspielen und dem Chatten mit Facebook-Freunden verplempern – immer wieder dazwischen kommt für ein paar Minuten per Mausklick geklickt ein Youtube-Video mit dem üblichen kommerziellen Pop-Zeugs – das aber vor allem geguckt wird wegen der wirklich geilen, sexy Video-Animation, die längst viel wichtiger ist als die Musik. Warum sollten sie, die keine Geduld mehr aufbringen, mal ein Buch ganz zu lesen oder ein Musikstück komplett zu hören, das länger als 5 Minuten dauert, dieses aufregende Spektakel vom Feinsten gegen die Folter eintauschen, einer langatmigen Beethoven-Sonate, auch noch verstaubt „werktreu“ vorgetragen, tatsächlich zuhören zu müssen?


    Helau!


    Und dann habe ich mein Regietheater-Ass aus dem Ärmel geschüttelt, sprich aus meiner Aktentasche gezogen und es Kissin und Perahia, unseren Kurkonzert-Starpianisten, unter die Nase gerieben!


    Helau!


    Seht her, was ich hier habe! Ihr habt nur von der Kulturwelt, die eine Theaterwelt heute ist, nichts mitbekommen. Recht ist Euch geschehen! In dieser Angelegenheit ist nämlich bereits ein behördliches Rundschreiben an alle Konzertveranstalter verschickt wird. Vorbemerkung: Bei diesen Gedanken handelt es sich nicht um Vorschriften, sondern lediglich Empfehlungen mit dem Ziel, die Auslastung von Konzertsälen und anderen Aufführungsstätten zu erhöhen!


    Helau!


    Ich lese Euch die Expertise vor, welche unser Amtsschimmel in Sachen Hochkultur zusammengeschimmelt hat – und Ihr werdet staunen:


    „Die Ethnologen, welche sich mit der „Neuerungsfeindlichkeit“ sogenannter „Naturvölker“ beschäftigen, haben angesichts des Phänomens der Überalterung in den westlichen Industriegesellschaften (auch als „Rentnerschwemme“ bekannt) das Thema „Altersstarrsinn“ für sich entdeckt. Das Ergebnis der inzwischen – in Zusammenarbeit mit Medizinern und Gehirnphysiologen – veröffentlichten wissenschaftlichen Studien ist bemerkenswert: Bei männlichen und weiblichen Personen ab einem Alter von 55 Jahren finden sich Verkrustungen im Gehirn, welche die Fähigkeit zur Aufnahme neuer Gedanken nicht unerheblich erschweren. Im Gegensatz zu einer Demenz-Erkrankung neigen die betroffenen höheren Altersgruppen dazu, nur noch ihre schönen Erinnerungen zu reproduzieren, sich also auf das Gewesene und schon Dagewesene zu fixieren. Das Phänomen ist unter dem Begriff der „Neuerungsfeindlichkeit aufgrund von Gehirnverkalkung“ in die Forschung eingegangen und hat sich dort inzwischen fest etabliert. Dazu gehört auch die manische Sucht, ein Werk unbedingt auch wie ein Werk „werktreu“ aufgeführt bekommen zu wollen. Die „Alten“ mit ihren Gehirnverkrustungen und der daraus folgenden Neuerungsfeindlichkeit stellen ein erhebliches Problem dar, was die öffentlichen Kassen unnötig belastet. Neuerungsfeindliche Aufführungen, die nur noch „alte Leute“ interessieren, haben eine mangelhafte Auslastung der Konzerthäuser zur Folge. Kommerzielle Konzertveranstalter buchen keine Säle mehr, mit denen die klammen Geldsäcke der Kommunen gefüllt werden könnten. Während sich bei den Theatern durch das glorreiche Regietheater die Zustände merklich gebessert haben, sieht es bei Konzertveranstaltungen leider immer noch düster aus. Dem Symphoniekonzert und Klavierabend bleibt das junge Volk fern. Es ist daher dringend ratsam, die folgenden Vorschläge in die Tat umzusetzen, damit die öffentlich geförderte Kultur nicht schon sehr bald an ihren Kulturträgern, den „Alten“, also Rentnern und allen anderen Vergreisten im Kopf, zugrunde geht:


    1. Publikumsmagneten für´s junge Volk wie Yuja Wang und Katia Buniatishvili machen es mit ihrem Exhibitionismus vor, wie es heute nur geht: Mit reichlich zur Schau gestelltem nackten Fleisch wird auch der Klavierabend zum Pop-Spektakel. Also bitte schön: noch mehr Bein und Busen zeigen, ein Kleid mit gaaaanz tiefem Ausschnitt möglichst bis zum Popo, dann kommen die jungen Leute auch zu „Werken“ von Beethoven und Chopin und der Saal ist garantiert voll! Man isst ja auch keinen trockenen Kuchen ohne Schlagsahne – deshalb ist ein veraltetes, im Grunde ungenießbares „Werk“ auch nur ästhetisch genießbar, wenn zugleich auf der Bühne als attraktionsfördernde „Zugabe“ gewissermaßen ein Spektakel für das Auge geboten wird. Sexy Weibchen wie Yuja Wang hübschen den ollen Beethoven mit ihrem Body auf und verjüngen so die altmodischen „Werke“.“


    Ich unterbreche hier für ein kräftiges


    Helau!


    … und fahre fort mit der Komödie:


    „Die Sexualisierung reicht jedoch nicht, um einen Klavierabend z.B. für die Jugend von heute attraktiv zu gestalten. Bei weitem weitreichendere Veränderungen sind erforderlich, damit ein Konzert keine „Altenheimveranstaltung“ mehr ist:


    2. „Werke“ sollten nach Möglichkeit niemals mehr ganz aufgeführt werden für ein junges Publikum, das eines garantiert nicht hat: Geduld zum langen Zuhören! Das Regietheater lehrt uns: Es gibt keine Verpflichtung, das, was ein Werk ist, auch als ein Werk aufzuführen. Also: Ratsam ist ein buntes Potpourri zu präsentieren, wie auf diesen CDs mit Verschnitt-Programmen „Musik zum Chillen“: Ein Appetithäppchen Beethoven (Mondscheinsonate 1. Satz), garniert mit einer Sahnehaube Mozart (natürlich den türkischen Marsch aus der Klaviersonate KV Weißichnicht, ist ja auch egal, weil nicht verbindlich) und – natürlich, der Vocalise von Rachmaninow…


    3. Der reine Klavierabend war eine idiotische Erfindung von diesem verrückten Klavier-Egomanen Franz Liszt. Die Diktatur des Klaviers und des Konzertpianisten muss endlich beendet werden! Zurückzukehren ist zu den demokratischen Zuständen früherer Zeiten: Das Klavier darf kein Primus zu sein, es muss zum Fernerliefen eines gemischten Konzert-Theaterabends zu Unterhaltung herabgesetzt werden, wie es vor Liszt üblich war: auf eine oder mehrere Gesangsdarbietungen, Duospiel, ein Satz aus einem Streichquartett, eine Balletteinlage usw. usw. folgt irgendwann auch mal ein Klavierstückchen. Zeitgemäß „aktualisiert“ heißt das: erst ein Popsong, dann ein bisschen Brahms, danach vielleicht eine orientalische Bauchtänzerin oder auch ein Striptease von schönen Männern in Unterhosen für die junge Damenwelt – und natürlich: alles eingebunden in eine perfekte Show mit Licht- und Leuchteffekten. Ein Konzert muss wieder Entertainment sein! Der Konzertsaal ist doch keine Kirche, wo nur gepredigt wird und auch nicht der Hörsaal an einer Universität. Wie sagte doch Vladimir Horowitz: „A concert is not a lecture!“


    4. Und natürlich: Auch ein Konzertabend, wenn es Regietheater sein soll, braucht wie einst das Barockzeitalter den Zeremonienmeister einen Regisseur. Die Kissins oder Perahias dürfen also nicht mehr länger über ihr Programm selbst entscheiden, und – nicht nur das! Ob sie überhaupt kommen sollen, ist eine Gnade des Regisseurs, der als absolute Herrscher über sein Klavierabend-Theaterkunstwerk so souverän entscheidet wie einst der französische König Ludwig der XIV. über seinen Staat und seine Untertanen. Vielleicht befiehlt er dann Kissin und Perahia das, was Friedrich Gulda freiwillig tat: nackt aufzutreten! Das tun sie dann entweder unfreiwillig oder werden jetzt und in Zukunft nicht mehr engagiert. Dann bleibt ihnen als Wirkungsstätte wirklich nur noch das Kurkonzert. Aber so weit muss es ja nicht kommen – denn es gilt auch für den Klavierabend der Wahlspruch des Regietheaters:


    „Nichts ist unmöglich, Toyota!““


    Helau!


    Hat Ihnen diese Büttenrede gefallen, wertes Karnevalspublikum? Wenn nein – ab zum nächsten garantiert bierernst werktreuen Kurkonzert! Da habt Ihr dann aber gar nichts mehr zu lachen. Ätsch!


    Auf all das ein dreifaches:


    Helau!


    Helau!


    Helau!

    Wiederbegegnung


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    Die Düsseldorfer Musikbücherei (Teil der Stadtbücherei) war für mich als Jungstudent wie für viele andere Studenten oder selbst nur Musikinteressierte auch ein wahrer Glücksfall. Zu einer großen Bücher- und Notensammlung – die oft auch die Universitätsbibliothek nicht bieten konnte – kam vor allem die Abteilung mit ausleihbaren Schallplatten (später dann CDs). Die Platten nahm man sich nach Hause und überspielte sie mit dem Cassettenrecorder auf eine Musi-Cassette. Darunter war damals die Platte der Brahms-Klaviersonaten Nr. 1 und Nr. 2 des jungen Krystian Zimerman. Die Aufnahme beeindruckte mich ähnlich wie Pollinis erste Schubert-Platte mit der Wanderer-Fantasie und der Sonate a-moll als ein Ideal von vollendet schönem Klavierspiel. Keine andere Aufnahme – Claudio Arrau nicht und Svjatoslav Richter nicht – hat mich jemals so einnehmen können wie diese Einspielung von Zimerman. Gerne hätte ich auch die CD gehabt – aber sie erschien einfach nicht. Da mein Cassettendeck längst nicht mehr spielbar ist, konnte ich über die Aufnahme nicht mehr verfügen. Es blieb die wehmütige Erinnerung an eine gleichsam „über“-schöne Aufnahme. Man kennt inzwischen die Skrupel von Zimerman, das, was ihm aus seinen frühen Zeiten nicht mehr gut genug scheint, einfach nicht mehr zu veröffentlichen oder gar nicht erst zu veröffentlichen. So nahm er u.a. Schuberts Sonate B-Dur D 960 auf – um sie dann dem Vergessen anheimzugeben und nach Jahrzehnten erneut aufzunehmen.


    Dankbar bin ich deshalb, diese Aufnahmen nun wenigstens als mp3-Dateien verfügbar zu haben. Und die Wiederbegegnung bestätigt meine Begeisterung von damals. Krystian Zimermans unglaubliche pianistische Souveränität bewältigt diese wuchtigen Brahms-Sonaten-Bauwerke mit einer Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit, so, als dirigiere hier ein Dirigent sein Orchester. Da ist alles perfekt ausbalanciert: Dieser Brahms hat Wucht und Gewicht, ohne jemals schwerfällig zu wirken, die Musik hat durchaus Schumannsche Lebendigkeit bei Zimerman, ohne aber ins vordergründige Stürmen und Drängen abzugleiten. Zimerman versteht es, Brahms seine seriöse romantische Klassizität zu belassen mit dem Formsinn und der Übersicht über das Ganze eines Wanderers über dem Nebelmeer: Musik als romantische Schau auf ein Universum. Die gewisse Schwermut und grüblerische Tiefe ist da, aber vorgetragen ohne aufgesetztes Expressivo mit dieser gewissen jugendlichen Leichtigkeit, die aber niemals leichtsinnig wird, sondern die Brahmssche Strenge wahrt. Und dann ist da noch der unglaubliche Klangsinn in den „mystischen“ Sehnsuchts-Passagen im Pianissimo. Einfach nur bewundernswert! Eine der wenigen Interpretationen, die es verdienen, „ideal“ genannt zu werden. Ob Krystian der DGG doch noch einmal die Erlaubnis gibt, dieses Ereignis aus früheren Tagen zu veröffentlichen?



    Wie nicht anders zu erwarten ist natürlich auch sein Szymanowski überragend gespielt. Das Zustandekommen dieser CD-Veröffentlichung ist typisch Zimermann: Es ist die Vervollständigung eines Programms, was er vor drei (!) Jahrzehnten begonnen hatte, aufzunehmen. Die Zusammenstellung enthält ganz frühe Kompositionen Szymanowskis, wo der große Einfluss von Scriabin überdeutlich ist. Szymanowski ist ein Komponist, den ich am ehesten mit dem Bulgaren Pancho Vladigerov vergleichen würde, der anders als Strawinsky, Prokofieff oder Rachmaninow nicht über eine eigene, homogene Musiksprache verfügt, sondern sehr heterogen diverse Einflussquellen der Musik des 20. Jhd. verarbeitet und ihr dabei eine sehr eigene Note hinzufügt. Sehr lesenswert ist auch der Klappentext, wo Zimermans enge Beziehung zu Artur Rubinstein deutlich wird. Er habe zuerst „Todesangst“ gehabt, als er ihm vorspielen musste, bevor er sich dann mit ihm befreundete und ihn regelmäßig aufsuchte. Erst heute verstehe er richtig vieles von dem, was Rubinstein damals zu ihm sagte. Seine Begeisterung für Szymanowski verdankt Zimerman Artur Rubinstein, der Szymanowskis enger Freund war.


    :) :) :)

    1. Werktreue und Antisemitismus


    „Du sollst nicht die Ehe brechen!“ – sagt eines der Zehn Gebote. Wenn im Männlein oder Weiblein die Hormone sprießen, gehen sie vielleicht fremd. „Treu“ sind diese Fremdgänger ihrem Ehepartner dann allerdings nicht mehr. Ich glaube, Jedermann versteht ganz leicht diesen Sinn – sogar dem Fremdgänger, der nicht „bibelfest“ ist, wird sich der Sinn dieser Moral nicht verschließen. Was sich mir allerdings nicht erschließt, ist die folgende, sehr merkwürdige Reductio an absurdum:


    „Wer „werktreu“ sein will, muss auch zum Antisemiten werden, wenn der Antisemitismus im Werk steckt. Weil man aber natürlich kein Antisemit sein kann und darf, kann auch Werktreue kein Gebot sein.“


    Ist dies nicht einleuchtend mit Blick auf Richard Wagner?


    https://www.handelsblatt.com/a…wagners-werk/8217944.html


    Das „Argument“ ist: Wer „werktreu“ sein will, müsse zwangsläufig in alle Fallen tappen, die das Werk aufstellt, also auch die des Antisemitismus. Man sei also verpflichtet, einer Judenkarikatur bei Wagner „auf den Leim“ zu gehen, nimmt man es mit der „Treue“ Wagners Werk gegenüber wirklich genau. Die Schlussfolgerung ist aber ganz einfach falsch. Treue in der Ehe heißt ja auch nicht, dass man schlechterdings alles akzeptieren und für richtig befinden müsste, was der Ehepartner tut. Würde das Argument stimmen, dann bestände die Treuepflicht selbst gegenüber der schlechten Tat eines Fremdgängers, d.h. die betrogene Ehefrau oder der betrogene Ehemann müsste diese Verfehlung ihres Partners uneingeschränkt akzeptieren. Das ist aber offensichtlich absurd und zeigt: Genauso wenig, wie die Treue zu einer Person zu verwechseln ist mit der Treue gegenüber allem und jedem, was diese Person tut, ist die Treue zum Werk gleichzusetzen mit einer vermeintlichen Treue gegenüber allen Teilen und einzelnen Bestandteilen eines Werks. Und: Zur Treue gehört letztlich auch die Verantwortung im Sinne einer Sorgeverpflichtung, die man für den Anderen übernimmt, ihn vor Dingen zu bewahren, die ihm selber schaden: Wer fremdgeht, wird sich selber untreu und untergräbt seine eigene Moral. Wagners Ring ist nunmal nicht Jud Süß. Das antisemitische Propaganda-Machwerk der Nazis führt man einfach nicht mehr im Kino vor und kann es nicht vorführen, weil es durch und durch verlogen ist, eine antisemitische Verführung. Wagners Ring dagegen hat uns auch heute noch etwas Wesentliches zu sagen und wird deshalb aufgeführt. Wer wirklich „werktreu“ ist, schützt das Wesentliche und Bewahrenswerte vor dem Unwesentlichen und Vergänglichen, also Wagner vor sich selbst und in Bezug auf Wagners Werk das, was es zu einem wirklich großen Werk macht, vor dem, was es klein erscheinen lässt und ihm seine Größe nimmt: hier vor seinen antisemitischen Konnotationen. Das kann freilich auf sehr unterschiedliche Weise geschehen. Nur eines kann man nicht, ignorieren, dass zur Tiefe von Wagners künstlerischer Schöpfung auch die Peinlichkeit der Untiefe des Antisemitismus gehört wie zwei Seiten ein und derselben Medaille. „Werktreue“ gegenüber einem Werk mit antisemitischen Zügen zeigen heißt deshalb, dass man auch diese „problematische“ Seite des Werks verbindlich nimmt – (Werk-)Verbindlichkeiten sind nämlich sowohl das Unproblematische wie das Problematische. Beides gehört untrennbar zusammen. Sowohl auf das Unproblematische wie auch die „Problemzonen“ des Werkes heißt es deshalb eine verbindliche Antwort zu geben – beim Problematischen ist die Antwort dann allerdings unausweichlich eine kritische Antwort.


    Um es am Beispiel von Richard Wagner zu demonstrieren: Auch Jens-Malte Fischer wird nicht behaupten, dass Loge nur eine Judenkarikatur ist. Kritik kommt von griech. krinein, was auf Deutsch heißt: trennen, scheiden. Die Figur ist vielschichtig und die Aufgabe der Inszenierung ist es deshalb, das Unproblematische vom Problematischen, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu scheiden, was dann in der Aufführung konkret heißen kann die Dinge durch die jeweils gewählten Darstellungsmittel anders und nicht etwa gleich zu behandeln, indem man beispielsweise die Judenkarikatur so überzeichnet, dass sie selber zur Karikatur wird in der Absicht, die kompromittierende Schwäche des Werks wie auch des Publikums, dass diese goutiert, offenzulegen und damit zu entlarven. Oder aber man eliminiert die Züge der Judenkarikatur und zeigt allein das, was an dieser Figur wesentlich für das Werk und den dramatischen Werkzusammenhang ist. Denn nicht alles in einem Werk ist auch gleich wichtig für ein Werk. Deswegen mag ich den Begriff „Werktreue“ eigentlich nicht, weil da zu viel von „Buchstabentreue“ mitschwingt, und spreche lieber von „Werkgerechtigkeit“. Dazu, dem Werk gerecht zu werden, gehört eben auch unverzichtbar die Werkkritik, was freilich den Erkenntnisprozess voraussetzt, in dem sich das Wesentliche und Substantielle vom Unwesentlichen und Akzidentellen, das Unverzichtbare vom Verzichtbaren, scheidet.


    Manche CDs kauft man nach dem Motto: „… das könnte interessant sein!“ So geschehen im Falle von Janine Jansens Album 12 Stradivari. Einmal habe ich eine „Schwäche“ für das Duo Klavier und Violine – oh Verzeihung, lieber Leser, als närrischer Liebhaber des Klaviers habe ich unhöflich gegenüber der Geigenspielerin mein Lieblingsinstrument doch glatt zuerst genannt! Deshalb entschuldige ich mich auch gleich mit der folgenden Anekdote, die Artur Rubinstein mit dem ihm eigenen Humor erzählt. Für Beethoven spielte im Klaviertrio nicht etwa die Violine, sondern das Klavier die „erste Geige“. Denn die Bezeichnung des Komponisten lautet „Trio für Klavier, Violine und Violoncello“. Rubinstein, Heifetz und Piatigorsky bildeten ein berühmtes Trio, das man damals auch das „Million Dollar-Trio“ nannte. Jascha Heifetz war – so Artur Rubinstein – ein bisschen eitel. Auf einem Pausen-Spaziergang während der Aufnahmesitzungen meinte er zu Rubinstein, es sei doch sehr ungerecht, dass immer er, Rubinstein, der Pianist, auf dem Plattencover zuerst geschrieben stehe. Das sei „undemokratisch“ – warum könne nicht einmal er, Heifetz, oder dann auch mal Freund Piatigorsky als Erster genannt werden? Rubinstein blieb aber stur und standfest und verwies sachverständig auf Beethovens Notentext: „Das ist nicht ungerecht. Da steht Schwarz auf Weiß über den Noten: Trio für Klavier, Violine und Violoncello - und deshalb muss es auch immer genau so heißen: Rubinstein, Heifetz, Piatigorsky.“ Heifetz stellte Rubinsteins Antwort aber nicht zufrieden. Er nörgelte weiter. Da platzte Rubinstein schließlich der Kragen: „Weißt Du, Heifetz, selbst wenn an Deiner Stelle Gott höchstpersönlich die Violine spielen würde, stände nachher auf dem Plattencover: Rubinstein. Gott, Piatigorsky“. Aber kommen wir zurück zu Janine Jansen. Der zweite Grund, warum ich diese CD in meine Sammlung eingefügt habe ist die Geigerin, über die ich immer wieder Lobeshymnen las, aber keine CD von ihr besessen hatte. Und schließlich faszinierte mich das Programm. Itzhak Perlman nahm seine Bach-Platte auf seinen zwei verschiedenen Geigen auf, einer Guarneri und einer Stradivari. Ein sehr reizvoller Vergleich. Und hier sind es gleich zwölf verschiedene Stradivaris!


    Stradivari-Geigen sind bis heute „Kult“ und man fragt sich natürlich, wie es möglich war, für diese Aufnahme gleich zwölf dieser „Wundergeigen“ zusammenzubekommen. Die Antwort gibt das Nachwort, das unterschrieben ist mit: Steven Smith J&A Beare Ltd. Die New York Times bezeichnete Charles Beare einmal als „weltweit angesehensten Geigenhändler“. Die Familie Beare handelt mit Geigen seit mehr als 150 Jahren – die Geschichte des Familienunternehmens Beare ist hier nachzulesen:


    https://www.corilon.com/biblio…tise-im-wandel-der-zeiten


    Das von John Beare 1865 gegründete Unternehmen hat sich immer wieder verzweigt, zuletzt fusionierte es 1998 mit „Morris and Smith“:


    „1998 begann das jüngste Kapitel in der Geschichte von „Beares“, als sich das Traditionsunternehmen mit dem Londoner Streichinstrumentenhändler „Morris and Smith“; vereinigte, um fortan unter der Marke „J & A Beare“ aufzutreten. Facettenreicher Sachverstand zeichnet die neue Geschäftsführung aus, die in dem Cellisten Simon Morris, dem Violinisten Steven Smith und der ehemaligen Christie´s-Direktorin Frances Gillham besteht – und in Charles Beare und seinem Sohn Peter, als jüngstem Beare bei Beares, der seine Kunst an der Geigenbauschule von Salt Lake City erlernt hat. Nach seiner Rückkehr in die familiäre Werkstatt arbeitete Peter Beare als Restaurateur, um seine Kenntnisse später durch Aufenthalte bei Etienne Vatelot in Paris, Premysl und Jan Spidlen in Prag und bei Carl Becker in Chicago zu vervollkommnen. Ein Schwerpunkt in der Arbeit von Peter Beare ist der Bau neuer Instrumente, der seit den späten 1980er Jahren unter der Mitarbeit von Christoph Götting wieder ein wichtiger Arbeitsbereich bei J & A Beare geworden war.“


    Steven Smith hat dieses Album wohl initiiert – im Zusammenhang mit einer „sechsbändigen Stradivari-Sammlung“, die er als „ultimative Stradivari Ikonographie” bezeichnet mit dazugehörigem Dokumentarfilm. Antonio Stradivari erreichte ein für die Barockzeit biblisches Alter von 93 Jahren. In seiner Werkstatt in Cremona wurden etwa 1200 Geigen hergestellt – von denen sich etwa 700 erhalten haben. Die berühmtesten Instrumente tragen die Namen der großen Violinisten, die sie spielten. Hier in dieser Aufnahme verwendet Janine Jansen u.a. die Stradivaris von Fritz Kreisler, Ida Haendel und Nathan Milstein. Ihr Instrument ist seit 2016 die Stradivari „Rivaz, Baron Gutmann“ von 1707.


    Diese CD ist wahrlich ein „Ohrenschmaus“ – gerade unter dem Kopfhörer. Die aus einer Musikerfamilie aus Utrecht stammende Janine Jansen wählte zunächst wie ihr Bruder das Cello als ihr Instrument. Und dies merkt man – ein Mstislav Rostropovich z.B. mochte den etwas gläsernen und in den Höhen schrillen Geigenklang nicht. Janine Jansens sehr sinnlicher Geigenton klingt so sonor und warm, als würde ihr Bogen nicht über die Saiten einer Violine, sondern die eines Violoncello streichen. Sehr klug hat sie das jeweilige Instrument für das spezielle Musikstück ausgewählt – die klangliche Verwandtschaft der Stradivaris ist natürlich gegeben, aber auch die Unterschiede sind deutlich hörbar – die Instrumente klingen mal heller, mal dunkler, mal schlanker oder voller im Ton. Janine Jansen ist eine Geigerin, die mit ihrem Instrument wahrlich „verwachsen“ ist. Ein Klavier ist und bleibt ein mechanisches Instrument, das für den Spieler in gewissem Sinne immer ein Fremdkörper bleibt. Emil Gilels meinte deshalb einmal, der Flügel sei für den Pianisten ein Koloss, den er sich erst unterwerfen müsse. „Geigerischer“ als Janine Jansen kann man wohl kaum spielen – sie lässt ihr Instrument so lebendig und intim „singen“, als wäre es die Stimme eine Operndiva, die aus ihrer Brust heraustönt, mit einer kaum glaublichen Ausdruckspalette und unerhörten Nuancen, feinen und feinsten Schwellungen des Tones bis ins äußerste Pianissimo. Und dazu passt auch das Programm – es werden geigerische „Delikatessen“ präsentiert, wie man sie im Konzertsaal als Zugabenstücke vorgeführt bekommt, als „süßen Nachtisch“ zum musikalischen Hauptgericht gleichsam. Das Tolle dabei ist: All dies wirkt keineswegs kitschig-sentimental – man genießt geigerische Präziosen, mit flexibelster Empfindsamkeit gespielt. Hier passt alles zusammen: Das Album hat letztlich den Sinn, dass nicht das Instrument die Stücke, sondern die Stücke das Instrument präsentieren, die Violine und was sie kann als Instrument – mit den Gipfeln der Geigenbaukunst, den wunderbaren Stradivaris. Fritz Kreislers Instrument eröffnet das Programm – mit zweien von Fritz Kreislers viel gespielten Arrangements. Es folgen die bei einer solchen Programmzusammenstellung zu erwarteten „Appetithäppchen“ – nicht also das ganze Werk von Robert und Clara Schumann, sondern das, was sich empfindsam vortragen lässt: die langsamen Sätze. Dabei sorgt Janine Jansen für Abwechslung – zu viel gleichförmige Sentimentalität drohte in seiner Versammlung eintönig zu werden – mit einem Gang durch die Epochen und verschiedenen musikalischen Stile, der geschickten Mischung von Unterhaltsamem und Ernstem, von Romantischem, Spätromantischem mit Modernem: Kreisler, Vieuxtemps, Tschaikowsky und Rachmaninow sind bei einem solchen Recital erwartbar, aber nicht unbedingt Ravels Vocalise oder Szymanowskis spekulativ-phantasievolle Mythes. Eine Entdeckung ist für mich der „Seufzer“, Sospiri op. 70, ein Arrangement für Violine und Klavier, von Edvard Elgar – ein tief empfundenes und das Gemüt bewegende Stück.


    Zum Schluss sei die Frage gestattet: Gibt es zu dieser wunderschönen CD auch kritische Töne anzumerken? Ja, aber auch nur vielleicht. Janine Jansen ist vom Typ der ausdrucksstarken, hoch empfindsamen virtuosen Geigerinnen. Eine Ginette Neveu spielt Ravels melancholische Habanera-Vocalise ebenfalls hoch expressiv, aber deutlich herber, mit der gewissen iberischen Trockenheit, die zu dieser Musik gehört, die eben doch etwas Anders ist als nur weiche – um nicht zu sagen weichliche – empfindsame Romantik. Und auch ein Nathan Milstein, dessen Stradivari Janine Jansen vorführt, hätte den Schumann sicher formstrenger und im Ton gefasster vorgetragen. Aber das schmälert das Glück und die Freude, der schönen Musik auf dieser CD unter dem Kopfhörer zu lauschen, in keiner Weise.


    :) :) :)

    1. KHV mit DAC

    Die Quelle ist der Streamer CXN V2 . Wenn per Output auf den KHV gehe würde dann der KHV wandeln? Dafür spricht das ich von meinem Bluray Player dort per Cox reingehen kann.

    ... dann musst Du beim Streamer den digitalen Ausgang nehmen und beim KHV mit DAC den digitalen Eingang...

    2. KHV ohne DAC

    Da müsste ich ja per Chinch rein oder per XLR

    ... dafür brauchst Du dann das gewandelte Signal - das müsste (ich habe auf die Rückseite des CXN V2 geschaut) der Line out-Ausgang ("Balanced Audio Output") sein, wenn der Kopfhörerverstärker keine symmetrischen, sondern nur coaxiale Anschlüsse hat. ;) :hello:

    Manche musikalische Werke vollziehen einen Kreis – das Ende läuft in den Anfang zurück. Einen solchen Kreisgang nehmen kann auch der Gang des Lebens, so wie in meiner Kopfhörer-Geschichte. Als Jungstudent kaufte ich mir zuerst einen Stax-Kopfhörer und erst später meine ersten Lautsprecher. Mit den Jahren, von den Vorzügen großer Standlautsprecher eingenommen, entwöhnte ich mich vom Kopfhörer-Hören fast komplett. Heute aber freue ich mich über die kleine Kopfhörer-Anlage in meinem Souterrain-Arbeitszimmerchen, eingerichtet zum Musik-Lauschen zu jeder Tages- und Nachtzeit. Das Wiedereingewöhnen in das Kopfhörer-Hören nach Jahrzehnten der Kopfhörer-Abstinenz fiel mir leichter, als ich zunächst dachte. Unter der Abgeschlossenheit des Kopfhörers hört Musik nicht nur auf, ein störendes Geräusch und eine Belästigung für die Mitmenschen zu sein. Das Hören und Zuhören wird zu einem Lauschen in die Stille, das den Hörer zu einer fast meditativen Konzentration zwingen kann. Die Welt ist quasi ausgeschaltet und man ist umgeben nur noch von der Musik, also mit sich und der Musik ganz allein. In solch esoterischer Abgeschiedenheit brauche ich auf Niemanden Rücksicht zu nehmen, folge also wie es mir beliebt meiner Lust und Laune, sei es, dass ich in diese oder jene Musik kurz hineinlausche, wenn die Hörzeit bemessen ist, oder, wenn ich mir die Zeit nehmen kann und will, ausgiebig und ausschweifend mir auch lange, ganze Werke zu Gemüte führe. „In der Religion gibt es keinen Zwang“ sagt schön der Koran – in der Kopfhörer-Klausur privatissime gibt es das Glück der vollkommenen Zwanglosigkeit. Wenn man mit der Musik allein ist, lädt sie zum Sinnieren ein – ganz zwanglos darf man einfach nur assoziieren, Bilder gehen einem dann durch den Kopf, oder aber es kommen die Gedanken, Einfällen gleich, so wie sie wollen – sie können flüchtig, vorläufig, unausgereift sein und bleiben oder gründlicher in die Tiefe gehen. Im esoterischen Zwiegespräch mit die Musik gibt es auch keine „Argumente“. Gedanken, die ganz privat nur meine Gedanken sind, müssen und wollen sich Niemandem „beweisen“ und deshalb „diskutiere" ich mein Hörtagebuch auch nicht. Wer möchte, kann diese Notizen als Anregungen nehmen, als Anreiz zum Nachhören der gehörten Musik – und dabei vielleicht einige meiner Gedanken aufnehmen und mitnehmen für seine eigene stille Kammer des Meditierens über Musik.


    Born_Juergen_01.jpg


    Die folgende CD-Besprechung widme ich meinem verehrten Lehrer, Germanistik-Professor Jürgen Born, 1927 in Danzig geboren, ehemaliger Leiter der Forschungsstelle für Prager deutsche Literatur an der Bergischen Universität Wuppertal. Von meinem Vater erhielt ich kürzlich die traurige Nachricht, dass sein Freund Jürgen Born am 20.1. im Alter von 95 Jahren verstarb.



    Wahrlich tragisch für einen „Handwerker“, wie es ein Pianist nun einmal ist, brach sich Nelson Freire zu Beginn der Corona-Pandemie 2019 zuerst die Schulter und Monate später auch noch das linke Handgelenk dazu. Während der durch die Corona-Isolation und seine Missgeschicke doppelt erzwungenen künstlerischen Pause hatte Freire offenbar große Angst, vergessen zu werden, wie sein Produzent Dominic Fyfe berichtet. Viel zu früh verließ Freire unsere Welt dann am 1. November 2021. Der Titel dieser Doppel-CD Memories spricht es aus: Die Erinnerung an diesen großartigen Pianisten soll mit dieser Veröffentlichung wach gehalten werden, die bislang unveröffentlichte Aufnahmen aus vier Jahrzehnten zusammenbringt – Rundfunkmitschnitte aus den 1970igern sowie im Tonstudio verbliebene Takes aus seiner Zeit bei Decca. Unvergossene Tränen: Erinnerungen an Nelson Freire – in seinem sehr persönlich geschriebenen Begleittext erzählt Dominic Fyfe, wie er in einem Telefonat mit Freire vom Tod seiner Eltern sprach, die er innerhalb eines Monats verlor, und der sehr scheue und äußerst zurückhaltende Künstler daraufhin verriet: „Ich habe meine Eltern mit 22 bei einem schrecklichen Unfall verloren, bei dem ich dabei war. Diese Erinnerung behältst du dein ganzes Leben lang.“ Dieses traumatische Erlebnis erklärt vielleicht die vornehme Zurückhaltung, die ungemein kultivierte, freundliche Reserviertheit von Nelson Freires Künstlerpersönlichkeit. Freire war nie der burschikose, auftrumpfende Virtuose, sondern selbst in den „pianistischsten“, vitalsten Virtuosen-Passagen ein Meister der stillen, eleganten Behutsamkeit. Sehr eindrucksvoll zeigt das der Rundfunkmitschnitt von Beethovens 4. Klavierkonzert von 1972. Freire spielt diesen Beethoven jugendlich frisch, aber ohne jemals forsch zu wirken, mit einer einnehmenden klassischen Eleganz und poetischen Wärme. Der langsame Satz berührt durch seine feine, warmherzige Empfindsamkeit. Das ist einfach wunderbar! Ein Glücksgriff ist auch, dass Freire die heute nahezu vergessenen Kadenzen von Camille Saint-Saëns spielt, die in ihrer Ausdehnung und ihrem musikalischen Gewicht eine eigenständige Komposition in der Komposition sind, eine Auseinandersetzung des Virtuoesen-Komponisten Saint-Saëns mit Beethoven. Beethovens vielleicht „romantischstes“ Klavierkonzert spiegelt sich so im spätromantischen Geist. Gerade auch das macht diese Aufnahme zu einer herausragenden. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Freires lebenslange Freundin Martha Argerich, die Beethovens "mystisches" 4. Konzert ganz besonders liebt und sich genau deshalb bis heute nicht traut, es selbst aufzuführen, diese Freire-Aufnahme sehr mögen wird. Auch das Jahrzehnte bei DECCA später aufgenommene Andante favori ist ein wirklicher Hörgenuss. Jussi Björlings Stimme singe wie „unvergossene Tränen“, meinte einst ein Kritiker. Hier kann man Dominic Fyfe in seiner Bewunderung für Freires einzigartig berührendem Vortrag der Mélodie von Gluck/Sgambati nur beipflichten und ergänzen: Unvergossene Tränen traurig-schöner Erinnerung schmeicheln hier unseren Ohren. Nelson Freire liebte dieses Stück ganz besonders. In einem Video-Mitschnitt legt Freire eine Schallplatte seiner Lehrerin Guiomar Novaes auf, die eben dieses Stück gerne spielte. Kurios: Der Übersetzer aus dem Englischen macht aus der bedeutenden brasilianischen Pianistin (ihre unvergleichlich rhythmisch-nuanciert gespielten Chopin-Nocturnes sollte man gehört haben!), an die sich heute offenbar kaum noch Jemand erinnert und die er offenbar nicht kannte, einen „Pianisten“, also einen Mann! Ich freue mich schon darauf, meine Entdeckungsreise dieser Freire-Memories demnächst fortzusetzen.

    hier sind zwei Berichte des Nachfolgers deines SACD Players (oh ob das mit dem Genitiv passt weiß ich nicht …)

    Lieber Michael,


    herzlichen Dank für die Nachricht und die Links! :) Das ist sehr erfreulich! Denon war immer mit einer der führenden Hersteller bei CD-Spielern - dass sie immer noch an der Technologie arbeiten und sie weiter entwickeln, zeigt, dass sie die gute alte SACD/CD längst nicht abgeschrieben haben. ^^ Und dies ist wenn ich es richtig überblicke der einzige SACD-Player im "gutbürgerlich bezahlbaren" Bereich. Die anderen (Marantz z.B.) bieten Geräte erst ab 3000 Euro an und haben ihre presiwerten Modelle, die sie mal Programm hatten, alle gestrichen. Das Laufwerk ist dasselbe wie beim DCD 1600 NE, modifiziert haben sie wohl die Wandlerelektronik, vielleicht vor allem wegen HiRes. Da kann man gespannt auf die Testberichte warten. Die Typenbezeichnung weicht etwas von der Denon-Tradition ab. 1986 gab es einen DCD 1700 (das war Zwischenmodell zum DCD 1500, den ich damals kaufte und dem DCD 3300), das etwas teurer war. Eigentlich ist das die Fortsetzung der 1500er Serie (damals 1500 DM, heute 1500 Euro). Nächste Woche hoffe ich meine Anlage endlich aufbauen zu können ... :hello:


    Schöne Grüße

    Holger

    Nachdem der Reparateur meines Vertrauens mir mitteilen musste, dass der Prozessor meines SACD-Player Sony SCD-XA 333 ES unwiderruflich nach gefühlten hunderttausenden Stunden Betrieb nach 20 Jahren nicht mehr funktioniert, rot hat er das Bauteil im Schaltschema eingekreist und mich mitleidig angesehen, habe ich mich entschieden, das gleiche Gerät wieder anzuschaffen. Die zwei Stunden Arbeitszeit habe ich ihm selbstverständlich bezahlt. Der Mann muss ja auch von etwas leben. Sein Rat: Ich solle das alte Gerät als Ersatzteil-Lager benutzen.

    Lieber Moderato,


    der Rat war auch gut. Hier


    http://www.hifi-forum.de/viewthread-185-17031.html


    schreibt einer über Probleme mit dem SCD-XA 333 ES inclusive Korrespondenzen und da steht auch in einer Antwort, dass Ersatzteile kaum zu bekommen sind.

    Nicht sehr phantasievoll, den gleichen Player zu kaufen, kann man einwenden. Doc Brown wird die Hände überm Kopf zusammenschlagen und den Kopf schütteln. :no: (Siehe sein Beitrag 583)


    Es stimmt: Die technische Entwicklung ist in den 20 Jahren fortgeschritten. Es gibt inzwischen neue Tonformate. Erstaunt hat mich, dass es das Gerät immer noch im Internet fabrikneu zu kaufen gibt.


    Ich habe aber kein Neugerät im Netz angeboten gefunden. Das wäre auch sehr merkwürdig bei einem Gerät, dass Sony laut Hifi-Wiki von 2001-2003 produzierte - also vor 20 Jahren die Produktion eingestellt wurde. Da kann es eigentlich nur noch Gebrauchtgeräte geben. Wie bist Du denn da dran gekommen?

    Warum das gleiche Gerät?


    1) Meine sehr umfangreiche Tonträgersammlung besteht ausschliesslich aus CD/SACD Scheiben. Ich werde als bekennender Haptiker bis zu meinem Lebensende keine mit einem anderen Format anschaffen.


    2) Weil er gut tönt. Mein wichtigstes Kriterium nebst ästhetischen Überlegungen. Das 9,5 kg schwere Gerät passt zum 21 kg schweren Verstärker Sony STR-VA 333 SA. Masse ist Klasse.

    Für mich ist das sehr gut nachvollziehbar. Meine AVM-Wandler-Laufwerks-DAC-Kombi ist auch auf dem technischen Stand ungefähr Deines Sony. Aber der Klang ist einfach superb. Es kommt nämlich überhaupt nicht nur auf den Wandlership an, was den Klang angeht, sondern welche Elektronik drumherum verbaut ist. Wenn sich ein Gerät harmonisch perfekt in eine Kette einfügt, würde ich es auch nicht ersetzen. :)

    Hinzufügen möchte ich noch, dass alle Komponenten in einem aus weissen Marmorplatten zusammengesetzen Gestell untergebracht sind, den mir ein Bildhauer nach meinem Plan zusammengebaut hat, um absolute Laufruhe zu garantieren. Man kann das als Spinnerei abtun. Das Ergebnis ist deutlich hörbar. Die auf Spikes ruhenden fünf Lautsprecher stehen auf 2,5 Zentimeter dicken Platten des gleichen Materials.

    Hast Du eigentlich die von Svoboda modifizierte Version? Svobodas Modifikationen von Sony-Geräten waren damals berühmt und sehr geschätzt.


    https://swobodaaudio.de/Downlo…ikation_S+_XA333_Info.pdf


    Svoboda hat gerade was die Laufwerks-Resonanzen angeht, wie man in dem Artikel oben lesen kann, einiges getan. Deshalb ist die Svoboba-Version auch 3 kg schwerer. :) Ich hatte mal vor vielen Jahren teure Unterstellfüße ausprobiert (800 Euro!). AVM hat beim CD 1-Laufwerk einen so großen Aufwand getrieben, dass ich da keine klangliche Verbesserung gehört habe. Wo aber deutlich eine Verbesserung zu spüren war, war bei meinem Billig-Technics für 300 DM (heute wären das 150 Euro). Interessant: Bei AVM haben sie das Problem auch bemerkt. Sie hatten das Laufwerk damals in Schwarz und in Chrom angeboten und bemerkt, dass das Chrom-Laufwerk besser klang und dann ein Nachrüstset für die Verkapselung des Laufwerks angeboten, damit da keine klanglichen Unterschiede mehr zwischen den Versionen hörbar sind. Die Chrom-Version hat vorne eine verchromte Messingplatte und die hat einfach deutlich mehr Masse, was sich offenbar günstig auf die Vibrationsbedämpfung auswirkt. Mir hat deshalb Jemand empfohlen, einfach eine schwere Eisenplatte oben auf das Gehäuse zu legen (ich habe die Chrom-Version). Das hat aber keinen Vorteil gebracht, fand ich. Das hängt vielleicht auch alles damit zusammen, auf welchem Rack die Geräte stehen. :hello:


    Schöne Grüße

    Holger

    Wo auch immer du das her hast: Aber du bist derjenige, der hier als ästhetischer Dogmatiker über andere Musiktheaterauffassungen hinweg eine Verbindlichkeit in den Thread hämmern wollte (und immer noch will).

    Das ist einfach Quatsch. Ich habe nicht verlangt, dass hier irgend Jemand meine Verbindlichkeiten haben muss, sondern ihn aufgefordert, seine Verbindlichkeiten zu nennen. Und dem wurde ausgewichen und sämtliche Verbindlichkeiten wurden immer wieder abgestritten. Ich habe sogar versucht, den Standpunkt, den ich nicht vertrete, sehr Ernst zu nehmen. Kein Anderer hier von den RT-Gegnern hat das getan. Das war mein Exkurs über den Konstruktivismus. Auch der wurde lächerlich gemacht - auch hier Ausflucht in die Unverbindlichkeit.

    Was aus meiner Sicht weiterhin einer deiner großen Fehler ist: die moralischen Implikationen, mit denen du hier aufwartest. Damit hattest du schon früh die Möglichkeit verschenkt, in einen reellen Dialog mit Vertretern anderer Auffassungen eintreten zu können.

    Wenn Du nur aufmerksam gelesen hättest, würdest Du bemerkt habe, dass ich versucht habe, nach Verbindlichkeiten und Gemeinsamkeiten zu suchen - man muss "Werkgerechtigkeit" nicht als buchstabentreue "Werktreue" verstehen usw. und könnte sich darauf doch einigen... Alles wurde abgelehnt. Und dann muss ich halt daraus die Konsequenzen ziehen.

    Was aus meiner Sicht weiterhin einer deiner großen Fehler ist: die moralischen Implikationen,

    Auch wenn es unpopulär ist und altmodisch konservativ wirkt: Ich bin kein Nihilist. Ich erwarte einen moralischen Anspruch auch von anderen Menschen - Künstler eingeschlossen. Wenn sie den nicht haben wollen, dann sage ich auch, was ich davon halte. Zynismus ist nicht die Haltung und das Weltverständnis, das ich zu akzeptieren bereit bin.

    Nein, das hat man nicht gelernt, weil es niemand behauptet hat. Man hat gelernt, dass Du die Frage, worauf sich denn diese von Dir immer wieder behauptete "Verbindlichkeit" gründet, nicht beantworten kannst. Wenn ich frage "Worauf gründet sich diese Verbindlichkeit" sage ich damit nicht "Es gibt keine solche Verbindlichkeit". Ich habe keine These aufgestellt sondern verlangt, dass Du Deine begründest. Aber ich habe gelernt, dass Du als selbsternannter Philosoph und Verfasser eines von Dir hochgelobten Buches eine solche Forderung für respektlos hältst. Was Du sagst, ist gefälligst endgültig und für alle Zeiten als Wahrheit anzuerkennen, selbst wenn Du gestern noch das Gegenteil gesagt hast, für das natürlich dasselbe galt.

    Das ist einfach lächerlich. Die Diskussion war lange genug und das Ergebnis kann jeder eindeutig nachlesen. Erst einmal ist es kläglich, so eine Diskussion zu personalisieren. Für nahezu jeden Geisteswissenschaftler gibt es Verbindlichkeiten in der Sache (Helmut Hofmann) und auch für die meisten Opernbesucher und auch Kunstkritiker gibt es das Bedürfnis, dass sie gerne möchten, dass der Künstler sich an solche hält. Wenn man solche Verbindlichkeiten abstreitet, ist die Behauptung, man habe Respekt vor Werken und Autoren, ein bloßes Lippenbekenntnis ohne Fundament in der Sache. Der Respekt vor dem Werk hat die Anerkennung von Verbindlichkeiten, die vom Werk her gegeben sind, zur notwendigen Voraussetzung. Das eine gibt es nicht ohne das andere. Die Erklärung, warum es solche Verbindlichkeiten gibt, habe ich mehrfach gegeben. Nur bist Du nicht Willens oder in der Lage, sie zur Kenntnis zu nehmen. Auch kannst Du ganz einfach in die Bibliothek gehen, Dir die betreffenden Bücher ausleihen und Dich mit Werktheorie beschäftigen. Da findest Du dann die Antwort.


    Außerdem missachtest Du den Sinn einer Foren-Diskussion. Hier geht es nicht um einen Privatdiskurs, sondern darum, dass Menschen vielleicht Antworten bekommen möchten auf Fragen, wofür sie bislang keine Antworten haben, eben weil sie den Sinn einer gewissen Art von Theater nicht verstehen. Da macht es keinen Sinn, immer nur eine Rechtfertigung und einen Rechtfertigungsgrund nach dem anderen vorzutragen für das, was man tut und was offenbar nicht von allen Menschen in seinem Sinn verstanden wird - was man so schlicht ignoriert.

    Ganz ehrlich, Holger, und bei allem Respekt: Das sind doch sehr apodiktische, um nicht zu sagen haltlose Urteile, die Du hier allein auf Basis einer sicherlich in keiner Weise repräsentativen und vor allem auf persönlicher Ebene vollkommen aus dem Ruder gelaufenen Diskussion fällst!

    Natürlich ist das pauschalierend und provozierend. Das bezieht sich aber - das Ergebnis zusammenfassend - auf die Diskussion und ist eben auch Ausdruck der Enttäuschung darüber, dass nichts dafür getan wurde, das irgendwie zu entkräften, was ich hier so provokant formuliert habe, sondern im Gegenteil, es mit nahezu grenzenlosem Zynismus kräftigst zu bestätigen. Es wurden die Regietheater-Dogmen "eingehämmert", mit dem Presslufthammer in den Boden gerammt wie Stahlstützen als Fundamente für ein Gebäude für die Ewigkeit. Die Frage, ob in dem Haus Jemand wohnen will oder dass man diese Art Wohnlichkeit vielleicht nicht so toll findet, interessiert nicht. Vor dieser Diskussion habe ich gerne Reich-Ranicki zitiert, dass es gutes und schlechtes Regietheater gibt. In dieser Diskussion hat man gelernt, dass der Künstler keinen Respekt vor dem Werk und dem Willen des Komponisten haben muss und keinerlei Verbindlichkeiten gegenüber Werken bestehen. Damit besteht auch kein Interesse, diese Frage zu beantworten. Woran erkennt man denn gutes oder schlechtes Regietheater? Die Frage ist schlicht nicht von Interesse! Wenn man zugesteht, dass eine Aufführung ein Werk bearbeiten darf und das dann aber an die Minimalbedingung knüpft (was nun wirklich nicht viel ist), dass man es doch erkennen können sollte als das, was es ist, also seine wesentliche Aussage und "Botschaft", der "Handlungskern", nicht einfach verschwinden darf, wird auch das als Verbindlichkeit abgestritten. Dann darf man daraus aber schlussfolgern, dass kein wirkliches Interesse an dem eigentlich Inhalt des Stückes besteht ("Werkgerechtigkeit" kommt eben dann ins Spiel, wenn man sich bemüht, den Inhalt, die "Aussage" eines Stückes unverfälscht und erkennbar wiederzugeben), sondern es nur noch darum geht, was vom Regisseur auf der Bühne daraus "Interessantes" gemacht wird. Ohne Überspitzung kann man sagen, dass es zumindest solche ins Gewicht fallenden Tendenzen gibt (welche dann die Akzeptanz von Regietheater eben auch erklären), auch wenn das absolut betrachtet eine Übertreibung ist. Es kann doch nicht sein, dass die Realität so sein darf wie in meiner Satire (wenn ChKöhn sie "grottenschlecht" nennt, dann war sie wirklich gut ^^ ), dass aus Gryphius Goethe werden kann und man das dann als Rezitation von Gryphius verkauft. Und es kann auch nicht sein, dass man ästhetische Widersprüche, die nun mal da sind (Musik, Text und Handlung passen nicht zusammen), die der Opernbesucher auch so wahrnimmt und woran er sich stört, zynisch ignoriert und man sich noch nicht einmal bemüßigt die Frage zu beantworten, warum man so etwas hinnehmen soll und wo darin ein Sinn liegen könnte.

    Oder um es auf den Punkt zu bringen: Vielleicht alle mal hinsetzen und für zwei Wochen die Schnauze halten! Dann läuft sich das vielelicht alles wieder zurecht ...

    Noch besser wäre, die ganze Diskussion für mindestens zwei Jahre zu beerdigen. Diskussionen über Regietheater bringen nichts, außer dass man seinen Standpunkt deutlich macht. Die Standpunkte sind glaube ich mehr als deutlich geworden. Es gibt keine Grundlage und nicht die geringste Verbindlichkeit in Form einer Gemeinsamkeit, auf die man sich verständigen kann. Also ist die weitere Diskussion sinnlos - und nur unerfreulich.


    Schöne Grüße

    Holger

    Natürlich nicht. Sein Problem: Er gehört auch zu den Alten. Pensionär mit zu viel Zeit. Warum führt er nicht einfach seinen Hund spazieren? Hat er keinen? Das ist schlecht.


    Ich bin übrigens für Rente ab 70. Das würde so manche Problematik entschärfen...

    Das sind die Anhänger von RT: zynisch, respektlos, interesselos und desinteressiert an ernsthaften und ernsten Fragen. Dazu erzieht RT: Wer keinen Respekt vor Werken hat und den Komponisten, hat auch keinen vor seinen Mitmenschen - gerade denen, die anders denken und deren Art zu denken und leben einem fremd ist. Nach dem Motto: Ich bin ich - und Du interessierst mich nicht! :untertauch:

    Wirklich bemerkenswert ist, dass Dr. Holger Kaletha sich in seinen ca. 140 Beiträgen im noch jungen Jahr 2023 allein weit über einhundertmal in diesem Thread zu Wort meldet ohne zu merken, dass nur noch wenige Leser sich für seine durchschnittlich fünfmal täglich veröffentlichte Meinung und Argumente interessieren. Wären wir im Theater, müsste das Haus weitere Vorstellungen mangels Nachfrage des Publikums absagen. Da zeigt sich jedoch eine Gemeinsamkeit mit dem Regisseuren des "Regietheaters", denen angeblich die Meinung des Publikums auch schnurzpiepegal ist.

    Das alles ist doch eine sehr gute Antwort darauf, warum sich Regietheater so gut hält:


    Maßstablosigkeit und Desinteresse an ästhetischen Fragen


    die Frage, was gutes oder schlechtes Theater ist (nicht nur im dramaturgisch-handwerklichen Sinne) interessiert nicht


    die offenkundigen Widersprüche von RT interessieren nicht (Handlung passt nicht zu Musik und Text...)


    der eigentliche Inhalt und die Aussage eines Stückes ("was hat uns Wagner eigentlich zu sagen?") interessiert nicht, interessant ist nur, was der Regisseur Interessantes auf die Bühne bringt.


    Jede Zeit bekommt halt die Form von Kunst, die sie verdient... :P

    Nein, ich poche nicht darauf. Du kannst auch Deine Behauptungen weiterhin einfach unbelegt lassen, kannst heute das behaupten, wofür Du gestern noch andere beschimpft hast, kannst anstelle von Argumenten noch ein paarmal auf Dein - von Dir - hochgelobtes Buch hinweisen oder grottenschlechte "Satiren" schreiben, irgendwelche Autoritäten herbeizitieren, Lügen über andere verbreiten, und Du kannst weiterhin alle beschimpfen, die nicht bereit sind, widerspruchslos alles für absolute Wahrheit zu nehmen, was Du von Dir gibst. Mit einem Satz: Du hast das unbestreitbare Recht, Dich nicht wie ein ernstzunehmender Gesprächspartner sondern wie ein aufgeplusterter Hahn zu verhalten und Dich lächerlich zu machen.

    Du solltest begriffen haben, dass die "Diskussion" mit Dir von meiner Seite beendet ist. Du kannst meinen - auch von Anderen hier als schlüssig empfundenen - Argumentationen einfach nicht folgen. Das ist nicht schlimm. Aber Dein unseriöses Auftreten hier ist nicht gerade Werbung für die Kunst, die Du vertrittst. Aber bitte, blamieren kannst Du Dich gerne weiter. Ich gehe darauf einfach nicht ein. Und damit ist endgültig Schluss von meiner Seite.

    Mein Vorschlag ist, dass Du endlich mal auf Gegenargumente eingehst, statt alle für blöd zu erklären, die nicht für unumstößliche Wahrheit halten, was immer Du von Dir gibst. Das kann schon deshalb nicht funktionieren, weil Du Deine Ansichten über das sogenannte "Regietheater" wechselst, wie andere Leute ihre Hemden:

    Mein Vorschlag ist, dass Du endlich einsiehst, dass Niemand in der Welt Dir beweispflichtig ist, wenn er nicht bereit ist, Deine schlecht begründete und einfach falsche Theatertheorie zu akzeptieren. Sei doch froh, dass Du immer noch genug gläubige Jünger hast, die Dir bedingungslos und blind Folge leisten! :P

    Aaah - BEE steht für Björn Erik Edvardsen - das Gerät für 350 Euro ist wohl "klein aber fein":


    https://nad.de/wp-content/uploads/2020/07/C515BEE.pdf


    Zitat von der NAD-Seite:


    Klangveredelt von Björn Erik Edvardsen:


    Das Kürzel „BEE“ garantiert hervorragende Klangqualität: Chefentwickler und NAD Mitbegründer Björn Erik Edvardsen
    optimierte die klanglich relevanten Bauteile und stattete den CD-Player mit einem perfekten Werks-Tuning aus.
    Vor allem die Operationsverstärker und der 24 Bit/192 kHz D/A-Wandler wurden mit besonderer Sorgfalt ausgewählt.
    Für höchste Stabilität bei der Stromversorgung werden speziell ausgesuchte, eng tolerierte Kondensatoren eingesetzt
    und digitale sowie analoge Schaltkreise separat versorgt. Die Signalweiterleitung kann wahlweise über analoge Cinch-
    Ausgänge, einen koaxialen- oder einen optischen Digitalausgang erfolgen. Durch die im Lieferumfang enthaltene
    Fernbedienung lassen sich alle Funktionen bequem vom Hörplatz aus kontrollieren.


    Im Hifi-Wiki kann man über das Gerät lesen:


    https://www.hifi-wiki.de/index.php/NAD_C_515_BEE


    :) :hello:

    Ich hatte einen NAD CD-Player gekauft und war über den Klang begeistert. Er klang ganz anders als mein alter Philips 14 Bit Oversampling Player. Ich stellte damals beim Hören via Kophörer einen BEIKLANG fest. Er war angenehm - aber auf welcher Anlage hatte ich den schon mal gehört ? Es dauerte lang bis ich herausfand, daß es die annähernde "Naturtreue " war die mich so begeisterte. Inders die Begeisterung dauerte nicht lange, weil der Player immer wieder über "Rillen" sprang, was der alte Philips dank überlegener Mechanik (in der Steinzeit der Plasyer wollte man auf Nummer sicher gehen und baute ein komplexes Tansortsystem für den Laser ein, das sehr präzise - aber auch sehr teuer war. Wird inzwischen nicht mehr verwendet)

    Lieber Alfred,


    in meinem Marantz CD 80 Baujahr 1990 ist ein Philips-Dreharm-Druckguss-Laufwerk verbaut (Marantz wurde von Philips gekauft, gehörte also zum selben Konzern) und das läuft bei mir auch nach über 30 Jahren noch völlig fehlerfrei. :) Es haben nicht alle Hersteller eigene CD-Laufwerke gebaut, auch damals nicht. (Heute werden meist nur schmöde PC-Laufwerke eingebaut, teure originale CD-Laufwerke sind die absolute Ausnahme wie bei meinem neuen Denon.) Die Frage wäre, welches Laufwerk in Deinem NAD steckt. Ich vermute, NAD hat da bei einem anderen Hersteller eingekauft. Kann sein, dass der Hersteller Sony ist z.B. Viele andere Marken haben Sony-Laufwerke verwendet. Für den Fehler gibt es zwei Erklärungen: Die Spurführung des CD-Laufwerks war nicht korrekt, dann hätte man das Laufwerk vielleicht austauschen müssen. Die andere Möglichkeit ist die Fehlerkorrektur. Da gibt es verschiedene, die nach unterschiedlichen Algorythmen arbeiten. Ich habe z.B. eine fehlerhafte CD, die läuft bei mir auf dem Marantz ohne Probleme durch. Beim AVM CD 1-Laufwerk klickert es an einer Stelle. Das AVM-Laufwerk hat ein Laufwerk von Pioneer eingebaut. Die Fehlerkorrektur arbeitet da offenbar anders und kann den Fehler nicht so glatt ausbügeln wie das Philips-Laufwerk des Marantz. ;)

    Ich tauschte den Player auf ein anders Fabrikat gleicher Klasse., nachdem ein erster 'Umtausch keine Verbesserung gebracht hatte.

    ABER mich enttäuschte der Klang: Der "Mitwippeffekt war weg"Ich war zerstört. Letztlich biss ich in den sauren Apfell und kaufte den NAD erneut - als Zusatzgerät. Ich bekam vom Händler indes die Zusage , das Gerät solange reklamieren zu können bis es einwandfrei funktionierte.

    Und nun konnte ich die beiden Geräte miteinander klanglich vergleichen.

    'Und nun das FAZIT: Es war im unmittelbaren A:B Vergleich so gut wie kein Unterschied hörbar !!!

    Das Problem ist alt - lauwarmes Wasser schmeckt im Vergleich mit heißem Wasser kühl, im Vergleich mit ganz kaltem warm. :) Das ist auch ein Grund, warum so viele Meinungen existieren. Weil die verglichenen Geräte andere sind... :hello:


    Einen schönen Sonntag wünschend

    Holger

    Zur Altersfrage: Es kommt letztlich auf die Prägung an und nicht das Alter. Wenn die Prägephase lange zurück lag und das war noch kein RT, gibt es Gewöhnungsprobleme oder mehr mit RT. Das ist aber mit jüngeren Menschen, die heute aus Teilen der Welt kommen, die kein RT kennen, nicht anders. Ich hatte einen (sehr gebildeten) Kollegen aus Georgien. Der meinte nur: In Deutschland betritt er anders als in seiner Heimat kein Opernhaus, das sei einfach nur fürchterlich, was er hier zu sehen bekomme. ^^


    Zur Finanzierung: Ich gehe davon aus, dass Journalisten in so einer prominenten Zeitschrift rechnen können. Die Frage ist also, wie wurden die Zahlen ermittelt. Eine mögliche Erklärung: In keinem anderen Land der Welt gibt es so eine hohe Dichte an Theatern, Konzerthäusern, Orchestern, die mit Steuermitteln finanziert werden. Wenn man die Kosten dafür alle mit dazu rechnet, sieht die Rechnung anders aus....


    Zur Frage des Threads auch noch eine Ergänzung:


    Warum sich Regietheater hält auf den Bühnen, hat auch mit Inszenierungen zu tun wie die Zauberflöte in Münster. Der Regisseur hat das sehr unterhaltsam als Episode von Raumschiff Enterprise inszeniert - also Mr. Spock war zu erkennen usw. :D Das Publikum und auch die Kinder fanden das Klasse. Und das war eine "werkgerechte" Inszenierung, es wurde also nicht das Stück um den Handlungskern gebracht, sondern alle seine wesentlichen Aussagen in unterhaltsamer Form vermittelt. Diese Aktualisierung passt auch zum Zeitalter der Aufklärung - der Unterhaltungscharakter gehört zum Stück. Das Beispiel der Münsteraner Zauberflöte beweist, dass Regietheater auch als werkgerechte Inszenierung möglich ist und ein Regisseur in keiner Weise in seiner künstlerischen Freiheit eingeschränkt ist, wenn er sich selber Beschränkungen auferlegt und Verbindlichkeiten, die vom Werk her nun einmal gegeben sind, akzeptiert. Wenn so etwas die Regel ist, kann Regietheater noch eine Weile existieren, ansonsten wird es in absehbarer Zeit am Widerspruch nicht nur des Publikums, sondern auch der beteiligten Künstler, vor allem der Musiker und Dirigenten, zugrunde gehen. Denn irgendwann wird auch die Unverbindlichkeitsmasche langweilig und es wird den Beteiligten zuviel. :P


    Schöne Grüße

    Holger

    Entweder ist es mit Deiner eigenen Befähigung zur "Logizität" (ein schönes Wort!) nicht weit her, oder aber Du leidest unter einer (für einen Geisteswissenschaftler bemerkenswerten) Leseschäwche. Ich habe nämlich in meiner Formulierung Deiner Prämisse exakt dieses Wenn-dann-Szenario adressiert. Zur Erinnerung:



    Gegen eben diese Prämisse habe ich dann zwei Einwände vorgebracht, die Du bis jetzt nicht adressiert hast. Du flüchtest Dich stattfdessen in die Behauptung, dass ich Deine Aussagen nicht verstanden hätte, in Kombination mit einigen Mutmaßungen zu meinem logischen Denkvermögen (diese ad personam-Masche scheinst Du übrigens immer dann anzuwenden, wenn Du keine Sachargumente mehr hast).

    Eduard Hanslick hat zu Gustav Mahler gesagt: Es gibt nur zwei Möglichkeiten, entweder er ist verrückt oder ich! ^^ So auch hier. Mein Vorschlag: Du reichst Deine "Argumentation" ein zur Begutachtung bei drei Logik-Professoren - anonym natürlich, wie im wissenschaftlichen Evaluationssystem üblich. Ich kann Dir das Ergebnis prophezeien: Im Gutachten wird zu lesen sein: Entweder ist das verrückt oder der nächste Nobelpreis für Logik! :saint:

    Ich hoffe, Du weißt, dass es auch in der Romanik Spitzbogenfenster und in der Gotik Rundbogenfenster gibt.

    :D

    Also so ist diese Verbindlichkeitserklärung leider nicht überzeugend.


    Klar, natürlich gibt es das. ;) Deshalb beschäftigt sich dann auch die Gattungstheorie damit, wie genau Klassifizierungen aufzufassen sind - eben nicht einfach als "Schubladen". Wenn man sich die Stileigenschaften und Gattungsmerkmale als Idealypen im Sinne von Max Weber denkt, dann kann es eben auch (spät-)romanische Kirchen mit Spitzbogenfenstern geben (die gibt es ja auch tatsächlich ^^ ), d.h. solche "Mischformen" stellen dann die Verbindlichkeit der Klassifikation nicht in Frage. :hello:

    Da stimme ich zu, Holgers "2+2=4" fand ich jetzt nicht so überzeugend.

    Dann hast Du es aber auch nicht verstanden. ^^ Das war ein Beispiel für das, was Sprachanalytiker einen "Sachverhalt" (man unterscheidet "Gegenstände" und "Sachverhalte") nennen - eben hier ein mathematischer Sachverhalt. Es gibt natürlich auch andere Sachverhalte, nicht nur mathematische. Ich hätte auch das Beispiel nehmen können: "Spitzbogenfenster sind ein Stilmittel der Gotik". Entscheidend ist, dass zur Formulierung des Sachverhalts eine Verbindlichkeit gehört. 2+2 kann eben nur gleich 4 und nicht gleich 5 sein - so wie Spitzbogenfenster zur Gotik gehören und nicht zur Romanik. Man kann eben nicht sagen: Nur weil es auch Kirchen mit Rundbogenfenstern gibt, könne man Romanik und Gotik nicht unterscheiden, also Spitzbogenfenster nicht verbindlich als Stilmittel der Gotik erkennen.

    Naja. Wenn man "Genau dann wenn" sagt, bin ich schon der Meinung, dass wir hier nicht wabern sondern einen logischen Zusammenhang konstatieren, den die mathematische Formalisierung recht gut beschreibt.

    Das tut sie leider nicht. Denn im werktheoretischen Kontext gibt es die mathematische Reziprozität nicht.

    Ich kann mich auch täuschen, aber IMO ist dich die Gleichung 2+2=4 als Argument von einem Nicht-Mathematiker gebracht worden, oder?

    Mein Hausphilosoph ist Mathematiker-Philosoph und bringt das Beispiel gerne...

    D.h. "Meinung" spielt hier nicht nur bei den Grundvoraussetzungen der Diskussion herein. Darum wohl La Roches Zusatz "in den Geisteswissenschaften".

    Von wegen "geisteswissenschaftlicher Hintergrund". Schon Platon unterscheidet im Bereich der Meinungen zwischen einer "Meinung" und einer "begründeten Meinung" (die noch kein Wissen ist).


    Auf den Unterschied von Meinung und Argument zu verzichten finde ich etwas schwierig. Wenn mein Nachbar (rein hypothetisch natürlich) seine Frau schlägt und das für richtig hält, ist das seine Meinung. Ich schlage meine Frau nicht und habe eine andere Meinung. Dann soll es aber keine durch ein Argument begründete Meinung geben, dass man doch besser seine Frau nicht schlagen sollte?

    Im 2. Fall hast Du aber die ganze Zeit den Unterschied bemerkt, nur unterschiedlich bewertet.

    Interessanter bezüglich Blindtest ist ja die Frage, ob Unterschiede überhaupt bemerkt werden.

    Der Hinweis, dass Unterschiede so unterschiedlich bewertet werden (können), impliziert erst einmal, dass sie tatsächlich bemerkt werden. Das ist keine unwichtige Erkenntnis. ;)


    Grundsätzlich gibt es zwei Methoden, um klangliche Unterschiede festzustellen


    a) den Umschalttest (unverblindet oder verblindet)

    b) das Langzeithören


    Umschalttests - gerade auch unverblindete - sind relativ kompliziert. Es gibt nicht wenige Leute, die deshalb auf das Langzeithören vertrauen, weil sie Umschalttests (egal ob unverblindet oder verblindet) nur verwirrend finden. Das funktioniert auf der Grundlage eines habituell fest eingeprägten Hörmusters im vertrauten täglichen Hören mit seiner besonderen Anlage. Wenn man da eine Komponente auswechselt, fällt der Unterschied als ungewohnte Abweichung vom Gewohnten auf. Das kann sogleich sein aber auch länger dauern. Denn erfahrungsgemäß eignet sich nicht jede Aufnahme (Musik) dazu, wirklich signifikante Unterschiede eindeutig zu erkennen.


    Schöne Grüße

    Holger

    ob in diesem Fall die "<="-Richtung tatsächlich eine sinnvolle Implikation ergibt, ist mir nicht klar ...

    ... vielleicht hilft Dir da meine Satire, damit Du klarer siehst ;) :D


    Regietheater!!! Dr. Eusebius Beckmesser im Gespräch mit Schauspieler Luftikus Wendewicht

    Man täte also eventuell gut daran, irgendwie zwischen allgemeinen und speziellen Verbindlichkeiten zu unterscheiden.

    ... was dann aber voraussetzt, dass man überhaupt Verbindlichkeiten anerkennt. Genau das tut die RT-Fraktion aber nicht.