Beiträge von Dr. Holger Kaletha

    Danke für Deine Antwort, ieber Holger, die mich freut. Mir geht es so, dass ich bestimmte Bilder - auch wenn ich sie noch nicht entdeckt habe - fast schon spüre in einer Galerie. Es geht eine Sogwirkung von ihnen aus. Neulich habe ich eine andere Erfahrung gemacht. In einem Buch sah ich ein Stillleben von Snyders, das mich faszinierte. Ich war ganz erstaunt, dass es hier in Berlin in der Gemäldegalerie, für die ich eine Jahreskarte habe, hängen soll. Nichts wie hin! Dort fand ich es ziemlich klein, sehr hoch gehängt und wenig leuchtend. Der Druck hatte mir etwas vorgemacht, dem die Wirklichkeit nicht standhält. Das ist aber nicht das Problem von Snyders, den ich für einen Meister halte. Es ist ein Problem der Wahrnehmung. Die Museumsbesuche vermisse ich sehr in Zeiten der Krise.

    Lieber Rüdiger,


    da sind wir beide begeisterte Museums-Besucher - und müssten uns eigentlich mal verabreden.... :) Zuletzt sah ich hier in Münster die Turner-Ausstellung - das war einfach phantastisch und ungemein lehrreich!


    Hier nochmals das Bild "Sposalizio":


    397px-lo_sposalizio_della_vergine1.png


    Hast Du mal die großartigen Stilleben im Rijksmuseum in Amsterdam gesehen? Die sind schier unglaublich - ich glaube mich zu erinnern, Snyders ist auch dabei! Eigentlich sind Drucke immer verfälschend. Aber ein ähnliches Erlebnis hatte ich auch - von daher würde ich nicht ausschließen, dass es auch an der Beleuchtung im Museum gelegen haben könne. Warst Du mal in Worpswede bei Bremen? Das Museum dort ist sehr gelungen - vor allen wegen der Beleuchtung mit Tageslicht. Die Bilder von Vogeler (bester Jugendstil!), Otto Moderssohn usw. leuchten nur so. Wenn man dann nach Bremen ins Kunstmuseum kommt, da hängen vor allem Werke von Paula Moderssohn Becker und auch einige andere der Worpsweder Malerschule, ist man dann enttäuscht. Das liegt aber wirklich nur an der Beleuchtung!

    Dank auch für den Hinweis auf Liszt. Dieses Klavierwerk wird von mir hoch geschätzt.

    Das freut mich sehr! :) Ich hätte ja so gerne den Thread über die "Annees..." mit Jörn weitergemacht. Aber wo ist er nur geblieben? :hello:


    Schöne Grüße

    Holger

    Als ich es im Pitti in Florenz besichtigen wollte, war es leider ausgeliehen. Die Stadt Rom hatte ihm zum 500. Tagestag eine große Ausstellung gewidmet, die aus gegebenem Anlass nur drei Tage nach der Eröffnung wieder geschlossen werden musste. Auch in der restaurierten Dresdener Gemäldegalerie der Alten meister, die mit der Sixtinischen Madonna das vielleicht bekanntestes Gemälde von Raffael ihr Eigen nennt, bleiben vorerst die Türen zu.

    Das ist sehr schade, lieber Rüdiger! Raffaels Bilder haben schon eine besondere Ausstrahlung. Wenn man in Dresden durch die berühmte Gemäldegalerie läuft, dann fällt Raffael einfach auf - in der Umgebung von großen barocken Rubens-Schinken dort. Da kann ich die Raffael-Begeisterung der Romantik gut verstehen - die etwa in Wackenroder und Tiecks Roman Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders literarisch zum Ausdruck kommt. Das erste Stück aus dem Italien-Band von Franz Liszts "Annees de Pelerinage" ist einem Gemälde von Raffael gewidmet: Sposalizio - es zeigt die Vermählung von Maria und Josef:


    https://www.bing.com/images/se…electedIndex=0&ajaxhist=0


    Liszt war mit dem Maler Jean Auguste Dominique Ingres befreundet - bekannt u.a. aus dem Streit mit Eugene Delacroix über den Vorrang der Linie (Ingres) oder der Farbe (Delacroix) in der Malerei. Ingres - der selber auch Violine spielte und mit Liszt zusammen musizierte - führte Liszt durch die Museen in Florenz. Liszt war also in Sachen Malerei durchaus sehr sachkundig gebildet. Das Stück hat wirklich einen unglaublichen Zauber - man muss aber genau den Ton der kontemplativen Sinnlichkeit treffen - wie man es nicht besser als Lazar Berman tun kann (ich habe das Stück als Amateur natürlich entsprechend amateurhaft auch gespielt ^^ ). Berman hat es zweimal im Studio aufgenommen und hier in Tokyo im Konzert gespielt (auch als DVD zu haben) - zu hören ab 17:25 Minuten - zur Erinnerung an Raffaels Todestag ist das glaube ich eine schöne Würdigung :) :



    Schöne Grüße

    Holger

    Lieber Christian,


    zu einer ausführlichen Analyse komme ich im Moment leider nicht, kann aber nur meinen Eindruck mitteilen: Das ist eine wirklich großartige, bewegende Aufnahme! Da war Pollini in Hochform. Der "alte" Pollini entdeckt die Subjektivität bei Beethoven. Beethovens Musik wirkt so, als sei das musikalische Subjekt seiner selbst nicht mehr mächtig, sondern wird ständig nur noch getrieben von seinen unerfüllbaren Sehnsüchten und Leidenschaften mit dem verzweifelten und vergeblichen Versuch, durch die Behauptung seines "Willens" oder die Versenkung in das Melodisch-Schöne einer Ruheinsel zu finden. Bezeichnend hat man bei Pollini das Gefühl zum Ende von op. 109, das die schlichte Melodie diesen taumelnden Vorwärtsdrang nicht wirklich aufhalten kann, sondern die Musik nur irgendwie abbricht. Ganz großartig - vor allem auch op. 111! :) :hello:


    Einen schönen Sonntag wünschend

    Holger

    Ein besonders sprechendes Beispiel für den Jugendstil in der Musik ist für mich die Symphische Dichtung "Lebensreifen" von Josef Suk.



    Dort gibt es eine Fuge als Symbol dafür, dass sich das Leben zum wahren Lebenssinn "durcharbeiten" muss. Da denke ich gerne an die Jugenstilhäuser mit ihren Sprüchen von protestantischer Arbeitsethik über der Türschwelle. Zum Jugendstil gehört nicht nur der Genuss, sondern auch diese Seite. Vincent van Gogh sagte, besser als im Paradies zu sein sei, im Schweiße seines Angesichts sein Brot zu essen.


    Schöne Grüße

    Holger


    Gestern habe ich die 1. gehört. Beeindruckend dabei ist für mich Abbados souveräne Klassizität. Er braucht sich nicht irgendwie "interessant" zu machen. Da wird nichts forciert, sondern die Musik und der immer gegebene musikalische Fluss entwickelt sich mit einer beglückenden Selbstverständlichkeit. Dabei ist das äußerst präzise gespielt bis ins letzte Detail und immer inspiriert. Abbado bewegt sich da auf demselben höchsten Niveau wie Mrawinsky - die 1. ist auch ein klangtechnisch guter, hörbarer Mrawinsky-Mitschnitt. Mrawinsky dirigiert im langsamen Satz etwa flächiger, während man bei Abbado den Einfluss der historischen Aufführungspraxis merkt: Die großorchestrale Integration tritt zurück und statt dessen gibt es den kammermusikalischen Dialog zwischen den einzelnen Instrumenten - das einzelne Motiv, die einzelne Phrase bekommt so noch mehr Bedeutung. Leider ist der Mrawinsky-Mitschnitt der "Eroica" klangtechnisch wirklich grottenschlecht. Es ist ein Jammer - besonders wegen des hochexpressiven Trauermarsches. Warum hatten sie in der ehemaligen Sowjetunion nicht den Ehrgeiz, von diesem Spitzenorchester und ihrem überragenden Dirigenten auch entsprechende Aufnahmen zu machen?


    Schöne Grüße

    Holger

    Ich finde, dass Kurt Sanderling nicht vergessen werden darf. Er hat einen ganz anderen - mehr epischen als dramatisierenden - Ansatz als Ashkenazy oder Svetlanov, Rachmaninow zu dirigieren, der aber nicht weniger überzeugend ist, meine ich:



    Schöne Grüße

    Holger

    ich abgebildete Mrawinsky-12CD-Box (ERATO) habe ich auch (da sind tolle Int enthalten, die auch klnaglich zufrieden stellen).

    Ich höre gerade die Sinfonie Nr.3 Eroica ... Mrawinsky zaubert schon eine entfesselnde Interpretation. Aber Feinheiten, Strukturen, orchestrale Abbildungen sind kaum erkennbar ... einfach nur fürchterlicher historischer Monosound; bei mir mit letztendlich wenig Hörspass. Nur die Beethoven 1 und 6 sind klanglich brauchbar und in Stereo.

    Lieber Teleton,


    das ist wirklich fast schon tragisch, dass solche wirklich bedeutenden und zeitlos gültigen Interpretationen wie die von Mrawinsky oft in so einer schlechten Tonqualität vorliegen. Ich habe bisher nicht die Zeit gehabt, mir die Aufnahme komplett anzuhören. Das werde ich aber natürlich machen. Reingehört habe ich natürlich - und schon das hat auch mich schwer beeindruckt! Ich bin bekanntlich nicht jemand, der sich durch so eine mäßige Tonqualität abschrecken lässt. Wenn mich das Gehörte in den Bann zieht, kann ich eben den "Sound" vergessen! :hello:


    Schöne Grüße

    Holger

    Gilels ist in Seattle eine ganz besonders starke Aufnahme der Waldstein-Sonate gelungen, das sehe ich auch so. Aber deswegen sollte man andere Aufnahmen nicht kleiner machen, als sie sind.

    Das war auch nicht meine Absicht, lieber Christian. Nur manchmal ist es erforderlich, die Maßstäbe, die verloren zu gehen drohen, zurecht zu rücken. Und dazu dient ein solcher Verweis auf so eine Gipfelaufnahme. Dann gibt es eben solche Aufnahmen, die einen solchen Vergleich eher aushalten als andere. Wer sich da behaupten kann, der hat schließlich wirklich etwas zu sagen! ;)


    Schöne Grüße

    Holger

    bei Scherchen lohnt es sich, auf die neue Box, die am 01.05. erscheinen soll, zu warten:

    Danke, lieber Norbert! :) Die Box werde ich mir vormerken! Die Aufnahmen sind zudem beim Westminster-Label gemacht - gute Klangqualität ist da garantiert (darüber hatten wir mit Thomas Pape, der darauf hinwies, bei Badura-Skoda diskutiert, auch da hatte die DGG die Westminster-Aufnahmen rausgegeben). Als nächstes werde ich wohl die 1. mit Abbado hören und dann die 2. Die 2. ist auch so eine Symphonie, die ich kaum im Kopf habe. :hello:


    Schöne Grüße

    Holger

    Gilels spielt das, was ich gehört habe, ganz gut. Aber imho in keiner Weise besser als Lisitsa.

    Tja, wers nicht hört, dem ist halt nicht zu helfen ... Zwischen Gilels und Lisitsa liegen Welten. Ich schätze ja Lisitsa durchaus. Nur das Zeug, sich mit den wirklich großen Beethoven-Interpreten zu messen, hat sie nicht. Dafür fehlt ihr einiges für das innere Verständnis von Beethovens Musik. Das ist beachtlich, was sie da abliefert, aber auch nicht weltbewegend. Die Maßstäbe in Sachen Beethoven haben Andere gesetzt und setzen Andere. Bei der Waldsteinsonate ist Gilels nunmal die Referenz. Das ist übrigens auch die Meinung unter angesehenen Pianistenkollegen. Und ich habe unzählige historische Aufnahmen. Wenn man eine hervorragende Anlage hat, klingen die wie heute aufgenommen - abgesehen von ein bisschen Rauschen. Oft ist der Klavierklang sogar natürlicher als bei so mancher modernen Digitalproduktion. Es gibt sicher klangtechnisch bessere Mitschnitte als den aus Seattle. Nur die einzigartigen Qualitäten von Gilels Spiel kann er ohne Abstrich vermitteln. Nur darauf kommt es an.


    Schöne Grüße

    Holger

    Es ist ein Gewinn, diese Interpretation zu kennen.

    Ja - ich mag einfach auch diesen schlanken, kammermusikalischen Klang. Scherchen würde mich auch sehr interessieren. Ich muss mir tatsächlich auch noch Mrawinsky zu Gemüte führen - und dann habe ich noch Szell mit der Tschechischen Philharmonie aus Salzburg.


    Die Mrawinsky-Aufnahme ist in dieser Box:



    :hello: Schöne Grüße

    Holger

    Deine Vermutung ist korrekt. Abbado beachtete alle Wiederholungen, während Karajan u.a. die Wiederholung der Exposition der "Eroica" nicht spielen ließ (Mrawinsky höchstwahrscheinlich auch nicht, aber seine Beethoven Aufnahmen kenne ich nicht).

    Lieber Norbert,


    ich habe die 3. gehört! So durchsichtig, so fein, völlig entschlackt und befreit von weltanschaulichem Ballast, dramaturgisch schlüssig - schlicht beglückend. Musizierfreude pur und Orchesterspiel auf höchstem Niveau. Abbado verleitet einen einmal mehr zum genauen Zuhören und Nachhören in alle Winkel der Musik - wozu er ja auch die Musiker motivieren möchte! Eine einfach ideale Aufnahme, finde ich - und die Expositionswiederholung sollte man spielen! (Die 3. war eine der ersten symphonischen Stücke, die ich in meiner Jugend kennenlernte. Ich bekam eines Tages einen Radio-Cassettenrecorder geschenkt - und da lief sie immer wieder!) :hello:


    Schöne Grüße

    Holger

    Als ich gerade das Rondo der neuen Aufnahme (21.2.2020, Genf) anhörte, das sie etwas schneller spielt als die frühere Aufnahme (s.o.), lief eine Schrift durch, die darauf hinwies, dass sie nunmehr alle 32 Sonaten aufgneommen hat und die Waldstein wohl die letzte war.

    Lieber Willi,


    mich lässt Lisitsas Waldseinsonate völlig kalt. Das ist technisch perfekt runtergespielt - aber leider - das ist einfach kein Beethoven. Und diese Sonate ist ja eine besondere. Kein dämonischer Spielwitz, keine Beethovensche Aufmüpfigkeit, die durchbricht, kein den Hörer hinreißender Schönheits-Zauber! Unglaublich, wie sie es schafft, den traumhaften Übergang vom langsamen Satz zum Rondothema einfach kaputt zu machen durch ein völlig deplaziertes Crescendo! Die Melodie entsteht so nicht quasi aus dem Nichts. Das ist banal - zudem ist das alles andere als klangschön, kein singender Ton. Da ist der ganze betörende Zauber dieser Melodie einfach weg - heraus kommt schnöde Prosa statt Poesie. Die komischen Rubatos im langsamen Satz haben nichts mit Beethovenscher Klassik zu tun. Und das Seitenthema im Kopfsatz mit einem eigenartigen, völlig unorganischen Rubato ist misslungen. Nein, nur mit Fingerfertigkeit kann man die Waldsteinsonate nicht bewältigen. Was Lisitsa da macht, ist einfach grenzenlose Naivität. Wie anders ist das bei Emil Gilels in Seattle. Das ist eine musikalische Explosion in jeder Hinsicht! Gilels überragendes Spiel zeigt Valentina Lisitsa ihre Grenzen auf - da wird sie schlicht und einfach an die Wand gespielt!





    Schöne Grüße

    Holger

    Ich bin inzwischen bei der 6. Sinfonie angekommen und sehe mich in meinem Urteil bestätigt, dass es zum einen bedauerlich ist, diese Aufnahmen so lange nicht ehr gehört zu haben und zum anderen, dass Abbados "Eroica" nicht nur im Trauermarsch ein Highlight darstellt.

    Lieber Norbert,


    aufschlussreich, was Du schreibst! Da bist Du nun schon weiter als ich! ^^ Da ich meinen Text gerade zuende schreibe, wo mir der Urlaub zuhilfe kommt, so dass ich endlich am Stück ohne Unterbrechung arbeiten kann, werde ich mir erst heute die Zeit zum Hören nehmen können. Sag mal, warum braucht Abbado für den Kopfsatz der "Eroica" ca. 3 Minuten länger als Karajan oder Mrawinsky? Spielt er da eine Wiederholung, welche die Anderen nicht machen? Er orientiert sich ja an der Neuausgabe der Partituren! :hello:

    wie ist denn der Eindruck Ihres neuen Kopfhörers?

    Das kannst Du hier lesen, lieber Michael :) :


    Kopfhörer für Klassikfans


    Schöne Grüße

    Holger

    es freut mich, dass Dir die 4. Sinfonie so gut gefallen hat.


    Die "Eroica" habe ich als eines der Highlights der Gesamtaufnahme in Erinnerung mit großartigen Steigerungen im "Marcia funebre".

    :) Sie wird wohl Dank Abbado eine meine Lieblingssymphonien werden, lieber Norbert. Im Vergleich mit den Klaviersonaten und -konzerten höre ich "Klavierverrückter" ja die Symphonien vergleichsweise wenig. ^^ Leider ....

    Heute Abend höre ich noch die 3., wie es aussieht,

    Pustekuchen! - muss die 3. noch etwas warten, angehört zu werden.


    da ich mich gerade im "Adagio molto e cantabile" der 9. Sinfonie befinde, habe ich spontan beschlossen, mir danach Abbados Gesamtaufnahme zu Gemüte zu führen.

    Das freut mich! Dann können wir unsere frischen Höreindrücke ja vergleichen! :) :hello:


    Schöne Grüße

    Holger

    Jewgeni Mrawinski machte seine letzte Studioeinspielung im Jahre 1961. Danach lehnte er das Aufnahmestudio, dem er wohl schon immer kritisch gegenüberstand, komplett ab, sprich: sämtliche Aufnahmen danach sind live mitgeschnitten worden.

    Aahhh! Danke, lieber Joseph! :)


    Hier ist er zu sehen, wie er dirigiert. Sehr schön zeigt die Kamera seine Gesdichtszüge, wie er mit dem Orchester kommuniziert. Und Schubert hat in dieser "russischen" Aufnahme eine bemerkenswert wienerische Beschwingtheit:



    hier noch ein Mitschnitt aus Wien aus demselben Jahr 1978 (kalngtechnisch sehr gut!):



    Schöne Grüße

    Holger

    ich bin auf Deine Höreindrücke gespannt.

    Lieber Norbert,


    ich habe vorhin gerade die 4. mit dem Kopfhörer gehört! Das ist wirklich himmlisch musiziert - unglaublich filigran, mit einer kammermusikalischen Durchsichtigkeit und liebevollen Arbeit in feinsten Details. Dabei behält Abbado - der Meister des Austarierens - immer das große Ganze im Blick. Es wird immer absolut natürlich musiziert, frisch, Musik im Neuentstehen, aber nie gibt es ein "overemphasizing" - von dem Haitink spricht, dass er es nicht mag. So kann man sich in diese Symphonie verlieben! :) Heute Abend höre ich noch die 3., wie es aussieht, mit deren Rezeptionsgeschichte ich mich gerade beschäftige! :hello:


    Einen schönen Sonntag wünscht

    Holger

    darauf kannst Du Dich berechtigt freuen, denn, abgesehen von der 9. Sinfonie, ist das "meine Referenz" der Gesamtaufnahmen ab 2000.


    Es ist im Prinzip das gleiche anzumerken, was ich auch schon zu Vänskä schrieb: Frische, ohne zu schnell zu sein, "entschlacken", ohne die "Größe" der Musik zu vernachlässigen, Transparenz, aber mit dem nötigen Gefühl.


    Ich hatte mir die Konzertmitschnitte öfter auf "Classica" angesehen und war jedes Mal begeistert von der Musizierfreude, die der Dirigent und das Orchester vermittelt hatten. Spielfreude ist hörbar, aber schlecht beschreibbar.

    Lieber Norbert,


    Danke! :) Da bin ich nun noch mehr gespannt, die Aufnahmen zu hören! :hello:


    Dir auch ein schönes und vor allem gesundes Wochenende wünschend

    Holger

    Doch Mrawinsky übertrifft sie IMO beide, mit einer schier unerträglichen Spannung und Dramatik, die eisern vom ersten bis zum letzten Takt durchgehalten wird. Zudem klingt die alte Aufnahme erstaunlich frisch und transparent.

    Lieber Nemorino,


    ich habe diese CD-Ausgabe hier:



    allerdings schon sehr lange nicht mehr gehört - die Aufnahme ist allerdings eine andere von 1978. Die aus der Diaposon-Serie ist von 1959.


    Ein schönes - und vor allem gesundes - Wochehende wünschend :hello:

    Holger

    Kurz vor der Corona-Krise hatte ich mir noch von meinem Lieblingsdirigenten günstig diese Gesamtaufnahme aus dem Jahr 2000 besorgt - Abbados zweiter Berliner Zyklus, Dokument einer Italien-Tournee (bis auf die 9.) Sehr symbolträchtig im Beethoven-Jahr 2020 dieser "italienische" Beethoven! (Abbados Freund Maurizio Pollini wurde kürzlich von den italienischen Behörden die Ausreise verweigert, als er zum Konzert in die Elbphilharmonie von seinem Domizil Mailand aus anreisen wollte, erfuhr ich gestern!) Beim Hören der Hörschnipsel hatte mich die aufrüttelnde sprachdeutliche Phrasierung, rhythmisch-leidenschaftliche Gangart und Frische einfach angesprochen. Ich freue mich schon aufs Durchhören:



    Schöne Grüße

    Holger

    Lieber Holger, warum bestellst du sie dir nicht nach Hause? Wenn es um die Recuerdos geht, die kannst du bei Amazon als Neuware (prime) bestellen und hast sie in zwei, drei Tagen zu Hause. Es kann sein, dass es zur Zeit vielleicht ein zwei Tage länger dauert.

    Lieber Willi,


    die CD ist da - nur kann ich sie wegen der Corona-Krise erst nach dem 20.4. bekommen! Macht auch nichts - so viele CDs liegen bei mir ungehört rum! Jetzt habe ich erst einmal 2 Wochen Urlaub genommen und dann etwas mehr Zeit, meine Hör-Defizite aufzuarbeiten. Bleibe auf jeden Fall gesund! :hello:


    Liebe Grüße

    Holger

    Interessante Analyse!! Der Flow muß m.E. nach weitestgehend durchgehalten werden, sonst verliert das Stück viel von seiner Wirkung, dennoch sollte man natürlich die großen Bögen hörbar machen. Ich finde, z.B. Pepe Romero gelingt diese Quadratur des Kreises sehr gut, ebenso Kyuhee Park, für alle, die nicht so weit zurückblättern wollen.

    Pepe Romero hat mir nach den Hörschnipseln auch sehr gefallen. Also hatte ich mir die CD bestellt - überhaupt ist dieser Thread Schuld, dass ich meine etwas spärliche Gitarrensammlung aufgestockt habe. 😊 Besaģte Romero-CD war schon als versendet gemeldet. Nur leider werde ich sie nun, nachdem wegen Corona die Geschäfte zu sind, in drei oder mehr Wochen erst abholen können. 😥


    Schöne Grüße

    Holger

    Der Notentext ist im Falle von Recuerdos de la Alhambra doch aufschlussreich:


    https://media.stretta-music.com/images/173/113173_detail-01


    Das Interpretationsproblem ist anhand des Notentextes erkennbar, finde ich: Einerseits sind durchgehend 64tel notiert, was die Interpreten, die den flow betonen, notentexttreu herausspielen. Aber: Tarrega notiert sich öffnende und schließende Pfeile, was dafür spricht, dass er doch anders als dies bei Barockmusik der Fall wäre in großen melodischen Bögen und Phrasen denkt, also nicht einfach eine lineare, durchlaufende Bewegungslinie gespielt haben will, sondern durch den sich ergebenden dynamischen Bogen Zäsuren gesetzt werden. Wichtiger noch scheint mir aber das Folgende - wodurch die Zäsur unterstrichen wird: Gleich zu Beginn ist das C als punktierte Viertel notiert, soll also durch den ganzen Takt durchklingen. Damit das möglich ist, muss Spieler die Saite aber sehr viel kräftiger zupfen als die Tremolos - in einer Transkription wird deshalb auch ff im Gegensatz zu f notiert - sonst klingt der Ton, der eine Art Orgelpunkt im Bass bildet, einfach nicht durch. Damit aber wird der Flow zwangsläufig etwas unterbrochen, d.h. der Spieler macht spieltechnisch begründet eine Fermate, wie das Segovia etwa tut. Dann ist auf dem zweiten C ein Keilakzent notiert: >. Wenn man diesen Akzent wirklich deutlich herausspielt, ist auch das ein dem flow entgegenwirkender Effekt. Daraus lassen sich zwei interpretative Tendenzen ableiten, je nachdem, was dem Spieler wichtiger scheint: die Betonung des flow und damit die durchgehende 64tel-Bewegung oder aber die melodischen Bögen, der Orgelpunkt zum Phrasenbeginn und der rhetorische Akzent. Ein schönes Beispiel auch, dass ein Notentext eine Imagination des Komponisten darstellt - und dem Spieler eigentlich die Quadratur des Kreises zumutet. Denn genau so, wie es aufgeschrieben ist, ist das spieltechnisch gar nicht zu realisieren.


    Schöne Grüße

    Holger

    Lieber Holger, ich bin sehr auf Deine genauere Analyse gespannt!


    Und übrigens gibt es von der Einspielung auch einen Mitschnitt, dem man sich gerade auf arte ansehen kann:

    https://www.arte.tv/de/videos/…paeten-beethoven-sonaten/

    Lieber Christian,


    herzlichen Dank für den Link! Ich habe bisher nur op. 109 und op. 110 hören können - op. 111 höre ich vielleicht heute Abend über Kopfhörer, wenn mir die Zeit bleibt. Anders als in Köln ist auch op. 109 wirklich sehr überzeugend! Was mir auffällt: Bei op. 109 hört man das Publikum, dagegen op. 110 scheint auf der CD zumindest im leeren Saal eingespielt. Der Klang ist auch anders und es gibt keine Publikumsgeräusche. Ich hoffe mal, dass ich spätens im Laufe der nächsten Woche die Kritik fertig habe!


    Liebe Grüße

    Holger

    Vielen Dank für dieses Statement, Holger!

    Lieber Christian,


    das fand ich nötig. Es gab einen Film über die Fälle von Siegfried Mauser, wo er auch selber zu Wort kommt und die Anschuldigungen gegen ihn kommentiert. Haarsträubend! Er ist ein wirklich kluger Musikwissenschaftler - ich habe einiges zu Beethoven-Sonaten von ihm. Aber wie er sich da selbst präsentiert - ich sage lieber nichts! Das ist kaum zu ertragen!


    Schöne Grüße

    Holger