Beiträge von Dr. Holger Kaletha

    Lieber Holger, ich bin der Meinung lieber nach Strauss!

    Beziehungsreichtum, lieber Fiesco! Ich denke jetzt an Thomas Mann Der Tod in Venedig - die beiden Arten von Kunst: Bemeisterung durch den Willen und die Unmittelbarkeit des Schönen. Ich finde, Strauss hat von beiden etwas. Und die Interpreten können das eine oder andere betonen, Erlebniskunst oder Schilderung. Gerade wo Strauss hier sehr artifiziell ist, wirkt dann der artifizielle Vortragsstil der Schwarzkopf natürlich - wo er sonst etwas geschraubt wirkt, weil im Bemühen, "natürlich" zu singen, die Unnatürlichkeit dieses Gesangsstils gerade auffällig wird. Strauss ist ein sehr ambivalentes Phänomen, finde ich. Und deswegen hat der Ansatz der Schwarzkopf seine Berechtigung für meinen Geschmack.


    Einen schönen Sonntag wünscht

    Holger

    Eugen Jochum hat seinerzeit die geplante GA Pollini/Böhm vollendet. Karl Böhm verstarb während der Aufnahmen, und so hat Jochum die Konzerte Nr. 1 & 2 mit Pollini in Wien nachträglich eingespielt.

    Das war mir jetzt gar nicht präsent, lieber Nemorino! :)

    Vielen Dank für Deine hochinteressante Analyse der Gould/Golschmann-Aufnahme des ersten Konzerts. Nun bin ich doppelt neugierig auf meine neuen Eindrücke davon. Leider bin ich heute nicht zum Musikhören gekommen, aber es wird baldigst nachgeholt. Ich muß nur aufpassen, daß ich des Konzertes nicht überdrüssig werde; in den letzten Tagen habe ich es zu oft gehört, deshalb ist jetzt eine kurze Pause angebracht.

    So geht es mir auch! :hello:


    Einen schönen Sonntag wünscht

    Holger

    Lustig! :D Ich habe sowohl Schwarzkopf/Szell, als auch Norman/Masur, als auch Janowitz/Karajan und Janowitz/Celibidache. Keine der Aufnahmen möchte ich missen!


    Bei Jessye Norman spürt man die Nähe zu Wagner - das ist rauschhaft-dionysisch und musikdramatisch. Natürlich grandios! Dazu ist Schwarzkopf freilich ein Gegenentwurf. Sie singt das weniger in Richtung große Oper/Musikdrama, sondern mehr in Richtung Kunstlied. Nicht nur, dass sie stimmlich meisterhaft ist. Was ihr finde ich besonders gelingt, ist die Jugendstil-Stilistik herauszuarbeiten. Sie rückt damit Strauss in die Nähe des epischen und nicht musikdramatischen Gesangs von Gustav Mahler - mich erinnert sie im ersten Lied an "Schildwaches Nachtlied", wo sie die abenteuerlich verwundenen Jugendstil-Linien geradezu dämonisch auflädt und zum betörenden Sirenen-Gesang werden lässt. Es ist also die Frage, was man mehr mag: Ob Strauss mehr nach Wagner oder mehr nach Mahler klingen soll! ;)


    (Mit dieser ganzen Politisierung kann ich schlicht rein gar nichts anfangen!)


    Schöne Grüße

    Holger

    Darüber gabs vor Monaten im Fernsehen einen Bericht. Ich verstehe ehrlich gesagt die Aufregung nicht so ganz. Soll man jetzt auch die Männerchöre (und entsprechend die Frauenchöre) abschaffen und durch gemischte ersetzen? Unter pädagogischen Gesichtspunkten kann man natürlich die dazugehörigen Internate nicht für zeitgemäß halten. Aber das betrifft den Knabenchor an sich nicht.


    Schöne Grüße

    Holger

    Maurizio Pollini und Eugen Jochum


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    In meiner Sammlung habe ich Pollinis erste Aufnahmen der Beethoven-Konzerte - das 1. ist mit Eugen Jochum. Hat man zuvor Vladimir Golschmann als Begleiter von Glenn Gould gehört, ist Jochum in der Einleitung eine Offenbarung: Da merkt man den Beethoven-Sachverstand des deutschen Dirigenten, der weiß, was ein klassischer Tonsatz ist, was thematische Kontraste und ein symphonischer Aufbau bedeuten. In dieser Aufnahme kann man realisieren, was sonst auf den Tondokumenten der DGG kaum nachzuvollziehen ist und Pollinis Spiel in den 70igern und 80igern auszeichnet: die ungeheure Wucht seines kraftvollen Zugriffs. Pollini nimmt dieses Konzert sehr dynamisch-kraftvoll und spielt dabei an Rubinstein erinnernd klassisch klar und rund. Besonders im 1. Satz geht dieser Ansatz auf, finde ich. Dabei werden die stacheligen Akzente gemildert, was auch Jochum mit dem Orchester klug sekundierend aufnimmt. Der langsame Satz ist in seiner klassischen Schlichtheit, organischen Rundung und unauffälligen Treffsicherheit bemerkenswert. Lediglich im Finale fehlt mir dann doch der rhythmische Stachel, der Humor und Witz. Insgesamt ziehe ich bei diesem Konzert Rubinstein vor, weil er einfach eine mehr persönliche Note hat und auch feiner spielt, den burschikosen Humor des jungen Beethoven nicht unterschlagend. Ich müsste mir allerdings doch noch einmal Pollinis spätere Aufnahmen mit Abbado besorgen. :)


    Schöne Grüße

    Holger

    ich muss ehrlich sagen, dass ich diesen Satz nicht nachvollziehen kann. Ich halte ihn sogar für gefährlich, da er suggeriert, dass attraktive Männer keine sexuelle Gewalt ausüben können, was nachweislich falsch ist. Für ein Missbrauchsopfer ist die fehlende Einvernehmlichkeit bei einem Missbrauch das was Traumata und Wunden hervorruft (und daraus resultierend das Gefühl der eigenen Ohnmacht), nicht eine etwaige Attraktivität oder Unattraktivität des Missbrauchers. Für eine Frau, die von einem Mann sexuell missbraucht oder belästigt wird, hat es keine Relevanz, wie viele andere Frauen es gibt, die mit der entsprechenden Person gerne freiwillig ins Bett gehen würden.

    Das verstehe ich nun nicht. Es ist doch bis heute so - im Pop-Bereich ja noch viel schlimmer - dass sich die männlichen Schönlinge vor Verehrerinnen mit eindeutigen Angeboten kaum retten können. Das färbt erst einmal auf die männliche Psyche ab, die dann glaubt, dass sie unwiderstehlich und jedes Angebot von ihnen eine Gunst ist, die gerne angenommen wird. Der Fehler ist für mich, die eindeutigen Fälle von sexuellem Missbrauch und Machtmissbrauch, die, wo es sie gibt, auch aufgearbeitet werden müssen, mit den eben nicht so eindeutigen zu vermischen. Dann entsteht eine Kultur des Verdachts und der Verdächtigung, dass jeder Promi, der sich auf ein Abenteuer eingelassen hat oder auch intensiv dafür geworben hat, als Täter verdächtigt wird. Hier muss man finde ich an die Systeme rangehen und nicht alles nur bezogen auf das Individuum betrachten. Die Frage ist, was haben die Institutionen dagegen getan oder nicht getan, dass solche Übergriffe verhindert werden? Offenbar so gut wie nichts! Ich habe das Beispiel der Universität gebracht. In Deutschland kann ein Prof. mit seiner Doktorandin schlafen, in den USA sind solche Beziehungen untersagt. Da entstehen solche Verwicklungen erst gar nicht, weil die Rahmenbedingungen andere sind. Und nicht zuletzt: Wir sollen doch wirklich nicht zu tun, als ob es Freud und die Psychoanalyse nicht gegeben hätte. Die gilt auch für Frauen, die sich zum Opfer stilisieren nachträglich, im Unterbewusstsein dem Werben aber gerne nachgegeben haben. Es gibt eben diese uneindeutigen Fälle neben den eindeutigen Fällen von Missbrauch und Nötigung auch. Wenn man die nicht auseinanderhält, landen wir in einer Hysterie allseitiger Verdächtigung.


    Schöne Grüße

    Holger

    Frauen unter das T-Shirt oder den Rock zu greifen, ihnen ungefragt die Zunge in den Mund zu stecken oder sie mit nächtlichen Anrufen zum Sex aufzufordern, verbunden mit Andeutungen, das dies ihrer Karriere förderlich wäre, waren auch damals eindeutige Übergriffe, das hat mit einer Kultur der Libertinage nichts, aber auch gar nichts zu tun.

    Jetzt vermischst Du aber Domingo mit anderen Fällen - und genau da wird es problematisch. Zwischen einem nächtlichen Anruf - da ist schon eine räumliche Distanz - und dem Zunge in den Mund stecken ist einfach ein gewaltiger Unterschied. Balzende Werbung kann aufdringlich werden, aber ist damit noch keine sexuelle Nötigung. Da geht es dann mit dem Interpretationsproblem schon los. Hier sollte man sich wirklich vor einer Skandalisierung hüten und nicht so unbedarft und undifferenziert die Dinge betrachten. Und nicht zuletzt müssen solche Anschuldigungen erst einmal bewiesen werden, ob sie berechtigt oder unberechtigt sind. Das hat sehr wohl viel mit einer Kultur der Libertinage zu tun, dass sie nämlich keine klaren Grenzen setzt, sondern die Übergänge vom gerade noch Erlaubten zum Unerlaubten fließend sind. Weswegen es dann nicht unproblatisch ist, sie nachher zu setzen. Es mag ja auch sein, dass Frauen in ihrer Verabreitung der Ereignisse später erst bemerken, dass sie das nachhaltig belastet, was sie in der ursprünglichen Situation so noch nicht bemerkt haben. Genau deshalb bin ich auch für klare Grenzen. Aber eben einfach im nachhinein etwas hineinzuprojizieren in gewisse Ereignisse, das geht nicht. So einfach kann man es sich nicht machen.


    Schöne Grüße

    Holger

    Was mich an diesem Artikel stört, sind die Parallelen, und dass als gesichert hingestellt wird, als "verschwiegene Wahrheit", dass er "systematisch" Machtmissbrauch begangen habe. Genau das ist aber fragwürdiger Populismus. Sich auf schweigende Mehrheiten oder unausgesprochene Wahrheiten zu berufen ist die populistische Masche von Trump und allen anderen Rechtspopulisten Heute. Genau da bekomme ich Bauchschmerzen. Vermutungen und Unterstellungen werden zu Gewissheiten und damit die juristische Klärung solcher Fälle zur Nebensache, was die "Volkseele" sagt, ist die Wahrheit und entscheidend. Es ist etwas Anders, wenn Jemand sagt: "Nur wenn Du mit mir schläfst, bekommst Du die Rolle." Das ist eindeutig sexuelle Nötigung. Wenn aber einer Dame dem Werben nachgibt, weil sie nur meint, dass dies nachteilig sein könnte (im Konjunktiv!) für ihre Karriere, wenn sie dem nicht nachgibt, dann ist das allein ihre Entscheidung. Wenn sie standhaft ist, dann sagt sie: Da gehe ich nicht hin, egal ob das für mich eventuell hat - ich zeige diesem Menschen, dass ich dieses Spiel nicht mitmache. Diese Freiheit hat sie. In so einem Fall kann sie die Verantwortung also nicht einfach auf den Mann abschieben und sich zum armen Opfer stilisieren. Es gehört zur menschlichen Schwäche, dass sich Mann für Frauen eher einsetzt, die ihm Gefälligkeiten geboten haben. Das sollte er nicht, passiert aber überall, auch im Universitätsbereich. Da schläft dann der verheiratete Professor mit seiner Doktorandin und ist natürlich eher geneigt, ihr eine Stelle zu verschaffen, als wenn das nicht der Fall wäre. Nur wo ist da die Grenze von Schmeichelei des eigenen Ego und Befriedigung der Eitelkeit ("Ich schlafe mit meinem tollen Prof., Du aber nicht!"), zwischen gefühlter Anziehung und strategischer Berechnung? Was überwiegt, das angenehme oder das unangenehme Gefühl dabei? All das ist nicht eindeutig. Ein solches männliches Verhalten, Begünstigungen durch gewisse Gefälligkeiten zu gewähren, ist zwar moralisch nicht besonders günstig zu bewerten, aber eben ein Spiel, das die betreffenden Frauen offenbar mitgespielt und so dazu eben mit beitragen haben, dass sich solche Verhaltensweisen als Normalität etablieren konnten. Dafür sind sie dann auch mit verantwortlich. Wenn sie sich nachträglich als Opfer stilisieren, dann haben sie dabei ihre Mitverantwortung schlicht verdrängt und auch das Unterbewusste - wohlgemerkt in diesen freiwilligen Fällen. Sänger wie Domingo waren bzw. sind ein Frauenschwarm und welche Dame fühlt sich durch so ein Angebot nicht geschmeichelt? In diesem Sinne hat die junge chinesische Pianistin Yuja Wang sich sehr negativ über MeToo geäußert: "Wenn ich das nicht will, dann gehe ich da einfach nicht hin." Das ist zwar auch eine Vereinfachung, aber Unrecht hat sie damit nicht.


    Schöne Grüße

    Holger

    Zu Kachelmann möchte ich die Urteilsbegründung in Erinnerung rufen, die offenbar viele schon wieder vergessen haben:

    Wieder einmal haben wir diese Diskussion, lieber Christian, mit den zu erwartenden Positionen. Ich finde erst einmal, dass man es sich mit dem Fall Kachelmann nicht so einfach machen sollte. Die Rehabilitierung vor Gericht hat ihm nämlich rein gar nichts genützt was die öffentliche Person angeht. Als Privatperson wurde er rehabilitiert. Als öffentliche Person hat ihn die - falsche - Vorverurteilung erledigt. Daran hat auch das späte Gerichtsurteil nichts geändert. Und das ist genau das Problematische. Wer in Bezug auf sexuellen Missbrauch heute in den öffentlichen Medien angeklagt wird, der gilt als schuldig und der wird damit als öffentliche Person "hingerichtet". Das ist, wenn man es historisch betrachtet die Fortsetzung von dem, was einst Lynchjustiz war. Heute rottet sich die Menge nicht mehr auf der Straße zusammen, sondern im Internet. Ich rede jetzt nicht von den Frauen, die sich melden, sondern von den Unbeteilgten, die diese Meldungen zum Anlass nehmen, einen Shitstorm der Empörung zu entfachen. Das alles gehört zusammen und man kann es nicht voneinander trennen. Und genau das ist auch das Problem bei diesem Kommentar von Martin Zeyn:

    Zur Domingo-Berichterstattung empfehle ich diesen Kommentar von Martin Zeyn auf Capriccio:

    Der Mann hat Recht aber er vereinfacht auch. Erst einmal ist das Problem, dass diese Meldungen von Frauen funktionalisiert werden in einem solchen Shitstorm von den vielen Empörten, die solche Meldungen erst zum Skandal aufbauschen. Und zweitens ist gerade hier bei Domingo wieder einmal hoch problematisch, dass Zweideutigkeiten eindeutig gemacht werden. Wo Missbauch eindeutig ist wie beim Missbrauchsskandal der katholischen Kirche oder Vergewaltigung ist das alles keine Frage. Und natürlich schüchtern Täter Opfer ein, indem sie ihnen Schildgefühle machen. Ihnen hilft jetzt MeToo, dass sie sich äußern. Das ist auch gut so. Nur das ist nur die eine Seite. Es gibt eben - und das vermischt sich - die Grauzone einer "Kultur der Libertinage", wo es dann letztlich nicht mehr eindeutig ist, was als Übergriff empfunden wurde oder wird, sondern das eine Frage der "Interpretation" ist. Was wird noch als Schmeichelei empfunden und was ist schon Belästigung? Das ist sehr deutungsfähig und die Beurteilung weich und dehnbar wie Gummi. Da ist dann schon berechtigt die kritische Frage: Wird da von manchen Betroffenen im Zuge von MeToo etwas als Übergriff und Missbrauch im nachhinien interpretiert, was damals vielleicht gar nicht so empfunden wurde? Der Mann ist attraktiv und er wurde sicher ebenso von Frauen belästigt oder "verfolgt". Da gibt es dann ein Geben und Nehmen. Ich finde, dass Domingo schon begriffen hat, dass sein Verhalten zu einer Kultur der Libertinage gehörte, die heute nicht mehr von der Gesellschaft akzeptiert wird. Was nur nicht sein kann, ist, dass ein objektiv betrachtet ganz sicher hoch problematisches Verhalten - problematisch eben wegen seiner Zweideutigkeiten und fließenden Grenzen von Flirt und Belästigung, was zu dieser Kultur der Libertinage gehörte - nachträglich skandalisiert und dann das Verhalten zum "Verbrechen" stilisert wird mit dem Shitstorm der Empörung und Skandalisierung, der darauf folgt. Und es kann nicht sein, dass der Shitstorm in den Medien zur Gerichtsbarkeit wird, die eine Person verurteilt nur aufgrund von Anschuldigungen und so als öffentliche Person "killt". Das ist eine fragwürde Aushölung des Rechtsstaates. Ich bin nicht der Meinung, dass solche der Lynchjustiz ähnliche Praktiken, wie sie das Internet leider bietet, einfach so hinzunehmen sind. Der Rechtsschutz muss für Opfer und Beschuldigte gleichermaßen gelten.


    Schöne Grüße

    Holger


    Wenn man verschiedene hochkarätige Aufnahmen hintereinander gehört hat, kann es leider sein, dass manchmal die Maßstäbe etwas zurecht gerückt werden. Diese Gould-Aufnahme mit Vladimir Golschmann als Dirigenten ist zugute zu halten, dass sie jugendlich frech ist, sich nicht um Konventionen und Aufführungstraditionen schert, sondern frisch und munter drauflos musiziert. Ganz objektiv betrachtet ist das von der Orchesterseite her nicht die allererste Garnitur. Golschmann dirigiert das sehr rustikal und ist nicht gerade liebevoll in der Detailarbeit. Kein Vergleich zum meisterlichen Niveau des Perfektionisten George Szell, der zwar militärisch zackig klingt, aber ausgefeilt und ausgewogen bis ins letzte Detail musiziert. Das ist bei Golschmann im Vergleich die Statue eines Bildhauers im Rohzustand. Besonders im langsamen Satz ist das alles andere als ideal. Und Gould? Wenn man mal vom Gould-Mythos absieht, musiziert er frisch und natürlich. Aber die ganz großen interpretatorischen Einsichten vermittelt die Aufnahme nicht und auch er gestaltet nicht gerade sich liebevoll in jedes Detail versenkend, sondern spielt die großen Linien stromlinienförmig entlang. Das allerdings sehr gefällig freilich. Nicht zu verschweigen ist aber, dass es zwei wirklich kauzige, so überhaupt nicht zu Beethoven passende Kadenzen gibt. Die erste ist ein Beispiel für how to write a fugue - "Beethoven goes Bach-Gould". Die zweite im dritten Satz ist ein Stilbruch sondergleichen, hat etwas von einer Abrißbirne, die in ein altes Haus knallt. :P Der Orchestereinsatz kommt dann so befremdlich, dass man sich fragt, ob dieses Beethoven-Haus überhaupt noch steht. :D Die Aufnahme ist natürlich hörenswert und man hat sie, weil sie eben ein Zeugnis des Exzentriker-Phänomens Gould ist. Aber abgesehen vom Gould-Mythos gibt es dann nüchtern-objektiv betrachtet doch einige andere Aufnahmen, die interpretatorisch und gestalterisch mehr bieten. Da ist Goulds wirklich fabelhafte Aufnahme des 3. Konzerts mit Karajan bedeutender und auch vom interpretatorischen Niveau her auf einer anderen Ebene, finde ich. 8-)


    Schöne Grüße

    Holger

    Hab sie bekommen :) - ein hochinteressanter Vergleich zwischen einem Hammerflügel von Conrad Graf, einem Bösendorfer und einem Steinway. Die CD werde ich natürlich bei Gelegenheit ausführlich besprechen:



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    Schöne Grüße

    Holger

    Wer suchet, der findet :) ! Hier sind sie, sogar zu einem ziemlich moderaten Preis:

    Lieber Nemorino,


    ganz herzlichen Dank! Ich weiß noch nicht, ob ich die CDs bestellen soll. Es sind wohl wegen dieser Papphüllen leider doch Kratzer drauf, da weiß man nie. Die Haydn-Variationen sind ein Rubinstein-Highlight, die habe ich auf einer anderen CD! :)

    Ich habe zugegebenermaßen Eschenbachs Dirigentenkarriere nicht minutiös verfolgt,

    Er war gern gesehener Gast beim Schleswig-Holstein-Festival. Meine verstorbene Tante, die in Kiel wohnte, hat ihn immer wieder gehört dort und schätzte ihn sehr. Die folgende CD ist wirklich sehr empfehlenswert:



    Und er war Mentor von Lang Lang - begleitet ihn beim 1. Beethoven-Konzert. Das ist eine der Lang Lang-Aufnahmen, die wirklich anhörbar ist (was man vom 4. Konzert auf derselben CD leider nicht sagen kann!):



    Glenn Gould höre ich mir (wieder) an. Ich habe aber auch einen sehr positiven Eindruck bei mir abgespeichert.


    Von Gieseking hatte ich mir zuletzt die kompletten Beethoven-Sonaten zugelegt - leider habe ich von ihm aber kein einziges Beethoven-Konzert ;( - aber folgende Veröffentlichung des verdienstvollen Labels apr entdeckt:



    :hello:


    Herzlich grüßend

    Holger

    - Die alte mono-Aufnahme mit dem großartigen BEETHOVEN- und SCHUBERT- Interpreten FRIEDRICH WÜHRER und dem PRO MUSICA-SYMOPHONIE-ORCHESTER WIEN unter HANS SWAROWSKY, die selbst in mono immer noch für sich einnimmt.

    Lieber Wok,


    die Beethoven-Konzerte (das kurze Reinhören hat mich überzeugt) gibt es komplett in folgender CD-Box:


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    51CnGFW-4FL._SX300_.jpg


    https://www.amazon.de/Friedric…65718100&s=gateway&sr=8-2


    :hello:


    Schöne Grüße

    Holger

    Aus meiner Sicht hat hier der Richtige gewonnen. Kantorow ist ein Vollblutmusiker, der auch noch im Stress eines Wettbewerb-Finales mitreissen kann. Im Studio verwandelt er die Islamey in ein rauschendes Klavierfest.

    Ich habe kurz reingehört, lieber Barere - und er gefällt mir! :)


    Schöne Grüße

    Holger

    hat m. E. das Feld der 5 Beethovenschen Klavierkonzerte zusammen mit Alfred Brendel am meisten "gerockt", wie es heutzutage so schön auf "neudentsch" heißt. Und Rubinsteins sämtlichen drei GA mit Josef Krips und der "Symphony of the Air" 1956, aufgenommen im Dezember in nur 11 Tagen, wobei er nur für das 4. KK zwei Tage gebraucht hat, dann seine GA mit Erich Leinsdorf und der Boston Symphony, die sich jedoch von 1963 bis 1967 über ganze 5 Jahre erstreckte, und schließlich seine GA mit Daniel Barenboim und dem London Philharmonic aus dem Jahre 1975 gehören zu den Perlen meiner recht ansehnlichen Beethoven-KK-Sammlung. Bei der Aufnahme 1975 war er 88 Jahre alt, und wzei Jahre vorher, als er erst 86 war, nahm er dieses Konzert auf:

    Lieber Willi, da muss ich meine Rubinstein-Sammlung noch ergänzen.... :)

    Die besitze ich leider nicht, aber ich habe die frühere Ausgabe mit Josef Krips und der Symphony of the Air (ex NBC), aus dem Jahr 1956, die Willi bereits in seinem vorigen Beitrag genannt hat.

    Lieber Nemorino, die Krips-Aufnahmen hatte ich vor mehr als einem Jahr bei amazon zu bestellen versucht. Leider sind sie vergriffen. Ich habe erst 6 Monate gewartet und dann wurde die Bestellung storniert. Leider! Ich muss mal schauen, ob ich Gieseking auch habe! Toscanini hatten wir glaube ich schon mal besprochen! :hello:


    Schöne Grüße

    Holger

    Holger, ich finde das albern. Deine Vorlesungen, mit denen Du uns häufig beglückst, sind oft mit Beispielen sogar aus der Antike bestückt. Selbst Zitate und Erklärungen aus dem 20. Jahrhundert sind mit Verlaub gesagt "alt", wenn Du den Beitrag von Matthias Kaiser als solchen bezeichnest!! Er stammt aus dem Jahre 2009!!!

    Der gute Mensch heißt erst einmal Joachim (!!!) Kaiser. Und Kaisers Beitrag war schon einmal Gegenstand einer Thread-Diskussion. Da äußert er sich kritisch zu einer ganz bestimmten Inszenierung was das Verhältnis von Musik und Inszenierung angeht - und redet nicht einfach allgemein abstrakt über RT. Zu genau der Thematik, die Kaiser anspricht, habe ich mich zuletzt geäußert konkret zur Münsteraner Inszenierung von Mozarts "Entführung..." und dazu eine glaube ich sehr differenzierte Meinung entwickelt. Davon hat nur keiner von Euch Notiz genommen. Und Stuttgart ist eine der führenden Hochschulen überhaupt auf dem Gebiet von Kunst/Tanz/Theater. Der Professor für Theaterwissenschaften dort beschäftigt sich mit nichts anderem als den Entwicklungen im Theater. Das ist sein Job. Wenn er diese Art der Diskussion für obsolet hält, dann ist es Verweigerungshaltung, so etwas nicht zur Kenntnis zu nehmen. Und was sind meine Beispiele aus der Antike? Ich habe konkrete Beispiele aus dem 19. Jhd. gegeben, wie konkret eine "traditionelle" Inszenierung ausgesehen hat, die von sogenanntem "RT" nicht nur nicht weit entfernt ist, sondern in der Art der Veränderung dieses sogar übertrifft. Auch hier gibt es die Weigerung, das zur Kenntnis zu nehmen.


    Aber begreifen wirst Du nie, daß ich kein "Konzept" brauche, um eine Oper zu verstehen. Das hat nichts mit Tumbheit oder der Verweigerungshaltung zu tun, das begreifen zu sollen, was uns der Regisseur sagen will, sondern mit dem Unverständnis, mit der wir heute nicht nur Opern betrachten müssen, sondern die ganze Welt.

    Wenn man sich weigert, nachzuvollziehen, was die "Idee" einer solchen Inszenierung ist, weil einem ein bestimmtes Theaterkonzept allgemein nicht passt und sich dann auch noch auf das eigene Unverständnis beruft, dann ist das eine Verweigerungshaltung.

    Und auch das, sehr geehrter MSchenk, hat nie jemand behauptet!

    Ich glaube, da leidest Du unter Gedächtnisschwund. Es gibt unzählige Beiträge, wo besonders Du Dich beleidigt äußerst, dass man Dein Unterhaltungsbedürfnis und das nach Genuss nicht diskriminieren dürfe durch Belehrung und intellektuelle oder moralische Ansprüche. Da reicht der Platz nicht, wollte man das alles zitieren!

    Ich weigere mich, diese Welt verstehen zu müssen, sondern versuche sie zu bekämpfen.

    Sic!


    Schöne Grüße

    Holger

    Nun musste ich auch noch eine andere "klassische" Aufnahme aus meiner Sammlung hören Arthur Rubinstein und Erich Leinsdorf:


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    "Zeitlos gültig" ist hier das richtige Wort! Rubinstein spielt Beethoven mit den Tugenden des großen Chopin-Spielers, die Fähigkeit, die Linie zu wahren, immer Ausgewogenheit herzustellen und den richtigen klassisch-romantischen Ton zu finden. Wo Andere nur "linear" spielen, gestaltet er eine große runde Melodielinie. Die Kadenz beeindruckt durch Rubinsteins einfühlsame Bearbeitung, die ihr Saft und Kraft gibt mit einem dunklen Bass. Im langsamen Satz rückt er Beethoven in die Nähe von Brahms - Beethovens Lyrik bekommt eine gewisse Gewichtigkeit und streng-ernste Klangschönheit. Das Finale ist wie bei Rubinstein üblich lebensfroh, aber niemals lärmend naiv, trotzdem mit slavischer Feinsinnigkeit gespielt. Rubinstein rückt Beethoven in die Nähe eines Romantikers, ohne ihn zu romantisieren. Leinsdorf unterstützt diesen Ansatz und dann ist auch noch die Aufnahmetechnik hervorragend! Einfach beglückend! Rubinstein zeigt immer wieder, dass großes Klavierspiel keine vordergründigen Aufreger braucht. Die Substanz wirkt. Eine gestalterisch und klangästhetisch in sich vollendete Aufnahme. Ich möchte sie in meiner Sammlung nicht missen! :) :) :)


    Schöne Grüße

    Holger

    Warum denke ich gerade jetzt an Matthias Kaiser, dem, mit Verlaub, in Fragen Musik- und Opernkritik keiner hier im Forum das Wasser reichen kann. Keiner. In seinem nachtehenden Beitrag, besonders ab 3:30 sec geht er auf Absurditäten ein, die das Regietheater besonders dann sehr, sehr skeptisch sieht, wenn Konzepte verfolgt werden, die die inszenierte Oper konterkarieren.

    Das ist mit Verlaub gesagt alt! Es gab eine schöne neuere Diskussion im Radio, wo u.a. Laurenz Lütteken (der bekanntlich ein Gegner von RT ist) beteiligt war und ein Theaterwissenschaftler aus Stuttgart, der klar machte, dass die ganze Diskussion Regietheater versus traditionelle Inszenierung der Theaterlandschaft heute mit ihrer Vielfalt auch nicht im Ansatz mehr gerecht wird. Bezeichnend sind die Regietheater-Gegner hier Angehörige einer bestimmten älteren Generation, deren Bild von der Oper vor Jahrzehnten geprägt wurde und dass sie auch nicht mehr verändern wollen und/oder können. Die Zeit ist aber nicht stehen geblieben. Mich interessiert bei dieser Inszenierung schlicht die ganze abgestandene und obsolete Regietheater-Debatte nicht im Geringsten. Die führt wie man sieht nur zu einer Verweigerungshaltung, überhaupt zu verstehen, was man da konkret sieht. Ich hätte aber gerne endlich mal einen wirklich informativen und Ernst gemeinten Beitrag, der sich nicht nur über Äußerlichkeiten und Nebensächlichkeiten aufregt - und dann auch noch über das dumme Publikum schimpft, was immer gefährlich ist, weil es leicht wie ein Boomerang zum Urheber zurückkommt.


    Schöne Grüße

    Holger

    Im übrigen habe ich mir gestern den ersten Akt des Rigoletto aus Bregenz angeschaut und finde Philipp Stölzls Inszenierung selbst auf dem Bildschirm noch sehr spannend und emotional eindrücklich (bin halt auch nur unbedarfte, vergnügungssüchtige Masse, der man hier nicht allzuviel Bedeutung beimessen sollte) und kann mir gut vorstellen, wie beeindruckend dies live gewirkt haben muss. Dabei ist andereseits natürlich vollkommen klar, dass es sich hier um eine Produktion für die Seebühne mit ihren räumlichen und technischen Möglichkeiten handelt, die so ganz offensichtlich nicht in ein Opernhaus zu transportieren ist.

    Lieber Michael,


    der Thread soll ja eigentlich eine "Herausforderung zur Diskussion" sein. Davon spüre ich bisher allerding rein gar nichts. Denn statt dass man sich erst einmal um Verständnis bemüht, gibt es nur Beiträge, die das eigene Unverständnis zum Ausdruck bringen. Das ist aber eindeutig zu wenig und keinerlei Diskussionsgrundlage. Es gibt keinen einzigen Beitrag, der das Regiekonzept wenigstens einmal beschreiben würde, dass man es versteht. Warum? Weil man voreingenommen solches Theater nicht Ernst nimmt und nicht Ernst nehmen will. Man will gar nicht diskutieren und es wird immer nur wiederholt: Weil das im Zirkusmilieu spielt ist die ganze Inszenierung bloßer Zirkus. Das ist aber keine wirklich sachliche Analyse sondern eine rein suggestive Behauptung, womit man nur seine eigene Einstellung über diese Art von Theater zum Ausdruck bringt und weiter zur Sache dann gar nichts mehr zu sagen hat. Und wenn man bemerkt, dass die Akteure in einem Ballon sitzen, sollte man sich doch vielleicht über das Bühnenbild im Ganzen - das sehr originelle und surrealistisch expressive finde ich - zumindest einmal Gedanken machen. Da gibt es einen übergroßen Kopf und eine übergroße Hand. Die Hand hält den Ballon. Es ist doch eigentlich nicht zuviel verlangt, sich wenigstens dabei etwas aufzuhalten, als immer nur fassungslos auf den Ballon zu starren und zu sagen: Wie sinnlos, Akteure in einem Ballon! Nur Zirkus, nur Zirkus!


    Schöne Grüße

    Holger

    leider liegen mir beide Aufnahmen nicht vor, aber trotzdem ist Géza Anda bei mir mit Beethovens Klavierkonzert Nr. 1 vertreten:

    Lieber Nemorino,


    die CD habe ich natürlich auch - und das glatt vergessen. Denn sie ist bei mir nicht bei Anda, sondern bei Haskil einsortiert! ^^ Heute morgen habe ich Anda mit Liszts Sonate h-moll gehört (Audite CD Vol II, s.o.!). Da hört man wirklich Mephisto an die Tür klopfen. Eine - vielleicht sogar die - aussagekräftigste Interpretation der Sonate überhaupt. Von seiner atemberaubenden Pianistik ganz zu schweigen. Da realisiert man erst, was man bei vielen Anderen nicht hört... :)

    habe ich zuerst diese eines österreichischen Pianistten gefunden, der aus dem berühmte Pianisten-Jahrhundert-Jahrgang 1903 stammt:

    Lieber Willi,


    die Box fehlt mir leider noch in meiner Sammlung. Das wird sich aber wohl ändern... :hello:


    Liebe Grüße

    Holger

    vielen Dank für Deine Antwort.

    Svjatoslav Richter hat ja interessanterweise nur Beethovens Konzerte Nr. 1 & 3 im Repertoire gehabt, während er um Nr. 2, 4 & 5 zeitlebens einen Bogen gemacht hat, aus unerfindlichen Gründen.

    Das dritte Konzert hat er sogar 2 x im Studio aufgenommen:

    Lieber Nemorino,


    die DGG-Aufnahme habe ich! :)


    Heute habe ich eine Aufnahme des 1. Klavierkonzerts gehört, in die man sich nur verlieben kann: Geza Anda als Solist und Dirigent 1969:


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    Anda ist ja nun auch Ungar, aber dirigiert das so gar nicht "militärisch"! Schon die Einleitung hat eine unglaubliche Leichtigkeit und feine, graziöse Eleganz, dabei dirigiert und spielt er super präzise und die Übereinstimmung von Klavier und Orchester ist perfekt! Er denkt in großen Bögen. Sein Spiel ist von einer betörenden Leichtigkeit und Klarheit, hat Esprit und vor allem: Schönheit! Anda nivelliert nichts, seine Akzente sind lebendig und höchst flexibel, aber er vermeidet zugleich jede Knalligkeit, da gibt es kein "Poltern". Ein klassischer Beethoven, geistreich und vorgetragen mit poetischer Wärme und Charme. Einfach nur wunderbar! :) :) :)


    Ich habe noch eine zweite Aufnahme von ihm:



    Die höre ich vielleicht morgen auch noch!


    Herzlich grüßend

    Holger

    Etwas erstaunlich, daß hier bei den letzten Beiträgen von BECHSTEIN als Alternative zu Steinway kaum die Rede ist. Zumindest vor dem Krieg war BECHSTEIN der meistgespielte Konzertflügel. Ich besitze selbst einen Bechstein-Flügel aus dem Jahr 2007 und bin von dessen Qualitäten überzeugt.

    :thumbup:Lieber Wok, klar! Bechstein war vor 1945 der verbreitetste Flügel. Nach dem 2. Weltkrieg, als die Fabrik in Schutt und Asche lag, hat Steinway die Lücke dann genutzt. Das ist ein wunderbares Instrument - die Firma war leider immer wieder in finanziellen Schwierigkeiten. Ich bin gar nicht auf dem Laufenden, wem sie jetzt gehört. Ich kann demnächst mal einige exemplarische Bechstein-Aufnahmen besprechen oder zumindest auf sie hinweisen!


    Schöne Grüße

    Holger

    an seinem 81. Geburtstag möchte ich auf jene LPs und ihre Vorgeschichte hinweisen, mit denen Jerome Rose bekannt wurde. Das sind seine Liszt-Aufnahmen, insbesondere die Gesamtausgabe* der Années de pèlerinage (1973; Holger hat im Beitrag #1 schon darauf hingewiesen):

    Lieber Barere,


    Danke für Deine ausführlichen Erläuterungen! :) Die Box habe ich - aber noch nicht gehört. Ich habe auch noch eine andere neuere Gesamtaufnahme ungehört bei mir im Regal stehen. Da das "mein" zentrales Liszt-Werk ist, nehme ich mir dafür richtig Zeit, die ich im Moment nicht habe! :hello:


    Schöne Grüße

    Holger

    Lieber Nemorino,


    herzlichen Dank für die Tips zu Richter! Da muss ich nachher mal schauen, was ich habe und was nicht! Ich habe gerade Szell und Fleisher gehört. Auch hier wirkt Szell am Anfang wie eine Militärkapelle - aber in dieser Aufnahme ist er nicht so extrem. Zudem muss man feststellen, dass Szell auch nicht ganz konsequent ist. Wenn er schon so marschartig zackig artikuliert, hätte er auch bei den lyrischen Stellen rhetorischer spielen müssen. Aber Szell ist eben nicht Harnoncourt. Vielleicht wirkt deswegen das Marschartige etwas prosaisch. In der Aufnahme mit Gilels haben die Beteiligten vielleicht zu viel gewollt, zu perfektionistisch agiert. Hier mit Fleisher wirkt Szell eben nicht so steif. Die beiden harmonieren auch besser. Fleisher spielt sehr einnehmend unforciert und klassisch-natürlich, aber auch mit der gewissen Frische eines Amerikaners. In der Kadenz kommt er eindeutig nicht an Benedetti Michelangeli heran - aber da wirkt selbst dessen Meisterschüler Maurizio Pollini etwas pomadig im Vergleich mit seinem Meister. ^^ Im langsamen Satz ist er auch sehr rund, vielleicht aber ein wenig zu glatt. Zuletzt habe ich deshalb noch die Aufnahme mit Paul Badura-Skoda und Hermann Scherchen von 1954 gehört:



    Interessant ist das ganz hervorragende Dirigat von Hermann Scherchen. Ähnlich wie Szell und Solti dirigiert er die Einleitung staccato und marschartig. Doch der Unterschied ist, dass es bei ihm nicht nach Militärkapelle, sondern nach großem Orchester klingt. Er phrasiert einmal emphatischer und vor allem spielt er die thematischen Strukturen und Kontraste viel deutlicher heraus, so dass man sich primär auf die thematische Logik des gegenseitigen Antwortens und damit den symphonischen Satz konzentriert und die Marschidiomatik zwar da ist, aber nicht so penetrant vordergründig. Vom hervorragenden Niveau her tun sich Badura-Skoda und Fleisher nichts. Nur phrasiert Baduro-Skoda doch etwas plastischer, sprechender, gerade im langsamen Satz. Da macht er mehr daraus. Zudem spielt er eine hochinteressante eigene Kadenz. Insgesamt finde ich diese bemerkenswerte Aufnahme einen Tick besser als Szell/Fleisher. :hello:


    Schöne Grüße

    Holger

    Nein, ich meine die Einzelaufnahme mit Christoph Eschenbach von 1966 (DGG):

    Lieber Nemorino,


    ach ja, die Aufnahme hatte ich mir damals auf Dein Anraten hin doch besorgt! Das Alter! :D Je älterer man wird, desto trotteliger wird man! ;( Die Aufnahme ist wirklich außergewöhnlich! :)

    Die GA Weissenberg/Karajan (EMI) steht auch bei mir, ich habe sie aber lange nicht mehr gehört. Daraus ist mir vor allem das Konzert Nr. 4 in bester Erinnerung.

    Diese GA ist wirklich sehr gut, natürlich wegen Weissenberg - nur im 1. Konzert in der Einleitung gefällt mir Karajan mit seinem Legato gar nicht. Da fehlt mir die jugendliche Frische! ^^

    Richter/Münch: Es gibt m.W. von seiner USA-Reise sowohl einen Konzertmitschnitt sowie die im direkten Anschluß danach entstandene Studioproduktion vom 2./3.11.1960. Ich besitze nur die Studioaufnahme (wie weiter oben abgebildet), angeblich soll der Mitschnitt aus Boston noch beeindruckender sein, aber klanglich nicht so gut. Der Mitschnitt aus Prag liegt mir nicht vor.

    Leider habe ich beide Aufnahmen nicht. Ich hette mir von Richter zuletzt noch die Carnegie-Hall-Konzerte besorgt. Dann müssen die also auch noch kommen... :hello:


    Schöne Grüße

    Holger