Beiträge von Dr. Holger Kaletha

    1. Aussagen über Kopfhörer für andere zu treffen ist eigentlich unmöglich, da wir nicht alle das gleiche Hörprofil haben. Abhängig vom Alter (abnehmende Hörfähigkeit), wilder Jugend (Discolärm/Konzerte mit entsprechenden Folgen), persönlicher Präferenzen (was empfindet man als zu wenig an Bass, was als zu viel an Höhen), präferierter Musik ergibt sich jeweils ein persönliches Hörprofil, das es unabdingbar macht, Kopfhörer selbst zu hören.

    Da gebe ich Dir im Prinzip voll recht, würde das nur ein bisschen anders formulieren: Man kann Klangprofile schon "objektiv" beschreiben - und gute Testberichte tun das auch. Ob das gefällt oder nicht gefällt (mehr oder weniger), ist dann allerdings eine Frage der persönlichen Vorliebe, also der subjektiven Bewertung. Anders als Beschreibungen sind Bewertungen nie "objektiv".

    2. Keine der Firmen wie Sennheiser, AKG, Beyerdynamic, Focal etc. baut heute noch „schlechte“ Kopfhörer, dafür ist die Konkurrenz viel zu groß - ab 150 Euro bekommt man Gutes geboten. Alles ab 300 Euro, also ab etwa einem Sennheiser HD 650 ist Grenznutzen, der es einem wert sein muss. Lebenswichtig, um Klassik auf hochwertige Weise zu hören ist es nicht.

    Auch da gebe ich Dir Recht. Nur was einem reicht oder nicht reicht, ist wiederum eine Frage des Anspruchs. Das ist nicht nur bei Kopfhörern so, auch bei Hifi insgesamt oder bei Musikinstrumenten.

    3. Viele Teilnehmer der „Kopfhörerszene“ (ja, sowas gibt es) scheinen nur noch dem letzten bisschen Verbesserung nachzujagen. Ich gönne jedem sein Hobby und bewundere Spezialistentum, zugleich steht für mich immer noch die Musik im Mittelpunkt. Ich höre lieber Furtwängler in historischer Tonqualität als (Insert Name here) in DDD - wobei ich Remasterings von historischen Aufnahmen positiv gegenüber stehe, weil diese die Musik besser zur Geltung bringen.

    So einer war ich nie. Ich benutze Geräte, die 3 Jahrzehnte alt sind zusammen mit neuen. Ich weiß sehr genau, wo welches Gerät welche Grenzen hat und wann ich besser das bessere benutze... Das ist auch meine Erfahrung: Gerade bei historischen Aufnahmen ist das Mastering ungemein wichtig! :)


    Schöne Grüße

    Holger

    Preiswürdiges Remastering



    Das ist wirklich ein Remastering, wie man es sich wünscht mit Vorbildcharakter.


    Die CD mit den Preludes Heft I hat bei mir eine beseondere Bedeutung. In meiner inzwischen auf die 4000 CDs zuwachsenden Sammlung trägt sie bezeichnend die Archivierungsnummer "1". So sah die CD-Erstveröffentlichung aus:


    41X78MS7Y7L.jpg


    Die Qualität ist - eigentlich untypisch für die Zeit - hervorragend! Sie haben die analoge Aufnahme ohne neues Remastering nur digitalisiert (AAD). Sie klingt einfach perfekt ausgewogen mit einem klaren und zugleich vollen Klavierton - die Abbildung ist für heutige Maßstäbe etwas klein. D.h. die Mikrophone haben relativ weit vom Flügel weggestanden.


    Das neue Remastering mit 24 Bit 96 KHz-Technik knüpft hier an: Die ästhetischen Qualitäten der Aufnahme sind gewahrt - die sagenhafte Homogenität. Aber sie ist einfach nur feiner, substanzreicher und einen Tick klarer. Ein deutlicher Hörgewinn - vor allem zu der Ausgabe in der Michelangeli-Box von 2002:


    7116XFt1GYL._SL1400_.jpg


    Unter meinem Stax-Kopfhörer klingt sie leicht basslastig und die Höhen sind etwas verselbständigt, kommen dünner und haben nicht diese Rundung und Einbindung in den Gesamtklang. Mit dem bassstarken Focal Clear gehört wirken sie sogar leicht aufgeweicht und aufgequollen. Ein Beispiel für ein nicht gelungenes Remastering.


    Der Vergleich bezieht sich auf die Wiedergabe mit CD. Die Blue-Ray-Audio kann ich zwar abspielen, aber nicht in der Qualität der CD-Wiedergabe. Ich habe es versucht mit Lichtleiter-Digitalkabel. Eigentlich sollte mein Panasonic Blue Ray-Disc-Recorder das Signal mit 96 KHz rausgeben. Tut er aber nicht. Denn: Es leuchtet beim Cambridge DAC Magic Plus die Anzeige 48 KHz (das DVD-Format) nach Einlegen der Blue-Ray-Audio-Disc. Die Verbindung ist also zunächst da, aber im falschen Format. Wenn ich allerdings die Disc starte, erlischt das Lämpchen und es kommt kein Ton. Die analoge Verbindung über Cinch klappt zwar, ist aber wohl nicht in der originalen High Res-Qualität. Mal sehen, ob ich das Problem noch löse. Schade! Musik-DVDs und auch der Fernsehton wird dagegen über die Lichtleiter-Verbindung wiedergegeben. Es muss also am Format der Blue Ray-Audio liegen. Maßlos geärgert habe ich mich zudem über den wackligen Toslink-Stecker des Panasonic - da rutscht das Kabel (ein Audioquest Forest Toslink) einfach so rein und raus. Im Video-Bereich ist die Qualität leider so miese.


    Nachbemerkung: Wie klug sie beim Remastering vorgegangen sind, zeigt, dass sie nur die analogen Aufnahmen mit 24 Bit/96 KHz remastert haben, die schon digital aufgenommenen Preludes Heft II haben sie beim originalen Aufnahmeformat 44 KHz belassen und auch kein Upsampling vorgenommen. Die Aufnahme habe ich aber noch nicht gehört. :) :) :)


    Schöne Grüße

    Holger

    1. Focal Clear Ersatzpad 115 Euro für ein (!) Stück.

    Lieber Christian,


    wenn Du ein Cinch-Kabel kaufst, steht da auch in der Bestellliste 1 Stück. Das heißt aber nicht, dass Du nur ein Kabel für den linken Kanal bekommst und ein zweites für den rechten dazu kaufen musst. ^^ ;) "Stück" ist die Bezeichnung für die Verpackung, in der dann zwei Teile drin sind. So ist es auch mit diesem Ersatzpad. Das ist ein Set, das Du erwirbst. In der Beschreibung steht Plural... Etwas Anderes machte auch keinen Sinn. Denn wenn, dann wechselt man immer beide Ohrkissen aus.

    Die Abnutzung ist aber in der Regel beidseitig - und hängt natürlich überdies davon ab, ob man primär Kopfhörer hört (wie ich) oder nur gelegentlich.


    Berichte von Vielusern, die sich über die Qualität ärgern, habe ich spontan fünf gefunden.

    Das ist ein generelles Problem bei allen Kopfhörern. Wer täglich 4 Stunden Kopfhörer hört, klar, bei dem kommen die Abnutzungserscheinungen früher. Ich verstehe aber nicht, warum man hier ausgerechnet bei Focal darauf herumreitet. Focal bietet denselben Kopfhörer mit identischen Polstern (nur die Farbe ist rot statt grau) auch für Tonstudios an. Sie sind also für den harten Studiobetrieb ausgelegt und geeignet. Deswegen haben sie die Ohrpolster auch so gemacht, dass man sie leicht auswechsel kann, was bei anderen Herstellern nicht der Fall ist. Gerade bei den Ohrpolstern hebt sich Focal deutlich im positiven Sinne von der Masse ab. Das ist ein sehr wertiges Material, fühlt sich gut an und ist sehr (!) angenehm am Ohr. Zudem beeinflusst die Material nicht unwesentlich den Klang. Man kann auch ein anderes Ohrpolster bei Focal bestellen, wenn man will. Wer so einen teuren Kopfhörer kauft, der sollte auch in 7 Jahren mal das Ohrpolster wechseln können für knapp über 100 Euro, wenn er es tatsächlich verschlissen hat. Ansonsten ist die Ausstattung bei Focal dazu noch üppig: Es gibt einen schönen Koffer und kostenlos dabei sind drei (!) Kabel, darunter ein symmetrisches. Die muss man bei Sennheiser z.B. extra dazukaufen. Ich muss nächste Woche sowieso zu Auditorium hier in Münster. Die haben den Focal Clear sehr viel verkauft - hatten ihn (auch die Pro Version) lange günstig im Angebot. Ich frage einfach den Chef, wieviele Ohrpolster-Sets er denn so verkauft und was die Kundenrückmeldungen sind...

    2. Ein Feliks Audio Echo Mk II kostet 799,-€. Man bekommt dafür ein in Polen handgefertigtes, wie ich finde recht hübsches Stück Hardware, das beste Kritiken bekommen hat.

    https://headphone.shop/de/produkte/Feliks-Audio-Echo-mk-2/


    Natürlich kann man ein Mehr an "Wärme" des Klangs auch über einen guten EQ hinbekommen. Ich werde den Sennheiser aber erstmal "pur" am KHV des Technics betreiben und kann sagen: Ich bin überwältigt vom Klang - wirklich großartig! Ein User schrieb über den HD 800 S, das er einen seiner Lieblingssongs abgehört hätte und zum ersten Mal wahrgenommen hat, dass im Hintergrund des Studios einmal eine Tür auf und zugeht. Das finde ich sehr glaubhaft, weil der Kopfhörer unglaublich feinauflösend ist. Da ich vor allem Symphonik und Wagner-Opern höre, für mich genau das Richtige - die Breite eines Symphonieorchesters auf der Bühne des Kopfhörers mit sehr genauer Zuordnung der einzelnen Instrumente bzw. Stimmen.

    Der Sennheiser HD 800 S ist ein Spitzenkopfhörer ohne Frage und spielt in der Preisklasse mit einem Focal Clear oder auch einem Stax auf Augenhöhe. Gemeckert wurde in einem Test über ihn allerdings auch, wegen der etwas zu dünnen Basswiedergabe des HD 800 S. (Die ist phänomenal beim Focal Clear!) Das ist so - Kopfhörer sind individuelle Geschmackssache und da findet jeder etwas zu mäkeln, wenn er will. :D Ich weiß aber nicht, ob das mit dem Röhrenverstärker so eine gute Idee ist. Schon bei meinem Focal Clear finde ich den hoch auflösenden aber immer rund klingenden Hochtonbereich so, dass da ein Röhrenverstärker zu viel des Guten wäre und er so verfärben würde. Den Sennheiser habe ich ja auch gehört und bin eher skeptisch, ob dann mit so einem Röhrengerät im Hochtonbereich nicht etwas fehlt. Wo mir ein Röhren-Kopfhörerverstärker ausnehmend gut gefallen hat, war bei einem Stax noch in Bielefeld, wo ich ihn beim Händler Probe hörte. Aber auch da war die Meinung des Händlers, dass er das Transistorgerät vorziehen würde. An dieser Frage scheiden sich halt die Geister. Ein Stax - das sind einfach die systembedingten Vorteile eines Elektrostaten - hat was Auflösung und Räumlichkeit, Luftigkeit und Präzision angeht, immer die Nase vorn. Er ist natürlich schlanker im Bass - und das ist nicht Jedermanns Geschmack. Wenn ich zuviel Geld hätte, würde ich mir tatsächlich einen Stax als zweiten Spitzen-Kopfhörer zulegen. Der Stax-Klang hat mich geprägt. Ich betreibe immer noch einen ca. 35 Jahre alten SR-5 Gold. Ein unverwüstliches Teil und klingt heute noch - gestern wieder gehört - betörend. Bei der Auflösung muss man natürlich Abstriche machen bei so einem "Oldtimer", der damals immerhin 450 DM kostete - dazu musste man sich noch den Kopfhörerverstärker. kaufen. Vielleicht schaffst Du Dir, wenn Du den warmen Klang magst, besser einen Zweitkopfhörer an wie den Audeze z.B., den Tamino Glockenton neben einem Beyerdynamik besitzt. Ihn konnte ich leider nicht hören bisher, weil mein Händler ihn nicht führt. So hat man dann zwei Kopfhörer mit unterschiedlicher Klangcharakteristik, wo man bei der betreffenden Musik mal zu dem einen oder anderen greifen kann, wenn der besser gefällt und zu passen scheint. :) :hello:



    Uh uh


    Vielen Dank Euch beiden ich warte noch meine Steuererklärung ab und fahre dann ins auditorium Hamm

    Lieber Michael,


    meinen habe ich bei Auditorium in Münster gekauft. Sie hatten den Focal Clear ja lange im Angebot, erst die Normalversion, dann die technisch und klanglich identische Pro-Version. Vielleicht kannst Du noch einen bekommen oder sogenannte B-Ware. Das war bei mir so. Da ist nur die Verpackung geöffnet worden und gleich bekommt man ordentlich Rabatt... Ich kann ja auch mal fragen nächste Woche, wenn ich vorbeigehe, ob die eventuell noch einen irgendwo in Münster, Hamm oder Hamburg haben...


    Einen schönen Sonntag wünschend

    Holger

    Zum Clear gibt es sehr viele positive Aussagen, was den Klang betrifft, auch bei Klassik. Allerdings hat er nicht die Breite der Klangbühne wie der Sennheiser HD 800 (S).

    Lieber Christian,


    ich habe ja beide Kopfhörer verglichen (Kopfhörerverstärker: Lehmann Audio Linear) und dazu noch einen Stax, hatte sie also zur Wahl beim Kauf. Gerade bei Orchestermusik war für mich der Focal Clear deutlich besser als der Sennheiser HD 800 (S) - luftiger, offener, natürlicher, atmosphärischer, z.b. bei impressionistischer Musik (Debussy, de Falla). Dass er eine kleinere Bühne macht als der Sennheiser, konnte ich nicht feststellen. Für mich war da kein Unterschied, so dass ich ihn bemerkt hätte. Der Hochtonbereich des Focal Clear ist schon sehr fein - vor allem aber wird er nie lästig. Der Kopfhörer klingt trotz seiner Offenheit und sehr guten Auflösung nie scharf.

    Was man auch wissen sollte: Die Pads verschleißen wohl recht schnell und Focal lässt sich den Ersatz mit 300 Euro vergolden (Vergleich Sennheiser: 80 Euro).

    Stimmt nicht: Der Preis 115 Euro! Vom Tragekomfort her finde ich den Focal exzellent. Und das Materal der Ohrmuscheln ist sehr angenehm, hebt sich deutlich von dem Plastik-Feeling der meisten Kopfhörer ab. Gerade das gefällt mir! Nach zwei Jahren haben die Polster bei mir keinerlei Tragespuren.

    Ich habe mich letztendlich für den HD 800 S entschieden - bereits ein Klassiker für klassische Musik (quasi der Sprung vom HD 650), den ich eventuell später um einen Röhren-KHV ergänzen werde, um das Analytische noch um einen Schuss mehr Wärme anzureichern. Da gibt es von Feliks schöne und bezahlbare Modelle.

    Das ist der Punkt. Der Kopfhörerverstärker. Es gibt ein längeres Youtube-Video, wo ein Hersteller und Entwickler über die Probleme der Konzeption spricht. Einen Kopfhörerverstärker zu bauen ist weit komplizierter als einen "normalen" Verstärker, nämlich einen, der mit den unterschiedlichen Kopfhörern auch annähernd gleich klingt. Das ist die Kunst. Es kann deshalb sein, dass Dein KH-Verstärker speziell mit dem Sennheiser HD 800 (S) etwas besser harmoniert als mit dem Focal Clear. Da müsstest Du den Kopfhörerverstärker tauschen und nochmals vergleichen! Ich habe den Lehmann Audio Linear, der wirklich sehr schön klar und zugleich warm klingt - ein reiner Class-A-Verstärker. Bei ihm kann man sogar eine Anpassung vornehmen (Schalter an der Unterseite). Der Lehmann liegt bei 850 Euro. Der Feliks kostet mehr als doppelte (2000 Euro). :D


    Schöne Grüße

    Holger


    Schöne Grüße

    Holger

    Lieber Dr. Holger Kaletha

    hast Du zufällig einen Vergleich vom Clear zum Elear?
    Ich spiele schon seit längerem mit den Gedanken mir diesen anzuschaffen. Der Preisaufschlag zum Clear schreckt mit jedoch vom Clear etwas ab.


    Gruß Michael

    Lieber Michael, Christian hat den sehr guten Test Vergleich schon verlinkt. Inzwischen ist das Nachfolgemodell auf dem Markt, der Clear MG. MG steht für Magnesium.. Das alte Modell (die beiden dürften sich nur wenig unterscheiden) bekommst Du als Auslaufmodell für unter 1000 Euro, also den Clear zum Preis des Elear. Da würde ich zuschlagen. Google mal... 😊


    Liebe Grüße

    Holger

    R.29fc8df65f19b4769dc66ef078dfbc8f?rik=U1diLPnSnaGBQg&riu=http%3a%2f%2fwww.baukunst-nrw.de%2fbilder%2ffull%2f2211_550570.jpg&ehk=rX7xd0%2fDYvSbeD%2bKY6sEbyb8IeRA7szZbPiuGLNsQr0%3d&risl=&pid=ImgRaw&r=0


    Lieber Christian,


    das zweite Heft der Preludes hat ABM im kleinen Saal der Bielefelder Oetker-Halle aufgenommen (Bild s.o.!). Ich habe ja 16 Jahre in Bielefeld gewohnt und dort einige Konzerte erlebt (im großen wie im kleinen Saal), im kleinen Saal u.a. einen Scriabin-Abend mit Maria Lettberg. Wie man auf dem Bild erkennt, gibt es da viel Holz, d.h. die Akustik ist relativ stark bedämpft und hat wenig Hall. Das merkt man auf der Aufnahme. Sie ist sehr farbig, warm, aber im Ton auch trockener. Die Höhen "stehen" nicht. Wenn man die Akustik kennt, weiß man, warum... :) Ursprünglich - laut Cord Garben - wollten sie die Aufnahme in der Schweiz machen. Sie hatten schon begonnen, doch dann gab es dort ein Unwetter und im Aufnahmesaal einen Wasserschaden. Anschließend war die Akustik ruiniert. Also haben sie fast schon verzweifelt nach einem Saal gesucht und sind dann in Bielefeld fündig geworden. :D Das in der Rezension erwähnte Buch habe ich - aber noch nicht durchgelesen. Das erste Buch von Cord Garben auch natürlich. Das zweite habe ich (noch) nicht. Bei C. Garben hat man ja mitunter das Gefühl, dass er schreibt, um sein ABM-"Trauma" zu verarbeiten... :D Diese Geschichte von der Aufnahme von Band 1 meine ich steht in Cord Garbens erstem Buch ("Gratwanderung mit einem Genie"). ABM hat Preludes Heft I in einem Zuge durchgespielt und die Aufnahme wurde ohne Schnitte und alles veröffentlicht. Was für eine Perfektion! Ich frage mich, ob sie nicht mit der Video-Aufnahme aus Paris identisch ist. (?)


    Ich erinnere mich an eine Bassschwebung in "Das, was der Westwind gesehen hat...", die nur auf LP zu hören war und nicht auf den beiden CD-Ausgaben, die ich habe. Die Aufnahme finde ich schon toll - klar, farbig zugleich mit vollem Ton und sehr homogen. Nicht so dünn wie die der Images. Das liegt natürlich auch am Steinway-Flügel, der einen sehr schlanken Bass hat. Viele Aufnahmen schummeln da. Wenn man nämlich Mikros unter dem Bodendeckel positioniert, klingt der Steinway-Bass nach mehr, als er eigentlich hat (wie bei Arcadi Volodos z.B. ...) :D Ich hoffe mal, dass mir die Aufnahme bald zufliegt.


    Mein "neuer" Kopfhörer Focal Clear (gekauft im November 2019) hat eine sagenhaft konturierte und satte Basswiedergabe ohne jede Übertreibung, zudem mit dem im Bassbereich wirklich fantastischen Cinch-Kabel Audioquest Water hole ich da wirklich alles klanglich heraus. Dieses "highendige" Niveau erreiche ich mit dem alten Stax SR-5 Gold natürlich nicht. Insofern hat bei mir die CD-Wiedergabe einen Vorteil. Meine Lautsprecher sind im Bassbereich auch kräftig und vorbildlich ehrlich. Die Unterschiede der Aufnahmetechnik geben sie 1:1 wieder - Dynaudio eben. Ich bin wirklich gespannt. Ich muss nur die Verkabelungs-Qualität von Blue-Ray-Disc-Recorder und Verstärker verbessern. Gerade im Bassbereich dünnt da das billige Kabel etwas aus, vielleicht auch der Wandler. Deshalb schaue ich mal, ob ich mit meinem Cambridge DAC das Niveau noch etwas hebe. :D :hello:


    Liebe Grüße

    Holger

    Allerdings hat sich mittlerweile Andrew Rose ans Restaurierungswerk gemacht und das Ergebnis ist phänomenal. Klar, eine High-End-Aufnahme wird das nicht, aber im Vergleich zu den alten Veröffentlichungen un Lichtjahre von denen entfernt. Die Störgeräusche sind nicht ganz zu entfernen, die technisch bedingte Tonhöhenschwakungen sind beseitigt und auch so ist an der Aufnahme einiges gemacht worden. Für Interessierte gibt's hier den Link dazu:


    https://www.pristineclassical.…twangler/products/pasc407


    Trotz aller Einschränkungen, die immer noch vorhanden sind, eine Aufnahme für die Ewigkeit.

    Lieber Thomas,


    was für eine Freude, nach so langer Zeit wieder von Dir zu hören! :) :) :)


    Die Hörproben auf der Seite habe ich mir zu Gemüte geführt. Die Remastering-Qualität ist wirklich phänomenal! Und die Aufnahme: Was für eine Intensität! :hello:


    Liebe Grüße vom frisch Geboosterten ^^

    Holger

    Blue-Ray-Audio


    61baTkAWbUL._AC_UY218_.jpg


    Diese schöne Box mit den alten Philips-Aufnahmen von Haitink, alle neu remastert mit 24 Bit/96 KHz, hatte ich Ende November 2020 gekauft - also vor nur etwas mehr als einem Jahr. Heute gibt es nur noch ein Gebrauchtangebot zum Spottpreis von 199 Euro! =O


    Als Zugabe enthält diese Box eine Blue-Ray-Audio-Disc mit allen Aufnahmen nochmals.


    Die gute Nachricht:


    Gerade habe ich es probiert: Die Blue-Ray-Audio ist abspielbar mit jedem Blue-Ray-Disc Player! Mit meinem sogar schon etwas älteren Blue-Ray-Disc-Recorder von Panasonic geht das problemlos! Das Menü mit den wählbaren Titeln erscheint dann auf dem Fernseh-Bildschirm.


    Den Blue-Ray-Disc-Recorder habe ich über Cinch-Kabel mit meinem Yamaha RN 803D verbunden, um so den Ton in natürlich viel besserer Qualität über die Lautsprecher bzw. Kopfhörer, sprich meinen alten Stax SR-5 Gold, abzuspielen.


    So konnte ich den Vergleich machen, also die CD aus derselben Box mit der Blue-Ray-Disc gegenhören - ganz einfach, indem ich die Eingänge mit der Fernsteuerung des Yamaha umschalte. Die CD wurde abgespielt mit dem Marantz CD 80, digital verbunden mit dem Cambridge DAC Magic Plus. Gehört wurde mit dem Stax SR-5 Gold.


    Ergebnis: Die Blue-Ray-Audio klingt sehr angenehm luftig und weiträumig. Die CD wirkt etwas eingeengter in Höhe und Breite (im Vergleich ein bisschen ein "Guckkasteneffekt") und etwas "rauher". Aber: Substanzreicher, farbig-glänzender, in den Bässen zudem deutlich körperlicher klingt die CD, die Wiedergabe mit Blue-Ray-Audio ist etwas "glatter". Der Vorteil des hoch auflösenden Formats ist also nicht wirklich nachvollziehbar!


    Das ist aber auch kein Wunder! Einmal ist das Cinch-Verbindungskabel zwischen dem Yamaha und dem Panasonic ein ziemlich billiges. Da könnte ich dann mein Wireworld Oasis 5 nehmen, das ich zum Glück in 2m Länge habe, um eine Verbesserung zu erzielen. Die andere Möglichkeit ist den digitalen Ausgang des Panasonic zu nutzen, wo das Signal in 96KHz ausgegeben wird, um dann meinen Cambridge DAC Magic Plus als Wandler zu verwenden. Leider hat der Panasonic nur einen Lichtleiter-Ausgang. Die sind von der Qualität unter der von Cinch oder noch besser BNC. So kann der klangliche Gewinn, der hier erzielt wird, durch das Lichtleiterkabel wieder zunichte gemacht werden. Das muss ich also erst noch ausprobieren - eventuell ein besseres Lichtleiterkabel kaufen.


    Vorläufiges Ergebnis: Von Vorführungen weiß ich, dass hoch auflösende Formate eindeutig klangliche Vorteile haben auch gegenüber dem CD-Standard. Nur zeigt sich in der Praxis, dass das allzu oft leider sehr theoretisch bleibt. Eine hochwertigere Elektronik, bessere Kabel etc. etc. in Verbindung mit der CD bringen die theoretischen Vorteile von HiRes zum Verschwinden, wenn diese nicht auch auf einer vom klanglichen Niveau her gleichwertig "highendigen" Wiedergabekette abgespielt werden. So bleibt eine Wiedergabe auf CD-Niveau übrig - mit klanglichen Vorteilen wie Nachteilen.


    Ich freue mich jedenfalls, den Vergleich demnächst auch mit ABM und Debussy machen zu können und werde weiter probieren - auch über Lautsprecher hören selbstverständlich.


    Also: Wer für den Fernseher einen Blue-Ray-Disc Player/Recorder besitzt und ihn mit der Hifi-Anlage verbinden kann, sollte das mal ausprobieren! :)


    Schöne Grüße

    Holger

    Das ist interessant - dann höre ich da auch mal rein. Die Aufnahme der Preludes 1 enthielt immer sehr viel Rauschen. Ist das denn jetzt besser geworden?

    Lieber Christian,


    Ich nehme an, dass ich das neue Remastering morgen oder übermorgen zur Verfügung habe. Stimmt, die (analoge) Aufnahme hat einen relativ höheren Rauschpegel. Nur ist mir das bisschen Rauschen lieber, als wenn es rausgefiltert wird und dann die Hochtonwiedergabe darunter leidet - wie bei der von mir erwähnten Ausgabe der Beethoven-CD mit Artur Rubinstein. :hello:

    Ich habe aus dem Carnaval- Thread einen kleinen Abschnitt hierher kopiert (aus dem dortigen Beitrag # ), wo ich über die schlechte Qualität des digit. Remasterings geklagt hatte. (- Von den beiden Gieseking- Covers ist es das obere. Die Geza Anda- CD war ebenfalls betroffen, aber etwas weniger). Ich hatte dann die Gieseking - CD zurückgesandt und um Ersatz gebeten. Der kam postwendend, mit demselben gruseligen Klangbild wie vorher:

    Lieber Damiro,


    ich habe mal geschaut. Die Aufnahme des Carnaval in der apr-Box ist von 1951, die in der besagten, die Du zurückgeschickt hast, von 1946! Es ist also nicht dieselbe! Ich habe noch diese Ausgabe gefunden - leider enthält sie nur einen Teil des Programms:


    81ntmgUR-dL._SS500_.jpg


    Da gibt es die Downloads und man hat Hörproben. Die Qualität der Aufnahmen (wohl denen von 1951) ist sehr gut bis auf die Sonate (das ist wohl die Aufnahme von 1942). Die klingt sehr blechern. Wenn die Originalaufnahmen so sind, ist es leider so. Da hilft dann auch das Remastering nicht so viel.


    P.S. Ich habe gerade geschaut - diese Aufnahme muss dieselbe sein wie in besagter Doppel-CD (da steht als Aufnahmedatum auch 1942). Dann sind wohl die Originale anscheinend tatsächlich nicht besser! :!:


    Zu der von Dir gemeinten gibt es offenbar keine Alternative - ich habe jedenfalls keine gefunden. Dann ist man auf sie angewiesen. Die Aufnahmen sind so überragend, dass ich dann die Klangqualität verschmerzen kann.


    Von Gieseking sehr günstig gibt es derzeit die kompletten EMI-Aufnahmen von Debussy remastert in 24 Bit/96KHz-Technik. Da konnte ich nicht wiederstehen. Auf den Vergleich bin ich gespannt! :)


    Liebe Grüße

    Holger

    Sorry, aber ich musste den Booklet-Text, dem dem ein Remastering-Verfahren genau geschildert wird, entfernen, weil er jetzt im öffentlichen Raum stünde, wodurch Rechte verletzt werden könnten.

    Wirklich, lieber Rüdiger? Im wissenschaftlichen Bereich zitiert man ja auch, ohne das Urheberrecht zu verletzen. Auszüge aus einem Text zu zitieren ist immer erlaubt, nur nicht den kompletten Text zu übernehmen. Das wäre hier das komplette Booklet. Zumal das hier einen Werbeeffekt hat und insofern kaum problematisch für den Anbieter sein dürfte.


    Liebe Grüße

    Holger

    Ich habe mit Remasterings eher gute Erfahrungen gemacht. So gibt es bei der EMI Aufnahmen mit Schnabel (Beethoven-Sonaten) und Karajan (Konzerte mit Lipatti), die in den neuen remasterten Versionen deutlich offener und durchhörbarer klingen.

    Lieber Christian,


    EMI ist so ein besonderer Fall. Die frühen ABM-Aufnahmen aus den 40igern bis 1950, die bei EMI-Italiana herauskamen, haben diesen "magischen Ton". Auf den LPs kam der auch sehr gut rüber. Auf CD gab es diese Aufnahmen zunächst nie vollständig. Die erste Einzelausgabe mit den Paganini-Variationen, Bach/Busoni "Chaconne" klang fürchterlich muffig, die nächste haben sie dann doch sehr künstlich aufgehellt, so dass der Ton einfach zu hart klang. Ich hatte mir deshalb damals mit meinem CD-Recorder, der inzwischen längst das Zeitliche gesegnet hat, die auf Cassette überspielten LPs auf CD-R gebrannt. Erst in der letzten EMI-Box sind die Aufnahmen klanglich akzeptabel.

    Das ist gewiss nicht nur eine Zeitgeist-Mode! Bei den neuen DG-Ausgaben von Michelangeli und Kempff konnte ich allerdings keinen nennenswerten Unterschied feststellen.

    Ich habe mal reingehört bei jpc. Bei den Preludes Heft I höre ich einen Unterschied. Deswegen bekomme ich demnächst diese remasterte Jubiläumsausgabe zu seinem 100. Geburtstag. Solche Aufnahmen zu remastern mit einer gezielten Veränderung ist insofern problematisch, als sie eine sehr eigene Klangästhetik haben. Nur um ein bisschen mehr Räumlichkeit zu bekommen usw. muss man die nicht unbedingt zerstören. Die Erstausgabe von Preludes Heft 1 ist AAD - d.h. sie haben diese wirklich nur digital konvertiert ohne Remastering. (Die CD mit den Images dagegen ist ADD!) Damals wollten sie offenbar nicht eingreifen mit klangverändernden Maßnahmen. Bezeichnend gehört diese Überspielung zu den besten von den ganz alten. Aber ich werde das überprüfen! Bei der Chopin-Aufnahme sind in der CD-Erst-Veröffentlichung die Bässe ein bisschen "matschig", da ist der Unterschied zu der Überspielung in der blauen DGG-ABM-Box sehr deutlich.


    Stimmt, Schnabel oder Gieseking, da müsste ich eigentlich die neu remasterten Aufnahmen kaufen. Überall mache ich das nicht, dann müsste ich meine halbe historische Sammlung austauschen...


    Liebe Grüße

    Holger

    Avantgarde Acoustic bietet wohl momentan die vollaktive Version Zero 1 nicht mehr an. Ein Nachfolger ist avisiert aber der Zeitpunkt wurde verschoben.

    Schade! Aber vielleicht hast Du ja Glück, irgendwo noch ein Auslaufmodell oder Vorführmodell zu erwischen! Anhören lohnt sich auf jeden Fall. :)

    Klipsch(orn) habe ich auch mal intensiv gehört* und für Klassik nicht wirklich gemocht. - Zwei Jahre lang basteln bis es passt? Als Aufgabe für einen Begeisterten (Freak?!) sicherlich toller Teil der Erfahrung, für mich so ganz und gar nichts...

    Horn ist auch nicht gleich Horn! Es gibt da genauso konstruktionsbedingte Qualitätsunterschiede wie bei herkömmlichen Lautsprechern. Hornsysteme klingen nicht etwa alle gleich, nur weil es Hörner sind. Bei den kleineren Modellen macht die Abstimmung der Hersteller. Bei den ganz großen Konstruktionen wie der Avantgarde Acoustic Trio muss man einen Bass integrieren. Mein Freund hat 6 (!) Basssäulen dazu, jeweils bestückt mit 4 Chassis (herkömmliche Chassis), betrieben mit sechs separaten Endstufen von Audionet, dazu einen Audionet-Vorverstärker für 7000 Euro Plus mit allen Regelungsmöglichkeiten. Man kann mit der Einmessung natürlich elektronisch schnell eine absolute Lineareinstellung erreichen, was das Ideal ist. In der Praxis zeigt sich aber, dass man eine Abweichung nach oben und unten braucht. Das liegt an den Aufnahmen. Die Karajan-Aufnahmen z.B. sind - so wollte es der Maistro von den Tontechnikern - für bassschwache kleine Böxchen, also gerade nicht einen "Ideallautsprecher", abgemischt. Typisch für die DGG ist, dass die Violinen künstlich in den Vordergrund treten und die Bässe zu dick sind. Das fällt mit einem perfekt linearen Lautsprechersystem, das alles "richtig" macht, dann auch auf. Lautsprecherhersteller wissen sowas natürlich auch. Um den richtigen Kompromiss zu finden, braucht es Zeit. Nicht alle Aufnahmen haben natürlich diese Bassanhebung. Mit der Fernsteuerung des Audionet habe ich dann die Bässe bei Karajan mindestens 2 db abgesenkt... :) ^^


    Schöne Grüße

    Holger

    Ich habe verhältnismäßig wenig Hörner gehört, bis auf die Lösung von Klipsch. Ich hatte aber damals den Eindruck, dass die Technik für ein Streichquartett nicht ganz so optimal ist. Mir kamen die Klipschhörner nicht ausreichend neutral vor. Sind diese neuen Lösungen denn da anders?

    Das kann schon sein. Viele Vorurteile gegenüber Hörnern rühren daher, dass sie in der Regel einfach nicht richtig abgestimmt sind. Mein Freund hat auch etliche Anlagen mit Hörnern bei privaten Besuchen gehört, die alle genau so, nämlich nicht "neutral", klangen. Er selbst hat mindestens zwei Jahre (!) an der richtigen Abstimmung gebastelt. Das muss man sich überlegen. Wenn man sich Hornlautsprecher zulegt, braucht man Geduld. Man muss viel Zeit einplanen für die Feinabstimmung. Wenn man die nicht aufbringen möchte oder kann, sollte man besser von Hornsystemen Abstand nehmen. Die Zero 1 ist da jedoch ziemlich unproblematisch. Das ist einfach ein gelungener Lautsprecher. Sie sind natürlich sehr schnell. Pauken knallen so richtig. Wer es lieber etwas indirekter und gemütlicher mag in Richtung einer etwas zurückhaltender klingenden Dynaudio (nicht meine Excite X38, die sind Dynaudio untypisch sehr lebendig! :D ), für den ist das natürlich nicht der richtige Lautsprecher. Aber Verfärbungen oder irgendwelche Übertreibungen kann man diesem Lautsprecher nicht nachsagen. :hello:


    Schöne Grüße

    Holger

    Lieber Karl,


    aber ja! Mein Freund L. hat im selben Raum einen August Förster-Flügel stehen und hört nur Klassik. Der Hersteller war zu Besuch und meinte, das sei eine der absolut besten Anlagen, die in Deutschland stehen würden. Ich selbst habe die Anlage auch mehrfach gehört. Der Klang ist ein Traum - gerade bei Klassik.

    Die hat ein Bekannter sich - voll Anfangsbegeisterung - gekauft und 14 Tage später in den Keller gestellt, weil er nach und nach Kopfschmerzen beim Hören bekam.

    Dann hat er aber irgend etwas falsch gemacht! Auch diese Lautsprecher (vollaktiv!) kann man einmessen. Beim Händler, wo ich sie damals hörte, waren sie noch nicht einmal eingemessen und klangen vorzüglich. Keinerlei Aggressivität oder Überbetonung in irgendeinem Bereich. Raum und Aufstellung sind natürlich auch zu berücksichtigen.... ^^


    Schöne Grüße

    Holger

    Ist jetzt nicht ganz meine Liga, aber vorschlagen kann man es ja mal :D Ein bisschen gesucht. Ja, Hi-End kann schon ein bisschen ins Geld gehen. Für richtige Hi-End Freaks....


    contendo6_600x600.jpg



    Manchmal sind Hörner, was die Verstärker angeht, nicht so empfindlich. Vielleicht kann man da ja noch was sparen ...;)

    Lieber Axel,


    ein Freund von mir hat die Avantgarde Acoustics Trio:


    https://www.bilibili.com/video/BV1954y157pP/


    ... allerdings ohne die dazugehörigen Bass-Hörner. Dafür müsste man nämlich eine Turnhalle mieten:


    R.a8d70e7a50aec492c4d6ffce1328752d?rik=5lKlzDclHVWvjw&pid=ImgRaw&r=0


    So hat er mehrere Säulen konventioneller Basschassis dazu. Der Klang ist unbeschreiblich! Bei Hörnern ist das Entscheidende die Abstimmung. Die ist aber sehr schwierig und nur mit dem allergrößten Zeitaufwand hinzubekommen. Stimmt die, klingen Hörner göttlich. Dynamik, Verzerrungsfreiheit selbst bei höchsten Lautstärken und feinste Detailauflösung sind dann von keinen der herkömmlichen Lautsprecherchassis erreichbar. In den meisten Fällen jedoch ist die Abstimmung auch bei sehr teuren Hornsystemen suboptimal. Und dann verfärben sie grässlich... :D


    Gerade noch bezahlbar und wirklich ganz ausgezeichnet ist die aktive Avantgarde Acoustic Zero 1:


    https://www.bing.com/videos/se…4BA&view=detail&FORM=VIRE


    R.ade5f8693d3fe1361ef5ac5fbe5e3ef6?rik=ZW%2bb1bsCxeVuWg&riu=http%3a%2f%2fimg.canuckaudiomart.com%2fuploads%2f16%2f649231952_large_eba25f7c70583bcdfc31f76425e47558.jpg&ehk=%2fkjLYl9Q6a4dVruuUSto5gsPWNbCmTRk9isi8VqkCnI%3d&risl=&pid=ImgRaw&r=0


    Sie sehen gut aus und passen auch in jedes normale Wohnzimmer. Ich habe sie gehört und war begeistert! Ein Haar in der Suppe konnte ich auch nach größerer Anstrengung nicht finden! Später habe ich auch die halbaktive Variante gehört, die mir allerdings weniger gefiel. Also wenn schon, denn schon: vollaktiv! :)


    Schöne Grüße

    Holger

    Gibt es beim aktuellen Tamino-Kreis Interesse am Thema "Remastering von Klassik-Aufnahmen"? Wie klingen remasterte Aufnahmen, was wird beim Remastering gemacht, welche Überarbeitungen sind gelungen/welche verhunzen Aufnahmen?


    Lieber Christian,


    das ist eine gute Frage, die ich eindeutig mit "Ja" beantworten kann. Die ersten CD-Überspielungen waren meist deutlich substanzärmer. Sie klangen im Hochtonbereich heller und waren etwas bassschwach. Anfänglich lag das auch daran, dass man nicht die vollen 16 Bit auf der CD nutzen konnte, weil einige davon für Steuerbefehle abgezweigt wurden (ich hoffe, das ist technisch nicht ganz falsch erklärt). Dazu kommt, dass sich die Wandlertechnologie weiterentwickelt hat. Und das hört man. Etliche meiner CDs, die mir besonders am Herzen liegen, habe ich so ausgetauscht.


    Ein krasses Beispiel ist die Horowitz RCA-Aufnahme der Rachmaninow Klaviersonate Nr. 2. Das ist ein Konzertmitschnitt und eine Analogaufnahme. Es gibt noch eine zweite von CBS. Die CBS-Aufnahme klingt deutlich heller und schlanker als die etwas sattere und farbigere von RCA. So war es jedenfalls bei den LPs. Die erste CD ist eine klangliche Katastrophe:


    51qihFm2MYL._SY450_.jpg


    Der Flügel klingt hell wie Blech - schlanker als die eigentlich schlankere von CBS! Und im langsamen Satz gibt es sogar richtig hörbare Verzerrungen, die auf der LP nicht da waren. Dagegen ist dann die Veröffentlichung mit 24 Bit 96 KHz-Technik hervorragend - der volle RCA-Klang wie bei der LP ist wieder da:


    51GCL7poxSL._SX450_.jpg


    Ähnliche Beispiele habe ich viele:


    s-l300.jpg


    Dies war die erste Ausgabe auf CD - vorher gab es drei einzeln veröffentlichte LPs. Besonders die sehr "analog", also warm und farbig klingende Einspielung der Sonaten Nr. 2, 7 und 10, ist hier nicht wiederzuerkennen. Der Klang ist künstlich aufgehellt, dünn und hart. Die alte Qualität habe ich erst wieder in der großen Ashkenazy-Box der Solo-Aufnahmen.


    Die neueren Abmischungen zeichnen sich in der Regel durch mehr Homogenität, einen substanzreicheren Bassbereich und rundere Höhen aus. Auch sind die Aufnahmen bei Orchester detailreicher und farbiger. Ausnahmen bestätigen die Regel. So ziehe ich die erste CD-Ausgabe der Sonaten für Klavier und Violine mit dem wunderbaren Duo Mintz/Bronfman der späteren Ausgabe vor. Da ist einfach der Hochtonbereich strahlender und offener. Ein schlechtes Beispiel war eine Ausgabe der Beethoven-Sonaten mit Artur Rubinstein (Appassionata, Les Adieu...) in 24Bit/96 KHz Technik. Da wurde - ein No Go - mit Kompression gearbeitet. Das Rauschen haben sie dabei rausgefiltert, dafür war aber der Hochtonglanz des Steinway völlig weg.


    Eine Orchester-CD, wo der Unterschied eklatant ist:


    Dies war die Erstausgabe auf CD:


    51XaLXLuSpL._SX450_.jpg


    Die Neuausgabe mit moderner Digitaltechnik:


    81kf6kkJS4L._SS500_.jpg


    Die alte Ausgabe (Erstveröffentlichung auf CD) klingt künstlich aufgehellt - ein Phänomen, was man oft hat.


    Ratsam ist es, die im Hochtonbereich zumeist etwas harten und harschen Melodya-Aufnahmen aus der Sowjetunion mit neuem Remastering zu erwerben.


    Sehr lobenswert sind die wirklich hervorragenden Remasterings des Labels apr, das auf historische Aufnahmen spezialisiert ist. Der klangliche Zugewinn gegenüber so vielen anderen billigen Ausgaben ist deutlich hörbar, etwa hier:



    Axel hat auf diese Ausgabe der Debussy-Einspielungen von ABM hingewiesen:



    Von ABM habe ich so ziemlich alles, was es gibt. Diese Aufnahme hatte ich aber nicht registriert. Zuerst besaß ich die LPs, dann habe ich alle Erstausgaben auf CD erworben. Später dann noch einmal diese Box:


    OIP.INPbAZqkvsuNjyBu4UZZuwHaHa?pid=ImgDet&rs=1


    Auch hier kann ich feststellen, dass die Bässe substanzreicher sind und das Klangbild insgesamt homogener, die Höhen runder klingen. Erstaunlich, dass die Erstausgabe der Preludes Heft I (eine der beiden ersten CDs, die ich nach dem Kauf meines allerersten CD-Players 1986 erwarb :) ) zwar ebenfalls klanglich hinter der zweiten Veröffentlichung liegt, aber erstaunlich homogen ist.


    Bei der Neuausgabe zu seinem 100. Geburtstag schreiben sie, dass sie die Klangcharakteristik "angeglichen" hätten. Was das wohl heißen mag? Aus diesem Grund werde ich mir diese Ausgabe noch einmal zulegen. Bei ABM mache ich das... :) Schade, dass ich die Blue Ray-Audio Disc nicht nutzen kann. Ich dachte immer, ich könnte die Dateien rippen und dann über meinen USB-DAC, den Cambridge DAC Magic Plus, abspielen. Wie ich gelesen habe, gibt es da aber wohl einen Kopierschutz. Blue Rays kann nur mein Panasonic Blue-Ray-Disc Recorder abspielen. Er hat allerdings auch schon einige Jahre auf dem Buckel, so dass ich nicht glaube, dass er HiRes lesen kann. Zudem ist dann die Wiedergabequalität garantiert unter der der CDs. Das ist das Problem. Und ein neues Gerät zu kaufen für die wenigen Aufnahmen, die ich in diesem Format besitze, welche ich an den fünf Fingern einer Hand abzählen kann, lohnt sich für mich leider nicht. :hello:


    Schöne Grüße

    Holger

    Danke für den Hinweis mit dem Focal, den hatte ich nicht auf dem Schirm. Bei den hellen Polstern fürchte ich, dass diese nach ein paar Jahren schmuddelig aussehen?

    Gern geschehen! Die Polster sind nicht hell, da täuschen die Fotos im Netz - sondern in einem matten Grau. Nach 2 Jahren habe ich da keinerlei Gebrauchsspuren!

    Ansonsten ist das Quellgerät, mit dem ich aktuell für mein Arbeitszimmer liebäugele, ein Technics SL-G700, der sowohl SACD als auch externe digitale Quellen wiedergeben kann. Dieser hat einen eigenen KHV integriert. Einen externen kann man immer noch ergänzen, denke ich. Ich habe einen Termin in einem HiFi-Studio, bei dem ich das Gerät mit verschiedenen Kopfhörern testen werde.

    Das ist ein tolles Gerät - das ich auch meinem Sohn empfohlen habe! :) Sehr aufwendig gemacht - der eingebaute Kopfhörerverstärker hat sogar einen eigenen Trafo! Die Qualität ist sicher sehr gut auch für einen Top-Kopfhörer. Der Lehmann klingt natürlich schon sehr schön - ein reiner Class A-Verstärker. Einer der beliebtesten und besten auf dem Weltmarkt. Kostet aber auch. Das kleine Kästchen hat mich mehr gekostet als der Yamaha-Netzwerkreceiver RN 803 D mit seinen vielfältigen Möglichkeiten! :D


    Wenn Du die Möglichkeit hast, teste auf jeden Fall auch mal den Focal! :hello:


    Schöne Grüße

    Holger

    Lieber Moderato,


    die CD hatte ich auch entdeckt. Dimtiri Ashkenazy hat so viele interessante Aufnahmen gemacht, wo leider viele nicht mehr erhältlich sind. Sehr schade! Ich gehe mal davon aus, dass diese CD mit dem Luftakrobaten demnächst in meine Sammlung wandern wird! :hello:


    Ein schönes Wochehende wünschend

    Holger

    Einen Kopfhörerverstärker brauchen sie alle im Prinzip nicht. Ich kann meinen Focal Clear z.B. in die Kopfhörerbuchse meines Yamaha RN 803 D stecken. Dort wird aber einfach die Buchse vom Lautsprecherausgang abgezweigt. Das Gerät hat also keinen eingebauten Kopfhörerverstärker. Der klangliche Vergleich mit dem separaten Kopfhörerverstärker fällt dann auch verheerend aus. So, ohne KH-Verstärker, einen hochwertigen Kopfhörer zu betreiben, heißt also Perlen vor die Säue werfen, wie man so schön sagt. :D Es gibt allerdings teurere Verstärker, die dann tatsächlich einen eingebauten Kopfhörerverstärker haben. Dann ist das klangliche Resultat natürlich erheblich besser. :hello:

    2019 hatte ich mir einen Kopfhörer gekauft - auch da war der Sennheiser HD 800S in der engeren Wahl. Kopfhörerhören ist noch individueller als Hören mit Lautsprechern - da muss Jeder einfach testen und nach persönlichem Geschmack entscheiden. Mein Ergebnis damals: Ich habe den Focal Clear dem Sennheiser HD 800S vorgezogen. Bei Klaviermusik gab es ein Patt, bei Orchester hatte der Focal Clear bei mir eindeutig die Nase vorn:


    In zwei Hifi-Foren findet sich dazu dieser Text von mir (Auszug):


    Vor meinem Umzug hatte ich in meinem damaligen Geschäft nahezu alle gebräuchlichen Kopfhörer testen können – mehrere Stax-Elektrostaten und eine ganze Batterie von dynamischen Kopfhören von Koss, Sennheiser, Beyerdynamik, B&W, Focal usw. usw. Von den Staxen gefiel mir leider uneingeschränkt nur der teuerste mit dem Röhrenverstärker. Und an den dynamischen Kopfhörern von Sennheiser bis B&W störte mich der „Kopfhörerklang“ – mit einer einzigen Ausnahme: dem Focal. Damals wusste ich noch nicht, dass ich 6 Jahre später tatsächlich einen Focal kaufen würde.


    Deshalb, weil ich keinen „Kopfhörerklang“ ertragen kann, hatte ich bei der anstehenden Neuanschaffung nun auch schon vor etwas mehr als einem Jahr zuerst natürlich an einen neuen Stax gedacht. Beim Probehören im Geschäft bekam ich dann aber nicht nur Stax-Kopfhörer zur Auswahl, sondern der nette Verkäufer gab mir zu dem noblen Stax eigenen Vorlieben entsprechend zwei andere dynamische Kopfhörer zum Vergleich, so dass ich insgesamt drei auch preislich hochwertige Kombis testen konnte:


    1) Stax Lambda L 700 MK 2 u. SRM 006ts

    2) Sennheiser HD 800 S

    3) Focal Clear


    Der Sennheiser und der Focal wurden mit einem KH-Verstärker von Lehmann (Lehmann Audio Linear) betrieben.

    Die Stax-Kombi lag natürlich deutlich über meinem Budget, aber es war im Geschäft keine preiswertere Kombi (außer dem Einsteigermodell) verfügbar. Wie zu erwarten war das klanglich sehr überzeugend. Dann kamen der Sennheiser und der Focal an die Reihe. Besonders der Focal begeisterte mich. Er besitzt einerseits die Leichtigkeit eines Elektrostaten, hat aber mehr Körperlichkeit, Fülle und Substanz vor allem in den Bässen. Auch der Sennheiser war eigentlich hervorragend – bei Klavier war es für mich eine Geschmacksfrage, ob ich den etwas lebendigeren Focal oder den mehr zurückhaltenden Sennheiser bevorzugen soll. Da gab es ein Unentschieden. Nur bei Orchester hatte dann der Focal eindeutig die Nase vorn. Da klang der Sennheiser doch etwas näselnd nach Kopfhörer-Klang. Dagegen sprühte der Focal vor allem bei impressionistischer Musik nur so mit Hochtonfarben – bei einem immer natürlichen, angenehm luftigen Klang.


    Zum Schluss habe ich dann die Stax-Kombi noch einmal gegengehört. Und ich muss sagen: Mir war der Stax zu analytisch kühl, mit dann doch zu wenig Substanz im Bass. Der Klang des Focal Clear konnte mich wirklich begeistern, der des Stax erschien mir im direkten Hörvergleich mit dem Focal distanziert-nüchtern, zu „professoral“. Der Focal Clear vereinigt für mich in idealer Weise die Vorzüge eines Elektrostaten – Luftigkeit, Auflösung – mit dem eines dynamischen Kopfhörers: Körperlichkeit und Bassfundament. Also habe ich gekauft: Focal Clear plus Lehmann Audio Linear plus Kabel.


    Anmerkung: Das Kabel habe ich hinterher getauscht - ein Audioquest Big Dure gegen das natürlich dreutlich teurere Audioquest Water.


    Den Focal Clear gibt es derzeit günstig - um mehr als 500 Euro im Preis reduziert bei einem Anbieter (statt für 1500 für 979 Euro, das ist eine Preisreduzierung von 34 %). Da könnt Ihr mal googeln... ;)


    Schöne Grüße

    Holger

    picture-3533-1606397815.jpg?itok=ygwRrL_m


    Längst ist der 1969 in New York geborene, heute in der Schweiz lebende Dimitri Ashkenazy einer der international gefragtesten Klarinettisten und hat es also verdient, einen eigenen Thread bei Tamino zu bekommen:


    https://de.wikipedia.org/wiki/Dimitri_Ashkenazy


    Begeistert haben mich zwei CDs von ihm, die ich zuletzt erwerben konnte:



    Bei dem etwas seltsamen Cover-Bild wusste ich zunächst nicht, womit ich es zu tun bekomme. Wer war Robert Stark?


    https://weber-gesamtausgabe.de/de/A008763.html


    Robert Stark kam als Sohn eines Instrumentenbauers 1847 in Klingental zur Welt und starb 1922 in Würzburg. Er war ein angesehener Klarinettist, dessen sehr schwieriges Etüdenwerk noch heute jeden Klarinettisten herausfordert. Dimitri Ashkenazy entdeckte ihn für sich, als er als "Füllprogramm" für eine CD einige kleinere Stücke von ihm aufnehmen sollte. Daraus ist wohl eine richtige Liebe zu diesem Komponisten geworden. Und ich muss sagen: Diese Konzerte im besten romantischen Stil sind einfach entzückend! Ich bin begeistert! Das Spiel von Dimitri Ashkenazy ist sehr sinnlich-feinsinnig, immer natürlich und formbewusst. :)


    Die andere CD mit dem wunderschönen Mozart-Klarinettenkonzert stammt aus der Zeit, als Vater Vladimir Ashkenazy Chefdirigent der Tschechischen Philharmonie war. Das Zusammentreffen der hohen Spielkultur des Prager Orchsters mit Vater Ashkenazys einfühlsamem Dirigat und Dimitri Ashkenazys Können ist einfach nur ein Genuss! Zudem ist das auch noch hervorragend aufgenommen. Ich habe die ältere Auflage - mit sehr schön gemachtem Booklet:


    51NZWMdhMpL._SX425_.jpg


    Es gibt sie auch in dieser Auflage:



    Diese beiden Aufnahmen werden sicher nicht die letzten sein, die ich von ihm erwerbe! :) :) :)


    Schöne Grüße

    Holger

    La Mer


    1. Barenboim



    Im letzten Jahr, zum 80. Geburtstag von Martha Argerich, erschien diese Aufnahme. La Mer ist mit Barenboims Hausorchester, der Staatskapelle Berlin, im Wiener Musikvereinsaal aufgenommen. Für mich ist die beste Debussy-Orchesterplatte Barenboims seine vollauf gelungene alte Aufnahme mit dem Orchestre de Paris mit Printemps und Le Martyre de Saint Sebastien. Die neue Aufnahme hier ist auch sehr gut anzuhören, aber insgesamt ist mir Barenboims Debussy zu pastos. Es fehlt diese gewisse französische Feinheit.


    2. Abbado


    Eine dicke Empfehlung besonders für Wolfgang (teleton) ist Abbados Konzertmitschnitt aus Luzern. Da wird hoch virtuos mit viel Leidenschaft musiziert - wahrlich fulminant, so dass der Funke überspringt. Wie ich gesehen habe, ist die CD einzeln wohl leider nicht mehr erhältlich:


    51O9sGAwdGL._SX425_.jpg


    3. Boulez


    An Boulez führt kein Weg vorbei. Meine erste Schallplatte mit La Mer war die alte CBS-Studioaufnahme, die ich auch heute noch in dieser Box besitze (in einer älteren Ausgabe). Sie darf eigentlich in keiner CD-Sammlung fehlen:



    Seine neuere Aufnahme habe ich nicht!


    4. Celibidache


    Celibidache und Debussy - das gehört schlicht zusammen. Die impressionistischen Feinheiten schillernder Farben - bei ihm, dem Doctor subtilis unter den Dirigenten, bekommt man sie geboten, dazu mit einem immer durchsichtigen Klang. Ich habe beide Aufnahmen - die ältere aus Stuttgart mit den hochinteressanten Proben und die neuere aus München:


    41TECDQKMWL.jpg


    51aG-Iae3kL._SX425_.jpg


    5. Karajan


    Karajan ist ein Klangästhet ohne Frage - das zu bestreiten, wäre unsinnig. Nur ist der Karajan-Sound bei Le Mer einfach kein "französischer" Debussy. Da fehlt die französische Clarte. Mit einem Wort: Es passt nicht so recht, auch wenn die künstlerische Qualität exquisit ist.


    6. Toscanini


    Dieser Konzertmitschnitt in Mono ist schlicht ein Ereignis: Toscanini zeigt, wie "sinnlich" er dirigieren kann mit einer bei keiner anderen Aufnahme so zu spürenden geradezu berstenden Spannung. Die dramatischen Züge von La Mer bringt Niemand so heraus. Wer diese wahrlich umwerfende Aufnahme einmal gehört hat, vergisst sie nie mehr! Garantiert! :)


    51sMZiGVOgL._SX425_.jpg


    Schöne Grüße

    Holger

    Ich sehe es gelassen. Geld von Mitlesern von Tamino zu verlangen, das wird schlicht und einfach nicht funktionieren. Weil sich keiner oder so gut wie keiner finden wird, fürs Mitlesen zu zahlen. :D


    Und wie soll Tamino eigentlich an neue Mitglieder kommen - also wie soll "Außenwerbung" funktionieren - wenn das "Außen" durch den Bezahlzwang verschwindet und es nur noch ein esoterisches Innen gibt? =O

    Lustig! :D Im Eichendorff-Seminar, Fachbereich Literaturwissenschaft, das ich besuchte, mokierte sich ein Mitstudent darüber, dass bei Eichendorff die "soziale Frage" unberücksichtigt bliebe. Eine ziemlich blöde Anfängerfrage eigentlich, denn der Fortgeschrittene weiß: Für diese Thematik gibt es die Literaturepoche des Naturalismus, die genau deswegen entstand, weil sie das bei der Romantik als Manko empfand.


    Unser Seminarleiter, Prof. Dr. Jürgen Born, damals Leiter der Forschungstätte Prager deutschte Literatur, der heute übrigens 94 Jahre alt ist, meinte nur trocken - und das hat sich in mein Gedächtnis eingebrannt: "Das ist Literatur!" ^^


    Die Romantik ist eine immens komplexe und äußerst einflussreiche Epoche. Wer sie auf das Katholisieren und dgl. reduziert, ist einfach nur dumm. Schon zu Lebzeiten von Novalis hat sich dessen Freund, der Philosoph F. W. J. Schelling, der Protestant war, darüber lustig gemacht. (Novalis war im Umgang ein äußerst freundlicher, sanftmütiger Mensch.) Der junge Schelling schrieb, feuerköpfig wie er war, eine sehr freche Parodie auf Novalis´ "Die Christenheit oder Europa" mit dem schönen Titel "Epilkuräisch Glaubensbekenntnis Heinz Widerporstens". Geplant war auch noch, dass beide Texte zugleich veröffentlicht werden sollten! Der weise Goethe, den Atheismusstreit mit Fichte hatte er noch im Kopf, verhinderte das, als er davon erfuhr. Beide Texte blieben erst einmal ungedruckt. Novalis ist ein wirklich bedeutender philosophischer Kopf. Und auch seine Liebeslyrik war damals revolutionär, weil sie mit allen bürgerlichen Konventionen brach. Die Romantiker waren alles andere als "brav". Und so ganz ohne Sinn für die soziale Problemtatik waren sie auch nicht, wenn man etwa an Chamissos Peter Schlemihl denkt. Da geht es um Frendheit, soziale Ausgrenzung. Und auch die Revolutionen und gescheiterten Revolutionen werden reflektiert. Man entdeckt die Freiheit der Fantasie als Gegenentwurf zur bornierten Wirklichkeit bürgerlicher Existenz. Wer das nicht sieht, ist für meinen Geschmack selber ein bornierter Philister. Ich bleibe ein bekennender "Fan" der Romantik und Davidsbündler! :D


    Schöne Grüße

    Holger

    Mir fiel eine gewisse Ähnlichkeit mit der Einspielung von Gavrilov auf. Beide beginnen schon in der C-Dur Etüde donnernd und lassen wenig Luft für das gesamte Werk.

    Gawrilows Aufnahme ist etwas technisch hart (so spielte er in der Zeit), aber einmal wirklich modern und hat ein einheitliches Konzept. Diese Einheitlichkeit fehlt bei Slenczynska - das ist mal exzessiv poetisierend und mal rustikal. Die Gawrilow-Aufnahme kenne ich natürlich, habe sie aber auch nicht in meiner Sammlung bezeichnend! :D

    Für solche Tips in Tamino bin ich immer dankbar. :) Meine unmaßgebliche Meinung:


    Zlata Chochieva: De Eindrücken der Hörschnipsel zufolge ist das sicher eine gute Aufnahme. Sie entspricht dem heutzutage international üblichen hohen klaviertechnischen Standard. Was mir allerdings fehlt ist eine einheitliche interpretatorische Linie, die der Aufnahme ein Profil geben könnte, was sie aus dem großen Konkurrenzangebot heraushebt. Die langsameren, poetischen Stücke finde ich mit einer zudem eigenwilligen Phrasierung etwas blass. Spontan fallen mir jetzt mindestens 10 Aufnahmen aus meiner umfangreichen Sammlung speziell der Etüden op. 10 u. op. 25 ein, die ich dieser Aufnahme vorziehen würde. Ich brauche sie also nicht!


    Ruth Slenczynska: Eine interessante Veröffentlichung ohne Frage. Die Pianistin war mir bislang unbekannt. Ihre Aufnahme der Etüden reißt mich allerdings auch nicht vom Hocker. Wie im Begleittext hervorgehoben wirken ihre extremen Rubato heutzutage doch eher etwas schrullig - obwohl sie Ausdrucksvermögen zweifellos hat. Die schnellen Nummern sind klaviertechnisch eindrucksvoll, ihr Ton ist aber auch ein bisschen laut und rustikal.


    Was historische Aufnahmen angeht, zwei Empfehlungen:


    Wilhelm Backhaus machte die erste Gesamteinspielung aller Etüden auf Tonträger, die - auch von heute aus gesehen - zu Recht berühmt war wegen ihrer Virtuosität und Musikalität. Selbst Horowitz war von Backhaus´ Chopin-Etüden beeindruckt. Sehr empfehlenswert das auch technisch hervorragende Remastering des Labels apr:



    Shura Cherkassky ist einer der Virtuosen und Klavierpoeten alter Schule. Er verabscheute eigentlich Studioaufnahmen und war ein äußerst beliebter Konzertpianist. Seine Aufnahme der Chopin-Etüden finde ich wirklich sehr hörenswert - die preiswerte Box zudem empfehlenswert:



    Schöne Grüße

    Holger

    Derade habe ich einen - nicht vollständigen - Interpretationsvergleich des Allegretto-Satzes gemacht. Hier zeigen sich am deutlichsten die verschiedensten Zugänge zu dieser Symphonie - und auch die Unterschiede sind am größten.


    Furtwängler: Eigentlich hatte ich nicht vor, den Satz komplett durchzuhören, war aber so gefesselt und berüht, dass ich nicht anders konnte! :hail: Er ist mit Abstand der Langsamste von allen. Wie nach ihm Karajan ist Furtwängler merklich der Wagner-Ästhetik verpflichtet. D.h. er überbrückt die Zäsuren, deutet die Phrasen nur an und verschmilzt sie zu einem großen Bogen, einer "unendlichen Melodie". Aber! Furtwängler beherzigt Wagners Ausspruch zur 7., sie sei die "Apotheose des Tanzes". Trotz des durchgezogenen Legatos gibt es diesen sich durchziehenden, pulsierenden Rhythmus. Dabei wird dieser Trauermarsch zu einer einzigen Klage. So expressiv und fast schon bedrückend spielt diesen Satz Niemand. Einzigartig!


    Karajan (1977) ist fast 4 Minuten schneller - es liegt also nicht am Tempo, dass er hier scheitert. Nur er weicht den Rhythmus auf. Nichts gegen Karajans künstlerische Leistung - so wie er es macht, ist es ja gewollt. Aber bei ihm erinnert man sich an Friedrich Nietzsches Wagner-Pariodie. Nietzsche spottete, Wagners Musik verschleime den Magen, sie wolle "schwimmen" und nicht "tanzen", führe zu einer "Entartung des rhythmischen Gefühls". Genau das ist der Unterschied zwischen Furtwängler und Karajan: Trotz "unendlicher Melodie" tanzt Furtwängler diesen Satz durch, während Karajan "schwimmt", trotz recht flottem Tempo.


    Kleiber ist flotter im Tempo als Kletzki. Bei ihm gibt es diesen unbezwinglichen leidenschaftlichen Sog, ohne dass er dabei die Detailarbeit vernachlässigen würde. Das ist einzigartig! Kletzki ist auch wunderbar - einer etwas "romantischere" Interpretation.


    Klemperer ist bedächtiger, phrasiert aber sehr genau. Es fehlt mir bei seiner Nüchternheit ein bisschen die Begeisterung. Aber um seine Interpretation dieses Satzes zu bewerten, müsste ich sie wohl im Kontext der ganzen Symphonie hören.


    Scherchen hat auch eine unverwechselbar eigene Note, indem er den Marschrhythmus sehr prägnant herausarbeitet. Das gibt dem Satz Intensität.


    Toscanini sollte man wirklich nicht vergessen! Seine Interpretation ist immer noch exemplarisch, ungemein klar und modern. Dabei frei von jedweden Manierismen.


    Mrawinsky hat einen sehr eigenen, wahrlich außergewöhnlichen Ansatz. Er phrasiert messerscharf, die Streicher bekommen eine hochemotional verdichtete Plastizität und Expressivität. Es grenzt an ein Verbrechen, dass es diese Dokumente nicht in einer der Bedeutung der Interpretation entsprechenden Aufnahmequalität gemacht wurden.


    Abbado hat mich überrascht (die italienischen Mitschnitte mit den Berliner Philharmonikern). Für mich ist das eine der eindrucksvollsten und eigenständigsten Interpretationen. Abbado versteht es, die historische Aufführungspraxis zu reflektieren, ohne sie einfach zu imitieren, sondern in eine "moderne" musikalische Orchestersprache zu übersetzen. Das Resultat ist ein ungemein lebendiger, fesselnder Vortrag! Die Phrasen bekommen rhetorische Prägnanz wie bei keiner eigenen Aufnahme - ohne dass er in einen Manierismus abgleiten würde. Abbado war eben ein Meister der Balance. Dass er zu den ganz großen Dirigenten gehört, hat er allein mit der beeindruckenden Interpretation dieses Satzes bewiesen!


    Noch etwas zur Aufnahmetechnik. Karajan (1977) ist satter in den Bässen als Kleiber. Karajan verlangte von seinen Tontechnikern, dass sie die Aufnahme so abspielen, dass sie ordentlich Bass hat, damit der auch auf den schmächtigen Regalböxchen von Lieschen Müller rüberkommt. "Objektiv" hat die Aufnahme also zu viel Bass. Ich habe bei meinem Yamaha RN 803 D eine elektronische Einmessvorrichtung. Selbst ohne Einmessung, welche wegen der Wandstellung der Boxen die Bässe im Pegel absenkt, bleibt die Klangcharakteristik erhalten. Beide Aufnahmen sind klanglich wirklich gut. Ich bevorzuge die Direktschaltung des Yamaha, weil sie mehr Offenheit in den Höhen und mehr Hochtonglanz hat. Und - gegen die Abstreiter gesagt: Wenn ich nur das AVM CD 1-Laufwerk anstelle des Marantz CD 80 als digitale Quelle für den Cambridge DAC Magic Plus verwende, habe ich eine deutlich größere Bühne. Wenn die komplette AVM-Kette spielt, gibt es nochmals eine erhebliche Steigerung! Qualität zahlt sich eben aus!


    Noch eine Bemerkung: Ich hatte ein bisschen meinen Kopfhörer im Verdacht von wegen "Kopfhörerklang", dass die Celli und Bässe bei der Kletzki-Aufnahme etwas wattig klingen. Die Lautsprecher zeigen aber, dass es an der Supraphon-Aufnahmetechnik von 1967. Der Kopfhörer ist also einfach nur ehrlich - wie auch die Lautsprecher. Die Schwchen und Stärken der Aufnahmetechnik werden ganz genau wiedergegeben. Supraphon hat in der Regel eine hervorragende Aufnahmetechnik, diese spezielle Aufnahme gehört allerdings zu den etwas schwächeren. Sie ist aber immer noch gut genug, dass sie den Musikgenuss nicht schmälert. Ich bin ja ein "Hifiist", aber kein Hifi-Fetischist. Wenn die Aufnahmetechnik die ästhetischen Qualitäten der Interpretation vermitteln kann, ist das völlig in Ordnung. :)


    Schöne Grüße

    Holger


    Gestern hörte ich die 7. und war wirklich sehr angetan! Paul Kletzki dirigiert die Symphonie ohne zu forcieren, gibt eine Art romantische Landschaftsdarstellung der Musik. Beethoven nicht als Aufpeitscher, sondern zum Zuhören. Dabei bleibt er auch gar nichts an rhythmischem Schmiss schuldig. Er profitiert dabei von der unglaublichen Spielkultur und Virtuosität der Tschechischen Philharmonie, ihrer federnden Leichtigkeit und Eleganz. Schön sind auch die Zwischentöne, die herauskommen im Scherzo etwa. Kein eintöniger Nur-Jubel also! Die böhmischen Bläser strahlen poetische Wärme aus. Der heikle Allegretto-Satz ist vollauf gelungen - vom Interpretationsansatz her C. Kleiber sehr ähnlich - im Gegensatz zu der Aufnahme mit Vaclav Neumann, der an diesem Satz wie Karajan und Celibidache leider scheitert. Für mich ist das eine der besten Aufnahmen der 7.! :)


    Kurz habe ich auch noch einmal Kleiber gegengehört. Ausführlicher werde ich das noch machen, wenn ich die Studioaufnahme mit der Konzertaufnahme aus München vergleiche. Jedenfalls unter meinem Kopfhörer kann ich nicht sagen, dass die Klangqualität wirklich gravierende Schwächen hätte. Es ist eine eher schlanke DGG-Aufnahme, wirkt aber keineswegs ausgedünnt und es wummern auch keine Bässe. Sie ist farbig differenziert und durchaus ein ästhetischer Genuss. Es mag natürlich sein, dass die eine oder andere Hifi-Anlage da Schwierigkeiten hat... ;)


    Schöne Grüße

    Holger

    Svjatoslav Richter (Tagebucheintragung vom 11.8. 1976) über Carlos Kleibers "Tristan" in Bayreuth


    "Ich fürchte, dass ich in meinem Leben nicht noch einmal einen solchen "Tristan" erleben werde.


    Das war der wahre "Tristan".


    Carlos Kleiber hat die Musik zum Sieden gebracht, den ganzen Abend lang (was einen endlosen Beifall auslöste).


    Er ist ohne Zweifel der größte Dirigent unserer Zeit ... Alle Sänger waren ebenfalls auf Wagnerscher Höhe und haben uns begeistert. (Hervorh. von mir)


    Eine "Sternstunde" im vollen Sinn des Wortes. (...)


    Nach der Vorstellung überredete mich Kostia Metaxas, meine Eindrücke dem Dirigenten mitzuteilen. Der sah ziemlich deprimiert und mit sich unzufrieden aus.


    Ich sagte meine Meinung und plötzlich sprang er wie ein Kind vor Freude fast in die Luft: "Also wirklich gut?" Ein solcher Titan und so unsicher!"


    Wenn der große Zweifler Svjatoslav Richter (der auch selbstkritisch war bis zur Selbstzerfleischung) schreibt, C. Kleiber sei "ohne Zweifel" der größte Dirigent, dann soll das etwas heißen. Das schließt bei ihm die Kritik nicht aus. Das Dvorak-Klavierkonzert, das er mit ihm aufgenomen hat, hielt er für nicht gelungen, sie beide, er und Kleiber, seien nicht in Form gewesen.


    Kleiber war ein Genie ohne Selbstvertrauen. Er litt Zeit seines Lebens an einem Vaterkomplex. Bezeichnend auch die Anekdote, wie seine Aufnahme der Beethoven-Klavierkonzerte mit Benedetti Michelangeli platzte. Nach Michelangelis Tod gab es Kleiber zu: Michelangeli kannte die Partituren sehr genau - oft besser als der Dirigent. Während der Probe ertappte er Kleiber bei einem Fehler. Das hat der mit seinem fehlenden Selbstbewusstsein nicht verkraftet und brach die Proben ab.


    Sein Ruf gründet sich zum größten Teil auf seine Konzerte - dann erst kommen die Plattenaufnahmen.


    Schöne Grüße

    Holger