Beiträge von Dr. Holger Kaletha

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    Original von WolfgangZ


    Interessanterweise gibt es von den Moussorgsky'schen "Bildern" aber auch eine Einspielung mit Horowitz, die - für den Meister nicht untypisch - ebenfalls den Schluss des Tors von Kiew derart banal aufdonnert, dass ich gleichermaßen von "bombastischem Kitsch" sprechen würde. Wie gesagt: Der direkte Vergleich mit Pogorelich fehlt mir. Ob er sich lohnt?


    Hallo Wolfgang,


    da gebe ich Dir voll recht! Der Horowitz am Schluß ist wirklich kitschig! Der Unterschied zu Pogorelich ist, daß Horowitz ein >ehrlicher< Exzentriker ist, die ganzen >Bilder< sind total übertrieben (er interpretiert den Mussorgsky wie einen exaltierten Scriabin, obwohl der zu den >Realisten< zählt und mehr Verwandtschaft mit Schostakowitsch aufweist), so daß dieser bombastische Schluß dann doch irgendwie zu dem Ganzen paßt. Das ist zwar sehr hart an der Grenze des guten Geschmacks, aber genialisch. Bei Horowitz gibt es ja die Fälle, wo er so übertrieben bombastisch-kitischig spielt (so komische Sachen wie "Stars and Stripes"), daß man unwillkürlich lachen muß, so als spiele er das mit einem Augenzwinkern. Bei Pogorelich, der ansonsten ungemein sorgfältig ohne große Übertreibungen charakterisiert, fällt dieser Schluß einfach aus dem Konzept. Man fragt sich: Wozu macht er das, warum diese blödsinnigen Oktavierungen? Das ist irgendwie nicht intuitiv, sondern einfach willkürlich ausgedacht. Interessant ist die Aufnahme von Pogorelich sicher, aber ob man sie unbedingt kennen muß, das weiß ich nicht!


    Für mich die eindrucksvollste Aufnahme von den >Bildern< ist der Sofia-Mitschnitt von Svjatoslav Richter von 1952 (Philips). Der überragt selbst andere Mitschnitte von Richter deutlich. Eine andere wirklich außergewöhnliche Aufnahme ist die von William Capell (CD: Capell Rediscovered). Die sollte man wirklich kennen - und auch die wirklich sehr souveräne von Vladimir Ashkenazy. Die Orchesterversion von Ravel in der Interpretation von Sergui Celibidache empfiehlt mein Lehrer und Pianistenfreund F.-J. allen Pianisten zum Studium - wegen der absolut vorbildlichen Phrasierung der Promenade! Dem kann man nur zustimmen! Aber nun sind wir schon weit weg von Pogorelich... :angel:


    Beste Grüße
    Holger

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    Original von Thomas Pape
    Bei Ravel glückte restlos das Mittelstück „Le Gibet“, dessen dunkle, fahle Stimmung perfekt eingefangen wurde, bei den beiden Eckstücken wiederum der Eindruck, der sich bereits bei Granados eingestellt hatte: die Finger wollten offensichtlich nicht mehr so behende über die Tasten. Das machte sich bei Ondine bemerkbar, zumal wenn man das Stück in der Einspielung von Samson Francois oder Vlado Perlemutter im Ohr hat. Scarbo hingegen zeichnet wieder ein brillianten Gnomenspuk.


    Hallo Thomas,


    ich kann es mir hier nicht verkneifen etwas zu Pogorelichs >Interpretation< (ich verwende bewußt die Anführungszeichen!) von >Le Gibet< zu sagen. (Deinen Konzertbericht finde ich ansonsten sehr schön geschrieben!) Ich habe das Konzert natürlich nicht gehört, kann mich also nur auf seine Studioaufnáhme beziehen! Für mich ist Pogorelichs Version eines der schlimmsten Beispiele für Willkür und Mißachtung der Intentionen des Komponisten. Ravel hat Robert und Gaby Casadesus auf ihren Konzertreisen begleitet und von beiden ist überliefert, daß Ravel forderte, bei >Le Gibet< ganz rigoros und starr das Tempo zu halten! Das kann man übrigens auch nachvollziehen in der Welte-Mignon-Aufnahme, die Ravel selbst von >Le Gibet< gemacht hat (CD: Ravel plays Ravel). Genau das steht auch unmißverständlich als Anweisung an den Pianisten im Notentext, direkt unter der Tempobezeichnung >Tres lent<: "Sans presser ni ralentir jusqua la fin"! Bei Pogorelich hört man nichts anders als >ralentir<und >presser< - eine ganz bewußte Mißachtung der Spielanweisung! Ich habe ungefähr 25 verschiedene Aufnahmen von >Gaspard de la nuit< bzw. >Le Gibet< und mich intensiv mit diesem Stück beschäftigt - darunter auch die von Dir erwähnte sehr hörenswerte Aufnahme von Vlado Perlemuter, der übrigens zu denen gehört, die noch mit Ravel in persönlichen Kontakt gekommen sind - kein einziger erlaubt sich diese Eigenmächtigkeiten von Pogorelich, die nicht nur willkürlich sind, sondern jedes Verständnis für den Sinn dieser Musik vermissen lassen. Das finde ich einfach völlig inakzeptabel!


    Pogorelich ist zweifellos ein begnadeter Pianist mit großer Anschlagskultur und einer perfekten Technik (jedenfalls in seinen Aufnahmen, ich finde schon interessant, daß Du über technische Schwächen in seinem Konzert berichtest!), aber neigt dazu, den Notentext als Anlaß zu nehmen für ein willkürliches Spiel mit Assoziationen - für mich ist er ein egomanischer Manierist. Ein besonders erschreckendes Beispiel: Valses nobles et sentimentales wiederum von Ravel, das ist für mich schlicht ungenießbar; der Notentext ist hier auch nicht im Entferntesten wiederzuerkennen geschweige denn der Sinn dieser Musik.


    Um ihn nicht nur zu tadeln: Seine beste Aufnahme für meinen Geschmack ist die 6. Sonate von Prokofieff, auch die 2. Chopin-Sonate ist hörenswert, wenn er nicht diese unsinnigen Kürzungen (vor allem im Satz mit dem Trauermarsch) vornehmen würde. Die >Bilder einer Ausstsellung< fand ich eigentlich wider Erwarten sehr spannend - er kann wirklich charakterisieren. Wenn er sich nur nicht wieder den ansonsten überragenden Gesamteindruck mit seiner Egomanie verderben würde: der zerdehnte Schluß der Katakomben und die unsinnigen Eingriffe in den Notentext zum Ende des Tors von Kiew: das wird bei ihm zum bombastischen Kitsch. Für Sonatenarchitekturen fehlt ihm der Sinn und Verstand - wie er den Kopfsatz der 2. Sonate von Scriabin angeht, das wirkt wie ein hilfloses Herumirren. In der h-moll-Sonate von Liszt gibt es eine Trillerstelle, wo Liszt auf der ersten Note einen Betonungskeil notiert. Pogorelich spielt dann jede Note mit Betonung nach dem Motto: Seht her, ich habe das in den Fingern! Musikalisch ist das einfach Nonsens. Die Aufnahme der Liszt-Sonate ist ansonsten natürlich perfekt - aber eben ein eiskalter Manierismus ohne wirkliche >Seele<.


    Ich werde wohl nie mit diesem Pianisten warm werden...


    Musikalische Grüße :hello:
    Holger

    Der wunderbare Iberia-Zyklus steht finde ich zu Unrecht etwas im Abseits der Klavierliteratur! Besonders Alicia de Larrocha ist es zu verdanken, daß wir ihn in seiner Bedeutung würdigen können. Es existieren von ihr drei Aufnahmen: Die ganz frühe bei EMI beeindruckt mit ihrer rhapsodischen Freiheit und virtuosen Souveränität aus dem Handgelenk. Die zweite Aufnahme (Decca) ist organischer. Die letzte digitale bei Decca besticht durch ihre unglaubliche Auswogenheit und gibt dem Zyklus den Rang eines Klassikers - zum Einstieg würde ich diese Version empfehlen (gerade wieder erschienen und preiswert zu haben). Wirklich sehr hörenswert eine wirkliche Alternative zu Larrocha ist auch die Aufnahme der ersten beiden Bände, die Claudio Arrau in den 50igern gemacht hat. Grifftechnisch ist er manchmal noch souveräner - er hat einfach riesen Hände, die Larrocha nicht zur Verfügung hat! (Wenn man in den Notentext schaut, bekommt man ja einen Schlag von dieser Überfülle an Noten!) Wirklich grauenvoll ist der Konzertmitschnitt von Daniel Barenboim, den es auf CD zu haben gibt. Der erste Band ist noch einigermaßen hörbar mit Anklängen an Liszt. Was er allerdings aus >Almeria< macht, ist schlicht eine Vergewaltigung der Musik: Albeniz im Geiste eines Wagnerianers, brutales Klavierspiel, die Musik wird regelrecht zerschlagen! Nichts von spanischen Geist, von Finesse, Eleganz, Sinn für rhythmische Verdichtung, für Klangfarbenspiel! Wirklich abschreckend!


    Beste Grüße
    Holger


    Die Gawrilow Scriabin-CD ist wirklich hervorragend - sie ist aber leider vergriffen. Ich habe von ihr leider nur eine CD-R! Man muß Gawrilows Biographie kennen: Da ist einer, der von seiner ehrgeizigen Mutter um seine Kindheit gebracht und gedrillt wurde, Klavier zu spielen bis zum Überdruß, später vom KGB verfolgt wurde. Deswegen ist er für eine Zeitlang aus dem Klavierzirkus ausgestiegen. Ich hörte ihn 2007 hier in Bielefeld mit dem Tschaikowsky-Konzert - er spielt heute nicht mehr so hart wie früher, sein Pianissimo war schon aufregend, fast schon Volodos-verdächtig! Insgesamt ist sein Spiel nicht mehr so streng wie früher, eine gewisse postmoderne Lässigkeit, manches wird unendlich in die epische Breite gezogen! Insgesamt war das aber eine sehr schöne Aufführung. Man merkt, daß er jede Zwanghaftigkeit des Spiels vermeiden will!


    Um zu den kleinen Stücken zu kommen: Diese Miniaturen von Scriabin sind wahre Juwelen! Sofronitzky ist schlicht aufregend und ein >Muß< für jeden Scriabin-Freund (ein wirklich tiefsinniger Interrpet dieser Musik mit einer natürlichen Affinität zu ihr), z.B. die Preludes u.a. in der vor kurzem erschienen Box bei Brilliant-Classics. Außergewöhnliche Aufnahmen (leider sehr wenige) gibt es von V. Ashkenazy, von Horowitz natürlich, und nicht zu vergessen: Walter Gieseking, der die Preludes äußerst feinsinnig und facettenreich spielt! Auch Anna Guararis Aufnahme der Preludes gehört zu den besten!


    Beste Grüße
    Holger

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    Original von WolfgangZDas Konzert in fis (nicht cis, oder?) besitze ich in einem Rundfunkmitschnitt mit Ashkenazy. Dieses sehr von Chopin geprägte, aber doch weichere, subtilere Werk hat mich schon vor Jahrzehnten angesprochen.


    Hallo Wolfgang,


    auch ich liebe das fis-moll-Konzert besonders. Die Aufnahme von Ashkenazy-Maazel ist wirklich unübertroffen - die von Ugorsky/Boulez dagegen alles andere als berauschend, da stimme ich Michael voll und ganz zu!


    Eine Bitte: Wenn Du die Box mit den Sonaten bekommst, könntest Du dann vielleicht mitteilen, von wann das Remastering ist? Ich besitze nämlich die uralte, erste Box, mit veralteter Digitaltechnik überspielt, die, die jetzt zu haben ist, erschien irgendwann in den 90igern. In der Serie >Steinway-Legends< haben sie die 5. neu remastered - und das ist klanglich um Klassen besser: dynamischer, substanzreicher! Ich überlege also deshalb, mir die neue Auflage noch einmal anzuschaffen!


    Besten Dank im voraus
    Viele Grüße
    Holger


    Hallo Wolfgang,


    es klingt nach Decca - die Aufnahmen sind aus verschiedenen Jahren (die erste aus den 70igern, die letzte aus den 90igern): Zuerst erschienen die Sonaten 3,4,5,9 dann 2,7,10 (analog) und dann Nr. 1 und 6 (digital) Auf den LPs waren dann noch eine Reihe von ihm ebenfalls mustergültig gespielte Morceaus und Poemes drauf, die haben sie leider in der Box nicht veröffentlicht. Gibt es als Zugabe zur CD mit Debussy,Ravel in der Ovation-Serie (falls es sie noch gibt!). Die wunderbare Aufnahme mit dem cis-moll-Konzert und Prometheus mit Maazel ist leider vergriffen, erhältlich aber in einer großen Ashkenazy-Box mit diversen Klavierkonzerten, wie ich beim Stöbern gesehen habe.!


    Beste Grüße
    Holger

    Hallo zusammen,


    ich würde auf jeden Fall raten, alle (!) Sonaten zu hören! So lang sind sie ja nicht und vom Charakter und Stil viel zu verschieden! Ich habe kürzlich Maria Lettberg hier im kleinen Saal der Oetkerhalle gehört. Sie spielte vor allem die kleinen Stücke (Poemes, Etüden usw.) und die 9. Sonate - sehr gut, nämlich >dämonisch< interpretiert. Leider war der Flügel nicht im allerbesten Zustand, so daß ich etwas die leisen Töne vermißt habe! (Bei der Aufnahme spielt sie übrigens einen vorzüglichen Bösendorfer!)


    Um es noch einmal zu wiederholen: Die nach wie vor beste Gesamteinspielung der Sonaten ist für mich die von Vladimir Ashkenazy (Decca) - sie sei hier noch einmal wärmstens - gerade als Einstieg - empfohlen!


    Beste Grüße
    Holger

    Für mich ist und bleibt die beste Gesamtaufnahme die von Vladimir Ashkenazy, weil er die gelungenste Synthese aus Empfindung und Intellekt (Scriabin war ja ein hochspekulativer Komonist) verkörpert bei höchster pianistischer Potenz - die 5. z.B. ist klaviertechnisch atemberaubend, da kommt selbst Hamelin nicht ganz mit! Die Aufnahme von Hamelin habe ich auch, ist ebenfalls sehr gut, aber Scriabin doch mehr aus der Sicht eines Virtuosen. Die intellektuelle Schärfe von Ashkenazy hat er letztlich doch nicht! Auch Glemser ist ganz hervorragend! Es gibt natürlich viele herausragende Einzelaufnahmen von Horowitz (3., 9. und 10. Sonate) von Gilels (3. Sonate und die 4., er realisiertals als einziger das faktisch unrealisierbare Prestissimo volando um pp), von Richter (die 5. aus Prag und die 9. aus Aldebourgh), von Grigory Sokolov eine wirklich überragende 9. Sonate, Kissins Aufnahme der 3. Sonate ist auch sehr gelungen, seine beste seit langem, finde ich! Glenn Gould reduziert den Scriabin (3. und 5. Sonate) auf das syntaktische Skelett - das ist zwar ein Reduktionsverfahren, aber ungemein erhellend! Nicht zu vergessen natürlich die Legende Vladimir Sofronitzky, Scriabins Schwiegersohn - Sofronitzkys Aufnahmen sind für Scriabin-Freunde ein >Muß<! Wirklich zu empfehlen auch die für nur 20 Euro zu habende Gesamteinspielung aller Scirabin-Klavierwerke von Maria Lettberg auf hohem Niveau - Scriabin eben nicht nur mit >Bauch<, sondern mit intellektuellem Kopf gespielt!


    Beste Grüße
    Holger


    Hallo Georg!


    Die Brilliant-Box enthält Konzertmitschnitte aus der ehemaliigen UDSSR - die sind nicht identisch mit den Studioaufnahmen bei der DGG. Die neu herausgegebene Gilels-Box bei DGG enthält dieselben Überspielungen wie die ältere >blaue< Box. Ich besitze diese ältere Box und teilweise noch die alten Einzel-CDs. Die Überspielungen in der Box sind durchweg substanzreicher und dynamischer. Leider haben die Tontechniker bei manchen Sonaten etwas den Hochtonbereich beschnitten, so daß der >blühende< Steinway-Ton (etwa zu Beginn des 3. Satzes der Waldstein-Sonate op. 53) nicht so blüht, wie er sollte! Ich habe deshalb einige der alten Überspielungen behalten.


    Ansonsten kann ich nur ein Loblied auf den Gilels-Beethoven singen! Das wäre ein Jahrhundert-Zyklus geworden, hätte er ihn fertig gestellt. Leider hat ein Kunstfehler in der Klinik des Kreml - er bekam bei einer Routineuntersuchung eine falsche Spritze! - sein Leben frühzeitig beendet! Mit mehr Sinn für Klassizität, feinsinniger und äußerst textgenau kann man Beethoven nicht spielen. Und es ist ein unverwechselbarer Gilels-Beethoven - wie die Handvoll anderer großer Beethoven-Interpreten hat er seine eigene Handschrift!


    Beste Grüße
    Holger

    Von Liszts vorzüglichen Transkriptionen der Beethoven-Symphonien kenne ich vor allem die sehr gelungene Einspielung von Cyprien Katsaris - bei dem inzwischen >verstorbenen< Label Teldec! Habe aktuell nicht nachgeforscht, ob die irgendwo noch zu bekommen ist! Eine der Symphonien habe ich vor etlichen Jahren von ihm im Konzert gehört - da schrieb doch so ein blasierter Kritiker: Diese Liszt-Transkriptionen gehörten nicht in den Konzertsaal - und bekam von einem angesehenen, pensionierten Kritkerkollegen in derselben Zeitung (Leserbrief) berechtigt Prügel dafür!


    Beste Grüße
    Holger

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    Original von Stabia
    Und ich habe sie jetzt auch gehört!

    Jetzt nehme ich mir Op. 2/3 und 111 vor.
    Schade, daß von diesem Pianisten nur vergleichsweise wenige Sonaten auf CD zu haben sind, ich habe noch Op. 22 und 26 und 110, aber noch nicht gehört.:hello:


    Hallo Stabia,


    die op. 110 von ABM? Stimmt das? Oder hast Du Dich verschrieben, muß es op. 111 heißen? Ich habe gelesen, daß er die op. 101 gespielt hat - davon gibt es aber offenbar keinen Mitschnitt!


    Zum Schumann: Die Thara-CD ist herausgegeben von den beiden Ärzten aus Bordeau, die ABM das Leben gerettet haben, als er eine Herzattacke bei >Ondine< in Bordeau 1988 bekam und auf dem Podium zusammenbrach! Er hat sich von ihnen operieren und später behandeln lassen und mit den Familien angefreundet! Die CD enthält ein wirklich sehr schönes Booklet mit der ganzen Geschichte, etlichen privaten Fotos, die ABM von einer sehr menschlichen und gar nicht unnahbaren Seite zeigen! Das Schumann-Konzert dort ist die Aufnahme mit Hermann Scherchen - Scherchen war wirklich ein außergewöhnlicher und absolut ebenbürtiger Partner für ABM! Diese Thara-Kopie des Mitschnitts wurde allerdings nicht vom Originalband gemacht, sondern ist die Kopie von LPs - man hört das Knistern und Rauschen! Die Originalüberspielungen gibt es vom Label Aura aus Bologna, Italien (http://www.edimediasrl.it), die veröffentlichen vor allem Aufnahmen aus dem Rundfunk der italienischen Schweiz (Lugano) und die ABM-Aufnahmen haben sie in diversen Boxen in verschiedenen Zusammenstellungen herausgebracht!


    Vom Schumann-Konzert gibt es die folgenden Aufnahmen,
    mit:
    Pedrotti (Teldec) 9.4.1942
    Mitropoulos New York 21.11.1948
    Gracis Turin RAI 14.3.1955
    Rowicki Warschau 1955
    Scherchen Lugano 21.6. 1956
    Gavazzeni Rom 28.4.1962


    Beste Grüße
    Holger

    Hallo Michael,


    ein solches Repertoire, daß Du >schmal< nennst, ist mir eindeutig lieber! Da gibt es ja wirklich unsinnige Entwicklungen, z.B. beim Clara-Haskil-Wettbewerb, der von den sehr jungen Teilnehmern schon 200 Repertoirestücke verlangt! Wo bleibt da noch die Möglichkeit der intensiven geistigen Auseinandersetzung mit einem bestimmten Werk und seinem kulturellen Umfeld? Es gibt ja auch nicht den Literaturwissenschaftler oder Philosophen, der gleichermaßen in mittelalterlicher, orientalischer, antiker und moderner Literatur gleich gut zuhause ist! Wirkliches Wissen verlangt Spezialisierung, eine selektive Auswahl des Interrpeten. Bei der Kunst ist das genauso! Ohne Selektion gibt es nur Routine und Standard!

    Daß Horowitz ein Pianist ist, der auf Show-Effekte zielt, ist ein krasses Fehlurteil meiner Meinung nach. Was sich etwa ein Pletnev an Eingrigffen in den Notentext bei Schumanns Fantasie op. 17 erlaubt, hat sich Horowitz in seiner (wunderbaren) Aufnahme nie erlaubt! Horowitz gehört in eine Generation von Pianisten, wo ein subjektiver Interpretationsstil als Qualität galt. Auch die Bearbeitung von Stücken gehört dazu. Horowitz dosiert aber sehr genau, wo er bearbeitet und wo nicht, wie er seine Subjektivität einsetzt! Stücke, die auf Effekt zielen, spielt er auch effektvoll, und der Effekt wird manchmal noch gesteigert! Das macht seine Modernität aus, daß er sich auch völlig zurücknehmen kann! Sein Repertoire würde ich auch nicht als schmal einstufen! (Bei ABM ist es so, daß er ein wesentlich breiteres Repertoire hatte, als es die Aufführungen vermuten lassen! Das nur als Randbemerkung!) Er hat Komponisten wieder im Konzertsaal etabliert wie Scarlatti, Clementi und Scriabin, die kaum noch beachtet wurden!
    Die alte Aufnahme der Kinderszenen (CBS) finde ich nach wie vor maßstabsetzend!


    Gruß Holger

    Ich finde auch nicht alles überzeugend, was Horowitz spielt! Aber das ist gar nicht das Entscheidende, was das Phänomen Horowitz ausmacht! Horowitz gehört vielleicht zu den 5 Pianisten, die gezeigt haben, welche Möglichkeiten das Instrument Klavier bietet! Das hat übrigens Sergei Rachmaninow gesagt, der selber einer der größten Pianisten des 20. Jahrhunderts war! Und zum anderen ist Horowitz eben nicht nur ein >Nur-Virtuose<. Es gibt die Anekdote, wo seine Mutter ihn bei Scirabin vorspielen ließ. Er sagte zu ihr: Der Junge soll nicht nur Klavier spielen, er muß Bücher lesen, ins Theater und in die Oper gehen! Horowitz ist zwar kein >Intellektueller<, aber ein hochgbildeter Musiker, der sich Gedanken macht über das, was er spielt - für den ist Musik reine Poesie! "A concert is not a lecture" sagte er, wie seine Frau Wanda berichtet.


    Wirkliche Sternstunden sind seine Aufnahmen von Schumann (Kreisleriana, die Humoreske, Kinderszenen), der Scriabin, die Etüden etwa oder die Preludes und vieles andere mehr, das zu loben wäre eine >unendliche Geschichte<. Da gibt es inzwischen so viele wirklich sehr gute Aufnahmen von Scriabins Etüden und Preludes (Anna Gouarari, Maria Lettberg), aber wenn man dann Horowitz einlegt, sagt man: Diese Meßlatte liegt eben doch für alle anderen unerreichbar hoch! Und er war sehr gewissenhaft: Bevor er seine Scarlatti-Platte aufnahm, hat er sich von seinem Freund, dem Cembalisten und Scarlatti-Experten Ralph Kirkpatrick, beraten lassen, ist dafür extra nach England geflogen! Und die >Pathetique< von Beethoven hat er zweifellos sehr gut gespielt (vgl. meinen Thread!), das ist ein sehr moderner Interpretationsansatz! Horowitz ist ein Exzentriker im besten Sinne des Wortes, eine extrem vielschichtige Persönlichkeit. Das kommt de Musik zugute, wo andere glatt sind, vermag Horowitz Widerhaken, Doppelbödigkeiten zu entdecken!


    Seine letzte Aufnahme ist ein Beispiel für seine außergewöhnliche Pianistik! Da ist einmal >Isoldes Liebestod<, da ist alles drin, und das äußerst geschmackssicher gespielt. (Brendel dagegen wirkt fürchterlich akademisch steif, Wagner würde dazu gesagt haben: Der macht aus meiner Musik >Quadratmusik<!) Und dann diese unglaublich gespielte Haydn-Sonate! Dieselbe habe ich von Krystian Zimerman im Konzert gehört. Zimerman hat nun wahrlich pianistische Kultur in hoher Vollendung. Aber im Finale ist Zimernan eben nur delikat, diese ungeheuer spannenden rhythmischen Bewegungen, die Horowitz herauszuarbeiten vermag, werden bei ihm im wahrsten Sinne des Wortes glattgebügelt. Das ist eben der kleine aber feine Unterschied!


    Beste Grüße
    Holger

    Zitat

    Original von pt_concours
    Wer kan etwas über folgedne CD berichten, welche (für mich unerwartet) einige Repertoireerweiterungen für Sammler von Aufnahmen mit Horowitz bietet?



    Ja, kann ich, habe sie mir heute nach langer Zeit wieder mal angehört! Da kann man sich nicht lösen! So dämonisch flatternd und irrlichtend, wie er den Debussy spielt: einmalig! Eher assoziativ als strukturbetont, aber unglaublich klangsinnig und hypersensibel! Auch der Kabalewsky und Barber sowie der Prokofieff ist absolut faszinierend!


    Der Threadtitel ist - mit Verlaub gesagt - einfach dämlich! Der passende Titel wäre ein Zitat von Joachim Kaiser gewesen: "Horowitz, der Gott des Klaviers"! Das Phänomen Horowitz ist einfach singulär, der Platz auf dem Pianistenolymp ist ihm sicher! Über Horowitz zu schreiben, dazu brauchte man die Seiten für einen ganzen Roman! Und Göttern ist bekanntlich erlaubt, was Normalsterblichen nicht erlaubt ist...


    Beste Grüße
    Holger

    Zitat

    Original von flotan



    ?(


    Brendel hat seine Karriere praktisch als Liszt-Spieler begonnen. Im Vergleich mit wem würdest Du ihn da trotzdem als klaviertechnisch schwächer einstufen?
    Wenn Du von der Gegenwart sprichst, muß ich Dir recht geben. Das ist aber angesichts des Alters nur umso löblicher, wenn er sich mit zu schwierigem Repertoire nicht zu einer Lachnummer machen will.


    Brendels Qualität ist seine unglaubliche Spielkultur und eine insgesamt sehr sichere Technik, die ihm erlaubt, alles zu spielen, was er will. Was allerdings die Beherrschung von pianistischen Extremlagen angeht, gibt es sicher einige, die auf einem anderen Level spielen oder gespielt haben. Spontan fallen mir da die folgenden Namen ein - einige andere große Namen müßten da noch hinzukommen:


    Gilels, Richter, Horowitz, Michelangeli, Cziffra - von den Jüngeren: Volodos


    Beste Grüße
    Holger

    Hallo zusammen,


    Brendel gehört zu den >Großen<, das ist für mich keine Frage! Ein geistiger Interpret mit einer unglaublichen Anschlags- und Spielkultur und einem ganz spezifischen Brendel-Ton! (Er sollte nur manchmal das altmodische >Nachklappern< lassen und bei manchen Aufnahmen klirrt doch der Diskant ziemlich, ist tonlos >spitz<, das ist zweifellos eine Frage seiner Technik, nicht nur der Aufnahmetechnik!) Klaviertechnisch hat er sicher Grenzen (aber die hatte Kempff z.B. auch!) und auch nicht alle seiner Interpretationen begeistern mich! Keine Frage, daß der Schubert bei ihm das Zentrum ist! Aber er hat einen großen Horizont! Zuletzt habe ich von ihm das Schönberg-Konzert mit Kubelik gehört - sehr überzeugend! Dagegen Beethoven Pathetique und op. 22 (letzte Aufnahme) fand ich eher weniger gelungen! Sehr empfehlenswert ist auch seine Interpretation der h-moll-Sonate von Liszt. Auch der 1. Band >Annees de Pelerinage< (Suisse) ist sehr gut - der zweite >Italien< weniger, das ist doch sehr spröde, da fehlt ihm die spezifische kontemplative Sinnlichkeit, die man hier treffen muß und die Kolllege Lazar Berman so ideal trifft!


    Schade, daß er nun aufhört zu konzertieren, das letzte Mal, wo ich ihn gehört habe (Tonhalle Düsseldorf 2006) war er noch ungemein rüstig! (Ein toller, unvergeßlicher Abend mit Haydn, Schubert und Mozart, das war wirklich großes Klavierspiel!) Was man an so jemandem hat, realisiert man ja meist erst, wenn er nicht mehr da ist! Leider!


    Beste Grüße
    Holger

    Hallo zusammen,


    die wirklich sehr lesenswerten Ausführungen von Boulez über Debussy, insbesondere über die Zeitstruktur von >Jeux<, erinnern an das, was Stockhausen eine >Momentform< nennt!


    Als Gesamteinspielung bevorzuge ich die Aufnahme von Pollini, die natürlich auch sehr gute von Aimard (habe ich ebenfalls!) ist eine >modernisierte< Variante von Giesekings klassischer, nach wie vor beeindruckender Aufnahme! Pollini finde ich dann doch noch einen Tick klangsinnlicher und im ganzen interpretatorisch (noch) schlüssiger! Eine seiner besten Aufnahmen.


    Auch Horowitz (>Privat Collection<, RCA) hat einzelne der Debussy-Etüden aufgenommen! Sehr hörenswert! Die Platte von Clara Haskil besorge ich mir direkt, bin schon sehr gespannt!


    Beste Grüße
    Holger


    Hallo Wulf,


    wie berichtet wird, hat ABM die Etüden regelmäßig >geübt< und >privat< gespielt, aber nie öffentlich aufgeführt! Sein Repertoire war ja erheblich größer, als es die Aufführungen und Aufnahmen vermuten lassen. Im Unterricht spielte er zur Demonstration jede beliebige Beethoven-Sonate vor und in seinen jungen Jahren hat er das gesamte Klavierwerk von Schönberg aufgeführt - den er auch später immer verteidigt hat! Was uns da alles verloren gegangen ist!


    Das mit dem Smilie kann ich nun leider nicht mehr ändern... Hab auf andere Weise versucht, das Programm auszutricksen, ohne Erfolg - dabei ist es doch sooo einfach....!


    Schöne Pfingsten!
    Gruß Holger

    Hier die ABM-LIste der verfügbaren Aufnahmen und Mitschnitte! Wenn mehr als ein Mitschnitt vorliegt, ist die Zahl in Klammern vermerkt. Auf die Auflististung von Zeit u. Ort verzichte ich erst einmal, sonst wird das ein kilometerlanger Lindwurm! Nicht aufgeführt: Einzelaufnahmen von Stücken aus Debussy Images, Preludes sowie die Filmaufnahmen (DVD, Video). Chopin Mazurken, Walzer werde ich demnächst noch einmal nach Opus-Zahlen aufschlüsseln!


    Albeniz: Malaguena op. 71,8
    Bach: Italienisches Konzert BWV 971
    Bach/Busoni: Chaconne (4)
    Beethoven: Bagstelle op. 119,3; Sonaten op. 2. Nr. 3 (acht in Worten, der Editor spielt verrückt und gibt Smilie!), op. 7 (3), op. 22 (2), op. 26 (2), op. 111 (6); Klavierkonzerte Nr. 1,3,4,5 (9: Nr. 5)) (Nr. 4 Sdravkovic Belgrad 1974)
    Brahms: Balladen op. 10 (4), Paganini-Variationen (5)
    Chopin: Andante Spianato u. Polonaise op. 22 (5); Berceuse (2); Ballade g-moll (5); Fantasie op. 49 (3); Sonate Nr. 2 b-moll (5); Mazurkas (div.); Prelude cis-moll op. 45; Scherzo Nr 1 h-moll (2) u. Nr. 2 b-moll (3); Walzer (div.)
    Clementi: Sonate op. 12,1
    Debussy: Childrens Corner (3); Images I u. II (5), Preludes I (3) u. II (2)
    C. Franck: Symphonische Variationen
    Galuppi: Sonate Nr. 3; Sonate b-moll, Presto (2)
    Granados: Andaluza op. 37,5
    Grieg: Lyrische Stücke op. 47,5, op. 68,5, op. 43,5 (2); Klavierkonzert (4)
    Haydn: Klavierkonzerte 4 und 11 (Nr. 11: 3)
    Liszt: Eglogue (aus Annees de Pelerinage "Suisse"); Klavierkonzert Nr. 1 (4); Totentanz (2)
    F. A. Marescotti: Fantasque (Wettbewerbs-Pflichtstück des Klavierwettbewerbs in Genf 1939, den ABM gewann, toll!)
    Mompou: Cancyon i danza Nr. 1 (2) u. 6 (Nr. 6: nur Cancion!)
    Mozart: Qartett KV 439 (Mitschnitt von einem Kreuzfahrtschiff im Mittelmeer!); Konzerte KV 415 (6), 450 (4), 466 (4), 488 (2), 503
    Ravel: Gaspard de la nuit (5): Valses nobles et sentimentales, Klavierkonzert G-Dur (3)
    Rachmaninow: Konzert Nr. 4
    Scarlatti: Sonaten (div.)
    Schubert: Sonate D 537 (2)
    Schumann: Winterszeit I u. II, Matrosenlied (aus "Album für die Judend"); Carnaval op. 9 (5); Faschingsschwank aus Wien (5); Klavierkonzert (6)
    Tomeoni: Allegro
    Vivaldi: Konzert b-moll (3. Satz Allgegro)


    Wenn gewünscht, gebe ich detailliertere Auskunft zu den einzelnen Mitschnitten, Jahr usw.!


    Beste Grüße
    Holger

    Zitat

    Original von Kulturvermittler
    Weiß jemand etwas über Aufnahmen oder Konzerte von ABM, in denen er nicht sein einschlägig bekanntes Repertoire gespielt hat, also nicht Werke wie Debussy Préludes und Images, Ravel Gaspard, Valses nobles und G-Dur-Konzert, Beethoven Opus 2/3, 7, 22, 26, 111, Mozart-Klavierkonzerte, Brahms Balladen und Paganinivariationen, Chopin Opus 23, 31, 35 usw. ?


    Ja! Du kannst meine Discographie bekommen! Unter Bielefeldern würde ich ein Treffen zur >Übergabe< am Jahnplatz, jpc-Shop, vorschlagen, wenn es Recht ist! :pfeif:
    In Kürze kann ich die Liste von seinen Aufnahmen und Mitschnitten aber auch hier einstellen!


    Beste Grüße
    Holger


    Hallo Stabia,


    mit den Paganini-Variationen von Brahms ist ABM zur Legende geworden. Da gibt es einmal die alten Aufnahmen von EMI-Italiana. Zu empfehlen ist auch der atemberaubende Mitschnitt aus Warschau vom März 1955, bestens remastered vom Label Altara. Die Brahms-Balladen op. 10 gibt es als Studioeinspielung bei der DGG zusammen mit der Sonate D 537, die einzige, die ABM gespielt hat. Auf DVD gibt es das Lugano-Konzert von 1980: Beethoven-Sonaten op. 22, op. 26, Brahms Balladen op. 10 u. Schubert Sonate D 537! Sehr zu empfehlen!


    Beste Grüße
    Holger

    Zitat

    Original von sagitt
    Sagitt meint:


    ABM hat, mW 1970, beim Beethovenfest in Bonn u.a. op. 7 gespielt. Ich hatte dies lange auf Tonband. Mit dem Untergang dieser Technik ist auch diese Aufnahme verschwunden. Das ist umso bedauerlicher, als meine Hör-Erinnerung ist, dass diese Wiedergabe viel besser war als die Studioaufnahme der CD.


    Hier versammeln sich ja offensichtlich ABM-Experten. Gibt es einen Mitschnitt dieses wunderbaren Konzertes auf CD ?


    Hallo sagritt,


    ja den gibt es: 2 CDs, Mitschnitt vom Beethovenfest Bonn 1970, Living Stage LS 4035176, produziert in Slovenien (erschienen 2002), TKM Records TNS! Mein ehemaliger Klavierlehrer und Pianistenfreund hat das Konzert auch gehört, was ihn tief beeindruckt hat, er hat die Sonate op. 7 daraufhin in seinem Konzertexamen gespielt! Michael Korstick schrieb, er habe durch ABM die op. 7 erst wirklich lieben gelernt, ABM habe da einen Standard gesetzt, hinter den man nicht mehr zurückfallen dürfe!


    Beste Grüße
    Holger

    Zitat

    Original von AcomAIMO nicht besonders gut gelungen:


    brahms: balladen op. 10 gekoppelt mit einer frühen schubert-sonate als späte studio-aufnahme bei der DG.


    Da muß ich doch eindringlich Einspruch erheben: Die Brahms-Balladen von ABM sind für mich die schlechterdings unerreichte Referenzeinspielung! Und ich sammle Aufnahmen der Balladen - habe so ziemlich alle wichtigen... Sie gibt es übrigens auch auf Video, Konzertmitschnitt aus Lugano aus demselben Jahr der Studioeinspielung (auf CD beim Label AUra).


    Beste Grüße
    Holger

    Ich habe sämtliche (!) Mitschnitte von ABM! Das Schumann-Konzert mit Mitropoulos ist eine seiner absoluten Sternstunden, selbst bei dem überiridischen Normal-Niveau von ihm ist das eine Bemerkung wert!


    Er war übrigens unglaublich generös, was die Förderung seiner Schüler anging, hat alles bezahlt, Flügel, Unterkunft usw. Wegen eines Konkurses ist er schwer in Bedrängnis geraten, seine potentiellen Aufführungen wurden verpfändet, seine Frau Guiliana mußte ihrererbtes Haus verkaufen und er ist deshalb in Italien nicht mehr aufgetreten - nur noch im Vatikan!


    Beste Grüße
    Holger

    Das Beispiel ist eines von selektiver Wahrnehmung: Man ist darauf eingestellt, einen Unterschied wahrzunehmen und fixiert zufällig eine Eigenschaft, die dann immer wieder reproduziert wird. Diese Täuschung funktioniert nur, wenn man keine Kriterien mitbringt, also völlig unbedarft und unwissend ist! Wenn man eben den Dirigierstil von Bernstein und Karajan nicht wirklich kennt - die liegen ja nun wirklich sehr weit auseinander - dann passiert das!


    P.S. Die Diskussion ist in David Messingers Hifi-Forum aufgegriffen worden, bei Hifi gibt es auch so ähnliche >Fake<-Tests!


    Beste Grüße
    Holger

    Zitat

    Original von a.b.


    Die Tschechische Philharmonie ist für mich eins der drei besten Mahler Orchester überhaupt! Mit einem Klang, den es nicht noch einmal gibt. Vor allem die Bläser sind singulär! Die Aufnahme der 6. besticht durch unglaubliche Präzision und fabelhaft >deutlich< ausgearbeitete Marschcharaktäre! Das erinnert an die verblüffende Selbstverständlichkeit, wie die Tschechische Philh. unter Ancerl Strawinskys Sacre bewältigt! Bei den Tschechen muß man wissen, daß nach der Wende 89 viele aus dem Orchester in den Westen abgewandert sind, vor allem aus den hinteren Reihen (bei einem Privinzorcherster in der BRD verdiente man halt deutlich mehr als in Prag!) und das Orchester sich erst neu formieren mußte. Die Supraphon-Aufnahmen sind aber alle vor 89, da waren sie in Topform! In ihren besten Tagen machte ihnen was Virtuosität angeht kein Orchester auf der Welt etwas vor! (Ich sammle Aufnahmen der Tschech. Philharmonie!)


    Von Neumanns Aufnahmen aus Leipzig kenne ich nicht alle, die sind zwiefellos auch ganz hervorragend! Auf Deine eindringliche Empfehlung hin werde ich mir die Brillant-Box auch noch mal anschaffen!


    Beste Grüße
    Holger

    Es gibt glaube ich nur diese - die CD aus der Condon-Collecion habe ich auch! Klanglich ganz vorzüglich ist wie gesagt die Intercord-CD (auf einem Bösendorfer) mit >Aus einem Skizzenbuch< und Soirre dans Grenade. Vielleicht ist sie ja doch noch irgendwo zu bekommen!


    Beste Grüße
    Holger