Beiträge von WolfgangZ

    Meister Fiesco,


    lass Dir doch noch etwas gesagt sein von einem älteren Hasen, der hier schon oft ganz viel und wieder ganz wenig gepostet hat über die Zeiträume hinweg.


    Der aktuelle Thread ist ja nicht gedacht für gezielte Antworten oder Diskussion. Warum suchst Du Dir nicht einen bzw. mehrere der Spezialthreads heraus bzw. eröffnest einen? Dann wird es gewiss Austausch geben.


    :thumbup:Wolfgang

    Zitat

    Ich möchte ungerne hier eine leidige Diskussion über Interpretationen anstoßen. Beide hier genannten bieten Einblicke in diese wunderschöne komplexe Musik.

    Hallo, Axel!


    Ich müsste eigentlich auch zwei Einspielungen dieses Tanejew-Quintettes finden. Zassimova ist jedenfalls dabei - und die andere, die Du benennst, ziemlich sicher nicht. Daher nütze ich demnächst Deine Anregung zur Sichtung und Überprüfung.


    Interpretationsvergleiche finde ich stets interessant. Man sollte dabei aber eine gewisse Toleranz walten lassen. Denn über viele Dinge lässt sich trefflich streiten. (Wobei mir schon klar ist, dass ich hier eine Binsenweisheit zum Besten gebe, noch dazu off topic, wie der Deutsche so sagt.)


    Ich gehöre jedenfalls zu den Hörern, die mit sehr unterschiedlichen Konzepten und Zugangsweisen gut und gerne zurechtkommen und damit viele interessante Erfahrungen gemacht haben. "Leidig" wird mir die Sache allenfalls dann, wenn jemand eine sehr eingeengte Erwartungshaltung erkennen lässt. Und natürlich gibt es schwache Aufnahmen aus unterschiedlichen Gründen - dann aber muss man die Kritik auch begründen können, und zwar jenseits eines reinen Geschmacksurteils.


    :)Wolfgang

    Als nicht sooo großer Beethoven Fan, muss ich jedoch nemorino Recht geben, diese Aufnahme ist der Knaller! :thumbup::thumbup::thumbup::thumbup::thumbup::thumbup:


    LG Fiesco

    Das werde ich heute gerne noch überprüfen. Ich hatte sie wohl noch nicht gehört ... aber schon vor Jahren gekauft und dies gestern eine Stunde nach der Bestellung doch noch bemerkt. Stornierung erfolgreich.


    Nichts da gezuckt und so ...


    Man wird alt. :untertauch:


    :)Wolfgang

    Danke schön, Willi, für Vorlage und Besprechung, die ich gleich nachvollzogen habe.


    Es ist erkennbar eine Sicht, die dem Fantasie-Charakter der Sonate entgegenkommt, ein Impetus, der auf das Sturm-und-Drang-Moment zurück, auf einen hochromantischen Gestus vorausweist. Das erscheint mir durchaus überzeugend, da auch innerhalb der Abschnitte stimmig und jenseits von deren Grenzen markant auf Kontrastierung angelegt, die über die Tempofrage hinausgeht. Es ist, wie mir scheint, auch eine sehr individuelle Sicht, nachdem in vielen anderen Deutungen doch der klassizistische Duktus prägend ist. Er hat für mich zweifellos seine Berechtigung, insbesondere wenn Schnabel oder Gulda oder Arrau spielen. "Es geht auch anders, aber so geht es auch." (;)). Mit dem Schlussteil ist Lisitsa dann wieder auf der Spur des Titanen und Revolutionärs - sie blickt sozusagen weder zurück noch nach vorne und wie eine Zeitzeugin unmittelbar auf das Geschehen.


    :hello:Wolfgang

    Danke, Rolo, für diesen Hinweis. Man soll ja keine Märchen in die Welt setzen - kaufen werde ich mir diesen Leinsdorf zum Herunterladen aber nicht. ;)

    Zitat

    [...] Ward, die ich auch besitze (Nr 1-5, nicht die Gesamtaufnahme) [...]

    :) Keine Überraschung eigentlich.


    :hello:Wolfgang

    Heute neu bei mir - eine Box mit vielen Symphonien :


    Das, Rolo, sind quasi alle von ihm und noch mehr ... Gute Anschaffung! :thumbup:


    PS: Man hätte zwar auch noch die Nummern 2 und 3 - nach antiquierter Zählung 1 mit 41 - aufnehmen können, denn bei einigen wenigen anderen Sinfonien, die ebenfalls auf keinen Fall von Mozart stammen nach neuem Stand der Forschung, hat man dies getan. Ich habe mir dafür noch die folgende CD gekauft:


    41E2XVY7QZL.jpg


    Ich besitze noch die Integrale von Franz Graf, welche die (Über-)Vollständigkeit von Hogwood nicht erreicht - wie auch sonst keine meines Wissens. Ward jedoch ist möglicherweise die einzige unter den Gesamtaufnahmen, die auch diese beiden Nummern enthält.


    :hello:Wolfgang

    Zwar würde ich niemals so weit gehen, Wilhelm Müller jegliche Doppelbödigkeit abzusprechen, doch ein Eichendorff war er wohl nicht. Ein Schubert gleich gar nicht - quasi über die Binnengrenzen der Genres hinweg gedacht.


    Wer die Winterreise für tieftraurig hält, die schöne Müllerin weniger, ist möglicherweise auch dem Titel des Zyklus auf den Leim gegangen. Dies scheint mir eine realistische Gefahr.

    Zitat

    Aber man wird sie ja nur dann in ihrer Gänze lesen müssen, wenn man Zweifel an der Angemessenheit und Berechtigung dieser Interpretation dieses Liederzyklus hat und ihn ganz anders auffasst und versteht.

    Man wird das vielleicht nicht müssen, ich werde es aber tun. Und melden werde ich mich gerne nach Bedarf meinerseits. Mit den Zweifeln muss es da auch gar nicht so weit her sein, etwas zu sagen haben sollte ich indes schon. ;):)


    :hello:

    Gewohnt genial, Meister seicento! Und für Dich wahrscheinlich eine relativ leichte Übung!


    Das Original empfinde ich als recht geschmacklose Selbstdarstellung, für welche Anne-Sophie Mutter - und/ oder ihre Produzenten - leider ein gewisses Händchen zu haben scheinen. Insofern meine ich, dass Du Dich zu Recht darüber lustig machst.


    :)Wolfgang

    Zitat

    Tja, lieber Wolfgang Kaercher, es ist echt schade, daß die Beteiligung an diesem höchst interessanten Thread, dazu noch im Beethoven-Jubiläumsjahr, so spärlich ist!

    Euer Wort sei mir Befehl. Nur für die nähere Begründung fehlt mir heute der Elan. Also ganz kurz und oberflächlich: sehnig, transparent, kraftvoll, schwungvoll; ausgezeichnete Klangqualität. (Ich mag natürlich weitere Eroicen, hippe und vorhippe, aber die rangiert zur Zeit vorne):



    Vielleicht mehr dazu bei Gelegenheit. Und sehr gerne auch von anderer Seite - zustimmend, abwägend. Wir leben in einer Art Demokratie ...


    Und jetzt noch ein Gegenmodell - oder ist es gar keines? (garantiert vorhip und doch merkwürdig modern, zügig im Tempo, zupackend und straff) - und eine Art Geheimtipp (hip, kühler, distanzierter - aber nun gut: der Name der Formation stellt ja per se eine Provokation dar!!)


    (Die technische Version (Urania) dieses nicht ganz so bekannten Klassikers ist leider zu Recht umstritten, aber ich habe keine Lust, mir auch noch eine andere zuzulegen. So gut höre ich mittlerweile rein physisch nicht mehr.)



    :hello:




    :)Wolfgang

    Zitat

    [...] wie ein Besessener [...]

    Schon vorher kannte ich das - und seit dem Austritt aus dem Beruf kenne ich es immer mehr. Nun, es gibt Schlimmeres. Konzertbesprechungen schreibe ich seit über zwanzig Jahren für unser Lokalblatt, fünf, zehn, höchstens vielleicht fünfzehn Male im Jahr. Zur Zeit natürlich nicht. Das hat mir immer Freude bereitet.


    Danke Dir, Helmut, für das Lob! Viel habe ich ja nun wirklich noch nicht hier geschrieben, aber die Laune dafür kommt jetzt ... :)


    Das Taschengeld, das ich von der Zeitung bekommen habe und das Du für Deine Arbeit hier nicht bekommst, hat auch immer für die Kantine in der Schlossgaststätte hinterher gereicht, oder beinahe gereicht ... ;)

    [Ich höre die Datei, denke mit und schreibe mit, verzichte aufs Lesen der Noten, schaue gelegentlich auf Willis Vorlage. Willi hat die Noten mitgelesen; das genügt mir nun wirklich. (Oder sagen wir so: Eine Wiederholung solcher Rezeption ohne "Mitschrift der Gedanken" zugunsten des Mitlesens ist ja nun nicht verboten. Auf einen weiteren Bericht werde ich dann verzichten ... :untertauch: )]


    Bemerkenswert frei atmet der erste Satz, gerade weil es Dina Ugorskaja bei aller Transparenz und Präzision nie um eine sportliche Bewältigung voller Kraftentfaltung geht. Dadurch erzielt der Satz genau jenes Maß an Mühelosigkeit, das genug Raum lässt für ein tieferes Geheimnis, ohne es je zu überdecken. In der Durchführung überrascht mich gelegentliches Innehalten wie auch Akzentuieren, das mir eigentlich bei keiner anderen Einspielung, die ich kenne, so aufgefallen ist. Auf diese Weise entstehen verblüffende Binnenstrukturen. Ich bin davon sehr angetan - dass man hie und da kritisch relativieren könnte, sei dahingestellt. Willi dürfte aber Recht haben: Vermutlich steht nichts davon explizit nicht in den Noten, auch wenn ich nicht mitgelesen habe! [Ein wunderschönes stilistisches Konstrukt ist mir da gelungen.]


    Der Eindruck eines gewissen agogischen Raffinements voller Geschmackssicherheit setzt sich im zweiten Satz fort. So entsteht Binnenspannung, so wird jede Hektik vermieden - Dämonie findet sich in anderen Deutungen in stärkerem Maße. [Ist es ein femininer Verzicht auf Unruhe, Titanenhaftigkeit, Drängen ... ?]


    Ja, und beim dritten Satz spürt man sofort jene noble Traurigkeit, die sich dann einstellt, wenn das gewählte jeweilige Zeitmaß gewünschte Schattierungen erlaubt, ohne dass die große Linie umkippt in Fragmente. Eine bekanntermaßen gnadenlose geistige Herausforderung für wirklich jede Pianistin, jeden Pianisten ist dieser dritte Satz. Es ist leise Trauer per se, die uns hier anspricht, nicht der Nachvollzug eines Trauerprozesses [... und doch, werte Mitstreiter, muss ich jetzt die Stirn runzeln: Kann ein solcher Satz, der sich ähnlich in vielen Fachrezensionen finden könnte - hab ja auch Erfahrung mit Zeitungsbesprechungen -, jeglicher Gegenkritik standhalten, zeigt er nicht doch die Verliebtheit in die selbst produzierte Phrase? Ach, ich weiß es nicht ...] [Könnte es sein, dass Frauen ehrlicher trauern als Männer?]


    Bis jetzt wage ich dieser Deutung der Russin vor allem zu unterstellen, dass sie wesensmäßig stimmig ist - in allen Nuancen dieses Adjektivs, stimmig und schlüssig in einem ganzheitlichen Sinne. Dem Adjektiv "maßvoll" des Genossen Leiermann habe ich da nichts entgegenzusetzen. ;) [Ist es eine feminine Gelassenheit? Die Bereitschaft, aufs Ganze zu sehen und doch all die vielen Einzelmomente liebevoll zu umfassen?]


    Und das Finale? Ja, es klingt ausgeprägter "bachisch" als in manch anderer Deutung, es ist ein bachisches Drängen oder ein bachisches Verweilen, jeweils dort, wo der Text es nahelegt. Bach ist stets hörbar nicht nur in, sondern ebenso jenseits der Noten das Vorbild. Vor allem entgeht Ugorskaja der Gefahr, Mühe hören zu lassen, oder Virtuosität in einem romantischen Sinne, oder Kampf oder Dualismus. So ergibt sich Geschlossenheit eines Gegenmodells auch in dem Sinn, dass man sich streiten kann, ob Mühe und Virtuosität und Kampf und Dualismus nun wirklch eine Gefahr darstellen, der man entgehen müsste ... 8o [Könnte es sein, dass Frauen nicht so gerne streiten? Dieses Forum stellt nahezu keine Beweise bereit ... :untertauch:]


    Dank an Willi für die Vorlage, eigenes Gschwätz zu verbrechen mal wieder eine [für mich, nicht "hier" natürlich!!] einigermaßen abgerundete Halblaien-Besprechung eines musikalischen Gipfelwerkes allererster Relevanz schreiben zu dürfen, die vielleicht auch eine Handvoll Leute liest.


    Was in eckigen Klammern steht, steht in eckigen Klammern. (Pilatus von Germanien) :|


    Schönen Gruß,


    Wolfgang

    Ja Gottseidank, nämlich Mozärtlicher! :)


    LG Fiesco

    Sagen wir so, Du Schiler'scher Verschwörer: oft, gewiss nicht immer - und umgekehrt. Ich könnte mir aber vorstellen, dass wir zueinander finden! ;)


    :hello: Wolfgang


    PS: Und schon sind wir wieder weit weg vom Weg. Aber was soll's ...

    Nun, Meister nemorino, diese sehr eigenwillige Kollektion besitze ich, habe sie eher wegen der unstrittenen Nummer (oder sogar Nummern) gekauft, um dann festzustellen, dass dieses wertvolle Dokument einer vergangenen Zeit ganz gewiss eine hochrangige Höranregung darstellt.


    Auch wenn man Mozart heute anders spielt.


    Schönen Dank für die Informationen!


    :) Wolfgang

    Zitat

    Was die Erfahrung von Glück in und Leiden an der Liebe anbelangt, so sind die eindeutig dem Mann zuzuordnenden Lieder in einer Weise beeindruckend und anrührend, weil emotional tiefschürfend, wie das kein einziges Frauenlied ist. Für mich jedenfalls.

    Das nachemzupfinden, lieber Helmut, fällt mir nicht schwer.


    Spontane Vermutung: Vielleicht zeigt sich auch hier die Übergangsposition Hugo Wolfs in der Themenbehandlung zwischen Romantik und zumindest jener frühen Moderne, wie sie das Fin de siecle verkörpert. Die Texte (und ihre Vertonung) individualisieren Glück in und Leiden des Mannes an der Liebe, indem sie diese stärker psychologisieren, wenn nicht sogar bisweilen ironisieren. Wie bei Schubert ist das männliche Ich in seinen Bedürfnissen das dominante, doch die Frau äußert sich jetzt explizit selbst in diesem Rollenspiel. Da ist Schubert schon weiter weg. Mich erinnert die Frau bereits an die verspielten, zwischen Komik und (versteckter) Tragik sich bewegenden weiblichen Figuren eines Arthur Schnitzler.


    Vielleicht produziere ich hier Schnellschüsse. Vor allem darf man wohl nicht derart locker Textursprung und musikalische Umsetzung verquicken.


    Aber damit kann ich leben! :)

    Die Erfahrung, welche Du in Deinem Schlussabschnitt formuliert hast, habe ich nun tatsächlich schon im Konzert gemacht. Der Sänger war Jan Kobov, aber alles andere möchte ich für mich behalten. Es ist, denke ich, kein Zeichen von Ignoranz, hier zu früh zu klatschen (was Du ja auch niemandem unterstellt hast).


    Ich meine (für mich), dass es jetzt wirklich an der Zeit ist, den wunderbar kurzen, lakonischen Zyklus wieder einmal zu hören.


    Auf die Gefahr hin, zu repetieren, was dem Leser Deiner Kolumne klar geworden sein dürfte, sage ich trotzdem: Das abschleßende Lied des Zyklus erscheint mir wie ein Fazit. Aus dem Wanderer der Romantiker fünfzig oder achtzig Jahre zuvor ist ein beinahe moderner Reisender - zufällig weiblichen Geschlechts - geworden, jemand, der von Station zu Station ein Tagebuch der Eitelkeit führt. Selbstbewusste Genuss-Sucht, Spiel (im Guten wie im Bösen) und Beliebigkeit statt Emphase, Sehnsucht und Verzweiflung. Wie Wolf, einer der diversen letzten Romantiker, die längst gebrochen und komplexbeladen sind - gebrochen nicht mehr primär aus dem Widerspruch zwischen künstlerischem und geistigem Ideal und philiströsen Realzwängen wie ein Novalis, sondern aus dem Widerspruch des idealen Gefühls an sich und in sich -, dies in seiner so rätselhaft modernen und nur noch noch bedingt romantischen Tonsprache (in relativ vielen musikalischen Schattierungen) umsetzt, das hat mich sofort beeindruckt. Ich könnte mir vorstellen, dass es schwieriger ist, die Musik eines Hugo Wolf analytisch zu umreißen als die eines Franz Schubert. Ich spreche von einem Umriss - wohlgemerkt!


    Vielleicht übertreiben meine Bemerkungen, vielleicht ist es unangemessen, beim letzten Lied von einem Fazit zu sprechen. Das würde aber meine Sicht einer spätestromantischen neuen Komplexität immer noch unterstützen. 8o:)


    Danke für dieses kleine Kompendium, Helmut!


    Wolfgang

    Zufall. An den Todestag habe ich nun wirklich nicht gedacht. (1) Und Dank an Willi für die Filmdatei!


    (1) Ich weiß, man hätte daran denken können, wenn man in diesem Forum blättert ... :untertauch::angel:


    :)Wolfgang

                        

    Oktett für vier Violinen, zwei Violen, zwei Violoncelli, C-Dur, op. 7, 1900


    Deutlich weiter oben war bereits kurz die Rede von Enescus Oktett. Die verlinkte Einspielung - eine von vermutlich kaum mehr als drei erhältlichen CDs - ist eine-Live-Produktion vom 12. Juni 2008, klanglich perfekt eingefangen, das heißt kraftvoll, angenehm trocken und dynamisch sehr differenziert. Beinahe von selbst versteht sich, dass eine packende, kompromisslose und hoch expressive Deutung gelungen ist.


    Ich hatte das Werk des jungen Komponisten (bewusst) erst vor vielleicht ein, zwei Jahren dank einer Konzertübertragung kennengelernt und war eigentlich sofort begeistert; es gab für mich keine Verständnisprobleme. Die Musik reizt den spätromantisch-folkloristischen Duktus hin zu einer expressionistischen Grundhaltung aus, und zwar in jeder Hinsicht: im ostinat Rhythmischen, in melodischer und harmonischer Tonalität, dem Verhältnis zwischen Homophonie und Polyphonie, Intellektualität und Bodenhaftung. Es ist eine sehr vielgestaltige Musik, zu deren Wesen auch das Schroffe und Verblüffende gehört.


    Am unmittelbarsten und überraschendsten hat dabei der finale Walzer mich angesprochen. Es ist gewiss kein Walzer, wie wir ihn von Schubert oder von Brahms, von Strauß, Strauss oder Tschaikowksy her kennen, es ist aber auch keine Nummer etwa im Stil eines Ravel oder eines Schnittke - man möge selbst hören! Was dieser Walzer gewiss verkörpert: Komplexität! :)


    Das Booklet verweist kurz auf die Einflüsse von Brahms oder Debussy oder von Schönbergs Verklärter Nacht. Mag schon sein - die Wirkung auf mich war dennoch die einer bestechenden Individualität. Und das gilt auch für den Vergleich mit anderer Musik des Rumänen, soweit ich diese kenne. Er war nicht nur Orchester-Folklorist; dies beweisen auch andere Kammermusikwerke oder seine Sinfonien.


    Wie gesagt: Sonderlich viel Konkurrenz zur obigen Produktion scheint es auf Konserve nicht zu geben. Ich besitze nicht wirklich die Kompetenz zu beurteilen, wie es mit der Rezeption der Komposition bislang beschaffen war, habe aber den Eindruck, dass sich gerade die Aufführungszahlen etwas in die Höhe geschraubt haben, vorsichtig weg aus der absoluten Kenner-Nische. Vielleicht spricht dafür, dass mir das Werk in den letzten Monaten mehrmals in der Radiozeitung bei Konzertübertragungen oder -aufzeichnungen verschiedener Sender begegnet ist. Vielleicht spricht auch dafür, dass man eine CD nicht allein mit Mendelssohn füllen kann ... ;)


    Und heute ist mir das Oktett wieder in die Hände gefallen.


    :hello: Wolfgang

    Langer Rede kurzer Sinn: ich freue mich natürlich über interpretierende Kommentare, aber noch mehr würde ich mich über eigene Beiträge freuen.

    Danke für die Antwort, Willi. Ich könnte mir für meine Beiträge also ein ähnliches Vorgehen vorstellen wie zwischen uns vor wenigen Tagen praktiziert und von Lesern für relevant befunden - was ja sehr erfreulich ist. Dass ich mehr oder minder strikt analog zu Deinen Besprechungen detaillierte Parallel-Konzepte anbiete, falls ich es richtig verstehe, scheint mir nicht so recht praktikabel aus meiner Sicht. Ich hätte da Hemmungen, ganz offen gesagt. Aber wer weiß ...


    Ansonsten sollte selbstverständlich sein, was Du angemerkt hast.


    :hello: Wolfgang

    Du weißt, werter Helmut Hofmann, dass ich einerseits weder ein großer Liedkenner bin, was die Breite des Repertoires anbelangt, noch ein solcher bezüglich der Breite der Interpreten. Aber natürlich habe ich die ganz berühmten Schubert-Zyklen im Schrank stehen und bin ansonsten der romantischen Lyrik sehr gerne verpflichtet, weil solche auf der bayrischen Gymnasialoberstufe zu vermitteln ist. Dafür haben sich immer erstaunlich viele ehrliche Interessierte gefunden, es hat mich bisweilen verblüfft.


    Ich bin also auch für die "Müllerin". (Wer kann schon gegen die "Müllerin" sein...) Bestimmt werde ich mich gerne äußern, wenn ich den doch nötigen Elan dafür finde - und seltsamerweise auch die Zeit, die man als Frischrentier doch eigentlich haben sollte ... Dass Du von mir keine quasi fixierte Mitarbeit erwartest, dass Du diese von niemandem einforderst, dass Du gerne gibst und nicht auf zu Nehmendes wartest, das weiß ich ohnehin.


    (Eigentlich bin ich nicht der pathetische Typ, bisweilen aber rühren einen die topaktuellen Erfahrungen. Und das meine ich jetzt ganz genauso im Positiven wie im Negativen.)


    Schöne Grüße,


    Wolfgang