Beiträge von WolfgangZ

    Soeben habe ich bei den beiden großen CD-Händlern nachgesehen. Es gibt aktuell noch eine zweite Scheibe mit Kammermusik von Zara Levina - doch dann ist ganz schnell Schluss. Ob die Tube noch ältere Einspielungen enthält, weiß ich nicht - da kann sich aber jeder informieren, wenn von Interesse. Und Rainer hat ja die CD über yt verlinkt, die ich selber besitze. :jubel:

    Heute habe ich - vermutlich zum zweiten Mal - die beiden Konzerte von Zara Levina (1906 - 1976) gehört. Und dieser zweite Hördurchgang war halt doch ein wenig intensiver ...



    Die Musik lohnt sehr. Das zweite Konzert ist das originellere. Es ist kurz vor ihrem Tod entstanden, 1975. Die Form erscheint eher assoziativ, aber nicht beliebig, sondern durchaus schlüssig. Denn eine simple fallende Linie eröffnet wie in Traumsequenzen eine Fülle an melodischen Remininszenzen - wie ein Lebensrückblick - das ist jetzt nicht meine Idee, sondern die des Booklets, aber sie leuchtet mir vollauf ein. Da sind tänzerische Züge, Versenkung, Melancholie, Verspieltes. Insofern erscheint dieses Konzert vor allem formal recht modern, ist es harmonisch auch ein wenig, aber nicht ausgeprägt, und voller Überraschungen. Der Schluss erklingt furios, doch das ist nur noch sehr bedingt ein konventionell spätromantischer Duktus.


    Das erste Konzert von 1942 ist, meine ich, geschlossener. Trotz jener gewissen Nähe zu Rachmaninoff - das ist schon beinahe ein Gemeinplatz in spätromantischen Konzerten um oder auch deutlich nach der Jahrhundertwende - erscheint mir die Grundhaltung weniger pathetisch als jener, weniger abgedunkelt. Das Hauptthema gleich zu Beginn trägt ja beinahe Beethoven'sche Züge und ist ein genialer Einfall. Der langsame Satz ist dann schon eher grüblerisch, aber auch hier schlichter in der Haltung, als dies bei Rachmaninoff der Fall wäre. Der Finalsatz wiederum weicht ab, geht ins Folkloristische, zeigt sich rhythmisch sehr pfiffig - Rachmaninoff ist für mich keine Assoziation mehr, doch wie Khatchaturian oder Kabalewski und so manch anderer russischer Meister klingt es eben auch nicht, allenthalben freilich slawisch - die Komponistin stammt aus der Ukraine.


    Das ist nicht nur schöne, sondern auch wertvolle Musik, die eine große Eigenart nicht verleugnen kann. [Natürlich kann ich keinen Personalstil erkennen, wenn ich überhaupt nur diese beiden Klavierkonzerte kenne, die recht verschieden sind. Aber was soll's.] Und wie gesagt: Das zweite Konzert ist für mich eine bemerkenswerte Entdeckung. Die mit Skrjabin erfolgreiche Pianistin Maria Lettberg und die junge Dirigentin Ariane Matiakh haben sich in dieser Produktion von 2017 zusammen mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin um eine vorher wohl kaum jemandem geläufige Komponistin verdient gemacht.


    PS @ Beitrag 61 [:P]: Levinas und Scharwenkas Klavierkonzerte kann man nicht verwechseln und sie sind gleich gut. Echt!


    :) Wolfgang

    Auch wenn ich noch mitten im Wiederhören bin, schon mal ein paar Anmerkungen. Vielleicht muss ich sie auch gar nicht weiter ergänzen oder korrigieren. EDIT: Muss ich auch nicht mitten im vierten Satz, dem Finale.


    Das Konzert ist virtuos und unterhaltsam. Modern ist es letztlich nicht.


    Mit dem Tango habe ich mich zwar falsch erinnert - entscheidend ist die Durchdringung einer Klezmer-Spielfreude, was im langsamen Satz allmählich einsetzt. (Böse Menschen tauschen Tango gegen Klezmer auch mal aus, aber so böse bin ich nicht.) Insofern ist die Musik modisch - das ist noch kein Qualitätskriterium im positiven wie im negativen Sinn. Nur sind gut 38 Minuten Spielzeit üppig. Er kann nicht aufhören. der Kimmo, und jetzt am Ende das dritten (!), nicht des vierten Satzes gibt es schon Beifall. Ritueller Tanzboden also. Damit verliert die Musik an Struktur, vielleicht auch an Seriosität. Sie dauert ja noch zehn Minuten ...


    Vielleicht sind es doch ein paar Noten zu viel?


    Werter Klassikfan - hör Dir gerne mal eines der anderen skandinavischen Klarinettenkonzerte an! :)


    Aber bitte: Nichts für ungut! Ich war hin und wieder durchaus frustriert, wenn auf meine Begeisterung hin Gemotze kam.


    Gruß von Wolfgang

    Ebenfalls die einzige CD, die ich kenne mit Musik von Kimmo Hakola. Sie ist keineswegs schlecht, wie ich meine, wobei ich mich nur an das Solokonzert erinnere, aber im Vergleich zu den gar nicht wenigen mehr oder weniger zeitgenössischen Klarinettenkonzerten aus Skandinavien fällt Hakola hier leicht ab. Magnus Lindberg, Sebastian Fagerlund und vor allem Kaja Saariaho finde ich musikalisch interessanter. Kalevi Aho und Einojuhani Rautavaara sind im Stil unverwechselbarer. (Habe ich jemanden vergessen ...?)


    Was mich offen gestanden bei Hakola ein wenig gestört hat, ist die Tatsache, dass er ziemlich schnell auf modische Tangoseligkeit verfällt - wenn ich mich da nicht völlig falsch erinnere. Bitte ggf. um Korrektur. Auf jeden Fall war da was, das mich gestört hat und modisch ist. Ehrlicherweise muss ich auch sagen, dass ich die CD wohl nur ein einziges Mal gehört habe.


    Aber dass wir uns nicht falsch verstehen: Das ist schöne und unterhaltsame Musik aus postmodernem Geist. Ich wollte nur vergleichen und kann von daher dem kurzstueckmeister sehr wohl folgen! :)


    :hello: Wolfgang


    EDIT: Ich werde mir das Konzert jetzt anhören und mich vielleicht dann noch einmal kurz melden. :)

    Meinerseits kenne ich nur die zweite Sinfonie mit dem Dirigenten Noseda - und umgekehrt, was Casella betrifft. Bei den anderen drei Werken müsste ich überdies erst nachsehen, ob ich sie überhaupt alle kenne - die Nummer eins auf jeden Fall schon.


    Aber man sollte das wohl wirklich ändern bei der Preislage ... Ebenso ein Dank an rolo und nochmals an adriano!


    :hello:

    Nicht weinen! Man kann jede periodische Funktion beliebig genau durch Summen von sinus und cosinus Funktionen approximieren (in einem L2 Sinne) Das kann allerdings manchmal sehr langsam sein. Die modernere Wavelet-Analysis liefert für viele akustisch relevante Phänomene bessere Vektorraum-Basen als Sinus und Cosinus, was die Approximationsgüte angeht :saint:. Zufrieden?

    Ja, wenn Du das möchtest. ;):) [NB: Ist die vierte Funktion nicht schlicht der Ko-Tangens? Das würde begrifflich sinnvoll sein und das fällt mir JETZT auch gerade so ein ...]


    Das Mandelring-Quartett mit Mendelssohn ist sehr gut. Als Maßstab gilt für mich das Opus 80. Die anderen Quartette stellen auch in altmodischeren Sichtweisen kein Problem dar. Also für mich halt.


    :hello: Wolfgang

    Apollon hat Recht - gewiss nicht zum ersten Mal.


    Dass Casella - keineswegs nur seine zweite Sinfonie - rolo nicht zusagt, kann ich mir ebenso schwerlich vorstellen. Du kennst ihn doch sowieso, rolo, oder?


    :) Wolfgang

    Tangentenflügel! Jawoll! Ich setze solches auf die Liste.


    Was habe ich kürzlich gelesen? Emma Kirkby habe eine Sinuston-Stimme. Das klingt witzig, scheint mir aber bezüglich ihrer Person eine Frechheit. Ich bin kein großer Vokalkenner, und Barock-Vokales rangiert noch einmal weiter hinten. Doch ich habe Kirkby bereits live gehört und finde ihre Stimme so erfreulich wie der Materie angemessen.


    Wenn Gemotze, dann bitte das Scheunentor. Bei wem auch immer ...


    Fällt noch jemandem was ein zum Kosinus? Und - verdammt - wie heißt gleich noch mal die vierte Kurven-Sorte? Ich habe Mathe-Vorabitur gemacht und hatte 1- (zwei Jahre später wären es 13 Punkte gewesen und auch erst ein Jahr später). Aber ach, herrundfraujemine ... ;(


    :) Wolfgang

    Das Essen schmeckt eigentlich, trotzdem schonmal die letzten Worte :)

    Dein Smiley erscheint mir unpassend, zu beliebig. Da ich aber - aller Blasphemie zum Trotze - der Meinung bin, dass Humor kaum Grenzen kennen sollte, hätte ich einen besseren - anders formuliert: Ich musste spontan fürchterlich grinsen.


    :hahahaha: :hail:


    Spaß beiseite: Bezüglich der letzten Worte kann ich mit Buchberger dienen. Man muss auch nicht alles - nicht alles - doppelt und dreifach alternativ bei gleichem Text werktreu [:untertauch::untertauch::untertauch:] im Regal stehen haben. Doch hätte ich gerne mal eine der Nicht- oder Nicht-nur-Streichquartett-Fassungen kennengelernt. Gibt's Empfehlungen?


    Wolfgang

    2010-2015 hat Noseda für CHANDOS 4 CDs mit Werken von Alfredo Casella eingespielt. Super!

    https://www.jpc.de/s/casella+noseda

    Die zweite Sinfonie ist unglaublich spannend. Noseda wird nicht unschuldig daran sein. Auch wenn ich keine Alternative kenne: Ich kann's mir nicht besser vorstellen.


    Die erste Sinfonie dürfte ich in einer anderen Einspielung besitzen und habe sie wohl auch erst ein-, zweimal gehört. Aus der Erinnerung: Klangschön und stimmungsvoll, noch in der Spätromantik verwurzelt, vielleicht etwas langatmig.


    :) Wolfgang

    Zustimmung! Auch wenn ich gestern, als ich das inkriminierte Cover erstmals sah, auch erstmal innehalten musste. Aber alleine über den "Chasseur maudit" ergibt das Sinn. Habe mich nur gefragt, warum der Storch? Irgendwie steh' ich da auf dem Schlauch ...


    Grüße

    Garaguly

    Da setzt dann die private Mythologie des Designers an und wir bleiben lieber auf dem Schlauch stehen. :huh:


    :) Wolfgang

    Hallo, Rainer,


    Du hast schon Recht. Auch ich hätte mich an Deiner Stelle über eine raschere Rückmeldung ohne vorherige Erinnerung gefreut. Leider ist aber in solchen gut frequentierten Foren im Netz sehr rasch alles wieder vergessen, wenn man nicht sofort reagiert. Es geht schlichtweg unter.


    Originalität ist mir zwar nicht unwichtig, aber gerade bei Klavierkonzerten bin ich durchaus aus Prinzip interessiert. Da geht es mir wie Dir und ich habe das ja meines Wissens auch am relativen Anfang dieses Fadens so ähnlich formuliert. Das hat sich nicht wirklich geändert, aber ich lerne mittlerweile im Ruhestand so viele andere Namen und Genres innerhalb der sogenannten Klassischen Musik genauer und tiefer kennen - den Begriff mag ich nicht; es ist ein künstliches Etikett -, dass sie nicht mehr so im Mittelpunkt stehen können.


    Leider alles auch ein Zeitproblem, da hilft kein Ruhestand... :thumbdown:


    Bei Hyperion gibt es alle vier Konzerte von Scharwenka; ich besitze die CDs. Mir ist nach dem Schreiben schon klar geworden, dass Du sie kennen könntest und dass es in diesem Faden eben gerade nicht um die Hyperion-Reihe geht. Trotzdem können solche Erinnerungen hilfreich sein. Ansonsten habe ich ja geschrieben, wo ich die Probleme dieses Fadens sehe, ob es nun objektiv welche sind oder doch nicht.


    Die beiden Konzerte von Levina kenne ich mittlerweile. Nicht unattraktiv - für mich besitzen sie nicht ganz die Originalität etwa der Scharwenka-Konzerte. Doch das könnte sich ändern, da ich sie vermutlich nur ein einziges Mal gehört habe.


    :) Wolfgang

    Ohne jetzt den ganzen Faden durchzugehen: Wurden die vier Konzerte von Franz Xaver Scharwenka schon genannt? Es gibt jeweils zwei oder drei Einspielungen. Sie sind nicht völlig unbekannt, meine ich, aber rangieren auch nicht in der ersten Liga. Virtuose Brahms-Nachfolge, meist heller getönt als die Russen. Jedes der Konzert finde ich überraschend eigenständig, hoch virtuos, zum Teil sehr melodisch und im Detail wirklich originell. Wenn Du magst, freue ich mich über eine Rückmeldung.

    Kurz, aber konkret noch zu einem Deiner Beispiele: Der Kovarovic verbindet die Struktur und die Phraseologie von Schumann - sofortige Assoziation, die bestehen bleibt, mit dem Pathos und der teilweise dunklen Tönung eines Rachmaninoff. Das ist handwerklich gekonnt gemacht und auch recht geschlossen in der Entwicklung. Und: Ja, ich höre das gerne.


    Aber es ist nichts daran originell - pointiert formuliert.

    Werter Meister Heisenberg,


    ich habe mir die Werke angehört respektive hineingehört und finde sie per se reizvoll. Natürlich sind sie stilistisch nicht weiter eigenständig. Es gibt eine Riesenanzahl solcher Musik; in Reihen wie der bei Hyperion wird immer wieder ausgegraben, freilich recht ausschließlich im mitteleuropäischen Raum. Ansonsten ist es halt ein Teufelskreis, den ich auch in diesem Thread schon angesprochen habe. Es wird immer das Gleiche gespielt und somit rezipiert. Das scheint mir die simple Antwort auf Deine Frage und sie wurde doch längst beantwortet


    Das ist jetzt nicht böse gemeint: Wenn Du gezielt über die Musik diskutieren willst, müsstest Du damit anfangen. Es bringt doch nichts, wenn ich - soweit ich das kann oder zu können glaube - die Ähnlichkeiten mit Vorbildern benenne. Formal exzeptionell oder - Wiederholung! - stilistisch unverwechselbar ist halt keines dieser Klavierkonzerte. Insofern habe ich Probleme mit dem Konzept der Originalität. Hörenswert sind sie gewiss.


    Auf jeden Fall freue ich mich über Deine Tipps, aber weder bewege ich mich nun Tag für Tag im Forum noch will ich immer schreiben. Zum anderen sind die Sachen halt leider nicht als CDs, sondern nur über Youtube-Kanäle für mich erreichbar und ich arbeite an der Maschine mit eher billigen Lautsprechern. Das ist dann leider nur das halbe Vergnügen.


    Wenn Du das möchtest, könnte ich Dr natürlich schon eine größere Anzahl an weniger bekannten Konzerten nennen, die Du kaufen kannst oder wohl fast immer auch in der Tube anhören. Wobei Du ja schon etliche Tipps hier erhalten hast.


    :) Wolfgang

    32 Sekunden eines Fragmentes eines Klarinettentrios von Arnold Schönberg (1874-1951)


    Absolut pfiffige Klein(st)entdeckung! Das klingt wie eine Rückübersetzung von Brahms auf Schönberg und dann wieder auf Brahms.


    Und den Frühling kenne ich seit wenigen Monaten. Stilistisch nichts Eigenständiges, aber absolut geschlossene Struktur und stete Schönheit des Klangs ohne Kitschverdacht oder Leerlauf. Das war jetzt wirklich eine Entdeckung für mich. Eine weitere CD mit Kammermusik von ihm habe ich mir kurz darauf zugelegt - dann ist rasch Schluss mit den Angeboten zu diesem Komponisten.


    :) Wolfgang

    Der ganze Faden ist genial. Indes gilt ein besonderer Dank Meister moderato für die klerikalen Musikanten. Ich hätte nicht für möglich gehalten, dass es derart viele solcher Genre-Gemälde gibt. Wunderbar (in)dezenter Spott!


    :) Wolfgang

    Ich glaube schon ... ;)


    Doch Scherz beiseite. Die Genialität dieses Beethoven-Quartetts besteht für mich darin, dass sich wundervolle (astewes ;)) Sätze mit Floskelpassagen abwechseln, bei denen Anton W. von ferne herbeiwinkt. Dass ich diesen Mittelsatz ganz genauso als Höhepunkt empfinde, tut jener mehr oder minder objektiven Gegebenheit keinen Abbruch.


    Die Große Fuge könnte ich mir später gleich mit anhören. Dort winkt Onkel Arnold. Und da schätze ich sehr das Hagen-Quartett. Also nicht mit Schönberg. Den haben sie, glaube ich, nicht gemacht bislang. Doch ich mag mich täuschen.


    :) Wolfgang

    Beethoven, op. 131

    [...]

    und das 14. mit dem wundervollen Mittelsatz :hello:

    Gerne erinnere ich mich an die Situation (eines Deutsch-Referats über Beethovens Klaviersonaten, das ich mir gewünscht hatte), als ich mit siebzehn dieses Streichquartett - wohl als meinen Gattungserstling - kennengelernt habe und sich mir wieder eine völlig neue Erfahrung mit Musik aufgetan hat ...


    Indes: Welchen Mittelsatz meinst Du? Bei (etwa :P) sieben Sätzen weiß ich's nicht genau. Irgendwie. Da geht mir stets das Gefühl für den Satz-Charakter verloren.


    Naja, natürlich ahne ich schon, welchen Satz Du meinst. :)


    Die Anregung ist jedenfalls überzeugend. Später wird aufgelegt. Vielleicht aus der folgenden Integrale:



    :thumbup: Wolfgang

    Solche musikalischen Fantasien lassen mich immer wieder vor diesem Komponisten etwas zurückschrecken. Ich möchte als Rezipient von Musik nicht Bestandteil eines Programmes sein, was nicht mein eigenes ist und ich nicht jederzeit ändern kann :)

    Stimmt, lieber Kollege. Man muss da für sich trennen, was mir auch nicht immer gelingt. Die beiden genannten Sinfonien - die erste kenne ich sowieso kaum - haben mich von der puren Klanglichkeit her vor vielen Jahren eine Zeitlang fasziniert. Jetzt stört mich das mild hypertrophe und weniger mild repetitive Pathos doch recht oft, so dass die beiden CDs - ich habe miir nur Kitaenko zugelegt - viel länger liegenbleiben. Für die Sonaten und einige andere Klaviernummern kann ich aber schwärmen, nach wie vor und das gilt für viele Interpretationen.


    :) Wolfgang

    Leonid Sabaneev - einige andere Schreibweisen gibt es noch ...

    [...] Obwohl mit Skriabin befreundet, geht er (soweit für mich erkennbar) doch recht andere Wege ... [...]

    In der Tat, wie ich meine. Er geht auch für mich ganz andere Wege. Ich kann es zwar nur an den Klaviertrios festmachen und wirklich maßgeblich scheint mir wiederum nur das zweite. Aber so viel mehr ist ja von seiner Musik auch gar nicht zugänglich - es bleibt eigentlich die reine Klaviermusik, wie mir scheint.


    Skrjabins Musik stellt in ihrer ersten Phase Chopin-Nachfolge vor, dann in der mittleren (Sonaten 4 und 5, Sinfonien 2 und 3) ist es ein schwelgerischer Optimismus mit einer markanten spätromantischen Reizharmonik. Schließlich haben wir die vom Gesamteindruck her atonalen und nur in einem melodischen Kern noch tonalen Spätwerke auf der Basis der spezifischen Skrjabin-Modi. Ansonsten war Skrjabin ein überbordender Ästhet, Philosoph vielleicht und an den Wahnsinn grenzender Theoretiker mit Vorstellungen eines Gesamtkunstwerks, die alles Bisherige übertreffen.


    All das kann ich bei den zwei mir geläufigen Kompositionen von Sabaneev nun partout nicht nachvollziehen. Er ist Pessimist, verzweifelter Darsteller eines realgeschichtlichen Grauens. Die Musik wirkt zerrissen, rücksichtslos impulsiv, ist im Ganzen dennoch einer Spätromantik verhaftet, die Skrjabin in den Frühwerken nicht erreicht - weder ästhetisch noch im Sinne eines ideologischen Modernismus -, in den Spätwerken wiederum an klanglichem Modernismus bei Weitem übertrifft. Die Gesamtbiographie von Sabaneev ist doch eine völlig anders geartete in jeglicher Hinsicht. Das beginnt schlicht schon, wenn man betrachtet, welches Lebensalter beide jeweils erreicht haben.


    Die beiden waren befreundet. Ein bei der journalistischen oder sogar wissenschaftlichen Rezeption von Musik bekanntes Phänomen, so oder so ähnlich, denn aus ihm wird für meinen Geschmack nicht selten all zu viel geschlossen, was kaum relevant ist. Die beiden nehmen gewiss eine Fin-de-Siècle-Haltung ein, die man als symbolistisch bezeichnen könnte, indem die Musik Träger außermusikalischer Bilder oder Ideen wird. Aber da setzt für mich sofort der Widerspruch ein, denn Sabaneevs Haltung war keine aus dem Elfenbeinturm, sondern zwangsweise eine politische, quasi pragmatische, in einem sehr negativen Sinne erfahrungsbedingt nach seiner Zeit als Kulturfunktionär der Kommunisten und vor seiner Emigration oder Flucht - zu dieser Zeit ist ja das zweite Trio entstanden.


    Meine Gedanken beziehen sich nur auf ein einziges Werk. Vielleicht kann man sie (zum Teil) bequem widerlegen, auch wenn man das Gesamtwerk betrachtet. Da fehlt mir der Einblick - ich weiß nur mittlerweile noch, dass Sabaneev insofern auch Theoretiker war, als er über Musik geschrieben hat. Der Grund, warum ich die Gedanken kurz formuliert habe, ist schlicht der, dass mich beim Wiederhören der Musik und beim Nachlesen unseres - von Meister astewes und mir - kurzen Austauschs dahier, vor über einem Jahr, plötzlich spürbare Bedenken beschlichen angesichts des berühmten, allzu berühmten Namens Skrjabin. ;)


    Insofern hat mich auch der oben zitierte Satz von Axel erfreut.


    :) Wolfgang

    Wer kennt diese Scheibe? Wer kennt den Komponisten?



    Das zweite Trio - gewiss noch spätromantisch, aber welch bestürzend dunkle Musik! Welch unglaubliche Eigenart! Ich bin auch nach dem vielleicht vierten Hören schlicht fasziniert.


    :) Wolfgang


    EDIT: Soeben stelle ich fest, dass vor gut einem Jahr schon eine Anregung im Forum zu finden ist. Sie kam von Axel und ich habe darauf reagiert und dann wohl auch zügig bestellt. Offenbar kannte ich die Musik aber damals noch nicht.

    Das Klavierkonzert von Müller-Siemens kenne ich recht gut und die anderen Namen habe ich (natürlich) alle schon mal zur Kenntnis genommen. Sonst aber dürfte sich nicht viel finden, was ich an Musik von den Letztgenannten schon gehört habe. Rihm ist mir da bei Weitem geläufiger.


    Trojahn verbinde ich vor allem mit seinen Verdiensten um Allan Pettersson.


    Und dass von Bose im negativen Sinne ein Wilder war (oder noch ist?), bekommt man halt mit. Ich könnte darauf gut verzichten.


    Auf jeden Fall ein interessanter Faden - die Bezeichnungs-Problematik ist ja eigentlich auch nichts Überraschendes, wenn man so an das Begriffs-Wirrwarr in der Musik vor hundert Jahren denkt ...


    :) Wolfgang

    Dies ist bislang meine einzige Gesamteinspielung der Bartok-Quartette ...:untertauch:


    Zumindest ist sie gut - nicht nur meine Privatmeinung als Armer im Geiste ...


    Ich muss gestehen, die Quartette selten genug zu hören. Das ist nicht sonderlich verständlich, da ich etwa die drei Klavierkonzerte eher an die hundert Male gehört und nun wirklich keine Probleme habe auch mit den etwas spröderen Bartok-Nummern.


    Man sollte das ändern ...


    :) Wolfgang