Beiträge von WolfgangZ

    Nur kurz mein Senf in Bezug auf Ullis Kritik:


    Ich habe schon von dem Beitrag der Experten manches Detail gelernt, das ich nicht wusste und das mir interessant scheint.


    Aber es ist doch in der Tat Quatsch dezidiert zu behaupten - so als wäre das eine faszinierende Erkenntnis, die man endlich für die Nachwelt festhalten müsse -, ein Clavichord sei kein "Instrument". Ja, was denn dann? Blöde Wortklauberei.


    Und wenn ich behaupte, das Clavichord sei ein Vorläufer des Cembalos - da fehlt mir jetzt der Durchblick, um das klar zu widerlegen - dann sehe ich eine gewisse Unlogik, wieso ein Nicht-Instrument der Vorläufer eines Instruments sein soll. Aber vielleicht ist das genauso nur Wortklauberei.


    Irgendwie fühle ich mich an einen Geschichtslehrer (nicht mehr einen von mir) erinnert, der gerne und wiederholt behauptet und dies freilich begründet und dann sogar völlig ernsthaft in der mündlichen Prüfung danach gefragt hat, dass der Zweite Weltkrieg nach wie vor andauere ... Bitte fragt mich jetzt nicht nach der Begründung, aber es gibt schon eine spitzfindig formalistische. Sicher weiß (zum Beispiel) unser Joseph II oder unser Garaguly Bescheid.


    :cheers: Wolfgang

    Das habe ich natürlich gestern nicht systematisch abgefragt, aber aufgrund anderer "Zufallsfunde" im Laufe der Zeiten erlebt man da viele ähnliche Überraschungen (Gustav Mahler? - Unbekannt. Anton Bruckner? - Unbekannt etc pp.). Den Schülern selbst mache ich gar keinen wirklichen Vorwurf (Ich habe zwar gestern theatralisch den Kopf auf die Tischplatte sinken lassen, als das Dvořák-Desaster zutage trat, aber das fanden sie witzig), denn woher soll man das Interesse an etwas herholen, wenn nirgendwo jemand ist, der es überhaupt wecken könnte/würde/wollte? Ich bin da (und nicht nur da) pessimistisch.


    Grüße

    Garaguly

    Es wäre natürlich möglich, lieber Kollege, dass zwei Deiner Zöglinge nicht zugeben wollten, dass sie sehr wohl von diesem oder jenem Komponisten gehört haben. Ein etwas längeres Kapitel vielleicht, welches ich nicht weiter ausbreiten will. :)

    Das "Hauptthema" wird aber durchaus nicht immer wieder gebracht, sondern nur einmal wiederholt, falls Du damit die berühmte Einleitungs-Fanfare am Anfang meinst. Das ist ja die Pointe! :)


    Freilich wird sie im schnelleren Haupt-Abschnitt des Kopfsatzes nicht "verarbeitet", sondern ist nicht mehr da. Da gibt es dann die eigentlichen zwei Themen (oder drei? Das weiß ich nicht spontan ...).

    Tschaikowskys Klavierkonzert höre ich nur selten - aufgrund der banalen Tatsache, dass es allein schon so viele andere Klavierkonzerte gibt, die sich lohnen, und es mir irgendwie reicht (im doppelten Sinn des Verbs), wenn das Werk nach wie vor ständig aufgeführt wird und ständig neu eingespielt, anderes Wertvolle auf diesem Gebiet hingegen überhaupt nicht.


    Nemorino möchte ich dennoch in keiner Weise widersprechen. Vor allem verstehe ich den Sinn des Adjektivs "schmalzig" nicht in diesem Kontext. Aber das muss man vermutlich nicht diskutieren und kann es wohl auch nicht sinnvoll.

    Wertschätzungsperspektive - in der Tat. Ihre Integrale habe ich mir nun wirklich nicht kaufen wollen, denn da haben mir in der Tube diverse Stichproben und die komplette Sonate op. 110 genügt, doch die Pianistin HJ Lim, eine klimpertechnisch hörbar perfekte Hochstaplerin, hat sich op. 49/1 und 2 geschenkt. Nicht fein genug, nehme ich an.


    Aber das ist ein anderes Thema und es gibt im Netz nicht wenige Liebhaberinnen aller Geschlechter, die sich vermutlich meine Sicht der Dinge verbitten würden.

    Dank an Ulli! Im Prinzip ist mir das schon alles klar, aber der Begriff sagt halt eigentlich nichts aus. Wenn ich etwas Abgeschlossenes auf dem Klavier spiele, dann spiele ich eben ein Klavierstück, was sonst. ;):)


    Man muss den Begriff in einem engeren Sinne wahrnehmen, dann fällt sicher darunter das, was Du benennt - keine Widerrede. Die Verzeichnisse lösen das Problem begrifflich allenthalben geschickter - offenbar nicht die Firma Henle - aber da weiß ich nicht, inwiefern der Verlag aus historischer Perspektive zur Verantwortung zu ziehen ist und ob es bei den konkurrierenden Urtext-Ausgaben anders ist.


    Der Besteckkasten hat's in sich. Das bieten halt wohl auch nur die alten Pianoforte-Kästen. Bei uns in der Gegend werden sie von einem Schlossbesitzer und Tenor (beinahe) gesammelt ...


    PS: Genau, der Blick in den Index des entsprechenden Henle-Bandes beweist, dass da eben nicht nur Klavierstücke im engeren Sinn enthalten sind. Es bleibt schwierig, wie Du ja auch sagst.


    :cheers: Wolfgang

    Ja, schwer zu hören ist die Musik für mich nicht und "unzugänglich" ist auch vielleicht nicht ganz der richtige Begriff. Aber man muss sicb schon konzentrieren und irgendwie mitdenken, um von der Musik zu profitieren. Sagen wir so: Wenn ich dabei nicht völlig unterfordernde Arbeit zu verrichten hätte - oder eben auch dann, dann würde nichts stören und auch nichts auffallen. Eine andere Art von Fahrstuhl quasi ...

    Genau diese CD mit Musik von Ustvolskaja habe ich mir mittlerweile zugelegt und einmal komplett gehört. Wiederum eine schillernde Figur - diesmal meine ich, im Rahmen des eigenen Schaffens zwischen Traditionsverbundenheit und einer gewissen - schon wieder modernen - Unzugänglichkeit, was meines Erachtens noch nicht eine Avantgarde-Position bedeutet. Aber da kann man sich gewiss wiederum streiten. :)

    Das Umdenken kann ich nur begrüßen und ich habe auch fest vor, meinen Bedarf nach Weinberg noch ein wenig besser zu befrieden - von Abdecken wird auch auf die Dauer keine Rede sein können. Die Werke haben ganz bestimmt einen großen Wert und das würde ich auch anhand des runden Dutzends, das ich entweder mal gehört habe oder dass ich als CD finde - so jeweils zur Hälfte in etwa, meine ich - gewiss bestätigen. Meine Lieblingsnummer ist bislang das Cellokonzert:



    Vielleicht ist es auch ein gutes Beispiel im Sinne meiner Argumentation, inwiefern diese Musik formvollendet, raffiniert, originell und hochgradig eigenständig ist - aber nicht wirklich modern. Das Cellokonzert als klassizistisch wahrzunehmen, damit könnte ich gut umgehen.


    Denn vermutlich unterscheiden wir uns auch gar nicht weiter in unserer Einstellung zu diesem Komponisten, wobei Du vermutlich mehr gehört hast, Axel. Trotzdem: Aus dem Blickfeld des Jahres 2025, wohl auch aus dem Blickfeld schon vor rund fünfzig Jahren ist seine Musik nicht modern, das gilt auch für die von Schostakowitsch, der ja 1970 noch am Leben war.


    Ich denke überdies gar nicht so sehr an die Implikationen von Konzertführern, wie Du sie anführst. Aber je länger und intensiver man sich in der Fachwelt mit Weinberg auseinandersetzen wird - und das könnte ich mir als Voraussetzung wie als Folgerung eben mittlerweile bestens vorstellen - desto deutlicher wird sicher werden, dass Weinberg nicht eine Art Doppelgänger von Schostakowitsch ist, sondern seinen Personalstil vollauf besitzt. So weit bin ich persönlich noch nicht ganz, aber das ist vermutlich ausschließlich mein Problem.


    Ich will ebenso wenig leugnen, dass mein Wortspielchen der Sorte 2b kein Diskussionsbeitrag hat sein sollen. Da müsste ich schon ein wenig mehr bieten. Aber jetzt habe ich hoffentlich geklärt, wozu ich mich in der Lage sehe intellektuell und von mir aus auch gerne emotional. ;):cheers:

    Was Du im Kontext der "Stimmung" meinst, das glaube ich nachvollziehen zu können. Vielleicht - vielleicht! - sehe ich die Dinge auch dahingehend richtig, dass Weinberg im Zeitkontext etwas ungezwungener hat schaffen können als Schostakowitsch - mit all den relevanten Schlussfolgerungen und Diskussionsaspekten. Ungezwungener, vielleicht nicht ungezwungen. [Vorsicht: Wortspiel, Sorte 2c, grammatisch identisch mit 2b ...]

    ;):) Moderner ist sie gewiss, diese Moderne, aber nicht modern. Wobei ich nicht die Welt kenne von Weinbergs Musik, aber ich kann mir auch nicht vorstellen, dass ich völlig falsch liege bei diesen drei Streichquartetten.

    Auch von mir (nochmals) ein Dank zurück an Amdir!


    Ein wenig überrascht war ich, dass schon vor längerer Zeit ein hier nicht gänzlich unbekannter Kollege den Tondichtungen mit Järvi klar den Vorzug gegeben hatte gegenüber dem von ihm als klanglich schlechter empfundenen Sinaisky. Das sehe ich in der Tat umgekehrt, was gar nicht unbedingt auch ein interpretatorischen Manko bei einem der beiden meinen soll.


    Die Wahl des Stücks hat mich auch insofern gefreut, als ich zwar zwei (wahrscheinlich, genau weiß man's nie) komplette Sammlungen der Tondichtungen besitze und eben noch einzelne Aufnahmen darüber hinaus - ich hätte nicht gedacht, dass es beim Barden gleich vier werden - bei Finlandia, das ich nicht mehr so sehr schätze, oder Tapiola (nicht nur vier!) ist das keine Überraschung für mich. Indes kommen die kleinen oder kleineren Nummern stets zu kurz bei mir im Vergleich mit den doch oft gehörten Sinfonien. Und das ist nicht berechtigt und schade, wie mir klarer wird mittlerweile. Bei Arnold Bax ist es zwar umgekehrt, aber das leuchtet mir wiederum ein bei den Sinfonien wegen deren Umfangs und teilweise weniger ausgeprägter Zugänglichkeit. Und insgesamt hört man wohl, höre ich Bax dann doch viel seltener.


    Aber der wäre auch mal eine Idee für zwei Wochen [und ich fürchte, dass er nicht jedem liegt hier vor Ort ;):)].


    :cheers: Wolfgang

    Da ich heute zufällig in meinen drei Aufnahmen die Bagatellen gehört habe, will ich - neben den bereits gewürdigten Einspielungen mit Yokoyama (bei mir im Rahmen der Complete Masterpieces (1) auf 60 CDs, wobei dort nicht nur Yokoyama Klavier spielt) (siehe Cover oben und unten) und dem frühen Brendel (Brilliant bzw. Vox auf 35 CDs) (siehe Cover weiter oben) - auf die folgende neuere Sammlung aller Klavierstücke Beethovens - was immer damit gemeint ist, die Variationszyklen sind nicht dabei - auf historischen Fortepianos durch Tobias Koch hinweisen.


    https://www.discogs.com/de/rel…ous-Les-Chefs-D%C5%92uvre


    Am nächsten Samstag werden wir einen anderen großen Meister der Gegenwart mit op. 126 hören: Grigori Sokolow. Er wird dann wohl auch die Sonate op. 7, die gerade im Forum ein wenig gefragt ist [:)], sowie Brahms spielen. Wir sind gespannt!


    (1) Dieses Attribut - complete - kann man hier noch schlechter ernst nehmen als sonst so oft. ;) Ich meine, dass ein paar Meisterstücke fehlen und ein paar keine sind ... Egal!

    Danke auch an Christian!


    Ich habe mittlerweile festgestellt und war auch nicht überrascht, dass es unglaublich viele Veröffentlichungen, gewiss auch mehrfache, mit Gilels als Interpreten gibt - noch [;)] schlimmer ist es wohl bei Richter in der obersten historisch gefestigten Pianistenriege.


    Da ich kein Sammler im eigentlichen Sinn bin und auch nicht werden will, lohnt sich die obige Serie für mich auf jeden Fall und ich habe jetzt nicht so das Interesse, von jeder Beethoven-Sonate, die er eingespielt hat, eine Aufnahme zu besitzen - man könnte da in der Tat schön einzeln sammeln und nicht einmal sonderlich überteuert zumeist.


    Doch es freut mich, wenn Du diese 6 CD-Ausgabe als "sehr spannend" bezeichnest. Die klangliche Qualität ist mir dann nicht so wichtig, denn diese Problematik war mir ohnehin klar. Es fehlt, wenn ich das überblicke, etliches mehr als nur op. 53, auch ohne jene fünf Sonaten, von denen Holger gesprochen hatte - ich nehme daher an, dass Du nur an Sonaten gedacht hast, die bei Gilels wirklich wichtig sind zum Kennenlernen oder von deren Existenz als Mitschnitte in Konzerten aus Russland Du weißt. Aber das passt schon!


    :cheers: Wolfgang

    Danke Dir, Holger!


    Nicht gerade ideal ist die Verfügbarkeit. Aber ich könnte mir die folgende Sammlung vorstellen, wenn ich nicht von Euch davor gewarnt werde. ;):)


    Ich glaube noch nicht einmal, dass es Doppelungen gibt (oder kaum welche) zu Aufnahmen mit Gilels, die ich auf Tonträger bereits finde. Opus 106 finde ich vermutlich und es könnte die nämliche Einspielung sein. Mal schauen! Beim Preisangebot des ehemaligen Partners ist das ohnehin völlig irrelevant.


    https://www.discogs.com/de/rel…il-Gilels-Plays-Beethoven


    Und das Opus 7 gibt's jedenfalls als MP 3 zum Herunterladen.


    Gute Zeit!


    Wolfgang

    Ja, Du warst auch dabei mit kritischer Stimme, Holger! Über Michelangeli und Gilels denke ich auch noch mal nach, was eine Anschaffung mit Beethoven anbelangt. Ich muss gestehen, dass mir dann Integralen schon am liebsten sind - oft nur verhältnismäßig unwesentlich teurer als einzeln. Wenn denn vorhanden natürlich. Ich meine, mal mitbekommen zu haben, dass Gilels keine vollständig geschafft hat - es mag aber auch sein, dass es nur eine von mehreren war, die unvollendet blieb.


    NB: In solcher Hinsicht - und in anderer! - lehne ich wiederum HJ Lim ab und habe sie mir nie gekauft, die Beinahe-Integrale. Im Netz habe ich mehrmals Eindrücke bekommen von ihrem im schlimmen Sinne affektierten Spiel. Es findet dennoch (oder natürlich) Anhänger. Doch bei ihr fehlt Opus 49 schon mal - nicht fein genug wohl - ein aussagekräftiges Detail für ihre Arroganz, wie ich meine. Ich verlinke nichts, doch auf youtube kann man alle Sonaten hören. Muster für mich - unter anderem - war praktisch durch die Bank ihr lächerlicher, völlig verständnisloser Umgang mit op. 110.


    Die Klaviersonaten von Beethoven sind nun kein Schwerpunkt meines Interesses - dennoch kommt schon etwas zusammen an Einspielungen über die Jahre!


    :cheers: Wolfgang

    Leider bin ich trotz meiner Probleme mit Subordination, die ich dann gerne überspiele oder bedecke, so gar kein Jazzer geworden. Manchmal hör ich ihn gerne, das ja. :)


    Zawinul kenne ich mit Weather Report, also Rock Jazz. Da sind ein paar Nummern verfügbar auf Kassette oder auf LP.


    Der junge Brendel mit op. 111, den mach ich mal noch später. Keine Rückmeldung geplant und den mittelalten habe ich mir nicht zugelegt mit den Beethoven-Sonaten.

    NB: Die Gulda-CD läuft durch, weniger aufmerksam von meiner Seite gehört. Soeben der Boogie Woogie. Ein bisschen langsamer und es spräche mehr für die Interpretation, meine ich. An der Tempobezeichnung kann man hier freilich überhaupt nichts festmachen - Adagio (etc.) und Triolengruppen als Zweiunddreißigstel und Vierundsechzigstel. Doch das ist wieder ein anderes Kapitel.


    (NB: Und schon fange ich ein wenig an zu sinnieren: Es ist halt nun mal kein Boogie Woogie und die Noten sind auch nicht punktiert ... Es ist hektischer Beethoven ...)

    Also zum ersten möchte ich sagen, dass zusammen mit dem Opus 31/3 das Opus 109 mir ganz besonders gut gefällt von allen Sonaten Beethovens - beinahe in jeder Hinsicht - während ich zum heroischen mittleren Beethoven und so was wie der Mondschein-Sonate noch immer lange nach den Klavierstunden nicht mehr recht gefunden habe. Ein bisschen gewöhnen muss man sich an die Auflösungstendenzen gegen Ende von op. 109 als Vorwegnahme der Arietta. Doch voller Charme und zugleich voller Radikalität wie nun auch nicht alles beim späten Beethoven erscheint mir diese Sonate. Opus 110 ist hoch interessant, aber nicht charmant - das muss ja auch nicht sein, passt vermutlich nicht und überdies könnte man im Zweifelsfall länger über die Bedeutung eines deutschen Adjektivs französischer Provenienz diskutieren.


    Zum anderen: Nach dem Kauf der Gulda-Integrale vor vielleicht 25 Jahren habe ich sie mir wohl schon zweimal durchgehört und dann bei Einzelvergleichen ein paarmal Einzelnes wieder. Da hatte ich schon mehrmals den Eindruck einer gewissen Lieblosigkeit und Hetze. Weiß nicht, wie ich es heute sehen würde bei der einen oder anderen Sonate. Opus 7, wie gesagt, hat mir nicht gefallen.


    Und jetzt kommt das große Doch und insofern bin ich dem Axel dankbar: Doch! Diese Sonate, soeben mit Noten verfolgt, spielt er wunderbar, der Jazzpseudo- und Nacktstar aus Austria. Erstens ist es liebevoll (mit einer auch anschlagstechnischen Differenzierung, die ich völlig vermisse beim Opus 7), was er bietet, zweitens hoch differenziert und äußerst genau und auch nirgends zu hektisch. Wenn da leggiero steht, dann wünsche ich mir das genauso. Und wenn die Schluss-Variation eine Seltsamkeit darstellt, dann findet er auch zu keiner Lösung - vielleicht wollte Beethoven keine?


    Braucht Gulda den späten, um sich wirklich bei Beethoven zu entfalten? Aber was weiß ich! Bei Glenn Gould weiß ich es oft - aber selbstverständlich auch nicht immer und wie gesagt, sind diverses Moderne und Bach und das Schumann-Quartett klare Ausnahmen - weitaus weniger und war nicht selten befremdet - etwa die lächerliche Darbietung der fünften Sonate von Skrjabin betreffend.


    Seltsam, das alles ?! Gut so !!


    :thumbup::angel:

    Gould sollte man vielleicht nicht an seinen Scherzen festmachen, das ist schon richtig. Und soeben habe ich auch zu Opus 109 im Neutralfaden mich kurz und mild spöttelnd geäußert. Ansonsten mag ich Gould jenseits von Bach, dem Schumann-Quartett und manch Modernerem einfach nicht. Bei ihm ist ja auch nicht das Einebnen das Problem, das habe ich ja nicht gesagt.


    Aber im Falle von Opus 7 hatte ich jetzt den großen Vergleich und da höre ich Gulda wirklich so! Macht ja nichts, wir müssen uns nicht in die Haare kriegen deswegen. :)


    Kurz ein paar Anmerkungen, auch wenn offtopisch: Das Finale ist zu schnell und gänzlich nicht grazioso. Über die Finessen des langsamen Satzes wird hinweggespielt; er kann die Pausen nicht empfinden, sie stören ihn irgendwie - und da steht largo und nicht andante. Etcetera. Doch ich lasse es jetzt gut sein.


    Was ich freilich nicht ausschließen kann: Es gab ja vor auch schon wieder zehn Jahren etwa den großen Vergleich des Herrn William B.A. zu einigen Beethoven-Sonaten. Das Opus 7 war dabei und ich habe es mir durchgelesen. Bei keinem anderen Pianisten - Männer waren es schon vorwiegend - war William derart ablehnend wie bei Gulda. Das ist kein Argument, das ist mir schon klar, aber ich kann es ein wenig nachvollziehen. Die Enttäuschung war da - im kompletten Vergleich mit Arrau (Sieger für mich, eben weil kein Reißer, aber genau richtig nachempfunden), frühem Brendel, Lill, Nat, Öland (erfreulich gelungen), Richter (nicht so gut, wie ich geglaubt hätte), Schnabel, Sokolov (der ist natürlich erstklassig im verfeinerten Zugriff und trotzdem keiner von den Dezenten) sowie Yokoyama. Da fehlen noch etliche ganz wichtige Namen, aber was soll's! Mehr finde ich nicht auf Konserve und irgendwann muss Schluss sein.


    :cheers: Wolfgang

    Levit wollte ich mir nicht auch noch als Integrale zulegen. Nur das Spätestwerk - warum nicht? Olafsson befindet sich noch nicht auf Konserve im Haus - er befindet sich insofern bei mir überhaupt noch nicht, da auch nicht als Pröbchen gehört. Bei Glenn Gould könnte man - vielleicht! - gegen Vorurteile angehen. Will ich das? :P;)^^

    NB: Da ich in einer Woche die frühe Sonate op. 7 mit Grigori Sokolov hören werde, habe ich zehn Aufnahmen - war selber überrascht, so viele zu finden - auf CD verglichen. Für mich kommt da Gulda (1967/68) nicht mehr gut weg und das gilt für vieles von Beethoven bei ihm. Bei Beethoven verstehe ich ihn in der Tat nicht, auch wenn es (natürlich) nicht so absurd ist wie bei den Beethoven-Pröbchen eines Glenn Gould.


    Gulda ebnet für mich alles ein, das meist zu hohe Tempo, die Gegensätze, die Feinheiten der Agogik - nicht immer, aber immer wieder. Langsame Sätze mag er offenbar nicht und will sie ohne Aufwand hinter sich bringen. Das ist dann schon schade.


    Kein böses Wort über Guldas Mozart!


    Aber Ihr habt mich jetzt auf den Geschmack mit dem Opus 109 gebracht - da könnte man auch ein wenig vergleichen. Das ist doch lustig mit Noten und einer in dem Fall ja auch kürzeren (und als Spätwerk noch einmal interessanteren) Sonate. :jubel:

    Genau! Das Klarinettenkonzert ist für mich ihre schärfste Nummer - aber das ist wohl reine Geschmackssache:



    Kammermusik kenne ich zu wenig. Hier das Klaviertrio (mit Flöte):



    Und sollte Axel (was ich nicht glaube) und wer beliebt das Flötentrio von Martinu nicht kennen - eine äußerst pfiffige Nummer.


    Crumb ist stets eine Welt für sich. Ned Rorem weniger markante Postmoderne (mit Betonung auf der Post) oder auch schlicht Klassizismus, wie ich meine.


    :) Wolfgang

    Von Vorisek [cf. des Kollegen Beitrag heute vormittag] kenne ich nur die Sinfonie. Die Frage, ob jene nun sein Opus 23 oder sein Opus 24 sei respektive wodurch sich die Problematik ergibt - denn da herrscht wohl Verwirung -, habe ich im deutschsprachigen Wikipedia-Artikel vor Jahren gestellt, leider aber keine Antwort erhalten.


    EDIT: Stimmt ja gar nicht mehr, was mich jetzt ein wenig überrascht.


    https://de.wikipedia.org/wiki/…av_Vo%C5%99%C3%AD%C5%A1ek


    Hier meine Aufnahme:



    Die Sinfonie finde ich durchaus hübsch.


    :hello: Wolfgang

    Am 8. August 2007 habe ich zwei Aufnahmen benannt. Es kann im Prinzip dabei bleiben, selbst wenn ich von beiden - Schuberts Streichquintett und dem späten Klavierquintett von Fauré - mittlerweile weitere Einspielungen kenne. Da aber das Fauré-Cover nicht mehr lesbar ist, verlinke ich es hier noch einmal:


    Gegen das Streichtrio von Mozart spräche natürlich auch rein gar nichts oder gegen Beethoven, op. 131, oder gegen das 15. Streichquartett von Schostakowitsch oder gegen ...

    Zwei weitere Einspielungen haben sich gefunden. Storgards hatte ich vermutet, war mir nur bezüglich des gewählten Stücks nicht ganz sicher, an Berglund - im Rahmen einer seiner Integralen der Sinfonien - hatte ich nicht mehr gedacht. Letztere (unten links) ist mit der Einspielung identisch, zu der oben die Partitur mitgelesen werden kann.


           


    Bournemouth Symphony Orchestra / Paavo Berglund - 8'14" - Aufnahme: 1976

    Helsinki Philharmonic Orchestra / John Storgards - 8'08'' - Aufnahme: 2010


    Es mag vielleicht nicht überraschen, dass ich Storgards den Vorzug bei allen vier Aufnahmen geben möchte, und das liegt aber nicht einmal primär am Klangbild, das gewiss auch am differenziertesten gestaltet wird und schlicht am modernsten ist, während ansonsten allenfalls Järvi ein wenig abfällt und Berglund durchaus kraftvoll auftritt. Entscheidend ist für mich, dass Storgards nicht generell etwas langsamer spielen lässt, was er vielleicht auch tut im Vergleich mit Järvi und Sinaisky, sondern dass seine Darstellung ganz ausgeprägt episch gestaltet ist, wie ein Bilderbogen und durchaus nicht in erster Linie auf den Höhepunkt zusteuernd. So wird er bereits in den ersten Minuten nach sonoren Einleitungstakten wieder ruhiger, lyrischer, fährt dynamisch zurück. Auch die Harfe differenziert bei ihm am markantesten im Tempo und im Charakter. So wird das kein Harfenkonzertsatz, was nicht sinnvoll wäre, aber es ist allenthalben eine Stimme, die mehr zu sagen hat, als ich zunächst gemeint hätte


    Abraten möchte ich von keiner der Aufnahmen, denn sie sind alle sehr solide, quasi authentisch, arbeiten das Stimmungshafte heraus. Sie erzählen alle vier, selbst wenn das Erzählte unterschiedlich spannend sein mag. Wie im richtigen Leben! ;)


    :hello: Wolfgang

    Die Tondichtung Der Barde müsste ich zweimal oder dreimal bei den CDs finden. Daher im Vergleich zunächst die beiden Einspielungen, von denen ich im Rahmen von Gesamtaufnahmen der sinfonischen Dichtungen des Meisters spontan explizit weiß. Ich erinnere mich an ruhige und eher düstere Klänge - darüber hinaus könnte ich auf die Schnelle kaum etwas sagen, meine allenfalls, dass das Stück nicht zu den bekannteren von Sibelius gehört. Gut, das hat Amdir auch gesagt, aber ich hätte es vorher ebenso behauptet. :angel:


    Daher freue ich mich über die Anregung des Kollegen Amdir.


         


    Göteborgs Symfoniker / Neeme Järvi - 6'53'' - Aufnahme: 1994

    Moskauer Philharmonisches Orchester / Vassily Sinaisky - 7'04'' - Aufnahme: 1991


    Zweifellos betonen beide Einspielungen den nordischen, wohl zugleich epischen wie tragischen Hintergrund des musikalischen Geschehens. Die Harfe rückt bei Järvi stärker ins Blickfeld als bei Sinaisky, wohingegen Letzterer den Orchesterklang spürbar direkter und, wie ich meine, farbig vielschichtiger einfängt. Dies gilt auch für die dramatische Zuspitzung des bildhaften Geschehens gegen Ende. Die zurückhaltende Aufhellung am Ende wird von beiden Interpreten als erleichternd empfunden. Da ist nichts triumphal und soll es gewiss auch nicht sein.


    Die Klangqualität bei Järvi ist ordentlich, bei Sinaisky etwas transparenter.


    :cheers: Wolfgang

    Den Zyklus mit Beethoven durch Levit habe ich mir nicht zugelegt und werde es mangels größeren weiteren Alternativ-Bedarfs dieses Zyklus wohl nicht tun. Igor Levit ist mir nicht unsympathisch. Ich habe ihn auch schon im Konzert gehört und gesehen und von seinem Podcast kenne ich mehrere Folgen, die ich pfiffig gefunden habe. Ich würde nicht zu behaupten wagen, dass sein Zyklus nicht ordentlich sei, würde es vermutlich nicht einmal behaupten, wenn ich ihn kennen würde.


    Indes: Zwar weiß ich nicht genau, wie Musikprofessor seine Einordnung nun exakt gemeint hat, aber so gut wie absolut sicher wäre ich mir, dass von allen je existierenden Zyklen der von Levit kaum zu übertreffen sei, beim besten Willen nicht gesagt werden kann.


    So, das waren jetzt recht viele Worte für wenig Aussage. Da bin ich mir auch sicher. ^^:)