Beiträge von heinz.gelking

    Hallo.


    eine Frage und ein paar Anmerkungen habe ich:


    1.) Welche der Menuhin-Einspielungen haltet ihr denn für die beste? Er hat das Konzert ja sehr oft aufgenommen, u.a. mit Furtwängler, Silvestri, Klemperer, Masur. Gibt es eine Aufnahme, in der Menuhin besonders gut spielt?


    2.) Die Schneiderhan/ Jochum-Aufnahme kenne ich auch, und ich schätze sie sehr. Es gibt allerdings noch eine frühere (Mono-) Aufnahme von Schneiderhan, mit Paul van Kempen (mit dem auch Kempff viel aufgenommen hat). Die finde ich mindestens genauso schön; wenn ich mich richtig erinnere (muss sie unbedingt mal wieder hören!), klingt sie noch frischer, lyrischer und natürlicher.


    3.) Die Mullova-Einspielung ist total klasse - volle Zustimmung! Sie ist heute in etwa das, was Kremer in den 70ern war; der spielt ja leider kaum noch klassisches Repertoire (nix gegen Tango und Mobiltelefone, aber...). Man muss allerdings ihren - zumindest in Aufnahmen - wenig klangsatten, etwas gläsernen Ton schätzen.


    4.) Wer die Schneiderhan-Aufnahme(n) schätzt, der sollte auch mal in Grumiaux/Concertgebouw/Davis reinhören (Grumiaux ist nicht nur ein Fall für die Sonaten, mit Haskil!). Vom "Typus" her sind Grumiaux und Schneiderhan nämlich recht ähnliche Geiger, wenngleich sie natürlich aus völlig unterschiedlichen "Schulen" kommen (Schneiderhan tschechisch, Grumiaux französisch-belgisch). Zu ihrer Zeit, als die Ausbildung noch nicht so internationalisiert war (Ausnahme: Menuhin mit Persinger/ Busch/ Enesco - das war wirklich international!), hatten diese "Schulen" ja durchaus noch eine größere Bedeutung als heute.


    Freundliche Grüße


    Heinz

    Nein, er ist nicht zu früh gestorben (ist um die 70 Jahre alt geworden). Aber im Westen wurden eben (von den russischen Cellisten) vor allem Piatigorsky und Rostropowitsch wahrgenommen. Und als er dann doch - etwa auf Einladung von Steven Isserlis - im Westen konzertierte, war er wohl schon über dem Zenit seines Könnens.


    Shafrans beste Aufnahme, die ich kenne, enthält Debussy (C-S) und Franck (Bearbeitung der V-S).


    Wenn Du nach "Daniel Shafran" googelst, findest Du eine englischsprachige Seite, die ihm gewidmet ist. Da gibt es mehr Informationen.


    Freundliche Grüße


    Heinz

    Hallo Cosima,


    falls Du noch einen Plattenspieler hast, kannst Du versuchen, Radu Aldulesco/ Albert Guttman zu finden (Eterna 826140), Kopplung mit Hindemith op. 11 Nr. 3. Meines Wissens gibt es auch eine Aufnahme von Daniel (Daniil) Shafran - die dürfte auf LP aber relativ teuer sein und ist, soweit ich weiß, nie auf CD herausgekommen. Ich kenne die Shafran-Aufnahme leider, leider nicht. Shafran müsste mindestens so "berühmt" wie du Pré sein, wenn die Cello-Welt gerecht wäre...


    Freundliche Grüße


    Heinz


    Kleine Ergänzung: Shafrans Aufnahme ist DOCH auf CD herausgekommen. Und wer begleitet ihn? Schostakowitsch selbst! Amazon.com bietet sogar Hörbeispiele der Sonate: http://www.amazon.com/exec/obi…-1926350?v=glance&s=music

    Hallo Alfred,


    generell kann man sagen: Je besser eine Hifi-Anlage die Klangunterschiede zwischen verschiedenen CDs übermitteln kann, desto besser ist ihr Auflösungsvermögen (tonal, dynamisch, räumlich). Für mich ist das Auflösungsvermögen das wichtigste Kriterium bei der Beurteilung von HiFi. Es stört mich dabei überhaupt nicht, dass ich auch Aufnahmemängel dadurch besser wahrnehme. "Gleichmacher", bei denen eine MDG-CD wie eine Tacet-CD klingt (um zwei sogenannte "audiophile" Labels mit unbestritten hoher Klangqualität als Beispiel zu nehmen) finde ich langweilig.


    Warum kommt es nun zu unterschiedlichen Urteilen über die Klangqualität ein- und derselben CD?


    - die Hörer haben unterschiedliche Erwartungen an einen "guten" Klang
    - die Hörer hören in verschiedenen Räumen (eher sekundär, denn der eigene Raum ist immer "Nullniveau" und beeinflusst mit seinen akustischen Eigenschaften ja jede dort gehörte Aufnahme in gleicher Weise)
    - die Hörer hören über unterschiedliche HiFi-Anlagen


    Ich ärgere mich zum Beispiel oft, dass MDG-CDs manchmal relativ schlechte Bewertungen für die Klangqualität bekommen. Aber das ist relativ einfach erklärbar: Die MDG-Toningenieure arbeiten bewusst mit relativ großen Mikrofonabständen in Räumen mit natürlicher Akustik (also einem größeren Hallanteil als in Studios, Beispiel: Fürstliche Reitbahn Arolsen). Über eine einfache HiFi-Anlage kann der Klang etwas dumpf und hallig wirken, vor allem im Vergleich zu dicht mikrofonierten Studio-Aufnahmen. Über eine HiFi-Anlage, die in der Lage ist, die Schallentstehung zu übermitteln (Schlag des Hammers auf die Klaviersaite, Tonentfaltung im Instrument, Tonausbreitung im Raum, Schallreflexionen am Boden, der Decke und den Wänden) klingen die MDG-Aufnahmen dagegen überaus natürlich. Je besser das Auflösungsvermögen der HiFi-Anlage, desto weniger wirkt der Hall auf den MDG-CDs wie ein Fremdkörper - vielmehr vermittelt er, wie das Instrument "im Raum steht" (während Studio-Aufnahmen sich anhören, als hätte jemand mit der Freistell-Funktion eines Graphikprogramms den Hintergrund eliminiert).


    Insofern müsste man eigentlich von Klassik-Rezensenten erwarten, dass sie mit hochwertigen HiFi-Anlage hören, wenn sie sich zur Klangqualität äußern. Das machen allerdings auch einige. Ich weiß (außer von mir) von mindestens zwei weiteren Klassik-Rezensenten, dass sie sich intensiv auch mit erstklassigem HiFi beschäftigen.


    Den Unterschied zwischen einer Abbado- und einer Thielemann-Aufnahme hört man allerdings auch übers Autoradio: Ich behaupte also keinesfalls, dass Rezensenten ohne HiFi-Interesse oder mit einfachen Anlagen weniger kompetent wären. Nur bei Aussagen zur Klangqualität sollten sie sich vielleicht etwas zurückhalten.


    Freundliche Grüße


    Heinz Gelking

    Tolles Thema!


    Ich höre gerne Stern/Istomin/Rose (CBS-LP), das Suk-Trio (Supraphon-LP) sowie du Pré/Barenboim/Zukermann (EMI-LP) und Kempff/Fournier/Szeryng (oder war der Geiger Schneiderhan? - DG-LP, ist in einer anderen Wohnung, kann erst Ende nächster Woche nachsehen).


    Was mich am Klaviertrio generell fasziniert (also nicht nur bei Beethoven, sondern auch bei Brams, Dvorak, Schubert,...), ist die besondere Konstellation dreier Solisten, die Kammermusik machen. Streichquartette sind (meistens) feststehende Ensembles, die - oft über Jahre - an einem bestimmten Klangideal feilen. Klaviertrios bestehen dagegen (beim Beaux-Arts-Trio und modernen Formationen ist das natürlich eher wie beim Quartett) meistens aus drei Musikern, die auch unabhängig voneinander Karrieren pflegen, und dabei entsteht, wie ich meine, ein besonderer kammermusikalischer Geist: Guten Klaviertrios hört man an, wie sich Individuen aufeinander einstellen, sich inspirieren, aufeinander reagieren - sicher, bei Streichquartetten passiert das auch, aber anders, gebundener, homogener. Schon von der Struktur her (jedenfalls nach Haydns und Mozarts Trios), hat man es beim Klaviertrio mit einem "offeneren" System als beim Quartett zu tun. Die Einzelstimmen sind herausgehobener, solistischer. Davon abgesehen hat der Klang zweier Streicher und eines Klavieres natürlich eine größere Farb-Palette (und wird in diesem Punkt von Klarinettentrio und Horntrio (Brahms)) sogar noch übertroffen.


    Freundliche Grüße


    Heinz Gelking

    Hallo,


    nur eine kleine Gegenrede: Ich finde die weißen Pappcover der musique d'abord-Reihe ausgezeichnet. Anders als übliche Jewel-Cases brechen sie beim Hinfallen und Drauftreten nicht auseinander und anders als bei den "Kartontaschen" hochpreisiger Buchbinder-Hüllen (z.B. Winter&Winter) muss man die CD beim Reinschieben nicht über eine Papier- bzw. Papp-Fläche schieben.


    M.E. ist das die sinnvollste (vielleicht nicht: ästhetischste) Möglichkeit, eine CD zu verpacken.


    Nur am Rande möchte ich darauf hinweisen, dass in der musique d'abord-Reihe jede Menge Herreweghe-Aufnahmen wiederveröffentlicht wurden, aber auch moderne Musik (Boulez, Berio,...).


    Und zumindest in Frankreich kosten die CDs in den großen Läden (FNAC u.ä.) gerade mal um die 6 Euro (deutsche Preise kenne ich nicht, dürfte aber auch günstig sein).


    Freundliche Grüße


    Heinz Gelking

    Hallo,


    klingsor:


    Wer ist "paita"? Der Name sagt mir gar nichts.


    @Frank:


    Interessant, den Namen Cluytens zu lesen. Ich kenne nur einzelne Beethoven-Aufnahmen von ihm (vor ca. 2 Monaten habe ich beispielsweise die "Eroica" und die Erste gehört; weitere LPs stehen noch ungewaschen im Regal), stimme aber vollkommen zu: Clytens ist ein ausgezeichneter Beethoven-Dirigent.


    @Alle


    Interessant ist die häufige Erwähnung von Carlos Kleiber. Erich Kleiber (der Vater) hat ebenfalls fantastische Beethoven-Einspielungen gemacht (ich kenne 3,5,6,7,9), von denen 3&5 in der DECCA-Legends-Reihe erschienen sind. Faszinierend! Allerdings verzichtet er (den Schellack-Spielzeiten geschuldet?) manchmal auf Wiederholungen.


    Über die bereits von vielen genannten GAs hinaus (Szell, Leibowitz, Konwitzschny,...) finde ich auch den Dresdener Zyklus mit Herbert Kegel sehr gut (und die Klangtechnik überzeugt sehr!)


    Mrawinskys "Vierte" wurde von jemandem erwähnt - sie ist in der Tat absolut faszinierend (Live-Aufnahme auf Melodiya-LP). Zu den wichtigen Einzelaufnahmen zähle ich auch diejenigen von Fricsay (5?, 7, 9 - alle DG).


    Freundliche Grüße


    Heinz Gelking

    Hallo,


    Masur hat eine sehr gute Mendelssohn-Sinfonien-GA gemacht (bei ETERNA). Sie gefällt mir ebenso gut wie die Wiener Dohnanyi-Einspielung (die ist allerdings auch toll).


    Freundliche Grüße


    Heinz Gelking


    Oh, es gibt ziemlich viel Mißlungenes: Sein Brahms-Requiem, seine Schumann-Sinfonien, die (späteren) Beethoven-Aufnahmen...


    Mein schlimmstes Karajan-Erlebnis war Bachs h-moll-Messe (irgendwie war die beim Kauf einer LP-Sammlung "dabei") - da sollte man ihn allerdings vielleicht nicht am Kenntnisstand bzw. an der heute üblichen Interpretationshaltung messen. Karajan ist m.E. da am besten, wo er die grandiosen Berliner Philharmoniker in die Waagschale werfen konnte und deren Luxusklang zur Musik passt: Strauss, Holst, Bruckner, etc.


    Ein Macht-Politiker war Karajan auf jeden Fall. War es nicht Bernstein, der viele Jahre nicht mit den Berlinern auftreten durfte, weil er in einem Interview ein unbedachtes Wort über HvK fallen gelassen hatte? Ich erinnere mich, das irgendwo gelesen zu haben.


    Freundliche Grüße


    Heinz Gelking

    Hallo,


    es gibt übrigens eine Aufnahme der Nr. 15, bei der Schostakowitschs Sohn Maxim das Große Radio-Sinfonieorchester Moskau dirigiert. Sie entstand vermutlich in den 70er-Jahren (Melodiya-LP). Ich meine, dass sie mir damals besser gefallen hat als Barshais WDR-Aufnahme (um nicht zu sagen: dass sie mich begeistert hat!); ist aber sicher zwei Jahre her, dass ich beide gehört und verglichen habe.


    Freundliche Grüße


    Heinz Gelking

    Eine Interessante Palette an Aufnahmen wird hier vorgestellt. M.E. fehlt jedoch ein sehr wichtiger Interpret: Siegried Lorenz. Er hat sowohl "Winterreise" als auch "Müllerin" in den 80er Jahren aufgenommen (Klavier: Norman Shetler). Beide Aufnahmen sind bei Berlin Classics wiederveröffentlicht worden. Ich finde die Aufnahmen besser als Wunderlichs oder Preys "Müllerin" oder DFD "Winterreise" (mit Moore, DG - andere von DFD kenne ich nicht).


    Lorenz gelingt es ideal, einerseits singend den Text auszudeuten, andererseits Gesangslinien intakt zu halten. Die Aussprache ist ideal (maximale Textverständlichkeit, ohne DFDs Übertreibungen), die Stimme klingt frisch (intakter als Preys oder DFDs), kurzum: meine Lieblingsaufnahme!


    Gerade bei der Winterreise stellt sich natürlich die Frage nach der Funktion des Sängers: Soll er zuerst singen oder zuerst deuten (von Kesting im DFD-Kapitel seines Sänger-Buches ja breit diskutiert). Bei mir stellt sich Betroffenheit oder "innere Beteiligung" eher ein, wenn zuerst makellos gesungen wird und - beispielsweise - dynamische Ausdrucksmittel in den Fluss des Singens eingebunden werden. Überspitzt gesagt: Ich möchte einen Klavierlieder-Zyklus hören, kein Hörspiel. Und genau diesem Wunsch entsprechen Siegried Lorenz' Aufnahmen so vortrefflich. Völlig unterschätzt, dieser Ost-Berliner Bariton!


    Ähnliches gilt für Peter Schreiers Brahms- und Schumann-Aufnahmen.


    Freundliche Grüße


    Heinz Gelking


    Mal gucken, ob es klappt hier einen Link einzubauen: http://www.amazon.de/exec/obid…_0_40/302-9599199-1903204

    Hallo,


    ein bißchen OT, aber es gibt eine schöne Abwandlung von "Sex sells", die aus der amerikanischen Plattenindustrie der 60er Jahre kolportiert wird, nämlich "Szell never sells".


    Nur eine Randbemerkung.


    Freundliche Grüße


    Heinz Gelking

    Hallo,


    es gibt über die schon erwähnten Aufnahmen hinaus mindestens noch einen kompletten Brahms-Zyklus mit der Staatskapelle Dresden (Eterna-LPs), der leider offenbar (derzeit?) nicht auf CD erhältlich ist.


    Ein weiterer Grund, warum es nicht ohne Plattenspieler geht...


    Freundliche Grüße


    Heinz Gelking

    Hallo,


    sehr günstig und sehr gut: Die Gesamtaufnahme der Sibelius-Sinfonien von Kurt Sanderling mit dem Berliner Sinfonie-Orchester bei Brilliant Classics. Über das peinliche Cover gilt es hinwegzusehen...


    Für Vinyl-Fans: Die Aufnahmen gibt es auch als Eterna-LPs (natürlich nur gebraucht).


    Völlig unterschätzt übrigens, dieser Dirigent - hätte eine Alterskarriere wie Wand verdient gehabt. Jetzt hat er sich "ins Privatleben zurückgezogen".


    Freundliche Grüße


    HG

    Hallo,


    zu wenig Distanz? Kann schon stimmen... Wer hat wohl den booklet-Text zu Fischer-Dieskaus neuer Doppel-CD (...rezitiert Melodramen...) geschrieben? - Genau: Jens Malte Fischer. Da ist die Distanz tatsächlich nicht groß...


    Freundliche Grüße


    HG

    Hallo,


    Kurt Masur hat die 1841er-Fassung auch bei der Eröffnung des Leipziger Gewandhauses dirigiert. Der Konzertmitschnitt aus dem Jahr 1981 ist damals als Eterna-LP erschienen.


    Brahms soll die 1841er-Fassung übrigens bevorzugt haben, das nur nebenbei.


    Mich wundert, dass niemand Kubeliks Aufnahme mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks erwähnt (CBS-LPs aus dem Jahr 1979). Sehr schön, gefallen mir besser als seine Aufnahmen mit den Berliner Philharmonikern aus den 60er-Jahren.


    Die Dresdener Sawallisch-Gesamtaufnahme finde ich aber auch gut.


    Vor der Szell-Aufnahme habe ich größten Respekt, und noch vor ein paar Jahren hat sie mich total begeistert. Mein Problem, inzwischen: Egal ob Brahms, Schumann oder Tschaikowsky - bei Szell klingt alles immer gleich "sportiv". Ist für Schumann-Interessierte aber auf jeden Fall eine GA, die man mal gehört haben "muss".


    Freundliche Grüße


    HG