Hallo,
eine Woche nach dem Abschlusskonzert möchte ich auch noch ein paar Eindrücke von dem Projekt niederschreiben.
Leider konnte ich mir aus zeitlichen, d.h. beruflichen Gründen nicht die interessanten Vorträge anhören- ließ mir aber immer zumindest von chorknabe immer aus erster Hand darüber berichten....
So werde ich hier vor allem etwas zu einigen Stücken des Konzertes sagen:
Die Auswahl der drei Komponisten war sehr glücklich, da sie alle drei mit sehr unterschiedlichen Ansätze bekannt machten.
Zuerst einmal finde ich es interessant, dass alle drei Werke eine große Mehrstimmigkeit verlangten: FÜTING (SSATBB/ SSATB), KEUK (SSS/AAA/TTT/BBB) und HEIEGENHAUSER noch eher moderat (SSATTB- teilweise noch weiter unterteilt bis zur Achtstimmigkeit).
Das Werk von Reiko FÜTING (*1970) begann mit der ersten Strophe des Abendständchens („Hör, es klagt die Flöte wieder“), welches aber vom Komponisten von original 6 auf 12 Stimmen verteilt wurde. Die erste Strophe des Brahmsliedes ging dann nahtlos in die eigene Komposition über, welches mit sehr sparsamen und zurückhaltenden Mitteln, die Struktur des Liedes aufgriff und dieses immer weiter durch Verfremdungen auflöste. Besondere Bedeutung erlangte hier auch die Sprache, bei der die Worte bis hin zu einzelnen Konsonanten (s, sch, f, etc.) in verschiedene kleinere komplexe Strukturen aufgelöst wurden. Dabei war die ganze Zeit der Ton D als Orgelpunkt von wechselnden Stimmen gesummt. Das Stück schloss mit der 2. Srtophe des originalen Abendstänchens (wieder auf 12 Stimmen verteilt).
Eine Besonderheit dieses Werkes war, dass Noten entsprechend der Dynamik rhythmisiert notiert wurden, d.h. eine gehaltene Dreiviertel-Note wurde in zwei (übergebundene) dreiviertelachtel-Noten unterteilt, um eine gleichmäßiges crec. – decres. zu notieren.
Das Stück ist zwar tonlich nicht besonders schwer (und auch rhythmisch nur selten komplizerter), offenbarte aber große Anforderung in Hinsicht auf Intonation Homogenität und Präzision.
Das Stück von Alexander KEUK (*1971) war mehr mit spielerischen Lautmalereien erfüllt und enthielt (meiner Meinung) auch einige ironische Elemente. Mit teilweise recht einfachen Mitteln (verfremdete Atemgeräusche) wurden sehr schöne Stimmungen erzeugt, so stand hier der für mich das Atmosphärische im Vordergrund.
Das Werk von Florian HEIGENHAUSER (*1963) war für micht das anspruchsvollste, aber vielleicht auch das interessanteste Stück dieser „Trilogie“, Rhythmisch -zumindest beim ersten Kontakt- sehr ungewohnt (3+4+2+3+3/ 8- Takt im Mittelteil 5+5+5/ 8-Takt), war es auch tonlich durch starke Clusterbildungen im Zusammenklang anspruchsvoll. Geschickt wurde hier vom Ausgangspunkt des BRAHMSschen „Leblos gleite Blatt um Blatt“ Texte aus dem „Deutschen Requiem“ (z.B. „...alles Fleisch ist wie Gras...“) sowie auch aus den „Vier ernsten Gesängen“ verwoben. Gerade bei diesem Stück war für mich die Anwesenheit des Komponisten sehr interessant. Da dieser erst gegen Ende der Probenphase hinzukam, wurden dann noch relativ kurzfristig Korrekturen in der Interpretation (z.B. Tempo) vorgenommen, die den Charakter des Werkes doch stark veränderten. Dabei hat der Komponist mit dem ersten Hören seines Werkes auch spontan einige seiner Anweisung (besonders der Dynamik) gerändert. Gerade hier war es für mich sehr spannend, da man hier den interessanten Vergleich hatte, wie man das Werk „nur“ aus den Noten interpretiert, und wie weit dies mit den Vorstellungen des Komponisten übereinstimmt.
Interessant, dass die Schwierigkeit der einzelnen Werke von den verscheidenen Stimmgruppen zum Teil erheblich unterschiedlich emfunden wurde.
Ebenso faszinierend war für mich auch, im persönlichen Kontakt mit den „Werkschöpfern“ zu erleben, wie ich doch deutliche Ähnlichkeiten zwischen dem Charakter der Werke und der Komponisten warnahm.
Erwähnen möchte ich hier auch unbedingt die Werkstattkurskomposition von Karsten. GUDNERMANN (*1966), die ich im Konzert zum ersten Mal hörte (und sah).
Ausgangspunkt waren (die uns hier ja auch sehr vertrauten) kleinen Graphiken, wie z.B. Simleys, die uns im Leben immer häufiger begegnen. Zum anderen versuchte der Komponist mit diesem Werk auch für die -in Besetzung und Können- vorher eher unbekannten Workshop-Teilnehmer ein anpassungfähiges Stück zu schreiben.
Den korrekten Titel des Werke kannman hier auch leicht wiedergeben:
E M
T I K
Die Notation erfolgte in Form eines Films, welcher in zeitlicher Anfolge die Graphiken erscheinen liess, die zum Teil mit einem kurzen Wort erklärt wurden. Dabei verlangt das Stück fünf Gruppen, wobei die fünfte Gruppe das Publikum bildet (welches deshalb erst im Konzert hinzutrat). Art, Dauer, Lage (oben/ unten) sowie Intensität des Zeichens waren die nötigen Angaben zur Ausführung. Es begannen immer die vier Gruppen der Workshop-Teilnehmer, welche in vier Gruppen im Raum verteilt waren, sie stellten die „Themen“ in der Art eines „Vorsängers“ vor, später wurde dann das Publikum miteinbezogen. Schade nur, dass sich der Komponist -meiner Meinung- zuviel auf den „Spass“ seiner Idee verlassen hatte, und das ganze mehr ein Spiel wurde (d.h., das Publikum, welches größtenteils freudig mitwirkte, war mehr damit beschäftig alle Anweisungen richtig auszuführen, als sich auf Stimmung und Klänge einzulassen.), als die große Kraft dieser schönen Idee zu besonderen Klängen zu nutzen.
Interessant, das man dieser Werk wohl mit jedem Publikum überall auf der Welt aufführen kann (so ein Bildschirm/ Beamer zur Verfügung steht) und auch für Kinder erscheint mir dieses Werk hervorragend geeignet. Dabei dürfte auch der Part der „Workshop-Teilnahmer“ leicht von vielen zu erlenen sein.
pt_concours
Schön, dass es auf diesem Wege zum ersten „Tamino-Stammtisch“ in Dresden kam, wobei natürlich das Thema „Chormusik“ eine Hauptrolle spielte.