Zitat
Original von Alfred_Schmidt
Dennoch Ich halte Webers Klaviersonaten für hochinteressant - und auch das Angebot ist gar nicht so klein
....
Auf jeden Fall sollte man die Sonaten kennen...
Hier möchte ich Alfred unbedingt Recht geben, und dazu den Biographen F.W. Jähns zitieren:
„Die Sonaten op. 24, 39, 49 u. 70 sind die umfangreichsten aller Intrumental-Werke W.’s, denn sie haben, incl. 885 Tacte Reprisen u. Da Capo’s zusammen 4486 Tacte, also nur 64 Tacte weniger, als die umfangreichste Oper „Euryanthe“ mit 4550 Tacten, incl. 88 T. Reprisen.“ (1871)
:faint: 
Ich habe mir jetzt für meinen Beitrag zum wiederholten Male diese 1.Sonate angehört, und meine Begeisterung für dieses Werk ist eigentlich nur gewachsen!
Warum ist dieses herrliche Werk so wenig bekannt?
„Webers ureigene musikalische Sprache basiert auf seiner opernhaften frühromantischen Farbigkeit und effektvollen Dramatik. Dies spiegelt sich in seiner 1812 entstandenen 1. Sonate C-Dur Opus 24 wieder, welche eines seiner tollkühnsten und originellsten Klavierwerke ist.“ M. Endres (Jahreszahl korigiert/ pt_c)
Entstehung
Leider konnte ich die Entstehung des Werkes, trotz intensiver Bemühungen, nur teilweise in Erfahrung bringen. Das Werk ist der Großfürstin Maria Pawlowna gewidmet, die Tochter des russischen Zaren und Gemahlin des Erbprinzen Carl Friedrich von Sachsen-Weimar war.
WEBER war im Januar des Jahres 1812 zusammen mit dem Münchner Klarinettisten Bärmann zum Hof des Herzogs August nach Gotha eingeladen worden. Von dort gelangten die beiden Musiker dann mit einem Empfehlungsschreiben nach Weimar, wo die Großfürstin von ihnen sehr beeindruckt war. Später in Berlin schrieb dann WEBER die Sonate, um sie der Fürstin im September zu übergeben. So schreibt WEBER in einem Brief an den Freund Rochlitz am 12. Sept:“ Die Grossfürstin hat mich vor der Hand dringend um die Sonate gebeten, die dann auch in sauberem Saffian-Ueberrock künftige Woche hinüberspazieren wird“. Anscheinend wollte die Großfürstin die Sonate selber spielen, den WEBER schreibt in einem weitern Brief am 1. Nov. 1812 aus Weimar an H. Lichtenstein in Berlin: “Die Grossfürstin will gern die Sonate unter meiner Leitung spielen, hat aber selber schon öfter gesagt, sie glaube, sie lerne sie in ihrem ganzen Leben nicht ordentlich; und wenn sie keine Grossfürstin wäre, würde ich so frei sein, ihr vollkommen Recht zu geben, aber so- muss man sehen ,wie weit man es bringt“.
„Die Sonate erschien am 30. Nov 1812; am 30. Dez erhielt W. das erste gestochene Exemplar davon.“ (F.W. Jähns)

Maria Pawlowna, Porträt von Wladimir Lukitsch Borowikowski (1825)
Das Werk:
Es ist oft geschrieben worden, dass die Klaviersonate von BEETHOVEN zu ihrem Ende geführt wurde, WEBER, SCHUBERT, SCHUMANN und CHOPIN haben in ihren Werken nicht mehr ganz dem Wesen gemäß geschrieben. Und so hat WEBER hier (wie später auch CHOPIN) „eine Ansammlung von vier heterogenen dramatischen Situationen, welche kaum den herkömmlichen Begriff der Sonate rechtfertigen.“ (M.Endres) geschaffen.
Übrigens hat gerade CHOPIN WEBERs Klavierwerke sehr geschätzt, selber gerne gespielt und von seinen Schülern „avec en soins extrem“ (mit äußerster Sorgfalt) studiert.
Auf die Parallelen der ersten Takte dieser Sonate zum Beginn der Etüde Nr.12 op.10 („Revolutions-Etüde“) von CHOPIN wurde daher auch schon mehrfach hingewiesen!
Es sind vor allem die ständigen Stimmungswechsel, die diese Sonate so reizvoll machen. In jedem Satz finden sich plötzliche Wendungen, die durch starke Farbkontraste gekennzeichnet sind. Allgemein kennt man diese Effekte von WEBERs späteren Werken, wo z.B. im Freischütz plötzlich „dunkle Mächte“ in freundliche Harmonien hereinbrechen. „Sprunghaft wechseln hier die Situationen anstelle von kontinuierlicher Entwicklung“ (M. Endres)
Klaviersonate Nr. 1 C-Dur op.24 (1812) J138
„ A Son Altesse Impériale Madame la Grande-Duchesse Marie Paulowna, Princesse héréditaire de Saxe Weimar“
- I. Allegro
- II. Adagio
-III. Menuetto/ Trio Poco ritenuto
-IV. Ronde Presto
Die vier Sätze der Sonate sind übrigens in umgekehrter Reihenfolge entstanden, WEBER notierte in sein Tagebuch:
- Berlin, 12. Apr. „Rondo in C L’infatigable componiert.“
- 15. “Rondo in C vollendet.”
- 14. Juni und 15. Juli „ An der Sonate componiert in C Dur .“
- 31. Juli „Menuett und Rondo aufgeschrieben“
- 18. Aug. „Adagio comp. zur Sonate.“
Wie man sieht, beabsichtiget WEBER ursprünglich das Rondo, welches später- zuerst durch ALKAN (?) dann allgemein- “Perpetuum mobile genannt wurde, den Titel „L’infatigable“ (Die Unermüdliche) zu geben, eine Idee, die er später aber wieder aufgab. Das Stück wurde zum Standardrepertoire der Virtuosenliteratur und meistens unabhängig von der Sonate aufgeführt.
Dass die Sonate von einem hervorragenden Pianisten geschrieben wurde, merkt man in jedem Takt, dabei ist das Werk vielleicht noch weniger orchestral gedacht, als die Sonaten Nr. 2 & 3 („ ...unter den 4 genannten .... am meisten Pianoforte-Werk“ F.W. Jähns 1871)
Für weitere Details zu den einzelnen Sätzen möchte ich auf den Text von M.Endres hinweisen, der hier wunderbar die einzelnen Sätze dieser Sonate (und der folgenden charakterisiert).
Interpretationen:
Ich habe die Sonate in der bereits erwähnten Einspielung mit C. Arrau aus dem Jahr 1941 kennen gelernt. Obwohl klanglich wenig befriedigend ist sie musikalisch für mich immer wieder ein großes Ereignis, sicher auch, weil die Begriffe „ritterliche Eleganz“ und „romantische Seele“ zu den Interpretationen Arraus genauso passen wie zu den Klavierwerken WEBERs. (Arrau spielt die Sonate leider ohne die Wiederholungen)
Auch die Aufnahme mit A. Paley (rec. 1994) ist empfehlenswert, zwar spielt er nicht mit solch stürmischer Dramatik wie Arrau, und es gelingt ihm auch weniger, die großen Bögen zu spannen. Dafür holt er aber so manches Detail gelungen hervor.
Neben den oben bereits genannten Gesamtaufnahmen (A. Girod, G. Ohlsson, M. Endres, J. Vermeulen, H. Milnes) habe ich noch zu folgende Pianisten Hinweise über eine einzelne Einspielung dieser Sonate gefunden:
- W. Backhaus,
- N. Magaloff,
- S. Richter,
- J. Kouri (Fortepiano Jacob Pfitzner 1825).
Wer kann zu der Einspielungen von Backhaus, Magaloff und Richter genauere Angaben machen?
Ich hoffe, ich konnte hier zu einer Beschäftigung mit dem Werk, welches meiner Meinung den Klaviersonaten von SCHUMANN oder CHOPIN nicht nachsteht, anregen!
Gruß pt_concours
Quellen:
- F.W. Jähns: Carl Maria von Weber in seinen Werken (1871)
- M. Endres bei oehmsclassics
Zitat
Original von Johannes Roehl
Gilels und Fleisher scheinen leider nur ziemlich teuer über Marketplace zu haben zu sein, oder gibt es da günstigere Quellen.
Gerade die beiden Einzelaufnahmen von Gilels und Fleischer konnten mich (bisher?) noch nicht richtig überzeugen.