Beiträge von thdeck

    Das eben das im Parsifal verhandelt wird ist völlig unstreitig, die Frage ist nur, auf welches Tableau das gespannt wird.

    "Mitleid", da sind wir uns einig. Der Künstler (Wagner) legt also das Grundthema fest und sucht dann nach einer adäquanten Umsetzung. Und da sind halt christliche Elemente nicht ganz abwegig. Zentral beim Christentum (jedenfalls dem usprünglichen) ist: "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst." Das ist schon ziemlich nah am Thema "Mitleid". Aber im 19. Jahrhundert war schon längst klar, dass diverse real existierende Rituale des Christentums in eine Sackgasse führen. Durch vieles Beten wird die Welt nicht besser. Aber die Sehnsucht nach "Erlösung" bleibt.


    Fazit:

    Es ist durchaus naheliegend, die Grundthematik (Mitleid) anhand christlicher Motive abzuarbeiten. Daher dann auch die "Männerbünde". Aber die Frauen kommen ja nicht zu kurz, bei weitem nicht. Sie werden nur anders dargestellt. Komplexer, um es genau zu sagen. Kundry ist eine der größten Frauenrollen in der Operngeschichte. In einer Reihe mit Brünhilde und Elektra. Aber komplexer als beiden zusammen.

    Ein reiner Männerverein, der überdies mit Blick auf Kundry doppelt frauenverachtend ist, wem will man das heute vermitteln?

    Jetzt wird mir echt schlecht. Beim Parsifal geht's doch nicht um Mann vs. Frau. Es geht um Mitleid, und dann um Erlösung durch Mitleid.


    Männer und Frauen bekommen da gleichermaßen ihr Fett weg. Die Männer wollen die Welt retten, aber am Ende geht es ihnen nur um Ruhm. Sie wollen "Helden" sein, sind aber doch nur eitel. Sie meinen, durch viel Beterei kommt man dem Ziel näher. Aber sobald sie einen Frauenrock sehen, denken sie nur noch an das eine. Da vergessen sie alle "Heldentaten". Klingsor hat das durchschaut. Er tickt ja am Ende auch nicht anders.


    Kundry hat einen bösen Fehler gemacht: Kein Mitleid gezeigt. Das will sie durch blinden Aktionismus wieder gutmachen. Bringt aber nix. Du kannst das nicht mehr wieder gutmachen. Du kannst nur hoffen, dass dir jemand verzeiht. Und dir vornehmen, diesen Fehler (kein Mitleid zu haben) nicht mehr zu machen.


    Parsifal ist der einzige, der das verstanden hat (wofür er Jahrzehnte brauchte). Daher ist er der einizige, der diese Fehlgeleiteten (beiderlei Geschlechts) erlösen kann.


    Die Parallelen zum Christentum sind eher zufällig. Da geht es zwar auch um Mitleid. Aber auch um Frömmigkeit. Also möglichst viel beten. Dadurch wird aber keiner erlöst. Eigentlich kann man das Werk auch als Kritik am real existierenden Christentum interpretieren.


    Frauenverachtend???


    Kundry ist die zentrale Figur, also Rolle sogar wichtiger als Parsifal. Normalerweise bekommen Männer solche Rollen. Der tragische Held. Frauen sind nur dazu da, sein Schicksal zu lindern oder ihn gar zu "erlösen". Also Beiwerk. Beim "Parsifal" ist es umgekehrt, da steht eine Frau im Mittelpunkt. Ja, sie macht nicht immer "bella figura". Aber das kann nur jemand kritisieren, der Frauen generell darauf reduziert, schön, elegant und "würdevoll" zu sein.



    Man kann sich fragen, wie Wagner zu dieser späten Einsicht kam. In früheren Opern ging es ja um Heldentum, Selbstverwirklichung.

    Wagner hatte offensichtlich dazugelernt. Er war inzwischen fast 70...

    Von Haydn kenne ich vieles aus der Zeit von 1750-1780, also der Zeit nach Bach. Und Bach ist nach Haydn sogar mein zweithäufigster Komponist (zusammen mit Mozart). Jetzt frage ich mich, mit welchen Werken ich die Zeit "zwischen Bach und Haydn" genauer untersuchen kann. Sind da die Bach-Söhne geeignet? Wenn ja, welche und mit welchen Werken?


    Es geht mir nicht darum, diese Zeit irgendwie "komplett" zu erfassen. Sondern: Welches sind die repräsentativsten Werke. Insbesondere als Bindeglied zwischen Barock und dem frühen bis mittleren Haydn. Muss man sich da an die Bach-Söhne halten? Wenn ja, warum? Wenn nein, warum nicht?


    Bei der Oper ist es klar: Gluck.


    Unklar: Klaviermusik, Streichquartett, Sinfonie, Solokonzert


    Ok, die "Mannheimer Schule". Aber von denen scheint kein Werk so wichtig zu sein, dass es einen eigenen Wikipedia-Artikel hat.


    Bzgl. Klavier wäre CPE Bach denkbar. Mit welchen Werken?


    Streichquartett: Boccherini? Oder sind von ihm andere Kammermusikwerke wichtiger?

    Deine Auflistung wird wohl keiner übertreffen. Es sei denn, es findet jemand ein paar Fehler oder bringt ein paar wesentliche Ergänzungen.


    Aber was will uns der Künstler jetzt sagen?


    Ich behaupte, er übertreibt maßlos. Und vor allem übeträgt er seine Sozialisation und die daraus entstandenen Sehgewohnheiten auf den Rest der (italienischen) Welt. Es darf natürlich Italien-zentriert sein, da er sich an ein italienisches Publikum wendet. Aber mir erscheint es vor allem Remo-Remotti-zentriert.


    Andere Meinungen?

    Also gut, aber es wird jetzt etwas arbeitsintensiver. Vielleicht auch spannender. Mal sehen. Neulich besorgte ich mir diese CD:

    Primary


    Das ist mehr so eine Art Hassliebe. Ich bin zwar Italien-Fan durch und durch. Und "Tribù Italiche" ist der Versuch, jede der 20 Regionen mittels "echter" traditioneller Musik abzubilden. Aber die CDs sind echt anstrengend. Und doch habe ich sie inzwischen fast alle. Die hier abgebildete hat das Thema "Lazio", also die Hauptstadtregion. Da fand ich diesen Song:


    Remo Remotti: Noi non riusciamo più a vedere


    Meine erste Notiz, die so immer noch in meiner Begleit-Word-Datei steht, lautete, Zitat:

    "Klugscheißer, der alle möglichen Kunstwerke aufzählt"


    Eure (und meine) Aufgabe ist es nun:


    (1) alle diese Kunstwerke aufzulisten

    (2) eine Deutung des Liedes zu geben


    Letzteres darf auch gerne ein Verriss sein. Dann aber bitte begründet. Wobei ich nach wie vor davon ausgehe, dass sich der Künstler bei seiner Aufzählung etwas gedacht hat. Auf YouToube wird er durchaus gelobt.


    Hier das Lied:


    Und hier der Text, falls jemand nicht so gut Italienisch kann:

    https://micheblog.wordpress.co…n-riusciamo-piu-a-vedere/


    So kann man es übersetzen:

    https://translate.google.com

    https://www.deepl.com/translator


    Oder direkt übersetzt:

    https://micheblog-wordpress-co…x_tr_hl=de&_x_tr_pto=wapp



    Viel Spaß!

    Es hat sich wohl nicht um eine fristlose Kündigung gehandelt, sondern um eine Vertragsauflösung in beiderseitigem Einvernehmen. Es kann spekuliert werden, ob da ein "golden handshake" mit ihm Spiel war - zur finanziellen Seite hat man wohl nichts bekanntgegeben.

    "In beiderseitigem Einvernehmen" geht nur mit Abfindung.


    Es sei denn, einer der beiden ist vom Schwachsinn befallen. Wovon ich erst mal nicht ausgehe.

    Der Kandidat heißt William Callow (1812-1908). Hat offensichtlich gesund gelebt. Und ist herumgereist: "Callow machte ausgedehnte Reisen über die Niederlande, Belgien, eine Rheinreise und danach durch die Schweiz nach Italien." (Wikipedia) Die deutsche und die schwedische Wikipedia nennen auch ein paar Bilder, die aus diesen Reisen entstanden sind. Das hier gefragte ist zwar nicht dabei, aber man findet es auch so:


    Mainz (1895)

    https://www.kunstkopie.de/kunst/william_callow/mainz.jpg


    Angeblich im Besitz von Christie's, London. Also einfach hinfahren, Kreditkarte zücken, und das Werk anschließend im Wohnzimmer aufhängen.


    PS: Peter Cornelius (1824-1874): geboren und gestorben in Mainz. Ich bin demnächst aber in Wiesbaden...

    Eigenzitat: "Aber Künstler sind definitiv nicht dazu da, den Willen des Komponisten auszuführen. Das wäre die Aufgabe von Musikwissenschaftlern."


    Damit meine ich: Musikwissenschaftler können eine historisch "korrekte" Aufführung beschreiben. Der Idealvorstellung des Komponisten entsprechend.


    Die Umsetzung kann dann aber keine Kunst mehr sein, das ist reines Handwerk. Das wird dann ein Mal gespielt, auf einen Datenträger überspielt, und dann war's das. Irgendwann übernimmt das ein passend programmierter Computer, neudeutsch "künstliche Intelligenz" genannt.


    Mit Kunst hat das aber nichts zu tun. Das ist Wissenschaft, mit handwerklicher bzw. (in Zukunft) Software-Unterstützung. Natürlich hochinteressant. Aber halt nur so lange, wie man auf der Suche nach dem Endergebnis ist. Sobald man dieses hat, kann man es irgendwo abspeichern und sich mit neuen Dingen beschäftigen.

    Hinweis: Im Parsifal gibt es keinen Antisemitismus.


    Falls zufälligerweise neue "Belege" aufgetaucht sind, bitte nennen. Und zwar so, dass man sie nachlesen kann.



    Davon abgesehen, ist es natürlich sinnvoll, sich mit dem Willen des Komponisten zu beschäftigen. Aber Künstler sind definitiv nicht dazu da, den Willen des Komponisten auszuführen. Das wäre die Aufgabe von Musikwissenschaftlern.


    Künstler sind dazu da, Kunst zu machen, also etwas Neues zu kreieren. Wissenschaftler sind dazu da, Dinge zu analysieren.


    Zum Thema HIP und Barock:

    Hier betätigen sich Musiker (also Künstler) als Wissenschaftler, und das ist immer problematisch. Kunst ist subjektiv, Wissenschaft ist objektiv. Das lässt sich nur schwer unter einen Hut bringen.

    Die hier erwähnten Musiker (also Künstler) sind immer bestrebt, etwas Neues, und vor allem auch Interessantes zu machen. Das bleibt auch so, wenn sie sich wissenschaftlich betätigen. In der Wissenschaft ist es aber so, dass bei der Untersuchung herauskommen kann, dass man nichts Neues findet. Oder man findet etwas Neues, aber es ist langweilig, oder banal, oder irrelevant. Es war dann wissenschaftlich interessant, aber in der Praxis nutzlos. Für einen Künstler ist so etwas natürlich inakzeptabel...

    Als Mathematiker und Ingenieur sehe ich das rationaler. Wobei ich das natürlich(!) auch schon getestet habe. Rational heißt: Auch potenziell "irrationalen" Thesen nachgehen. In meinem Fall erschien es aber rational: "Passende" Bach-Kantaten nach dem Tod meines Vaters. Funktionierte nicht.


    Mir ist mittlerweile klar:


    - Für akute Probleme hilft eine "geeignete" Methode der Verarbeitung. Wobei man leider keine allgemeingültige Tipps geben kann. Das hängt vom konkreten Ereignis ab (Trennung, Tod, Vergewaltigung, etc.) und von der Psyche der jeweiligen Person. Musik kann helfen, muss aber nicht. In meinem Fall (s.o.) war es eine Woche Urlaub mit meiner Mutter.


    - Bei grundlegenden Problemen, also solchen, bei denen man keine konkrete Ursache ausmachen kann, gibt es auch nichts, was man "verarbeiten" kann. Da lautet die Lösung: Beschäftigung mit einem Thema, das einen anregt und ausfüllt. Das ist leider leichter gesagt als getan. Aber es ist der Grund, weil Musik manchmal helfen kann. Du lernst einen neuen Komponisten kennen, und du bist monatelang begeistert und damit beschäftigt. Nicht nur während des Hörens, sondern auch vorher und nachher. Sogar im Bett vor dem Einschlafen. Also auch zu den Zeiten, zu denen du vorher "depressive" Gedanken hattest.


    Das funktioniert im Prinzip mit jeder anderen Sache genauso: Neue Partnerschaft, neuer Arbeitsplatz, neue Stadt, neue Urlaubsregion, neue Sportart.

    Aber auch hier gibt es kein Patentrezept. Erstens ist die Wirkung bei jeder Person anders. Zweitens besteht das Dilemma, dass die Person in der Regel gerade nicht die Kraft hat, etwas Neues anzufangen.


    Übrigens ist das ein grundlegendes Problem der Menschheit, von Anfang an. Adam und Eva haben sich im Paradies gelangweilt. Ihnen fehlte der Sinn. "Draußen" fanden sie ihn dann. Der Mensch braucht Herausforderungen bzw. Aufgaben. Egal ob körperlicher oder geistiger Art. Genau das haben die Autoren der Schöpfungsgeschichte erkannt. Es ist also egal, ob man die Schöpfungsgeschichte glaubt oder nicht. Die Aussage bleibt gleich: Der Mensch braucht eine Aufgabe.

    Ich bin kein Experte im Bereich des zeitgenössischen Musiktheaters, aber eine relevante Oper des 21. Jahrhunderts kenne ich: Aribert Reimanns "Medea", uraufgeführt 2010 in Wien. Ich habe das Werk vor einigen Jahren in Essen gesehen.

    Interessant. Das Werk hat einen Wikipedia-Artikel, und es gibt Aufnahmen davon.


    Mir fällt gerade ein weiteres Kriterium ein. Einer der umfangreichsten Opernführer ist Avant Scène Opéra:

    https://www.asopera.fr/fr/17-operas-publies


    Die haben satte 237 Bände. Reimann ist sogar dabei, aber nur mit seiner Oper "Lear" (1978).


    Es gibt aber auch einen Band mit dieser Oper:

    Thomas Adès: The Tempest (2004)

    https://www.asopera.fr/fr/oper…ies/2268-the-tempest.html


    Des weiteren:

    George Benjamin: Written on Skin (2012)

    https://www.asopera.fr/fr/oper…/163-written-on-skin.html



    Kennt jemand diese Opern?

    Meine eigene CD-Sammlung hört beim Thema "Musiktheater" im Jahr 1997 auf: "The Lion King"


    Das muss nichts heißen. Gehen wir meine London-Besuche durch. Da gibt es tatsächlich ein paar Treffer:

    We Will Rock You (2002)

    Jersey Boys (2005)

    Legally Blonde (2007)

    Billy Elliot (2005)

    Matilda (2010)

    The Book of Mormon (2011)


    Das war alles ziemlich gut, teilweise sehr gut (aufgrund der Performance der Darsteller). Aber ich befürchte, keines der genannten Werke wird man in 100 Jahren noch spielen.


    Relevante Opern aus den letzten 22 Jahren kenne ich nicht.


    Bzgl. Musical wird "Hamilton" (2015) sehr gelobt. Steht beim nächsten London-Besuch auf der Liste. Hat wenigstens dieses das Zeug, sich längere Zeit auf dem Spielplan zu halten? Gibt es weitere Vorschläge?

    Das Problem fängt schon an mit der Wahl des passenden Unterforums:

    Oper: nicht zwangsläufig

    Musical: nicht zwangsläufig

    Zeitgenössische Musik: führt in die Irre


    Worum geht es: Das aktuelle Jahrhundert hat schon mehr als 2 Jahrzehnte hinter sich. Und ich frage mich:


    Welche bedeutende Werke bzgl. Musiktheater (Oper, Operette, Musical) sind in der Zeit entstanden?


    Die Frage wäre einfach zu beantworten, wenn wir 1800-1822 oder 1900-1922 nehmen würden. Aber 2000-2022: Hat jemand Vorschläge?

    Das wäre schön, aber es steht zu befürchten, dass diese dutzende Male wiederholte Ankündigung auch diesmal nicht eingehalten wird.

    Natürlich nicht. Sein Problem: Er gehört auch zu den Alten. Pensionär mit zu viel Zeit. Warum führt er nicht einfach seinen Hund spazieren? Hat er keinen? Das ist schlecht.


    Ich bin übrigens für Rente ab 70. Das würde so manche Problematik entschärfen...

    Ob es in 50 Jahren weltweit irgendwo noch eine laufende Inszenierung von Zeffirelli gibt oder ob noch irgendetwas von einem Bieito läuft (sofern man den dann noch kennt). Ich tippe auf ersteres.

    Davon ist auszugehen. Ich sag's ja die ganze Zeit: Für "werktreue" Inszenierungen braucht man keine Künstler. Da nimmt man einen begabten Handwerker, und wenn der einmal eine gelungene Inszenierung gemacht hat, ist es völlig sinnlos, diese nochmal zu ändern.


    Zeffirelli-Inszenierungen wird es also in 50 Jahren noch geben. Aber 99,9% der Inszenierungen werden neu sein. Wie genau sie sein werden, weiß keiner. Aber sicher ist: Euer 50er-/60er-Jahre-Stil wird es nicht sein.


    Insofern machst du alles richtig: Du hast weder in deiner Blütezeit noch jetzt irgendetwas unternommen, um das RT abzuschaffen. Nach dessen Abschaffung wird nämlich etwas kommen, was dir genauso wenig gefällt. Es wird eigentlich alles immer nur noch schlimmer.


    Übrigens, was ihr nicht wissen könnt:

    Ich treffe mich regelmäßig mit Joseph Haydn (der hält uns alle für bekloppt), und gelegentlich auch mit Gott (wenn er mal Zeit hat). Einmal fragte ich ihn, warum er unsere durchschnittliche Lebenszeit auf 80 Jahre festgelegt hat. 1000 Jahre wären ja auch möglich gewesen. Oder 10000. Oder wenigstens 200.

    Seine Antwort:

    "Da würdet ihr euch noch mehr über die uneinsichtige Jugend aufregen. 80 Jahre sind eigentlich schon 30 zu viel. Also bring mich mal nicht auf falsche Gedanken."


    Das hab ich mir dann doch zu Herzen genommen...

    Nicht jeder Ü50 ist pessimistisch und depressiv wie thdeck. Man sollte nicht von sich selbst auf andere schließen. Die wahre Macht liegt bei genau dieser hier abgeschriebenen Generation Ü50 (schon bei allen Wahlen). Von daher werden diese vermeintlich irrelevanten Alten das Ende des RTs einleiten, sollte es kommen. Und überhaupt: Kürzlich erreichte eine französische Dame das stolze Alter von 118, eine andere kam gar auf 122. Das Leben ist nicht vorbei mit 60, 70 oder 80.

    Also wenn du Libretti genauso sorgfältig liest wie meinen Beitrag, auf den du dich hier beziehst, werden deine Aussichten, das RT abzuschaffen, noch geringer, als sie eh schon sind.


    Erstens bin ich weder pessimistisch noch depressiv. Wer pessimistisch ist aufgrund von Dingen, die schon immer bekannt waren, dem ist eh nicht mehr zu helfen.


    Das Problem liegt bei euch: Ihr seid nicht in der Lage, sich mit den Folgen der Naturgesetze abzufinden.


    Übrigens sage ich nicht, dass die "Jüngeren" nicht in die Oper gehen. Ich sage nur, dass sie das RT nicht abschaffen werden. Sie könnten es, aber sie tun es nicht. Ihr dagegen wollt es, aber könnt es nicht. Ihr könnt es nicht mehr, weil ihr zu alt dazu seid.


    Es hilft jetzt nicht, mich für diese Aussage zu kritisieren. Dadurch wird das RT nicht abgeschafft. Ihr müsst es abschaffen. Dadurch wird es abgeschafft. Indem ihr es abschafft. Also: Ran an die Arbeit!

    Ich bin jetzt Mitte 70 und entdecke immer noch Neues: Calixto Bieito, Olivier Py habe ich erst vor wenigen Jahren kennen und schätzen gelernt und Christof Loys Inszenierungen gefallen mir (meistens) seit 30 Jahren.

    Du entdeckst Neues. Aber erschaffst nichts Neues.


    Du bist durchaus in der Lage, in deinem Beruf produktiv weiter zu arbeiten. Das, was du schon kannst, weiter zu verbessern. Aber du wirst nichts mehr grundlegend Neues entwickeln.


    Aber ich sehe schon: Wir haben hier ein psychologisches Problem. Und es lässt sich nur psychologisch lösen.


    Wobei, ihr habt möglicherweise recht:

    Für manche Leute ist es zwar besser, sich mit dem Unabänderlichen abzufinden.

    Aber andere (auch jüngere) fühlen sich besser, wenn sie protestieren können, egal wie gering die Erfolgsaussichten auch sind. Interessanterweise handelt es sich bei letzterem meistens um junge Linke. In unserem Fall sind es dagegen eher ältere Konservative...

    Danke schön, wünsche Dir alles Gute. Ich finde es schon sehr impertinent, einen solchen Satz zu schreiben.

    Es ist schlicht und ergreifend die Wahrheit. Und man lebt besser, wenn man sich damit abfindet, glaub mir's.


    Ich konnte mal 6000er besteigen. Jetzt kann ich's nicht mehr. Soll ich jetzt heulen, weil noch allzu viele 6000er von mir unbestiegen sind?


    Oder etwas näher an eurem Problem:

    Früher gab es viele "Wirtschaften" (in den Dörfern so genannt) bzw. "Eckkneipen" (in den Städten). Jetzt nicht mehr. Die Jungen interessiert das nicht, die Alten sind zu wenig, um sie am Leben zu erhalten. Und die Alten sind auch in willens oder in der Lage, solche Gaststätten selber zu betreiben. Obwohl sie theoretisch die Möglichkeit hätten. Also müssen sie sich mit dem abfinden, was es gibt. Und das ist anders als das vor 40 Jahren.


    Die Zeiten ändern sich. In 20 Jahren bin ich "statistisch" tot. Wenn ich Pech habe, noch früher. Und ich habe definitiv keine Lust, die Zeit bis dahin mit Schimpfen oder Jammern zu verbringen.


    Bzgl. Opern habe ich wohl einfach "Glück". Ich finde die heutigen Aufführungen nicht schlechter als die früheren. In der "Provinz" sind sie sogar besser geworden. Sehr gut ausgebildetes Personal (Sänger, Musiker, Regisseure, etc.) ist heute flächendeckend vorhanden.


    Aber es bleibt dabei: Die Welt wird laufend umgestaltet. Und die Hauptakteure dieser Umgestaltungen sind unter 50. Auf die haben wir nur begrenzten Einfluss, egal in welche Richtung.

    Außerdem habe ich in meinem Leben 50 Jahre lang in Top-Chören gesungen, und zwar so viel Chormusik, von der ihr wahrscheinlich das meiste nicht mal dem Namen nach kennt.

    Davon kannst du ausgehen. Und deine "Top-Chöre" kennen wir auch nicht. Keiner kennt die, und keiner will die kennen lernen.


    Aber du hast ja deinen "Schreibtisch". Da kannst du das alles ausführlich beschreiben. Deine 60.000 Fans werden begeistert sein. Und Alfred auch. Also tu ihm und uns den Gefallen. Berichte von deinen sämtlichen Heldentaten. Aber bitte nicht hier. Nutze deinen "Schreibtisch" dafür. Danke.

    Der Kandidat hat 100 Punkte.


    Eine Sache noch (wo ist eigentlich moderato, wenn man ihn braucht):

    Virginia Woolf kritisiert "theatralische Details wie das übertrieben angehobene Bein des Soldaten an der Stufe". Sie checkt's mal wieder nicht. Der Soldat ist fast blind und kann daher die Höhe der Stufe nur schlecht abschätzen.


    Davon abgesehen hat Kunst immer auch etwas "Theatralisches". Sie soll/will Wirkung erzielen. Ist bei den Werken von VW ja auch nicht anders...


    Das Bild hängt in London im Imperial War Museum. Einen Besuch desselben kann ich nur empfehlen.

    Nach einiger Zeit hat Alfred dann den Antrag angenommen und den "Schreibtisch" freigeschaltet.

    Weißt du eigentlich, warum er das gemacht hat?

    Er wollte den Quasselstrippen eine Spielwiese geben, damit sie die produktiven Threads nicht so belasten.


    Jetzt sagst du: "Das funktioniert aber nicht, wie man hier sieht."

    Dann sage ich: "Aber ohne deinen Schreibtisch würdest du noch viel mehr nerven."


    Alfred weiß schon, was er tut.

    Und trotzdem weiß ich immer noch nicht, warum es das RT noch gibt.

    Ich hab's schon mal erklärt, aber ihr seid echt stur. Also noch mal:

    Die beteiligten Leute sehen sich als Künstler und machen zwangsläufig etwas Neues. Was ihr als "werktreu" bezeichnet, ist schlichtweg der Inszenierungsstil der 50er bis 70er Jahre. Und der wird nicht wieder kommen. Weil "alt".


    Eine interessantere Frage lautet:

    Warum finden sich keine Leute, die "werktreue" Inszenierungen machen, obwohl das leichter und billiger zu bewerkstelligen ist?


    Wisst ihr eigentlich, was euer Hauptproblem ist: Ihr könnt euch nicht damit abfinden, dass ihr alt seid und bald sterben werdet.


    Geht mir genau so. Ich bin nämlich in einer ähnlichen Situation. Zwar "erst" 58. Aber seit ca. 5 Jahren merke ich, dass die Jüngeren ganz anders ticken als meine Generation. Gleichzeitig stelle ich fest, dass die Schaffenskraft ihren Höhepunkt zwischen 40 und 50 Jahren hat. Danach kann man das Niveau noch halten, aber zu grundlegenden Umschwüngen ist man nicht mehr fähig.


    Und das ist der eigentliche Grund, dass es keine Renaissance der "werktreuen" Inszenierungen geben wird: Die Jüngeren interessiert das nicht, die ticken anders. Und die Älteren fehlt es an Schaffenskraft. Es reicht nur noch zum Nörgeln. Was aber für die unter 50jährigen keine Relevanz hat.

    Das ist einer dieser Engländer aus dem 18. Jahrhundert. Findet man in der Regel im Tate Britain in London. Den hier halt nicht, sonst wär's zu einfach.


    Die Lösung: Thomas Gainsborough, Thomas William Coke (1752-1842) 1st Earl of Leicester


    Vom Stil her müsste das Bild vor der Französischen Revolution, also vor 1791 entstanden sein.


    Hängt in der Holkham Hall in Norfolk. Ich will sie schon seit Jahren besichtigen...