Beiträge von Matthias Oberg


    D. Schostakowitsch - Symphonie Nr 6 (bei mir jedoch in einer Ausgabe gekoppelt mit der 15.)


    Philharmonisches Symphonieorchester Leningrad - Evgeni Mravinsky


    Streckenweise etwas getragener, noch heftig wuchtiger als Kondrashin und Roshdestvenskij, die meine Favoriten bleiben. Aber toller Orchesterklang mit mich besonders begeisternden Bläsern.


    Tja, muß ich mich wohl auch noch nach weiteren Schostakowitsch-Aufnahmen von Marvinsky umsehen.


    :hello: Matthias

    Gerade mit Verwunderung festgestellt, dass es noch gar keinen Thread zu Beethovens einzigem Oratorium "Christus am Ölberge" gibt. Es entstand im Frühjahr 1803. Kurz vorher hatte er die "Eroica" vollendet, die in ihrem Schlußsatz "Die Geschöpfe des Prometheus" wiederaufgreifft. Kurze Zeit später begann er die Arbeit an seiner einzigen Oper "Fidelio".
    Das Libretto stammt von Franz Xaver Huber, einem in Wien um 1800 bekannten Librettisten.


    Musikalisch wie geistig steht sein Oratorium dann auch im engen Zusammenhang mit der Eroica, mit "Die Geschöpfe des Prometheus" und mit dem "Fidelio". Denn Beethoven rückt in seinem Passionsoratorium in der Vordergrund das dramatische Bestehen auf der eigenen Haltung in Erwartung größter Herausforderung und getragen von eigenem freien Denken und der Fähigkeit zum Mitleiden. Der aufgeklärte Protestantismus wird so, ganz wie bei Hegel, in den Zusammenhang mit der französischen Revolution gerückt: Freies Denken und die Fähigkeit zum Mitleiden werden beerbt als Freiheit und Brüderlichkeit.


    Insofern läßt Beethoven die Leidengeschichte völlig weg und konzentriert sich auf den Abend am Ölberg, den Jesus mit seinen Jüngern verbringt, bis zu seiner Verhaftung. Beethoven formt meisterhaft sowohl die innere wie äussere Dramatik der Situation in musikalisches Geschehen. Einerseits steht Jesus vor der Herausforderung, seine menschheits-, wie heilsgeschichtliche Rolle auch anzunehmen und diese wissende Erwartung macht ihn einsam unter seinen Jüngern. Andererseits entsteht der Konflikt mit und zwischen seinen Jüngern, ob man sich zu wehr setzen solle. In dem Jesus dies verhindert und seine Rolle als Mensch voller Zweifel und in Freiheit annimmt, wird, in christlicher Tradition gesehen, die Katastrophe in Heilsgeschichte gewendet.


    Die Situation der Einsamkeit der vor große Herausforderungen von menschheitsgeschichtlicher Dimension gestellten Persönlichkeit unter seinen Mitmenschen wird in der Beethoven-Literatur häufig auch in den Zusammenhang mit seinem im Oktober 1802 geschriebenen "Heiligenstädter Testament" gebracht, in dem er, sich seiner herausgehobenen Künstlerrolle bewußt und unter dem Eindruck seines sich verschlimmernden Hörverlusts, seine Einsamkeit, sein "Leben wie ein Verbannter" beklagt.


    Eine Aufname, der es m.E. meisterhaft gelingt, den musikalischen und geistigen Zusammenhang dieses Oratoriums mit der "Eroica", mit "Die Geschöpfe des Prometheus" und mit dem "Fidelio" hörbar zu machen, hat Kent Nagano eingespielt.



    Placido Domingo, Luba Orgonasova, Andreas Schmidt
    Rundfunkchor Berlin
    Deutsches Symphonie-Orchester Berlin
    Kent Nagano


    Exakt, äußerst differenziert, klar und gut durchhörbar, doch auch sehr schwungvoll, kraftvoll und dynamisch!
    Der Chor und das Orchester halten auch bei den zügigen Tempi die Dynamik und können Naganos differenzierte Interpretation gut umsetzen. Auch Luba Orgonasova und Andreas Schmidt finden mein Gefallen. Placido Domingo kann mich jedoch hier richtig begeistern. Na klar, er singt mit Akzent und auch nicht immer gerade wortdeutlich, aber viel besser als bei seinen Wagner-Aufnahmen, und der Ausdruck und die Dynamik stimmen - und wie!


    Neben dem Vergleich von Aufnahmen können wir vielleicht auch noch etwas genauer auf das musikalische Geschehen eingehen?


    Interessant fände ich auch die Fragen: Wieso wird dieses große Werk eigentlich so relativ selten aufgeführt und eingespielt? Wieso (und von wem) wird es heute häufig als schwächer eingestuft, wie Alfred Schmidt irgendwo in diesem Forum schon beklagte?


    :hello: Matthias

    Placido Domingos Wagner-Aufnahmen fand ich nicht sehr geglückt, aber vielleicht müsste ich sie auch noch einmal hören. In Erinnerung ist mir, dass er doch arg mit der deutschen Sprache zu kämpfen hat und darunter auch die Rollenausgestaltung und richtige Dynamik und Phrasierung zu leiden haben.


    Um so positiver war ich überrascht, als ich jetzt diese Aufnahme hörte. Placido Domingo kann mich hier richtig begeistern. Na klar, er singt mit Akzent und auch nicht immer gerade wortdeutlich, aber das ist hier viel besser als bei den Wagner-Aufnahmen und der Ausdruck und die Dynamik stimmen, und wie!



    :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel:


    Placido Domingo, Luba Orgonasova, Andreas Schmidt
    Rundfunkchor Berlin
    Deutsches Symphonie-Orchester Berlin
    Kent Nagano


    Naganos Dirigat ist exakt, äußerst differenziert, klar und gut durchhörbar, doch auch sehr schwungvoll, kraftvoll und dynamisch!
    Der Chor und das Orchester halten auch bei den zügigen Tempi die Dynamik und können Naganos differenzierte Interpretation gut umsetzen. Auch Luba Orgonasova und Andreas Schmidt finden mein Gefallen.


    :hello: Matthias

    Bei mir lief bis eben diese:



    :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel:


    Placido Domingo, Luba Orgonasova, Andreas Schmidt
    Rundfunkchor Berlin
    Deutsches Symphonie-Orchester Berlin
    Kent Nagano


    Exakt, äußerst differenziert, klar und gut durchhörbar, doch auch sehr schwungvoll, kraftvoll und dynamisch!


    Es wird bei dieser Aufnahme für mich sehr gut deutlich, dass Beethovens einziges Oratorium musikalisch und geistig in den Zusammenhang mit der Eroica, mit "Die Geschöpfe des Prometheus" und mit dem "Fidelio" gehört. Beethoven rückt in seinem Passionsoratorium ja in der Vordergrund das dramatische Bestehen auf der eigenen Haltung in Erwartung größter Herausforderung und getragen von eigenem freien Denken und der Fähigkeit zum Mitleiden. Der aufgeklärte Protestantismus wird so, ganz wie bei Hegel, in den Zusammenhang mit der französischen Revolution gerückt: Freies Denken und die Fähigkeit zu Mitleiden werden beerbt als Freiheit und Brüderlichkeit. Wieso wird dieses große Werk eigentlich so relativ selten aufgeführt und eingespielt?


    Nagano macht diesen Zusammenhang für mich sehr gut hörbar. Er sollte mehr Beethoven aufnehmen.
    Der Chor und das Orchester halten auch bei den zügigen Tempi die Dynamik und können Naganos differenzierte Interpretation gut umsetzen. Auch Luba Orgonasova und Andreas Schmidt finden mein Gefallen. Placido Domingo kann mich jedoch hier richtig begeistern. Na klar, er singt mit Akzent und auch nicht immer gerade wortdeutlich, aber der Ausdruck und die Dynamik stimmen! Ganz etwas anderes als bei seinem mißglücktem Wagner-Gastspiel.


    :hello: Matthias

    Diese Monique Haas Erato-Box werde ich mir wohl auch noch zulegen müssen.


    Bei mir liefen bis eben diese beiden CDs, die ich auch neu habe:



    Thibaudet gefällt mir auch sehr gut. Er hält gut die richtige Balance aus Verhaltenem und Kraftvollem. Die "Etudes" sind leider erst auf der Vol.2, aber nach der werde ich jetzt auch noch fanden, um sie günstig noch zu bekommen.


    :hello: Matthias

    Jetzt aber ein bischen modernen Gesang und so Ähnliches :D


    Adriana Hölszky (geb. 1953) Vokale Kammermusik



    Das Tryptichon aus "Es kamen schwarze Vögel" (1978 ), "Monolog" (1977) und "Vampirabile" (1988 ) klingt wie ein Hexenhörspiel in seltsamer Sprache, in der man nur einzelne Worte und vielleicht noch Phoneme wiedererkennt.
    "Kommentar für Lauren" für 7 Stimmen, Bläser und Schlagzeug gefällt mir richtig gut: - Kein Wunder, klingt es doch wie europäischer Free Jazz, obwohl der freie Improvisationsanteil zwar vorhanden, aber sehr begrenzt ist. Das Ensemble Belcanto um die Spezialistin für Neue Musik-Gesang Dietburg Spohr machen das sehr gut.


    :hello: Matthias

    Der gruselige Sinding mußte noch aus den Gehörgängen. Mit einem dreifachen Glenlivet und damit:



    Kurt Weill/ Bert Brecht: Die sieben Todsünden


    Gisela May, Peter Schreier, Hans-Joachim Rotzsch, Günther Leib, Hermann Christian Polster


    RSO Leipzig - Herbert Kegel - Auch das konnte er! Enorm dynamisch! Und das Männergesangsquartett ist genial gut. Besser und komischer kann ich es mir nicht vorstellen.


    :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel:


    :hello: Matthias

    Tapfer habe ich hierdrin rumgehört:



    :no: :kotz: :no: :kotz: :no:


    Christian Sinding (1856-1941): Symphonien Nr. 1-4
    Norwegian RO, Ari Rasilainen


    Sinding ist wohl so ´ne Art kleiner Bruder von Richard Strauss, bloß noch viel penetrant unangenehmer und noch viel, viel konservativer. Dafür hat er mehr Fanfaren.


    Gut, dass die nur ausgeliehen ist.


    :hello: Matthias

    Zitat

    Original von Walter Heggendorn
    Ich halte die Aufnahmen der Nielsen-Sinfonien und der Orchesterwerke von Hindemith mit dem San Francisco Orchester unter Blomstedt für referenzverdächtig:
    Mit Vehemenz (und sehr wohl angemessen leidenschaftlich) wird die Textur der sperrigen Musik offengelegt.


    :yes: Dem kann ich nur zustimmen. Davon profitieren insbesondere die beiden letzten Symphonien, deren moderne Elemente dadurch gut deutlich werden. Aber selbst wenn das die einzigen wirklich ganz außergewöhnlich exellenten Aufnahmen Blomstedts seien sollten, dann kenne ich doch nichts von ihm, was nicht sehr gelungen ist. Das ist doch eigentlich auch außergewöhnlich.


    Diese finde ich aber auch unübertroffen:



    Endlich mal keine biedermeierlich verschmalzten, ideenlos dahinplätschernden Mendelssohn Pianokonzerte. Nur Serkin/Szell sind ähnlich gut.


    Besonders gut finde ich auch seine Hindemith-Aufnahmen. Für die "Trauermusik" kenne ich auch nichts besseres. Die Mathis der Maler Symphonie finde ich nur von Herbert Kegel und auf ganz andere Weise von - außnahmsweise bei mir - Herbert v.Karajan (End-50er-EMI-Aufnahme) noch einen Tick besser. (Komisch, muß man Herbert heißen, um die erstklassig einspielen zu können?)



    Des weiteren höre ich noch besonders gerne seinen "Peer Gynt" und seine "Leonore".


    Seine Mahler 2 war mir bislang irgendwie völlig entgangen. Vielen Dank, Uwe, für die Empfehlung, der ich nachkommen werde.


    :hello: Matthias

    Der dänische Tenorsaxophonist Thomas Agergaard konnte 2002 ein wunderbares Octet zusammenstellen, mit dem eine großartige CD gelang.



    :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel:


    Zu originellen komplexen, überwiegend atonalen Kompositionen, die jedoch viel Raum für die fantastischen Improvisationen aller Octetmitglieder lassen, entstand eine dichte, humorvolle, progressive Musik voller Power, aber auch mit sehr lyrischen Momenten.


    Neben Agergaard, der einen ausgesprochen schönen Ton hat, agieren:


    - Geraldine Keller, eine französische Sopransängerin, die in der Alten Musik ebenso zu Hause ist, wie in der Neuen Musik, z.B. gehören Scelsi, Berio, Stockhausen, Hespos und zeitgenössische französische Komponisten zu ihrem Repertoire, wie aber auch im Jazz und der Freien Improvisation. Sie setzt ihre Stimme hier weitgehend instrumental ein.
    - Peter Fuglsang, Saxophone, Bassklarinette, aus Dänemark, spielte z.B. in Pierre Dörges New Jungle Orchestra, dem Copenhagen Art Ensemble, sowie mit Tim Berne, Marc Ducret, John Tchicai, Marilyn Mazur.
    - Klaus Löhrer, Bassposaune, Tuba, aus Dänemark, spielte z.B. im Danish Radio Symphony Orchestra, Danish Radio Jazz Orchestra, Duke Ellington Orchestra, und mit Django Bates und Frank Lundin.
    - Hank Roberts, Wahnsinnscellist aus den USA, der auf eigenen Aufnahmen gerne freien Jazz mit afrozentrischer Musik und Folk-/Independent Rock- Einflüssen kreuzt.
    - Krister Jonsson, E-Gitarrist aus Schwedens freier Improvisationsszene, der auch gerne Psychedelic Prog Rock -Einflüsse mitverbrät.
    - Miroslav Vitous, tschechisch-amerikanischer Bassist, spielte z.B. bei Weather Report und mit Herbie Hancock.
    - Jim Black, Drums, USA, Co-Leader einiger der spannensten neueren amerikanischen Bands (Pachora, AlasNoAxis, Human Feel), spielte außerdem mit u.a. Chris Speed, Dave Douglas, Tim Berne, Uri Caine und Laurie Anderson.


    Diese Konzertband klingt, als hätten sie alle schon Jahre zusammengespielt!


    Eine der gelungensten Scheiben dieses Jahrzehnts! So kann Jazz im 21. Jahrhundert lebendig weitergehen.


    :hello: Matthias

    Mir fehlen hier die Vergleichmöglichkeiten, aber folgende Einspielungen gefallen mir recht gut (insbesondere dabei hier v.Otter + Hampson):



    Maurice Duruflé (1902-1986)
    Requiem op. 9; Missa cum jubilo op. 11; Motetten op. 10 Nr. 1-4; Notre Pere op. 14
    Anne Sofie von Otter, Thomas Hampson,
    Marie-Claire Alain (org),
    Orfeon Donostiarra, Orchestre Capitol de Toulouse, Plasson


    Was die allgemeine Einschätzung Duruflés angeht, teile ich BBBs oben geäusserte Meinung. Was mir bei aller Konservativität des Klangbildes recht gut gefällt, ist doch eine gewisse Herbheit seiner Kompositionen und, dass auch die Pathetik an vielen Stellen im Requiem immer wieder ziemlich schnell zurückgenommen wird.


    :hello: Matthias

    Ich gebe zu, ich kann Tschaikowski generell nicht leiden.


    Aber pathetisch sein darf es bei mir auch schon manchmal.
    Jetzt höre ich das :D:



    Maurice Durufle (1902-1986)
    Requiem op. 9; Missa cum jubilo op. 11; Motetten op. 10 Nr. 1-4; Notre Pere op. 14
    Anne Sofie von Otter, Thomas Hampson,
    Marie-Claire Alain (org),
    Orfeon Donostiarra, Orchestre Capitol de Toulouse, Plasson


    :hello: Matthias

    Danke, lieber Harald, für das Cover!


    Diemal möchte ich aber auf diese CD zurückkommen, die Achim hier schon vorgestellt hat:



    Endlich habe ich diese Neuste von Patricia Barber auch. Ihr gelingt es, diese überwiegend schon tausend mal gecoverten Standards von Cole Porter sich ganz in ihrem alt-gewohnten Stil anzueignen. Der Gesang oft gehaucht, mal dem Sprechgesang nah, mal mit etwas melancholischem Blues-Feeling und trockenem Humor, häufig mit gezielt verzögerter Phrasierung und etwas beiläufiger Leichtigkeit, wird unaufdringlich, aber originell arrangiert, begleitet von ihren gewohnten Bandmitgliedern Neal Alger (g), Michael Arnopol (b), Eric Montzka (dr). Zusätzlich sorgt Chris Potter am Tenorsax auf 5 Stücken für schöne, auf den Gesang gut abgestimmte Soli. Wenn Barbers eigene Arrangements auch unaufdringlich, unspektakulär erscheinen, so sind sie doch originell und das, diesen Standards abzugewinnen, ist durchaus eine Leistung. Man höre etwa in "I get a kick out of you" (track 3). Das habe ich so oder auch nur annähernd so noch nie gehört. Bei anderen Stücken kommt auch mal etwas Latin-Touch, eine eher Independent-Rock orientierte E-Gitarre oder gar Anklänge an Musette ("C´est magnifique") hinzu.


    Eine CD, die man aufgrund ihrer Leichtigkeit auch schon mal im Hintergrund laufen lassen kann, dennoch frei von nervend übereingängigen Popklichees oder neokonservativer Jazztraditionswahrung.


    :hello: Matthias

    Noch eine 6. gehört, diesmal von Mahler, mit dem London SO mit Mariss Jansons, live aufgenommen.



    Hier wird gleich jeder Satz sehr "energico" und "wuchtig". Das mindert für mich das Tragische, wie es für mein Empfinden z.B. sehr gut bei Boulez und Abbado II interpretiert wird. Der letzte Satz zerfällt dabei etwas, aber vielleicht ist das auch wieder gar nicht so unpassend.
    Das wohlausbalancierte Klangbild ist allerdings eindrucksvoll.


    Nach diesem Ersthören bin ich also noch etwas unschlüssig über diese Interpretation.


    :hello: Matthias


    Hallo Wulf,


    "sich überlagernde Pattern-Schleifen" könnte hinkommen. Danke! - Den Dibelius habe ich zwar auch, aber ich wußte gar nicht mehr, dass in ihm auch etwas zu Grosskopf zu finden ist.


    :hello: Matthias

    Erhard Grosskopf (*1934) Die Streichquartette 1- 3. Es spielt ausgezeichnet das Arditti-Quartet:



    Im Beiheft raunt der Komponist etwas von Raum und Zeit...., - was ich nicht wirklich verstehe ?(. Ein klein wenig weiter hilft mir Heinz-Klaus Metzger, der über Grosskopfs "Hörmusik" für Orchester (1971) schrieb: "Der Raum, um den es in dieser Partitur geht, ist aber nicht der Raum, in dem sie realisiert wird, sondern umgekehrt der Raum, den sie realisiert; sie bringt ihn nämlich kompositorisch hervor."
    Die Musik dieser Streichquartette empfinde ich dann auch als statisch in der zeitlichen Entwicklung vor allem durch viele, lange gehaltene hohe und höchste Töne, aber gleichzeitig entsteht so etwas wie räumliche Effekte durch das, was Einzelstimmen oder auch mal mehrere Stimmen zusammen sonst so dazu machen, die sozusagen die "Ecken" des Raumes abstecken. Dabei entstehen gelegentlich richtig schöne Momente, aber gemütlich bewohnbar sind diese Klangräume nicht :D.


    :hello: Matthias

    Zitat

    Original von Wulf
    Hallo Matthias,


    die Saunders-CD ist auch in meinem Besitz und auch ich finde sie sehr interessant. Besonders beeindruckt hat mich bisher das Quartett, v.a. wegen des Klangbilds...endlich wird hier einmal das Akkordeon seiner wahren Bestimmung gemäß eingesetzt. ;)


    Hallo Wulf,


    Ja, die "Quetschkommode" klingt Super! - Wie bei Windstärke 10 im Herbststurm auf hoher See nach mindestens einer ganzen Flasche Rum, aber dafür an einen ordentlichen Amp gehängt. :D Ich mag solche schrägen Klänge! :D


    :hello: Matthias

    Zitat

    Original von Robert Stuhr
    Meine Bemerkung steht in Zusammenhang mit dem anderen Film (Dialog mit meinem Gärtner), im Verhältnis zu ihm ist das Ende konstruierter. Da wurde die Abnabelung vom anderen Paar, das Hin und Her mit der geplanten Übersiedlung in die Südsee usw. doch etwas "gewaltsam" hergeholt, um zu einem Ende zu gelangen. Ansonsten stimme ich Dir zu. .


    Lieber Robert,


    ich konnte das Ende nicht "hergeholt" finden, weil sie ja zwischenzeitlich Erfahrungen mit einem weiteren Paar machen und auch m.E. beginnen, anders als vorher miteinander umzugehen. Für mich war die Abnabelung und das allmähliche Verfliegen des Rausches überzeugend dargestellt - auch über das Wiedererkennen des Wertes ihres schon zum Kauf angebotenen Hauses für sie gemeinsam über die Erfahrung mit diesem weiteren Paar.


    Zitat

    Für einen Film wie diesen lasse ich 95% der Hollywood-Streifen im Regal stehen.


    Habe ich schon gemerkt. Ich auch! Deswegen lese ich gerne Deine Tips.


    :hello: Matthias

    Rebecca Saunders (*1967)



    Musikfabrik NRW - Stefan Asbury


    - Into the Blue für Klarinette, Fagott, Klavier,
    Schlagzeug, Cello, Kontrabass;
    - Molly's Song 3
    - Shades of Crimson für Flöte, Viola, Gitarre,4 Radios, Spieldose;
    - Dichroic Seventeen für Akkordeon, E-Gitarre, Klavier, Percussion, 2 Kontrabässe


    Interessant! Besonders "Dichroic Seventeen". Jedoch eher von den Klangereignissen her als vom Gesamtaufbau. Doch dies ist nur eine Einschätzung nach dem Ersthören. Einflüsse von Scelsi, Ligeti und ihrem Kompositionslehrer W. Rihm sind für mich heraushörbar.


    :hello: Matthias

    Ich sammel in sehr großer Breite und Tiefe und hätte gern ALLES, was mich irgendwie neugierig macht; das können auch schon mal Aufnahmen sein, bei denen mich nur einzelne SängerInnen/SolistInnen interessieren, ich mir aber vom Gesamtergebnis weniger erhoffe, oder bei denen mich interessiert, wie hier gescheitert wird, wenn es auf hohem Niveau passiert.


    Ganz gut, dass enge Budgetrestriktionen verhindern, dass ich in meinen Sammlungen, die auch Jazz und experimentelleren Rock umfassen, völlig versinke.


    Wie hier auch schon von anderen geschrieben, verfolge ich dabei gerne Querverweise, so dass mein Interesse in Breite und Tiefe sich beständig ausdehnt. Enge finanzielle Grenzen verhindern jedoch irgendwelche Planungen. Ich kaufe (und kopiere :pfeif:) eher unsystematisch, woran ich gerade günstig herankomme, soweit eine irgendwie geartete Neugier vorliegt.


    In zweistelligen Stückzahlen habe ich Interpretationen von einigen Werken von Beethoven, Schumann, Schubert, Verdi, Mahler, Bartok, Schönberg, Berg, Webern. Einiges von Brahms, Bizet, Berlioz, Debussy, Wagner ...nur kapp da drunterliegend.


    :hello: Matthias


    Also den fand ich ganz hervorragend, gar nicht bemüht, sondern vielmehr auch gerade vom Ende her sehr überzeugend: Wird doch gezeigt, wie das Paar sich über eigene Erfahrungen von dem etwas rauschhaften Bann durch das befreundete Paar, das nicht ohne zweifelhafte, mich teilweise beklemmende Manipulation auskommt, wieder befreien und auf neuer Grundlage zu sich selbst zurückfinden kann, ohne für Freundschaft und Liebe gleich das ganze eigene bisherige Leben aufzugeben, ohne aber auch die gemachte Erfahrung einfach als Rausch abzutun und lediglich zum alten Leben zurückzukehren.


    Wenn jemand so spielen kann wie Daniel Auteuil, dann sehe ich ihn auch gern in "jedem zweiten franz. Film". Doch auch die übrigen SchauspielerInnen haben mich hier überaus überzeugt.


    Nebenbei bemerkt, sehr schön auch mal im Kino zu sehen, wie sehr attraktiv und erotisch auch Frauen mit deutlich über 40 wirken können, ohne dass sie noch versuchen müssen, immer noch wie Models auszuschauen.


    :hello: Matthias

    Ich bin ein großer Bewunderer der Filmkunst Nanni Morettis. In Vorfreude auf seinen neuen Film "Stilles Chaos" habe ich mir gestern abend noch einmal seinen Film "Das Zimmer meines Sohnes" angeschaut, in dem es, wie auch im neuen Film, schon um den Umgang mit dem Verlust eines geliebten Menschen und die sehr unterschiedliche Art, zu trauern und weiterzuleben geht.


    In das Zimmer meines Sohnes spielt Moretti selbst einen Psychoanalytiker, dessen geordnetes Mittelstandsleben mit sehr harmonischem Familienleben durch den plötzlichen Tod seines Sohnes aus den Fugen gerät, nicht zuletzt auch, weil die Familienmitglieder ganz unterschidlich mit Trauer und Verlust umgehen, und der seinen Analysanden nicht mehr helfen kann, weil sie ihn nur noch nerven und er sich jetzt selbst völlig hilflos erfährt. Letzteres ist auch mit viel Komik gezeichnet, was die schwere des Themas erträglich macht. Dabei macht sich Moretti jedoch nie über seine Personen lustig, erst recht vermeidet er jede Sentimentalität, jede ausbeuterische Ausstellung der Gefühle seiner Protagonisten. Das sowie die scheinbar große Leichtigkeit, mit der er sich diesem schweren Thema nähert, macht diesen Film zu ganz großer Filmkunst.


    Er braucht sogar ein hoffnungsvolles Ende, in der der Familienzusammenhalt neu bekräftigt wird, nicht zu scheuen. Was hätte Hollywood daraus für ein ekelhaftes Kitsch-Rührstück gemacht.



    :hello: Matthias

    Lieber Wolfgang, lieber Michael,


    bei aller Bewunderung sehr vieler Aufnahmen von Hamelin muß ich Euch, was seine Einspielung des Marx-Konzerts angeht, recht geben. Seit ich, dank Michael :jubel:, die Bolet-Aufnahme kenne, erscheint mir hier Hamelin im Vergleich auch spannungsärmer. Hamelin spielt das Konzert wohl wirklich mit allzu großer Leichtigkeit. Ich habe gedacht: Ja, ganz nett...und hatte es auf das Werk geschoben und es nicht wieder angehört. Erst Bolet hat es für mich interessant machen können, indem ihm die wirklich spannendere "Binnendifferenzierung" gelingt und er so für wesentlich mehr Dynamik sorgt.


    :hello: Matthias