Beiträge von JL

    Als Mamma Mia im Hamburger Operettenhaus lief, bin ich 3 mal begeisterter Zuschauer gewesen. 2 mal davon war Carolin Fortenbacher die Donna und jedesmal war es grandios. Natürlich ist die Story nicht "Romeo und Julia" sondern Anlaß für eine Nummernshow. Aber das macht m.E. den Reiz diese Werkes aus:
    Mit welchem Dreh werden die Hits von Abba in die Story eingebaut?
    Immer wieder gibt es eine überraschende Lösung. Immer wieder gibt es eine interessante Wendung. Auch wenn sogar ein Albtraum eingebaut wird, ist es witzig. Halbkranke Ideen für einen Handlungsdreh kennen wir ja spätestens seit der "Bobby-Ewing-ist-Tod-aber-hat-es-dann-doch-nur-geträumt"-Story in der Kultfernsehserie Dallas. Dagegen sind die Handlungsideen zum Einbau der Musik doch durchaus gelungen. Ich war von den dadurch entstehenden Gags sehr angetan und habe es sehr bedauert, dass es abgesetzt wurde.
    Nun also als Film.
    Das eine der großartigsten Filmschauspielerinnen unserer Zeit, Meryl Streep, die Donna spielt finde ich klasse. (Trotzdem: Mein erklärter Liebling bleibt C.F.)
    Ob das ganze trotzdem trägt?
    Zumindest die hamburger Show lebte von Bühnenbild, Choreopragphien großartigen Darstellern und tollen Kostümen zu gleichen Maßen. Das fällt im Film sicher weg: Einen solchen Sonnenuntergang wie den, in den Sophie und Sky gehen, kann es in Natura einfach nicht geben. Und sicherlich wird die Wandelbarkeit der Taverne durch verschieden Szenen wegfallen.


    Ist mir alles total egal: Nachdem ich Donnerstag, am Starttag keine Kinokarten mehr bekommen konnte (Es war in der tat in mindestens 3 Hamburger Kinos zur Abendvorstellung ausverkauft), habe ich heute Abend Karten und werde es genießen (auch wenn Carolin Fortenbacher nicht mitspielt) und anschließend berichten.

    Hallo,
    vielleicht geht ja außer mir noch jemand zu Konzerte im Rahmen des SHMF und dann macht dies hier sicherlich Sinn.


    Ich war gestern 12.07. zu einem "Musikfest auf dem Lande", was allerdings im Kreuzfahrtterminal in der Hamburger Hafencity stattfand.


    Wir sind zum Abendprogramm ab 18.00 Uhr gegangen und hatten im ersten teil


    Sinfonie N.10 h-moll für Streichorchester von Mendelsohn-Bartholdy
    und
    Las Cuatro estaciones portenas (Die vier Jahreszeiten im Hafen) von Astor Piazolla
    es spielten Sinfonietta Baltica unter der Leitung von Gerd Müller-Lorenz und als Solist am Klavier bei Piazolla Jacques Ammo


    Die Sinfonie (die ich nicht kannte) hat mich dabei nicht so vom Hocker gerissen. Es war nett, aber auch nicht mehr, eher ein Lehrstück was man alles mit 2 (?) Themen machen kann. Für mich kein Grund noch einmal in ein Konzert zu gehen.


    Erstaunt hat mich das Werk von Piazolla. Ich möchte kurz erwähnen, dass ich Preisrichter im Eiskunstlaufen, speziell im Eistanzen bin und mir dort schon so oft ein nicht gelungenes Programm sehen und dazu Musik von Piazolla anhören mußte, so dass ich eine gewisse Abneigung gegen Tango Nuevo habe. Jetzt weiß ich auch warum: Es ist Konzertmusik und überhaupt nicht für Bewegung geeignet. Es war nähmlich toll und es gab eigentlich 3 Solisten: Klavier, Violine und Cello.


    Beim Musikfest a.d.L. gibt es zwischen den Programmen und auch zwischen dem Nachmittags und Abendkonzert größere Pausen, in denen man ein Picknick machen kann oder einfach nur flaniert. Im Hafen ist dies natürlich besonders reizvoll. Netterweise wendete in der Pause ein Frachtschiff und "parkte rückwärts ein". Dazu eine fröhliche udn ausgelassene Stimmung. Es war sehr nett.


    Nach der Pause spielte das sonic.art Saxophonquartett (Ruth Velten, Alexander Doroshkevich, Martin Posegga und Annegret Schmiedl) neuzeitliche Werke. Besonders sympathisch war dabei Frau Schmiedel, die bei der Erläuterung zu "Durch" die Frage stellte "Interessieren Sie sich für Musik?" und das gesamte Publikum damit zum lachen brachte. Die Frage war aber wohl berechtigt, denn nach jedem Stück gingen ein paar Zuschauer. Das wiederum war aber unberechtigt, denn es war tolle Musik und - ich glaube es zumindest - toll gespielt.


    Es gab
    Ligeti: Sechs Bagatellen
    und Fabien Levy: Durch
    (Begründung für den Titel: Es beginnt in Dur und endete im SCH - was auch Gelächter mit sich brachte)
    und
    Schostakowitch 2 Stücke für Streichquartett (umgesetzt von Frau Velten)
    und
    Erkki-Sven Tüür: Lamento
    und schließlich Martijn Padding: Ritorno.


    Am besten hat mir dabei Lamento von Tüür gefallen. Es war ein fließendes Klangerlebnis und der Ton verschmolz zu fließenden Tongebilde, der in Richtung Orgel ging ohne sakral zu klingen. Das war ganz wunderbar und hat mich sehr bewegt.


    Bei Ligeti gab es einige Zwischengeräusche (weinendes Kind, schließende Fenster usw.) die doch sehr störten. Ich bin mir nicht im klaren, ob es wirklich gut war und weiß noch nicht, ob es mir gefalen hat. Ich glaube ich möchte es noch einmal hören. Levys "Durch" war dagegen ein Klangerlebnis, was ich ohne die Einführung sicher nicht so sehr genossen hätte. Neben "Tönen" gäbe es hier auch "lustige Geräusche", so in der Einführung, und diese wurden vorher erläutert. Das Werk habe 3 Ebenen und 3 Teile und diese Ebenen und Teile wären aufeinander bezogen. Und genau so war es: strukturiert und aufbauend aber auch antwortend.


    Nichts konnte ich mit dem abschließenden Ritorno von Padding anfangen. In der Anmoderation wurden wir für unser Durchhaltevermögen gelobt und das Ritorno als "Rausschmeißer" angekündigt. Zudem wären nicht 2 aufeinanderfolgende Takte gleich, es folge Taktwechsel auf Taktwechsel. Wahrscheinlich ist es auch das, was mir den Zugang zur dieser Musik verwehrte.


    Schostakowitsch war in diesem Programm fast old-fashioned und hat mich nicht so beeindruckt.


    Trotzdem gefiel mir der 2 Teil des Programms besser als der erste und ich bin froh dort gewesen zu sein.


    Das Musikfest endete mit einem Naschschlag in der Musikfestgastronomie mit DJ Radison Levin in der Datscha Lounge.


    Es war ein sehr netter Abend.

    Der Ausgangspunkt war, dass das Programmvon "Klassikradio" sich vor einigen Jahren von gut zu gerade noch von 6.00-20.00 ertragbar geändert hat. Ich möchte ergänzen, dass die Pest der "Radiospielchen" auch diesen Sender erreicht hat und ich ernsthaft darüber nachdenke den Sender von meinen Festtasten zu verbannen. Aber was soll man denn dort sonst darauf legen? Es gibt im Hamburger Umland keine hörenswerten Sender für 24 Stunden....


    Mein eigentliches Thema ist aber ein anderes: Ein besonderes der Arbeit Richard Wagners war das Gesamtkunstwerk. Er war da mehr als Textdichter und Komponist. Es geht um die Konzeption des ganzen Werks.


    Im Bereich des Films ist es möglich tatsächlich ein Gesamtkunstwerk aus einer Hand hinzubekommen: Regie (manchmal auch Drehbuch) und Filmmusik aus einer Hand. Als erstes fällt mich da Chaplin ein (der aber wohl nur "Themengeber" war- hier weiß sicherlich jemand mehr darüber) und Carpenter (der Macher der konsequentesten b-Splatter und Gruselschinken). Carpenter ist sicherlich kein Vertreter der hohen, den europäischen Qualitätsstandards der Kunst genügender Künstler. Die Filme sind nicht sonderlich schön, obwohl sie eine interssante Bildästhetik haben.. Die Musik scheint mir auch nicht sonderlich künstlerisch zu sein. Ich habe auch nichts davon auf CD oder auch nur einen Film auf DVD, aber ich erinnere mich, dass es wohl eher die kleine Besetzung (1 Mann am Synti) vorherrscht und dass mir die Musik aufgefallen ist (ich weiß allerdings nicht mehr warum). Es läßt sich nicht bestreiten, dass er in sich stimmige und konsequente (Gesamt)Werke vorgelegt hat.


    Mir sind nur diese beiden eingefallen, aber es gibt sicherlich noch sehr viel mehr Mehrfachkünstler. Wie ist hier die Meinung zu Filmmemachern, die zugleich Filmkomponisten sind?


    Ich fände es gut, wenn jetzt nicht zu sehr Carpenter als Vertreter einer minderwertigen Kunstform diskutiert werden würde. Ich habe ihn als Beispiel genommen.

    Ich möchte vorweg schicken, dass ich trotzdem sehr angetan war: Das Bühnenbild war groß und passte gut ins das Konzept. Carmen in Bildern, Kostümen und einer Kulisse die von heute stammen könnte. Das war wirklich großartig.


    Aber....leider hat es kurz vor der Ouvertüre angefangen zu regnen und hat im Grunde die ganzen 3,5 Stunden nicht aufgehört.


    Das das Ensemble trotzdem auf einem hohen Niveau singen und spielen konnte finde ich bemerkens- und bewundernswert. Die Produktion kam nicht ohne technische Verstärkung durch Lautsprecher aus, was mich doch gestört hat. Zudem schien das Mikro bei Andrea Zsanto (Carmen) nicht richtig eingestellt zu sein. Mal sang sie zu leise, mal kackte es und leider kam ihr Vibrato doch zu sehr herüber. Aber gespielt hat sie phantastisch, war präsent und überzeugend verführerisch und lasziv. Bewundernswert, wie sie sich in die Pfützen geschmissen hat und auf dem nassen Boden herumrollte. Das Sänger so etwas durchhalten hätte ich nicht gedacht.


    Mein Star des Abends war aber Marius Vlad (José), der in der ersten Szene noch mit durchsichtigen Regencape spielte und besonders im zweiten Akt traumhaft gesungen hat. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man seine Partie viel besser singen kann. Weich und empfindsam, fast lyrisch und doch kräftig. Wie gut muß er denn singen, wenn er nicht im triefend nassen Hemd im alten Garten in Schwerin steht?


    Dagegen sind mir die anderen Partien nicht so präsent. Durch die Verstärker wußte ich mitunter nicht wer gerade was singt und da ich -Gott sei dank, denn sonst hätte ich keinen Schirm aufspannen können - in der letzten Reihe saß, war das mit dem sehen auch nicht weit her. Escamillo habe ich erkannt, war auch gut, Micaela hielt spielerisch nicht so mit, aber das gibt die Rolle natürlich auch nicht so her. Auch bei ihr war es wohl nicht so perfekt ausgesteuert, denn ich konnte sie kaum hören.


    Probleme hatte der Chor, der wohl vor lauter Gewusel den Dirigenten auf den Monitoren nicht sehen konnte. Aber auch sie haben toll gespielt.


    Insgesamt hatte ich mich sehr gefreut und war wegen des Regens enttäuscht, aber es ist es wert nach Schwerin zu fahren um sich das Gesamtkonzept anzusehen. Ich bedauere es nicht, glaube aber nicht das ich in zukunft noch oft in Frelichtopern egehn werde... auch wenn mich Tannhäuser in Eutin reizen würde...


    Ach ja: Am Pult stand Martin Schelhaas.

    Meine Mutzter hat Karten für die Schloßfestspiele in Schwerin. Das ist eine Openair Openaufführung und dieses Jahr wird Carmen gegeben.
    Meine Mutter nimmt mich als Begleutung mit. Sicherlich müssen unter freiem Himmel Abstriche bei Musik und Gesang gemacht werden. Trotzdem freue ich mich.
    Ich habe die Besprechung in den Lübecker Nachrichten gelesen und die war ziemlich gut. Die Kulisse ist - den Bildern auf der Homepage zu folge - beeindruckend. Über die Besetzung usw. weiß ich noch nichts und bin gespannt.
    Die Aufführung ist direkt vor dem Schweriner Schloß und auf einer (halb?) Insel im Schweriner See. Alleine das ist schon die Fahrt wert. Das Schloß ist zwar nicht unbedingt in einem einheitlichen Baustil (das Gegenteil ist der Fall), aber es sieht trotzdem toll aus.
    Mir gefällt Carmen, auch wenn man die ganze Oper in Häppchen schon tausendmal gehört hat. Ich finde gerade die Figuren Klasse. Carmen ist eine selbbewusste Frau, die ihren Willen durchsetzt auch wenn sie es am Schluß nicht überlebt. Sonderlich viele solcher Frauen kommen in Opern ja nicht gerade vor.
    Ich werde übermorgen berichten.

    Sorry für den Begriff Hilfskunst. Das war nicht abwertend gemeint. Ich benutze "Hilf-" im Sinne von Unterstützung und nicht im Sinne von Unvollkommen. Ich meine damit, dass die Musik dabei hilft das Werk FILM zu formen, also die Hilfskünste Musik, Litertur, usw. liefern Teile des Gesamtwerkes. Natürlich hat jeder Part für sich genommen seinen eigenen Wert und als eigenes Werk zu betrachten. Das Gewicht der Musik im Film (und auch im Schauspiel) ist aber ein anderes als in der Oper oder dem Ballett.


    Auch der Begriff Unterhaltungsmusik ist für mich nicht abwertend. Was soll denn daran "minderwertig" sein, wenn Menschen unterhalten werden? Und ich kann auch nichts negatives darin sehen, wenn jemand sein Können einsetzt, seine Brötchen damit zu verdienen. Es muß ja nicht jeder große Künstler in einem namenlosen Armengrab enden. Wirtschaftlicher Erfolg und Zuspruch des Publikums sind ja nicht von sich aus ein Kriterium für mangelne Qualität. Aus meiner Sicht müssen wir diesen Aspekt nicht ausführlich diskutieren.


    Vielen Dank für die Information über Herrmann. Ich habe zwar ein bischen über ihn gelesen, es war aber nicht viel.


    Im übrigen habe ich nichts gegen eine Verschiebung.

    Filmmusik ist im Vergleich zum Musiktheater als Teil eines Gesamtwerkes weniger bedeutend für das Gesamtwerk. Sie ist quasi Hilfskunst. Trotzdem ist sie im Volumen (z.B. Max Steiner für das fast durchkomponierte Vom Winde verweht) und in der Wirkung (Nina Rota für Der Pate) und in der Besetzung (John Williams bei Star Wars) mit klassischer Musik (weiter Begriff :-))vergleichbar.
    Ich finde John Williams hat ein gutes Händchen für Motive, auch wenn sie manchmal zu sehr "durchgenudelt" werden. Mit gefällt die Musik von star wars, Superman, die Inianer Jones, ET, usw. Außerdem ist der weiße Hai doch Klasse.
    Mir gefällt Bernard Herrmann mit der Musik zu Psycho, Marnie und north by nothwest (der unsichtbare Dritte) auch außerordentlich gut. Ich kann mir hier nicht mal vorstellen, dass man an der kompositorischen Qualität etwas aussetzen kann. Ist er nicht auch ein bedeutender Dirigent gewesen?


    Überhaupt sind doch viele gute Leute im Filmegeschäft tätig (gewesen). Warum soll Korngold im Unterhaltungsbereich Firmmusik eine schlechtere Qualität abgeliefert haben als, z.B. Mozart in der Unterhaltungsmusik zu seiner Zeit?

    Ich habe ganz viele Momente, in denen es mich stark ergreift und viele davon habe ich hier gelesen.


    In Opern gibt es davon viele und vieles ist ja auch genau darauf angelegt. Auch wenn NESSUN DORMA ununterbrochen rauf- und runtergespielt wird, schön und ergreifend ist es. Gerade bei Puccini gibt es einige solcher Beispiele. Auch bei Wagner habe ich schon oft Gänsehaut bekommen, zuletzt beim Walhall-Thema im Rheingold. Musiktheater ergreift mich oft und ich liebe es zu Tränen gerührt zu werden. Ic h muß dazu aber auch in Stimmung sein und mich darauf einlassen.


    Etwas gibt es aber, bei denen fließen bei mir ab dem ersten Ton Tränen auch wenn es unpassend sein sollte. Ich erinnere mich, dass ich es irgendwo beiläufig (im Radio?) gehört habe und zunächst gar nicht wußte, was es war. (Es ist auch schon sehr lange her und ich war noch Schüler.)


    Für mich ist nichts wie Erbarme dich, Mein Gott, um meiner Zähren willen! aus der Matthäuspassion. Auch wenn ich anderswo in diesem Forum geschrieben habe, dass mich Solovioline nervt. Hier stimmt das nicht, im Gegenteil: Es durchfährt mich von meinen Fußspitzen bis in die Haarwurzeln. Ich weiß noch gar nicht so lange, dass "Zähren" Tränen sind, deshalb hat es nichts mit dem Text zu tun, wenn bei mir die Tränen kullern. Es gibt nichst was mich so ergreift.

    Ich will die Diskussion ja nicht in eine andere Richtung verschieben, aber die Argumentation der meisten Vorschreiber hat zum Thema Qualität und nicht - der Fragestellung gemäß - mit einer Begriffsdiskussion stattgefunden. Ich finde diese Diskussion auch spannend und habe deshalb auch etwas dazu geschrieben.
    Ich möchte mich jetzt einmal von einer anderen Seite annähern.
    Bei allem Respekt vor theoretischem Wissen: Technik alleine genügt nicht um wirklich gut zu sein. Sie ist ohne Zweifel eine ganz wichtige Voraussetzung, aber eben nicht alles. Wenn wir alle damit einverstanden sind, dann definiere ich ein gutes Werk als ein solches, das mit guten Mittel - also unter Verwendung stimmiger Methoden - eine Information, Aussage, Nachricht, Botschaft oder einen Standpunkt (inhaltliche Ebene) transportiert.
    Schillers These, schön ist was regelgerecht entstanden ist, ist nicht mehr der letzte Stand der Diskussion. Adorno fodert eine inhaltliche Position. Aber tatsächlich scheint mir die Einbeziehung der Empängerperspektive wichtig. Was nutzt die beste Technik und der treffenste Standpunkt, wenn der Rezipient nicht erreicht wird, also weder Technik erkennt, inhalt begreift oder auf eine andere Weise erreicht wird.


    Meine These ist deshalb: Gut ist was mit KÖNNEN und SINN gemacht wurde und auch erkannt und verstanden oder empfunden wird.
    Die fehlende Trennschärfe zwischen GUT und SCHÖN ist übrigens gewollt.


    Wenn dies als Grundthese zum Thema Qualität - nichts anderes steht hinter dem Begriff GUT - akzeptiert werden kann, so erklärt sich auch, warum wir uns keinem gemeinsamen Ergebnis nähern: Manchen Werken fehlt die Perspektive des Könnens, manche Werke sind so auf technische Dinge fokusiert, dass ihnen die Sinnperspektive fehlt. Und bei manchen Werken fehlen uns (also dem konsumierenden Anderen) die Mittel oder der Willen oder die Senisbilität die Qualität oder den Sinn zu erkennen, zu verstehen oder zu empfinden.


    Ein weiteres ist bisher in dieser Diskussion nicht genügend berücksichtigt worden: Musik ist wie Literatur eine Kunstform, die der Ausführung bedarf. Ohne die Ausführung exisitert Musik nicht. Die Notation selbst ist genau wie das geschriebene Wort selbst kein Werk, es steht nur dafür und hilft dabei es zu reproduzieren. Für die Musik muß deshalb meine obige These erweitert werden:
    Gut ist was mit KÖNNEN und SINN geschaffen mit KÖNNEN und SINN reproduziert wurde und bei einem anderen ANKOMMT, also erkannt und/oder verstanden und/oder empfunden wird.


    Ich habe mich jetzt zwar nicht dem Thema "Was ist für Dich klassische Musik?" angenähert - das habe ich in meinem vorangehenden Beitrag getan - aber ich habe versucht meine Subjektivitätsaussage etwas näher zu erläutern.


    Ich bitte das vorangehende nicht als Vorwurf (wenn Du Rockmusik oder Volksmusik oder etwas anderes nicht gut findest, fehlt Dir einfach die Bildung oder Sensibilität die Qualität zu erkennen) zu verstehen. Ich bestreite nicht, dass es auch Werke mit Qualitätsmangel gibt. Ich habe meine These auch ganz bewusst nicht um "und verdient damit viel Geld" erweitert.

    Die Verwirrung des Begriffs liegt an der unterschiedlichen Bedeutung den der Begriff "Klassik" in unterschiedlichen Systemen hat. In diesem Forum wird sicherlich keiner bestreiten wollen, dass Klassik die Musik Mozarts, Beethovens, Haydns und Zeitgenossen ist. Deshalb ist klassische Musik auch ebensolche dieser Zeit und mehr nicht.


    Verlassen wir diesen Hort des Wissens um Musik, können wir nicht mehr sicher sein, das unsere Kommunikationspartner das gleiche unter "klassischer Musik" verstehen. Um uns nun das Erklären zu ersparen, verstehen auch WIR in diesen Systemen unter klassischer Musik mehr als Wiener Klassik. Das Verständnis eines Begriffes wandelt sich mit unterschiedlichen Systemen.


    Ein Begriff ist nichts anderes als ein Gefäß in das ein Inhalt gefüllt wird. Und je nachdem ob wir bei Diskounter, bei Edeka oder bei Feinkost Müller stehen wird die Diferenzierung genauer. Und je nachdem reden wir über Brotaufstrich, Marmelade oder Schwartaus Beste (Ich hoffe dies Bild ist verständlich).


    Trotzdem ist natürlich die Aufgabenstellung eine Gute, denn sie ermöglicht dem Antwortenden den Versuch einer Grenzziehung zu machen. Und genau so haben die meisten Antwortenden auch reagiert. Es wurden Grenzen gezogen. Ausgangspunkte war jedesmal ein "Ich", also die subjektive Sicht. Deshalb läßt sich auch so schwer argumentieren.


    Unstreitig gibt es musikalische Qualitätskriterien. Aber diese werden quer durch alle Musikrichtungen - und ich beziehe ausdrücklich auch Rockmusik mit ein- eingehalten und - auch bei echten Klassikern - manchmal nicht eingehalten. Nicht jedes Werk ist gleich gut gelungen, hat die gleiche Nachwirkung, die gleiche Präsenz. Ob (kompositionstechnsiche) Qualitätskriterien erfüllt sind oder nicht kann ich nicht beurteilen. Dazu fehlt mir (als Kulturwissenschaftler) die Kompetenz. Ich kann aber beurteilen, ob MICH Musik erreicht. Ob sie mich anspricht oder bei mir etwas bewirkt. Und nach meinem Verständnis ist es doch die Aufgabe von Kunst (und Musik ist eine der Oberbegriff einer Kunstgattung) beim Rezipienten etwas zu erreichen.


    So verstanden finde ich die Ausgrenzung von einzelnen Musikrichtungen nicht richtig. Mich spricht beispielweise Jazz überhaupt nicht an. Trotzdem habe ich überhaupt keinen Zweifel, dass in dieser Richtung hervorragende Musik gemacht wird. Genau so steht es mit der Rockmusik. Auch wenn hier die kleine Form, das Lied, die gängigste Form ist, so gibt es doch sehr gelungene Werke. "Yesterday" ist simpel, aber gelungen. Der "Lindenbaum" ist auch simpel, aber natürlich auch gelungen. (Ich wollte jetzt allerdings die Beatles nicht zu Rockmusikern machen, aber ehrlichgesagt kenne ich keine wirklich gelungene Rockmusik...) Auch bei unzweifelhaft hochwertigen Werken, ist einiges nicht gelungen: Franco Alfano hat sicherlich vieles Gutes geleistet, aber das Ende von Turandot ist einfach mißlungen und vielleicht wäre es besser mit dem Tode Lius aufzuhören. Wagner hat sicherlich besseres Gedichtet als die ersten Worte der Töchter des Rheins zu Beginn von Rheingold und so lassen sich sicherlich viele Dinge finden, wo auch die Besten nicht immer das Bestmögliche geleistet haben.


    Entscheidend ist für mich, ob ICH erreicht werde. Und einiges davon nenne ich im Kreise meiner, teilweise nicht sehr gut musikalisch gebildeten, Familie klassische Musik und hier im Forum eben so wie es stilistisch richtig einzuordnen wäre: Klassik, Romantik, Neoklassik usw.


    Oder war das jetzt zu spitzfindig?

    Ich schicke mal vorweg, dass ich noch nicht in Kiel im Theater war. Ich habe nur in der Besprechung der Lübecker Nachrichten gelesen, dass in Kiel eine andere Schlußversion von Turandot läuft und seit dem schaue ich mir auch das Programm in der Landeshauptstadt an.
    Das scheint ambitioniert zu sein, denn ich habe folgende Premieren für die nächste Spielzeit entdeckt:


    # Don Carlos
    # Alcina
    # West Side Story
    # Hänsel und Gretel
    # Der Rosenkavalier
    # Die Italienerin in Algier
    # Antar (DEUTSCHE ERSTAUFFÜHRUNG)
    # Triptychon (URAUFFÜHRUNG)
    # Pique Dame
    # Johannespassion


    Ich finde dabei natürlich die beiden Erst- bzw. Uraufführungen spannend.


    Antar ist von Gabriel Dupont
    Auf der Seite der Oper Kiel steht:
    Gabriel Dupont (1878–1914), musikalische Hochbegabung der französischen Belle Epoque, findet in seiner letzten Oper eine Musiksprache, welche kongenial die lyrischen Farben des Impressionismus mit der großformatigen Kontrastdramaturgie der Grand Opéra verbindet. Seine Oper Antar kam 1921 posthum an der Pariser Opéra Garnier mit großem Erfolg heraus und wurde lediglich 1946 in Paris neu in Szene gesetzt. Mit der Deutschen Erstaufführung in Kiel ist das Opus summum des zu früh verstorbenen und völlig in Vergessenheit geratenen Komponisten neu zu entdecken.


    Triptychon von Reinhard Febel (URAUFFÜHRUNG)
    Sie stehen vor einem Gemälde und tauchen tief in dessen Atmosphäre ein. Plötzlich beginnt das Bild zu leben und zu „tönen“. Reinhard Febels drei Musiktheaterszenen Frida, Das Gespensterhaus und Raum 17, sind musikalische Bildbetrachtungen von Gemälden Frida Kahlos, Edward Hoppers und Diego Velázquezs. In jeder Szene erleben zwei Paare die (mögliche) Geschichte eines Bildes. Zudem wird das Opernhaus selbst zum Bild, denn jeder Teil des Triptychons wird neue, ungewohnte Perspektiven auf das Haus eröffnen. „Das Mittelbild, in welchem beide Paare aufeinander treffen, wird umrahmt von zwei Frauenakten: In Frida wird der Geliebte einer Frau zu deren Mörder, eine zweite Frau beobachtet oder träumt das Geschehen. Raum 17 stellt einen Maler und sein Modell in den Mittelpunkt – und spielt andererseits auch in Raum 17 der Londoner National Gallery, wo eine Frau mit einem Messer (so geschehen 1907) versucht, das Bild zu zerstören. Im Gespensterhaus gerät ein junges Liebespaar in die Macht eines anderen, bereits verstorbenen Paares. Das erste Bild zeigt den Tod, das dritte die Liebe oder das Leben. Im Mittelteil treffen die Sphären aufeinander. Bild und Wirklichkeit sowie die Zeitebenen vermischen sich. Dabei werden auch musikalisch verschiedene Konstellationen von Sprache und Gesang durchgespielt: einer Sängerin und einem Sänger stehen eine Schauspielerin und ein Schauspieler gegenüber“ (Reinhard Febel).


    Mag sein, dass ich mich als Unwissender oute, aber beides sagt mir überhaupt nichts. Im Tamino Opernführer und auch in meinem Knauers Opernführer steht kein Werk von Dupont. Im Internet habe ich 4 Werke gefunden:
    1. La Cabrera (Henri Cain; italienische Fassung von A. Galli), drame lyrique 2 Teile (1903; 1904 Mailand, Teatro Lirico)
    2. La Glu (Jean Richepin/Henri Cain), drame musical populaire 4 Akte (1905-08; 1910 Nizza)
    3. La Farce du cuvier (M. Léna), Oper 2 Akte (1909-11; 1912 Brüssel)
    4. Antar (Chekri Ganem), conte héroïque 4 Akte und 5 Tableaux (1912-13; 1921 Paris)
    Vielleicht weiß hier ja jemand etwas über den Komponisten und das Werk.

    Reinhard Febel ist Jahrgang 1952. Mehr weiß ich nicht.


    Ich finde es gut, das Kiel sich diese Werke vornimmt. Auch "Alcina" und die "Italienerin" werden nicht gerade totgespielt.

    In einer Familie aus lauter "Kulturbanausen" bin ich über Fernsehmusicals und meine heißgeliebten Musical- und Operettenschallplatten über diverse Fernsehoperetten und Filmopern (es war nur eine: Die Zauberflöte) das erste mal mit dem Holländer in Hamburg in der Staatsoper.
    Ohne die Fernsehreihe "Des Broadways liebstes Kind" im ZDF wäre ich nie im Leben auf Musiktheater gestossen.


    Bevor ich das erste Mal im Theater war, habe ich bestimmt 100 mal meine Fledermaus Gesamtaufnahme und meine West-Side-Story und Evita-LP gehört, alle Fernsehmusicals und diverse Opern im Fernsehen gesehen. (Damals gab es die auch mal vor 22.oo). Ich habe im Fernsehen u.a. Rheingold, die Walküre, Parsifal , Carmina Burana gesehen. Der Schritt vom Fernseher - von dem ich ja jederzeit aufstehen konnte - und meinem ersten Theaterbesuch war für mich groß.


    Deshalb glaube ich auch, dass jede Kontaktmöglichkeit mit guter Musik ein guter Einstieg in die Oper ist. Die Oper sollte gut und kurz oder zumindest spannend oder aufregend sein. Der Holländer ist sicherlich nicht kurz. Er ist aber spannend, bietet Theaterzauber und tolle Musik, die nicht schwer verständlich ist und diverse "greatest Hits" hat. Auf Nummer sicher geht man aber sicherlich mit der Zauberflöte.


    Übrigens: Auch wenn mein Einstieg auch über die Fledermaus ging, halte ich diese aber für Kinder für ungeeignet: Mir war die Story als 12jähriger zu frivol und es war mir peinlich, dass der ganze erste Akt vom Seitensprung oder zumindest vom Versuch davon handelt. "Täubchen das entflattert ist, stille mein Verlangen, Täubchen das ich oft geküsst, laß die wieder fangen..." Ich habe deshalb eine ganze Zeit mit dem 2ten Akt angefangen. Inzwischen weiß ich auch, dass es auch dort immer nur um das eine geht, aber damals hielt ich es für eine große Party. Diese Peinlichkeit hat nicht sehr lange gedauert, trotzdem bin ich davon überzeugt, dass viele Opern (und Operetten) solche Szenen haben, die junge Menschen abschrecken können.

    Der Spielplan der Hamburger Staatsoper ist ja schon veröffentlicht. Hier nun das Programm aus Lübeck. Es ist ein wirklich schönes Theater.


    Theater Lübeck: Vorschau Spielzeit 2008/09


    Der Ring des Nibelungen. Die Walküre
    Premiere 07/09/08, Großes Haus
    Musikalische Leitung Roman Brogli-Sacher (Operndirektor und GMD)
    Inszenierung Anthony Pilavachi
    Bühne Momme Röhrbein
    Kostüme Angelika Rieck


    Evita - Musical von Andrew Lloyd Webber
    Liedtexte von Tim Rice. Deutsch von Michael Kunze
    Premiere 13/09/08, Großes Haus
    Musikalische Leitung Ludwig Pflanz
    Inszenierung Jörg Fallheier
    Ausstattung Heiko Mönnich
    Choreographie Martina Wüst


    Rigoletto - Melodramma in tre atti von Giuseppe Verdi
    Libretto von Francesco Maria Piave nach dem Versroman »Le roi s'amuse« von Victor Hugo
    Eine Koproduktion des Theater Lübeck mit dem Stadttheater Bern
    Premiere 24/10/08, Großes Haus
    Musikalische Leitung Philippe Bach
    Inszenierung Reto Nickler
    Bühne fettFilm
    Kostüme Nina Lepilina


    Wiener Blut- Operette in drei Akten von Viktor Léon und Leo Stein
    Musik von Adolf Müller d. J. nach Werken von Johann Strauß
    Eine Koproduktion des Theater Lübeck mit dem Meininger Theater - Südthüringisches Staatstheater
    Premiere 05/12/08, Großes Haus
    Musikalische Leitung Urs-Michael Theus / Ludwig Pflanz / Alexander Bülow
    Inszenierung Dr. Klaus Rak
    Bühne Christian Rinke
    Kostüme Johanna Weise
    Choreographie Martina Wüst


    Salome - Drama in einem Aufzuge von Richard Strauss
    Libretto von Richard Strauss
    nach dem Drama »Salomé« von Oscar Wilde in der deutschen Übersetzung von Hedwig Lachmann
    Premiere 06/02/09, Großes Haus
    Musikalische Leitung / Inszenierung Roman Brogli-Sacher
    Ausstattung Ulrike Radichevich
    Choreographie Martina Wüst


    Penthesilea - nach dem Trauerspiel von Heinrich von Kleist in einem Aufzug
    mit Musik von Othmar Schoeck
    Premiere 20/03/09, Großes Haus
    Musikalische Leitung Philippe Bach
    Inszenierung Alexander Schulin
    Ausstattung Cornelia Brunn


    Andrea Chénier - Dramma di ambiente storico in quattro quadri von Umberto Giordano Text von Luigi Illica
    Premiere 24/04/09, Großes Haus
    Musikalische Leitung Philippe Bach
    Inszenierung Bernd Reiner Krieger
    Ausstattung N. N.


    Die verkaufte Braut - Komische Oper in drei Akten von BedYich Smetana
    Text von Karel Sabina
    Premiere 29/05/09, Großes Haus
    Musikalische Leitung Roman Brogli-Sacher / Philippe Bach / Ludwig Pflanz
    Inszenierung Daniel Karasek
    Ausstattung N. N.


    Das Rheingold für Kinder - Oper von Richard Wagner
    Eine Kooperation des Theater Lübeck mit der Taschenoper Lübeck
    Premiere 28/03/09, Kammerspiele
    Musikalische Leitung Carl Augustin
    Inszenierung Sascha Mink
    Ausstattung Katia Diegmann


    Provinzigkeiten
    Musical für eine Sängerin und einen Pianisten
    Uraufführung Frühjahr 2009, Junges Studio
    Inszenierung / Ausstattung Knut Winkmann
    mit Imke Looft und Christian Reisser



    Wiederaufnahmen:
    Die Zauberflöte
    Das Rheingold
    Les Misérables
    Madama Butterfly

    Meine erste Oper in dieser Spielzeit 07/08 mit einem interessanten Bühnenbildkonzept: Riesige Kästen stellten die verschiedenen "Erzählungsorte" dar. Das hat gut im Olympia- und im Antonia-Bild funktioniert. Im Giulietta-Bild hat sich mir der Sinn der Bewegung des Kastens verschlossen.
    Olympia war eine Marylinfigur, die aufgeblasen und nicht aufgezogen wurde. Das hatte nicht nur Witz, ich fand auch dadurch die Begierde Hoffmanns überzeugend.
    Der Antonia-Kasten stellt Intimität her. Das ermöglichte Konzentration und ein detailliertes Spiel. Auch die Spiegelszene war gut gelöst.
    Vom Giulietta-Bild habe ich nur ein großes undurchschaubares Durcheinander im Kopf. Der drehende Kasten und das Suchen "wer singt den jetzt gerade?" waren für mich völlig unverständlich. Gott sei Dank hatte ich den Opernführer und das Programmheft gelesen. War ja auch im Grunde egal was da passiert ist, Hoffmann scheitert wieder in Herzenssachen, erst in den Erzählungen, dann in Luthers schicken und stylischen Yuppiebar.
    Gesungen und gespielt wurde im übrigen auch vorzüglich. Die Besetzungsliste habe ich nicht mehr, aber die Frauenpartien waren mit einer Dame besetzt, die es im Spiel und Gesang sehr gut gemacht hat.
    Es hat mir insgesamt gut gefallen, aber nochmal gehe ich in dieser Inszenierung nicht hin, obwohl mich die Besetzung Olympia: Ha Young Lee und Giulietta: Miriam Gordon-Stewart (Das ist die tolle Liu, deren Namen mir entfallen war, s.o.) reizen würde.

    Im Herbst letzten Jahres war ich im Rosenkavalier. Unter der musiklaischen Leitung von Simone Young haben wir einen schönen, spannenden, musiktrunkenden Abend erlebt.
    Später habe ich gelesen, dass die Inszenierung bereits in mehreren Häusern gelaufen ist. Ich weiß zwar nicht wo das Problem dabei sein soll, denn wenn etwas gut ist und funktioniert, warum den nicht auch woanders laufen lassen? Inszenierung, Bühnenbild und Licht stammen von Marco Arturo Marelli und ich fand das ganze sehr überzeugend. Die Bühne lief langsam von rechts nach links und ein riesieger Spiegel betonte die Wandlung. Mir gefiel das sehr. Die Übergabe der Rose wurde als "Zeitlupenballett" gespielt: Klasse!
    In der Wirtshausszene im 3. Akt wurde mit Paravants und Pappwänden gearbeitet. Auch das fand ich gut. Und immer lief der Boden weiter. Angenehmer Nebeneffekt: Wollten die Darsteller nicht von der Bühne gefahren werden mußten sie in Bewegung bleiben.
    Ich habe aber gar nichts zu mäkeln. Der Gesang war genau so gut wie das Orchester. Allen voran die Marschallin (ich glaube Melanie Diener), der Octavian (?) und die Sophie (Ha Young Lee). Das Terzett im 3. Aufzug war zum heulen schön.
    Auch wenn ich gesteinigt werden sollte: Ich finde, dass der eine oder andere kühne Strich das Stück verbessern würde.

    Zunächst habe ich unter "Gestern in der Oper" geschrieben, aber da ich auch den Rest des Ringes in beiden Häusern sehen werde, habe ich meinen Text noch einmal kopiert und setze ihn hier wieder ein.


    Die Hamburger Staatsoper und das Theater Lübeck haben für die laufende und die beiden folgenden Spielzeiten die gleiche Idee: den "Häppchenring", also in dieser Spielzeit Das Rheingold, in der nächsten die Walküre usw.


    Während ich mich immer noch wundere, warum es keine Absprachen zwischen den Häusern gibt, freu ich mich über die Möglichkeit eines Inszenierungsvergleiches eines kleinen (aber feinen) und eines großen Hauses.


    Dabei kommt Lübeck bei der Inszenierung gut weg. Ein pfiffiges Bühnenbild, der Grund des Rheines hat Rutschen auf denen die Töchter des Rheines hinabgleiten. Man sieht auch das Ufer in Form einer Kaimauer. Auch die Wiese vor Walhall fand ich überzeugend. Auch hier mehrere Ebenen die teilweise nur schwierig überwunden werden konnten. Die Riesen als Bauarbeiter mit Baucontainern. Ich fand auch Nibelheim überzeugend.


    Dagegen war das Bühnenbild in Hamburg die Rheinszene schon fast ärgerlich. Das Konzept war, dass die Götterfamilie ein großes Haus bewohnt. Die Wiese ist dabei der Dachboden des Hauses, wo eine gigantische Modelllandschaft stand (was ich gut fand), im Hintergrund das Fenster wodurch am Schluss die Familie zur Burg abtritt. Nibelheim lag im Heizungskeller, was ich sehr stark fand. Ärgerlich, weil mit Gewalt ins Konzept gepresst, die Anfangsszene. Die Töchter des Rheines im rosa Babydoll im Fluß-BETT. Das fand ich blöd. Auch das immerhin Titelgebende Rheingold, war erst ein goldener Schal, dann 20 Koffer und dann eine Ansammlung von Zetteln. Na ja, was soll’s. Da muss man als Hamburger eben durch.


    Die Inszenierung war in beiden Fällen aber gut. Die Figuren wurden gut geführt, keiner stand einfach nur rum und alle Details wurden sinnvoll eingebaut. Lübeck war etwas simpler und näher an der Ursprungsstory. Wotan schleppt seinen Speer mit sich herum und hat seine Augenklappe. Alberich verwandelt sich durch Umdrehen und Jacke ausziehen in den Drachen. Marilyn Freia wird in den Baucontainer eingesperrt und am Schluss fahren die Götter mit einer Baubühne hoch zur Burg. Das war gut rund und überzeugend. Hamburg war etwas gewollt, hatte aber mit der Nibelheim-Heizungskeller Szene die stärkste Idee: Die Verwandlung mit "Dampf" und Heizungsrohr. Das war Klasse und sehr stark. Auch auf die Nibelungen wurde verzichtet.
    Überragend und beeindruckend ist für mich jedoch der Hamburger Anfang: Das Theater ist stockfinster. Auch im Orchestergraben ist kein Licht. Aus dem Nichts beginnt das Vorspiel und man sieht nur den kleinen roten Punkt auf dem Taktstock. Nur Musik und der kleine rote Punkt. Das hat mich so beeindruckt, dass ich manchmal davon träume.


    Der Lübecker Orchestergraben ist für das Ringorchester zu klein und, ich bedauere es sagen zu müssen, das Werk für das Orchester zu groß. Der erste Aufzug war leider misslungen, weil wohl nicht genug geprobt. Es wurde mit Laufe des Stückes zwar besser, aber die Klarheit Hamburgs erreicht Lübeck leider nicht. Vielleicht habe ich auch besser hingehört und war besser auf Hamburg eingestellt: Ich konnte die Motive in Hamburg klarer erkennen und es gab auch keinen Wettkampf zwischen Sängern und Orchester.
    Als bekennender Simone Young Fan - und da bin ich in Hamburg nicht der einzige: Am Schluss gab es SIMONE, SIMONE-Rufe - glaube ich natürlich fest daran, dass es ihr Verdienst ist. Gut war allerdings das Hamburger Staatsopernorchester schon immer.


    Bei den Sängern fand ich in Lübeck Antonio Yang als Alberich und Veronika Waldner als Erda herausragend. Ausfälle gab es zwar nicht, aber in den Vordergrund haben sich Donner, Froh und Freia nicht gesungen.


    In Hamburg waren alle Partien ausgezeichnet besetzt und gesungen. Super war Falk Struckmann als Wotan, Jürgen Sacher als Loge, Alexander Tsymbalyuk als Fafner und die Töchter des Rheins (Woglinde: Ha Young Lee, Wellgunde: Vida Mikneviciute und Floßhilde: Ann-Beth Solvang). Wolfgang Koch hatte als Alberich nicht die gleiche Präsenz wie Antonio Yang in Lübeck, auch Patrick Busert hat mir als Mime in Lübeck besser gefallen als Jürgen Sacher in Hamburg, wobei beide wirklich ausgezeichnet gespielt und gesungen haben.


    Zusammengefasst: Lübeck war kurzweilig, stimmig und hatte tolle Darsteller (Antonio Yang, Patrick Busert und Veronika Waldner). Hamburg hatte die größeren Höhen (der rote Punkt und Heizungskeller, Orchester) und blöderen Ideen (rosa Babydoll und Fluß-BETT). Die Inszenierung ist ein (knapper) Punktsieg für Lübeck und die Musik geht eindeutig nach Hamburg. Ich bin froh beides gesehen zu haben.


    Ich freue mich schon auf die nächste Spielzeit. Natürlich gehe ich noch einmal in Rheingold und freue mich schon darauf, dass Veronika Waldner die Fricka singt und natürlich besonders auf den roten Punkt.


    Für die Walküre in Hamburg habe ich eine der letzte 4 Premierenkarten und für die Walküre in Lübeck noch nicht.
    Ich kann es kaum erwarten....

    Dank für die Hinweise. Eigentlich wollte ich ja auch nur 4 Sätze schreiben und da hätte es gepasst. Es wurde dann aber immer länger.
    Aber ich habe ja in dieser Spielzeit noch mehr gesehen und schreibe dazu auch noch.

    Der Lübecker Orchestergraben ist für das Ringorchester zu klein und, ich bedauere es sagen zu müssen, das Werk für das Orchester zu groß. Der erste Aufzug war leider mißlungen, weil wohl nicht genug geprobt. Es wurde mit Laufe des Stückes zwar besser, aber die Klarheit Hamburgs erreicht Lübeck leider nicht. Vielleicht habe ich auch besser hingehört und war besser auf Hamburg eingestellt: Ich konnte die Motive in Hamburg klarer erkennen und es gab auch keinen Wettkampf zwischen Sängern und Orchester.
    Als bekennender Simone Young Fan - und da bin ich in Hamburg nicht der einzige: Am Schluß gab es SIMONE, SIMONE-Rufe - glaube ich natürlich fest daran, dass es ihr Verdienst ist. Gut war allerdings das Hamburger Staatsopernorchester schon immer.


    Bei den Sängern fand ich in Lübeck Antonio Yang als Alberich und Veronika Waldner als Erda herausragend. Ausfälle gab es zwar nicht, aber in den Vordergrund haben sich Donner, Froh und Freia nicht gesungen.


    In Hamburg waren alle Partien ausgezeichnet besetzt und gesungen. Super war Falk Struckmann als Wotan, Jürgen Sacher als Loge, Alexander Tsymbalyuk als Fafner und die Töchter des Rheins (Woglinde: Ha Young Lee, Wellgunde: Vida Mikneviciute und Floßhilde: Ann-Beth Solvang). Wolfgang Koch hatte als Alberich nicht die gleiche Präsenz wie Antonio Yang in Lübeck, auch Patrick Busert hat mir als Mime in Lübeck besser gefallen als Jürgen Sacher in Hamburg, wobei beide wirklich ausgezeichnet gespielt und gesungen haben.


    Zusammengefasst: Lübeck war kurzweilig, stimmig und hatte tolle Darsteller (Antonio Yang, Patrick Bussart und Veronika Waldner). Hamburg hatte die größeren Höhen (rote Punkt und Heizungskeller, Orchester) und blöderen Ideen (rosa Babydoll und Fluß-BETT). Die Inszenierung ist ein (knapper) Punktsieg für Lübeck und die Musik geht eingeutig nach Hamburg. Ich bin froh beides gesehen zu haben.


    Ich freue mich schon auf die nächste Spielzeit. Natürlich gehe ich noch einmal in Rheingold und freue mich schon darauf, dass Veronika Waldner die Fricka singt und natürlich besonders auf den roten Punkt.


    Für die Walküre in Hamburg habe ich eine der letzte 4 Premierenkarten und für die Walküre in Lübeck noch nicht.
    Ich kann es kaum erwarten...

    Die Hamburger Staatsoper und das Theater Lübeck haben für die laufende udn die beiden folgenden Spielzeiten die gleiche Idee: den "Häppchenring", also in dieser Spielzeit Rheingold, in der nächsten dei Walküre usw.


    Während ich mich immer noch wundere, warum es keine Absprachen zwischen den Häusern gibt, freu ich mich über dei Möglichkeit eines Inszenierungsvergleiches eines kleinen (aber feinen) und eines großen Hauses.


    Dabei kommt Lübeck bei der Inszenierung gut weg. Ein pfiffiges Bühnenbild, der Grund des Rheines hat Rutschen auf denen die Töchter des Rheines hinabgleiten. Man sieht auch das Ufer in Form einer Kaimauer. Auch die Wiese vor Walhall fand ich überzeugend. Auch hier mehrere Ebenen die teilweise nur schwierig überwunden werden konnten. Die Riesen als Bauarbeiter mit Baucontainern. Ich fand auch Nibelheim überzeugend.


    Dagegen war das Bühnenbild in Hamburg die Rheinszene schon fast ärgerlich. Das Konzept war, dass die Götterfamilie ein großes Haus bewohnt. Die Wiese ist dabei der Dachboden des Hauses, wo eine gigantische Modelllandschaft stand (was ich gut fand), im Hintergrund das Fenster wodurch am Schluß die Familie zur Burg abtritt. Nibelheim lag im Heizungskeller, was ich sehr stark fand. Ärgerlich, weil mit Gewalt ins Konzept gepresst, die Anfangsszene. Die Töchter des Rheines im rosa Babydoll im Fluß-BETT. Das fand ich blöd. Auch das immerhin Titelgebende Rheingold, war erst ein goldener Schal, dann 20 Koffer und dann eine Ansammlung von Zetteln. Naja, was solls. Da muß man als Hamburger eben durch.


    Die Inszenierung war in beiden Fällen aber gut. Die Figuren wurden gut geführt, keiner stand einfach nur rum und alle Details wurden sinnvoll eingebaut. Lübeck war etwas simpler und näher an der Ursprungsstory. Wotan schleppt seinen Speer mit sich herum und hat seine Augenklappe. Alberich verwandelt sich durch Umdrehen und Jacke ausziehen in den Drachen. Marylin Freia wird in den Baucontainer eingesperrt und am Schluß fahren die Götter mit einer Baubühne hoch zur Burg. Das war gut rund und überzeugend. Hamburg war etwas gewollt, hatte aber mit der Nibelheim-Heizungskeller Szene die stärkste Idee: Die Verwandlung mit "Dampf" und Heizungsrohr. Das war Klasse und sher stark. Auch auf die Nibelungen wurde verzichtet.
    Überragend und beeindruckend ist für mich jedoch der Hamburger Anfang: Das Theater ist stockfinster. Auch im Orchestergraben ist kein Licht. Aus dem Nichts beginnt das Vorspiel und man sieht nur den kleinen roten Punkt auf dem Taktstock. Nur Musik und der kleine rote Punkt. Das hat mich so beeindruckt, dass ich manchmal davon träume. Mehr später..

    Hallo,
    ich bin neu hier und habe bisher wenig über Hamburger Inszenierungen gelesen. Ich war am 14.06.08 in Turandot und es hat mir so gut gefallen, dass ich eine Woche später, am 21.6. noch einmal hingegangen bin.
    Zunächst hat mich das Bühnenbild, die Kostüme (Mit Ausnahme der beiden Hauptpartien: Turandor hatte 2 Kostümwechsel und warum sie im letzten Akt ein rotes Nicki-Kleid anhatte, verstehe ich nicht. Es sah genau so billig aus, wie der Karnevallsumhang vom Prinzen Kalaf und der weiße Schlafanzug vom Kaiser. Toll jedoch der Chor, Timur, Ping, Pang, Pong und Liu) und die Gestaltung des Chores außerordentlich beeindruckt.
    Zum Bühnenbild: Im Hintergrund die Treppe zum Palast die Bluttriefend an der obersten Stufe zum Plasttor an beiden Seiten mit aufgestapelten Totenschädeln umfasst war. An der linken und rechten Seite jeweils zwei Treppen und Senkungen über die eine Brücke zur Treppe führt. Oberhalb des Palasttores eine Palastfenster in dem im ersten Akt Turandot im zweiten Akt der Kaiser und im dritten Akt der Henker (was ich aber nicht nachvollziehbar fand) erschienen sind. In diesem Bühnenbild spielt – mit Ausnahme des 2. Bildes (Ping, Pang, Pong Szene) – die gesamte Oper. Bühnenbild und Chorkostüme und Maske stellen ganz auf die Schreckensherrschaft Turandots ab. Bluttriefend, der Chor mit Totenschädelmasken und Ketten, die Hände flehend haltend und auf voller Verzweiflung dem Mond entgegensehnend. Überhaupt fand ich den Mondaufgang am ergreifensten.
    Musikalisch, bzw. gesanglich war an beiden Abenden der Chor phantastisch und ebenfalls an beiden Abenden die Besetzung der Liu (leider finde ich den Namen gerade nicht). Ich schätze aber, dass es auch an der dankbaren Rolle liegt. Carl Tanner als Prinz Kalaf fand ich OK bis gut, allerdings war er im Ensemble mitunter nicht zu hören. Am zweiten Sonnabend gefiel mit Alexander Tsymbalyuk als Timur auch sehr gut. Der erste Sonnabend war für Elizabeth Connell als Turandot nicht so gelungen. Entsprechend war am Schluss auch der Applaus. Am zweiten Sonnabend war sie dagegen herausragend und zwar gerade auch im Spiel. Ich hatte mich am ersten Abend noch gefragt, warum die Oper nach einer Nebenrolle benannt ist (was natürlich übertrieben ist, ich meinte damit, dass ich sie stellenweise auf der Bühne „vergessen“ hatte), so konnte ich sie am zweiten Sonnabend nicht aus den Augen lassen. Sie war absolut präsent, sogar dann wenn sie nicht gesungen hat. Und gesungen hat sie wirklich klasse. Am ersten Abend fand ich, dass die Metamorphose vom Splattermonster zur liebenden Braut noch etwas zu schnell ging. Beim zweiten Sonnabend war es besser, aber ich glaube das diese Metamorphose durch den Kuss das Kernproblem der Story, die schwierigste Aufgabe jeder Inszenierung und das größte Problem des Nachlasses von Puccini ist. Trotz allem es waren zwei tolle Abende mit tollen Sängern: Hatte am ersten Sonnabend die Liu-Besetzung noch als einzige Brava-Rufe aus dem ganzen Haus, so war Elizabeth Connell am zweiten Abend der herausragende Star.


    Die Inszenierung war etwas statisch. Kalaf stand oft nur herum und wartete auf seinen Einsatz. Besser kann man sicherlich auch die "Folterszene" machen. Das Solo-Trio - die ich in meinem Lob vergessen habe, sie waren auch toll - hatte ein paar seltsame Auftritte. Ich fand den Auftritt aus einer Kiste heraus nicht lustig, aber wems gefällt... Der Altoum war von seinem Standort 10 m über der Bühne kaum zu hören und hatte offensichtlich auch Schwierigkeiten mitzusingen. Ich habe ihn aber bewundert, dass er den ganzen Akt vor dem tiefen Abgrund stand.


    Mein letztes Wort gilt dem Orchester: Wenn auch die Leistungen der Sänger in Hamburg schwanken, vom Orchester war ich noch nie enttäuscht. Und nächste Spielzeit gehe ich vielleicht noch mal in Turandot.