Habe heute diesen alten Thread entdeckt und möchte ihn mal wiederbeleben, auch wenn ich Rankings meist total überflüssig finde. Ist aber eine Möglichkeit, auch nochmal ein paar Kommentare zu den Werken loszuwerden.
Eine eindeutige Reihenfolge anzugeben, ist mir unmöglich. Ist immer eine Frage der temporären Stimmung. Zudem höre die Sinfonien in letzter Zeit nicht so oft. Aber es gibt doch ganz klar Sinfonien, die höher bei mir im Kurs stehen als andere. Ich teile sie mal in Gruppen ein:
I. Favoritengruppe.
4, 8, 10, 11, 13, 14.
Wenn ich nach meiner Meinung gefragt würde, was die drei besten Sinfonien von Schostakowitsch sind, würde ich sicherlich Nr. 4 und Nr. 8 nennen (unentschieden), und dann Nr. 10. Leider ist es so, dass außer der Nr. 10 die anderen (aus dieser Gruppe I) sehr selten aufgeführt werden.
Nr. 4 ist in der sinfonischen Musikliteratur einzigartig, ein Werk von unglaublicher Kraft und enthemmten Dimensionen. Es gäbe hier viele Details zu nennen, aber ich erwähne hier nur den Schluss der Sinfonie, erst dieser fantastische Höhepunkt, der einige fanfarenartige und dissonante Anläufe braucht bis er sich dann emotional entläd, um dann abrupt in einer düsteren Landschaft zu enden, in der man es in der Ferne donnern hört und die Celesta "himmlische" Töne von sich gibt. Etwas für die Gänsehaut!
In Nr. 8 spürt man das blanke Entsetzen. Im ausgedehnten ersten Satz kommt es zu einer grausamen Steigerung, die als Höhepunkt in einen grotesken Marsch mündet. Nach dieser Katastrophe das traurige Solo des Englischhorn, das ist ergreifende Dramatik. Die Toccata mit ihrem unaufhaltsamen Rhythmus und den entsetzten Schreien der Es-Klarinette und dem makabren Tanz in der Mitte (schaurig-schön) halte ich für eines der besten Musikstücke Schostakowitschs und der Musikliteratur überhaupt. Genial! Etwas schwächer hingegen finde ich das Finale, dass das allerhöchste Niveau der vorausgehenden Sätze m. E. nicht ganz mithalten kann.
In Nr. 10 mag ich den ausgedehnten, düsteren, grüblerischen ersten Satz sehr. Immer wieder für mich faszinierend, wenn das Fagott das Aufbauen des Höhepunkts einleitet. Toll auch das Finale, wenn das DSCH-Thema schließlich das "Stalin-Thema" besiegt. Lediglich beim 3. Satz (und Beginn des 4. Satzes) habe ich schon mehrfach im Konzert Längen empfunden, aber vielleicht ist diese Stimmung auch dramaturgische Absicht.
Nr. 11 wird vielleicht oft als "Filmmusik" abgetan oder als eine Collage von bekannten Liedern, aber es ist doch sehr gut gemacht! Die eisige Stimmung auf dem Schloßplatz kann man deutlich spüren, die zu hörenden Brutalitäten im zweiten Satz können keinen Zuhörer kalt lassen. (Es ist diese Sinfonie von Sch., die ich zuerst im Konzertsaal erlebt habe (mit Bychkov, NDR). Ein Erlebnis, dass ich nie vergessen werde.)
Nr. 13. Ich mag besonders den ersten, und auch den zweiten Satz. Durch den Bass, den Männerchor und die dunkle Orchestrierung entsteht eine Stimmung, die ich sehr mag.
Nr. 14. Dieses Werk habe ich erst in der letzten Zeit liebgewonnen, da ich nicht so der Gesangsmusik-Freak bin/war. Formal ist es auch schwierig, dies als eine "Sinfonie" anzusehen, auch, weil das (Kammer-) Orchester nur aus Streichern und Schlaginstrumenten besteht. Aber die Musik ist einfach großartig, gerade auch mit dieser Instrumentierung.
II.
5, 6, 7, 9, 15.
Statt der Nr. 5 höre ich oft "lieber gleich" die Nr. 4 oder Nr. 8, sie könnte aber auch in der Gruppe I stehen.
Obwohl der erste Satz in Nr. 6 sehr ergreifend ist, lege ich diese Sinfonie meist nur ein, wenn ich in der Stimung bin, den "schmissigen" 2. und 3. Satz zu hören.
Nr. 7 höre ich de facto kaum noch. Die Bewertung ist daher z. Z. eher historisch geprägt.
Bei der Nr. 9 fällt es mir schwer, sie auf eine Stufe zu stellen, mit den "großen" Sinfonien. Aber es ist viel spaßige Musik dabei. Das Klarinettensolo gefällt mir sehr. Das Finale ähnlich "zirkushaft" wie bei der 6. (Historisch bzw. politisch gesehen, war diese "verweigernde" Sinfonie ein unglaubliches Wagnis.)
Nr. 15 höre ich selten ("as a matter of fact"), aber der erste Satz macht Spass und das Finale ist große Klasse. Genial der Schluß, wie ein auslaufendes Uhrwerk, in ähnlicher Form schon in der 4. Sinfonie und dem 2. Cellokonzert verwendet.
III.
1, 2, 3, 12
Bei der Nr. 1 ist bei mir nie der Funke übergesprungen.
Nr. 2, 3, 12 landen vermutlich bei den meisten Rankinglisten auf den letzten Plätzen. Ich möchte das aber gleich relativieren: Sie enthalten viel gute Musik. Nr. 2 (mit dem "Klangtextil") ist extrem innovativ, auch Nr. 3. Auch weite Teile der Nr. 12 gefallen mir sehr, der große Schwachpunkt ist sicherlich das Finale. Obwohl ich mich da oft Frage, ob dies mit seinem langweilenden Pathos nicht ironisch gemeint ist.
Ich merke aber schon, dass mir meine Einteilung in drei Gruppen nicht an allen Stellen behagt. Es gibt Werke, die könnten auch in einer anderen Gruppe erscheinen. 
maticus