Beiträge von maticus

    Erstmal vielen Dank für die Angebote (auch per PN), mir, wenn nichts anderes mehr geht, eine Kopie zu machen. Ich werde es erst noch selbst versuchen, vielleicht nehme ich die Angebote später dankbar an.


    Ich will jetzt aus diesem Thread keinen Technik-Thread machen, aber gerade nochmal zusammenfassen. Es sieht ja für Außenstehende so aus, als sei mein Hifi-CD-Player "schuld".


    Obwohl die CD auf dem DVD-Player und auf dem Laufwerk eines meiner Computer (nennen wir ihn B) läuft, kann etwas mit der CD nicht in Ordnung sein:


    1. Mein Hifi-CD-Player hat im Laufe des letzten Dutzend Jahre nicht die geringsten Probleme bzgl. Aussetzern etc. gezeigt, auch nicht in letzter Zeit.


    2. Die 5 anderen CDs der Box spielt der Hifi-CD-Player ohne Probleme ab (soweit ich das bisher feststellen konnte.)


    3. Das Problem taucht auch auf (wenn auch nicht so extrem) mit dem Laufwerk eines meiner Computer (nennen wir ihn A), unter zwei verschiedenen Betriebssystemen. Das Equippment ist nicht einmal ein Jahr alt.


    4. Das Problem tauchte auch bei den anderen beiden CDs der Nr. 6 auf. Mein Hifi-CD-Player spielt bei allen drei dieser CDs nicht einen einzigen Track an (einmal habe ich es geschafft), manchmal schafft er es nicht einmal, die Trackanzahl und die Gesamtzeit anzuzeigen und rödelt hilflos vor sich hin. Auch mit Computer A und B gab es massive Probleme. Dieser Fehler, der ja offensichtlich vorhanden ist, betrifft also eine Serie.


    Die CD (bzw. die drei CDs) kann also nicht vollständig in Ordnung sein, andererseits kann sie auch nicht komplett defekt sein, da es ja Laufwerke gibt, die sie abspielen. Mich würde interessieren, welches Problem bei der CD meinen Hifi-CD-player komplett aussteigen lässt.


    Da die dritte CD Nr. 6 anscheinend von (dem älteren) Computer B akzeptiert wird (so hoffe ich), werde ich demnächst eine Kopie machen (habe gerade keinen Rohling zur Hand). Voll befriedigend finde ich das auch nicht (sollte es klappen), liest man doch, dass solche gebrannten CDs nicht lange halten.


    maticus


    P.S. Sorry für die Belastung des Threads. Gibt es ein geeignetes Unterforum für mein Posting? Vielleicht sollte man es verschieben.

    Ich habe mir die Box mit den 6 CDs der GA (1978-1983) mit dem Borodin-Quartett (Melodiya 2006) zugelegt. Es gab ja hier einige gute Kritiken. In der Tat, die teilweise extremen und unpolierten Interpretationen, die ich bisher gehört habe, finde ich sehr spannend, der Klang ist auch gut.


    Aber: Ich habe massive Abspielprobleme mit der CD Nr. 6 (Streichquartette Nr. 14 und 15). Mein Hifi-CD-Spieler findet kaum oder meist garnicht die Tracks, keinen einzigen! Mein CD-Spieler ist aber nicht als zickig bekannt. Auch mit verschiedenen (!) CD-Spielern in Computern habe ich Abspielprobleme. Teilweise werden hier zwar Titel gefunden und angespielt, aber dann meist nur unsauber und mit Aussetzern bis zum Komplettausstieg nach kurzer Zeit. Mit den anderen 5 CDs scheint es keine Probleme zu geben.


    Mein freundlicher (Versand)-Händler hat mir die CD Nr. 6 sofort unkompliziert durch eine andere ersetzt. Leider mit demselben Ergebnis! Nun wurde mir eine dritte CD Nr. 6 zugesendet. Mein Händler sagte mir am Telefon (und ich glaube ihm das), diese dritte CD Nr. 6 auf zwei CD-Spielern getestet und alle Titel angespielt zu haben. Aber: Auch hier habe ich dasselbe Problem!! Auf verschiedenen CD-Spielern. Das gibt es doch nicht! Soetwas ist mir noch nicht untergekommen.


    Jetzt möchte ich hier fragen, ob auch andere Teilnehmer dieses Problem mit dieser CD kennen. Oder kann sich jemand vorstellen, woran es liegen könnte? Ich würde ja sagen, es ist ein Serienfehler. Aber wenn die CD auf anderen Playern läuft? Was soll ich jetzt machen? Ich finde die Interpretationen sehr gut und möchte nur ungerne das ganze Set zurückgeben, und hätte es am liebsten komplett (funktionierend natürlich). Bin ratlos.


    maticus


    P.S. Gerade nach Verfassen dieses Artikels kam mir noch die Idee, die CD mit meinem DVD-Player (am Fernseher) zu testen. Und: Es scheint damit zu funktionieren!!! Erklärt das, warum es mit den anderen CD-Playern Probleme gibt? Immerhin spielen die Laufwerke in meinen Computern doch auch DVDs ab. Dass es auf dem DVD-Player nun anscheinend läuft, nützt mir aber nicht wirklich etwas. Ich kann und will nicht nur für diese eine CD meinen DVD-Player an die Hifi-Anlage anschließen. Ich stehe vor einem Rätsel.

    Zitat

    Zitat von Robert Stuhr
    Ich habe meine Beiträge noch einmal durchgelesen und sehe nicht, daß ich Chabrol und Psychothriller als etwas Gegenteiliges dargestellt habe.


    Ich habe die Aussage des Regisseurs, die ich oben zitiert habe, und Deine Aussage


    Zitat

    Er wollte einen Psychothriller drehen, also [...] einen typischen Gernefilm,


    zusammengenommen. Du setzt in diesem Kontext "Genrefilm" mit "Psychothriller" gleich. Der Regisseur sagt, Schostakowitschs Musik sei ihm zu chabrolesk gewesen (obwohl es anscheinend wohl so geplant war), und deswegen sei sie abgeändert worden, und es sei ein Genrefilm (=Psychothriller) entstanden (im Gegensatz zu einem Chabrolfilm). Ich orientiere mich hier nur an Deiner (und des Regisseurs) Argumentation.


    Deine (anderweitigen) Kritiken an dem Film teile ich größtenteils. Tendenzen in Richtung Chabrol hat er ja, aber nicht dessen Qualität (die der Regisseur ja offenbar bewusst meiden wollte??). Völlig spannungsarm fand ich ihn nicht. Ich wollte schon wissen, wie es ausgeht, ein Katastrophe schien sich ja anzubahnen. Aber ein zweites mal werde ich mir den Film wohl nicht anschauen.


    maticus

    Hallo Robert,


    in einem Cineasten-Forum hätte ich diese Kritik vermutlich nicht angebracht. Obwohl ich dabei bleibe, dass das Konzert ein logischer Fehler ist, unabhängig von dem gespielten Stück selbst. Über weitere Schwächen könnte man sich auch unterhalten, aber wir sind hier ja schließlich in einem Musikforum.


    Zitat

    Und was hat das mit dem Kern des Problems zu tun, nämlich sich über einen musikalischen Fehler aufzuregen, der in einem Genrefilm dieser Art vollkommen nebensächlich und ohne jede Bedeutung ist?


    Nun, Du hast doch versucht, die Argumentation des Regisseurs damit zu verteidigen, indem Chabrol und Psychothriller als etwas voneinander Gegenteiliges dargestellt wurde.


    Ich weiß zwar immer noch nicht, was ein "Genrefilm" ist, aber Du stellst es quasi so dar, als würde es sich bei einem Psychothriller per se um ein anspruchsloses Produkt handeln. Für mich gibt es nur gute oder schlechte Filme. Auch Psychothriller können für mich gute Filme sein, es gelten dieselben Kriterien. (Vielleicht ein Grund, warum ich so selten ins Kino gehe.)


    Zitat

    Zu den Regeln gehört es jedenfalls, daß in einem gekonnten Psychothriller die Inszenierung spannend sein muß, die Handlung darf nicht allzuviele logische Löcher aufweisen und die Charaktere müssen glaubwürdig und überzeugend sein.


    Eben, glaubwürdig und (möglichst) keine logische Löcher. Genau mein Anspruch!


    maticus

    Hallo Robert,


    Zitat

    Zitat von Robert Stuhr
    Deshalb muß er sich trotzdem den Gesetzen des Films unterordnen, wenn er einen gelungenen Film drehen will.


    Und gegen welche Regel hätte er verstoßen, wenn er das Stück nicht verändert hätte? Hätte es dann auch nur einen Kinobesucher weniger gegeben? Wäre die Filmkritik schlechter gewesen? Ich behaupte: Nein! Welchen Mehrwert haben die zusätzlichen Noten? Ich behaupte: keinen.


    Zitat

    Dieser Tamino-Teilnehmer muß dann aber schon sehr naiv sein...


    Nicht notwendig. Wenn er das Werk von Schostakowitsch kaum oder garnicht kennt...


    Zitat

    Wo ist da das Problem? Er wollte einen Psychothriller drehen, also gerade keinen Auteur- sondern einen typischen Gernefilm, der lediglich aufgrund der beruflichen Herkunft des Regisseurs im Milieu der klassischen Musik spielt.


    Ich dachte, Chabrol hätte auch Psychothriller gemacht. Gerade er!


    Zitat

    Der Film gibt die Regeln vor, nicht die Musik.


    (s.o.) Wäre schön, wenn man diese Regeln mal konkret benennen könnte. Ansonsten kann man ja viel behaupten. Immer wird sich auf irgendwelche "Regeln" oder auf das "System" berufen, wogegen man nichts machen könne. Ich könnte noch zynisch (und leicht off-topic) hinzufügen: "Alle" haben sich immer auf die Gesetze des Marktes berufen, jetzt sind sie am Schreien...


    maticus

    Lieber Jacques,


    Zitat

    Zitat von Jacques Rideamus
    Wenn da tatsächlich eine Uhr im Hintergrund sein sollte, die der Filmzeit gemäß am Schluss des "Konzertes" nur zwei Minuten weiter ist, wäre das ein klarer Continuity-Fehler.


    Nein, es war keine Uhr zu sehen. Nochmal: Das GESAMTE Konzert wurde ohne Schnitt in der Musik gezeigt (Bild-Schnitt gab es schon), und dies dauerte (in der gekürzten Fassung) halt nur 2 Minuten. Es geht mir nicht um die Kürzung. Es geht mir darum, dass es das GESAMTE Konzert sein sollte, vom Auftritt bis zum Applaus.


    Anderer Fehler, der gerne in Filmen (nicht in diesem) gemacht wird: Profischachspieler spielen an einem Brett, welches um 90 Grad verdeht ist. Das finde ich ähnlich ärgerlich, auch wenn es für manche kleinkariert scheinen mag.


    Zitat

    Nur werfe ich das nicht unbedingt den Filmen oder ihren Musikarrangeuren und nicht einmal immer den Regisseuren vor, die sich öfter über ihre Komponisten hinwegsetzen als dass sie deren Probleme anerkennen und honorieren.


    Im "Making Of" sagt der Regisseur Denis Dercourt, dass er selbst professioneller Musiker in einem Sinfonieorchester war und seit 1993 Dozent am Konservatorium in Straßburg für Bratsche und Kammermusik! Da würde ich doch erst recht erwarten, dass ihm die Musik eine Herzensangelegenheit ist.


    Zitat

    Was man ihnen oft genug vorwerfen kann, ist nicht, dass sie Bearbeitungen vornehmen müssen, sondern wie sie das tun (etwa die unnötig aufgeblasene Orchestrierung in den meisten Musicalfilmen), schwerlich aber, dass sie - jedenfalls in der Regel - meist unvermeidlich sind.


    Gerade dem "unvermeidlich" würde ich vehement widersprechen. Klar, es muss gekürzt werden bzw. können nur Ausschnitte gezeigt werden. Aber dass das Werk ansonsten bearbeitet, ja vermeintlich "aufgemotzt" werden muss, das kann ich nicht nachvollziehen. Ich brauche natürlich nicht dazusagen, dass das Werk durch die Bearbeitung nicht besser wurde, im Gegenteil wirkte es lächerlich.


    Nimm jetzt einen durchschnittlichen Tamino-Teilnehmer, der Schostakowitsch kaum kennt, diesen Film sieht, der wird denken, dass Schostakowitsch (dessen Name und dessen gespieltes Werk ausdrücklich in dem Film genannt werden) irgendein Kitschkomponist ist, und das finde ich ärgerlich.


    Der Regisseur gab für die Bearbeitung auch eine Rechtfertigung.


    Zitat

    Zitat aus dem Making Of
    Arianes [die Pianistin] Etüde [?] sollte überleiten zu Schostakowitsch, einer Musik, die sehr chabrolesk ist und sehr hart und die wir ein wenig abgemildert [sic!] haben, indem wir ein paar Töne hinzugefügt haben, denn zwangsläufig hat der Film ein Eigenleben, und das Drehbuch war vielleicht erst wirklich etwas chabrolesker, und dann wurde es mehr ein Genrefilm mit mehr Atmosphäre.


    Muss ich das verstehen? Die "chabrolesken" Anteile, die der Film ja offenbar hat (und ich dachte, das wäre ein erstrebenswertes Ideal) wollte er eher meiden? Und "chabrolesk" bedeutet weniger Atmosphäre? Er will "abmildern"? Was denn? Ist der Film sonst zu spannend und nicht zu ertragen? Was ist mit "Genrefilm" gemeint? Diese für mich nicht nachvollziehbare Begründung und der musikalische Hintergrund des Regisseurs gießen m. E. nur noch mehr Öl ins Feuer.


    maticus

    Meine Kritik stößt ja hier offenbar auf wenig Verständnis. Das wundert mich ein wenig, weil ich das hier nicht als ein reines Filmforum sehe, sondern als Filmforum innerhalb des Tamino Klassikforums. Geht es daher nicht um Filme, die irgendwie mit Musik zu tun haben? Aber vielleicht habe ich da was missverstanden.


    Aber ich möchte nochmal kurz etwas klarstellen. Natürlich habe ich den Film nicht in der Erwartung gesehen, dass ich da jetzt eine tolle Interpretation des Klaviertrios (zumal in voller Länge) zu hören bekomme. Ich finde es halt schön, meine Lieblingsstücke auch außerhalb des Konzertsaals oder dieses Forums thematisiert zu sehen. Aber dem Stück sollte auch ein gewisser Respekt entgegengebracht werden.


    Erwartet habe ich allerdings eine gewisse Authentizität. Kennt jemand Beispiele von Filmen, in denen schon vorhandene klassische Musik drastisch abgeändert wurde? Mir fällt momentan kein Beispiel ein. (Doch, mir fällt nachträglich noch "Clockwerk Orange" ein, aber das ist m. E. etwas völlig anderes.)


    Aber sei es drum. Den anderen Punkt (zweiminütiges Konzert) sehe ich aber als klaren logischen FEHLER des Films. Das hätte durch einen Schnitt einfach und effektiv behoben werden können. Wozu gibt es denn heutzutage extra Personen beim Film, die für die "Continuity" zuständig sind, also darauf achten, dass auf der Uhr im Hintergrund die richtige Zeit angezeigt wird etc. Um es ganz klar zu sagen: Ich sehe diese Sequenz als klaren logischen Bock, oder es ist Absicht, und dann wird der Zuschauer nicht ernst genommen. Dies ist völlig unabhängig von dem gespielten Stück, denn KEIN Konzert dauert nur 2 Minuten.


    Ich finde, hier im Tamino Klassikforum sollte man solche Dinge ruhig ansprechen können. Ansonsten fand ich den Film durchaus sehenswert, insgesamt aber auch nicht herausragend gut. Trotzdem würde ich den Film empfehlen.


    maticus

    Zitat

    Zitat von Frank Pronath
    Eher habe ich mich darüber gewundert, warum ausgerechnet dieses Stück von Schostakowitsch in diesem Film vorkommt.


    Naja, warum nicht? Die Pianistin spielt in einem Trio, und es gibt nur zwei Klaviertrios von Schostakowitsch.


    Aber selbst dazu bringt der Regisseur eine scheinbare Begründung im "Making Of", so nach dem Motto (die Schauspielerin ist ja keine Pianistin), den Klavierpart des 2. Klaviertrios könne man auch spielen, wenn man schon 25 Jahre nicht mehr Klavier gespielt hat... :hahahaha: Hoffentlich erfährt Richard Kleiderschrank nicht davon. :pfeif:


    Zitat

    Aber das ist ja schließlich kein Konzertfilm, sondern ein Spielfilm.


    Das ist mir schon klar. Aber ich bin immer für Authentizität. Ich bin gegen jegliche Verkitschung, gegen Weichspüler. Wenn sie ein seichteres Werk mit mehr "Pepp" hätten haben wollen, hätten sie bestimmt etwas "besseres" komponieren können, es hat ja eh' ein Komponist mitgewirkt.


    Zudem: Ein Zweiminutenkonzert ist einfach unlogisch/unrealistisch. Man stelle sich vor, sie würden in ein Restaurant gehen, die Szene würde ohne Schnitt gezeigt, und das Essen wäre nach 2 Minuten schon wieder beendet. Würde man das nicht komisch finden? Um der Szene eine zeitliche Logik zu geben, hätten sie einen Schnitt machen müssen. Dann hätten sie sogar den Originalschluss zeigen können...


    maticus

    Diesen Thread habe ich aus dem Aktualitätsthread "Welchen Film seht Ihr gerade..." ausgekoppelt, wei er ein Thema anspricht, das m. E. weitere Überlegungen und Kommentare verdient. Welche anderen Beispiele kennt Ihr, und wie findet Ihr sie? J.R. II



    Habe gerade den folgenden Film gesehen.



    Das Thema des Films klingt ganz vielversprechend, und zudem spielt klassische Musik eine zentrale Rolle. Der Film hat in der Tat eine gewisse Spannung, die Schauspieler sind gut. Die Handlung wird für meinen Geschmack ein wenig zu schnell und direkt erzählt (der Film ist mit 81 Minuten auch recht kurz). Das Ende finde ich eher enttäuschend.


    Aber worum es mir in erster Linie geht: Ich bin auf den Film gestoßen, weil in ihm das 2. Klaviertrio von Schostakowitsch vorkommt, ein Werk, welches ich sehr mag. Es kommt an zwei Stellen des Films vor. Einmal bei einer heimischen Probe. Das zweite mal bei der Aufführung. Diese Darbietung der Aufführung finde ich lächerlich und gleichzeitig ärgerlich: Dass überhaupt nur der 4. Satz vorkommt, ist ja verständlich.


    Aber zwei Dinge finde ich wirklich ärgerlich: Die Probe ist noch okay. Aber bei der Aufführung des Trios wird die Klavierstimme deutlich aufgemotzt und erhält zusätzliche Noten, die im Original nicht vorkommen. Teilweise hört es sich an, als wolle die Pianistin ein schlechtes Klavierkonzert aufführen. Es klingt scheußlich. (Zuerst dachte ich, sie würde sich aus Nervosität verspielen.) Dazu kommt, dass ein anderer Schluss komponiert wurde, zudem ein völlig nichtssagender. So, als hätte man auf einem Keyboard die Beendentaste gedrückt.


    Zweitens, was wirklich lächerlich ist: Das ganze "Konzert" wird ohne Schnitt (in der Musik) vom Anfang bis zum Ende gezeigt. Es fängt mit dem Anfang des 4. Satzes des 2. Klaviertrios an und endet kaum 2 Minuten später mit dem künstlichen Schluss. So, als würde das ganze Konzert bzw. Trio nur 2 Minuten dauern. Selbst dem Musiklaien muss das doch absurd vorkommen!


    Naja, manch anderen mag soetwas unwesentlich erscheinen. Für mich war es eine herbe Enttäuschung. Warum muss man das gute Werk so verschandeln? (Der Regisseur bringt im "Making Of" dazu irgendeine fadenscheinige Rechtfertigung, die ich nicht verstehe.) Wird sich jemand, den das Werk potentiell interessieren könnte, nun durch diesen scheinbaren Vorgeschmack angezogen fühlen?


    Was denken andere dazu?


    maticus

    Zitat

    Zitat von AH.
    (1) die Tonaufnahme hat keine oder nur eine geringe Dynamikkompression erfahren.


    Ich bin kein Techniker, würde aber unterstellen, dass selbst bei modernen Aufnahmen solcher extremen Werke, von denen wir hier geredet haben, also etwa Schostakowitschs 7. oder 11. Sinfonie, diese eine deutliche Dynamikkompression erfahren. Vielleicht kann ja ein Insider etwas dazu sagen.


    Auch bei der Wiedergabe glaube ich weiterhin nicht, dass ein Lautsprecherpaar ein zu einer Bühne mit 100 Musikern äquivalentes Ergebnis liefern kann. Mal davon abgesehen, dass vermutlich 99% der Teilnehmer hier keine solch perfekte Anlage besitzen, von der hier die Rede ist. (Oder irre ich mich da?)


    Zudem wurden hier die Kondrashin-Aufnahmen ins Feld geführt. Auch wenn die Aulos super remastered sind (die ich persönlich nicht kenne), kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass hiermit Ergebnisse auf Konzertsaal-Niveau erzielbar sind. (Die Besitzer der Aulos-Aufnahmen mögen auf mich einprügeln :untertauch: )


    Damit das hier nicht als "offtopic" eingestuft wird: Es geht um die (im Konzertsaal oder zuhause auf dem Sofa) gespürte Brutalität in der Musik. Meine Behauptung ist, die wirkt im Konzertsaal wesentlich eindringlicher als vor der heimischen Anlage. In der Praxis (keine 100.000 Euro Anlage, wohnen im Mietshaus, etc.) ist das doch sicherlich richtig.


    maticus

    Hallo Wolfgang,


    Zitat

    Zitat von teleton
    Du meinst das man die Sinfonie nur LIVE im Konzertsaaal als "nicht gesoftet" erleben kann. Ich weis nicht was Du für eine Wiedergabeanlage zu Hause stehen hast ? Ich finde man kann dieses Werk sogar zu Hause noch besser hören, als im Konzertsaal, da bei einer guten Aufnahme alle Orchesterstimmen detailreicher präsent sind (so quasi dritte Reihe Mitte).
    Ich habe die Leningrader in den 80er-Jahren einmal Live in der Beethovenhalle Bonn unter Volker Wangenheim gehört. Ein sehr gutes begeisterungswürdiges Konzert. Aber ich finde nicht, dass sich auch im ersten Satz unbedingt Passagen finden, die meine Anlage nicht genauso oder durch meine Aufnahmen sogar besser rüberbringt, wie das Livekonzert seinerzeit.


    ich habe sicherlich keine Superanlage, sehe da aber eher meine Nachbarn als limitierenden Faktor ;)


    Ich will ja nicht abstreiten, dass es sehr gute Hifi-Anlagen und recht gute (moderne) Aufnahmen gibt. Aber ich denke trotzdem, dass auch eine sehr gute Anlage nur einen Bruchteil der physischen "Gewalt" rüberbringt, der man im Konzertsaal ausgesetzt ist. Die Lautstärken im Konzertsaal können doch enorm sein, und diesen riesigen Klangkörper kann man nicht durch (kleine) Lautsprecher in dem Maße wiedergeben. Davon bin ich nicht nur theoretisch überzeugt, sondern auch aus Erfahrung. Und gerade die Sinfonien von Schostakowitsch mit ihren zum Teil extremen Dynamiken sind dafür beste Beispiele. Aber selbst so ein scheinbar "ruhiges" Werk wie das 1. Violinkonzert op. 77. Ich habe es mehrfach live gehört, und der Effekt, der beim Einsetzen der Schlaginstrumente im Scherzo entsteht, ist im Konzertsaal m. E. absolut atemberaubend, während es auf Aufnahmen (die ich kenne) einfach nur eine etwas lautere Stelle ist. Oder die Militärtrommel in der 11. Sinfonie. Die fegt mich im Konzertsaal weg...


    maticus

    Zitat

    Zitat von teleton
    Solche Stellen finden wir oft in Schostakowitsch-Sinfonien.
    Nr.7, 1,Satz (nennt Thomas Pape als Beispiel) - aber hier ist gerade Kondraschins (und Roshdestw.) agressive Haltung aussagefähiger und spannender, als ein gesoftetes Geplänkel, das mich nicht zum Nachdenken anregt, sondern quasi unzufrieden über die eingebaute Bremse zurückläßt.


    Kannst Du mal ein Beispiel für ein solch "gesoftetes Geplänkel" nennen? Außerdem darf man nicht vergessen, dass auf der CD alles "gesoftet" ist im Vergleich zum Original im Konzertsaal.


    Zitat

    Zitat von pbrixius
    Da hätte ich auch noch eine Frage an Thomas Pape, der das "Invasions-Motiv" in Schostakowitschs Siebter anführt. Ich habe mich schon länger nicht mehr mit der Sinfonie beschäftigt, aber gab es da nicht grundsätzlich unterschiedliche Deutungen dieses Motivs?


    Bernd Feuchtner weist in seinem interessanten Buch darauf hin, dass dieses Motiv eine Variante des "Gewaltmotivs" ist, das schon in der Lady Macbeth vorkommt, und nennt auch weitere Stellen in Schostakowitschs Werk, an denen es vorkommt.


    Ich denke, die Bezeichnung "Invasions-Motiv" enthält schon eine Interpretation, die möglicherweise nicht der wahren Intention des Komponisten entspricht.


    Zitat

    Zitat von Thomas Pape
    In den Memoiren von DSCH taucht aber auch die Bezeichnung "Stalinmotiv" auf.


    Wirklich? Das ist mir neu, oder ich mag es wieder vergessen haben. Als "Stalinmotiv" wird oft das Thema des 2. Satzes in der 10. Sinfonie bezeichnet.


    Allerdings wird in den "Memoiren", soweit ich mich erinnere, geschrieben, dass mit Faschismus alle Formen von Faschismus gemeint seien, nicht nur der unter Hitler, sondern auch der unter Stalin, oder so ähnlich. Allerdings ist zweifelhaft, ob man die "Memoiren" als Quelle benutzen kann.


    Ich finde Versuche, die "wahre" Bedeutung dieses oder jenes Motivs herausfinden zu wollen, müßig, da wir es heute sowieso nicht mehr 100%ig heraus bekommen werden. Die Details, ob es nun deutscher oder sowjetischer Faschismus war, finde ich eher zweitrangig. Genauso wie die Frage, ob es bei der "Erschießungsszene" im 2. Satz der 11. Sinfonie um die Ereignisse 1905 in Petersburg oder 1956 in Ungarn ging. Man kann die Musik einfach auf beides (und weiteres) "anwenden".


    Zitat

    Zitat von Thomas Pape
    (das wahrhaft mörderische dabei ist für meine Ohren das Schlagzeug).


    Naja, der erweiterte Blechbläserapparat ist auch nicht von Pappe...


    maticus

    Um auf die genannten konkreten Beispiele einzugehen:


    Den "Le Sacre" von Strawinsky empfinde ich als nicht besonders aggressiv. Er ist teilweise sehr laut und schroff, natürlich, aber sehr rhythmisch, tänzerisch, teilweise ekstatisch.


    Die genannten Sinfonien von Schostakowitsch, die 7. und die 11. etwa, sind insofern aggressiv als sie reale Gewalt darstellen. Es kann an den Stellen selbst für den Zuhörer (im Konzertsaal!) schwer zu ertragen sein. Ingo Metzmacher sagte mal bei einer Einführung (sinngemäß), bevor er die 7. von Schostakowitsch dirigierte, dass die Steigerung im ersten Satz wohl zum Lautesten gehört, was es in der Musik gibt, und dass diese Lautstärke auch für ihn als Dirigent schwer zu ertragen sei, dass dies aber zur realistischen Darstellung der Gewalt gehört. Ich persönlich finde die Schlagzeugsequenzen im 2. Satz der 11. noch viel drastischer.


    maticus

    Letztes Jahr um diese Jahreszeit für mich nach längerer Pause "wiederentdeckt", höre ich das 1. Violinkonzert auch jetzt wieder außerordentlich gerne. Scheint am Herbst zu liegen...


    Da die Aufnahme des 2. Konzerts mit Gidon Kremer (die auch schätze) erwähnt wurde: Gibt es eigentlich mit ihm eine Aufnahme des 1. Konzerts? Ich habe nie eine gesehen, was ich verwunderlich finde. Letztes Jahr gab es auf youtube ein Video des 4. Satzes, ein m. E. sehr mitreissenden Mitschnitt bei den BBC Proms. (Mit Mariss Jansons?) Der scheint nicht mehr da zu sein. Aber zeigt, dass Kremer das 1. Konzert prinzipiell auch spielt.


    Beim Stöbern bei youtube bin ich auf eine 3sat-Doku gestoßen über die Geigerin Lisa Batiashvili. Sie spielt u. a. das 1. Konzert mit dem BPO unter Vladimir Ashkenazy. Weiss jemand, ob man sich da auf eine neue Aufnahme freuen kann?


    Nebenbei: Was haltet ihr von der folgenden Rezension dieses Konzerts im Berliner Tagesspiegel?


    "http://www.tagesspiegel.de/kultur/;art772,2398782"


    Ich finde nicht, dass sich das sehr kompetent anhört. Schostakowitsch Konzert wird da als "ernste, sonderbare Musik" klassifiziert.


    maticus

    Habe heute diesen alten Thread entdeckt und möchte ihn mal wiederbeleben, auch wenn ich Rankings meist total überflüssig finde. Ist aber eine Möglichkeit, auch nochmal ein paar Kommentare zu den Werken loszuwerden.


    Eine eindeutige Reihenfolge anzugeben, ist mir unmöglich. Ist immer eine Frage der temporären Stimmung. Zudem höre die Sinfonien in letzter Zeit nicht so oft. Aber es gibt doch ganz klar Sinfonien, die höher bei mir im Kurs stehen als andere. Ich teile sie mal in Gruppen ein:


    I. Favoritengruppe.


    4, 8, 10, 11, 13, 14.


    Wenn ich nach meiner Meinung gefragt würde, was die drei besten Sinfonien von Schostakowitsch sind, würde ich sicherlich Nr. 4 und Nr. 8 nennen (unentschieden), und dann Nr. 10. Leider ist es so, dass außer der Nr. 10 die anderen (aus dieser Gruppe I) sehr selten aufgeführt werden.


    Nr. 4 ist in der sinfonischen Musikliteratur einzigartig, ein Werk von unglaublicher Kraft und enthemmten Dimensionen. Es gäbe hier viele Details zu nennen, aber ich erwähne hier nur den Schluss der Sinfonie, erst dieser fantastische Höhepunkt, der einige fanfarenartige und dissonante Anläufe braucht bis er sich dann emotional entläd, um dann abrupt in einer düsteren Landschaft zu enden, in der man es in der Ferne donnern hört und die Celesta "himmlische" Töne von sich gibt. Etwas für die Gänsehaut!


    In Nr. 8 spürt man das blanke Entsetzen. Im ausgedehnten ersten Satz kommt es zu einer grausamen Steigerung, die als Höhepunkt in einen grotesken Marsch mündet. Nach dieser Katastrophe das traurige Solo des Englischhorn, das ist ergreifende Dramatik. Die Toccata mit ihrem unaufhaltsamen Rhythmus und den entsetzten Schreien der Es-Klarinette und dem makabren Tanz in der Mitte (schaurig-schön) halte ich für eines der besten Musikstücke Schostakowitschs und der Musikliteratur überhaupt. Genial! Etwas schwächer hingegen finde ich das Finale, dass das allerhöchste Niveau der vorausgehenden Sätze m. E. nicht ganz mithalten kann.


    In Nr. 10 mag ich den ausgedehnten, düsteren, grüblerischen ersten Satz sehr. Immer wieder für mich faszinierend, wenn das Fagott das Aufbauen des Höhepunkts einleitet. Toll auch das Finale, wenn das DSCH-Thema schließlich das "Stalin-Thema" besiegt. Lediglich beim 3. Satz (und Beginn des 4. Satzes) habe ich schon mehrfach im Konzert Längen empfunden, aber vielleicht ist diese Stimmung auch dramaturgische Absicht.


    Nr. 11 wird vielleicht oft als "Filmmusik" abgetan oder als eine Collage von bekannten Liedern, aber es ist doch sehr gut gemacht! Die eisige Stimmung auf dem Schloßplatz kann man deutlich spüren, die zu hörenden Brutalitäten im zweiten Satz können keinen Zuhörer kalt lassen. (Es ist diese Sinfonie von Sch., die ich zuerst im Konzertsaal erlebt habe (mit Bychkov, NDR). Ein Erlebnis, dass ich nie vergessen werde.)


    Nr. 13. Ich mag besonders den ersten, und auch den zweiten Satz. Durch den Bass, den Männerchor und die dunkle Orchestrierung entsteht eine Stimmung, die ich sehr mag.


    Nr. 14. Dieses Werk habe ich erst in der letzten Zeit liebgewonnen, da ich nicht so der Gesangsmusik-Freak bin/war. Formal ist es auch schwierig, dies als eine "Sinfonie" anzusehen, auch, weil das (Kammer-) Orchester nur aus Streichern und Schlaginstrumenten besteht. Aber die Musik ist einfach großartig, gerade auch mit dieser Instrumentierung.


    II.


    5, 6, 7, 9, 15.


    Statt der Nr. 5 höre ich oft "lieber gleich" die Nr. 4 oder Nr. 8, sie könnte aber auch in der Gruppe I stehen.


    Obwohl der erste Satz in Nr. 6 sehr ergreifend ist, lege ich diese Sinfonie meist nur ein, wenn ich in der Stimung bin, den "schmissigen" 2. und 3. Satz zu hören.


    Nr. 7 höre ich de facto kaum noch. Die Bewertung ist daher z. Z. eher historisch geprägt.


    Bei der Nr. 9 fällt es mir schwer, sie auf eine Stufe zu stellen, mit den "großen" Sinfonien. Aber es ist viel spaßige Musik dabei. Das Klarinettensolo gefällt mir sehr. Das Finale ähnlich "zirkushaft" wie bei der 6. (Historisch bzw. politisch gesehen, war diese "verweigernde" Sinfonie ein unglaubliches Wagnis.)


    Nr. 15 höre ich selten ("as a matter of fact"), aber der erste Satz macht Spass und das Finale ist große Klasse. Genial der Schluß, wie ein auslaufendes Uhrwerk, in ähnlicher Form schon in der 4. Sinfonie und dem 2. Cellokonzert verwendet.


    III.


    1, 2, 3, 12


    Bei der Nr. 1 ist bei mir nie der Funke übergesprungen.


    Nr. 2, 3, 12 landen vermutlich bei den meisten Rankinglisten auf den letzten Plätzen. Ich möchte das aber gleich relativieren: Sie enthalten viel gute Musik. Nr. 2 (mit dem "Klangtextil") ist extrem innovativ, auch Nr. 3. Auch weite Teile der Nr. 12 gefallen mir sehr, der große Schwachpunkt ist sicherlich das Finale. Obwohl ich mich da oft Frage, ob dies mit seinem langweilenden Pathos nicht ironisch gemeint ist.


    Ich merke aber schon, dass mir meine Einteilung in drei Gruppen nicht an allen Stellen behagt. Es gibt Werke, die könnten auch in einer anderen Gruppe erscheinen. ?(


    maticus

    Zitat

    Die oberflächliche Gemeinsamkeit mit einem Bruchteil klassischer Musik scheint mir eher eine Neigung zu düsterem Bombast zu sein


    Es ging mir nicht um eine ein-zu-eins-Gemeinsamkeit, sondern um eine eher formale Gemeinsamkeit. Ich bleibe dabei, solche Musik wie Heavy Metal (so wie ich sie kannte; nur ganz wenige Platten) hat mehr formale Ähnlichkeit zur klassischen Musik (so wie ich sie höre) als etwa die verwechselbare Popmusik, die auf fast allen Radiosendern gedudelt wird. Allerdings würde ich es mit der Gemeinsamkeit auch nicht übertreiben wollen.


    Zitat

    Wieviel davon "ehrlich" (was immer das in diesem Kontext heißen mag) ist und wieviel Pose, nur eben eine andere als die anderer Pop-Subkulturen, wage ich nicht zu beurteilen. Es scheint aber, daß jedenfalls die toten Hühner und Schwarzen Messen größtenteils Pose, um die braven Bürger zu schockieren, gewesen sind, das kann für den Rest ebenso gelten.


    Also Texte (in der Musik) haben mich damals nicht sonderlich interessiert. Von solchen Inhalten würde ich mich aber distanzieren wollen.


    Natürlich ist es schön, wenn hinter der Musik auch ein Text steckt, der einem etwas bedeutet. Aber wenn ich die Texte, die hinter der Musik stecken, immer wichtig nehmen würde, dürfte ich z. B. nicht Strawinskys Psalmensinfonie schön finden, was aber der Fall ist. (Ich habe mir den Text mal angeschaut, ignoriere ihn danach aber lieber; das ist weder meine Sprache noch meine Welt.) Ich weiss auch nicht, wie "ehrlich" Strawinskys Verwendung der Texte gemeint war...


    maticus

    Zitat

    Allerdings muss man fairerweise sagen, dass 1. die Ausnahmen die Regel bestätigen und 2. es auch bei vielen anderen Musikrichtungen Anhänger gibt, die sich vom Mainstream lösen und einen eigenen Geschmack entwickeln.


    Ja natürlich. Über Jazz etwa könnte man ähnliches sagen, und auch in der Pop-Musik gibt es Stilrichtungen, die nicht gerade Mainstream sind. Davon abgesehen gibt es ja auch riesige Unterschiede innerhalb der klassischen Musik. Auch innerhalb der klassischen Musik gibt es ja einen "Mainstream", der sogar -- bei entsprechender Vermarktung -- die breite Masse erreicht...


    maticus

    Hallo Theodora, und auch alle anderen,


    interessante Aussagen. Ich habe schon vor einigen Jahren meiner Freundin gegenüber den Gedanken geäußert, dass ich finde, dass Heavy Metal und Hard Rock in gewisser Hinsicht klassischer Musik nicht unähnlich ist. Ich hatte in meiner Jugend mal eine Heavy Metal Phase. (Dies dürfte jetzt um die 25 Jahre zurückliegen.) Heavy Metal scheint mir doch deutlich komplizierter und virtuoser als die eingängige 08/15 Popmusik, und man muss sich erst eine Weile reinhören, es gibt virtuose Soli der E-Gitarren wie die Kadenz in einem Violinkonzert, etc. Außerdem ist wohl beiden Musikrichtungen gemeinsam, dass der Hörerkreis relativ klein ist. Und ich glaube auch (mal pauschalisierend gesprochen), dass man bei beiden Musikrichtungen (anfangs) eine gewisse Eigeninitiative aufbringen muss, um sich dieser Musik zu stellen, man muss sich aus dem Mainstream lösen und sich zu einem eigenen, individuellen Musikgeschmack bekennen, und deshalb ist auch die Aussage über die Kreativität nicht überraschend. Das gelingt nur einer Minderheit, die meisten scheinen keinen eigenen Geschmack zu entwickeln. Ein gesamt-gesellschaftliches Phänomen unserer Zeit, nicht nur in Bezug auf das Musikhören.


    maticus

    Mich wundert, dass Sarah Chang



    hier noch nicht erwähnt wurde. Ich finde, sie bietet eine sehr reife Leistung. Ich mag die Aufnahme sehr (auch Prokofjew Nr. 1), insbesondere ihre Cadenza.


    Von Hilary Hahn kenne ich die oben genannte CD-Einspielung nicht. Ich habe sie aber mal bei youtube das 1. Violionkonzert von Sch. spielen sehen, ich fand es emotionslos. Vielleicht ist die CD besser.


    maticus

    Lieber GalloNero,


    ich wage es mal, das Zitat


    "Die Schweine wechseln, dieTröge bleiben dieselben"


    anzubringen. Also die Tröge der klassischen Musik. Das Problem oder die Frage ist nur, ob heutzutage noch genügend viele neue "Schweine" den Weg an diese Tröge finden.


    Im Ernst: Ich denke, das Problem der klassischen Musik ist nicht, dass sie sich möglicherweise nicht mehr weiterentwickelt. Es gibt genug klassische Musik für ein Leben. Die Musik Bachs, Mozarts oder Beethovens ist heute immer noch dieselbe wie damals, und doch ist sie heute populärer als zu den Lebzeiten der Komponisten. Ein Problem für die klassische Musik könnte nur sein, dass zu wenig junge Menschen auf die klassische Musik zugehen und die Klassikhörer auf diese Weise aussterben. In der Tat scheint der Anteil des jungen Publikums in Konzert- und Opernsälen ziemlich gering zu sein.


    Dass Pop- oder Rockmusik soviel neues zu bieten haben, wage ich mal zu bezweifeln. Das Gedudel im Radio klingt doch meist gleich und nichtssagend. Wo ist denn da der Kick? Aber so ist das wohl heutzutage, die Masse möchte das gleiche und nichtssagende.


    Wo liegt also die "Rettung" der Klassik? In Vanessa M. im nassen T-Shirt und E-Geige? In Kuschelklassik-CDs und -konzerten? In Auftritten des "Geigenvirtuosen" Riö im Stadion vor schunkelndem und mitsummendem Massenpublikum, oder den Drei Tenören? Oder wird die klassische Musik später ihre Daseinsberechtigung allein durch die Vermarktung der 12 eingängigsten Stücke in Pizzawerbung und in der Werbung von Mobilfunkanbietern finden?


    Etwas offtopic, sorry, konnte nicht widerstehen...


    maticus

    Da hier auch Entstehungszeiten genannt wurden, möchte ich darauf hinweisen, dass das, was lange Zeit fälschlich die "Suite für Jazzorchester Nr. 2" genannt wurde, eigentlich die "Suite für Varietätsorchester" ist und nicht 1938, sondern ziemlich sicher erst Mitte der 1950er entstanden ist (und anscheinend erst 1988 (!) zum ersten mal aufgeführt wurde). Der berühmte "2. Walzer" daraus ist dem Film "Die erste Staffel" entnommen.


    Ich muss sagen, mir gefällt die Aufnahme mit Yablonsky. Zum Beispiel spielt er den "2. Walzer" recht schnell, was ihm m. E. gut tut. Chailly ist mir ein klein wenig zu träge, passt aber gut zum Kubrick-Film "Eyes Wide Shut".


    Was ich mich frage: Wie "jazzig" ist die Musik eigentlich? Unter "Jazz" verstehe ich etwas anderes. Der Name "Suite für Varietätsorchester" deutet ja auch nicht darauf hin. (Nebenbei: In den Titeln ist ja genau genommen nicht von "Jazz" die Rede, sondern von "Jazzorchester".) Wie steht es mit der "Suite für Jazzorchester Nr. 1" von 1934? Auch diese (Waltz/Polka/Foxtrot) würde ich nicht wirklich mit "Jazz" in Verbindung bringen, eher mit "Tanzmusik", aber ich bin da kein Experte. Barbirolli nannte oben Jazz der 1920er Jahre. Die (rekonstruierte) tatsächliche "Suite für Jazzorchester Nr. 2" kenne ich garnicht.


    Oder ist es eher so, dass "Jazz" hier für "(dekadente) westlich-orientierte" Musik steht? Musik, wie man sie etwa auch im "Goldenen Zeitalter" findet?


    maticus

    Ich bin auf die folgenden beiden Einspielungen gestoßen, und würde gerne die Unterschiede wissen:



    Beide mit den selben Künstlern (Kagan, Bashmet und Richter), beide enthalten auch die Sonate für Violine und Klavier op. 134. Die Aufnahmedaten scheinen auch gleich zu sein (1982/1985). Allerdings heisst es bei der linken DDD, bei der rechten ADD.


    Kennt jemand diese Aufnahmen, und ist eine der anderen klar vorzuziehen?


    maticus

    Also ich kenne die Aulos nicht, habe aber vor einigen Wochen die Melodiya-GA (DSCH Sinfonien, 2006) gekauft. Ich habe bisher nur einige wenige Sinfonien (und andere Stücke) davon gehört (aus verschiedenen Gründen). Dennoch denke ich, sagen zu können, dass das viel geäußerte Lob über die Aulos-GA nicht analog für die Melodiya gelten kann, das würde mich sonst sehr wundern.


    Die Melodiya-2006-Remasterings sind schon eine kleine Verbesserung. Als Vergleich hatte ich bisher nur eine ältere Auflage der 4. Sinfonie, insofern auch die problematischste, da es die älteste der Aufnahmen ist (1962). Eine Verbesserung ist, wie gesagt, hörbar, aber es liegen nicht Welten dazwischen, zumal der Klang auch nicht unbedingt natürlicher geworden ist.


    Ich glaube, ich werde jetzt nicht auch noch in die Aulos investieren, obwohl ich gerne glaube, dass sie deutlich besser ist, und ich auch schon den Eindruck habe, dass interpretatorisch Kondraschin auf höchstem Niveau ist.


    maticus

    Auch einige Gedanken und "Bekenntnisse" von mir:


    In meiner Kindheit und Jugend hat klassische Musik quasi nicht existiert. Erst im Musikunterricht vor dem Abitur bekam ich mal eine Sinfonie von Beethoven (Eroica) und Tschaikowsky (Pathetique) zu hören. Dennoch hat mich der Musikunterricht ziemlich abgeturnt. Erst einige Jahre später fiel mir wieder ein, dass mir die Pathetique gefiel, und kaufte sie mir als erste klassische Schallplatte. Ich habe die Platte zigmal am Stück gehört, und sie gefiel mir mit jedem mal besser und besser, ich erkannte immer mehr. Das damit verbundene euphorische Erlebnis kennt wohl jeder hier. Nach einer weiteren LP von Tschaikowsky und einem zu hörenden Kratzer schaffte ich mir meinen ersten CD-Spieler an. Ziemlich schnell und abrupt verlor ich das Interesse an Pop- und Rockmusik. Es folgte weiteres von Tschaikowsky, Beethoven (erst die Sinfonien, dann die Konzerte, später Klaviersonaten, ...), etwas Mozart (einige Klavierkonzerte und Sinfonien), Dvorak (Sinfonien 7-9), Brahms (Sinfonien und Konzerte), Rachmaninoff, ein wenig Chopin. Achja, ganz "früh" kennengelernt habe ich auch Strawinsky Le Sacre, Petrsuschka und den Feuervogel (letzteren fand ich immer schon am langweiligsten von den dreien), aber ich fand (damals) die Musik auch immer ziemlich "kalt". Und Maler habe ich ganz vergessen, zu der Zeit nur die Sinfonien 1 und 5, die ich sehr gerne hörte. Auch heute noch, kenne (und schätze) ich nur etwa die Hälfte der Malersinfonien (die rein instrumentalen).


    Dann, so Mitte der 90er, befand ich mich als Musikhörer in einer Krise. Ich brauchte irgendetwas neues. Auf einer Glenn Gould CD (ich glaube, es war ein Sampler) befand sich der Finalsatz der 7. Klaviersonate von Prokofjew, den ich faszinierend fand. So lernte ich Prokofjew kennen, erst die Klavierkonzerte, Romeo und Julia sowieso, dann die Sinfonien, später einige Klaviersonaten. (Ein Thema der Sinfonie classique konnte man damals auch immer bei einer Kultursendung im Fernsehen bewundern.) Mir gefielen Dissonanzen. Klassische Musik reizte mich wieder vermehrt. In dieser Übergangszeit habe ich auch einiges von Scriabin gehört. Rachmaninoff höre ich auch heute noch oft, obwohl er wenig innovativ war.


    Als ich gerade so alle Sinfonien und Konzerte von Prokofjew kannte, kam ich auf Schostakowitsch. Ich kann wohl nicht verschleiern, dass ich einen Hang zum Slawischen habe. Schostakowitschs 8. Sinfonie. Gerade nach Prokofjews 6. Sinfonie war sie nicht so anders, aber dennoch war eine ganz andere Art von Energie zu spüren. Und es tat sich mit jeder Sinfonie und jedem Konzert für mich eine neue Welt auf...


    Und hier bin ich hängen geblieben. Schostakowitsch hat mich nie gelangweilt. Ich höre ihn bestimmt zu 80 bis 90 Prozent. Weiterhin etwas Rachmaninoff, etwas Prokofjew, Bartok, auch mal Maler, aber fast ausschließlich Musik des 20. Jahrhunderts. Ich sagte ja schon, Dissonanzen gefallen mir, ich mag nur noch selten auf sie verzichten. Das ist vielleicht so wie der Unterschied zwischen Wasser und Wein...


    Es ist auch so, dass manche Werke länger brauchten, um von mir "erobert" zu werden. Es ist umso euphorischer, wenn es dann doch gelingt, und diese Werke wird man dann für immer lieben. Unkomplizierte Werke dagegen werden oft sehr schnell langweilig.


    Das Werk Schostakowitschs ist sehr reichhaltig und abwechslungsreich, ich kenne noch längst nicht alles. Gerade in letzter Zeit habe ich viele neue Stücke für mich entdeckt. Ich bin etwas abgekommen von den Sinfonien, ich höre immer mehr kammermusikalische Werke. Auch immer lieber Werke mit Gesang (was ich früher eher gemieden habe). Die Opern habe ich in diesem Jahr für mich "erschlossen". Auch sehr das Spätwerk, wohl auch, weil für mich das Thema Tod eine sehr persönliche Bedeutung bekommen hat.


    Also, obwohl es den Anschein hat, dass ich beim Musikhören nicht so sehr in die Breite gehe, sind mir auch "Neuentdeckungen" innerhalb dieses spezialisierten Gebiets sehr wichtig und motivierend, und es gibt immer noch viele euphorische Erlebnisse dabei.


    Jazz. Ich gehe sehr gerne in Livekonzerte, kaufe dann auch ab und zu mal eine CD. Aber ich höre sie dann doch kaum. Jazz zuhause als Konserve zu hören, gibt mir nicht so viel.


    maticus

    Vielen Dank für die hilfreichen Antworten. Ich glaube, ich werde mich mal nach einem leichteren und kleineren Fernglas umschauen. Ist ja auch eine Gewichtsfrage.


    Zitat

    Die Kusej-Inszenierung der Lady Macbeth ist wirklich grandios - die Produktion ist ja schon in Amsterdam gelaufen und auf DVD gebannt worden (ein paar Stimmen dazu finden sich hier im Forum). Eva-Maria Westbroek in der Titelrolle (wie schon in Amsterdam) und Hartmut Haenchen als Dirigent versprechen eine hervorragende musikalische Realisierung.


    Lieber Bernd, genau die DVD der Amsterdamer Inszenierung läßt mich diese Mühen nicht scheuen. Die Erwartungen sind natürlich entsprechend hoch geschraubt. Wäre schön, wenn Haenchen ein ähnlich hohes musikalisches Niveau wie Jansons (mit den entsprechenden Orchestern) erreicht.


    Viele Grüße, maticus

    Liebe Emotione,


    wo kauft man sich so ein Opernglas eigentlich? Es sollte eher ein günstiges sein, ohne Extravaganzen.


    Ich habe ein kleines Fernglas. Sicherlich immer noch größer als ein Opernglas, aber kann man auch so etwas nehmen?


    Zitat

    Was schaust Du dir denn an?


    Schostakowitsch, Lady Macbeth von Mzensk.


    "http://www.operadeparis.fr/Saison-2008-2009/Spectacle.asp?IdS=521"


    LG, maticus

    Ich bin nicht so opernerfahren. Ich habe Karten für die Opera Bastille in Paris, 25. Reihe im Parkett. (Kennt jemand die Gegenbenheiten in der Opera Bastille?) 25. Reihe scheint mir doch ziemlich weit weg von der Bühne zu sein. Kann man da überhaupt noch die Mimiken der Sänger erkennen? Oder ist da ein Opernglas dringend zu empfehlen?


    maticus

    Ich sehe das mit dem Husten nicht mehr ganz so verkniffen wie früher. Ich habe mich auch oft aufgeregt, wenn die Leute anfallsartigen Dauerhusten im Konzertsaal hatten. Da ich selbst ein wenig befürchte, mal betroffen sein zu können (vielleicht ist auch die Luft in den Konzertsälen tatsächlich hustenfördernd?) und mir ein Kratzen im Hals in ungünstigen Momenten auch nicht fremd ist, habe ich immer Mentholbonbons dabei.


    Ich habe es aber schonmal quasi umgekehrt erlebt: Ein leise ausklingender Satz, alle rissen sich anscheinend zusammen, und dann wurde der kurze Zeitraum bis zum nächsten Satz vom halben Saal (mich eingeschlossen) dankbar genutzt, um sich mal richtig freizuhusten, so dass dann sogar ein spontanes Gelächter entstand, was der Dirigent noch abwartete.


    maticus