Alternativ kauft man eine Gesamtbox (früher eigentlich weniger üblich als heute)und hört nur 3 Aufnahmen daraus.
Tja, die Boxen sind irgendwann in Mode gekommen. Viele große Pianisten der Vergangenheit kamen indes damit nichts am Hut. Ein paar Mozart-Konzerte hatten die auf dem Programm, und auch HAebler, Anda und Barenboim kamen erstmal als Einzel-LPs auf den Markt. Die Boxen folgen wohl eher dem enzyklopädischen Sammeldenken, sind mir allerdings oftmals zu lästig.
Offen gestanden, auch als großer Freund von HIP-Aufführungen stehen bei mir Aufnahmen von Anda, Rubinstein und Haebler hoch im Kurs, ebenfalls jene von Christian Zacharias. Von den Brautigam-Aufnahmen habe ich einige, mit denen ich durchaus sympathisiere, wohingegen ich mit Schoonderwoerd gar nicht klar komme. Wahrscheinlich muss man den live hören. Lubin gefällt mir bei den Klaviersonaten außerordentlich, das ist ein ganz neues Mozart-Erlebnis. Seine Aufnahmen der Klavierkonzerte man auch einzeln kaufen, was mich freut, die Sofronitzka kann man sich immerhin einzeln runterladen (was aber, wenn man nicht nur streamt, teurer ist als die ganze Box).

Die Frage mit dem Stil der Zeit ist berechtigt, in meinen Ohren auch keine Frage ästhetischer Theorien sondern eher die Frage der Vertrautheit. Ich berücksichtige jetzt, daß ich das Cembalo mag und seit gut dreißig Jahren oftmals Musik auf historischen Flügeln (und auch Orgeln) höre. Dies alles bedacht stellt sich unter den mir bekannten HIP-Aufnahmen vor allem bei Viviana Sofronitsky das Gefühl von Vertrautheit. Ein kleiner Wermuthtstropfen (auf die Idee kann man auch nur als nachgeborener Plattenhörer kommen): Sie spielt alle Konzerte auf ein und emselben Fortepiano, Lubin wechselt die Instrumente je nach Entstehungszeit. Der guten Ordnung halber muss man natürlich fsthalten, daß, hätte man zur Mozartzeit ein solches Konzert hören wollen, ein Gang zu einer Konzertveranstaltung (so man zugelassen worden wäre) unerlässlich gewesen wäre. Und der Pianist hätte auf dem Instrument gespielt, das da war. Das Hören wäre beschränkt auf diese Aufführung, gefordert war die Erinnerung, in der sich der Klang auch verändert hat. Nix da vergleichend ein paar Aufnahmen des selben Werkes nacheinander anhören. Allein damit sind wir ja weit weg von dem Geist der Mozartzeit.
Liebe Grüße vom Thomas 