Beiträge von Thomas Pape

    Bei mir Beethovens "Missa Solemnis". Von Otto Klemperer sind mir drei Aufnahmen bekannt, die bekannte Columbia/Electrola-Aufnahme, die mono-Aufnahme für VOX und nun die Rundfunkaufnahme für den WDR aus dem Jahre 1955. Hier reizt mich besonders das Sängerquartett: Anneliese Kupper, Sieglinde Wagner, Rudolf Schock und Joseph Greindl. Rudolf Schock ist sehr gut durchhörbar, fast zum mitschreiben, was bei den Tenören in der Missa nicht immer gegeben ist, ist aber kein Oratorien- oder Messensänger. Mit der Missa Beethovens, die den Worten der Liturgie sehr emotional nachspürt, ist das allerdings, wie ich finde, sehr gut vereinbar. Bei mir die DLP des Labels Cetra mit brauchbarer Klangqualität. Der WDR veröffentlichte die Aufnahme als remasterte CD. Möglicherweise gibt's da Qualitätsverbesserungen. Trotz der Einschränkungen dieser Aufnahme ein Ohrenschmaus.



    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Mein Plattendeaeler hat im Sauerland eine größere Sammlung ausgehoben, mehrheitlich Opernaufnahmen (soweit ich das beurteilen kann vorzügliche, vielfach auch historische Aufnahmen), was nicht so ganz mein Ding ist. Aber ein paar Brosamen (knapp 50 LPs) sind dann auch für mich abgefallen, unter anderem diese feine Aufnahme, die ich nur in Auszügen kannte:



    Sollte jemand Interesse an den Platten haben, sie sin zu finden im "Archiv", Dortmund, Hohe Str. 34


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Honneggers „Cantate de Noel“ in einer Aufnahme mit Ernest Ansermet. Die Studio-Version ist als CD erhältlich.
    Auf meinem Plattenteller dreht sich eine Besonderheit: am 18.12.1968 dirigierte Ansermet sein letztes Konzert, darunter auch die „ Weihnachtskantate“. Das Konzert wurde mitgeschnitten und viele Jahre später als Privatpressung der Ansermet-Gesellschaft veröffentlicht.


    liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Nunja, 20 mal k. 27 wäre mir persönlich lieber gewesen 8). Ich gestehe allerdings, dass ich die Sonaten Scarlattis vorzugsweise am Cembalo gespielt höre. Zur chinesischen Wasserfolter hätte ich indes einen ALternativvorschlag:



    23 h wundervolle Repetition eines Basslaufes.:untertauch:


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Immerhin, lieber nemorino, hat KSM sein Urteil begründet. Ich muß es ja nicht teilen. Wir sind hier im Thread mono oder stereo und müssen zusätzlich zur Technik auf ein paar Dinge hinweisen: die Musikwissenschaft hat in den vergangenen Jahrzehnten Erkenntnisse zu Aufführungspraxis, Werkgestalt (etwa Beseitigungen von Streichungen), Gesangstechnik, Ensemblegrößen etc. hervorgebracht, die in der mono_Ära noch nicht vorhanden waren. Günter Wand hat wohl als erster Nachkriegsdirigent die Beethovensinfonien von seiem Gürzenich-Orchester in der -mehr oder weniger- Originalform spielen lassen, eine Missa Papae Marcelli aus den 1950er Jahren ist für heutige Ohren schwer verdaulich, weniger, weil's mono ist, sondern weil es zeitgemäß grauenhaft musiziert wird. In den alten mono-Aufnahmen begenen wir allerdings intensiven Suchen, etwa wenn Ender der 1920er Bach weiter erschlossen wird , wenngleich die erste Aufnahme des WTC auf Klavier erfolgte, aber immerhin. Eine revidierte Fassung des Messias wie die von Thomas Beecham würde man heute wohl nicht mehr spielen oder aufzeichnen (erhältlich ist sie immer noch). Der junge Fricsay dürfte auch noch mit anderem Notenmaterial gearbeitet haben als der ältere. Manchmal ist ein Werkzugriff so betörend. dass man vielleicht beklagen mag, daß es nicht stereo ist, aber Böhms mono-Aufnahme der Missa Solemnis möchte ich nicht missen.


    Vor dem Hintergrund der Entwicklung von wissenschaftlichem Zugang zu den Werken und der Veränderung der Aufführungspraxis lässt sich KSMs Urteil wahrscheinlich nüchtern nachvollziehen, emotional kann ich's nicht teilen. Aber das erwartet er ja auch nicht.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Ich möchte mir das nicht auf dieses Forum übertragen vorstellen, lieber nemorino. Herrlich, auch der dazugehörige Cartoon. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob der Text gemeinfrei ist. Die Loriot-Erbin kann zuweilen nervig sein (wie ein Dortmunder Theater gerade erfährt). Bevor ich hier wieder der böse Bube bin, überlasse ich Alfred die Entscheidung, wie mit dem Text zu verfahren ist.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Ich höre gerade mono. Ein Klavierrecital eines meiner großen Idole Samson Francois. Ein sehr verdienstvolles Label hat eine CD herausgebracht, auf der er die "Symphonischen Etuden" ein paar Mazurken, eine Etude und die Polonaise mit dem vorangehenden Andnate Spianato spielt. Soweit, so vertraut bei diesem Pianisten. Und nun der Hammer: ein früher Tod hielt ihn davon ab, die h-moll Sonate im Studio einzuspielen. Live tat er es wohl schon. melo classic hat nun diesen Schatz gehoben und zugänglich gemacht. Ich schwelge!!! Und da ist es mir völlig piepenghagen, ob mono oder stereo. Zum Hintergrund: Francois war ein Verehrer von Bach, Chopin, Prokoviev, Ravel und Debussy. Und eben auch Liszt. Die beiden Klavierkonzerte liegen sowohl mono als auch stereo und das erste auch in verschiedenen live-Aufnahmen vor, die EMI verdienstvollerweise zugänglich gemacht hat. In den mittleren 5oern spielte er auch die 12 ungarischen Rhapsodien ein. Wäre er nicht schon 1970 verstorben. Genug der Konjunktive. Zwischen 1948 und 1970 hat er Beeindruckendes vorgelegt, dass melo classic nun noch Rundfunkschätze hebt freut mich ungemein. Es geht um die Musik und ihre Aufführung. Das macht das Leben lebenswert. Und sorgt so manches mal für tiefes Glück. Mal mono, mal stereo.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Lieber Thomas,

    Grau, grau ist bekanntlich alle Theorie :untertauch:. Entscheidend ist doch letztlich das Ergebnis, also das, was der Regisseur letztlich aus dem Stoff machen kann. :hello:

    Herzlichst

    Operus (Hans)

    Wie man's nimmt. Wagner hat seine Opern vor 150 Jahren geschrieben (so ca.). Da waren die brandaktuell. Heute darf man schon über die Textgestalt -nicht den Inhalt- schmunzeln (eiawagawoguduwellewagezurwiege) und auch der Rest kommt aus vergangener Zeit nach vorne, der Denken und Fühlen, deren Zeitmaß, deren gesellschaftliche Struktur nicht teilen. Ich sehe schon eine gewisse Notwendigekeit, die Werke des tageaktuell geschuldeten Chichis zu entkleiden (wie auch bei der Bibel) und ihren überzeitlich wirkenden Kern freizulegen. Daraus können dann letztlich stimmige oder unstimmige Inszenierungen entstehen. Oder solche, die den Kern mit heutiger Tagesaktualität umleiden (die sind dann wohl auch nur eher Tand, aber das ist meine private Meinung). Jedenfalls gibt es schon einen kulturpolitischen Auftrag des Erhaltes der Werke und des Erhaltes ihres Sinns, der wie beim "Ring" seine Aktualität nie verlieren wird. Unsere ganze schäbige Gesellschaft findet sich dort wieder, und fast glaube ich, daß die gar bnicht ertappt werden wollen, daß die den "Ring" im 19. Jahrhundert lassen wollen, damit er nicht verräterisch wird.


    Jedenfalls, lieber Hans, hat sich bereits Lessing intensiv Gedanken über das Drama und seine Abgrenzung zur bildenden Kunst. Ich würde nicht auf die Idee verfallen, den "Laokoon" oder die "Hamburger Dramaturgie" als graue Theorie zu bezeichnen. Oder Herders "Kritische Wäldchen". Und, und und....


    Oper und Schauspiel sind herausfordernd. Und wenn's weh tut, dann ist das so und muss so sein. Oper einfach nur zu konsumieren wäre fatal. Dann hättet das Theater tasächlich kulturpolitisch versagt.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Ein Musterbeispiel war für mich seine Verteidigung des Bayreuther Tannhäusers, ohne ihn gesehen zu haben,

    Würde er mit gleicher Kompetenz, wie in seinen Klavierbeiträgen schreiben, wäre ich der erste, der darüber froh wäre.

    Ich mische mich ungerne in diese unersprießliche Diskussion ein, möchte aber anmerken, dass ich -glaube ich- als erster einen langen Bericht über den Tannhäuser eingestellt hatte, den ich sehr wohl gesehen und später auf meiner Festplatte gespeichert hatte, um beim Schreiben einzelne Szenen noch einmal zu prüfen; das Ergebnis waren allerdings aus einer bestimmten Fraktion in der Hauptsache dumme Sprüche und letztlich die immer wieder gleichen pseudo-theatertheoretischen Ausführungen. Nur zum Hintergrund, der Dir -wenn nicht Dir wem sonst- bekannt sein sollte: es gibt das akademische Fach Theaterwissenschaften, Theorie von Schauspiel und Instzenierung war zu meiner Zeit Prüfungsstoff im Abitur. Du kannst nicht so tun, als diskutuere Holger aus einer unfundierten Position heraus. Die aufführungstheoretische Debatte ist zur Einordung und Verständnis von Opernstoffen unabdingbar notwendig. Ich komme ja auch nicht auf die Idee, die Bibel wörtlich zu nehmen, sondern betrachte sie als Teil des literarischen Weltkulturerbes, dass sich bedauerlicherweise der wissenschaftlichen Diskussion über die Bedeutung für die Jetztzeit aus dem Verständnis der Texte in Bezug auf ihre Entstehungszeit stellen muss.


    Ich verstehe dieses Forum als eines, in dem sich Beiträge zu einen nachvollziehbaren Ganzen ergänzen. Das Abbürsdten theatertheoretischetr Beiträge, weil sie einem nicht recht in den Kram passen, halte ich für unangemessen und auch respektlos denjenigen gegenüber, die dieses Wissen hier sachbezogen gratis zur Verfügung stellen.


    Was Regisseure letztlich daraus machn steht wieder auf einem anderen Blatt.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Ich habe mich glaube ich schon mehrfach geoutet, dass mir der Klang zwar wichtig ist, aber nicht dass Maß der Dinge. Und ich zähle zu den wenigen, die auch noch Schellacks hören. Dazu ist ein eigenständiges Equipement nötig. Für die akustischen Schellacks einen Nadel mit einer Verrundung von 120 µ, die elektrisch augenommenen Platten ab 1927 mit einer Verrundung von 90 µ, Platten nach 1945 mit einer Verrundung von 65 µ. Das reduziert das Rauschen deutlich, bezieht sich teilweise auch auf die verwendete Masse, den sogen. Kuchen. Rauschreduktionsversuche hat es zu Schellackzeiten verschiedentlich gegeben, zumal die ja auch schon elektrisch verstärkt werden konnten (gab nicht nur Schalldose und Tröte). Einig amerikanische Schellacks laufen schon erstaunlich ruhig. Nach 1945 wurde eine neue Schellackmasse verwednet, zudem änderte sich der Rillenschnitt. Was eine länger Spieldauer der Platten ermöglichte und nochmal den Klang verbesserte. Schellacks fordern aufgrund ihrer eingeschränkten Spieldauer (ca. 5 min bei einer 30 cm-Platte) mehr Aufmerksamkeit. Man kann die nicht nebenbei laufen lassen, sondern hört recht konzentriert, da man ja regelmäßig umdrehen muss. Um den Klang nochmal zu berbessern kann man die Platten waschen, allerdings nur ohne die für Vinyls übliche Reinigungsflüssigkeit. Ich lege sie auf meine Plattenwaschmaschine, reinige sie mit Wasser, arbeite ggf. mit einem Mikrofasertuch vor und sauge das Wasser dann hernach ab. Die Ergebnis ist sehr überzeugend.


    Für die in den 1950er Jahrne gepressten mono-Vinyls gibt's übrigens auch eine eigene Nadel von Orthofon. Als die Platten geschnitten und gepresst wurden dachte niemand an stereo-Abtastung.


    Meine jüngste mono-Erwerbung ist eine frühe Aufnahme des 7. Streichquartetts von Ludwig van Beethoven mit dem Quartetto Italiano. Es gibt so einige mono-Lieblinge, die ich nicht missen möchte: Brahms KK1 Backhaus/Boult (Schellack-Album), Beethoven KK5 Kempff/van Kempen, Beethoven 9 Horenstein, Beethoven 9 Furtwängler, Beethoven Missa Solemnis Böhmm Schubert 9 Knappertsbusch, Schubert 9 Furtwängler und, ebenso wie Holger, die ganze Phalanx fabelhafter Klavieraufnahmen.


    Ich freue mich über stereo, brauche es aber nicht für den Hörgenuss.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    So kann ich überhaupt nicht nachvollziehen, daß eine "Monofassung der Stereoausgabe vorzuziehen" sein soll. Damals (bis ca. 1965) wurden alle Neuaufnahmen sowohl in Mono- als auch in Stereofassung angeboten, bis die Hersteller ganz einfach auf ihre Plattentaschen schrieben: "Stereo, auch mono abspielbar", was dann dazu führte, daß der größere Abtastsaphir für Mono die Stereoplatte nach mehrmaligem Abspielen zerstörte, worauf Alfred schon hingewiesen hat. Da aber die Käufer sich sehr rasch mit neuen, Stereo-tauglichen Plattenspielern versorgten, erledigte sich dieses Problem bald von selbst.


    Tatsächlich hatten die Beatles ihre Anstände mit stereo, auch wenn sie in ihren letzten Jahren die Technik weidlich ausgenutzt hatten. Aber: alle ihre Platten erschienen auch in mono und es war wohl John Lennon, der die mono-Fassungen bevorzugte.

    stereo ist natürlich fein, aber die Interpretation ist mir ebenso wichtig. Der Anteil mono-Platten in meiner LP-Sammlung dürfte recht hoch sein. Ist sicher auch eine Generationenfrage; ich selbst war 13, als ich zum ersten mal stereo in einem Plattengeschäft hörte (und mich wunderte, warum das so anders klang als daheim). Ob tatsächlich so schnell auf neue Plattenspieler umgestellt wurde damals? Immerhin gab es Anfang der 1950er schon einmal so eine Umstellung von Schellack auf Vinyl, parallel dazu die Schallbandkassette TefiFon. Und die nicht unbeliebten Spulentonbandgeräte. LPs waren teuer, die Geräte waren teuer, bei stereo wars auch nicht nur mit dem Plattenspielertausch getan, das ganze Equipement musste getauscht werden, und das war damals nicht billig. Dank DDR-Import war dann in den späten 1970er Jahren ein einfacher stereo-Plattenspieler erschwinglich. Aber ich hatte damals schon einige mono-Platten im Bestand. Meine Lieblingsaufnahme von Beethovens 9. (Horenstein) und seinem 5. Klavierkonzert (Kempff/van Kempen) gibt's eben nur in mono.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Am Dienstag habe ich die Stimme von Dortothee Mileds zum ersten Mal gehört und war baff, hin und weg. Sie sang mit dem Collegium Vocale Gent in Dortmund unter Herreweghe die Marienvesper Monteverdis. Im Nachgang diese CD erworben, und die ist ad hoc die Weihnachts-CD des Jahres für mich. Vor allem Johann Theilles "Nung ich singe, Gott, ich knie" ist von unglaublicher Schönheit.



    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Lieber Willi,


    das Abfassen unserer Beiträge hat sich überschnitten. Auch Dir danke für die Vertiefung. Die von Euch gesungenen Antiphone sind -nehme ich an- gregorianisch oder sind es neuere Kompositionen? Arvo Pärt hat sie wunderbar vertont (O Adonai bei 1:47):



    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Ich habe mir mal das Missale Romanum von 1955, zur Hand genommen, nicht das neue mit seiner versachlichten, nüchternen Sprache, und mir da das Rorate-Meßformular herausgesucht. Interessant fand ich die Einleitung dazu, denn da heißt es:"Kraft eines besonderen Privilegs darf in deutschen und österreichischen Diözesen im Advent (…) eine besondere Rorate-Messe gehalten werden, an Samstagen sogar mit 'Gloria'."

    Es handelt sich also, was mir gar nicht mehr bewußt war, um einen Brauch im deutsch-österreichischen Kulturraum. Ich denke, daß der Ursprung wahrscheinlich im Alpengebiet zu finden ist, das ja reich ist an Sitten und Gebräuchen aus ferner Vergangenheit.

    Lieber Nemorino,


    der gute, alte und vorkonziliare Schott. Den habe ich auch, abgestaubt bei meiner Mutter. Hab vielen Dank für Deine freundlichen Worte und Ergänzungen. Die Vermutung, dass Rorate-Messen im alpenländischen Bereich beheimatet sind, hatte ich auch gewonnen, als ich mir die Biographie von Karl-Heinrich Waggerl angeschaut hatte. Berührend bei diesem Autor, dass er so intensiv und offenbar in der Rückschau beglückt über seine kirchengeprägte Kindheit schreibt, obwohl er selber später Atheist war. Es ist wohl die Kraft der Bilder und die Kraft der Momente des Empfindens, die den Wert religiöser Mystik ausmachen und -wie bei Waggerl zu sehen- über den Glauben hinaus wirken.


    Zurück zum Schott: mit der Liturgiereform wurde eingeführt, dass Messen in den jeweiligen Landessprachen abgehalten werden durften. Deswegen bleiben sie nach wie vor römisch, da die Messtexte in Rom verfasst und wohl auch dort übersetzt werden; für das Kirchenvolk ist die Landessprache wohl leichter zu verstehen als Latein. Etwas anderes wurde allerdings auch noch eingeführt, nämlich der von einem auf drei Jahre erweiterte Lesezyklus, den die evangelische Kirche später auch übernommen hat (da gibt es allerdings keine Verpflichtung zur täglichen Messfeier). Der Tisch des verkündeten Wortes wurde also deutlich reicher gedeckt. Allerdings bekamen die einzelnen Wochentage ihre eigenen Messetexte, und die kollidieren ab dem 17. Dezember mit den Rorate-Messen, weshalb eigentlich nach dem 16.12. keine Rorate-Messe mehr gefeiert werden darf. Eigentlich. In St. Johannes Baptist, wie die zur Propsteikirche gehörige Gemeinde heißt, wird die letzte Rorate-Messe am 18.12. gefeiert


    Liebe Grüße sendet der Thomas :hello:

    Türchen 5: Rorate Coeli desuper…


    Advent ist die Zeit der Hoffnung, eine Zeit der Vorbereitung, aber auch eine der Einstimmung. Zumindest die Christenheit besinnt sich auf die Geburt Jesu, der Idee nach Sohn Gottes, gewiss aber Mensch und überbürdet mit zweitausend Jahren ebenso anthropomorpher wie anthropozentrischer Theologie. Neben dem Hinterfragen steht unzweifelhaft auch das Tröstende, weil in Bildern abrufbare des Glaubens.


    Der Advent ist eine dunkle Jahreszeit. Das mag in Städten nicht so wahrgenommen werden, die schon vor über hundert Jahren über Beleuchtung in Straßen und auch den Häusern verfügten, wenngleich auch nicht in heutiger Lichtverschmutzungsqualität. Auf dem Land war das anders. Karl Heinrich Waggerl erinnert in seinen Weihnachtsgeschichten an eine Rorate-Messe, die im ländlichen Umfeld Salzburgs in den sehr frühen Morgenstunden stattfand. Rorate-Messen finden tatsächlich als Lichtermessen vor Sonnenaufgang statt (oder abends nach Sonnenuntergang). Waggerl war Ministrant und schlug sich über unbeleuchtete Pfade durch den noch unberührten Schnee in bitterer Kälte zur Kirche, in der selbst das Weihwasser gefroren war. Die Gemeinde saß im unbeheizten Kirchenraum, die Kerzen vor sich auf der Bank, die kondensierende Atemwolken sichtbar machten. Alles war still, und dann kam sie, die Stimme des Pfarrers, „Rorate Coeli“, „Tauet Himmel den Gerechten“. Während der Messfeier hatte der Messner in der Sakristei im Ofen Kastanien geröstet, die nach der Kirche wärmten. Waggerl freute sich freilich auch über seinen Ministrantenlohn, hielte er den ganzen Advent in seinem Dienst durch: einen ganzen Gulden.


    Ich gebe zu: in den 60er Jahren in Dortmund aufgewachsen waren mir Rorate-Messen kein Begriff. Sie fanden in meiner Gemeinde nicht statt. Selbst aus Waggerls Erzählung hatte ich zunächst nicht auf diese liturgische Sonderform geschlossen. Eine kurze Nachforschung zum Rorate Coeli brachte dann die Erkenntnis, dass das eine eigenständige Messfeier im Advent sei. In früheren Zeiten hatte die Ausübung des Glaubens eine andere Bedeutung für die Menschen, war auch intensiver in den Tagesablauf einbezogen. Schwer vorstellbar, dass Menschen heute in aller Herrgottsfrühe zu Kirche stapfen, um um Wärme im Winter zu bitten, denn was sagt der Satz „Tauet Himmel, den Gerechten, regnet ihn herab ihr Wolken“ anderes als „Wärmet unsere Seelen“? In meiner Kindheit war es immerhin noch üblich, am Aschermittwoch morgens vor Schule oder Arbeit in den Aschemittwochsgottesdienst zu gehen und sich mit dem Aschekreuz bezeichnen zu lassen.


    Und so machte ich mich auf die Suche, ob es sie denn in Dortmund gäbe, die Rorate-Messen. Und es gibt sie als Advents-Angebot der Probstei-Kirche. Diese Kirche, ursprünglich ein Kloster am Rand des mittelalterliche Dortmund, also innerhalb der Wälle, im letzten Kriege böse geschunden und teilwiederaufgebaut, liegt inmitten des pulsierenden Dortmunder Geschäftslebens. In der Adventszeit ist der Riesenweihnachtsbaum, eine Attraktion des Weihnachtsmarktes und Touristenattraktion ihr steinwurfweit entfernter Nachbar, ebenso die viele Buden eben jenes Weihnachtsmarktes, auf dem man das Gefühl gewinnt, dass Weihnachten eine lärmende Party ohne geistlich-geistiges Fundament sei. Ich will hier das Christliche nicht überbetonen, zumal auch der Koran die Geburt Jesu in seiner 19. Sure erwähnt (wenngleich die Geschichte ein wenig anders und auch nachvollziehbarer erzählt wird), erwähne es vor allem seiner meditativen Kraft wegen. Besinnung ist überreligiös und auch für Nichtglaubende erfahrbar.


    Hier, in eben dieser Propstei-Kirche, wird Advent im alten Verständnis erlebbar. Nicht täglich, aber einmal wöchentlich, nicht frühmorgens sondern am frühen Abend um 18:30 Uhr finden sie statt, die Rorate-Messen. Angesichts der winterlichen Nachbarn dieser Kirche ist die Uhrzeit sinnvoll: die Menschen streben zum Weihnachtsmarkt, den man mit einiger Häme auch Glühweinmarkt nennen könnte, einem Crescendo von Gedudel und Geräusch. Es ist die Lautheit des Städtischen, die an sich hinzunehmen ist, im Zusammenhang mit Weihnachten und Advent unangenehm aufstößt.


    Man geht zur Kirche in den Gang zum Klosterhof, wo der Eingang zur Kirche ist, öffnet die Tür, betritt den Kirchenraum, die Tür schließt sich und….Ruhe…Friede. Eine versprengte Gruppe Menschen sitzt in den Bänken, vor sich eine kleine Kerze. Wenn irgendwo der Gegensatz von Welt und Advent erfahrbar ist, dann hier. Der freundlichen Aufforderung des Geistlichen folgend, gehen wir alle zu Beginn der Messfeier von unseren Bänken unter die Orgel –eine wunderbar klingende Sauer-Orgel. „Wir waren auf alles vorbereitet, nur nicht auf Kerzen und Gebete“, so zitierte der Pastor einen unbekannten Stasi-Offizier, der über seine Erlebnisse der Wendezeit berichtet hatte. Wo Licht ist, ist Zuversicht, ist Mut ist Entschlossenheit. Und einer gab zum Anderen das Kerzenlicht weiter, das der Geistliche in die Gemeinde gab. Eine kleine Kerzenprozession zieht nun zurück zu den Bänken unter dem Wechselgesang „Tauet Himmel den Gerechten“. Die Liturgie ist um die Predigt verkürzt, die Messe ist still und kommt ohne laute Töne aus, und genau das ist das Wunderbare der Rorate-Messe: mitten im geschäftigen Getriebe von Stadt und säkularisierter Weihnacht gibt es diesen meditativen Ort, der als Ruhepol erfahrbar ist. Weihnacht hat mit uns selbst zu tun. Und es liegt auch an uns, den Advent in unserem Sinne zu begehen. Da hilft es wenig, Dinge zu beklagen, die uns nicht behagen, zumal sie ja offensichtlich anderen eine wie auch immer geartete Freude oder Ablenkung bereiten. Auf uns selber kommt es an.


    Wir haben angesichts der derzeitigen Weltenlage viel zu hoffen, viel zu wünschen. Der Weihnachtsmarkt zeigt eine Welt der Betäubung, des Verdrängens, des Konsums und der Selbstdefinition eben darüber und ist insofern symptomatisch für unserer überhitzte westliche Gesellschaft, von der man meinen könnte, dass sie kurz vorm Kollaps stünde. Und inmitten dieses Glühweinnarkotkums die Ruhe, der Frieden und der Wunsch Rorate coeli desuper,et nubes pluant iustum: aperiatur terra,et germinet Salvatorem.“ – „Tauet Himmel, von oben, ihr Wolken, regnet den Gerechten: Es öffne sich die Erde, und sprosse den Heiland hervor


    Ich wünsche Euch eine schöne, friedliche, besinnliche und auch nachdenkliche Zeit des Advents.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Da kann ich wohl aushelfen: bei den Aufnahmen handelt es sich um diejeniggen, die Schuricht für das Label Concert Hall gemacht hatte. Die sind seinerzeit sowohl mono als auch stereo erschienen. Augenommen wurden sie wohl mehrheitlich in stereo, und es sind einige Aufnahmen dabei, die ich zu Referenzaufnahmen (Bruckner 7) zählen würde. Da ich die LPs alle habe, brauche ich die Box nicht; empfehlenswert ist sie allemal.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Ich bleibe bei dieser Box und greife zu CD 27. Alicia de Laroccha spielt hier die Mozart-Konzerte Nr. 22 und Nr. 19 (in dieser Reihenvolge. Kein Bonus auf dieser CD, aber außerordentlich bezaubernd gespielt. Nr. 22 ist mir das Liebste der Mozartkonzerte, vor allem der dritte Satz, der so voller praller Lebensfreude ist.



    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Aus dieser feinen Box derzeit die CD Nr. 8. In der Nase stachen mir Khatchaturian und César Franck. Und was höre ich nun zu meiner großen Freude? Auf der CD ist als Bonus (was ich gar nicht gesehen hatte) die h-moll Sonate von Franz Liszt in einer regelrcht beglückenden Aufnahme.



    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Hier wird doch wirklich mit Kanonen aus Spatzen geschossen!

    ...

    Was soll also die ganze Aufregung hier?

    Da zitiere ich doch mal einen schweizerischen Lateinlehrer: "Es grenzt an einem Verbrechen mit welchem geistigem Zustand du hier auftauchst!" Speziell bei Dir ist der Intellekt zu vermuten, genau zu wissen, womit gespielt wird, absichtsvoll in unterschiedlichen Weisen. Um es klar und deutlich zu sagen: die Haltung Einzelner hier zum modernen Theater ist hinlänglich bekannt. Die Dinge lassen sich auch kaum ändern. Ich billige denjenigen auch ihren Zorn zu. Die Art indes, wie damit umgegangen wird, verrät vor alem eines: Kinderstube. Gilt für alle an der Diskussion Beteiligten.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Dass die Schmähreden eines Böhmerman (die er sich auch nur von deutschem Boden aus traut) oder die Beleidigungen gegenüber Frau Kühnast Gerichtsbestand haben, macht die Vorgänge weder gut noch richtig. Die Absender dieser Schmähungen widern mich an und ich verbinde das nicht mit dem, was ich mir unter gesellschaftlichem Parkett vorstelle. Wenn das nun Diskussionskultur bei Tamino sein soll, sei es direkt ausgesprochen oder über trojanische Pferde wie dem oben genannten Link hereingeschafft, dann hat das in diesem Kreis auch nur so lange Bestand, bis sich die Schmähung gegen die jetzt Goutierenden wendet. Spätestens dann wird wieder nach der Moderation gerufen. Also bitte, Contenance und notwendigen Respekt untereinander. Das wäre nett.

    Liebe Grüße vom Thomas :hello: