Beiträge von Thomas Pape

    So kann ich überhaupt nicht nachvollziehen, daß eine "Monofassung der Stereoausgabe vorzuziehen" sein soll. Damals (bis ca. 1965) wurden alle Neuaufnahmen sowohl in Mono- als auch in Stereofassung angeboten, bis die Hersteller ganz einfach auf ihre Plattentaschen schrieben: "Stereo, auch mono abspielbar", was dann dazu führte, daß der größere Abtastsaphir für Mono die Stereoplatte nach mehrmaligem Abspielen zerstörte, worauf Alfred schon hingewiesen hat. Da aber die Käufer sich sehr rasch mit neuen, Stereo-tauglichen Plattenspielern versorgten, erledigte sich dieses Problem bald von selbst.


    Tatsächlich hatten die Beatles ihre Anstände mit stereo, auch wenn sie in ihren letzten Jahren die Technik weidlich ausgenutzt hatten. Aber: alle ihre Platten erschienen auch in mono und es war wohl John Lennon, der die mono-Fassungen bevorzugte.

    stereo ist natürlich fein, aber die Interpretation ist mir ebenso wichtig. Der Anteil mono-Platten in meiner LP-Sammlung dürfte recht hoch sein. Ist sicher auch eine Generationenfrage; ich selbst war 13, als ich zum ersten mal stereo in einem Plattengeschäft hörte (und mich wunderte, warum das so anders klang als daheim). Ob tatsächlich so schnell auf neue Plattenspieler umgestellt wurde damals? Immerhin gab es Anfang der 1950er schon einmal so eine Umstellung von Schellack auf Vinyl, parallel dazu die Schallbandkassette TefiFon. Und die nicht unbeliebten Spulentonbandgeräte. LPs waren teuer, die Geräte waren teuer, bei stereo wars auch nicht nur mit dem Plattenspielertausch getan, das ganze Equipement musste getauscht werden, und das war damals nicht billig. Dank DDR-Import war dann in den späten 1970er Jahren ein einfacher stereo-Plattenspieler erschwinglich. Aber ich hatte damals schon einige mono-Platten im Bestand. Meine Lieblingsaufnahme von Beethovens 9. (Horenstein) und seinem 5. Klavierkonzert (Kempff/van Kempen) gibt's eben nur in mono.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Am Dienstag habe ich die Stimme von Dortothee Mileds zum ersten Mal gehört und war baff, hin und weg. Sie sang mit dem Collegium Vocale Gent in Dortmund unter Herreweghe die Marienvesper Monteverdis. Im Nachgang diese CD erworben, und die ist ad hoc die Weihnachts-CD des Jahres für mich. Vor allem Johann Theilles "Nung ich singe, Gott, ich knie" ist von unglaublicher Schönheit.



    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Lieber Willi,


    das Abfassen unserer Beiträge hat sich überschnitten. Auch Dir danke für die Vertiefung. Die von Euch gesungenen Antiphone sind -nehme ich an- gregorianisch oder sind es neuere Kompositionen? Arvo Pärt hat sie wunderbar vertont (O Adonai bei 1:47):



    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Ich habe mir mal das Missale Romanum von 1955, zur Hand genommen, nicht das neue mit seiner versachlichten, nüchternen Sprache, und mir da das Rorate-Meßformular herausgesucht. Interessant fand ich die Einleitung dazu, denn da heißt es:"Kraft eines besonderen Privilegs darf in deutschen und österreichischen Diözesen im Advent (…) eine besondere Rorate-Messe gehalten werden, an Samstagen sogar mit 'Gloria'."

    Es handelt sich also, was mir gar nicht mehr bewußt war, um einen Brauch im deutsch-österreichischen Kulturraum. Ich denke, daß der Ursprung wahrscheinlich im Alpengebiet zu finden ist, das ja reich ist an Sitten und Gebräuchen aus ferner Vergangenheit.

    Lieber Nemorino,


    der gute, alte und vorkonziliare Schott. Den habe ich auch, abgestaubt bei meiner Mutter. Hab vielen Dank für Deine freundlichen Worte und Ergänzungen. Die Vermutung, dass Rorate-Messen im alpenländischen Bereich beheimatet sind, hatte ich auch gewonnen, als ich mir die Biographie von Karl-Heinrich Waggerl angeschaut hatte. Berührend bei diesem Autor, dass er so intensiv und offenbar in der Rückschau beglückt über seine kirchengeprägte Kindheit schreibt, obwohl er selber später Atheist war. Es ist wohl die Kraft der Bilder und die Kraft der Momente des Empfindens, die den Wert religiöser Mystik ausmachen und -wie bei Waggerl zu sehen- über den Glauben hinaus wirken.


    Zurück zum Schott: mit der Liturgiereform wurde eingeführt, dass Messen in den jeweiligen Landessprachen abgehalten werden durften. Deswegen bleiben sie nach wie vor römisch, da die Messtexte in Rom verfasst und wohl auch dort übersetzt werden; für das Kirchenvolk ist die Landessprache wohl leichter zu verstehen als Latein. Etwas anderes wurde allerdings auch noch eingeführt, nämlich der von einem auf drei Jahre erweiterte Lesezyklus, den die evangelische Kirche später auch übernommen hat (da gibt es allerdings keine Verpflichtung zur täglichen Messfeier). Der Tisch des verkündeten Wortes wurde also deutlich reicher gedeckt. Allerdings bekamen die einzelnen Wochentage ihre eigenen Messetexte, und die kollidieren ab dem 17. Dezember mit den Rorate-Messen, weshalb eigentlich nach dem 16.12. keine Rorate-Messe mehr gefeiert werden darf. Eigentlich. In St. Johannes Baptist, wie die zur Propsteikirche gehörige Gemeinde heißt, wird die letzte Rorate-Messe am 18.12. gefeiert


    Liebe Grüße sendet der Thomas :hello:

    Türchen 5: Rorate Coeli desuper…


    Advent ist die Zeit der Hoffnung, eine Zeit der Vorbereitung, aber auch eine der Einstimmung. Zumindest die Christenheit besinnt sich auf die Geburt Jesu, der Idee nach Sohn Gottes, gewiss aber Mensch und überbürdet mit zweitausend Jahren ebenso anthropomorpher wie anthropozentrischer Theologie. Neben dem Hinterfragen steht unzweifelhaft auch das Tröstende, weil in Bildern abrufbare des Glaubens.


    Der Advent ist eine dunkle Jahreszeit. Das mag in Städten nicht so wahrgenommen werden, die schon vor über hundert Jahren über Beleuchtung in Straßen und auch den Häusern verfügten, wenngleich auch nicht in heutiger Lichtverschmutzungsqualität. Auf dem Land war das anders. Karl Heinrich Waggerl erinnert in seinen Weihnachtsgeschichten an eine Rorate-Messe, die im ländlichen Umfeld Salzburgs in den sehr frühen Morgenstunden stattfand. Rorate-Messen finden tatsächlich als Lichtermessen vor Sonnenaufgang statt (oder abends nach Sonnenuntergang). Waggerl war Ministrant und schlug sich über unbeleuchtete Pfade durch den noch unberührten Schnee in bitterer Kälte zur Kirche, in der selbst das Weihwasser gefroren war. Die Gemeinde saß im unbeheizten Kirchenraum, die Kerzen vor sich auf der Bank, die kondensierende Atemwolken sichtbar machten. Alles war still, und dann kam sie, die Stimme des Pfarrers, „Rorate Coeli“, „Tauet Himmel den Gerechten“. Während der Messfeier hatte der Messner in der Sakristei im Ofen Kastanien geröstet, die nach der Kirche wärmten. Waggerl freute sich freilich auch über seinen Ministrantenlohn, hielte er den ganzen Advent in seinem Dienst durch: einen ganzen Gulden.


    Ich gebe zu: in den 60er Jahren in Dortmund aufgewachsen waren mir Rorate-Messen kein Begriff. Sie fanden in meiner Gemeinde nicht statt. Selbst aus Waggerls Erzählung hatte ich zunächst nicht auf diese liturgische Sonderform geschlossen. Eine kurze Nachforschung zum Rorate Coeli brachte dann die Erkenntnis, dass das eine eigenständige Messfeier im Advent sei. In früheren Zeiten hatte die Ausübung des Glaubens eine andere Bedeutung für die Menschen, war auch intensiver in den Tagesablauf einbezogen. Schwer vorstellbar, dass Menschen heute in aller Herrgottsfrühe zu Kirche stapfen, um um Wärme im Winter zu bitten, denn was sagt der Satz „Tauet Himmel, den Gerechten, regnet ihn herab ihr Wolken“ anderes als „Wärmet unsere Seelen“? In meiner Kindheit war es immerhin noch üblich, am Aschermittwoch morgens vor Schule oder Arbeit in den Aschemittwochsgottesdienst zu gehen und sich mit dem Aschekreuz bezeichnen zu lassen.


    Und so machte ich mich auf die Suche, ob es sie denn in Dortmund gäbe, die Rorate-Messen. Und es gibt sie als Advents-Angebot der Probstei-Kirche. Diese Kirche, ursprünglich ein Kloster am Rand des mittelalterliche Dortmund, also innerhalb der Wälle, im letzten Kriege böse geschunden und teilwiederaufgebaut, liegt inmitten des pulsierenden Dortmunder Geschäftslebens. In der Adventszeit ist der Riesenweihnachtsbaum, eine Attraktion des Weihnachtsmarktes und Touristenattraktion ihr steinwurfweit entfernter Nachbar, ebenso die viele Buden eben jenes Weihnachtsmarktes, auf dem man das Gefühl gewinnt, dass Weihnachten eine lärmende Party ohne geistlich-geistiges Fundament sei. Ich will hier das Christliche nicht überbetonen, zumal auch der Koran die Geburt Jesu in seiner 3. Sure erwähnt (wenngleich die Geschichte ein wenig anders und auch nachvollziehbarer erzählt wird), erwähne es vor allem seiner meditativen Kraft wegen. Besinnung ist überreligiös und auch für Nichtglaubende erfahrbar.


    Hier, in eben dieser Propstei-Kirche, wird Advent im alten Verständnis erlebbar. Nicht täglich, aber einmal wöchentlich, nicht frühmorgens sondern am frühen Abend um 18:30 Uhr finden sie statt, die Rorate-Messen. Angesichts der winterlichen Nachbarn dieser Kirche ist die Uhrzeit sinnvoll: die Menschen streben zum Weihnachtsmarkt, den man mit einiger Häme auch Glühweinmarkt nennen könnte, einem Crescendo von Gedudel und Geräusch. Es ist die Lautheit des Städtischen, die an sich hinzunehmen ist, im Zusammenhang mit Weihnachten und Advent unangenehm aufstößt.


    Man geht zur Kirche in den Gang zum Klosterhof, wo der Eingang zur Kirche ist, öffnet die Tür, betritt den Kirchenraum, die Tür schließt sich und….Ruhe…Friede. Eine versprengte Gruppe Menschen sitzt in den Bänken, vor sich eine kleine Kerze. Wenn irgendwo der Gegensatz von Welt und Advent erfahrbar ist, dann hier. Der freundlichen Aufforderung des Geistlichen folgend, gehen wir alle zu Beginn der Messfeier von unseren Bänken unter die Orgel –eine wunderbar klingende Sauer-Orgel. „Wir waren auf alles vorbereitet, nur nicht auf Kerzen und Gebete“, so zitierte der Pastor einen unbekannten Stasi-Offizier, der über seine Erlebnisse der Wendezeit berichtet hatte. Wo Licht ist, ist Zuversicht, ist Mut ist Entschlossenheit. Und einer gab zum Anderen das Kerzenlicht weiter, das der Geistliche in die Gemeinde gab. Eine kleine Kerzenprozession zieht nun zurück zu den Bänken unter dem Wechselgesang „Tauet Himmel den Gerechten“. Die Liturgie ist um die Predigt verkürzt, die Messe ist still und kommt ohne laute Töne aus, und genau das ist das Wunderbare der Rorate-Messe: mitten im geschäftigen Getriebe von Stadt und säkularisierter Weihnacht gibt es diesen meditativen Ort, der als Ruhepol erfahrbar ist. Weihnacht hat mit uns selbst zu tun. Und es liegt auch an uns, den Advent in unserem Sinne zu begehen. Da hilft es wenig, Dinge zu beklagen, die uns nicht behagen, zumal sie ja offensichtlich anderen eine wie auch immer geartete Freude oder Ablenkung bereiten. Auf uns selber kommt es an.


    Wir haben angesichts der derzeitigen Weltenlage viel zu hoffen, viel zu wünschen. Der Weihnachtsmarkt zeigt eine Welt der Betäubung, des Verdrängens, des Konsums und der Selbstdefinition eben darüber und ist insofern symptomatisch für unserer überhitzte westliche Gesellschaft, von der man meinen könnte, dass sie kurz vorm Kollaps stünde. Und inmitten dieses Glühweinnarkotkums die Ruhe, der Frieden und der Wunsch Rorate coeli desuper,et nubes pluant iustum: aperiatur terra,et germinet Salvatorem.“ – „Tauet Himmel, von oben, ihr Wolken, regnet den Gerechten: Es öffne sich die Erde, und sprosse den Heiland hervor


    Ich wünsche Euch eine schöne, friedliche, besinnliche und auch nachdenkliche Zeit des Advents.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Da kann ich wohl aushelfen: bei den Aufnahmen handelt es sich um diejeniggen, die Schuricht für das Label Concert Hall gemacht hatte. Die sind seinerzeit sowohl mono als auch stereo erschienen. Augenommen wurden sie wohl mehrheitlich in stereo, und es sind einige Aufnahmen dabei, die ich zu Referenzaufnahmen (Bruckner 7) zählen würde. Da ich die LPs alle habe, brauche ich die Box nicht; empfehlenswert ist sie allemal.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Ich bleibe bei dieser Box und greife zu CD 27. Alicia de Laroccha spielt hier die Mozart-Konzerte Nr. 22 und Nr. 19 (in dieser Reihenvolge. Kein Bonus auf dieser CD, aber außerordentlich bezaubernd gespielt. Nr. 22 ist mir das Liebste der Mozartkonzerte, vor allem der dritte Satz, der so voller praller Lebensfreude ist.



    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Aus dieser feinen Box derzeit die CD Nr. 8. In der Nase stachen mir Khatchaturian und César Franck. Und was höre ich nun zu meiner großen Freude? Auf der CD ist als Bonus (was ich gar nicht gesehen hatte) die h-moll Sonate von Franz Liszt in einer regelrcht beglückenden Aufnahme.



    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Hier wird doch wirklich mit Kanonen aus Spatzen geschossen!

    ...

    Was soll also die ganze Aufregung hier?

    Da zitiere ich doch mal einen schweizerischen Lateinlehrer: "Es grenzt an einem Verbrechen mit welchem geistigem Zustand du hier auftauchst!" Speziell bei Dir ist der Intellekt zu vermuten, genau zu wissen, womit gespielt wird, absichtsvoll in unterschiedlichen Weisen. Um es klar und deutlich zu sagen: die Haltung Einzelner hier zum modernen Theater ist hinlänglich bekannt. Die Dinge lassen sich auch kaum ändern. Ich billige denjenigen auch ihren Zorn zu. Die Art indes, wie damit umgegangen wird, verrät vor alem eines: Kinderstube. Gilt für alle an der Diskussion Beteiligten.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Dass die Schmähreden eines Böhmerman (die er sich auch nur von deutschem Boden aus traut) oder die Beleidigungen gegenüber Frau Kühnast Gerichtsbestand haben, macht die Vorgänge weder gut noch richtig. Die Absender dieser Schmähungen widern mich an und ich verbinde das nicht mit dem, was ich mir unter gesellschaftlichem Parkett vorstelle. Wenn das nun Diskussionskultur bei Tamino sein soll, sei es direkt ausgesprochen oder über trojanische Pferde wie dem oben genannten Link hereingeschafft, dann hat das in diesem Kreis auch nur so lange Bestand, bis sich die Schmähung gegen die jetzt Goutierenden wendet. Spätestens dann wird wieder nach der Moderation gerufen. Also bitte, Contenance und notwendigen Respekt untereinander. Das wäre nett.

    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Dass hier reine Verweise auf eine Schilderung, die im öffentlichen Netz nachzulesen ist, auf Grund des Einspruchs eines Andersdenkenden gelöscht werden, zeugt tatsächlich von einer neuen Tendenz im Forum, möglichst die freie Meinung derjenigen, die solche Verunstaltungen ablehnen, zu unterdrücken. Dann ist das tatsächlich - wie von MJoho gesehen - ein Grund, aus diesem Forum auszuscheiden.

    Gerade Du kannst Dich nicht beklagen, Deine Meinung in größtmöglicher Breite hier kundtun zu können. Die fraglichen Beiträge sind übrigens nicht gelöscht sondern lediglich deaktiviert. Bei dem von Dir zitierten "Medium" handelt es sich um das Privatvergnügen eines Herrn Dieter Hansing, Hannover, der für sich in Anspruch nimmt, Privatmeinungen, auch in einer durch Kunstfreiheit gedeckten Überzeichnung vom Stapel zu lassen. Ich zitiere die Seite im Wortlaut: "Wir verstehen unsere Besprechungen und Kommentare nicht als Kritik um der Kritik willen, sondern als Hinweis auf nach unserer Meinung zu Geglücktem oder Misslungenem. Neben Sachaussagen enthalten unsere z.T. sarkastischen Texte auch Überspitztes und Satire.

    Für diese nehmen wir den Kunstvorbehalt nach Artikel 5 Grundgesetz in Anspruch.

    Zur Meinungsfreiheit westlicher Gesellschaften zählt das Recht zur missverständlichen Überzeichnung.
    04.01.2010 - dradio.de"


    Der Beitrag ist also durch keine wie auch immer geartete Redaktionsentscheidung publiziert sondern hat mehr oder weniger die Qualität eines Blogbeitrages. Es ist die Ansage, sich alles herauszunehmen bis hin zur Schmähung gesellschaftlicher Gruppen, um sich später hinter Grundgesetz und dem Satz, dass da was missverstanden wurde, zurückzuziehen.


    Insofern war die Bitte, den Link zu entfernen, durchaus nachvollziehbar. Dass Du ihn nun in Deiner halsstarrigen Art wieder einstellst, zeigt nur Deine Respektlosigkeit auch Forumsfreunden gegenüber.

    Ihr Lieben, ich hoffe, ihr lest das, auch wenn ich niemanden zitiere. Ich beginne mit Holger. Ich habe Deinen Eintrag zu Liszts Ungarischer Rhapsodie Nr. 2 nun gelesen und freue mich sehr, dass wir hier absolut einer Meinung sind (ist ja nicht so oft der Fall, da ich eher emotinal höre, nicht wirklich abstrakt, was daran liegt, dass ich ein besessener Konsument bin, der die mangelnde Notenkenntnis durch eine Vielzahl von Vergleichseinspielungen kompensiert). Das Erzählende bei PBS ist auffällig, wenn man sich durch die Box seiner frühen Aufnahmen hört, auch bei der Kammermusik. Da haben sich offenbar gleichgesinnte Seelen getroffen, die wundervoll Schubert, Haydn und Beethoven spielen. Die Ungarische Rhapsodie ist durch ihre Verhunzungen ein fragwürdiges Machwerk geworden. Dass die pianistisch faszinierend sein kann, habe ich durch die alte Aufnahme eines meiner Pianisten-Idole, Samson Francois, erfahren (war nicht ganz einfach, an die LP-Box ranzukommen; der Verkäufer war Israeli und nicht unbedingt willens, einem Deutschen etwas zu verkaufen. Hab's dennoch geschafft). Samson Francois spielt das Werk nicht wirklich effektheischend, gleichwohl ausgesprochen virtuos. Bei PBS ist das spür- und hörbar, was Du schreibst, lieber Holger: der erzählt eine Geschichte. Mit seiner Demut vor dem Werk reiht er sich ein in die Reihe der Pianisten, die ich schätze: wie Backhaus, Ciccolini oder Kempff ist PBS ein Musiker, der dem Werk dient.


    Und nun zu Dir, lieber Nemorino. Hab' herzlichen Dank für Deine Auführungen. Für die Geschichte der Plattenlabels haben wir keinen eigen Thread, Erörterungen dazu tauchen immer wieder auf. Die von Dir genannten Sachverhalte zur DGG waren mir nicht bekannt, danke für die interessanten Informationen. Indes bleibt der Sachverhalt bestehen, dass das Unternehemen über sein Unterhaltungsgeschäft genügend Geld verdiente. Auch direkt nach dem Krieg. Für mich als 1963 Geborenen ist es in der Rückschau immer wieder erstaunlich, wie vergnügt die Unterhaltungsmaschienerie direkt nach dem Krieg funktionierte, im Westen wie im Osten, die rabiate Trennung kam erst Jahre später. Der Bedarf an Klassikplatten dürfte sich proportional ähnlich verhalten haben wie vor dem Krieg. Die Anschaffung kompleter Sinfonien oder anderer Werke war auch zu Vorkriegszeiten ein Unterfangen, das sich nur wenige leisten konnten und das durch die Unterhaltungsmusik quersubventioniert wurde. Das änderte sich erst, als LP und Vinyl-Single erschienen. Das heißt aber auch, dass mit dieser Technik die großen Unternehmen alle in einer Stunde Null neu starten mussten. Auch die nationalen EMI-Töchter. Elektrola in Berlin-Novaes war zerstört, man siedelte sich in Köln-Braunsfeld an. Und buhlte wechselseitig um Künstler. Lass' mal viele Produktionsstätten zerstört gewesen sein, nach dem Krieg gab es genug Möglichkeiten, Musik in Rillen zu pressen, hüben wie drüben. Die wahre Herausforderung war die Erfindung der LP. Da waren alle Label tatsächlich gleichzeitig am Start. Die DGG hat sich vor allem in West-Deutschland als wichtiger Player etabliert mit Electrola als schwergewichtigem Gegenspieler. Bertelsmann mit Ariola und Eurodisc war noch ein wichtiger Gegenspieler, der sich auf das Geschäft mit Aufnahmen aus dem Osten verstand. Und alle schauten sie auf den deutschen Absatzmarkt.


    Und die Zeit war fruchtbar für Künstler: Label wie Westminster, Concert Hall und VOX waren über Abos zu beziehen. Und vor allem: die haben alle nicht an die Ewigkeit gedacht. Sondern nur an die perfekte Aufführung eines Werkes.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Ob es so dramatisch um die DGG nach dem Kriege stand wage ich zu bezweifeln. Zunächst einmal sollten wir nicht vergessen, dass die Plattenlabel zunächst in nationalen Märkten aufgestellt waren. Das gilt auch für EMI, deren französiche Künstler bei Pathé unter Vertrag waren, die britischen nahmen für Columbia auf - was in den Staaten unter dem Label "Angel" erschien und in Deutschland war EMI als Electrola, Columbia oder Odeon vertreten. Die DGG hatte, seit sie nach dem WK I in England nicht mehr als Grammophon Gesellschaft auftreten durfte, das Label Polydor am Start. Als Klassiklabel. In Deutschland selbst war Polydor das Label für Schlager und Tanzmusik, auch schon während der frühen Kriegsjahre, als noch Platten produziert wurde (was 1943 mehr oder weniger aufhörte). Dieses Label spülte nach dem Krieg kräftig Geld in die Kassen der DGG, alles, was im Unterhaltungssektor Rang und Namen hatte, war bei Polydor unter Vertrag. Und bei der Klassik waren die alten Stars weiter verfügbar, und man wird kaum in der Form international gedacht haben, dass man a tout prix ausländische Stars hätte verpflichten wollen. Das Trio Santoliquido war auch während und nach dem Krieg bei der DGG, ist dann durch das anpassungswilligere Trio die Triest abeglöst worden). Nein, die DGG war clever aufgestellt, die hatten kein Problem, Künstler zu bekommen und das gewünschte Repertoire abzudecken. Zumal die ja auch vorhandene Altbestände vinylverfügbar machen konnten.


    In de USA durften die übrigens auch nicht als Grammophon Gesellschaft auftreten, da nannten sie sich DECCA, während die brtische DECCA in den USA unter dem Label London auftrat.


    Und nun kommen wir zu Paul Badura-Skoda. Der hatte sich gezielt für einen Vertrag mit Westminster entschieden. Das amerikanische Label war Anfang der 1950er durchaus ein Star, die Klangqualität der Platten war superb. Vor allem hatte ein Künstler wie PBS seine Freiheit. Aber: Westminster war ein amerikanisches Label und der Plattenmarkt alles andere als globalisiert. Die DGG ihrerseits aktivierte Anfang der 1950e ein bereits 1914 auf sie eingetragenes Label, Heliodor. Heliodor Singles standen zunächst für Budget-Singles, die für Stars wie Udo Jürgens, Hazy Osterwald oder Lolita Steigbügelfunktion hatten. Jazz-Liebhaber werden Heliodor schätzen, da über dieses Label amerikanischer Jazz und Rockablly auf deutsche Plattenteller kam. Heliodor wurde allerdings auch ein Klassiklabel. Auf dem Wege des Lizenzerwerbs wurden Ostblock-Aufnahmen zunächst über Heliodor verfügbar gemacht, und es gab eine Vereinbarung mit Westminster. Und so schließt sich der Kreis zu Paul Badura Skoda. Später wurden über Heliodor alte DGG-Aufnahmen zweitverwertet. Paul Badura Skoda schreibt über die DGG-Box, dass es eine Auswahl seiner Westminster-Aufnahmen sei. Anzunhemen also, dass es sich hier um die PBS-Aufnahmen handelt, an denen die DGG die Lizenzerechte erworben hatte. Wohl nicht alle, was schade ist. Alles in allem ein faszinierende Box.


    Und damit bin ich auch spekulativ wieder bei Paul Badura-Skoda. Ich unterstelle, dass ihm seine künstlerische Integirtät wichtiger war als der Ruhm. Westminster, weniges für DGG, Astré/Harmonia Mundi, zuletzt Genuin, mir scheint, dass das der wahre Weg für einen integren Künstler ist. Während ich das schreibe, lief zunächst aus der Westminster/DGG-Box die Schumann-CD mit ihrer wunderbaren Aufnahme der Symphonischen Etuden und nun von CD 15 ein unglaubliche kaum beschreibliche Aufnahme von Liszt Ungarischer Rhapsodie Nr. 2, als Virtuosenstück odt genug zu Tode gehechelt, bei Tom und Jerry verulkt und hier in einer wunderbaren Erzählung vorgetragen. Ganz gewiss die wohl ultimative Aufnahme des Stückes, weil PBS sich hier nicht virtuos abarbeitet, sondern eine libenswürdige Geschichte erzählt.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Im Booklet zu der Box steht auch, dass es sich um die alten Westminster-Aufnahmen handelt (teilweis tritt er ja auch mit andern Westminster.-Künstlern auf, wie etwa Hermann Scherchen, Beethoven KK 1-5, oder dem Barylli-Quartett). Brendel hat übrigens auch bei dem versdiesntvollen Label VOX angefangen, das leider auch kein Major war. Es machte durchaus Sinn, bei diesen kleinen Labeln aufzunehmen, da die den Künstlern hohe Freiheiten, auch mit Blick auf die Repertoire-Auswahl einräumten. Ich bezweifle, ob die DGG den jungen Badura-Skoda 1951 hätte das Skriabin-Konzert aufnehmen lassen. Immerhin sind die Westminster-Schätze gehoben und zugänglich. Ich hoffe, dass das auch in Zukunft für die Aufnahme der Beethoven-Sonaten für Astré auf historischen Flügeln der Fall sein wird.


    Der Tod von Paul Badura-Skoad hat auch mich sehr betrübt, ungeachtet seines hohen Alters. Allerdinsg wurde er bereits vor einigen Tagen für tot erklärt und sein Management beeilte sich festzustellen, dass es ihm zwar schlecht ginge, er aber noch lebe.


    An PBS hat mich fasziniert, dass er gleichermßen auf dem modernen und den historsichen Flügeln zuhause war. Tatsächlich konnte auch ich ihn live erleben, im Dortmunder Opernhaus anlässlich des 100jährigen Orchesterjubiläums, wo er das 5. Beethoven-Konzert spielte. Vielleicht ist gerade dieses nicht nach breitestmöglicher Wahrnehmung Drängen das Faszinierende an diesem Pianisten, dem es immerhin beschieden war, gemäß seinem Werkverständnis aufzunehmen und immer wieder an Werken zu arbeiten, ohne sich von Label-Verantwortlichen ein bestimmtes Image aufdrücken zu lassen, oder, noch schlimmer, in seine künstlerische Überzeugung hineinreden zu lassen (wie es dem jungen Tzimon Barto und wohl auch dem jungen Ivon Pogorelich erging).


    In seinen Platten wird er weiterleben, mögen er in Frieden ruhen. Ich gedenke seiner in Dankbarkeit.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Und ich kann die Relativierungen nicht mehr hören! Ohne Not wird immer wieder behauptet: Toller Künstler, also muss er auch ein toller Mensch sein! Unfug!

    Absolut einverstanden! Bloß warum wird dieses Thema dann von den Karajan-Bewunderern immer wieder auf die Tagesordnung gesetzt (mit dem Ziel einer Relativierung)???

    Nichts dagegen! Ich habe lediglich auf die Umstimmigkeit in der Aussage des "Wiederaufwärmers" hingewiesen.

    Vollkommen d'accord. Die meisten herausragenden Künstler der Vergangenheit dürften wohl von Reiner über Toscanini, Szell, Celibidache, Mrawinsky, wohl auch Barenboim oder Münchinger über menschliche Eigenschaften verfügt haben, die sie nicht eben zu Sympathen macht. Ist das von Belang? Nein, das ist Yellow Press, und die interessiert mich nicht.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Könnten wir bitte wieder auf den Pfad Karajan und Musik zurückkommen? Diese historischen Gegebenheiten sind längst verhandelt, auch an verschiedenen Stellen dieses Forums. Und, offen gestanden: ich kann es nicht mehr hören, wenn hier in fast pawlowscher Konditionierung gegen Künster wie von Karajan, Böhm und andere immer wieder die Politkeule geschwungen wird. Wir sind ein Musikforum und kein Justizforum, noch weniger eine Stabsstelle zur Aufarbeitung von Unrecht welcher Diktatur auch immer. Die doppelte Parteimitgliedschaft ist hier im Forum schon oft genug angesprochen worden, und wenn mir niemand erklären kann, dass sich gerade daraus der besonder Karajan-Klang ergibt, dann sollten wir das nun endlich abgehakt lassen.


    Thomas

    Ich höre mich gerade arbeitsbegleitend durch de 32 Sonaten Ludwig van Beethovens. Diesm mit Martin Rasch, einer schönen, direkten und unverschwurbelten Aufnahme. Bestechend die Aufnahmetechnik. Die Mikros waren offenbar direkt am Flügel. So habe ich das nicht unangenehme Gefühl, dass, während ich an meinem Schreibtisch sitze, jemand hinter mir Klavier spielt. Eine GA für Wills Kanon.



    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Die Aufnahme des 1. Brahms-Konzertes findet sich auch in dieser wunderbaren Box.


    Allerdings mono. Der editorische Hinweis lautete, daß in der Box stets die Erstausgaben der LPs berücksichtigt wurden. Da, wo es parallell zu Ausgaben mono und stereo gekommen ist haben die Herausgeber die stereo-Variante bevorzugt. Das heißt, daß den Herausgebern der Box die stereo-Variante nicht bekannt war (was ich befremdlich fände). Es scheint wohl so zu sein, dass RCA selber das originale stereo-Band verloren hatte. Gefunden habe ich den Vermerk, dass das Band Anfnmag der 1970er wieder aufgetaucht sein soll. Die stereo-LP ist mir allerdings noch nicht untergekommen. Die New Orthophonic Aufnahmen waren allerdings auch mono superb. Werde nun Deiner Empfehlung folgen und mir die CD gleich zu Gemüte führen.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Johann Sebastian Bach bei mir: Wilhelm Kempff spielt die Goldberg-Variationen. Kempf spielt die Aria ohne jede Verzierung, auch recht zügig. Das ändert aber nichts daran, dass diese Aufnahme aus den 1970ern des damals 75-jährigen Meisters zu den wohl schönsten, feinsten und auch demütigsten Aufnahmen des Werkes zählt.



    Liebe Grüße vom Thomas :hello: