Beiträge von Thomas Pape

    Die Beiträge sind nicht mehr zum öffentlichen Nachlesen sondern in einem internen Bereich. Beiträge, die sich immerhin theoretisch mit einer Inszenierungsfrage im Umfeld de Rigoletto befassen sind weniger problematisch als die fortwährenden wechseleitigen Beleidigungen und themenferne Unmutsbekundungen. Themenabweichungen oder Untergriffigkeiten werden, wie auch in jedem Business-Meeting, moderiert. Sie sind auch nicht von allgemeinem Interesse, dass man sie nachlesbar halten müsste. Vorsorglich were ich diesen Thread für ein paar Tage schließen, in der Hoffnung, dass sich dach die erhitzen Gemüter abgekühlt haben. TP

    Lieber Garaguly, zum Plattenwaschen gibt‘s einen eigenen Thread. Guckst Du hier:


    Für LP-Liebhaber: Plattenwaschen


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    (Ich muss das mal so brachial machen, da ich gerade vom Mobile aus poste)

    Ich habe mal wieder ein paar Beiträge abgetrennt, weil das Thema "Rigoletto" mittlerweile wieder verfehlt wird und man sich in den üblichen Beleidigungen ergeht. Folgende herzliche Bitte: diejenigen, die die Aufführung diskutieren möchten, mögen das bitte tun. Diejenigen, die sie rundheraus ablehnen, haben das bislang kundgetan. Sie wären raus aus diesem Thread, und ich empfände es als praktische Übung in wechselseitiger Forumsachtung, wenn das von allen Seiten respektiert würde. Und bitte: keine Debatte, wer womit angefangen hat. Das ist auch nicht zielführend. Bitte die Diskutanten ihre Debatten führen lassen. Danke. TP

    Uiii, das hat mir sehr gut gefallen. Aus der Box The DECCA-Sound Piano Edition habe ich diese CD herausgefischt. Dem Namen nach bekannt, aber noch nie spielen gehört. Zudem bin ich nicht der größte Liszt-Fan. Aber die CD darf sich gleich ein zweites Mal drehen:



    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Amandine Savary wurde 1986 in Bayeux geboren und studierte u,a. bei Abdel Rama El Bacha. 2008 hatte ich sie in Montpellier erstmals gehört. Mit ihrem Trio Dali, in dem damals noch Vineta Saraika die Violine spielte.In Montpellier gibt's zu Festival-Zeiten immer eine Reihe Gratiskonzerte mit Nachwuchskünstern, und das Trio Dali gehörte damals offenbar dazu. Die Nachfrage nach diesen Gartis-Karten war speziell bei diesem Auftritt so groß, dass das Konzert per Videoübertragung in den kleinern Nachbarsaal übertragen wurde. Die drei spielten Schuberts op. 100 und ich hatte den Eindruck, dass die vom Blatt spielende Savary wie Ornella Santoliquido das Trio vom Klavier aus dirigierte, auch mit Blick auf die Klangbalance zwischen Klavier und Streichern. 2009 hörte ich das Trio bei einem wallonischen Musikfestival, auch wieder sehr beeindruckendes Musizieren (ich meine, dass ich den Abend (unter anderem gab's Musik von Joseph Jongen) seinerzeit hier bei Tamino besprochen hätte. Mit dem Trio in Erstbesetzung sind eine CD mit Musik von Maurice Ravel erschienen und eine Doppel-CD mit den beiden Trios von Franz Schubert. Auf der Mendelssohn-CD spielt Jan Liebeck statt Vineta Sareika, die zum Artemis-Quartett gewechselt war. Es gibt noch eine Duo-Platte mit Amandine Savary, zusammen mit dem Trio-Cellisten Christian-Pierre La Marca (der seinerseits eine hörenswerte Einspielung der Cello-Suiten Bachs vorgelegt hat). Die Schubert-Impromptus mit ihr kenne ich noch nicht, die Bach-Platte ist ganz vorzüglich.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Mal wieder in der Sammlung gebuddelt und diese nette Box zutage gefördert. Derzeit die 14 Walzer von Frederic Chopin, die Trouard auf einem wundervoll klingenden Pleyel-Flügel spielt. Die CD-Box "Une vie pour le piano" ist leider veergriffen, bei youtube findet sich dei Aufnahme der Walzer indes:




    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Auch hier muss ich Holger in Schutz nehmen. Zur Inszenierung hat er sich bislang nicht geäußert, da er sie, wie er selber schrieb, noch nicht gesehen hat. Auf die theoretischen Aspekte des Beitrags von Hans Heukenkamp hate er fragend resp. erwidernd Bezug genommen.


    Persönlich stellt sich bei Hans Beitrag der Eindruck ein, dass ein Gutteil des angesprochenen Problems, nämlich dass bei der Verhandlung der Gesellschaft von der Gesellschaft mit der Gesellschaft gezwitschert statt verhandelt würde, im Text des Tannhäuser angelegt ist. Der Wartburg-Gesellschaft bleibt nichts anderes übrig, als über Tannhäuser herzufallen wie die Scharia beim Ehebruch. Die Verhandlung -und das dürfte heute schwer zu finden sein- ist die Vergebung gewährende Elisabeth. Die Stärke eben dieser Gegenrede zu gesellschaftlichem Strafgebot untermauert Katzers Inszenierung durch die Präsenz von Venus in der Halle der Wartburg und dadurch -was mir so noch nie aufgefallen ist, dass Tannhäuser selbst im Angesicht der drohenden Strafe und letztlich die Gnade und Liebe Elisabeths gewärtigend, immer noch auf der (räumlichen) Seite der Venus steht.


    Ob das Identitäre als Masche aufgegriffen wird oder Katzer lediglich beobachtet und auf den Konflik des Traditionellen mit dem Neuen hinweist (dem zweiten würde ich zuneigen), das sind unterschiedliche Lesarten einer insgesamt gelungenen Inszenierung. Mit den kulturellen Veränderungen der letzten 30 oder 40 Jahre ist unsere Gesellschaft noch lange nicht fertig, und sie werden auch weiter in Operninszenierungen auftauchen, zumal die Gesellschaft sich immer rapider wandelt.


    Wagner fand übrigens bereits 2003 im Wohnwagen statt: in Köln ließ Robert Carson Mime und Siegfried in einem Wohnwagen hausen. Der flog allerdings Ende des ersten Aktes in die Luft, als Siegfried Nothung geschmidet hatte und das neue alte Schwert an eben diesem Wohnwagen ausprobierte.


    Solcherlei Ausleihen finde ich nicht problematisch, wenn sie sinnstiftend sind. Und nocheinmal: wirkliche beeindruckend ist der Umstand, das Katzer seine Protagonisten spielen und agieren lässt. Dass er das mit Einspielfilmen untermauert, unterstützt die Rollenportaits.


    Ich bin mir nicht ganz sicher -da könne Caruso vielleicht aushelfen- wie die Filme in Bayreuth zu sehen waren. Es gibt die Möglichkeit, die Filme in voller Bühnenhöhe- und breite zu projizieren. Sodann gibt es noch die Leinwand oberhalb der Bühne. Dass das zu sehr reizvollen Speilmöglichkeit führen kann, ließ sich schon bei Schlingensiefs Parsifal sehen.


    Ich nehme aber einmal an, dass da, wo im Kino ein Einblendfilm Leinwandfüllend zu sehen war, dies auch in Bayreuth der Fall war, die Akteure also hinter der Gazewand, auf die projiziert wurde, standen und gesungen haben.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Von wegen Pawlowscher Reflex: Wer war zuerst, die Henne oder das Ei? Einige wissen natürlich immer, dass es das Ei oder die Henne war...

    Über die Diskussionen mit Holger hat vor Jahren ein anderes Mitglied sehr treffend geschrieben:


    "Ich finde, Holger hat eigentlich sehr lange die Ruhe bewahrt, aber dann irgendwann - nach dem x-ten Beitrag, der von absichtlichem Misßverständnis und Polemik geprägt war - auch auf den guten Ton gepfiffen. Ich kann's ihm nachfühlen. Wenn ich mir hier die Beiträge ansehe, fühle ich mich an ein Werk eines anderen Denkers erinnert"


    Das genannte Werk zitiere ich jetzt hier nicht.


    Ich kann auch, lieber Gerhard, keinerlei von Holger ausgedrückte persönliche Verachtung finden. Eher die Annahme, dass ein bestimmter Beitrag nicht verstanden wurde. Die Annahme steht im Raum, der ich durchaus etwas abgewinnen kann, dass die Ansichten zur Inszenierung in einer Weise festzementiert sind, dass Beiträge flüchtig darauf abgeklopft werden, ob sie ins Weltbild passen oder nicht. Wenn dem so sein sollte, dann fände ich das dem vorzüglichen Beitrag Hans Heukenkamps gegenüber respektlos. Und damit sollte es mit den persönlichen Ebenen sein Bewenden haben. Die "Tannhäuser" Inszenierung, die ich mittlerweile auf Datenträger gespeichert habe, finde ich erheblich spannender als diese persönlichen Fingehakeleien.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Ich muss mich bei Chrissy entschuldigen und Holger hatte recht: tatsächlich kamen die heftigsten Querschüsse in dem Thread von Hami. Gestartet wurde derThread seinerzeit von Signora Stragnato, die ein Sartre-Zitat in einem Wagner-Thread gefunden hatte und daraus eine Diskussion startete: "Der Mensch ist frei". Von Chrissy stammte ein Beitrag in diesem Thread, der mich sehr nachdenklich gestimmt hatte. Sorry Chrissy für die Verwechselung :hello:


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Stimmliebhabers Beitrag und der meine haben sich überschnitten. Dass Hans Kredit verspielt halte ich angesichts seiner stets um Ausgleich bemühten Integrität für unwahrscheinlich.


    Es ist halt zuweilen die individuelle Wahrnehmung von Vorgängen. Ich denke da nur an den von Chrissy zerschossenen Thread über Jean-Paul Sartre zurück. Da hat sich Holger alle nur erdenkliche Mühe gegeben, Aspekte von Sartres Denken nachvollziehbar darzustellen. Nicht nachvollziehbar genug für Chrissy. Als Übeltäter stand hernach der Fachmann da, nicht der Laie ohne offenkundiges Verständnisinteresse.


    So ist das eben, wenn man sich in Sympathiegruppen zusammenfindet und nicht im Ansehen der Sache sondern im Ansehen der Person urteilt (oftmals selbst nicht mit der in Rede stehenden Materie vertraut).


    Nichts für ungut und liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Lieber Hans, Du hast schon gesehen, dass Bertaido Chrissys Polemik gegen Caruso aufgegriffen hat? Dein sehr ehrenwerter Beitrag geht an der beklagten Sache vorbei, und ich schätze ihn als berechtigte positive Würdigung all der Sänger und Theater, die abseits von Zentren, Medien und Plattenverträgen eine Arbeit leisten, die oftmals bewegender ist als die der Stars. Soweit, so einverstanden. Aber darum ging es in Bertaidos Replik nicht. Die bezog sich auf Chrissys Sottise gegen Caruso. Und da muss er schon einstecken können, wenn er zuvor austeilt. Diejenigen, deren Beiträge in diesem Thread beklatscht werden (mir fallen da gerade tatsächlich Chrissy und der Bonner Schellack-Wolfgang ein) haben zu diesem Thread noch nichts Sinnstiftendes beigetragen. Ich sehe nicht, dass Bertaido etwas zurückzunehmen hätte.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Nun ja, ich fange dann auch mal an. Die Premiere habe ich mit meiner Frau in einem Bochumer Kino gesehen. Und war hellauf begeistert. Eine derart packende Tannhäuser-Inszenierung habe ich bislang noch nicht gesehen. Das Wichtigste vorab: die Musik. Da hatte ich mir bereits während der Ouvertüre so meinen Teil zu Gergiev gedacht. Bayreuth geht nicht ohne intensive Proben oder intime Kenntnisse der Akustik. Bei Gergiev gab's beides nicht und so klang es auch. Nicht schlecht aber auch ziemlich uninspiriert. Die Sänger dafür superb. Das war alles schallplattenreif.


    Sodann die Inszenierung. Als der Schlussapplaus anhob (mit den obligaten Buhs, von denen ich annehme, dass sie von Bayreuth genau dafür bezahlt werden, denn ein Regisseur, der in Bayreuth nicht bebuht wird, hat was falsch gemacht und sollte nicht weiter beschäftigt werden) saß ich in meinem Kinosessel und dacht mir: und jetzt das Ganze noch mal.


    Was war so anders?


    Kratzer verknüpfte Filmisches mit Theater, Schauspiel und Oper. Und: er ließ die Sänger spielen, ein Novum. Keine dämlichen Gesten wie Tische umschmeißen um Zorn und Verzweiflung zu zeigen, nein, von wenigen Ausnahmen abgesehen Gesten mit Augenmaß. Immer wieder ergänzen Einspielfilme die Aufführung, und durch diesen Trick schafft Kratzer es, abweichend vom Libretto, Venus und ihre Welt in allen dfrei Akten präsent sein zu lassen. Die von Wagner so entworfenen gegensätzlichen Welten prallen immer wieder aufeinander, weichen aber auch starre Grenzen auf. Die Wartburggesellschaft kommt weniger spießig rüber als das sonst der Fall ist. Wahrscheinlich, weil sich Venus mit ihrer Welt klever hineingemogelt hat.


    Die Welt der Venus: das sind die von der Gesellschaft abgelehnten Spielarten der Erotik, die ja ihrerseits nur die Fortpflanzungserotik gelten lässt. Lustvolle Erfüllung gibt's bei Venus, in deren Gefolge Grass' kleinwüchsiger Oskar Matzerath steckt und ein mir bis gestern nicht bekannter, aber göttlicher Transvestit. Diese stummen und lediglich mit Gesten spielenden Rollen sind die Würze der Inszenierung.


    So erlärt sich auch der Film zur Ouvertüre: er zeigt das lustvolle Leben Tannhäusers bei Venus, deren Hügel hier ein Citroen-Wohnmobol ist. Jaja, Citroen, Liberté und eine Reminiszenz an Coluche und den Film "Brust oder Keule" (Tanni ist bei Venus dieser freie Clown, während er als Heinrich Tannhäuser gesellschaftlichen Zwängen unterliegt, Selbstironie beim Passieren einer Biogasanlage ("Mangels Nachfrage geschlossen"), und es ist der mutwillig überfahrene Polizist, der Tannhäuser in Zweifel zu seiner Venus stürzt. Hier endet die Ouvertüre und es beginnt das Spiel. Bekanntlich geht Tanni stiften und versucht, im zivilen Leben wieder Fuß zu fassen. Die Wartburg ist nun das Haus auf dem grünen Hügel und immer wieder gelingt Kreizer die ästhetische Grenzüberschreitung im Sinne Ernst Michalskis: Festspielbesucher als zur Wartburg schreitende Gäste, die Sänger im Zivil als Bayreuth-Securities. Und eine Venus, die nicht aufgibt: am Ende des ersten Aktes dringt sie mit Ihrem Wohnmobil bis zum Hügel vor.


    Im zweiten dringt sie filmisch in den Hügel ein. Wie die drei Damen der Zauberflöte um Mohr Monostatos. Ihre Begleiter sehen das alles eher spielerisch, Venus ist es bitter ernst. Der eigentliche zweite Akt läuft fast schon konservativ: historische Halle, historische Kostüme, die Subversion ist tatsächlich der librettoergänzende Einbau der Venus in den Akt. Was für ein Gewinn für das Ganze. Alle Beteiligten schnurren auf menschliches Normalmaß, und das Wunderbare an der Inszenierung von Kratzer ist, dass seine Figuren mit Anspielungen agieren, die in der DNA unserer Generation liegen und verstanden werden, wie es in früheren Inszenierungen vergleichbare Anspielungen gegeben haben mag, die heute nicht mehr verständlich sind. Natürlich wird Tanni nicht von der Polizei zur Romfahrt abgeführt, die verhaften ihn zwar aber sorgen dafür dass die ehrwürdigen Herrschaften nicht zu unerlaubter Gewalt greifen (warum nur habe ich bei der Szene, als Katharina Wagner die 110 gewählt hat, nur an Tamino gedacht?).


    Akt drei ist der bewegendste, und auch hier hilft Kratzer nach durch die unglaubliche Gestik und Mimik der hinzugefügten Schauspieler. Und so ganz koscher ist die Welt auch nicht: die Pilger kommen zurück, exculpiert, und plündern die Höhle der Venus. Elisabeth bekennt, dass auch sie weltliche Gefühle hat und diese stets unterdrückt. Wolfram schlüpft in die Maske des Tannhäuser und vernascht Elisabeth, die sich aber auch nur dem hingeben will, dies als weitere Hinzufügung zum Textbuch (das Tannhäuser übrigens immer mit sich mitführt und zerreißt, als er erzählt, dass ihm keine Sündenbefreiung zuteil wurde).

    Tanni will zurück zur Venus und Wagner zieht die Notbremse. Wolfram verweist auf Elisabeth, Tannhäuser besinnt sich und stirbt, während davon gesungen wird, dass der Pilgerstab plötzlich grün tragen würde.


    Elisabeth tot, Tannhäuser tot, und mit kirchlichen Erlösungsvorstellungen kann man nun wirklich nichts mehr anfangen. Wohl aber mit dem Angebot des Regisseurs, der filmisch das im Tode vereinte Paar Elisabeth und Tannhäuser im Wohnmobil der Venus weiterfahren lässt; mit dem zum Coluche befreiten Tannhäuser und einer weltlich liebenden Elisabeth. Filmisches Vorbild gefällig? L’amour von Michale Haneke aus dem Jahr 2012. Auch dieser Film endet mit der Wiedervereinigung zweier Leibender als Lebende im Tod. Wollen wir jetzt den Bogen noch weiterspannen und an Sartres „Das Spiel ist aus“ erinnern?


    Nicht nötig. Diese Tannhäuser-Inszenierung gewinnt vor allem durch die Verknüpfung von Film, Schauspiel und Oper. Vielleicht ist nicht jeder Einfall nachvollziehbar, aber der Entwurf insgesamt hält sich schon recht gut an die Vorlage und gibt wunderbare Deutungshilfen.

    Und bis zum Ende der Spielzeit hat Gergiev das mit der Akustik in Bayreuth auch noch raus. Bestimmt.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Auch wenn ich nicht gefragt wurde: ich besitze diese CD. Und finde sie faszinierend. Die unterschiedlichen Speilzeiten beim ersten Satzt sind auf das Weglassen der Wiederholung bei der Aufnahme auf dem Bösendorfer Flügel aus 1923 zurückzuführen. Persönlich schätze ich den Klang der alten Flügen sehr, weshalb mich die neuerliche Begenung mit dem alten Graf-Flügel sehr freut. Zu Steinway bin ich noch nicht gekommen. Auf alle Fälle ein lohnende Anschaffung und eine wertvolle Ergänzung zu einer D.960-Sammlung.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Lieber Thomas,


    das sind sehr spannende Bezüge - ich habe allerdings weder Fallada gelesen (nur den Rühmann-Film vor sehr langer Zeit gesehen) und das Hörspiel kenne ich auch nicht. Der Güterwagon ist doch eine Anspielung auf die Deportation?


    https://de.wikipedia.org/wiki/Tr%C3%A4ume_(G%C3%BCnter_Eich)

    Lieber Holger, die Deportation wäre mir zu vordergründig. Es ist eher der Prozeß festgehalten, dass altes Wissen und Erfahrung verdrängt werden und vor neuerlichen Katastrophen nicht zu schützen vermögen. Im Zweifel werden die Alten mundtot gemacht, d.h., in dem Hörspiel wird den Alten der Mund verboten, weil man sich auf ihre Erzählungen und Beschreibungen keinen Reim mache kann und will.


    Die fünf Träume fußen alle auf der Infragestellung von Selbstgewissheiten, ein Thema, das sich in der Nachkriegsliteratur immer wieder findet. Ich greife willkürlich Anderschs Erzählung "Ein Tag am Meer" heraus oder von Max Frisch die Trilogie "Stiller" "Gantenbein" und "Homo Faber". Eich macht mit seinem Hörspiel -das seinerzeit heftig umstritten war, vom SWR zum NWDR wechseln musste, weil der SWR seinen Hörern den chinesischen Traum nicht zumuten wollte, während der NWDR kurzfristig eine auf die Urausstrahlung folgende Sondersendung ansetzen musse, um die während der Ausstrahlung einlaufenden Hörerbeschwerden abzufedern- eine fulminanten Auftakt in einem literarischen Segment der Zeithinterfragung. Ich muß nicht eigens erwähnen, dass die "Träume" auch heute noch Gültigkeit haben, leider muss man da sagen.


    Der Roman Falladas umspannt einen erheblich weiteren Abschnitt als es der Rühmann-Film in seiner familientauglichen Rührseligkeit zulässt. Gustav Hartmann ist zunäch ein vermögender Berliner Droschenunternehmer und überzeugter Patriot, dem im berichteten Zeitraum alles aus den Händen gleitet. Der WK I geht verloren, Sohn eins fällt im Krieg, die Tocher in die Hände eines Luden, der sie dauerhaft zur Hure macht, der dritte Sohn ist spekulierender Liderjahn, der in den 20er Jahren zu einem gesuchten Betrüger wird. Taxis verdrängen Gustav Hartmanns Droschken, er gewärtig das wirtschaftliche Abseits. Am Ende des Romans schaffen es Tocher und Sohn, den Luden erst zu blenden, sodann durch Fenstersturz zu töten. Und in einem bewegenden Schlussbild holt der alte Hartmann seine Tochter heim. Mit seiner Droschke.


    Auch hier eine readikale Entwertung von altem Wissen und auch moralischen Gewissheiten.


    Und das ist wohl das Faszinierende an der Winterreise, die mit den Versen "Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh' ich wieder aus" beginnt, und mit der Frage endet "Wunderlicher Alter, soll ich mit dir geh'n" Und hier erklärt sich, warum die "Winterreise" über die Jahrhunderte hinweg auch heute noch Gültigkeit für Menschen hat. Heute besonders, angesichts der von Heinrich Lübbe bereits Anfang der 1980er Jahre konstatierten Generationenschrumpfung. Als die Winterreise entstand wurde für immer mehr Menschen ein traditionelles Leben durch die Industrialisierung obsolet, nur wenige Jahre später entstand mit Gründen die Bewegung der "Lebensreform" als Gegenbewung zu den Auswüchsen der Industrialisierung.


    Heute an der Schwelle zur vierten industriellen Revolution stehen wir vor ähnlichen Herausforderungen. Und einer Fülle von Ausgegrenzten, von entwerteten Biographien und wankenden Gewissheiten. Die "Winterreise" ist tatsächlich zeitlos. Und Schuberts Musik hilft dem Zyklus dabei, nicht vergessen zu werden.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Allerdings wirklich klägliche Musik. Diese mini-disc habe ich seinerzeit gekauft. Ich hab's gehört und nicht ernst genommen. Bei Schubert gibt es auch die drolligen Veruche, die h-moll Sinfonie zu vollenden und weitere auszugraben. Am Ende bleibt dann wenig übrig.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Wenn ich die Zeilen des Leiermanns durchlese, treffen da zwei Aussortierte aufeinander. Der vom Leben enttäuschte Wanderer und der Leiermann, den keiner hören will. Günter Eich hat im ersten seiner fünf (Alb-)Träume in der Person der Großeltern ebenfalls Figuren, die keiner hören will, weil die Zeit darüber hinweggegangen zu sein scheint. Und Fallada hat mit Gustav Hartmann eine ähnlich am Ende gescheiterte Figur geschaffen.


    Und so wankt dann dieser alte Mann, der sicherlich einiges zu sagen hätte, seine Leier mit starren Händen drehend, hin und her.Bild Nr. 3 trifft's die Stimmung recht gut, die Erbarmungslosigkeit der Gesellschaft. Und es gemahnt an die alten Moritaten, Bildergeschichten mit Text, die zu Klängen einer Drehleier auf Marktplätzen vorgetragen wurden.


    Das expressionistische sechste Bild verändert den Text in einer Weise, die aus dem erschütternden Ende der Winterreise ein vielleicht hoffendes gemeinsam Weitergehen macht: "Wunderlicher Alter, soll ich mit dir gehen? Willst zu meinen Liedern deine Leier drehn?" Scheinbar. Denn beide sitzen abseits der neuen Zeit.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Lieber Fiesco,


    Richard Krug ist der Cellist des Copenhagen String Quartets, das seit 2013 in dieser Bestzung spielt: Eugene Tchindeleanu, Violine, John Bak Dinitzen, Violine, Bernd Rinne, Viola und Richard Krug, Violoncello. Die Mitglieder sind Mitglieder der Copenhagener Philharmoniker und müssten sich eigentlich New Copenhagen String Quartet nennen, denn ein Ensemble dieses Namens wurde bereits 1956 gegründet und existierte sehr erfolgreich bis 1992.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Da ich in der vergangenen Woche auf eine mich sehr bewegende Version der "Winterreise" gestoßen bin, habe ich angefangen, mich mit den Gedichten im Zusammenhang zu befassen. Das Büchlenvon Hans May D.H. interessiert mich in dem Zusammenhang außerordentlich. Da ich keine Beschaffungsquelle finde, bitte auch ich den lieben Caruso um Übersendung dieses Büchleins. Zu finden bin ich unter http://www.thomasjoachimpape.de


    Bei der Aufnahme handelt es sich um diese hier:



    Die Stimme Johann Reuters gefällt mir außerordentlich gut, die Begleitung durch ein Streichquartett steht mir deutlich näher als die ursprüngliche Klavierbegleitung.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Oper und Gesang zählen nur eingeschränkt zu meinen Leidenschaften, deswegen nehme ich die Hinweise auf das Sängertableau dankbar zur Kenntnis, ohne -ich gestehe es- recht etwas damit anfangen zu können. Und freue mich auf die Eröffnungspremiere im Dortmunder Kino.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Schubert bei mir, die wunderbare Sonate D. 960, gespielt von Paul Badura-Skoda auf einem Bösendorfer Imperial (1923). In dieser Version spielt Badura-Skoda die Sonate ohne die Wiederholung im ersten Satz und verkürzt ihn so von 19:24 min (die beiden anderen Aufnahmen) auf 14:44 min.



    Liebe Grüße vom Thomas :hello: