Beiträge von Uwe Schoof

    Hallo,


    natürlich wird Mozarts Musik nicht zuviel gespielt. Gute Musik wird nie zuviel gespielt, manchmal leider zu wenig.


    Ich habe zu Mozart ein eigenartiges Verhältnis: Für mich ist Mozart der Inbegriff "kompletter" Musik. Seine Werke haben für mich eine wunderbare Form, die Musik ist beweglich und gleichzeitig in sich ruhend (ist für mich eines der größten Komplimente für Musik). Ich kenne keinen Komponisten, der diesbezüglich über Mozart steht.


    Wenngleich ich am liebsten die Streichquartette und Streichquintette (auch einige Sinfonien) genieße, muss ich doch sagen, dass Mozart in allen Gattungen, in denen er komponiert hat, gleiche Qualität zeigt.


    Allerdings stelle ich fest, dass ich seiner Musik weniger aktiv konsumiere als z.B. Beethoven. Vielleicht empfinde ich weniger Reibung, vielleicht entdecke ich in seinen Werken weniger Anzeichen von Unvollkommenheit, von menschlichen Schwächen, was eigentlich auch mein Interesse weckt.


    Bitte verzeiht, es ist nicht leicht für mich, meine Gefühle bezüglich Mozart auf einem angemessenen Niveau auszudrücken. Aber als Beispiel für das soeben Gesagte fällt mir am ehesten der Vergleich einer mir in der Phantasie erscheinenden perfekt aussehenden Traumfrau ein, bei der mir trotz oder wegen ihrer absoluten Schönheit im wahren Leben die Reibung fehlen würde, die ich zwar bestaunen, die mich aber in ihrer Individualität weniger interessieren würde.


    Allerdings ist Mozart der nahezu einzige Komponist, dessen Musik beim sonntäglichen Frühstück mit meiner Familie aufgelegt wird. Die Atmosphäre ist dann sehr angenehm, Beethoven würde mich beim passiveren Hören viel eher aufreiben und stören.


    Mozarts Klarinettenkonzert war übrigens vor 30 Jahren mein Einstieg in die klassische Musik.


    Ich bin mir sicher, dass ich bei Mozart und durch Mozart noch sehr viel zu lernen habe.


    Uwe

    Der interessierte Leser wird in dem Thread über die GROßE FUGE Beethovens im Kammermusikforum entdeckt haben, dass dieses geniale Werk ein zeitgenössisches ist und immer bleiben wird.


    Ich folgere unter der Voraussetzung, dass es unter den Klassik-Wählern Beethoven-Anhänger gibt, dass es nur gerecht ist, wegen der Modernität der Großen Fuge zwei oder drei Punkte von der Klassik in die klassische Moderne rüberwandern zu lassen.


    In der Hoffnung, alle Klassiker überzeugt zu haben, grüßt


    Uwe

    Hallo Edwin,


    Du hast recht, Zar Igor gehört wohl in das erste Glied, war vielleicht etwas vorschnell von mir. Seine großen Werke weiß ich schon zu schätzen. Vielleicht habe ich etwas die Balance verloren, da ich Bach, Mozart und Beethoven immer etwas über allen anderen in luftiger Höhe sehe; aber wenn Schönberg und "Quinten-Paul" (finde ich gut), dann auch Strawinski.


    Hallo Alfred,


    Du hast natürlich auch damit Recht, dass z.B. das "Sacre" bekannter und beliebter ist als der Mathis, dennoch möchte ich Strawinski nicht vor Hindemith einordnen, besonders nicht mit Hinblick auf die Fragestellung. Schließlich hat Hindemith sehr viel für Laienmusiker geschrieben, und zwar ganz ordentliche und niveauvolle Sachen (was mich auch an die Gebräuche Mozarts, Beethovens und anderer erinnert). Er hat sich überhaupt sehr dafür eingesetzt, dass die "ernste" Musik das "Volk" erreicht und umgekehrt. Er hat fast für die gesamte Bandbreite der Instrumentengattung geschrieben.


    Dies wurde natürlich nicht so populär wie gewünscht, aber ohne die (gestrichenen) Großen hätte dies möglicherweise eine viel größere Bedeutung erlangt.


    Diese Begründung soll aber nicht verdecken, dass ich einige Orchesterwerke von Hindemith total klasse und wichtig finde.


    Gruß, Uwe

    Hallo,


    da ich solche unterhaltsamen Spiele vor ernstem Hintergrund gerne mag, habe ich jetzt meine Ärmel hochgekrempelt und wollte Alternativen für unsere Großen finden.


    Bisher ist mir dies für Bach, Mozart, Beethoven... überhaupt nicht gelungen, trotz lockerer Einstellung. Ich habe schon fast den Eindruck, die westeuropäische Musukgeschichte hätte ohne die Drei aufgehört.


    Für die Moderne: Strawinski gehört nicht unbedingt in das erste Glied, vielmehr Schönberg und Hindemith.


    Ich werde weiter grübeln.


    Gruß, Uwe

    Hallo,


    im letzten Jahr kam ein für mich fantastisches Buch auf den Markt. "Beethovens Streichquartette" von Gerd Indorf.


    Es beschreibt die äußeren wie inneren Umstände (Lehrjahre in Wien, Freunde und Mäzene, vom adeligen Salon zum bürgerlichenm Konzertsaal; alles in Bezug auf die Quartette), in denen Beethoven seine Streichquartette komponiert hat, gefolgt von Analysen aller seiner Werke dieser Gattung. Dies alles auf 500 Seiten ausführlich, aber dabei sehr unterhaltsam.


    Uwe

    In Ordnung, Edwin,


    nach einem solchen Aufruf stimme ich natürlich auch für die klassische Moderne. Ich mag da sehr die Suche nach der Erweiterung der Tonalität, der Erweiterung in vieler Hinsicht, ohne einen gewissen Rahmen zu verlassen. Auch diese Phase der Musikgeschichte hat große Meister hervorgebracht.


    Uwe

    Hallo,


    es gibt für mich mehrere Gründe, bestimmte Musik zu hören bzw. zu selektieren. Einer dieser Gründe ist die Neugier, das Suchen. Dies gilt sowohl für ältere Musik (ich freue mich stets, mir noch nicht bekannte Komponisten oder Werke kennenzulernen) als auch für zeitgenössische Musik (wo das auch so ist). Ich sehe da überhaupt keinen Unterschied.


    Ich möchte auf fölgenden Aspekt hinaus: Ein wichtiger Antrieb für mich ist die Neugier, auch die Neugier, wie und was meine Zeitgenossen komponieren. Ich finde die Beschäftigung mit zeitgenössischen Äußerungen interessant.


    Dies wird bei mir keineswegs geschmälert durch den Umstand, dass mir die große Mehrheit der zeitgenössischen (wie auch der älteren) Kompositionen überhaupt nicht gefällt, viele Kompositionen sich für mich als total wertlos, langweilig, unangenehm u.s.w. erweisen. Ich komme gelegentlich von einem zeitgenössischen Konzert nach Hause (Witten, Donaueschingen...) und erzähle meiner Frau: Es hat mir heute überhaupt kein Werk gefallen. Dennoch: Es hat mich interessiert, ich habe am musikalischen Leben teilgenommen, ich habe einigen heute lebenden Komponisten zugehört, und dieses befriedigt mich und gefällt mir.


    Genau dies habe ich als meine Pflicht definiert: Ich möchte suchen und zuhören, mich für Neues interessieren. Und manchmal (wirklich nur manchmal) passiert dann etwas wunderbares: Ich habe ein Stück entdeckt, das mir wirklich sehr gut gefällt, das für mich einen hohen Wert bekommt und zukünftig zu meinem Repertoire gehören wird. Dies entschädigt mich dann sehr, und den Genuss habe ich mir wirklich verdient.


    Jetzt noch ein Riesenvorteil der Beschäftigung mit zeitgenössischer Musik: Ich muss nicht vorbestellen, finde immer einen guten Sitzplatz...


    Schöne Weihnachtstage wünscht


    Uwe

    Hallo,


    wenngleich das Werk nicht besonders in die Tiefe geht, höre ich Stravinskys Oktett für Bläser gelegentlich sehr gerne. Ich finde, es hat Niveau und ist eine gute Abwechslung, bringt irgendwie "frischen Wind" rein. Es dauert ca 15 Minuten.


    Uwe

    Hallo ,


    es ist für mich stets interessant, persönliche Meinungen sowohl von Profis als auch von Anfängern zu erfahren, WARUM sie dies oder jenes in der Musik mögen bzw. nicht. Danke für die Antworten.


    Ich selbst begann in meiner Jugend mit sinfonischer Musik einschl. Opern. Kammermusik habe ich erst im Laufe der Zeit kennen und in der Folge daraus lieben und schätzen gelernt. Seit mehreren Jahren höre ich hauptsächlich Kammermusik. Warum?


    Ich bin mir da nicht sicher, glaube aber, dass dies ein Teil der generellen Entwicklung ist, ich meine den gewollten und ungewollten Hang, in die Tiefe zu gehen. Dies tut die Kammermusik (zumindest der großen Meister) für mich häufig. Ich habe dabei den Eindruck, dass ich die Komponisten in ihren musikalisch intimsten Momenten beobachte, in denen sie sich die größte erdenkliche Mühe geben.


    Das gilt natürlich auch für einige Orchesterwerke; diese genieße ich besonders in Momenten, in denen ich eher oberflächlich genießen möchte (auch sehr wichtige Momente). Dann habe ich gerne das Kribbeln in den Füßen, wenn die volle Besetzung incl. Blechbläser spielt.


    Bis später,


    Uwe

    Liebe Musikfreunde,


    als Neuling in diesem Forum versuche ich, mir einen Überblick der Themen und Stimmungen zu verschaffen. Ich habe, vorsichtig ausgedrückt, den Eindruck, dass die Kammermusik sehr im Schatten der Orchestermusik steht. Dies hat bestimmt auch seine Gründe, schließlich hört ja jeder meist das, was ihm gefällt oder was ihn interessiert.


    Da ich selber im Gegensatz dazu sehr der Kammermusik zugeneigt bin, mir aber auch generell Inspiration erhoffe, möchte ich fragen: Was sind die Gründe für das präferieren der Orchestermusik? Was fehlt der Kammermusik, um Interesse zu wecken oder: warum wird die Kammermusik nicht als so schön bzw. angenehm empfunden? ODER:
    Was ist so unnachahmlich an der Orchestermusik?


    Ich hoffe, mit dem Aufgreifen dieses fundamentalen Themas als Neuling nicht die Regeln der Höflichkeit in diesem Forum zu verletzen.


    Gruß, Uwe