Beiträge von Gunter Hämel

    Hallo Sven,


    danke für die Antwort - dass ich vom Hamburger Ring bisher nur die "Walküre" gesehen habe, spricht ja wohl für sich.
    Ich bekam kürzlich einen Prospekt von der Oper zugesandt für die Aufführungen des kompletten "Rings" in Hamburg, nach der Walküren-Erfahrung habe ich von einer Bestellung abgesehen !
    Schade, denn ein paar Tage Hamburg - auch außerhalb der Oper - wären schon mal wieder ganz schön gewesen. So werden wir halt wieder im Sommer auf der Durchreise zur Nordsee in Hamburg einen Zwischenstopp einlegen, da gibts eh keine Oper ! =)

    Hallo Stefan,


    schön über Deinen Weg zur Klassik zu lesen. Aber gräm Dich nicht, dass Du noch so jung bist und die "grossen" der Fünfziger/sechziger nicht mehr direkt erleben konntest. Du wirst sehen, auch heute gibt es wunderbare Sänger, die Du -auch durch Deine Gesangsausübung - noch kennenlernen wirst und die Dir Freude bereiten werden, davon bin ich überzeugt. Trotzdem freut es mich, dass auch junge Leute -vor allen Dingen , wenn sie vom "Fach" sind, die Idole meiner Jugend noch kennen und lieben gelernt haben !

    Lieber Sven,


    das der 1. Akt Walküre so langweilig war, lag wahrscheinlich am Bühnenbild, wenn S.Y. die ganze Zeit in eine Wohnküche schauen muss, war sie vielleicht etwas eingeschlafen.
    Ich fand allerdings auch die weiteren Akte nicht so aufregend, vor allen der Sänger wegen, die leider meistens ihre Zukunft schon hinter sich hatten, wenn man über 60zig ist, sind Brünhilde und Fricka nicht mehr so ganz einfach. Und das Walküren-Balett mit den Krankenbetten ? na ja
    Die Lautstärke war allerdings erträglich - ja angemessen - vielleicht lag das an unseren Plätzen !

    Bei mir gibts zwei verschiedene "Ohrwürmer-Arten" :


    die erste sind die aus den Werken, die ich grade im Chor singe, am schlimmsten , wenn das Konzert gelaufen ist und ich nachts wach werde und innerlich singe, dann bin ich froh, das bald die Proben für ein neues Stück beginnen.
    In die gleich Kathegorie fallen die Musikstücke aus Opern und Konzerten in denen ich gerade war, die verlassen mich dann einige Zeit nicht, wie heute grade der Anfang aus Tchaikowskis Klavierkonzert Nr. 1, das ich gestern abend hier in unserer STadthalle gehört habe und zwar hab ich dazu dann auch noch immer den Text aus dem von Chaplin (?) geklauten Musikstück im Ohr "eine Melodie geht um die Welt" !


    die zweite Art sind die Ohrwürmer, die mir zu bestimmten Situationen immer einfallen, es ist schon fast manisch, ich weiss zu jeder Situation ein "Lied" . Sehe ich ein Brautpaar , singe ich "aber der richtige, wenns einen gibt..." , in der Natur , ein Veilchen - schon ..(na klar !) usw. so geht es dauernd, selbst bei Beerdigungen fällt mir immer ein, was zu dem verstorbenen jetzt passen würde (Abscheulicher, jetzt gehst du hin..) oder aber "denn er hat seinen Engeln ".

    Habe leider den Namen und auch die Dame noch nie gehört ?
    Wenn man liest, welche Partien sie alles gesungen hat, wird man ja schwindelig - alles eine Person ?

    Lieber "Titan",


    es freut mich, dass Dir der Schlingensiefsche Parsifal gefallen hat, das ist ja gut, dass jeder anders empfindet !
    Ich muss halt ehrlich zugeben , dass für mich die Musik in der Oper das wichtigste ist, die Gedanken, die sich jemand um die Interpretation macht, zweitrangig. Da wars halt beim Schlingensiefen so, dass mich das Gewimmel auf der Bühne, die ewige Dreherei, Videos und die immer wieder kehrenden Hasen so aufgeregt haben, dass ich die Musik nicht mehr wahrgenommen habe und das war mir dann unerträglich.
    Dazu muss ich sagen, dass ich auch Filme, die dauernde "Action" bieten nicht mag und mir nicht ansehe, andere finden das ja auch aufregend und spannend. Aber wir haben ja die Wahl !


    in diesem Sinne - G.H.

    Ich glaube, dass die unterschiedlichen Beurteilungen von Operninszenierungen auch daher rühren, dass z.B. die "professionellen Kritiker" alle Werke schon mehrmals gesehen haben und sich wünschen, wieder eine neue Sichtweise auf das Werk kennenzulernen. Zu diesen Kritikern möchte ich auch die nichtprofessionellen "Vielbesucher" von Opern zählen. Dagegen sind diejenigen, die nicht das Glück haben in einer STadt mit drei Opernhäusern zu leben, froh, wenn sie den "Tristan" vielleicht 3-4 mal im Leben sehen können, von einem kompletten Ring mal ganz abgesehen. Diese Opernfreunde wünschen sich dann ein musikalisches Erlebnis in einer werkgetreuen Aufführung.


    Ich persönlich gehöre sicherlich zu den nichtprofessionellen Vielbesuchern und bin immer sehr aufgeschlossen und vorurteilsfrei in eine neue Inszenierung gegangen. Machmal hat es mir gefallen, manchmal nicht. Dazu muss ich sagen, dass in meinen jungen Jahren ja Leute wie Hartmann, Rennert, Schuh, Schenk, später Ponelle usw. Regie führten. Das waren Leute, denen die Werke gut bekannt waren und die sich mit der Musik auskannten. Heute gibt es aber viele Regisserue, die vom Sprechtheater kommen und oft die Oper überhaupt nicht kennen. Erst kürzlich wurde mir von Sängern erzählt, dass ein Herr nach 14 Tagen Proben immer noch die Verwandschaftsverhältnisse der Personen durcheinander brachte !


    Ich mag es nicht, wenn ein Regisseur das Werk in eine Zeit versetzt, in der die Personen völlig anders reagieren, als sie das zur Zeit in der das Werk ursprünglich spielte getan haben. So habe ich z.B. in Berlin mal einen Othello von J. Flimm (dessen Ring in Bayreuth mir -mit Abstrichen - gefallen hat) gesehen. Er hatte die Darsteller als heutige , moderne junge Menschen verkleidet und auch das Bühnenbild passte in die Jetztzeit. Aber leider hatte weder Shakespeare das so beschrieben noch Verdi so komponiert. Die Handlungsweise - vor allen Dingen der beiden Damen - wiedersprach da so dem äußeren Eindruck, dass ich mich den ganzen Abend nur geärgert habe. Ich habe meiner Frau gesagt: "glaubst Du, eine heutige Emilia würde zusehen, wie ihr Mann (Jago) die Freundin (Desdemona) ins Verderben stürzt ? - Entweder sie ist genaus so ein Biest wie der Mann , oder sie sagt, hör mal - mein Alter ist ein Schwein, pass auf , der hat was Böses mit Dir vor "
    Im Stück, ist sie die Freundin, weiss Bescheid, hat aber zu "ihrer Zeit" gar keine Wahl, als stumm zu leiden.
    In dieser Art könnte ich einige Beispiele nennen, was aber den Rahmen hier sprengen würde.
    Ich wünsche mir, dass ein Regisseur das Werk in seiner Aussage bestehen lässt und die Sänger so leitet, dass sie ihre "Arbeit" gut ausführen können und auch als Schauspieler eine gute Figur machen.


    Und an "Basti" gewand, sage ich, dass ich mitlerweile Premieren kaum noch besuche, sondern abwarte, wie hat der Regisseur das Werk gemacht, was schreiben die Kritiker darüber. Wenn das meinen Vorstellungen entpsricht, sehe ich mir dann eine Nachfolgeaufführung an oder verzichte ganz (wie z.B. in Bayreuth die jetzigen Meistersinger und den Münchner Lohengrin). Die Freiheit habe ich und die nehme ich mir auch - das letzte Mal , dass ich mich "totgeärgert" habe war beim Schlingensiefschen Parsifal, das tue ich mir nicht mehr an !

    Es ist schon sehr interessant, auf welch unterschiedlichen Wegen die einzelnen Forumsteilnehmer ihre Liebe zur klassischen Musik entwickelt haben. Man sieht, dass nicht nur Kinder aus dem sogenannten "Bildungsbürgertum" mit Vorbild der Eltern, erstem Klavierunterricht u.a., den Weg zur "Klassik" gefunden haben !


    Bei mir war der Weg wie folgt:


    Geboren im Krieg in Breslau kam meine Familie 1946 nach Ostwestfalen (Wiedenbrück). Wie bei vielen Schicksalsgenossen, herrschte bittere Armut, daher kam gar kein Gedanke auf, dass mein älterer Bruder und ich evtl. ein Instrument erlernen konnten. Mein Vater - aus einer bürgerlichen Beamtenfamilie war zwar mit klass. Musik, Klavier usw. aufgewachsen, meine Mutter kam aus einer Handwerkerfamilie mit vielen Geschwistern, dort wurde sehr viel gesungen. Sie hatte eine sehr schöne Sopranstimme - sogar durch den Lehrer einer Freundin kostenlos etwas geschult - und wir sangen den ganzen lieben Tag.
    Unsere Nachbarn sagten immer - entweder sie singen , oder sind nicht zu Haus ! So begann für mich alles mit Gesang. Ein Freund der Eltern spielte Laute und die Familien sangen gemeinsam Volkslieder , Baladen und auch mal Kunstlieder.
    Meine erste Berührungen mit dem Theater hatte ich , da mein Vater für die Regionalzeitungen Kritiken schrieb, mit dem Gütersloher Theater, das in der Umgegend gastierte. Die Künstler landeten nicht selten bei uns zu Haus - in der Einzimmerwohnung ! Daher schon früh meine Begeisterung für Kunstausübende.
    Nach einiger Zeit wurde ein - gebrauchtes - Rundfunkgerät angeschafft und wir hörten den NWDR. Da eine Tante persönlich mit Franz Marszalek und seiner Frau bekannt war (Breslauer) wurde natürlich besonders häufig "Herr Sanders" oder auch die Unterhaltungsmusik mit ihm am Dirigentenpult gehört. Da ich mich damals noch mehr für Schlager interessierte, war ich erstaunt, als ich einige Namen von bekannten Schlagersängern dann auch bei Operettensendungen im Rundfunk hörte, wie z.B. Gitta Lind, Lonny Kellner, Gehard Wendland, Rudi Schurike, Maria Mucke u.a. - Dadurch animiert, hörte ich häufiger diese "gehobene" Unterhaltungsmusik und lernte dann auch die bekannten Klassik-Sänger dieser Zeit, wie Rothenberger, Anders, Schock, Rosel Schwaiger, U. Schirrmacher, R. Glawitsch, H.E. Groh u.v.a. kennen. Wenn ich dann Ankündigungen von Opernkonzerten im Rundfunk mit diesen Namen hörte, wurde ich neugierig. So kam dann auch die Freude an Opernmusik - natürlich erst einmal die deutsche Spieloper, dann Mozart, Puccini, Verdi usw.
    Mein erster Opernbesuch fand im Gütersloher Theater (einem umgebauten Kino) mit einer Aufführung des Detmolder Landestheaters "Zar und Zimmermann" statt. Ich fand es großartig !
    Bald wurde vom Jugendkulturring eine Abbonement am Bielefelder Stadttheater angeboten, mit Busfahrt, welches ich sofort begeistert aufnahm. Dort wurde ein gemischtes Programm mit Oper, Operette, Balett und Schauspiel geboten. Da es damals noch ein richtiges Ensemble gab, hatte man auch bald Favoriten unter den Sängern, auf die man sich besonders freute. Es wurden damals auch die großen Opern von Wagner und Strauss dort gespielt, die mir dann nach und nach immer besser gefielen.
    Mit zunehmendem Alter - und besserem Verdienst - leistete ich mir dann auch schon Reisen in die umliegenden Großstädte des Ruhrgebiets, nach Köln und Düsseldorf oder Hannover. Später - als ich auch meine Frau mitnehmen konnte - wurde das auf Hamburg, Berlin, Paris, Verona, London, New York , Mailand usw. ausgeweitet.
    In den frühen 80ern kam dann Salzburg und Bayreuth dazu und vor allen Dingen München. Dort sang eine Freundin im Ensemble, durch die wir viele Sänger, Orchestermusiker , Dirigenten und auch Mitarbeiter des Hauses kennenlernten, durch die war dann auch an Karten für Bayreuth kamen oder den verschiedenen Opernhäusern, an denen sie auch sangen, Besuche abstatteten.
    Inzwischen hatte ich auch in verschiedenen Chören gesungen und durch die Frau des Chorleiters "meines" Stammchores , ein großer Oratorienchor, auch privaten Gesangsunterricht erhalten. Sie weckte meine Liebe zum Lied und zur Klaviermusik. Inzwischen hatten wir auch ein Abbonement für "Meisterkonzerte" in der Bielefelder Oetkerhalle, wodurch das Interesse und die Liebe zur Instrumentalmusik ebenfalls geweckt und gefördert wurde.
    Die große Liebe ist aber nach wie vor die Vokalmusik, wobei der Schwerpunkt auf Klassik, Romantik und gemäßigter Moderne liegt.
    Da ich für meinen Chor die Engagements der Gesangssolisten verantworte nehme ich regelmäßig an Wettbewerben teil (als Hörer !), gehe in die Abschlusskonzerte der Hochschulen und habe zu vielen Sängern mittlerweile jahrelange Kontakte.
    Da meine Chorstimme (Tenor) immer gefragt ist, habe ich mit den verschiedensten Chören schon sehr schöne Chorreisen nach Italien, Frankreich, Polen und auch innerhalb Deutschlands unternommen und viele interessante , gleichgesinnte Menschen kennengelernt.


    Durch all diese Erfahrungen erlaube ich mir dann auch meine Meinung hier im Forum zu äußern, obwohl ich weder ein Instrument spiele noch eine wirkliche Musiktheoretische Ausbildung habe. Ich hoffe aber, dass ich trotzdem die richtigen Worte finde und die anderen Teilnehmer hier nicht langweile !


    In diesem Sinne -

    Ich bin seit vielen Jahren Leser der "Opernwelt" und des "Orpheus",
    die OW finde ich gut, weil die Rezensenten in den meisten Fällen sehr fundiert sind - auch wenn sie für meinen Geschmack manchmal zusehr dem Regietheater zuneigen. Außerdem schätze ich -wie auch andere hier - das Opernjahrbuch sehr.
    Beim ORPH finde ich es sehr schön, dass -zumindest was die Berliner Häuser angeht - nicht nur Premieren besprochen werden, sondern auch Repertoiraufführungen , außerdem sind den Spielplänen auch Konzerte, Musical, Cabarett u.ä. aufgeführt. Negativ ist leider, dass die Zeitschrift oft sehr spät erscheint.
    Früher habe ich sehr gern die in München erschienene "Oper und Konzert" gelesen, da schrieben begeisterte Laien (die aber durchaus Wissen hatten) über fast alle Aufführungen - natürlich hauptsächlich in München, was mir aber sehr entgegenkam, da ich damals sehr häufig in München war. Leider wurde diese Zeitschrift eingestellt.
    Den Merker bekam ich früher ab und zu von Freunden, der war ja immer sehr kritisch und ging mit vielen Interpreten nicht gerade zimperlich um - aber war schon interessant zu lesen.

    laut J. Kestings Sängerlexikon ist M.Z. im Jahre 1951 ! geboren, ich denke, das passt auch besser als 1941.


    Sie ist auch eine von den Sängern, die polarisieren. Sie hatte die richtige STimme für eine handvoll von Partien.
    Diese hat sie dann mit großem Einsatz ohne Schonung der Stimme gesungen und zahlt dafür den Tribut einer kurzen Karriere !

    Ich glaube, da müssen wir uns gar nicht so viel Gedanken machen - bei allen, die zu ihren Lebzeiten die ganz Grossen waren , kamen nach dem Tode die Kritiker aus ihrer Deckung . Das ist ja im Prinzip auch nicht schlimm, nur müssen die Kritiken fundiert sein. Es reicht nicht, zu sagen, der oder die waren "arrogant" , "eitel" , "unangenehm" usw.
    Es gab und gibt Kritiker, die genau begründen, warum sie was an den bisherigen "Giganten" falsch finden. Das muss man dan hinnehmen oder mit Gegenargumenten versuchen zu entkräften.
    Fast immer ist es dann aber so, dass nach einiger Zeit die Hyper-Kritiken verstuummen und langsam wieder eine gegenläufige Meinung entsteht.
    So ist es doch bei HvK, Schwarzkopf und so wird es bei FiDi auch sein !


    zu dem Attribut "arrogant" möchte ich noch sagen, dass es für die ganz großen Stars ja auch schwierig ist, mit ihren Fans und auch mit der Presse umzugehen. Ost versuchen sie sich dann mit einer Aura der Unnahbarkeit zu schützen und werden als arrogant bezeichnet.
    Da gibt es dann die verschiedensten Gründe, je nachdem, wie der einzelne Künstler "gestrickt" ist. Manche zeigen ganz persönlich ihre Abneigung, andere wieder spielen den konzillianten , haben aber im Hintergrund einen Partner, Agenten o.ä., der die "Drecksarbeit" macht und sich unbeliebt macht.
    Jeder Veranstalter von Konzerten oder Betriebsbüromitarbeiter eines Opernhauses könnte Romane über die Eigenarten der Künstler oder ihrer Beauftragten schreiben - Gott sei Dank sind die meisten diskret !

    Hallo Titan,


    bei der Sopranistin, die Du mit P.A. gehört hast, handelt es sich sicherlich um Martha Musial, 1905-1995.
    Nach ihren "Wanderjahren" über Schwerin, Stralsund, Gotha, Posen, Hannover und Wiesbaden, kam sie 1947 nach Berlin an die Städt. Oper. Dort sang sie bis 1960 die großen Verdi-Partien und nahm auch Platten u.a. Duette mit P. Anders auf, auf Melodram gibt es einen "Tannhäuser" mit ihr.
    (aus Kutsch/Riemens Sängerlexikon)

    Ich habe es zwar in einem anderen "Thread" schon mal geschrieben, aber es passt hier eben auch genau hin. Für mich ist die Aussage, die Joachim Kaiser einmal zu "Regietheater" gemacht hat, immer noch massgeblich:
    "für problematisch halte ich auch die menschenfreundliche Einstellung, einen Klassiker unbedingt aktualisieren zu wollen und ihn aus seinen historischen Gegebenheiten herauszuholen, um ihn in unsere Zeit zu versetzen, damit er jungen Leuten angenöhret werde. Machen diese Anachronismen die Stücke wirklich verständlicher ? Eigentlich doch eher unverständlicher, verwirrender, weil das TUGENDSYSTEM und die gesellschaftlichen Umstände, die zu Zeiten des Werkes bestanden, nicht mehr existieren ! "
    Ich denke, dass die guten Opernregisseure der Vergangenheit, wie Hartmann, Rennert, O.F. Schuh, Ponelle usw. den Werken doch auch neue Deutungen gegeben haben und spannende Aufführungen ermöglich haben ohne die Werke in ihrem Kern zu verändern und das passiert m.E. heute des öfteren. Z.B. wenn die Inszenierung moderne , heutige Menschen auf die Bühne stellt, die sich inhaltlich so benehmen müssen, wie das Original und die Musik es vorschreiben.
    Ich war nie ein Feind von neuen, modernen Auffassungen von Opern, wenn es mir gar nicht gefallen hat, tröstete die Musik ! Bisher ist mir das nur einmal nicht mehr gelungen, das war bei Schlingensiefs Parisfal, da ist mir auch die Freude an der Musik vergangen.

    Interessant von verschiedenen Besuchern dieser Aufführung zu lesen, wie sie ihnen gefallen hat.
    Nach dem ersten Lesen von "Bastis" Bericht war ich spontan entschlossen, nach Düsseldorf zu fahren, da "Tristan" zumindest eine meiner Lieblingsopern ist (konkurrierend mit Rosenkavalier und Cosi), aber nach genauem Durchlesen der Kritiken, werde ich wohl darauf verzichten. Claus Guth hat also wieder einmal , wie so oft die Oper in einem Haus/Raum inszeniert und dafür Wahnfried zu nehmen , ist auch nicht neu und wenn ich die Sängerkritik von "Basti" lese, scheint es ja auch nicht gerade die "erste Sahne" gewesen zu sein - nur für einen phänomenalen Marke muss ich nicht nach Düsseldorf, dafür habe ich Tristan schon zu oft mit wirklich großartigen Sängern gesehen und gehört. Schade !

    Peter Anders gehört zu meinen ersten Begegnungen mit der klassischen Vokalmusik und eine LP mit Arien war sicherlich eine der ersten , wenn nicht sogar die erste Schallplatte , die ich gekauft habe (vom Taschengeld) !
    Sein früher Tod hat ebenso wie der von Wunderlich eine Weiterentwicklung verhindert.
    In dem Buch "als Orpheus wieder sang" - der Wiederbeginn des Opernliebens nach dem 2. Weltkrieg - kann man nachlesen, wo und wieviel P.A. in den Nachkriegsjahren gesungen hat.


    Trotz der sich veränderten Auffassung von Vokalisierung und "versachlichung" finde ich seine Stimme und Art des Singens immer noch fabelhaft und höhre ihn nach wie vor sehr gerne.

    Ich habe soeben die Sendung im ZDF-Theaterkanal über A.R. gesehen und muss gestehen, dass sie besser war, als ich sie in Erinnerung hatte.
    Besonders ihr spezifischer Stimmklang und ihre Wortdeutlichkeit waren ja unübertroffen.
    Das , was mir in Erinnerung an ihre "Fernsehkarriere" geblieben war, diese langweiligen Bühnenbilder, überdekorierten Kleider und Betonfrisuren, waren halt Zeitzeichen - so sah man halt aus in den siebzigern. Aber , dass ihre Popularität in dieser Zeit und ihre "Breitenwirkung" vom ZDF genutzt wurde, ganze Liedprogramme mit ihr aufzunehmen, entschuldigt alles ! Wenn doch heute so etwas noch möglich wäre ! Das hat sie dann doch von all den klassischen Sänger späterer Zeiten , die sich in "cross over" und Unterhaltungsmusik begeben haben unterschieden. Entweder hat sie damals darauf gedrungen, dass das Fernsehen eben auch ganz "seriöse" Musik mit ihr aufnahm, oder aber die damaligen Fernsehmacher waren viel mutiger als die heutigen.
    Dafür sollten wir A.R. posthum heute Dank sagen !

    Nicht nur der Wiener Kritiker Löbl hat ein recht hartes Urteil über C.D.
    gefällt, lest mal , was Jürgen Kesting in seinem Werk "die grossen Sänger" über sie schreibt.
    Ich fand ihre Koloraturtechnik ebenfalls kurios - es klang schon etwas nach Jodeldiplom - sorry den Liebhabern dieser Stimme.

    Ich habe Maria Chiara einige Male in der Arena di Verona erlebt, auch als Aida, sie hat mich immer begeistert und ich bin nach wie vor erstaunt, dass sie so wenig aufgenommen hat.
    Damals lernten wir einige Mitarbeiter der Arena kennen, die uns fragten, ob wir in Deutschland keine gute "Aida" kennen würden, denn sie wüssten nicht, wer die Partie bei ihnen singen könne, wenn Maria Chiara mal ausfallen würde !

    Ich kenne G.v.B. - noch als Györgyi Benza - aus den 1984/86 Jahren als Ensemblemitglied der Bayer. Staatsoper. Besonders aufgefallen ist sie dort nicht.
    In dieser Zeit habe ich sie auch als Sopransolistin für "Carmina" bei uns engagiert.
    Einige Zeit später hat sie dann in Bielefeld als Gast "Tosca" gesungen - nicht aufregend.
    Seither habe ich nichts mehr von ihr gehört.

    Ich finde es zwar manchmal ganz amüsant, was da manche Besucher so in den Raum rufen aber im großen und ganzen mag ich das ebensowenig, wie die Bravoschreie , die sofort nach Verklingen des letzten Tones zu hören sind. Ich denke da auch, dass sich da manche Besucher selber in den Vordergrund stellen wollen.
    Was für mich auch unerträglich ist, sind Besucher, die bis in den Anfang -oder sogar bis zum Ende - der Ouverture ihre Unterhaltung weiterführen, oder bei Konzerten (besonders beliebt bei Liederabenden) mit den Taschen klappern, Bonbons auswickeln und auch die Texthefte knittern und rascheln lassen. Da vergesse ich auch mal meine "Contenance" und sage meine Meinung.
    Bei schlechten Leistungen von Sängern enthalte ich mich eher jeder Äußerung und klatsche dann auch nicht - obschon das sicherlich niemand bemerkt. Auch bei schrecklichen Inszenierungen halte ich mich mit "Buhs" zurück - da muss es schon sehr schlimm kommen (wie beim Parsifal von Schlingensiefen in Bayreuth).

    Da ich neu hier im Forum bin, habe ich erst jetzt dieses Operettenforum entdeckt. Da ich über die Operette (im Rundfunk) zur Klassik gelangt bin, interessiert mich das Thema auch heute noch.
    Meine ersten Theatererfahrungen hatte ich am Stadttheater Bielefeld.
    Damals gab es noch ein recht großes Ensemble und darunter auch einige Sänger, die nur Operette sangen. Andere sangen außer Operette noch die deutsche Spieloper oder die "leichten" Italiener. Nur wenige - wie der damalige Starbass Richard Capellmann - sangen die seriösen Basspartien in allen Opern, aber auch den Fidelen Bauer.
    Heute - wo es ja kaum noch Ensembles gibt - reisen etliche Sänger mit einzelnen Operettenpartien von Haus zu Haus.
    ich weiss nicht, ob es am Gärtnerplatz in München, an der Wiener Volksoper, der Berliner Komischen noch reine Operettensänger gibt ?
    In den 50ern war ja beim Kölner Rundfunk Franz Marszalek der "Operetten-König" - er besetzte damals - in den Werken aus der Zeit zwischen den Weltkriegen - viele Rollen mit gut singenden Schlagersängern, z.B. Gitta Lind,Lonny Kellner, Peter Rene Körner, Peter Alexander oder der Kabarettistin Lore Lorenz (Kurfürstin Anna in Adrienne von W.W. Götze), Das hatte den Vorteil , dass diese Sänger viel typgenauer eingesetzt werden konnten, da sie ja nicht in einem Theater singen und ein grosses Orchester "übersingen" mussten.
    Die berühmten Sänger, die früher im Rundfunk und auf Platten die Operetten sangen - wie Schwarzkopf, Gedda, Wunderlich, Rothenberger, Köth, Schock , Holm usw. haben ja auf der Bühne kaum Operette gesungen , mit Ausnahme von der Fledermaus und vielleicht Zigeunerbaron und Lustige Witwe.


    Es gibt jetzt ein interessantes Buch von Kevin Clarke , einem grossen Operettenkenner, herausgegeben mit dem Titel "Glitter and be Gay",
    Dort wird darauf hingewiesen, dass die Operette in der Nazizeit wesentlich verändert wurde, die guten Regisseure und Interpreten waren in den meisten Fällen Juden und/oder homosexuell und flohen aus Deutschland oder wurden umgebracht. Es wird an Hand der Besetzungen dargelegt, dass die Interpreten nicht die grossen Opernsänger waren, sondern eher singende Schauspieler oder aber Sänger, die sich spezialisiert hatten und Komödie spielen konnten.
    Nach dem Krieg konnte man mangels entsprechender Talente die Operette nicht mehr so besetzen. Da sich die seriösen Regisseure auch zu gut waren, Operette zu inszenieren, wurden Spielleiter aus der zweiten Reihe beauftragt, das zu machen - mit dem entsprechenden Ergebnis, kein Witz, keine Leichtigkeit mehr. So ging es mit der Operette langsam zu Ende !
    Heute wagen sich ja langsam wieder grosse Regisseure an die Operette, allerdings wrd dann nicht selten eher ein Drama daraus, als eine beschwingte Unterhaltung.

    @ Mme. Cortese


    ich glaube, Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen ...
    die einen Partien kann sie nicht mehr interpretieren, weil eine 64jäjhrige Zerbinetta etwas peinlich wäre und für die anderen fehlt die Dramatik, daher die vielen Piano und Pianissimotöne, die allerdings noch sehr gut sind ! (Ähnlich machts ja Caballe -die noch etwas älter ist - sie singt ja eigentlich nur noch piano).

    Ich habe die "Jahreszeiten" immer gerne gesungen (im Chor), leider werden sie heute nicht mehr so häufig aufgeführt, wie die "Schöpfung".
    Die Dirigenten (auch der unsere) wollen da nicht mehr so ran, wegen der "tümlichen" Texte und Naturschilderungen, die nicht mehr den heutigen Begebenheiten entsprechen. Die Musik ist aber so gut und die Genrebilder sind so gelungen, dass es eine Freude ist !
    Vor allem die Chorsätze , die so unterschiedlich sind, begeistern jeden Sänger. Im Winter, dem vierten Teil, gibt es allerdins Längen, daher wird hier nicht selten gekürzt.
    Ich habe eine alte LP der DG mit den Wiener Symphonikern und Musikvereinschor unter Böhm, mit Janowitz, Schreier und Talvela.
    Heute würde man sicherlich eine andere Besetzung wählen, aber gut klingen tut`s !

    Meines Wissens ist die Bezeichnung Bassbariton als Stimmfarbe eher für einen Bariton , der eben mehr Tiefe hat, gedacht.
    Ein "klassischer" Bariton sollte einen Tonumfang vom A -a1 haben, ein klassischer Bass vom E - e1. Der Bassbaríton liegt dann dazwischen.
    Die Aufteilung der tiefen Männerstimme in Bariton und Bass begann erst im 18. Jahrh. durch die Opernpraxis. Bis dahin wurde die tiefe Männerstimme eigentlich nur als Bass bezeichnet.
    Es ist auch eher eine Bezeichnung für eine Stimme, die sowohl Basstiefe ,als auch Baritonhöhe besitzt und keine Fachbezeichnung für eine bestimmte Rolle.

    Mein erstes Bühnenerlebnis mit E. Gruberova war eine Aufführung der Ariadne in München in den 80ern - sie sang Zerbinetta - das war einfach grandios und der Beifall war mindestens 20 minuten lang !
    Ich weiss heute nicht mehr, wer Ariadne sang und wer den Bachus - aber diese Zerbinetta habe ich seit dem nie besser gesungen gehört !
    Später war sie dann mal die "Königin der Nacht" in München, das war ebenfalls eine tolle Leistung. Zum letzten Mal habe ich sie vor ein paar Jahren in Dortmund im Konzerthaus in einer konzertanten Aufführung von Beatrice di Tenda gehört, als über 60-jährige. Sie sang noch so jugendfrisch, wie ich sie in Erinnerung hatte, wenn sie vielleicht auch etwas häufiger ihr Piano - Pianissimo gebrauchte, als früher.
    Ich finde, dass sie eine Sängerin ist, die auf Tonträgern fast besser "rüberkommt" , als auf der Bühne, wo sie nicht die grosse Darstellerin ist. Jedenfalls gehört sie in ihrem Stimmfach zu den ganz großen Sängern.