Beiträge von tukan

    Nach lämgerer Pause, bedingt durch saisonale Arbeitsspitzen, bin ich wieder bei den "Ahnen" gelandet und habe den dritten Band - nach Zählung der Einzelerstveröffentlichungen - "Die Brüder vom Deutschen Haus" gelesen.

    Darin geht es um einen der letzten reichsfreien Adeligen Thüringens, der sich unter Friedrich II. in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts gegen die Übernahme seines Eigentums durch mächtige Territorialfürsten wehrt, spätter an einem Kreuzzug und dann, als er sein Anwesen schließlich doch verliert, an der Landnahme des Deutschen Ordens im Osten teilnimmt, eien Bruderschaft, die der Autor sehr positiv darstellt. Ich bin nicht fit in der Geschichte der deutschen Ostkolonisation, glaube aber nicht so recht, dass diese "Brüder vom Deutschen Hause" wirklich soviel besser waren als die Templer und Johanniter.. Auch
    hier kommt der Professorenroman aus dem 19. Jahrhundert ein wenig heimat- und deutschtümelnd rüber. Aber die Menschen anderen Glaubens, denen die Hauptperson Ivo beim Kreuzzug begegnet und deren Gegner, die Kreuzzugsteilnehmer, werden differenziert beschrieben und auch die Greueltaten und die egoistischen Motive vieler Kreuzzugsteilnnehmer werden nicht verschwiegen: Kann man also auch heute noch gut lesen und ist darüber hinaus auch noch spannend. Nebenher spielt im ersten Teil des Romans auch die Zeit der Minnesänger eine Rolle: Ivo besingt eine hochrangige Adelige, eine Cousine des Kaisers Friedrich, heiratet aber später die Tochter eines freien Bauern. Mit diesem Roman steigt die Dynastie auch aus dem Adel aus. Wir erfahren am Ende noch, dass der tapfere Kämpfer und Ostsiedler Ivo von seinen Nachbarn und Bewunderern "König" genannt wird, ein Ehrentitel und zugleich eine Reminiszenz des Autors an Ivos Vorfahren des ersten Bandes, den vandalischen Königssohn Ingo. Im vierten Band geht es dann mit dem bürgerlichen "Markus König" weiter.
    Auch hier liegen mir keine Informationen über eine Vertonung vor.

    William Makepeace Thackeray (1811-1863): Die Memoiren des Barry Lyndon (1856) 220px-William_Makepeace_Thackeray_by_Jesse_Harrison_Whitehurst-crop.jpg

    Dieser vergleichsweise kurze Roman des berühmten Satirikers und Gesellschaftskritikers Thackeray ist eine Zeitreise ins 18., das sogenannte „galante“ Jahrhundert.
    Redmond Barry ist ein Antiheld reinsten Wassers.


    Geboren in eine heruntergekommene irische Familie mit Verbindungen zum niederen Landadel, aber Ansprüchen mindestens auf die Abstammung von den irischen Königen, wenn nicht überhaupt von dem ältesten Adelsgeschlecht der Welt, ist schon Redmonds Vater ein Aufschneider und Filou reinsten Wassers, der seinen älteren Bruder um dessen Erbe bringt, indem er zum protestantischen Glauben übertritt und dadurch in der Erbfolge in dem von den protestantischen Engländern besetzten Irland vor den katholischen Bruder tritt. Sehr schnell hat er aber dieses Erbe durch Spiel- und Geltungssucht durchgebracht und stirbt früh, nicht ohne eine adelsstolze Frau und einen Sohn zu hinterlassen, der sehr erfolgreich in seine Fußstapfen tritt. Redmond Barry tritt mit sechzehn Jahren in einem Duell gegen einen Hauptmann an, der seine Cousine Nora, in die er leidenschaftlich verliebt ist, heiraten will und verletzt diesen scheinbar tödlich. Von den Verwandten, die den lästigen Heißsporn loswerden wollen, zur Flucht gezwungen, fällt er in Dublin in die Hände von Berufsspielern, verliert das wenige, was ihm die Mutter mitgeben konnte und verdingt sich als Gemeiner bei der englischen Armee. Verschiedene Abenteuer im Siebenjährigen Krieg (1756-11763) stoßen ihm auf dem europäischen Festland zu, treiben ihn durch Belgien nach Preußen, wo er nach der Desertion aus der britischen Armee sogleich von einer preußischen Werbertruppe gepresst wird und vom Regen in die Traufe kommt. In diesem Zusammenhang erhält man ein ganz anderes, sehr viel kritischeres Bild von den militärischen Praktiken des in Deutschland doch immer noch in recht hohem Ansehen stehenden Friedrich des Großen.
    In Berlin trifft Redmond Barry seinen Onkel, den älteren Bruder seines Vaters, von diesem um sein Erbe betrogen, wieder. Dieser ist inzwischen ein recht erfolgreicher Berufsspieler geworden, der Spitz auf Knopf in scheinbarem Luxus lebt und Redmond, dem er wegen des Vergangenen nicht gram ist, in seinen Broterwerb einweist. Gemeinsam ziehen beide durch die Fürstentümer Deutschlands und Europas mit wechselndem, doch zumeist großem Spielglück.
    Schließlich eröffnet sich Redmond die Möglichkeit einer traumhaften Heirat mit der reichen Witwe Gräfin Lyndon, der besten Partie der britischen Inseln.

    Soweit so gut, kommen wir nun zu Redmonds Charakter. Er ist der Ich-Erzähler dieser Lebensbeschreibung, die er als Greis im Rückblick erzählt, wie man im Laufe der Handlung beiläufig erfährt, als gesundheitlich und finanziell ruinierter Säufer im Schuldgefängnis zu London. Redmond Barry verkörpert so ziemlich alle verabscheuungswürdigen Charaktereigenschaften und Verhaltensweisen, die man sich vorstellen kann. Er ist maßlos überheblich, jähzornig, geht über Leichen, ist bindungsunfähig, beutet Bedienstete und jeden, der es sich gefallen lässt, aus und blickt dabei weinerlich auf sein ach so hartes Schicksal zurück, das er sich in jeder Einzelheit selbst eingebrockt hat. Alles Geld, zu dem er kommt, gibt er unverzüglich wieder aus, ob an Spieltischen oder um auf protzigste Art zu renommieren. Seine Frau, deren Namen er seinem hinzufügt, behandelt er sehr grausam, macht sich über sie lustig, schlägt sie, wenn ihm danach ist und hält sie am Ende sogar gefangen.
    Es fiel mir zu Anfang schwer, diesen Ich-Erzähler zu ertragen. Er entlarvt sich jedoch durch naive Anmerkungen über seine Reinfälle, kurze Anfälle von Ehrlichkeit und seine maßlose Angeberei immer wieder selbst und ist gleichzeitig das Sprachrohr von Thackerays Gesellschaftssatire, so dass ihm Beobachtungen zu den gesellschaftlichen und politischen Verhältnissen gelingen, die eigentlich nicht zu seiner intellektuellen Ausrüstung passen. Natürlich ist die Handlung auch sehr farbig und durchaus spannend, sodass man diesem Roman, wenn man sich mit dem ekligen Helden abgefunden hat, doch einiges an Lesevergnügen abgewinnen kann.


    Von der Klassifikation her sind „Die Memoiren des Barry Lyndon“ einzuordnen als ein Beispiel für den Schelmenroman (wobei der Schelm hier ein ausgesprochener Schuft ist), für den negativen Bildungsroman und natürlich für die Gesellschaftssatire, die Thackeray in allen seinen großen Romanen unternimmt, normalerweise allerdings auf die zeitgenössischen Verhältnisse gemünzt.

    Stanley Kubrick hat den Roman als Vorlage zu seinem meisterhaften Kostümfilm „Barry Lyndon“ von 1975 benutzt. Der Soundtrack dieses Films kommt gelegentlich auch in Konzerthäusern zur Aufführung.

    Der zweite Band der „Ahnen“ – nach „Ingo und Ingraban“ – „Das Nest der Zaunkönige“ erschien 1873. Ca. 250 Jahre sind seit der Handlung des „Ingraban“ verstrichen, und wir befinden uns nun im Jahr 1003, zur Zeit der beginnenden Herrschaft Kaiser Heinrichs des Zweiten, der zu dieser Zeit aber erst König war, kurz vor seinem ersten Italienzug.

    Immo, ein Nachfahre Ingos und Ingrabans – man bemerke die Is, erinnert ein wenig an ein Stutbuch – ist der älteste von sieben Söhnen aus dem gleichen alten freien thüringischen Adelsgeschlecht und von den Eltern zur Buße einer Schuld der Kirche versprochen worden. Dafür eignet sich der wilde Immo aber gar nicht und versetzt als fast fertiger Schüler das hessische Kloster durch Streiche und kriegerische Unternehmungen in ziemliche Aufregung. Schließlich weist ihn der Abt aus dem Kloster, bedient sich seiner aber gleichzeitig als Boten zu König Heinrich. Es ist die Zeit, in der Adelige und auch hohe Geistliche versuchen, möglichst viel von der Königsmacht abzuknapsen und sich selbst einzuverleiben. Heinrichs Regierungszeit ist eine der Konsolidierung der Königsmacht und des Einsetzens der Geistlichkeit zu Verwaltungszwecken.


    Immo nun mausert sich unter Heinrich und später unter dem Sachsenherzog zu einem großen Kriegshelden, von dem überall im Lande die Spielleute singen. Seine Brüder, ihm zuerst feind, weil er das Ältestenrecht für sich fordert, obwohl er ja eigentlich als Geistlicher aus der Erbfolge gefallen war, versöhnen sich mit ihm und helfen ihm, seine geliebte Hildegard, die Tochter eines intriganten Grafen, die er noch auf seinen Eskapaden als Klosterschüler kennen gelernt hat, vor dem Schleier zu retten, den sie auf Geheiß ihres Vaters und des Königs als Genugtuung für die Sünden des Grafen nehmen soll. Im Finale des Buches entscheidet sich endlich vor einem großen Königsgericht, wie es für die „Zaunkönige“ – die sieben freien, noch nicht einmal dem König lehenspflichtigen Brüder – weitergeht und ihre Mühlenburg, dem „Nest“.


    Dieser Roman folgt wieder einem ähnlichen Schema wie die beiden vorigen: Es zeichnet sich ab, dass Freytag kriegerische Helden mit goldenem Herzen als Protagonisten liebt, die sich mit den Problemen der Zeit – hier mit der Auseinandersetzung zwischen Geistlichkeit, Erbadel und Königtum – arrangieren müssen und dabei natürlich noch eine schöne Frau gewinnen. Dennoch hat auch dieser Band wieder viele Farben, viel Lokalkolorit, das vor allem Lesern gefallen dürfte, die sich in Thüringen auskennen, und große Fabulierlust. Immo ist mir noch sympathischer als seine Vorgänger, weil er diesen jugendlichen Überschwang hat und durch seine naive Gradlinigkeit für die hohen Herren zu einer echten Seelenprüfung wird. Und wieder habe ich eine interessante Epoche in einer Region kennen gelernt, über die in den modernen historischen Romanen wenig zu finden ist. Außerdem hat man bei Freytag das Gefühl, dass er uns die Denkweise der Epoche, insbesondere die Ängste in Bezug auf das Jenseits und die diesen entgegenstehenden weltlichen Interessen, sehr einfühlsam schildert.


    Zu einer musikalischen Umsetzung dieses Bandes habe ich leider gar nichts gefunden.

    Lange nicht mehr so gelacht! Vielen Dank, hasiewicz, für deinen Gernhardt-Tipp! Heute kam der Flaubert-Rabe, und sobald ich Zeit fand, habe ich mir den Artikel "Flaubert lesen und lachen?" zu Gemüte geführt. Eine wunderbare Satire, in der Gernhardt einfach nur Textstellen mit einigen Kommentaren kombiniert. Z.B. als er zitiert, wie Hamilkar sich gegen die Verdächtigungen durch die Honoratioren, seine Tochter habe Unzucht mit Matho geetrieben, wehrt, indem er wilde Schwüre schwört, dass diese lügen und sich dabei fast selbst entfleischt, und wie will er das beweisen? Zitat Gernhardt /Flaubert: Man erwartet Entsetzliches, doch er fuhr mit lauter und ruhiger Stimme fort: 'Dass ich mit ihr noch nicht einmal daürber reden werde!' Bumsti!"

    Ach, waren das nette Leseminuten!

    Danke für die gute Darstellung. Es gibt in „Der Rabe“, Nummer 47, der ausschliesslich Flaubert gewidmet ist, einen herrlichen Essay von Robert Gernhardt über Salammbo - „Flaubert lesen und lachen?“. Er weist dort auf das unfreiwillig Komische so mancher Passagen und Wörter hin, und stellt die berechtigte Frage, ob nicht die sich von Flaubert selbst gesetzte Aufgabe, einerseits ein unglaublich detailverliebtes, um Realismus bemühtes Bild zu malen zu einer Epoche, zu der zu seiner Zeit denkbar wenig überliefert war, zugleich aber einen rauschhaften Traum zu erzeugen, ein letztendlich paradoxes Unterfangen ist. Ich konnte dem gut folgen, und in Gegensatz zu „Madame Bovary“, die ich weiterhin für eine der Perlen der Weltliteratur halte, und auch zur „Erziehung der Gefühle“, halte ich „Salammbo“ für kein gelungenes Werk.

    Vielen Dank für diesen interessanten Hinweis auf Robert Gernhardts Essay. Ich werde versuchen, mir ihn zu beschaffen. Im Netz und bei anderen Literaturfreunden stieß ich bisher immer eher auf hymnische Begeisterung für den Roman.

    Vielen Dank, JLang für deine Stellungnahme und den interessanten Hinweis auf die Kinderbegräbnisstätten. Selbstverständlich wirst du einen anderen Zugang zu dem Roman haben, wenn du mit der antiken Geschichte und sogar speziell der von Karthago beschäftigt bist / warst. Man sagt dem Roman ja auch nach - und Flaubert war selbst darauf stolz, dass er sich sehr detailgenau an die zu seiner Zeit bekannten Fakten gehalten hat, was aber eben manchmal zu dem von mir kritisierten professoralen Stil führt.


    Ich glaube dir gerne, wie schwierig es ist, mit literarisch tradierten "Fake News" fertig zu werden, genauso wie heute mit den über das Internet verbreiteten Scheinnachrichten.

    Flaubert schildert in seinem historischen Roman von 1862 einen Söldneraufstand gegenüber Karthago, der nach dem Ersten Punischen Krieg in der Mitte des dritten Jahrhunderts v.u.Z. tatsächlich stattgefunden hat.


    Zum Inhalt:


    Hamilkar Barkas (der Vater jenes Hannibal, der später mit seinen Elefanten die Alpen überquerte) ist nach dem Scheitern der Karthager im Punischen Krieg, in dem er einer von zwei Heerführern war, noch nicht nach Hause zurückgekehrt. Die Söldner, die unter seinem Befehl kämpften und die aus allen Gegenden des Mittelmeerraumes und der benachbarten Länder stammen, warten indessen vor Karthago auf den ihnen versprochenen Sold. Um sie zu besänftigen und die Zahlung herauszuzögern, richten ihnen die Karthager im Park von Hamilkars Palast ein großes Festessen aus. Im Zuge zunehmender Alkoholisierung werden die Söldner immer enthemmter, zerstören die Parkanlagen und essen die heiligen Fische der Familie Barkas. Nun erscheint die (fiktive) Tochter Hamilkars – Salammbô – die jungfräuliche Hohepriesterin der Stadtgöttin Tanit – und bringt die Söldner durch ihr hoheitliches Gebaren und indem sie den libyschen Söldnerführer Matho durch das Angebot eines Weinpokals auszeichnet, zur Raison. Dieser jedoch missversteht das Angebot und verliebt sich in die schöne Frau.


    Später werden die Söldner durch einen Trick von der Stadt weg gelockt und man macht ihnen völlig unzureichende Angebote bezüglich ihres Soldes. Schließlich verbünden sie sich alle gegen Karthago und belagern zuerst zwei Nachbarstädte, dann Karthago selbst. Während der Belagerung und auch während der Kriegshandlungen geschehen auf beiden Seiten immer wieder entsetzliche Greueltaten, die Opferung von Kindern, die Verstümmelung und Hinrichtung von Tieren und Menschen. Matho dringt eines Nachts heimlich in das belagerte Karthago ein und raubt den Schleier der Tanit. Diese symbolische Entblößung raubt den Karthagern weiter den Mut, und Salammbô macht sich – aufgehetzt durch ihren Erzieher und Hohepriester – verkleidet auf ins Lager der Söldner und Mathos Zelt, um den Schleier wiederzuerhalten. Dort kommt es zu einer intimen Begegnung mit Matho, aber Salammbô kann danach mitsamt dem Schleier ins Heerlager ihres inzwischen zurückgekehrten Vaters Hamilkar fliehen.


    Nach wechselndem Schlachtenglück werden die Söldner schließlich unter entsetzlichen Qualen vollständig aufgerieben,und nur Matho wird gefangengenommen. An Salammbôs Hochzeitstag mit dem Überläufer Naravas, einem numidischen Fürsten, wird Matho auf einen rituellen Spießrutenlauf durch die Straßen Karthagos geschickt und bricht schließlich vor den Brautleuten sterbend zusammen. Salammbô, die ihm wohl doch stärker zugetan war, nimmt sich daraufhin mit Gift das Leben.


    Wirkung:


    Flauberts Roman war nach seinem Erscheinen ein echter Skandal, häufte er doch Greueltaten noch und nöcher an und erzählte das Ganze völlig kühl, ohne sich mit einer der Seiten zu identifizieren und irgendetwas zu bewerten. Alle Personen handeln aus Egoismus, auch Gefühle sind ich-bezogen und nie selbstentäußernd. Wenn auch Flaubert eher konservativ war und sich sonst nicht besonders gegen die Politik seines Landes wehrte, kann der Roman doch als Kritik am hemmungslosen Imperialismus seiner Zeit gewertet werden.


    Meine Meinung:


    Ich musste mich durch das Werk ziemlich durchquälen, nur das letzte Drittel hat mich überzeugt.


    Flaubert breitet vor dem Leser einen überaus reichen, ja überreichen Bilderrausch aus, gespickt mit den entlegensten Fremdwörtern, die selbst Altphilologen zum Teil überfordern würden und die auch nicht zielführend sind. Für viele Einrichtungsgegenstände, architektonische Details, Rüstungs- und Schlachtenschilderungen werden Fachbegriffe verwendet, die nur zum kleineren Teil im Glossar der Haffmanns-Ausgabe, in der ich den Roman las, erklärt werden. Insgesamt finde ich, dass Flaubert hier zu detailverliebt vorgeht und den Leser damit überfordert, der immer wieder von der eigentlichen Geschichte abgelenkt wird. Seitenweise werden Interieurs, Rüstungsdetails und Kriegsstrategien geschildert. Ich mag eigentlich einen langsamen, auf Einzelheiten eingehenden Erzählfluss, der einem das Setting nahebringt, aber hier geht Flaubert zu kunsthandwerklich vor, berauscht sich zu sehr an gekünstelt wirkenden Details. Das gilt auch für die zahlreichen Szenen größter Grausamkeiten: Sie erschlagen sich gegenseitig und lassen einen deshalb kalt. Weniger wäre hier eindeutig mehr gewesen. So kommt mir der Roman eher wie ein literarischer Vorgänger des späteren Art déco /Jugendstils oder auch der Präraffaeliten vor: Die Schilderungen von Salammbôs Aufmachung hätten diese Maler eins zu eins in ihre Bilder umsetzen können, haben es auch getan:

    Salambo

    Carl Strathmann (Salambo, um 1894)


    Der Roman liefert dennoch viel Farbigkeit und spannende Handlung. Besonders im letzten Drittel wird die Handlung fortgetrieben, ohne sich ständig in dieser Ornamentik zu verlieren. Insofern ist er auch als Opernstoff verwendet worden: von Modest Mussorsky (nur als Fragment) und Joseph Matthias Hauer.

    Ich habe gestern Abend bereits mit der Lektüre auf meinen Kindle begonnen. Die Akteure sprechen wahrlich bühnenreif - man könnte es direkt als Textvorlage eines Heldendramas nehmen. Gefällt mir aber.

    Es wird aber irgendwann ein bisschen viel, wenn sich alle kriegerisch ausgebildeten Männer als "Helden" ansprechen. Über die vielen erwachsenen, teilweise schon ergrauten "Knaben" - von Freytag ethymologisch richtig als Stamm der Bezeichnung "Knappe" benutzt - habe ich mich dagegen immer wieder amüsiert. Allerdings hat er hier den Stand des (Schild-)Knappen aus dem Hochmittelalter in die Vor-Völkerwanderungszeit versetzt, ob das so ganz hinkommt, ist eine andere Frage.

    Doch ein Schlückchen oder ein unablehnbares Angebot, hasiewicz ?

    Übrigens habe ich, @Rheingold, auch keine Schwierigkeiten mit der Fraktur, nach einer kurzen Eingewöhnungszeit kommt es auch nicht mehr zu lustigen Missverständnissen wegen der Ähnlichkeiten des kleinen s und f und des großen K und R.

    Ach, das freut mich aber, dass der gute alte Freytag auf solches Interesse stößt. Ich bin durch ein Geschenk daran gekommen, vor ca. zehn Jahren hat mir ein Freund eine antiquarische Ausgabe der Werke Freytags geschenkt. Bei mir muss alles erstmal gut abhängen, aber ifür dieses Jahr habe ich mir die ersten beiden Bände vorgenommen. "Soll und Haben" interessiert mich auch sehr. Ich finde es, wie du @Rheingold, unschön, Klassiker überhaupt zu kürzen und erst recht problematisch unter der Vorgabe, heute politisch nicht Korrektes herauszukürzen. "Soll und Haben" hat Passagen, die als antisemitisch zu verstehen und sicherlich auch sind, im Rahmen der Vorurteile, die auch im 19.Jahrhundert leider - wie in den Jahrhunderten zuvor - gegenüber den Juden geherrscht haben. Das finden wir aber in vielen Romanen dieser Zeit, z.B. auch bei dem Mundartschriftsteller Fritz Reuter. Dennoch sind gerade Freytag und Reuter des aggressiven Antisemitismus unverdächtig, da sie sich in ihrem Leben vor allem für freiheitliche Ziele eingesetzt haben. Man sollte also solche Werke mit historischem Verständnis lesen und auch auf die Nuancen achten, dann sieht man, dass keineswegs alle Vertreter des Judentums über einen Kamm geschoren werden.

    Ich würde mich sehr freuen, wenn es hier zu einem Austausch über "Die Ahnen" und in einem anderen Thread vielleicht über "Soll und Haben" kommen würde, Garaguly, Bertarido und @Rheingold.

    Danke, @Rheingold. Der Roman steht auf meiner Vorhabenliste, zehn klassische historische Romane dieses Jahr zu lesen. Allerdings kann ich den Freytag wegen seiner manchmal doch arg zopfigen Sprache nicht am Stück lesen. Aber die Einzelromane bringen ein unter anderem hohes Anregungspotential, sich mal mehr mit der dargestellten Epoche zu beschäftigen.



    Der Romanzyklus "Die Ahnen" von Gustav Freytag gehört zu den sogenannten Professorenromanen der Mitte des 19. Jahrhunderts wie zum Beispiel auch "Ein Kampf um Rom" von Felix Dahn. Hier will Freytag am Beispiel einer thüringischen Familie 1500 Jahre deutsche Geschichte vermitteln, und zwar nicht aus der Sicht auf die Reichen und Mächtigen, sondern indem er die Geschicke von Einzelmenschen darstellt, die wichtige historische Bruchstellen durchleben und sich darin orientieren müssen.




    Die ersten beiden Bände beschäftigen sich mit dem Geschick einer thüringischen Adelsfamilie durch die Jahrhunderte.

    Im ersten Band "Ingo" geht es um einen vandalischen Königssohn, den es nach Kämpfen mit anderen Germanenstämmen gegen die Römer ins Thüringische verschlägt, wo er sich ein neues kleines Königtum gründen kann. Das Ganze spielt, kurz bevor die sogenannten Völkerwanderung Ende des vierten Jahrhunderts beginnt, der Hunneneinfall steht noch bevor. Aber die Bedingungen, unter denen die Germanen in dieser Zeit lebten, erfasst Freytag den historischen Quellen folgend recht genau und beschreibt am Beispiel Ingos die Unbehaustheit jener Zeit und das Streben danach, sich irgendwo neu zu verankern.


    Der zweite Band "Ingraban" spielt im 8. Jahrhundert. Ingraban, ein Nachfahre Ingos, ist ein schlachtenerprobter Krieger, der im Thüringischen den Rabenhof besitzt und dort Kriegsrosse züchtet, wenn er nicht auf Heerfahrt ist. Er, der treu dem alten Glauben der Germanen anhängt, wird als Begleiter für den angelsächsischen Winfried angeworben, als Bischof Bonifatius genannt, eine historische Person, die später heiliggesprochen wurde und viel für die Verbreitung des Christentums unter den germanischen Stämmen geleistet hat. Obwohl er dessen Glauben ablehnt und ihn sogar als Feind empfindet, befreit Ingraban in seinem Auftrag später verschleppte Frauen und Kinder aus sorbischer Gefangenschaft, unter denen sich auch seine heimliche Liebe Walburg befindet. Später bekehrt er sich auch zum Christentum und findet zusammen mit Bonifatius bei einer Bekehrungsfahrt zu den heidnischen Friesen den Märtyrertod. Hier steht der Umbruch vom Heiden- zum Christentum im Mittelpunkt und wird in den inneren Konflikten Ingrabans lebendig.


    Freytags Deutsch in diesen beiden Bänden ist sehr altertümelnd und zeitgebunden äußerst patriarchalisch orientiert: Die Menschen leben auf einer "Männererde" und Frauen haben eine deutlich untergeordnete Stellung, welches Letztere ja nun aber leider auch so war und wahrscheinlich realistischer ist als die ganzen unwahrscheinlich emanzipierten Frauen in den historischen Romanen aus unserer Zeit. Dennoch nervt der Ton manchmal, wenn von den Männern stets als Helden gesprochen wird und die Kinder der Germanen stets blondgelockt daherkommen. Aber Freytag war ein Liberaler, der am Vormärz und der Revolution von 1848 viel Anteil nahm. Ich fühlte mich gut unterhalten und habe einiges über die dargestellten Epochen dazu gelernt, weil mich solche Lektüren auch immer zu weiteren Recherchen anhalten.


    Heutige historische Romane der Massenware sind deutlich schwächer.


    Die Handlung von "Ingo" lag zwei Opern zugrunde:

    - einer "großen Oper in vier Akten" (op. 35) von Philipp Bartholomé Rüfer, als Klavierauszug von Max Reger veröffentlicht 1895
    - einer "Oper in zwei Teilen - vier Aufzügen" von Bernhard Scholz, Libretto veröffentlicht im Selbstverlag 1898


    Ob diese Werke jemals aufgeführt wurden, entzieht sich meiner Kenntnis.


    Ich werde in loser Folge hier die weiteren Bände des Romanzyklus vorstellen.

    Es ist schon neunzehn Jahre her, dass ich diesen Roman las. Schön, @Rheingold, dass du mir die wunderbaren Landschaftsbeschreibungen ins Gedächtnis gerufen hast. Neben der intensiven und bedrückenden Geschichte sind mir diese besonders im Gedächtnis geblieben.

    Ich möchte aber auch für den Roman "Transit" von der gleichen Autorin eine Lanze brechen, der neben Lion Feuchtwangers "Exil" mit am besten und intensivsten die Umstände der Exilsuchenden im Zweiten Weltkrieg in Frankreich und darüber hinaus beleuchtet. Das ist auch heute noch ein aktuelles Thema, was wir uns angesichts heutiger Entwicklungen häufiger wieder in Erinnerung rufen sollten, ebenso wie die Unmenschlichkeit der Nazi-Schergen.

    Euripides, der jüngste unter den drei großen Tragödiendichtern der Antike hat dieses Drama, dessen Handlung zeitlich nach derjenigen von "Iphigenie in Aulis" liegt, ca. fünf bis sechs Jahre vor dem letzteren geschrieben und aufführen lassen. Datei:Feuerbach_Iphigenie1.jpg

    Iphigenie wurde, anstatt geopfert zu werden, im letzten Moment von der Göttin Artemis ins "Barbaren"land zu den Taurern (Skythen) in der Nähe der Halbinsel Krim am Nordrand des Schwarzen Meeres entrückt. Dort dient sie in einem Artemis-Tempel als Hohepriesterin und hat die grausame Aufgabe, alle Griechen, die das Land betreten, zu töten und der Göttin zum Opfer zu bringen.
    Eines Tages nun werden Orestes, ihr jüngerer Bruder, und sein treuer Freund Pylades an der taurischen Küste von Hirten aufgegriffen und zum Tempel geführt. Die beiden sind mit dem Schiff hierher gekommen, um das Artemis-Bild des Tempels zu stehlen und nach Attika zu bringen. Dieses hat der Gott Apollo Orest aufgetragen, damit er endlich von den Erynnien erlöst wird, die ihn seit dem Mord an seiner Mutter Klytaimnestra verfolgen.
    Iphigenie, die sich zuvor vor dem Chor der griechischen Jungfrauen, die hier auch gegen ihren Willen zum Tempeldienst festgehalten werden, sehr unglücklich über ihr Schicksal als menschenopfernde Priesterin geäußert hatte, träumte in der Nacht zuvor davon, ihr Bruder Orest sei gestorben und sie habe ihn dem Tod geweiht.
    Nun werden die beiden jungen Männer von den Häschern vor sie geführt und es kommt zu einem lebhaften, bald schon komödiantischen Dialog, da Iphigenie sich bei den Landsleuten nach ihrer Familie erkundigt, ohne allerdings ihren Bezug dazu zu verraten und Orest grimmig die Nennung seines Namens ablehnt. Iphigenie will einen der beiden in ihre Heimat mit einem Brief an ihre Familie zurückschicken und nur den anderen opfern. Edelmütig verzichtet Orest zugunsten seines Freundes Pylades. Dieser bringt nun durch einen Trick die Wahrheit ans Licht. Indem er Iphigenie davon überzeugt, ihm nicht nur den Brief, sondern auch dessen Inhalt anzuvertrauen, falls der Brief wegkäme, erkennen sich die beiden Geschwister und die Freude ist groß.kauffmann_iphigenie.jpg

    Mit einem listenreichen Täuschungsmanöver gelingt den dreien samt dem Götterbildnis die Flucht, doch dann scheint das Meer das Schiff wieder an die Küste zurückwerfen zu wollen und der ob der Täuschung erzürnte Landesherr Thoas befiehlt, die drei wieder aufzugreifen. Doch dann erscheint Athene als dea ex machina auf dem Dach des Tempels und befiehlt dem Landesherrn, die drei entweichen zu lassen und sich mit der Situation abzufinden.

    Auch hier, trotz der starken Einbindung der Götter in die Geschichte, geht es nicht eigentlich um den Konflikt göttliche Forderung - menschliches Schicksal, sondern die Protagonisten setzen sich mit den ihn gegebenen Schicksalsparametern eher vernunftbetont auseinander und schauen, wie sie aus ihrer Lage entkommen. Von der Handlung her ist dieses Drama kurzweiliger und temporeicher als die aulische Iphigenie, wenn es auch weniger einheitlich einen Konflikt von mehreren Seiten beleuchtet wie dort. Das jüngere Drama erscheint mir tiefer, aber die taurische Iphigenie ist sicherlich die bühnenwirksamere.


    Deshalb ist dieser Dramenstoff auch viel häufiger später wieder aufgenommen worden. Literarisch am bedeutsamsten ist sicherlich Goethes "Iphigenie auf Tauris".


    Auch aus der Musikgeschichte ist der Stoff nicht wegzudenken: Neben Glucks bekannter "Iphigénie en Tauride", die 1779 in Paris uraufgeführt wurde, hatte Tommaso Traetta 1763 bereits eine Oper gleichen Themas veröffentlicht, die recht populär wurde und auch Händels "Oreste" von 1734 nimmt Motive der Geschichte um die taurische Iphigenie auf.

    Quellen: Wikipedia, Nachwort von Hans Strohm zur Reclam-Ausgabe des Dramentextes von 1999



    Ich habe auch in diesem Jahr die Sinfonien von Krommer - in den schönen cpo-Einspielungen entdeckt, mit großer Hörfreude. Durchaus den Wiener Klassikern an die Seite -vielleicht in die zweite Reihe - zu stellen. Und Beethoven hat ja Krommer auch ernsthaft als Konkurrenten empfunden.
    Vorher kannte ich nur die kammermusikalischen Bläserkomposititionen und war im Vergleich zu ihrer Anzahl und relativen Bekanntheit erstaunt, dass Krommer von der Ausbildung her Geiger war. Ich finde, man merkt auch den Sinfonien zum Teil an, dass er die Bläser sehr schätzt: Ich weiß jetzt nicht in welchen, aber es gibt einige sehr schöne Melodien für die Oboe, was ihn auch ein bisschen zu Beethoven stellt, der diesem Instrument ja auch sehr geneigt war.

    Auch ich fand den Film recht gelungen. Von Deutschen produzierte Biopics historischer Persönlichkeiten und Künstler wirken ja des öfteren recht hölzern oder künstlich. Aber diese Verfilmung wirkte glaubhaft, es wurde auch nicht um des Effektes willen übertrieben. Schön fand ich die Szene mit den Kammermusikern, die eines von Beethovens späten Streichquartetten (? ich hab es nicht erkannt, weil ich mich mit Beethovens Kammermusik überhaupt nicht beschäftigt habe) mit den zahlreichen Dissonanzen spielen sollten. Die Kommentare passten sehr schön zu denen heutiger Konzertbesucher bei Aufführung von Werken der Moderne oder gar Zwölftonmusik. Da ich bei Bonn aufgewachsen und dort zur Schule gegangen bin und studiert habe, fand ich den Dialekt jetzt nicht so ganz getroffen, er wirkte aber auch nicht slapstickhaft.

    Auch die Einflüsse revolutionärer Gedanken auf Beethoven durch diesen Schauspieler war gut dargestellt, ist das in seiner Biografie verankert?

    800px-Euripides_Pio-Clementino_Inv302.jpgEuripides lebte von ca. 480 bis 406 v.u.Z. und ist neben Aischylos und Sophokles einer der drei großen Tragödiendichter der griechischen Klassik.

    Im Verhältnis zu den beiden anderen spielt beim jüngeren Euripides nicht mehr so sehr die Auseinandersetzung des Menschen mit den göttlichen Forderungen die Hauptrolle, sondern er verlegt die tragischen Entscheidungen eher in die Psychologie seiner Protagonisten, die daher nahezu „moderne“ Gewissensentscheidungen je nach den äußerlichen und ethischen Anforderungen fällen.


    „Iphigenie in Aulis“ wurde posthum auf Veranlassung seines Sohnes gleichen Namens bei den Dionysien des Jahres 405 aufgeführt. Überliefert ist der größte Teil der Tragödie, nur im Prolog scheinen kleine Teile zu fehlen, und der Botenbericht am Ende ist eine Zugabe späterer Zeit, die aber wohl die grundsätzlichen Ideen des Euripides widerspiegelt.


    Diese „Iphigenie“ ist eines der besten Beispiele für die Motivierung der Helden bei Euripides, wie oben angedeutet.

    Die Handlung greift ein Element der Artriden-Sage und des trojanischen Krieges auf.

    Paris, der trojanische Königssohn, hat Helena, die Ehefrau des Menelaos, der wiederum Bruder des mykenischen Herrschers Agamemnon ist, nach Troja entführt. Unter Agamemnons Führung will nun von Aulis ein gesamthellenisches Heer aufbrechen, um Helena zurückzuholen und Troja zu bestrafen. Aber Windstille verhindert seit Wochen den Aufbruch. Die Göttin Artemis verlangt durch den Priester Kalchas, dass Agamemnons älteste Tochter Iphigenie ihr geopfert werden müsse, damit die Hellenen Fahrtwind erhalten und den Krieg gegen Troja gewinnen.

    Durch eine List lockt Agamemnon seine Tochter und unbeabsichtigt auch deren Mutter Klytaimnestra ins Heerlager. Er behauptet nämlich, sie mit dem berühmten Helden Achill vermählen zu wollen, der allerdings davon gar nichts ahnt.

    Doch gleich nachdem er die Botschaft abgeschickt hat, überfällt ihn sein schlechtes Gewissen und er sendet seinen alten Diener mit der Absage des Plans hinterher. Dieser wird aber von seinem Bruder Menelaos abgefangen, und nun beginnen die Dialoge und Monologe, innerhalb derer sich das dramatische Geschehen entfaltet. Agamemnon, Menelaos und Iphigenie ändern jeweils in ihren Dialogen, motiviert durch äußere Geschehnisse, aber auch politische und ethische Zwänge ihre Meinungen. Zusätlich treibt Achill, der von der Verschwörung erfährt und sich auf die Seite der Frauen stellt, den Konflikt an. Wie es nun für Iphigenie endet, sollte man sich selbst erlesen.

    Die nächste Dramenvorstellung wird zeigen, dass das Ende eine ganz überraschende Wendung bringt.


    Euripides' aulische Iphigenie hat über den Umweg der Adaption durch Racine Christoph Willibald Gluck zu seiner ersten Pariser Oper „Iphigénie en Aulide“ inspiriert, die 1774 in der Pariser Oper uraufgeführt wurde. Sie wurde ein großer Erfolg, von dem Marie Antoinette begeistert berichtete.


    Hier kann man eine Aufführung von 1992 mit Peter Schreier in der Hauptrolle hören.


    Quellen: Wikipedia, Kindlers Literatur Lexikon, Albin Lesky: Die griechische Tragödie

    Ich finde es auch schade, dass so ein schönes Projekt dadurch in Frage gestellt wird. In Literaturforen, wo ich oft unterwegs bin, gibt es auch Threads zu klassischer Musik und bildender Kunst. Hier im Forum existieren auch verschiedene solcher Themen. Wir müssen das Ganze ja nicht so hoch hängen, aber warum soll man nicht ein klassisches Werk, das vielleicht ein wenig in Vergessenheit geraten ist, hier kurz vorstellen? Daraus soll ja kein wissenschaftliches Lexikon entstehen. Über Suchmaschinen geraten vielleicht auch Forumsfremde auf diese Seiten, die sich im Anschluss daran vielleicht hier auch bei den Musikthemen umschauen, und das ist doch auch eines der Ziele dieses Forums, dass es Interesse wecken soll.
    Außerdem gibt es viele Synergien zwischen den Künsten, d.h. sie inspirieren sich untereinander. Wenn ich solche Musik-Rezeptionen bei einem von mir gelesenen Werk aufspüre, würde ich das bei der Vorstellung selbstverständlich einfließen lassen.

    @Alfred, vielen Dank für das Erstellen des Schauspiel-Threads. Ich werde gerne morgen dafür eine Vorstellung schreiben, sofern sich hier die Diskussionen nicht verhärten.

    Ich denke ja nicht, dass so viele Klassiker vergessen sind. Es gibt immer Personen, die gerne und viel Klassiker lesen, und durch die Foren hat man seit ca. 20 Jahren auch die Chance, sich mit anderen darüber auszutauschen, was vor Ort, selbst in der Großstadt, schon schwierig ist. Nicht-virtuelle Lesezirkel beschäftigen sich nach meiner Erfahrung eher mit anspruchsvollerer Belletristik, die neu erschienen ist, als mit den Klassikern. Ansonsten müsste man schon an die Uni, um Gleichgesinnte zu treffen und Austausch zu pflegen.

    Ich fände es aber schön, wenn wir hier auch literarische Klassiker vorstellen würden, mit der Möglichkeit eines Austausches. Da dies mehr in meine Kompetenz fällt als die klassische Musik, die ich nur als Laie genieße, kann ich hier auch mehr beitragen.

    Dieser Faden wird ja aktuell nicht bespielt. Aber gerade habe ich in einem ganz anderen Zusammenhang etwas gelesen, das die Meinung vieler von euch bestimmt stützt. Es geht um die Aufführung antiker Dramen zu ihrer Entstehungszeit und heute:

    "Wichtiger noch ist die Erkenntnis, dass der szenische Effekt immer dem Ganzen des Stückes dient. Inszenierung als Selbstzweck stand dieser Zeit noch fern. Sie ist allemal ein untrügliches Kennzeichen für den Bankerott des Eigentlichen im Leben der Kunst."


    Albin Lesky: Die griechische Tragödie, 1938 zuerst erschienen