Beiträge von Johannes Roehl

    Geringer Pegel wäre bei einer frühen Digitalaufnahme nicht so verwunderlich. Wie gesagt, kann ich die konkrete Frage, ob mit zweierlei Methoden aufgezeichnet wurde, nicht beantworten. Nur darauf hinweisen, dass Denon als Digital-Pionier fast 10 Jahre Vorsprung hatte und schon mitte der 1970er viel digital aufgenommen hat, während die meisten anderen Klassiklabels erst um 1980 nachgezogen haben. Wie oben gesagt, gab es aber 1980 anscheinend auch schon Digitalaufnahmen aus der DDR ohne japanische Kooperation. Das wäre für mich ein weiteres Indiz dafür, dass bei der Suitner-Aufnahme ein parallel digital-analog Aufnehmen unwahrscheinlich ist.


    Bzgl. Kooperationen generell unabhängig von analog/digital gibt es meines Wissens zwei unterschiedliche "Modelle": echte Kooperationen und Übernahmen. Soweit ich weiß, hatte zB mit "Bach auf Silbermannorgeln" oder den Kantaten unter Rotzsch usw. keine Westfirma unmittelbar bei Aufnahme und Produktion zu tun. Sie erschienen aber (teilweise?) dann zB unter dem Label Capriccio (Delta Music) im Westen, nicht nur als importierte DDR-Platten. Dann gab es echte Koproduktionen mit zB "Westdirigenten" und ostdeutschen Orchestern/Sängern bzw. bei den Sängern oft eine internationale Mischung wie Dresdner Meistersinger oder Freischütz. Ob die technischen Teams hier gemischt waren, weiß ich nicht, vermute aber, dass es für die Aufnahme jedenfalls die lokalen Techniker waren. (Was die spätere Mischung betrifft, ob es da ggf. sogar Unterschiede gab, keine Ahnung.)

    Was meinst Du mit "umgetüftelt"? Es mussten ja in den Jahren, in denen schon digital aufgenommen, aber (hauptsächlich) Schallplatten veröffentlicht wurden, diese Digitalaufnahmen alle analog für LPs gemischt werden. Das gilt für die gesamten 80er Jahre, teils schon späte 70er und auch noch frühe 90er, da bis dahin noch viele Aufnahmen auch als LP erschienen. Ich kann es für die besagte Suitneraufnahme nicht sagen, aber ich vermute, dass nur digital aufgenommen wurde. Wobei es bei einer relativ frühen Digitalaufnahme auch nicht ausgeschlossen ist, dass auch noch analoge Bänder mitliefen. Andererseits hat Denon seit Anfang/Mitte der 1970er digital aufgenommen, auch bei Kooperationen, zB Smetana-Quartett, die auch bei Supraphon erschienen, daher glaube ich nicht, dass die normalerweise diesen doppelten Aufwand betrieben haben.

    Ich habe hier zB eine LP einer Delta (Capriccio) VEB Dt. Schallplatten Koproduktion mit Bachs Gambensonaten (Pank), die 1980 digital aufgenommen wurde.


    Es gab ja sogar vereinzelte Eterna CDs. Die wurden meines Wissens in der Tschechoslowakei gepresst, denn die DDR hatte kein Presswerk.


    Die Gesamtzahl der Ost-West-Produktionen ist kaum überschaubar. Die ältesten sind aus den 1950ern wie die gezeigten Oistrakh-Aufnahmen und es gab sie bis in die späten 1980er.

    "akzeptabel" würde ich normalerweise auch nicht kaufen. Ich habe ein paar erwischt, die ich so einordnen würde, aber das waren dann wirklich so niedrige Beträge oder "Pakete", dass sich eine Beschwerde kaum lohnte. Und meistens ist es auch nur optisch bzw. auf die Verpackung bezogen und die Scheiben selbst waren völlig i.O. Da "gut" eben so stark schwankt bzw. der Unterschied gut - sehr gut oft nicht erkennbar ist, gehe ich bei gut das geringe Risiko auch mal ein. Bei 10 EUR will ich mich auch nicht ärgern bzw. ärgere ich mich eh überproportional bei solchen Kleinigkeiten. Aber tatsächlich ist bei hunderten oder gar tausenden von solchen Transaktionen die Enttäuschungsrate bei mir sehr niedrig gewesen.

    uniqueplace ist ein professioneller Anbieter und zumal über Amazon ist der Schlimmstfall eigentlich, dass man Geld zurück erhält, weil man mit der Ware unzufrieden ist. Ein Risiko, hintergangen zu werden und keine Erstattung zu bekommen, ist hier inzwischen praktisch ausgeschlossen (anders als bei anderen Plattformen und früher war es am Marketplace auch anders). Bei Beschreibungen/Einordnungen sind vielle Anbieter aber recht nachlässig. "gut" ist ja eigentlich schlecht (weil es mindesten zwei oder gar drei höhere Kategorien (neu, wie neu, sehr gut) gibt, aber ich habe schon als "gut" eingestufte Sachen erhalten, die für mich "wie neu" waren und als "sehr gut" eingestuft", die ich eher zwischen "gut" und "noch akzeptabel" gesehen hätte. Da es sich typischerweise um einstellige Euro-Beträge handelt, ist das aber ein tragbares Risiko.

    Die (sehr seltenen) "Hämmer", die ich erlebt habe, waren komplett fehlende Booklets/Libretti ohne entsprechenden Hinweis (da habe ich auch einmal was zurückgeschickt), falsche CD (es gibt vereinzelt doppelt vergebene Barcodenummern) und eine dreiste Kopie, die immerhin mit so viel Aufwand, einschl. farbigen Covern gemacht war, dass sie dem Händler bzw. seinem 5 Euro Job Studenten vermutlich wirklich nicht aufgefallen ist.

    Das interessante ist ja nicht in erster Linie, wie bestimmte Mechanismen in der DDR funktioniert haben. (Obwohl das natürlich interessant und erforschenswert sein kann.) Sondern wie sie zumindest im Prinzip fast immer und fast überall funktionieren. Und diese Erkenntnisse sollte man dann tunlichst auf Aktuelles, nicht bloß Historisches anwenden. Ein eher einfacher, aber wirksamer Mechanismus ist zB sich obsessiv mit Mißständen der Vergangenheit bzw. eines untergegangenen System oder eines geographisch entfernten Landes zu befassen, um sich dabei ständig auf die Schulter zu klopfen und sich zu versichern, dass man davon ja meilenweit entfernt sei und es ganz ausgeschlossen sei, dass ähnliche Strukturen oder subtile und weniger subtile Beeinflussung und Indoktrination im besten aller historischen oder gar aller möglichen deutschen Staaten, stattfinden könnten. Oder es gibt die umgekehrte Masche, anhand von Mißständen oder Strukturen eines vergangenen oder entfernten Systems, ungeachtet gravierender Unterschiede, zu behaupten, dass sei ja hier und heute im Grunde genauso bzw. ganz kurz davor und um das Fürchterliche zu vermeiden, müssten unbedingt drastische Maßnahme x getroffen, Institut z gefördert, eine wohlbestallte y- (oder anti-y-)Beauftragte angestellt werden usw.

    Ich würde den Klang (und ich habe "mittelalte" Ausgaben der Royal oder der darauffolgenden LB Edition) des NY Bernstein auch nicht als dünn bezeichnen. Aber es ist ein etwas "grober", u.a. auch durch multimiking recht direkter Klang, der sich natürlich deutlich von den "satter", wärmer und "integrierter" klingenden Liveaufnahmen aus Wien unterscheidet. Letztere sind gut, aber mir eher zu gepflegt philharmonisch. Das "hemdsärmelig-aufsässige" (das bei den New Yorker Aufnahmen auch durch den Klang vermittelt wird, allerdings auch meist zügigere Tempi etc.) fehlt oder ist jedenfalls doch sehr stark gemildert.

    Im Moment lese ich aber etwas ganz anderes - nämlich "Anton Reiser" von Moritz und bin überwältigt, wie genial und modern dieses Buch ist. Kein Wunder, dass es mal - wenn meine Erinnerung mich nicht trügt - in einen FAZ-Kanon der 100 besten Roman aufgenommen wurde.

    Angeblich war das eines von Beethovens Lieblingsbüchern! Ich habe es vor Jahren mal begonnen, aber leider nicht fertig gelesen. Es fiel mir aber auch die Modernität auf; der Autor nennt es ja selbst einen psychologischen Roman und ist vermutlich einer der ersten in der Literaturgeschichte, der so explizit den psychischen Prägungen und Traumata aus der Kindheit und ihrer Bedeutung für die weitere Biographie nachgespürt hat.

    Worauf die Analyse auf youtube gar nicht eingeht (wiewohl es am Anfang kurz erwähnt wird), ist, wie man op.133 als Sonatensatz oder als quasi-mehrsätziges einsätziges Werk interpretieren kann. Das ist ja eine Gemeinsamkeit mit dem Finale der 9. Sinfonie, wobei dort der Variationencharakter dominiert. Schubert hatte mit der Wandererfantasie schon 1822, also kurz vor Beethovens 9. ein ähnlich integriertes Werk komponiert, wenn auch umgekehrt, also 4 pausenlose, eng thematisch zusammenhängende Sätze anstatt einen Satz mit Unterabschnitten, die den typischen Sätzen eines mehrsätzigen Werks ähneln. Atkinson betrachtet das Werk eher als einzigartig und deutet nur an, wie die Abschnitte mit den üblichen eines Sonatensatzes zusammenhängen.

    1. Die Overtura/Einleitung ist immer gleich

    2. Allegro 4/4 B-Dur mit punktiertem Kontrasubjekt entspricht "1. Thema" (was natürlich irre lange für einen Hauptthemaabschnitt wäre) bzw. dem "ersten Satz"

    3. ab T. 159: Meno mosso Ges-Dur entspricht "2. Thema" oder langsamem Satz

    4. ab T. 233: Allegro molto e con brio 6/8 B-Dur zuerst: 4a kurzes "Scherzando"-Intermezzo bis Buchstabe F T. 272, dann 4b As-Dur-Vorzeichnung mit dem ersten Auftreten der breiten ff-Themengestalt seit der Overtura, nun als Thema der nächsten Fuge. 4c ab T 414 Vorzeichnung Es-Dur mit einer neuen Themengestalt (zuerst in der Vl.1) Das wäre in der Mehrsatzdeutung sozusagen alles "Finale".
    5. T. 493 Meno mosso 2/4 As-Dur "Reprise der "langsamen Themengestalt aus ", allerdings noch nicht B-Dur erreicht.

    6. ab T. 533 Allegro molto e con brio B-Dur 6/8 "Reprise" des Scherzando 4a und Weiterverarbeitung (u.a. mit dem Grundthema in einer pizzicato-Variante)
    T. 657-62 Zitate des Beginns von 2 und 3. Das ist wieder eine Gemeinsamkeit mit dem Finale der 9., nur an ganz anderer Stelle, wie eine "Erinnerung" (so machen das ja später Schumann und Brahms manchmal).

    7. T. 662-741 Coda


    Für die Themengestalten und -metamorphosen ist das Video kaum zu schlagen.

    Der Mann, der das youtube-Video gemacht hat, zieht als Finale ebenfalls das nachkomponierte Finale vor. Ich höre das Stück seit über 30 Jahren, aber in so einem Analysevideo kommt es mir eher noch irrer vor, weil man stärker auf Details aufmerksam wird, während man (jedenfalls ich) sich bei normalem Hören eher mitreißen lässt

    Die Analyse ist übrigens nicht sehr technisch (harmon. Analyse kommt praktisch nicht vor und auch bei der Kontrapunktik wird nicht wirklich ins Detail gegangen), aber sie zeigt sehr schön den Aufbau und die fast unzähligen Metamorphosen des thematischen Materials. Vermutlich findet man in der Renaissance und bei Bach raffinierteren Kontrapunkt, aber eine ähnliche Verdichtung über so ein langes Stück hinweg dürfte schon selten sein und die Kombination mit der Rhythmik (die Stravinsky in dem berühmten Zitat hervorhob) und dem Ausdruck macht das Stück einzigartig.

    Der relativ nachgeordnete Status von Raff oder Reinecke kann doch nicht mit einer generellen Ablehnung des 19. Jhds. zusammenhängen. Denn die Musik von Schubert, Schumann, Mendelssohn Brahms, Bruckner, Verdi, Wagner, Chopin, zumindest größere Teile der Oeuvres von Berloz, Liszt, Dvorak, Smetana, Tschaikowsky, Mussorgsky, Grieg usw. (kein Anspruch auf Vollständigkeit) wird doch nach wie vor breit geschätzt und häufig gespielt. Etwas vereinfacht, ist Raffs Hauptproblem, dass es so viel bessere/packendere Musik von ungefähren Zeitgenossen gibt. Und er halt, anders als man von titulierten Sinfonien erwarten könnte, nicht erfindungsreich genug war, um in so einer Nische zwischen Tondichtung und "absoluter Musik" etwas zu bieten, was heute so attraktiv ist wie Smetanas "Vaterland" (dem der nationalistische Charakter kein bißchen geschadet hat) oder Brahms' "absolute" Sinfonien.

    Meine persönliche Vermutung ist, dass der Boom monumentaler symphonischer Spät- und Nachromantik (bes. Bruckner, Mahler, teils Sibelius, dann auch Schostakowitsch) in den letzten 50 Jahren die Sinfonien der vorhergehenden Romantik etwas an den Rand gedrängt hat und nur die, die eh schon fest etabliert waren, sich gehalten haben. Das steigert Raffs Comebackchancen auch nicht gerade, wenn sogar Schumann und Brahms hinter Bruckner und Mahler bei der Sinfonik an Beliebtheit zurückstehen.

    Petrenko hat Suk aufgenommen, den würde ich ähnlich einordnen wie Raff (jedenfalls auch nicht in der ersten Reihe).

    Der Selbstanspruch ist aber auch kaum entscheidend. Erstens traten Komponisten vereinzelt schon in der Renaissance mit solch einem Anspruch auf und wurden hoch geehrt (wie Josquin Desprez), also nicht nur als Handwerker für tagesaktuelle Stücke wahrgenommen. Zweitens wird oft nachträglich ein höherer Status auch zu Lebzeiten eher randständigen oder bescheidenen Komponisten eingeräumt. Z.B. Zelenka oder Satie. Drittens gibt es vermutlich ein paar, die ähnlich größenwahnsinnig waren wie Wagner, ohne das einlösen zu können. ;)

    Bei Raff ist die Tendenz halt seit über 100 Jahren eher fallend. M.E. ist es auch überhaupt nicht verwunderlich, dass die Rezeption Raffs im wesentlichen auf Tonträger beschränkt geblieben ist und bleiben wird (immerhin gibt es zwei komplette Einspielungen seiner Sinfonien und sogar mehr einzelne Aufnahmen). Das Interesse an romantischen Sinfonien ist im wesentlichen gesättigt: Schumann, Bruckner, Brahms, Dvorak, Tschaikowsky etc. reicht für den Betrieb. (Schon Dvorak 1-6 und etliche Werke Tschaikowskys sind fast Exoten). Obwohl Raff mit seinen Programmsinfonien hier eine Nische besetzen könnte, wirkt dieser Zwittercharakter eher gegen ihn, denn die Stücke sind dafür einfach nicht originell genug. Sie machen sozusagen nichts aus diesem besonderen Charakter, sind zu durchschnittlich als Sinfonien und zu unspektakulär und vage als Programmmusik. Außerdem sind bei Tondichtungen ja schon von berühmten Komponisten wie Liszt, Strauss, Smetana etc. nur wenige im Repertoire geblieben.

    Naja, ich habe in einem anderen Thread mal einen recht ausführlichen Vergleich mal gemacht und ziehe Kleiber junior sowohl Karajan als auch Kleiber senior vor. Letztere ist in mancher Hinsicht die "modernste", nüchtern und transparent, dabei leider ziemlich dünn klingend. Karajan ist klanglich beeindruckend und mitreißend (auch meiner Ansicht nach eine der besten Aufnahmen Karajans) aber eben auch sehr opak (und natürlich mit Hörnern statt korrekten Fagotten im Seitenthema in 1) und ohne Wdh. im Finale). Carlos ist nicht weniger wuchtig als Karajan, aber transparenter und "sprechender".

    Ein guter Test für Transparenz und Schlüssigkeit ist zB, ob die berühmte Oboe im ersten Satz "aus dem nichts" kommt, oder ob man schon vorher Oboen/Fagotte hört, da Beethoven die Passage vorher auch anders gestaltet hat als in der Exposition. Karajan bietet hier zu sehr "Klangwand" und die Oboe kommt aus dem nichts.

    Die 2. Sinfonie Gounods war wohl recht einflussreich für franz. Komponisten der Zeit (bzw. eine Generation jünger). Ich habe die irgendwo auch, aber nicht präsent. U.a. hat sich wohl Bizet in einer Jugendsinfonie an ihr orientiert. Erstaunlich, dass letzteres Werk das Vorbild posthum deutlich überstrahlt.

    Es gibt auch weitere Instrumentalmusik, zB ein Quartett auf dieser interessanten CD. (Aber die franz. Instrumentalmusik hatte es damals ggü. der allmächtigen Oper sehr schwer; das änderte sich erst wieder gegen Ende des 19. Jhds.)


    Die JoPa hat halt auch deutlich weniger Stoff (beginnt mit der Gefangennahme, da hat die MPa schon 23 Nummern vorbei!), die turbae sind teilweise "naturalistischer". Letzteres finde ich aber nicht unbedingt überzeugender; zB gefällt mir das wuchtige "Lass ihn kreuzigen" in der MPa besser als das mehrfache hektische "Kreuzige, kreuzige..." usw.

    Bzgl. der Choräle hat man in früheren Aufnahmen (habe unlängst Scherchens Aufn. der JoPa von 1961-62 gehört) oft sehr langsame, "meditative" Tempi gewählt. Die ersten HIP-Aufnahmen haben dann meinem Eindruck nach eher auf zügig-geradlinige Choräle (nach Art eines schlichten Gemeindegesangs) gesetzt. Noch später gibt es dann wieder eine Tendenz zu mehr Differenzierung zwischen den verschiedenen Chorälen je nach Text/Kontext. Wie fast immer kommt es hier auf Nuancen. Zu geradeheraus verschenkt evtl. schon einiges an Ausdruckwirkung, aber ich meine auch, dass es eine Gefahr des Manierierten gibt, die gerade zu den Chorälen nicht passt.

    Ich bin tendenziell sehr skeptisch, wenn man Stilbegriffe, die sich ziemlich eng auf eine Kunstsparte beziehen (oder jedenfalls sehr deutlich von ihr geprägt worden sind), auf andere überträgt. (Finde ich zB auch beim Impressionismus problematisch, eigentlich fast überall :D) Jugendstil stammt nun mal zuallererst aus der bildenden Kunst und Dekoration.

    "Rankende Ornamente und glitzernde Arabesken) gibt es halt auch als wesentliche Stilelemente in Rameau-Suiten, in Chopin Nocturnes und in Debussy Preludes. Nun sollen die aber nicht so klingen wie Klimt aussieht, sondern wie entsprechende bildende Kunst ihrer jeweiligen Epoche?!?

    Von "Jugendstil-Musik" würde ich eine Abkehr? oder jedenfalls eine deutliche Differenzierung von der "normalen" Spät/Nachromantik, Expressionismus, Neoklassizismus oder was auch immer man an Kategorien ca. 1890-1920 haben mag. Also eine Dominanz von Stilisierung und Ornamentik gegenüber romantisch-expressionistischem Ausdruck oder "impressionistischer Klangmalerei" (s.o.)

    Bei einigen (oft "kleineren") Stücken mag man das finden; aber dominiert es größere Werke oder gar das gesamte Werk mancher Komponisten?

    Sie haben in den 1990er Jahren relativ viele CDs herausgebracht. Ich besitze ca. 4 CDs mit dem Consort und dann noch zwei mit dem Lautenisten Ron McFarlane und Julianne Baird. Ich habe die früher (~20 Jahre her) häufig gehört, von den Consort-CDs ist "Watkins Ale" (was meine erste Begegnung mit dem Ensemble war) mein Favorit. Ich habe bei Bekannten auch noch mindestens eine oder zwei weitere (u.a. The Art of Bawdy Song mit derben und zotigen Liedern und evtl. eine mit franz. Renaissance/Frühbarock) und das war dann insgesamt doch recht ähnlich, so dass mir weitere nicht nötig schienen. Die Lautenlieder sind auch sehr gut, aber da gibt es natürlich viel Konkurrenz. Meinem Eindruck nach war eine Besonderheit des Baltimore Consorts die Verbindung/Vermischung mit volkstümlicher/traditioneller Musik. Die dritte gezeigte CD ist mit solchen Volksliedern und -balladen, aber solche sind auch auf den anderen dabei.


    Haydn hat sogar eine kleine Kantate (Lines from the battle of the Nile) auf einen Text einer Dame aus der Entourage Lady Hamiltons (Nelsons Geliebter) komponiert, als Nelson und Hamilton ihn besuchten (oder in Wien trafen).


    Noch ein Gedicht hierzu (über die Verliererseite). Das franz. Flaggschiff explodierte, als ein Magazin in Flammen geriet. Aus dem Stumpf ihres Großmastes wurde einige Jahre später angeblich Nelsons Sarg gezimmert. /nauticatrivia


    http://digital.library.upenn.e…ans/works/hf-burning.html

    Ich liebe diese Reihe von Hyperion, eines der genialsten Projekte der letzten Jahrzehnte.

    Mich wundert nur, dass Anton Rubinsteins fünf Klavierkonzerte bis auf eine Ausnahme (Nr. 4 in Vol. 38) bisher ausgespart wurden. Da würden sich die restlichen vier in zwei weiteren Volumes anbieten. Allzu viele gute Aufnahmen derer gibt es nämlich nicht. Besonders Nr. 5 ist wirklich hörenswert.

    Diese CD mit Rubinstein/Scharwenka ist eine der guten Handvoll, die ich aus dieser Reihe habe, und jedenfalls empfehlenswert. Ebenso die etwas weiter oben genannte Medtner Nr.1 + Klavierquintett (wobei ich als Kammermusikfreund letzteres Werk eher mehr schätze).

    Das ist teils aber nur eine anders gewendete Beschreibung derselben Punkte, die Karl und Holger als positiv herausstellen, wie Farbigkeit etc. Und mit "Meisterwerke auf ihre Weise" konzediert das Adorno ja ebenfalls. Es ist vielleicht auch bemerkenswert, dass beide Quartette relativ früh im Schaffen der Komponisten entstanden und Einzelstücke geblieben sind. Die spätere Kammermusik beider scheint mir auch wieder stärker "strukturbetont" und weniger "koloristisch" (wobei es insgesamt halt so wenige Werke sind, dass es schwerfällt, klare Tendenzen auszumachen). Es besteht hier ja auch kein notwendiger Widerspruch. Etwas später hat etwa Bartok eine ganze Reihe von Spiel- und Klangtechniken entweder erst ins Quartett eingeführt oder doch in vorher kaum geahnter Weise verwendet, obwohl man seine Quartette kaum als hauptsächlich koloristisch charakterisieren würde.

    Dass Temperaturschwankungen ein Problem sein können, ist lange bekannt und das sollte man im Auge behalten. Ebenso sind natürlich (selbst)gebrannte CDs nicht so lange haltbar.

    Das Bronzing-Problem betraf hauptsächlich britische und italienische Labels (Hyperion, Nuova Era, Tactus...) und vereinzelt die Deutsche Grammophon. Ist heute natürlich nur noch für den Gebrauchtmarkt relevant.

    Ich habe zahlreiche CDs, die dreißig Jahre alt sind, unter normalen "Wohnzimmerbedingungen" gelagert wurden und einwandfrei spielen.

    Zwar kann ich bei 4-5000 CDs (von denen die meisten natürlich jünger sind, vermutlich im Mittel eher 15 Jahre alt als 30) nicht bei allen sicher sein, aber seit ich Herbst 1988 meine ersten CDs kaufte, habe ich vielleicht ein dutzend von etlichen Tausend erlebt, die unabspielbar oder problematisch wurden.

    Etwa die Hälfte oder mehr war von dem bekannten "bronzing"-Problem betroffen, das nur wenige Presswerke in einem kurzen Zeitraum um 1990 herum betraf. Einige gebraucht gekaufte waren durch schlechte Behandlung so verkratzt, dass manche Geräte damit Probleme hatten (hier also klar unsachgemäße Behandlung) und ähnlich wenige, schätzungsweise maximal 5 wiesen aus nicht nachvollziehbaren Ursachen Abspielprobleme auf. Bisher beträgt meine "Ausfallquote" also etwa ein Promille. Ich rechne nicht damit, dass in den nächsten 10 Jahren, in denen sehr viele meiner CDs den 30. Geburtstag haben werden, hunderte von ihnen unabspielbar werden. Was sollte das für ein Prozess sein, der unsichtbar und allmählich wirkt, >20 Jahre keine Auswirkungen hat und dann zur Unbrauchbarkeit führt? Das müsste mir jemand detailliert physikalisch-technisch begründen und dann auch Daten aus der Praxis bringen.


    Kurz, ich halte das bei normal behandelten gepressten CDs für eine Ente. Die Lebensdauer dürfte eher doppelt so lange betragen

    Ich habe geschätzt >700 Beethoven-CDs [edit: Da habe ich mich verschätzt, es sind über 500, aber in Anthologien und Interpretenboxen dürften wohl nicht mehr als 100 dazu kommen, so dass es sicher nicht über 700, sondern eher um 600 sein dürften], aber diese Bearbeitung immer noch nicht im Regal... Für die Kadenzen gibt es ja zahlreiche Retro-Bearbeitungen, meistens auf der Basis von oder in der Nachfolge Schneiderhans, der das als erster gemacht hat.

    Meinem Eindruck nach war das Mozartjahr 1991 ein wesentlich größeres Medienereignis, bei 2006 bin ich mir nicht sicher. Aber das kann auch täuschen, ich ignoriere heute vielleicht mehr. Und außerdem bestand besonders 1991 vor privatem Internet u. sozialen Medien noch eine ganz andere Medienlandschaft.