Beiträge von Johannes Roehl

    Doppelt erstaunlich ist, dass dem 17jährigen Mendelssohn so ein originelles und großartiges Werk gelungen ist und er Jahre später bruchlos den Rest der Musik ergänzen konnte. Wobei nur im letzten Stück (aber auch da ist es ja kein Automatismus, dass es passt) "Bei des Feuers mattem Flimmern" die Musik der Ouverture direkt verwendet wird.

    Wie ich oben sicher schonmal schrieb, halte ich die Erzähler-Version für einen guten Kompromiss, da man so alle kleinen Stücke und Melodrame einschließen kann, die meistens gestrichen werden, aber keine ganzen Szenen mit Schauspielern nachsprechen muss. V.a. wenn es so überzeugend umgesetzt wird wie von Judy Dench und Ozawa/Boston.

    Das Feld bei historischen Aufnahmen, Mitschnitten etc., wo seit Jahrzehnten "Feuer frei!" herrscht, weil fast jeder sich an eine Überspielung machen kann, ist natürlich wesentlich komplexer als die Label-eigenen Neuremasterings von normalerweise eigenen Mastertapes. Oder gar private LP-Überspielungen aus dem Internet von anderweitig kaum verfügbaren Aufnahmen.

    Hier kann man m.E. kaum Faustregeln angeben, da muss man einfach ausprobieren und ggf. halt wissen, wie viel Zeit und Geld einem ein weiterer Versuch mit der Chance auf Klangverbesserung wert ist.

    Meine Faustregeln nach den oben geschilderten Erfahrungen wurden in etwa folgende:


    - ursprgl. Aufnahme vor ca. 1960-65 lohnt eher Testen eines neuen Remasterings; zwar kann man nicht unbedingt sagen, dass je älter die Aufnahme, je mehr an Verbesserung zu erhoffen ist, aber die Unterschiede dürften die größten sein, zumal es gerade bei Schellacküberspielungen auch unterschiedliche Ansätze, eher puristische, oder eher starkes Filtern bzw. unterschiedliche Kompromisse. Wenn man also besonders an historischen Aufnahmen vor ca. 1950 interessiert ist, kann ich verstehen, dass man, Geld und Geduld vorausgesetzt, immer wieder neuere Ausgaben probiert.


    - CD-Ausgabe vor ca. 1995 lohnt evtl. das Testen eines neuen Remasterings. Kann es nicht genau sagen, evtl. teils eher 1998, teils schon früher, jedenfalls etwa seit Super bit mapping, ART Noise shaping etc. angewendet wird. Zwar habe ich fast keine Erfahrung mit unterschiedlichen Auflagen von Digital-Aufnahmen der 1980er, aber da hieß es zB über "Karajan Gold", dass die deutlich besser klängen als die "originalen" CDs, die aufgrund der Kinderkrankheiten der Digitalära wohl nicht so gut sind.


    - (anekdotisch) eher schlechtklingende "frühe" CDs der 1980er, die daher Ersetzung lohnen könnten: CBS, teils EMI, wobei ich bei letzterer eher die Verbesserungen durch ART oder was auch immer die Ausgaben hervorheben möchte, als die eher durchschnittliche als schlechte Qualität der CDs um 1990s.


    - kaum Unterschiede vernommen habe ich zwischen Resonance (oder den französischen Duos) Billig-CDs der DG um 1990 und ihren neueren Auflagen wie Originals (die sehen meistens aber schöner aus); das alte Zeug klingt einwandfrei, sowohl bei Mono aus den 1950ern als auch bei späteren Stereo-Aufnahmen.


    - ebenfalls kaum Unterschiede (oder gar eindeutige Verbesserungen) habe ich zwischen CD-Ausgaben/Remasterings der späten 1990er und noch späteren Auflagen vernommen. Freilich muss man oft auch zweimal hinschauen und stellt dann fest, dass Boxen oder andere Neuauflagen der letzten 10-15 Jahre überhaupt keine Neuüberspielungen sind. Oder man verschleiert ein wenig, weil z.B. eine Aufnahme, die vorher gar nicht (international) auf CD erschienen war, "frisch" remastered wurde, 80% in der Box aber einfach eine Nachpressung der Auflage von z.B. 1999 sind.

    Hätte ihn in der Wand-Aufnahme gar nicht auf dem Schirm gehabt; die müsste ich mal wieder anhören.

    Ich besitze sonst zwei Aufnahmen mit Herrmann: Mahlers Lieder eines fahrenden Gesellen und Frühe Lieder, beide aus den frühen 1970ern oder so. Letztere ist eine Claves-Neuauflage, dürfte seinerzeit eine der ersten Einspielungen der Werke gewesen sein. Haben mir immer gut gefallen, die "Gesellenlieder" waren aber auch meine erste Aufnahme des Werks.

    Ich habe irgendwann, vor knapp 15 Jahren oder so, aufgegeben, nach Klangverbesserungen durch neuere CD-Auflagen zu suchen.

    Richtig ist m.E., dass in der Anfangszeit der CD, Mitte der 1980er bis Anfang der 1990er, nicht selten selbst gar nicht so alte Aufnahmen eher schlecht auf CD überspielt wurden. Es ging darum, bekannte alte Aufnahmen möglichst schnell auf CD anzubieten und insgesamt gab es wohl öfters noch einige Kinderkrankheiten.

    Ende der 1990er gab es dann "noise shaping" etc., was angeblich Rauschminderung ohne Klangminderung und weitere Verbesserungen bringen konnte oder sollte.

    Ich habe dann bei einigen wenigen Aufnahmen tatsächlich deutliche Unterschiede, die ich auch als besser/schlechter bewerten konnte, gehört. Die bekanntesten Aufnahmen, bei denen ich solche Verbesserungen ggü. den älteren CD-Auflagen hören konnte, waren die Callas/De Sabata Tosca und diverse Aufnahmen mit Klemperer (Brahms Requiem, Fidelio, evtl. auch eine Bruckner-Sinfonie).

    Als insgesamt eher mies klingend habe ich viele noch unter CBS herausgebrachten CDs (Gould, Casadesus/Szell) in Erinnerung; da klangen die Sony-Auflagen ab den 1990ern fast immer deutlich besser.

    Daher habe ich in den frühen 2000ern häufiger mal nicht nur aufgrund von Boxen oder Neukopplungen neuere Remasterings gekauft. Als ich dann aber, um Dubletten auszusortieren, erneut Vergleiche angestellt habe, konnte ich, konkret bei einigen Aufnahmen aus den 1950ern mit Furtwängler und Fricsay, zwar minimale Unterschiede hören, aber es war unmöglich zu entscheiden, was mir besser gefiel. Da habe ich schlicht nach Kopplung oder pro platzsparender Box vs. Einzel-CD entschieden und die anderen wieder abgegeben.


    Seither ist es mir normalerweise nicht mehr wichtig genug. Die Nennungen oben sind nicht vollständig; ich hatte wohl insgesamt dutzende CDs, etwa aus den verschiedenen Rubinstein-Editionen, in zwei bis drei unterschiedlichen CD-Auflagen/Remasterings vorliegen und hatte dann keine Lust mehr, systematisch zu vergleichen. Tatsächlich habe ich die Klemperer/Wunderlich/Ludwig des LvdE seit Jahren zweimal nebeneinander im Regal, weil ich keinen Nerv habe, meine alte CD, die einen gewissen nostalgischen Wert hat, mit der neueren GROC-Ausgabe zu vergleichen...

    Es ist m.E. ein bißchen wohlfeil, wenn man größere Sammlungen in einer Zeit bespöttelt, in der man eben stattdessen Streaming, ggf. einfach Youtube nutzen kann. Das ist ja kein echter "Minimalismus", sondern im Gegenteil wird eine gigantische, weltweite (teure, energiefressende etc.) Infrastruktur stillschweigend vorausgesetzt.

    Natürlich ist es schön, wenn es so etwas gibt. Aber es ist nicht selbstverständlich, kann sich auch mal wieder ändern (blackout, brownout, Energiekrisen etc.), ist kein bißchen sparsam (oder Sein statt Haben; wir könnten vermutlich nicht alle solide Laienmusiker sein, statt Konserven zu hören) und v.a. gab es halt diese Option nicht, als viele von uns den Großteil ihrer Sammlungen aufgebaut haben. Da gab es nur Radio und da konnte man kaum damit rechnen, dass kommt, was man hören will und es war durchaus sinnvoll, Aufnahmen auch aus lexikalischen oder Vollständigsgründen selbst zu besitzen.

    Audi A 8 gegen zweimal den exklusivsten Porsche 959, weil er den ersten (mit damals über Mitte 70...) in den Graben gesetzt hatte? Also diesbezüglich war Kleiber ein ziemlich kleines Licht gegen Karajan...

    Im Ggs. zu bspw. Celibidache hat Kleiber immerhin eine Anzahl von Studio-Aufnahmen bzw. offiziellen Videos etc. zu Lebzeiten veröffentlicht. So wenig ist das unterm Strich gar nicht, wobei natürlich posthum noch etwas dazu gekommen ist. Wir reden ja auch nur von knapp 20 Jahren, Anfang der 1970er bis Anfang der 1990er. Klar, er hätte jederzeit weit mehr machen können; ich glaube, dass war bei ihm wirklich eine Mischung aus krankhafter Unsicherheit, Perfektionismus und Faulheit.

    Darunter fallen m.E. sehr viele/fast alle Aufnahmen von Künstlern, die früh verstarben oder irgendwie tragische Schicksale hatten, zumal das oft dann eh nur wenige Aufnahmen sind:


    - Lipatti, Ferrier, Du Pré

    Johanna Martzy gehört hier irgendwie auch dazu, obwohl nicht sehr früh verstorben.

    (Jemanden wie Wunderlich zähle ich hier nicht, da er erstens ziemlich viel aufgenommen hat, zweitens durch Unfall verstorben ist und daher keine von drohenden Tode geprägte Gefühlstiefe oder Abgeklärtheit zu erwarten ist...)


    Es wirkt dann fast pietätlos bzw. kann so dargestellt werden, überhaupt Kritik zu üben.


    Damit verwandt, sind Aufnahmen von Künstlern, die sich "rar machten" und oft auch nur ein kleines Repertoire aufgenommen haben. Hier muss ich selbst aber zugeben, dass bei solchen Kandidaten wie Michelangeli und C. Kleiber der legendäre Ruf oft doch gerechtfertigt ist; es mag aber andere Beispiele geben, wobei mir gerade keins einfällt.


    Eine weitere Kategorie sind relativ frühe Aufnahmen in (gemessen am Vorherigen) sehr guter Klang- und Gesamtqualität, die entweder den Bonus haben, sehr lange auf dem Markt zu sein, oder dazu noch von Werken, die z.B. aufgrund des großen Aufwandes nicht oft eingespielt werden. Sie werden damit fast automatisch zu einer (von wenigen) Standardaufnahmen: Soltis Ring, Karajans 1960er Beethoven.

    Von den mir vorliegenden verbreiteten Aufnahmen haben die drei folgenden anscheinend Orgel und Orchester im gleichen Saal, nicht zusammengemixt:


    Bernstein/NYPhil/Raver (Manhattan Center, NYC) CBS/Sony 1976

    Dutoit/OSdM/Hurford (St. Eustache, Montreal) DECCA 1982

    Levine/Berliner Phil/Preston (Philharmonie Berlin? oder Jesus-Christus-Kirche) DGG 1986

    Die genannten Chaconnes sind alle nicht für Violine Solo, Purcell "Streichquartett" (2 vl. va. b.c.), Buxtehude Orgel oder evtl. Cembalo und Pachelbel vermutlich auch Orgel; es gibt mehrere und auch für kammermusikalische Triobesetzung. Daher ist "Schwesterwerke" etwas irreführend. Das nächstliegende Barockstück ist vermutlich die Solo-Passacaglia von Biber, die als letztes Stück ("Schutzengelsonate") dessen Rosenkranzsonaten angefügt ist.


    https://www.kammermusikfuehrer.de/werke/3589

    Ein remake eines Film ist aber doch was anderes als eine Neuaufnahme von Tristan oder der Pastorale. Eine kreative Adaption wäre m.E. schonmal keine so enge, die das 1950er setting, das Design, die Typen etc. beibehält. Ich hatte an den alten Film jahrelang nur vage Erinnerungen, da ich ihn wohl nie komplett, aber als relativ kleines Kind mal teilweise gesehen hatte. Und meine Eltern hatten die LP mit ziemlich vielen Filmbildern. Als den Film dann endlich mal vollständig gesehen hatte, war er mir stellenweise fast ein bißchen zu "bunt". Aber es passt schon fast alles perfekt, von den Schauspielern über Ausstattung etc. Ich sehe auch keinen Mehrwert, das 60 Jahre später nachzumachen. Lieber was ganz anderes, etwas eigenes. Aber Remakes laufen halt oft ziemlich gut, und es gibt ja auch ein paar, die nicht schlecht sind.

    Laut ORF muss Daniel Barenboim aufgrund gesundheitlicher Probleme ein für morgen geplantes Solokonzert im Pierre-Boulez-Saal der Berliner Philharmonie verschieben; es soll am 22. Februar 2022 nachgeholt werden. Bereits zuvor musste er wegen Rückenproblemen Konzertauftritte in Berlin und Wien absagen. Sollte er bis zum Neujahrskonzert nicht wieder fit sein, bräuchte es einen Einspringer.

    Aufgrund des doch oft fortgeschrittenen Alters der NJK Dirigenten dürfte vermutlich schon häufiger ein Einspringer sich bereit gehalten haben, oder? Allerdings erinnere ich mich aus den letzten ca. 30 Jahren an keinen konkreten Fall kurzfristigen Einspringens.

    Zwar halte ich nicht viel von Frau Roth, aber das dürfte eine der harmlosesten und folgenärmsten Personal- und Politikentscheidungen der mutmaßlichen neuen Regierungsdarsteller sein.

    Sibelius wird ja eher als Gegenpol zu Mahler, eben keine "ganze Welt", sondern Betonung eher auf Einheitlichkeit und Geschlossenheit. Er verwendet auch ein ggü. den eigenen sinfon. Dichtung reduziertes, eher klassisches Orchester. Insofern eher Skihütten in der Natur, aber immerhin keine neugotischen Bahnhofshallen... :D

    Meine CD von 1986 hat leider auch keine exakten Informationen außer (p) 1940. Ehrlich gesagt finde ich diese CD zwar lohnend, aber gerade das Bartok-Stück wg. der bescheidenen Tonqualität eher von historischem Interesse (die besten Interpretationen sind m.E. die Stücke von Bernstein und Morton Gould). Meine beiden anderen Aufnahmen sind auf Naxos (Jando, Pauk, Berkes) und Arte Nova (Kühn, Paetsch Neftel, Manno)


    Collector's Edition bei Discogs


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    Ich habe vor einigen Wochen mal etliche Einspielungen des dritten, teils auch anderer Quartette gehört; zum wirklich systematischen Vergleichen aller bin ich aber nicht gekommen. Tokyo auf DG war vor ca. 25 Jahren meine erste Aufnahme. Es ist/war eine hoch angesehene Einspielung, die häufig empfohlen wird. Sie ist auch sehr gut, aber ein bißchen "neutral"; klangschön, weder das "Ungarische" noch das Moderne überbetonend.


    Am besten fand ich beim Wiederhören ihre Einspielungen des 2. und 6. Quartetts. Das 1. ist eh nicht mein Favorit, das braucht etwas "Unterstützung" vom Interpreten, die die nüchterne Tokyo-Lesart nicht unbedingt geliefert hat.

    3-5 sind kaum zerstörbar, aber da bieten andere Aufnahmen intensivere und ausdruckstärkere Interpretationen. Wobei gerade im recht dornigen 3. Quartett die eher neutrale des Tokyo den Zugang evtl. auch erleichtern kann.

    Daraus lässt sich m.E. gar nicht folgern, dass Leonore II total vernachlässigt wird. Wegen der großen Nähe zu III müssten es eher weniger Aufnahmen von II als von der ganz verschiedenen I sein. Die Relation von ca. 4:1 dürfte auch gegenüber der "Weihe des Hauses" oder "König Stephan" gelten, erst recht für "Ruinen von Athen" oder "Namensfeier".

    Ich habe 6 Einzel-CDs mit einer Auswahl der Ouvertüren (also nicht "Füller" für Sinfonien o.ä.), davon haben 5 (Toscanini, Klemperer, Szell, Harnoncourt, Harding) die Leonore II dabei, nur bei Cluytens fehlt sie.

    Klar, Leonore III ist ein weit beliebteres Werk. Aber die relativ hohe Zahl von Einspielungen der Nr. II zeigt für mich, dass sie klar als eigenständiges Werk anerkannt und relativ oft gegeben wird (im Gegensatz zum offensichtlichen Nischendasein der Frühfassungen der Oper selbst).

    Bzgl. Leonore II vs. III gibt es aus dem frühen 20. Jhd. von Paul Bekker in seinem Beethoven-Buch eine Argumentation, warum II das überzeugendere Stück wäre, dagegen von Donald Francis Tovey eine Gegenüberstellung mit dem umgekehrten Ergebnis, pro III. Ich konnte mich, vermutlich auch, weil ich Nr. III zuerst kennenlernte, nie so recht mit II anfreunden.

    Gelber ist inzwischen auch ca. 80, litt zeitlebens an Spätfolgen von Kinderlähmung und war wohl immer ein bißchen exzentrisch bzw. hatte ein relativ schmales Repertoire. Er hatte offensichtlich Favoriten, denn alle Sonaten (op.13, 27,1+2, 28, 57, 81a, 90 und evtl. noch eine?), die er als jüngerer Mann in den 60ern und 70ern schon einmal aufgenommen hatte (EMI), sind bei der Denon-Serie wieder dabei.


    Ich könnte mir auch vorstellen, dass die hohen Preise, mittelmäßige Erhältlichkeit im Westen und allgemeine Marktsättigung Anfang der 1990er dazu geführt haben, dass die Denon-Aufnahmen nicht weiter geführt wurden. Sie waren offenbar als GA geplant, aber ich weiß nicht, ob der Abbruch am Pianisten oder am Label gelegen hat.

    ein paar von den heiß und heißer geliebten Interpretationen bringe ich dann doch noch

    Maurizio Pollini (sehr durchwachsen. Es gibt ganz grandiose Interpretationen und welche, die mir wirklich nicht gefallen ...) Nachteil dieser Gesamteinspielung ist u.a., dass sie im echten Sinn des Wortes keine ist. Es ist eine Zusammenstellung von über 40 Jahren Interpretationsgenese ......

    Ich kenne von Pollini auch nur einen Bruchteil. In vieler Hinsicht hat er seine legendäre Einspielung der späten Sonaten aus den frühen 1970ern wohl nie ganz erreicht, geschweige denn übertroffen. Ich habe aber nur einen Bruchteil der neueren Aufnahmen gehört; eine wirklich starke ist eine Live-Aufnahme aus den späten 1990ern mit einer hervorragenden Waldstein (deutlich besser als die erste Studioaufnahme von 1988) und einem furiosen op.22, die mich dieses wenig geschätzte Werk hat neu hören lassen.



    Als meine favorisierte "halbe" GA hat sich, die habe ich nämlich neulich auch fast alle gehört, Bruno Leonardo Gelber auf Denon herausgestellt. Leider eben mit ärgerlichen Lücken (u.a. nur op.101 und 111 von den späten Sonaten).


    Rudolf Serkin hat mich insgesamt eher enttäuscht. Die herausragenden Aufnahme sind die Pathetique (u.a. da er als einer von wenigen die Grave-"Einleitung" mit der Exposition wiederholt, dazu gibt es schon eine längliche Diskussion irgendwo im Forum) und die Diabelli-Variationen, sehr gut auch op.57, 106, 110, aber viele andere sind m.E. nix besonderes, angesichts der Auswahl, die man hat. (Die "weiße Box" ist aber halt so billig und die Klavierkonzerte IMO sehr gut, dass es vermutlich die beste Option ist. Huch, die weiße Box ist nur noch als Download zu haben, sonst >70 EUR gebraucht, also doch keine so gute Option)

    Serkin hatte anscheinend über Jahrzehnte nur ca. 10 Sonaten fest im Programm (entsprechend gibt es von denen auch mehrere Aufnahmen) und brach dann ein Vorhaben, zum Beethovenjahr 1970 den Rest einzuspielen, ab, weil er die Werke anscheinend nicht zu seiner Zufriedenheit vorbereiten konnte. Ob die Auswahl, die er in dieser Zeit um 1970 tatsächlich eingespielt hat, auf ihn oder einen Produzenten (im Hinblick auf die GA) zurückgeht, weíß ich nicht. Jedenfalls hat er zielsicher eine Reihe der mich am wenigsten interessierenden Werke ausgewählt (op.2/1, 10/2, 22, 27/1, 31/1...)

    Ich besitze

    - Schnabel (1930er)

    - Arrau (1960er Philips)

    - Gulda (1967 amadeo - ich habe hier tatsächlich die erste CD-Ausgabe mit einem Track pro Sonate!)

    - Heidsieck (ca. 1970 EMI, in einer großen Beethovenbox)

    - Gilels (1970er/80er DG, 5 Sonaten fehlen)

    - Lucchesini (2004 erschienen)

    - alle Sonaten, die Gould, Gelber, Rudolf Serkin aufgenommen haben (je um die 20)

    - fast alle, die Richter aufgenommen hat (auch knapp 20)

    - alle?, die Edwin Fischer aufgenommen hat (leider nur ca. 8)

    - alle, die Rubinstein aufgenommen hat (auch nur 7 oder 8?)

    - je ein dutzend oder so (jeweils ca. 4 CDs) mit Annie Fischer, Pollini, Kovacevich

    - gut die Hälfte mit Brautigam auf historischem Instrument (5 CDs)

    - zahlreiche einzelne CDs, u.a. die "späten" mit Brendel, Rosen, Levit, Peter Serkin


    Ist für mich genug... ;)

    Habe vor ein paar Wochen Lucchesini und Serkin (letztere nahezu) komplett gehört und ich bin der Musik nicht überdrüssig. Aber weitere Aufnahmen, erst recht Gesamtaufnahmen müssten sehr gute Gründe für sich haben...