Beiträge von Johannes Roehl

    Mendelssohn: "An die Entfernte" op.71 Nr.3 (Text: Lenau)



    Diese Rose pflück ich hier,

    In der fremden [weiten] Ferne;

    Liebes Mädchen, dir, ach dir

    Brächt ich sie so gerne!


    Doch bis ich zu dir mag ziehn,

    Viele weite Meilen,

    Ist die Rose längst dahin,

    Denn die Rosen eilen.


    Nie soll weiter sich ins Land

    Lieb von Liebe wagen,

    als sich blühend in der Hand

    lässt die Rose tragen;


    Oder als die Nachtigall

    Halme bringt zum Neste

    Oder als ihr süßer Schall

    wandert mit dem Weste.

    Beethovens Sonaten sind eine Entfaltung des kreativen Potentials der Sonatenprinzipien, kein "Aufbäumen" dagegen.

    Das "Formsprengen" ist m.E. eine ganz irreführende Metapher (allein schon, weil es nichts Formloses geben kann, höchstens etwas mit einer anderen Form als erwartet ;))

    Jemand, der so eigensinnig und widerborstig war wie Beethoven hätte sich in einer Zeit, in der man durchaus "Fantasien" oder andere losere Formen hätte komponieren können (und das findet man ja auch in Sonatenwerken z.B. Webers, die schwanken, grob gesagt, zwischen "Schema F" und freier Fantasie), nicht lange von kompositorischen Konventionen einengen lassen. (Die außerdem nie so eng waren, wie man von späteren Lehrbuchdarstellungen meinen könnte; schon ein Blick auf die Vielfalt bei Mozart und Haydn belegt das reichhaltig.)

    Beethoven hat im Gegenteil die Formen zwar auch individualisiert, aber insgesamt eher "gefestigt", zu einer kaum je gehörten Stringenz gebracht und diese auch über mehrsätzige Werke einer neuen Einheitlichkeit und Schlüssigkeit ausgedehnt. Das steht so ähnlich schon in ETA Hoffmanns berühmtem Text zu "Beethovens Instrumentalmusik", dann jedenfalls emphatisch bei Autoren wie Tovey und Riezler in den 1920ern.


    Aber die weisen Richter, mit vornehmer Miene um sich schauend, versichern, man könne es ihnen als Männer von großem Verstande und tiefer Einsicht aufs Wort glauben, es fehle dem guten B. nicht im mindesten an einer sehr reichen, lebendigen Phantasie, aber er verstehe sie nicht zu zügeln! Da wäre denn nun von Auswahl und Formung der Gedanken gar nicht die Rede, sondern er werfe nach der sogenannten genialen Methode alles so hin, wie es ihm augenblicklich die im Feuer arbeitende Phantasie eingebe. Wie ist es aber, wenn nur eurem schwachen Blick der innere tiefe Zusammenhang jeder Beethovenschen Komposition entgeht? Wenn es nur an euch liegt, daß ihr des Meisters, dem Geweihten verständliche, Sprache nicht versteht, wenn euch die Pforte des innersten Heiligtums verschlossen blieb? — In Wahrheit, der Meister, an Besonnenheit Haydn und Mozart ganz an die Seite zu stellen, trennt sein Ich von dem Innern Reich der Töne und gebietet darüber als unumschränkter Herr. Ästhetische Meßkünstler haben oft im Shakespeare über gänzlichen Mangel innerer Einheit und inneren Zusammenhanges geklagt, indem dem tieferen Blick ein schöner Baum, Blätter, Blüten und Früchte, aus einem Keim treibend, erwächst; so entfaltet sich auch nur durch ein sehr tiefes Eingehen in Beethovens Instrumentalmusik die hohe Besonnenheit, welche vom wahren Genie unzertrennlich ist und von dem Studium der Kunst genährt wird.

    https://imwerden.de/pdf/hoffma…ens_instrumentalmusik.pdf

    Hör dir mal Leppard oder Savall an. Leppard macht bei der Rejouissance und besonders dem zweiten Menuett der Fireworks mehrere Durchgänge mit abwechselnder/gesteigerter Besetzung und Pauken + weiter Trommel (side drum, militärische Trommel, ich weiß die genaue Bezeichnung nicht). Die Besetzung mag nicht so groß sein wie Berliner Philharmoniker, das tut dem aber keinen Abbruch und lässt die Bläser eher besser zur Geltung kommen. Tempi für mich auch nahezu perfekt, nicht zu hektisch, aber auch nicht langsam.

    Eben. Es ging darum, was man typischerweise kennt oder weiß, nicht was man schätzt oder besonders gerne mag. Wenn jemand Mozart überhaupt nicht einordnen könnte, nicht wüsste, dass er zB die Zauberflöte geschrieben hat, und nicht wenigstens ein paar der bekannteren Stücke auch hörend erkennen würde, wäre er zumindest ein sehr untypischer Klassikhörer, weitgehen unabhängig davon, ob er Mozarts Musik schätzt. Und zu wissen, dass es Tonaufnahmen mit Rachmaninoff als Pianist gibt (ohne sie gehört zu haben), ist sicher ein bißchen spezieller, aber auch noch kein exotisches Spezialwissen. Würde ich als weniger exotisch ansehen als den Namen Pettersson einordnen zu können oder Musik dieses Komponisten gehört zu haben.

    Ich habe das Stück tatsächlich bisher auch noch nie bewusst gehört, jedenfalls anscheinend nicht auf CD (Kann natürlich gut sein, dass ich es vor Jahren mal im Radio gehört habe). Es gibt nicht so wenige Aufnahmen (u.a. schon aus den 1970ern eine historisierende mit Jaap Schröder (harmonia mundi) und später eine mit zwei Mitgliedern des Amadeus Quartetts (bei Chandos)), aber anscheinend sind ein paar davon Opfer der Tatsache, dass die Violinkonzerte + Sinfonia Concertante gut auf 2 CDs passen, geworden und manchmal nicht mit überspielt worden, während es früher häufig die B-Seite für KV 364 war.


    Dass es schwieriger wäre, hierfür zwei Geiger zu finden als für Bachs Doppelkonzert oder die Sinfonia Concertante, leuchtet mir nicht ein. (Und einen guten Solo-Oboisten braucht man zB auch für Haydns Sinfonia Concertante). Ich sehe das Stück nach einem youtube-Durchgang (Perlman/Zukerman) zwar nicht annähernd auf Augenhöhe mit der Geige/Bratsche-Concertante, aber dass es ggü. den Violinkonzerten (oder gar kaum erträglichen Füllern wie Serenata Notturna oder Musikalischer Spaß) so zurückgesetzt scheint, ist sicher nicht gerechtfertigt.

    Zwischen Shostakovich, Sibelius, Pettersson, Mahler, Bruckner - aber auch Musik von Purcell oder Dowland... usw. usw... hat... wie heißt er... Mozart?.. bei mir keinen Platz. Gar nicht. Überhaupt nicht. Spricht mich nicht an. Geht nicht. :P

    Du kennst aber vermutlich den Namen Mozart und weißt ungefähr, wer es war und was er komponiert hat, nehme ich an. Das dürfte bei vielen Höreren und Pettersson anders sein. Das hat mit Vorlieben ja gar nicht viel zu tun. Ich kenne auch praktisch keine der ital. Verismo-Opern, aber ich weiß, dass es eine Oper "Der Bajazzo"/I pagliacci gibt usw. Wobei ich beim Komponisten schon raten müsste, weil ich vergessen habe, ob Mascagni oder Leoncavallo (habe nachgeschaut, der ist es), aber wie lange werde ich mir das merken?

    Ich habe von Kubelik ja nur die Schnipsel gehört; das Hauptproblem ist m.E., dass die Streicher zu dominant sind (an einzelnen Tempi will nicht nicht rumkritteln). Das ist wenige Jahre später bei Leppard schon ganz anders.

    Es ist halt sicher auch ein Unterschied, ob man zweimal im Jahr die Feuerwerksmusik und die Vier Jahreszeiten hört, oder stärkeres Interesse an Barockmusik hat (was zB bei Teleton kaum der Fall ist).

    Nahezu jede HIP-Aufnahme ist fetziger als Kubelik, wenn auch in kleinerer Besetzung. Ebenso m.E. Leppard und Marriner. Etliche ergänzen auch Pauken in der Trompetensuite, aber außer Koopman/Erato weiß ich gerade nicht auswendig, wer sie alles dabei hat und wer nicht.

    Meine erste Empfehlung für die Feuer/Wasser-Kombination auf einer CD: Savall/Concert des Nations. Bleibt dem Bombast nichts schuldig, obwohl die Besetzung nur mittelgroß ist.



    NB: Savall wählt eine unkonventionelle Reihenfolge der Sätze. Ebenso Harnoncourt und Tafelmusik/Lamon, die alles in eine große Suite packen. Harnoncourt hat stellenweise extrem schräg klingende Hörner und ist m.E. eher eine Kuriosität, die derbste und uneleganteste Aufnahme, die ich kenne (ich behalte die mehr, weil eines der Orgelkonzerte mit Tachezi nur da mit drauf ist).

    Tafelmusik ist ebenfalls nicht in der Drei-Suiten-Form angeordnet und eine Top-Empfehlung für klangschönes Musizieren auf histor. Instrumenten, allerdings kombiniert mit der "Il pastor fido"-Suite, was man als Plus sehen mag. Noch interessantere Kopplung, nämlich Telemanns "Hamburger Ebb' und Flut" bietet das Ensemble Zefiro (in zwei Suiten F und D/G, leider ohne Pauken)

    Wer die drei trad. Suiten will: Koopman (mit Pauken). Mir ist die Reihenfolge aber ziemlich egal, sind eh fast alles Ohrwürmer.


    Prä-HIP: Die verstümmelten/verschlimmbesserten Versionen Hartys u.a. lehne ich ab. Daher sind meine Favoriten Leppard, den ich wegen mehr Bombast besonder in der Feuerwerksmusik bevorzuge und Marriner (die ältere Aufnahme um 1970 zuerst bei Argo), der schlanker, "HIP-näher" musizieren lässt.

    Habe seit Silvester mal ein paar Aufnahmen (wieder) gehört (nur die Version mit Streichern und Bläsern):

    Beste HIP-Aufnahme und meine erste Empfehlung für die Feuer/Wasser-Kombination auf einer CD: Savall/Concert des Nations. Bleibt dem Bombast nichts schuldig, obwohl die Besetzung nur mittelgroß ist.



    Beste Aufnahme auf modernen Instrumenten (wobei ich die Feuerwerksmusik hier klar gelungener finde als die Wassermusik, auch in der Kombination für mich aber noch favorisiert ggü. Marriner): Leppard/English Chamber Orchestra (diverse CD-Ausgaben erhältlich)


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    ich habe gerade die hörbeispiele angehört - die muss ich haben :

    Ich habe die zahlreichen Neuaufnahmen nicht verfolgt, aber seinerzeit muss das eine spektakuläre Aufnahme gewesen sein. Die solistische Besetzung lässt die Bläser natürlich ganz anderes hervortreten, die Tempi der schnellen Sätze sind zwar weniger überraschend, aber alle "langsamen", wie die "langsamen" Teile der Ouvertüren oder das "Air" sind erheblich schneller als gewohnt. Ich finde sie faszinierend, selbst wenn ich sie (außer vielleicht in der C-Dur-Suite, bei der ich die minimale Besetzung sehr überzeugend finde) nicht als einzige Aufnahme haben wollte. Von mir jedenfalls auch eine dicke Empfehlung. In der h-moll-Suite bevorzuge ich MAK, die ebenfalls eine solistische Besetzung wählen, aber deutlich ausdrucksstärker als der etwas "trockene" Malloch sind. Für alle zusammen sehr gut, wenn auch für mich etwas hinter MAK und Malloch die Akademie f. Alte Musik Berlin (harmonia mundi). Auch sie wählen (wie MAK) kleine Besetzung für die Flötensuite und mittelgroße für die anderen drei.

    Obwohl ich die Werke (bes. 2+3) natürlich schon seit Jahrzehnten immer wieder mal gehört hatte, war ich nie ein großer Freund, bis ich sie im Sommer mal vergleichend und viel gehört habe. Dabei hat mir auch die ca. 50 Jahre alte noch nicht ganz HIPpe Aufnahme Leppards sehr gut gefallen, mit einigen Abstrichen, bes. in der Flötensuite, die ich inzwischen eigentlich nur noch solistisch hören will.

    Allgemeinplätze wie "die Chuzpe mit der althergebrachte Auffassungen von klassischer Musik zum Wackeln gebracht werden" sollte man endlich mal beerdigen. Das stimmte bei Vivaldi vielleicht vor über 40 Jahren, als Harnoncourt eine der ersten wirklich historisch informierten Aufnahmen gemacht hat, in der man den Hund bellen etc. gehört hat. Schon 10 Jahre später bei Kennedy war es reines Marketinggeschwätz (da der ja eher hinter den durch HIP erreichten Stand zurückfiel).

    Und zu meinen, dass es nochmal 30 später, nach dutzenden weiterer Einspielungen, hier etwas zu "entstauben" gäbe, ist wenig glaubwürdig.


    Zwar kenne ich diese Karajan-Aufnahme nicht, aber im Ggs. zu den üblichen "Fahndungsfotos" hat hier die DGG ausnahmsweise ein brillantes Cover:

    Ich finde das einen sehr interessanten Bericht. Allerdings bin ich auch der Ansicht, dass eine solche einseitige Vereinnahmung einer Oper für eine so konkrete politische Absicht ziemlich daneben ist. Zwar wage ich nicht, die komplexe Gemengelage in der Türkei bzw. Kurdistan abschließend zu beurteilen, aber auch wenn meinem laienhaften Eindruck nach das Anliegen der Veranstalter berechtigt und die weiche Haltung nahezu des gesamten Westens ggü. der gegenwärtigen türkischen Politik beschämend sein mag, finde ich ein solche Vereinnahmung von Beethovens Fidelio extrem unpassend.

    Klar, man wird niemals dasselbe oder ein vergleichbares Publikum erreichen, wenn man ein neues Theaterstück zur Situation der Kurden oder polit. Gefangener in der Türkei anbietet. Da gingen weitgehend nur die hin, die ohnehin schon daran Interesse (und typischerweise auch schon die "richtige" politische Haltung) habe. Aber dennoch halte ich so einen eindeutigen politischen Gebrauch für einen Mißbrauch; einfach weil JEDER derartig eindeutige "Gebrauch" eines Kunstwerks für einen fremden Zweck ein Mißbrauch ist. Das wird nicht dadurch besser, dass die Absicht vielleicht recht eindeutig unterstützenswert ist, weil im vorliegenden Fall halbwegs klar ist, wer "im Recht" ist. (Man überlege sich mal kurz, was los wäre, wenn der aktuell politische Bezug ein stärker kontroverser, etwa Israel-Palästina-Konflikt, gewesen wäre.)

    Also dass man die Quartette Bartoks als recht dornig empfindet, kann ich nachvollziehen. Aber Blaubart ist doch mindestens zur Hälfte noch nahe an Strauss und Debussy, sehr atmosphärisch, m.E. gar kein Vergleich zu der "Härte" der ersten beiden Klavierkonzerte oder Streichquartette, bes. 3+4.

    Meinen "Vorsatz" hatte ich schon im letzten Jahr und habe daher schon vor einiger Zeit begonnen: ca. 100-150 CDs aussortieren, um Platz zu schaffen. Das kann im Einzelfall auch zu Neuanschaffungen führen... Als ich im Sommer unter Bachs Englische Suiten aussortieren wollte, habe ich eine GA aussortiert und noch eine mit Fragezeichen versehen, aber auch eine dazu gekauft...

    Da mit einigen Ausnahmen von Einzelwerken (wie Schuberts Quintett) Beethoven bei mir der Komponist ist, bei dem ich mit Abstand die meisten Aufnahmen habe, sollte es da vermehrt zum Wiederhören, Vergleichen und ggf. Aussortieren kommen.

    Wer keine Lust auf lange sinfon. Dichtungen hat (gleichwohl ist Sommermärchen auch mit dabei), dem kann man das "fantastische Scherzo" sehr empfehlen. In der eher seltenen, aber faszinierenden Gattung des einzelnen Scherzos (Dvorak, Stravinsky und Dukas' Zauberlehrling, viel mehr bekanntes gibt es nicht) ein Höhepunkt.


    In der Tafelmusik Giovannis vor dem zweiten Finale: Außerdem Arien aus den Opern "Cosa rara" (Martin y Soler) und "I due litiganti" (Sarti) Jedesmal kommentiert von Leporello (während er heimlich Essen stibitzt). In einer deutschen Fassung, die ich mal gesehen habe, sagt Leporello beim letzten Zitat "Endlich kommt mal was von Mozart" o.ä. (orig. questa poi la conosco pur troppo).

    Beethovens 9. ist ein recht spezieller Fall. Die Skizzen verraten, dass Beethoven sich große Mühe gab, den Choreinsatz irgendwie zu motivieren. Er hatte zuerst mehrere Textstellen geplant, so sollte der Sänger die Fragmente der vorherigen Sätze "zurückweisen", dann aber die Freudenmelodie begrüßen usw. Die Zurückweisung übernimmt nun das instrumentale Rezitativ von Cello und Bässen, aus dem dann die Freudenmelodie entwickelt wird. Dadurch wird der einzelne Satz (O Freunde, nicht diese Töne...) zwar unlogisch, denn wir haben die angenehmeren und freudenvolleren Töne ja schon vernommen (in instrumentalen Variationen), aber musikalisch ist es schlüssiger.


    Die Melodie für den Chorpart der Chorfantasie hat Beethoven übrigens dem eigenen älteren Lied "Seufzer eines Ungeliebten und Gegenliebe" entnommen:

    ab 2:57

    Das häufigste dürften Bearbeitungen eigener Stücke, also meist etwas mehr als bloß Themenverwendung sein, so etwa Bachs d-moll-Klavierkonzert und die Kantate 146 oder die Orgelbearbeitung von "Wachet auf" und der Kantatensatz aus BWV 146 sein. Bei Händel gibt es zB die "Expansion" eines Flöten- oder Triosonatensatzes in einen Orgelkonzertsatz oder die Transformation eines Chorsatzes in einen Konzertsatz (in einigen der doppelchörigen Konzerte).


    Die Romanze aus Haydns berühmter Militärsinfonie stammt auch aus einem anderen Stück, wurde uminstrumentiert und auch expandiert, so wurde die "militärische" Stelle mit dem Signal und dem Ausbruch in Moll hinzugefügt. Auch für seine Sinfonie Nr. 89 hat er zwei Sätze aus einem älteren Werk verwendet, die aber jeweils mit zusätzlichen Abschnitten aufgewertet wurden, nicht nur instrumentiert. (Die Sätzen stammen alle aus den Notturni und Konzerten für Orgelleier.) #102 hat als Mittelsatz die Bearbeitung eines Klaviertriosatzes.


    Noch häufiger ist Verwendung eigener Themen für Variationen, was ja etwa dem Falle des Prometheus-Themas entspricht. Haydns Kaiserquartett, Schuberts Forellenquintett, "Tod und das Mädchen". Ich bin nicht ganz sicher, aber das Variationenthema in Schuberts 2. Sinf., 2. Satz kommt fast genauso nochmal in einem viel späteren Klavierstück.


    Schumanns Musik ist voll mit Zitaten eigener und fremder Musik.


    Keine Ahnung, ob und wie man das ggü. solchen Fällen wie Prometheus/Eroica abgrenzen kann.

    3/8-Takt und originaler Text "Tönet, ihr Pauken..." gibt doch eigentlich schon ohne viel zusätzliche Theorie einen guten Ansatz. Man spreche sich den Text (egal ob Tönet oder Jauchzet) mal in "normaler" Sprechgeschwindigkeit mit gewissem Aufforderungscharakter vor. Dann höre man mal ein paar instrumentale Menuette oder Passepieds (eher schneller als Menuett). Da kommt man ziemlich schnell an ein sehr zügiges Tempo, in dem die 32tel als Girlanden noch gerade so artikulierbar sind und der tänzerische 3/8-Rhythmus dominiert. Feierlich im üblichen Sinne von "ernst, getragen etc." ist weder der Text noch der musikalische Affekt dieses Anfangs.

    Hervorragende Interpretationen der kleinen g-moll und der "Linzer" in sehr gutem Klang (moderne Instrumente) finden sich passenderweiser auf dieser CD mit dem Bruckner-Orchester Linz. Nicht unähnlich Harnoncourt, aber besserer Klang als dessen alte Concertgebouw-Aufnahmen und nicht so exzentrisch (und "moderner Artikulation" des Seitenthemas in KV 183,i).


    Wolff hat alle "Pariser" für Teldec sowie die 1. (mit Bizet und Profofiev) mit demselben Kammerorchester und später (meinem Eindruck etwas stärker HIP-beeinflusst) 88-92,96,97 und vielleicht noch mehr mit dem RSO Frankfurt aufgenommen. Die "Pariser" sind sehr schöne, brillante Aufnahmen, mir aber bei den "gewichtigeren" (82,83,86) ein bißchen zu kammermusikalisch-spritzig. (Ich habe sie tatsächlich, obwohl sie mir gut gefielen, zugunsten von Marriners aussortiert, der diesen Stil noch besser zu verkörpern schien.)

    Bei Mahler sind die üblichen Orchesterfassungen der Gesellen-, Kindertoten, Rückert- und Wunderhornlieder natürlich alle vom Komponisten selber. Orchestrierungen von fremder Hand gibt es aber von einer Anzahl früher Lieder. Davon sind ca. ein dutzend von und mit Luciano Berio auf einer CD mit Hampson zu finden (auch Andreas Schmidt und Dagmar Peckova haben einige davon aufgenommen) und ein paar einzelne von David und Colin Matthews orchestrierte als Füller bei der 4. Sinfonie mit Gatti und Ruth Ziesak.


    Die Schnipsel der Wanderer-Fantasie-Bearbeitung haben mich zwar relativ positiv überrascht, aber das ist wohl das "pianistischste" und virtuoseste Werk Schuberts, so dass mir die Idee einer Streicherbearbeitung ähnlich grotesk vorkommt, wie wenn man das Streichquintett für zwei Klaviere setzen wollte. (Hat sicher schon jemand gemacht. Oder für Kamm und Singende Säge). Es gibt bekanntlich schon von Liszt einer Bearbeitung der Wandererfantasie als "Klavierkonzert" mit Klavier und Orchester. (Die Erinnerung an die habe ich aber anscheinend erfolgreich verdrängt, wobei dieser Weg aufgrund des konzertant-virtuosen Gestus noch eher nachvollziehbar ist.)


    Das Grand Duo hat zwar auch etliche Passagen mit offensichtlich pianistischen Figuren, aber hier bedaure ich ein wenig, dass die Orchesterfassungen Raritäten geblieben sind. Es gibt noch mehrere andere, die teils den Schubert-Ton besser treffen als Joachim (der das Stück ein wenig "verbrahmst"). Zwar haben Klavierduos das Stück natürlich durchaus auf dem Spielplan (wenn auch wohl nicht so oft wie die f-moll-Fantasie), aber als ein Werk, das deutlich über den frühen Sinfonien steht, wenn m.E. auch nicht ganz den Rang der besten späten Werke Schuberts erreicht, verdiente es einen weit höheren Bekanntheitsgrad, der als "Sinfonie" sicher gegeben wäre. Auf youtube findet man zumindest Teile einer Fassung, die der unlängst verstorbene Raymond Leppard erstellt, anscheinend gibt es aber keine kommerzielle Aufnahme davon.


    Zu Recht im Orkus verblieben ist dagegen seit 80 Jahren Felix Weingartners Orchestrierung von Beethovens op. 106


    Nicht ganz geschmackssicher, aber doch ein Spaß ist Schönbergs Orchesterfassung von Brahms g-moll-Klavierquartett. Auch hörenswert das große Es-Dur-Präludium und Fuge aus Clavierübung III. Überhaupt ist Bachsche Orgelmusik und die Kunst der Fuge das Gebiet, bei dem ich mich am ehesten für Orchestrierungen begeistern kann. (Bei Bilder einer Ausstellung habe ich vor einiger Zeit mir mal Masur mit einer anderen Fassung zugelegt, muss m.E. nicht sein, das Stück gefällt mir immer am besten auf dem Klavier.) Und natürlich das Ricercar à 6 aus dem Musikal. Opfer in der Webern-Orchestrierung.


    Hier fehlt mir Grundwissen. Vielleicht kann mir jemand helfen oder schreiben, wo ich darüber etwas nachlesen kann.

    Wir haben hier Ballett(Tanz), ein Märchen als Handlung und einen Komponisten. Womit arbeitet der Komponist bei komponieren?

    Der Komponist arbeitet normalerweise schon eng mit dem Choreographen zusammen, vermute ich. Die Zusammenarbeit Stravinsky und anderer berühmter Komponisten (sowie anderer Künstler für Ausstattung und Bühnenbild) mit der Truppe Diaghilevs im frühen 20. Jhd. müsste relativ gut dokumentiert sein.

    Da Ballett nicht so mein Ding ist, kann ich Dir leider keine spezifischeren Quellen nennen.


    https://de.wikipedia.org/wiki/Ballets_Russes