Beiträge von Johannes Roehl

    Wenn Du bei 180 EUR nicht mal Einfuhrumsatzsteuer zahlen musstest, hast Du verdammt Glück gehabt. Ich kann zwar meine entsprechenden Bestellungen fast noch abzählen und es ist auch hauptsächlich 10-20 Jahre her, aber die Lage hat sich nicht wesentlich geändert. Wie schon gesagt wurde, legt die Post normalerweise den Betrag vor und kassiert beim Ausliefern. Einmal musste ich dazu aufs Postamt, keine Ahnung, ob das der Bote gemacht hat, weil ich nicht da war, oder weil er keine Lust hatte zu klingeln. Zweimal war es leider vom Absender (obwohl nicht privat) unzureichend deklariert, so dass ich aufs Zollamt musste, was bei mir zwar noch zumutbar war, aber natürlich Zeit kostet und wenn man weit vom nächsten Zollamt wohnt (bei mir war es einmal in einer gut angebundenen Nachbarstadt, einmal in einem Außenbezirk (Hafenbereich) kann es richtig Zeit kosten. Es gibt dann aber wohl auch die Möglichkeit dem Zoll eine Rechnung zu faxen oder so. Klang für mich damals komplizierter und langwieiriger als schnell vorbeizufahren. Auch diese beiden waren noch im Bereich um 100 EUR, also unterhalb der Zollgrenze gewesen.

    Mozart nun ist weder ein Schaffer musikalischer Strukturen noch ein Architekt des Neuen. Immer, wenn ich ihn höre, und da höre ich wirklich gerne auch seine Klavierkonzerte, besonders aber seine Streichquartette und -quintette, zeigt er mir, was hinter aller Musik steckt, mit einer Sparsamkeit und Sicherheit in der Instrumentierung und Konstruktion, die ihn wiederum nun hier einzigartig erscheinen lässt.

    Warum ist Mozart kein "Schaffer musikalischer Strukturen" oder "Architekt des Neuen"? Der zweite Satz widerspricht doch dem ersten, oder? Natürlich ist Mozart beides in hohem Maße.

    Die deutsche Oper geht im wesentlichen auf sein Konto. Ohne die Erhebung des Singspiels zu "gemischten" Stücken mit hohem musikalischem Anspruch und auch, so eigenartig uns das heute vorkommen mag, das Einfließen von Ideen oder Ideologie im Falle der Zauberflöte, wären Fidelio und Freischütz und damit auch letztlich Wagner kaum denkbar gewesen. Die Oper wäre vermutlich weiterhin eine italienische und französischer Domaine geblieben. Und obendrein hat Mozart in der italienischen Oper Meisterwerke geschaffen, die anders als fast alles andere Musiktheater nicht nur seiner Zeit die Zeiten überdauert haben oder erfolgreich wiederentdeckt werden konnten (wie Idomeneo in der eigentlich schon obsoleten Gattung der Opera seria, auch hier ein bißchen mit Bach vergleichbar, der Genres, die zu seiner Zeit schon eher veraltet waren, zu abschließenden Höhepunkten geführt hat).


    Auf dem Gebiet der Instrumentalmusik hat Mozart ebenfalls Außergewöhnliches geleistet; das ist vielleicht unsichtbar geworden, weil wir es für selbstverständlich halten. Ähnlich wie Bach hat er die Gattungen normalerweise nicht erfunden, aber so perfektioniert, dass erst mal wenig nachkommen konnte, sondern die Nachfolger in vieler Hinsicht andere Wege suchten. So hat bei den Klavierkonzerten fast nur Beethoven sich an Mozart orientiert, der Hauptstrang im frühen 19. Jhd. geht in Richtung Virtuosenkonzert (tendenziell selbst bei dem Mozartschüler Hummel), was natürlich auch der raschen Entwicklung in Klavierbau und Spieltechnik zu verdanken war. Nichtsdestoweniger ist der Entwicklungschritt, den das klassische (Klavier)konzert durch Mozart vollzogen hat, so gewaltig, dass man beinahe von einer Neukonzeption sprechen kann. So ähnlich gilt das auch in anderen Gattungen der Instrumentalmusik, besonders denen, die Haydn eher vernachlässigt hat, etwa Violinsonaten oder gemischte Besetzungen (Klavierquartett und quintett, Bläserstücke etc.)

    Ich fand die Klangqualität der Griller-Aufnahmen ordentlich. Aber es fehlt ja das letzte Quartett! Es gab noch eine weitere Einspielung und evtl. noch einzelne LPs, aber die findet man nur mit Mühe oder vielleicht als graue Überspielungen/Downloads.

    Mehrere sehr gute Aufnahmen gibt es von den beiden Klavierquintetten; die hier auf Hyperion hat drei kurze Stücke für SQ als Füller


    Da es in der Antike bekanntlich Komödien gab, ist die Erfindung eines verschollenen zweiten Buches der Poetik über die Komödie (im Buch geht es in einer berühmten Szene über das Lachen, nicht über Lust i.A.) gar nicht so abwegig.


    Das MA war natürlich viel intelligenter und lebendiger als die Klischees uns weismachen wollen. Auch wenn irgendwelche Lehren verworfen wurden, wurden sie vorher normalerweise ausgiebig öffentlich unter Experten ausdiskutiert und nicht einfach nur mit Autorität oder Gewalt zurückgewiesen (offensichtliche Vergleiche zur Gegenwart bleiben als Hausaufgabe für den Leser). Zumindest im Prinzip ist das Vorgehen bei einer scholastischen Quaestio intellektuell weit redlicher als viele spätere Wissensdarstellungen; es werden nämlich immer als erstes übersichtlich die möglichen Einwände genannt und Punkt für Punkt abgehandelt. (Man schaue mal dagegen in einem typischen Philosophen der Neuzeit wie Hume oder so, die tun immer so, als hätten sie allein das Rad gerade neu erfunden und alle anderen seien eh doof. Natürlich ist das in beiden Fällen erstmal nur die rhetorische Präsentation, aber es ist eben auch ein Unterschied, ob der Auftritt bescheiden im vollen Bewusstsein, nur ein kleiner Teil einer mächtigen Tradition zu sein, oder als nassforscher besserwisserischer Bilderstürmer, der meint, Jahrhunderte verstaubten Unwissens hinwegwischen zu können, erfolgt.)

    Fast kein neuerer Historiker hängt mehr Ideen eines scharf abgegrenzten Epochenwechsels Ende des 15. Jhds. an. Selbst wenn ich vor 30 Jahren in der Schule noch eher Epochen gelernt habe, wurde das 13. u. frühe Jhd. (vor der Pest, also einschl. des Zeitpunkts an dem NdR spielt) besonders hervorgehoben (Friedrich II, Hochscholastik, Marco Polo, Dante etc.)


    Das andere Vorbild für WvB ist Roger Bacon, der von William im Buch auch erwähnt und zitiert wird (oder werden ihm dessen Ideen technischen Fortschritts in den Mund gelegt).

    Es gab damals oder etwas später, Ende der 1980er, vermutlich nachdem das Buch durch die Verfilmung einen weiteren Popularitätsschub erhalten hatte, eine Art Kommentarband. Mir begegnete der aber auch erst später bei einem Bekannten, nachdem ich das mit ca. 15 schon einmal nicht ohne Mühe und sicher in Ignoranz zahlreicher Anspielungen und Querverbindungen gelesen hatte. (Die Verfilmung setzt m.E. zu einseitig auf die Schock und Horrorelement und versucht nicht einmal die Vielschichtigkeit des Buches zu erreichen, geschweige denn das Mittelalter anders als abergläubische Horrorzeit darzustellen. Außerdem kann, wie bei "Die unendliche Geschichte" die Verfilmung eines Bucher, das nicht unwesentlich von Büchern handelt, kaum gelingen.)

    Zwar muss ich zugeben, dass ich von Ecos weiteren Büchern nur Foucaults Pendel gelesen, ein anderes (ich glaube das mit dem Schiffbruch) nach recht kurzer Zeit abgebrochen und Baudolino noch ungelesen im Regal habe, aber anhand dieser Eindrücke scheint mir "Der Name der Rose" von den Romanen Ecos mit Abstand das gelungenste Werk. Er kann natürlich seine Bildungshuberei nie lassen, aber hier gelingt eine nahezu bruchlose Einbindung in einen spannenden und atmosphärischen Roman, der eben auch noch ganz gut verständlich ist, wenn man sich bei den Häresien des Mittelalters überhaupt nicht auskennt.

    Die Sprache ist bei Wagner doch "nur" deshalb weniger problematisch, weil wir uns dort dran gewöhnt haben, dass man nichts versteht, während das bei einer Komödie mit relativ viel Dialog schwieriger ist. Andererseits werden zumindest in Deutschland Entführung, Zauberflöte, Freischütz nach wie vor ziemlich häufig gegeben, teilten also nicht das Schicksal des "Wildschütz". Man müsste m.E. auch berücksichtigen, dass es der Opera comique kaum besser ergeht. (Und auch ganz anderen Feldern wie der Grand Opera oder Verismo jenseits der Highlights) Im Ggs. zur dt. Spieloper ist meinem Eindruck nach z.B. Offenbach in Musikwissenschaft und -geschichtschreibung viel kommentiert und höher angesehen, aber das hilft ihm ebensowenig wie Auber, Adam etc. Auch von denen waren ja zumindest einige Hits bis in die 1970er in Übersetzung recht populär.


    Der Artikel geht m.E. zu wenig auf den "demographischen Wandel" ein. Meinem anekdotischen Eindruck nach ist das "middlebrow" Publikum weitgehend weggebrochen oder zum Musical abgewandert. Daraus resultiert ein Bedeutungsverlust der kleineren Bühnen, zumal auch viele der gut situierten mobilen Bildungsbürger entweder komplett oder doch zum Opernbesuch als Bildungstouristen in die Kulturmetropolen abwandern. Somit ergibt sich auch ein Nachfrageproblem, das zu dem Angebotsproblem, nämlich dass viele Regisseure mit den Stücken wenig anfangen können bzw. sie einfach zu bieder finden, hinzutritt.


    Schließlich deckt der Begriff der Spieloper (besonders wenn man die franz. dazu nimmt) ein recht inhomogenes Feld ab. Da kann man weder die Ursachen für die gesunkene Popularität noch die Chancen auf ein Comeback über einen Kamm scheren (harharhar). Den Barbier von Bagdad habe ich vor einigen Jahren in der im Artikel erwähnten Gießener Inszenierung gesehen und das war zwar ziemlich gut gemacht, aber wie ich in einem anderen Thread schon schrieb, wunderte mich mehr, dass das Stück je populär war, als seine gegenwärtige Unpopularität.

    Schubert 3 und 8, sowie einige Liveaufnahmen (zB Brahms 2. und Mozarts 33. und evtl. 36. Das typische Programm Kleibers in seinen letzten Jahren war meiner Erinnerung nach Coriolan-Ouvertüre?, Mozart 33., Brahms 4.)

    Ich kenne den Mitschnitt der Pastorale nicht, aber ich halte alle sinfonischen Studio-Aufnahmen Kleibers (Beethoven 5+7, Schubert 3+8, Brahms 4.) für sehr gut und den Ruf im Großen und Ganzen verdient. Der Mitschnitt der 4. Beethovens (Orfeo) ist eher noch besser (weil es von der Sinfonie nicht so viele so gute Aufnahmen gibt wie von den anderen Stücken, außer Schubert 3.)

    M.E. sind sowohl Musik als auch Stoffe der meisten Operetten zu zeitgebunden. Was völlig o.k. und vielleicht seinerzeit sogar die Stärke der Operetten gewesen ist.

    Aber es passt eben nicht so gut zu dem Status eines erlauchten Klassikers, in dem selbst einige komische Opern ganz gut überleben können. (Das gilt bis in die Antike: Die erhaltenen Tragödien werden noch/wieder gespielt, von den Komödien aber nur sehr wenige, die (pornographisch-skatologischen) Satyrspiele oder irgendwelchen hellenistischen oder römischen Hirtenidylle nie.) Die allermeisten Opern (zumal komische) sind ja ganz genauso verschwunden wie die Operetten, nur liegt es eben noch länger zurück.

    Man kann ja mal vergleichen: Wie viele heitere Sprechtheaterstücke zwischen 1870 und 1940 sind heute noch gängig?

    Ich denke auch, dass man 5, 6 und 7 nach ihrer je eigenen Poetik und Dramaturgie betrachten muss. Die 6. ist diesbezüglich im Ganzen recht einfach einzuordnen, da die Katastrophe des letzten Satzes kaum bestritten ist.

    Die 5. und 7. sind in vieler Hinsicht ähnlich. Beide fünfsätzig mit einem zentralen Scherzo und einem kurzen serenadenhaften langsamen Satz danach, dazu Elemente eines Trauermarschs am Anfang und ein unerwartet heiteres Rondofinale. Aber es gibt natürlich auch Unterschiede.

    Die 5. entspricht noch eher dem per-aspera-ad-astra-Modell, es ist jedoch nicht ohne weiteres klar, wie der Konflikt gelöst, der Zustand von Trauermarsch und gewalttätigem 2. Satz überwunden wird. Irgendwie ist das Scherzo ein Wendepunkt, aber das ist ja auch indirekt; der Versuch eines klassischen Triumphs (mit dem Choral) im zweiten Satz wird abgebrochen. Wenn der Choral dann im Finale wiederkehrt, ist er relativiert durch den ironischen Charakter es Rondos (man nehme die Einleitung mit den witzigen Soli und dem Zitat "Lob des hohen Verstandes" (Kuckuck und Esel).

    Die 7. entspricht dem Modell aber noch weniger. Weder gibt es eine so deutliche Verbindung durch Zitate der vorhergehenden Sätze im Finale, noch eine nachvollziehbare "Erarbeitung" des Triumphs, der aber sehr viel lärmender und weniger ironisch ausfällt, als in der 5. (Wobei der Satz gar nicht viel länger ist, typischerweise ca. 17-18 vs. 15 min; bei Kondrashin unter 16.) Ich kenne mich mit Nietzsches Zarathustra nicht aus, aber meine Analogie wäre ein naturhafter Ablauf im Gegensatz zur heldenhaften Überwindung. Wenn man die Nachtdarstellung ernst nimmt, hat man vier Bilder oder Impressionen unterschiedlicher Nachtaspekte von den Märschen oder einsamen Gebirgslandschaften der ersten beiden Sätze über die Geisterstunde des Scherzo zur sinnlichen Serenade. Und dann folgt eben der helle Tag, einfach so, von Natur aus, ohne dass man sich etwas erarbeiten müsste. Man muss allerdings lange genug durchhalten und die Nacht ertragen, solange sie eben dauert.

    Jeden Tag ringen ein paar hundert oder mehr Leute in Deutschland mit dem Tode. In der Tat sterben je nach Jahreszeit jeden Tag knapp 3000 Leute in Deutschland. Alle Menschen müssen sterben. Die Pietät diesbezüglich betrifft das nähere Umfeld, nicht die anderen 80 Millionen in einem Land. Insbesondere werden normalerweise keine Veranstaltungen in einem anderen Land abgesagt, weil jemand anderswo gestorben ist. Komischerweise soll diese Selbstverständlichkeit seit einigen Monaten nicht mehr gelten. Warum genau, hat noch niemand so richtig erklären können. Entweder waren wir in den vergangenen Jahren unfassbar pietätlos oder wird sind dieses Jahr vor Angst verrückt geworden.

    Diese 10-CD-Boxen mit Francois haben alle den gleichen Inhalt, soviel ich weiß. Die EMI, die ich hatte, sah noch anders aus, braun mit einem kleinen Bild Francois'.


    Ich habe die abgegeben, als ich mir die ganz große der franzöischen EMI mit allen Francois-Aufnahmen gekauft habe. Die kompletten Etüden sind 1958-59 aufgenommen.

    Anders als in den immer wieder neu mit unterschiedlichem Design aufgelegten 10-CD-Boxen sind in der Gesamtbox 14 CDs mit Chopin enthalten, da Francois zB die Walzer, Polonaisen, Konzerte zweimal aufgenommen hatte, einzelne Werke sogar noch häufiger. Ist für die Etüden aber egal, da die komplett nur einmal eingespielt wurden.


    Ebenso sind die Sokolov-Aufnahmen bei op.111, Naive etc. identisch.

    Das ist allerdings

    Das ist allerdings nicht besonders logisch. Vermutlich waren die Kontrollen nie schärfer und das Risiko einer erneuten Entführung o.ä. niedriger als nach dem 11.09. Oder dauerte es länger, bis die Maßnahmen verschärft wurden?


    Ein lokaler Dirigent aus Österreich oder Deutschland wäre ja gar kein Problem. Der könnte ggf. im PKW nach Wien chauffiert werden. The show must go on. Vielen Menschen schadet die Einsamkeit und Trübsinnigkeit vermutlich weit mehr als das Virus.

    Diese Francois-Chopin-Box ist ebenfalls in unterschiedlichen Auflagen erhältlich (meines Wissens alle mit identischem Inhalt, ich hatte eine braune in dem Design mit Ornamenten). Es sind allerdings nicht sämtliche Chopin-Aufnahmen des Pianisten, da er einiges innerhalb relativ kurzer Zeit mehrmals eingespielt hat (in der Gesamtbox sind es 14 CDs und dann noch ein paarmal die b-moll-Sonate live...). Ist aber irrelevant für op.10+25, denn die gibt es nur je einmal komplett (ein paar einzelne aber auch doppelt).


    Die Aufnahme mit Sokolov ist ein Live-Mitschnitt aus den 1980ern (+ b-molll-Sonate). Wie gesagt, war das meine erste dieser Musik vor fast 25 Jahren und bei op.25 gefällt sie mir immer noch am besten. Niemals hat man den Eindruck von Etüden, die erste ist außerordentlich poetisch und die drei letzten spielt er praktisch ohne Pause, was trotz des Tonartenwechsels, so wirkt, als ob der letzte Aufschwung der vorletzten in die letzte Etüde hinenleitet, ein grandioses Finale.

    Und die teils übertriebene Langsamkeit und Detailliertheit, die sich bei dem Pianisten später manchmal zeigt (schon die Préludes sind sehr breit angelegt) fehlt hier.

    Cziffras Etüden gibt es auch in ca. 5 CDs umfassenden Boxen mit Chopin-Werken bei EMI (diverse Ausgaben über die Zeit). Auch eine großartige 4. Ballade (anscheinend hat er nicht alle Balladen eingespielt).

    Mein Favorit für op.25 ist nach wie vor Sokolov, aber das war auch die erste, die ich gehört habe.

    Eine weitere, die mehr auf musikalischen Inhalt als auf Virtuosität setzt, ist Samson Francois', ebenfalls entweder in der Integrale oder in Chopin gewidmeten Boxen.

    Ich habe damals von den Einzel-CDs bei jpc die mit 7 und 10 gekauft; entweder war der Rest dann vergriffen oder ich habe zu lange gezögert, da ich mehr nicht unbedingt nötig fand. Später habe ich aber noch zwei Naxos-CDs mit Kammermusik und einem Cellokammerkonzert gekauft. Müsste das aber alle wiederhören, eine genauere Erinnerung habe ich nicht. Die Quartette und Klavierquintette des namensähnlichen Bloch erreicht Toch m.E. nicht.

    Naja, die BBC macht ja eine Wertung, bei der die 8. und die drei "mittleren" Instrumentalsinfonien hinten landen, d.h. irgendeine Art von Wertung ist hier ohnehin im Spiel.

    Daher meinte ich Wertungen auf einem ähnlichen "populärwissenschaftlichen" Niveau eines besseren Konzertführers, einer Vortragsreihe o.ä. Dass sich Wissenschaftler heute (das war in der anderen Zeiten der MuWi oder Kunstgeschichte durchaus anders) vor allzu offenen Wertungen scheuen, ist klar, daher schrieb ich "Kommentator", um einen weiteren Bereich zu erfassen. Ich habe zB das Buch von Martin Geck zur "deutschen" Musik zwischen Beethoven und Mahler irgendwo im Hinterkopf (der ist ziemlich wertend für einen MuWi Ende des 20. Jhds.)

    Es ist jedenfalls etwas überraschend, wenn mit einem Austausch (3 gegen 5) eine journalistische Wertung nach 60 Jahren "Mahlerboom" mit dem nach verbreiteter Ansicht bornierten und einseitigen Mahlerbild der 50er Jahre beinahe übereinstimmt.

    Ich kann die BBC Reihenfolge schon ganz gut nachvollziehen, die ersten drei Plätze jedenfalls würde ich genauso besetzen:

    Als eine Einzelmeinung kann ich die zwar verstehen, aber besonders wenn es von einer Redaktion stammen sollte, wunderte es mich für 2020 schon. Wenn man die 3. durch die 5. ersetzt, hätte das von 1960, vor dem Mahler-Boom, stammen könnte. Schaut man sich an, welche Sinfonien bis Anfang der 1960er hauptsächlich gespielt und aufgenommen wurden, dominieren 1,2,4,5 und 9. (Walter hat genau diese 5 aufgenommen, bei Klemperer fehlt die erste und die 7. ersetzt quasi die 5., bei Scherchen fehlen 4 und 9 unter den offiziellen Einspielungen, aber die Überschneidungen sind sehr deutlich und ich bin relativ sicher, dass auch die wenigen anderen Mahler-Aufnahmen vor ca. 1960 von diesen 5 Werken dominiert werden.) Zwar habe ich nicht viel zu Mahler gelesen, aber mein Eindruck war schon, dass die drei Instrumentalsinfonien 5-7 zumindest von einigen Kommentatoren deutlich höher eingeschätzt werden.

    Mir scheint relativ offensichtlich, dass zwei sinfonische Werke Mahlers sich erheblich weiter von der Vorgabe einer "Sinfonie" (auch "Programmsinfonien" wie Liszts Faust oder Tschaikowskys "Manfred" eingeschlossen) entfernen, als die anderen 9, nämlich die 8. und das Lied von der Erde, das erste eher eine sinfonische Kantate, das zweite ein sinfonischer Liedzyklus. Wohingegen bei allen anderen Mahlersinfonien die Lieder oder Chorpartien nur einzelne Sätze in einem sonst eindeutig von den üblichen Satzfolgen und -typen instrumentaler Sinfonien (natürlich mit den Freiheiten, die sich schon Beethoven in den späten Quartetten und die Programmmusiker danach in sinfonischen Werken genommen hatten) Kontext sind. Hätte Mahler länger gelebt (oder wäre nicht so abergläubisch bzgl. der 9. Sinfonie gewesen), hätte dLvdE vielleicht die laufende Nummer 9 erhalten usw.

    Die 7. irritiert manchen durch das Finale, andere vielleicht durch den langen und komplexen Kopfsatz (wohl nur mit dem Kopfsatz der 9. vergleichbar) hat halt auch keinen richtigen langsamen Satz, sondern wieder nur drei "Intermezzi", selbst wenn der großartig stimmungsvolle erste Nachtmusik-Satz, für mich eine Art Nachtwanderung als Rückblick in die Wunderhorn-Welt von 1-4, recht lang ist, ist die zweite Nachtmusiik, die eher den langsamen Satz vertritt, recht kurz und "leicht". Es gibt in Mahlers 9 vollendeten Sinfonien eigentlich nur 4 emphatische langsame Sätze, zwei davon sind Finalsätze (in 3 und 9), die anderen in 4 und 6. 1 hat den grotesken Trauermarsch, 2 ein im Vergleich mit dem Rest kurzes Lied, 5 das intermezzohafte Adagietto (der Trauermarsch am Beginn wird nicht so richtig als langsamer Satz wahrgenommen, meine ich) und die 7. nur die zweite Nachtmusik, eine heitere Serenade, noch weniger ein sinfonisches Adagio à la Bruckner wie das Adagietto.

    Anton Reiser habe ich vor über 20 Jahren Ende der 1990er Jahre mit damals Mitte/Ende 20 mal angefangen, bin aber irgendwo stecken geblieben. Es war angeblich eines der Lieblingsbücher Beethovens, der seine schwierige Kindheit und Jugend wohl in Moritz'/Anton Reisers Erinnerungen wiederfand. So bin ich damals auf das Buch aufmerksam geworden.

    Es ist schwer zu verallgemeinern. Nicht jedes etwas ältere Buch, das noch in Erinnerung oder im Druck befindlich ist, wird gleich zum Klassiker. Da Krimis schon genannt wurden, ich finde solche Literatur auf mittlerem Niveau oft zeitgeschichtlich sehr interessant. V.a. wenn es keine rein konstruierten Whodunnits im Herrenhaus sind. Rex Stouts Nero Wolfe und Archie sind zwar auch häufiger in der Schicht der Industriellen/Schauspieler/Künstler/Stinkreichen Müßiggänger unterwegs, aber dennoch sehr interessant als Einblick in die 1940er/50er (ein paar sind noch aus den 1930ern) in den USA. Gerade lese ich den ersten Charlie Chan (vor Jahren schonmal auf deutsch gelesen), Hawaii Mitte der 1920er. Eine andere Welt, fast 100 Jahre her, als man noch knapp zwei Wochen mit dem Dampfer von San Francisco (der dann ggf. bis nach China weiter fuhr) unterwegs war.

    Ich habe mehrere 9. auf einer CD (Gielen, Bernstein mit ~79 min). Vermutlich ist die langsamste 9. sogar länger als die schnellste 3. Eine typische 9. ist 10-15 min kürzer (ca. 85 vs. 95-100 min, bei Levine 91 vs. 103 min). Es gibt bei so langen Stücken natürlich eine starke Streuung unter den Interpretationen (ähnlich bei der 6. von unter 70min bis über 80 usw.), aber typischerweise liegen 6-9 alle um 80 min, ebenso die 2. und 8., die 5. um 70. 1 und 4 sind unter einer Stunde und die 3. ist deutlich länger als der Mittelwert von 6-9

    Es geht aber ja nicht nur um die absolute Länge (auch wenn die natürlich die Konzentrationsfähigkeit auf die Probe stellt). Wie ich schrieb, stört mich bei der 3. und teils auch bei 2 und 4, dass intermezzo-artige Sätze über Gebühr gedehnt werden. "Das himmlische Leben" ist etwa doppelt so lang wie ein typisches Lied aus der Wunderhornsammlung. "O Mensch gib acht" noch länger (Bei "Urlicht" hat Mahler dagegen die Dimensionen gewahrt). Ähnlich haben die ausgedehnten Scherzo-Sätze der 5. und 9. für mich genügend Substanz für 15-18 min, das Kuckuck+Posthorn-Scherzo aus der 3. eher nicht. Auch diese relativen Längen sind selbstverständlich nur eine Dimension der Bewertung.

    Weiter oben mein Beitrag stammte noch aus der Zeit, als ich die 3. eher gering schätzte, ich habe da erst jetzt wieder drauf geschaut, daher interessant, dass der Rest relativ ähnlich ausgefallen ist.

    Die BBC findet ernsthaft 1-4 alle besser als 5-7?!?!?


    9

    6

    5

    7, 3

    4, 1, 2


    Ich tue mich etwas schwer; 7 und 3 sind sehr in meiner Achtung gestiegen, aber die 3. ist mir immer noch viel zu lang. Bei den Ecksätzen kann ich es noch verstehen, dass die so lang sind, aber die beiden scherzoartigen Sätze und das Mitternachtslied... 15 min Scherzo, 11 min Lied-Intermezzo. Bei der 7. schätze ich Sätze 1-3 sehr hoch, das Finale stört mich zwar nicht so wie viele Hörer, aber es fällt schon ein bißchen ab. Bei der 4. kann man eigentlich nicht meckern, das war früher vielleicht sogar mal mein Favorit; inzwischen meine ich, dass dieser Ton besser in einigen der einzelnen Lieder getroffen ist, aber über eine ganze Sinfonie von gut 50 min hinweg (ungeachtet des großartigen langsamen Satzes) etwas auf die Nerven geht. 1 und 2 sind tolle Stücke, aber für mich die inhomogensten von allen. Beide Finali finde ich überehrgeizig, viel zu lang und aufgesetzt bombastisch. Bei der 1. kann ich es zur Not weglassen:untertauch: bei der 2. schlecht, denn den Auferstehen-Chor will ich schon wieder hören. Nur die 20 min. Marsch mit Fernorchester vorher eher nicht.:untertauch:


    8 kenne ich zu schlecht, ebenso 10. Das Lied von der Erde würde ich ziemlich weit oben einordnen, wobei es m.E. ungeachtet Mahlers Bezeichnung nur im letzten Satz wirklich sinfonische Dimensionen hat. Ich sehe das als einzigartiges Werk.


    Aus der Aufnahmenliste der BBC habe ich drei: Kubeliks 1. kommt bei mir auch auf Platz 1 (zusammen mit Walter/Columbia), Gielen 5 werde ich demnächst nochmal hören, fand die eher enttäuschend (die Stärken von Gielens Zyklus sind eher 7, 3 , 9, 6 und 1, evtl. auch 8, aber die kenne ich halt zu schlecht), Bernstein 7 habe ich in einer Box, aber auch erst ein- oder zweimal gehört.

    :thumbup:Das freut mich, lieber Axel - es ist ja auch besonders schön, wenn man solche Aufnahmen, die einen großen Erinnerungswert haben, endlich wieder bekommt!


    Ich hätte gerne das Konzert Nr. 2 mit dem jungen Ashkenazy, meine erste Aufnahme auf LP, sie ist auf CD einzeln aber einfach nicht zu kriegen. So sah die LP aus:


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    Ich habe die schon lange auf CD (+ ein Mozartkonzert). Ist auch nicht selten und gebraucht nicht zu teuerASIN B0000042DY

    Es gibt auch noch eine Philips "Duo" Ausgabe für Arrau/Inbal. Ich habe die kleineren Werke in der Universal-Jubiläumsbox von 2010.


    Von den Konzerten gibt es wie oben schon gesagt, unübersehbar viele Aufnahmen. Ich habe sicher kaum mehr als zwei oder drei bewusst gekauft und dennoch in den entsprechenden Sammelboxen Rubinstein, Francois, Cziffra, Zimerman... das würde mir längst reichen. An einzelnen CDs würde ich für das e-moll Argerich/Abbado und für das f-moll den jungen Pogorelich hervorheben.

    Arrau ist einer der wenigen berühmten Pianisten, der auch alle der kleineren Werke Chopins für Klavier und Orchester eingespielt hat (ich weiß spontan keinen anderen, evtl. jemand wie Ohlsson oder Harasiewicz?) Sie sind zwar eher Nebenwerke, aber immerhin haben die Mozart-Variationen op.2 seinerzeit Schumanns überaus enthusiastische Rezension, "Hut ab, ihr Herren, ein Genie!" ausgelöst.

    Weitgehend wertfrei gilt m.E. hier ein schlichtes "Gesetz", dem Nassim Taleb einen lustigen Namen, den ich vergessen habe, gegeben hat. Je länger irgendeine Institution (im weiten Sinne, ein Ausgangsbeispiel war, glaube ich, eine Kneipe oder Café in NYC) besteht, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass es weiter besteht. Das ist keine naive Induktion/Extrapolation, denn es geht um soziale Prozesse und das lange Bestehen ist eben ein Beleg für die Stabilität auch unter widrigen Umständen.

    Die ältesten nichtreligiösen "Klassiker" im "Westen" sind Homers Epen, mehr als 2700 Jahre alt und davon mehr als 2300 Jahre lang praktisch durchgehend Klassiker gewesen, d.h. bekannt, geschätzt, im Unterricht verwendet, ggf. in Übersetzung oder Nacherzählung.


    Diese wirklich alten Sachen sind natürlich auch nicht ganz "zeitlos", aber vielleicht doch so allgemein oder archetypisch, dass das eben auch ein Element ihrer Langlebigkeit ist.

    Nun ist ein Klassikerstatus (oder Potential dafür) nicht das einzige Kriterium. Es mag ein Kunstwerk so gut den Nerv einer Zeit treffen, dass es für eine bestimmte Zeit hoch geschätzt wird und relevant ist, aber sehr schnell veraltet.


    Als ich in der 11. Klasse war (Ende der 1980er Jahre, Westdeutschland) stand im Fach Deutsch Goethes Werther (1774) sowie Plenzdorfs "Neue Leiden des jungen W." (ca. 1972, die Prosafassung) auf dem Programm. Nun würde ich Goethes Werther als eher zeitgebundenes Stück sehen und keines der beiden Werke hat mich mit 16-17 allzu sehr begeistert. Und es war ja auch didaktisch sehr naheliegend, diese Stücke nebeneinander oder gegenüber zu stellen. Aber der Plenzdorf war in weniger als 20 Jahren dermaßen "gealtert", dazu kam der kulturelle Unterschied zwischen einem bockigen Schlosserlehrling? in der DDR und westdeutschen Gymnasiasten, die eher Popper oder Möchtegernyuppies (selbst wenn das auf mich selber nie zutraf) waren. Der Klassiker war, ungeachtet der historischen Ferne, dermaßen klar überlegen, dass einem Plenzdorf fast leid tun konnte.

    Die Ravel-Aufnahmen Simons bei Vox haben einen ziemlich guten Ruf, aber das ist halt auch sehr gut und breit von vielen anderen Pianisten abgedecktes Repertoire und heutzutage sind CDs ja so günstig, dass dieses Argument für Vox auch nicht mehr so relevant ist.


    Fleisher ist auch als Füller bei den Brahms-Klavierkonzerten mit Szell dabei, vermutlich die verbreitetste CD-Ausgabe. (Findbar, verlinke ich jetzt nicht.)

    Abbey Simon (kenne aber auch nur den Namen, keine Aufnahmen)


    https://en.wikipedia.org/wiki/Abbey_Simon


    Die Arrau-Studioaufnahme ist und war schon lange sehr schwer zu kriegen, daher habe ich seinerzeit zu der Ermitage-CD mit einem klanglich akzeptablen Live-Mitschnitt gegriffen. Ich habe von allen Variationswerken vermutlich nach den Diabelli- und Goldbergvariationen am meisten Aufnahmen der Händel-Variationen. Muss zugeben, dass die drei "kleineren" Variationen von Brahms (op.9 +21) bei mir ein Schattendasein führen (d.h. ich kenne sie kaum) und dass ich die berühmten Paganini-Variationen nicht besonders mag. Nix gegen Showpieces, aber das konnte Liszt besser ;)


    Kempff 1957 (Decca oder DG? habe das in der Reihe "Kaisers Pianisten")

    Fleisher (Sony/CBS)

    Katchen 2x (Decca) - hier muss man m.E. die jeweils andere nicht haben, die Unterschiede sind marginal.

    Arrau live in Lugano 1963

    Gelber (1992, Pianoclassics, ursprgl. Denon)

    Rudy (EMI 1993)