Beiträge von Johannes Roehl

    Es geht mir mehr darum, dass ich den "Geheimtip"-Status einiger Kegel-Aufnahmen (einschl. Beethovensinfonien) nicht nachvollziehen kann (anders als zB beim Brahms Requiem oer Mahler 4).

    Wie ich vermutlich auch schon mal schrieb, war das auch für mich der erste auf CD und im wesentlichen meine erste Begegnung (ich hatte die teils vorher mal bei einem Freund oder im Radio gehört) mit 1,2,4,7,8. Sie sind nicht schlecht, für ca. 1982 auch nicht altmodisch, aber angesichts der Überfülle von herausragenden Aufnahmen dieses Repertoires aber nicht besonders hervorhebenswert. Damals, Mitte/Ende der 1980er, war es halt der günstigste "volldigitale" und vermutlich überhaupt einer der günstigsten auf CD (meiner Erinnerung nach ~50-70 DM für 5 CDs, während eine einzelne Vollpreis-CD 30-35, eine "günstige" 18-22 DM gekostet hat, d.h. DM 100 wäre noch recht preiswert für alle Beethovensinfonien gewesen, Karajans digitale "Sonnen" wäre Richtung 150-180 DM gegangen).

    Nie so recht nachvollziehen konnte ich den Ruf der Studio Beethovensinfonien, wiewohl ich sie oben anscheinend mindestens solide fand. Ebenso Mahler 1; die 4. Ist dagegen sehr gut.

    Meine stärkste Empfehlung gilt Kegels Hindemith, 3 oder 4 CD. Auch klanglich spitze. Ebenso die schon genannte Blacher CD. Und eine totale Überraschung: als ich vor gut einem Jahr mal ein gutes halbes Dutzend Aufnahmen von Bartok Divertimento verglichen habe, hat mich seine Aufnahme in der oben gezeigten schwarzen Box sehr beeindruckt. Das meiste andere daraus wie Britten u. Schönberg kenne ich zu schlecht und die Ausstattung ist minimal, aber lohnend.

    Die Nummerierung nach Hoboken ist nach wie vor die verbindliche. Natürlich kann man auf CD Stücke anordnen wie man will und manchmal bringt man nur so alles auf 2 CD unter. Das ist hier aber nicht der Fall. Die von mir genannte wird auch von Georg Feder in seinem Buch verwendet. Offensichtlich weichen G-Dur und D-Dur in Satzfolge und weiteren Details ab, daher verständlich, dass man die auseinander stellt. Aber es sind ja eh alles eigenständige Stücke, die Reihenfolge in der Sammlung hat kaum eine Bedeutung.

    Ich finde das eher eine Unsitte. Bei einzeln veröffentlichten CDs noch halbwegs verständlich. Das ABQ hat zb die 3 mit Namen aus Op. 76 auf einer.

    Seltsamerweise haben das Auryn und das Apponyi Quartett beide 5 2 1 3 6 4, vermutlich ist das eine philologisch eruierte Reihenfolge. Jedenfalls komisch, dass die Londoner wieder eine andere haben. An der spieldauer kann es bei diesen kurzen Werken kaum liegen.

    Die einzige Aufnahme mit Auf Wiedersehen, von der ich weiß, ist die unter Scherchen. Ebenfalls schon frühes Stereo und auf LP Westminster zusammen mit nr. 100. Auf CD evtl. Nur in einer DG Box.

    Lange vorher habe ich mal im hr einen Kommentar gehört, der ungeachtet der Anekdote dieses Ende als ein Einkochen, eine Reduktion der Musik beschrieben hat. Was mir durchaus einleuchtet.

    Ich würde auch niemandem teure auslandsbestellungen o.ä. naheliegend, um die willcocks-Aufnahmen zu erhalten. Ähnlich wie ich christophers als solide aber selten überragende 1980er HIP einordnen würde, so entspricht Willcocks halt dem englischen Stil etwa 20 Jahre früher. Es ist vermutlich bezeichnend, dass Layton nicht fertig geworden ist. Es gibt noch einige einzelne, aber soweit ich mich erinnere wurden die wie Layton selten als klar besser gegen christophers eingestuft.

    Wie gesagt, für mich vgl. Mit den weniger interessanten coronation Anthems eine enttäuschende Diskographie.

    Danke für die details; die CDs sind oben teilweise verlinkt. Es gab den Rest anscheinend auch nicht mit einem anderen college choir oder Ensemble aus England. Wenn ich bedenke, was in den letzten jahrzehnten alles an Werken ausgegraben und aufgenommen worden ist, finde ich überraschend, dass in den 30 Jahren seit Christophers nur wenige vereinzelte aufnahmen dieser Anthems dazugekommen sind. Ob sie besser als die Coronation anthems sind,sei dahingestellt, sie sind jedenfalls abwechslungsreicher.

    mal wieder diese wunderbaren werke gehört. 3 fehlen noch. Nach discogs Recherchen scheint mir, dass willcocks seinerzeit doch nur die 6, die auch auf CD erschienen, aufgenommen hat. Damit gab es anscheinend nur zwei GA: Rutgers university vanguard und christophers. Letztere ist ordentlich, aber teils sehr zurückhaltend im Ausdruck. Die alte kenne ich nicht,war wohl nie auf CD. Es ist echt bedauerlich, dass diese eingängigen und abwechslungsreichen Werke so vernachlässigt werden.

    Ja, das ist eben nicht der sog. "Entwurf-Katalog", den Haydn zeitnah ab 1764 führte, sondern ein mit dem sehr alten Haydn erstelltes Verzeichnis. Ich weiß nun nicht, was Haydn noch anerkannt hat, das inzwischen als inauthentisch gilt, aber ich vermute, dass op.3 die bekanntesten Werke sind. (In anderen Fällen wie den aus op.1 und 2 ausgesonderten Werken, waren es ja durchaus Werke Haydns, nur eben in von anderer Hand arrangierter/reduzierter Form.)

    Ja, die Sinfonien außer Nr. 2 "Antar" sind keine besonders starken Werke. Du wirst evtl. ggü Sheherazade enttäuscht sein. Die stärksten Werke Rimskys sind allesamt Opern und die Suiten mit Opernauszügen (wie etwa auch der "Hummelflug") sind weit charakteristischer als die "akademischen" Sinfonien 1+3. Also Ouvertüren (die bekanneste ist "Russische Ostern") und Opernsuiten (Zar Saltan, Schneeflöcken, Nacht vor Weihnachten etc.) "Klassiker" in frühem Stereo ist zB Ansermet mit zwei bis drei CDs, unter neueren Aufnahmen gäbe es zB Jurowski/capriccio (davon kenne ich aber nur die untere, nicht die abgebildete).



    ASIN: B000001WUJ

    Irgendwo, entweder in einem Konzertführer oder bei Rosens "Der klassische Stil" las ich mal eine Einschätzung, dass die op.17 weniger innovativ und originell als op.9 seien. Das ist natürlich insofern richtig, dass op.9 ein kompletter Neustart des Quartetts für Haydn war, bei dem weit mehr als bei den Divertimenti opp.1+2 das klassische Quartett schon in allen Zügen vorhanden ist und op.17 im Grunde eine Neuauflage, die gerade in diesen Grundzügen exakt demselben Modell wie op.9 folgt. D.h. alle Weiterentwicklungen beziehen sich auf mehr oder minder subtile Details und bei der Bewertung ist natürlich viel persönliche Präferenz dabei, oder auch ob man eher exzentrische Innovation oder "Konsolidierung" schätzt. (Und ebenso wie op.9 "leiden" sie etwas unter dem überragenden Rang des folgenden op.20.) Selbst wenn es uns aufgrund der vielen noch folgenden Werke so vorkommen mag, sind es natürlich keine frühen Werke im engeren Sinne. Haydn war um die 40 Jahre alt und hatte fast 20 Jahre Erfahrung als Komponist (u.a. hatte er schon über 40 Sinfonien komponiert!).


    Genau wie bei op.9 steht ein Quartett in Moll, vier folgen dem Muster (Allegro) Moderato - Menuett - langsamer Satz - schnelles Finale, eins ersetzt den Kopfsatz durch einen langsamen Variationensatz (und hat quasi zum Ausgleich dafür einen besonders gewichtigen langsamen Satz an dritter Stelle und ein relativ umfangreiches Finale) und eins (beide Male das letzte) beginnt mit einem schnellen 6/8-Satz und ist insgesamt etwas leichteren Charakters. Hier ist allerdings das D-Dur op.17,6 ein erheblich umfangreicheres Werk (mit einem tollen Finale mit "ungarischem" Charakter) als das sehr knappe A-Dur in op.9. Auch sonst sind die meisten Sätze, besonders Finali etwas umfangreicher als in op.9. Die 1. Violine ist nicht mehr so dominant (wobei ich das bei op.9 für ein "feature", keinen "bug" halte), besonders die ersten beiden Quartette in E-Dur und F-Dur ziemlich regulär und "klassisch". Habe die Sammlung allerdings länger nicht gehört, demnächst vielleicht noch ein paar detailliertere Anmerkungen zu einzelnen Werken.

    Dass der Bookletautor den Fall offen darstellt, mag man verstehen, aber er ist es eigentlich nicht mehr. Das einzige, was für eine Autorschaft Haydns spricht, ist, dass er Pleyels Anfrage "abgenickt" hat. Haydn war alt und hatte keine Lust, sich damit zu befassen und sicher kaum noch einen Überblick, was er mehr als vierzig Jahre vorher komponiert hatte. (Er hat ja auch die Bearbeitungen fremder Hand, die in in opp.1 und 2 hineingerieten, nicht moniert.)


    Ansonsten sind die Belege gegen eine Autorschaft Haydns überwältigend (nach Georg Feder, Haydns Streichquartette, München: Beck 1998, S. 17f.)

    - Haydn führte ab ca. 1764 einen "Entwurfkatalog" (EK), also eine interne Liste seiner Kompositionen (vgl. dem berühmten "Verzeichnüss" Mozarts). Dort sind die meisten der (schon vorher entstandenen) Divertimenti op.1+2 angeführt (selbst "op.1 Nr.0", das erst im 20. Jhd. entdeckt wurde und bei Pleyel fehlte) und die Quartette ab op.9. "Op.3" fehlt dagegen.

    - Es gibt keine Quellen vor der Druckausgabe von 1777, alle späteren Abschriften scheinen auf diese zurückzugehen; die sonstigen frühen Raubkopierer haben op.3 anders als viele andere seiner frühen Werke ignoniert (bzw. es lag ihnen eben nicht vor, weil Haydn keine Quelle für die Stücke war). Stilistisch ist op.3 als Werk Haydns aber eigentlich nur zwischen op.2 und 9, also Anfang/Mitte der 1760er denkbar.

    - Haydn hat nichts bei dem Pariser Verleger Bailleux, der "op.3" herausgab, verlegt, der Verleger hat dagegen noch andere unterschobene Haydn-Werke herausgebracht.

    - Hofstetters Name ist noch auf einigen Drucken erkennbar

    - Hofstetter hatte ein weiteres Opus komponiert, das 1772 unter eigenem Namen in Amsterdam, 1774 in London als von Haydn stammend herausgegeben wurde.

    - Das Finale op.3,3 G-Dur ist angeblich an das Finale aus op.9,5 B-Dur sehr eng angelehnt. Das spricht natürlich für eine Entstehung in den 1770ern.

    Das "Serenadenquartett" op.3 Nr.5 war ja viele Jahrzehnte lang eines der berühmtesten Quartette, so dass der titelgebende Satz sogar (zusammen mit dem berühmten Menuett Boccherinis) in dem Film "Ladykillers" als beispielhafte Kammermusik verwendet wurde.

    Gerade dieser Satz liegt nahe an dem enstprechenden aus op.1 Nr. 6 und auch sonst gibt es natürlich Ähnlichkeiten zu Haydns frühen Werken. Auffällig ist allerdings, dass ein dreisätziges Werk (#2) und ein zweisätziges (#4) auftauchen, was es bei Haydns Quartetten sonst nie gibt. Das wäre sehr überraschend, zumal Haydn sowohl in den authentischen Werken aus op.1 und 2 als auch noch stärker in op.9 und 17 sehr eng seinen jeweiligen Mustern mit 5 bzw. 4 Sätzen in den entsprechenden Satztypen und -folgen folgt. Eine Abfolge der Art von Mozarts berühmter A-Dur-Sonate (langsame Variationen - Menuett - schnelles Finale) wie in op.3 Nr.2 gibt es bei Haydn meines Wissens niemals, auch in keinem gemischten Divertimento, Trio oder Klaviersonate. Nun wäre das bei einem so experimentierfreudigen Komponisten wie Haydn noch kein sehr gutes Argument gegen die Autorschaft. Dazu kommt aber die Veröffentlichung erst 1777.

    Haydn hätte vielleicht in den frühen 1760ern so eine Reihe wie op.3 komponieren können, aber nach opp. 9,17,20 wäre für mich ein solcher Rückschritt undenkbar. Und dass Musik 15 Jahre lang in der Schublade oder Esterhazys Musikbibliothek lag, dann aber in Paris gedruckt worden wäre, gab es normalerweise auch nicht.

    Aus zwar nachvollziehbaren, aber nicht zwingenden Gründen wurden in der neueren Haydn-Ausgabe die 10 frühen Divertimenti von den Quartetten ab op.9 abgetrennt herausgegeben. Das scheint aber dazu geführt zu haben, dass etwa das Festetics Quartett oder das New London Haydn Quartet überhaupt erst mit op.9 begonnen haben.


    Die Naxos-Aufnahmen mit dem Kodaly-Quartett bringen die Divertimenti op.2 Nr. 3 und Nr. 5 als Füller für das inzwischen Roman Hofstetter zugeschriebene "op.3".



    Die originalen Versionen dieser Werke waren die Cassationen (oder Divertimenti) für 4 Streicher und 2 Hörner Hob.II: 21 (Es-Dur) und Hob.II:22 (D-Dur), die sich zB auf dieser Aufnahme finden:



    (Das aus op.1 ausgeschiedene Werk war Nr. 5, eine Bearbeitung der Sinfonie "A", die ebenfalls als Sinfonie in Einspielungen vorliegt.)


    Ich schätze für op.1 und 2 (nur die authentischen 10 Werke) sehr die Aufnahmen der Box des Angeles String Quartets, die aber nur in dieser Box erhältlich sind.

    Hier muss ich Hurwitz weitgehend zustimmen, außer dass ich das Jewelcase immer noch für etwas besser als seinen Ruf halte. Man muss dabei auch, was er andeutet, im Blick behalten: In den 1980ern kaufte man die meisten CDs im Geschäft, die meisten CDs waren einzelne, keine Boxen, Mehrfachsets gab es in den dicken 2-4-CD-cases, bei eigener Sorgfalt hielten die Dinger normalerweise. Außerdem waren ja LPs und ihre Papphüllen ähnlich empfindlich bzw. noch empfindlicher. Das waren die Hörer seit langem gewohnt und die meisten behandelten CDs und ihre Verpackungen entsprechend. Allerdings sind CDs und ihre Oberflächen eigentlich recht robust, d.h. sie brauchten nicht die schwebende Halterung des Jewelcases.

    Ich finde das Jewelcase zwar nicht besonders toll. Aber der Artikel ist bzgl. der Nachteile massiv übertrieben. Bzgl. Booklets stimmt es bei zu dicken, ist aber generell kein so großes Problem. Auch, dass CDs zu lose oder zu fest sitzen, ist m.E. relativ selten.

    Zweitens aber stimmt es m.E. schlicht nicht, dass es klar bessere Lösungen gibt. Ästhetisch mögen die meisten anderen Verpackungen ansprechender sein, praktischer sind sie gewiss nicht. Z.B. "buchartige" Verpackungen mit einer Art Pappschuber haben viel mehr das Problem der zu losen oder zu festen (das war bei den braunen "Büchern" der um 2000 erschienenen Rubinstein-Edition so schlimm, dass die CDs beim ERSTEN Herausnehmen schon sichtbar zerkratzten). Losere Einschublösungen bergen die Gefahr, dass CDs sehr leicht herausfallen, was auch kaum wünschenswert ist. Digipaks sind eher weniger stabil und v.a. nicht so leicht ersetzbar. Wenn der zentrale "Stern" bei einem Digipak kaputt ist, ist die CD lose oder muss in ein zusätzliches Case verpackt werden. Booklets sind oft zu lose nur in einem Pappschlitz oder fest eingeklebt, beides oft ähnlich problematisch wie beim Jewelcase. Es gibt wohl noch raffinierte Optionen als diese beiden häufigsten. Davon habe ich aber zu wenige, um sie abschließend beurteilen zu können, sie sind auch sehr selten. CDs sind allerdings stabil genug für dünne Papp/Papierhüllen, aber das funktioniert ja nur bei Mehrfachsets mit zusätzlicher stabiler Kartonhülle, weniger bei Einzel-CDs.

    Der wesentliche Vorteil der Jewelcases ist, dass sie leicht ersetzbar sind (was man als schwachen Trost aufgrund der Zerbrechlichkeit sehen mag) und, dass ein einheitliches Format die Aufbewahrung erleichtert. Besonders die schmalen Doppelcases sind überdies ziemlich platzsparend. Ich bin kein Fan, aber sehe eben auch keine klar bessere Lösung.


    Die schönste Lösung wäre damals m.E. eine Übernahme des 7" Vinyl-"Single"-Formats für die CD gewesen. Denn die hätten noch eine Covergröße mit ansprechender grafischer Gestaltung erlaubt, CDs sind einfach zu klein. Aber das hätte vermutlich zu Verwechslungen geführt und das neue, zuerst sehr teure Medium nicht ausreichend klar abgegrenzt.

    NB Das 'deutsche' System heißt Oehler. (Nicht Deutsch wie das verzeichnis.) Es gibt historisch noch mehr Varianten und seit den letzten jahrzehnten wohl auch Instrumente, die die klanglichen Eigenschaften des deutschen mit den grifftechnischen vorteilen des boehm-Systems verbinden. Da Mundstück, Blatt und Spielweise den Klang eher stärker beeinflussen, bin ich eh etwas skeptisch bzgl. Des Einflusses der Systeme.

    im Grunde bin ich ein Verteidiger des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und Fernsehens, weil die eben trotz aller Bedenken doch noch das bessere Programm bieten im Vergleich zu den Privaten. Unter den privaten Fernsehsendern existiert aus meiner Sicht keiner, der ein auch nur annähernd qualitativ solides Programm böte. Die öffentlich-rechtlichen Anstalten haben immerhin 3sat, Phönix, arte und gewisse Segmente aus ihren Hauptprogrammen, da reicht kein privater Anbieter heran.

    Im Prinzip bin ich auch für Ö-R-Rundfunk, aber was in den letzten Jahrzehnten läuft ist eine Katastrophe und weitestgehend eine Verteidigung von absurden überholten Strukturen aufgrund der Trägheit und Verfilztheit der Institutionen und ihrer Selbstbedienungsmentalität. Mit der Zulassung (und über Kabelverlegung Förderung) des Privatfernsehens (im Rahmen der "geistig-moralischen Wende" hin zu Tutti frutti....) hätte man das System insgesamt überdenken müssen. Sinnvollerweise hätte der ÖR graduell reduziert und auf seine Kernkompetenzen beschränkt werden müssen. Denn die seichte Unterhaltung (daily soaps etc.) wurde nun ja von den Privaten geliefert. Da niemand Macht oder üppige Ruhebezüge (inzwischen wird ein erheblicher Teil der Zwangsgebühr für die Altersversorgungsrückstellungen benötigt) hat man aber im Gegenteil die ÖR massiv aufgebläht und häufig (Quizze, Daily Soaps etc.) Sendungen der Privaten einfach nachgemacht. Was weder mit Bildungsauftrag noch mit Grundversorgung zu tun hat. Im Grunde ist m.E. die gegenwärtige Situation nicht dem Verfassungsauftrag gemäß (von der unsäglichen von Winkeljuristen durchgewinkten Haushaltsabgabe gar nicht zu reden). In der gegenwärtigen Form ist der ÖRRundfunk ein Skandal und gehört reformiert (und zwar mit dem stählernen Besen! oder abgeschafft.

    Nun ist Radio ja relativ billig. Das wäre leicht zu bezahlen, selbst wenn die unnötigen Strukturen etc. im TV massiv abgebaut würden. D.h. am Geld kann es diesmal nicht liegen. Es ist aber wieder, wie schon vor über 20 Jahren bei den Quizzen und Serien eine Anpassung an die Privaten. Häppchen, launig kommentiert, statt seriöser Information und "Volksbildung". Dann kann man es gleich ganz lassen, denn dann reicht klassikradio.


    Nochmal zu den römischen Ziffern bei Regenten. Das mag als kleine Sache scheinen. Aber erstens ist alles, was man nicht mehr lernen/können muss, mindestens zweischneidig. Mehr wissen ist immer erstmal gut, dazu gehören eben auch römische Ziffern, zumal wenn die an tausenden historischer Gebäude, Uhren, in älteren Texten etc. noch zu lesen sind. D.h. jemand, der sie nicht mehr kann, ist dann ggf. erst recht verwirrt, weil es in seinem Unterricht nicht vorkam. Manche solcher Schocks kann man aus didaktischen Gründen nicht ganz vermeiden, wie etwa, dass die meisten Briten nicht das sprechen, was wir als Schulenglisch lernen etc. Aber so einfache Dinge wie röm. Ziffern sind zumutbar. Außerdem macht es Spaß. Ich weiß noch genau, wie ich in der Grundschule vorübergehend mal Daten IMMER so geschrieben habe, u.a. weil MCMLXXXII o.ä. so bombastisch aussah. Ich weiß auch noch, wie in den späten 1990ern diese Art Smarties M&M "inofficial sponsors of the new millenium" auf der Verpackung hatten... Außerdem lernt man die unglaubliche Überlegenheit des Stellensystems ggü. einem archaischen wie den römischen Zahlen zu schätzen.

    V.a. aber vermittelt die Konvention, bei Herrschern diese Ziffern zu verwenden, sehr schnell Information. Beim Überfliegen eines Textes weiß man sofort, dass der Name + röm. Ziffer normalerweise auf einen Herrscher verweist. Name + arabische Ziffer könnte irgendwas sein, vielleicht bezieht sich die Ziffer auf was ganz anderes.

    (Außerdem wird in den letzten Jahrzehnten immer nur gestrichen/Niveau gesenkt. Es ist ja vermutlich nicht so, dass man stattdessen nun ausführlich schon in unteren Klassen Binär- und Hexadezimalsystem lernt, weil das für Informatik wichtig wäre und wir das heute wichtiger fänden als Geschichte... darüber könnte man ja diskutieren.)

    Das 1. Klavierquartett ist ein sehr eingängiges und stimmungsvolles Stück und eines der populärsten Stücke Faurés. Für mich stellenweise eher schon ein bißchen abgenutzt vgl. mit den etwas herberen späteren Werken (zB Quintette, Streichquartett). Überhaupt ist Fauré doch ganz anders als Debussy. Viel "klassizistischer", eher eine etwas "tiefere" Weiterführung von Saint-Saens. Abstrakte, absolute Musik, quasi Spätromantik + Bach, nur viel melodischer, transparenter und eleganter als zB Reger, dafür nicht so emotional. Außer Ravels Trio und Quartett meine liebste französische Kammermusik und besonders die für größere Ensembles gehören m.E. zu den zentralen Werken der Gattungen. (Die Violin- und Cellosonaten habe ich jetzt nicht so präsent.)

    Rostropowitsch/Serkin ist eine ziemlich spät in deren Karriere gemachte Aufnahme. Es ist zwar Jahre her, dass ich die mal gehört habe (besitze sie nicht), aber sie ist eher auf der expressiven Seite. Die Kliegel/Merscher hatte ich, die ist mir irgendwie mal bei einem Umzug oder so abhanden gekommen. Die würde die Kriterien "warm" und nicht übertrieben expressiv jedenfalls erfüllen und hat als Bonus die Cellofassung der G-Dur-Violinsonate. Zu Naxospreisen jedenfalls erwägenswert. Vogler hat anscheinend nur die erste Sonate (mit Schubert Arpeggione gekoppelt); das ist auch eine außerordentlich schön klingende Aufnahme.

    Habe nach Jahren mal wieder dieses Werk (und auch ein wenig das 2. Quartett) gehört. Von vier Aufnahmen ist mein Favorit wenig überraschend das Smetana Quartett (Supraphon 1962, es gibt zahlreiche Aufnahmen des Werkes durch das Ensemble). Ebenfalls sehr gut, aber klangtechnisch eingeschränkt Smetana Quartett live (BBC Legends 1965) und das Janacek Quartett (DG Original masters box 1957 oder so, von denen gibt es sicher auch noch eine neuere Aufnahme).

    Nicht schlecht, aber m.E. etwas übertrieben (drücken zu sehr auf die Emotionen und auch dadurch klanglich und ingesamt nicht so differenziert) das Prazak Quartett (Praga 1999). Das zweite Quartett kenne ich nicht so gut, da funktioniert der Zugang des Prazak etwas besser, aber ich müsste noch die Aufnahme des Skampa Quartetts heranziehen (die ich aber in der originalen Kopplung mit Beethovens op.95, nicht Smetanas "Aus meinem Leben" habe). Mir stehen die drei späten Quartette Dvoraks zwar etwas näher, aber beide von Smetana sind origineller, sehr eigenständig und v.a. das zweite überraschend wenig bekannt. Beide extrem lohnende Werke!

    Das kann man überhaupt nicht vergleichen. Leibowitz war erstens wirklich neu und speziell, zweitens durch Reader's Digest teilweise sogar ziemlich verbreitet, drittens wie gesagt, noch um 1990 legendär und gesucht (weil sich dazwischen sehr wenig getan hatte und die ersten beiden HIP-Zyklen, Goodman und Hogwood konnten da gar nicht mithalten, erst Norrington bot eine Alternative). Über 30 Jahre besonderer Status hat sonst wohl nur Karajan, en Dirigent, der hundertmal so berühmt war wie Leibowitz und tausendmal so aggressiv vermarktet wurde.

    Zinman war für einige Jahre lang Ende der 1990er etwas besonderes, da dort kurz nach? Gardiner (der glaube ich der allererste war) die kritische Del-Mar-Edition (einsch. einiger "Gimmicks") verwendet wurde, ebenso war er einer der ersten mit traditionellem Orchester unter HIP-Einfluss (und rasanten Tempi). Dazu sehr preiswert (das spielte um 2000 tatsächlich noch eine gewisse Rolle) und überall erhältlich (Gielen war etwas früher, aber miserabel vermarktet und sofort wieder verschwunden). D.h. der hatte auch einige Zeit mehrere Alleinstellungsmerkmale, aber der Trend ging fortan eben stark zu diesem Zugang (HIP-beeinflusste moderne Instrumente), so dass das nicht lange währte.

    Ich muss zugeben, dass ich die 9. mit Leibowitz nicht präsent habe. Aber wie ich weiter oben oder in anderen Threads schon mal schrieb, sind fast 60 Jahre sehr viel Zeit. Während noch um 1990 der Zugang Leibowitz' relativ spektakulär anders war als das Übliche (dazu kam die relative Rarität der Platten/CDs und die gute Klangqualität vgl. mit zB Scherchen oder anderen), hat sich das in den letzten 20-25 Jahren erheblich relativiert. Es gibt nun zahlreiche Beethoven-Aufnahmen mit einem grundsätzlich ähnlichen Zugang, nur eben besserem Klang, virtuoseren Orchestern etc. Bei allem Respekt für die Aufnahmen (die ich nach wie vor insgesamt für relevanter halte als die etwa gleichzeitige Karajans, außer bei der 9. :D)) haben sie diesen Sonderstatus heute beim besten Willen nicht mehr, daher würde ich keinen allzu großen finanziellen oder Such-Aufwand treiben, um sie sich zu besorgen.

    bzgl. Haydn: die Verschränkung von Einleitung und Hauptsatz, die sich in seiner Sinfonie 103 findet (und bei beethoven im Trio op.70,2) dürfte hier vorgezeichnet sein. Allerdings ist Mozarts Satz (das allegro Thema und die triolen) evtl. Vom Lerchen-Quartett, nur ohne Lerche, inspiriert. Das es-dur-Quintett kv 614 ist aber vielleicht das haydnschte Werk Mozarts überhaupt. ZWar auch von den Themen (vgl. Op50,3 für den 1. und 64,6 für den letzten satz), mehr aber noch im langsamen Satz und in der derben volkstümlichkeit insgesamt.

    Die 3. und 9. unter Schuricht habe ich schon lange auf CD und immer hoch geschätzt; ich habe inzwischen auch die 5. (Wien live DG) und die 8. (EMI) , aber die habe ich höchstens je einmal gehört und keine Erinnerung dran, weil Bruckner nicht mehr so im Mittelpunkt meines Interesses steht.

    Es gab allerdings in den 1950ern wesentlich mehr "flotte" Bruckner-Dirigenten. Außer Schuricht zB Van Beinum oder Andreae. So langsam wie Celi oder der späte Giulini war damals wohl niemand.

    KV 174 ist ebenfalls ein originäres Streichquintett und die Bearbeitung KV 406 ist immerhin original von Mozart. HIP alle 6 komplett gibt es anscheinend nur Kuijken u.a. (Denon), schwierig zu finden (Japan bzw. dowload).

    Dann noch 515, 516, 593 und 614 mit "Hausmusik" (EMI/Virgin) und 174/406 mit "Les Adieux" (dhm). 515/516 noch ein paar mehr.