Beiträge von Johannes Roehl

    Ich bin tendenziell sehr skeptisch, wenn man Stilbegriffe, die sich ziemlich eng auf eine Kunstsparte beziehen (oder jedenfalls sehr deutlich von ihr geprägt worden sind), auf andere überträgt. (Finde ich zB auch beim Impressionismus problematisch, eigentlich fast überall :D) Jugendstil stammt nun mal zuallererst aus der bildenden Kunst und Dekoration.

    "Rankende Ornamente und glitzernde Arabesken) gibt es halt auch als wesentliche Stilelemente in Rameau-Suiten, in Chopin Nocturnes und in Debussy Preludes. Nun sollen die aber nicht so klingen wie Klimt aussieht, sondern wie entsprechende bildende Kunst ihrer jeweiligen Epoche?!?

    Von "Jugendstil-Musik" würde ich eine Abkehr? oder jedenfalls eine deutliche Differenzierung von der "normalen" Spät/Nachromantik, Expressionismus, Neoklassizismus oder was auch immer man an Kategorien ca. 1890-1920 haben mag. Also eine Dominanz von Stilisierung und Ornamentik gegenüber romantisch-expressionistischem Ausdruck oder "impressionistischer Klangmalerei" (s.o.)

    Bei einigen (oft "kleineren") Stücken mag man das finden; aber dominiert es größere Werke oder gar das gesamte Werk mancher Komponisten?

    Sie haben in den 1990er Jahren relativ viele CDs herausgebracht. Ich besitze ca. 4 CDs mit dem Consort und dann noch zwei mit dem Lautenisten Ron McFarlane und Julianne Baird. Ich habe die früher (~20 Jahre her) häufig gehört, von den Consort-CDs ist "Watkins Ale" (was meine erste Begegnung mit dem Ensemble war) mein Favorit. Ich habe bei Bekannten auch noch mindestens eine oder zwei weitere (u.a. The Art of Bawdy Song mit derben und zotigen Liedern und evtl. eine mit franz. Renaissance/Frühbarock) und das war dann insgesamt doch recht ähnlich, so dass mir weitere nicht nötig schienen. Die Lautenlieder sind auch sehr gut, aber da gibt es natürlich viel Konkurrenz. Meinem Eindruck nach war eine Besonderheit des Baltimore Consorts die Verbindung/Vermischung mit volkstümlicher/traditioneller Musik. Die dritte gezeigte CD ist mit solchen Volksliedern und -balladen, aber solche sind auch auf den anderen dabei.


    Haydn hat sogar eine kleine Kantate (Lines from the battle of the Nile) auf einen Text einer Dame aus der Entourage Lady Hamiltons (Nelsons Geliebter) komponiert, als Nelson und Hamilton ihn besuchten (oder in Wien trafen).


    Noch ein Gedicht hierzu (über die Verliererseite). Das franz. Flaggschiff explodierte, als ein Magazin in Flammen geriet. Aus dem Stumpf ihres Großmastes wurde einige Jahre später angeblich Nelsons Sarg gezimmert. /nauticatrivia


    http://digital.library.upenn.e…ans/works/hf-burning.html

    Ich liebe diese Reihe von Hyperion, eines der genialsten Projekte der letzten Jahrzehnte.

    Mich wundert nur, dass Anton Rubinsteins fünf Klavierkonzerte bis auf eine Ausnahme (Nr. 4 in Vol. 38) bisher ausgespart wurden. Da würden sich die restlichen vier in zwei weiteren Volumes anbieten. Allzu viele gute Aufnahmen derer gibt es nämlich nicht. Besonders Nr. 5 ist wirklich hörenswert.

    Diese CD mit Rubinstein/Scharwenka ist eine der guten Handvoll, die ich aus dieser Reihe habe, und jedenfalls empfehlenswert. Ebenso die etwas weiter oben genannte Medtner Nr.1 + Klavierquintett (wobei ich als Kammermusikfreund letzteres Werk eher mehr schätze).

    Das ist teils aber nur eine anders gewendete Beschreibung derselben Punkte, die Karl und Holger als positiv herausstellen, wie Farbigkeit etc. Und mit "Meisterwerke auf ihre Weise" konzediert das Adorno ja ebenfalls. Es ist vielleicht auch bemerkenswert, dass beide Quartette relativ früh im Schaffen der Komponisten entstanden und Einzelstücke geblieben sind. Die spätere Kammermusik beider scheint mir auch wieder stärker "strukturbetont" und weniger "koloristisch" (wobei es insgesamt halt so wenige Werke sind, dass es schwerfällt, klare Tendenzen auszumachen). Es besteht hier ja auch kein notwendiger Widerspruch. Etwas später hat etwa Bartok eine ganze Reihe von Spiel- und Klangtechniken entweder erst ins Quartett eingeführt oder doch in vorher kaum geahnter Weise verwendet, obwohl man seine Quartette kaum als hauptsächlich koloristisch charakterisieren würde.

    Dass Temperaturschwankungen ein Problem sein können, ist lange bekannt und das sollte man im Auge behalten. Ebenso sind natürlich (selbst)gebrannte CDs nicht so lange haltbar.

    Das Bronzing-Problem betraf hauptsächlich britische und italienische Labels (Hyperion, Nuova Era, Tactus...) und vereinzelt die Deutsche Grammophon. Ist heute natürlich nur noch für den Gebrauchtmarkt relevant.

    Ich habe zahlreiche CDs, die dreißig Jahre alt sind, unter normalen "Wohnzimmerbedingungen" gelagert wurden und einwandfrei spielen.

    Zwar kann ich bei 4-5000 CDs (von denen die meisten natürlich jünger sind, vermutlich im Mittel eher 15 Jahre alt als 30) nicht bei allen sicher sein, aber seit ich Herbst 1988 meine ersten CDs kaufte, habe ich vielleicht ein dutzend von etlichen Tausend erlebt, die unabspielbar oder problematisch wurden.

    Etwa die Hälfte oder mehr war von dem bekannten "bronzing"-Problem betroffen, das nur wenige Presswerke in einem kurzen Zeitraum um 1990 herum betraf. Einige gebraucht gekaufte waren durch schlechte Behandlung so verkratzt, dass manche Geräte damit Probleme hatten (hier also klar unsachgemäße Behandlung) und ähnlich wenige, schätzungsweise maximal 5 wiesen aus nicht nachvollziehbaren Ursachen Abspielprobleme auf. Bisher beträgt meine "Ausfallquote" also etwa ein Promille. Ich rechne nicht damit, dass in den nächsten 10 Jahren, in denen sehr viele meiner CDs den 30. Geburtstag haben werden, hunderte von ihnen unabspielbar werden. Was sollte das für ein Prozess sein, der unsichtbar und allmählich wirkt, >20 Jahre keine Auswirkungen hat und dann zur Unbrauchbarkeit führt? Das müsste mir jemand detailliert physikalisch-technisch begründen und dann auch Daten aus der Praxis bringen.


    Kurz, ich halte das bei normal behandelten gepressten CDs für eine Ente. Die Lebensdauer dürfte eher doppelt so lange betragen

    Ich habe geschätzt >700 Beethoven-CDs [edit: Da habe ich mich verschätzt, es sind über 500, aber in Anthologien und Interpretenboxen dürften wohl nicht mehr als 100 dazu kommen, so dass es sicher nicht über 700, sondern eher um 600 sein dürften], aber diese Bearbeitung immer noch nicht im Regal... Für die Kadenzen gibt es ja zahlreiche Retro-Bearbeitungen, meistens auf der Basis von oder in der Nachfolge Schneiderhans, der das als erster gemacht hat.

    Meinem Eindruck nach war das Mozartjahr 1991 ein wesentlich größeres Medienereignis, bei 2006 bin ich mir nicht sicher. Aber das kann auch täuschen, ich ignoriere heute vielleicht mehr. Und außerdem bestand besonders 1991 vor privatem Internet u. sozialen Medien noch eine ganz andere Medienlandschaft.

    Hab ich ein déja-vu oder ist Terfel das mindestens schonmal passiert, dass er wegen einer Art Sportverletzung nicht auftreten konnte?

    Die Schwanengesang-CD ist übrigens mene einzige CD eines walisischen Labels mit (u.a. auch) walisischem Beitext!


    Außerdem besitze ich noch die Debut-CD? auf DG mit weiteren Schubert-Liedern und die "The vagabond". Letztere wäre meine erste Empfehlung, da er in diesem Repertoire kaum zu übertreffen scheint und die Konkurrenz natürlich längst nicht so groß ist wie bei Schubert (wo er mir aber auch gut gefallen hat).

    Den Nachnamen spricht man übrigens etwa Ter-wel (w nicht als double-u, sondern etwa wie im Deutschen), keinesfalls "Törfl"


    Ich habe das Grieg-Konzert früher auch manchmal als "Schumann-Klon" gesehen, aber das ist ziemlich falsch. Gemeinsam haben sie eigentlich nur den Gestus des Anfangs und des ersten Themas im Kopfsatz. Ein zentrales Merkmal des Schumann-Konzerts, nämlich dass der Kopfsatz "eigentlich" schon ein abgeschlossenes Werk ist, ähnlich wie seine Konzertstücke mit einer Fusion von Einsätzigkeit und Mehrsätzigkeit, fehlt beim Grieg völlig. (Dafür entgeht Grieg auch dem Problem, dass die (bei Schumann nachkomponierten) Sätze zwei und drei etwas abfallen, Im Gegenteil finde ich die eher gelungener, da man von denen nicht so viel erwartet wie bei einem Kopfsatz.)

    Grieg ist im Grunde eine mitreißende Kombination von Ohrwürmern, inklusive der Bombastifizierung eines eigentlich lyrischen Abschnitts am Ende, die ich je nach Stimmung eher widerwärtig finde (so wie die Schmalzstelle in der Rhapsody in Blue), gewürzt mit "nordischer Folklore" (Anfangsthema des Finales). Daher geht es mir wie dem Namensvetter weiter oben. Alle Jubeljahre einmal langt mir.

    Das Grieg-Konzert ist der Kandidat für das Stück in meiner Sammlung, von dem ich noch nie eine Einspielung bewusst gekauft habe, das aber in unzähligen Versionen in Boxen oder als "Beifang" enthalten ist.

    Wenn ich recht sehe, sind allein 4 in der Rubinstein-Box drin... dann einmal Cziffra in Introuvables, Freire/Kempe in einer Dreierbox. Michelangeli in einer Box, Andsnes mit Grieg-Klavierstücken (Doppel-CD) und Fleisher (mit Schumann), letztere ist tatsächlich anscheinend die einzige Einzel-CD mit dem Werk.

    Mendelssohn: "An die Entfernte" op.71 Nr.3 (Text: Lenau)



    Diese Rose pflück ich hier,

    In der fremden [weiten] Ferne;

    Liebes Mädchen, dir, ach dir

    Brächt ich sie so gerne!


    Doch bis ich zu dir mag ziehn,

    Viele weite Meilen,

    Ist die Rose längst dahin,

    Denn die Rosen eilen.


    Nie soll weiter sich ins Land

    Lieb von Liebe wagen,

    als sich blühend in der Hand

    lässt die Rose tragen;


    Oder als die Nachtigall

    Halme bringt zum Neste

    Oder als ihr süßer Schall

    wandert mit dem Weste.

    Beethovens Sonaten sind eine Entfaltung des kreativen Potentials der Sonatenprinzipien, kein "Aufbäumen" dagegen.

    Das "Formsprengen" ist m.E. eine ganz irreführende Metapher (allein schon, weil es nichts Formloses geben kann, höchstens etwas mit einer anderen Form als erwartet ;))

    Jemand, der so eigensinnig und widerborstig war wie Beethoven hätte sich in einer Zeit, in der man durchaus "Fantasien" oder andere losere Formen hätte komponieren können (und das findet man ja auch in Sonatenwerken z.B. Webers, die schwanken, grob gesagt, zwischen "Schema F" und freier Fantasie), nicht lange von kompositorischen Konventionen einengen lassen. (Die außerdem nie so eng waren, wie man von späteren Lehrbuchdarstellungen meinen könnte; schon ein Blick auf die Vielfalt bei Mozart und Haydn belegt das reichhaltig.)

    Beethoven hat im Gegenteil die Formen zwar auch individualisiert, aber insgesamt eher "gefestigt", zu einer kaum je gehörten Stringenz gebracht und diese auch über mehrsätzige Werke einer neuen Einheitlichkeit und Schlüssigkeit ausgedehnt. Das steht so ähnlich schon in ETA Hoffmanns berühmtem Text zu "Beethovens Instrumentalmusik", dann jedenfalls emphatisch bei Autoren wie Tovey und Riezler in den 1920ern.


    Aber die weisen Richter, mit vornehmer Miene um sich schauend, versichern, man könne es ihnen als Männer von großem Verstande und tiefer Einsicht aufs Wort glauben, es fehle dem guten B. nicht im mindesten an einer sehr reichen, lebendigen Phantasie, aber er verstehe sie nicht zu zügeln! Da wäre denn nun von Auswahl und Formung der Gedanken gar nicht die Rede, sondern er werfe nach der sogenannten genialen Methode alles so hin, wie es ihm augenblicklich die im Feuer arbeitende Phantasie eingebe. Wie ist es aber, wenn nur eurem schwachen Blick der innere tiefe Zusammenhang jeder Beethovenschen Komposition entgeht? Wenn es nur an euch liegt, daß ihr des Meisters, dem Geweihten verständliche, Sprache nicht versteht, wenn euch die Pforte des innersten Heiligtums verschlossen blieb? — In Wahrheit, der Meister, an Besonnenheit Haydn und Mozart ganz an die Seite zu stellen, trennt sein Ich von dem Innern Reich der Töne und gebietet darüber als unumschränkter Herr. Ästhetische Meßkünstler haben oft im Shakespeare über gänzlichen Mangel innerer Einheit und inneren Zusammenhanges geklagt, indem dem tieferen Blick ein schöner Baum, Blätter, Blüten und Früchte, aus einem Keim treibend, erwächst; so entfaltet sich auch nur durch ein sehr tiefes Eingehen in Beethovens Instrumentalmusik die hohe Besonnenheit, welche vom wahren Genie unzertrennlich ist und von dem Studium der Kunst genährt wird.

    https://imwerden.de/pdf/hoffma…ens_instrumentalmusik.pdf

    Hör dir mal Leppard oder Savall an. Leppard macht bei der Rejouissance und besonders dem zweiten Menuett der Fireworks mehrere Durchgänge mit abwechselnder/gesteigerter Besetzung und Pauken + weiter Trommel (side drum, militärische Trommel, ich weiß die genaue Bezeichnung nicht). Die Besetzung mag nicht so groß sein wie Berliner Philharmoniker, das tut dem aber keinen Abbruch und lässt die Bläser eher besser zur Geltung kommen. Tempi für mich auch nahezu perfekt, nicht zu hektisch, aber auch nicht langsam.

    Eben. Es ging darum, was man typischerweise kennt oder weiß, nicht was man schätzt oder besonders gerne mag. Wenn jemand Mozart überhaupt nicht einordnen könnte, nicht wüsste, dass er zB die Zauberflöte geschrieben hat, und nicht wenigstens ein paar der bekannteren Stücke auch hörend erkennen würde, wäre er zumindest ein sehr untypischer Klassikhörer, weitgehen unabhängig davon, ob er Mozarts Musik schätzt. Und zu wissen, dass es Tonaufnahmen mit Rachmaninoff als Pianist gibt (ohne sie gehört zu haben), ist sicher ein bißchen spezieller, aber auch noch kein exotisches Spezialwissen. Würde ich als weniger exotisch ansehen als den Namen Pettersson einordnen zu können oder Musik dieses Komponisten gehört zu haben.

    Ich habe das Stück tatsächlich bisher auch noch nie bewusst gehört, jedenfalls anscheinend nicht auf CD (Kann natürlich gut sein, dass ich es vor Jahren mal im Radio gehört habe). Es gibt nicht so wenige Aufnahmen (u.a. schon aus den 1970ern eine historisierende mit Jaap Schröder (harmonia mundi) und später eine mit zwei Mitgliedern des Amadeus Quartetts (bei Chandos)), aber anscheinend sind ein paar davon Opfer der Tatsache, dass die Violinkonzerte + Sinfonia Concertante gut auf 2 CDs passen, geworden und manchmal nicht mit überspielt worden, während es früher häufig die B-Seite für KV 364 war.


    Dass es schwieriger wäre, hierfür zwei Geiger zu finden als für Bachs Doppelkonzert oder die Sinfonia Concertante, leuchtet mir nicht ein. (Und einen guten Solo-Oboisten braucht man zB auch für Haydns Sinfonia Concertante). Ich sehe das Stück nach einem youtube-Durchgang (Perlman/Zukerman) zwar nicht annähernd auf Augenhöhe mit der Geige/Bratsche-Concertante, aber dass es ggü. den Violinkonzerten (oder gar kaum erträglichen Füllern wie Serenata Notturna oder Musikalischer Spaß) so zurückgesetzt scheint, ist sicher nicht gerechtfertigt.

    Zwischen Shostakovich, Sibelius, Pettersson, Mahler, Bruckner - aber auch Musik von Purcell oder Dowland... usw. usw... hat... wie heißt er... Mozart?.. bei mir keinen Platz. Gar nicht. Überhaupt nicht. Spricht mich nicht an. Geht nicht. :P

    Du kennst aber vermutlich den Namen Mozart und weißt ungefähr, wer es war und was er komponiert hat, nehme ich an. Das dürfte bei vielen Höreren und Pettersson anders sein. Das hat mit Vorlieben ja gar nicht viel zu tun. Ich kenne auch praktisch keine der ital. Verismo-Opern, aber ich weiß, dass es eine Oper "Der Bajazzo"/I pagliacci gibt usw. Wobei ich beim Komponisten schon raten müsste, weil ich vergessen habe, ob Mascagni oder Leoncavallo (habe nachgeschaut, der ist es), aber wie lange werde ich mir das merken?

    Ich habe von Kubelik ja nur die Schnipsel gehört; das Hauptproblem ist m.E., dass die Streicher zu dominant sind (an einzelnen Tempi will nicht nicht rumkritteln). Das ist wenige Jahre später bei Leppard schon ganz anders.

    Es ist halt sicher auch ein Unterschied, ob man zweimal im Jahr die Feuerwerksmusik und die Vier Jahreszeiten hört, oder stärkeres Interesse an Barockmusik hat (was zB bei Teleton kaum der Fall ist).

    Nahezu jede HIP-Aufnahme ist fetziger als Kubelik, wenn auch in kleinerer Besetzung. Ebenso m.E. Leppard und Marriner. Etliche ergänzen auch Pauken in der Trompetensuite, aber außer Koopman/Erato weiß ich gerade nicht auswendig, wer sie alles dabei hat und wer nicht.

    Meine erste Empfehlung für die Feuer/Wasser-Kombination auf einer CD: Savall/Concert des Nations. Bleibt dem Bombast nichts schuldig, obwohl die Besetzung nur mittelgroß ist.



    NB: Savall wählt eine unkonventionelle Reihenfolge der Sätze. Ebenso Harnoncourt und Tafelmusik/Lamon, die alles in eine große Suite packen. Harnoncourt hat stellenweise extrem schräg klingende Hörner und ist m.E. eher eine Kuriosität, die derbste und uneleganteste Aufnahme, die ich kenne (ich behalte die mehr, weil eines der Orgelkonzerte mit Tachezi nur da mit drauf ist).

    Tafelmusik ist ebenfalls nicht in der Drei-Suiten-Form angeordnet und eine Top-Empfehlung für klangschönes Musizieren auf histor. Instrumenten, allerdings kombiniert mit der "Il pastor fido"-Suite, was man als Plus sehen mag. Noch interessantere Kopplung, nämlich Telemanns "Hamburger Ebb' und Flut" bietet das Ensemble Zefiro (in zwei Suiten F und D/G, leider ohne Pauken)

    Wer die drei trad. Suiten will: Koopman (mit Pauken). Mir ist die Reihenfolge aber ziemlich egal, sind eh fast alles Ohrwürmer.


    Prä-HIP: Die verstümmelten/verschlimmbesserten Versionen Hartys u.a. lehne ich ab. Daher sind meine Favoriten Leppard, den ich wegen mehr Bombast besonder in der Feuerwerksmusik bevorzuge und Marriner (die ältere Aufnahme um 1970 zuerst bei Argo), der schlanker, "HIP-näher" musizieren lässt.

    Habe seit Silvester mal ein paar Aufnahmen (wieder) gehört (nur die Version mit Streichern und Bläsern):

    Beste HIP-Aufnahme und meine erste Empfehlung für die Feuer/Wasser-Kombination auf einer CD: Savall/Concert des Nations. Bleibt dem Bombast nichts schuldig, obwohl die Besetzung nur mittelgroß ist.



    Beste Aufnahme auf modernen Instrumenten (wobei ich die Feuerwerksmusik hier klar gelungener finde als die Wassermusik, auch in der Kombination für mich aber noch favorisiert ggü. Marriner): Leppard/English Chamber Orchestra (diverse CD-Ausgaben erhältlich)


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    ich habe gerade die hörbeispiele angehört - die muss ich haben :

    Ich habe die zahlreichen Neuaufnahmen nicht verfolgt, aber seinerzeit muss das eine spektakuläre Aufnahme gewesen sein. Die solistische Besetzung lässt die Bläser natürlich ganz anderes hervortreten, die Tempi der schnellen Sätze sind zwar weniger überraschend, aber alle "langsamen", wie die "langsamen" Teile der Ouvertüren oder das "Air" sind erheblich schneller als gewohnt. Ich finde sie faszinierend, selbst wenn ich sie (außer vielleicht in der C-Dur-Suite, bei der ich die minimale Besetzung sehr überzeugend finde) nicht als einzige Aufnahme haben wollte. Von mir jedenfalls auch eine dicke Empfehlung. In der h-moll-Suite bevorzuge ich MAK, die ebenfalls eine solistische Besetzung wählen, aber deutlich ausdrucksstärker als der etwas "trockene" Malloch sind. Für alle zusammen sehr gut, wenn auch für mich etwas hinter MAK und Malloch die Akademie f. Alte Musik Berlin (harmonia mundi). Auch sie wählen (wie MAK) kleine Besetzung für die Flötensuite und mittelgroße für die anderen drei.

    Obwohl ich die Werke (bes. 2+3) natürlich schon seit Jahrzehnten immer wieder mal gehört hatte, war ich nie ein großer Freund, bis ich sie im Sommer mal vergleichend und viel gehört habe. Dabei hat mir auch die ca. 50 Jahre alte noch nicht ganz HIPpe Aufnahme Leppards sehr gut gefallen, mit einigen Abstrichen, bes. in der Flötensuite, die ich inzwischen eigentlich nur noch solistisch hören will.

    Allgemeinplätze wie "die Chuzpe mit der althergebrachte Auffassungen von klassischer Musik zum Wackeln gebracht werden" sollte man endlich mal beerdigen. Das stimmte bei Vivaldi vielleicht vor über 40 Jahren, als Harnoncourt eine der ersten wirklich historisch informierten Aufnahmen gemacht hat, in der man den Hund bellen etc. gehört hat. Schon 10 Jahre später bei Kennedy war es reines Marketinggeschwätz (da der ja eher hinter den durch HIP erreichten Stand zurückfiel).

    Und zu meinen, dass es nochmal 30 später, nach dutzenden weiterer Einspielungen, hier etwas zu "entstauben" gäbe, ist wenig glaubwürdig.


    Zwar kenne ich diese Karajan-Aufnahme nicht, aber im Ggs. zu den üblichen "Fahndungsfotos" hat hier die DGG ausnahmsweise ein brillantes Cover: