Beiträge von Johannes Roehl

    Hier muss ich Hurwitz weitgehend zustimmen, außer dass ich das Jewelcase immer noch für etwas besser als seinen Ruf halte. Man muss dabei auch, was er andeutet, im Blick behalten: In den 1980ern kaufte man die meisten CDs im Geschäft, die meisten CDs waren einzelne, keine Boxen, Mehrfachsets gab es in den dicken 2-4-CD-cases, bei eigener Sorgfalt hielten die Dinger normalerweise. Außerdem waren ja LPs und ihre Papphüllen ähnlich empfindlich bzw. noch empfindlicher. Das waren die Hörer seit langem gewohnt und die meisten behandelten CDs und ihre Verpackungen entsprechend. Allerdings sind CDs und ihre Oberflächen eigentlich recht robust, d.h. sie brauchten nicht die schwebende Halterung des Jewelcases.

    Ich finde das Jewelcase zwar nicht besonders toll. Aber der Artikel ist bzgl. der Nachteile massiv übertrieben. Bzgl. Booklets stimmt es bei zu dicken, ist aber generell kein so großes Problem. Auch, dass CDs zu lose oder zu fest sitzen, ist m.E. relativ selten.

    Zweitens aber stimmt es m.E. schlicht nicht, dass es klar bessere Lösungen gibt. Ästhetisch mögen die meisten anderen Verpackungen ansprechender sein, praktischer sind sie gewiss nicht. Z.B. "buchartige" Verpackungen mit einer Art Pappschuber haben viel mehr das Problem der zu losen oder zu festen (das war bei den braunen "Büchern" der um 2000 erschienenen Rubinstein-Edition so schlimm, dass die CDs beim ERSTEN Herausnehmen schon sichtbar zerkratzten). Losere Einschublösungen bergen die Gefahr, dass CDs sehr leicht herausfallen, was auch kaum wünschenswert ist. Digipaks sind eher weniger stabil und v.a. nicht so leicht ersetzbar. Wenn der zentrale "Stern" bei einem Digipak kaputt ist, ist die CD lose oder muss in ein zusätzliches Case verpackt werden. Booklets sind oft zu lose nur in einem Pappschlitz oder fest eingeklebt, beides oft ähnlich problematisch wie beim Jewelcase. Es gibt wohl noch raffinierte Optionen als diese beiden häufigsten. Davon habe ich aber zu wenige, um sie abschließend beurteilen zu können, sie sind auch sehr selten. CDs sind allerdings stabil genug für dünne Papp/Papierhüllen, aber das funktioniert ja nur bei Mehrfachsets mit zusätzlicher stabiler Kartonhülle, weniger bei Einzel-CDs.

    Der wesentliche Vorteil der Jewelcases ist, dass sie leicht ersetzbar sind (was man als schwachen Trost aufgrund der Zerbrechlichkeit sehen mag) und, dass ein einheitliches Format die Aufbewahrung erleichtert. Besonders die schmalen Doppelcases sind überdies ziemlich platzsparend. Ich bin kein Fan, aber sehe eben auch keine klar bessere Lösung.


    Die schönste Lösung wäre damals m.E. eine Übernahme des 7" Vinyl-"Single"-Formats für die CD gewesen. Denn die hätten noch eine Covergröße mit ansprechender grafischer Gestaltung erlaubt, CDs sind einfach zu klein. Aber das hätte vermutlich zu Verwechslungen geführt und das neue, zuerst sehr teure Medium nicht ausreichend klar abgegrenzt.

    NB Das 'deutsche' System heißt Oehler. (Nicht Deutsch wie das verzeichnis.) Es gibt historisch noch mehr Varianten und seit den letzten jahrzehnten wohl auch Instrumente, die die klanglichen Eigenschaften des deutschen mit den grifftechnischen vorteilen des boehm-Systems verbinden. Da Mundstück, Blatt und Spielweise den Klang eher stärker beeinflussen, bin ich eh etwas skeptisch bzgl. Des Einflusses der Systeme.

    im Grunde bin ich ein Verteidiger des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und Fernsehens, weil die eben trotz aller Bedenken doch noch das bessere Programm bieten im Vergleich zu den Privaten. Unter den privaten Fernsehsendern existiert aus meiner Sicht keiner, der ein auch nur annähernd qualitativ solides Programm böte. Die öffentlich-rechtlichen Anstalten haben immerhin 3sat, Phönix, arte und gewisse Segmente aus ihren Hauptprogrammen, da reicht kein privater Anbieter heran.

    Im Prinzip bin ich auch für Ö-R-Rundfunk, aber was in den letzten Jahrzehnten läuft ist eine Katastrophe und weitestgehend eine Verteidigung von absurden überholten Strukturen aufgrund der Trägheit und Verfilztheit der Institutionen und ihrer Selbstbedienungsmentalität. Mit der Zulassung (und über Kabelverlegung Förderung) des Privatfernsehens (im Rahmen der "geistig-moralischen Wende" hin zu Tutti frutti....) hätte man das System insgesamt überdenken müssen. Sinnvollerweise hätte der ÖR graduell reduziert und auf seine Kernkompetenzen beschränkt werden müssen. Denn die seichte Unterhaltung (daily soaps etc.) wurde nun ja von den Privaten geliefert. Da niemand Macht oder üppige Ruhebezüge (inzwischen wird ein erheblicher Teil der Zwangsgebühr für die Altersversorgungsrückstellungen benötigt) hat man aber im Gegenteil die ÖR massiv aufgebläht und häufig (Quizze, Daily Soaps etc.) Sendungen der Privaten einfach nachgemacht. Was weder mit Bildungsauftrag noch mit Grundversorgung zu tun hat. Im Grunde ist m.E. die gegenwärtige Situation nicht dem Verfassungsauftrag gemäß (von der unsäglichen von Winkeljuristen durchgewinkten Haushaltsabgabe gar nicht zu reden). In der gegenwärtigen Form ist der ÖRRundfunk ein Skandal und gehört reformiert (und zwar mit dem stählernen Besen! oder abgeschafft.

    Nun ist Radio ja relativ billig. Das wäre leicht zu bezahlen, selbst wenn die unnötigen Strukturen etc. im TV massiv abgebaut würden. D.h. am Geld kann es diesmal nicht liegen. Es ist aber wieder, wie schon vor über 20 Jahren bei den Quizzen und Serien eine Anpassung an die Privaten. Häppchen, launig kommentiert, statt seriöser Information und "Volksbildung". Dann kann man es gleich ganz lassen, denn dann reicht klassikradio.


    Nochmal zu den römischen Ziffern bei Regenten. Das mag als kleine Sache scheinen. Aber erstens ist alles, was man nicht mehr lernen/können muss, mindestens zweischneidig. Mehr wissen ist immer erstmal gut, dazu gehören eben auch römische Ziffern, zumal wenn die an tausenden historischer Gebäude, Uhren, in älteren Texten etc. noch zu lesen sind. D.h. jemand, der sie nicht mehr kann, ist dann ggf. erst recht verwirrt, weil es in seinem Unterricht nicht vorkam. Manche solcher Schocks kann man aus didaktischen Gründen nicht ganz vermeiden, wie etwa, dass die meisten Briten nicht das sprechen, was wir als Schulenglisch lernen etc. Aber so einfache Dinge wie röm. Ziffern sind zumutbar. Außerdem macht es Spaß. Ich weiß noch genau, wie ich in der Grundschule vorübergehend mal Daten IMMER so geschrieben habe, u.a. weil MCMLXXXII o.ä. so bombastisch aussah. Ich weiß auch noch, wie in den späten 1990ern diese Art Smarties M&M "inofficial sponsors of the new millenium" auf der Verpackung hatten... Außerdem lernt man die unglaubliche Überlegenheit des Stellensystems ggü. einem archaischen wie den römischen Zahlen zu schätzen.

    V.a. aber vermittelt die Konvention, bei Herrschern diese Ziffern zu verwenden, sehr schnell Information. Beim Überfliegen eines Textes weiß man sofort, dass der Name + röm. Ziffer normalerweise auf einen Herrscher verweist. Name + arabische Ziffer könnte irgendwas sein, vielleicht bezieht sich die Ziffer auf was ganz anderes.

    (Außerdem wird in den letzten Jahrzehnten immer nur gestrichen/Niveau gesenkt. Es ist ja vermutlich nicht so, dass man stattdessen nun ausführlich schon in unteren Klassen Binär- und Hexadezimalsystem lernt, weil das für Informatik wichtig wäre und wir das heute wichtiger fänden als Geschichte... darüber könnte man ja diskutieren.)

    Das 1. Klavierquartett ist ein sehr eingängiges und stimmungsvolles Stück und eines der populärsten Stücke Faurés. Für mich stellenweise eher schon ein bißchen abgenutzt vgl. mit den etwas herberen späteren Werken (zB Quintette, Streichquartett). Überhaupt ist Fauré doch ganz anders als Debussy. Viel "klassizistischer", eher eine etwas "tiefere" Weiterführung von Saint-Saens. Abstrakte, absolute Musik, quasi Spätromantik + Bach, nur viel melodischer, transparenter und eleganter als zB Reger, dafür nicht so emotional. Außer Ravels Trio und Quartett meine liebste französische Kammermusik und besonders die für größere Ensembles gehören m.E. zu den zentralen Werken der Gattungen. (Die Violin- und Cellosonaten habe ich jetzt nicht so präsent.)

    Rostropowitsch/Serkin ist eine ziemlich spät in deren Karriere gemachte Aufnahme. Es ist zwar Jahre her, dass ich die mal gehört habe (besitze sie nicht), aber sie ist eher auf der expressiven Seite. Die Kliegel/Merscher hatte ich, die ist mir irgendwie mal bei einem Umzug oder so abhanden gekommen. Die würde die Kriterien "warm" und nicht übertrieben expressiv jedenfalls erfüllen und hat als Bonus die Cellofassung der G-Dur-Violinsonate. Zu Naxospreisen jedenfalls erwägenswert. Vogler hat anscheinend nur die erste Sonate (mit Schubert Arpeggione gekoppelt); das ist auch eine außerordentlich schön klingende Aufnahme.

    Habe nach Jahren mal wieder dieses Werk (und auch ein wenig das 2. Quartett) gehört. Von vier Aufnahmen ist mein Favorit wenig überraschend das Smetana Quartett (Supraphon 1962, es gibt zahlreiche Aufnahmen des Werkes durch das Ensemble). Ebenfalls sehr gut, aber klangtechnisch eingeschränkt Smetana Quartett live (BBC Legends 1965) und das Janacek Quartett (DG Original masters box 1957 oder so, von denen gibt es sicher auch noch eine neuere Aufnahme).

    Nicht schlecht, aber m.E. etwas übertrieben (drücken zu sehr auf die Emotionen und auch dadurch klanglich und ingesamt nicht so differenziert) das Prazak Quartett (Praga 1999). Das zweite Quartett kenne ich nicht so gut, da funktioniert der Zugang des Prazak etwas besser, aber ich müsste noch die Aufnahme des Skampa Quartetts heranziehen (die ich aber in der originalen Kopplung mit Beethovens op.95, nicht Smetanas "Aus meinem Leben" habe). Mir stehen die drei späten Quartette Dvoraks zwar etwas näher, aber beide von Smetana sind origineller, sehr eigenständig und v.a. das zweite überraschend wenig bekannt. Beide extrem lohnende Werke!

    Das kann man überhaupt nicht vergleichen. Leibowitz war erstens wirklich neu und speziell, zweitens durch Reader's Digest teilweise sogar ziemlich verbreitet, drittens wie gesagt, noch um 1990 legendär und gesucht (weil sich dazwischen sehr wenig getan hatte und die ersten beiden HIP-Zyklen, Goodman und Hogwood konnten da gar nicht mithalten, erst Norrington bot eine Alternative). Über 30 Jahre besonderer Status hat sonst wohl nur Karajan, en Dirigent, der hundertmal so berühmt war wie Leibowitz und tausendmal so aggressiv vermarktet wurde.

    Zinman war für einige Jahre lang Ende der 1990er etwas besonderes, da dort kurz nach? Gardiner (der glaube ich der allererste war) die kritische Del-Mar-Edition (einsch. einiger "Gimmicks") verwendet wurde, ebenso war er einer der ersten mit traditionellem Orchester unter HIP-Einfluss (und rasanten Tempi). Dazu sehr preiswert (das spielte um 2000 tatsächlich noch eine gewisse Rolle) und überall erhältlich (Gielen war etwas früher, aber miserabel vermarktet und sofort wieder verschwunden). D.h. der hatte auch einige Zeit mehrere Alleinstellungsmerkmale, aber der Trend ging fortan eben stark zu diesem Zugang (HIP-beeinflusste moderne Instrumente), so dass das nicht lange währte.

    Ich muss zugeben, dass ich die 9. mit Leibowitz nicht präsent habe. Aber wie ich weiter oben oder in anderen Threads schon mal schrieb, sind fast 60 Jahre sehr viel Zeit. Während noch um 1990 der Zugang Leibowitz' relativ spektakulär anders war als das Übliche (dazu kam die relative Rarität der Platten/CDs und die gute Klangqualität vgl. mit zB Scherchen oder anderen), hat sich das in den letzten 20-25 Jahren erheblich relativiert. Es gibt nun zahlreiche Beethoven-Aufnahmen mit einem grundsätzlich ähnlichen Zugang, nur eben besserem Klang, virtuoseren Orchestern etc. Bei allem Respekt für die Aufnahmen (die ich nach wie vor insgesamt für relevanter halte als die etwa gleichzeitige Karajans, außer bei der 9. :D)) haben sie diesen Sonderstatus heute beim besten Willen nicht mehr, daher würde ich keinen allzu großen finanziellen oder Such-Aufwand treiben, um sie sich zu besorgen.

    bzgl. Haydn: die Verschränkung von Einleitung und Hauptsatz, die sich in seiner Sinfonie 103 findet (und bei beethoven im Trio op.70,2) dürfte hier vorgezeichnet sein. Allerdings ist Mozarts Satz (das allegro Thema und die triolen) evtl. Vom Lerchen-Quartett, nur ohne Lerche, inspiriert. Das es-dur-Quintett kv 614 ist aber vielleicht das haydnschte Werk Mozarts überhaupt. ZWar auch von den Themen (vgl. Op50,3 für den 1. und 64,6 für den letzten satz), mehr aber noch im langsamen Satz und in der derben volkstümlichkeit insgesamt.

    Die 3. und 9. unter Schuricht habe ich schon lange auf CD und immer hoch geschätzt; ich habe inzwischen auch die 5. (Wien live DG) und die 8. (EMI) , aber die habe ich höchstens je einmal gehört und keine Erinnerung dran, weil Bruckner nicht mehr so im Mittelpunkt meines Interesses steht.

    Es gab allerdings in den 1950ern wesentlich mehr "flotte" Bruckner-Dirigenten. Außer Schuricht zB Van Beinum oder Andreae. So langsam wie Celi oder der späte Giulini war damals wohl niemand.

    KV 174 ist ebenfalls ein originäres Streichquintett und die Bearbeitung KV 406 ist immerhin original von Mozart. HIP alle 6 komplett gibt es anscheinend nur Kuijken u.a. (Denon), schwierig zu finden (Japan bzw. dowload).

    Dann noch 515, 516, 593 und 614 mit "Hausmusik" (EMI/Virgin) und 174/406 mit "Les Adieux" (dhm). 515/516 noch ein paar mehr.

    Das Finale der 7. ist ungewöhnlich kurz, aber besser als das der 6. und kurzweiliger als alle anderen. Daher glaube ich nicht, dass es der Beliebtheit Abbruch getan hat. Insgesamt ist die 7. vermutlich die populärste, weil es die lyrischste und melodischste ist. (Wobei lange Zeit die 4. mindestens so beliebt war.) Man hat Bruckner ja nicht nur scherzhaft vorgeworfen, er habe im Grunde 9mal (oder 12mal oder wie oft, wenn man alles mitzählt) dasselbe Schema gefüllt, also sehr ähnliche Sinfonien komponiert. Das stimmt so natürlich nicht, aber einige Merkmale wiederholen sich doch sehr deutlich bei fast allen Sinfonien, während die 6. und 7. eben abweichen. Alle anderen ab der 4. (die 9. mutmaßlich, aber nach den Entwürfen wohl deutlich) versuchen zumindest, im Finale den Höhepunkt zu erreichen. Bei der 4. und 5. (+9.) ist das durch lange und gewichtige Kopfsätze annähernd balanciert, bei der 8. hat Bruckner dagegen einen für seine Verhältnisse recht knappen Kopfsatz geschrieben, den Gesamtablauf aber natürlich noch mehr durch das Vertauschen der Mittelsätze "nach hinten" verlagert.


    Die Kernprobleme solcher Gesamtdramaturgie mehrsätziger Werke sind weder neu noch Bruckner-spezifisch. In der Hochklassik war normalerweise immer der erste Satz der längste und komplexeste; ein langsamer Satz mag mal von der Spieldauer länger sein, aber kaum je vom "Gewicht". Bei Haydn und Mozart, selbst bei Beethovens Eroica mit ihrem erheblich erweiterten Umfang, bilden eher Menuett/Scherzo und Finale zusammen ein "Gegengewicht". Selbst bei der ersten berühmten Sinfonie, die sowohl auf das Finale zuläuft als auch überhaupt eine viel engere Dramaturgie des Gesamtwerks besitzt als vorher, Beethovens 5., ist der Kopfsatz sehr viel dichter (wenn auch knapper) als das Finale. Beethovens 9. ist natürlich ein Sonderfall, aber zB die 7. Beethovens hat zwar eine ausgeglichenere Balance zwischen den Sätzen (also gewichtigeres Scherzo und Finale) als etwa seine 2., aber dennoch trägt auch hier der Kopfsatz das Hauptgewicht. Die "Finalsinfonien" blieben bis Bruckner eher die Ausnahme. Insbesondere liegt bei Schubert, der in vielen Hinsichten ein ähnlich wichtiger Einfluss für Bruckner gewesen sein muss wie Beethoven, auch bei allen reifen Werken das Gewicht ganz klar auf den ersten beiden Sätzen, egal ob C-Dur-Sinfonie, Streichquintett, G-Dur-Quartett, späte Klaviersonaten (mit einem dummen Witz könnte man sagen, dass Schubert in einigen Fällen überhaupt nur die ersten beiden Sätze zu Ende komponiert hat...).

    Bruckners Zeitgenosse Brahms hat nach der belastenden 1. auch keine ausdrückliche "Finalsinfonie" komponiert; die 2. kehrt bewusst zum "klassischen" Finale zurück, die 3. und 4. lassen sich nicht so ohne weiteres einordnen.


    Kurz, mich wundert eher weniger, dass Bruckner mindestens zwei (6+7) Sinfonien komponiert hat, die eher der Schubert 9 (die zwar ein langes, aber kaum besonders gewichtiges Finale hat, der Bruckner-artige Höhepunkt ist hier auch im Kopfsatz, wenn das Hornthema wiederkehrt, ebenfalls übrigens entgegen der Partitur massiv im Tempo verbreitert) als Beethovens 9. mit dem dominierenden Finale folgen.

    Ich schätze die älteren Aufnahmen Kovacevichs sehr; die Klavierkonzerte mit Davis halte ich für den vielleicht besten "mainstream"Zyklus, selbst wenn bei einer individuellen Zusammenstellung ich vielleicht keines davon wählen würde. Auch die Diabellis, Bagatellen, Sonaten aus den 1970ern gefallen mir. Hier hatte ich mir seinerzeit das 6-CD-Set angeschafft, obwohl ich drei davon schon einzeln hatte.

    (Die Bartok-Konzerte wurden neulich in einem internat. Forum angesprochen, daraufhin habe ich meine Aufnahmen angehört und Kovacevich/Davis gefiel mir zwar besser als den dortigen Mitidiskutanten, aber nicht so sehr wie Anda, Pollini, Kocsis.)


    ABER: Von dem neueren EMI-Beethovenzyklus, der schon beim einzelnen Erscheinen einzelne sehr positive Rezensionen hatte, besaß ich drei oder vier einzelne Scheiben, die ich bis auf op.2 wieder verkauft habe. Zwar ist das eigentlich ganz auf meiner Linie (schnell, forsch, dramatisch), aber m.E. teils etwas zuviel des guten, zu einseitig "brutal" und v.a. leider von stellenweise brutalem, hässlichem Klang, gar kein Vergleich zu Philips/1970er analog. Da bei mir bzgl. Beethoven schon recht viel im Regal steht, habe ich daher auch von der später sehr preiswerten Box der EMI-Sonaten Abstand genommen.

    Ich glaube, vor längerer Zeit hat sich Kurzstückmeister schon mal zu dem Buch geäußert (und sich daran gestört, dass Ross eben für die "Nichtavantgarde" trommelt). Ich bin ehrlich gesagt zu träge, inhaltlich offensichtlicher problematische Stellen herauszusuchen.

    Aber das hängt natürlich zusammen. Es ist eben ein auf lockeren Kolumnen basierendes Buch, dass dazu noch eine Art Werbung für Musik des 20. Jhds. beim "Normalo" (zwar eher nicht raphörendem Jugendlichen, aber eben amerikanischen Mittelklasseleser) sein soll, höchstens sekundär musikhistorisches oder -wissenschaftliches. Das ist ja auch völlig o.k. Nur sollte man eben nicht zu viel erwarten. Mir gingen zunehmend mehr seiner blumigen Oberflächlichkeiten (für die die zwei oben zitierten Sätze symptomatisch sind) auf die Nerven, so dass ich nach drei Jahren mit vielen Unterbrechungen immer noch auf S. 472 der dt. Paperbackausgabe stecke und noch nicht durch bin.

    Was ist denn der Materialwert der Mona Lisa oder einer blauen Mauritius? Natürlich ist der Wert des Rohmaterials für den Sammlerwert nahezu irrelevant. Und Briefmarken und Münzen sind ebenso Massenprodukte wie LPs oder CDs.

    Selbst wenn ich nach wie vor normalerweise CDs statt downloads oder streaming höre, messe nur in Ausnahmefällen den konkreten Scheiben einen besonderen sentimentalen Wert bei. Meine erste gekaufte CD (1988) besitze ich zwar noch (Beethovens Klavierkonzerte 3+4 mit Ashkenazy/Solti), aber sie hat keine besonders hohen sentimentalen Wert. (Meine zweite CD waren zwei Beethovensonaten (31/2 u. 106) mit Kempff, die habe ich schon vor vielen Jahren mal aussortiert.) Schallplatten habe ich zwar auch noch erlebt, aber die waren, seit es CDs gab, erst einmal abgemeldet (zumal ich keine selbst gekauft und meine Eltern nicht allzu viele besaßen), dann faszinierten sie mich ca. 2002-06 für ein paar Jahre und ich habe teilweise günstige Pakete gebrauchter auf Ebay gekauft, aber ich war und bin letztlich zu faul dafür, auch noch einen Plattenspieler am Laufen zu halten. Etwa einen Regalmeter LPs habe ich absurderweise aber noch rumstehen...


    Da die Marketplace-Preise Fantasien sind (selbst einmal tatsächlich erzielte Ebay-Preise sind zwar ein Hinweis, aber keine Garantie, dass man das wieder erzielen wird, außer vielleicht bei gesuchten LPs wie Mainardi, Martzy etc., bei CDs ist das), obendrein stark schwanken, weiß ich auch nicht, ob ich (heute auf dem Gebrauchtmarkt) wertvolle CDs besitze. Interessanterweise ist die in meinem 15 Jahre alten Beitrag gezeigte CD mit Bernstein (Missa solemnis) momentan auch nur einmal für 150 EUR am marketplace. Von Beethovens Missa gibt es aber eine andere Ausgabe für einen Zehner, evtl. nicht von der Haydn-Messe. Das erwähnte Fricsay-Set, an dem ich auch immer noch hänge, ist aufgrund von Neuauflagen, Downloads und Boxen natürlich heute keine solche Rarität mehr. Zumindest für einige der CDs versuchen die Anbieter aber relativ hohe Preise zu erzielen.

    Die Orpheus-Box ist insofern interessant, als dass mit wenigen Ausnahmen (v.a. Mozart) wenig davon jemals neu aufgelegt worden, d.h. entweder durchweg Vollpreis und/oder seit 20 eher vergriffen war. Für mich aber nichts, da ich die Haydn-Aufnahmen, die ich wollte, schon länger habe und mich das Repertoire sonst nicht genügend interessiert. Außerdem würde ich die Scheiben, die ich gerne hätte, dann lieber als Originale haben. Selbst wenn ich damals nur eine oder zwei ihrer CDs (u.a. Mozartkonzerte) besaß, sind sie für mich mit meiner frühen Phase des Interesses an Klassik Ende der 1980er Jahre verbunden, als ich als Teenager die DG-Kataloge durchblätterte und die Cover bewunderte, wobei mir klar war, dass ich von den Vollpreis-CDs eh kaum welche kaufen würde...

    Vielleicht sind es keine typisch amerikanischen Klischees. Aber es ist ein Kolumnenstil, der an bestimmte Vorstellungen vermutlich des typischen "New Yorker"-Lesers, oder wo auch immer die Urversion von Ross' Texten erschienen ist, anknüpft.

    Ein Zitat aus der ersten Seite (Vorwort) gibt vielleicht einen Eindruck.

    "In Wien besuchte [Gershwin] Alban Berg, dessen blutgetränkte, dissonante, dunkel-erhabene Oper Wozzeck drei Jahre zuvor in Berlin uraufgeführt worden war. Zur Begrüßung seines amerikanischen Gastes ließ Berg ein Streichquartett seine Lyrische Suite spielen, worin der Wiener Lyrismus so auf die Spitze getrieben wird, dass er wie ein gefährliches Narkotikum wirkt."


    (Manchen würden weniger höfliche Charakterisierungen dieses Stils als "Klischees" einfallen, fürchte ich...)

    Da bedanke ich mich mal herzlich für die bisherigen Empfehlungen !

    Ich habe bisher von A. Ross, The Rest is noise, derzeit ca.80 Seiten gelesen. Bisher geht mir der ansatzweise Plauderstil nicht auf den Keks, ich mag`s wenn es anschaulich zugeht-

    Ich habe den Ross vor gut 3 Jahren zu Weihnachten erhalten und bin immer noch nicht durch. Es ist nicht ununterhaltsam, aber man merkt dem Buch im Verlauf recht deutlich an, dass es auf einzelnen Kolumnen Ross' basiert. Zusammen mit Ross' Präferenzen und einigen Punkten, die man fast nur als amerikanische Klischees über Europa zwischen den späten 19. Jhd. und dem 2. Weltkrieg und besonders auch über die "unpopulär-elitären" Teile der Avantgarde sehen kann, wirkt es daher insgesamt etwas flach. (Wie vor Jahren mal ein erboster Rezensent, evtl. über Illies' "Generation Golf" schrieb "thesen- und theoriefrei"....) Die Theoriearmut und der Anthologiecharakter hat natürlich auch Vorteile. Man kann sich im Grunde rauspicken, was einen interessiert und erhält normalerweise einigermaßen Lesenswertes.

    Sibelius hat halt experimentiert; die ersten beiden Sinfonien sind noch ziemlich spätromantisch, selbst wenn der eigene Stil natürlich erkennbar ist. 3 und 6 sind die "reduziertesten", "kühlsten" der Sinfonien, daher vermutlich die am wenigsten populären. Die 6. hat für mich aber u.a. wg. der modal-archaischen Harmonik eine deutlicher erkennbare eigene Stimmung (die auch einigermaßen zu dem "Klischee des Nordens" passt). Bei der dritten ist halt für mich das Material etwas banal und was er damit anstellt, begeistert mich auch nicht so besonders. (Und meine erste Einspielung war die von Wolfgang Teleton hochgeschätzte mit Ashkenazy, dazu habe ich noch von anderen Kommentatoren geschätzte wie Maazel/Pittsburgh und Kamu (die damals Karajans 4-6 zu einer GA ergänzte), hat aber insgesamt auch nicht zu großer Begeisterung geführt.)

    Wenn alle alles gleich gut fänden, wäre es auch langweilig ;)

    Ich finde es schon nachvollziehbar, dass die dritte wohl seit je eine der am wenigsten beliebten Sinfonien des Komponisten ist, wenn auch etwas überraschend ist, dass sogar große Sibelius-Dirigenten wie Ormandy und Karajan sie "übersprungen" haben. Sie hat weder die noch romantische Eingängigkeit der ersten beiden noch die Ausdruckstärke der 4., den Glanz der 5. oder die spezifische Atmosphäre der 6. oder die formale Originalität der 7. "Geschmeidige klassische Klarheit" suchen die Hörer vielleicht eher weniger bei Sibelius und verglichen mit der neoklassizistischen Brillanz oder sogar Eleganz einiger Stücke Prokofieffs o.a. ungefährer Zeitgenossen wirkt sie auf mich auch etwas "trocken". Zwar bin ich eh nicht der größte Sibelius-Fan, aber bei einem Ranking würde ich sie vermutlich auch ans Ende setzen. Ein interessantes Stück, aber emotional oder anderweitig wirklich begeistern kann es mich auch nicht recht.

    Es gab sie mal sehr kurz (ich habe, glaube ich, mal ein Exemplar auf ebay gesehen), aber nach meinem Kenntnisstand hat Zimerman selbst Neuauflagen verhindert (wie bei einigen anderen um 1980 entstandenen Aufnahmen).


    Für die 3. Sonate besteht kein Mangel an Aufnahmen. Erwähnenswert wären auch noch Gelber, Sokolov, Rubinsteins frühere Mono-Aufnahme, aber mit der bekannten Rubinstein-Aufnahme fährt man schon sehr gut.

    Ich mag gerade die C-Dur-Sonate auch ziemlich gern (und mir gefallen auch die ganz oben gezeigten Richter-Mitschnitte, sonst habe ich nur Katchens in der Gesamtbox), aber es handelt sich wohl um die frühesten veröffentlichen Werke von Brahms überhaupt (er soll ja zahlreiche (nicht nur) frühe Werke vernichtet haben) und sie sind teils etwas "uneben". Beim jungen Brahms dominiert noch der romantische Überschwang gegenüber der Durchorganisation und schon die f-moll-Sonate oder die Balladen op.10 zeigen einen deutlich souveräneren Komponisten.

    Die Richter-Mitschnitte, die ich weiter oben erwähnt habe (Decca CD im Beitrag 2) stammen aus Mantua 1987. Ich habe nun nicht nochmal reingehört, aber als so schlecht habe ich sie nicht in Erinnerung. Entweder hat Praga Digitalis hier andere Aufnahmen aus dubiosen Quellen oder was verschlimmbessert.

    "Amadeus" ist sehr guter (wenn auch nicht überragender) Film. Dennoch stört mich ziemlich, dass so viele diesen Fantasie-Mozart für historisch nehmen. Der von Puschkin stammende Gegensatz Genie - solides Talent ist für die 1780er eher unhistorisch, da typisch romantisch. Dazu wird es bei Shaffer/Forman so auf die Spitze getrieben, dass Mozart wie ein "idiot savant" wirkt, der musikalisch genial, aber überall sonst ein zotiger kindischer Clown ist. Mozart war vielleicht privat oder auch auf einem Faschingsball mal ein zotiger Clown, aber normalerweise in der Öffentlichkeit natürlich nicht.


    So banal sie klingen mag, schätze ich nach wie vor Haydns Begründung: "er hat Geschmack und die höchste Compositionswissenschaft". Mozart hatte anscheinend von Kind auf eine extrem schnelle Auffassungsgabe nicht nur für Komposition und ihre Technik, sondern auch für bestimmte Moden/Stile. Und er hat sich eben oft nicht auf dieser Fähigkeit ausgeruht, sondern spätestens ab Stücken wie dem 3. Violinkonzert oder gar dem Klavierkonzert KV 271 etwas Eigenes aus den Vorgaben geschaffen und die Gattungen oft auf eine höhere Ebene gehoben. (Diese Fähigkeit dürfte auch zentral dabei gewesen sein, solch ein "Mischmasch" wie Entführung und Zauberflöte gelingen zu lassen.) Es fällt uns nach Beethoven, Romantik und Moderne, oft schwer zu verstehen, dass Mozarts reife Musik zu seiner Zeit als extrem anspruchsvoll, oft überfordernd wahrgenommen wurde. Zumal die damaligen Vorwürfe erstmal recht flach wirken (Orchesterbegleitung zu üppig für die Sänger, alles zu schwierig und zu lang etc.)

    Wenn Du bei 180 EUR nicht mal Einfuhrumsatzsteuer zahlen musstest, hast Du verdammt Glück gehabt. Ich kann zwar meine entsprechenden Bestellungen fast noch abzählen und es ist auch hauptsächlich 10-20 Jahre her, aber die Lage hat sich nicht wesentlich geändert. Wie schon gesagt wurde, legt die Post normalerweise den Betrag vor und kassiert beim Ausliefern. Einmal musste ich dazu aufs Postamt, keine Ahnung, ob das der Bote gemacht hat, weil ich nicht da war, oder weil er keine Lust hatte zu klingeln. Zweimal war es leider vom Absender (obwohl nicht privat) unzureichend deklariert, so dass ich aufs Zollamt musste, was bei mir zwar noch zumutbar war, aber natürlich Zeit kostet und wenn man weit vom nächsten Zollamt wohnt (bei mir war es einmal in einer gut angebundenen Nachbarstadt, einmal in einem Außenbezirk (Hafenbereich) kann es richtig Zeit kosten. Es gibt dann aber wohl auch die Möglichkeit dem Zoll eine Rechnung zu faxen oder so. Klang für mich damals komplizierter und langwieiriger als schnell vorbeizufahren. Auch diese beiden waren noch im Bereich um 100 EUR, also unterhalb der Zollgrenze gewesen.

    Mozart nun ist weder ein Schaffer musikalischer Strukturen noch ein Architekt des Neuen. Immer, wenn ich ihn höre, und da höre ich wirklich gerne auch seine Klavierkonzerte, besonders aber seine Streichquartette und -quintette, zeigt er mir, was hinter aller Musik steckt, mit einer Sparsamkeit und Sicherheit in der Instrumentierung und Konstruktion, die ihn wiederum nun hier einzigartig erscheinen lässt.

    Warum ist Mozart kein "Schaffer musikalischer Strukturen" oder "Architekt des Neuen"? Der zweite Satz widerspricht doch dem ersten, oder? Natürlich ist Mozart beides in hohem Maße.

    Die deutsche Oper geht im wesentlichen auf sein Konto. Ohne die Erhebung des Singspiels zu "gemischten" Stücken mit hohem musikalischem Anspruch und auch, so eigenartig uns das heute vorkommen mag, das Einfließen von Ideen oder Ideologie im Falle der Zauberflöte, wären Fidelio und Freischütz und damit auch letztlich Wagner kaum denkbar gewesen. Die Oper wäre vermutlich weiterhin eine italienische und französischer Domaine geblieben. Und obendrein hat Mozart in der italienischen Oper Meisterwerke geschaffen, die anders als fast alles andere Musiktheater nicht nur seiner Zeit die Zeiten überdauert haben oder erfolgreich wiederentdeckt werden konnten (wie Idomeneo in der eigentlich schon obsoleten Gattung der Opera seria, auch hier ein bißchen mit Bach vergleichbar, der Genres, die zu seiner Zeit schon eher veraltet waren, zu abschließenden Höhepunkten geführt hat).


    Auf dem Gebiet der Instrumentalmusik hat Mozart ebenfalls Außergewöhnliches geleistet; das ist vielleicht unsichtbar geworden, weil wir es für selbstverständlich halten. Ähnlich wie Bach hat er die Gattungen normalerweise nicht erfunden, aber so perfektioniert, dass erst mal wenig nachkommen konnte, sondern die Nachfolger in vieler Hinsicht andere Wege suchten. So hat bei den Klavierkonzerten fast nur Beethoven sich an Mozart orientiert, der Hauptstrang im frühen 19. Jhd. geht in Richtung Virtuosenkonzert (tendenziell selbst bei dem Mozartschüler Hummel), was natürlich auch der raschen Entwicklung in Klavierbau und Spieltechnik zu verdanken war. Nichtsdestoweniger ist der Entwicklungschritt, den das klassische (Klavier)konzert durch Mozart vollzogen hat, so gewaltig, dass man beinahe von einer Neukonzeption sprechen kann. So ähnlich gilt das auch in anderen Gattungen der Instrumentalmusik, besonders denen, die Haydn eher vernachlässigt hat, etwa Violinsonaten oder gemischte Besetzungen (Klavierquartett und quintett, Bläserstücke etc.)

    Ich fand die Klangqualität der Griller-Aufnahmen ordentlich. Aber es fehlt ja das letzte Quartett! Es gab noch eine weitere Einspielung und evtl. noch einzelne LPs, aber die findet man nur mit Mühe oder vielleicht als graue Überspielungen/Downloads.

    Mehrere sehr gute Aufnahmen gibt es von den beiden Klavierquintetten; die hier auf Hyperion hat drei kurze Stücke für SQ als Füller