Beiträge von Engelbert

    Hallo Martin


    Robert Simpson


    wurde im Jahre 1921 in Leamington (Warwickshire) geboren. Schon in frühen Jahren ging er nach London, um dort die Schule zu besuchen. Zwei Jahre lang studierte er Medizin, um die besorgten Eltern zufrieden zu stellen. Er beschloss aber doch dieses Studium aufzugeben, um sich der Musik zuzuwenden, so wie er es immer vorhatte. Einige Zeit studierte er mit Herbert Howells und erwarb mit 30 Jahren seinen akademischen Titel. Im Jahre 1951 wurde er beim BBC angestellt, wo er einige Zeit verblieb. Er starb im Jahre 1997


    Er schrieb elf Sinfonien, die Nielsen-Variationen, etwa fünfzehn Streichquartette und eine Menge weiterer Kammermusik. Vieles ist erst in den achtziger und 90er Jahren entstanden.


    Nielsen ist der Autor von wichtigen Büchern zu Nielsen und Bruckner. Er erhielt mehrere Preise, so die Carl-Nielsen-Goldmedaille (Dänemark) und „The medal of Honour of the Bruckner Society of America“


    Meine persönliche Diskografie:


    Symphony Nr. 3
    Entstanden 1962
    Einspielung LSO, Jascha Horenstein
    Dauer 31 Minuten


    Klarinettenquintett
    Entstanden 1968
    Einspielung mit dem Aeolian String Quartet
    Klarinette Bernard Walton
    Dauer 34 Minuten



    Inzwischen gibt es eine reichhaltige Auswahl an CDS von ihm, die leicht zu ergoogeln sind.


    Gruß Engelbert

    Ulli


    Deine Aufstellung hat mich sehr interessiert und bin diese akribisch durchgegangen. Wie gern hätte ich doch auch noch einen Giovanni dazugefunden. Statt dessen muss ich einen wegstreichen, denn Du hast versehentlich Don Juan d'Austria mit einbezogen. Dieser hat mit dem Schürzenjäger nichts zu tun. Er war der Halbbruder von Philipp II. und ist in Regensburg geboren. Im Jahre 1571 ging er als Sieger gegen die Türken in der Seeschlacht von Lepanto hervor.


    Was man nicht alles nachschlagen kann, wenn man das passende Buch dazu hat.


    Herzlichen Gruss
    Engelbert

    Hallo Ulli,


    Das wäre jetzt der vierte Don Giovanni


    „Der steinerne Gast“ von Alexander Dargomischski


    Ich bin selbst erstaunt, dass es ihn gibt. Die Aufnahme scheint nicht einmal historisch zu sein.




    Über amazonas wird er unter einigen Anstrengen zu beschaffen sein.


    Gruß Engelbert

    Giuseppe Gazzaniga: Don Giovanni


    Zu Ullis hervorragendem Beitrag im Opernführer noch ein paar Informationen:


    Giuseppe Gazzaniga wurde am 5.10.1743 in Verona geboren. Er studierte am Conservatorio Sant’Onofrio in Neapel von 1761-1770 bei Carlo Cotumacci.


    Porpora in Venedig und Piccini in Neapel waren seine weiteren Lehrer. Ab 1791 war er Kapellmeister am Dom von Crema, eine Position, die er bis zu seinem Tode am 1.2.1818 innehatte.



    Unmittelbar nach dem Studium begann er mit dem Komponieren von Opern. Insgesamt schuf er 44 Werke, von denen der Don Giovanni sich im kollektiven Gedächtnis der Opernbesucher gehalten hat. Seine erste Oper hieß:“ Il Barone di Trocchia“ und hatte 1768 ihre Uraufführung in Neapel. Auf heroische Stoffe wurde weitgehend verzichtet. Wegen des leichten Gehaltes waren seine Werke sehr beliebt und wurden in ganz Europa aufgeführt. Seine Sakralmusik orientierte sich an barocken Vorbildern. Im Sinfonischen Bereich sind 3 Klavierkonzerte und eine Sinfonia concertante für 2 Hörner, 2 Oboen, 2 Violinen, Bratsche und Kontrabass überliefert.



    Das hervorragende Libretto des Don Giovanni schuf Giovanni Bertati nach einer Vorlage des bedeutenden spanischen Komödiendichters Tirso de Molina ( 1571-1648 ), eines Zeitgenossen von Lope de Vega. (1562-1635). Auch Molina war nicht „Vater des Gedankens“, sondern besann sich auf eine alte spanische Chronik


    Tirso de Molina ist durch sein Stück „Der Gil von den grünen Hosen“ dem Liebhaber von Komödien ein Begriff, während sein Don Giovanni infolge Der Bearbeitungen für das Musiktheater von der Sprechbühne weitgehend verdrängt wurde. Der Dichter nannte sein Stück:


    Der Verführer von Sevilla und der steinerne Gast


    Im Palast des Königs von Neapel hat Don Juan die Herzogin Isabella verführt und gibt sich als ihren Verlobten aus. Der Hof ist nicht einverstanden und mit Hilfe seines Onkels gelingt ihm die Flucht.


    Unterwegs erleidet er Schiffbruch und landet in den Armen des Fischermädchens Tisbea, die sein nächstes Opfer wird. Auf Befehl des Königs muss die Ehre Isabellas durch eine Heirat wieder hergestellt werden und man sucht nach Don Juan. Der Verlobte Isabellas Don Octavio bekommt als Ersatzleistung Doña Ana, die aber den Marquese de Mota liebt. Don Juan juckt das Fell. Er bemächtigt sich des Mantels des Marqueses und nähert sich Doña Ana. Das Manöver gelingt nicht, die Dame ist tugendhaft. Don Juan tötet aus Unvorsichtigkeit Doña Anas Vater, den Großkomtur Gonzalo de Ulloa im Zweikampf. Der Marquese wird fälschlich verdächtigt und verhaftet. Don Juan kümmert das wenig. Dem Landmädchen Aminta macht er an deren Hochzeitstag ebenfalls ein Heiratsversprechen, um sich der Leichtfertigen zu bemächtigen.


    Der Großkomtur wurde inzwischen beerdigt. Eine überlebensgroße Skulptur seiner Person ziert seine Grabkammer. Übermütig hat Don Juan die Statue bei sich zum Abendessen eingeladen. Die Statue erscheint pünktlich und gibt sich liebenswürdig. Sie beschwatzt den Schürzenjäger, ihn zu begleiten. Der Komtur selbst habe in seiner Grabkammer etwas Leckeres für ihn zubereitet. Ebenso unerschrocken wie unvorsichtig folgt der Neugierige dem steinernen Gast auf den Friedhof. Im Grabmal wird er von Skorpionen und Vipern bewirtet. Die Tür schließt sich und mit viel Getöse wird der Bösewicht in die Hölle gerissen.


    So die Variante für das Sprechtheater.


    Engelbert

    Hallo Edwin,


    ich hatte das außerordentliche Vergnügen am 15.11.2005 die
    "Dialogues des Carmelites" in der Hamburger Staatsoper unter Plasson erleben zu dürfen. Von der modernen Inszenierung war ich restlos begeistert. Zur Schlussphase, in der 16 Nonnen der Reihe nach massakriert werden, hat man sich etwas besonderes einfallen lassen.


    Das Fallbeil hatte die Ausmaße des Bühnenvorhangs und war auch an dieser Stelle unter der Decke angebracht. Langsam wurde das gewaltige Messer herunter gelassen und man sah, daß 16 senkrechte Aussparungen in Menschengröße darin vorhanden waren. Aus dem Hintergrund traten die Nonnen in Anpassung an die Musik einzeln an die Öffnung heran, die dann durch Erlöschen des Scheinwerfers schwarz abgedunkelt wurde. Das Fallen des Beiles hat Poulence in seine Musik eingebaut, so dass man auch auf einer CD den Vorgang exakt verfolgen könnte. Als vorletzte Nonne war Constanze an der Reihe, die flehentlich nach ihrer Freundin Blanche Ausschau hält. Diese kommt von außen heran, tritt gefasst durch die letzte freie Öffnung hindurch - die Oberin hatte ihr auf metaphysischem Wege die Todesangst ausgeklammert - so dass die Bühne, nachdem der letzte Kopf gefallen war, völlig abgedunkelt ist. Man kann wirklich von einer genialen Lösung durch den Ausstatters sprechen.


    Der zweite Höhepunkt war der unwürdige Todeskampf der Oberin, der mehr vor dem Bett als im Bett stattfand. Die Darstellung des Schausterbens von Kathrin Harries optimal umgesetzt, fordert eine starke physische Konstitution. Ursprünglich war Anja Silja für die Partie vorgesehen, die sich aber wegen Krankheit abgemeldet hatte, womit sie dem Risiko des realen Bühnentodes vielleicht aus dem Weg gegangen ist.


    Der Brand der Kapelle wurde eher symbolisch gelöst, aber es gab tatsächlich eine anhaltende Simulation eines Feuers auf der Bühne.


    Zur Musik muss ich sagen, dass Poulence sie über weite Strecken einfach plätschern lässt, aber sobald in der Handlung ein erregendes Ereignis eintritt, teilt sich dies der Musik mit und versetzt die Nerven des Zuschauers in ungewöhnliche Anspannung. Darin beruht das Geheimnis der Komposition.


    Die Vorstellung war nur bis zu etwa 90% belegt, so dass ich spontan ein
    20 Euro-Ticket bekam. Ich denke mir, dass im nächsten Jahr das Stück
    wieder auf das Programm gesetzt wird, und ich kann allen Forianern raten, in Verbindung mit einem Städte-Trip, sich einen Besuch der äußerst selten gespielten Oper nicht entgehen zu lassen.


    Engelbert

    Schlag nach bei Shakespeare!


    Eine bedeutende Wahnsinnige der Weltliteratur ist die Ophelia, die wahnsinnig wird, wei Hamlet so tut als ob er wahnsinnig wäre, dass sie vor lauter Wahnsinn ins Wasser geht.


    Ambroise Thomas erinnert an ihren Entschluss in seiner Oper "Hamlet"


    :angel:

    An einer Stelle im Forum wurde die Frage aufgeworfen, ob es auch Rockrollen für Männerstimmen, ähnlich wie es Hosenrollen für die Damen gibt.


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    Ich konnte drei Partien ausfindig machen:


    Cavalli: La Calisto, die Partie der betagten Nymphe Linfea
    Decca 1972, Leppard: Sänger Hugh Cuenod


    In Vivaldis "L'Incoronazione di Dario" gibt es gleich drei männliche Darsteller in Frauenrollen:
    Die Statira singt Gérard Lesne, Argene singt Henri Ledroit und die
    Flora singt Dominique Visse
    HMF Enselble Baroque de Nice


    Ich denke mir, dass Vivaldi sich auf ein bestimmtes Stimmfach in seinen Werken nicht festlegen konnte, Wenn er das eine Mal für eine Mädchenschule komponierte und anderntags die Aufführungsleitung in einer Kirche innehatte, musste er das Stimmfach dem Institut anpassen.


    Dann gibt es noch von Donizetti "Viva la Mamma", die sehr rabiat ist und um die Interessen ihrer Tochter beim Impresario durchsetzen zu können, eine maskuline Stimme benötigt.


    :angel:

    ThomasBernhard


    In Deinem Report vom 02.10.2005 warfst Du die Frage auf, ob es noch eine brutalere Musik gäbe, als die in der Elektra. Nach langem Nachdenken würde ich Bartoks "Der wunderbare Mandarin" nennen.
    Es ist allerdings ein Handlungs-Ballett und keine Oper.


    Die Uraufführung war in den zwanziger Jahren in Köln. Der damalige
    Oberbürgermeister, Konrad Adenauer, hat weitere Aufführungen sofort verboten lassen. :stumm:


    Gruss Engelbert

    Hallo Ulli,


    Das ging ja unwahrscheinlich schnell, wie Du den umfangreichen Text zur Beschreibung von Gazzanigas "Don Giovanni" für den Opernführer zusammengestellt hast. Es hat mich gefreut, dass Du meiner Anregung gefolgt bist, und ich bedanke mich für die Widmung.


    Ich werde einen ausführlichen Thread dazu schreiben, brauche aber ein bisschen Zeit, weil mich der "Phaeton" als Beitrag zum Opernführer im Moment voll gefangen hält.


    Es ist doch eine viel anspruchsvollere Aufgabe, eine Oper zu beschreiben, als sich nur mit "Auflockerungen" abzugeben.


    Eine neue Aufgabe lauert auf Dich: Die Oper "Marouf, Savetier du Caire"
    von Henri Rabaud. Die Oper ist außerordentlich witzig, hat aber kilometerlange Rezitative, die zum Verständnis des Inhalts mit übersetzt werden müssen. Die Oper besteht aus zwei Silberscheibchen, hat eine gelbe Schachtel und wird inzwischen im Sonderangebot gehandelt.


    Ich erstelle hierzu aber noch eine Vorgabe, um Dir Appetit zu machen.


    Gruss Engelbert

    Philhellene


    Die Stimme von Lucine Amara gefällt mir ebenfalls außerordentlich gut. In den fünfziger Jahren gehörte sie zu den führenden Sopranen der Metropolitan Oper. Geboren wurde sie in Harfort, Connecticut. Ihre Vorfahren sind aus Armenien eingewandert. Sie studierte in Kalifornien und begann ihre Karriere im Jahre 1945 als Chorsängerin in San Francisco und kehrte 1959 dorthin zurück. Ihre Weltkarriere dauerte bis Ende der 60er Jahre an. Ihr Stimmumfang ist ähnlich wie bei Beverly Sills nicht sehr groß, aber das Timbre ist von außerordentlichem Wohlklang. Im lyrischen sowie im dramatischen Fach konnte sie eingesetzt werden. Ihre Karriere in New York begann sie als Engelsstimme im Don Carlos. Sie sang dann so ziemlich alles, was anfiel von Aida, Nedda, Mimi, Elsa, Eva, Figaro-Gräfin bis zur Antonia in Hoffmanns Erzählungen.


    Meine persönliche Diskographie:


    Wagner, Lohengrin, als Elsa
    RCA 1966 in Boston unter Leinsdorf mit Konya und Gorr,


    Leoncavallo, Paglicacci, als Nedda
    EMI 1960 an der Scala unter Matacic mit Corelli und Gobbi,


    Puccini, La Bohéme, als Musetta
    Seraphim, 50er Jahre unter Beecham mit Bjoerling, und Los Angeles,


    Offenbach, Les contes d'Hoffmann, als Antonia,
    Fonit Cetra 1955 unter Monteux mit Richard Tucker


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    Gruß Engelbert

    .



    Vincenzo Bellini (1801-1835)


    Beatrice di Tenda


    Lyrische Tragödie in zwei Akten
    Libretto: Felice Romani
    Uraufführung: 16. März 1833 am Teatro La Venice


    Das Geschehen spielt in Italien
    Zu Beginn des fünfzehnten Jahrhunderts


    PERSONEN
    Filippo Maria Visconti, Herzog von Mailand (Bariton)
    Beatrice di Tenda, seine Gemahlin (Sopran)
    Agnese di Majno, seine Geliebte (Mezzosopran)
    Orombello, Herzog von Ventimiglia (Tenor)
    Rizzardo, Bruder von Agnese (Bass)
    Anichino, Vetter Beatrices (Tenor)



    HANDLUNG


    Erster Akt:


    Der Festsaal des Schlosses von Binasco ist hell erleuchtet. Man feiert wie allabendlich. Doch Filippo, der Herzog von Mailand, ist verdrießlich und möchte die fröhliche Gesellschaft verlassen. Er macht keinen Hehl daraus, dass seine eheliche Verbindung mit Beatrice ihm emotional erheblich zu schaffen macht. Was sind die Ursachen? Ganz ungeniert spricht er mit der Hofgesellschaft über seine persönliche Krise. Diese reagiert angepasst, lässt es aber auch an deutlichen Ermahnungen nicht fehlen. Den Duce stört, dass die Mitgift seiner Frau an Vermögen und Immobilien seiner Macht Glanz verleiht, er aber lieber aus eigener Kraft leuchten möchte. Zusätzlich verfolgt ihn Beatrice mit Liebe und Vorhaltungen, was ihm den Tagesablauf vergällt. Gefühle vorzutäuschen, die er nicht empfindet, und das ewige Lamentieren seiner Angetrauten sind ihm eine Pein. Der Länder, die sie ihm gegeben hat, soll sie sich nicht ständig rühmen! Ewig rechnet sie ihm ihre Wohltaten vor. Die Höflinge raten dem Herzog, seine Macht zu nutzen, um Zustände, welche ihm nicht passen, zu beenden. Andauerndes missmutiges Gebaren von seiner Seite könnten ihr loyales Verhalten beeinträchtigen. Kühne Worte für eine Clique, die es gewohnt ist, zu schmeicheln. Oder wollen die Heuchler mit ihren Ermunterungen dem Herzog ein Alibi geben, zu bewerkstelligen, was er ohnehin im Sinn führt.


    Die schöne Agnes macht sich bemerkbar und singt eine Romanze. Die Leute sollen doch nicht glauben, dass die Macht die einzige Freude auf der Welt sei. Ohne zarte Liebe leidet das Herz auch auf dem Thron. Wo die Liebe nicht lacht, gibt es keinen heiteren Tag. Das Leben trägt keine Blüten, wenn die Liebe sie nicht nährt. Die göttliche Agnes, wie wahr sie spricht! Seit dem Beatrice im Hause ist und nervt, wird Philipp durch keine einzige Blüte mehr erheitert. „Beatrice untersagt es“, informiert der Chor das Publikum. Die schönsten Frauen, die Italien besitzt, könnte Philipp genießen. Alle wollen ihm gefallen und eine Menge Blumen würden sich zu seinen Füßen ausbreiten, wenn er endlich frei wäre. Doch Philipp verzichtet auf die Auswahl. Ihn reizt nur eine, die göttliche Agnes. Oh, wie er sie anbetet. Sie ist der Friede in seinem Zorn, die Freude inmitten seiner Tränen. Wie viel sein Mund der Geliebten sagen könnte! Sein Thron könnte ihr goldenes Herz nicht aufwiegen. Der Chor unterstützt seine Gelüste und wiegelt ihn auf. Er soll sich von der List leiten lassen und die verhassten Bande brechen. Vielleicht hat das Schicksal schon Vorkehrungen getroffen und er braucht nach der Gunst bloß noch zu haschen.


    SZENENWECHSEL


    Orombello hat sich zu nächtlicher Stunde im Palast des Herzogs verlaufen. Er geht dem Klang einer Laute nach, landet im Schlafzimmer von Agnes und fragt: „Wo bin ich?" Sofort entschuldigt er sich und verweist auf seine angeborene Neugier. Im Vorübergehen hat er süße Töne gehört und wollte nur einmal nachsehen, von welcher entzückenden Hand sie zum Erklingen gebracht werden. Ach, er soll doch nicht gleich wieder gehen. Vielleicht ein kleiner Becher mit süßem Rebensaft gefällig? Und ansonsten hatte der Herr keine weiteren Wünsche, als nur der lieblichen Musik zu lauschen? - Aber Agnes, welche Wünsche sollte der fremde Herr wohl haben? - Hat sie ihn im herzoglichen Gefolge nicht leise stöhnen gehört? - Ausgeschlossen! - Jetzt redet Agnes Tacheles. Hat er ihr Briefchen nun bekommen oder nicht. Er soll sich nicht dümmer anstellen, als er aussieht. Glücklich Soll er sich nennen. Wie sieht es mit Liebe aus? - Weiß Agnes wirklich alles? Oh ja, Göttliche Beatrice!- Agnes schreit auf! Welchen Namen hat sie da vernommen? O grausames Geheimnis! Die Blamage ist perfekt und die Verstörung auch. Orombello versucht zu beschwichtigen. Er hat die Unglückliche weder beschimpft noch verhöhnt. - Gehen soll er, der Grausame, bevor ihr Zorn sich entflammt. Keinen Frieden wird sie mehr finden auf dieser Erde. - Ah Perdona, Perdona….


    SZENENWECHSEL


    Im Schatten der Bäume des weitläufigen herzoglichen Parks kann Beatrice durchatmen. Beim Duft der herrlichen Blumen scheinen die Strahlen der Sonne erheblich sanfter. Der Chor der Damigelle stellt fest, dass ihr Lächeln auch diejenigen erheitert, die kläglich und schwach sind. - Die treuen Freundinnen ahnen nicht, dass eine Blume dahinwelkt, wenn man ihren Stängel knickt. Die heitere Sonne kann nicht mehr helfen. Sie ist so eine Blume, die dahinsiecht und langsam sterben muss. Ist das der Dank von Philipp, den sie verteidigt und auf den Thron gehoben hat? Wem hat sie ihren Boden, ihr heimatliches Volk zur Beute gegeben, und sich selbst noch dazu? O welche Schande! Ihr armes Volk muss nun büßen, was sie verbockt hat. Die Damigelle wissen Trost. Die Tugend wird nicht immer unterdrückt sein. Aus den Qualen wird sie friedlicher und schöner hervorgehen.


    Der intrigante Richard und Philipp sind Beatrice gefolgt und beobachten sie aus der Ferne. Der wachsame Blick des Herzogs folgt ihr überall nach. Wohin sollte sie auch entfliehen können? Er stellt sich vor, dass sie ihn verrät, weil er darauf wartet und bebt vor Wut. Noch fehlen die Beweise, dann ist er sie los. Die Geheimnisvolle irrt an verborgenen Orten ständig umher. - Sie will keine Zeugen für ihre Seufzer, weil sie dem Gemahl eine Last sind. - Wenn er wüsste, weshalb sie seufzt wäre ihre Betrübnis ihm auch keine Last. Die schuldigen Gedanken liest er ihr von der Stirn ab. Hass und Groll trägt sie in ihrem Herzen. - Was glaubt der Undankbare eigentlich? Es ist der Schmerz eines verletzten Herzens, Tränen der Liebe, enttäuschte Hoffnungen und der Irrsinn einer grausamen Eifersucht. - Ja, eifersüchtig sei sie auf die Flammen einer anderen Liebe. Wut und Schande, das Resultat einer treulosen Seele haben Besitz von der Boshaften ergriffen. Sie soll sich nicht so verstellen. Sichere Beweise für ihr Vergehen hat er in Händen und hält ihr ein Briefchen vor die Augen. - In ihre Geheimnisse ist er eingedrungen und hat heimlich ihr Handtäschchen durchwühlt. Wie schamlos! Die Klagen ihres lieben Volkes hat ein Unbekannter zu Papier gebracht. Philipp soll nicht nach gemeinen Vorwänden suchen und ihre Ehre achten. - Philip bebt vor Wut und glüht vor Eifer. Beatrice möchte die Briefe unbedingt zurück haben. Tatsächlich hat sie ein schlechtes Gewissen und der grausame Felice Romani lässt den Opernbesucher im unklaren, von wem die Briefe sind und was genau drin steht. Deshalb kann das Publikum dem unwürdigen Verhalten Beatrices im Moment auch nicht mehr folgen. Sie schimpft ihn einen Feigling, der den Schrei eines makellosen Herzens fürchten soll.


    SZENENWECHSEL


    Orombello sucht die Nähe von Beatrice, weiß aber nicht in welche Falle er sich begibt und Beatrice mit hineinzieht. Gut gemeint, Ihr helfen zu wollen, aber schlecht durchdacht. Von den Gefolgsleuten Rizzardos, Agneses Bruder, wird er verfolgt, die darauf warten, die beiden bei einem Stelldichein erwischen zu können, um es dem Herzog zu melden. Tatsächlich plant Orombello einen Umsturz und kündet Beatrice in seiner Einfalt von tausend treuen Armen, welche ihre verletzten Rechte schützen und ihre Schmach rächen werden. Der Herzog aus Ligurien kennt Beatrice noch von früher. Sobald es Nacht wird, will er mit ihr aus den Mauern von Binasco fliehen. Er sieht keine Hindernisse. Seit seiner Jugend sei er in übergroßer Leidenschaft zu ihr entflammt. Beatrice schickt den Wahnsinnigen fort. Ihr tadelloser Ruf soll unversehrt bleiben. Zu spät, o Himmel! Die Nichtswürdige! Nun wird ihre Schande offenbar. Agnes mischt kräftig mit. Unglückseliger Tag. Man wälzt sich im Kompott der Gefühle - jeder liebt den Falschen. Das Quartett beschuldigt und bezichtigt sich gegenseitig moralischen Fehlverhaltens, bis es dem Bühnentechniker zu dumm wird und den Bühnenvorhang herunterlässt, um damit den ersten Akt zu beschließen.


    Zweiter Akt:


    Die Folterung Orombellos ist so schrecklich, dass sie dem Opernpublikum nicht gezeigt werden kann. Dafür wird sie aber von den Höflingen und Ehrendamen im Detail durchgehechelt. Dreimal in die Höhe gezogen und dreimal zu Boden gekracht, hat der Gefangene zunächst widerstanden. Nachdem aber ein Ende der Prozedur nicht abzusehen war, gab er unter dem Druck der Qualen nach und hat Beatrice als Komplizin bestätigt. Ach die Unglückliche, die Arme, nichts kann sie mehr retten. Das Verhör von Beatrice hat begonnen. Anichino, ihr Verteidiger, gibt zu bedenken, dass das Volk den Urteilsspruch nicht gutheißen wird. Filippo vertritt die Meinung, was heute nach Gewalt aussieht wird schon morgen als Gerechtigkeit gewertet und lässt, um Zwischenfälle zu vermeiden, die Tore von Binasco schließen. Anichino kann sich nicht vorstellen, dass die Richter unbefangen sein können, wenn die Anklage vom Herzog selbst kommt. Dem Fürsprecher wird beschieden, dass er seinen Eifer zügeln soll. Die erhoffte Stunde ihrer Rache ist gekommen, aber Agnes fühlt sich nicht glücklich. Die Stimme des Gewissens erschreckt ihr Herz.


    Das Vergehen Beatrices ist so finster, dass der Herzog von Mailand selbst genötigt ist, es anzuklagen und er verspricht den Richtern, dass er ihrem Urteil höchste Qualifikation verleiht. Die Verdächtigte bestreitet die Autorität des Gerichts, weil sie nur Vasallen sieht. Philipp fühlt sich als Fürst und als Gatte verraten. Beatrice bleibt eine stichhaltige Antwort schuldig und ergießt sich in Schmähungen. Der gefolterte Orombello wird vorgeführt und bringt Agnes durch seine lädierte Erscheinung völlig durcheinander. Der Genannte beklagt leidenschaftlich, dass er unter der Tortur nicht sterben konnte und widerruft das erpresste Geständnis, nachdem Beatrice ihm reichlich Vorwürfe gemacht hat. Der Herzog spürt, dass er die öffentliche Meinung gegen sich hat, und der Verteidiger plädiert auf Freispruch für die beiden Beschuldigten. Das Gesetz muss geachtet werden, fordert der Richterchor und das Verhör geht in die zweite Runde. Orombello hat seine Courage wiedergefunden und wettert, dass über die Köpfe des Tribunals der Himmel richten möge. Agnes wird von ihrem schlechten Gewissen geplagt. Philipp bietet ihr die Krone an, damit sie endlich aufhört, zu flennen. Beatrice ist zäh und hält hochnäsig die Folter durch. „Komm Freund“ sagt sie zu ihrem Mitverurteilten „Leiden wir gemeinsam. Für eine kurze Qual bewahrt uns der Himmel unsere Ehre“. Wie üblich gibt sich der Chor wankelmütig und dreht sein Fähnchen nach dem Winde.


    Das Urteil der Richter ist schriftlich fixiert und nun ist es Philipp, der mit der Unterschrift zögert. Zu allem Überfluss wird jetzt auch noch das Schloss von Anhängern Facino Canes, dem ersten Gatten Beatrices, angegriffen. Die schönen Renaissance-Möbel im Schloss will der Mob geraderücken und plant Hausfriedensbruch. Der Irrsinn ist komplett. Der Herzog fackelt nicht länger und unterzeichnet das Urteil. Wozu noch foltern, wozu noch diskutieren? Die Belagerung durch die Anhänger seiner Frau sind Beweis genug.


    SZENENWECHSEL


    Beatrice wird zur Hinrichtung geführt. Aus der Ferne hört man das Wehklagen Orombellos. Die reumütige Agnes folgt Beatrice nach und bittet die Herzogin, von der sie glaubte, dass sie ihre Rivalin gewesen sei, um Verzeihung, die ihr desinteressiert gewährt wird. Der Chor soll nicht weinen! Wenn Beatrices Leben entflieht, nimmt sie seine Liebe mit nach oben. Das gerührte Opernpublikum, bekommt von Beatrice für drei Stunden Mitgefühl leider keinen Trost gespendet und muss selbst schauen, wie es in seinem Schmerz heil nach Hause findet.


    2006 TAMINO - Engelbert

    Hallo Ulli,


    ich danke Dir für Deine Beobachtung und bin der Sache sofort auf den Grund gegangen.


    Die Einspielung liegt neben mir und trägt beide Titel "Die Gärtnerin aus Liebe" in großen Lettern und gleichzeitig in kleinen Buchstaben "La Finta Giardiniera K. 196" Ich habe die erste Platte aufgelegt und konnte nach längerem Zuhören tatsächlich indentifizieren, dass die Norman in deutsch singt. Das Libretto ist auch abgedruckt, witzigerweise in deutsch, englisch und französisch, aber nicht in italienisch. Wie sich die Sache musikgeschichtlich nun tatsächlich verhält, hast Du sicher schon herausgeforscht und kannst darüber Ausführungen machen. Ich denke aber, wir meinen beide das gleiche Werk, von dem es unterschiedliche autorisierte Fassungen gibt, wie es bei Glucks Orpheus auch der Fall ist. JIn neuerer Zeit denke ich, ist die italienische Fassung gängiger.


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    Gedankensprung:


    Gestern zum erstmal Mal gehört habe ich die Gazzaniga-Oper "Don Giovanni o sia Il Convitato di Pietra". Das Libretto leider nur in Italienisch beginnt mit der Arie des Pasquariello (=Leporello): "La gran bestia è il mio padrone". Der Don Giovanni wird von dem Tenor Fernando Jacopucci gesungen. In Ergänzung der drei Mozart-Damen kommt noch eine Dona Ximena vor.


    Kann ich Dich animieren für unseren Opernführer eine ausführliche Beschreibung zu erstellen? Schließlich ist es Dein Forschungsgebiet, und ich müsste mir zusätzlich die teure Orfeo-Einspielung kaufen, um ein deutsch oder englischsprachiges Libretto zu haben. Die Nueva Era Einspielung aus den 60er Jahren ist im Prinzip vorzüglich, vor allem auch im Klangbild und im Sonderabgebot bei JPC zu haben. Schönes Titelcover!


    Gruß Engelbert

    Am ersten Weihnachtsnachmittag wurde der Beitrag mit Jessye Norman von ARTE erneut ausgestrahlt. Man kann davon ausgehen, dass dieser bald auch auf DVD erhältlich sein wird.


    Eine ihrer Lieblingsrollen:



    Meine persönliche Diskothek von Jessye Norman


    OPERN auf LP.


    Gluck: Alceste
    Orfeo 1982, unter Baudo mit Gedda, Krause, Weikl, Nimsgern


    Haydn: Armida
    Phi 1979, unter Dorati mit Ahnsjö, Burrowes, Rolfe Johnson


    Mozart: La finta Giardiniera
    Phi etwa 1965/68, unter Schmidt-Isserstedt mit Donath, Troyanos, Hollweg, Prey


    Weber: Euryanthe EMI 1975, unter Janowski mit Gedda, Hunter, Krause


    Wagner: Die Walküre Eurodisk 1981, unter Janowski mit Jerusalem, Moll, Adam, Minton, Altmeyer


    Fauré: Pénélope
    Erato 1982, unter Dutoit mit Vanzo, Taillon, van Dam


    Verdi : Il Corsario
    Phi etwa 1968/70, unter Gardelli mit Caballé, Carreras, Mastromei


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    OPERN auf DVD (Planung)


    Strauss: Ariadne auf Naxos


    Strawinsky: Ödipus Rex


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    LIEDER


    Schumann:
    Frauenliebe und –Leben, op 42
    Liederkreis: op 39
    Phi etwa 1972 mit (Klavier: Irwin Gage)


    Brahms:
    Fünf Ophelia-Lieder (Klavier: Daniel Barenboim)
    Zwei Gesänge op. 91 (Viola: Wolfram Christ)
    Auswahl (op. 69/4, 6/1, 47/5, 95/6, 105/3, 95/4, 7/5, 69/9, 48/3, 48/4,
    95/5, 97/4, 107/5
    DGG 1983


    Französische Komponisten:
    Duparc (4 Lieder)
    Ravel (Deux melodies hébraiques)
    Poulence (4 Lieder)
    Satie (4 Lieder, darunter « Je te veux »)
    Phi etwa 1965


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    Engelbert

    Othmar Schoeck
    Phentesilea


    Im Libretto heißt es:


    Amazonen: Triumph! Triumph! Achilles fällt!


    Eine Priesterin entsetzt aufschreiend: Ah!
    Euch, Ihr der Hölle grauenvolle Götter, zu Zeugen ruf ich auf - was erblick ich?!


    Oberpriesterin: Nun denn - als ob sie die Medus erblickte!
    Was siehst Du, Rede! Sprich!


    Die Priesterin: Penthesilea, Sie liegt, den grimmgen Hunden beigesellt
    und reisst die Glieder - Die Glieder des Achill reisst sie in Stücken!


    Oberpriesterin: Entsetzen! O Entsetzen!


    Alle: Fürchterlich!


    Meroe stürtzt atemlos herein:
    .........und reisst ihn beim Helmbusch gleich einer Hündin, Hunden beigesellt, ihn nieder! Sie schlägt, die Rüstung ihm vom Leib zerrend, den Zahn schlägt sie in seine weiße Brust, Sie und die Hunde, die wetteifernden.........Als ich erschien troff Blut von Mund und Händen ihr herab



    Anmerkung:
    In der Einspielung aus Luzern (1973) unter Zdenek Macal singt Carol Smith die Phentesilea.


    :baeh01: :kotz:

    Salve Caesar,


    ich beglückwünsche Dich zu dem Buchgeschenk "Der Koran" und finde es bedeutsam, dass Du Dich für die islamische Kultur interessierst. In Ergänzung wird Dir bestimmt auch die Ausgabe: "Muhammeds wunderbare Reise durch Himmel und Hölle" gefallen. Es handelt sich um eine Sammlung kostbarer islamischer Miniaturen, welche die mystische Reise Mohammeds durch das Jenseits beschreibt. Die einzelnen Tafeln, konserviert in der Nationalbibliothek Paris, werden im Anschluss an eine Einführung einzeln kommentiert. Im siebenten Himmel begegnet Mohammed einem Engel mit 70 Köpfen. Der Miniaturmaler hat das Problem der dekorativen Anordnung aller Köpfe genial gelöst. Herausgeberin der kostbaren Ausgabe im DIN A 4 Format mit echtem Golddruck heißt Marie-Rose Séguy.


    Erschienen ist der ca. 160 Seiten-Band im Jahre 1977 beim Prestel-Verlag, München.


    Ich selbst habe auch eine starke Zuneigung zur islamischen Kultur, die
    aber hauptsächlich von der Architektur und Ornamentik genährt wird.
    Hierzu der monumentale Bildband "Farben des Himmels" vom Belser-Verlag.


    Gruss Engelbert

    Die erste Oper von Franz Schubert "Der Spiegelritter" spielt auf den schwarzen Inseln. Die Königin Milni wurde vom Zauberer Burudusussus dazu verflucht, sich ausschließlich von Männerfleisch zu ernähren. Prinz Almador aus Dumristan kommt mit seinem Knappen Schmurzo vorbei und übernimmt die Ernährungeberatung. Milni ist eine gelehrige Schülerin, denn wenn sie den Prinzen futtert, hat sie nicht mehr viel von ihm.


    Möglicherweise war es Salieri, der dem Heranwachsenden ausgeredet hat, diesen Schwachsinn zu Ende zu vertonen. Eigentlich sollte die Oper eine Parodie werden, auf die vielen Armidas und Alcinas, welche die Musikbühne derzeit überschwemmten.


    In meiner Einspielung singt Edith Matthies die gefräßige Königin.
    ---------------------


    Der Minotaurus in den unzähligen Theseus und Arianna-Opern schlägt sich den Pansen mit Jungfrauen voll. Wenn nachts sein Gebrüll zu hören ist, denken die Kreter, er will noch mehr Jungfrauen aufessen. In wirklichkeit hat er eine Magenverstimmung, weil er mit seinem Stiermagen eigentlich Vegetarier ist. Der Rabauke Theseus macht dem Misstand ein Ende.


    :yes:

    Jessye Norman, eine Primadonne mit Jahrhundertstimme und einer Wahnsinnsaustrahlung!


    Gestern Abend hatte ich das außerordentliche Vergnügen, Jessye Norman bei ARTE hautnah erleben zu dürfen. Die Diva erzählte - in englisch und streckenweise in einwandfreiem deutsch - aus ihrem Leben, über ihre Weltanschauung sowie über ihre künstlerischen Erfahrungen und Wertmaßstäbe. Es wurden Clips eingeblendet, die Ausschnitte aus ihren Auftritten zeigten oder solche, die eigens für diese Produktion hergestellt wurden. Opernarien und Lieder sowie immerzu neue Garderoben mit dem passenden Kopfputz wechselten miteinander ab. Beeindruckend, was man auf CD nicht mitbekommt, die Darstellung von Emotion, visuell durch die Kamera ganz nah an den Betrachter herangerückt, die auch das unscheinbarste Liedchen begleiten.


    Persönlich hat mir am besten "Die Nachtigall" von Alban Berg von ihr gefallen. Besonders aufwendig inszeniert Ilsoldens Liebestod mit einem Übermaß an Lichterketten im Hintergrund.


    Ich habe Frau Norman so verstanden, dass sie solche Partien am liebsten singt, wo sie nicht in ein Ensemble eingebettet ist, sondern isoliert sich auf ihre Kunst konzentriert kann, ohne schauen zu müssen, was die anderen machen. Auch ihre Vorbereitungen für eine neue Rolle - am liebsten Königinnen - stimmt sie zunächst mit sich selbst ab, um später auch anderen Meinungen zuzuhören. Sie liebt natürlich Wagner, bevorzugt die Franzosen und hat zu Verdi wenig und zu Puccini keinerlei Affinität. Ihr Vorbild sei die große Marian Anderson, die es geschafft hat, in der weiten Welt Anerkennung zu finden, bevor man sie in ihrem Heimatland zur Kenntnis nehmen wollte.


    Wer Jessye einmal erlebt hat, wird ihre Stimme, ihr Erscheinungsbild
    und ihre überdimensionale emotionale Ausstrahlung aus seinem Gedächtnis nicht mehr löschen können.


    Engelbert


    Ich denke, dass viele Forianer die Sendung auch gesehen haben und berichten werden


    (wegen Fehlerkorrektur ein zweites Mal editiert)

    Mit etwas Verspätung meine Reaktion:


    Die Einspielung, von der ich sprach, teilt das Thema Trojaner in zwei Opern auf. „La Prise de Troie“ und „Les Troyens a Carthage“ Es handelt sich ein Doppelalbum, komfortabel mit reichhaltigem Bildmaterial, darunter zwei wundervolle Porträts der Crespin im Kostüm der Dido. Das im Augzug beigegebene Libretto dürfte etwa 20% der beiden Opern ausmachen. An der Auswahl - es handelt sich vorwiegend um Ensemble-Szenen, auch mit Chor, erkenne ich, dass es sich um einen Auszug aus einer Gesamtaufnahme handelt. Die Glanzstücke „Le Grecs ont disparu!“ (Cassandra) „Dieux imortells“ und „Je vais mourir“ (Dido) sowie „Inutiles regrets“ (Enée) sind natürlich vorhanden.


    Zweifel, ob es jemals eine Totaleinspielung gab, sind berechtigt! Es gibt die Überlegung, dass die Gesamtaufnahme(n) nicht in den Export gekommen oder in der Planung stecken geblieben ist. Das Doppelalbum ersetzt eine Gesamteinspielung nicht, ist aber in jedem Fall eine Bereicherung jeder Berlioz-Kollektion und liegt über dem Niveau eines Sängerporträts. Ob inzwischen auf CD umgepackt wurde, müsste ergoogelt werden.


    Engelbert



    Nachtrag:
    „Online Musik Magazine“ erwähnt im Zusammenhang mit der Gardiner-Einspielung die Crespin, positiv, gibt aber keine schlüssige Information, ob die Gesamtaufnahme jemals erschienen ist:


    Zitat: „Trotz der nicht zu unterschätzenden Länge verließ man beglückt das am Ufer der Seine gelegene Opernhaus, in dem man einer bemerkenswerten, großartigen Vorstellung beigewohnt hatte, die das Ergebnis langjähriger Vorbereitungen und langer, intensiver Probenarbeit war, die sich ein deutscher Repertoirebetrieb so niemals leisten könnte.
    Nicht zuletzt freute man sich als Besucher aus Deutschland, die freilich merkwürdig zusammengestellten Ausschnitte aus Les Troyens mit der unvergleichlichen Régine Crespin (im Aufnahmejahr 1965 wahrlich auf dem Höhepunkt ihrer großen Kunst und natürlich mit perfekter Diktion) und den entsprechenden Band aus der verdienstvollen Reihe "L'Avant-Scène" erstehen zu können.“


    Dank an Philhellene für die sorgfälitige Auflistung der Einspielungen.

    Hallo, Don Basilio


    Deine Einstellung kann ich nachvollziehen, weil in der Ouvertüre in der Regel das Themenmaterial, welches die Oper erwarten lässt, vorgestellt wird. Der Konsument hört die Ouvertüre zuerst, der Tonschöpfer komponiert sie meistens zuletzt und befindet sich in dann unter Zeitdruck, weil er den Aufführungstermin einhalten muss. In Hast wird etwas zusammengestellt und aneinandergereiht oder noch schlimmer – wie bei Rossini – aus dem Fundus geschöpft. Bei der „Cherubini-Medea“, dem „Tannhäuser“ oder der „Macht des Schicksals“ ist der Anreiz für Einsteiger, nach Kenntnis der Ouvertüre die Oper insgesamt kennen lernen zu wollen, durchaus gegeben.


    Aber die Ouvertüre sollte nicht das einzige Kriterium sein, die Bekanntschaft mit einem Musikdrama zu suchen, weil doch die meisten Opern nur ein Vorspiel, eine kurze Einleitung oder gar nichts ähnliches aufweisen oder wie in der Oper “Arald“ ein gesprochener Monolog vorangestellt wird.


    Selbst orientiere ich mich am liebsten an einem Sängerporträt. Das jüngste Beispiel ist der russische Tenor Daniil Shtoda, der auf dieser Scheibe 22 Tracks aus russischen Opern vorstellt. Da tauchen auch Komponisten wie Nápravnik, Spadavecchia, Khrennikow und Gretchaninow auf; die beiden ersten kannte ich noch gar nicht. Rimsky-Korssakows „Mainnacht“ ist mit drei Arien vertreten, so dass ich nach dem Abhören der Tracks eine stichhaltige Entscheidungshilfe habe, ob die Anschaffung der Gesamtaufnahme – wenn ich sie nicht schon hätte - etwas bringt oder die Partikel genügen.



    Meine Opernsammlung umfasst inzwischen auch über 400 Titel und ich habe längst noch nicht alle Bongiovannis, die mein Herz begehrt. Glücklicherweise ist das beiliegende Libretto fast immer auch in Englisch abgefasst. Zum eingehenden Verständnis einer Oper bringt es mir sehr viel, das Libretto im Detail zu kennen und es ermöglicht mir die Beschreibung auch wenig bekannter Werke.


    Ich fliege nun auf die Farbe „gelb“. Wenn die Darsteller auf dem Cover gelbe Klamotten tragen, ruht mein Auge darauf und bei meiner Bestellung werden solche Einspielungen favorisiert. Dabei erlebe ich supertolle Überraschungen. Auf diese Weise bin ich an die per „Clotilde“ und „Teseo riconosciuto“ geraten, beide traumhaft. beide gelb.


    Deine vorzügliche Beschreibung der „Galanten Inder“ hat mich veranlasst, die Einspielung im Sonderangebot zu erwerben, obwohl das Cover in schwarz gehalten ist. Das Anhören einer Barockoper fordert von mir sehr viel Disziplin, der ich mich von Zeit zu Zeit beuge.


    Gruß Engelbert

    Zauber der Oper


    Edouard Lalo (1823-1892)
    Le Roi d’Ys


    Oper in drei Akten und 5 Bildern
    Deutscher Titel: Der König von Ys
    Libretto: Edouard Blau
    Quelle: Bretonischer Sagenschatz
    Französisch gesungen
    Uraufführung am 7. Mai 1888 an der Opéra-Comique, Paris


    Das Geschehen spielt in frühchristlicher Zeit
    in der Bretagne


    DIE PERSONEN
    Der König von Ys
    Margared, die Thronfolgerin
    Rozenn, ihre Schwester
    Mylio, ein Ritter
    Karnac, ein Eroberer
    Jahel, ein Priester
    Saint-Corentin, ein Heiliger


    DIE HANDLUNG


    Erster Akt
    Die Stadt Ys in der Bretagne ist von einem dunkelhäutigen Heerführer - möglicherweise von der afrikanischen Küste – erfolgreich bekriegt worden. Nun muss er besänftigt werden. Was liegt näher, als dem Eroberer die Tochter des Königs als Gemahlin anzubieten. um eine emotionale Basis zu schaffen, damit das Land zukünftig in Frieden leben kann. Die dem Wohl der Allgemeinheit Geopferte ist nicht ganz einverstanden, weil das Herz bereits an einen anderen vergeben wurde. Der Hohepriester hat das Volk auf Jubel eingestimmt und der König von d’Ys das Machtwort gesprochen. Margared hat ihr Gesicht in kummervolle Falten gelegt und die Schwester fragt teilnahmsvoll, weshalb die Braut nicht glücklich ist. Der vom Vater auserwählte Partner ist ein exotischer Held und sieht dazu noch gut aus und zudem sei heute Weihnachten. Aus der Unglücklichen bricht es heraus: Von Kindesbeinen an liebt sie Mylio, der aber leider zur Zeit nicht greifbar ist, weil ein Schiff ihn aus der Stadt davongetragen hat. Er könnte wiederkommen und dann sieht er - o Schreck - dass sie einen anderen geheiratet hat. Das Zepter und die Krone, welche ihr als Thronfolgerin heute auf den Kopf gesetzt werden soll, möchte die Unzufriedene am liebsten wegschmeißen, aber sie will den Vater nicht erzürnen.


    Der Brautzug formatiert sich und lässt Rozenn mit ihren Gedanken allein zurück. In der Stadt herrscht Mangel an attraktiven Männern, so dass auch sie sich in den Gefährten ihrer Kindheit verliebt hat und in Gedanken nun sein Bild heraufbeschört. Sie wartet, dass er von seiner Erkundungsfahrt zurückkommen wird und schon steht er hinter ihr. Zum Liebesduett reicht die Zeit nicht, weil die Hochzeitsfeierlichkeiten der Schwester bereits begonnen haben. Die einfältige Rozenn hat nichts besseres zu tun, als in aller Hast vor der Hochzeit ihrer Schwester noch zuzuwhispern, dass Mylio wieder im Lande sei. Margared – wegen ihrer vornehmen Abstammung schreibt sie den Endkonsonanten ihres Vornamens nicht wie allgemein üblich mit einem „t“, sondern sie hat ein „d“ ausgewählt - hat nun überhaupt keine Lust mehr, sich für den Frieden des Landes zu opfern. Sie lehnt es ab, mit dem dunkelhäutigen Prinzen die Ehe einzugehen und verweigert den Hochzeitskuss. Der Opernchor missbilligt diese Ungezogenheit nachdrücklich und der verschmähte Karnac, zuerst hofiert und dann missachtet, bebt verständlicherweise vor Zorn. Er liebt es nicht, vorgeführt zu werden und Allüren kann er absolut nicht ausstehen. Zur seiner Hochzeitsgarderobe gehören auch ein paar Handschuhe. Einen davon zieht er aus und wirft ihn dem König vor die Füße, ein Zeichen tödlicher Herausforderung. Mylio beeilt sich, das Textil aufzuheben und weist sich damit als Streiter für den König aus. Das Volk jubelt, obwohl der vom König mühsam gekittete Frieden, nun erst einmal wieder zum Teufel ist. Die Kampfgenossen Karnacs bedeuten Mylo, dass er zittern soll.


    Zweiter Akt
    Die Gefühle Margareds haben sich erneut heftig entflammt und sie begehrt das Objekt Ihrer Leidenschaft mehr denn je. Doch was ist, wenn der heiß Begehrte sich für die jüngere Rozenn entscheidet? Sollte dieser Verdacht sich bestätigen, wird ihr Hass keine Grenzen kennen. Das Liebesduett der beiden hat sie belauscht, und sie hat auch mitbekommen, dass der König dem Neuankömmling die Schwester zur Frau verspricht, wenn er den Zweikampf gegen den schwarzen Eindringling gewinnt. Der Opernbesucher glaubt allerdings, dass er die Trophäe auch dann bekommen wird, wenn er verliert.


    Die erboste Margared knöpft sich die ahnungslose Schwester vor und bringt ihre Galle zum Überlaufen. Den beiden Verliebten, wünscht die Megäre Tod und Teufel auf den Hals. Die zartbesaitete Rozenn ist dem Gefühlsausbruch des stimmgewaltigen Mezzos mit ihrem zarten Stimmchen kaum gewachsen - auf meiner LP. sind es Rita Gorr kontra Janine Micheau - und steht vor einem Nervenzusammenbruch.


    Szenenwechsel
    Mylo hat das Duell erwartungsgemäß gewonnen. Der Schutzpatron von Ys, der heilige Corentin hat ihm geholfen. Seine Kapelle steht ganz in der Nähe, Mylo hat vor dem Duell dort gebetet und Gehör erlangt. Der Chor fordert, dass dem Heiligen die Ehre zuteil werden soll, die ihm gebührt.


    Karnac ist am Boden zerstört. Alle guten Geister haben ihn verlassen und die bösen ihm nicht geholfen. In seiner Betrübnis naht sich ihm die Braut, die vorher nichts mehr von ihm wissen wollte. Auch sie ist verdrießlich, weil der umschwärmte Mylo die schöne Schwester bekommt. Beide gründen eine Zweckgemeinschaft, um ihren Hassgefühlen Genugtuung zu verschaffen. Margared hat einen fertigen Plan im Kopf. Die Stadt liegt unter dem Meeresspiegel und ist von einem Deich umgeben. Wenn man die Floodgates einfach aufmacht, wird der königliche Bungalow unter Wasser gesetzt und Mann und Maus müssen ertrinken. Eine geniale Idee, Karnac frohlockt und man schreitet sofort zur Tat. Der Weg führt an der Kapelle des heiligen Corentin vorbei und die Stätte des Gebetes lädt zu einer kurzen Andacht ein. Wenn er ihre Ränke durchkreuzen will, höhnen die beiden, soll er sich beeilen und ein Wunder vollbringen. Der Säulenheilige lässt sich nicht provozieren und erwacht plötzlich zum Leben. Einen Kinderchor als Medium benutzend ermahnt er die Verstörten, von dem geplanten Unfug abzulassen. Ein Donnerwetter in der freien Natur bekräftigt glaubwürdig seine Botschaft.


    Dritter Akt
    Die Hochzeit zwischen Mylio und Rozenn ist beschlossene Sache. Die Brautleute haben gewechselt, aber die Hochzeitsgäste sind noch die gleichen. Man hat ein wenig Schabernack getrieben und Mylo befleißigt sich, seiner zukünftigen Gemahlin ein Ständchen zu bringen. Margared sieht das Glück der beiden, kann ihre Gefühle nicht mehr sortieren und will von ihrem Racheplan Abstand nehmen. Karnac verhöhnt sie und versteht es, den Hass zu schüren und sie erneut für den gemeinsamen Racheplan einzunehmen. Gehässig imitiert er, wie Mylo und Rozenn sich abschmatzten, was der Abgelehnten einen Stich ins Herz gibt.


    Margared führt Karnac zu den Schleusen und erklärt ihm den Mechanismus. Der König trauert um die in ihren Gefühlen fehlgeleitete Tochter und die Familie nimmt sich ihrer liebevoll an, als die Verstörte plötzlich zurückkommt. Mit einem freudigen Aufschrei wird sie von den Ihren begrüßt und in die Arme genommen. Die Familie weiß nämlich noch gar nicht, was die Törichte in ihren verletzten Gefühlen angestellt hat. Mylo kommt aufgeregt hinzu und eröffnet, dass er zu spät gekommen sei, eine Schandtat zu verhindern. Die Schleusen wurden von unbefugter Hand geöffnet, weil man vergessen habe, dort ein Verbotsschild anzubringen. Den Übeltäter habe er jedoch auf der Stelle unschädlich gemacht. Panik bricht aus und man flüchtet in Erwartung des Rettungshubschraubers auf das Dach und in die Baumkronen. Das arme Vieh! Die Schafe, wie werden sie blöken!


    Szenenwechsel
    Das Wasser steigt unaufhaltsam. Die Menge betet. Der heilige Corentin soll sich etwas einfallen lassen, zu irgendwas muss er schließlich nutze sein, wenn er schon ein Heiligtum für sich allein beansprucht. Eine alte Opernweisheit besteht darin, dass Götter sich beschwichtigen lassen, wenn ihnen ein Schlachtopfer angeboten wird. Vom schlechten Gewissen geplagt kommt Margared auf die Idee, dass sie diese Opfer sein möchte, damit die Wogen sich beruhigen und aufhören, die Stadt mit Wasser zu füllen. Sie klettert auf einen Felsen, hält eine kleine Ansprache an die Hochzeitsgäste und das königliche Küchenpersonal. In Ekstase lässt sie sich einfach nach vorn kippen und wird vom Gischt verschlungen.


    Das Opfer hat der Himmel angenommen, denn die Fluten verebben augenblicklich. Die Statue des heiligen Corentin wird noch einmal lebendig, erscheint in einem Lichtstrahl und lässt sich feiern. Mylio hebt mit leidenschaftlicher Stimme an, sich für die außerordentliche Gnade zu bedanken und der Chor kann nicht anders, tut es auch gern, als in Jubel auszubrechen. Der Seele der armen Margared soll der Himmel gnädig sein.


    Tamino 2005 – Engelbert Hellen

    ZAUBER DER OPER



    Antonio Vivaldi (1678-1741)
    L’Incoronazione di Dario


    Drama per Musica, Oper in drei Akten
    Deutscher Titel: Die Krönung des Darius
    Libretto von Adriano Morselli
    Uraufführung 1716

    Die Handlung spielt im alten Persien
    Darius regierte von 522-486


    DIE PERSONEN
    Dario, König von Persien
    Statira, Tochter des Cyrus
    Argene, ihre Schwester
    Niceno, Philosoph
    Alinda, Prinzessin von Medien
    Oronte, Rivale des Dario
    Arpago, Rivale des Dario
    Flora, Ehrendame der beiden Prinzessinen
    Phantom des Cyrus
    Orakel des Apollo


    DIE HANDLUNG


    Erster Akt
    Der Geist des Cyrus erscheint und befiehlt den beiden schlafenden Prinzessinnen, seinen Tod nicht länger zu beweinen. Beide Mädchen erwachen und fordern sich gegenseitig auf, ihre Heiterkeit wiederzugewinnen. Niceno, der Hauslehrer kommt, um die Mädchen zu unterrichten und kündet gleichzeitig die Ankunft des Darius an. Die beiden Heranwachsenden schwärmen intensiv für den starken Mann, berechnend zieht dieser die Ältere vor. Die Gabe ihres Herzens wird sein Liebesglück sein. Argene gibt sich nicht geschlagen und schwört ihrer Hofdame, das Objekt ihrer Leidenschaft auf ihre Seite zu ziehen. Die naive Statira bittet Flora um Aufklärung, was ihre Schwester meint, wenn sie erklärt, das Reich und das königliche Lager mit dem zukünftigen Herrscher teilen zu wollen. Diese ist über so viel Unschuld von Herzen gerührt. Statira berichtet von der Angst, die ihre Brust beklemmt. Das einfache Mädchenherz soll sich mit Mut bewaffnen, rät die wohlmeinendende Hofdame.


    Arpago und Oronte sind sich uneins, denn jeder meint, ihnen stünde die Krone des Cyrus zu. Darius fährt wortgewaltig dazwischen und kann die beiden Streithähne beschwichtigen. Er lässt sie schwören, dass nur derjenige das persische Volk regieren wird, den Statira als ihren Gatten auserwählen wird. Selbst hat er allerdings die Vorstellung, dass er bei Anbruch der Morgenröte gekrönt sein wird. An und für sich erfreulich, dass die drei Anwärter ohne Blutvergießen zurechtkommen wollen, aber damit beginnt für Oronte schon das Problem. Er ist nämlich mit Alinda, der Prinzessin von Medien verlobt, die hartnäckig an dieser Verbindung festhält. Oronte versucht ihr zu erklären, dass er um des Königreiches Willen, sie erst einmal verlassen wird. Alinda weint ausgiebig, klagt über ihr bitteres Schicksal und bittet ihn, sie nicht länger zu quälen.Die Situation verwickelt sich, weil der Hauslehrer auch heimlich in Statira verliebt ist. Der Eingebildete teilt der Schülerin seine Emotion durch ein leidenschaftliches Lied mit, welches er eigens für sie komponiert hat. Von ihrem schönen Mund und ihren schönen Augen, kann er nicht genug bekommen. Deshalb findet Argene in ihm auch einen geeigneten Fürsprecher, der ihr zustimmt, dass alles was man aus Liebe tut, nicht böse sein kann und selbst ein Verrat jede Niedertracht entschuldigt. Die Seele der jüngeren Prinzessin fühlt sich bedrängt, wie eine schwache Pflanze vom Wind.

    Zweiter Akt

    Argene hat Darius in ihre Gemächer eingeladen und versucht, ihm ihre heißen Empfindungen in versteckter Form zu übermitteln. Sie gibt vor, dass ihr Geliebter sie verlassen will und bittet Darius in ihrem Namen einen Brief zu schreiben, weil ihre Hand zu nervös sei. Darius versichert ihr, dass nach Erhalt der Botschaft der Grausame von ihrer Zärtlichkeit besiegt sein werde und verabschiedet sich von ihr. Mit ihren Gefühlen allein gelassen, vergleicht sie ihr Herz mit einem Fels in der tosenden Brandung. Der Brief mit der Handschrift des Darius wird Statira zugespielt, die nun meint, dieser sei an Argene gerichtet. Zorn und Eifersucht sind das Resultat. Flora versucht den Wandel ihrer Gefühle und den Lauf der Dinge nachzuvollziehen.


    Die Szene wandelt sich. Der Hof sich versammelt, um die Sonne anzubeten. Das Orakel des Apollo – der Gott der Griechen unterhält in Persepolis eine Filiale – bestätigt denjenigen als zukünftigen König von Persien, den Statira zum Mann erwählen wird. Oronte macht sich Hoffnungen, der Erwählte zu sein. Die Prinzessin zeigt Allüren und gibt Arpago das Jawort. Freude auf der einen und Enttäuschung auf der anderen Seite. Heiterkeit füllt das Herz Arpagos. Statira hat Gutes im Sinn. Sie findet, dass nur ein Gatte für die Liebe zu wenig sei und gibt Oronte nun ebenfalls eine positive Zusage. Aber kann sie seiner Treue sicher sein? Die verzweifelte Alinda flattert wie ein Vogel, der keinen Frieden finden kann.


    Darius ist nun erst einmal der Angeschmierte. Deshalb wendet er sich an Argene und versichert sich ihrer Unterstützung. Die Schwester und Niceno stellen sich beim Intrigieren ungeschickt an, so dass Darius von Statira ebenfalls als Hochzeitskandidat bestätigt wird. Diese Verbindung will Argene mit allen Mitteln verhindern. Darius stellt die völlig konfuse Statira zur Rede, was ihr eigentlich einfalle, drei Männer gleichzeitig heiraten zu wollen. Sie ist völlig hingerissen von seinen Vorhaltungen und bekräftigt, dass sie nur ihn liebe. Niceno greift schlichtend ein und bittet Darius, seinem rachedurstigen Herzen nicht nachzugeben. Dieser sieht sich in seiner Zuneigung zu Statira bestätigt und sinnt in Missachtung der Vorschläge Nicenos darauf, die Rivalen unschädlich zu machen. Seine Liebste will er nicht verlieren, auch wenn sie nicht ganz bei Trost ist.

    Dritter Akt

    Die Geschichte wird nun richtig bunt. In Vorfreude auf das hohe Amt, welches ihnen bevorsteht, besuchten Arpago und Oronte bereits den Goldschmied und haben sich eine Königskrone anmessen lassen, Unbeabsichtigt, den Kopfputz haben sie sich bereits aufgesetzt, treffen beide zusammen und müssen feststellen, dass jeder mit Statira verlobt ist.
    Niceno, für den Statira unerreichbar geworden ist, hat sich auf die Seite Argenes geschlagen und bewegt die Erstgenannte, Darius - angeblich auf der Jagd - einen Besuch abzustatten. In Wirklichkeit will der Verschmähte sie jedoch im Wald aussetzen und den wilden Tieren als Beute überlassen. Mit der Logistik will es nicht so richtig klappen, denn die Prinzessin hat Lunte gerochen und singt die Arie „Ich werde von Wald zu Wald irren.“


    Argene versucht Dario weiszumachen, dass Statira sich aus dem Staub gemacht habe und schlägt vor, den Blick auf sie, die künftige Königin, zu richten. Der Umworbene lässt sich jedoch nicht täuschen, sattelt sein Pferd und sucht das Gehölz nach der Verschwundenen ab. Die bösartige Schwester beeilt sich inzwischen, Oronte den Thron zu übereignen, allerdings unter der Bedingung, dass er sich zunächst seiner medischen Prinzessin entledige. Bestürzt von der menschlichen Grausamkeit, kann dieser sich jedoch zur Bluttat nicht entschließen.
    Darius hat Statira und ihren Begleiter im Forst aufgestöbert, setzt die Geliebte auf sein Pferd und bedeutet dem verräterischen Hauslehrer, dass sein Arbeitsverhältnis fristlos gekündigt sei und er sich im Palast nicht mehr blicken lassen soll. Waldspariergänge seien sein künftiges Los.

    Langsam ist es nun an der Zeit, ein zünftiges Liebesduett hinzulegen. Inzwischen hat Argene, im Glauben, dass die wilden Tiere die Schwester bereits verzehrt haben, sich zur Königin erklärt und Alinda und Arpago in Ketten legen lassen. Darius fällt es nach seiner Rückkehr in den Palast nicht schwer, die Ränke Argenes zu entlarven. Er lässt die Übeltäterin in Ketten legen, damit sie einer harten Bestrafung zugeführt werde. Arpago und Oronte verneigen sich vor seiner Größe, was Darius veranlasst, ihnen ihre falschen Hoffnungen zu verzeihen. Oronte und Alinda dürfen heiraten und seine Gattin wird Statira sein. „L’Incoronatione di Dario“ steht nun nichts mehr im Wege.


    TAMINO 2005 - © Engelbert Hellen

    Anmerlung:


    Wenn die Karikatiristen der vergangenen beiden Jahrhunderte die
    Komponisten ärgern wollten, zeichneten sie diese mit großem
    Kopf und kleinen Beinen und wollten dem mehr oder weiniger
    Erfolgreichen Schaden zufügen.


    Bei Dir, lieber Lullist, entdecke ich nur Liebenswürdigkeit!


    Engelbert

    Vielfach geht man heute noch davon aus, dass "Hoffmanns Erzählungen" die einzige Oper von Jacques Offenbach gewesen sei, was nicht stimmt.


    Die Barcarole hat ihren Ursprung in der Oper "Les Fées du Rhin", die er in früherer Zeit komponierte, die aber wegen ihres uninteressanten Librettos in Vergessenheit geraten war. Das Thema der Rheinnixen, welches die Oper durchzieht hat er verdichtet und daraus ist die Barcarole "Schöne Nacht, du Liebesnacht" geworden. Eine beliebte Methode der damaligen Zeit, kostbare Trümmer sicherzustellen und in einem anderen Rahmen neu zu präsentieren.



    In Montpellier hat man sich aber jetzt die Liebesmühe gemacht, die Oper auszugraben, um die Beweisführung zu erbringen.


    Im Finale des ersten Aktes der Oper " L'Étoile du Nord" , der einzigen komischen Oper von Giacomo Meyerbeer, findet sich ebenfalls eine Barcarole, die ich noch schöner finde


    Engelbert

    Ludwig van Beethoven


    Die gepuderten Perücken waren weg. Das Rokoko-Zeitalter vorbei.
    Somit stand Beethoven am Anfang einer neuen Entwicklung.


    Sein Kompositionsstil ist gekennzeichnet durch einfache Strukturen
    und ist in seiner betonten Schlichtheit leicht zu konsumieren
    Beethovens Botschaft ist die vom "himmlischen Vater", der alles richtet.


    Wenn jemand einen Zugang zur Klassischen Musik sucht oder mit dem
    Leben unzufrieden ist, empfehle ich ihm die "Pastorale". Sie hat den
    Charakter einer Wärmeflasche, die man mit ins Bett nimmt, wenn es draußen kalt ist.


    Ich denke, es ist schon zehn Jahre her, dass ich zuletzt Beethoven
    gehört habe. Die Musikgeschichte ist weitergegangen. Der Klangteppich
    hat sich erweitert und verfeinert, ist ganz einfach kunstvoller geworden.


    Allein, diese schrecklichen Klaviersonaten!


    Debussy ist einmalig! Messiaen ist einmalig! Hovhannes ist einmalig!-
    aber doch nicht Beethoven.


    Sein Fidelio ist mir ein Greuel. Wenn schon Leonore, dann Fernando
    Paer, der das gleiche Textbuch vertont hat - und Grubers Edith singt die Marcelina


    Luzifer
    :angel:

    Hallo Alfred,


    Der "Hans Sachs" ist keine Kurzoper. Inklusiv einer halben Stunde Pause würde man drei Stunden im Theater sitzen. "Ars Produktion" hat den Sachs auf zwei CDs von 74 und 72 Minuten Dauer eingespielt.


    "Verlassen mich, o scherze doch so grausam nicht" ist die Nummer 12 und haut mitten in den zweiten Akt hinein. Daraus zu schließen, ist die von Dir erwähnte historische Einspielung nur ein Fragment.


    Die Neueinspielung aus Osnabrück kannst Du bedenkenlos nehmen, zumal es keine Alternative gibt. Die gesprochenen Dialoge sind ganz vorzüglich. Gesanglich wird hohes Niveau geboten. Die Kunigunde wäre die Partie für Gundula Janowitz gewesen, dafür sind wir mit Fischer-Dieskau und Schreier verschont geblieben.


    Zu Beginn der Ouvertüre merkt man, dass es ein Live-Mitschnitt ist, aber der Toningenieur hat sich dann schnell eingepegelt. Es gibt viel Bühnenathmosphäre.


    Der Lortzing-Sachs hat es deshalb so schwer, weil Richard Wagner mit seinen "Meistersingern" ihm den ganzen Sauerstoff genommen hat. Die musikgeschichtliche Paralelle hast du mit dem Rossini-Barbier und der Paisiello-Oper.


    Der Hans Sachs bei Lortzing ist ganz anders angelegt. Sachs läuft als schmachtender Liebhaber auf Freiersfüßen und hat Erfolg. Er ist zart beseitet, sehr schnell beleidigt und lebt in der ständigen Befürchtung, dass sein Schusterhandwerk nicht die gebührende Beachtung findet und fühlt sich gesellschaftlich diskredidiert.


    "Das Bedrohliche" bei Lortzing findet sich in der "Undine" weniger in der "Regina". Zur Letzteren gibt es auch eine Einspielung bei Walhalla. Es ist nicht alles "Gartenlaube" in der deutschen Romantik. Die Nacht und das Dunkle sind eines ihrer wesentlichen Elemente.


    Was den "Ali Pascha von Janina" anbelangt, warte ich dringend auf eine Neueinspielung. Es besteht ein besonderer Bezug, weil ich in Ioannina war, und der Spur seines wüsten Lebens nachgegangen bin. Eigentliches Ziel der Reise war natürlich Meteora. Der Albaner, mit Lord Byron befreundet, hat die Griechen vom Türkenjoch befreit, weswegen die Griechen heute noch peinlich berührt sind. Der abgeschlagene Kopf wurde gegen Bakschisch zunächst bei den Opfern herumgereicht. Dann fein hergerichtet, der lange weiße Bart schön gekämmt, auf einem goldenen Tablett dem Sultan und seinen Gästen präsentiert. Ali Pascha war zu eigenmächtig geworden und hatte sich mit der "Hohen Pforte" überworfen. Wie Lortzing es nun angestellt hat, aus dem Bösewicht der Weltgeschichte ein Singspiel zu fabrizieren, ist mir ein völliges Rätsel.



    Dank noch für den Hinweis auf den Thread zu den Betrachtungen zur deutschen Oper. Ich melde mich an diesem Platz so bald sich Zeit habe.


    Im Moment nimmt mich Esclarmonde voll gefangen.


    Alles Gute aus Hamburg-Bergedorf, wo Joh. Adolf Hasse geboren ist.
    Engelbert

    Nur wenig bekannt, dass Albert Lortzing im Jahre 1840 einen „Hans Sachs“ komponiert hat, den man als Vorläufer der Wagner-Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“, die etwa dreißig Jahre später das Licht der Welt erblickte, bezeichnen kann. Sie erzählt die stürmische Geschichte der Jugendzeit des Hans Sachs, sein Werben um die edle Kunigunde. Er setzt sich in Opposition zum Ratsherrn Eoban Hesse, der des Bürgermeisters Töchterlein für sich beansprucht. Beim Meistersingen erkennen die Bürger den Schuster und Poeten Hans Sachs als Sieger an, aber der Schiedsrichter, es ist Bürgermeister Steffen, gibt dem Augsburger den Lorbeer und die Tochter. Es kommt sogar soweit, dass Hans Sachs aus seiner Vaterstadt verbannt wird. Sein Lehrling Görg hält wacker zu ihm. Kaiser Maximilian, dem die Gedichte Sachsens gefallen, stellt das Glück wieder her, Eoban wird zum Teufel gejagt und Hans bekommt seine heißgeliebte Kunigunde. Ausführliche Beschreibung im Tamino-Opernführer.


    Das Libretto, mehrere Köche, auch Lortzing selbst, sind daran beteiligt, ist ganz vorzüglich und Kommt ohne Klamauk aus. Hans Sachs hat gleich zu Beginn seinen großen Monolog „Wo bist du Sachs? Hat Dich ein Traum umfangen?“ Seinem Gegenspieler Eoban gehört das Preislied vom Absalom mit den langen Haaren. Kunigunde und Kordula stehen zu einander wie Agathe und Ännchen und der Lehrling Görg besingt die Schusterzunft mit fröhlichem „Juchhe“. Der Tanz der Lehrbuben darf natürlich nicht fehlen. Kaiser Maximilian bleibt stumm, ihn verschlägt es die Sprache wegen der wundervollen Inszenierung von den Städtischen Bühnen in Osnabrück.


    Es handelt sich um eine Produktion aus dem Jahre 2001. Das Stück ist durchweg mit vorzüglichen Charakterdarstellern besetzt. Till Drömann dirigiert sein Orchester mit Feingefühl für Lortzings dezenten Humor. Das Textbuch bringt nicht die gesprochenen Dialoge, zeigt dafür aber eine Fülle von Fotos aus der Inszenierung. Das Bühnenbild ist nicht Überladen auch nicht zwingend modern. Zu Beginn ist eine äußerst geräumige Schusterstube zu sehen, denn Meister Sachs beschäftigt reichlich Personal, die den armen Görg, „den faulen Strunk“, regelmäßig vertrimmen. Die Werkbänke stehen auf Puzzle-Teilchen aus einer alten Deutschlandkarte.


    Herzlichen Glückwunsch den Osnabrückern für ihre Pionierleistung, die Oper ins Repertoire und ins Bewusstsein gebracht zu haben.


    Engelbert


    Leider kein Bildchen, In der Besetzungsliste steht Milanov, gemeint ist nicht die Zinka, sondern Michail Milanov, der den Bürgermeister singt. Die Aufmachung des Büchleins ist sehr ansprechend. Die Schachtel ist etwas größer als eine Rittersport-Schokolade.



    Albert Lortzing (1801-1851)


    Hans Sachs


    Komische Oper in drei Akten
    Libretto von Philip Reger unter Mitwirkung des Komponisten
    und von Philip Jakob Düringer


    Uraufführung am 23. Juni 1840 in Leipzig
    Erweiterte Fassung für die
    Aufführung in Mannheim am 25. Mai 1845,
    Aufführung in Osnabrück am 2. Juni 2001
    Unter Benutzung des Urtextes und der vollständigen Musik


    Ort der Begebenheit ist Nürnberg
    im Jahre 1517


    PERSONEN
    Kaiser Maximilian der Erste
    Meister Steffen, Goldschmied
    Kunigunde, seine Tochter
    Kordula, seine Nichte
    Hans Sachs, Schuster und Meistersinger
    Görg, dessen Lehrbursche
    Eoban Hesse, Ratsherr aus Augsburg
    Meister Stott, Erster Merker
    Zwei Ratsherren
    Zwei Bogenschützen






    HANDLUNG


    Erster Akt:


    Arbeit macht das Leben süß, man bleibt gesund und munter, freut sich des Lebens und wehe dem, der anderer Meinung ist. Der Lehrbube Jörg hat es schwer. Auch wenn Meister Sachs sein Lehrherr ist, macht ihm das Schusterhandwerk so recht keinen Spaß, denn er möchte viel lieber Dichter werden. „Von Faulheit ganz durchdrungen“ fordert er die Opposition der Gesellen und übrigen Lehrlinge heraus, die aus etwas derberem Holz geschnitzt sind. Handgreiflich wollen sie dem Träumer mit dem Schusterriemen das Versmaß beibringen. Görg hat überhaupt keinen Appetit auf Prügelsuppe, die er in regelmäßigen Abständen vorgesetzt bekommt, doch er nimmt es mit Humor und Gelassenheit, denn ein großer Geist fügt sich dem Zwange, doch wenn er an das Versmaß denkt, wird ihm angst und bange. Immerhin bekommt er Zuspruch, wenn er das „Lied vom Schuster“ vorträgt, in dem der Meister Hans Sachs Jugenderinnerungen festgehalten hat, singen alle im Chor den Refrain. Abends nach Feierabend muss der Lehrling noch die Werkstatt putzen und findet zufällig ein wunderschönes Gedicht vom Meister Sachs, gewidmet an eine Person namens „K“. Ei, das Gedicht wird er seiner Kordula vortragen und so tun, als ob es von ihm selber sei.


    Was die Versponnenheit anbelangt, haben Meister und Lehrling eine gewisse Ähnlichkeit miteinander. Meister Sachs denkt viel nach über das Wohin und Woher und über die Zufälle des Lebens. Kaiser Maximilian hat seine Verse gelesen und Wohlgefallen daran gefunden. Die edle Kunigunde ist ihm zugeneigt. Sie ist die Tochter von Meister Steffen. Der Goldschmied hat seine Werkstatt schräg gegenüber. Fast hat Meister Sachs vergessen, dass morgen Sängerwahl ist. Von was soll er singen? Von Manneskraft oder Frauenmilde? Oder ist es der Liebe Glück, was die Herzen empfänglich macht. Dann wäre da noch das teure Vaterland. Nein, er möchte künden, was ihn glücklich macht, der Kaiser hat an ihn gedacht. Wilde Stürme ziehn durch seine Brust, denn der Meister ist noch jung an Jahren und ein Blick aus den Augen der edlen Kunigunde machen ihn butterweich.


    Ein Wermutstropfen fällt in den Becher seines Glücks. Hans Sachs hat einen Nebenbuhler! Es ist Eoban Hesse, seines Standes Ratsherr in Augsburg. Plötzlich steht er in der Werkstatt, spielt sich auf, lamentiert und protzt mit seiner gesellschaftlichen Position. Ein Loch hat er im Schuh, der Azubi soll es richten. Er sei der Bräutigam von Kunigunde! Wie bitte? Man hämt, man höhnt und Görg steht mit spitzer Zunge dem Meister wacker zur Seite. Er gibt noch eins drauf und sticht dem feinen Pinkel aus Augsburg mit seiner Schusternadel zweimal in den Fuß. Er will den Gecken schrauben und ihn necken und ihm eine Nase drehn. Meister Sachs ist völlig perplex und kommt mit der Unverfrorenheit nicht zurecht. Sie reist ihn los mit Sturmgetös. Von seiner Hoffnung goldnem Thron raubt so ein Geck, ausgesprochen keck ihm seiner treuen Liebe Lohn!


    Ach Kunigunde, herzallerliebste Kunigunde! Görg rät dem Betrübten, er solle einfach zur Geliebten gehen, ihr fest ins Auge schauen und fragen, wie er mit ihr dran ist. Hans fühlt sich wirklich miserabel. Zwar ziert ihn nicht der Ehre Schein, hat nicht Ordensband noch Titel, doch Nürnbergs wackrer Bürger sein, das ehrt ihn noch im Kittel.


    Zweites Bild:


    Der Poet Hans Sachs hat keine Ursache, deprimiert zu sein, denn schräg gegenüber im Garten sitzt die teure Kunigunde in der Laube und singt eine Kavantine. Sehnsüchtig mit süßem Bangen, harrt sie dem Geliebten fein. Bei der Abendröte Prangen und des Mondes Silberschein denkt sie über die männliche Treue und Beharrlichkeit nach und rupft dazu die Blütenblätter eines Gänseblümchens. Höher wallt ihr Blut und es beben ihre Pulse, lustberauscht, denn das höchste Glück im Leben ist, wenn Lieb um Lieb sich tauscht.


    Görg kann die Neuigkeit der Stunde nicht für sich behalten und eilt dem Meister voraus, Kunigunde mit seiner jüngsten Erfahrung zu konfrontieren. Kordula, die Nichte von Meister Steffen, gehört auch zum Haushalt, ist aber von den Avancen des Lehrlings nicht allzu sehr erbaut, weil er ständig durch die Prüfung fällt und noch keinen Gesellenbrief hat. Ohne eine gesicherte berufliche Zukunft kommt der Ehestand mit Görg für sie nicht in Betracht. An Ermahnungen ihrerseits fehlt es nicht.


    Sachs holt aus Kunigunde heraus, dass er der Mann ihres Lebens sei. Den Mann aus Augsburg kennt sie nur flüchtig, den hat nämlich der Papa hinter ihrem Rücken als Hochzeitskandidaten für sie ausgewählt. Die beiden Damen lachen sich halbtot! Sachs will ihre Ketten brechen und Zukunftspläne werden geschmiedet. Kann er auf ihre Treue bauen? Sie liebt nur ihn allein, sagt es und meint es auch so! Sachs will jetzt formell um ihre Hand anhalten. Wenn der Mann sich redlich nährt, ist sein Stand auch achtenswert. Der Poet setzt alles auf eine Karte, wenn er morgen beim Meistersingen gewinnt, kann der Vater nicht mehr „nein“ sagen. Sein Azubi wird die Hochzeitsschuhe anfertigen. Görg möchte mit Kordula auch „klar Schiff“ machen und fleht: „In dieser Laube bin ich dir zu Füßen gefallen,“ antwortet Kordula: „Ich hatte gerade Langweile, drum erhörte ich dein Lallen!“ Fast handelt er sich eine Ohrfeige ein. Kordula ist aber schnell wieder zu versöhnen, denn ohne Lover zu sein, ist auch nicht schön.


    Meister Steffen ist zum Bürgermeister gewählt. Es fand der weise Rat in ihm den Kopf, der Goldwert hat. Sein Wirken und sein Streben soll alles neu beleben. Der Handel soll florieren, die Wissenschaft brillieren. Die Bürger sind zufrieden. Die Wahl, die sie getroffen, war pfiffig, schlau und fein, und alle lässt sie hoffen: Er wird ein guter Bürgermeister sein.


    Der Augsburger ist sich seiner Sache sicher, Kunigunde heimführen zu dürfen. Standesgemäß muss er sein, der Schwiegersohn: „Der Schuster wird verachtet, der nach der Tochter trachtet, denn er beleidigt Euch und mich, Kunigundens Liebsten nennt er sich,“ tönt Eoban. Eine Hürde muss der Augsburger allerdings noch nehmen. Gewinner ist derjenige, der am schönsten singen kann. So will es der Brauch. Nun kennt Meister Sachs sich aus im Meistergesang und Steffen erinnert sich, dass er schön zur Lyra singt, dass es durch Mark und Pfennig dringt.


    Kunigunde hat gegen den Bund mit dem Augsburger Ratsherren beim Papa Widerspruch eingelegt. Der Vielbeschäftigte hat jetzt keine Zeit für Nebensächlichkeiten. Die Vorbereitungen für das Meistersingen am morgigen Tage müssen getroffen werden. Vor Nürnbergs schöne Tore wird man zieh’n. Den Auftakt zum Sängerstreit bildet ein Vogelschießen. Der Wein soll fließen bei Tanz, Sang und Becherklang. Alle werden rufen: „Lang lebe der Bürgermeister!“


    Zweiter Akt:


    Die Feierlichkeiten auf der Festwiese werden unterbrochen und im Rathaussaal geht es ins Finale. Nach der Pflicht, die Kür! Die Kunst der Improvisation ist an der Reihe. Hans und Eoban gelangen in die Endausscheidung. Der Profi tritt an gegen den Fremdling aus der Fuggerstadt.


    Bürgermeister Steffen wird notfalls blockieren, denn für ihn steht schon im voraus fest, wer den Sieg davon tragen soll. Die Kandidaten strengen sich an. Eoban Hesse hat tatsächlich einen vorzüglichen Text, aber keine Routine im Meistergesang. Er singt ein Lied über Absalom mit den langen Haaren: „Herr Absalom empörte sich, so steht es in der Bibel – einst gegen seinen Vater sich, doch es bekam ihm übel... Hört, wie es ihm ergangen: Es blieb der Tropf mit Schopf und Kopf an einem Baume hangen“. Hans Sachs singt über Herz und Vaterland - alles schon einmal da gewesen - aber sein Lied ist melodisch anspruchsvoller und nuancenreich dargeboten. „Herr Eoban, habt heißen Dank, so schöne Weisen hört ich nie. In jedem Wort liegt Kraft und Stärke, so etwas nennt man Poesie.“ lobt Meister Steffen und fällt sein Urteil gegen Sachs. Die Merker schweigen, die Bürger protestieren, kommen aber gegen die Obrigkeit nicht an.


    Sachs ist grenzenlos enttäuscht, sein Lebensglück wurde durch die Bosheit anderer zerstört und er beschließt, seine Vaterstadt zu verlassen.


    Zweites Bild:Die Feierlichkeiten auf der Festwiese gehen weiter. Görg hat nun endlich Gelegenheit, seiner Gundula das Gedicht vorzutragen, welches er in der Schusterstube gefunden hat und erntet ein fettes Lob von ihr. Allerdings wird seine Autorenschaft von der Menge angezweifelt, die Handschrift ist doch unverkennbar. Görg wirft den Zettel achtlos weg, aber zwei kaiserliche Soldaten finden ihn und nehmen das Papier an sich, um es dem Kaiser zuzuspielen. Kaiser Maximilian liebt Gedichte über alles, denn bei den Fugger-Bankern in Augsburg steht er hoch in der Kreide und bekommt von dort nur Prosa.


    Es folgt der Tanz der Lehrbuben.


    Görg steht im Mittelpunkt und singt temperamentvoll ein zündendes Lied zum Lob des Schusterhandwerks: Die Schusterzunft bleibt immer doch die wichtigste von allen! Juche, juchhe! Und Görg macht einen Luftsprung.


    Kunigunde ist nicht einverstanden, dass Hänschen sie verlassen will und nimmt ihn nicht ernst. Papas gesellschaftliche Stellung ist ihr zu Kopf gestiegen. Bürgermeister ist der Vater, und wer kann es ihm verargen, wenn er nimmermehr es duldet, dass seines Kindes Kindeskinder eines Schusters Pechdraht ziehen. Das Leder, die Pfriemen, und den Hammer soll der Liebste vergessen. Einen Stand der ihn ernähret, der mit Ehren ihn erhält, soll er ohne Grund entsagen? Nein um keinen Preis der Welt.


    Als Poet verhöhnt, als Schuster geschmäht, von der Liebsten kritisiert! Er will fort, auch wenn das Herze bricht. Doch Kunigunde bereut was sie soeben gesagt hat. Folgen will sie seinen Schritten, lass sie nicht vergebens bitten, ihm gehören will sie ganz. Nimm sie mit, ach lieber Hans! O unnennbare Wonne, o namenloses Glück, wie nach dem Sturm die Sonne, lacht liebend ihm das Glück.


    Aber nur kurzfristig!. Eoban hat die beiden erspäht und ruft den Vater. Das Kind verführt, die Braut entehrt! Höchste Zeit ist es, zu handeln. „Hört was soeben ich beschlossen: Ihr Meister Sachs sollt ohne Weilen, jetzt aus der Vaterstadt enteilen. Ihr wolltet mir mein Kind entführen, drum müsst ihr Euer Bündel schnüren, vom Bleiben kann die Red' nicht sein, ich bin’s Gesetz, drum fügt Euch drein.“ „ Verwiesen, verwiesen seid ihr und verbannt, drum säumt nicht länger und nehmt den Wanderstab zur Hand.“ pflichten die Ratsherren bei. Sachs ist am Boden zerstört, doch sein langjähriger Azubi zeigt Stolz: „Verhöhnt habt ihr und uns verkannt, drum weilen wir nicht länger und ziehen fort als deutsche Meistersänger. „Auf Wiedersehen“ Ein Handküsschen von Kunigunde zum Abschied.


    Dritter Akt:


    Kordula hat die Gabe der Weissagung und legt ihrer Verwandten die Karten. „Ein hübscher Gatte wird dir eigen, von aller Welt als brav erkannt. Er wird dich auf Händen tragen und dir keinen Wunsch versagen...“ Doch was muss sie hier erblicken, es kehrt der Sachs hierher zurück, er wird ein hochberühmter Mann, der Kaiser nimmt sich seiner an.


    Kordulas Zusagen treffen ein. Der Kaiser kommt nach Nürnberg zu Besuch, weil er den Verfasser des schönen Gedichtes kennen lernen möchte. Die Ratsherren sind in Nöten, denn der Gefragte ist nicht verfügbar. Eoban weiß Rat: „Dem Kaiser das Gedicht gefiel, egal wer es erdacht, Drum ist es ja nur Kinderspiel, Ich sage - ich habe es gemacht.“ Doch Sachs und Jörg haben vom Besuch des Kaisers, der in Nürnberg regelmäßig seinen Reichstag abzuhalten pflegt, Wind bekommen und eilen in die Vaterstadt.

    Verwandlungsmusik, Polonaise, Marsch, Ballett


    Der Handlungsfaden wird gestoppt, um die Anwesenheit des Kaisers zu genießen. Doch dann geht alles sehr schnell, Eoban wird überführt und muss das Feld räumen; Sachs wird rehabilitiert und in seine Rechte als Bürger wieder eingesetzt. In Übereinstimmung mit seiner historischen Biographie bekommt er Kunigunde zur Frau.


    Zweites Bild:


    Wir jauchzen laut aus voller Brust, heil Max Dir, Deutschlands Sonne. Du bist des Volkes Glück und Lust und seine höchste Wonne. Drum jauchze, wer ein deutscher Mann, es lebe Kaiser Maximilian.



    ©2005 TAMINO - Engelbert


    Bereich: Oper des 19. Jahrhunderts
    Region: Deutschland

    Hallo Ulli,


    Ich habe deinen Beitrag über Rodelinda aufgegriffen und wundere mich, dass die Bonynge Einspielung von 1987 bei Decca
    CD 8.35733 bei Dir überhaupt keine Erwähnung findet.


    Ein Fest der Stimmen bieten


    Joan Sutherland als Rodelinde
    Alicia Nafé als Bertarido
    Curtis Rayam als Grimoaldo
    Isobel Buchanan als Eduige
    Huguette Tourangeau als Urnulfo
    Samuel Ramey aks Garibaldo


    Welsh National Opera Orchestra
    Richard Bonynge


    Im Moment scheint die CD tatsächlich auf breiter Linie vergriffen
    zu sein. Deshalb auch kein Coverbildchen. Aber es lohnt sich, in den Shops Umschau zu halten.


    Was die Tourangeau mit ihrer schwergewichtigen Stimme
    in der kleinen Partie des Unolfo an Koloraturen abfeuert, ist einmalig. Die Nafé steht ihr in der Gestaltung ihrer Rolle nicht nach.
    Sutherland ist bestens, die übrigen sind es auch.


    Das umfangreiche Textheft bietet das komplette Libretto auch in deutscher Sprache.


    Gruss Engelbert

    Hallo Giselher,


    "In a Persian Garden" hieß der Liederzyklus
    von Liza Lehmann ( 1862-1918 )


    Bezüglich Koechlin habe ich Deine Beurteilung überdacht, gebe
    Dir nachträglich auch ein bisschen Recht, aber nur ein bisschen.


    Wenn ein Komponist die Befürchtung hat, nicht verstanden zu werden,
    macht er ausführliche textliche Angaben. Koechlin geht sogar so weit, dass er die vier Sätze eines 10 Minuten-Stücks umständlich übertitelt, um die Phantasie des Zuhörers in die absolut richtigen Bahnen zu lenken.


    Es ist eine Frage der Zeit, wann das "Dschungelbuch" in einem Hamburger Antiquariat auftaucht, um Deinem wertvollen Tipp zu folgen. Es stehen dort zu viele Cds, die mein Wohlgefallen erregen.


    Ist es tatsächlich eine Symphonische Dichtung oder eine Suite aus
    einer Filmmusik?


    Herzlichen Gruss aus Bergedorf


    Engelbert

    Lieber Lullist,


    auch ich bin ein Freund der Musik Gretrys und möchte Deine Diskographie noch ein wenig erweitern.


    Da wäre zunächst die traumschöne Oper Pierre le Grand,hierzu auch meinen Beitrag Oper auf DVD



    Dann besitze ich noch als CD La Caravaine du Caire, die Einspielung
    aus Namur unter Minkowski (Label Ricercar)



    Erwähnen sollte man noch L'amant jaloux.


    Die Karawane führt zwar auch die Bezeichnung "Opern-Ballett"
    auf zwei CDs haben die Gesangsolisten voll zu tun. Bei der Zemir verhält es sich genau so. Die Bezeichnung muß wohl einer damaligen
    Gepflogenheit entsprochen haben und ist für den Einsteiger
    irreführend


    Den Coeur erwähne ich nochmal wegen des schönen Covers.
    Die Rousseau-Oper ist auch mit drauf




    Den Midas besitze ich leider nicht, schaffe ihn mir aber an, sobald er
    im Antiquariat auftaucht.


    Von Francois-André Danican Philidor existiert eine wunderschöne Aufnahme aus Rennes von Le Sorcier, die Marc Soustrot dirigiert.
    Label Arion


    Gruß Engelbert