Beiträge von Engelbert

    Pierre le Grand Oper von André Modeste Grétry


    Etliche Komponisten haben sich dem russischen Zaren zugewandt und seine bewegte Jugend in eine Oper verwandelt. Dem Konsumenten ist die Vertonung von Albert Lortzing am geläufigsten, aber auch Donizetti und Meyerbeer fanden das Sujet interessant.


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    Die russischen Komponisten selbst hatten eher die entfernteren historischen und patriotischen Stoffe im Visier, so dass man zur 300 Jahrfeier von St. Petersburg keinem einheimischen Komponisten mobilisieren konnte, um dem Stadtgründer zu huldigen. Den Zuschlag bekam nicht der Deutsche Albert Lortzing, sondern ein Komponist des 18. Jahrhunderts, André Modest Gretry, in Belgien geboren und später in Paris niedergelassen, Zeitgenosse der Französischen Revolution, hauptsächlich bekannt unter seinem Hauptwerk Richard, Coeur de Lion.

    Gretrys Kompositionen sind spritzig und witzig und die Melodien eingängig, komödiantischen Opern von Gluck nicht unähnlich. Zar Peter erlernt in Holland das Schiffshandwerk, es wird gesägt und gehämmert, schwungvoll die Reling gestrichen und Fähnchen geschwungen, das es eine Art hat. Allerdings verliebt der Zar sich nicht in Marie der Nichte des Bürgermeisters van Bett, sondern wendet sich einer Dame namens Catherine zu. Das Inkognito wird zu Ende des Stückes gelüftet, die verliebte Catherine ist verzweifelt, aber ihre Wahnsinnsszene wird von niemanden besonders ernst genommen.


    Das Helikon-Musical-Theater in Moskau unter dem Dirigenten Sergej Stadler, der seine Karriere als Geiger begann, legt sich mächtig ins Zeug. Ensemble und Hauptdarsteller laufen zu Höchstform auf. Spielfreude und Esprit wirken niemals dosiert oder hektisch, sondern schlagen den Zuschauer durch ihre Natürlichkeit und Unbekümmertheit vollkommen in seinen Bann. Gesungen wird französisch, deklamiert russisch, die Kostüme und Perücken sind opulent gefertigt, alles Ton in Ton auf graublau und beige abgestimmt. Allerdings muss bezweifelt werden, ob die vom Zaren und seinen Helfern erbaute Fregatte jemals manöverierfähig von Stapel gehen wird. Das kümmert den Herrscher auch nicht, er schwingt sich auf ein Drahtgestell und verlässt zu Ende den Schauplatz.


    :angel:

    Hallo Ulli,


    auf Deinen wohltätigen Derwisch bin ich gespannt.
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    Die Oper der Gegenwart kennt die Doppelsprachigkeit auch.


    In Samuel Babers "Vanessa" singt gleich im ersten Duett die
    Erika ihren Part in französisch und die Vanessa antwortet
    englisch.


    :yes:
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    Es gab einmal einen Fernsehfilm über die Offenbach-Operette
    "Orpheus in der Unterwelt", in welcher die ersten drei Akte
    in deutsch gesungen wurden (Beirer und die Varney waren
    die Protagonisten) und der letzte Akt in der Unterwelt war
    in französisch gegeben. Das war einmal notwendig, weil
    George Shirley als Pluto kein deutsch konnte, aber auch dramatisch
    so eingerichtet, daß eben in der Unterwelt französich und auf dem
    Olymp deutsch gesprochen wurde.


    Es ergab sich dann die Situation, daß die Göttin Diana, die sich
    bei der Aphrodite eingehängt hatte, auch kein französisch sprach,
    zudem noch lispelte und die Aphrodite immer fragen musste "Was hat der Höllenfürst soeben gesagt?"


    :angel:



    Giuseppe Verdi (1813-1901)


    Aida


    Melodram in 4 Akten
    Libretto: Antonio Ghislanzoni
    Nach einem Sketsch des Ägyptologen A. F. F. Mariette, Bey
    Uraufführung: Teatro Khediviale del Cairo am 24. Dezember 1971
    unter der Leitung von Giovanni Bottesini
    Erstaufführung in Italien: Teatro alla Scala am 8. Februar 1972


    Die Begebenheit spielt im Alten Ägypten
    zur Zeit der Kriege mit Äthiopien,
    theoretisch um etwa 2000 v. Chr.


    PERSONEN
    Aida, eine äthiopische Geisel
    Rhadames, ägyptischer Heerführer
    Amneris, Tochter des Pharao
    Amonasro, König der Äthiopier
    Ramfis, Hoherpriester
    Der König
    Eine Tempelsängerin


    HANDLUNG


    Erster Akt:


    Die Vereinigung „beider Länder“ geht nicht ohne Blutvergießen über die historische Bühne. Rhadames, militärisch bereits dekoriert, hätte gern den Oberbefehl über die ägyptischen Truppen, um die aufmüpfigen Äthiopier zur Ordnung zu rufen. Er fragt den Hohenpriester, ob die heilige Isis schon ihre Zustimmung gegeben hat. Die Genannte hat keine Einwände und Rhadames ist erkoren. Er freut sich über das positive Resultat aus zwei Gründen. Nun kann er endlich losschlagen und seine Ehrenabzeichen ergänzen. Noch wichtiger ist ihm die Gunst der holden Aida zu erlangen, einer äthiopischen Königstochter, die am Pharaonenhof als Geisel frei herumlaufen darf. Mit dem neuen Ehrenamt kann Rhadames nun sich vor ihr wichtig machen, obwohl er das gar nicht nötig hätte, denn Aida fährt voll auf ihn ab. Noch ist es eine heimliche Liebe, von der niemand etwas weiß bis auf Amneris. Die Pharaonentochter hat ihre Spürnase geschärft und argwöhnt, dass zwischen den beiden etwas läuft. Sie missbilligt die Zuneigung der Äthiopierin, denn sie hat den jungen Feldherrn als Lustobjekt ins Auge gefasst und möchte von seinen starken Armen umfangen werden. Konflikte jeglicher Art sind vorprogrammiert. Rempeleien an der Südgrenze veranlassen den Pharao, den Befehl zum Zuschlagen zu erteilen. Hofstaat und Dienerschaft sind versammelt und wünschen dem frischgebackenen Oberbefehlshaber Glück auf seine Reise in den Sudan. Aida ist sich nicht schlüssig, ob nun die Liebe oder das Vaterland vorrangig zu behandelt ist. Sie entscheidet sie sich für das Vergnügen und wünscht dem Geliebten trotz vaterländischer Bedenken alles Gute und fröhliches Gelingen seiner Mission.


    Szenenwechsel


    Jeder Sandalenoper seine Tempelszene! Man schreitet zum Heiligtum des Kriegsgottes, der zufällig Vulcan heißt, was auf die Eruptionen hindeutet, die bei militärischen Auseinandersetzungen unvermeidlich sind. Während Rhadames das heilige Schwert anvertraut wird, ertönen die liturgischen Gesänge der Sacerdotessa, wahrscheinlich kein Covergirl, denn sie hält sich klugerweise im Hintergrund.


    Zweiter Akt:


    Es hat sich bereits im Palast herumgesprochen, Rhadames hat den Blitzkrieg gewonnen. Amneris wartet voller Sehnsucht auf die Heimkehr des Helden und verleiht ihren Empfindungen Ausdruck: Ah vieni amore mio! Die Sklavinnen putzen die Pharaonentochter heraus, die schön sein will für den Geliebten. Der Lorbeer für den Sieger liegt bereit, es ist die Liebe der Herrin. jubeln die Dienerinnen, Die Gefeierte hat eine Vorliebe für Palmenschnaps, man hört nichts anderes von ihr als: Komm Geliebter, mach mich trunken!


    Aida nähert sich und die Stimmung der Pharaonentochter wird düster. Die Argwöhnische heuchelt Anteilnahme am Schicksal der Besiegten und signalisiert, dass Rhadames auf dem Schlachtfeld der Todesstoss gegeben wurde. Aida glaubt die Lüge und ist tief getroffen. So entlockt Amneris der Verstörten das Geheimnis ihrer Liebe und sieht ihre Befürchtungen bestätigt. Die schöne Äthiopierin, als Königstochter gleichrangig neben der Pharaonentochter - Palastanlagen und Wohnungseinrichtung sind vielleicht ein bisschen bescheidener, vielleicht wohnt sie auch in einem Kral - stehen sich offen als Rivalinnen genüber. Aus ihrer Sicht fühlt sich die Mächtigere getäuscht und hintergangen „Erzittere erbärmliche Sklavin! Diese Liebe kann den Tod dir bringen!“ schüchtert sie die Unterwürfige ein. Diese bittet die Götter, ihr in ihrer Pein beizustehen.


    Szenenwechsel


    Am Stadttor von Theben wird dem heimkehrenden Sieger aufgewartet. Was Rang und Namen hat ist erschienen. Der König sitzt unter einem Baldachin, vermutlich verwitwet, denn den Platz an seiner Seite belegt seine Tochter Amneris. Der Pöbelchor jubelt, das Erplünderte wird vorgeführt, das Ballett tanzt und die Hofkapelle bläst den Triumphmarsch. „Tritt näher! Meine Tochter soll dir den Siegeskranz überreichen, und jetzt bekommst du als Lohn für deine Taten das, was du dir schon immer gewünscht hast“. Die königliche Bescherung für den Sieger ist die strahlende Thronfolgerin. Rhadames, ein wenig betreten, kann das kostbare Angebot unmöglich ablehnen und lenkt zunächst vom Thema ab.


    Die Gefangenen sollen vorgeführt werden! Wichtig ist es im Moment nicht. Aida erkennt ihren Vater und hat nichts Eiligeres zu tun, als ihn vorzustellen. Geistesgegenwärtig, kann dieser vertuschen, als äthiopischer König herumgereicht zu werden, indem er behauptet, er habe diesen auf dem Schlachtfeld von Lanzen durchbohrt herumliegen sehen.


    Zwischen beiden Völkern gab es diplomatische Beziehungen und der Pharaonenhof wird wissen, wie der äthiopische König tatsächlich aussieht Somit kann Amonasro sein angebliches Königtum nur umgangssprachlich gemeint haben und ist In Wirklichkeit nur Bürgermeister, bestenfalls Kleinkönig einer Grenzstadt. Amonasro ein Hochstapler?


    Rhadames und Ramfis stehen sich uneinig gegenüber, ob der Wunsch der Gefangenen nach Freilassung erfüllt werden soll oder nicht. Der König zeigt sich gnädig, bestimmt aber, dass Aida und ihr Vater bei Hofe bleiben. Die Pharaonentochter hat Rhadames und Aida beim Austausch liebevoller Blicke beobachtet!


    Dritter Akt:


    Amneris möchte für ihr zukünftiges Eheglück das Wohlwollen der heiligen Isis erlangen und betritt mit kleinem Gefolge die Loretto-Kapelle an den Ufern des Nils. Der Hohepriester Ramfis ist zugegen, um die Zeremonie zu leiten. Die Königstochter ahnt nicht, dass dieser Palmenhain auch von Liebespärchen frequentiert wird, die sich zu einem geheimen Stelldichein treffen.


    Aida ist schon da. Wo bleibt Rhadames? Was wird er sagen? Um die Wartezeit zu überbrücken singt Aida die Nilarie. Es raschelt im Wüstensand, aber wer da kommt ist nicht der erwartete Geliebte, sondern der Herr Papa. Um die Tochter für seine Pläne geschmeidig zu machen, weckt er Heimatgefühle in ihr, erzählt ihr von den duftigen Wäldern und der Tempel Gold. Aida soll sich patriotisch verhalten und aus dem Heerführer herausbekommen, wo das nächste Gemetzel stattfinden wird. Der Vater setzt sie psychologisch unter Druck und Aida verspricht eine gehorsame Tochter zu sein. Rhadames trifft mit Verzögerung ein und freut sich, seine holde Aida wiederzusehen. Amonasro hat sich im Gebüsch versteckt, um dem Dialog zu lauschen. Der Ankömmling versucht Aidas Eifersucht zu beschwichtigen, und das Mädchen schlägt vor, der rachsüchtigen Pharaonentochter den Rücken zu kehren. Folgen soll er ihr in die Heimat und sie offeriert dem Erwartungsvollen ihre grenzenlose Liebe. Rhadames sieht darin tatsächlich eine Verlockung und schlägt als Fluchtweg die Passage durch die Höhlen von Napata vor. Amonasro in seiner Naivität meint nun, den Ort gehört zu haben, wo das Schlachtgetümmel geplant ist, kommt aus dem Gebüsch und stellt sich endlich ordentlich als König aus Äthiopien vor.


    Amneris ist mit ihrer Andacht ein wenig früher fertig geworden, kommt mit dem Gefolge aus dem Isistempelchen. Die Überraschung ist auf beiden Seiten perfekt. Allmächtiger Ptah! Was geht hier vor? In der Nacht vor ihrer Hochzeit die verhasste Rivalin an der Seite ihres Geliebten? Verrat! Amonasro versucht Amneris zu erdolchen, wird aber von den Bodyguards daran gehindert. Aida und ihr Vater schwingen sich aufs Moped und brausen davon. Rhadames lässt sich festnehmen.


    Vierter Akt:


    „Entflohn ist die Rivalin, die verhasste!“ Amneris stellt es mit Genugtuung fest. Die Niederlage, welche Rhadames ihr zugefügt hat, verzeiht sie großzügig und setzt ihren Einfluss ein, die Verurteilung durch das Priestergericht zu verhindern. Er ist des Landesverrats angeklagt! Wenig umsichtig stößt er den Klerus vor den Kopf, indem er zu berechtigten Vorwürfen hochmütig schweigt, obwohl die Beweislage erdrückend ist. Amneris gibt nicht auf und hält an ihrer Illusion fest. Sie will dem Treulosen Deckungsschutz geben, wenn er Aida entsagt. Rhadames bleibt störrisch und entschuldigt sich nicht einmal für sein Fehlverhalten. Die Prinzessin richtet ihren Zorn gegen die Richter, die den Landesverräter zum Tode verurteilen, so wie es das ägyptische Strafgesetzbuch vorsieht.


    Szenenwechsel


    „Rhadames, dein Schicksal ist besiegelt. Den Tod der Schändlichen wirst du sterben. Unter dem Tempel des zürnenden Gottes gehst du in dein Grab.“ hatte der Urteilsspruch gelautet. So ist es beschlossen, so wird es geschehen. Aida hat die Situation erahnt. Zum Zugang der unterirdischen Gewölbe hat sich die Schlaue rechtzeitig einen Nachschlüssel anfertigen lassen und ist nun zum grandiosen Schlussduett pünktlich zur Stelle. Rhadames wird eingeliefert und der Stein vor den Eingang gewälzt. Wegschieben misslingt und so singen beide „Lebt wohl o Erde, Tal der Tränen“ und nehmen Abschied von einem Leben, in dem Vernunft und Augenmaß eine untergeordnete Rolle spielten „Isis ist besänftigt“ bestätigt Amneris „Friede sei beschieden!“ Na endlich, ein paar Fledermäuse flattern auf und der Vorhang schließt sich.


    2005 Tamino – Engelbert


    Bereich: Oper des 19. Jahrhunderts
    Region: Italien

    Lieber ThomasBernhard


    Ich bedanke mich recht herzlich für Dein Mail und Deinen Hinweis.


    Du hast natürlich vollkommen recht. Homer hat mit der ganzen Sache überhaupt nichts zu tun. Der Fehler ist so passiert: Weil ich für meinen Report eine Zeitangabe für den Trojanischen Krieg brauchte, habe meinen Gedanken nicht richtig zuende gebracht und bin bei Homer hängen geblieben. Aufgrund deines Hinweises bin ich der Sache nachgegangen, es waren alle drei der altgriechischen Tragödiendichter beteiligt, Aischylos, Sophokles wie auch Euripides. Aischylos verarbeitet das Thema in einer Triologie, die damit beginnt, dass Klytämnestra den heimkehrenden Gatten begrüßt und endet mit dem Orakel von Delphie. Tanejew hat alles in seiner Oper Oresteia zusammengefasst, sachkundig im Forum von Cosima kommentiert. Sophokles setzt auch die Erkennungsszene in den Mittelpunkt. Euripides konzentriert sich voll auf die weibliche Psyche der Elektra und bewertet das Attribut der Rache grundsätzlich positiv.


    Meinen Irrtum hatte ich aber auch schon selbst bemerkt, die Korrektur noch nicht angemeldet, um einen Disput auszulösen. Das ist ja nun postwendend passiert. Aber Mozart ist ein gleichgearteter Fehler passiert. In seinem Idomeneo verlagert er die Elektra von Mykene nach Kreta.


    Ich war übrigens schon selbst in Mykene. Die Burg liegt traumhaft auf einem Bergkegel. Das Löwentor wie überhaupt die ganze Anlage ist gut erhalten. Die Amerikaner sprechen das Wort „Maißeni“ aus.


    Die andere Textstelle, die Du anzweifelst, formuliert Hofmannsthal so:


    Zitat aus dem Libretto:
    Kinder will ich haben, bevor mein Leib verwelkt, und wär’s ein Bauer, dem sie mich geben, Kinder will ich ihm gebären und mit meinem Leib sie wärmen in kalten Nächten, wenn der Sturm die Hütte zusammenschüttelt“


    In jungen Jahren konnte ich mit den Texten Hofmannsthal absolut nichts anfangen, aber heute hat sich das ins Gegenteil verkehrt. Schönbergs „Pierre Lunaire“ liegt auf der gleichen Linie.


    Tatsächlich war Dein Beitrag der Auslöser für mich, die „Elektra“ anderen Themen vorzuziehen. Das Fundament meines Reportes ist die alte Böhm-Einspielung mit Inge Borkh und Jean Madeira. Die Nielsen-Einspielung gefällt mir nicht so gut. Zu kühl, Raserei auf Sparflamme.


    Bezüglich der „Brutalen Musik“ komme ich auf Deinen Artikel zurück, will aber erst andere Beiträge abwarten.


    Herzlichen Gruß
    Engelbert

    Giuseppe Sinopoli


    hat die Musik der Gegenwart nicht vernachlässigt. Seine komponierenden Landsleute können sich nicht beklagen.


    Für die Deutsche Gramophon hat er in den 70er und 80er Jahren
    mit dem Sinfonie-Orchester des Norddeutschen Rundfunks
    folgende Werke eingespielt:


    Sylvano Bussotti (Jahrgang 1931)
    Bergkristall
    Ballett in einem Akt und sieben Szenen nach Adalbert Stifter


    Sylvano Bussotti
    Lorenzaccio-Symphonie
    für großes Orchester, Romantisches Melodram nach Alfred de Musset


    Bruno Maderna (1920-1973)
    Quadrivium
    (1969)
    für 4 Schlagzeuger und 4 Orchestergruppen


    Aura (1972)
    für Orchester


    Biogramma (1972)
    für großes Orchester


    :angel:

    Was selten vorkommt, dass ein Opernsänger auf das Dirigieren umsteigt. Ich nenne Placido Domingo. Auf Tonträger vielleicht mal ein Sängerporträt, ein Neujahrskonzert oder eine Fledermaus. Aber mit wirklich anspruchsvollen Aufgaben werden dirigierende Sänger nicht betraut.


    Nicht, weil die Künstler dieser Aufgabe nicht gewachsen sind, sondern
    weil in der Vorstellung des Konsumenten, eine solche Entgleisung als Paradoxon gewertet wird. Eine dirigierende Christa Ludwig kann ich mir auch nicht vorstellen, selbst wenn die Verehrte diese Ambition hätte.


    Wenn die Stimme zum Teufel ist, bleiben nur die pädagogischen Sommerkurse.


    Ich glaube, Schreier und Fischer-Diskau durften auch mal ran.
    Keiner wollte die Produkte kaufen.


    :angel:

    ZAUBER DER OPER


    Richard Strauss
    Elektra


    Musikalische Tragödie in einem Akt
    Libretto: Hugo von Hofmannsthal
    Quelle: Sophokles, Euripides.
    Uraufführung am 25. Januar 1909 in Dresden


    Die Begebenheit spielt im königlichen Palast von Mykene
    zu mythischer Zeit nach Beendigung des Trojanischen Krieges
    mutmaßlich um die Zeit 1200 v. Chr


    DIE PERSONEN
    Elektra, Tochter Agamemnons
    Klymtämnestra, ihre Mutter
    Chrysothemis, ihre Schwester
    Orest, ihr Bruder
    Aegisth, Buhle Klytemnästras
    Fünf Mägde, eine Schleppenträgerin,
    eine Vertraute, ein Pfleger
    und weiteres Personal


    DIE HANDLUNG


    Im Hof des Palastes zu Mykene herrscht unter den Mägden eine angeheizte Stimmung. Ihre Aggression richtet sich gegen Elektra, die von ihrer Mutter und ihrem Liebhaber von der königlichen Tafel verstoßen nun verachtet im Palast ohne angemessene Kleidung und Unterkunft ein unwürdiges Leben fristet. Rhetorisch weiß Elektra sich ihrer Haut zu wehren und hält die Zudringlichkeit der Dienerschaft auf Distanz, die sie verhöhnen, wenn sie „zur gewohnten Stunde um den Vater heult“. Elektra schreit ihnen nach, dass sie „etwas Fettes oder etwas Süßes essen sollen“, damit sie genügend Ablenkung haben.


    Vor längerer Zeit trug sich in diesem Hause eine schaurige Bluttat zu. Elektras Vater, König Agamemnon, wurde nach seiner Heimkehr aus dem Trojanischen Krieg von seiner Gattin verraten und ihm im Badezimmer vom Buhlen der Schädel gespalten. Wegen Ehebruch und Amtsanmaßung – Aegisth hatte sich bereits zum König ausrufen lassen – befand sich das Paar in Zugzwang, um dem königlichen Donnerwetter zu entgehen, was die Bluttat zumindest erklärt.

    Die Königskinder erlebten zur Nachtzeit aus unmittelbarer Nähe mit Grausen die Beseitigung des Vaters. Aegisth hatte den Vater bei der Schulter genommen und aus dem Badezimmer geschleift, „den Kopf voraus und die Beine hinterher“. Das offene Auge starrte ins Leere und der königliche Stirnreif „speiste sich mit Blut aus des Hauptes offener Wunde“.


    Während es Chrysothemis im Laufe der Zeit gelang, sich mit dem Schicksal zu arrangieren, kocht in Elektra ein unbändiger Hass. Die Einzelheiten der Bluttat erlebt Sie in einer Vision täglich aufs Neue und es gelingt ihr, auf metaphysischer Ebene eine Verbindung zu ihrem Vater herzustellen. Sie hält Zwiesprache mit dem Ermordeten was ihre seelischen Schmerzen beruhigt, ergeht sich aber zum Schluss in Vorstellungen fürchterlicher Rache gegen die beiden Straftäter


    Die Aussichten stehen nicht schlecht, denn Elektra hatte ihren kleinen Bruder in der Blutnacht aus dem Palast geschmuggelt, damit er eines Tages als Rächer und Vollstrecker zurückkehren kann, aber dann seine Spur verloren.


    Nun erscheint Chrysothemis, um der Schwester zu erklären, dass man sie in einen Turm einsperren will. Niemandem ist Elektra, die ihrem Hass freien Lauf lässt, geheuer und das kriminelle Paar befürchtet insgeheim, das die Rasende etwas anstellen oder Außenstehende mobilisieren könnte. Chrysothemis empfindet Bedauern mit der Schwester und vor allem mit sich selbst, denn sie stellt sich ein Leben auf dem Lande vor, verheiratet zu sein und Kinder zu haben. Ihre Beschwichtigungsversuche bringen Elektra nur noch mehr in Rage.


    Klytämnestra hat Angst, höllische Angst, vor den Furien, vor Elektra und vor ihrem Sohn Orest, der heimkehren könnte, um Rechenschaft für den toten Vater zu fordern. Körperlich fühlt sie sich überhaupt nicht wohl, hat es mit der Leber, nimmt Aspirin gegen Kopfschmerzen und geht am Stock. Die Königin erhofft sich Linderung durch magische Kräfte, denn die Bluttat belastet sie doch sehr. Das ewige Gezänk ihrer Dienerinnen verabscheut sie, und sie wünscht sich ein freundliches Wort, selbst wenn es von Elektra käme. Ihr unterstellt sie, Kenntnisse in der Heilkunde durch Kräuter und Steine. Von ihr will sie nun heraus bekommen, welche Oper gebracht werden müssten, damit ihr körperlicher und geistiger Zustand sich verbessere. Ihre Antwort kleidet Elektra in ein Orakel und lässt die Bittende in Ungewissheit. Eine Dienerin erscheint und flüstert der Königin zu, dass Orest von seinen eigenen Pferden zerrissen worden sei. “Warum lacht das Weib“, will Elektra wissen.


    Nun will Elektra die Rache selbst in die Hand nehmen und versucht, Chrysothemis zur Komplizin zu gewinnen. Letztere fühlt sich mit der ihr zugemuteten Mittäterschaft an der Ermordung der eigenen Mutter trotz intensiver Schmeicheleinen Elektras physisch und psychisch überfordert und ergreift die Flucht vor den wütenden Beschimpfungen durch die Schwester.


    Die Rasende holt aus dem Versteck das Mordbeil, um die Tat allein auszuführen, als plötzlich ein Fremder hinter ihr steht. Es ist Orest, der vorsätzlich das Gerücht von seinem Ableben ausgestreut hat, um die Palastbewohner in Sicherheit zu wiegen. Das Wiedersehen ist unbeschreiblich. Zutiefst erschüttert tasten beide aneinander heran.


    Die Wiedererkennungsszene der beiden Geschwister ist das Tiefgreifendste, was Richard Strauss überhaupt komponiert hat. Elektra jubelt: „Orest, Orest, Orest, Orest! Es rührt sich niemand. Oh lass deine Augen mich sehn, Traumbild mir geschenktes Traumbild, schöner als alle Träume.“ Die Verzückung will kein Ende nehmen. Der Pfleger Orests warnt vor unnötigem Lärm und dann besinnen sich beide auf das, was in dieser Nacht geschehen muss. Eine Dienerin kommt mit einer Fackel und lässt die beiden Männer in das Schlafgemach Klytämnestras. Elektra besinnt sich plötzlich, dass sie Orest das Beil nicht geben konnte, doch dieser hat seine eigene Werkzeugtasche dabei. Ein Schrei! Noch ein Schrei! Elektra ruft: „Triff noch einmal“, und siehe da, Klytämnestra schwimmt in ihrem Blute. Aegisth ist abwesend, denn die beiden hatten in letzter Zeit getrennte Schlafzimmer, weil die Königin von Albträumen geplagt, die Nachtruhe des Bettgenossen störte. Nun ist Aegisth zur Stelle, kann den Lichtschalter nicht finden und Elektra fragt, ob sie ihm leuchten darf. Aegisth will wissen, ob die beiden Fremden, welche die gute Nachricht vom Tode Orests brachten, auch reichlich bewirtet werden. „Natürlich“ erklärt Elektra, „Sie ergötzen sich gerade mit deiner Frau“ Elektra verschaukelt den argwöhnischen Stiefvater noch eine Weile, bis auch er unter dem Mordbeil Orests fällt. Im Palast ist man erwacht, Chrysothemis begreift als letzte: „Nun ist der Bruder da und Liebe fließt über uns wie Öl und Myrrhen. Elektra ich muss bei meinem Bruder stehn!“ Elektra hat nur einen Wunsch, schweigen und tanzen, und fordert die umstehenden auf, das gleiche zu tun. Die Anspannung der letzten halben Stunde ist für den Racheengel zu viel. Während des Tanzes bricht ihr Kreislauf zusammen.


    TAMINO exklusiv – Engelbert Hellen


    Bereich: Oper um die Jahrhundertwende
    Region: Deutschland

    Tancrede von André Campra


    Ich hatte kürzlich das Glück, den Tancred im Antiquariat für 8 Euro zu erwischen. Natürlich war ich gespannt, welchen der vielen historischen Tancresds André Campra sich für seine Vertonung vorgenommen haben würde. Er beschreibt nicht den späteren Rossini-Vorwurf, sondern lehnt sich an Montewerdi an. Hättei ich mir eigentlich denken können. Versöhnt war ich deshalb, weil Daphne Evangelatos mit ihrem profunden Organ, nicht barockspezialisiert, die Clorinda sang. Mein Lieblingscounter Dominique Visse war mit von der Partie, ihm war allerdings nur eine Wurze zugedacht.


    Ob man die Aufnahme nun gut oder schlecht findet, ist eine Frage der Wahnehmung und der Geduld.


    Wer belehrt mich eines anderen?


    Engelbert

    Hallo Cosima,


    Dein Artikel hat mich veranlasst, bei mir selbst nachzuschauen, was
    ich mir von Hugo Wolf zugelegt habe.


    Der Zyklus mit den Mörike-Liedern ist sehr umfangreich. Der englische
    Bariton Benjamin Luxon zusammen mit dem Pianisten David Willison
    hat ihn in den 70er Jahren auf 6 LP-Seiten komplett eingespielt.


    Noch älter ist eine Aufnahme mit diversen Wolf-Liedern, bei denen
    Evelyne Lear und Thomas Steward sich abwechseln.


    Was ich Dir empfehlen würde, wäre die zeitnahe CD-Einspielung
    mit Felicity Lott und Geoffrey Parsons am Klavier mit zehn Möriike
    Liedern und neun von Goethe.



    Was die angesprochenen Michelangelo-Lieder anbelangt, müsste
    ich dich an Schostakowitsch verweisen, der aus den Sonetten des
    Renaissance-Menschen eine Suite zusammengestellt hat. Auf
    der Decca-Aufnahme singt John-Shirley-Quirk und wird von Vladimir
    Ashkenazy begleitet.


    Die Lieder von Hugo Wolf liebe ich nicht besonders, weil ich die unterlegten Gedichte der deutschen Klassik und Romatik häufig nur als Reime wahneme und sie als zu oberflächlich einstufe. Im Prinzip mag ich Lyrik sehr, ziehe aber die Orientalen vor. Bei einem Gedicht muss ich bis zu achtzig Prozent der Zeilen inhaltlich übereinstimmen, bei den Deutschen klappt das nur selten, außer bei Wagner.


    :yes:


    Hugo Wolf hat aber nicht nur Lieder komponiert. Aus seiner einzigen Oper "Der Correigidor" hat er eine Suite formatiert, damit die Musik
    des selten aufgeführten Werkes in reduzierter Form auch im
    Konzertsaal erklingen kann.


    Ein unvollendet gebliebenes Streichquartett hat er orchestriert;
    daraus ist die Italienische Serenade geworden.


    Sein schönstes Werk ist eine Symphonische Dichtung über die
    Amazonenkönigin Phentesilea, die den griechischen Helden
    Achilles liebt, mit ihren Gefühlen aber nicht zurechtkommt.


    Gruß Engelbert

    Auf einem Hüllentext finde ich die Notiz, dass Jessye Norman
    Partien gesungen hat, von denen ich gern wüsste, ob diese
    in Form von Life-Mitschnitten inzwischen auf Tonträger
    erschienen sind:
    ?(


    Florenz 1971: Meyerbeers Afrikanerin
    Mailand 1972: Verdis Aida unter Abbado
    London Convent Garden: Berlioz' Trojaner, die Cassandra


    Sehr gern möchte ich ihre Karriere verfolgen. Im Forum habe ich
    keinen ausgiebigen Beitrag gefunden. Wer fühlt sich kompetent?.

    Hallo Orfeo,


    Viele seiner Klavierstücke hat Erik Satie auch selbst vertont.
    Besonders schön klingen die Lieder, wenn sich Jessye Norman
    mit ihrem weitausladenden Sopran der Sache annimmt.
    Besonders eindrucksvoll das Lied: "Je te veux" Ich höre es
    meistens mehrmals hintereinander: Es beginnt so:


    J'ai compris ta détresse
    Cher amoureux...





    Die Gesamteinspielung unter Frank Glazer besitze ich auch
    und bestätige, was Albus dazu sagt.


    Ende der 70er Jahre spielte Daniel Varsano eine Auswahl
    seiner Werke ein. Der Pianist kommt aus Uruguay.


    Noch im Handel und leicht greifbar der Franzose Pascal Rogé





    Gruss Engelbert


    Karl Goldmark (1830-1915)


    Die Königin von Saba


    Oper in vier Akten
    Ungarischer Titel: Sába Királynöje
    Deutsches Libretto von Salomon Hermann Mosenthal
    Quelle 3. Buch der Könige, Kapitel 10
    Uraufführung in Wien 10.03.1875
    Deutsche Erstaufführung in Hamburg 1875


    Die Begebenheit spielt in und um Jerusalem
    zu biblischer Zeit, etwa 950 v. Chr.


    Personen:
    König Salomon
    Die Königin von Saba
    Hoherpriester
    Sulamith, dessen Tochter
    Assad, Günstling König Salomons
    Astaroth, Dienerin der Königin
    Baal-Hanan, Palastaufseher


    HANDLUNG


    Erster Akt:


    Der königliche Palast wurde festlich geschmückt, weil man die Ankunft der Königin von Saba erwartet. Harfen und Zymbeln erklingen; die Töchter Jerusalems und die Frauen Salomons huldigen ihrem Gebieter. Alle wollen dabei sein, wenn die stolze Heidin vor Jehova das Knie beugt.


    Auch Sulamith, die Tochter des Hohenpriesters hat Grund zum Jubilieren, denn ihr Assad kehrt zurück. Sie erzählt es ihren Freundinnen: Vater hat ihn ausgewählt und der Hochzeitsschleier liegt bereit. Der Erkorene ist ihr Labekelch, der lieblich ihr die Lippen kühlt und sie mit seinem Honigkuss erfreut; ein Myrtenstrauß ist er, der sich an ihren Busen schmiegt und sie mit seinem Wonneduft labt. Der Chor weiß zu berichten, dass Assad unter Rosen weidet und bestätigt, dass er wirklich ihr gehört. Sie zittert vor Erwartung.


    Assad steht bei König Salomon in Gunst und wurde mit der ehrenvollen Aufgabe beauftragt, den hohen Gast auf halbem Wege abzuholen. Die Königin wartet noch am Tor von Gad, um sich für ihren Auftritt ein bisschen frisch zu machen. Gleich wird sie da sein, und Assad verabschiedet sich etwas betreten.


    Der Hohepriester tritt vor: Schau, mein lieber Sohn, wer auf dich wartet! Es ist Sulamith, die auf ihn zustürzt und ihn umarmen will. Wehe ihm! Entsetzen scheppert durch sein Gebein und sein Herz erstarrt. Was ist passiert? Assad ist völlig durcheinander und weiß nicht, ob er fliehen oder bleiben soll. „Welches Bangen, welche Qualen, sende Herr uns deine Strahlen.“ Der Chor beruhigt die aufgebrachte Stimmung. Endlich kommt der König.


    Salomon spürt sofort, dass irgend etwas nicht stimmt. Alle schweigen, Assad sagt nichts. Das holde Auge Sulamiths schwimmt in Zähren. Sie sucht sich ein Plätzchen zu Füßen des Königs. Dieser, für seine Weisheit international bekannt, sucht das Zwiegespräch mit Assad. Der König erkennt die Situation. Die Gefühle des jungen Mannes gehörten Sulamith, doch seit der Fahrt ins fremde Land, hat das Herz sich abgewandt. Assad bestätigt: Die finsteren Gewalten, die zwischen Erd’ und Himmel walten, haben ihm mit einem Zauberbann umgeben. Was war passiert? Assad, müde von der Reise, hatte sich am Libanon ein bisschen ins Moos gelegt und hört plötzlich ganz in der Nähe das Plätschern einer Silberquelle. Was sieht er? Ein Schwanenleib windet sich aus dem Wasser und schwarze Haare hüllen den Nacken ein. Wer ist diese Person? Nicht schwer zu erraten - die Königin von Saba. Assad ist bezaubert, die Faszination hält an. Salomon macht kurzen Prozess. Die Flausen müssen verschwinden. Morgen geht es mit der Braut zum Hochaltar, bestimmt der König. Assad erklärt, dass er seiner Braut die Treue halten will und Friede zieht nach banger Pein versöhnend in das Herz hinein.


    Endlich, die Königin rollt an, man schwingt die Palmwedel und huldigt: „Willkommen edler Gast in diesen Hallen, Dir wird es schon bei uns gefallen. Zu Füßen liegt dir das gelobte Land“. Die Königin hat Geschenke dabei: Düfte, die die Luft versüßen (Badezimmerspray) und auch sonst jede Menge Gold und Kostbarkeiten. Dann naht der Höhepunkt des Vormittags. Was noch kein Auge je erblickt. Die Königin entschleiert ihr Gesicht.


    Assad ist verblüfft. War das nicht die Badenixe in der Oase? Diese Frau und diese Züge. Ewiger Gott, es ist kein Wahn. Ist kein Traumbild, keine Lüge. Holdes Leben blickt ihn an. Durch die Seele zieht ein Bangen, zieht ein glühendes Verlangen. Astaroth, die Dienerin der Königin, merkt zuerst, dass etwas nicht stimmt. Dem Hohenpriester bleibt es auch nicht verbogen. Wie entstellt sind seine Züge, ihn umstrickt ein irrer Wahn. Hält mit teuflischem Verlangen ihn ein böser Geist umfangen? Er, gekrönt durch Ruhm und Siege, nun dem Dämon untertan? Der Königin wird die Sache zu dumm. Was will der fremde Mann von ihr? Assad versteht die Welt nicht mehr, kommt näher und flüstert: Tu doch nicht so. Hast du vergessen, im Mondlicht, die Nacht am Libanon? Belkis schiebt ihn weg und bekräftigt dem König und den Umstehenden: Ich kenne diesen Menschen nicht. Salomon zu Assad: Morgen ist Hochzeit mit Sulamith, reiß' dich zusammen; und zur Königin: Doch du mein Gast tritt ein, das Festgelage harret dein. Heil dem König! Sabas großer Königin sei Heil!


    Zweiter Akt:


    Belkis hat ihre Gemächer bezogen. Es ist Abend, sie tritt im Bademantel heraus auf die Terrasse und hängt ihren Gedanken nach.


    Er, der ihr das Herz bezwungen,
    er, den dieser Arm umschlungen,
    er führt sobald der Morgen graut
    zum Altar die junge Braut.


    Eifersucht plagt die Königin von Saba.


    Soll sie dieses alles missen,
    seine Locken nicht mehr küssen.
    Könige sah sie vor sich schmachten,
    doch sie durfte sie verachten.
    Dass den Liebling ihrer Seele eine andere ihr nun stehle.
    Nein, nur sie will ihn besitzen,
    durch das Herz zuckt ihr ein Blitzen.
    Siegen will sie, triumphieren.
    Die Nebenbuhlerin wird ihn verlieren.


    Astaroth hat eine Nachricht: „Süße Herrin, du bist hier? Eine Kunde bring ich dir. Jener Mann, der sich vermessen, der dir frech ins Auge sah, wandelt träumend unter den Zypressen.“ Die Königin fordert ihre Dienerin auf, den Geliebten herzuschaffen. Astaroth versteht und vokalisiert, was das Zeug hält. Angelockt durch „Magische Töne“ wird der Ahnungslose zurechtgewiesen:


    „Kommst du endlich, endlich wieder.
    Ach so lange harrt ich schon.
    Steigst du endlich zu mir nieder,
    süßer Freund vom Libanon.“


    Assad ist vorsichtig geworden:


    „Willst du wieder mich berücken,
    Dämon mit den süßen Blicken?
    Bist ein Wesen du von oben,
    aus der Lüfte Hauch gewoben?“


    „Lass das Zweifeln, lass das Klagen, fühle meine Pulse jagen“ Der Königin Abschied: „Halte ein, du darfst nicht gehen“, „Good bye, my love, Auf Wiedersehen“


    SZENENWECHSEL


    In den Tempel von Jerusalem ziehen die Jungfrauen ein. Weizenkörner in goldenen Schalen und Öl in Krügen bringen sie herbei. Sulamith, die Braut, weiß gekleidet, auf dem Kopf den wallenden Hochzeitsschleier! Sie trägt einen offenen Korb mit zwei Turteltauben. Dies Taubenpärchen sanft und rein, lass mich dir Herr, als Opfer weihn, betet sie. Die Täubchen flattern und das Herz hüpft ihr im Busen. Der Hohepriester beginnt mit der Zeremonie, als plötzlich die Königin mit einem Geschenk für die Braut auftaucht. Assad ist wie von Sinnen, wirft den Ehering fort und stürzt sich auf die Königin, um sie zu entschleiern. Ohne zu bedenken, was er sagt und was er tut, bekennt er seine Beziehung, doch sie erklärt ein zweites Mal, dass sie ihn nicht kenne. Salomon selbst schützt ihn vor der aufgebrachten Menge, die auf ihn eindringen will. Die Tempelwache nimmt ihn fest.


    Dritter Akt:


    Jetzt gibt es erst einmal Ballett. Der Bienentanz wird aufgeführt.


    Assad wurde wegen Tempelschändung zum Tode verurteilt. Belkis bittet den König um die kleine Gefälligkeit, ihr den Knaben zu schenken. Salomon geht auf Ihren Wunsch nicht ein, sieht darin eine Laune und verweist auf den Schiedsspruch des Priestergerichts. Es wundere ihn, so sagt er, dass sie sich um das Leben eines Straftäters sorge, von dem sie zweimal behauptet habe, dass sie Ihn nicht kenne. Die Königin droht mit Krieg, aber Salomon bleibt gelassen und verabschiedet sie.


    Sulamith erscheint weinend vor dem König und erreicht, dass das Todesurteil in Verbannung umgewandelt wird. Die Verzweifelte hat sich die Locken abgeschnitten und Trauerkleidung angelegt. Sie will in die Wüste gehen und sterben. Salomon spendet ihr Trost.


    Vierter Akt:


    Von Sehnsucht getrieben, ist die Königin ihrem Liebsten in die Wüste gefolgt, wo er ziellos umherirrt. Sie greift ihn auf und will ihn überreden, gemeinsam in ihre Heimat zu fliehen. Er fürchtet, erneut verraten zu werden und stößt sie von sich. Enttäuscht scheidet sie von ihm und ein aufkommender Sandsturm lässt Bild und Erinnerung an sie in der Ferne entschwinden.


    Assad hatte seinen Weg fortgesetzt, ist unter einer Palme zusammengesunken. Sulamith und ihre Gefährtinnen sind dem Rat des weisen Salomon gefolgt und finden den zu Tode Erschöpften unter einer Palme. Ein letztes Abschiednehmen, die Verzückung kennt keine Grenzen, begleitet von dem Gesang der Jungfrauen, sterben beide den Liebestod.



    © 2005 TAMINO - Engelbert


    Bereich: Oper des 19. Jahrhunderts
    Region: Österreich - Ungarn

    Schwarzer Humor in der russischen Oper


    Igor Strawinsky (1882-1971) schuf im Jahre 1922 die Oper
    Mavra
    nach der Novelle: "Das kleine Haus in Kolomna" von Alexander Puschkin


    Die Handlung:
    Die Bürgerstochter Paraschka liebt einen stolzen Husaren, den Nachbarn Basil. Als ihre Mutter den langjährigen Tod ihrer Köchin beklagt, kommt dem Liebespaar die entscheidene Idee. Basil verdingt sich in Frauenkleidern als Köchin. Als er einmal bei einer Bartrasur überrascht wird, fällt die Mutter in Ohnmacht und der Ertappte springt aus dem Fenster.


    Ende der Oper, Dauer 30 Minuten


    :angel:

    Maria di Rudenz lässt sich beim Sterben Zeit. Das Finale der
    Oper läuft folgendermaßen ab:


    Konrad kommt vom Duell zurück und hat gewonnen. Heinrich
    ist endlich tot. Da vernimmt man aus dem Hochzeitszimmer einen
    Schrei. Unter der Tür erscheint Maria. Jedermann hält sie für
    ein Gespenst, weil alle dabei waren, als sie von Konrad attackiert
    wurde. Doch was keiner weiß, ein Sanitäter war in der Nähe
    und hat Maria verbunden. Sie war nie ein Gespenst, sondern hat
    nur so getan. Soeben hat sie Mathilde umgebracht. Zur Strafe will
    Konrad sie noch einmal ermorden. In aller Ruhe rollt Maria sich aus
    Dem Wickelverband und blutet aus. Sterbend bekennt sie Konrad
    Ihre große Liebe.




    So stirbt man in der Schweiz.
    :angel:

    Beverly Sills - Die Ballade von Baby Doe




    Beverly Sills war eine meiner drei musikalischen Lebensabschnitts-Gefährtinnen in den siebziger Jahren. Jedes mal wenn es galt, eine Donizetti-Oper für mein Depot auszuwählen, lagen drei Damen im Klinsch miteinander, die Sutherland von der Decca, die Sills von der EMI; die Caballé war bei vielen Labeln vertreten.


    Ich kam mir vor wie der trojanische Hirtenknabe Paris, ein Apfel und drei
    Kandidatinnen. Zu späterer Zeit gelangte dann noch eine Birne zur Verteilung. Meine Entscheidungen war nicht immer glücklich, besonders im Falle der Maria Stuarda. Letztendlich hat Beverly Sills das Rennen gemacht, weil sich Eileen Farrell, die ich in meiner Sammlung noch nicht hatte, im Beipack befand. Die Birne liegt noch im Obstkörbchen für das Gespann Sutherland – Tourrangeau, möglichst auf DVD. Bleibt da noch der Pfirsich für die Gruberova.


    Meine erste Bekanntschaft mit der Sills und mit Barock-Opern überhaupt
    war die Einspielung von Händels Julius Cäsar. Von den Stimmen her gesehen, ein opulentes Mal, kein Counter-Tenor im Gulasch. Gut kann ich mir aber vorstellen, dass den Barock-Fetischisten von heute die Aufführungspraxis der 60er Jahre ein Greuel ist. Das Timbre der Sills gefiel mir auf Anhieb und habe dann gewartet, ob von ihr etwas nachkommt.


    Fünf Jahre später meldet sich His Masters Voice. Den Reigen der Tudor-Königinnen eröffnet Beverly Sills mit der Donizetti-Oper Roberto Devereux. Eine Wahnsinns-Oper. aber ohne formelle Wahnsinns-Arie, die Queen spielt lediglich verrückt. Aber wie die Sills das hinbekommt: Zur Verfügung stehen ein überschaubares Stimmvolumen, keine
    überwältigenden Koloraturketten, kontrolliertes Feuer – dafür schneidende Kälte und Galle, nochmals Galle. Beverly Sills erfasst die Frauengestalt vom Psychologischen her und nimmt die Figur völlig auseinander, in ihrer Verzweiflung, ihrer Sehnsucht, ihrer Verlassenheit und ihrer Rachsucht.


    (Anmerkung: die im Handel erhältliche DVD ist nicht deckungsgleich mit der Besetzungliste der LP von 1970 unter Mackeras.)


    Der Bann war gebrochen. Der Konzern ging mit der Sills in Serie.


    Ich habe zugegriffen:


    Rossini: L’Assedio di Corinto (ital. Vers.), Parti der Pamira,
    Partner: Sherley Verret
    Donizetti: Roberto Devereux, Partie der Elisabeth,
    Partner: Ververly Wolff
    Donizetti: Maria Stuarda, Partie der Maria, Partner Eileen Farrell
    Bellini: I Capuleti e I Montecchi, Partie der Julia, Partner: Janet Baker
    Bellini: I Puritani, Partie der Elvira, an der Seite von Nicolai Gedda
    Verdi: Rigoletto, Partie der Gilda, an der Seite von Alfred Kraus


    Offenbach: Les Contes d’Hoffmann, die Olympia,
    an der Seite von Stuart Burrows
    Massenet: Manon, Partie der Manon, wiederum mit Gedda


    Die amerikanische Primadonna hat aber noch weitaus mehr Produktionen eingespielt: Wichtig vor allem die Lucia; ein Forianer hat ausgeführt, dass die Glasharfe der Uraufführung wieder an ihren Platz gestellt wurde.


    Die Norina hatte die Sills im Programm und die Norma. es gibt eine Traviata mit ihr, und vor allem die Thais in Konkurrenz mit der Moffo. Ich denke, die Forianer melden sich, wenn in der Diskographie von Belle Silvermann etwas fehlt.


    Bevor die Sills Anfang der sechziger Jahre ihre Karriere aus familiären Gründen unterbrechen musste, erblickte die Oper „The Ballad of Baby Doe“ das Licht der Welt. Die Premiere ging an der New York City Opera in Szene. Damals war Julius Rudel noch ihr Direktor, am Ende ihrer Sängerlaufbahn bekam die Sills diese Position. Exmerson Buckley dirigierte die Uraufführung und Beverly sang die Mrs. Elizabeth,
    Baby Doe genannt.




    Weshalb die Sills in den öffentlichen Kritiken nicht gut weg kam, liegt daran, dass sie von Amerika niemals weggegangen ist. Die New York City Oper war ihr trautes Heim, an dem die Primadonna klebte. Oder weiß man von einer Tournee ins Ausland. War sie jemals in München oder Berlin? Der Polarstern leuchtete nur bis zum Ozean und drang zu anderen Galaxien nicht durch. Nur auf das Medium Schallplatte angewiesen zu sein, reichte ihren Gutachtern nicht. Die Sills war
    keine Frau zum Anfassen; die Zwerge wurden nicht hofiert und die Amerikanerin hat dann gesehen, was sie davon hat.



    Mit ihren feuerroten Haaren war Beverly Sills in jungen Jahren eine ausgesprochen attraktive Frau, das Bildmaterial in Coq d’or, Baby Doe, Maria Stuarda und Manon beweisen es. Was die Sutherland für Australien bedeutet, ist die Sills für die Staaten, eine Königin Shemaka der Herzen, nicht für die Welt, aber für 50 Bundesländer.


    Engelbert

    Also, lieber Claus,
    wegen der "y entonces comprendido" habe ich im Internet geblättert, aber keine Einspielung auf CD gefunden. Die Kopplung mit "Como una ola fuerza y luz" ist nur auf LP bei DGG zu haben. Falls Du einen Plattenspieler hast, rege ich an, in den Frankfurter Antiquariaten nach einem gelb-roten Cover mit Nono-Kopf Ausschau zu halten.


    Der "Prometeus" ist ein wertvoller Tipp, zumal Ingo Metzmacher
    dirigiert. Für die Hamburger ist Metzmacherr ein Begriff, weil er in der
    Hansestadt jahrelang das Musikleben geprägt hat, aber vor einiger
    Zeit durch Frau Young abgelöst wurde. Ich glaube, der Prometeus
    ist das einzige, was es von dem Österreicher auf Tonträger gibt.



    Carl Orff hat den Prometeus als Opern-Oratorium angelegt.
    Er wird in altgriechisch gesungen, wäre etwas für Dich.
    Was Dir bestimmt auch gefallen wird,ist die Vertonung des
    Gilgamesch-Epos von Per Noergard.


    Ansonsten bin ich Deinen Ausführungen aufmerksam gefolgt.


    Vor einiger Zeit habe ich in den Medien verfolgt, daß man
    den Gesang der Buckelwale auf Band aufgenommen hat. Ein
    Zeitgenosse hat auf dem Klavier etwas dazu komponiert und beides
    im Studio gemischt. Die Walfisch-Sonate soll beim Publikum
    gut angekommen sein. 8o


    Herzlichen Gruss
    Engelbert

    Alfredo il Grande


    ist die dreizehnte Oper, die Gaetano Donizetti im Jahre 1823 für das
    Teatro San Carlo in Neapel komponiert hat. Zieht man die Werke ab,
    die nie zur Aufführung gelangten oder dessen Partitur verschollen ist,
    wäre es seine siebente.


    Gaetano hält das Textbuch seines Librettisten Andrea Leono Tottola
    in Händen und bemüht sich nach Kräften aus der mageren Geschichte
    etwas herauszuholen. Seine schlimmsten Befürchtungen werden noch
    übertroffen. Das Werk wird von den Napolitanern nicht angenommen
    und nach der zweiten Aufführung vom Spielplan abgesetzt.


    Bis heute gibt es und gab es keine Gesamteinspielung auf Tonträgern.
    Das muss aber nicht heißen, das in Zukunft keine Änderung eintreten
    könnte. Della Jones hat bereits guten Willen gezeigt.



    Im Tamino-Opernführer wird eine Inhaltsangabe angeboten.


    :jubel:


    Ich finde es immer wieder reizvoll der Vertonung einer Opernfigur
    nachzugehen, Quellenforschung zu betreiben und die historische
    Stichhaltigkeit zu vergleichen, ohne indes den Librettisten zu rügen,
    wenn nichts stimmig ist.



    Der historische Alfred:


    Das Leben Alfred des Großen, geb. im Jahre 848, ist geprägt von
    aufreibenden Kämpfen mit den Dänen, die ständig in Wessex
    einfallen, um es ihrem Imperium anzugliedern oder einfach nur,
    um zu plündern.


    Uneinigkeit auch unter den angelsächsischen Königreichen, weil jeder
    Kleinkönig die Herrschaft über All-England anstrebt. Als Nachfolger
    seines verstorbenen Bruders Ethelred, dessen Kinder noch unmündig
    sind, fällt ihm, Alfred, dem jüngsten Sohn des Königs Ethelwulf
    von Wessex, die Königswürde zu. Das Gebiet umfasste damals den
    gesamten Süden von Kent bis Cornwall.


    Verträge werden geschlossen, Verträge werden gebrochen. Schließlich
    gelingt es Alfred in der Schlacht bei Edington die Dänen vernichtend
    zu treffen, obwohl er selbst flüchten muss. Der Dänenkönig Gunthum
    ist zum Christentum übergetreten, lässt seine englischen Besitztümer
    im Stich und verzichtete auf weitere Eroberungspolitik.


    Es tritt eine Zeit der Ruhe ein, in der Alfred zur Verhinderung zukünftiger Überfälle bessere Vorsorge trifft. Er kümmert sich um den Wiederaufbau des Landes, ordnet das Heerwesen und baut eine Flotte. Innenpolitisch bemüht er sich um das Bildungswesen und holt Gelehrte an seinen Hof, von denen er selbst ausgiebig profitiert. Er übersetzt lateinische Bücher in die Volkssprache, ordnet das Rechtswesen und befasst sich mit der Dichtung seines Landes


    Es gelingt ihm die angelsächsischen Königreiche unter seiner Herrschaft
    zu vereinigen. Alfred von Wessex stirbt nach einem turbulenten Leben
    etwa 50 jährig um das Jahr 900; das genaue Todesjahr weiß man nicht.


    Mit dem Einfall der Normannen im Jahre 1066 bricht ein neues Kapitel
    englischer Geschichte an


    :angel:

    ZAUBER DER OPER


    Gaetano Donizetti ( 1797 - 1848 )
    Alfredo il Grande


    Opera seria in zwei Akten
    Deutscher Titel: Alfred der Grosse
    Libretto von Andrea Leone Totola
    Uraufführung am 02.07.1823
    am Teatro San Carlo in Neapel
    Oper Nr. 13 im Werkverzeichnis Donitettis



    Schauplatz ist England
    zur Zeit der Dänenkriege im 9. Jahrhundert
    vor der Eroberung durch die Normannen



    DIE PERSONEN:
    Alfredo il Grande, König von England
    Amalia, Gemahlin des Königs
    Guglielmo, Haudegen und Freiheitskämpfer
    Edoardo, Freund und Befehlshaber des Königs



    DIE HANDLUNG


    Erster Akt
    König Alfred ist einmal mehr genötigt, das Land gegen die räuberischen Dänen zu verteidigen. Am Rande des Schlachtfeldes hat er Unterschlupf in der Hütte des Bauern Guglielmo gefunden. Das Schlachtgetümmel nervt den König, und er hat den Oberbefehl seinem Freund Eduard übertragen. Amalia hat Sehnsucht nach ihrem Gemahl und in Begleitung Eduards entdecken sie Alfreds Unterschlupf. Die Dänen sind ihnen heimlich gefolgt und umzingeln das Versteck. Doch - welch ein Wunder - das Häuschen hat einen unterirdischen Geheimgang. Alfred und Amalia versuchen, sich in Sicherheit zu bringen und tappen durch die Finsternis. Doch – oh Schreck – am Ausgang warten bereits die schlauen Dänen, um das Paar in Empfang zu nehmen. Aber die dänischen Kämpfer haben die Rechnung ohne Guglielmo gemacht. In banger Vorahnung hat dieser die Situation vorausgesehen und sprengt mit einer Schar Getreuer die Dänen auseinander. Das königliche Paar kann das Versteck in Würde verlassen.



    Zweiter Akt
    Jetzt geht es richtig los! Die Waffen klirren und die feindlichen Heere mit dem König an der Spitze prallen aufeinander. Er findet die passenden Worte, seine bisherige Abwesenheit zu erklären und spornt seine Gefolgsleute an, heroische Taten zu vollbringen. Die törichte Amalie missachtet den Rat ihres Gemahls, und geht nächtens auf dem Schlachtfeld spazieren. Es kommt wie es kommen muss. Die Königin wird von den Dänen gekapert. Wo ist Guglielmo? Natürlich zur Stelle! Er braust mit seinem Fußvolk heran, befreit Amalia und sorgt für Ordnung. Alfred schlägt sich auf dem Schlachtfeld wacker und schickt die Dänen erst einmal wieder nach Hause.



    TAMINO exklusiv - © Engelbert Hellen



    Bereich: Oper des 19. Jahrhunderts
    Region: Italien

    Turangalila-Sinfonie


    Ich schließe mich der Ansicht von Cosima an. Für mich ist es die bedeutendste Sinfonie, die von einem Komponisten des 20. Jahrhunderts geschaffen wurde. Nun besitze ich den Life-Mitschnitt des Luxemburger Sinfonie-Orchesters unter Louis de Froment, der
    den Vorzug aufweist, daß Yvonne Loriod den Klavierpart und Jeanne Loriod das Onde Martenot spielt. Beide Solisten waren auch zu hören, als vor längerer Zeit das Werk in Hamburg unter Leitung des Komponisten aufgeführt wurde. Es war ein unvergessenes Erlebnis. Diese Dynamik lässt sich auf Tonträger überhaupt nicht einfangen.


    Man muß dieses Werk life erleben, um einen letztgültigen Eindruck zu bekommen.


    Wenn ich spontan ein Werk von gleicher Dynamik nennen sollte, käme ich auf die Sinfonie Nr. 7, die Frühlingssinfonie, von Mikis Theodorakis. Nicht ganz so lang, aber die Dichte der kompositorischen Einfälle und die ungeheure Dynamik werden
    durch Vokaleinlagen ergänzt. Die vertonten vier Gedichte sind
    in französischer Sprache gehalten. In meiner Einspielung dirigiert
    Kitaienko die Philharmonie Moskau. Die Chöre Lettlands und Litauens
    ergänzt durch vier Gesangsolisten und einem Schlagzeugensemble
    treten gegen die übermächtige Gewalt des Orchesterapparates an und inszenieren im Kollektiv ein klangliches Inferno ohnegleichen.


    :angel:

    ZAUBER DER OPER



    Giovanni Paisiello (1740 - 1816)
    Fedra


    Oper in zwei Akten und dreizehn Szenen
    Deutscher Titel: Phädra
    Libretto von Mario Savioni
    Quelle: Jean Racine, frei nach Euripides
    Uraufführung 1. Januar 1778 in Neapel
    Oper Nr. 70


    Die Handlung spielt zu mythischer Zeit
    im antiken Griechenland


    DIE PERSONEN
    Fedra: Zweite Gattin von König Theseus
    Aricia: Griechische Prinzessin
    Diana: Göttin der Jagd
    Ippolito: Stiefsohn Fedras
    Mercurio: Götterbote
    Teseo: König von Attika
    Plutone: Gott der Unterwelt
    Learco: Vertrauter der Königin


    DIE HANDLUNG


    Erster Akt
    Prinz Hippolytos, Sohn des Königs Theseus, erklärt im Tempel der Diana der jungen Aricie seine Liebe, die von ihr erwidert wird. Ihre Zuneigung ist von einer tiefen Traurigkeit begleitet, weil sie zur Priesterin der Diana auserkoren wurde, was bedeutet, dass ihrer Liebe die Erfüllung versagt bleiben muss.


    Aricie wendet sich mit ihrem Problem an Königin Phädra, welche völlig unerwartet mit übermäßigem Zorn reagiert. Aricie ahnt nicht, dass die Königin selbst in ihren Stiefsohn heftig verliebt, ihre Nebenbuhlerin ist. Die Ursache für Phädras Leidenschaft ist ein Fluch der Göttin Venus, welche sich rächen möchte, weil sie, die Göttin, von dem jungen Prinzen zurückgewiesen wurde. Damit beschwört Venus die Opposition der Göttin Diana herauf, die Phädra mit argem Übel droht, wenn sie ihren Stiefsohn nicht in Ruhe lässt. Sie selbst will Aricie zur Priesterin ihres Tempels weihen, wozu diese überhaupt keine Lust verspürt.


    Learco, der Vertraute der Königin, erzählt ihr, dass König Theseus tot sei. Phädra nutzt die Gelegenheit der Stunde und frohlockend gesteht sie dem Stiefsohn ihre Liebe. Heiraten möchte sie ihn, um mit ihm das Land zu regieren. Diesem Schwachsinn begegnet Hippolytos, indem er Phädra dummerweise von seiner Liebe zu Aricie erzählt. Die Königin ist schockiert und bittet ihren Stiefsohn, sie zu töten, damit sie von ihrer Leidenschaft befreit sei.


    Tatsächlich ist Theseus mit seinem Freund und Kampfgenossen Peirithoos in den Hades eingedrungen, um Prosperina, die Göttin der Unterwelt zu entführen, weil Peirithoos, König der Lapithen, sie zur Frau begehrt. Der Plan ist misslungen und nun sind beide die Gefangenen Plutos. Der Gott der Unterwelt ist nicht geneigt, Theseus’ Wunsch nachzukommen, ihn freizulassen. Merkur schaltet sich ein, und es gelingt dem Diplomaten den tief Gekränkten umzustimmen. Theseus darf nach oben, aber dort erwartet ihn das Chaos.


    Zweiter Akt
    Phädra hat Druck gegeben und erreicht, dass Aricie der Liebe zu Hippolytos abschwört. Um den Prinzen nicht in Todesgefahr zu bringen, der mit ihr fliehen möchte, lügt sie diesen an, dass sie ihn nicht mehr lieben würde. Hippolytos kann den Wechsel ihrer Gefühle nicht verstehen und ist völlig ratlos.


    Es kommt die Nachricht, dass Theseus nicht tot sei, sondern bald in der Hauptstadt erscheinen würde. Phädra, in Furcht vor Entdeckung Ihrer Schandtat ist unschlüssig, ob sie fliehen oder Selbstmord begehen soll. Merkur kommt ihr zur Hilfe und bestimmt, dass sie die Schuld Hippolytos zuschieben solle. Sie soll erklären, dass nicht sie ihn, sondern er sie mit seiner Leidenschaft bedränge.


    Der Zurückgekehrte wird von der Bevölkerung mit großem Pomp begrüßt. Phädra beeilt sich, ihren Stiefsohn des Verrates anzuklagen Ihr Gemahl glaubt ihr und wendet sich an seinen Vater Neptun, die Bestrafung vorzunehmen.


    Das Meer im Hintergrund, tauschen die beiden Liebenden sich aus. Aricie erläutert die Intrigen Phädras und Hippolytos hofft, dass ein gütiger Olymp ihrer beider Schicksal zum Positiven wenden wird.


    Plötzlich verdunkelt sich der Himmel. Die See wütet und ein furchtbarer Sturm bricht los. Ein Seeungeheuer steigt aus dem Wasser und stürzt auf Hippolytos zu. In dieser hoffnungslosen Situation erscheint plötzlich die Göttin Diana in den Wolken und schießt einen Pfeil ab, der den Seebullen tötet.


    Aricie, die alles mitbekommen hat, fürchtet um das Leben ihres Geliebten. In einer Auseinandersetzung mit der Königin, muss sie sich grobe Schmähungen gefallen lassen. Theseus erscheint, denkt dass Hippolytos ein Opfer des Monsters geworden ist und avisiert seinen Tod. Das ist für Phädra zu viel! Sie gesteht, dass sie die Alleinschuldige sei, nimmt Gift und stirbt. Theseus erkennt seine Leichtgläubigkeit und beklagt verzweifelt den Tod von Sohn und Gattin.


    Dieser gewaltige Schmerz kann dem Opernpublikum nicht zugemutet werden. Mit Hippolytos an der Hand tritt Göttin Diana auf, ermahnt den Vater seinen Sohn zu umarmen und erklärt in überquellendem Wohlwollen Hippolytos und Aricie für Mann und Frau. Die Oper schließt mit einem Hymnus auf die Liebe.


    TAMINO exklusiv - © Engelbert Hellen



    Bereich: Oper des 19. Jahrhunderts
    Region: Italien

    Hallo, lieber Klingsor,


    Glücklicherweise hat man die LP, einstmals unter dem schwedischen
    Label BIS erschienen, auf CD überspielt. Amazon hat sie im Angebot.
    Ich habe die Werbung nachstehend kopiert:
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    Isländische Chormusik


    Various Jon Stefansson Langholter Chor, Jon Stefansson
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    CD


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    Auf dieser CD:
    1. David 92
    Komponist Thorkell Sigurbjörnsson
    mit Langholter Chor
    Dirigent Jon Stefansson


    2. Hosianna
    Komponist Thorkell Sigurbjörnsson
    mit Langholter Chor
    Dirigent Jon Stefansson


    3. O Gud vors Lands
    Komponist Thorkell Sigurbjörnsson
    mit Langholter Chor
    Dirigent Jon Stefansson


    4. Der 150. Psalm
    Komponist Helgi Helgason
    mit Langholter Chor
    Dirigent Jon Stefansson


    5. Latum Sönginn Gladan Gjalla - Fjallkonan
    Komponist Sogfus Einarsson
    mit Langholter Chor
    Dirigent Jon Stefansson


    6. Eg Ad Öllum Haska Hlae
    Komponist Hallgrimur Helgason
    mit Langholter Chor
    Dirigent Jon Stefansson


    7. Krummavisa
    Komponist Jon Asgeirsson
    mit Langholter Chor
    Dirigent Jon Stefansson


    8. Ordskvidur Salomons
    Komponist Jon Asgeirsson
    mit Langholter Chor
    Dirigent Jon Stefansson


    9. Requiem
    Komponist Jon Leifs
    mit Langholter Chor
    Dirigent Jon Stefansson


    10. Glaubst du das Groa
    Komponist Gunnar Reynir Sveinsson
    mit Langholter Chor
    Dirigent Jon Stefansson


    11. Sie war das alles
    Komponist Gunnar Reynir Sveinsson
    mit Langholter Chor
    Dirigent Jon Stefansson


    12. The Sick Rose
    Komponist Atli Heimir Sveinsson
    mit Langholter Chor
    Dirigent Jon Stefansson



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    über Jon Leifs, etwa 10 CDs




    Nun hoffe ich, Dir mit meiner Information eine grosse Freude gemacht zu haben.


    Engelbert

    Im Jahre 1949 wurde Daniel Catán in Mexiko City geboren.
    Über sein Leben ist wenig bekannt. Er komponierte, dichtete
    und war auch pädagogisch tätig. Auf Tonträger greifbar sind
    die Kantate: „Obsidian Butterfly“ aus dem Jahr 1984 und die im
    Jahre 1988 entstandene und im Palacio de Bellas Artes in
    Mexiko-City uraufgeführte Oper „Rappacini’s Tochter.“ Sein
    großer Wurf gelang ihm mit „Florencia en el Amazonas“.


    Die Musik ist voller Spannung und geht auf die Psyche der
    einzelnen Reisenden ein. In der musikalischen Erfassung des
    Regenwaldes und der Stromlandschaft bedient sich Catán
    eines Stiles, den man als Neoimpressionismus bezeichnen
    könnte, fein ziseliert von ungeheurer Dichte und Dramatik.
    Die Oper ist ein Juwel unter den Tonschöpfungen des
    gegenwärtigen Latino-Amerika und betört auf Anhieb.



    Florencia Grimaldi ist eine junge Sängerin, die in Europa
    Karriere gemacht hat und nun nach 20 Jahren Abwesenheit
    ihre Heimat Brasilien wiedersieht.





    Ihr Reiseziel ist Manaus, die Urwaldstadt, in der die Kautschuk-Barone ein wundervolles Opernhaus errichtet haben. Hier hat die Diva ihren ersten Auftritt und benutzt den Linien-Dampfer El Dorado, um nach einer abenteuerlichen Reise mit einem geheimnisvollen Eingeborenen an Bord, ans Ziel zu kommen. In der Stadt wütet jedoch die Cholera, so dass die Passagiere das Schiff nicht verlassen dürfen. Ein weiteres Pech kommt hinzu. Ihren einstigen Geliebten Christobal, ein Schmetterlingsjäger, den sie dort wiederzusehen hofft, ist bei der Jagd auf die „Smaragdmuse“ im Urwald verschollen


    (mehr zum Inhalt im neuen Tamino-Opernführer)


    Die Oper wurde im Jahre 1996 von der Grand Oper in Houston
    uraufgeführt. Eine Produktion in Seattle folgte später nach.


    Wer von den Forianern hat die Uraufführung in Heidelberg gesehen? ?(


    :angel:


    Dort wo der Rio Negro in den Amazonas mündet liegt die nordbrasilianische Metropole Manaus. In der Mitte des 17. Jahrhunderts
    errichteten die Portugiesen die wirtschaftliche Basis. Der Handel mit Holz, Kautschuk und Gewürzen brachten den gigantischen Aufschwung. Zunächst begann man mit dem Ausbau des Hafens. Die Infrastruktur erweiterte man um eine elektrische Straßenbahn. Es entstanden Plätze mit prachtvollen Bauten. Zum Schluss baute man das herrliche Opernhausen mit der großartigen Kuppel. Am 31.12.1896 wurde es mit Ponchiellis "La Gioconda" eröffnet. Caruso und die großen Sänger ihrer Zeit, auch Florencia Grimaldi, besuchten das "Paris des Regenwaldes"


    Und dann war da noch Klaus Kinski, der sich magisch angezogen fühlte.
    :P

    Hier eine Auflistung der Werke, die Siegfried Palm 1975 für Polydor aufgenommen hat:


    Anton Webern
    Sonate für Violoncello und Klavier (1914)
    1,57 Min.


    Iannis Xenakis
    Nomos alpha (1965)
    14,25 Min.


    Anton Webern
    Drei kleine stücke, op.11 (1914)
    für Violoncello und Klavier
    2,41 Min.


    Mauricio Kagel
    Unguis incarnatus est (1972)
    für Klavier und Violoncello
    5,30 Min.


    Bernd-Alois Zimmermann
    Vier kurze Studien für Violoncello solo (1970)
    2,17 Min.


    Krzysztof Penderecki
    Capriccio per Siegfried Palm (1968
    für Violoncello solo
    6,47 Min.


    Earle Brown
    Musik für Cello und Piano (1955)
    8,05 Min.


    Isan Yun
    Glisées (1970)
    für Violoncello solo
    14,02 Min.


    Am Klavier begleitete Aloys Kontarsky


    :angel:

    Also, Ihr beiden lieben Veroneser, vom unbekannten Franzosen würde ich bei Charles Koechlin nun wirklich nicht sprechen, wenn man sich das CD-Angebot bei JPC anschaut.


    Sein spektakulärstes Werk ist zur Zeit allerdings nicht greifbar. Es handelt sich um die “Seven Stars Symphonie“ op. 132, aus dem Jahre 1933. Genau genommen ist es eine Suite, in welcher er ein Miniaturporträt von sieben zur damaligen Zeit aktuellen Filmschauspielern entwirft.


    Er stellt vor: Douglas Faibanks, Lilian Harvey, Greta Garbo, Clara Bow, Marlene Dietrich, Emil Jannings und Charly Chaplin. Letzterem widmet er besondere Aufmerksamkeit und unterteilt noch mal in zwölf Gedankenblitze, darunter: Barcarole - The Kid’s Lullabye – Fight with the Bully usw. Dem Bild Nummer 3 von Greta Garbo gesellt er als Instrument das Ondes Martenot zu, welches auch Olivier Messiaen in seiner Turangalila verwandt hat.


    Charles Koechlin hatte eine Affinität zum Kino und war der Schöpfer einiger Filmmusiken. Festzuhalten ist auch sein Liederzyklus: Sieben Chansons für Gladys .
    Sein Kompositionsstil blieb nicht dem Impressionismus verhaftet, zurückblickend und vorausschauend nahm er zwischen Expressionismus und Exotissimo alles mit. Von letzterem zeugt sein Klavierzyklus
    „Les Heures Persanes“, obwohl Charles nie in Persien war. =)


    Seinen sechzehn Miniaturen gibt er Überschriften bei, um des Zuhörers Gedanken in die gewünschte Richtung zu lenken:



    Mittagsruhe vor der Abreise - Die Karawane - Der unheimliche Aufstieg – Kühler Morgen im Hochtal – Beim Anblick der Stadt – Quer durch die Straßen – Abendlied – Morgenscheinauf den Terrassen - Morgenständchen – Rosen im Licht der Mittagsonne – Im Schatten beim
    Marmorbrunnen – Arabesken – Die Hügel, bei Sonnenuntergang – Der Erzähler (Es folgen vier Erzählungen) – Der Abendfriede auf dem Friedhof – Derwische in der Nacht.


    Koechlin schien sich bei Abfassung des Werkes für Klavier nicht schlüssig zu sein, ob er dichten oder komponieren wollte. In seiner Taktik erinnert der Franzose an den Engländer Albert William Ketelbey ( 1875 – 1959 ), der seine Werke auch blumig übertitelte: „In einem persischen Garten“ „Die blauen Wasser von Hawaii“ „Glocken über der Prärie“ usw.


    Man kennt es auch bei anderen Komponisten: Das Erhabene steht neben dem Banalen. Charles Koechlin war ein Janus-Kopf.


    :angel:

    Im hohen Norden hatte die Chormusik eine weit zurückreichende Tradition. Die christliche Überlieferung in lateinischer Sprache geht bis in das dreizehnte und fünfzehnte Jahrhundert zurück. Der Langholter Kirchenchor unter der Leitung von Jón Stefánsson gilt als der berühmteste gemischte Chor der isländischen Hauptstadt.


    Der erste Komponist von Bedeutung mit einer professionellen musikalischen Ausbildung im Ausland war Sveinbjörn Sveinbjörnsson (1847-1927). Er komponierte die isländische Nationalhymne „ O Gott unseres Landes“


    Einsame Seelen in entlegenen Tälern neigen zur Frömmigkeit, deshalb nimmt die Liturgie im isländischen Musikleben einen breiten Raum ein. Die Hallgrimskirche, ein Meisterwerk der nordischen Architektur, bietet mit seiner vorzüglichen Akustik den geeigneten Mittelpunkt religiösen Lebens.


    Das Requiem von Jón Leifs ist ein einzigartiges Juwel unter den Chorkompositionen. Er schrieb es zum Gedenken an seine kleine Tochter, die durch einen Unfall ums Leben kam.
    Die komponierenden Könige der Bibel David und Salomon sind beliebtes Vorbild, eigene Vorstellungen in Anlehnung an ihre Psalmen zu entwickeln. Dem Psalm Nr. 150 „Lobe Gott in seinem Heiligtum“ hat Helgi Helgason (1848-1922) seinen Stempel aufgedrückt. Der Psalm „Es ist eine feine Sache, Gott zu danken“, ebenfalls von König David, war die Vorlage für eine Komposition von Thorkell Sigurbjörnsson (geb. 1938 ). Das Sopransolo in seinem Hosianna versetzt den Kirchenbesucher in einen Zustand geistiger Verzückung.
    Jón Ásgeiersson (geb. 1928 ) wendet sich den Sprüchen König Salomons zu, um diese musikalisch ins rechte Licht zu rücken..


    Aber auch die Folklore und der Liebesschmerz werden nicht vernachlässigt. Einer der wichtigsten Isländer, welcher Volkslieder sammelte und daraus Arrangements für den Konzertsaal schuf, war neben Ásgeiersson der 1914 geborene Hallgrímur Helgason. Die literarisch anspruchsvollen Gedichte des Dichters Halldór Laxness bieten eine wertvolle Basis, um sich als Komponist von Vokalwerken zu profilieren. Sigfús Einarsson (1877-1939) schuf ein Chorlied, welches von der „Mountain-Lady“ erzählt und Atli Heimir Sweinsson (geb. 1938 ) beklagt „Die kranke Rose“. Dieser Text stammt von William Blake und ist dem Gedenken von Benjamin Britten gewidmet.


    O, Rose thou art sick
    The invisible worm
    That flies at night
    In the howling storm
    Has found out thy bed of crimson joy
    And his dar secret love
    Does thy life destroy.
    O Rose thou art sick


    :angel:

    Das Festmahl der Spinne ist eine der reizvollsten Ballettkompositionen die ich kenne. Sie stammt von Albert Roussel und hatte ihre Uraufführung im Jahre 1913 in Paris.


    Die Szene spielt in einem Garten. Im Hintergrund sitzt eine mächtige Spinne in ihrem Netz und hält Ausschau nach potentieller Beute. Es nähert sich eine Ameise, die ein Rosenblatt transportiert, und zwei Mistkäfer tanzen beschwippst quer durch den Garten. Ein Schmetterling verfängt sich und verendet. Eine Frucht fällt vom Baum. Zwei Würmer krabbeln darauf zu und suchen einen Weg, hineinzugelangen. Zwei Gottesanbeterinnen bekämpfen sich, geraten aus Unvorsichtigkeit ins Netz und eine beschuldigt die andere der Nachlässigkeit. Ein kurzlebiges Insekt wird geboren und stirbt sogleich wieder. Die Spinne macht sich auf die Beine, um ihr grausiges Festmahl zu verzehren. Die beiden Mistkäfer haben jedoch eine der beiden Gottesanbeterinen befreit, welche der Spinne den Kopf abbeißt. Damit ist das blutige Bankett beendet. Gemeinsam beerdigt man die Eintagsfliege und den Schmetterling. Nacht senkt sich über das Insektendrama und den Garten.


    :angel:

    Die Ausführungen des Forianers C. Huth haben mich sehr beeindruckt, und ich freue mich, dass mein Beitrag über die „Gran sole“ eine solch tiefschürfende Resonanz ausgelöst hat. Unser Verfasser dringt pädagogisch in die Problematik ein und transportiert Zuneigung und positives Verständnis zu Nonos Bühnenwerk, was ich mit Beifall quittiere.


    C. Huth erwähnt das freundschaftliche Bündnis zwischen Nono, Abbado
    und Pollini, welches ihren künstlerischen Niederschlag aber nicht in der
    „Gran sole“, sondern in den Werken: „Como una ola fuerza y luz“ und
    “Y entonces comprendido” fand. Diese beiden Schöpfungen werden im
    Studio am Mischpult reproduziert und weisen die Eigenart auf, dass neben Symphonie-Orchester, Vokalbesetzung und Klavier auch rückwärtslaufende Tonbänder eingesetzt werden. Das ergibt einen interessanten Sound und wäre als Lautmalerei für eine Kinoproduktion interessant, aber mit Musik im klassischen Sinn, hat das nichts mehr zu tun. In „Y entonces comprendido“ geht Nono noch einen Schritt weiter, und malträtiert die menschliche Stimme in einem solchen Maße, so dass das akustisch Zumutbare überschritten wird.


    Nono bleibt mir daher suspekt.


    :angel:

    Hallo, liebe Sophia,


    da Du John Adams erwähnst, ich habe von ihm den "Nixon in China"
    Es ist schon ein bisschen kurios, wenn der damals lebender Politiker
    Henry Kissinger zum Opernhelden wird. Neben Nixon selbst haben
    auch Präsident Tschou en lai und Mao Tse-Tung ihren Auftritt.


    Wenn Du von Minimal-Musik sprichst, fällt mir als erstes Philipp Glass
    ein. Seine Oper "Akhnaten" greift in die Geschichte des ägyptischen
    Altertums und erzählt Begebenheiten am Hofe des Pharaos
    Echnaton und seiner Familie. Das Textheftchen von SONY
    erschöpft sich in ganz sparsamen Notizen. Die Musik stellt keine Anforderungen und gefällt auf Anhieb.


    Herzlichen Gruß
    Engelbert