Beiträge von Engelbert

    Zubin Mehta hatte seine große Zeit in den siebziger Jahren,
    sah blendend aus und hat die Lorbeeren, die ihm zustanden auch kassiert. Es gibt Berge von LPs von ihm. Schon in dieser Zeit war er äußerst beliebt und hat wie Ozawa gewusst, wie man sich in Szene setzt. Als Exot kam er beim Publikum mühelos an.


    Zuerst war er bei RCA unter Vertrag. Aus dem Jahr 1970 habe ich die
    Troubadour-Einspielung Price-Domingo mit ihm.


    Dann ist er zur Decca gegangen. Da gibt es eine komfortable
    Kassette mit allen Tschaikowsky-Sinfonien.
    (Los Angeles Sinfonie-Orchester) Mit dem Israel Philharmonic-
    Orchester hat er alle Schubert-Sinfonien aufgenommen.


    Dann ist er zur CBS gegangen - das war seine Zeit bei den
    New Yorkern. CBS hat nicht viel mit ihm gemacht. Im Katalog 83/84
    sind verzeichnet: die Eroica, der Zarathustra und das Brahms-
    Violinkonzert mit Stern.


    Danach ist er zur Deutschen Grammophon gegangen.


    Er hat bei Decca auch zeitgenössische Musik aufgenommen
    z.B. Edgar Varese mit den Werken Arcana, Integrales und
    Ionisation mit dem Los Angeles PO.


    Ich denke, dass es nur eine Frage der Zeit ist, dass auf CD alles zu
    haben sein wird.


    :angel:

    Hallo Sophia,


    Vielen Dank für Deinen Hinweis. Deine positive Erfahrung, und das
    Signal, weches Du aussendest, haben mich sehr gefreut. Ich denke
    auch, man muss dieses Stück sehen, um ein gültiges Urteil angeben
    zu können. Als Kommentator hat man es dann auch etwas leichter,
    der Phrasenschatz zur Beurteilung des akustischen Bereiches ist
    schnell erschöpft. In der Produktwerbung, die nur positiv sein darf, geht es manchmal besonders banal zu "Also Lothar, dein Orchester
    war mal wieder besonders farbenprächtig"


    Wenn ich ein Werk der Avantgarde beschreibe, habe ich immer
    das Gefühl, dem Komponisten nicht gerecht zu werden.
    Auf der anderen Seite kann ich mich nur soweit aus dem Fenster
    lehnen und mich in die Sache einlassen, wie der Zugang zu einem Stück sich mir erschließt. Nicht immer kann ich das Thema restlosl ausschöpfen und da freut es mich, wenn als Ergänzung eine kontroverse oder
    abwägende Meinung oder gar eine Gegendarstellung hinzukommt.


    Ich halte es für wichtig, auch die Postmoderne zu beschreiben und
    werde die Rubrik auch fortsetzen. Nicht alles ist schwer verständlich,
    an Opern die nach 1950 komponiert wurden, nur unbekannt. Die
    Libretti sind fast immer sorgfältig ausgewählt und genügen intellektuellen Ansprüchen.


    Auf zwei Titel, liebe Sophia, möchte ich Dich besonders hinweisen,
    Margret Wolf (Jahrgang 1960) hat einen Stoff von dem kirgisischen
    Dichter Aitmatow gewählt und dir Oper: Kirisk, Der Junge und
    das Meer, komponiert Es geht um den Existenzkampf in einer rauhen Wirklichleit. Das zweite Werk stammt von dem Latino Daniel Catán und heißt: Florence auf dem Amazonas. Eine Frau reist nach Manaus, um ihren Mann zu suchen, ein Schmetterlingsjäger der im brasilianischen
    Urwald verschollen ist. Das Schiff kommt an, kann aber nicht landen. Soviel nur andeutungsweise. Beide Werke werde ich ausführlich beschreiben.


    Bei Donizetti fühle ich mich viel wohler, aber es geht nicht an, dass
    die Moderne übersehen und mißachtet wird. Beängstigt, das
    Barocktier könnte das zarte Grün zertrampelt, werde ich mich nun opfern, um einen Kontrast zu setzen.


    Es ist nicht so, daß ich alter Musik abholt gegenüberstehe. Nur, wenn ich mir das wohltemperierte Cembalo von Couperin oder eine Harfensonate von Dussek anhöre, habe ich das Gefühl, ich laufe über eine Wiese, wo nur Gänseblümchen blühen.


    Herzlichst


    :angel:

    Hallo, Thomas Bernhard,


    da Du dich über mangelnden Zuspruch beklagst, also hier noch ein paar
    spontane Einfälle:



    Die Tannhäuser-Elisabeth betet: Allmächtige Jungfrau hör mein Flehen...


    Die Amneris betet im Tempel, bevor die Aida mit der Nil-Arie loslegt.


    In den meisten Sandalen-Opern gibt es Tempelszenen, in denen
    der Librettist theologischen Müll angehäuft hat. Götter haben die Angewohntheit, ständigt beleidigt zu sein, und dann muss beschwichtigt werden. :O


    Oder die Himmelsmächte vollbrachten etwas Gutes, dann wird gedankt


    In vielen Fällen werden Gottheiten einfach nur angeplärrt:
    Allmächtiger Ptah, Schöpfer der Welt, Ah... :kotz:


    :angel:

    Ernesto Nazareth (1863 - 1934)


    Wenig bekannt, dass Heitor Villa-Lobos einen Vorläufer hatte: Ernesto Nazareth, geboren 1863 in Rio de Janeiro. Über sein Leben gibt es wenig zu berichten, denn es verlief im Kreise der Familie in geordneten Bahnen. Seine Mutter zeigte ihm, wie man Klavier spielt, und er bildete sich als Autodidakt selbst weiter. Die Plattform seines Wirkens waren seltener die Konzertsäle der Welt, sondern die Kinos von
    Rio de Janeiro. Man sagt, die Leute gingen nicht wegen des Films ins Kino, sondern sie wollten seine Improvisationen hören. Seine Stücken basieren auf Tanzrhythmen wie Tango, Walzer und Polka, sind schlicht konzipiert, und stellen keine Ansprüche an den Zuhörer. .Ähnlich wie bei Louis Moreau Gottschalk (1829-1869), der das Klavier auf die Terrasse schob und dann loskomponierte, streichelt Nazareth mit der Honigquaste die Seele und spornte die „höheren Töchter“ an, ihre Hausmusik um seinen Stil zu bereichern.



    Der Franzose Darius Milhaud, Komponist der „Saudades do Brasil“, äußerte sich positiv über den Entertainer, für ihn war er die „Seele Brasiliens“. Persönlich teile ich diese Ansicht nicht, das Attribut, die „Seele Brasiliens“ zu sein, gehört einzig und allein Heitor Villa-Lobos. Ernesto Nazareth, ein Kind des Volkes, schaute trotz der zahlreichen Tangos, die er hinterließ, viel zu sehr auf die Eleganz der europäischen Salons, denn auf seine Herkunft oder seine Wurzeln. Die musikalische Entwicklung von Scott Joplin verlief ähnlich, sein Rhythmus ist aber ausgeprägter.


    Zum Ende seines Lebens wurde Nazareth taub und starb im Jahre 1934 in geistiger Umnachtung, ein Schicksal, welches auch einige andere bedeutende Komponisten erleiden mussten.



    Mir liegt die Einspielung von Marco Antonio de Almeida vor. Erfreulicherweise hat Nazareths Musik in der Gegenwart eine Aufwertung gefunden, denn etliche Interpreten nehmen sich des Brasilianers an. Ein Vergleich mit dem wesentlich jüngeren Villa-Lobos empfiehlt sich nicht, beide setzen die Akzente zu unterschiedlich. Der dritte im Bunde brasilianischer Komponisten wäre Francisco Ernani Braga (1868-1945), Lehrer Villa-Lobos’, ein excellenter Kenner der Brasilianischen Folklore. Der Nachwelt hat er wunderschöne Lieder hinterlassen, die Teresa Berganza interpretiert.


    Engelbert


    Al gran sole carico d’amore, (zu deutsch: Unter der großen Sonne, von Liebe beladen,)
    hat Luigi Nono (1924-1990) sein Bühnenwerk benannt. Es besteht aus sieben Szenen und einem Finale. Uraufgeführt wurde es am 4. April 1975 an der Mailänder Skala.


    Das Stück hat kein Libretto. Noni verwendet Dokumente revolutionären Inhalts unterschiedlicher Zeiten und Zonen, nimmt Gedichte u. a. von Cesare Pavese, setzt diese in ein Gefüge mit Bezug zueinander und nennt die Collage „Bewusstseinstheater“ Der Avantgardist verwendet Gedankengut von Marx, Brecht, Lenin, Castro und Guevara; die Schauplätze sind Paris, Turin, Russland und Vietnam. Texte in spanisch, aber auch französisch und deutsch verbinden sich zu einem politischen Glaubensbekenntnis des engagierten Italieners



    Die Stuttgarter Staatsoper hat im Jahre 1999 das Stück aufgegriffen und auf das Sorgfältigste inszeniert und ausgestattet. Das bibliophile Textbüchlein zeigt Szenenbilder von der Aufführung, die auf leidenschaftliches Engagement der darstellenden Personen schließen lassen. Man fragt sich allerdings, ob die Zeitgeschichte über die Weltanschauung Nonos und seine gescheiterten Ideale, angebunden an eine untergegangene Clique nicht längst ihr abschließendes Urteil gesprochen hat.


    Die Musik ist so schräg wie die Geschichten, die sie illustrieren soll. Nono verwendet keine rückwärtslaufenden Tonbänder in dieser Collage wie ehedem, kommt mit dem klassischen Sinfonie-Orchester zurecht Die
    musikalische Wiedergabe ist expressiv und leidenschaftlich. Die weiblichen Stimmen behalten in der Stuttgarter Aufführung auch bei außergewöhnlichen Verrenkungen und blitzartigen Höhenflügen ein angenehmes Timbre. Der Chor hat großen Anteil am musikalischen Geschehen. Zagrosek als Dirigent hat mit hypermodernen Werken seine Routine, kaum Konkurrenz und entzieht sich damit jeder alternativen Beurteilung.


    Aus großer emotionaler Distanz kann ich mich nach dem dritten Abhören einer gewissen Faszination nicht verschließen, die sich aber nur auf den Klang, nicht auf die Philosopie bezieht. Luigi Nono gehört weltweit zu den führenden Komponisten der radikalen Moderne. Wer sich ernsthaft mit ihr auseinandersetzen will, kann den Erwähnten nicht ausklammern.

    Ich bin der Ansicht, dass in der Oper zu wenig gebetet wird.
    Hätte Carmen, anstatt sich die Karten legen zu lassen, gebetet, wäre sie vielleicht von José nicht ermordert worden, die Oper wäre beim
    ersten Anlauf nicht durchgefallen und Bizet nicht so früh gestorben.

    Die Hamletmaschine, Oper in fünf Teilen, von Wolfgang Rihm (Jahrgang 1952), in den Jahren 1983-1986 komponiert, halte ich für die am schwersten verständliche Oper des zeitgenössischen Musiktheaters.


    In der Regel hat ein Komponist das Anliegen, seine Botschaft vielen zugänglich und verständlich zu machen. Der Tonschöpfer gerät ins Schleudern, wenn er selbst nur eine vage Vorstellung von dem hat, was er eigentlich übermitteln will. Diese Unsicherheit wird offenkundig, wenn einer der bedeutendsten Klassiker der Weltliteratur als Orientierungshilfe herhalten muss. Ein surrealistisches Libretto trägt zum besseren Verständnis auch nicht bei, besonders wenn die Wortgestaltung ständig ins Läppische abrutscht, sobald der Librettist mit seiner Weisheit am Ende ist. Ich denke schon, dass Rihm seine Komposition als „Gesamtkunstwerk“ verstanden wissen wollte, in dem die weltanschauliche Idee, die Ausformulierung des Librettos, die optimale Bandbreite der Instrumente und die Strapazierfähigkeit der menschlichen Stimme gleichen Stellenwert haben und miteinander verschmelzen sollen.


    Was mich an der Einspielung aus Mannheim im März 1987 so maßlos gewundert hat, ist die Bereitschaft von Gabriele Schnaut zu diesem Spektakel ihre kostbare Stimme zur Verfügung zu stellen. Sie singt die Partie der Ophelia, die aus dem Grab aufsteht, im Rollstuhl sitzt und sich noch wahnsinniger gibt, als sie vorher schon war.


    Wolfgang Rihm zelebriert in dem Werk Überdruss und Nihilismus. Der Kommentator im Textheftchen beginnt „Nichts ist sicher, selbst der doppelte Boden könnte vierfach oder gar nicht existieren“ Rihm schießt in seiner Musik und in der Wahl des Textes von Heiner Müller, welchen der Komponist sich für seine Zwecke zurecht gestutzt hat, weit über diese Formulierung hinaus, weil er die Ordnung des Universums infrage stellt.


    Für mich ist das Universum auch ein Chaos, aber ein geordnetes, welches unabänderlichen Regeln unterworfen ist; den Gesetzen von Ursache und Wirkung, von Werden und Vergehen und dem Fakt des Dualismus. Rihm entwirft akustisch eine Kraterlandschaft, die von seelisch und körperlich zerstörten Lebewesen erfüllt ist, die in Verzweiflung und Schrecken planlos herumschreien. Allerdings behält der Komponist seine Konsequenz nicht bei, die „Hamlet-Maschine“, die zu Ende des dritten Bildes in die Ausweglosigkeit tackert – rhythmisch und musikalisch ist diese Szene das unangefochten orchestrale Prunkstück der Oper - stürzt ab.


    Das Textbuch hat keinen linearen Handlungsablauf und es unterliegt surrealistischen Gepflogenheiten. In der Handlung, soweit man von einer solchen sprechen kann, geht es von Hölzchen auf Stöckchen, die einzelnen Verszeilen haben häufig keinen Bezug zueinander und gefallen sich in ausgefallenen Wortkombinationen und Schaubildern. Nicht alles ist Shakespeare was da blubbert und stört, sondern zu Beginn des vierten Bildes wird ein Volksaufstand geschildert, der Witz und Horror zusammenfügt und tatsächlich zum Zuhören einlädt.


    Musikalisch wird die menschliche Stimme auf das Äußerste strapaziert, ob sie nun singt oder deklamiert, Geschrei oder Gelächter produziert. Das Personenverzeichnis sieht 3 Schreiende, 4 Lachende und zusätzlich „3 Schreiende aus dem Sarg“ vor. Hinzu kommt „Die Madonna am Trapez.“


    Den Darstellern gehört weniger mein Applaus, sondern eher mein Bedauern, dass sie sich dieser Prozedur unterziehen mussten, doch künstlerisch geben sie wirklich alles..


    Positiv beurteile ich das kompositorische Gesamtbild. Rihm zieht alle Register und geht auf die Erfordernisse des abstrusen Textes sensibel ein. Der Einsatz der Schlaginstrumente ist meisterhaft koordiniert. Abwechslung wird geboten und die Spannung ständig wach
    gehalten. Man kann die Musik wegen der ständigen Dissonanzen als ätzend empfinden; manche mögen das und sehen darin ein positives Attribut. Jeder Mensch hat eine andere Wahrnehmung. Dem Konsumenten wird die Entscheidung aufgezwungen, ob er sich von dem Bühnenwerk angetörnt oder verschaukelt fühlt.



    Zweifellos ist es ein bedeutendes Werk des zeitgenössischen experimentellen Musiktheaters. Wer sich einen lückenlosen Überblick über die Musikgeschichte der Gegenwart verschaffen will, kommt nicht umhin, „Die Hamletmaschine“ zur Kenntnis zu nehmen, auch wenn sich keinerlei Affinität entwickeln sollte.


    Engelbert

    Hallo, lieber Philhellene,


    Jetzt bin ich zunächst einmal wahnsinnig überrascht, dass die Person,
    welche Du als Avator ausgesucht hast, die Victoria de los Angeles ist.
    Zu ihren Zeiten kursierte in den Werbeprospekten nur ein Foto von ihr.
    Sie trägt ein rotes Kleid und eine schwarze Turmfrisur, wirkt also
    insgesamt ein bisschen wie eine Kegelpyramide. Deswegen habe ich
    auch gedacht, Du selbst bist die Person auf dem Foto und hatte Dich demzufolge als weiblich eingestuft: Die Person ist aber streng, habe ich gedacht, bestimmt erzieherisch tätig oder im Jugendstrafvollzug beschäftigt. Dann kommt noch der Name, den Du gewählt hast und dann war mir klar, ach Hellene liebt Philipp über alles und hat also den Vornamen verschmolzen. Jetzt hatte Alfred vom Forum das Missverständnis aber schon richtig gestellt und meinen Report über Abessalom und Eteri von sich aus korrigiert. Deshalb auch der Vermerk, zum zweitenmal editiert. Da ich nun von Natur aus ein bisschen tüttelig bin, habe ich den alten Fehler in Schlafmützigkeit wiederholt und in der Anrede einen Konsonanten unterschlagen. Verzeih mir bitte, lieber Philhellene, meine Unachtsamkeit. Studierst Du altgriechische Philosophie? Ich möchte Dich nun ungern mit Deinem Studienfach anreden, deshalb das „Lieber“ davor, ist nicht als unangebrachte Vertraulichkeit gedacht.


    Soviel hatte ich aus Deinen Beiträgen schon mitbekommen, dass Du die
    Victoria de los Angeles besonders verehrst und beklagst, dass sie in
    heutiger Zeit so wenig Resonanz erhält. Damals war sie schon begehrt
    und stand bei Electrola (heute EMI) unter Vertrag, aber die hat nicht
    allzu viel mit ihr gemacht. Als Pflichtübung hatte ich mir die Butterfly
    (mit Bjoerling) und Simone Boccanegra (mit Gobbi und Christoph)
    zugelegt. Später folgte dann noch die remasterte Einspielung der Bohéme unter Beecham, die zwar gut klingt, aber ich nicht sicher bin, wie viel der Stimme synthetisch ist. Die Franzosen hat sie auch gesungen und zwar den Werther mit Gedda und die Margarethe, ich denke auch mit Gedda. Im Jahre 1978 kam dann der Orlando mit der Horne auf den Markt, in der sie sich als Angelica in das Ensemble einfügt.


    Die los Angeles hat auch in Bayreuth gesungen und zwar 1961 oder 1962 die Tannhäuser-Elisabeth neben Windgassen. Die Sensation war das Debut der Bumbry als „schwarze Venus“. Gleichzeitig ging durch den Rundfunk die Nachricht „Viktoria de los Angeles singt in Bayreuth die Elisabeth im Tannhäuser von Richard Wagner“. Die Oper wurde life
    übertragen und ich habe sie gehört. Um so größer die Enttäuschung,
    dass in der Philips-Einspielung aus vertraglichen Erwägungen die
    Silja einspringen musste.


    Nun einen Gedankensprung: In Deinem Beitrag über Abessalom und Eteri hattest du soviel Enthusiasmus bezeugt und Interesse für die
    DGG-Einspielung gezeigt, dass ich losgetigert bin und die Hamburger
    Antiquariate durchforstete. Von Erfolg gekrönt, habe ich die Einspielung
    sichergestellt und inzwischen erworben. Ich möchte sie Dir schenken,
    aber wie gestalten wir die Übergabe. Du möchtest sicher inkognito bleiben, gehe aber davon aus, dass Alfred so liebenswürdig ist und Dir meine Erreichbarkeit über Fax oder Mail mitteilt, wenn Du Dich mit ihm in Verbindung setzt. Sobald ich eine Postadresse von Dir oder einer Person Deines Vertrauens habe, geht das Paket auf die Reise. Die Kassette ist in sehr gutem Zustand mit exakter Inhaltsbeschreibung in deutscher Sprache.


    Also, ich warte auf Deine Reaktion.


    Gruß Engelbert

    Anmerkung


    Es ist wichtig, eine Strategie zu entwickeln, wie man den eigenen
    Schmerz neutralisiert, indem man schmerzensreicher Musik lauscht,
    gewissermaßen den Teufel durch Beelzebub austreiben.


    Bei mir funktioniert das so, wenn zum 20. eines Monats das Geld
    schon alle ist, welches eigentlich bis ultimo reichen sollte, lege ich die
    Vier ernsten Gesänge von Brahms auf:


    "Denn es gehet dem Menschen wie dem Vieh, wie dies stirbt, so stirbst
    du auch. Und haben alle einerlei Odem, und der Mensch hat nichts mehr, als das Vieh: denn es ist alles eitel!"



    Mit Fischer-Dieskau geht es mir dann anschließend wieder besser.


    Wenn die Geldnot besonders drückend ist, dann kommt das
    Wiegenlied, auch von Brahms, an die Reihe: "Wimmerndes Stöhnen...
    das Kind liegt im Fieber."


    :angel:

    Hallo Ulli,


    von der Symphonie à dix-sept parties in F-Dur kam bei Schwann
    Anfang der achtziger Jahre eine begehrenswerte LP. heraus.
    Es spielte das Orchestre Symphonique de Liège unter Jacques Houtmann. Es sind noch zwei weitere Symphonien enthalten und
    zwar die in g-moll op. 6,5 und die Sinfonia a più strumenti F-dur
    op 5,1. Ich denke, daß irgendwann die Werke auch auf CD überspielt werden.


    Gruß
    Engelbert

    Anmerkung zu Cecilia Gasdia und Christina Deutekom


    Hallo Theophilus,


    Von Christina Deutekom kannte man das auch, daß sie gelegentlich die bayrische Jodeltechnik anwandte. Am besten kommt das auf ihrem
    Sängerportrait (Phi 839 791 LY) zur Geltung, wo sie die Linda di Chamounix singt: O Luce di quest'anima. Nun kommt die Linda
    aus dem Hochgebirge und eine alpine Einlage passt da besonders gut.


    Zurück zu Cecilia. Natürlich ist mir die Gasdia ein Begriff. Von Rossini
    habe ich die Hermione (Erato) und auch die Viaggio bei DGG mit ihr.
    Von Donizetti: Der Gefangene von Rom (L'Esule di Roma). Dann gibt es
    noch die Faust-Einspielung unter Teldec mit Jerry Hadley von ihr.


    Gruss Engelbert


    Nachtrag zu Reaktion Gino Poosch


    Von di Stafano habe ich noch die Gioconda und die Forza-Leonore,
    beidesmal mit der Milanov. Dazu Tosca mit der Callas und Manon mit
    der Moffo, wie ich sagte. Das ist genug mit di Stefano. Ich will nicht an die alten Zeiten anknüpfen. Ich denke, es gibt Einiges, was er mit
    der Callas gesungen hat.


    Von Poggi habe ich die Phi-Einspielung mit der Stella und den
    Maskenball Anfang der 60er Jahre bei DGG auch mit der Stella.
    Was ich unter knödeln verstehen muss, weiß ich nicht, kann
    die Korpulenz (gemäß ganzseitigem Farbfoto) damit zu tun
    haben, dass Poggi gern Knödel gegessen hat. Ich fand sein Timbre
    angenehm, hatte davon aber in meinem Report nichts erwähnt.
    Ich habe von ihm noch die Decca-Einspielung mit der Favoritin
    und die Cetra-Einspielung als Don Sebastiano. In keinem Fall
    würde ich ihn als nicht begehrenswert beurteilen.


    Nachdem Du mich aufmerksam machst, sehe ich, daß ich Deinen
    Report mit zu wenig Andacht gelesen und nur die Namen
    Tagliavini und Questa behalten habe. Maskenball kannte ich, Rigoletto nicht.


    Konfus ist aber deshalb richtig, weil Valdengo als dritter im Maskenball-Bunde den Réne gesungen hat. Ich habe die Namen durcheinanandergebracht Tagliavini wollte ich schreiben und Valdengo ist da gestanden.


    In Ergänzung ist mir Cesare Valetti noch eingefallen. Oder knödelt
    der auch.


    Freundlichen Gruß
    Engelbert

    Zitat von Gino Poosch


    Und Tagliavini war nicht der einzige, der zu dieser Zeit differenziertes Singen praktizierte.



    Einen schönen Gruß nach Berlin


    Ich versuche jetzt natürlich zu raten, welche Einspielung mit
    Tagliavini Du meinst. Ist es der Maskenball mit Curtis Verna und
    Valdengo? Aus heutiger Sicht stimme ich Dir zu, Valdengo sang
    mit Kopfstimme. Damals konnte ich mit ihm nicht viel anfangen,
    auch nicht mit Gianni Poggi, den ich ihm zur Seite Stellen möchte.
    Nikolai Gedda kam gerade hoch, liebäugelte aber auch mit
    dem italienischen Fach, natürlich keine Heldentenorpartien. Etwas
    später Anfang der 60er kam dann noch Gianni Raimondi dazu.
    Zwei Heldentenöre konnten ihren amerikanischen Akzent
    absolut nicht unterdrücken, obwohl von mir sehr gemocht.
    Das war Jan Peerce, der mit der Berger den Rigoletto eingesungen
    hat und Richard Tucker auch ein bevorzugter Partner der Callas.
    Von di Stefano ist mir neben seinem Cavaradossi die Manon-Ein-
    spielung mit der Moffo ein Begriff. Die Gigli-Ära davor ist
    mir fremd, weil mein musikalisches Gedächtnis diesen Zeitraum
    nicht erfasst hat.


    Aber ich hänge nicht an den Alten Zeiten, wie viele andere,
    auch junge Leute. Von dieser überquellenden Vielfalt
    an Labeln und Stimmen, die uns heute begleiten und den Errungenschaften der Technik, konnte man damals nicht einmal träumen.


    Die Gencer war zur damaligen Zeit nur in Italien bekannt, weil es kein Label gab, welches sie unter Vertrag genommen hätte. Die Callas war von der Columbia gepachtet worden, die Tebaldi von der Decca, die
    los Angeles von der Electrola, die Milanov von der RCA, die Stella
    von der Philipps und der Scotto hat sich die Deutsche Grammophon
    angenommen. Das war es dann. Und heute, man muss sich nur
    die Auflistung an Sängern von Bongiovanni anschauen, aber es ist längst nicht alles Edelmetall, was da glänzt.


    Gruß aus Hamburg
    Engelbert

    Hallo, liebe Philhellene,


    Dank für Deine Stellungnahme. Habe meine Auffassung bezüglich Patricia Petibon nochmals überprüft. Für meine Beurteilung hatte
    ich das Sängerportrait von Veritas herangezogen, speziell Track 6,
    die Arie aus Platée: Formons les plus brillants - und meine nicht, dass
    ich danebenliege, respektiere aber auch Deine Ansicht. Richtig ist natürlich, daß die Werke der alten Meister diese Gesangstechnik fordern und da ist die Petibon zur Zeit auf weiter Flur einsame Spitze. Ich habe noch die Stratonice von ihr, wo ich mir auch keine bessere Besetzung vorstellen könnte. Wußtest Du, dass die Petibon auch moderne Sachen singt? Eine der Karmeliterinnen in der Oper von Poulence profiliert sie.
    Diese DVD habe ich mir allerdings noch nicht zugelegt. Der
    Schluss der oper solll sehr makaber sein.



    Bei der Dessay meine ich, dass sie stimmlich doch die etwas
    satteren Farben hat und beziehe mich dabei auf das
    Sängerportrait bei EMI 1996. Die Glöckchenarie kommt als
    erstes, Koloraturen wie gestochen. Als Seltenheit befindet
    sich noch die Medée von Milhaud und Die Capricen der Marianne
    von Sauguet in der Zusammenstellung. Die Glöckchenarie habe ich
    noch von der Elena Mocuk, die allgemein auch sehr gut beurteilt
    wird. Von ihr würde ich gern eine Gesamtaufnahme haben wollen,
    aber dann auf DVD. Strawinskys Nachtigall findet sich natürlich auch
    in meiner Kollektion.


    Gruß aus Hamburg
    Engelbert

    In der Beurteilung einer Stimme sollte der Konsument sehr behutsam vorgehen. Die Würde des Menschen und Künstlers darf nicht auf der Strecke bleiben. Mit Rücksicht auf unseren Lullisten würde ich auch niemals sagen, die Stimme von Patricia Petibon ist piepsig, sondern sie wirkt auf mich wie Vogelgezwitscher.


    Die Tenöre del Monaco, die Stefano und der kleine Jussi mußten brüllen, weil die Musikkultur der fünfziger Jahre so ausgerichtet war.
    Das Publikum erwartete Potenz und nicht Schöngesang bis Bergonzi mit dem Unfug endlich Schluss gemacht hat.


    Differenzierung persönlicher Vorlieben muß es geben und soll es geben.
    Ich selbst liege ständig im klinsch mit meiner Bosheit, bemühe mich aber mir anzugewöhnen, das Positive an einem Timbre oder einer Rollengestaltung herauszueben und die Unzulänglichkeiten zu ignorieren.
    Es ist wichtig, die Person, die mir mit ihrem Gesang eine Freude machen will, selbst wenn es absolut nicht klappt, wertzuschätzen. Die Bumbry darf mir auch mit 80 Jahren noch ein Wiegenlied vorsingen, selbst wenn ihr Vortrag ein wenig nach Peking-Oper klingen sollte.


    Also, meine Lieblingssängerin ist derzeit die Nelly Miricioiu. Man hat mich belehrt, man spricht das: Mirikkischui. Das glaube ich aber nicht, und deshalb bekommt sie einen Kosenamen. Als Kontrast zur Jennifer (Larmore) ist die Mirikki nun für mich die "Nellyfer". In der Wertschätzung unter den Sopranistinnen kurz danach kommt die Majella mit den roten Haaren.


    :angel:

    Alles über Leopold


    Als zweiter Sohn Ferdinand III und seiner Gemahlin Maria Anna von Spanien wurde Leopold im Jahre 1640 in Wien geboren. Von Jesuiten erzogen, war Leopold zunächst für den geistlichen Stand vorgesehen. Ganz plötzlich – der ältere Bruder, bereits zum König von Böhmen und Ungarn gekrönt, starb an den Blattern und sein Vater, Kaiser Ferdinand III, folgte ihm kurz danach – fiel ihm als nächstem in der Rangfolge der Erbanspruch auf den Thron des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation zu.


    Diesen Titel hätte der französische König auch gern gehabt und Kardinal Mazarin spann seine Intrigen, um dem jungen König Ludwig XIV diese Ehre zu verschaffen. Durch den Westfälischen Frieden nach dem Dreißigjährigen Krieg war Franreich den deutschen Fürsten gleichgestellt und konnten ganz legitim jenseits des Rheines Einfluss nehmen und die deutschen Fürsten spalten. Diesen war der französische Einfluss noch mehr verhasst, als der habsburgische Absolutismus, so dass der Kardinal keine schnellen Siege davon tragen konnte. Die Kurfürsten von Köln und Brandenburg widersetzten sich regelmäßig.


    Österreich musste große Summen Bestechungsgelder aufwenden und erhebliche politische Zugeständnisse machen, um sich den Vorrang zu sichern, hatte aber den Papst auf seiner Seite, die Kurfürsten von Köln und Brandenburg ebenfalls. Der härteste Einschnitt und bitterste Pille waren die absolute politische und militärische Trennung von den spanischen Habsburgern.


    Politisch wenig geschult, stützte sich Leopold zunächst auf Berater, um später, sich seiner Erhabenheit voll bewusst, die Regierungsgeschäfte selbst in die Hand zu nehmen. Die Repräsentationsgelüste der Habsburger standen denen der Bourbonen nicht nach. Die Baukunst und die Musik waren geeignete Mittel, sich zu präsentieren. Es war das Bestreben beider Herrscherhäuser, die besten Musiker aus Italien an ihre Höfe zu ziehen. In ihrer Liebe zur Musik und in der Meisterschaft, die beide entwickelten, waren Ludwig und Leopold sich wesensverwandt und hätten sich persönlich gewiss gut verstanden. Bedauerlicherweise machte die Politik beide zu lebenslänglichen Feinden.


    Der französische König hat sich Jean Baptiste Lully (1632-1687) an den Hof geholt, der die Festmusiken und Opernballette schuf, in denen der Sonnenkönig als Tänzer den Apollo darstellte. Durch einen Unfall - er stieß sich den Taktstock in den Fuß und starb an den Folgen der Verletzung - beendete Lully frühzeitig seine glänzende Laufbahn. Leopold trat auch gern im Theaterkostüm auf; man erinnere sich an das im Jahre 1667 entstandene berühmte Gemälde von Jan Thomas.


    Sein berühmter Hofkomponist war Pietro Antonio Cesti (1623-1669) der für die Hochzeit mit der spanischen Infantin Margarita Teresa die Oper „ Der goldene Apfel“ komponierte, ein Spektakel in fünf Akten und siebenundsechzig Szenen - die längste Oper, die jemals komponiert und aufgeführt wurde. Den Preis bekommt diesmal aber nicht die Schöne Helena, sondern die frischgebackene österreichische Kaiserin, weil sie die Eigenschaften der drei im Wettstreit liegenden Göttinnen Hera, Pallas Athene und Aphrodite wie Schönheit, Weisheit und der liebenden Gattin in sich vereinigt.


    Mit dieser Heirat hatte es zunächst seine Schwierigkeiten. Ursprünglich sollte Ludwig die älteste Tochter des spanischen Philipp bekommen. In einem Friedensvertrag mit Frankreich ging diese jedoch als Zugabe an den französischen Hof, obwohl mit Spanien abgemacht war, dass Leopold die Prinzessin heimführen sollte. Der spanische König beschwichtigte und bot nun mehr als zweite Wahl seine hübsche Jüngste an. Der Geprellte zog seinen Zorn zurück und nahm die Gabe dankbar an. Leopold sollte noch zweimal heiraten: Claudia Felizitas von Tirol und Eleonore Magdalene von Pfalz-Neuburg. Seine dritte Gattin gebar ihm zehn Kinder.


    Die Beziehungen zum „Heiligen Stuhl“ waren nicht immer harmonisch. Der Bischofssitz von Trient war vakant geworden. In Abstimmung mit dem Familienrat hatte Leopold an seinen Vetter Sigismund Franz dieses Amt vergeben. Der Vorgeschlagene hatte bereits Platz genommen, seine Person wurde aber vom Vatikan nicht bestätigt. Leopold, als frommer Sohn der Kirche, war zutiefst beleidigt über diese Kränkung aus Rom. Sigismund starb und der jahrelange Streit zwischen weltlicher und geistlicher Macht konnte begraben werden.


    Der Musik war Leopold von ganzem Herzen zugeneigt, als Komponist wie auch als Interpret eigener Werke. Das Cembalo spielte er exzellent. die Hofkapelle war vorzüglich ausgestattet, kostete aber eine Menge Geld, welches meistens nicht flüssig war. Es gab einen Aufstand der Kastraten, die ohne Bezahlung nicht mehr singen wollten. Des Kaisers liebenswürdige Art konnten sie sich jedoch nicht ignorieren. Vor Strafe wegen Ungehorsam blieben sie verschont, und sie bekamen ihren Lohn.


    Nicht nur die Musik, sondern auch die Wissenschaft fand gebührende Beachtung. Die Universitäten von Breslau und Innsbruck entstanden unter der Herrschaft des Drittletzten seiner Dynastie, die im Jahre1745 von der lothringischen Linie abgelöst wurde. Wien wurde unter Leopold I mit Barockbauten ausgebaut. Die Hofburg erhielt den Leopoldinischen Flügel. Man begann mit dem Bau von Schönbrunn.- Der Kaiser interessierte sich führ die Falknerei und ließ sich unterweisen.


    Zwischendurch zwei kleinere Kriege, der Holländische und der Pfälzische.
    Im letzteren ging es um angebliche Erbansprüche der Schwägerin des Königs, Lieselotte von der Pfalz, die durch ihren derben Briefstil heute noch belustigt.


    Die Türken erneut vor Wien. Wie ein Donnerschlag schlägt die Botschaft ein. Die Diplomaten wussten es schon länger, Korrespondenz zwischen Versailles und der „Hohen Pforte“ in Istanbul war abgefangen worden. Absolute Verärgerung beim polnischen König. Bisher ein Freund Franreichs, wechselt Jan Sobieski das Lager und schließt sich der vom „Heiligen Stuhl“ vermittelten Allianz zwischen Habsburg und Venedig an, denn auch Polen soll von den Türken angegriffen werden. Das glanzvolle Wien, Festung Europas nach Osten, Objekt der Begierde der Osmanen, um den Islam diesmal vom Südostzipfel nach Europa zu tragen, wird belagert. Die Türken buddelt Gräben, um unter der maroden Festung ihre Sprengladungen anzubringen. Ihrem Feuerzauber kann nichts entgegengesetzt werden. Seuchen dezimieren die Einwohner. Wo bleibt die Hilfe von außen?


    Zu Tode erschrocken, verfrachtet man die kleinen Erzherzöge und Erzherzoginnen auf einen pompösen „Schleppkahn“, und Leopold flüchtet mit ihnen überstürzt in Richtung Passau. Ein bisschen zur Ruhe gekommen, mahnte er die deutschen Fürsten zu mehr Ehrgeiz und Tempo, um den Halbmond zu stoppen. Der Schwiegersohn aus Lothringen im Kollektiv mit Jan Sobieski als oberstem Feldherrn, den Regimentern der deutschen Fürsten und dem Segen von Papst Innozenz XI, wird die Entscheidungsschlacht am Kahlenberg vor Wien gegen eine gewaltige Übermacht gewonnen. Der Sultan ist geschockt, aus dem Topkapi-Palast wird dem Großwesir Kara Mustafa die seidene Schnur zugestellt. Unter Prinz Eugen von Savoyen und dem Karlsruher „Türkenlouis“ werden die Osmanen aus den Habsburger Erblanden vertrieben und der Abzug im Friedensvertrag von Karlowitz festgeschrieben.


    Im spanischen Erbfolgekrieg versucht Leopold die spanische Linie mit einem seiner Söhne neu zu begründen, hat aber den Bourbonen Philipp von Anjou zum Gegner. Die Sache kann nicht zuende geführt werden, denn Leopold stirbt am 5.5.1705 und wird in der Kapuzinergruft beigesetzt.


    :angel:

    Zitat:
    Heil dir, Sonne




    Lieber Theophilus,


    Dein Zitat erinnert mich an folgende Begebenheit:


    Vor Jahren führte mich meine Italienrundreise auch nach Mailand.
    Wenn man in Mailand ist, geht man zumindest an der Scala vorbei,
    um sich im Aushang den aktuellen Spielplan anzuschauen.
    An jenem Tag stand " Sigfrido de Riccardo Wagner" auf dem
    Programm. Tatsächlich habe ich für den Abend eine Eintrittskarte
    erstehen können.


    Der Besuch der Mailänder Scala dürfte für jeden Fan ein außerordentliches Ergeignis sein. Zwei Hellebardieri in
    historischer Tracht bewachen den Eingang zum Zuschauerraum.
    Hat man passiert, sieht man nur noch rot und gold.


    Es war eine moderne Inszenierung. Wolfgang Sawallisch
    dirigierte. Im Hintergrund wurden auf einer Endlosrolle
    immerzu Bettlaken hochgezogen. Entweder gehörte das
    zur Inszenierung oder die Klimaanlage war ausgefallen und man
    wollte den Besuchern etwas Kühlung zukommen lassen. Ich
    habe bis heute noch behalten, daß die Erde in einem altrosa
    tapezierten Wohnzimmer hauste und Gemälde in Goldrahmen
    an den Wänden hingen. Gesungen wurde die Erda von Birgit Finnilä.


    Die Vorführung war erstaunlicherweise nur mäßig besucht. Nicht
    alle Abonnenten waren gekommen. Die Anwesenden langweilten
    sich unsäglich. Schließlich kam die dritte Szene des dritten Aktes.
    Während Siegfried, ich glaube es war Jess Thomas, seinen Monolog "Selige Öde auf sonniger Höh'" herunterspulte, ward ein Bett auf die Bühne geschoben, pompös ausgestattet mit weißer Spitzenbettwäsche. Vorher ein bisschen eingenickt, kam nun Leben in die Reihen. Jeder wollte wissen, wer in dem Bett liegt. Nun will ich auch die Taminoraner nicht länger auf die Folter spannen: Es war Ingrid Bjoner, die sich etwa fünf Minuten räkelte bevor sie ihren goldenen Mund öffnete. "Heil dir Sonne, heil dir Licht" Der Bann war gebrochen.


    An dieser Stelle möchte ich noch ausführen, daß die Franzosen
    ihren eigenen Richard Wagner haben. Ernest Reyer (1823-1909), der
    Tonsetzer aus Marseille, komponierte die Oper "Sigurd" , vermutlich
    als Hommage an Richard Wagner gedacht, was die damalige Zeit aber vollkomen anders sah. Die Arie der Walkyrie Brunehilde hat auch die Sonne zum Thema. Die Arie setzt ein mit "Salut! Splendeur du jour",
    in der Erato-Einspielung von Francoise Pollet unter vollem Einsatz ihres weitausladenden leuchtendem Soprans traumschön gesungen.
    Musikalisch ist die Oper - kurzweilig mit hohem Unterhaltungswert ohne philosophischen Ballast - keine Wagner-Kopie. Bedauerlicherweise hat sich der Enthusiast für seine herrliche Musik das falsche Libretto ausgesucht.


    Falls mein Thema bei Wagnerianern auf Interesse stößt und von den Taminoranern aufgegriffen wird oder Kontroversen auslöst, stelle ich den Text der Arie inclusive Übersetzung in einem Folgebeitrag vor


    :angel:

    Mildernde Umstände!


    Der Scarpia von Sherrill Milnes ist mir weitaus symphatischer als der
    Macho-Pelz. Scarpia hat Tischkultur. Zur Dekoration gehören Tischwaschbecken und Armleuchter. Herr Schumacher muss durchgreifen können.


    Die Tosca (im Film die Kabaivanska) ist auch nicht viel besser
    als ihr Widersacher. Hinterrücks sticht die Schurkin einfach zu,
    anstatt es zunächst erst einmal mit einem Haftverschonungsantrag
    zu versuchen. :D:


    Ein bisschen anders verhält es sich mit dem Barnaba. Es gehört
    schon etwas dazu, eine blinde Mutter zu ersäufen. Igitt!


    Man bedenke aber auch hier die Mitschuld des Opfers. Die Mutter soll ihn vorher beleidigt haben. Scheint in der Familie zu liegen! La Gioconda
    flaumt ihn an: "Volesti il mio corpo, demon maledetto", anstatt
    zu sagen: "Kleiner, ich glaube ich bin nicht die Richtige für Dich" : :O:


    :angel:

    Lieber Lullist


    Was ich mir vom Komponisten Lully zuerst gemerkt habe, war die
    seltsame Ursache seines Ablebens.


    Ich habe mir das nie so richtig vorstellen können, wie der Meister
    es angestellt haben mag, sich den Taktstab (oder wie
    das Ding heißt) in den Fuß zu stecken.


    Nachdem ich nun Deine herrliche Karrikatur gefunden habe,
    kann ich es. Nun weiß ich mehr über Lully, als wenn ich seinen
    Phaeton höre.


    Also, wenn Du mal wieder bei Hofe weilst, grüße mir Lieselotte.


    Danke für den Kunstgenuss
    :angel:



    Themawechsel:


    Findet sich in Deiner CD-Sammlung eigentlich auch die Oper
    Dahphins und Chloé von Joseph Bodin de Boismortier?
    Falls nicht ist das mein Typ für Deine nächste Anschaffung
    ebenso: La Caravane du Caire, Oper von Gretry.

    Erinnerung


    Wenn ich das Cover von der RCA-Einspielung der Aida sehe, lacht mir
    das Herz. Es war mein allererster Opernquerschnitt, Anfang der
    sechziger Jahre gekauft. Durch diese Einspielung habe ich
    den Zugang zur Klassik überhaupt gefunden. Ich habe den
    Querschnitt noch heute. Die Lamination hat sich aber schon gelöst.


    Die Milanov als meine Liebling-Aida wurde allerdings durch
    Leontine Price abgelöst, erstgenannte steht aber als Forza-Leonore immer noch an erster Stelle. Später hat sich zur Price-Aida die kühle
    Nielsen dazugesellt, aber eigentlich nur wegen der Bumbry
    als Amneris.


    Dann ist die Linie gerissen, weil sich die Operntitel,
    die ich mir anschaffte, geändert haben. Das sind die
    Inez de Castro von Persiani, die Semirama von Respighi,
    die Zaira von Bellini, die Matilde die Shabran von Rossini
    der Belisaro von Donizetti und was der seltenen Sachen mehr sind.


    :angel:

    Hallo Ulli,


    Deinen Beitrag fand ich sehr interessant. Ich setze Deine Aufstellung fort:


    09. Anton Reicha (1770-1836)
    Grand solo pour Harmonica avec l'accompagnement
    de L'orchestre (15 Minuten)


    10 Vincenz Václav Masek (1755-1831)
    Thema (Adagio) mit 6 Variationen
    für Glasharmonica solo (8 Minuten)


    11 Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)
    Adantino Es-dur KV 236 (1 Minute)


    12. Xaver Schnyder von Wartesee (1786-1868)
    "Der durch Musik überwundene Wüterich"
    Duo für Glasharmonika und Pianoforte (12 Minuten)


    13. Johann Friedrich Reichhardt
    Grazioso für Glasharmonika (1 Minute)


    Und jetzt die modernen Komponisten:


    14. Fred Schnaubelt (geb. 1910)
    Concertino für Glasharfe (8 Minuten)


    15. Heinrich Sutermeister (geb. 1910)
    Bühnenmusik für Glasharfe (5 Minuten)


    16. Harald Genzmer
    Thema und Variationen über ein altes Volkslied
    für Glasharfe, Flöte, Viola und Violoncello (6 Min.)


    :angel:

    Johann Adolf Hasse


    Wenig bekannt, dass Johann Adolf Hasse auch für die Glasharfe komponiert hat. In meinem Archiv finde ich die Einspielung der Kantate „L’Armonica für Sopran, Glasharmonika, 2 Oboen, 2 Hörner
    und Streicher“. Die Glasharmonika klingt sehr reizvoll, wird allerdings
    nur sparsam eingesetzt. Sie begleitet vornehmlich im Kollektiv mit dem Streichorchester und den übrigen Soloinstrumenten, hat aber auch solistische Aufgaben. Das Werk dauert etwa eine halbe Stunde und
    hat eine ausgiebige instrumentale Einleitung. Libretto natürlich von
    Metastasio


    Die Kantate besteht aus vier Arien, die in Folge
    ohne Abstand gesungen werden. Hier der Beginn:


    „Ah perché col canto mio
    Dolce all’alma ordir cantena,
    Perché mai non posso anch’io,
    Filomena, al par di te?”


    Die beigegebene deutsche Übersetzung
    wirkt auf mich wenig synchron


    „Ach, warum kann ich mit
    meinem Sange nicht,
    o Nachtigall, gleich Dir
    diesen Feiertag versüßen“


    Das Stuttgarter Pro-musica Orchester Stuttgart unter Paul Angerer bringt einen opulenten Streicherklang und Erika Wiens bezaubert mit herrlicher Sopranstimme ihr Publikum. Ich ziehe allerdings in Zweifel ob ihre Auszierungen tatsächlich barockgemäß sind. Klingt mir alles ein bisschen zu donizettihaft!


    Die Kantate, eigentlich ein Koloraturmonster, wurde vom kaiserlichen Hof bestellt und zur Vermählung der königlichen Hoheiten Ferdinand,
    Herzog von Parma, und Maria Amalia von Österreich in Schönbrunn im Jahre 1769 uraufgeführt.
    -----------------------------------------------------------------------------------------------
    Bei dem kleinen Spätwerk „Pyramo e Tisbe“ handelt es sich um eine Romeo-und-Julia-Geschichte aus dem Alten Griechenland. Zwei verfeindete Familien unterbinden das Glück der beiden Liebenden, die
    nach vielen Wirren auf der Strecke bleiben. Störfaktor ist der bösartige Vater Tisbes, der in nachträglicher Anerkennung seiner Bosheit
    Selbstmord verübt. Librettist ist Marco Coltellini.
    ----------------------------------------------------------


    Von der Poesie her ist das Libretto zu Cleofide anspruchsvoll, eben weil es von Metastasio ist. Die handelnden Figuren sind dem Personenkreis um Alexander von Mazedonien, als er in Indien weilte, entnommen – von Händel ebenfalls vertont.


    Johann Adolf Hasse hatte für seine Werke einen extremen Verschleiß an Kastraten. In der mustergültigen Einspielung von Capriccio sorgen neben zwei weiblichen Sopranen noch vier männliches Sopranos oder Altos, wie sie im Textheftchen genannt werden, für Missverständnisse. Wer sich dem monströsen Werk ernsthaft nähern will, muss sich beim Mithören mit dem Textheftchen aufs Sofa legen, damit er tüftelt
    „wer gerade an die Reihe kommt“ weil ansonsten trotz spannender Momente alles eine Sauce ist – wäre da nicht Dominique Visse. Der deutsche Text ist beigegeben, spiegelsynchron befindet sich die Miniaturablichtung der Handschrift gegenüber.
    ............................................................................


    Ich beklage ebenfalls, dass die Opern Hasses völlig vernachlässigt werden und hoffe nur, dass die Bartoli eines Tages „neues Futter“ braucht und sich der Sache annehmen wird. In Hamburg-Bergedorf bietet das Geburtshaus neben der schmucken Landkirche zwar
    einen gepflegten Eindruck, wird als Museum aber kaum frequentiert, wie überhaupt für die Hasse-Pflege in Hamburg wenig getan wird.
    „Der Prophet gilt nichts im eigenen Lande.“


    :angel:

    Lieber Lullist,


    Deine Reaktion habe ich zur Kenntnis genommen und falle aus allen Wolken. Da habe ich nun geglaubt, die schönste Vivaldi-Oper erwischt zu haben, und jetzt ist alles Asche.


    Malgoire spielt allerdings mit offenen Karten, und gibt zu jeder Nummer exakt an, wo der Ursprung zu finden ist. Nun war ich aber davon ausgegangen, dass alles, was nicht gekennzeichnet ist, zum Fragment der Original-Partitur gehört.


    Wenn es sich aber so verhält, dass ein Hamburger Musikwissenschaftler
    erstmalig die Partitur entdeckt hat, gebührt diesem auch die Ehre.


    Dankbar bin ich dafür, dass Du Deinen Beitrag aus früherer Zeit nochmals
    zugänglich gemacht hast und quittiere mit Genugtuung, dass Du zum gleichen positiven Resultat kommst. Da ich Dingen gern akribisch auf den Grund gehe, habe ich mich nun der Aufgabe unterzogen, zumindest die Seitenanalyse zu übersetzen, um etwas über den textlichen Inhalt zu erfahren, bin allerdings enttäuscht und werde ihn mir auch nicht merken.


    Ich würde es bedauern, wenn die vorliegende Einspielung unter Malgoire an Stellenwert verlieren oder durch eine Einspielung mit der Original-Partitur abgelöst würde. Wer die CD (E 8501, Label Astrée) besitzt, aber aus Zeitgründen noch nicht dazu gekommen ist, dem empfehle ich zur Auswahl aus dem 1. Akt die Tracks 10, 11, 15 17, 19 und 20 und aus Akt 2 den Track 4. Die Rhythmen sind teilweise stampfend, die Bariton- und Basskoloraturen hinreißend. In Track
    20 begleitet nicht das Cembalo, sondern das Fagott. Am hinreißendsten singt Dominique Visse in Track 17 (lenti... tutti....) Diese Nummer wird von mir regelmäßig mehrfach hintereinander abgenudelt.


    Bis jetzt besitze ich vier Vivaldi Einspielungen: Orlando mit der Horne,
    Tito Manlio aus Berlin unter Negri, Dario aus Arles/Nizza (HM France),
    und den Montezuma. Was empfiehhlst Du mir als Nächstes?
    Den Bajazet mit der Genaux?



    Engelbert

    .

    Ich besitze erst seit kurzem einen DVD-Player und habe dann
    damit begonnen, mir zunächst die russischen Opern zuzulegen.


    Von dem für mich neuem Medium bin ich hellauf begeistert und werde Opern-CDs nur noch hilfsweise dazukaufen, wenn die Besetzung besonders interessant ist.


    Also meine erste Oper war "Ruslan und Ludmilla" mit der Netrebko,
    dann kamen Mazeppa und Pique Dame dazu. Zum "Feurigen Engel"
    ist die Insznierung als Zugabe unerläßlich, weil das rein akustische
    Hören in russischer Sprache den Inhalt der komplizierten Oper
    nicht erschließt. Genau so verhält es sich mit Mlada.


    Die große Überraschung war dann "Der goldene Hahn" aus Paris.
    Hier wird die russische Märchenwelt in der Inszenierung in das
    mittelalterliche Japan verlegt.


    Nun warte ich auf den "Sadko" und die "Unsichtbare Stadt Kitesh",
    damit diese auch auf DVD erscheinen und bin froh, die CD noch zurückgestellt zu haben.


    Hier in Hamburg kostet die CD etwa 60,00 Euro, die DVD würde vielleicht 35,00 Euro kosten. Eine Tendenz, die mir gefällt.


    Engelbert

    Lieber Philhellene

    Abessalom und Eteri gehört zu meinen zehn Lieblingsopern.

    Es handelt sich um keine russische Oper. Sie wird in grusinischer Sprache
    gesungen und gehört dem kaukasischen Kulturkreis an. Der kommunistische
    Einschlag fehlt vollkommen, da sie vor 1917 entstanden ist. Sie ist auch keine
    Folklore-Oper, sondern beruht auf alten Überlieferungen diverser kaukasischer Sprachgruppen

    Hier eine Inhaltsbeschreibung des Versepos, nicht des Librettos:

    Inhaltsangabe des Versepos "Eteriana"


    Eteri ist Vollwaise und hat eine böse Stiefmutter. Als armes Hirtenmädchen wartet sie auf einen Mann, der sie von ihrem
    schlimmen Los befreit.


    Der Prinz Abessalom kommt zufällig vorbei und ist von ihrer einzigartigen Schönheit fasziniert, so dass er sie am liebsten gleich heiraten möchte. Dem Wesir Murman gefällt das Mädchen auch und er missgönnt dem Prinzen das Glück.
    Die Seele seiner Mutter verkauft Murman dem Teufel und erhält als Gegenleistung einen Beutel Hirse.
    Damit bestreut er das Mädchen, welches darauf von Ungeziefer befallen wird. Eteri erkrankt schwer. Absalom kann das schreckliche Schicksal seiner Braut nicht ertragen und stirbt nach der letzten Begegnung vor Kummer. Die verzweifelte Eteri begeht Selbstmord mit dem Dolch, den Abessalom ihr einst geschenkt hat.
    Die Anwesenden sind erschüttert und hoffen auf eine Wiedervereinigung der Liebenden im Himmel. Auf dem Grab von Eteri blühen Veilchen und eine Rose.


    Der Inhalt des Librettos ist etwas anders. Ein Beutel mit Hirse passt nicht, da muß schon ein Halsschmuck her. Abessalom riecht den Braten und schickt seinen Wesir nach Indien, Heilwässerchen einkaufen, damit es ihm wieder besser geht und er Eteri zurückbekommt.

    Eteri ist freiwillig im Haus Murmans, weil sie auf ihre Bitten von Abessalom verstoßen wurde. Ihre Schönheit erhält sie von Murman wieder zurück, der sich schwarz ärgert, weil er nach Indien verreisen soll.


    -------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
    Ich würde mich sehr freuen, die Oper auch einmal hier in Hamburg erleben zu dürfen.


    Das liegt durchaus im Bereich des Möglichen, wenn die Oper von Tiflis auf Tournee geht und ein Gastspiel gibt. Das Kirov-Theater war schon oft hier.

    Paliaschwilli war dem "Mächtigen Häuflein" nicht wohl gesonnen, sondern verfolgte die Linie über Tschaikowski - Tanejew. Letzterer war sein Lehrer. Er verfolgte das Ziel, das Fenster nach Westen weit zu öffnen. Das Opernhaus in Tiflis hat eine gewaltige Tradition, König Herakles von Grusinien (gestorben 1882) saß in der großen Loge, wenn die weltweit bekannten großen Sänger der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit Verdi und Donizetti antraten.

    Die Oper Abessalom verfügt über ein hochpoetisches Textbuch. Der Handlungsfaden st streng logisch aufgebaut und hat keine Brüche oder Ungereimtheiten. Die Musik ist emotional und überschwenglich, verteilt sich gleichmäßig auf Solisten und Chöre. Zum Inszenieren hat der Ausstatter jede Menge Spielraum, ist natürlich eine Frage des Budgets.

    Die Bezeichnung "National Oper" halte ich durchaus für angebracht.
    -----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

    Ich kann jetzt überhaupt nicht nachvollziehen, lieber Philhellene, weshalb Dir der Tenor überhaupt nicht gefällt, räume aber ein, daß er zu Beginn ein bisschen "eindringlich" klingt, was sich aber im Laufe der weiteren Plattenseiten verliert. Es handelt sich hier um Herrn Zurab Sotkilava, von dem Sony auf CD (Bestell-Nr. SMK 57653) ein Recital
    herausgebracht hat. Auf diesem kann der Schmusetenor (Richtung Marcelo Alvarez) seinen hinreißenden Schmelz voll entfalten. Kernpunkt des Sängerpotraits ist die elf-Minuten Szene Marina - Dimitri aus Boris Godunov, die er mit Temperamentsknubbel Makvala Kasraschwili durchzieht.
    Weitere Opernarien mit ihm: Eugen Onegin, Jolanthe, Pique Dame und Sadko, dazu etwas russische Folklore (Oh Nastasia usw.), kein Don
    Kosaken-Gealber.

    Die ihnen bekannte Interpretin, welche die Marich gesungen hat, ist Frau Lamara Tschokonija.

    Hier nun die Besetzungsliste der Melodiaeinspielung, die 1979 von der DGG vom Band übernommen und technisch aufgemotzt wurde.
    Schachtel und Textbuch mit vielen Bildern sind opulent gestaltet.

    Abio, König Iraklij Schuschanija (Bass)
    Natela, Königin Liana Tatischwili (Mezzosopran)
    Abessalom, Kronprinz Surab Sotkilava (Tenor)
    Marich, seine Schwester Lamara Tschonija (Sopran)
    Eteri, Hirtenmädchen Zisana Tatischwili (Sopran)
    Murman, Wesir Schota Kiknadse (Bariton)
    Naana, Murmans Mutter Olga Kuszenowa (Mezzosopran)
    Tandaruch, Heerführer Abrek Pirzchalawa (Tenor)
    Stiefmutter (fehlt in der Besetzungsliste)

    Großer Chor und Großes Sinfonie-Orchester
    des Rundfunks der UdSSR
    Dirigent: Didim Mrzchulava

    Also, lieber Philhellene, ich melde mich bei Tamino mit
    eigenem Beitrag in Form einer kilometerlangen Inhalts-
    angabe, um zu erreichen, daß auch andere Taminianer Feuer
    fangen werden. Ich denke es ist eine Frage der Zeit, daß DDG
    die Oper auf CD überspielt. Der absolute Traum wäre eine
    Neueinspielung aus Georgien auf DVD.

    Engelbert

    Rechtsstreit um Montezuma


    Zunächst einmal den Düsseldorfern meinen herzlichen Glückwunsch,
    dass sie den Rechtsstreit gewonnen haben und die Traumoper Montezuma aufführen dürfen.


    Ich verstehe weder den Rechtsstreit, noch was der Hamburger
    Wissenschaftler entdeckt habe will. Die Franzosen waren offenbar
    viel flinker.


    Das Libretto von Montezuma liegt in der vorzüglichen Bearbeitung von
    Jean Claude Malgoire der Öffentlichkeit allgemein zugänglich seit über zwanzig Jahren vor. Es gibt die Übersetzung in Englisch, Französisch und Spanisch und eine glanzvolle Einspiellung des Werkes auf CD in 44 Tracks


    Das Textbuch enthält das complette Libretto, ist reichhaltig
    bebildert, besitzt eine umfangreiche Einführung, Biographie über die Künstler und eine tabellarische Inhaltsangabe. Alles in allem 160 Seiten.


    Eingespielt wurde die Oper am 8. Mai 1992 "au printemps des Arts de Monte-Carlo" und hatte Widerholungen in Bordeaux und Lausanne.


    Sie besteht aus drei Akten und 42 Szenen. Als Einleintung hat man die Bajazet-Ouvertüre genommen. Einschübe aus anderen Vivaldi-Opern
    werden einzeln nachgewiesen. Es handelt sich also schon um eine
    Pistazie, Verzeihung um ein Pasticcio


    Die Besetzung:


    Montezuma: Dominique Visse
    Mitrena, seine Epouse Danielle Borst
    Teutile, ihre Tochter Isabelle Poulenard
    Cortez Nicolas Rivenq
    Ramiro, sein Bruder Brigitte Balleys
    Asprano, mex. General Luis Masson


    Jean-Claude Malgoire dirigiert
    La grande Ecurie et la Chambre du Roi


    Herausragend in dieser Besetzungsliste ist der Countertenor Dominique
    Visse. Sein Timbre hat den Vorzug, daß der Travestie-Touch völlig fehlt
    und man nie das Gefühl hat, hier wird eine Frauenstimme kopiert.
    Auch die übrigen Darsteller sind Spitzenklasse und auf alte Musik
    spezialisiert.


    Wenn also die Düsseldorfer noch etwas Text für ihr Programmheft
    benötigen, biete ich gern an, einen Beitrag zu erstellen.


    Engelbert

    Im Jahre 1965 gabe es bereits eine Einspielung der Trojaner
    unter Georges Prêtre und der Nationaloper Paris auf EMI, die offenbar
    niemand kennt. weil sie zu Vergleichen nicht herangezogen wird.


    Den Äneas hat Guy Chauvet gesungen und beide Partien,
    die Cassandra wie die Dido hat sich Regine Crespin vorgenommen.


    Zu dieser Zeit stand die Crespin im Zenit ihres Ruhms und hat
    unter Decca auch die Sieglinde unter Solti eingespielt. Die
    Herodiade, in der sie die Salome singt, stammt auch aus
    dieser Zeit.


    Die Crespin setzt ihren superschlanken silberhellen dramatischen
    Sopran ein und erstellt ein eindrucksvolles psychologisches Porträt
    beider Frauengestalten. Im Falle der Dido gibt sie sich keine
    Mühe, die Stimme abzudunkeln, um einen Mezzosopran zumindest
    anzudeuten.


    Deshalb meine Frage, war die Dido von Berlioz überhaupt für
    Mezzosopran vorgesehen oder hat die Graham, sich die Partie
    einfach "gekrallt", weil sie Berlioz über alles liebt.


    Die Francoise Pollet habe ich natürlich auch als Dido, allerdings nur mit
    der Sterbeszene "J'ai vais mourir" in der sie einfach überwältigt.


    Dies Recital wird von mir immer wieder abgenudelt, weil dort
    auch noch andere Kostbarkeiten aus französischen Opern
    vorhanden sind, die anderweitig erst in jüngster Zeit oder
    gar nicht greifbar sind:


    Die Königin von Saba (Gounod)
    Heinrich VIII (Saint-Saens)
    Cinq Mars (Gounod)
    Sapho (Massenet)


    Aufgefallen ist mir eine Oper "Sigurd" von einem
    Ernest Reyer, in der die Pollet die Brunehilde singt.
    "Salut! splendeur du jour" der Höhepunkt des Recitals überhaupt.


    Engelbert