Beiträge von Engelbert

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    Geirr Tveitt (1908-1981)


    Baldurs Träume
    Baldurs draumar
    Baldur’s Dreams


    Symphonisches Spiel für Tanz und Orchester in drei Akten

    Libretto vom Komponisten
    nach altnordischen Texten und den Sagen von Snorre Sturlasson
    Uraufführung am 24. Februar 1938 in Skandinavien


    Charaktere:
    Baldur, Gott des Frühlings und des Lichts
    Hod, Gott des Feuers
    Heimdall, Gott der Musik
    Drage, Gott der Dichtkunst
    Schneewesen, Bergriesen, Frühlingselfen, Naturgeister
    Das Geschehen spielt sich zu Urzeiten in Skandinavien ab.



    HANDLUNG


    Allen drei Akten ist ein kurzer gesprochener Prolog vorangestellt, der die Handlung, welche im Tanz dargestellt wird, skizziert. Zusätzlich sind Liedtexte - von der Sopranstimme, dem Bariton oder Bass vorgetragen - in das Tanztheater eingestreut. Die Texte bestehen nicht immer aus sinnvollen Wörtern, sondern es sind manchmal Empfindungslaute, die aneinandergereiht werden. Der Handlungsablauf ist teilweise an die isländische Edda angelehnt.


    Erster Akt:


    Still und feierlich bietet sich dem Auge eine ruhige weite Schneelandschaft. Infolge vorangegangener Schneewehen bilden sich aus dem Schnee menschenähnliche Wesen, die plötzlich sehr lebendig sind und verständlicherweise tanzen möchten. Die weißen Geschöpfe sind jedoch nicht allein auf dieser Welt. Es gibt die Bergriesen, die plötzlich von den Höhen herabsteigen, das Tanzen als störend empfinden und es untersagen. Die soeben erst zum Leben erwachten Gestalten werden unter den Schnee zurückgetrieben.


    Einer der weißen Phantome lässt sich Willkür nicht bieten, zeigt Führungsqualitäten und setzt Widerstand entgegen. Gegen die Übermacht der Riesen kommt der Aufsässige nicht an und fällt tot zu Boden. Die Giganten verschwinden wieder.


    Die weißen Gestalten kommen erneut aus dem Schnee hervor und wollen dem Toten ein ehrenvolles Begräbnis bereiten. Sie errichten einen Scheiterhaufen und entzünden ein Feuer, um den Toten zu verbrennen. Das Feuer gerät außer Kontrolle und man versucht unter der Leitung von Hod, mit Schnee zu löschen. Der Funkenflug ist unerträglich, verletzt ihre Augen, so dass die Beerdigungshelfer erblinden.


    Das Feuer wird im Laufe der Zeit immer heller und stärker und entwickelt sich zur Morgenröte. Aus dieser entsteht die Sonne, die nach oben steigt und die verbrannte weiße Gestalt mitnimmt. Diese wandelt sich zum Gott und hat die Möglichkeit, auf den Sonnenstrahlen wieder zur Erde zu gleiten, wann immer sie möchte. Der Gott nennt sich Baldur und wenn er kommt und er für längere Zeit zu Besuch weilt, wird getanzt und gefeiert. Das ist im Frühling der Fall, wenn Heimdall in sein Horn bläst, der Schnee zu schmelzen beginnt und die Natur erwacht.


    Zweiter Akt:


    Die Täler und Wälder werden von Frühlingselfen bewohnt. Auch sie sind den Ungeheuern ein Dorn im Auge. Die Riesen, bösartig von Natur, unternehmen alles, die Kleinwüchsigen durch Kälte und Stürme zu vertreiben. Die Drangsalierten bekommen Hilfe von den Fjordgeistern, welche die Kälte in die Flucht schlagen. Die Welt grünt und blüht. Die Vögel zwitschern und alle Lebewesen denken an Paarung. Es erscheinen Hügelwesen um mit den Tieren das Erwachen der Natur zu feiern. Alles tanzt und es erscheint der Dichtergott namens Brage und verkündet in seinen Liedern, das es bald Sommer wird. Schließlich tauchen sogar richtige Menschen auf.


    Mittelpunkt des Interesses und der Huldigung ist der Sonnengott Baldur, der tragische Apollo des hohen Nordens. Seine Lieblingsbeschäftigung ist natürlich Tanzen. Alle schauen begeistert zu, wenn er seinem Bewegungsdrang keinen Zwang antut und voller Anmut den Sommer preist.


    Plötzlicher Tumult aus einer Richtung, aus der man es gar nicht erwartet hätte. Hod, der einst die Löscharbeiten leitete, kommt mit den Schneemenschen und will auch tanzen. Da diese durch den Funkenregen erblindet sind, schlagen sie mit brutaler Kraft um sich, entwickeln Schneegestöber und stören unbeabsichtigt das Erwachen der Natur. Erschrocken zieht der Gott des Lichtes sich mit seiner Anhängerschaft zurück.


    Dritter Akt:


    Heimdall und Brage, als Götter zuständig für die Bereiche Musik und Dichtkunst, werden durch das Gefiedel eines Amateurs angelockt. Mit ihren Blechblasinstrumenten fallen die beiden Gottheiten in das Konzert ein. Eine Bergsirene eilt mir ihrer Flöte noch hinzu, so dass die vier jetzt als Quartett auftreten können.


    Sie planen, den verprellten Baldur einzufangen, damit er ihnen mit seiner Anmut Gesellschaft leiste. Mit Spiel und Tanz wird es gewiss gelingen, ihn gesellig zu stimmen. Nochmals kommt Unterstützung, diesmal von einer Sopranistin, die aber dezent in der Ferne bleibt, um als Echo wahrgenommen zu werden, damit die Landschaft noch ein bisschen schlafen und träumen kann.


    Nun kommen wir endlich zum Thema, welches dem Tanzdrama den Titel gegeben hat. „Baldurs Träume“ sind tatsächlich fürchterlich. Die Blumen, das Gras und die Bäume verdorren. Tiere und Menschen siechen dahin. Baldur selbst ahnt seinen Tod voraus. Die Umwelt sieht, welche Qualen der Lichtgott in seinen Träumen erleidet. Sie wollen ihm helfen und Sicherheit geben. Die Natur ist angehalten, Baldur kein Leid zuzufügen. Die Pflanzen und Tiere, die Bäume und Gewässer, alle müssen dem Vielgeliebten Zuneigung und Treue schwören. Nur der Mistelzweig fühlt sich missachtet, weil man ihn für zu unbedeutend hält, um auch von ihm den Schwur zu verlangen.


    Baldur erwacht und alle versuchen, ihn in angenehme Stimmung zu versetzen. Sie führen einen Crash-Test mit ihm durch. Es werden Speere nach ihm geschleudert und Steine nach ihm geworfen. Äxte und Schwerter können ihm nicht schaden. Die Natur hält Wort und fügt dem Lichtgott keinen Schmerz zu. Er lacht und tanzt und ist in guter Laune, weil er sieht wie begehrt und beliebt er ist. Alle Waffen prallen an seinem sonnigen Körper ab.


    Hod, möglicherweise missgünstig, ist betrübt und die Bergriesen fragen ihn nach der Ursache seiner schlechten Laune. Warum will er nicht wie alle anderen auch auf Baldur schießen? - Warum sollte er, wenn dieser unverletzbar geworden ist. - Ein Bergriese, der auch den Verdruss der Mistel wahrgenommen hat, schnitzt aus einem Zweig des Strauchs einen Pfeil und drückt dem missmutigen Hod einen Bogen in die Hand. Hod schießt, und der aus dem Mistelzweig gefertigte Pfeil trifft Baldur ins Herz.


    Alle stehen wie versteinert in stummem Erschrecken. Keiner weint, keiner bewegt sich, zu groß ist die Trauer um den unersetzlichen Verlust. Die Abendsonne saugt den blutüberströmten Körper Baldurs an, um in ewiger Nacht mit ihm zu verschwinden. Die Blätter fallen von den Bäumen und das Leben aller droht zum Stillstand zu kommen. Es wird Herbst. Bald kommt der Schnee und alles fleht zur Sonne, dass Baldur wieder zurückkommen möge.


    Anmerkungen:


    Das Ballett weckte nach der Uraufführung großes Aufsehen und musste mehrfach wiederholt werden. Es gab eine Reihe von Bearbeitungen, die das Stück reduzierten und die vokalen Einlagen wegließen, damit die Musik auch im Rundfunk gegeben werden konnte. Abendfüllende Ballettmusiken sind im Norden äußerst selten und es gab bei der Einstudierung Probleme, weil eine ausreichende Zahl guter Tänzer nicht zur Verfügung stand.


    Im Anschluss an eine Aufführung in Paris im Jahre 1939 wurde die Original-Partitur nach London geschickt und ist infolge der Kriegswirren und Bombardierungen auf dem Wege dorthin verloren gegangen. Tveitt selbst ließ das Baldur Projekt nicht los und er erstellte eine Neuschöpfung des Werkes. Auch diese Partitur ist nicht mehr greifbar, weil sie bei einem häuslichen Wohnungsbrand im Jahre 1970 zerstört wurde. Mit Erfolg haben Experten versucht, das angesengte Material weitgehend wieder lesbar zu machen. Aus alten Rundfunkaufzeichnungen haben die Musikwissenschaftler und Komponisten Kaare Dyvik Husby und Alexej Rybnikow in Gemeinschaftsarbeit versucht, ein neues gültiges Manuskript zu erstellen, so dass wir heute über eine vorzügliche Einspielung auf Tonträger des schwedischen Labels BIS zurückgreifen können.


    Die Musik von Geirr Tweitt ist eigenwillig und kühn und zeugt von hoher Inspiration, welche die etwas spröde Textvorlage überhaupt umsetzbar macht. In den lyrischen Passagen kommen besonders die Holzbläser zum Zuge, während das dramatische Geschehen durch die Schlaginstrumente illustriert und vorangetrieben wird. Die Struktur der Klangblöcke erinnert entfernt an die Kompositionstechnik von Carl Orff.


    Hingewiesen sei auf das Ballett „Valkyrien“ des Dänen J. P. E. Hartmann, dessen literarischer Vorwurf weitaus konkreter ausgearbeitet, in der musikalischen Ausführung jedoch der Zeit der Frühromantik verhaftet ist und die Abwechslung, die Klangfarben und den Ideenreichtum der Schöpfung von Tweitt nicht anzubieten hat.


    Beide Werke bilden die Eckpfeiler nordischen Ballettschaffens.


    © 2010 TAMINO - Engelbert

    Eileen Farrel ist vielen Usern durch die Einspielung der Donizetti-Oper 'Maria Stuarda' bekannt geworden. An der Seite von Beverly Sills singt sie die Partie der Elisabeth, Tenor-College Stuart Burrows den Leicester, der Südafrikaner Christian du Plessis den Cecil



    1974 erschien die Einspielung unter dem Label ABC-Records erstmals auf dem Markt. Es dirigierte Aldo Ceccato das London Philharmonic-Orchester. Zum Schleuderpreis ist das wervolle Dokument - jedermann zugänglich - neuerdings wieder auf den Markt gekommen.


    Etwa gleichzeitig erschien damals auch die Aufnahme mit dem Gespann Sutherland/Tourangeau und löste heftiges Begehren aus. In englischer Sprache kamenn dann acht Jahre später unter dem Dirigenten Charles Mackeras Janet Baker und Rosalind Plowright.


    Ich hatte nun das Glück, Eileen Farrel und Beverly Sills in technischem Wohlklang auf LP hören zu können. Die grafische Präsentation der Kassette ist üppig und zeigt Fotos der Protagonisten während der Aufnahmesitzung. Die Biographie ist ausführlich. Der Stellenwert, den Eileen Farrel vorher auf dem amerikanischen Markt hatte, war mir damals nicht bewusst.


    Die Medea hatte der hochdramarische Sopran ebenfalls im Programm.


    Mit freundlichen Grüßen
    :angel:
    Engelbert

    @ Dr. Pingel


    Die Sarka ist eingeplant. Sie schließt thematisch an den Personenkreis von Smetanas Libuse an, die ich zuerst in Angriff nehmen werde. Fibich hat auch eine Sarka komponiert. In meiner Sammlung habe ich beide mit deutscher Librettoübersetzung.


    Vielen Dank für den Hinweis.


    Mit freundlichen Grüßen
    Engelbert

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    Hans Pfitzner (1869-1949)
    Die Rose vom Liebesgarten


    Romantische Oper in einem Vorspiel, zwei Akten und einem Nachspiel
    deutsch gesungen
    Libretto von James Grun
    Uraufführung am 9. November 1901 in Wuppertal
    Weitere Aufführung 1905 in Wien, dirigiert von Gustav Mahler


    Charaktere:
    Siegnot (Tenor)
    Minneleide (Sopran)
    Schwarzhilde (Alt)
    Rotelse (Sopran)
    Der Nachtwunderer (Bass)
    Der Waffenmeister (Bass)
    Der Sangesmeister (Bariton)
    Der Moormann (Tenor)
    Die Sternenjungfrau mit Sonnenkind (stumme Rollen)


    Die Märchenhandlung spielt zwischen Orient und Okzident zu unbestimmter Zeit



    Historisches Tondokument der Aufführung aus dem Jahr 1953 aus München, dirigiert von Robert Heger
    Gesangsolisten: Bernd Aldenhoff (Siegnot), Trude Eipperle (Minneleide), Max Probstl (Nachtwunderer),
    Paul Kuen (Moormann), Kiet Engen (Waffenmeister), Marcel Cordes (Sangesmeister), Georgina von Milincovic (Rotelse), Hanna Scholl (Schwarzhilde)



    HANDLUNG


    VORSPIEL:


    Der Frühling ist ins Land gekommen und auch in den Liebesgarten eingezogen. Man gedenkt die
    Ankunft des Langersehnten zu feiern und streut Blumen auf den Weg. Der Sternenjungfrau mit dem Sonnenkind, welcher der Garten gehört, wird gehuldigt.


    Ein junger Mann von vornehmer Abkunft mit der Funktion die Anlagen und das Gartentor zu bewachen, wird geehrt und bekommt als Zeichen seiner Wertschätzung von der Sternenjungfrau ein kostbares Diadem auf das edle Haupt gedrückt. Der Waffenmeister gürtet ihn mit einem nagelneuen Schwert, damit er seine Aufgabe zufriedenstellend wahrnehmen kann. Als kostbare Prämie erhält er zusätzlich zum Stirnreif noch eine nie verwelkende Rose von der Besitzerin des Geländes. Viel Aufwand für einen treuen Gartenangestellten, weil er unverzichtbar und seine Dienste wertvoll sind.


    Erster Akt:


    Die Tätigkeit ist wenig abwechslungsreich und Siegnot langweilt sich zu Tode. Er bekommt Besuch vom
    Moormann - eine schlichte treue Seele. Der Torfstecher erzählt ihm von Minneleide der Waldnymphe, die sich aber auch Sonnenkönigin nennen lässt. Sie heißt offenbar deshalb so, weil sie der körperlichen Liebesbeziehung zu einem Mann infolge schlechter Erfahrungen abhold gegenübersteht. Ihr zu Ehren veranstalten die Dorfbewohner Wettspiele, zu denen Siegnot auch eingeladen ist. Der Pflichtvergessene verliebt sich Knall auf Fall in die Schönheit und und weil er gerade nichts anderes zur Hand hat, schenkt er ihr seinen Stirnreif, an dem die nie verwelkende Rose befestigt ist. Eine Unüberlegtheit ohnegleichen, die ihm keinen Gewinn bringen wird! Minneleide will nicht mitkommen, denn im Liebesgarten sei es ihr zu hell und grelles Licht können ihre Augen nicht vertragen, weil sie den Schatten von Buchen und Eichen gewohnt sei. Die Sternendame mit Sonnenbaby hat mitbekommen, was hinter ihrem Rücken abläuft und ist verständlicherweise verärgert. Als Siegmund wieder zu Hause ankommt, ist das Gartentörchen abgesperrt.


    Es wird Nacht und der Unglücksrabe irrt mit Minneleide ratlos umher. Der Wald wirkt auf die beiden unheimlich, denn übles Gelichter macht die Gegend unsicher. Der Zauberer der Nacht, poetisch Nacht-Wunderer genannt, der möglicherweise auch in Minneleider verliebt ist, entreißt dem Ankömmling das Mädchen und nimmt es mit. Dabei geht nicht ohne Kampf ab und Siegnot, dem in dieser Situation ein Sieg not betan hätte, bleibt verwundet und kampfunfähig auf der Strecke. Vom Moormann wird er gefunden, der ihn anquatscht „Äh, äh, du Schöner“


    Zweiter Akt:


    Irgendwann erwacht Siegnot aus seiner Bewusstlosigkeit und macht sich auf die Suche nach dem Wohnsitz des Magieres. Dieser wundert sich, dass der Besiegte sich hertraut, lässt sich aber auf einen Dialog ein. Obwohl nicht anzunehmen ist, dass es Minneleide wirtschaftlich schlecht geht, schlägt er ein unsinniges Angebot vor. Wenn er dem Mädchen die Freiheit gibt, will er im Tausch sein der Gefangener des Nachtwunderers sein. Merkwürdigerweise ist der Unterweltkönig einverstanden, macht aber zur Bedingung, dass Minnleide sich korrekt verhält und die Wunderrose zum Liebesgarten zurückbringt. Das das Geschenk, welches ihr nicht zukommt, soll sie dort wieder abliefern. Doch die Versponnene ist sehr eigen – sie will die schöne Rose der Sternendame, der ursprünglichen Besitzerin, nicht zurückgeben.


    Gut, dann muss eine andere Lösung gefunden werden. Auf seine Körperkrafte kann Siegnot sich zur Not verlassen und er bringt die Säulen, die das unterirdische Gewölbe stabilisieren, zum Einsturz. Die Last der Decke tötet, den Zauberer und seine Zwerge, auch Siegnot wird unter der Tonnenlast begraben. Minneleide, steht unter dem geheimnisvollen Schutz der roten Rose und bleibt unversehrt. Sie sieht aber jetzt ein, dass sie die Blume zum Liebesgarten zurücktragen und der ursprünglichen Besitzerin abliefern muss.


    NACHSPIEL


    Der Epilog beginnt mit einem funeralen Marsch als die Waldnymphe am Wintertor erscheint und mit ihrer Wunderrose den Eingang erzwingt. Ein Trauerzug mit der aufgebahrten Leiche Siegnots zieht durch die Pforte, während der Opernchor Minneleide des Verrats anklagt. Die Nymphe setzt den Stirnreif auf das Haupt des Toten und legt ihm die Rose auf die Brust. Sie will Buße tun und sich dem Schwert des Winterwächters beugen. Die Sternenkönigin hat die Wohltätigkeit als Prinzip auf ihr Banner geschrieben, akzeptiert ihre Reue und erweckt den Geliebten wieder zum Leben. Der Liebesgarten wird von einem magischen Licht erfüllt, auch diejenigen Blumen fangen an zu sprießen, deren Jahreszeit gerade nicht an der Reihe ist. Alle sprechen vom 'Blütenwunder', freuen sich über die Ankunft einer reinen Seele und nehmen sie in ihre Gemeinschaft auf.


    Anmerkung:


    Die Hinwendung zu Wagner ist offensichtlich. Es bleibt dem Kritiker überlassen, ob er in der Oper ein Äquivalent oder eine Persiflage zum Bayreuther Meister sieht. Zu ihrer Zeit hatte Pfitzners 'Liebesgarten'
    jedenfalls einen gewaltigen Zuspruch. Die Orchesterkunst Pfitzners kann sich neben derjenigen Wagners durchaus hören lassen. Die Befürworter Pfitzners führen an, dass beide Meister aus gleichen Quellen schöpften, aber beide zwangsläufig nichts miteinander zu tun haben müssen.


    Wenn man sich mit dem 'Liebesgarten' beschäftigen will, sollte man auf die historische Einspielung aus München von 1953 unter Robert Heger zurückgreifen, auch wenn diese nicht unbedingt vollständig zu sein scheint. Die vokale Besetzung mit dem hervorragenden Bernd Aldenhoff, Trude Eipperle, Max Proebst, Paul Kuen und Marcel Cordes geben der Oper Gewicht und vermitteln, dass ihre suggestive Wirkung bis heute nicht nachgelassen hat.


    In jüngster Zeit wurde Pfitzners Opus szenisch wieder ausgegraben. In Chemnitz ließ man einem dem Verfremdungs-Theater zugewandten Regisseur, jede Freiheit, der Märchenoper seinen burlesken Stempel aufzudrücken.


    © 2010 TAMINO - Engelbert




    http://www.tamino-klassikforum.at/thread.php?postid=310359

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    Ignaz Brüll (1846-1907)
    Das goldene Kreuz


    Oper in zwei Akten
    deutsch gesungen
    Libretto von Hermann Mosenthal
    nach einer französischen Vorlage 'Le croix d'or'.
    Uraufführung am 22. Dezember 1875 in Berlin


    Charaktere:
    Contran de l'Ancry (Tenor)
    Colas Pariset, Wirt 'Zur Mühle' (Bariton)
    Christine, seine Schwester (Sopran)
    Therese, seine Braut (Sopran)
    Bombardon, Sergeant (Bass)


    Das Geschehen spielt in einem Dorf in Frankreich zu Beginn des 19. Jahrhunderts



    HANDLUNG



    Erster Akt:


    Napoleon Bonaparte beabsichtigt, gegen Russland Krieg zu führen. Ohne Rücksicht auf familiäre Verhältnisse oder volkswirtschaftliche Belange werden zum Sturm auf Moskau selbst in den entlegensten Dörfern die Wehrpflichtigen eingesammelt.


    Den jungen Inhaber der Gaststätte 'Zur Mühle' hat es ebenfalls erwischt. Damit er sich nicht vorher absetzen kann, holt Sergeant Bombardon ihn persönlich ab, um ihn zur Sammelstelle zu bringen.


    Der Schicksalsschlag trifft Colas in einem denkbar ungünstigen Moment, denn für den nächsten Tag ist seine Hochzeit mit Therese angesetzt. Guten Rat in der Not hat die Schwester! Sie fleht zum Sergeanten, einen Ersatzmann ausfindig zu machen, der an Stelle des Wehrpflichtigen ins Feld ausrückt und gibt ihm ein Kettchen mit einem goldenen Kreuz als Anhänger. Denjenigen, der ihr nach siegreicher Beendigung des Krieges das Pfand zurückbringt – so sagt Christine – wird sie zum Gemahl erwählen. Das sei ihr unwiderruflicher Entschluss.


    Der Sergeant überlegt, ob er in seinem Freundeskreis niemanden hat, dem er das wertvolle Angebot unterbreiten kann. Ein Edelmann, namens Contran erklärt sich bereit, den Platz von Colas einzunehmen und ins Feld zu ziehen. Er legt aber Wert auf Diskretion und bedingt sich aus, dass seine Identität vorerst geheim bleiben soll.


    Christine ist erleichtert und voller Dankbarkeit händigt sie dem Sergeanten das Schmuckstück zwecks Weitergabe aus.



    Zweiter Akt:


    Nach drei Jahren kehrt Contran de l'Ancry schwer verwundet aus dem Krieg in sein Dorf zurück. Ohne Wissen Christines, dass er derjenige ist, der den Platz ihres Bruders eingenommen hatte, wird der alte Freund in der Mühle gastlich aufgenommen und von ihr liebevoll gepflegt. Nachdem er wieder gesund ist und sich keine bleibenden gesundheitlichen Schäden zeigen, macht er Christine das Geständnis, dass er als heimlicher Verehrer, ihr damals den Liebesdienst erwiesen habe, das Kreuz allerdings nicht mehr in seinem Besitz sei.


    Er habe geglaubt, nach seiner schweren Verwundung sterben zu müssen und das wertvolle Schmuckstück einem Kameraden gegeben, um er es ihr auszuhändigen. Christine hatte geschworen, denjenigen zu heiraten, der ihr das Kreuz zurückbringt. An ihren Eid fühlt sich gebunden, obwohl es sie sehr traurig macht, weil sie seinen Worten glaubt. Kann es nicht sein, dass derjenige, dem Contran das Kreuz gegeben hat, irgendwann in der Mühle aufkreuzt und auf die Einlösung des Versprechens drängt? Die Enttäuschung ist groß.


    Tatsächlich erscheint der alte Bombardon eines Tages als Kriegsversehrter. In der Arie: 'Je nun, man trägt, was man nicht ändern kann', beklagt er sein verlorenes Bein. Er überreicht Christine das Kreuz, weiß um dessen Bewandtnis und fügt als Information sofort hinzu, dass er es von einem Sterbenden erhalten habe. Er sei nur der Überbringer und stelle keinen Anspruch auf Einlösung des Versprechens. Bombardon erkennt Contran und bestätigt, dass er es war, der für Colas ins Feld gezogen sei. Der Hochzeitstermin für Christine und Contran kann nun festgesetzt werden.


    Anmerkung:


    Ignaz Brüll komponierte insgesamt zehn Opern. 'Das goldene Kreuz' war seine zweite und folgte nach mehr als zehn Jahren dem Werk 'Die Bettler von Samarkand'. Er wollte durch die Schlichtheit und Unkompliziertheit seiner Bühnenwerk einen Kontrast zu Richard Wagner setzen.


    Er war befreundet mit Johannes Brahms und nahm sich als bedeutender Klaviervirtuose seiner Kompositionen an.


    © 2010 TAMINO - Engelbert

    Bei den Opern werde ich selektieren und solchen Werken mit pseudohistorischen Inhalten den Vorzug geben. Im Vordergrund werden sie großen Biographien stehen.


    Der Westgotenkönig Alarich ist in Arbeit
    Es folgt Königin Christine von Schweden




    Wer kann Vorschläge machen? Bitte nur Raritäten!


    Mit freundlichen Grüßen
    :angel:
    Engelbert

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    Richard Wagner
    (1813-1883)

    Der fliegende Holländer


    Romantische Oper in drei Akten


    Libretto vom Komponisten
    nach den Memoiren des Herrn von Schnabelewobski von Heinrich Heine


    Uraufführung am 2.1.1843 an der Dresdner Hofoper

    [timg]http://upload.wikimedia.org/wi…A4nder-Dresden-1843.jpg;n[/timg]

    Erste Aufführung in Dresden, 1843


    mit Michael Wächter, Karl Risse und Wilhelmine Schröder-Devrient


    mit Leonie Rysanek und George London


    Charaktere:
    Der Holländer (Bassbariton)
    Daland, ein norwegischer Seefahrer (Bass)
    Senta, seine Tochter (Sopran)
    Mary, Sentas Amme (Mezzosopran)
    Erik, ein Jäger (Tenor)
    Steuermann (Tenor)
    Schiffsbesatzung
    Dorfbewohner


    Die norwegische Küste um 1650


    mit Hildegard Behrens und Franz Grundheber sowie Matti Salminen



    HANDLUNG


    ERSTER AUFZUG


    Erster Auftritt:


    Soll Daland sich nun ärgern? Der unberechenbare Sturm hat es auf ihn abgesehen und will sein Schiff nicht in den Heimathafen einlaufen lassen. Kurz vor dem Ziel wirft er den Segler in die Sandwike-Bucht, so dass der Kapitän genötigt ist, vor Anker zu gehen. Die Nacht bricht herein und die Matrosen haben mit ihren Sicherungsmaßnahmen erheblich zu tun. So nah schon am Ziel, doch nach langer Fahrt ward Daland dieser Streich noch aufgespart. Sein Haus konnte er schon erkennen. Nun muss die Tochter noch ein Weilchen warten, bis der Heimkehrende sie umarmen kann.


    Daland hat das Schiff verlassen und ist auf den benachbarten Felsen gestiegen. Auf seinen Steuermann kann er sich hundertprozentig verlassen. Er soll die Wache für ihn übernehmen, denn er will sich noch ein bisschen die Füße vertreten. Passieren kann ohnehin nichts, aber es ist gut, wenn wenigstens einer ein bisschen aufpasst. Der Kapitän soll außer Sorge sein und ruhig schlafen. Müde ist der Steuermann allerdings auch und singt ein fröhliches Liedchen, um die Augenlider oben zu halten. Er freut sich sehr, endlich nach Hause zukommen.


    »Mit Gewitter und Sturm aus fernem Meer«


    kommt er her, denn sein liebes Mädel verlangt nach ihm. Der Südwind hat kräftig geblasen, gut das es ihn gibt. Vom fernen Mohrenland hat er seiner Liebsten etwas mitgebracht. Es ist nicht viel, nur ein güldenes Band, doch er weiß, kleine Mädchen lieben solchen Tand.


    Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Schon bald schläft er ein. Der Sturm nimmt zu und ein zweites Schiff gerät ebenfalls in Seenot. Es nimmt Kurs auf die Bucht und verankert sich auf der anderen Seite. Der Rumpf des Schiffes ist kohlrabenschwarz, dagegen zeigen sich die Segel blutrot - ein gespenstischer Kontrast. Der Opernbesucher tippt richtig: Das kann nur der fliegende Holländer sein.


    Zweiter Auftritt


    Der Geisterfahrer hat die vielen Leute im Parkett, auf Balkonen und Rängen wahrgenommen und empfindet bei aller Wehleidigkeit Genugtuung, dass es Menschen gibt, die sich für seine Geschichte interessieren. Sein Monolog


    »Die Frist ist um und abermals verstrichen sind sieben Jahr.«


    ist spannungsgeladen. Der Betroffene spricht von Ängsten und Erwartungen, berichtet von seinem unsteten Leben, verschweigt allerdings noch die Ursachen, die ihn in seine teuflische Lage gebracht haben. Der Ozean sei stolz und trotzig, berichtet er, doch seine persönliche Qual würde ewig dauern. Heil, welches er auf den sieben Meeren nicht findet, sucht er auf dem Trockenen, doch er hat keine Hoffnung, Erlösung dort zu finden. Noch will er nicht bekennen, weshalb ihn solch harte Strafe trifft. Einen Suizid hat er schon öfters geprobt, aber die Piraten, die er verhöhnte, haben ihn am Leben gelassen. Auf die Klippen hat er das Schiff gesteuert und gehofft, dass tiefe Schlünde ihn aufnehmen würden, gegenteilig war die Reaktion, sie haben ihn wieder freigegeben. Immerhin ist sein Schiff mit Schätzen angefüllt, doch was nützen sie, wenn er damit nicht Handel treiben kann, denn erst am jüngsten Tag soll die Erlösung kommen. Hoffen wir es mit ihm! Der Gebeutelte ist tief verzweifelt.


    Dritter Auftritt:


    Daland hat den Steuermann aus dem Schlummer wachgerüttelt. Er rügt den Leichtfertigen und spottet, wie schön er gewacht habe. Zum Teufel auch! Seinen Fehler wird er schleunigst wieder gutmachen und munter ruft er hinüber, dass das unheimlich anmutende Schiff sich bitte identifizieren und Flagge zeigen soll.


    Der Kontakt ist bald geknüpft und die beiden Kapitäne treten unmittelbar in Dialog. Der Besitzer des Schiffes mit den blutroten Segeln erklärt, dass er von weit her komme und viele Strapazen hinter sich habe. Blut ist gespritzt und hat die Segel eingefärbt. Wird der andere ihm den Ankerplatz auch nicht verwehren? Keinesfalls, denn der Seemann kennt die Gastfreundschaft! Man begrüßt sich förmlich, aber herzlich. Nein, eine Havarie habe das Schiff noch nie gehabt, aber nach Holland finde es einfach den Weg nicht.


    „Mein Schiff ist fest, es leidet keinen Schaden.
    Durch Sturm und bösen Wind verschlagen,
    irr’ auf den Wassern ich umher –
    wie lange, weiß ich kaum zu sagen:
    schon zähl’ ich nicht die Jahre mehr.
    Unmöglich dünkt mich’s, dass ich nenne
    Die Länder alle, die ich fand:
    Das eine nur, nach dem ich brenne,
    das ist mein Heimatland!
    Vergönne mir auf kurze Frist dein Haus,
    und deine Freundschaft soll dich nicht gereuen.
    Mit Schätzen aller Gegenden und Zonen
    ist reich mein Schiff beladen, willst du handeln,
    so sollst du sicher deines Vorteils sein.“


    So entwickelt der Holländer eine Strategie, die darauf abzielt, für die Nacht im Hause des Kapitäns eine Unterkunft zu bekommen. In vielen Ländern sei er schon gewesen und überall habe er Ware eingekauft. Die Laderäume seien mit Gütern aller Art angefüllt. Nun den Vers noch einmal in Prosa: Möchte der liebenswürdige Norweger sich nicht auf einen Deal einlassen? Für die Nacht erbittet er in seinem Hause eine Unterkunft. Dafür darf er sich von seinen Schätzen etwas aussuchen. Zum Beweis holt er eine Kiste und öffnet sie, dass dem Betrachter die Augen überlaufen. Im Rumpf des Schiffes läge noch mehr an kostbarem Plunder. Die Chance, dass alles ihm gehören könnte, sei durchaus real. Der fliegende Holländer versteht es, die Gier nach Schätzen in dem armen Norweger wachzurufen. Hat er zufällig eine Tochter? O ja, das Gewünschte ist vorhanden!


    „Wohl, Fremdling hab’ ich eine schöne Tochter,
    mit treuer Kindeslieb' ergeben mir;
    sie ist mein Stolz, das höchste aller Güter,
    mein Trost im Unglück, mein Freud’ im Glück.“


    Treue und Zuverlässigkeit sind wichtig im Leben. Daland könne sich keine Vorstellung machen, wie selten diese guten Eigenschaften zu finden sind. Bitter klagt der Holländer, dass er weder Weib noch Kind habe. Gern würde er sich fest binden und als Prämie solle Daland alle Ware bekommen, die im Schiff gestapelt liegt, wenn er ihm das Mädchen zur Frau gibt. Nun soll der Opernbesucher die Situation aber nicht missverstehen und denken, dass Daland aus eitler Raffgier seine Tochter verschachern will. Von einem wohlhabenden Eidam hat schließlich die gesamte Familie den Nutzen. Ein bisschen mehr Recherche wäre allerdings angezeigt, denn mysteriös ist die Sache in jedem Fall. Der Holländer hat es eilig. Wird er die Tochter heute noch zu sehen bekommen? Sobald der Südwind ein bisschen bläst, geleitet er die Schiffe in den sicheren Hafen. Wenn die Tochter ihm gefällt, kann er sie haben. »Dem Mann mit gutem Sinn, gibt er gern die Tochter hin.« Wird sie sein Engel sein? Der Matrosenchor beschließt das Finale:


    „Mit Gewitter und Sturm aus fernem Meer –
    Mein Mädel bin dir nah! Hurra!
    Über turmhohe Flut von Süden her –
    Mein Mädel ich bin da! Hurra!
    Mein Mädel, wenn nicht Südwind wär’
    Ich nimmer wohl käm’ zu dir;
    Ach lieber Südwind blas’ noch mehr!
    Mein Mädel verlangt nach mir.
    Hohoho! Joloho!“


    ZWEITER AKT


    Vierter Auftritt:


    Während die Männer zum Fischfang ausgefahren sind, finden sich die Frauen im Hause des Kapitäns zum geselligen Beisammensein ein. Sie spinnen Wolle und singen dazu ein fröhliches Liedchen, damit die Zeit schneller herum geht. Jede wartet auf ihren Liebsten und hofft, dass er nicht nur Fische, sondern auch ein kleines Geschenk mitbringt.


    »Du böses Kind, wenn du nicht spinnst, vom Schatz du kein Geschenk gewinnst.« Die alte Mary wird als Gruppenführerin zwar respektiert, aber nicht mehr so ganz ernst genommen. Senta, des Kapitäns versponnenes Töchterlein, setzt sich von der Fröhlichkeit der übrigen Mädchen ab. Sie ist mit keinem Fischer, sondern mit einem Jäger fest verbunden. Ihre wirkliche Zuneigung hängt jedoch als Porträt an der Wand. Es ist ein geheimnisvoller Mann mit sehnsüchtigem Blick und schwarzem Bart, den sie in Wirklichkeit noch nie gesehen hat. Senta soll nur aufpassen, dass Erik von ihrer geheimen Zuneigung nichts erfährt, sonst holt er mit einem Schuss aus seinem Gewehr das Bild von der Wand.


    Dargestellt auf dem Konterfei ist der mysteriöse Holländer. Seine Geschichte kennt jeder. Er muss auf den Weltmeeren umherirren und darf nur alle sieben Jahre an Land gehen. Findet er eine Frau, die ihm folgt, wird er von dem Hexenbann erlöst sein und Ruhe finden. Senta hat sich in den Kopf gesetzt, die Frau zu sein, die dem Holländer in Treue folgen wird, damit er nicht bis zum Jüngsten Tag auf seine Erlösung warten muss. Deshalb wird sie von den Mädchen ausgelacht.


    Mary soll doch bitte noch einmal das bekannte Lied singen – sie hört es gar zu gern - doch die Alte weigert sich, weil ihr die Verse zu trübsinnig sind. „Johohoe Johohohoe Johohoe Johoe!“ Nun, dann singt Senta die dreistrophige Ballade vom fliegenden Holländer eben selbst:


    „Traft ihr das Schiff im Meere an,
    blutrot die Segel, schwarz der Mast?
    Auf hohem Bord der bleiche Mann,
    des Schiffes Herr wacht ohne Rast.“


    „Hui, wie saust der Wind, Johohe! ...“ Erik hat das nahende Schiff des Kapitäns gesehen und möchte zur Begrüßung zur Stelle sein. Senta befindet sich gerade in Ekstase. Gottes Engel soll den Holländer nur herbeiführen, durch sie wird er das Heil erreichen. Ist Senta von Sinnen? Will sie Erik etwa verderben. Mary entrüstet sich auch: »Abscheulich Bild, du sollst hinaus. Kommt nur der Vater erst nach Haus.«


    Fünfter Auftritt:


    Erik hat mit Senta ein ernstes Wörtchen zu reden: »Bleib, Senta! Bleib nur einen Augenblick!« Sie soll ihn aus seinen Qualen reißen. Was soll aus ihm werden, wenn ihr Sehnen einem anderen gilt. Es war geplant, dass der Vater ihn ihr zum Gatten gibt. »Doch wenn sein Herz in Jammer bricht, wird es Senta sein, die für ihn spricht,« fragt Erik zweimal, doch Senta drängt es hinaus, den Vater zu begrüßen. Erik ist wirklich zu bedauern. Große Güter hat er nicht zu bieten, aber er meint es ehrlich mit ihr und wird ihr treu sein. Ist das so wenig? Doch Senta jagt einem Phantombild hinterher. Sie flieht vor der Wunde, die sie dem Verlobten im Liebeswahn schlug. Fürchtet Erik sich etwa vor einem Bild an der Wand? Nein, aber Erik hatte eine Vision und sah kommende Ereignisse voraus. Der Anhängliche hat sie aufgehalten. Senta konnte den Vater bei seiner Ankunft nicht begrüßen und nun tritt er in Begleitung eines Fremden zur Tür herein.


    Sechster Auftritt


    Der Vater hatte sich die Begrüßung auch etwas anders vorgestellt.


    Mein Kind, du siehst mich auf der Schwelle...
    Wie? Kein Umarmen? Keinen Kuss?
    Du bleibst gebannt an deiner Stelle –
    Verdien’ ich, Senta, solchen Gruß?


    Senta will wissen, wer der Fremde ist, nachdem sie ihn misstrauisch gemustert hat. Der Vater antwortet:


    »Mögst du, mein Kind, den fremden Mann willkommen heißen;
    Seemann ist er gleich mir, das Gastrecht spricht er an.
    Lang ohne Heimat, stets auf fernen weiten Reisen,
    in fremden Landen er der Schätze viel gewann.
    Aus seinem Vaterland verwiesen,
    für einen Herd er reichlich lohnt:
    Sprich Senta, würde es dich verdrießen,
    wenn dieser Fremde bei uns wohnt?«


    Die Strophe geht noch weiter. Wenn die Tochter sich die Schätze anschaut, die er mitbringt, wird sie verstehen, dass er den Fremden zu ihrem Gatten auserkoren hat. Den Erik kann sie jetzt in den Wind schreiben. Die Wertgegenstände bekommt sie nur, wenn sie den Ring wechselt.


    Nun kommt das Liebesduett: » Wie aus der Ferne längst vergang’ner Zeiten spricht dieses Mädchens Bild zu mir ... « Der Holländer jammert, dass sich die Balken der soliden Behausung biegen und die unbedarfte Senta muss den seelischen Müllhaufen verarbeiten. Sie kennt des Weibes heilige Pflichten. Hier ist ihre Hand und ohne Reu' bis in den Tod ist sie ihm treu!


    Daland erklärt den Wartenden, dass es jedes Mal, wenn er von weiter Reise zurückkommt, ein Fest gibt. Darf er es durch die Bekanntgabe des neuen Bundes verschönern? Senta ist dafür.


    DRITTER AKT


    Siebter Auftritt


    Beide Schiffe liegen auf dem Meer vertaut dicht nebeneinander. Das norwegische Schiff ist hell erleuchtet, während das Geisterschiff einen Eindruck vermittelt, als ob die Besatzung es verlassen habe. Die Matrosen feiern. Ihr Lieblingslied kennt man inzwischen zur Genüge: “Steuermann lass die Wacht...“ Der Verschlafene passt doch ohnehin nicht auf und sollte in seiner Nachlässigkeit nicht noch bestärkt werden. Die Hafenmädchen sind an Bord gekommen und stampfen beim Tanzen kräftig mit dem Fuß auf. Alle wundern sich, weshalb auf dem Holländerschiff nichts los ist. Haben sie nichts zu Essen. Sind etwa die Getränke ausgegangen. Man spottet und überlegt, wie man die fremde Mannschaft ein bisschen aufmuntern kann.


    „Wahrlich! Sie sind tot
    und haben Speis' und Trank nicht not.
    Sie liegen alle faul im Nest.
    Ist für sie nicht heute auch ein Fest?
    Sie liegen fest auf ihrem Platz.
    Wie Drachen hüten sie ihren Schatz.
    He Seeleute! Wollt ihr nicht frischen Wein?
    Ihr müsst doch wahrlich durstig sein.
    Sie singen nicht, Sie trinken nicht
    In ihrem Schiff es brennt kein Licht.“
    Nun, das sollte nur eine weitere kleine Kostprobe sein, um festzuhalten, dass Herr Wagner nicht nur vortrefflich orchestriert, sondern auch schön dichten kann. »So weckt die Mannschaft ja nicht auf, Gespenster sind’s, wir schwören drauf.« Irgendwann wird der ruhestörende Lärm den Gespenstern - schon viele hundert Jahre auf Achse - doch zu bunt. Das Wasser in unmittelbarer Nähe des fremden Schiffes beginnt zu zischen und bläuliche Flammen steigen auf. Auch das Singen haben die Spukgestalten nicht verlernt. Die sieben Jahre sind um und der schwarze Hauptmann soll an Land gehen und ein blondes Mädchen kapern. Der Kapitän ist wieder auf das Schiff zurückgekehrt und wird ausgelacht Er hatte kein Glück in der Liebe. Ha ha ha! Die Segel sind gegen Sturm gefeit und reißen nicht in Ewigkeit! Es entsteht nun ein Wechselgesang der Chöre. Die Mannschaft des Geisterschiffes versucht, zu beweisen, dass sie nicht mausetot ist und die Norweger singen immer lauter, weil ihnen der Spuk nicht geheuer ist und die Angst ihre Stimmbänder auf Touren bringt.


    Letzter Auftritt


    Erik hat noch einen Streit mit Senta. Der Jägersmann ist zäh und hat den Kampf gegen den gespenstischen Rivalen nicht aufgegeben. Gott, was muss er sehen? Was muss er hören? Es ist keine Täuschung! Erik es ist Tat! Doch Senta lässt sich nicht aufhalten. Sie schiebt die untere Kinnlade vor, ist restlos eingefangen von ihrer Mission und stürmt nach vorn. Nun setzt Erik alles auf eine Karte und singt seine schönste Kavantine: »Willst jenes Tags du dich nicht mehr entsinnen?« Senta hat jetzt überhaupt keinen Sinn für Poesie und ist ganz auf Drama eingestellt. Der Holländer ist von seinem Schiff noch einmal zurückgekehrt. Sein ewiger Pessimismus spielt ihm wieder einen Streich. Er sieht seine Felle schwimmen, obwohl Senta und ihr Vater alles daran gesetzt haben, ihn zu halten. Pech gewohnt, tönt er: „Verloren, ach verloren! Ewig verlornes Heil. In See, in See für ewige Zeiten“ Was muss Erik sehn? Kann er seinen Augen trauen? Senta, komm zurück. Sie befinde sich in Satans Klauen. Der Geisterfahrer macht bereits klar schiff. Der Holländer ist mit seiner Aufklärungskampagne noch nicht fertig. Senta kennt ihn nicht und ahnt nicht, wer er ist. Die Meere aller Zonen soll sie befragen und den Seemann, der den Ozean durchstrich Er ist der Schrecken aller Frommen. „Den fliegenden Holländer nennt man mich!“ als ob Senta diesen Tatbestand von Anfang an nicht gewusst hätte. Das Opernpublikum war ebenfalls informiert.


    Wütend reisst Senta sich von Erik los und prescht vor. Sie klettert auf einen Felsen. Was will sie tun? Seinen Engel soll der Holländer preisen und sein Gebot. Hier steht Senta, treu bis in den Tod. Sie stürzt sich, Kopf voran, ins Meer. Das Geisterschiff versinkt im Wasser. Senta war ein Mädchen mit Charakter!


    © 2010 TAMINO - Engelbert

    Liber Harald,


    ich würde die Kabaivanska nicht auf VERISMO festlegen. Genau so gut gelingen ihr


    Spontinis Vestalin, Cherubinis Medea, ganz besonders Donizettis Roberto Devereux, Rossinis L'Assedo di Corinto, Bellinis La Straniera und Verdis Elisabeth (Don Carlos)


    Kostproben gibt es auf der Balkanton-LP. BOA 10629. Das Sängerportät gab es formell auch auf dem deutschen Markt zu kaufen.
    Kein Entstehungsdatum, Cyrillisch und lateinisch beschriftet.


    http://www.vinyldivas.com/contentsk.htm



    RCA hat ein Puccini-Recital herausgebracht. Aus EDGAR ist die Arie: 'Addio mio dolce amore' vertreten.


    Mit freundlichen Grüßen
    :angel:
    Engelbert

    Also, ich habe die Stimme in meiner Sammlung sehr häufig vertreten, nicht weil ich sie ausgewählt habe, sondern weil es sich so ergeben hat. Ihre leichtgewichtige Stimme ist angenehm warm timbriert und hat eine eigenwillige Klagfarbe. Eine sehr gute Einspielung ist ihre Lakmé - ich war überrascht und ziehe sie inzwischen der kaltschnäuzigen, aber hochdotierten Sutherland vor.



    Haralds Einschätzung kann ich aber auch nachvollziehen. Man kommt um diese französische Hausmannskost einfach nicht herum.
    Die Tenöre, einschließlich Nicolai Gedda, die ihr in der Ciboulette, im Orphée, in Verronique, in les Cloches de Corneville oder in Les Mousquetaires au Covent, zur Seite gestellt werden, taugen ebenso wenig. Es war einfach eine Zeit, als die Franzosen an französischen Tenören nichts Markantes anzubieten hatten.


    Häufig wird ihr in Michele Command eine zweite Kollegin zur Seite gestellt. Die beiden Damen geistern schon seit Jahrzehnten durch die Kulissen. In Heinrich VIII. hat die Command sich allerdings als Catherine von Aragon (inzwischen in der Ausdehnung einer Matrone) durch eine gute Bühnenpräsenz profilieren können.


    Um den von Harald und Wolfgang erwähnten 'Fra Fiavolo' habe ich instinktmäßig immer einen Bogen gemacht und hilfsweise die italienische Version genommen, die aber auch nicht befriedigt.


    Wenn Euch die Mesplé als Lakmé zu babyquäkig ist, dann nehmt in Gottes Namen Dame Joan, oder besser noch auf Nummer sicher die Natalie Dessay. Testet alle auf Youtube durch, bevor ihr kauft.


    mit freundlichen Grüßen
    :angel:
    Engelbert

    In der Operette 'Die Kaiserin' von Leo Fall
    singt unter Franz Marszalek Gretel Schörg die Partie der Adelgunde.



    In meiner CD-Sammlung finde ich Frau Schörg als Josepha Vogelhuber im weißen Röss. Mit ihrer österreichischen Mundart ist sie für die Rolle bestens geeignet. (Für musica: Die Ottilie singt Gitta Lind)


    Mit freunlidhen Grüßen
    :angel:
    Engelbert

    .


    Albert Lortzing (1801-1851)
    Regina


    Oper in drei Akten
    deutsch gesungen
    entstanden 1848
    Libretto vom Komponisten
    Uraufführung am 21. März 1899 an der Berliner Hofoper
    Aufführung der Originalversion mit angepassten Dialogen 1951 in Ost-Berlin
    Anlass der einhundertste Todestag von Albert Lortzing
    Das Geschehen spielt in Wien vor 1850


    Besetzung der Originalversion:
    Simon, ein Fabrikant – Gerhard Frei
    Regina, seine Tochter – Irmgard Klein
    Kilian, ein Arbeiter Simons – Ernst Kozub
    Stephan, Werkmeister – Heinz Friedrich
    Richard, Geschäftsführer – Herbert Rungenhagen
    Wolfgang, ein freigekommener Straftäter
    Barbara, Kilians Mutter – Ilse Schartner
    und weitere


    Es musizieren das Orchester und der Chor des Berliner Rundfunks unter Leutung von Walter Schartner



    HANDLUNG


    Erster Akt:


    Die Arbeiter proben den Aufstand. „Wir wollen nicht, was hätten wir davon.“ Sie fordern höhere Löhne und drohen mit Streik. Ein ungünstiger Augenblick, denn die politische Situation im Land ist wegen der schlechten Wirtschaftslage und drohender Aufstände instabil!


    Aus taktischen Erwägungen sieht der Arbeitgeber Simon sich gezwungen, die Verlobung seiner Tochter Regina mit dem Werkmeister Stephan aufzulösen, weil der Geschäftsführer Richard auch Appetit auf das Mädchen hat.


    Der Zufall kommt Stephan zur Hilfe. Ein alter Bekannter, der 20 Jahre im Gefängnis saß, weil er einen Adeligen verprügelt hatte, taucht plötzlich auf. Wolfgang hat sich den Revolutionären zugesellt, welche planen, Simons Fabrik zu überfallen. Die Turbulenzen wollen Stephan und Wolfgang nutzen, um Regina aus dem Machtbereich ihres Vaters zu entführen. Barbara, die Mutter des Arbeiters Kilian, hat sich angeboten, Regina bei sich zu verstecken.


    Zweiter Akt:


    Den Stephan liebt Regina aber auch nicht, sondern ihr steht der Sinn nach Kilian, bei dessen Mutter sie Unterschlupf gefunden hat. Dieser hat den Respekt vor den Freischärlern längst verloren, schnappt sich Regina und setzt sich mit ihr ab.


    Dritter Akt:


    Das Volk feiert den Sieg der Revolution. Stephan ist verschlagener, als Kilian geglaubt hat. Der Gefoppte setzt den beiden nach und verschleppt Regina ins Munitiondepot der Revolutionäre. Von Wolfgang des Verrats bezichtigt, gerät Stephan in Bedrängnis, doch eine Schar Bewaffneter nähert sich, um das arme Mädchen zu befreien. Stephan sieht seine Situation als aussichtslos an und will sich nebst Regina mit den Pulvervorräten in die Luft sprengen.


    Doch Regina ist auch nicht von Pappe und erschießt kurzerhand ihren Entführer. Sie bekennt sich zu Kilian und der Jubel der Liebenden mischt sich mit den Freiheitsliedern der Bevölkerung. „Frisch auf, frisch auf und einig seid.“


    Anmerkung:


    Die musikalische Welt war irritiert, als Albert Lortzing nach seinem Wildschütz und seiner Undine eine Revolutionsoper schuf. Zur falschen Zeit am falschen Ort hatte das Werk keine Chance, aufgeführt zu werden. Drei Jahre später verstarb der Komponist.


    Das Werk wurde librettomäßig umfunkioniert und die Handlung unter dem Titel 'Die Marodeure' in die napoleonische Zeit verlegt. Die Berliner Hofoper bequemte sich mit einem Abstand von 50 Jahren das Werk zu inszenieren - danach verfiel es erneut der Nichtbeachtung. Der einhundertste Geburtstag Lortzings gab das Stichwort, in Anpassung an die Staatsräson abermals einen Versuch zu starten.


    Zur heutigen Zeit sieht sich das Musiktheater nicht veranlasst, sich dem Stück zu nähern. 1998 gab es allerdings noch einmal eine Aufführung in Gelsenkirchen unter Peter Konwitschny. Es sind unterschiedliche Inhaltsbeschreibungen und Besetzungslisten des Stückes in Umlauf.


    Mit seiner Frau Regina hatte Albert Lortzing elf Kinder.


    © 2010 TAMINO - Engelbert

    .


    Albert Lortzing (1801-1851)


    Ali Pascha von Janina
    oder die Franzosen in Albanien


    Oper in einem Akt
    Libretto vom Komponisten
    Komponiert 1823/24
    Uraufführung in Münster 1.2.1828
    Dauer etwa 60 Minuten


    Personen:
    Ali Bey, Pascha von Janina
    Ibrahim, Aufseher über den Harem
    Bernier, Captain in französischen Diensten
    Robert, Leutnant, sein Freund
    Arianna, eine junge Korfiotin


    Das Geschehen spielt in Albanien Ende des 18. Jahrhunderts



    HANDLUNG


    OUVERTÜRE


    1
    Bernier geht es wie Belmonte, die Verlobte ist spurlos verschwunden und im Gegensatz zu dem Spanier hat er keine Vorstellung, wo man sie im Moment finden könnte. Wie sein Freund Robert gehört er zu einem Bataillon französischer Soldaten, die auf dem Balkan stationiert ist, um eine wissenschaftliche Expedition zu begleiten. Auf tanzenden Wogen zum glücklichen Land am glühenden Strand kamen sie geflogen, um sich an der prangenden Flur und der reichen Natur zu erfreuen. So sehen die Kameraden das und fordern sich gegenseitig auf, hochaufzujubeln und den wechselnden Lauf des Lebens zu genießen. Ihre Fröhlichkeit wirkt auf Bernier absolut nicht ansteckend, denn er trägt am Verlust der Geliebten schwer. Robert ist voller Mitgefühl und wünscht ihm, dass er sie bald wiederfinden möge, denn mit ihr entfloh sein ganzes Glück. So ist es mit den verliebten Leuten, Lust wandelt sich schnell in Leid, doch das süße Gefühl der Liebe soll das Herz der Geliebten stärken, damit sie den ewigen Schwur ihrer Treue auch einhalten kann. Wenn Bernier sich doch nur sicher sein könnte, dass sie ihm in Treue ergeben bleibt, ist er auch gern bereit, sein Leben zu riskieren und Schrecken und Gefahren zu überwinden. Gefahren lauern auf dem Balkan an jeder Ecke.


    2
    Türken und Albanesen jubeln ihrem Pascha zu. Täten sie es nicht, würde ihnen das schlecht bekommen, denn die Historiker nennen Ali Pascha und Fürst Dracula in einem Atemzug. Albert Lortzing hat es verstanden, in seinem Singspiel die Wesenszüge des grausamen Despoten zu bagatellisieren. Trotzdem sei dem Opernbesucher geraten, in das Lob mit einzustimmen, damit das ungetrübte Vergnügen des Abends gesichert ist. „Heil dem großen Ali, Heil! Allah töte seine Feinde und erhalte seine Freunde! Ewig wird sein Ruhm erschallen, nie der Taten Ruf verhallen!“


    3
    Dem Besucher fällt ein Stein vom Herzen, dass Arianna nicht tot ist. Sie erzählt dem Publikum von ihrer Entführung. Ganz allein ist sie an Korfus reizendem Badestrand spazieren gelaufen, doch das Unglück folgte ihren Schritten. Unter den Zypressen an der Quelle wollte sie auf den Geliebten warten, doch allzu bald sollte sie das Opfer sein. Während sie träumend dem Spiel der Wellen zuschaute und immerzu an den dachte, den ihr Herz erwählt hatte, nahte unbemerkt ein Schnellboot und gierige Räuber fassten sie frech an. Sie schlugen die Zitternde und schleppten sie höhnend in ihren Kahn.


    4
    Wo befindet sich Arianna jetzt? Das Publikum erkennt an der Dekoration, dass Arianna in einem Harem gelandet ist. Mädchen liegen halbnackt herum und naschen Süßigkeiten.



    Jammern und Klagen nutzen nichts, denn ihr Gebieter hat Mitleid nie gekannt. Er fordert, dass sie dem Freund, dem allein ihr Herz gehört, entsagen soll. Die Haremsdamen machen der Korfiotin verständlich, was in einem Harem unter Gehorsam und Unterwürfigkeit zu verstehen ist. Das Begehren des Herrschers schweigend zu ehren, versäumen sie nie. Sie tut gut daran, sich an die Hausordnung zu halten.


    5
    Was den Besucher des lustigen Singspiels maßlos überrascht, ist die plötzliche Anwesenheit von Bernier. Hat der das Versteck der Geliebten gefunden? Trotz aller Gräueltaten ist die Gastfreundschaft des kunstsinnigen Ali Pascha der Nachwelt wohlbekannt, Lord Byron hat sie oft in Anspruch genommen. Warum sollte der Ali den netten Franzosen nicht zum Abendessen einladen? Die Neuzugänge im Frauenhaus sind nicht zum Verstecken, sondern zum Protzen da, doch vor einer Entführung aus dem Serail sei ausdrücklich gewarnt. Ali möchte von einem Franzosen gern bestätigt haben, dass er glücklich zu schätzen sei, weil auf Edens Wiese – er meint das Paradies – für den Moslem so viele Rosen blühen. Doch Bernier findet, dass im Leben nur für eine Frau das Herz erglühen sollte. Nichtsahnend stellt der Pascha seine Neuerscheinung vor, was bei Arianna und Bernier unverzüglich ein Liebesduett auslöst.


    „Ha! Ist’s möglich? Ist’s kein Traum? Sehe ich ihn? Ich glaub’ es kaum.“ „Welch ein Glück, o welch Entzücken! Dürft ich an mein Herz sie drücken.“ Ali hat zugehört und sein Misstrauen ist hellwach.
    Franzosen hat er sich nicht monogam vorgestellt und er äußert sich: „Da dich keine scheint zu rühren, mag die Weiber fort man führen. Doch zur Tafel lad’ ich dich, Fremdling jetzt begleite mich.“


    Arianna ist tiefunglücklich. Kaum hat sie ihn gesehen, muss er auch schon wieder gehen. Eine Frechheit ohne Gleichen, sein Zorn soll sie schon bald erreichen. Später meldet die Historie, wie Ali mit Verrätern verfährt. Man kennt die Gepflogenheiten aus einem anderen Singspiel: „Erst geköpft, dann gehangen, dann gespießt auf heiße Stangen ...“


    6
    Unsinn, Lortzing hat es nicht nötig, dass man ihn mit Mozart-Zitaten abfertigt. Ihm stehen eigene Verse zur Verfügung: „Ha! Schrecklich will ich meine Rache kühlen! Bluten soll zu Allahs Ehre, wer verachtet seine Lehre und die ganze Welt sei Zeuge wie der Christen Stolz ich beuge. ...“ Alis Rachearie zieht sich gewaltig in die Länge. Wahrlich, er ist ein kleines Scheusal. Ja, der Anblick ihrer Pein, soll ihm Lust und Labung sein.


    7
    Im Gegensatz zu Bernier ist Robert der typische Franzose, der das Klischee, welches man sich von dem Volk macht, erfüllt. Ist es nicht Ninettchen, kost er mit Jettchen, sträubt sich Susanne, küsst er die Anne! Was ist nur in den Librettisten gefahren? Er gönnt Robert achtundvierzig schmalzige Zeilen. So wichtig ist Robert in dem Stück doch gar nicht. Wenn es gefährlich wird, haut er immer ab.


    8
    Der Pascha denkt an fürchterliche Bestrafung, denn der törichte Franke hatte versucht, in den Harem einzudringen, um die Verlobte zu befreien. Dabei wurde er gefasst. Des Paschas Macht soll sich ihm zeigen, nichts kann seinen Willen beugen. Durch Ibrahim hat er noch verbale Verstärkung bekommen. Die Gefangene bietet Ali Pascha ein Tauschgeschäft an: „Sieh mich hier zu deinen Füßen, lass die Schuld allein mich büßen.“ Ibrahim gibt ihrem Flehen keine Chance, denn bald nun enden ihre Leiden, Grabesruhe winkt den beiden.


    9
    Robert versucht, Arianna Mut zuzusprechen, doch sie hat bereits mit dem Leben abgeschlossen.
    Ibrahim und der Sklavenchor wenden sich gegen sie. Man soll die Freche ergreifen, die versuchte, den Bassa kühn zu hintergehen. Seine Liebe und Freundschaft hat sie keck verlacht. „Rettung gibt es nicht für mich, seine Wut ist fürchterlich.“ Arianna hat nur einen Wunsch: den Geliebten noch einmal zu sehen.


    10
    Der Opernchor nimmt keine Rücksicht auf ihre Gefühle und überlässt das Mädchen seinem Jammer. Die Albanesen huldigen dem Herrscher, denn heller als der Sonnenglanz strahlt seiner Taten Ruhmesglanz.


    11
    Bernier ist mit Hilfe seiner Kameraden freigekommen. „Fort ungläubige Horden, ihr wollt mir die Geliebte morden“ zankt er mit Ali. Dann fällt ein Schuss und die Befreier gewinnen die Oberhand. Widerwillig muss Ali das Feld räumen, er schwört blutige Rache. Doch dazu wird es nicht kommen, denn die Hohe Pforte in Istanbul wird dem Despoten das Handwerk legen, weil er zu selbstherrlich geworden ist. Das Schiff liegt für Bernier und Arianna zur Abreise bereit. Die Sklaven sehen in Bernier ihren Retter, möchten befreit werden und auch mitkommen.


    ‚Ja, so sei es und ohne Weilen
    Lasst uns zu den Schiffen eilen.
    Und im Herzen danket Gott,
    dass wir sind frei von Feindes Not.’


    Anmerkung:


    Die Entstehung des ‚Ali Pascha von Janina’ fiel in die Zeit, als Lortzing den Bund fürs Leben mit Rosina Regine Ahles schloss. Beide waren am Hoftheater Detmold engagiert, spielten aber auch in Münster und Osnabrück. In den Rollen des Naturburschen und jugendlicher Liebhabers brillierte er vor einem interessierten Publikum. Lortzing schrieb Texte, komponierte, interpretierte und zeugte elf Kinder. Ali Pasche war sein Erstling, ein reizendes Stück über einen albanischen Despoten in türkischen Diensten, der seinen Kopf verlor, weil er dem Sultan zu mächtig wurde. Mit viel Esprit formte Albert Lortzing sein Libretto. Die Zensur glättete, was zu boshaft war.


    © 2010 TAMINO - Engelbert

    Liebe Musica,


    "Die schlauen Libretti' entstehen manchmal in mehrtägiger Kleinarbeit. Die Textheftchen, die der CD beiliegen sind häufig recht gut.
    Per Kopfhörer nehme ich die gesprochenen Dialoge zur Kenntnis. Wenn ich zusätzlich eine DVD habe, nützt der optische Eindruck viel. Dazu gibt es noch die Untertitel. Außerdem gibt es noch Wikipedia.


    Ich baue mir zuerst das Handlungsgerüst, damit ich weiß, was vorkommen muss. Die Textvorlagen haben oft unterschiedliche Inhalte, dann muss ich mich entweder für eine Version entscheiden oder mixen, damit die Geschichte auch für den Leser plausibel ist. Bei Opern habe ich häufig neben dem italienischen Text noch den englischen. Dann ist der Zeitaufwand doppelt so groß.


    Im Schnitt hat eine Oper acht DIN A 4 Seiten. Ich schreibe hauptsächlich zu meinem eigenen Nutzen, um mich in eine Handlung zu vertiefen. Der Nutzen ist erkennbar. Die Leser sind nicht so wichtig.


    X(


    GASPARONE ist die italienische Übersetzung von KASPAR.-


    X(


    Die Bewertung von Stimmen hängt bei mir nicht allein von der Klagfarbe ab, sondern auch von der Darstellung durch den Sänger.
    Wichtig ist, wie sehr er sich mit der Rolle identifiziert. Wie Du richtig bemerkst, habe ich von Stimmtechnik keine Ahnung. Von der Dramaturgie und der dichterischen Beschaffenheit eines Librettos schon. Meistens sind sie besser als ihr Ruf. Die Straffung einer auausschweifenden dramatischen Vorlage gelingt meistens sehr gut.


    Im Prinzip bin ich kein mäkeliger Mensch und lasse vieles durchgehen. Die Achtung vor der Sängerpersönlichkeit steht im Vordergrund. Sie geht auch nicht flöten wenn Verschleißerscheinungen sich nähern. In säteren Jahren zählt in meiner Erinnerung
    immer die Zeit, als er top war.


    Mit freundlichen Grüßen
    :angel:
    Engelbert

    .


    Heinrich August Marschner (1795-1861)
    Der Vampyr


    Romantische Oper in zwei Akten
    in deutscher Sprache
    in der musikalischen Revision von Hans Pfitzner
    Libretto vom Wilhelm August Wohlbrück
    Uraufführung am 29. März 1828 in Leipzig


    Charaktere:
    Sir Humphrey, Herr auf Schloss Davenaut (Bass)
    Malwina, seine Tochter (Sopran)
    Edgar Aubry, ihr Geliebter (Tenor)
    Lord Ruthven, der Vampir (Bariton)
    Sir Berkley, Vater Janthes (Bass)
    Janthe, Erstes Opfer des Vampirs (Sopran)
    Emmy, Zweites Opfer des Vampirs (Sopran)
    George Dibdin, ihr Bräutigam (Tenor)
    Angetrunkene Hochzeitsgäste: James Gadshill (Tenor), Richard Scrop (Tenor), Robert Green (Bass), Toms Blunt (Bass), Suse (Mezzosopran)
    Jäger Berkleys (Bariton)
    Meister der Vampire (Sprechrolle)


    Das Geschehen spielt in England vor nicht allzu langer Zeit



    Dokumentation:
    Label: CAPRICCIO, Einspielung 2001
    WDR Köln, Rundfunkorchester Köln, Dirigent Helmuth Froschauer
    Darsteller:
    Lord Ruthwen – Franz Hawlata
    Edgar Aubry – Jonas Kaufmann
    Malwina Davenaut – Regina Klepper
    Janthe Berkley – Anke Hoffmann
    Emmy Perth – Anke Hoffmann
    Sir Humphrey – Markus Marquardt
    Georg Dibdin – Thomas Dewald



    INHALTSANGABE


    OUVERTÜRE


    Erster Akt


    Erstes Bild: EINE GEHEIMNISVOLLE HÖHLE IN DER WILDNIS


    1
    Hexen und Geister warten auf ihren Meister und erklären dem Publikum ihre Gelüste und die Gründe, weshalb sie sich ausgerechnet hier versammeln. Wegen grausiger Freveltaten wurde dieser Boden einst verflucht, so dass sich niemand hertraut. Ungestört kann die Geisterwelt sich hier beraten und sie wählt die Mitternacht als besten Zeitpunkt. Selbst bezeichnen sich die Geschöpfe einer anderen Welt als lichtscheu. Wenn die Angst und Bosheit wacht, schleichen sie im Mondenschein herbei. Schlangen und Nattern hören sie zischen und Irrlichter flackern munter dazwischen. Molche, Kröten und schwarze Katzen sowie Kobolde, Hexen und Teufelsfratzen sind aufgefordert, sich dem Reigen munter anschließen. Dazu sollen Eule und Uhu laut schreien.


    Schon bald lässt der Meister sich im fahlen Feuerschein blicken. Er führt einen Unbekannten an der Hand und sieht sich genötigt, den Versammelten auf der Bühne, auf den Rängen und im Parkett über seinen Begleiter eine Erklärung abzugeben. Es handelt sich um Lord Ruthven, der ihrem Willen bereits verfallen sei. Der Genannte habe aber den Wunsch, noch ein Weilchen unter den Menschen zu weilen, was ihm unter der Bedingung gewährt wurde, einen Schwur zu erfüllen. Bis zur nächsten Mitternacht muss er drei Opfer heranschaffen, keine Schreckschrauben, sondern Bräute - zart und rein. Kann er die schwierige Aufgabe bewältigen, soll ihm weiteres Erdendasein noch für ein Jahr gewährt werden.


    Der Gebissene sieht sich mit der Forderung konfrontiert und bekundet bei der Urkraft alles Bösen, sein Versprechen einzulösen. Die Anwesenden sollen jetzt verschwinden, denn das erste Opfer kommt schon. Ohnehin ist es gleich 1 Uhr und dann haben Geister auf der Erdoberfläche nichts mehr zu suchen.


    Leise, leis’ beim Mondenschein
    Husch in die Erde, husch, hinein!
    Tausend Spalten, tausend Ritzen
    dienen ihnen zum Aufenthalt
    Lasst sie brütend unten sitzen
    bis die nächste Mitternacht erschallt.


    2
    Lord Ruthven hat sich auf der Aufenthaltsebene eines Vampirs schon recht gut eingelebt. Mit Begeisterung ist er bei der Sache, andere menschliche Geschöpfe auf das gleiche Niveau anzuheben. Zwei Opfer hat er schon im Griff, das dritte wird sich noch finden. Er erfreut sich an seinem eigenen Monolog und ergötzt sich an purpurnen Lippen schweigend zu nippen und mit lüsternem Mut das süßeste Blut unter wonnigem Beben kurz und bündig abzusaugen. Das Stöhnen voller Entsetzen ist für ihn köstliches Ergötzen, ihr Todesbeben ist frisches Leben.


    Janthe kommt ausgerechnet hier her, denn sie ist dem Lord in Liebe verfallen. Zu Hause ist sie durchgebrannt und der Vater sucht bereits verzweifelt nach ihr.


    3
    Teurer Eltern einzige Freude,
    nun lohne ich sie mit herbem Leide,
    die zu ehren süße Pflicht.
    Ach, ich muss sie ja betrüben,
    ewig, ewig dich zu lieben,
    obwohl Vernunft dagegen spricht.


    Ruthven fühlt den Schlag seines Herzens mehr, als er zu sagen vermag. Auf ewig will er ihr gehören und sie nimmer betrüben, schwört er ihr mit treuem Sinn. Seine Liebe macht sie selig und ihr Leben weiht sie nur ihm allein. Als sie ihn das erste Mal sah, bebte sie entsetzt zurück, doch jetzt lächelt ihr sein Blick. Es dauerte ein Weilchen bis die Herzen sich fanden, doch dann zog es sie mit Zauberbanden zu ihm zurück. Nun lacht Liebe aus seinen Augen. Wie glücklich wird sie sein. Bedauerlicherweise kennt Janthe seine dunkel Seite nicht. Im Triumph ist sie jetzt sein und ihr süßes Blut zu saugen wird seine Wonne sein.


    4
    Hornrufe erschallen. Auf der Suche nach seiner Tochter hat Lord Berkley die richtige Spur gefunden. Der Opernchor hat ihm dabei geholfen. Wie kommt sein Kind nur in diese Wildnis? Gewiss ist sie von Räubern entführt worden!


    Weh, die Vampirhöhle! Schnell hinweg mit leisem Tritt, mahnt der Chor. Der Vater hat Geschrei gehört, es war seines Kindes Stimme. Die Jäger sollen ihr Leben retten. Doch Lord Ruthven hat sie bereits tot gebissen. Armer Vater! Weh! Entsetzen! Brust und Nacken der Tochter sind mit Blut besudelt. Giftiger Zähne Spuren verraten die entsetzliche Tat. Sein Kind wurde das Opfer eines Vampirs. Der freche Räuber bekommt den Degenstich des Vater zu spüren. Nun aber nichts, wie weg! Jetzt ist das Jammern auf Seiten des Verletzten.


    5
    Schwer verwundet richtet Ruthven sich auf:


    „Weh mir! Meine Kräfte weichen!
    Müßig wird die Zeit verstreichen,
    kann ich nicht die Höh’ erreichen,
    um dort sterbend mit den Augen
    Mondesstrahlen einzusaugen,
    die mir neue Kräfte geben
    zum Leben. Schrecklich! Allgerechter!
    Alles, alles öd und leer,
    Graue Stille rings umher!


    Spontan ertönt der Hölle Hohngelächter. Doch es kommt unversehens Hilfe. Ein alter Bekannter taucht auf dem verlassenen Plateau auf. Es ist Edgar Aubry, dem er einst das Leben rettete, ein Engel hat ihn hergesandt. Natürlich ist der zufällig Vorbeikommende grenzenlos überrascht, seinen Gönner mutterseelenallein in dieser Einsamkeit vorzufinden, dazu noch in verzweifelter Lage. Ruthven behauptet, von Räubern überfallen worden zu sein und appelliert unter Anrechnung einstmals gewährter Wohltaten an sein Mitgefühl. Was kann er für ihn tun? Er ist schwer verletzt. Eine Rote-Kreuz-Ausrüstung hat er nicht dabei. Wahrscheinlich wird der Überfallene sterben. Soll er an den feigen Räubern Vergeltung üben? Aber nicht doch, er soll ihm einen wichtigen Dienst leisten. Alles wird der Freund für ihn tun! Was soll es also sein? Ach, der liebe Edgar möge ihn doch bitte auf das Steinlager oben auf den Felsvorsprung zerren, damit das gleißende Mondlicht ihm voll ins Gesicht scheinen kann. Die hellen Strahlen werden bewirken, dass der Lebenssaft in ihn zurückkehrt.


    Solches Begehren kann nur ein Vampir äußern. Edgar Aubry kennt sich aus. Nun stimmt das Gerücht also doch, dass der Lord den menschlichen Wesen nicht mehr zuzurechnen ist. Entsetzlich, sein einstiger Lebensretter ist ein Vampir! Da hilft kein Zögern, er hat damals das Versprechen abgegeben, zu Diensten zu stehen, wenn der Lord es wünscht. Sollte er sich an seinen Schwur nicht halten, wird Ruthven ihn verfluchen und die Hölle auf ihn hetzen. Es bedarf keiner Druckmittel, Edgar tut wie ihm geheißen und der helle Mond bringt den Sterbenden im Handumdrehen wieder auf die Beine.


    Zweites Bild: EIN SAAL IM SCHLOSS VON DAVENAUT


    6-7
    Malwina ist die heimlich Verlobte von Edgar Aubry. Im Palast ihres Vaters wartet sie auf ihn.


    „Heiter lacht die goldne Frühlingssonne
    auf die bunte neugeschmückte Flur.
    Ach, alles, was ich sehe, ist der Abglanz nur
    von meines Herzens nie geahnter Wonne.


    Die Flur im bunten Festgeschmeide,
    der Baum im duftigen Blütenkleide,
    der Vögel Chor, der mich umklingt
    und jubelnd auf zum Himmel dringt.


    Ach, alles jauchzt und teilt mein Glück!
    Heute wogt es in mir auf und nieder,
    Ja, „heute“ schallt es von außen wieder!
    Ja, heute kehrt der Teure ihr zurück.“


    Wir unterbrechen Malwinas wonnige Ergüsse, denn Edgar steht bereits an der Pforte. Rechtzeitig ist er erschienen, um Lord Davenauts einziges Töchterlein, als Erster zum achtzehnten Geburtstag zu gratulieren. Es ist Edgars innigster Wunsch, sie zu heiraten. Er hat aber Bedenken, dass der stolze Vater aus dynastischen Erwägungen seine Zustimmung verweigern könnte. Zudem sind die Geschäfte, die er für den Verwandten in London erledigte, nicht gut gelaufen und Malwinas Verehrer kann nichts anderes in die Wagschale werfen, als seine große Liebe. Doch der Vater hat sich damit abgefunden, dass ihm männliche Nachkommen verwehrt sind und seinen Namen nicht weitertragen können. Das Geheimnis ihres Herzens, einem Mann angehören zu wollen, hat der Vater erraten und den Earl von Marsden für sie als Gemahl ausgewählt. Es soll ein Geburtstagsgeschenk sein, doch die beiden Liebenden können ihre Bestürzung nicht verbergen


    8
    Malwina hat Charakter und erklärt dem Herrn Vater, dass sie den Earl nicht heiraten möchte, weil ihr Herz einen anderen gewählt hat. Sie entschuldigt sich, weil sie es bisher versäumte, dem Vater reinen Wein einzuschenken. Wer ist der Verwegene, der es gewagt hat, den Blick auf sie zu werfen? Edgar erklärt, dass seit seiner Kindheit Tagen sein Herz für Malwina schlägt; die Tochter zu beglücken, wird sein einzig Streben sein. Davon will der Aufgebrachte nichts wissen, denn er hat dem Earl sein Wort gegeben und „was ein Davenaut versprochen, wurde niemals je gebrochen“. Zornentbrannt erwartet er von seiner Tochter den schuldigen Gehorsam. Flennen nutzt nichts! Der Earl von Mardsen reitet gerade durch das Tor. Des Dorfes muntere Jugend soll hereingeführt werden, damit sie Malwina gratuliere.


    9
    Der Diener Georg hat ein Anliegen an die Gäste:


    „Seht, dort naht der Schwiegersohn
    an der Hand des alten Herrn.
    Stimmt an das Lied, ihr wisst ja schon,
    das der Alte hört so gern.“


    Unter den Jubeltönen der Dorfbevölkerung tritt Davenaut in den Festsaal. Er stellt den neuen Gemahl vor: „Hier Malwina ist der Mann, den ich deiner Wert erachte.“ Die Wahl macht den Bräutigam froh, doch beglückt sei er nur dann, wenn auch Myladys Auge freundlich lachen würde. Das ist keineswegs der Fall, davon ist sie weit entfernt und sie sagt leise: „Wehe mir.“ Ähnlich reagierte auch Lucia di Lammermoor, als ihr ein unwillkommener Ehekandidat vorgestellt wurde. Auch Aubry äußert sich unbeherrscht: „Gott, wen sehe ich?“ Vor allem, wen sieht das verehrte Publikum. In der Tat, es ist Lord Ruthven, der sich unter falschem Namen eingeschlichen hat. Natürlich bestreitet der Ertappte seine Identität und behauptet, der Bruder des Vermuteten zu sein. Lord Ruthven möchte von Aubry gern wissen, was er von seinem Bruder, der sich seit Jahren auf Reisen befindet, Interessantes zu erzählen weiß. Aubry wird unsicher. Schneidend wie ein giftiger Pfeil zuckt sein Blick ihm durch die Seele. Diese Ähnlichkeit des Bruders, das bedeutet nimmer Heil.


    Mit unbefangenem Geplauder neutralisiert Ruthven die Situation: Die junge Rose, die am Weg einsam blüht, soll verzeihen. Im innersten Gemüt habe ihr Anblick ihn erfreut und er denkt, dass ihr die Zeit sein armes Angesicht erträglich machen wird. Doch Aubry lässt sich nicht länger täuschen. An der Narbe an seiner Hand hat er den Entsetzlichen erkannt. Wie darf der Unglückliche es wagen, die Augen zu ihr aufzuschlagen. Er kann nicht an sich halten und beschimpft den Eindringling als grauses Scheusal der Natur. Er soll an seinen Schwur denken, mahnt Ruthven leise. Davenaut signalisiert: „Der Priester ist bestellt, geladen sind die Gäste. Bereitet alles nun zum frohen Hochzeitsfeste, denn ehe noch die Mitternacht entschwunden, ist auf ewig Malwina mit ihm verbunden.“ Malwina bittet um einige Tage Frist. Nicht einmal um einen Tag will der Vater die Hochzeit verschieben, denn der Earl muss am nächsten Tag schon nach Madrid reisen, um seinen Posten als Botschafter anzutreten.


    Aubry sieht keine Chance Ruthven auszutricksen: Dieser triumphiert:


    „Lachen kann ich seiner Wut,
    denn sein Schwur hält ihn gefangen.
    Mägdlein mit den Rosenwangen,
    bald ist mein dein süßes Blut.
    Stimmen der Geister, die mich umklingen,
    jubeln mir zu: die Tat muss gelingen.“
    Grinsend blicke ich nach oben
    Wo die Elemente toben.“


    Zweiter Akt


    Drittes Bild: PLATZ VOR SCHLOSS MARDSEN


    10
    Die Handlung verlagert sich auf einen Nebenschauplatz. Noch wurde Malwina nicht gebissen und schon wendet der Unhold sich Emmy zu. Auf Schloss Mardsen wird Hochzeit gefeiert. Der Chor der Trinker animiert zu fröhlichem Geplauder. „Alles jauchzt und alles schwärmt, alles tobt und alles lärmt, alles bricht in Jubel aus. So ist es recht beim Hochzeitsschmaus.“ Einige Gäste machen sich lustig. Eine Hochzeit ohne Braut und Bräutigam haben sie noch nie gefeiert. Der Brautvater beruhigt sie. Die Tochter sei ihrem Bräutigam nach Davenaut entgegengegangen. Vielleicht hat der Vermisste sich verspätet. Endlich kommt sie, doch weshalb schaut sie so traurig aus. Eine Braut hat fröhlich zu sein. Was fehlt Emmy? Das Mädchen schildert seinen Seelenzustand:


    11
    „Dort an jenem Felsenhang
    lauschte ich den Weg entlang,
    Georgen zu erspähen.
    In der Abendsonne Strahl
    glüht und zittert Berg und Tal,
    er lässt sich nicht sehen!
    Wenn beim frohen Hochzeitsfest
    mich der Bräutigam warten lässt,
    soll mich das nicht traurig machen?
    Dort im Strauch mit süßem Schall
    lockt und girrt die Nachtigall,
    und er ist noch ferne.
    Durch der Bäume grünes Reis
    lauscht der Vollmond. Still und leis’
    flimmern schon die Sterne!
    Alles zeigt, der Abend kam,
    und noch fehlt der Bräutigam.
    Soll mich das nicht traurig machen.“


    Also, der erwähnte Georg ist Diener auf Schloss Davenaut, der wahrscheinlich wegen der Turbulenzen der Hochzeitsvorbereitungen seines Herrn unpässlich ist. Perth, der Brautvater, hat natürlich von den Vorfällen keine Ahnung und meint, dass der Junge wegen Malwines Geburtstag nicht zeitig fortkommen konnte. Emmy möchte auch gern solch ein vornehmes Fräulein sein, dann ließe Georg sie bestimmt nicht warten. Blunt, einer der betrunkenen Gäste meint, dass eine Braut den Stellenwert einer vollen Flasche habe, die man nicht vergisst. Scrop, ein anderer Gast hat eine Neuigkeit zu berichten. In der vergangenen Nacht sei die Tochter des reichen Berkley von einem Vampir umgebracht worden. In der Vampirhöhle habe man sie gefunden. Der Vater habe den Vampir erstochen. Green erklärt, dass solche Tat wenig nutze, denn ein Vampir steht morgens lebendig von selbst wieder auf. Hat Green schon einmal einen Vampir gesehen? Nicht direkt, aber man sagt, dass Vampire totenblass aussähen und ihre Opfer am liebsten im Mondenschein aufsuchen, weil dieser eine heilbringende Kraft für die Zwielichtigen ausübe. Die selige Mutter hat Emmy schon öfter ein Märchen von einem Vampir erzählt und sie ausdrücklich vor ihm gewarnt. Im Dunkeln hören sich solche Geschichten am besten an.


    12
    „Sieh' Mutter dort den bleichen Mann
    mit seelenlosen Blick.
    Kind, sieh den bleichen Mann nicht an,
    sonst ist es bald um dich getan.
    Weich schnell von ihm zurück!
    Schon manches Mägdlein, jung und schön
    hat ihm zu tief ins Aug geseh'n,
    musst es mit bitteren Qualen
    und seinem Blut bezahlen!
    Denn still und heimlich sag’ ich’s dir:
    Der bleiche Mann ist ein Vampir!
    Bewahr uns Gott auf Erden,
    ihm jemals gleich zu werden.“


    Der Chor wiederholt den Refrain. Emmy erzählt die Moritat zu Ende:


    „Das Mägdlein folgt dem bleichen Mann,
    es lockte sie sein Blick;
    hört nicht der Mutter Warnen an,
    und bald ward es um sie getan.
    Nie kehrte sie zurück!
    Ein Opfer ward sie seiner Lust.
    Mit blutiger Spur an Hals und Brust
    fand man den Leichnam wieder;
    sie führt zur Hölle nieder!
    Nun geht sie selber, glaubt es mir,
    umher als grausiger Vampir!
    Bewahr’ uns Gott auf Erden,
    ihr jemals gleich zu werden.“


    Nach dieser präzisen Belehrung darf der Opernbesucher glauben, dass Emmy ein solches Schicksal nicht passieren kann. Doch warten wir es ab. Auf Schloss Davenaut hat Ruthven erfahren, dass der Wirt John Perth die Hochzeit seiner Tochter mit dem Diener Georg feiern will, weil er ihn abwesend glaubt. Eine Braut ist in der Regel noch Jungfrau und für den Vampir das dritte gefundene Fressen. Druck und Charme setzt Ruthven ein, um sich an sein Opfer heranzumachen. Er schenkt Emmy einen kostbaren Ring und lässt den Festsaal des Schlosses für die Hochzeit von Emmy und George beleuchten. Zusätzlich will er ihr die Aussteuer richten und hat für George eine Festanstellung als Gutsverwalter einrichten.


    13


    Die Komplimente werden immer plumper.


    Welche Wonne sondergleichen,
    sanft die Wange ihr zu streichen.
    Ihr die weiche Hand zu drücken.
    Liebend ihr ins Aug’ zu blicken,
    so den Arm um sie zu schlingen,
    sie zu drücken an die Brust.
    Ach, welch ein Opfer würd’ er bringen,
    gönnte sie ihm diese Lust.


    Emmys Abwehr ist nur mäßig. Sie denkt, der gnädige Herr wolle sie nur beschämen. So eitel sei sie nicht, für Ernst zu nehmen, was sein Mund ihr verspreche.


    Mit der Braut will er den Hochzeitstanz eröffnen und einen Kuss will er ihr auch noch rauben. Georg, der inzwischen eingetroffen ist, sieht seine Position als Bräutigam in Frage gestellt. Emmy hält das Ansinnen des Lords für einen Scherz. „Nein, liebe süße Kleine, glaube mir, ich scherze nicht. Deine Schönheit ist es allein, die so sehr mein Herz besticht.“ George ist mit Recht empört. Er macht Emmy eine gewaltige Eifersuchtsszene und droht, sich mit seiner Pistole zu erschießen, wenn sie die Schmeicheleien des gnädigen Herrn weiterhin zuließe. Emmy beschwichtigt, dass sie sich nur nachgiebig stelle, weil der gnädige Herr bereit sei, für beider Wohlergehen zu sorgen.


    Ruthven sieht sich bereits als Triumphator, doch plötzlich taucht Aubry auf. Er hat sich vorgenommen, seinem ehemaligen Wohltäter ins Gewissen zu reden.


    14-15
    Aubry erwägt, seinen Schwur zu brechen, um Ruthvens Hochzeit mit Malwina zu vereiteln. Doch nimmt sich der Vampir in einem ausgedehnten Monolog genügend Zeit, den Angreifer einzuschüchtern. Ruthven habe sich bei seiner Geburt sein Los, ein Vampir zu werden, nicht ausgesucht. Glaube Aubry wirklich, dass er den Mächten der Hölle gewachsen sei und wagen könne, ihr zu trotzen. An seiner Nachkommenschaft aus der Verbindung mit Malwina würden sich die Bösen grausam rächen. Edgar ist verzweifelt und sieht keinen Ausweg, denn von allem was ihm droht, ist das minder Schreckensvolle: Wahnsinn, Wahnsinn, oder Tod. Trotzdem soll das Publikum auf die schöne Arie: „Wie ein schöner Frühlingsmorgen lag das Leben sonst vor mir ...“ nicht verzichten.


    16-17
    Ruthven und Emmy kommen eng umschlungen des Weges und eilen leisen Schrittes zur fernen Laube, in der sie ungestört die Zweisamkeit pflegen können. Doch Emmy kommen Bedenken, immerzu glaubt sie Schritte zu hören. Das furchtsame Närrchen soll sich endlich küssen lassen.


    „Nein, ach lasst zurück mich gehen.
    Gnädiger Herr, ach, schonet mein.
    Würde Georg bei Euch mich sehen,
    nimmer könnt’ er mir verzeih’n.“


    Das nun folgende schreckliche Geschehen lässt der Librettist, dem plötzlich daran gelegen ist, das verängstigte Publikum zu schonen, unsichtbar vorbeigleiten. Er lässt die Hochzeitsgesellschaft aus dem Saal auftauchen, welche den Hintergrund verdeckt. Eine Quintett formiert sich aus Blunt, Green, Scrop, Gadshill und Suse, um sich in Banalitäten zu ergehen.


    Georg erzählt dem alten Perth, dass Emmy tot gebissen wurde und er auf den gnädigen Herrn mit seiner Pistole erschossen habe.


    18


    „Freuden und Leiden im irdischen Leben
    wechseln so rasch wie die Stunden entschweben.
    Wir zogen so fröhlich und munter daher
    Zu vereinen die Braut mit dem Gatten.
    Ach, und jetzt gehen wir bange und schwer,
    zur Gruft, ihre Leiche zu bestatten.“


    Viertes Bild: SCHLOSS DAVENAUT




    19
    Der Dialog zwischen Malwina und Aubry führt den Zuschauer wieder zurück ins Schloss Davenaut. Malwina beschwört Aubry, den Mut nicht zu verlieren, obwohl sie nicht genau weiß, was ihr eigentlich bevorsteht. Der Geliebte rät, alles daran zu setzen, die Hochzeit bis auf den morgigen Tag zu verschieben. Doch sie fürchtet den Vater, sonst nichts, denn ihr Herz sei rein. Die Liebenden sind der Ansicht:


    „Wer Gottesfurcht im frommen Herzen trägt,
    im treuen Busen reine Liebe hegt,
    dem muss der Hölle dunkle Macht entweichen,
    kein böser Zauber kann ihn je erreichen.“


    Beide umarmen sich. Sie sollen recht behalten.


    20
    Ruthven hatte mit Emmy zu viel Zeit vertrödelt und kommt mit erheblicher Verspätung im Schloss an. Seine Frist endet um Mitternacht. Doch Malwina gibt sich störrisch und Aubry hat seine Courage wiedergefunden, rebelliert und lässt sich auch nicht wegsperren.


    „Ha trauet dem Verruchten nicht!
    Seht des Verworfenen Angesicht!
    Sein Auge flammet Höllenglut!
    Er lechzt die ganze Zeit nach ihrem Blut.“


    Es nützt Ruthven nichts, dass er Aubry an seinen Schwur erinnert. Schließlich geht es um Malwinas Leben. Davenaut begreift den wahren Sachverhalt immer noch nicht. Doch die Frist ist abgelaufen. „Zermalmung weht durch seine Glieder. Gottes Donner wirft ihn nieder.“


    Der Chor, anfangs noch ratlos, hält nun tröstende Worte bereit.


    „Wie nach verderblichem Wettergetose
    lächelt die Freude mit heiterem Blick,
    Blume des Hochlands, du Davenaut-Rose,
    wendet sich jede Gefahr dir zum Glück.“


    Anmerkung:


    Etliche Musikwerke der deutschsprachigen Hochromantik wurden wegen ihrer holprigen Verse im Laufe der Zeit ins Abseits gedrängt, doch sollte man nicht verkennen, dass der unfreiwillige Humor, der ihnen innewohnt, auch Wonne auslösen kann. Vampire übten damals wie heute schon ihren Reiz aus und genüsslich lauerte der Zuschauer auf den Moment, bis das Monster zubiss. Eine andere Gruppe nichtmenschlicher Wesen waren die zahlreichen Undinen, Willis, Rusalkas und sonstigen Nixen die in der zärtlichen Verbindung mit einem Sterblichen nicht glücklich werden konnten, so sehr sie sich auch danach sehnten. Ihr Element war das Wasser und in dasselbe wurde der Geliebte hineingezogen, sobald er seinen Treueschwur brach.


    © 2010 TAMINO - Engelbert

    Liebe musica


    Auch wenn Du nur Miniaturrollen gesungen hast, schätze ich Deine Arbeit als Künstlerin und auch als Pädagogin. Welche Partie hattest Du in dieser Operette denn gesungen? Da sind keine Mezzopartien drin.


    Doch wenn man nach so langer Zeit noch aus der Erinnerung schöpfen muss, schleichen sich automatisch Fehler ein. Ich beanstande:


    1. Die Handlung spielt nicht in Syrakus im Osten, sondern in Tripani der südwestlichen Metropole Siziliens
    2. Sindulfo wird nicht im ersten, sondern im zweiten Akt entführt.
    3. Stockfinster war die Nacht deshalb, weil Benozzo seine Unterschlagung vertuschen wollte.
    4. Der Raub des Geldes findet nicht im Salon, sondern im Schlafzimmer der Gräfin statt.
    5. Carlotta ruft nicht um Hilfe, sondern wirft sich schluchzend aufs Bett
    6. Die Fortsetung der Verlobung wird nicht verschoben, sondern vom Papa gelöst.
    7. 'Er soll dein Herr sein', wird mit sizilianischen Gebräuchen motiviert und ist nicht mit dem Handlungsverlauf verknüpft.
    8. Sindolfo wird nicht von Benozzo zurückgebracht, der das Lösegeld verspielt hat, sondern von der Gendarmerie
    9. Wo bleibt die Erwähnung der dunkelroten Rosen?
    10. Was ist mit der schönen Estrella?
    11. Was ist mit dem Räuberlied: Gold will ich haben?


    Du hast die Hälfte vergessen!


    Nun will ich Dich aber auch in Schutz nehmen. Immerhin hast Du doch aus dem Gedächtnis Etliches zusammengebracht.
    Meine beiden Opernführer berichten dagegen saumäßig - überhaupt nicht zu gebrauchen - es wird nur herumgelogen.
    Selbst das abgedruckte Libretto bei Emi enthält logistische Fehler. Das Millionenerbe liegt im Tresor des Bürgermeisters, aber Erminio holt es aus dem Schlafzimnmer der Gräfin; zum Platzwechsel gab es keine Veranlassung.


    Jede Broschüre berichtet anders. Mal ist Erminio der Gouverneur selbst - ein anderes Mal sein Sohn. Einmal gibt Gasparone das Geld (ohne Motiv) zurück, dann wieder ist er in Messina festgenommen worden.


    Der Bearbeitungen gibt es viele jeglicher Phastasie. Ich habe akustische Beispiele mit sehr viel gesprochenem Dialog.
    Es wirkt sich für Deine Beschreibungen als Defizit aus, weil Du es ablehnst, CDs anzuhören und auch nicht mit Bildern illustrierst.
    Ich dulde es nicht, dass Du mit Deiner Werbung meine Beiträge abmurkst. Der ist auch nicht zu lang, sondern eine korrekte Inhaltsangabe erfordert diese Länge und auch entsprechenden Zeitaufwand der Fertiggstellung.


    Ich komme Dir nun in der Mitte entgegen, weil ich, Deine klägliche Situation zu verstehen suche. 'Die Saison in Salzburg' darfst Du stehen lassen, weil ich für die Fertigung kein Material ab. Aber Deine Werbung für Deinen minderwertigen Beitrag 'Gasparone' darfst Du unter meinem Aufsatz wieder entfernen. Im Moment habe ich genug gesagt.


    Mit freundlichen Grüßen
    :angel:
    Engelbert

    Da ich nur noch Opern sammle, kann ich in etwa überblicken, wann Schluss ist.
    Ziemlich genau weiß ich einzuschätzen, wann ich aufhören will.


    Wenn monatlich 2 neue Einspielungen auf den Markt kommen, ich aber 6 anschaffe, arbeitet die Zeit für mich. Bei 50 Opern im Jahr höre ich in vier auf mit kaufen - dann habe ich alles, was ich haben will und kann mein Testament aufsetzen. Einen Erben habe ich noch nicht.


    Große Lücken müssen noch bei Paisiello, Galuppi und Cimarosa geschlossen werden. Von Händel habe ich erst knapp die Hälfte.


    mit freundlichen Grüßen



    Engelbert

    Liebe Forianer,


    Eine sachlich korrekte Beschreibung findet ihr unter dem Thread von Carl Millöcker im Operettenforum. Sie beruht auf einer sorgfältigen Ausarbeitung des Librettos und schöpft nicht aus der freien Phantasie.


    Danke für Eure Bewertung und Euro Aufmerksamkeit.


    :angel:
    Engelbert

    .


    Karl Millöcker (1842-1899)
    Gasparone


    Operette in drei Akten
    Libretto von Friedrich Zell und Richard Genée
    Uraufführung am 26.1.1884 im Theater an der Wien


    Charaktere:
    Conte Erminio della Torella, fälschlich mit Gasparone gleichgesetzt
    Carlotta, verwitwete Gräfin von Santa Croce
    Boleno Nasoni, Podestà von Trapani
    Sindulfo, sein gehorsamer Sohn
    Luigi, Gefährte Erminios
    Benozzo, zwielichtiger Wirt einer Taverne
    Sora, eine Frau (Caramba, sie ist eine Spanierin)
    Massaccio, Petruccio, Calvazzi und Benito (Kneipengäste und Schmuggler)
    Festgäste und allerhand Volk


    Das Geschehen spielt im Jahre 1820 der Provinzhauptstadt Trapani im westlichen Sizilien



    Handlung


    Erster Akt


    Erstes Bild: IN EINER KLEINEN HÜTTE


    1
    Die Titelfigur sitzt an einem kleinen Tisch und reinigt seine Schusswaffen. Als Frauenheld und Draufgänger erinnert er sich der schwarzen Ninetta und an ihr rotes Lippenpaar. Sein Gefährte Luigi kreuzt mit einer Neuigkeit auf. Das eingesteckte abgerissene Plakat informiert die Einwohner von Trapani, dass Gasparone, der berüchtigte Räuber, sich zur Zeit in ihrer Gegend aufhalte und deshalb die Behörden aus Sicherheitsgründen vor dem Betreten der Wälder abraten. Beide lachen: Bürgermeister Nasoni habe es gerade nötig, andere zu warnen, ist er doch selbst der größte Spitzbube der Region. Dazu ein raffinierter Mitgiftjäger, ergänzt Luigi! Der Raffinierte will seinen täppischen Sohn Sindulfo mit der verwitweten Gräfin Santa Croce verheiraten, um an ihre Millionen heranzukommen. O das Geld kann er selbst auch gut gebrauchen und Erminio erwägt, die Pläne des Bürgermeister zu durchkreuzen. Luigi werden seine Bedenken ausgeredet, denn ihre Pässe seien vorzüglich gefälscht.


    Es wird Zeit, das Operettenpublikum zu unterrichten, dass Conte Erminio kein Schurke, sondern in geheimer Mission als Kundschafter des Gouverneurs unterwegs ist, um nach dem Rechten zu schauen. Man argwöhnt im Ministerium, dass Kaffee und Zucker in rauen Mengen geschmuggelt werden und unabhängig von diesen Unregelmäßigkeiten der Bürgermeister in die eigene Tasche wirtschaftet. Die Spitzbuben Benozzos versuchen, die Polizei von ihrer Tätigkeit abzulenken und alle Schandtaten dem Räuber Gasparone anzulasten. Jeder Verdacht, der die Existenz dieses Räubers glaubhaft machen kann, ist ihnen willkommen.


    Zweites Bild: IN DER HAFENSCHENKE BENOZZOS


    2
    Die Stammgäste spielen Karten und streiten sich um die Verteilung des Erlöses aus dem Schmuggelgut. Benozzo will die Hälfte für sich behalten und begründet seinen Anspruch, dass er die Ware einkaufe und verteile. Schon wieder seien per Schiff fünfhundert Säcke mit Kaffee unterwegs. Die Leute sollen schauen, dass während der Anlieferung die Gendarmen aus dem Dorf verschwunden sind. Petruccio schlägt vor, die Gräfin de Santa Croce kurz und bündig bei ihrem Morgenspaziergang in den heimischen Wäldern zu überfallen, um die Ordnungshüter abzulenken. Während diese den Gasparone jagen, können die Säcke in Ruhe verstaut werden. Benozzo findet die Idee nicht gut, denn das Kammermädchen der Gräfin ist seine Frau. Wehe, ihr wird ein Haar gekrümmt! Unsinn, was soll ihr schon passieren.


    Ein fremder klopft an die Tür und wundert sich, am frühen morgen schon eine große Anzahl Gäste im Schankraum vorzufinden. Scheinheilig ziehen die Ganoven schnell ihre Spielkarten wieder hervor, jedoch Benozzo mahnt, dass es Zeit sei, zum Fischfang auszuziehen. Der Fremde genießt sofort Autorität und befragt den Wirt nach dem berüchtigten Räuberhauptmann. Er glaube, dass der Leumund des Ortsfremden zu bösen Schwindel benutzt werde. Benozzo bestreitet die Vermutung, denn er sei schon selbst von Gasparone überfallen worden. Erst letzten Sonntag machte er mit seiner Sau an der Leine seinen Morgenspaziergang durch den Wald, wo das Tier nach Eicheln sucht. Plötzlich stand Gasparone vor ihm und nahm ihm das Schwein weg. Woher will er wissen, dass es Gasparone war? Nun, er hat sein bekanntes Spottlied gesungen:


    3
    „Nur Gold will ich haben
    und Edelgestein!
    Welch herrliches Leben,
    ein Räuber zu sein. ...“


    Josef Metternich wiederholt den Song so beeindruckend, dass Benozzo am ganzen Körper zittert. Der Fremde versichert ihm, dass es ganz bestimmt nicht Gasparone war, der ihm das Schwein abgenommen habe, bezahlt seinen Schoppen, lacht und geht. Der Bürgermeister Benozzo muss sofort informiert werden, Gasparone sei wieder aktiv! Die heilige Barberina, die Schutzpatronin aller Schmuggler, soll den Dörflern gegen Gasparone beistehen. Der Überfall auf die Gräfin sei sorgfältig vorbereitet!



    Drittes Bild: DER MARKTPLATZ VON TRAPANI MIT SCHLOSS, BÜRGERMEISTERAMT UND MEERBLICK


    4
    „Der verdammte Gasparone
    treibt es mir denn doch zu bunt
    er bringt mich völlig auf den Hund. …“


    Keine Nacht ist er zu Haus – und das hält er nicht mehr aus. Rings umher in allen Ecken soll der Gasparone stecken! Unterm Tisch und unterm Bett, selbst im kleinsten Kabinett. Sagt ihm einer „Guten Morgen“ ist er schon in Angst und Sorgen, ob's nicht Gasparone ist, der ihn so vertraulich grüßt.! Wenn Champagnerkorken knallen, glaubt er sich schon überfallen. Sticht ihn irgendein Insekt, ha, sein Dolch schon in ihm steckt. …


    „Wenn ich ihn erwisch',
    dann zerreiß ich ihn!
    Wenn ich ihn erwisch,
    dann zerbeiß ich ihn
    wenn ich ihn erwisch'
    dann erstech' ich ihn,
    dann zerbrech' ich ihn
    wenn ich ihn endlich erwisch!“


    Benozzo versichert dem Podestà, dass er den Räuber erschießen wird, wenn er ihn erwischt.


    Benozzo ist ein geschäftstüchtiges Kerlchen. Nasoni kann doch die Bevölkerung zur Mithilfe aufrufen. Er soll eine Belohnung von etwa 10.000 Lire ausschreiben. „Für den, der ihn fängt?“ „Nein, zehntausend Lire für den, der ihn so beschreibt, dass die Carabinieri ihn fangen können.“ „Großartig und 20 % Provision für mich!“ Das Protokoll wird ausgefertigt.


    5
    Sora kommt hereingestürmt. Beim Försterhaus im Wald ist es passiert – ein Überfall auf die Gräfin. Die Zofe ist außer sich vor Schreck. Einen blauen Flecken kann Benozzo bei seiner Frau allerdings nicht finden. Doch nun kommt Carlotta selbst.


    „Ein int'ressantes Abenteuer hab' dort im Walde ich erlebt ...“ Die Gefahr war ungeheuer, in der zu Anfang sie geschwebt. An einer Waldeslichtung stand sie, nicht weit entfernt vom Försterhaus. Die wunderschönsten Blumen fand sie, und freudig band sie sie zum Strauß. Dann plötzlich hört sie wildes Lachen und schreckte auf aus ihrer Ruh! Zwei Räuber stürzten aus dem Walde mit wildem Drohen auf sie zu. Fliehen und um Hilfe schreien konnte sie nicht, denn sie verweilte wie gelähmt. Voller Gefahren ist der Wald und ganz gewiss – sie merkte es bald – für schwache Frauen kein Aufenthalt.


    „Doch eine Wendung nahm die Sache,
    die man wohl kaum erwarten kann;
    als aus der Ohnmacht sie erwachte,
    kniet neben ihr ein junger Mann. …
    Er kam gerade des Wegs vorüber
    und hat den Unfall noch geseh'n.
    Die Räuber suchten schnell das Weite
    und ein Unheil konnte nicht gescheh'n
    Er sprach hab' keine Angst, nun bin ich hier.
    Das beste ist, ich folge dir.“


    Nasoni behauptet, einmal in einem Roman von einem Retter gelesen zu haben, der selbst der Räuber war.


    Plötzlich taucht der Fremde in Person auf. Benozzo verkündet, dass man Gasparone vor sich habe und verlangt die ausgesetzte Belohnung. Minus 50 Prozent für mich, flüstert Nasoni ihm zu. Doch der Fremde lacht sein gewohntes dreckiges Lachen. (In Wirklichkeit ist es nicht Josef Metternich, sondern Wolfgang Lukschy). Er soll Gasparone sein, nachdem er der Gräfin das Leben gerettet hat? Das passt doch gar nicht zusammen. Carlotta stellt ihn als Erminio della Torella vor. Doch der Bürgermeister verlangt den Pass zu sehen. Der Ausweis ist nicht zu beanstanden. Der Podestà schaut den Schankwirt grimmig an. Carlotta lacht ihn aus. Wie konnte der Bürgermeister Herrn Torella nur für einen Räuber halten?


    6
    Schon wieder hält Karl Millöcker eine Bravourarie für Gasparone bereit. Die Liebe zu Carlotta beginnt zu keimen. O wenn er doch ein Räuber wäre, hätte er es gewiss nicht auf ihr Vermögen abgesehen und würde auch kein Lösegeld verlangen. Das Herz würde er ihr rauben. Wenn dieser Fang ihm gelänge, möchte er sich von Carlotta gern in Fesseln legen lassen, denn nach Freiheit sehnt er sich nicht mehr. „Nur Liebe bringt das Glück auf Erden. Kein süß'res Glück begehrt er mehr. O dass er nur ein Räuber wär'.“


    Carlotta bleibt sachlich. Sie würde sich sehr freuen, ihn in einer Stunde in ihrem Schloss begrüßen zu dürfen, um ihm für seine mutige Rettung zu danken.


    Ein reizender Mensch, stellt Carlotta fest. Dem Podestà gefällt er gar nicht. Er muss die liebe Schwiegertochter vor ihm warnen. Aber noch ist es nicht soweit. Wenn sie wüsste, wie sein Sohn Sindulfo sich nach ihr verzehre? Ach, davon hat sie bisher noch nichts bemerkt. Er ist doch von ganz anderen Vergnügungen in Anspruch genommen. Sein Dulfi sei der anständigste Jüngling von ganz Sizilien, behauptet der Vater.


    Nasoni hat eine unangenehme Nachricht für die Gräfin. Der Erbschaftsprozess sei so gut wie verloren. Was soll jetzt aus ihr werden? Sindulfos Frau. Da sie jetzt arm sei, gibt es keinen Grund mehr, an seiner wahren und aufrichtigen Liebe zu zweifeln.


    Carlotta ist gerührt und möchte jetzt allein sein.


    7
    Sora beklagt sich beim Bürgermeister über ihre unglückliche Ehe mit Benozzo, er habe nur seine Geschäfte im Kopf. Nun wenn der Ehemann keine Zeit für sie habe, würde er selbst sich gern opfern, um nach ihrem Befinden zu schauen.


    „Wenn ich ja sag, sagt er nein! Wenn ich nein sag' sagt sie ja.“ und wenn sie sich nach küssen sehnt, muss er nach den Geschäften sehen. Nasoni stellt fest:


    „So sind die jungen Leute von heute!
    Ja, wenn wir älter'n Herren nicht wären.
    Wir sind viel amüsanter, galanter.
    Wir sind in unseren Jahren, in Liebe erfahren
    und werden dabei schwerlich – gefährlich!“


    8
    Der Lebensretter erscheint pünktlich zum Rendezvous. Wie freut die Gräfin sich, ihn hier zusehen. Sie dankt ihm, dass er sie aus wilder Gefahr errettet hat. Gefahr drohe ihr von ganz anderer Seite.


    „Hüten Sie sich vor dem schmeichlerischen Paar,
    das listig verlogenes Glück Ihnen bot!
    Ein Räuber bedeutet kleinere Gefahr,
    als ihnen von diesen beiden droht!“


    Doch Charlotta fühlt sich verpflichtet, das einmal gegebene Versprechen zu halten und schweigt. Doch der Fremde rückt ihr emotional näher bis sie in seinen Refrain einstimmt.


    „Liebe erhellt
    die ganze Welt!
    Liebe soll uns leiten,
    Liebe soll und begleiten!
    Sei nicht verzagt,
    Tu ungefragt,
    nur was dein Herz dir sagt.“


    Jetzt ziehen sich die beiden zurück und trinken den angekündigten Champagner .


    9
    Sindulfo beklagt seine Labilität. Wenn der Mond am Himmel steht, wird er erst richtig munter. Die lieben Mägdelein setzen ihm zu. Sie möchten gern Champagner trinken, doch seine Taschen sind schon wieder leer. Die Gläubiger bedrängen ihn und wenn er nicht mehr aus noch ein weiß, betrinkt er sich abermals. Vor Schmerz küsst er die süßen Mägdelein und der Kreislauf beginnt von vorn. Die Mädchen betteln ihn an und der Vater mahnt ihn, dass er auf der Hut sein soll, dass ihm die Gräfin von ihrem Retter nicht weggeschnappt wird. Heute Abend wird Verlobung gefeiert. Hat er verstanden? Der Prozess ist gewonnen. Das Urteil hat er seit einer Woche in der Tasche, aber Carlotta habe er davon nichts gesagt. Sie soll denken, dass die Sache verloren ging, damit sie in die Verlobungsringe einwilligt. Ein raffinierter Schachzug vom Papa! Eine Million und ein Schloss dazu – dafür wird er ein korrekter Ehemann. So ist es brav! Hier auf dem Marktplatz von Trapani wird er die Verlobung bekannt geben. Von allen Seiten kommen die Einwohner in Volkstracht herbei. Zum Schluss erscheinen auch Carlotta und der Fremde. Man lässt die Gräfin hochleben. Sie erkundigt sich nach der Ursache.


    10
    Hell erklingt das Tamburin!
    Lustig tönet die Schalmei.
    Und von nah und fern
    eilt jung und alt herbei.


    Nasoni muss jetzt Farbe bekennen und der Gräfin das Urteil und auch die Million aushändigen. Bargeldlosen Zahlungsverkehr kennt man in der Operette nicht. Dokument und Barvermögen lässt sie in ihrer Gegenwart in ihr Schloss transportieren. Dort sind die Sachen in jedem Fall sicherer als im Bürgermeisteramt, rät Graf Erminio. Dieser kann nicht verstehen, wieso sie mit einem Mal gewonnen haben soll, während der Bürgermeister zuvor doch Gegenteiliges behauptet hat.


    Letzterer hat nun nichts Eiligeres zu tun, als die große Neuigkeit zu verkünden, dass ihm der Reichtum der Gräfin den Atem verschlägt. Sein Sohn Sindulfo und die teure Gräfin – er hat es längst geahnt, es war doch sonnenklar - sie sind ein Paar. Nun drängt es ihn, seinen Vatersegen zu erteilen. Carlotta und Erminio sind erstaunt. Carlotta ist ratlos und weiß im Moment nicht, was sie tun soll. Nun, eine Gräfin hält immer ihr Wort, auch wenn man sich hinterher unbehaglich fühlt.


    Nasoni, Sindulfo und der Chor freuen sich über die positiv klingende Nachricht, doch der Fremde warnt die Gräfin mit Nachdruck. Hoffentlich wird sie ihre Zusage nie bereuen. Nasoni verteilt Vaterküsse an das Paar und gibt einen Wink, dass Mandolinenspieler und Tänzerinnen die große Freitreppe herunterkommen sollen. Sora und Benozzo steuern die Choreographie.


    Die Töne hört Estrella und tanzt Tarantella. Hinauskommen soll Anzoletto in den duftenden Hain! Sie möchte ihm sagen ein Wörtchen allein. Und bald hält sie im Reigen so warm Anzoletto im Arm. Nun tanzt die schöne Estrella mit ihm Tarantella. Berauschende Musik brachte ihm der Liebe süßes Glück. Burschen und Mädchen schweben mit dem Temperament von Estrella und ihrem Schatz im Gleichklang.


    Doch Erminio warnt Carlotta zum wiederholten Male, den unüberlegten Schritt nicht zu tun. Doch die Gräfin sperrt sich gegen seine Bevormundung und wird theatralisch: „O bitte schweigen sie. Ich glaube ihnen nicht!“ Die Menschenmenge hat sich verzogen und Erminio kommt zu der Erkenntnis, dass Carlotta in Wahrheit keine Neigung hat, Sindulfo zu heiraten, denn sie liebt nur ihn:


    „Diese Verlobung darf nicht sein!
    Diese wunderbare Frau
    hält mein Herz gefangen!
    Diese wunderbare Frau erfüllt mich ganz!
    Erringen muss ich sie!
    Und wäre es auch mit Gewalt!
    Wozu gibt es einen Gasparone?“


    Manchmal müssen Menschen zu ihrem Glück gezwungen werden. Carlotta gehört in diesen Personenkreis.



    Zweiter Akt


    Viertes Bild: IM SCHLOSS DER GRÄFIN


    11
    Der große Saal im Schloss ist hell erleuchtet. Die Verlobung zwischen Carlotta und Sindulfo wird gefeiert. Die Gäste schwingen das Tanzbein. Carlotta lobt den Schwiegervater, wie gut er doch noch in Form ist. Der Bewunderte räsoniert, dass sie ihn zu früheren Zeiten hätte erleben sollen, als er noch ein junger Mann war. Das Haar fiel prächtig, war gewellt und weich. Allgemein wurde er nur Apoll genannt. Doch in Wahrheit war er gleichzeitig noch Casanova und Don Juan.


    Das waren Zeiten, als alle Frau nach ihm schauten. Er ist zwar jetzt noch kein Greis, aber manchmal weiß er nicht, ob die süße kleine Maus ihn an- oder auslacht. Das Souper sei fertig. Benozzo fragt, ob er anrichten soll. „Nein, erst wenn der Bräutigam zur Stelle ist.“ Ja, wo ist er denn?


    In diesem Moment kommt Luigi gelaufen. Es sei etwas Schlimmes passiert, Sindulfo sei entführt worden. Eine vermummte Gestalt habe ihm einen Brief für den Bürgermeister in die Hand gedrückt. Nasoni liest:


    „Ich habe Deinen Sohn entführt. Wenn du ihn wiedersehen willst, muss in einer Stunde ein Bote ein Lösegeld von 10.000 Lira auf die Bank im Steinbruch legen – GASPARONE.


    Wie furchtbar! Schon wieder der verfluchte Gasparone. O weh, der Bürgermeister hat keine zehntausend Lire auf der hohen Kante. Der arme Sohn! Was soll aus ihm nun werden? Carlotta hat ein gutes Herz und gibt dem Diener Anweisung, dass er das Geld holen soll. Schließlich kann man ohne Bräutigam mit der Verlobungsfeier nicht weitermachen.


    In diesem unpassenden Augenblick erscheint Conte Erminio mit einem gigantischen Strauss dunkelroter Rosen, den er Carlotta nach einem galanten Handkuss überreicht. Nun singt er die schönste Arie der Operette, die eigentlich zu früherer Zeit für eine ganz andere Handlung, die aber keinen Anklang fand, komponiert worden war. Also:


    12
    „Dunkelrote Rosen
    bring ich schöne Frau!
    Und was das bedeutet,
    wissen sie genau!
    Was mein Herz empfindet,
    sagen ich's nicht kann …
    Dunkelrote Rosen
    deuten zart es an!
    Ein tief verborg'ner Sinn
    liegt in den Blumen drin,
    Gäb's nicht die Blumensprache,
    wo kämen Verliebte hin?
    Fällt das Reden uns schwer,
    müssen Blumen her,
    denn was man nicht zu sagen wagt,
    man durch die Blume sagt.“


    Ein Schmalz und eine Taktlosigkeit ohnegleichen. Der Bräutigam wurde entführt und der Rivale erscheint mit einem Blumenstrauß. Doch wenn Josef Metternich diese herrliche Arie singt, kann man über den Fauxpas hinwegsehen. Hermann Prey macht seine Sache auch gut.


    13
    Der Diener bringt das Geld und Benozzo soll gegen der Protest Soras den Überbringer spielen. Carlotta versucht die Panik unter den Gästen klein zu halten und schlägt vor, die Wartezeit mit Musik und Tanz zu verkürzen. Man geht in den Ballsaal. Der Schwiegervater hat den entschwebten Bräutigam auf dem Tanzparkett zu vertreten. Luigi kann seinem Herrn geschwind zuflüstern, dass er den Entführten in der Behausung am Steinbruch versteckt hat. (Der Zuschauer erinnert sich an die kleine Hütte zu Beginn des ersten Aktes.)


    Carlotta hat Erminio unter den Tanzenden vermisst. Erneut muss Carlotta ihm klar machen, dass sie die Braut eines anderen ist. Aber dieser liebt sie doch gar nicht, sondern nur ihre Million. Erminio drängt, noch in dieser Stunde müsse sich ihrer beider Schicksal entscheiden. Doch Carlotta argwöhnt, dass er selbst seine Hände bei der Entführung im Spiel habe. Und wenn es so wäre? Der Fremde meint, Liebesgefühle entschuldigen jede Schandtat.


    14
    Er soll schweigen, Sie will nichts mehr hören. Er soll nicht weiter sprechen. Doch der Rosenfreund sieht, wie schwer es der Gräfin ums Herz ist. Sie soll das süße Wort aussprechen und nicht länger verschlucken. Ihrer Wangen Glut verrät den Spruch, den ihr Mund verschweigt, aber ihr heißer Blick gesteht ihre wahren Gefühle. Soll sie dem Ruf folgen, der so lockend klingt und vielleicht das wahre Glück ihr bringt? „Sie müssen die Meine werden“ tönt es drängend von den Lippen des Verführers. Seine Gegenwart verwirrt sie. Soll sie sich einen Ruck geben und sich in letzter Minute für ihn entscheiden?


    Benozzo ist wieder da. Alle sind froh, dass die Gefahr gebannt ist. Benozzo umarmt seine Frau. Nasoni reißt die beiden wieder auseinander, denn er will wissen, wo sein Sohn ist. Woher soll Benozzo das wissen? Hat er das Lösegeld nicht hinterlegt? Der Bürgermeister soll nicht so herumschreien. In Ruhe wird Nasoni alles erklären und er nun seine Schauerballade an.


    15
    „Stockfinster war die Nacht.
    Kein Mond, kein Sternlein wacht.
    In solchem Dunkel kann
    nicht deutlich sehen man.“


    Nasoni will wissen, wie es weitergeht, aber Benozzo hat seine Ballade noch nicht zu Ende gebracht und wiederholt stattdessen den Anfang. Wenn der Kerl nicht bald anfängt zu erzählen, gibt es noch ein Unglück. Gut, Benozzo erzählt weiter: Wie besprochen zog er mutig zum Steinbruch hin zur Bank, aber leider, aber leider kam es anders, das Warten wurde ihm zu lang. Gott sei Dank! Um sich die Zeit zu verkürzen sang er sich ein Liedchen. Tralalala, tralalala, Kling, klang! Dann kamen zwei Wege, die sich kreuzten und er war sich nicht mehr klar. Ob er rechts oder links gehen sollte. Er wusste nicht mehr, wo er war.


    Wenn Benozzo die Possen jetzt nicht sein lässt, schlägt der Podestà den Knaben kurz und klein. Der Tobende soll endlich aufhören, herumzuschreien, er wird noch verrückt davon. Der Ungeduldige soll in Ruhe zuhören, was weiter geschah: „Stockfinster war die Nacht, kein Mond, kein Sternlein wacht.“ Der Chor äfft den Erzählenden nach und fällt in den Refrain ein. Nasoni will Benozzo allen Ernstes ans Leder, der sich eilig darauf besinnt, seine Geschichte zu Ende zu bringen. Rechts an der Straße steht das Wirtshaus 'Zum Vampir' Um sich Mut anzutrinken, nahm er eins zwei drei Glas Bier. Da drinnen war es herrlich. Die Lampen waren hell und draußen war es dunkel. Benozzo singt nun: „Stockfinster war die Nacht. Kein Mond kein Sternlein wacht. Den Wartenden geht die Geduld aus. Wo ist Sindulfo? Die Gräfin und Sora fragen das gleiche. Der Operettenchor will es ebenfalls wissen. Zweifelsohne befindet sich das Söhnchen unter Verschluss bei Gasparone. Endlich rückt Benozzo mit der Sprache heraus.


    „Das Lösegeld, es kam abhanden mir
    beim Würfelspiel, im Gasthaus zum Vampir!“


    Der heimtückische Bursche habe falsch gespielt. Er sei ihm hinterher gelaufen und fand ihn – auch nicht mehr. Kein Wunder, denn – stockfinster war die Nacht. Die Männer packen Benozzo am Kragen und wollen ihn zur Tür hinausbefördern, sonst erzählt er noch bis morgen um acht von dieser finsteren Nacht. Nasoni glaubt dem Betrunkenen kein Wort. Er habe das Geld gestohlen. Er will die Gendarmen rufen. „Aber Schwiegerpapa!“ Carlotta beschwichtigt.


    Fünftes Bild: DER MARKTPLATZ VON TRAPANI


    16
    Der Podestà lässt seine krummbeinigen Gendarmen aufmarschieren, um endlich Gasparone zu fangen. Die Gäste verabschieden sich und sprechen Carlotta ihr Bedauern aus, dass der Bräutigam abhanden gekommen ist. Erminio de Torella ist wie vom Erdboden verschwunden. Carlotta kann sich sich nicht erklären, wieso und wohin er plötzlich verschwunden ist. Carlotta hat sich an den Türpfosten gelehnt und singt sehnsüchtig altes ein Liebeslied. Der Chor der Fischer beendet die Szene, um das dramatische Finale vorzubereiten:


    Rot ist das Blut,
    rot die flammende Glut
    rot der Wein, der süße schwere.
    Rot sind die Lippen,
    an denen zu nippen
    das Glück meines Lebens wäre.


    Rot ist die Liebe,
    die zündet und loht.
    Rot ist mein kleines,
    verschwiegenes Boot,
    Während es müd' die Kanäle durchzieht,
    drängt es zu dir
    mein kleines Lied.



    Sechstes Bild: SCHLAFGEMACH DER GRÄFIN


    17
    Die Zofe war ihrer Herrin beim Auskleiden behilflich und hat den Raum verlassen. Carlotta ist von der Melodie eines Liebesliedes bewegt, welche ihr schon am Nachmittag auf dem Marktplatz nicht aus dem Sinn ging.


    „Wenn die Sommernacht
    deine Glut entfacht,
    wird dein Sträuben dir nichts nützen,
    wird dein Stolz dich nicht beschützen,
    werd' ich deinen roten Mund besitzen! ...“


    Eine Gestalt betritt den Raum durch die Balkontür, dreht den Schlüssel um und nimmt ihn an sich. Es ist Erminio de Torella. Er nimmt den Hut ab, wie sich das vor einer Dame gehört und ersucht, keinen Laut abzugeben. „Wie kommt er hier herein?“ „Nun. Er stieg ganz einfach ein.“ Für einen Ehrenmann sind das aber seltsame Manieren. Vielleicht ist er gar keiner. Wer weiß? Falls sie um Hilfe ruft, wird er mit ihr recht ungalant umspringen. Erminio de Torella, der vormalige Rosenkavalier, erbittet den Schlüssel zum Wandschrank. Der Scherz geht ihr nun aber zu weit. Wenn es ein Scherz wäre, täte es ihm Leid. Nicht ihrer Ehre soll Gefahr hier droh'n. Nein, nein er will nur die Million. Ist er etwa ein Räuber? Nun erklingt Gasparones bekanntes Räuberlied:


    „Nur Gold will ich haben
    und Edelgestein.
    Welch herrliches Leben,
    ein Räuber zu sein.“


    Torella muss sich nun beeilen, bevor man ihn hier stellt. Er verlangt von ihr den Tresorschlüssel, der an ihrem Halskettchen baumelt. Geschwind öffnet er den Safe und nimmt die Banknoten triumphierend an sich. „Schlafen sie sanft, reizende Frau und trinken Sie eine Tasse Kakao!“ Sie soll sich nicht bemühen, denn den Weg kennt er ganz genau. Er verschwindet wieder über den Balkon und sie wirft sich schluchzend auf ihr Bett.


    DRITTER AKT


    Siebtes Bild: DER MARKTPLATZ VON TRAPANI


    18
    „Respekt, Respekt! Es kommt Militär
    Respekt vor Säbel und Gewehr.
    Die Carabinieri ziehen ein
    und stellen die Ordnung her.“


    Sora und Benozzo streiten sich wieder einmal. Er soll dein Herr sein, wie stolz das klingt – Geltung hat es leider nur sehr bedingt. Er geht vergnügt mit der Freundin aus. Sie ruft zum Trotz sich den Freund ins Haus. Und das passiert ganz ungeniert in den besten Familien. So ist die Ehe in Sizilien.


    Achtes Bild: IM BÜRGERMWEISTERAMT


    19
    Bürgermeister Nasoni glaubt, er muss seinen Dulfi beruhigen. Der Kleine ist noch ganz blass von dem schrecklichen Erlebnis. Ach Papa, so schlimm war es doch nicht - er hat in der Hütte ganz gut geschlafen. Sindulfo soll sich einmal vorstellen, die Million wurde in der Nacht gestohlen. Ein Raubüberfall hat im Schloss der Gräfin stattgefunden. Herrlich, nun bleibt er ledig! Recht hat er, der Junge. Eine arme Gräfin braucht er nicht zu heiraten.


    20
    Carlotta kommt aus ihrem Haus, um sich nach dem Befinden des Bräutigams zu erkundigen. Sie sei froh, dass er unversehrt zurück sei. Der Podestà herrscht die Gräfin an, dass sie sich hinsetzen soll. Er muss jetzt das Protokoll von dem nächtlichen Raubüberfall aufnehmen. Aber, lieber Schwiegerpapa, welche Töne? Er ist jetzt nicht mehr ihr Papa, sondern von Kopf bis Fuß Amtsperson. Will sie aussagen, wie der Räuber aussah? Sie soll ihr Gewissen erleichtern und gestehen, dass es Gasparone war! Der Podestà will von ihr hören, Gasparone habe ihr Liebe vorgeheuchelt und bei der Gelegenheit die Million gestohlen.


    Empörend, was ihr unterstellt wird. Ach so, ihr guter Ruf zwingt sie dazu, zu leugnen, dass Gasparone in der Nacht bei ihr war. Also, er macht es kurz: Unter den gegebenen Umständen sieht er sich leider gezwungen, die Verlobung seines Sohnes mit ihr zu lösen. Carlotta hat keine Einwände.



    Neuntes Bild: AUF DEM MARKTPLATZ


    21
    Als Carlotta das Bürgermeisteramt verlässt, begegnet ihr Torella. Er habe ihr die Million zurückgebracht und in ihr Zimmer gelegt. Nichts anderes hatte er im Sinn, als ihr zu beweisen, dass die Bürgermeisterfamilie nur ihr Geld liebt.


    Ach, er ist also doch Torella? Nein, der Pass ist gefälscht. Dann soll er soll schnell fliehen. Die Carabinieri nähern sich bereits. Luigi klärt auf, dass der echte Gasparone schon vor zwei Monaten gefangen wurde und in der Feste von Messina auf seine Hinrichtung warte. Der Sohn des Gouverneurs sei nun hierher gekommen, um nach Schuldigen zu suchen, die den Namen Gasparone missbrauchten, um ihre Geschäfte abzuwickeln.


    Wer hat die Million gestohlen, will die Bevölkerung wissen. Ach die Gräfin habe ihm erzählt, die Geschichte nur erfunden zu haben, um die Liebe eines jungen Mannes auf die Probe zu stellen und Erbschleicher abzuhalten. „So ist es“, erklärt Carlotta.


    22
    „Respekt, Respekt, es kommt Militär und stellt die Ordnung wieder her.“ Carlotta und der Fremde sind allein zurückgeblieben:


    „Liebe erhellt die ganz Welt!
    Liebe soll uns leiten,
    Liebe soll uns begleiten!
    Sei unverzagt,
    tu ungefragt
    nur was dein Herz dir sagt“


    Der Operettenbesucher wird den Rat beherzigen.



    © 2010 TAMINO - Engelbert




    MUSIKTITEL in Auswahl


    > Denk ich an dich, schwarze Ninetta -
    > Nur Gold will ich haben -
    > Der verdammte Gasparone -
    > Ein interessantes Abenteuer -
    > O dass ich doch ein Räuber wäre -
    > So sind die jungen Leute von heute -
    > Wie freu' ich mich, Sie hier zu seh'n -
    > Wenn der Morgen hell erwacht -
    > Hör doch die Töne Estrella -
    > Das waren Zeiten -
    > Dunkelrote Rosen -
    > Stockfinster war die Nacht -
    > Wenn die Sommernacht deine Glut entfacht -
    > Er soll dein Herr sei, wie stolz das klingt -
    > Liebe erhellt die ganze Welt -

    Ich glaube, mich erinnern zu können, in der verfilmten Offenbach-Operette den Wohlbeleibten als Jupiter erlbebt zu haben - mit Astrd Varney als Juno und John Shierley sang den Pluto. Die Scetche waren teils ganz gut. Die Tochter von Irmgard Seefried spielte die Öffentliche Meinung.


    Also in der Unterwelt wird französisch gesprochen. Die Göttin Diana hatte Verständigungsprobleme und lispelte außerdem. Sie fragte ihre Freundin, wenn sie etwas nicht verstanden hatte immer "Was hat der Höllenfürst soeben gesagt?" Kann sich von der Taminoranern sonst noch jemand an den Film erinnern?


    Orpheus telefonierte aus einem Straßentelefon mit dem Olymp. "Wer ist am Apparat?" "Das Olympische Komitee, Göttermutter Juno."


    Hier ist Orpheus. Es geht um die Enführung meiner Frau" "Und was hat der Olymp damit zu tun?" "Eine Gottheit ist in die Sache verwickelt." " Das habe ich mir doch gleich gedacht!" "Habt ihr auf Erden denn keine Gerichtsbarkeit?"


    So in dem Dreh ging das Stück dann weiter.
    Ob das vor 30 oder vor 40 Jahren war, das weiß ich nicht mehr. Aber erinnern kann ich mich an einzelne Details noch ziemlich genau.


    :angel:
    Engelbert

    .


    Louis Spohr (1784-1859)


    Jessonda


    Große Oper in drei Akten
    deutsch gesungen


    Libretto von Eduard Heinrich Gehe
    nach dem Trauerspiel von Trauerspiel „La veuve de Malabur“ von Antoine Lemierre


    Uraufführung am 28. Juli 1823 in Kassel,
    Dauer etwa zwei Stunden


    Personen:
    Tristan d’Acunha, Portugiesischer Admiral (Bariton)
    Jessonda, Gattin des verstorbenen Rajahs (Sopran)
    Amazili, ihre Schwester (Sopran)
    Dandau, Oberpriester (Bass)
    Nadori, Novize (Tenor)
    Pedro Lopes, Tristans Vertrauter (Tenor)
    und weitere


    Das Geschehen spielt in Indien, im 16. Jahrhundert zur Zeit der Christlichen Seefahrt



    Dokumentation:
    Digital-Einspielung von 1991 durch das Label ORFEO, München CD-Nr. C 240912 H (Live-Mitschnitt)
    Es spielt das Philharmonische Staatsorchester Hamburg unter der Leitung von Gerd Albrecht,
    es singt der Chor der Hamburger Staatsoper ;
    Solisten der Gala-Besetzung:
    Dietrich Fischer-Dieskau (Tristan d'Acunha)
    Julia Varady (Jessonda)
    Renate Behle (Amazili)
    Nadori (Thomas Moser)
    Dandau (Kurt Moll)



    INHALTSANGABE


    Erster Akt:


    Der Rajah ist gestorben. Der große Sohn Indiens sah seine letzten Tage. Kalt und starr - doch majestätisch, liegt er auf der Bahre. Der Frühling mit seinen Rosen ging vorbei und der Herbst mit seiner Pracht. Er sieht sie nimmer mehr. Seine Augen sind fest geschlossen und die Wangen blass.


    Der Hohepriester und die Tempeltänzerinnen nehmen Abschied von ihrem Herrscher in der großen Opferhalle einer Pagode. Brahma nahm ihn von der Erde, doch sein Geist gehüllt in Nacht, irrt an dem Saum der Himmel unstet trauend hin und her. Von den Engeln und von den Menschen gleichermaßen geschieden, weint er in den Qualen der Einsamkeit und findet keine Ruhe bis der Holzstoß angezündet wird. Sein göttergleiches Weib muss auf das Leben kühn verzichten und ihren süßen Leib opfern. Erst danach naht der Seele des Gatten die Erlösung, die Schwäche des Alters streift er ab und er schwebt in der Jugend blühender Schönheit. Im Hinblick auf die Aufopferungsfreudigkeit der Gattin schwärmen die Bajaderen: „Ist das Irdische erst verzehrt, Leben durch den Tod verklärt, schwinget sich der Geist nach oben, nun lasst uns alle Brahma loben.“ Der Hohepriester Dandau hat einen Auftrag für Nadori, der seine Priesteramt mit wenig Freude ausübt. Er soll der Witwe die frohe Botschaft überbringen, dass sie nun ihren Anteil beisteuern kann, damit es dem Gatten im Jenseits gut geht. Dandau ermahnt den Jüngling zu Sittsamkeit und Gehorsam. Die irdischen Genüsse sind nicht für ihn gedacht, und er soll nicht nach den Blüten schauen, die glänzend ihm entgegen wehen.


    Ein Offizier hat dem Hohepriester, der nach dem Ableben des Rajahs die Regierungsgewalt innehat, wichtige Kunde zu bringen. Im Lager der verhassten Fremdlinge, welche die Festung seit zwei Monaten bekriegen, ist hoher Besuch angekommen. Die Priesterschaft bittet Brahma um die Vernichtung der Feinde: „Schleudre von dem Wolkensitz auf des Landes Feind den Blitz. Kühner Sieger stolzes Lied, fröhlich dann zum Himmel zieht." Die Schwester soll nicht weinen! Jessonda ist ruhig, obwohl sie ahnt, welche Prozedur ihr bevorsteht, denn sie sieht vom Fenster aus, wie Anmachholz herbeigetragen wird. Amazili erinnert sich, wie der Vater mit den beiden Töchtern an diese Küste zog, wo harte Menschen wohnen und finstere Bräuche schrecklich walten.
    Jessonda musste ihren Freund verlassen und den greisen Rajah heiraten, an dessen Seite sie wie eine Tochter lebte und so die Möglichkeit hatte, dem Geliebten aus dem fernen Portugal treu zu bleiben. Amazili sieht einen Silberstreifen am Horizont. Die Waffenruhe wird bald beendet sein und dann werden die Portugiesen angreifen und vielleicht gewinnen, den Opfertod von Witwen als Frevel erklären und beide hier herausholen.


    Der Todesbote naht, Bajaderen tanzen vor ihm her. Jessonda lässt die Zeremonie gelassen über sich ergehen und nimmt sich vor, Haltung zu bewahren. So wie das Rohr zerbrach und das Linnentuch zerriss, vergeht nach heiligem Brauch ihr Leben auch. „Sobald aus Meeresfluten der nächste Morgen steigt, sollst du in Feuersgluten...“ Nadori kann seine Botschaft nicht zu Ende bringen, so schön findet er die beiden Frauen. In des heiligen Tempels Hallen musste er nur Gebete lallen und nun kommen emotionale Probleme auf ihn zu. Amazili steigt sofort ein: Kann er ihr die Schwester retten, wie sein sanfter Blick verspricht, Dankbarkeit aus Rosenketten, sie ihm dann zärtlich flicht. Doch dieses Risiko will Jessonda dem Boten nicht zumuten. Nimmer kann er sie erretten, wenn sein Blick es auch verspricht. An ihr eigenes Leiden ketten, will sie diesen Jüngling nicht. Ihr genügt, wenn sie vereint jeder eine Träne weint. Nadori verhält sich geistesabwesend. Umgewandelt ist sein Wesen, Frühlingshauch die Brust ihm schwellt. Von der Sonne der Gefühle ist sein Antlitz aufgehellt. Mutig blickt er in die Welt.


    Zweiter Akt:


    „Was ist’s was Kriegers Tod versüßt,
    wenn purpurrot sein Blut entfließt?
    Und sinkt der Held, das Schwert zur Hand,
    preist selig ihn das Vaterland."


    Tristan da Cunha hält im portugiesischen Feldlager eine Ansprache. Durch Verrat ist dem König von Portugal weg genommen worden, von dem er dachte, dass es ihm gehöre. Jetzt gilt es, die Fahne des Glaubens zu schwingen und die Ordnung wieder herzustellen. Wenn die Situation es zulässt, darf auch Milde walten.


    Sein Freund Lopes weiß von dem geheimen Kummer, der den Admiral quält. Einer Jungfrau dieses Landes hatte er sein Herz in feuriger Liebe zugewandt. Sie teilte seine Neigung, aber von fremder Macht wurde sie ihm entrissen. Seine Sehnsucht rief vergebens. Doch weshalb hat das Schicksal ihn an diese Küste zurückgeführt? Wo mag die Jungfrau weilen? Grundsätzlich herrschten feurige Triebe in des Feldherrn breiter Brust und schüchtern schweigt die Liebe bei der Stürme roher Lust. Doch bei ihr, die ausschaut wie ein Engel, war alles ganz anders.


    Ein Zug von Frauen nähert sich einer Quelle unter Bäumen. Jessonda will sich noch einmal mit heiligem Nass benetzen, bevor sie zur frommen Handlung den Scheiterhaufen besteigt. Die Witwe bittet ihr Gefolge, sie mit ihrer Schwester allein zu lassen. Zum letzten Male will sie lächelnd die Fluren schauen, die in der Abendsonne Strahlen ihr wehmütig entgegen lächeln. Der Erinnerung an den Geliebten gedenkt sie einen Kranz aus Rosen zu winden. Tristan und Lopes sehen es von ferne durch ihre Ferngläser.


    Nicht in den Flammen soll die Unschuld sterben! Nadori will sie retten. Er hat einen Plan. An den Edelmut des Portugiesen will er sich wenden, sich mit dem Schwerte kämpfend an seine Seite stellen, damit dieser die Wende des Schicksals herbeiführe. Und wenn er erst an den süßen Lohn der Schwester denkt, wird ihm ganz schwindlig. Wen sieht er unter Blumen wandeln? Oh Amazili! Wenn auch Verrat und Tod ihn umlauert, an dieser Blüte kann er nicht still vorübergehen. Mögen dumpf die Donner hallen, strahlt ihm nur ihr sanfter Blick. Louis Spohr hat an dieser Stelle das Liebesduett eingebaut.


    Jessonda ist fertig mit Baden. „All ihr Hoffen all ihr Glück, ließ sie in der Flut zurück," kommentieren die Bajaderen. Nadori hat den Admiral mobilisieren können. Wer soll hier den Tod erleiden? Jessonda heißt die Verurteilte.


    Welcher Klang,
    wie er ihm zum Herzen drang!
    Wonne fasset ihn und Grauen.
    Wartet, er will nach dem Mädchen schauen.
    Heiliger Gott, er sieht sie wieder,
    Schleier fallen raschelnd nieder.
    Ja, er ist’s. Sein treuer Blick
    gibt das Leben ihr zurück.


    Die Begleiterinnen warnen vor Unbedachtheiten: Jessonda ist des Feuers Braut und sie wird jetzt nicht geklaut. Der oberste Bramahne folgt ihnen auf den Fersen. Was muss er sehen? Die Todgeweihte an des Fremdlings Seite. Ihre Schande zu verhüllen, rabenschwarze Nacht stürze herab, ab mit ihr ins Grab!


    Sterben soll sie? Aber Sie will leben,
    ihm in Lieb und Lust ergeben.
    Die Sonne birgt ihr Angesicht,
    leuchtet diesem Frevel nicht.


    Die Krieger ziehen ihre Schwerter. Dandau erinnert an die vertraglich abgemachte Waffenruhe. Ehrenwort ist Ehrenwort und anständig ist anständig! Tristan sagt Jessonda „Lebewohl“. Lopes ist nicht einverstanden. „Werdet ihr uns wieder sehn, soll die Stadt in Flammen steh’n.“ kündet er den Umstehenden. Wilde ungeheure Schmerzen wühlen tief in ihren Herzen. Ein Quartett beschließt den zweiten Akt.


    Dritter Akt:


    Mit schwarzem Fittich bedeckt die Nacht die Leiden einer großen Seele - unstet im Kampfe der Gefühle am Strand des Meeres irrt d’Acunha. Lopes versucht den Freund zu trösten - so gut es geht. Die Ehre war ihm wichtiger als die Liebe. Er wünscht ihm, dass ein Engel hernieder steigt, das tiefgebeugte Heldenherz zu trösten. Der Engel ist in Gestalt von Nadori schon da. Entflohen ist er aus des Tempels Hallen und bringt Licht ins Heldenherz. Dandau hat die Waffenruhe gebrochen. Er hat zwei Leute bestimmt, die in der Dunkelheit der Nacht heimlich die schönen Schiffe in Brand stecken sollen. Erwischt man sie auf frischer Tat, ist der Beweis des Vertragsbruchs erbracht.


    Durch einen geheimen Gang wird Nadori die Portugiesen in die Stadt führen. Man kann sich ein bisschen Zeit lassen mit den Vorbereitungen. Der Scheiterhaufen wird erst im Morgenrot angezündet, so will es der Brauch und die Zuschauer haben bessere Sicht. Die Stunde hat geschlagen, Tristan teilt die Leute ein, die Götterbilder sollen gestürzt und die Damen befreit werden. Auf in den Kampf! Im hell erleuchteten großen Brahma-Tempel fleht man zu den Göttern und stimmt sich auf das Schauspiel einer Witwenverbrennung ein. Dandaus Herz pocht in wilden Schlägen dem kommenden Geschick entgegen.


    Das Abfackeln der portugiesischen Schiffe ist misslungen. Die Portugiesen kippen das große schwarze Götterbild vom Altar. Die Tempelwache ist personell unterbesetzt - so haben die Portugiesen leichtes Spiel. Sieh wie schon der Morgen graut! Lass dich schmücken liebe Braut! Die Bajaderen singen schöne Lieder, die der Situation angemessen sind. Lebenstrieb gib dich zur Ruh; weltlich Auge schließ dich zu. Jessonda hat ganz andere Sorgen und fleht:


    „Hohe Götter schauet nieder,
    ach erbarmt euch meiner Not.
    Gebt mir den Geliebten wieder,
    rettet mich vom Feuertod.“


    Beflügelt von Entzücken naht Amazili: „Vernehmet den Trompetenton, unsere Retter nahen schon.“ Dandau naht ebenfalls und dringt mit erhobenem Dolche auf Jessonda ein, aber Tristan ist rechtzeitig zur Stelle, den Todesstoß abzuwenden. Aus den Armen des Todes flüchtet sich Jessonda in die Arme des Geliebten und fühlt sich dort gut aufgehoben. Amazili möchte nicht zurückstehen und hält sich dicht an Nadori.


    Bekämpft, gestürzt das Götzentum,
    dem Gott der Schlachten Preis und Ruhm!
    Heil wie die Morgenröte glüht,
    dem Herzen Lust und Liebe blüht!


    Anmerkung


    Die 'Grand Opera' hatte ihre Ursprünge in Frankreich und wurde von den Italo-Franzosen Luigi Cherubini und Gasparo Spontini ins Leben gerufen. Es folgten Giacomo Meyerbeer und Gioacchino Rossini. Dem Stil lehnten sich Louis Spohr mit seiner „Jessonda“ und Karl Goldmark mit seiner 'Königin von Saba' an. Der Exotismus indischer Ausprägung, fand seine Fortsetzung unter Georges Bizet mit „Les Pêcheurs de Perles“ und Leo Delibes 'Lakmé'.


    Unverständlicherweise ist es um die 'Jessonda' beängstigend still geworden, ein Schicksal, welches diese Oper nicht verdient hat. Großartige Gesangsszenen, dankbare Aufgaben für die Solisten, eine spannende Story mit logischem Handlungsablauf und unterhaltsamem Textbuch, eine verlockende Aufgabe für den Bühnenbildner und Ausstatter eines großen Hauses (wenn die finanziellen Mittel es gestatten) sprechen für eine Wiederbelebung der Spohr-Oper. Es dürfte eine Frage der Zeit sein, das Werk aus dem Dornröschenschlaf aufzuwecken und romantisches Empfinden einem hektischen Zeitalter als Alternative anzubieten.


    Das Libretto der Oper Jessonda ist köstlich. Es lohnt sich, allein den Text auf sich wirken zu lassen. Romantisch-biedermeierliches Empfinden wird nach Indien transportiert und in die monumentale exotische Kulisse einer Witwenverbrennung bereitgestellt. Kaum zu glauben, aber die Synthese gelingt nahtlos!


    © 2010 TAMINO - Engelbert

    Es sei nur am Rande vermerkt, dass die Abbildung auf dem Cover von Harmoni mundi stilistisch nicht zum Inhalt der Oper passt.
    Im Pariser Louvre habe ich das Original gesehen. Es wird der Achämenidenzeit zugeordnet. (Könige: Xerxes, Artaxerxex und Dareios.
    685 - 330 vor Christus


    Die Handlung der Oper spielt jedoch in der Sassanidenzeit (Könige: Bahram, Schapur und Chosrau) 226 - 652 nach Christus
    Zwischen Coverbild und Handlung klafft eine Zeitspanne von 500 Jahren.


    (Die Religion war aber beidesmal die Lehre Zatathustras, sie wurde abgelöst durch den Islam.)


    8)


    Ich habe den Iran vor einigen Jahrzehnten mit einem Hotelbus bereist. Der Reiseleiter hat und mit Kultur- und Kunstgeschichte zugepackt. Von vielen historische Stätten und Wandskulpturen habe ich Dias gemacht.


    :angel:
    Engelbert

    Lieber Uwe,


    bei Musicals musst Du berücksichtigen, dass diese meistens ihre eigenen Spielstätten haben und man nicht vergleichen sollte. Die Dauer wie lange ein Musical zu laufen hat, erstreckt sich manchmal über Jahre. Der Klamauk ist ein anderer und das Publikum hat andere Erwartungen. Die Sänger haben keine Belcantoausbildung, die Stimmen haben andere Klangfarben und andere Techniken, sie bevorzugen andere Rhythmen und andere Phrasierungen.


    Der Andrang zum 'König der Löwen' (eigenes Zelt in schöner Lage direkt an der Elbe) ist in Hamburg groß. Die Reisebusse kommen regelmäßg rudelweise aus allen deutschen Städten und den meisten hat die Show gefallen. Man kann es mit Oper ebensowenig vergleichen wie mit einer Eisrevue oder einer Sportschau.


    Ich bin nur zweimal in einem Musical gewesen 'Titanic' und 'Dracula'. Ich kann nicht sagen, dass es mir nicht gefallen hat.


    :thumbdown:


    Das klassische Musical nähert sich der Operette an. In South-Pacifik wird nicht getanzt und zuweilen kommen Opernsänger zum Einsatz. (Carreras - Kiri te Kananwa). Die Grenze sollte man innerhalb des Musical-Bereiches festlegen. Die Älteren wie Oklahoma, Showboat, Kiss me Kate sind englische und amerikanische Ausformungen der Operette. Entgegen allgemeiner Gepflogenheit würde ich sie zur klassischen Musik rechnen.


    Mit freundlichen Grüßen
    :angel:
    Engelbert

    Der Sänger erreichte wirklich ein biblisches Alter. Jetzt wünschen wir ihm alle R.i.F


    Den Verstorbenen führt meine Datei als Erice (in L'Ormindo) und als Linfea (in La Calisto). Beides sind 'Rock-Rollen' -
    eine alte Amme und eine alte Ninfe. Die Decca-Kassetten gab es in den achtziger Jahren noch im Handel zu kaufen.
    Viele Sammler werden sich erinnern. Es war das erste von Cavalli, was auftztreiben war. Der Egisto folgte ein wenig später bei Eurosisk. Mit 'La Calisto' lernte ich erstmalig Ileana Cotrubas, Teresa Kubiak und Janet Baker kennen.



    Mit freundlichen Grüßen
    :angel:
    Engelbert

    .
    Edmund Eysler (1874-1949)
    Der lachende Ehemann


    Operette in drei Akten


    Libretto von Julius Brammer und Alfred Grünwald


    Uraufführung in Wien 19.03.1913, Burgtheater


    Charaktere:
    Ottokar Bruckner, Fabrikant
    Heloise (Hella genannt), seine Frau
    Graf Selztal
    Lotte, Verwandte von Hella
    Basewitz, ein Unternehmer
    Etelka, seine Frau
    Hans Zimt, Urlaubsreisende
    Dolly, seine Freundin, Urlaubsreise
    Lucinde, Freundin von Hella
    Lutz Nachtigall, ein Hobby-Dichter
    Andreas Pipelhuber, Ottokars Freund
    Dr. Rosenrot, ein Rechtsanwalt
    Wiedehopf, ein Diener


    Die Handlung spielt in einer kleinen Residenzstadt, Ende des 19. Jahrhunderts


    Dokumentation
    Label: HAFG – Funkfassung des ORF 1959
    Großes Wiener Rundfunkorchester unter Max Schönherr
    Gesangsolisten: Gerda Scbeyrer, Waldemar Kmentt, Franz Borsos, u.a.



    HANDLUNG


    Das Vorspiel signalisiert Walzerseligkeit und lässt das Finale des zweiten Aktes (Ach, wie fein schmeckt doch der Wein) kurz anklingen. Zwischen Lucinde und Lotte entwickelt sich ein Dialog aus dem hervorgeht, dass der Kern der Operette einem Schlüsselroman mit dem Titel 'Der lachende Ehemann' entsprungen ist. Die einzelnen Episoden mussten erst einmal erlebt werden, bevor ihnen das schriftliche Diktat bevorstand. Beide Damen ergötzen sich nun am Inhalt des Romans.


    Erster Akt:


    Ottokar ist ein erfolgreicher Unternehmer, der den Fehler gemacht hat, eine junge hübsche Frau zu heiraten. Die Vereinbarung sah so aus, dass er ihr mit seinem Vermögen ein sorgenfreies Leben bieten wird und als Gegenleistung hat sie Intelligenz, Jugendfrische und Attraktivität im Angebot. Ihm ist es mit der Abmachung ernst und er verkündet dem Publikum: „Ich bin rasend verliebt in die eigene Frau.“ Doch Hella hat viele schöngeistigen Ambitionen, mit denen der Banause nichts anfangen kann. Er denke nur an sein Geschäft und könne sich an ihren positiven Eigenschaften nicht erwärmen, behauptet sie. Sein Defizit wird ihm aus taktischen Erwägungen ständig vorgehalten.


    Hinter dem Rücken des Gatten trifft Hella einen Verehrer, den Grafen Selztal, den sie noch von der Tanzschule her kennt. Die beide proben und vertiefen ihre Tanzschritte zum wiederholten Male: “Einmal rechts herum, einmal links herum.“ Mit dem Ziel, die Jugendfreundin zu einem Seitensprung zu überreden, erzählt er ihr, dass sie einen Körper wie eine Bajadere besitze. Hinzu kämen noch „zwei göttliche Augen“. So intelligent ist Hella nun wieder nicht, das törichte Geschwätz zu unterbinden.


    In ähnlicher Konstellation befindet sich auch ein befreundeter Verlagsdirektor, der ein 'Paprikahühnchen' geheiratet hat. Etelka ist der gesunden Ansicht, dass sie sich die dichterischen Ergüsse ihres Anbeters Lutz Nachtigall in Ruhe anhören kann, aber man muss nicht unbedingt zur Tat schreiten, wenn das Eheglück und die damit verbundene soziale Sicherheit bedroht ist. Im Prinzip halten beide Protagonistinnen von der ehelichen Treue nicht viel, dagegen besitzen die Ehemänner mehr Humor als der Sache gut tut.


    Lucinde, Hellas Freundin, sieht es als ihre Aufgabe an, Ottokar einmal tüchtig ins Gewissen zu reden. Damit er seiner Frau ein gleichwertiger Partner sein kann, brauche er mehr Bildung. Diese erwirbt man am besten auf einer Italienreise. Wie würde Hella sich freuen, wenn er sie nach seiner Rückkehr mit einem positiven Resultat überraschen könnte. Es treffe sich gut, denn Hans Zimt will mit seiner Dolly auch Urlaub in Italien machen und da könne er sich gut anschließen.


    Doch Ottokar hat das Gefühl, dass seine Frau ihn am liebsten für ein Weilchen los sein möchte. Zum Schein geht er auf den Vorschlag ein, steigt aber schon auf den nächsten Station wieder aus, um seinen lieben alten Freund Andreas Pipelhuber zu besuchen. Seinen beiden Reisegenossen gibt er Instruktion in seinem Namen eine schöne Karte aus Verona an Hella zu schicken. Seinen Freund wird er überreden mit ihm ein paar Tage Urlaub auf seinem Jagdschloss zu machen: „Das werden Tage himmelblau im wunderschönen Buchenau“.


    Zweiter Akt:


    Der Zufall will es, dass Hella für ihren Bedarf an Geselligkeit das Jagdschloss ihres Mannes ebenfalls für einen Kurzaufenthalt auserkoren hat. Ihr liebster Geselle ist natürlich Graf Selztal, der sich im Kreis von Malern und Dichtern ebenfalls pudelwohl fühlt.


    Als Ottokar und Andreas aussteigen, verkündet ihnen der verdutzte Diener, dass die Frau Gemahlin schon angekommen sei. Einzelheiten dürfe er tunlichst nicht verraten. Die beiden Freund verschanzen sich zunächst unbemerkt in der Bibliothek, um dort das schönste Lied der Operette zu singen: „Fein, fein schmeckt uns der Wein.“


    Die Konfrontation mit der Gemahlin bleibt nicht aus. Sie tritt die Flucht nach vorn an und verdächtigt ihn,
    nicht allein angereist zu sein. Er beabsichtige hier mit einer Freundin ein paar schöne Tage zu verleben. Ottokar klärt auf, aber sie weigert sich strikt seinen Freund Pipelhuber zu begrüßen, weil sie seinen Namen nicht aussprechen mag. Sie soll doch ganz einfach zuerst 'Pipel' sagen und nach einem Weilchen den 'huber' folgen lassen. Andreas verlässt den Freund nur notgedrungen, gibt ihm aber den guten Rat, dass er aufpassen soll, damit aus seiner Ehe keine Aktiengesellschaft wird.


    Hartnäckig unterstellt Heloise ihrem Mann, dass er sie mit einer Freundin betrüge, um vor sich selbst eine Rechtfertigung zu haben, weil Selztal mit ihr ein ehebrecherisches Verhältnis anstrebt. Sie empfängt den Galan zu einem Rendezvous in ihrem Boudoir, welches vom argwöhnischen Ottokar abrupt abgebrochen wird.


    Jetzt ist Schluss mit lustig! Doch ein schicksalsträchtiges Missgeschick verhindert ein Blutbad. Der schusselig Diener Wiedehopf hat seinem Chef ein Schrottgewehr in die Hand gedrückt, doch die guten Sitten gebieten, dass blaues Blut nur mit einem Schuss aus einem Stutzen vergossen werden darf. Einer spontanen Hinrichtung des Ehebrechers sind damit Riegel vorgeschoben, denn mit einer Schrottflinte schießt man nur auf Hasen und Füchse. Hella soll aus ihrem Versteck hinter dem Paravent hervorkommen und sich rechtfertigen! Anschließend wird Ottokar die Verlobung seiner Frau mit dem Grafen verkünden. Insgeheim beschließt Ottokar tatsächlich, sich scheiden zu lassen, doch er besitzt auch die Gabe, ruhig zu bleiben und Schicksalsschläge gelassen über sich ergehen zu lassen. Mit der Weise „Fein, fein schmeckt uns der Wein... Doch wenn man älter wird, ein wenig kälter wird, bleibt allein, nur der Wein.“ endet das Finale des zweiten Aktes.


    Dritter Akt:


    Der Scheidungsanwalt Dr. Rosenrot ist ein Spezialist auf seinem Gebiet, denn er kann Ehen nicht nur trennen, sondern sein Bestreben ist es, sie zu kitten. In seiner Eigenschaft als Vermittler, kann er Ehen auch einrichten. Drei Scheidungsfälle stehen an.


    Es sprechen vor: Der Buchverleger Basewitz und seine Frau Etelka. Die Pflichtvergessene hatte mit Lutz Nachtigall ein Literatencafé aufgesucht und gemeinsam mit ihm einen Schokoladencocktail getrunken. Unauffäliig war der eifersüchtige Ehemann ihnen gefolgt und stürmte lamentierend und gestikulierend ins Lokal. Der Ehebruch sei erwiesen, weil beide den Cocktail aus dem gleichen Röhrchen geschlürft haben sollen. Das Röhrchen als corpus delicti legt der Scheidungsbegehrende als Beweisstück auf den Tisch. Die Sache ist vertrackt, doch der Anwalt weiß Rat. Den Lutz hat Etelka gleich mitgebracht, damit er bestätigt, was sie erklärt. Sie will sich nicht von ihrem Mann trennen und der Anwalt sperrt die beide ins Versöhnungszimmer. Etelka soll dem Lutz lautstark erklären, dass er sich keine Chancen ausrechnen und sie mit seinen Annäherungsversuchen in Zukunft gefälligst in Ruhe lassen soll. Der Ehemann hört aus einem Versteck mit und ist beschwichtigt. Das Publikum erwartet, auch versöhnt werden. Der Sänger aus dem Café tritt auf und wiederholt seinen schmissigen Song: „Juppla, juppla, heissasa!“


    Pipelhuber und Lucinde haben sich in Liebe gefunden. Bezüglich der Formalitäten eines Ehevertrages benötigen sie anwaltlichen Rat. - Hans und Dolly finden im Versöhnungszimmer ebenfalls wieder zueinander.


    Hella hat an ihrem Schlüsselroman weiterschreiben können. Kostproben daraus liest der Anwalt dem erzürnten Ehemann vor. Also, die amurösen Szenen mit dem Grafen waren nur gespielt, damit Hellas Roman zu Ende gebracht werden konnte, denn der Verleger drängte. Die Abschnitte, in der die Beschuldigte beteuert, dass sie nur den Gatten liebe, hebt der Anwalt ausdrücklich hervor. Hellas Abschiedsbrief an den Grafen legt Dr. Rosenrot in Reinschrift vor. Ottokar darf den Umschlag selbst in den Briefkasten stecken.


    Aber wie steht es nun mit dem Weibsbild mit dem glühenden Busen und den wogenden Augen, lässt Hella erfragen. Unsinn, das war doch nur der Pipelhuber. „O du zuckersüßes Weiberl!“ Wie konnte er ihr solches Unrecht tun. Man telefoniert miteinander, versteht sich und alles ist wieder in bester Ordnung. Jetzt kann der Ehemann wieder lachen.



    © 2010 TAMINO - Engelbert



    Gesangsnummern in Auswahl
    > Ich bin rasend verliebt in meine Frau -
    > Einmal rechts herum, einmal links herum -
    > Sie haben zwei göttliche Augen -
    > Fiolioli, Fioliola -
    > Das werden Tage himmelblau -
    > Fein, fein schmeckt uns der Wein -
    > Juppla, juppla heissasa -
    > O du zuckersüßes Weiberl


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