Beiträge von gerdprengel

    Eigenrtigerweise haftete diesem Oratorium immer der Ruf des religiösen Kitsches an, es wurde von vielen nicht ernst genommen. Persönlich kann ich das aber nicht verstehen. Es entspricht vom Konzept her der Zeit in der es entstanden ist - und bietet zudem überirdisch schöne Stellen.

    Ich hatte das (wahrscheinlich eher seltene) Glück, das Werk auch live im Wiener Konzerthaus hören zu dürfen...

    Auch bei uns in Darmstadt wurde es im letzten Jahr zu Karfreitag aufgeführt - es war überwältigend! Für mich ein herrliches Werk, besonders der Schlusschor. In einem Buch von B. Cooper las ich kürzlich, dass dieses Werk die erste Komposition Beethovens nach seinem "Heiligenstätter Testament" gewesen ist und für ihn eine Hilfe gewesen sei, seine Krise, die ihn fast in den Selbstmord getrieben hätte, zu überwinden. Botschaft des Oratoriums: Jesus opfert sich für die Erlösung der Menschheit - und Beethoven opfert sich quasi für die Kunst und entscheidet sich so für das Leben ...

    der 3Sat Beethoven-Tag heute war schon Klasse!


    Besonders die 6 Sendungen Mythos Beethoven ! Sehr erhellend in "Der Verliebte" die Ausführungen zur Unsterblichen Geliebten Josephine Brunswik und der Sonate op. 110, für die er die Sonate nach ihrem Tod 1821 quasi als Requiem geschrieben hat...


    Die Fidelio Aufführung von 2015 war allerdings von der Inzenierung her mal wieder ätzend, da kann die Musik noch so toll sein...


    Auch wenn einige jetzt vielleicht einige die Nase rümpfen, aber der Spielfilm "Klang der Stille" über die Aufführung der Neunten und Beethovens letzte Lebensjahre war - auch natürlich mit viel erfundenen Zutaten - sehr bewegend und brachte den widersprüchlichen Charakter Beethovens und seine Zeit sehr gut und emotional zum Ausdruck - auch Ausschnitte seiner Werke dabei waren sehr gut getroffen - besonders der Dankgesang aus op. 132!

    Lieber Siegfried,


    notiere Dir doch einmal den 10. Mai 2020. Ich lade Dich ein, mit mir ujnd anderen Taminos zusammen Beethovens 10. zu hören ...

    Bei uns in Darmstadt wurde diese Barry Cooper Realisierung im letzten Jahr aufgeführt und es wurde begeistert aufgenommen - ein hinreißendes Konzert! Vielleicht komm ich im Mai dann auch nach Heilbronn - ist ja nicht so weit :-)


    Diese Computer Realsisierung hingegen ist ist ein trauriger Witz. Mit Schubert's Unvollendeter wurde das vor einem halben Jahr auch gemacht - gesponsert von Huawei wie jetzt von der Telekom - das Ergebnis war jämmerlich

    Ich lese gerade von Barry Cooper das höchst interessante Buch "Beethoven and the creative Process". Darin findet sich eine Adagio Skizze vermutlich für ein Streichquartett, da es sich unter den Skizzen zur Cavatine von op. 130 befindet. Interessant ist zu Beginn die Ähnlichkeit zum herrlichen Andante Thema aus dem genau 2 Jahre zuvor geschriebenen dritten Satz der Neunten: Zu Beginn die originale einstimmige Melodieskizze und dann noch zweimal mit einer von mir hinzugefügten Basslinie:


    http://www.gerdprengel.de/Beet…tt_Skizze_1825_Adagio.mp3


    Es gibt immer wieder etwas neues von Beethoven zu entdecken ...


    Gerd

    Ich höre heute das Stück zum ersten mal und erfahre, dass Tschaikowsky es ursprünglich als Mittelsatz seines Violinkonzertes komponiert hat!! Wunderschön!!

    Tschaikowsky hat es als Satz für Violine und Klavier herausgegeben, aber in dieser Form vom Glasunow entspricht es natürlich eher dem ursprünglichen Violinkonzert-Mittelsatz ...

    ... und hier der erste und vierte Satz der 6.Sinfonie - mit die fantastischsten Sätze der deutschen Romantik - komponiert eigentlich ohne Vorbilder (Schubert's große Sinfonien noch nicht entdeckt, Schumann und Mendelssohn hatten ihre großen noch nicht veröffentlicht bzw. komponiert). Der erste Satz endet mit einer großen 3-minütigen Doppelfuge wie es sie in der ganzen sinfonischen Literatur nicht gibt...


    http://www.gerdprengel.de/Lachner_6_symph-1.mp3


    www.gerdprengel.de/Lachner_6_symph-4.mp3
    www.gerdprengel.de/Lachner_6_symph-4.pdf

    Die Frage dieses Threads kann ich definitv mit Ja beantworten - allein schon wegen des überirdisch schönen langsamen Satzes (der übrigens in fis-Moll ist und nicht in a-Moll wie oben fälschlicherweise gesagt. Damit teilt er die gleiche Tonart wie die ebenfalls Ausnahme-Adagios von Beethovens Hammerklaviersonate und Schubert's letzter A-Dur Sonate - Zufall?).

    Ganz dicht in meiner Wertschätzung Mozarts Klavierkonzerte folgen für mich die beiden Moll Konzerte KV 466 und 491 und sein letztes KV 595 (hier auch wegen des langsamen Satzes)

    Ich konnte es zunächst kaum glauben, aber gestern bin ich unererwarteterweise auf ein drittes Klavierkonzert in e-moll von Mendelssohn gestoßen!! Er arbeitete daran in 1843 legte es dann aber zugunsten des Violinkonzertes beiseite. Es existieren ausgedehnte Entwürfe zu den ersten beiden Sätzen. Ich liebe das Haupthema und besonders die grandiose Coda
    des ersten Satzes und den wunderbar melancholischen zweiten Satz:

    Was für ein herrliches Werk, das den ersten beiden in nichts nachsteht! -->

    Ja, lutgra, die 1. Sinfonie ist bis auf das Finale sehr schwach. Aber was sagst du zu meiner Umsetzung der zweiten Sinfonie?

    Zu dieser habe ich in der Allgem. Musikalischen Zeitung von 1834 diesen Beitrag gefunden:

    "Hr. Kapellmeister Lachner prodizierte seine zweyte grosse Sinfonie in F dur ... Es ist ein grossartiges, gründlich gearbeitetes, oft wirklich originelles, effektvolles, fast zu effektvolles Instrumentalwerk, das mit den gelungensten Bezeugnissen der neusten Zeit ungescheut sich messen darf ..."


    Und was sagst du zu der grossartigen achten Sinfonie (zumindest, was die Sätze 2 - 4 angeht mit einem herrlichen Finale, siehe oben )?

    Ich habe jetzt auch den ersten Satz der bislang vergessenen und ungedruckten 2. Sinfonie in mein Notensatzprogramm erfasst und aufgenommen. Ich finde ihn ganz stark - eine melodiöse langsame Einleitung, dann das Allegro mit einer Tschaikowsky vorwegnehmenden Walzermeldie als Hauthema, das sich dann besonders in der Durchführung und Coda leidenschaftlich entwickelt. Zusammen mit dem 2. und 3. Satz kann ich jetzt sagen, dass es für mich einer der Top Sinfonien der frühen Romantik für mich ist . Bin jetzt mal gespannt auf den 4. Satz ...


    www.gerdprengel.de/Lachner_symph_2_Allegro.mp3

    www.gerdprengel.de/Lachner_symph_2_Allegro.pdf


    www.gerdprengel.de/Lachner_symph_2_Adagio.mp3

    www.gerdprengel.de/Lachner_symph_2_Adagio.pdf


    www.gerdprengel.de/Lachner_symph_2_Scherzo.mp3

    www.gerdprengel.de/Lachner_symph_2_Scherzo.pdf


    Gerd

    Ich höre zu etwa 80% Klassik. Innerhalb Popmusik sind mir Bruce Springsteen, Bob Dylan und Mark Knopfler die liebsten. Davon ist Bruce Springsteen der mich emotional berührendste und über 4 Jahrzehnte der qualitativ konsistententeste , ganz stark zB. My City in Ruins, das unmittelbar nach dem 11.September 2001 herauskam und seit dem für mich einen besonderen Platz hat:


    Nein, meines Wissens gibt es nur Aufnahmen der 1, 3., 5. und 8. Sinfonie, wobei die 8. Sinfonie in g-moll mit Abstand die beste davon ist, mit einem schönen Andante, tollen Scherzo, aber vor allem einem großartigem Finale! (von dem ersten Satz gefällt mir hingegen nur ein schönes Fugato in der Durchführung)



    https://imslp.org/wiki/Symphon…00_(Lachner%2C_Franz_Paul) ( gedruckte Partitur)


    Von der bisher nur handschriftlich vorhandenen Partitur der zweiten Sinf. begeistern mich die hier präsentierten Mittelsätze, bin mal gespannt, ob die Ecksätze auch so viel hergeben - falls ja, dann würde ich die auch editieren und mp3-Dateien erzeugen (obwohl die wahrscheinlich viel mehr Arbeit bedeuten)


    Gerd

    Leider kann ich keine 10 nennen, aber diese 4 wären mir wichtig:

    - Ferdinand Ries (wegen seiner herrlichen Klavierkonzerte und Kammermusik mit Klavier)

    - Cherubini (wegen seiner wunderbaren Messen und Requien)

    - Osip Kozlovsky (wegen nur einem Meisterwerk, seinem grandiosen Requiem von 1798)

    - Niels Gade (wegen seiner großartigen Ossian Overtüre und erster Sinfonie)


    Ansonsten höre ich doch eher die Komponisten aus der "ersten Reihe"...


    Gerd

    und hier nun der langsame Satz, eine echte Perle - mit einem äußerst melodischen Hauptteil in B-Dur (zu sehr dominiert von der Oboe?) und einem hinreißenden Mittelteil in B-Moll:


    www.gerdprengel.de/Lachner_symph_2_Adagio.mp3

    www.gerdprengel.de/Lachner_symph_2_Adagio.pdf


    handschriftliche Quelle:

    https://imslp.org/wiki/Symphon…p.44_(Lachner,_Franz_Paul)



    Dieser kleine Schatz erklingt hiermit zum ersten Mal seit über 170 Jahren !

    Lachner schrieb eine zweite Sinfonie 1833/34, die in den letzten 170 Jahren nicht mehr gespielt worden ist. Es exisitieren auch keine gedruckten Noten. Ich habe mir in den letzen 2 Tagen die Freude gemacht, das großartige Scherzo in d-moll zu editieren und aufzunehmen. Es ist ausgesprochen leidenschaftlich mit allerlei Kontrapunktik, während das liebliche Trio durch wunderschöne Melodik in dem Gesang von Klarinette und Fagott unter zartester Begleitung der Streicher besticht. Was haltet Ihr davon?


    www.gerdprengel.de/Lachner_symph_2_Scherzo.mp3 (möglicht mit Kopfhörern hören!)
    www.gerdprengel.de/Lachner_symph_2_Scherzo.pdf


    Gerd

    Als faszinierende unbekannte Klaviersonaten fallen mir zunächst diese beiden Sonaten von F. Ries und Mendelssohn ein:


    Hinreißend von Ries besonders der Schlußsatz seiner fis-moll Sonate ab 10:30 (!!)



    und genial besonders das Scherzo dieser Sonate des 18-jährigen Mendelssohn ab 5:15:



    Aber wunderbar auch der erste Satz (Durchführung1) (mit gewissen Ähnlichkeiten zu Beethovens Hammerklaviersonate) und auch der melodische langsame Satz:

    "Die Entwicklung des ersten Schlusses (Takt 113 - 121 der Exposition des Kopfsatzes) ist ein beispielloser expressiver Verlauf, zerrissen von Pausen und Fermaten, zusteuernd auf eine aberwitzige Fortissimo-Katastrophe (wilde Dissonanzen, , dann der unendlich lange Moll-Triller im tiefsten Baß, als "ffz" zu nehmen... Zu denken gibt es, daß noch bis in die jüngste Zeit viele Schubert-Spieler diesen unaussprechlich ausdrucksvollen ersten Schluss samt der zwingend vorgeschriebenen Repetition der Exposition einfach ausließen und somit den gezacktesten Verlauf der Sonate unterschlugen, weil sie es eilig hatten!" (Joachim Kaiser)


    Ich möchte mich herzlich bedanken für diesen Thread! Ich kann es kaum glauben, aber ich habe dies Sonate bisher immer ohne Wiederholung der Exposition gehört (zumeist von Brendel) und mir war nie bewusst, dass dabei 9 Takte von Schubert unterschlagen wurden - und was für Takte!

    Ich hatte mir vor Jahren mal einige Seiten der ersten Fassung dieser Sonate kopiert und jetzt gerade auf das Ende der Expostion und dem ergreifenden Beginn der Durchführung mein Augenmerk gerichtet. Dabei fällt auf, dass der dramatische 9-taktige Schluß ursprünglich nur 5 Takte umfasste! Und auch der klagende cis-moll Beginn der Durchführung war zunächst anders in der linken Hand (Triolen nach dem Muster der Schlußgruppe):

    http://gerdprengel.de/Schubert_B-Sonate_12.jpg


    Hier auch noch der Anfang der Sonate in der ursprünglichen Skizze:

    http://gerdprengel.de/Schubert_B-Sonate_11.jpg


    Gerd

    ...Man weckt mit einem Thread eher Interesse und bekommt eben dieses Feedback, das man sich ja doch ganz gerne wünscht, wenn dieser auf eine gleichsam an die Musik herangetragene, also sekundäre Frage ausgerichtet ist, wozu auch der Aspekt ihrer Realisierung durch Sänger, Instrumentalisten und Orchester gehört. Hat er aber die Musik selbst zum Gegenstand, und dies direkt und ausschließlich, gibt es erfahrungsgemäß wenig bis gar keine Reaktion darauf, eine in Gestalt eines dialogischen Prozesses schon gleich gar nicht...

    Genau das stelle ich auch immer wieder befremdet fest - man lässt sich groß über die 10te, 20te, 100te, ... Aufnahme von bekannten Werken aus, die sich in irgendwelchen Nuancen bei der Interpretationen unterscheiden (was ich eher langweilig finde) ... aber über die Werke selbst - erst recht unbekannte Werke - hört man relativ wenig und es kommt nicht - wie du sagst - zu einem qualitativen Dialog. Ich hatte diese Erfahrung vor über 10 Jahren hier gemacht und mich daher verabschiedet. Ich hatte nun gehofft, das sich das vielleicht mittlerweile geändert hätte, dem ist aber leider nicht so ...

    Hier das Zugvögel Lied nochmal mit den Noten:


    Am liebsten ist mir in Takt 5 und 6 die Wendung nach B-Dur !


    Aus der gleichen Sammlung:



    Und weitere wunderbare Duette:


    Noch einmal herausgreifen möchte ich, das von Dir wunderbar beschriebene und ergreifende "Venitianisches Gondellied" op. 57:


    Helmut, du hast Dir soviel Mühe mit deinen Beschreibungen der Lieder gemacht, ohne viel Feedback bekommen zu haben. So geht es mir mit meiner Präsentation der fragmentarischen - und von mir weitergeführten - 6. Sinfonie von Mendelssohn. Hast Du Dir diese mal angehört? Gerade Deine Einschätzung wäre mir sehr wertvoll!


    F. Mendelssohn : Eine unvollendete 6. Sinfonie in C-Dur (1845)


    LG, Gerd

    Lieber Helmut,

    ich habe gerade mit größtem Interesse deine vielen (oft einsamen) Beiträge zu den Liedern Mendelssohns gelesen und freue mich, dass ich nicht allein bin in meiner Liebe zu den Liedern Mendelssohns. Am meisten berührten mich deine Beiträge zu den Lenau-Liedern von op. 71. Das Schilfliedop. 71,4 ist für mich wohl das bewegendste Lied Mendelssohns - zusammen mit dem "Abschiedslied der Zugvögel" op. 63,2 (das ich bei deinen Ausführungen nicht gefunden habe):




    Lieben Gruß aus Darmstadt

    Gerd

    Diese Ansicht vertrete ich überhaupt nicht! Allerdings kann ich sie auch etwas verstehen: Ich war 1987 oder 1988 damals extra nach London gereist, um die Uraufführung erleben zu können und war in der Tat zunächst auch enttäuscht. Aber nach mehrmaligen Hören ist meine Wertschätzung für den Satz immer mehr gewachsen. Besonders das Andante zu Beginn und Ende des Satzes ist wunderschön ausgearbeitet. Stark finde ich auch die Schlußgruppe von Exposition und Reprise und die Coda des Allegros!

    Letztes Jahr gab es bei uns in Darmstadt eine Aufführung des Werkes und es wurde mit begeistertem Beifall aufgenommen. Also bitte: Urteilt nicht zu schnell über das Werk ...


    Ich selbst habe übrigens das Scherzo meiner eigenen Sinfonie unter Verwendung des wunderbaren skizzierten 24 taktigen Scherzo-Hauptthemas Beethovens geschrieben:

    http://www.gerdprengel.de/medi…10/resources/20946520.jpg


    LG Gerd

    Ries scheint mir immer dann als stark, wenn ein Klavier mit dabei ist, wie in seinen Klaviersonaten in a und fis-moll (3.Satz !!) oder beiden Klavierquartetten, ... Das Rondo von Klavierquartett op. 13 oder das Adagio von op. 17 begeistern mich




    Hinreißend auch diese Passage aus dem herrlichen Rondo vom Klavierquintett - von 14:50 bis 16:00:



    Gerd