Beiträge von gerdprengel

    So wie ich Euch vor ein paar Wochen Schumanns unvollendete Zwickauer Sinfonie hinsichtlich Scherzo und Finale vorgestellt habe, habe ich mich jetzt mindestens so spannend an sein c-moll Sinfonieprojektvon 1841 herangewagt, dem gleichen Jahr in dem er auch die d-moll Sinfonie geschrieben hat:



    In Schumanns Korrespondenz und Tagebüchern aus dem Jahr 1841 (wie dem Haushaltsbuch und dem Ehetagebuch) erscheint das Stück häufig als ein lebhaftes, aber frustrierendes Projekt. Im April 1841 schrieb er, dass er „voller Musik“ sei, und erwähnte mehrere Orchesterpläne. Er beschrieb seinen Zustand oft als ein körperliches „Brausen“ in seinen Ohren. Clara Schumann verfolgte die Bemühungen ihres Mannes genau und notierte in ihrem Tagebuch, dass Robert an einer „neuen Sinfonie“ arbeite, stellte später jedoch fest, dass sie zugunsten der d-Moll-Sinfonie (Nr. 4) beiseitegelegt worden war. Schumann gab das Stück wahrscheinlich auf, weil es seinen neuen Zielen hinsichtlich symphonischer Einheit nicht entsprach (vgl. Sinfonie Nr. 4). Später bezog er sich in seinen Briefen häufig darauf, dass bestimmte Ideen „bis zum Ende nicht standhielten“ in einer orchestralen Form. Die Fragmente repräsentieren Schumanns Übergang zu einem experimentelleren und dramatischeren Stil vor der Etablierung seiner reifen Sinfonien.

    ich weiß, dass dies ein kontroverses Thema ist, das auch in diesem Forum schon mehrfach diskutiert wurde (Beethoven's Zehnte, Schubert's Zehnte, Mahler's Zehnte ...). Meine Meinung dazu steht fest (siehe diverse Beispiele und Links am Ende meiner YouTube Video description). Ich sehe mich als musikalischer "Archäologe", der es liebt, alte verborgene, unfertige Schätze auszugraben und aufzupolieren :-)

    Ich meine schon. Die Erstfassung ist viel kammermusikalischer, die Zweitfassung "großorchestraler". Die Wüllner-Edition (Hybridfassung) schwächt das Kammermusikalische ab, behält aber die ungemein bezwingenden Stellen der Erstfassung bei, die Schumann später getilgt hat. Nochmal die Leinsdorf-Aufnahme zur Hand (wohl die einzige kommerzielle des Zwitters). Herrlich etwa die Streicher bei 28:38 ff. oder das schmetternde Blech bei 29:01 ff. und 29:21 ff. Das ist in der Zweitfassung anders instrumentiert.

    Ich habe jetzt verschiedene Fassungen und Aufnahmen gehört, und kann sagen dass das Presto Scherzo mir von der 1841 von der Leinsdorf-Aufnahme schon wohl am besten gefällt, aber ansonsten kann doch nichts die fantastischen Aufnahmen von Bernstein und Furtwängler mit der 1851 Fassung toppen.

    Bei den Schumann Sinfonien ist es bei mir so, dass ich bei ihnen bestimmte Sätze liebe, andere aber gar nicht.


    Sinfonie Nr. 2 mit herrlichen Sätzen 3 - 4, aber für mich nervige Sätze 1 und 2. Das Adagio ist eigentlich neben dem langsamen Satz des Violinkinzertes der einzige langsame Satz Schumanns, den ich wirklich liebe.

    Bei Sinfonie 3 ist es genau umgekehrt - hier liebe ich die ersten beiden Sätze aber nicht wirklich die übrigen ...

    Natürlich ist die 4te auch für mich das Highlight, wobei ich die Unterschiede der verschiedenen Fassungen nicht kenne. Sind sie wirklich so signifikant?

    - Die erste Sinfonie op. 38

    - Das Violinkonzert WoO 1

    - Das Klavierquartett op. 47

    - Die Zwickauer Sinfonie WoO 29

    - Das Konzertstück für vier Hörner und Orchester op. 86

    Hi, querstand, ich freue mich, dass die Zwickauer Sinfonie eines deiner Lieblingswerke Schumanns ist! Dann wird dich sicher interessieren, dass ich gerade die verbleibenden Sätze 3 und 4 vollendet habe - ich hoffe, sie gefallen dir (das d-moll Violinkonzert und das Klavierquartett op. 47 gehören übrigens auch zu meinen Lieblingsewerken Schumanns ;-) ) :

    Es ist - ROBERT SCHUMANN !

    Und es geht um das Scherzo und Finale der "Zwickauer" Sinfonie des 22-jährigen, von der bisher nur die ersten beiden Sätze bekannt waren. Lustig, dass gerade gestern jemand diese Sinfonie in einem Schumann Thread als eines seiner Lieblingswerke Schumanns angegeben hat :-)

    Hier das Video, dass ich gerade fertig gestellt habe:

    . Lest dazu gerne mal meine Beschreibung im Video ...

    Ich würde auch Schubert vermuten. Bruckner und Mahler - meine ich - müssten sich anders anhören.

    Nun, des Rätsel Lösung kommt morgen, aber Schubert's Unvollendete ist es jedenfalls nicht. Dazu gibt es ja Schubert's Entwurf , der später in der Schauspielmusik zu Rosamunde Verwendung fand (den ich übrigens auch zu einem sinfonischen Satz ausgearbeitet habe (

    , gelbe Markierungen hier meine Ergänzungen - mit einem für mich besonders befriedigenden Abschluss mit Aufnahme des Hauptthemas des ersten Satzes am Ende in strahlendem H-Dur ... )

    Ich kam kürzlich gar nicht aus dem Staunen heraus, als ich erstmals ein Streichquartett von Bruckner kennengelernt habe. Er hat das als 38-jähriger in 1862 in nur 10 Tagen geschrieben! Eigentlich bin ich kein großer Bruckner Fan (liebe vor allem seine Adagios der 6. - 9. Sinfonien , aber das hat mich echt begeistert! Man hört gleich, dass er hier noch nicht seinen eigenen Stil gefunden hat, aber trotzdem liebe ich alle 4 Sätze (was ich von keiner seiner Sinfonien behaupten kann), besonders natürlich die ersten beiden Sätze - Allein das Hauptthema des ersten Satzes ist großartig in seiner romantischen Melancholie...



    Ich habe auch gleich versucht, es zu orchestrieren :-)

    https://youtu.be/thuFQxPqVEk?si=oacE8Xm2htf85a7u

    Die ultimative Behandlung des B A C H Motifs hätte es von Beethoven gegeben! Verschiedene hier gelb markierte Stellen hat er für eine Ouvertüre (Adagio/Allegro) skizziert, die ich versucht habe, zu entwickeln:

    Vor ein paar Jahren bin ich mit dem Fahrrad an einer Kirche vorbeigefahren und hörte dabei wunderschöne Klänge. Neugierig ging ich in die Kirche and stellte fest, dass es die mir damals noch unbekannte Orgelsonate Nr. 6 in d-moll von Mendelssohn war, ein Variationswerk über einen Choral. Das ganze Werk ist ergreifend, besonders der Schluß in D-Dur. Ich habe es orchestriert, da es mit Orchester - finde ich - noch viel schöner klingt als mit Orgel!

    Dem kann ich nur beipflichten - Ein herrliches Requiem!!! Besonders schön für mich das Sanctus:

    Also ich kann eine gewisse Ähnlichkeit im jeweils zweiten Satz erkennen: gleiche Tonart a-moll, ähnlicher Rhythmus und besonders die zweiten Themen (in Dur) haben doch eine Ähnlichkeit, hier an dieser Stelle bei 12:19:

    und besonders die Oboen-Stelle bei 13:33 mit deutlicher Erinnerung an Schuberts Hauptthema - Sind das die Stellen, die du meinst, Ulli ? Echt krass! Danke für deinen Hinweis!

    In Sachen Requiems "ohne Brahms und Mozart " muss ich sofort an die beiden Cherubini Requiems in c- und d-moll und VOR ALLEM an das überwältigende Requiem von Osip Koslovsky denken - eines der herrlichsten Wunderwerke der klassischen Musik überhaupt denken!! Es stammt aus dem Jahr 1798, hat aber eine emotionale Tiefe wie kaum ein geistliches Werk in der Romantik!


    Wow, vielen Dank für den Hinweis auf diese frühe Ries Sinfonie! Ich liebe vor allem seine grandiosen Klavierkonzerte, seine späteren Sinfonien, verschiedene Kammermusik und ein herrliches Oratorium. Diese 1. Sinfonie kannte ich bislang nicht und finde zumindest ihre ersten 2 Sätze - das jubelhafte Allegro im ersten Satz und insbesondere das tiefgründigere "Marcia Funebre" des zweiten Satzes wirklich wunderschön!

    Lieber Gerd,


    ich finde es fast ironisch, dass Du einen von Haydns schönsten langsamen Sätzen seiner Quartette orchestriert hast und als Sinfonie propagierst, während Haydn zeitgleich zum Reiterquartett eine wunderschöne Sinfonie (Nr. 99 in Es-Dur) komponierte, dessen langsamer Satz einer der erhabensten der gesamten sinfonischen Literatur ist. Beide Sätze stoßen das Tor zum 19. Jahrhundert weit auf und hätten gute 50 Jahre später komponiert werden können. Der eine ist halt ein Quartett und der andere eine Sinfonie.

    Oh, ja, seit meiner frühesten Jugend ist der langsame Satz der 99. Sinfonie der mir liebste langsame Satz aller Haydn Sinfonien :-) (zusammen mit dem der 104. Sinf.) :-)

    Super Arbeit und es klingt auch überzeugend. :thumbup::) Da muss viel Arbeit dahinter stecken. Ich nehme mal an du hast das als Midi-File in einen Sequenzer bzw. in eine Notationssoftware importiert, hier nicht nur von den Notenwerten Anpassungen vorgenommen, sondern natürlich auch was die verschiedensten Anschlagsstärken, Artikulationen wie Tremoli, Cre- Decrescendi, Legati, Staccati,... betrifft (?) ...

    Es freut mich, dass es Dir gefällt. Nein, ich nutze hier nicht midi files, da hier die Nacharbeit wirklich sehr aufwendig ist, sondern MusicXML Dateien, die ich mir von http://www.musescore.com hole - hier: https://musescore.com/user/30956954/scores/5480526. Dann lade ich sie in meine Notatiossoftware, die das super pluggin NotePerformer.com nutzt, das dann die Klänge generiert