Beiträge von BigBerlinBear

    wenn es sich um DIESE DVD handelt, ja, ich habe sie in meinem Besitz:



    Warum ich diese Interpretation für nicht weiter bemerkenswert halte, habe ich deutlich an dem, was man darauf hören kann und gemessen an den heutigen musikwissenschaftlichen Kenntnissen formuliert.
    Unabhänge davon zitiere ich hier noch eine Kritik zu besagter Aufnahme
    aus "Klassik heute", die im Wesentlichen mit etwas ausführlicheren Formulierungen das zur Sprache bringt, was ich um der gebotenen Kürze willen, in wenige Sätze verpackt habe:


    Norbert Rüdell von "Klassik heute" schrieb am 01.07.2001:


    Zitat

    Biller besteigt den Olymp Bachscher Vokalmusik mit Wattestäbchen. Ob das die zaghafte Betätigung der Orchesterregister im Kyrie mit zerfasertem Baßfundament und müden Violinstimmen oder die wenig kernigen Chorstimmen betrifft - alles fließt vorbei, ohne ein konturenscharfes Bild zu hinterlassen. Der Kosmos, den Bach bereits beim signalhaften h-Moll-Akkord bis zum Fis-Dur-eleison spannt, wird buchstabiert, aber nicht zur metaphysischen Klammer gespannt. Die abgehackten Phrasierungen in den Violonen und später auch im Chor (Tr. 4, ab 0'25), die wohl den Eindruck eines informierten historistischen Standards machen sollen, sowie unprofilierte Holzbläser ergeben im Kyrie kein dramaturgisches Ganzes. Im flott musizierten Gloria vermißt man den geballten Glaubensjubel. Den Knabenstimmen fehlt jene Leucht- und Spannkraft, wie sie die Thomaner spätestens seit Straube und Ramin ausgezeichnet hat. Auch das Laudamus te schleicht mehr dahin als daß es bekennender Lobgesang wäre, kurzum, dieses Live-Dokument der Festaufführung zum 250. Todestag Bachs aus der Thomaskirche droht ständig der Belanglosigkeit anheimzufallen. Norbert Rüdell

    RealHendrik schrieb:


    Zitat

    War das die, die seinerzeit im Fernsehen gesendet wurde? Fand ich wenig aufregend, um nicht zu sagen: langweilig.


    Es WAR die besagte Aufzeichnung und ich muß bestätigen, daß die mich ebenfalls nicht von Hocker gerissen hatte. Es war der Versuch, an Ramin und Richter anzuknüpfen, allerdings ohne die Aura, die beide Dirigenten hatten, auch nur annähernd zu erreichen. In Anbetracht aller Erkenntnisse, die man über Bachs Werk in den letzten 50 Jahren neu gewonnen hat, ist so eine Aufführung nichts weiter, als eine retrospektive Nabelschau. Nicht einmal der Ort der Einspielung, die Leipziger Thomaskirche, ist "authentisch", denn Bach schnitt sein Werk explizit auf die komplizierten akustischen Verhältnisse der Dresdener Hofkirche zu, wo das Werk (wohl in Teilen zumindest) durch Bachs Freund und Kollegen Jan Dismas Zelenka aufgeführt wurde.

    Alfred schrieb:


    Zitat

    Der in meinen Augen bedeutendste Mozart-Dirigent ist Karl Böhm


    Hallo Alfred, möglich, daß du das so empfindest, allerdings liegen von den wirklich zentralen Werken Mozarts, die Musikgeschichte geschrieben haben, (Cmoll-Messe,Requiem,Jeunehomme-Klavierkonzert, aber auch "Cosi") KEINE überragenden Deutungen Böhms vor, was mich diese Einschätzung nicht teilen lässt.

    Das Dritte Ohr schrieb:


    Zitat

    Bei Boulez werden sämtliche Parameter wie Lautstärke und Rhythmus auch noch in der Reihe ausgerechnet, und da wird Emotion nicht geplant, sondern bleibt reiner Zufall.


    Das ist absolut korrekt beobachtet; nur sollte man in Betracht ziehen, daß Bach im "Wohltemperierten Clavier" oder in "Die Kunst der Fuge" genauso verfährt. Allerdings höre ich da ganz selten Kritik, wahrscheinlich, weil da eben vertraute Hörgewohnheiten angesprochen werden.
    Andererseits halte ich es generell für ein schwieriigies Unterfangen, Emotionen gezielt zu "planen", denn es wird wohl immer so sein, das genau das, was den einen bewegt, den anderen abstösst.

    Alfred schrieb:


    Zitat

    Immerhin sind dieser ersten Ausgabe noch einige wenige bei verschiedenen Labels gefolgt.


    Also die komplette Einspielung von Heinichens überlieferten Messen
    mit dem dem Dresdner Kammerchor unter H.-Chr. Rademann würde ich nicht eben als "wenig" bezeichnen. Um soviel zu erreichen, hat man im Falle von Heinichens damaligem Stellvertreter in Dresden, J.D. Zelenka, fast 30 Jahre gebraucht. Musika Antiqua Köln spielet auch sein schönes Passionsoratorium ein, eine Aufnahme, die leider ganz schnell wieder aus dem Katalog verschwand. Viel mehr wird sich allerdings da in nächster Zeit auch nicht tun, denn etliche der noch als Manuskripte überleiferten Werke sind leider unvollständig erhalten und anhand des vorliegenden Materials derzeit wohl auch kaum ergänzbar. Hier nur einige "Glanzlichter" der Heinichen-Diskografie:





    Reklov29 schrieb:


    Zitat

    So läßt es sich wohl am besten "Hineinhören," wie der Klang einer Silbermannorgel zu einer modernen neu erbauten "Bachorgel" zu betrachten ist.


    Die "Neue Bach-Orgel" in der Thomaskirche zu Leipzig, ein sowaohl klanglich wie auch gestalterisch sehr gelungenes Werk des Orgelbauers Gerald Woehl setzt eine Disposition von J.S. Bachs Onkel, Johann Christoph Bach, um. Vom Klangcharakter handelt es sich dabei ganz eindeutig um ein Instrument des 17. Jh., das auch wirklich in Eisenach für die dortige St.Georgen Kirche gebaut wurde, nur leider den Sturm der Jahrhunderte nicht überlebt hat. Mit dem Klangbild einer Silbermann-Orgel ist es überhaupt nicht vergleichbar und am ehesten hat es noch Ähnlichkeit mit den großen Instrumenten der norddeutschen Orgelbauer Arp Schnitger oder Friedrich Stellwagen (Marienkirche Stralsund). Silbermann, durch seine Ausbildung bei seinem Bruder Andreas in Straßburg mit französischer Orgelbaukunst in Berührung gekommen, verfolgte ganz andere Ziele: seine Revolution und Vereinfachung der Orgelmechanik wiesen dem Orgelbau im 18. Jahrhundert gänzlich neue Wege. Bach war, bei allem Respekt für das Können Silbermanns, kein Freund seiner Orgeln, weil Silbermann, die Intonation seiner Instrumente betreffend, einem Klangideal verhaftet blieb, welches das Spielen in allen 24 Tonarten unmöglich machte und geau dieses wiederum war Bachs ureigenstes Anliegen. Bachs persönliche Favoriten waren der Altenburger Orgelbauer Trost und vor allem Silbermanns Schüler Zacharias Hildebrandt, dem Bach während seiner Arbeit an der großen Orgel in der Naumburger Stadtkirche beratend zur Seite stand. Das Instrument ist frisch restauriert und erstrahlt seit kurzem wieder in "altem Glanz". Auf der Trost-Orgel in Altenburg wurde sicher auch Tokkata und Fuge in dmoll eingespielt...

    LOL: hier reagierte man einfach "prompt" :D


    Deshalb an dieser Stelle, wenn ich immer und immer wieder nach "mechanischen" Einzelheiten gegfragt werde, diese Auflistung, die es einfacher machen könnte, zu verblidlichen, worüber gesprochen wird:


    Balg
    Ein Balg ist ein Windbehälter aus Tierhaut. In einfachster Form findet er sich beim Dudelsack. Der älteste Balg der Orgel war als ein- oder mehrfaltiger Faltenbalg aus Leder gefertigt, der allerdings die Orgelpfeifen nur ungleichmäßig mit Wind versorgte, so daß die Orgel windstößig klang. Der Faltenbalg wurde Ende des 14. Jh. durch den Keilbalg abgelöst, dessen Wandungen aus scharnierartig mit Leder verbundenen Brettern besteht. Im 19. Jh. kamen der Schöpf- und der Magazinbalg auf. Bei elektrischer Erzeugung des Orgelwindes wird anstelle des Schöpfbalges ein Elektromotor mit Windschleudergebläse benutzt.



    Barkermaschine


    Diese "pneumatische Maschine" wurde 1832 von dem englischen Orgelbauer Barker erfunden. Sie besteht im wesentlichen darin, daß jede Taste einen kleinen Balg erhält, in den durch Tastendruck Wind einströmt. Der Balg öffnet sich, bewegt durch seine Hubkraft die ganze Mechanik und öffnet so das Tonventil. Die Barkermaschine dient dazu, daß die Tasten sich weniger schwergängig spielen lassen, es können dafür aber Verzögerungen in der Pfeifenansprache auftreten.


    Disposition


    Disposition nennt man die Zusammenstellung der Register einer Orgel, sowie deren Zuordnung zu den verschiedenen Klaviaturen und die zusätzlichen Spielhilfen.


    Flötenchor


    Zum Flötenchor gehören die weit mensurierten Register. Sie haben einen grundtönigen Klang mit schwach ausgebautem Obertonaufbau.


    Fußtonzahl


    Die Fußtonzahl gibt die Tonlage eines Registers an, z.B. Prinzipal 8´. Hier hat die tiefste Pfeife die Länge von 8 Fuß (1 Fuß = ca. 30 cm).


    Gehäuse
    Gehäuse nennt man den Holzkasten, in dem die Orgel steht.


    Hauptwerk
    Das Hauptwerk ist das Hauptmanual der Orgel, mit vollständigem Prinzipalchor, Mixturen und vollbechrigen Zungen (Trompeten), außerdem einigen Weitchorregistern (Flöten).


    Kanzellen
    Kanzellen sind die Abteilungen der Windlade, die den Wind zu den Pfeifen führen. Bei den Ton-Kanzellen stehen über einer Kanzelle alle zu einer Taste gehörenden Pfeifen, bei der Registerkanzelle alle zu einem Register gehörenden Pfeifen.


    Labialpfeifen
    Labialpfeifen werden auch Lippenpfeifen genannt. Ihr Kennzeichen ist das Labium mit den beiden Lippen, dem Ober- und dem Unterlabium am unteren Pfeifenende über dem Fuß. Der Orgelwind fließt durch den Kernspalt, bricht sich an der Kante des Oberlabiums und versetzt dadurch die Luftsäule im Pfeifenkörper in Schwingungen, die den Ton erzeugen.


    Lingualpfeifen
    Lingualpfeifen werden auch Zungenpfeifen genannt, weil sie den Ton durch eine in Schwingung versetzte Zunge erzeugen. Diese auf einer Kehle liegende Zunge kann in ihrem schwingenden Teil mittels der Stimmkrücke verkürzt oder verlängert werden, um die Tonhöhe zu regulieren. Ihre jeweils charakteristische Klangfarbe erhalten die Zungenpfeifen durch die Beschaffenheit des aufgesetzten Schallbechers.


    Magazinbalg
    Ein Magazinbalg ist ein Balg, der den Wind von den Schöpfbälgen oder dem elektrisch betriebenen Schleudergebläse her erhält, ihn speichert und in gleichmäßigem Druck abgibt.


    Manual
    Manuale sind die für die Hände bestimmten Klaviaturen.


    Mensur
    Mensuren sind Maßreihen. Es gibt bei der Orgel Längen-, Weiten-, Aufschnitts-, Labienmensuren usw.. Diese Maßreihen stehen nicht in einem direkten Abhängigkeitsverhältnis. Bei den Weitenmensuren einer Pfeife unterscheidet man in eng (Streicher), mittel (Prinzipale), weit (Flöten).


    Pedal
    Das Pedal ist die für die Füße bestimmte Klaviatur.


    Prinzipalchor
    Der Prinzipal ist die Hauptstimme der Orgel. Es ist eine offene Labialpfeife von mittelweiter Mensur, zylindrischer Form und kräftiger Intonation. Prinzipale kommen in allen Fußlagen vor und bilden so den Prinzipalchor.


    Prospekt
    Der Prospekt ist die Fassade der Orgel, die je nach Epoche sehr unterschiedlich gestaltet ist. Meist stehen im Prospekt Prinzipalpfeifen.


    Register
    Ein Register ist eine Reihe von klanglich gleichartigen Pfeifen verschiedener Tonhöhe. Die Register werden durch Registerzüge ein- oder ausgeschaltet.


    Schleiflade s. Windlade


    Schwellwerk
    Das Schwellwerk ist dasjenige Werk einer Orgel, dessen Register in einem mit Klappen versehenen Schrank, dem Schwellkasten, stehen. Durch Öffnen und Schließen dieser Klappen (Jalousien) mittels eines Fußhebels lassen sich Lautstärke und Klang des Orgeltones variieren.


    Streicherchor
    Zum Streicherchor gehören die eng mensurierten Register. Sie haben einen streichenden, obertonreichen Klang.


    Traktur
    Traktur nennt man die Verbindung zwischen Taste und Tonventil.Es gibt mechanische, pneumatische oder elektropenumatische Trakturen


    Windlade
    Die Windlade ist ein großer luftdichter Kasten, auf dem die Pfeifen stehen und in dem die Druckluft über Ventile zu den Pfeifen geleitet wird. Eine Orgel besitzt meist mehrere Laden. Bei der Schleiflade stehen alle Pfeifen, die zu einer Taste gehören auf einer gemeinsamen Kanzelle, der Tonkanzelle. Beim Aufzug des Tonventils strömt die Luft in die Tonkanzelle. Die auf ihr befindlichen Pfeifen erklingen, wenn die Bohrungen der Schleifen, die von den Registerzügen gesteuert werden, die Windführungskanäle freigeben.


    Windkanal
    Der Windkanal ist die Verbindung zwischen Magazinbalg und Windlade.


    Sorry, leute, aber das musste (als Minimum) sein und ohne diese Kenntnisse macht es keinen Sinn, zu erklären, was z. B. eine Silbermann-Orgel von Instrumenten Arp Schnitkers oder Aristide Cavaille-Colls unterscheidet.

    Hallo Reklov, interessant zu diesem Thema dürfte für dich mein Betrrag in diesem Forum, "Geprießner" Silbermann sein, der, so denke ich, die wichtigsten Fragen, die du hier stellst, beantworten dürfte.
    Interessant ist dann für dich sicher auch die klingende Dokumentation
    des Verlages "Querstand", auf der sämtliche erhaltenen Orgeln des Meisters in Bild und Klang vorgestellt werden.
    Solltest du zu der einen oder anderen Sillbermann-Orgel Fragen haben, beantworte ich diese gerne per mail, denn hier im Forum ist mein Beitrag auf kein sonderlich großes Interesse gestoßen.
    Das Bild Bach-Silbermann kann so nicht stehenbleiben und bedarf einer Korrektur.

    Alfred schrieb:


    Zitat

    Ging das noch? die Aufnahme ist meines Wissens von 1983 und Orff ist 1982 gestorben, oder wurde die Aufnahme schon vorher gemacht?


    So war es wohl: der Festschreibung auf CD gingen einige Livekonzerte unter Chailly mit dem anwesenden Orff vorraus: die Aufzeichnung entstand tatsächlich im Jahr 1983 und das Lob Orffs galt dann wohl Chaillys Interpretation und und nicht explizit dieser Einspielung auf CD, obwohl ich denke, daß er in dem Falle auch guten Gewissens aus dem Jenseits sein "ok" gegeben hätte
    :D

    Alfred schrieb:


    Zitat

    Alles in allem aber, ein Werk, bei dem man offensichtlich nicht viel falsch machen kann, und das nie seine Wirkung verfehlt.


    Also das kann ich von mir SO nicht sagen, ich halte die "Carmina Burana" für ein Werk, das sich, nach anfänglicher Begeisterung, sehr schnell abgenutzt hat. "Schuld" daran sind zum einen die vielen minderwertigen Aufführungen des Stückes einerseits und eine gnadenlose Verwurschtung durch die Werbung und unsinspirierte Filmmusik zum anderen, die mich, sobald ich nur das Orffsche "O Fortuna" höre, mein Heil in dre Flucht ergreifen lassen. Interessanter wäre sicher ein Thread über den Komponisten Orff JENSEITS von Carmina Burana, denn da gäbe es wirklich noch einiges zu entdecken !

    Das Dritte Ohr schrieb:


    Zitat

    Zu den großen Mozart-Dirigenten gehört Harnoncourt auf jeden Fall. Der ist bei ihm der Komponist Nr. 1. Hat sonst noch ein prominenter Dirigent der Kategorie das komplette geistliche Werk und fast alle Werke sonst aufgeführt und eingespielt?


    Harnoncourts Mozart-Dirigat entbehrt nicht einer gewissen "aufgeregten Verdiesslichkeit"; ich habe bei ihm nur ganz selten den Eindruck, daß er Mozarts Musik wirklich liebt (erfreuliches Ausnahme, der "Idomeneo" von 1981). Seine letzte Einspielung des "Requiem" jedoch ist unsinpiriert und belanglos.Natürlcih gibt es verschiedene Wege , sich seinem "Gegenstand" angemessen zu nähern, was ja auch legitim ist, wenn es überzeugen kann ! Von einem Dirigenten mit dem Etikett "bedeutender Mozart-Interpret" erwarte ich jedoch anderes, wobei seine Verdienste um um die philologische Seite der Werke nicht gering zu schätzen sind.
    Von Abbado über Hogwood bis zu Pinnock und Hengelbrock wurden seine Anregungen inspiriert und fruchtbringend aufgegriffen und dafür gebührt ihm Dank und Anerkennung.

    Hallo Uwe,


    bessere Aufnahmen als die Haskils und Lipattis sind nicht denkbar, aber interesssante gibt es durchaus noch:
    hier eine kleine Auswahl:


    die mit dem hierzulande immer noch sträflich unterschätzten Ivan Moravec halte ich schon für bemerkenswert:




    Walter Gieseking war in Hochform im Jahr 1942 unter Furtwängler:




    Sicher gibt es auch "neuere" Einspielungen, in die hineinzuhören es sich lohnt, denn das Werk ist in den Katalogen reichlich vertreten

    Uwe schrieb:


    Zitat

    ...wobei ich zugeben muß, dass ich mit dieser Einspielung (noch) nicht so richtig warm werde. Sein Beethoven-Zyklus hat mir sehr gut gefallen, aber der Schumann? Na, vielleicht kommt's ja noch. Kann jemand was über die Schumann-Sinfonien mit Barenboim sagen?


    Hallo Uwe: icu versteh sehr gut, daß du mit Zinmans Schumann-Einspielung nict warm wirst. Nachdem er wirklich einen bemerkenswerten Beethoven- und (in Teilen) einen beachtlichen Strauss-Zyklus "hingelegt" hatte, speist einen sein Schumann mit schnell gespielten Oberflächlichkeiten ab. Trotz des niedrigen Preises: für 10 € bekommt mn auch schonne gute Flasche Wein, bei der das Geld entschieden besser angelegt wär :D Barenboims Zyklus besticht vor allem durch eine stupende Aufnahmetechnik, aber das wars dann auch schon. In Sachen Schumann-Sinfonik ist man nach wie vor, bestens bedient mit.
    1. Gardiner
    2. Sawallisch
    3. Szell (endlich wieder lieferbar) !

    Reklov schrieb:


    Zitat

    Eine sehr beeindruckende und Gänsehaut erzeugende Vorstellung durch J.E.Gardiner. Zu erwähnen ist die Schlichtheit und barocke Eleganz dieser Aufführungspraxis, im Gegensatz zu einem Karl Richter.


    Ich denke, es ist wenig ergiebig, die Aufführungspraxis Gardiners mit der Karl Richters zu vergleichen. Gardiners "schlanker" Ansatz folgt den musikwissenschaftlichen Erkenntnissen der vergangen 40 Jahre; der Ansatz Richters ist aus einer Musiktradition entstanden, die mit Mendelssohns Wiederentdeckung (und Aufführung!) der großen Bach-Werke 1829 begann und im ganzen weiteren 19.Jahrhundert
    stilprägend wurde. Wirklich bedeutende Kustwerke haben immer mehr als nur EINEN Aspekt der Rezeption. Die Arien, die z.b. Kathleen Ferrier
    um 1950 aus Händel-Oratorien und der Bachschen "Matthäus-Passion" aufgenommen hat, sprechen allen ästhetischen Erkenntnissen vom Wesen der barocken Musik Hohn und sind TROTZDEM Meilensteine
    der Aufführungsgeschichte dieser Werke und werden auch in Zukunft nichts von ihrer Gültigkeit einbüssen. Und "elegant" im Sinne von rokokohaft-oberflöchlich wollte Bach gewiss nicht sein...

    RealHendrik schrieb:


    Zitat

    Maximilian Stadler: Requiem in c-moll


    Hallo Hendrik, ich hoffe sehr, Du hast es nicht beim "Kaufenwollen" belassen sondern du hast die CD wirklich erworben. gratuliere, ich wusste nicht, daß es das Werk auf CD gibt und ich wiederum kenne davon lediglich die Noten. Also an Mozart erinnert mich das Ganze weniger; eher an Michael Haydn und sein "Schrattenbach-Requiem" aus dem Jahr 1771, ganz gewiss eine der bedeutendsten geistlichen Kompositionen seiner Zeit und immer noch sträflich unterschätzt.
    Involviert war Stadtler in die Komplettierung von von KV 626 ganz offensichtlich nicht, möglicherweise hatte er Konstanze Mozart sogar abgeraten, diese "Spur" weiter zu verfolgen. Diejenigen, die an dieser Arbeit beteiligt waren, waren die Herren Freystädtler (Teile der Trompeten und Pauken-Stimmen), Eybler, der für die Komplettierung
    der Stimmen ab dem "Lacrymosa" verantwirtlich zeichet und Süssmayr, der offensichtlich Anweisungen oder sogar Material von Mozart hatte,
    wie das Werk fertig zu stellen sei. Er selber wäre dazu mit Sicherheit aus eigenem Vermögen nicht in der Lage gewesen. Das ist jedem klar, dem einmal eine Originalkomposition Süssmayrs in die Hände geriet.
    Joseph Eybler dagegen war ein anerakannter und begabter Komponist und sein schönes Reqiem und ein Weihnachstoratorium sind bei jpc erschienen.










    Das Haydn-requiem ist jetzt ebenfalls (endlich) muss man sagen, in einer mustergültigen Einspielung erschiene. Dirigent ist der Pianist Christian Zacharias


    Alfred schrieb:


    Zitat

    Was wohl auch die Wenigsten wissen, daß Suppé neben einer Sinfonie und 3 Messen, auch 3 Opern schrieb, die aber nie Erfolg hatten.


    dankenswerterweise schrieb Suppé auch ein ganz ausgezeichnetes
    "Requiem", das ganz gewiss zu seinen bedeutendsten Werken gezählt werden muss. Mittlerweile liegen wieder einige Einspielungen der Komposition vor, doch leider noch keine, die wirklich begfriedigiend ist.
    Vielleicht nehmen sich ja Herreweghe oder Gardiner des schönen Werkes einmal an. Ich habe diese Aufnahme, zum Kennenlernen reicht sie allemal, zum Vertiefen jedoch nicht.


    Hyperion kümmert sich auch verstärkt um sogenanntes "Randrepertoire" und eine Serie, die mir persönlich besonders am Herzen liegt, ist
    Bachs Contemporaries, wo u.a. auch Bachs bedeutende Vorgänger als Kantoren zu St.Thomas in Leipzig z.Teil. erstmals ausführlich gewürdigt werden. Die Aufnahmen mit The Kings Consort unter Robert King sind auf höchstem interpretatorischem wie auch klanglichem Niveau, eine wahre Fundgrube für jene, die meinen, im Bereich der barocken Vokalmusik schon "alles" zu kennen !


    [jpx=2354774]220[/jpx].[jpx=3747397]220[/jpx].[jpx=8647047]220[/jpx]


    .

    Alfred schrieb:


    Zitat

    Sie ist in jedem Fall die verbindlichere, moderatere, ja stellenweise klangschönere, wärmere Aufnahme,



    Bei einer Komposition der krassen Kontaste, und das ist das Quintett unbestritten, bieten sich Verbindliches und Moderates kaum an, denn genau aus den besagten schroffen Gegensätzen LEBT dieses Werk. Alles andere, unabhängig vom Interpretationsansatz, wäre eine Verzerrung
    und Verflachung, eine Einebnung eines "Gipfels" in der Musik zu einem netten Hügelbeet mit Biedermeier-Bepflanzung...
    Zu meinen "diskografischen Schätzen" zählt noch eine (leider schon sehr lange nicht mehr lieferbare) Einspielung des "alten" Julliard-Quartetts,durch S. Greenhouse verstärkt, mit besonderer Betonung der elegischen Seite des Werkes, aber die aneren Komoponenten kommen dadurch nicht zu kurz und genau darauf kommt es an.

    die Frage nach meinen "liebsten" Bach-Kantaten beantworte ich lieber gesondert. Die unangefochtene "Nr.1" ist bei mir die Kantate BWV 106,
    der so genannte "Actus Tragicus", ein Werk des noch sehr jungen Komponisten, ca. 1707 entstanden und von geradezu bestürzender Eindringlichkeit und großartigem Farben-und Formeinreichtum.
    Hier setzt Bach genial und natürlich modifiziert um, was er bei Buxtehude in Lübeck gelernt hatte:





    auf der Gardiner-CD befindet sich auch die "Trauerode", ein Auftragswerk Bachs aus dem Jahr 1727 auf den Tod der sächischen Kurfürstin Christine Eberhardine, welches ebenfalls zu meinen Bachschen
    Lieblingwerken zählt und das lange Zeit sträflich unterschätzt wurde.


    Die Kantate BWV 21 "Ich hatte viel Bekümmernis" führte Bach anlässlich
    seiner Bewerbung um das Amt des Organisten an St. Jacobi zu Hamburg
    1721 auf, ein Werk in großer Besetzung und frei von den Stereotypen,
    deren Bach sich später, aus Anpassung an den Zeitgeist, manchmal bediente.


    Nach wie vor glaube ich, daß eine "Gesamteinspielung" der Bach-Kantaten durch ein und denselben Dirigenten und ein weitgehend
    gleichbleibendes Ensemble weder den Kompositionen noch den Fähigkeiten der Interpreten gerecht werden kann. Dafür sind Bachs Werke zu komplex und in sich zu gegensätzlich und kein Dirigent vereinigt in sich alle die Fähigkeiten und Möglichkeiten, die dafür nötig wären. Ich besitze demnach auch keine dieser Einspielungen, sondern beschränke mich auf Aufnahmen, die m.e. nach den jeweiligen Werkcharakter am deutlichsten widerspiegeln. Im Gegensatz zu mehr oder weniger berühmten Beethoven, Mozart, Bruckner oder Mahler-Interpreten gibt es dergleichen bei Bach nicht.
    Die Dirigenten meiner Bach-Kantaten sind:
    Philippe Herreweghe (vielleicht hätte der das "Kunststück" einer "gelungenen" Gesamtaufnahme fertiggebracht-
    Ton Koopman, J.E. Gardiner, Joshua Rifkin. Sicher, für Vollständigkeitsfanatiker ist das wohl alles nichts, aber ich gebe zu bedenken, das keinesfalls alle der ca. 250 überlieferten geistlichen Kanataten Bachs den wirklichen Höhepunkten seines Schaffens zuzurechnen sind, von den zum Glück wenigen weltlichen Werken dieser Art ganz zu schweigen.

    Alfred schrieb:


    Zitat

    Aber ich hab mich gefragt, wo denn der grundlegende Unterschied sein soll, wenn jemand Tschaikowsys 6. Sinfonie als "ungenießbar" bezeichnet, oder ein anderer Teilnehmer bei Schönbergs Musik "Agressionen" bekommt? (abgesehen von der Formulierung natürlich, die war im Falle Tschaikowsky sicher eleganter und verbindlicher



    also ob ich das wirklich um so vieles eleganter und verbindlicher formuliert hatte, weiss ich nicht: meine Bemühungen gehen allerdings dahin, auch für andere nachvollziehbar zu erklären, WARUM das so ist wenn ich was nicht"mag" und eben genau dieses vermisste ich bei Klassikliebhabers Aussage. Dvorak, dem wir sicher eines der schönsten Cellokonzerte der Musikliteratur verdanken, wehrte sich anfangs, dieses Werk zu schreiben: denn, sagte er: "Was soll ich mit einem Instrument anfangen, das oben kreischt und unten brummt"! daß er es dennoch schrieb, spricht für ihn ! Wenn ich für manche Musik überaupt kein Verständnis aufbringen kann, (80 Prozent des herkömmlichen Opern-Repertoires gehören dazu), enthalte ich mich der beurteilenden Stimme, denn es kann natürlich weder angehen, daß ich anderen vorschreibe, was sie hören sollen noch kann ich meine persönliche Befindlichkeit zum Gradmesser der Qualität oder Nichtqualität eines Werkes machen. Wenn ich allerding über genügend fundierte und auch duch andere überprüfbare Kenntisse verfüge, egbe ich die auch weiter... Die Idee mit dem Verscheken der Schönberg-CDs kam mir in dem Zusammenhang, als ich jüngst meine Sammlung sichtete und nach dem Gesichtspunkt, "was hörst du eigentlich selten oder nie" betrachtete. Also da liesse sich schon etliches ausrangieren, denn in so 25 jahren hat sich allerhand angesammelt und der Platz bei mir zuhause wird allmälich knapp... Ein schönes Restwochenende aus dem verregneten Berlin

    Klassikliebhaber schrieb:


    Zitat

    Musik allgemein darf für mich nicht grässlich sein.


    weiterhin:


    Zitat

    Zeitgenössische Musik...welche Reize? wenn ich solche Musik höre,erwacht das Tier in mir.


    und last not least:




    Zitat

    Also wenn ich wütend werden möchte,schieb ich einfach ne Schönberg CD in den CD player rein


    Also gleichmal vorweg: pauschale Aussagen dieser Art haben nicht die geringste Überzeugungskraft. Ein Minimum an fundierten Aussagen erwarte ich selbst von dem, der sich mit Musik nicht berufssmäßig beschäftigt, sonst landen wir ganz schnell weider bei dem ominösen Picasso-Bild, das einerseits verkehret herum hängt und das zum anderen meine 5 jährige Tochter viel besser malen würde . Wenn ein Herr Rieu die "Meditation" aus "Thais" mit zugegeben geübtem Bogenstrich herunterfiedelt, dann erwacht in mir das "Tier" und ich trachte besagtem Herrn in dem Moment nach dem Leben ! :evil:


    Die "zeitgenössische" Musik eines Adams und Glass mit ihren unterträglichen Plattitüden aufgrund der unreflektierten Zugriffe auf Harmonik des 19. Jahrhunderts erzeugt bei mir im besten Falle Langeweile oder ein müdes Lächeln. Es gibt uralte Musik, die viel moderner ist, als dieses einfallslose Gedümpel.


    Es ehrt dich, daß du offenbar Schönberg-CDs besitzt, aber wenn ich dich richtg verstehe, kommt dir bei der "Verklärten Nacht" oder bei "Pelleas und Melisande" die Galle hoch und auch der Blutdruck steigt. Dann solltest du diese Scheiben einfach jemanden schenken, der sie mögen könnte: ich weiss aus Erfahrung, daß es solche Leute gibt.
    Aqualifizierende Urteile, die nicht den geringsten Sachverstand erkennen lassen, rücken dich, ob dir das gefällt oder nicht, in eine Reihe mit Leuten, die bei sogenannten "Hitparaden der volkstümlichen Musik" unbeschwert vor sich hinschunkeln. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, daß du dich gerne in dieser Ecke sehen würdest...

    Meine liebste Oper dauert gerade mal eine Stunde, aber sie hat alles das, was wirklich "große" Musik auszeichet, nämlich daß sich der Reichtum an Gefühl und Form nicht gegenseitig ausschließen:


    Aus der Fülle von Aufnahmen empfehle ich diese:


    Im Gegensatz zu vielen anderen Einspielungen des klassischen "Standardrepertoires" hat im Falle der beethovenschen Klavierkonzerte
    die Vergangenheit deutlich mehr zu bieten als die Gegenwart, und das trotz Brendel oder Grrimaud...


    Einer der ganz großen Beethoven-Interpreten soll hier zuerst genannt werden, Wilhelm Backhaus, dessen Spiel mich auch bei Beethovens Sonaten immer aufs neue begeistert:



    hier ist mein Lieblingskonzert, Nr. 4, in gutem Mono unter Schuricht zu hören.


    Sozusagen der "letze Enkel-Schlüler" Franz Liszsts (über seinen Lehrer
    Martin Krause) war der große Claudio Arrau, den im Konzert zu erleben ich einigemale die große Freude hatte. Arrau, dessen Spiel am besten mit einer von Elgar gerne benutzten Satzbezeichnung "Nobilemente" zu beschreiben ist, hatte einerseits die analytische Einfühlungsgabe in die Werke und zum anderen hinreichend "Romantik" und Weltbürgertum und beides machte ihn für die Interpretation der Beethovenschen Konzerte geradezu prädestiniert. Natürlich war er mit über 80 nicht mehr im Vollbesitz seiner manuellen Fertigkeiten, aber sein ganz persönlicher Charme und die immer noch beenidruckende Kultur des Anschlags von der heutige Interpreten nur träumen können:


    Spatz schrieb:


    Zitat

    die von Dir genannte Aufnahme ist derzeit auch meine Referenz des Werks. Zuvor allerdings mochte ich auch sehr gerne Karajans Digital-Version der Planeten hören (trotz oder gerade wegen der miesen Intonation zu Begin, die vermutlich den dafür verantwortlichen Posaunisten noch heute vor Scham in den Boden versinken lässt ).


    Karajan hat das Werk zweimal eingespielt: einmal 1963 und die andere Aufnahme, die du offenbar meinst, stammt von 1982! Die erste Aufnahme kann sich durchaus hören lassen, die 2. ist klanglich insgesamt nicht übe,l aber bei der Fülle an wirklich guten Einspielungen des Werks wäre in dem Falle Karajan so oder so nur 2. Wahl !

    Gardiner ist schon, sowohl was den instrumentalen und noch mehr den vokalen Mozart angeht, ein Dirigent, der die "Höheren Weihen" wohl zu recht empfangen hat. Gradmesser meiner Beurteilung bei Mozart sind für mich immer exemplarische Einspielungen des "Requiem" und der "Cosi", beide hat er in großartigen Einspielungen vorgelegt:



    Erwähnenswert finde ich in dem Zusmamenhang auch noch Hogwood,
    Norrington dagegen fand ich weniger überzeugend.

    Das ist meine Referenz-Einspielung eines Werkes, das viel zu häufig zu hören ist.Hoslt hat übrigens auch noch noch andere Instrumentalmusik geschrieben; jedoch viel faszinierender finde ich sein Vokal-Schaffen.



    Reinhard schrieb:





    Zitat

    Das ist ein Werk, zudem ich bisher keinen rechten Zugang gefunden habe


    Also das ist nicht weiter schlimm ! Ich sage immer, man kann und muss nicht alles mögen und es wird immer so sein, daß das, was den einen selber zutiefst bewegt, andere völlig kalt lässt. Der Zugang zu einem Werk lässt sich nicht erzwingen.