Beiträge von BigBerlinBear

    Wenn irgendein bestimmtes musikalisches Werk das Klischee vom "fröhlichen Sängerknaben" Franz Schubert widerlegen kann, so ist es sein spätes, tiefsinniges, ausdrucksvolles Streichquintett in C-Dur D.956.
    Dessen aufwogende Schübe aus Harmonik und Meldodik,abwechselnd
    überschwänglich,bittersüß, sehnsuchstvoll oder melancholisch, bekunden einen geradezu kosmischen Höchststand der der musikalischen Romantik. Diese Komposition, gehört ebenso wie der Liedzyklus "Die Winterreise", in die Sphäre der epischen, traum und alptraumartigen Landschaften des Malers Caspar David Friedrich (1774-1840) in welchen
    Schönheit und Verzweiflung nebeneinander existieren und miteinander
    zu einer Synthese verschmelzen. Aufnahmen des Werkes gibt es viele:
    Eine meiner favorisierten neueren Einspielungen (nicht zuletzt aufgrund des superben Klangbildes) ist jene des Labels Tacet mit dem Auryn-Quartett:




    eine wundervolle Klangreise ist auch jene des durch Heinrich Schiff verstärkten Hagen-Quartetts aus dem Jahr 1993.




    Natürlich bin ich darauf gespannt, welche Erfahrungen oder Auseinandersetzungen ihr mit diesem Werk hattet und was eure Referenzaufnahmen sind.

    Alfred schrieb:


    Zitat

    Es wurde darin beanstandet, daß einige dramatische Stellen dem puren Schöngesang geopfert wurden, ein Verdikt, wahr oder unwahr, das mich nicht kratzt.


    Also was immer der Kritiker da gehört haben will: diese ganze Eispielung ist NICHT auf Schöngesang ausgerichtet und trotzdem weder hart noch rauh, und genau das macht ja wohl ihren Reiz aus. Möglicherweise vermisste der Kritiker, sprechgesangsgartige "Ausbrüche" ala Fischer-Dieskau, der ja die Rezeptionsgeschichte dieses Werkes wesentlich mitgeprägt hat, aber genau dieses wollte Quasthoff nicht liefern. Aber wie bei allen großen Kunstwerken ist auch bei der "Winterrreise" noch lange nicht das "letzte Wort" gesprochen.

    Referenzaufnahme von Messiaens letztem, vollendeten Werk, einem Glanzpunkt der Klassischen Moderne:



    Arnold Schoenbergs noh immer weitgegend unbekanntes Oratorienfragment "Die Jakobsleiter" unter der Leitung von Berlins
    charismatischstem Dirigenten :D



    Abbados Abschiedsgeschenk an die Berliner, unglaublich selbstverwirklichend und bei Mahler und Wagner voller Wärme, Liebe und gekennzeichet von großem gestalterischem Vermögen:



    Also wenn man als Gradmesser für "Wichtigkeit" (welch ein Wort!) den Medienrummel nimmt, dann gebührt ihm ohne Zweifel der erste Platz.
    Ich erwarte jedoch vom Chefdirigenten eines Orchesters mit einigem Renomee etwas mehr, als hin und wieder einen beachtenswerten
    Szymanowski, einen kaum gekannten Janacek gekonnt und mit Verve
    hinzulegen. In Sachen STANDARDREPEROIRE jedoch, das seine eigentliche Domäne sein sollte, ist er seinen Vorgängern Karajan und Abbado um Welten unterlegen.
    Die Auszeichnung seiner belanglosen Einspielung der Beethoven-Sinfonien mit einem "Klassik-Award" spricht dafür Bände, daß diejenigen, die das beurteilten , Tomaten auf den Ohren hatten.
    Ich halte ihn für ein durchaus sympathisches "Kind des Zeitgeistes" und in den Bereichen speziell des Randrepetrtoires hat er wirklich Beachtliches geleistet. Das alles hinderte mich nicht daran, mein Abo bei den Berliner
    Philharmonikern nach über 25 Jahren zu kündigen.
    Mit Kent Nagano hat Berlin (noch) einen Dirigenten, der zumindest für mich alles das hat, was Rattle abgeht: ene glückliche Hand für Mahler und Bruckner und wirkliches Charisma, das keiner groß angelegten medialen Unterstützung bedarf, um sich dem Hörer glaubhaft zu vermitteln.

    über die "alten" bzw. "klassischen" Aufnahmem der "Winterreise" wurde hier an anderer Stelle schon genug gesagt.
    Meine persönliche Referenz-Empfehlung ist diese:



    Im Gegensatz zu etlichen Aufzeichnungen, die durch puren Schöngesang bestechen, kommen hier die Parameter der Glaubwürdigkeit hinzu. Die Interpretation ist ein Hangeln über Abrgründen der Herzens und der Seele; ich denke SO meinte es Schubert.

    Alfred schrieb:


    Zitat

    Interessant ist der Passus mit der internationalen Konzerttätigkeit, denn in der Tat war die Konkurrenz nicht gerade klein.


    Man darf in diesem Zusammenhang nicht vergessen, daß die Künstler aus der DDR damals durch die staatliche Konzertagentur, die gleichfalls die "Preise" festsetzte, ins sogenannte "kapitalistische" Ausland vermittelt
    wurden, und zwar zu Konditionen, die auf einem freiem Markt unerfüllbar gewesen wären. So erklärt sich, daß Herr Zechlin, frohen Mutes und mäßigen Pianospieles 4 Woche lang durch japanische Lande zeihen konnte und das für eine Summe, für die ein Benedetti Michelangeli sich geweigert hätte, nur einen Blick auf das Piano zu werfen :D
    Aber dieses Verfahren rächte sich anderen Ortes, denn als obgenannter Zechlin einesTages in der nordkoreanischen Botschaft in Ostberlin auftrat, sah der Botschafter saich außerstande, die Dienste des Künstlers materiell zu entlohnen. Dieter Zechlin bekam als Anerkennung seines Beethoven-Spieles eine in Leder gebundene Gesamtausgabe der Werke des Großen Führes und Geliebten Anführes der Weltrevolution, Kim Il Sung, geschenkt. Kann man im Leben mehr erreichen :rolleyes:

    Parsif schrieb:


    Zitat

    Alfred Brendel gehört für mich zweifellos mit zu den ganz großen Pianisten. Meine erster Zugang waren seine Schubertaufnahmen.


    Daran kann kein Zweifel bestehen, seine Schubert-Aufnahmen waren auch für mich der "Einstieg" in Sachen Brendel.
    Das war auch ungebrochen so, bis ich ihn zum ersten Mal live im Konzert hörte. Strafende Blicke ins Publikum, das geringfügig raschelte, eine "Parsifal"-Leidensmine bei mit Pfastern verklebten Fingerkuppen und einem Gesichstausdruck voller Leiden, Resigation und Entsagung...
    Horowitz, sagte, auf Brendels Schubert angesprochen: ich empfinde Schubert nicht als tragisch sondern als melancholisch...
    Ich wiederum halte es für wichtig, wenn die Freude an der Musik, am Musik-Machen im Mittelpunkt des Spieles steht. Brendels schmerzverzerrte Miene lässt einen da eher auf dumme Gedanken kommen :D

    Parsif schrieb:


    Zitat

    In der DDR war auch der Interpretationsansatz von Musik anders als heute. Es galt mehr eine allgemeingültige Interpretation zu finden als eine individuelle Ausdrucksnote. Das Individuelle wurde eher zurückgenommen.


    Der Leipziger Dirigent Herbert Kegel war für mich (und sicher nicht nur für mich alleine) ein Musterbeispiel eines Interpreten mit unverkennbarer
    individueller Ausdrucksnote. Der "Klemperer" der DDR, in dem Fall darf man das ruhig als Ehrentitel ansehen, hatte einen unverwechselbaren Stil: ich erkenne etwas von ihm dirigiertes nach wenigen Takten.
    Dasselbe trifft auf den großartigen Rudolf Mauersberger(1889-1971) und seinen Dresdner Kreuzchor
    zu, zwei Akkorde und sofort ist klar; WER da am Werke ist.
    Allgemeingültige Interpretationen gibt es nicht und wird es nie geben können. Das ist völlig unabhängig vom Gesellschaftssystem. Jede Epoche "erfindet" sich ihre wahrhaft große Musik neu und gerade bei Kunstwerken wird es immer "zwei" Seiten einer Medaille geben. Wichtig
    ist lediglich, daß "alles im Fluß" bleibt. Aus dem Grudn wäre es unsinnig, die Bach-Interpretationen eines Pablo Casals mit denen eines Yo Yo Ma zu vergleichen oder das Klavierspiel eines Horowitz mit dem Jewgeni Kissins.

    Alfred schrieb:




    Zitat

    BTWW BBB Du hast Backhaus vergessen !!)


    Ja hab ich Alfred, und Serkin hab ich auch vergessen und Benedetti Michelangeli. Diese waren Götter gemessen an einem Dieter Zechlin !
    Es gab da auch noch einen anderen Tasten-Verbrecher, Namens Amadeus (sic!) Webersinke, bei dessen Spiel sowaol Mozart wie auch Weber entseelt zu Boden gesunken wären :D
    Auch das Faible der Japaner für die Klavierdarbietungen einer Annerose Schmidt werden mir niemals nachvollziehbar werden...

    Parsif schrieb:


    Zitat

    bei den Aufnahmen aus der DDR möchte ich den Pianisten Dieter Zechlin erwähnen. Er hatte in der DDR die Klaviersonaten von Beethoven in der Gesamtwerkausgabe eingespielt. Diese Aufnahme galten damals als Referenzaufnahmen. Sie gibt es jetzt preiswert bei EDEL Classics.


    Diese Aufnahmen wären besser in der Mottenkiste geblieben, denn sie können (und konnten) niemals an europäischem, geschweige internationalem Standard gemessen werden. Zur gleichen Zeit, als Zechlin seine Aufnahmen machte, waren in demselben Metier Richter, Kempf, Arrau, Gilels (um nur die allerwichtigsten zu nennen, aktiv!)
    Die Aufnahmen Zechlins haben weder interpretatorischen noch werkspezifischen Rang und sie waren damals in der DDR "weltberühmt", einfach weil man sich aus Lizensgründen die wirklich "Großen" der Branche nicht leisten konnte.

    TobeyWilson schrieb:

    Zitat

    Also der Ausdruck der Seichtigkeit in der Form war mir bisher unbekannt.


    Na dann wird es allerhöchste Zeit, Dich mit mit diesem garnicht so seltenen Phänomen auseinanderzusetzen :D Sowohl die ältere wie auch die neuere Musikgeschichte sind voll mit Beispielen, denn es gab sie auch schon in alter Zeit, die Komponsiten, die ihr Handwerk nicht oder nur mangelhaft beherrschten und genau das kennzeichnet dann auch den Schnitt: Es gibt im Barock Fugen, die megagrottig ausgearbeitet sind: sowas bezeichnete Bach als "Sudelei" und andere verwässern durch
    sogenannte "Vereinfachungen" eine als verbindlich angenomme Form.
    Beethoven z.b. wurde von seinen Gegnern häufig vorgeworfen, er beherrsche die Kunst, eine gute Fuge zu schreiben, überhaupt nicht, was in dem Falle natürlich nicht stimmt: er definierte diese Kunstform nur neu und erweiterte sie damit, was die Kritiker nicht sehen konnten oder wollen. Mahler andererseits wird bis auf den heutigen Tag unterstellt,
    sein gestalterischer Wille sei größer gewesen als die Kraft, denselben zu formen. Hier jedoch kommen wir an einen Punkt, wo das Ganze zum "Religionskrieg" ausarten könnte... Ohne eine vollkommene Form kann ein wirkliches Kunstwerk nicht existieren, aber die Form als Selbstzweck allein reicht ebenfalls nicht aus, wenn sie eben nur "beherrscht" aber nicht mit Leben erfüllt wird.

    TobeyWilson schrieb:


    Zitat

    Nicht ganz verständlich ist mir allerdings die Bevorzugung der Sym 5, denn die ist um einiges seichter als die 6 Sym..


    Dann musst du aber auch erklären können, welchen Maßstab respektive welche "Elle" du ansetzt, um die Tiefe oder meinetwegen auch Flachheit
    eines sinfonischen Gewässers zu begründen. Bezieht sich dein leiser Vorwurf der Seichtigkeit mehr auf den Inhalt oder mehr auf die Form der Komposition ? Ist die 5. "schwächer" instrumentiert als die 6. ? Sind in der Durchführung eklatante Mängel zu erkennen ?
    Eine Kritik diese rpauschalierenden Art gleicht dann wohl jener, die ich anderen Orts über
    Schönberg lesen konnte: "Die Musik Schönbergs gefällt mir nicht, weil sie nicht schön Klingen tut"

    Hallo Uwe, mit solchen Euphemismen wie "größtes Kunstwerk aller Zeiten" bin ich sehr vorsichtig, denn wer bitte verfertigt die "Elle", um den Maßstab dafür zu definineren ? Ich sehe die Hmollmesse duchaus als ein "Kind ihrer Zeit" und die Absicht Bachs war, mit der Widmung an den
    sächsischen Kurfürsten und polnischen König August, genannt "Der Starke",Kapellmeister "von Hause aus" zu werden, will sagen, ein Titel, der nichts weiter bedeutet, sich aber als Druckmittel gegenüber dem Leipziger Rat, Bachs Dienstherren, ganz gewiss gut machte !
    Von der "Missa brevis" bis zur fertigen Hmollmese war es ein weiter Weg. Heute sind wir zieimlich sicher, daß zumindest Teile davon zu Lebzeiten Bachs in der Dresdener Hofkirche unter Bachs Freund Jan Dismas Zelenka, der Bach ganz sicher auch bei der Gestaltung dieser sehr "katholischen" Messe beriet, erklungen sind. Darüber, wie solche
    Aufführungen in Dresden solistisch und chorisch besetzt waren, sind wir relativ gut informiert. Auf gar keinen Fall darf man sich die Aufführung im Stile und Gehabe eines Karl Richter oder Günther Ramin vorstellen, wo ein Riesenchor mit Solisten verbunden wurde, die in den Opernwerken Richard Wagners beser aufgehoben wären als bei Bach !
    Aus der Fülle des vorhandenen Materials möchte ich 2 Aufnahmen herausgreifen, welche, durchaus verschieden angelegt, die musikalischen
    Strukturen der Komposition nachvollziehbar zur Geltung kommen lassen:



    Karajans Aufnahme aus dem Jahr 1971 "donnert" nicht zu sehr, die Solisten sind hervorragend, mit Ausnahme Peter Schreiers, den ich persönlich nicht mag... Aber dafür wird man mit Gundula Janowitz reich entschädigt ! Die Chöre sind wuchtig, aber nicht überdimensional.


    Konrad Jünghänels Aufnahme ist auf dem neusten rezeptionellen Stand was die Interpretation angeht, das Klangbild ist, wie bei Cantus Cölln gewohnt, transparent aber nicht dünn ! Als SACD über eine adaequate Anlage abgespielt ist diese Einspielung überwältigend !


    Die von Uwe schon erwähnte Schütz-Kassette des Dresdener Keuzchores ist ein klingendes Denkmal ersten Ranges. Der Interpetationsansatz Rudolf Mauersbergers, der sich von von der "Orgelbewegung" der 20ger Jahre her definiert, schuf einen spezifischen Chorklang, den man wohl am besten als "Herbe Süsse" treffend umschreibt. Die Interpretation der "Musikalischen Exequien" und der "Sieben Worte Jesu am Kreuz" sind Meilensteine in der Rezeptionsgeschichte des Komponisten Heinrich Schütz.


    Ein anderer großer Interpert war der im Jahre 1990 durch Selbstmord aus dem Leben geschiedene Herbert Kegel, für mich die bedeutendeste
    Dirigentenpersönlichkeit der DDR nach dem Tode Konwitschnys im Jahr 1963. Zwei Aufnahmen seien hier stellvertretend für viele genannt:



    Das Hauptwerk von Kegels Lehrer Boris Blacher. Konkurrenzlos !


    Für mich eine der großartigsten Aufzeichnungen des "Deutschen Requiems" überhaupt. Harsch und wenig versöhnlich und unerbittlich:




    Alfred schrieb:


    Zitat

    Man betrachte Gemälde aus jener Zeit: süsslich beschönigend, idealisierend. Ich bin davon überzeugt, daß damals auch die Musik weitgehend so geklungen hat.


    Einer der bedeutendsten Maler jener Epoche war der Spanier Francisco Goya, ein anderer das "Multitalent" William Blake...
    Die waren so ziemlich das Gegenteil dessen, was du oben beschreibst.
    Ich denke, das "Idealisrende" dieser Epoche dürfte mehr in der Form der Werke als im Klang bestanden haben, wobei ich schon zugeben muß, den klingenden "Beweis" schuldig bleiben zu müssen ! :rolleyes:
    Die Tendenz, alles an der Musik jener Epoche "gegen den Strich" bürsten zu wollen mag in der Anfangszeit des Spiels auf historischen Instrumenten bzw. deren Nachbauten durchaus bestanden haben, aber selbst damalige Vorreiter dieser Strömung wie Harnoncourt kamen längst davon ab ! Was heutige Haydn-Interpretationen angeht, sehe ich eher die Gefahr, ihn zu betulich und so darzubieten, als sei er ein "nicht ganz so wichtiger Vorläufer Mozarts bzw. im Sektor der Sinfinonik lange nicht so ernstzunehmen wie etwa Beethoven. Unter dieser Auffassung litten die z.B. die Aufführungen und Einspielungen Karajans. Ihc halte die Gefahr der Beliebigkeit und Austauschbarkeit für ein größerers Übel als ev. hier oder da zu scharf gesetze Akzente; jene nötigen wenigstens noch zum Hin- während die erstgenannten nur noch zum Werghören stimulieren. Aus einem arbeitzsreichem Sonntag angenehm herausgerissen grüsst aus dem on milder Frühherbstsonne durchfluteten
    Berlin

    Uwe schrieb !


    Zitat

    für zwei CD's aus der Pinnock-Serie gibts bei 2001 den kompletten Satz mit Adam Fischer


    Ja das ist wirklich ein schlagkräftiges Argument, denn die Pinnock-Aufnahmen sind, obwohl nun auch fast 20 Jahre alt, immer noch
    sehr teuer. In Fischer werde ich auch mal "reinhören" obwohl mir unbehaglich bei dem Gedanken "warmer Orchesterklang" ist. Ich hab mehrfach Karajan mit Haydn live erlebt, das klebte nur so und wirkte auf mich wie Valium. Der Tendenz, Haydn zu "verharmlosen", wurde viel zu lange nachgegeben, man schreckte auch vor wirklich tiefgreifenden
    Einschnitten in die Kompositionen nicht zurück (besonders abstossendes Beispiel die "Bearbeitung" Grützmachers des 1. Haydn-Cellokonzertes und bis vor ca. 25 Jahren kannte man dieses Werk nur so !!!
    Aber ich merk schon, diese Konzerte kommen in einen neuen Thread.

    Also ich halte es für gut, den "Blumine"-Satz zu kennen; für die Darstellung der Sinfonie jedoch ist er verzichtbar und Mahlers Streichung
    belegt das wohl auch. Schwieriger wird es, überhaupt eine Einspielung der Sinfonie zu nennen, die runderherum stimmig ist:
    Da bleiben an erster Stelle eben doch die "fast" Landsmänner Mahlers,
    Ancerl und Kubelik zu nennen, wo bei ich nach langjährigem, vergleichenden Hören zu dem Schluß gekommen, daß das, was man als
    "spezifischen Mahler-Ton" umschreibt, was aber andrerseits schwer
    zu erklären ist, durch Kubelik am überzeugendsten eingefangen wird, also wer seine Mahler-Sinfonien nun unbedingt meint, im Paket erstehen zu müssen, sollte zu Kubelik greifen. Er ist da wirklich konmkurrenzlos.
    Eine schöne Einspielung hat auch Boulez vorgelegt, allerdings, wie so oft bei ihm, mit zu viel "Blutverdünnungsmittel" angereichert.
    Meine Referenz ist Ancerl:


    Alfred schrieb:


    Zitat

    Irgendwann werde ich mir tatsächlich eine Aufnahme mit modernen Instrumenten zulegen, allerdings eher ein Kammerorchester.....


    Hallo Alfred: natürlich hast du, was die Hörner bei Harnoncourt angeht,
    recht: die klingen wie Gartenschläuche, in die jemand hineinpustet, ich schrieb das bereits :rolleyes: Bei der Aufzeichnung mit der Berliner Akademie wurden die Blockflöten im 4. Konzert derart weit nach "hinten" gesetzt, daß von gleichberechtigter Spielbeteiligung der Solo-Instrumente im Sinne des "Concerto Grosso" , nichts anderes sind ja Bachs Werke, keine Rede mehr sein kann. Eine schöne, kammermuisikalische Aufnahme der Werke
    mit modernen Instrumenten ist die unter Neville Marriner, inspiriert und
    lebendig:


    Zitat

    Uwe schrieb der "alte" Harnoncourt, der mir aus, wahrscheinlich nostalgischen Gründen näher ist, als die Aufnahme von 1985






    Ja, der alte Harnoncourt hat natürlich auch was, aber die Naturhörner im 1. Konzert klingen als würde mein kleiner Neffe in einen Gartenschlauch tröten... Das war halt der Anfang des Spielens auf historischen Instrumenten. Die Britten-Aufnahme ist ganz sicher interessant: ich werde sie mir besorgen !

    Die "Brandenburgischen" gehörten zu meinen frühesten Begegnungen mit Bach; ich war 10 als ich die 2. Blockflöte im 4. spielen und 12 als ich die Flötenstimme im 2. zu übernehmen hatte :rolleyes:
    Ich höre die Werke nicht allzu häufig und mag auch nicht alle gleich gern. Früher waren es vor allem Nr.2 und Nr. 4; heute sinds mehr Nr. 1
    und Nr. 5, die ich besonders schätze. Aufnahmen gibt es wie Sand am Meer. Alfreds Favoritaufnahme mit der "Akademie für Alte Musik Berlin" ist mir persönlich ein wenig zu glatt. Ich denke, daß diese Werke durchaus
    "Ecken und Kanten" haben, aber die Berliner Akademie macht daraus im übertragenen Sinne, das, was vor allem der späte Karajan mit seinem
    "Stil" der Hochglanzpolituren an etlichen Werken der Klassik und Romantik verbrochen hat, will sagen, die Musik wird lediglich noch Erfüllungsgehilfe der Interpretation und DAS alleine kanns ja wohl nicht sein ! Inzwischen fast 20 Jahre alt, ist Reinhard Goebels Einspielung
    der Werke mit Musika Antiqua Köln immer noch meine 1. Referenz.
    Mit unbändiger und ungebremster Speilfreude wird auf die Werke zugegriffen und sie werden als Kompositionen eines JUNGEN Komponisten aufgefasst ! Man höre nur Goebels Spiel des Violino piccolo im 1. Satz des 4. Konzertes ! :]
    Andreas Staier am Cembalo im 5. ist ebenfalls nicht zu verachten !





    Wem Goebels Zugriff auf die Werke zu harsch erscheinen mag, kaufe sich Harnoncourts 2. Einspielung aus den 80gern, die, sehr spielfreudig, auch etwas für Ohren ist, die eher das "gemäßigte" schätzen !



    Die "historischen" Aufnahmen unter Casals, Karajan, Klemperer sind
    allenfalls von historischem Interesse, für die Rezeptionsgeschichte der Kompositionen jedoch sind sie nicht von Bedeutung.


    eine wundervolle Einspielung: transparent und dem spätromanitschem Impetus der Werke dennoch nichts schuldig bleibend.





    wohl der Abschluss des nunmehr fast 80jährigen Charles Mackerras
    seiner lebenslangen Annäherungen an den großen mährischen Komponisten, von Supraphon kongenial klanglich eingefangen.
    Maßstabsetzend und bewegend !



    Kubeliks Aufnanhme des durch Werbung, Kommerz und "Cassics for Dummies" geschändeten Werkes lässt alles vergessen, was man dieser Komposition jemals angetan hat und noch immer antut !!!

    meine "Lieblingseinspielung" der 6. (Gardiner) würdigte bereits mein "Vorredner" angemessen :)


    In jeder Hinsicht, (Interpretationsansatz, Tempi) halte ich die Einspielung von René Leibowitz für bemerkenswert, meiner Ansicht nach ein "Muß" für alle Bewunderer Beethovens. Obwohl mittlerweile über 40 Jahre alt, ist sie leider immer noch nicht im Billigpreissektor zu haben X(




    Beeindruckend auch die Einspielung Otto Klemperers aus 1957, weltenweit entfernt von dem Beitwandsound eines Karajan sondern auf Durchhörbarkeit in allen Stimmen bedacht.






    Die mir im Rahmen meiner Geamteinspielungen der Beethovenschen Sinfonien zur Verfügung stehenden 6ten (Zinman, Wand) höre ich selten.

    Zitat

    TobeyWilson schrieb:P.S.: Wer sich mit Tschaikowsky auseinandersetzt will, der wird an der 6 Sym. überhaupt nicht vorbeikommen. Und einen sog. "Klassikliebhaber" der die Matthäuspassion ablehnt, mit dem kann ich mich leider nicht über Musik unterhalten, weil ich ihn nicht ernstnehmen kann.


    Autsch, also ich befürchte, dann wirst du ziemlich einsam bleiben :D
    Ich kenne wirklich keinen, der unvoreingenommen allem gegenüber
    aufgeschlossen ist, was sich als "Klassik", einerlei, welcher Lesart, dem Hörer anbietet: jeder kultiviert seine Vorlieben und wird argumentationsstark sein, was seine Abneigungen betrifft. Ich für mein Teil kann dahingehend nur jemanden "ernstnehmen", der in der Lage ist, nachvollziehbar zu begründen, was ihm ge-bzw. missfällt.
    Ich kenne z.b. jemanden, der mit Barockmusik incl. Bach garnichts
    anfangen kann, der aber absolut kompetent im Bereich der Spätromantik ist. Ich machte mich selber ärmer, wenn ich von seinem Erfahrungsschatz nicht profitieren wollte, nur weil der bei Händels "Wassermusik" einschläft !
    :)

    Hallo Alfred: in der Aufnahmeserie mit Weinberger sind unmittelbar hintereinander die Folgen 15 und 16 entstanden, die auf der kürzlich restaurierten Hildebrandt-Orgel in Naumburg aufgenommen wurden,
    einem Instrument, an dessen Enstehung und Disposition Bach lebhaft Anteil genommen hatte, so daß man durchaus sagen kann, es handelt sich dabei um die einzige "authentische" Bach-Orgel, welche auf uns gekommen ist. Übrigens trafen bei der Orgelabnahme Bach und Silbermann (beide wurden von der Stadt Naumburg als Prüfer bestimmt)
    das einzige Mal in ihrem Leben zusammen. Beide waren voller Bewunderung für das schöne Werk und auch die Rechnung darüber, was sie zu sammen im Gasthause verzehrten bzw. was an flüssiger Nahrung durch beider Kehlen ging, ist noch erhalten, also die Menegn waren schon erheblich für zwei Herren, die die 60 immerhin schon hinter sich gelassen hatten. Ausserdem konnte Bach die Organistenstelle dort an seinen Scxhwiegersohn vermitteln. Die Anschaffung dieser beiden CDs ist für alle ein absolutes "Muß", die sich mit einem Orgelklang vertraut machen wollen, der Bachs Intentionen viel eher entsprach als die immer noch modifiziert mitteltönig gestimmten Instrumente Silbermanns, auf denen Bacxhs Wunsch, in allen tonarten spielen zu können, nicht erfüllbar war.

    in diesem Thema steckt so unendlich viel, daß man garnicht weiss, wo anfangen und aufhören:
    Eine wahre Großtat im Bereich Geistliche Musik ist die sich langsam dem Abschluss zuneigende Aufnahme sämtlicher geistlicher Kompositionen von William Bryd unterAndrew Carwood, auch interpretatorisch auf höchstem Niveau.
    Weltweit entfernt von mainstream, Mode und spirituuellem "Zeitgeist",
    ohne "Tintinnabuli" a la Pärt, ohne intellektuelle Bauchhöhlen-Schwangerschaft a la Rihm eine Musik, die gleichzeitig neu und uralt, einmal fremd und ein anderes mal tief vertraut ist:
    Reinhören und es wird einem anschliessend leichter fallen, die Spreu vom Weizen zu trennen:


    Zitat

    Alfred schrieb:Nächster Punkt: Haydns, Mozarts, Schuberts Musik erschließt sich im allgemeinen auch dem "Nicht-Kenner", da braucht es keine "Arbeit"


    Was das "Sicherschliessen" von Musik angeht: esrchliessen sich Mozarts Streichquintette oder die Große Messe in c-moll wirklich ohne Vorkenntnisse? Würdest du jemanden Schuberts "Leiermann" als Einstieg in die Klassik empfehlen? Wer als erstes von Beethoven die "Große Fuge" hört, wird eventuell Abstand davon nehmen, weitere Werke dieses Meisters kennenlernen zu wollen und wer Bach über das "Ave Maria" Bach/Gounod kennenlernt, wird wohl eher ein Anhänger des Herrn Rieu als Mitglied dieses Forums :rolleyes:


    Ausserdem vermisse ich bei deiner Aufzählung Bach und Beethoven, ob das Zufall ist ? ;)
    Musik, die aus Spieldosen ertönt oder als Werbezutat sich in die Gehörgänge bohrt, hat keinen Anspruch mehr darauf, elitär zu sein; sie wurde quasi "Opfer" des Zeitgeistes. Von Vivaldis "4 Jahreszeiten" war ich seinerzeit wenig angetan, aber sein großes "Gloria" hat mich schier aus dem Hocker gerissen. Musik wurde vom Mittelalter bis zu Bach, ja sogar bis zu Mozart als "Dienst zur höheren Ehre" Gottes verstanden und ich als Sprössling von Kirchenmusikern (wie man sicher unschwer merkt) sehe das auch heute noch so. Ich bin durchaus kein Feind echter "Fülle des Wohllauts", nur versuche ich, meinen Schönheitsbegriff so weit denn möglich zu fassen, eben weil nun mal im "Hause des Herren" viele Wohnungen sind.


    Liebe Grüsse aus dem frühherbstlichen Berlin

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    peet schrieb:Um die Erste Prokofjews einzuordnen, würde ich den Begriff Neoklassizismus verwenden. Dementsprechend war es keine Studie in dem Sinne, sondern seine Beteiligung am neuen Stil - neben Strawinsky, Hindemith, Martinu etc.


    Genau, peet, dem Neoklassiszismus muss sie zugeordnet werden; ich hab dem in meiner Ausführung keinesfalls widersprochen :D


    Der Unterschied zu Strawinsky, Martinu, Hindemith, Poulenc usw. ist jedoch der, daß keines deren Werke jenen Grad der Popularität erreicht hat wie eben jene Sinfonie! Popularität aber ist ein Begriff, der für mich negativ besetzt ist. Kunst und auch Musik, die man sich hörend erarbeiten muss, um sie wirklich geniessen zu können, kann niemals populär sein.


    Von Carl Orff ist überliefert, daß er sich wünschte, die unkaputtbaren "Carmina Burana" niemals geschrieben zu haben, weil jene die Sicht des Publikums auf seine anderen Werke verstellt hätten. Ich halte das nicht für bloße Koketterie: es hat sicher einen wahren Kern!

    Zitat

    Parsif schrieb:Diese starke politische Ausrichtung erschwert eine unvoreingenommene Bewertung.


    ja, ich kann mir denken, daß das Schwierigkeiten macht, wenn dieses
    Wissen sozusagen im "Hinterkopf" präsent ist. Vielleicht ist es von Vorteil,wenn Du bei Eisler mit nicht textbezogener Musik den Einstieg versuchst,obwohl nun da gerade wieder manches recht spröde ist.
    Andereseits ist es bekannt, das Wagner antisemitische Schriften verfasst hat, Pfitzner Mitglied der NSDAP war: in beiden Fällen kümmert mich das wenig, wenn ich deren Musik höre: Das Wissen darum ist zwar da, aber für mich kein Hinderungsgrund, das Gehörte unbefangen aufzunehmen.