Beiträge von BigBerlinBear

    DorcyDuck schrieb


    [Zitat]Jaja, der langsame Satz ist ja wirklich schön, auch wenn ich die Pauken nach dem Höhepunkt nur lächerlich finde.. aber wie kannst du Lucia Popp aushalten?[/zitat]



    Dorcy, du hast recht :rolleyes:
    ich halte Lucia Popp NICHT aus, sondern verkneif mir den Finalsatz...
    Allerdings kenne ich auch keine andere Aufnahme davon, die ihn mich ertragen liesse, weil mir von der tendenz her schon DIESE Art Volkston, gekoppelt
    mit thumber katholischer Volxx-Frömmigkeit derart auf den Keks geht, daß selbst die singene Menge der Himmlischen Heerscharen mich nicht milder gesinnt machten....:beatnik:

    Also ich habs mir echt schwer gemacht und mich für DIESE Aufnahmen entschieden. Sie kamen meiner eigenen, platonischen Idee, die ich von den Werken habe, am nächsten. Die Sinfonie Nr. 8 ist allerdings lediglich der Vollständigkeit halber dabei. Ich schätze sie weniger als die anderen und höre sie selten. Bei Nr. 1 ist mir die kammermusikalische Durchhörbarkeit besonders wichtig gewesen: Niemand hat das besser verstanden als Boulez. Nr. 2 ist wg.
    Klemperer, der in "Hochform" ist und der wunderbaren Janet Baker Referenz, VOR Kaplan, der die Partitur wohl am besten verinnerlicht hat. Nr. 3 in Chaillys brandneuer Aufnahme (SACD) besticht durch hervorragenen Klang und eine superbe Orchesterkultur. Nr. 4 hat im langsamen Satz seine überzeugendste Lesart unter Tennstedt gefunden; schöner kann man das gewiss nicht machen, nur anders. Bei der 5. schwankte ich zwischen Boulez und
    Kubelik und entschied mich dann zugunsten der überzeugenderen Aufnahmetechnik. Die 6. unter Jansons war eine echte Offenbarung für mich, nichts mehr von dem, was ich an diesem Werk früher als "sperrig" empfunden hatte, blieb übrig. Die 7.in der Abbado-Aufnahme mit den Chicagoern würde ich mit dem Etikett "Die Perfekte" auszeichnen, sie kann nicht mit der Berliner Einspielung konkurrieren. Wenn schon die 8., dann eben Solti wegen der Live-Atmosphäre. Bei der 9. musste ich eine Auswahl treffen: Ancerl, Kubelik, Karajan,Abbado,Gielen,Boulez:
    alle diese haben ihre Meriten, aber ich hab Otto genommen. Übrigens wird sich jede Zeit, jede Epoche ihren Mahler "neu" erfinden, sowohl vom geistigen wie auch vom interpretatorischen Ansatz her.
    Eine Aufnahme, in der, bzw. mit der "alles gesagt" ist, kann es nicht geben. Vielleicht sieht in 2 Jahren meine Liste "ganz anders" aus.

    1. Boulez Chicago SO (1998 )
    2. Klemperer Byr.RSO Harper, Baker (1965)
    3. Chailly Concertgebouw Lang (2004)
    4. Tennstedt London PO Popp (1982)
    5. Boulez Wien PO (1995)
    6. Jansons London SO (2002)
    7. Abbado Chicago SO (1982)
    8. Solti Chicago SO (1971)
    9. Klemperer New PO (1967)
    10.Barshai J D Philharmonie (2002)


    die Auswahl viel schwer, weil u.a. Kubelik, Abbado,
    Walter,Gielen "aussortiert" wurden.

    Hier noch schnell etwas Erfreuliches zur ansonsten eher traurigen "Michael-Haydn-Diskographie".
    Alls bislang EINZIGES seiner großen Vokalwerke in wirklich ÜBERZEUGENDER und hochwertiger Besetzung ist E N D L I C H erschienen:



    noch heute abend trete ich meine alte Aufnahme mit dem Orchester des Mozarteums, die sowohl klanglich wie auch interpretatorisch ein Desaster war, in die Tonne

    Irgendwie hat jeder schon einmal etwas von ihm gehört, dem jüngeren Bruder des berühmten Joseph Haydn, aber ins Bewusstsein eines aufnahmefähigen und willigen Publikums ist er niemals so richtig vorgedrungen.
    1737 in Rohrau (Niederösterreich) geboren,wurde er nach einer Ausbildung, die im großen ganzen der seines Bruders Joseph glich,Hofkapellmeister des Bischofs von Großwardein.Ab 1763 "Hofmusicus und Concertmeister" des Fürsterzbischofs von Salzburg (Sigismund von Schrattenbach, später Hieronymus Colloredo). 1804 Mitglied der Königlichen Schwedischen Akademie für Musik. In Salzburg harrte er, trotz immenser Schwierigkeiten, bis an sein Lebensende aus.
    Mozart senior und junior waren seine Kollegen, C.M. von Weber sein Schüler.
    Seine Sinfonien liegen bei CPO in brauchbaren Enspielungen vor; seine eigentliche Bedeutung als Kirchenkomponist jedoch
    wird nur selten angemessen gewürdigt. Auszüge aus seinem großartigen Requiem in c-moll waren jetzt eben bei den Beisetzungsfeierlichkeiten des verstorbenen österreichischen Staatspräsidenten Klestil zu hören !
    Sein Kirchenstil ist eine gelungene Synthese der strengen Kompositionsprinzipien des Wiener Hofkapellmeisters Johann Joseph Fux (1660-1741), dessen Werke Haydn ausführlich studierte mit den Errungenschaften der Frühklassik, wie sie in Östereich vor allem Wagenseil und Monn (weniger der eigne Bruder)vertraten. Die immer "optimistische" Grundeinstellung seines Bruders Joseph teilt Michael nicht.
    In seinen Werken kommt es zu Brechungen und Verwerfungen, und genau diese sind es, die mich an ihm faszinieren. Fragen werden aufgeworfen, auf die es keine klischeehaften, vorgefertigen Antworten gibt. W.A. Mozart orientiert sich in seinen besten Kirchenwerken (c-moll-Messe, Fragment), Requiem, unverkennbar an Michael Haydn.
    Die Ortientierung am strengen kontrapunktischem Satz und eine grundsätzliche "Sperrigkeit" sind wohl die wesentlichen Ursachen, weshalb er nicht eben zum "Publikumsliebling" avancierte.
    Wer von euch kennt weitere Werke des Salzburger Meisters und welche Einspielungen empfehlt ihr ?

    Das English Chamber Orchestra unter Mackeras spielt
    die Fassung mit Streichern, die von Händel ausdrücklich für eine Interpretation in geschlossenen Räumen eingerichtet wurde !!!
    Demnach ist diese Aufnahme eine "Doppel-Chimäre", zum einen, weil sie einen "Freiluft-Effekt" suggeriert, wo garkeiner vorgesehn war, zum anderen, weil der Orchesterklang mit seiner eher üppigen Grundierung kaum den Intentionen des Komponisten
    entsprochen haben dürfte.

    Hallo Alfred, die "Feuerwerks-Musik" habe ich in folgenden Aufnahmen:



    Das ist die, der originalen, nur mit "kriegerischen"
    Instrumenten aufgenommene Einspielung Trevor Pinnocks die als letzte Arbeit zwischen dem Dirigenten und dem Gelblabel entstand: in jeder Hinsicht hörenswert und viel weniger monströs, als man glaubt, wenn man die Besetzung liest.
    Unter demselben Dirigenten habe ich auch eine Einspielung aus den frühen 80gern (mit Streichern) , die ich ebenfalls sehr schätze. Korrigieren muss ich jedoch eines: weder Händel noch Bach sind ausgewiesene Vertreter des Barock: beide sind dem Spätbarock zuzurechnen, denn während sie ihre Werke schufen, entstand in Wien und Mannheim schon ganz anderes, weil Geschmack und Empfindungen sich grundlegend gewandelt hatten und reine "Repräsentationsmusik" nichtmehr so vordergründgig gefragt war. Bedeutende Vertreter des Hochbarock waren z.b. Henry Purcell, Corelli und der von mir ausserordenmtlich geschätzte und bewunderte Wiener Hofkapellmeister J.J. Fux, dessen diskographischer
    Bestand, gemessen an seiner Bedeutung, nur als fatal bezeichnet werden kann.

    Unübertroffen in Sachen op. 61 sind nach wievor auch
    Kyung Wha Chung unter Kondraschin: Chung als sensible Ausnahme-Geigerin, deren Gestaltung sich eher aus dem Verhaltenen denn Vordergründigen formt.
    Meine ganz persönliche Referenz für das viel geschundene Werk:



    ja sicher: wo hätten wir das später bei ihm noch mal ? also nicht das ich wüsste...
    hm dieser tread scheint offenbar auch nicht der Brüller zu werden, also langsam wirds mir zwischen
    "Mondscheinsonate", der "Pastorale", Tschaikowskis
    b-moll-Konzert und den "4 letzten Liedern" als revolutionärem Neutönertum ein wenig fad... ?(

    Die 19 Symphonien, die während der Jahre 1766 bis 1773 auf Esterháza entstanden, zählen für mich zu den bedeutendsten Werkendes Komponisten. Frei von den formalen Zwängen seiner späten Sinfonik, schafft sich Haydn hier seinen "eigenen Kosmos", in dem barocke und frühklassische Elemente sich auf ungewöhnliche Weise miteinander vermischen. Denn einiges weicht ab von der Norm, ungewöhnliche Tonarten wie H-Dur etwa (in der "Abschieds-Symphonie"), überhaupt die latente Mollvorliebe im Vergleich zum strahlenden Dur des höfischen Barocks geben diesen geradezu pulsierenden Kompositionen ihren spezifischen Klangcharakter. Niemand hat das bis heute besser eingefangen, als Trevor Pinnock mit "The English Concert"
    in den späten 80gern! Die Box mit den 6 CDs ist absolute Referenz für alle, die den Haydn "hinter" den "Londoner Sinfonien", den späten Messen und Oratorien kennenlernen wollen als einen Meister, den es erst noch zu "entdecken" gilt.