Original von Michael M.
Grundsätzlich ist das Element des Performativen und der Interaktion zwischen Darstellern und Publikum natürlich in jeder Aufführung gegeben (aber das weißt du); in der Oper vielleicht noch mehr als im Schauspiel, da hier Zuschauerreaktionen wie Applaus und Bravos während der Vorstellung viel öfter vorkommen als im Schauspiel und das Publikum so erstens an der Aufführung aktiv teilnimmt (also durch eine solche Intervention beispielsweise ihren Rhythmus verändert) und zweitens ein direktes Feedback liefert, das u.U. anspornend oder auch entmutigend auf die Darsteller wirkt und ihre Leistung verändert. Die Interaktion braucht man also nicht unbedingt zu inszenieren, sie findet eh statt; aus einem abgedunkelten Zuschauerraum möglicherweise übrigens eher als aus einem beleuchteten, in dem der Chor auftritt und die Umsitzenden sich wegducken.
Ein besonders nettes Beispiel für eine solche Interaktion lieferte Jon Vickers in einem Live-Mitschnitt des "Tristan" ein einer offenbar herbstlichen Vorstellung, in der das Publikum vor allem hustend interagiert. In einer Generalpause innerhalb einer besonders leisen und lyrischen Passage unterbricht Vickers sich und brüllt ins Parkett: "Shup up that damn coughing!" Dann setzt das Orchester wieder ein, und Vickers singt ungerührt weiter...
Grüße,
Micha
Grüße