Beiträge von Christian Biskup

    Liebe Taminos,


    bei unserer städtischen Bibliothek wird die Musikabteilung momentan ausgedünnt - es war meine Chance, 52 Aufnahmen nahm ich zum Schnäppchenpreis mit nach Hause. U.a. war folgende Aufnahme mit dabei:




    Die Sinfonie, aber besonders die Kantate Belshazzar's Feast haben mir ungemein gefallen. Viel Blech, viel Schlagzeug, fetzige Rhythmik, einfach sehr inspirierte - und dies auch so mitreißend dargeboten. Die Scheibe war ein absoluter Volltreffen für mich, weshalb ich sie gleich zwei Mal hintereinander hören musste. Nun zwei Fragen an die Walton Kenner:
    Wie ist die Aufnahme der 1. unter dem Uraufführungsdirigenten Sir Hamilton Harty (für den ich mich bekanntlich auch sehr interessiere) zu werten? Kennt sie jemand? Auf youtube ist eine Aufnahme zu finden, allerdings wird bemängelt, dass die Aufnahmequalität nicht der auf der LP und CD-Veröffentlichung entspricht...kann dazu jemand etwas sagen?


    Und, gibt es noch eine Aufnahme, die Belshazzar's Feast unter Rattle toppt? Ohne das Werk besonders gut zu kennen, scheint mir Rattle mit seinem Orchester ziemlich gute Arbeit zu machen...


    Herzliche Grüße
    Christian

    Guten Abend,


    Jussi Björling singt eine der wohl schönsten schwedischen Liedschöpfungen - Skogen sover (Der Wald schläft) von Hugo Alfvén. Der Anfang ist wahrlich betörend!



    Gute Nacht!
    Christian

    Liebe Taminos,


    solche "mache dein Programm"-Threads habe ich ganz gerne. Zu gern würde ich mal über eine Konzertsaison eines Orchester entscheiden, aber das wird wohl Wunschdenken bleiben. Zumindest mit meinen Aufnahmen kann es es mir Zuhause so zurechtrücken. Ein Programm, welches mir auf jeden Fall ein Abo in erster Preiskategorie wert wäre, ist folgendes:


    1.) W. A. Mozart - Sinfonie Nr. 40 / R. Wagner - Wesendonck-Lieder (arr. Mottl) / E. Elgar - Enigma-Variationen


    2.) H. Alfven - Schwedische Rhapsodie Nr. 1 / J. Sibelius - Violinkonzert / Ludolf Nielsen - Sinfonie Nr. 3


    3.) A. Schönberg - Gurrelieder


    4.) F. Mendelssohn-Bartholdy - Hebriden-Ouvertüre / Lars-Erik Larsson - Pastorale Suite / Hamilton Harty - The Children of Lir


    5.) C. M. v. Weber - Oberon-Ouvertüre / Kurt Atterberg - Klavierkonzert / A. Dvorak - Sinfonie Nr. 9


    6.) G. Mahler - Sinfonie Nr. 3


    7.) B. Britten - Sea Interludes aus Peter Grimes / S. Rachmaninov - Klavierkonzert Nr. 2 / I. Strawinsky - Le Sacre


    8.) D. Schostakowitsch - Festliche Ouvertüre / P. Tschaikowski - Violinkonzert / L. v. Beethoven - Sinfonie Nr. 7


    9.) J. Sibelius - Sinfonie Nr. 3 / R. Strauss - Alpensinfonie


    10.) C. Nielsen - Aladdin-Suite / B. Britten - Serenade für Tenor, Horn und Streicher / G. Holst - Die Planeten


    Einige dieser Konzerte wären im Betrieb natürlich sehr unökonomich, andere aber durchaus machbar :D Mein Wunschorchester wären die Göteborger Sinfoniker, aber bitte mit einem anderen ersten Dirigenten als Nagano...

    LG
    Christian

    Liebe Taminos,


    David Afkham habe ich im September 2013 bei den Göteborger Sinfonikern mit Brahms 2. Sinfonie gehört. Auch auf das Risiko hin, dass ich gelyncht werde - es war das einzige Mal, dass ich bei einem Brahmskonzert keine Kopfschmerzen bekommen habe, ich war regelrecht begeistert von der Sinfonie. In Schweden ist er ein sehr beliebter Gastdirigent, zuletzt dirigierte er Bruckner. Seit heute ist das Video auf GSO-Play verfügbar. Wer sich also ein Bild des aufstrebenden jungen Dirigenten machen möchte hat hier beste Gelegenheit:


    Bruckner 4. Sinfonie
    und die besagte Brahmsaufführung gibts auch - wäre interessant, was ihr anderen dazu sagt:
    Brahms 2. Sinfonie


    Beste Grüße
    Christian

    Lieber Caruso,


    ein Werk zum Karneval ist mir noch eingefallen. Hakon Børresens Oper "Der Königliche Gast" (Orig.: Den kongelige Gæst) aus dem Jahr 1919 spielt nicht nur direkt an Karneval - nein, Prinz Karnenal erscheint sogar persönlich auf der Bühne. Die einaktige Oper Børresens, gilt als sein größter Erfolg - ich indess halte allerdings seine Kaddara qualitativ um weiten besser - und galt als eine Art dänische Nationaloper, wobei sie, wie auch der Komponist selber, spätestens nach dem 2. Weltkrieg in Vergessenheit geriet und von der Masquerade eines Carl Nielsen überstrahlt wurden. Populär blieb jedoch die Ouvertüre und in ihrer Spritzigkeit die Carnevalsstimmung gut einfängt. Eine umfangreiche Handlungsbeschreibung findet ihr hier!



    LG
    Christian

    Liebe Taminos,


    ich nahm die Nachricht von Alan Rickmans Tod mit großer Bestürzung auf - er war zweifellos einer der Schauspieler, die ich am meisten bewundere und die mit vergleichsweise schlichten Mitteln eine unglaubliche Präsenz erzielten. Seine Stimme dürfte genauso einmalig sein, wie seine Darstellungskunst. Das er auch singen kann (ich las aber auch schon andere Meinungen...) kann man in seiner Rolle als Judge Turpin in Sweeney Todd an der Seite von Johnny Depp sehen.


    R.I.P



    Liebe Taminos,


    der Norweger Johan Svendsen (1840-1911) komponierte gleich zwei Karnevalsmusiken - zum einen den "Nordischer Künstlerkarneval op. 14", zum anderen den "Karneval in Paris". Beide habe ich momentan nicht im Ohr, waren aber zu Lebzeiten recht populär und beeinflusste besonders dänische Komponisten, da sein Hauptwirkungsort Kopenhagen war. Svendsen finde ich auch nicht so interessant, aber vielleicht können Lutgra oder teleton ja mehr zu diesen Werken sagen?
    Die CPO-Box mit seinen Sinfonien und Orchesterwerken lädt für 10€ jedoch zum Testkauf ein - ich habe sie damals zum Vollpreis noch bestellt.




    Herzliche Grüße
    Christian

    Lieber Bertario,


    mal davon abgesehen, dass ich beim Link zum Opernführer Mist gemacht habe, spielt die Oper laut Libretto aber tatsächlich an Weihnachten, genauer sogar an Heiligabend. Die Vorlage kenne ich offengestanden nicht... als Kind war ich nie so der Märchenfan...ich bin da eher die Generation Pokemon :P


    LG
    Christian

    Lieber Misha,


    eine wirkliche Weihnachtsoper stammt von dem Dänen August Enna. Sein kurzer Einakter "Den lille pige med svovlstikkerne" - zu deutsch, das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern, nach dem Märchen von Hans Christian Andersen war seinerzeit ein großer Erfolg und wird auch heute noch manchmal zu Weihnachten (wenn auch konzertant) in Dänemark gespielt. Besonders die Ouvertüre ist von wirklich märchenhafter Schönheit und vielfach eingespielt worden.


    Hier die Link zu der Oper in unserem Opernführer: http://www.tamino-klassikforum.de/index.php?page=Thread&threadID=17201


    LG
    Christian

    Liebe Taminos,


    letzte Nacht starb der finnische Komponist Jouni Kaipainen einen Tag vor seinem 59. Geburtstag nach einer langen Krankheit in Tampere/Finnland. Er gilt als einer der wichtigsten zeitgenössischen Komponisten Skandinaviens.


    Esa-Pekka Salonen schreibt: Finland has lost one of its best composers. I have lost a dear friend. It’s up to us now to keep his legacy alive. R.I.P. Jouni Kaipainen


    Hannu Lintu schreibt: World has lost a great composer. Jouni Kaipainen passed away today. Jouni was a true artist with deep undertanding of human nature and respect for tradition. His musical intelligence, imagination, ear and technique were unique. I knew him from the very beginning of my career and could always trust his support and opinions. There was and will always be something to learn from his scores, texts and thoughts. Thanks for your music. Sleep well, my friend.

    R.I.P

    Liebe Taminos,


    nur selten wurden dänische Kompositionen für Streichquartett von internationalen Künstlern gespielt, doch das dritten Quartett von Ludolf Nielsen wurde vom 1917 bis 1967 bestehenden, höchst bekannten, Budapester-Streichquartett am 13. Oktober 1920 uraufgeführt. Eine Aufnahme des Labels cpo mit dem Aros Quartett präsentiert dieses - für Nielsen - besondere Werk.




    Wie aus dem Nichts, beginnt der erste Satz "Allegretto pastorale" mit dem Pastoralrhythmus im Bass, auf den sich in bitonaler Weise die Stimmen nach und nach aufbauen und das doch recht ländliche Hauptthema bilden. Dieses setzt sich sich rondoartig mit anderen, unruhigeren Teilen abwechselnd, zu einem pompösen Schluss fort, bei dem der Hauptgedanke nochmal in vollem Glanz erklingt, bevor dieser in die Ferne entschwindet. Bemerkenswert ist die wahrlich gelungene Stimmführung des Satzes, die Dialoge zwischen den Instrumenten, die Ludolf Nielsen als erfahrener Quartettspieler hochinteressant, modern und kontrastreich zu zeichnen weiß.


    Durchaus ähnlich im Charakter, jedoch mehr als Volkstanz gestaltet, ist der zweite Satz "Allegro moderato grazioso", der als Scherzo agiert und über eine herrliche Melodie im Cello zu Beginn verfügt. Der Mittelteil imitiert eine typisch dänische Fidelmelodie, wie sie LN in seiner Jugend auf dem Land häufig gehört haben mag. Diese versieht er mit lustigen bitonalen Effekten, die nach einem kontrapunktischen Höhepunkt, in die "nordisch"-offenen Quinten laufen und wieder in den Anfangsteil einleiten, der mit einer fernen Erinnerung an den Fidler beendet wird.


    Das "Adagio con dolore" zeugt von der Trauer des Komponisten anläßlich der Todes seiner beiden Eltern. Der Satz beginnt als Fugato, angeführt vom Cello, auf den sich nach jeweils acht Takten das nächste Instrument hinzufügt. Mit dem Einsatz der Violine ändert sich die Stimmung zu einer liebevollen - sehr typisch Nielsenschen - Hymne auf, die all die schönen Momente zu gedenken scheint. Ein schmerzvoller Trauermarsch löst die schönen Empfindungen ab, und gipfelt in einem dissonanten Höhepunkt, bis jedoch die Gewissheit der schönen Erinnerung zurückkehrt.


    Der letzte Satz "Allegro" beginnt mit einem flüssigen Thema, welches Fragmente der vergangenen Sätze aufzugreift. Eine tänzerische Melodie erscheint, aber längst nicht mehr so sorgenfrei wie dies im zweiten Satz der Fall war. Ein furioser, stark rhythmisierter Abschnitt schreitet brutal und fast gewaltätig ein. Kurze Trauermarsch-Einwürfe wirken als retandierendes Moment, doch das Fugato steigert sich zu einem dramatischen, geradezu endgültig tragischen Höhepunkt. Nach einer weiteren Ruhepause wieder der drastische Einschnitt, doch - wie bei Nielsen üblich - ist alles Unheil nur vorhanden, um überwindet zu werden. Das Quartett endet in strahlendem C-Dur.


    Tatsächlich scheint dieses Quartett autobiografische Züge zu tragen (Nielsen selbst, äußerte sich nur einmal zu seiner 3. Sinfonie - sonst sind seine Gedankengänge im unklaren). Während der zweite Satz deutlich auf Nielsens Jugendtage als "Hochzeitsfidler" und Mitglied der dänischen Landbevölkerung verweist, so ist der dritte Satz als Gedenken an seine Eltern gedacht. Beiden starben 1920 kurz hintereinander an der spanischen Grippe - ihnen ist das Quartett gewidmet. Der letzte Satz kennzeichnet Nielsen als Pazifisten - in Interviews bekannte er, dass ihn der Ausbruch des 1. WK tief bedrückte und es ihm unmöglich machte, Großes zu komponieren. Der Furioso-Ab(bzw. Ein-)schnitt ist durchaus als dieser empfundene Wertezusammenbruch zu verstehen. Doch LN gab die Hoffnung auf einen geläuterten Menschen nie auf, auch seine Werke Babelstaarnet, sowie seine dritte Sinfonie zeugen davon, weshalb diese - wie auch das Quartett - in strahlendsten Tönen enden. Obgleich das Quartett deutlich retrospektive Züge trägt, so ist es doch eines von Nielsens fortschrittlichsten Werken und fällt stilistisch aus dem Rahmen seines restliche Oevres. Gerade zu exzessiv reizt er die Möglichkeiten der Bitonalität aus, schafft eine ungemein spannungsvolle, teils ja sogar brutale Musik, die dieses Werk zu einem seiner faszinierendsten und besten macht.


    lutgra: Hast Du diese Aufnahme?


    LG
    Chrissi

    Lieber Liebestraum,


    Es ist mir ein Rätsel wie hier gesucht wurde - bei mir kommen gaaaaanz andere Zahlen raus. Wie suchst Du denn, lieber Liebestraum?
    Als Beispiel - wenn ich Maria Callas (gesucht "Maria Callas" - durch die Aufführungszeichen wird genau der exakte Begriff u. Reihenfolge gesucht und keine Füllwörter zugelassen) erhalte ich nur auf deutschstämmigen Seiten 158.000 Ergebnisse, bei Frau de Los Angeles hingegen nur 14.300 Ergebnisse. Aus diesem Ergebnis - welches ich bei Deiner Dirigentenliste teils auch hatte - wage ich zu behaupten, dass Deine Suche etwas unsauber ist. Stelle doch Dein Verfahren bitte nochmal genauer vor.


    LG
    Christian

    Lieber Garaguly,


    ich würde mich sehr freuen, wenn Du die Aufnahme mit Klavierkonzerten von Sterndale Bennett irgendwo im Forum nach dem Hören einmal vorstellen könntest. Da ich mich doch sehr für englische Musik interessiere, wäre ich auf Deine Höreindrücke von diesem Komponisten gespannt, den ich bisher nur vom Namen her kannte...


    LG
    Christian

    Liebe Taminos,




    obgleich sie hier im Forum nicht wirklich im Fokus steht, möchte ich doch die Gelegenheit ergreifen und Julie Andrews zu ihrem heutigen, 80. Geburtstag gratulieren! Dame Julie Andrews prägte wohl die Kindheit zahlreicher Kinder in aller Welt durch ihre oscarprämierte Darstellung der Mary Poppins in Disneys gleichnamigen Film nach den Büchern von P. L. Trawers. Mit Dick van Dyke, Ed Wynn und dem von mir sehr verehrten Schauspieler David Tomlinson an ihrer Seite, entstand einer der erfolgreichsten Disney-Filme überhaupt. Auch im "The Sound of Music", einem besonders in Amerika populären Rodgers & Hammerstein-Musical, konnte sie überzeugen. Auch wenn der Film an den Kassen ein Flop war, so halte ich "Star" doch als einen ihrer besten Filme. In diesem verkörpert Julie Andrews die britische Broadway-Schauspielerin Getrude Lawrence auf eindrucksvolle Weise. Die "The Saga of Jenny"-Sequenz gehört zu den Sternstunden ihrer Filmografie. Ich selber oute mich als großer Fan der Grand-Dame und wünsche ihr auf diesen Weg noch weitere gesunde Jahre und einen schönen Geburtstag!


    LG
    Christian

    Lieber Joseph II.,


    ich finde, dass dieser Thread eine sehr schöne Idee ist, und daher möchte ich gleich etwas dazu beitragen.


    Das schlimmste Opernerlebnis hatte ich im Theater Wolfsburg, als ein Tourneetheater aus Bulgarien mit Puccinis Turandot ankam. Nachdem ich bereits einmal eine hervorragende Aufführung dieser Oper von einem Tourneetheater aus Italien hörte, freute ich mich auch auf diese Aufführung. Das Bühnenbild war sehr schön, die Sänger auch ganz in Ordnung, aber das Orchester...Orchester ist fast noch zuviel gesagt. Man spielte die Oper mit insgesamt 5 Geigen, ein paar anderen Streichern, jeweils eine Trompete, Horn, Posaune und ein paar Holzbläsern - der Klang war einfach scheußlich. Der Höhepunkt was jedoch das Schlagwerk, welches aus Pauken und "Gongs" bestand. Die Gongs sind in Anführungszeichen, da man einfach eine Haltestange nahm und an diese (ich übertreibe nicht!!!) drei unterschiedlich große Farbeimer hängte, die immer lautstark schepperten...naja, das Publikum war zufrieden. Für mich das schlimmste Opernerlebnis...


    LG
    Christian

    Liebe Taminos,


    ich habe Ende 2013 Jakob Hrůša bei einem russischen Abend mit den Osloer Philharmonikern in Oslo erlebt und war sehr angetan von seinem mitreißenden Dirigat. Ich kann dabei unserem Caruso41 nur zustimmen - die östlichen Werke scheinen ihm zu liegen. In Mussorsky's "Eine Nacht auf dem kahlen Berge", als auch in der Feuervogelsuite (1945) kam seine, bereits erwähnte, rhythmische Präzision wirklich bestens zum Vorschein. Doch auch der impressionistische Farbenreichtum wurde wunderbar herausgearbeitet - ein wirklich gelungenes Konzert des sympathischen Dirigenten.


    LG
    Christian

    Liebe Taminos,


    heute war ein großer Tag für mich! Vor rund zwei Jahren besuchte ich eine Woche lang jeden Tag die königliche Bibliothek Kopenhagen und fotografierte alle Manuskripte und Werke Ludolf Nielsens ab - und seit dieser Zeit schreibe ich diese Manuskripte ab, gestalte neue, vorallem spielbare Editionen, und veröffentliche diese auf IMSLP, wo sie jedem kostenlos zugänglich sind! Bei meinem allmonatlichen "Nielsen-Google" stellte ich fest, dass ein Jugendorchester in Brasilien Ludolf Nielsens Rhapsodie Kildemarked - sein letztes für großes Orchester geschriebenes Werk - aufführte! Nach ein wenig Suche fand ich auch tatsächlich eine Aufnahme - das Konzert wurde im Fernsehen übertragen - durch die Kammeraführung konnte ich auch schnell feststellen - ja, das ist meine Ausgabe, aus der sie spielen - ist ja auch die einzige! Mich erfüllt dies mit sehr viel Freude und Glück, dass die Arbeit nicht nur von mir genutzt wird und das es dadurch sogar zu Aufführungen kommt. Ihr wisst ja, das Ludolf eine Herzenssache für mich ist! Und somit will ich mit Euch dieses Video teilen, und ich hoffe die Musik - die deutlichen seinen späteren leichten Stil angehört - gefällt Euch!



    Herzliche Grüße
    Christian

    Zitat

    Zitat Stimmenliebhaber: Trotzdem kann es nicht schaden, das zu lesen, was bei Ort über ihn steht, wenn man sich intensiv mit ihm beschäftigen möchte. Als ich die dortige Kurzbiografie von ihm im Anhang las, hat es mir fast die Sprache verschlagen. Ich habe das Buch gerade nicht hier, kann daher auch nicht daraus zitieren. Da es abgesehen von den sehr kritischen Passagen zu Neumann eine serh lohende und vor allem gut geschriebene Janacek-Biografie ist, kann ich das Buch nur empfehlen.


    Genau diesen Eindruck hatte ich nicht, als ich mir das Buch nach einer mich begeisternden Aufführung des schlauen Füchsleins gekauft hatte. Natürlich ist der persönliche Briefwechsel interessant und gibt viel persönliches preis, doch fehlten - so meine Erinnerung - doch essentielle Details seiner Biografie, die bestenfalls kurz angerissen worden sind. Zudem wimmelte es nur von Rechtschreibfehlern. Um einen intensiven Blick in die Werkentstehungen und seine Sprachmelodien zu bekommen, ist es tatsächlich empfehlenswert, wer jedoch - wie ich - trockene Fakten zu seinem Leben erwartet und schätzt, sollte auf eine andere Publikation über ihn zurückgreifen.


    LG
    Christian

    Zitat

    Wie ist das eigentlich? Chordirigenten haben nie einen Stock, Orchesterdirigenten immer?

    Chordirigenten in der Regel ohne. Dirigenten je nachdem - viele Dirigenten sind der Meinung, dass man mit Taktstock präziser schlagen kann als nur mit der Hand. Wer jedoch einmal Pierre Boulez erlebt hat, der immer ohne dirigiert, weiß, dass es auch ohne sehr präzise zugehen kann - benötigt aber wohl eine besondere Technik. Dazu kann ich folgendes Buch sehr empfehlen - es beinhaltet Interviews mit zahlreichen bekannten Dirigenten (Von Mehta über Nagano bis Salonen) über ihre Taktstöcke, weshalb sie einen nutzen/einen nicht nutzen. Es ist Geschmackssache aber im Orchestergraben wird in der Regel ein Stock bevorzugt.




    LG
    Christian

    Lieber hami,


    natürlich hast Du recht! Im Idealfall hört das Orchester ja auch aufeinander. Tatsächlich war es bei uns mal der Fall, dass ein Kapellmeister, der die Partitur vorher noch nie dirigiert hat, bei Verdis Boccanegra einspringen musste. Der Kontrabassist sagte mir nur hinterher, dass sie ihm gut geholfen hätten indem sie seine Einsätze ignoriert hätten. Ich bin mir daher echt im Zweifel ob der Dirigent beim Auftritt noch viel zu sagen hat. Ich merke das auch bei dem Chor, den ich ab und zu vertretungsweise leite - wenn wir ein bereits bekanntes Stück machen, kann ich vorne ein riterdando anzeigen wie ein Wilder - die singen trotzdem durch...


    LG
    C.

    Zitat

    Wie ist der Einfluss des Dirigierstils auf das Ergebnis, die Interpretation?


    Eine sehr interessante Frage von Dir, lieber moderato. Würde die Frage "Beeinflusst der Dirigierstil des Dirigenten die Interpretation?" lauten, würde ich mit einem klaren "Jein" antworten. Zumal ich mir nicht mal sicher bin, ob es sowas wie einen "Dirigierstil" überhaupt gibt. Letztendlich geht ja jedes Dirigat auf die Grundformen zurück (sprich 4/4 Schlag, 3/4 Schlag, etc.), die natürlich je nach Bedarf modifiziert werden können (für Einsätze oder einen gewissen musikalischen Ausdruck). Wie dies geschieht ist natürlich Sache des Dirigenten und er kann dadurch die Interpretation darstellen. Insofern kann der Dirigent natürlich durch seine Bewegungen die Interpretation deutlich machen und hoffen, dass das Orchester darauf reagiert. Nicht alle Dirigenten vermögen es allerdings durch ihr Dirigat die Interpretation zu zeigen - also auch Worte sind nötig!
    In vielen Theatern ist es allerdings natürlich gang und gebe, dass der GMD die Premiere dirigiert, der Kapellmeister aber weitere Vorstellungen - meist ohne Probe - nachdirigieren muss. Dabei ist das Orchester natürlich meist so eingespielt, dass es keine große Rolle spielt, ob auf dem Podest ein Walzer oder ein Marsch dirigiert wird (wurde mir so bei meinem Praktikum im Theater berichtet). Dies ist auch so gewünscht, denn die eingeübte Qualität soll bei allen Vorstellungen beibehalten werden, egal ob jemand ausfällt. Gerade jemand wie Simonov - zumindest meine Meinung - (von dem ich ja erst vor ein paar Tagen ein kleines Video hier gepostet habe) wird davon profitieren, denn die Show die er auf der Bühne macht ist manchmal durchaus eindrucksvoller als das musikalische Erlebnis.


    LG
    Christian

    Liebe Taminos,


    mal wieder bin ich in Dänemark auf "Komponisten-Tour" unterwegs. U.a. besuchte ich die mit Carl Nielsen, Ludolf Nielsen, Hakon Børresen und Rued Langgaard verbundene Stätten. Anfangen möchte ich mit der Vorstellung des Hauses von Hakon Børresen in Skagen, an der Nordspitze Jütlands. 1910 vom renomierten Skagenarchitekt Ulrik Plesner erbaut, reiht es sich im Baustil mit seiner gelben Farbgebung und den an den Rändern verfugten Ziegeldächern ganz in die bisherige Künstlerkolonie (in der u.a. P.S. Krøyer, der sich sehr gerne von Børresen beim Malen musikalisch begleiten ließ, H. Drachmann und Carl Nielsen ständige Gäste waren) ein. Børresen, der hier gerne Urlaub von seinem Stadtleben in Kopenhagen nahm und hier auch Inspiration am Meer erfuhr, benannte das Haus nach seiner erfolgreichsten Oper "Kaddara". Das Schild mit dem Namen ist auch das einzige, was von außen an den berühmten Bewohner erinnert. Im Inneren befindet sich eine große Halle, die noch weitgehend mit persönlichen Gegenständen (Büste von H.B., Flügel, Kunstwerke, Stühle) ausgestattet und weitgehend erhalten ist. In der Mitte zeugt ein über zwei Stockwerke reichender steinerner Kamin von dem Wohlstand des Komponisten. Leider konnte ich das Haus, welches das wahrscheinlich größte Künstlerhaus Skagens ist, nur von hinten fotografieren - eine Vorderansicht ist mit ein wenig Suchen im Internet jedoch auch auffindbar. Im Skagenmuseum, nur wenige Gehminuten vom Haus im Chr. X Vej 82, hängt das (unter Børresen-Fans) berühmtes Portrait von Michael Ancher.





    Herzliche Grüße
    Christian

    Lieber Joseph,


    aus aktuellen Anlass suchte ich ein wenig im Forum herum und fand tatsächlich Deinen Thread über Langgaard Oper Antikrist. Gerade habe ich mir eine Karte für das Langgaard-Festival in Ribe/Dänemark gekauft, wo in diesem Jahr die Oper Antikrist gleich zwei Mal im September unter der Leitung von Thomas Dausgaard aufgeführt wird - das darf ich mir natürlich nicht entgehen lassen, zumal ein guter Freund die Einführrungsveranstaltung hält.
    Bisher kannte ich nur Ausschnitte der Oper, die auf youtube einhörbar sind und ein eindrucksvolles Klangspektakel erwarten lassen - ich bin sehr gespannt und werden berichten.
    Falls sich noch jemand für das Festival interessiert: http://langgaardfestival.dk/deutsch-2/


    Herzliche Grüße
    Christian

    Lieber Willi,


    vielen Dank für die Erinnerung an den heutigen Geburtstag von Esa-Pekka Salonen, für den ich nach wie vor eine große Begeisterung habe. Die von Dir aufgeführte Aufnahme der 3. Sinfonie Mahlers gehört zu dem Besten, was Salonen auf CD eingespielt hat - ja für mich ist sie sogar die großartigste aller von mir bisher gehörten Aufnahmen (Bernstein, Inbal, Rattle) dieser Sinfonie.
    Welche ein Klang, welch eine Intensität, die Tempi schlichtweg perfekt (furioser habe ich das Ende des ersten Satzes auch nie gehört), das Orchester klingt großartig und dann der Schlusssatz - als würde die Himmelspforte aufgehen und die ganze Welt von Licht überströmt werden. Ich kann nur jedem raten - hört Euch diese Aufnahme an :D Wäre bei mir definitiv ein Fall für die Insel...


    Noch eine kleine Story - in der 8. Klasse, als wir nach London geflogen sind sollten wir alle ins Musical "We will rock you" gehen. Da ich jedoch einen guten Draht zu meinen Lehrern hatte (und ich war weißgott keiner, der den Lehrern die Tasche getragen hat), besorgte mir meine Englischlehrerin eine Karte für das Salonenkonzert - sie wusste ja, dass ich diesen Dirigenten verehre. Während meine Kameraden also der Musik von Queen lauschte, ging ich in die Royal Festival Hall und hörte das Philharmonia Orchestra mit Bergs Violinkonzert und Mahlers 6. Sinfonie. Nach Mahler ging ich 14 jähriger kleiner Bub also zum Dirigentenpult und bat ihn um eine Signatur auf meiner Revueltas CD, die er mir gerne gab. Zeitgleich schwoll der Applaus im Publikum an und nicht wenige sagten nachdem der Applaus verebbt war "Well done, young boy!" zu mir. Stolz zeigt ich meine signierte CD herum... (die Reaktion meiner Kameraden erwähne ich besser nicht) ein unvergesslicher Abend! Herzlichen Glückwunsch Mr. Salonen!


    LG
    Christian

    Liebe Taminos,


    seit langer Zeit hörte ich heute mal wieder Hugo Alfvéns dritte Sinfonie, die mir eigentlich nicht so richtig zusagen wollte - doch heute - ich glaube ich muss meinen Vorrednern zustimmen, wenn sie behaupten, dass diese Alfvéns Meisterwerk ist. Es ist mit der ersten schwedischen Rhapsodie auch offenbar das einzige Werk Alfvéns welches öfter (zuletzt in Cardiff und Ystad) gespielt wird. Während seine anderen Sinfonien oft in ein und derselben thematischen Idee verweilen (was insbesonders bei seiner doch recht uninspirierten 5. sehr auffällig ist), ist dies hier gar nicht feststellbar.


    Die Musik beginnt - ja, spontan fällt mir ein - wie die Alpensinfonie von Strauss: mystisch, verklärt, dunkel - allein wie Alfvén hier die Harfe und das Orchesterklavier einsetzt :hail: Eine gewisse Dunkelheit bleibt im ganzen Werk bestehen, die Alfvén teilweise mit wirklich hochraffinierten Instrumentierungen noch schattiger werden lässt. Der Scherzoteil ist wahrlich sehr erotisch verspielt - auch hier kann man die geniale Instrumentierung nur nochmal hervorheben. Die Vocalisen - nun ja - offengestanden bin ich kein großer Fan davon, doch verschmelzen sie hier sehr harmonisch mit dem Orchesterklang, zumal sie wahrlich herrliche Phrasen beinhalten. Wirklich allerbeste Musik!


    Nachdem ich auch immer die Järvi-Aufnahmen gehört habe, habe ich für diese Hörsitzung heute doch die mit den Stockholmer Orchester unter Stig Westerberg herausgesucht, die nicht nur einen fantastischen Klang hat, sondern auch künstlerisch doch gelungener ist. In den kommenden Tagen werde ich mir auch mal die Aufnahme unter Alfvéns eigener Stabführung mit der jungen Birgit Nilsson (!) anhören. Ich bin gespannt!


    Herzliche Grüße
    Christian

    Lieber teleton,


    ich kenne die hier gezeigt Aufnahme unter Berglund nicht, bin aber mit einigen dänischen Musikwissenschaftlern bekannt. Diese schwören alle auf die Aufnahme von Michael Schønwandt aus den Jahren 1999-2001. Diese, so meine Bekannten, stehen am nächsten an Nielsens eigener Werkvorstellung, die damals größtenteils von der dänischen Dirigentenlegende Launy Grøndahl, als enger Vertrauter des Komponistens, vertreten worden ist. Schønwandt bewegt sich in ähnlichen Interpretationsansätzen. Mich selber überzeugt diese auch an meisten (habe noch Salonen und Bostock), das Orchester spielt einen energischen, kraftvollen Nielsen - die Tempi sind perfekt, der Klang ebenso. Vielleicht kannst Du Dich ja auch zu dieser Aufnahme hinreißen lassen ;) In der Neuauflage ist sie sogar mit SACD's zu erhalten.



    LG
    Christian