Beiträge von Antracis

    Habe seit einigen Wochen eine "Kammermusikphase", was hohe Ansprüche an die Geduld meiner Frau stellt, da sie vokalen Wohlkang lieber goutiert, als stundenlange "Schrammelmusik". Nachdem ich also die Beethovenquartette und die von Schostakowitsch rauf und runter gehört habe, fiel mir die oben schon gelobte CD mit dem Hagen-Quartett ins Auge, die seit Jahren in meinem Regal verstaubte.


    Was für ein Werk - und vor allem, was für eine Interpretation. Nicht nur, dass quasi auf der äußersten Stuhlkante gespielt wird und die Intensität vor allem des ersten Satzes einen in den Sessel drückt; die Farbigkeit des Klanges, der erreicht wird, ist darüberhinaus echt frappierend. Gefällt (wohl deshalb) sogar der Gattin. :D


    lg
    Sascha

    Ich bin ja der Meinung (und halte mich selbst nicht daran :D), dass man sich die Superlative für die wirklich großen Ausnahmesänger aufheben sollte. Melchior ist unzweifelhaft einer davon. Er darf nie fehlen, wenn es um Wagnersänger, große Tenöre, ja um die größten Sänger aller Zeiten geht - Egal, ob man diese an zwei oder gar nur an einer Hand abzählt.


    In seinen besten Aufnahmen bietet der große Däne eine dem Ideal nahekommende Verschmelzung von künstlerischer Individualität und technischer Virtuosität - auf dem Fundament einer der größten stimmlichen Naturgaben des Jahrhunderts!. Ihre Vollendung findet diese Paarung durch eine offenbar aus naiver Empathie geborene, im besten Sinne unkünstlerisch daherkommende Interpretation. Und wenn sie denn doch wohlkalkuliert sein sollte, verbirgt sie dies doch meisterhaft.


    Wenn Melchior den Schwertmonolog der Walküre singt, werden die Wälserufe - so unvergleichlich er diese singt, wenn er sie nicht gerade, was live auch vorkam, zur Parodie entstellte - zur Nebensache. Weil er nämlich das Ende ab "Nächtiges Dunkel" so einmalig zu gestalten weiß, dass er alle Siegmunde danach klar deklassiert. Gleiches in den deutsch gesungenen Otello-Monologen, der Romerzählung, vielen Tristan- und Siegfriedszenen.
    Und auch, wenn er von der stimmlichen Signatur kein idealer Lohengrin ist, setzen seine Brautgemachszenen für mich die Maßstäbe.


    Neben allen Gaben schätze ich in der Tat seine Kunst, Kunst zu verbergen, am allermeisten. Das ist etwas, was soliden Wagnerrecken wie James King oder Jess Thomas nie wirklich gelang und selbst bei einem Ausnahmeinterpreten wie Jon Vickers schimmert immer noch gewissermaßen die intellektuelle Grundlage seiner diskographisch unersetzlichen Entäußerungen durch.
    Melchior hingegen wirkt auf mich immer wie jemand, der nie Singen gelernt hat. Sondern einfach mal draufklos singt, was halt die Figuren fühlen. Und dies - in seinen besten Aufnahmen - ohne die Maßstäbe des Kunstgesanges an den Affekt zu verraten.


    Die meisten großen Aufnahmen wurden ja schon genannt. Einfacher wäre es wohl freilich, die verzichtbaren Dokumente aufzulisten. Aber selbst das Esultate des 70jährigen und die 12-Sekunden-Wälserufe haben bei aller künstlerischen Wertlosigkeit sammlerisches Gewicht. :D


    Gruß
    Sascha


    Diese Beobachtungen liegen aus meiner Sicht daran, das Nucci kein genuiner italienischer Heldenbariton ist, sondern von der Natur ein lyrisches Stimmaterial geschenkt bekam. Wenn so jemand nun aber beispielsweise schwere Partien wie den Jago singen will, bekommt er unweigerlich Probleme, die er lösen muss. Thomas Hampson beispielsweise, ebenfalls ein lyrischer Bariton, hat zwar meines Wissens nach die Hände vom Jago gelassen, aber sich durchaus mit dem Simone und Amfortas an schwerere Kaliber gewagt - und zwar durch kluge Rollendisposition und Betonung der lyrischen Elemente, um seine stimmlichen Mittel nicht zu überziehen - da kann man nun verbliebene Defizite herausstellen, oder aber die Resultate dennoch bewundern.


    Nucci hingegen hat die Lösung offenbar eine zeitlang durch ein - auf mich enervierend wirkendes - Forcieren der Stimme gelöst, das nicht nur sein Timbre entstellt, sondern auch seine durchaus vorhandenen musikalischen und singschauspielerischen Möglichkeiten eingeebnet hat. Mit dem Resultat eines nicht gut fokussierten Dauerforte.
    Insofern sind auch eigentlich alle Aufnahmen, die ich von Ihm kenne (zumeist die älteren), innerhalb der Diskographie verzichtbar, weil ich immer problemlos andere Sänger finde, die ohne stimmliche Grenzübertritte deutlich bessere Ergebnisse liefern.


    Wie es auf der Bühne ausschaut - das Thema hab ich schon des Öfteren mit Severina diskutiert - , ist natürlich eine etwas andere Sache. Aber entzieht sich meiner Beurteilung, ich hab Ihn nie live erlebt - das er Bühnenwirksam ist, kann ich mir gut vorstellen.


    Gruß
    Sascha

    Naja, vorgestern gabs ja die Walküre im Radio. Ich war gerade beim Zähneputzen vor dem Schlafengehen angelangt, da klopfte meine Frau an die Badezimmertür und sagte " Es läuft gerade "Wotans Abschied"...aber ich glaube, dass hörst Du besser nicht..."


    Ich habs mir dann auch nicht angehört...aber mir wurde von der besseren Häfte glaubhaft versichert, dass sich der betreffende Wotan (vermutlich Dohmen...?) als vollkommen unfähig erwies, den Abschied von der Tochter im auch nur halbwegs sicher gestützen Piano zu singen...:rolleyes:


    Witzige Begegnung am Rande: Kurz vorher hörten wir den dritten Akt, Parsifal, die Bayreuther Aufnahme mit "Schlepping Jimmy Levine" und Peter Hofmann (85, glaube ich). Letzterer schliddert bei (und nicht nur dort) "Und ich bins, der all dies Elend schuf" in ein dermaßen böses Tremolo, dass man unweigerlich denkt: Genau! :wacky: :D


    lg
    Anti

    Zitat

    Original von Theiresias
    Wir dürfen nicht vergessen, dass es das frühe Karriere Ende auch schon früher gab. Auch in der ersten Hälfte des 20 Jhd. Die Ursache für den Stimmverschleiß war fast durchweg eine nicht optimale Technik in Kombination mit dem Singen des schweren Fachs.


    Als Beispiele fallen mir Friedrich Schorr und Franz Völker ein.


    Hallo Theiresias,


    Kannst Du technische Defizite bei Schorr benennen ? (-> nicht provokant sondern interessiert gefragt ;))


    Bei Völker tue ich mich auch schwer, wirkliche Defizite zu entdecken. Allerdings ist auch schon in frühen Aufnahmen (beispielsweise der 36 Lohengrin) festzustellen, das die Vollhöhe mit viel Druck produziert werden muss und die Töne bei weitem nicht so mühelos ausschwingen, wie die wundervolle Mittellage.


    Bei Melchior hast Du hinsichtlich der Aussbildungssorgfalt sicher recht, allerdings ist er halt auch einfach physisch eine Ausnahmeerscheinung gewesen.
    Solche sängerischen Wunder schaffen es manchmal sogar ohne Ausbildung, wie exemplarisch Helge Roswaenge vorführt: Weitgehend Autodidakt, der sich am Karriereende noch mehr Vorstellungen und hohe Töne zumuten konnte, als die meisten Kollegen in ihrer Blütezeit.


    Auch kluge Rollendisposition gehört natürlich zum Langezeiterfolg, siehe beispielsweise Alfredo Kraus.


    Gruß
    Sascha

    Zitat

    Original von operus


    Ich bin mir nicht ganz im Klaren darüber, ob Kesting Moll als Osmin gegenüber Frick favorisiert. In seiner dreibändigen Ausgabe "Die großen Sänger" steht wörtlich:" Eine der größten Leistungen Fricks auf Platten ist sein Osmin in der Aufnahme der "Entführung" unter Sir Thomas Beecham , Zwar singt er die Musik des Haremswächters nicht so geschmeidig und elegant wie Kurt Moll, aber sein Porträt hat insgesamt mehr Gewicht, mehr Verve, mehr zappelnd-aufgeregte Boshaftigkeit". Vor nicht allzu langer Zeit bezeichnete Kesting den jungen Frick in der Zeitschrift "Opernwelt" als den besten Interpreten dieser Partie.
    Wobei ich Kestings Einschätzung der beiden überragenden deutschen Bassisten durchaus etwas abgewinnen kann. Moll sang zweifellos beweglicher und geschmeidiger, komischerweise machmal mit Höhenproblemen,z. B. bei König Heinrich,und Pogner. Frick ist in den meisten seiner Rollenproträts, vor allem auch durch seine Orgeltöne in den tiefen Lagen, ein Elementatereignis. In den zur Zeit unter TQOO im Forum laufenden Bewertungen, wird treffend herausgearbeitet, dass z. B. die meisten Wagner-Partien Fricks Domäne waren, genauso z. B. Rocco. Kurt Moll sang dagegen die diffizilen Charaktere in den Bühnenwerken von Richard Strauß vollendend, von denen Frick in kluger Selbstbeschränkung die Finger ließ.


    Hallo Operus,


    vermutlich hast Du mit Deiner Einschätzung Recht . Ich war da interpretierend aufgrund der herausragenden Würdigung Molls bezüglich der Osmin-Partie und habe auch noch allgemeine Vorlieben von Kesting für balsamisches Singen (Beispielsweise den durchaus diskutablen Hagen von Karl Ridderbusch) eingerechnet, aber seine Aussagen bezüglich Frick sind ja eindeutig.


    Hinsichtlich der Wagnerpartien im Vergleich zwischen Frick und Moll ist es so eine Sache. Moll hat generell Limitationen bezüglich seiner sängerischen Signatur. Hagen und Hunding liegen dieser nicht, auch wenn er zumindest als Hunding gewichtige Fürsprecher hat. Dann tue ich mich immer schwer, von wirklichen Höhenproblemen zu sprechen. Er war halt ein Profondo mit durchaus guter Höhe, aber nicht mit einer solch sicheren Höhenexpansion, wie sie Frick vorweisen konnte. Das beeinträchtigt Molls Darbietungen des König Heinrich, macht andererseits Frick zum idealen Interpreten der Partie. Deine Begeisterung bezüglich des Gurnemanz von Frick kann ich allerdings nicht ganz teilen. Sicher eine mehr als respektable Leistung, aber da ziehe ich Moll (vor allem unter Kubelik) bei weitem vor, weil das Portrait sängerisch souveräner und vor allem farbiger und nuancierter daherkommt. Für mich auch in Verbindung mit der Stimmfärbung der ideale Gurnemanz. (Und es ist mir recht unbegreiflich, wie ein stimmschöner, stimmgewaltiger, aber ungleich langweiligerer Sänger wie Hans Sotin diese Rolle in Bayreuth dominieren konnte.).
    Auch als Sarastro ziehe ich sein balsamisches Legatosingen vor, wobei ich da Fricks Leistung nicht an seiner Klempereraufnahme messe (die widerum nicht so katastrophal ist, wie sie gemacht wird.).


    Wie auch immer, da spielen auch persönliche Präferenzen eine Rolle. Frick ist für mich der vielseitigere Sänger, der die eindringlicheren Portraits zeichnen konnte. Moll hingegen, so abgedroschen das klingt, eine belcanteske Offenbarung, der durch Timbre und Temperament Repertoiregrenzen hatte, aber auch im Liedgesang und vor allem im Oratorienbereich würdige Leistungen hinterlassen hat.


    Letztlich habe ich aber immer auch das Gefühl, dass Frick hinsichtlich der Diskographie glücklicheren Umständen unterliegt. Seine Leistungen sind fast durchweg innerhalb von Referenzaufnahmen entstanden, während es bei Moll nur wenige Aufnahmen gibt, wo nicht nur er der Grund ist, die Platte zu kaufen - schade.


    Gruß
    Sascha

    Hallo KUS,


    danke für die Infos und viel Spaß beim Einleben.




    Zitat

    Original von GiselherHH


    P.S.: Die Kesting-Neuausgabe, so dringend erwünscht sie auch ist, bewegt sich preislich aber ziemlich im oberen Rahmen. Das dreibändige Original von 1986 kostete etwa 360,-- DM, wenn ich mich recht erinnere.


    Na, dann wird es doch jetzt sogar noch etwas billiger! An den 1:1 Umrechnungskurs haben wir uns doch schon gewöhnt. :D


    :hello:
    Sascha

    Die Inflation der 5er-Wertungen sehe ich ebenfalls mit einer gewissen Sorge. Nun ist ja die 5 definitionsgemäß nicht nur für absolute Ausnahmeleistungen reserviert, aber die Tatsache, dass sogar die 3 selten und die 2 bisher fast gar nicht eingesetzt wurde, führt aus meiner Sicht schon zu einer mangelnden Trennschärfe in der Skala, wo dann allzuviele Aufgaben auf engstem Wertungsraum knapp unterhalb der Höchstwertung rumkrebsen.
    Aber dafür gibts ja dann die Diskussionsthreads, um das Ganze auseinander zu klamüsern...


    Gruß
    Sascha


    Ich halte die Fragestellung auch generell für problematisch, wenn man sich die neurophysiologischen Gegebenheiten des Hörens klarmacht. So ist Hören ja nicht primär ein physikalischer Prozess, sondern vor allem ein biologischer. Sprich, wenn jemand beispielsweise ein in musikalischer Hinsicht sehr sensitives Gehör hat, hängt das nicht (oder nur unwesentlich) mit dem Bau des Ohres oder den Schalleitungskomponenten zusammen, sondern von der Existenz bestimmter synaptischer Muster im Gehirn.


    Die Reize - also z. B. die einzelnen Töne von einem Akkord - landen (nachdem bereits gewisse Verarbeitungsprozesse in der Hörbahn selbst stattgefunden haben!) zuerst in einem primären Areal der Großhirnrinde, wo quasi eine Analyse des Gehörten stattfindet. Es wird aber auch unweigerlich ein sekundäres Areal durchlaufen, wo die gehörten Eindrücke mit den Informationen aus höheren Hirnarealen "verrechnet" werden und vor allem auch ein Vergleich mit auditiven Erinnerungen erfolgt. Erst dieses Ergebnis gelangt dann in unser Bewusstsein und das dürfte auch die Grundlage offenbarer Defizite bei der "objektiven Erhebung von Befunden beispielsweise beim Bewerten von Singstimmen sein, wo sich ja nicht selten verblüffende Unterschiede zeigen.


    Objektiv existiert natürlich ein eindeutiges Reizmuster, aber die dem Bewusstsein zugängliche Information ist immer eine unweigerlich von höheren Hirnarealen beeinflusste Botschaft.
    Und deshalb geht die Annahme einer naturgesetzlichen Auslösung von emotionalen Reaktionsmustern fehl, weil das Gehirn halt nicht einfach ein Resonanzkörper ist, der feste Schwingungseigenschaften hat. Sondern im Vergleich am ehesten ein dem Messgerät nachgeschalteter Computer, dessen Ergebnis immer von der Programmierung abhängt.


    Gruß
    Sascha

    Hallo zusammen,


    anlässlich des Erscheinens der neuen Decca-Box mit gängigen Livemitschnitten aus Bayreuth der 60er bis 80er Jahre wollte ich die einzelnen Aufnahmen in den entsprechenden Threads zur Diskussion stellen. Zumeist wurden sie ja schon besprochen bzw. zumindest erwähnt, aber die Box ist ja durchaus ein Schnäppchen und so ist zu Hoffen, dass auch andere User die Aufnahmen aus aktuellem Anlass hören oder zumindest ein Interesse bei potentiellen Käufern besteht.
    Und nicht zuletzt bietet dieser Vorsatz für mich eine gewisse Unterstützung, die 33 neu gekauften CDs auch zu hören. :D




    Am Anfang steht also der Holländer von 1961 und das Wiederhören machte viel Freude. Die Aufnahme besitzt ja einen gewissen Ruf, war aber für zumindest einige Jahre leider gar nicht einzeln erhältlich.
    Für mich die große Überraschung das Dirigat von Wolfgang Sawallisch, der mir eigentlich immer als recht behäbig agierender Kapellmeister in Erinnerung war (vor allem Liveeindrücke im Alter). Hier aber sitzt man vom ersten Ton an als Hörer auf der Stuhlkante und schaut bisweilen beängstigt, ob nicht Gischt aus den Lautsprechern spritzt. Es gelingt ihm, einen unglaublich intensiven rhythmischen Puls durch das ganze Werk zu verfolgen. Der Höhepunkt für mich dann die große Matrosen-Chorszene, wo wahrlich eine Schlacht zwischen den einzelnen Besatzungen tobt. Da wird mit vollstem Einsatz und dennoch weitgehend sehr präzise musiziert.
    Der Belcanto-Holländer von Franz Crass ist ein sehr hörenswerter Sonderfall. Er lehrt einerseits, wie technische Meisterschaft und kluge Disposition auch eine Stimme jenseits überbordender, heldenbaritonaler Mittel sicher durch die Partie leiten. Und weiterhin, bei allem Verständnis für den Vorwurf mangelnder Dämonie, wird so daran erinnert, dass nur wenige Szenen der Titelpartie wirklichen heldenbaritonalen Charakter haben, während andererseits viele eher an die Tradition der romantischen deutschen Spieloper anknüpfen und dieses element bedient Crass wunderbar. Anja Silja" ist die zweite vocale Stütze der Aufnahme. Ihre Senta ist engagierter und vor allem technisch souveräner, als in der späteren Klempereraufnahme.
    Sehr zwiespältig Joseph Greindl. Stimmlich ist er nicht gut beieinander, hat erheblich zu kämpfen. Dennoch - dies wohl seine größte Tugend - schafft er es , einen egoistisch-geldgierigen Daland glaubhaft auf die Klangbühne zu stellen. Und dies nicht nur aufgrund des meckernden Lachen, auf das ich gut verzichten könnte. Dennoch im Vergleich mit Sängern wie Moll, Talvela oder Ridderbusch sängerisch eine Zumutung.
    Fritz Uhl als Erik erinnert daran, dass auch Wagner Gruppetti in seine Partien geschrieben hat - leider dadurch , dass er sie sehr ungelenk ausführt. Kann er in dieser Partie nicht wirklich überzeugen, mag ich mir seinen Tristan gar nicht erst vorstellen. Last and certainly least Georg Paskuda als Steuermann, leider mit nicht sehr klangvoller, flacher und heiserer Stimme ,und auch wenig intonationssicher.


    Fazit: Dirigat, Chöre und die Protagonisten ergeben für mich eine der
    besitzenswerten Aufnahmen des Werkes. Schon alleine dafür würde sich bei dem Preis der Kauf der Box lohnen. Die Kangqualität ist gut und die ganze Aufnahme wirkt sehr live - und das nicht nur wegen der manigfaltigen Bühnengeräusche.


    Gruß
    Sascha

    Ich muß gestehen, so interessant die Diskussion ist, so wird mir doch beim Nachdenken über die landläufige Motivation für die Fragestellung immer etwas mulmig.
    Welcher Zweck wird denn mit dieser "wissenschaftlichen" Betrachtung eigentlich verfolgt ?


    Man bezieht sich auf die abendländische Musikgeschichte, in der meines Wissens nach die ersten atonalen Keime schon in der Musik des 16. Jahrhunderts vereinzelt nachzuweisen sind, die dann während der Spätromantik langsam austreiben, um dann in den letzten 100 Jahren aufzublühen. Nicht zwangsläufig die einzige Wachstumsrichtung der klassischen Pflanze also, aber immerhin ein Zweig, der allen Unkenrufen zum Trotz einfach nicht verdorren will.


    Was bedeutet dies nun, wenn damit also gegen die menschliche Natur komponiert würde ? Wertlose weil widernatürliche Kunst ( muss noch jemand an ein Synonym denken :stumm: ) ? Als Lügner entlarvte Musikliebhaber, für deren emotionale Rezeption es überhaupt keine Grundlage gibt und deshalb andere Motivationen für Ihre positive Einstellung unterstellt werden müssen ?
    Und nicht zuletzt Bestätigung der Kompetenz für diejenigen, die den Kram ja eh nie leiden konnten ?


    Irgendwie erinnert mich die Diskussion ( nicht speziell hier, aber durchaus an den intellektuelleren Stammtischen, wo ich sie leider schon öfters erlebte) ein bisschen an die Streitigkeiten um die "biologische Legitimität" der Homosexualität. Da sind gewisse Kreise auch immer sehr bemüht, nachzuweisen, dass nicht sein kann, was dennoch ist.


    Gruß
    Sascha

    Hallo zusammen,


    Franz Völker hat hier ja seinen eigenen Thread, wobei ich gestehen muss, dass mir die Konzeption nicht sonderlich gefällt.
    Eine kritische Auseinandersetzung mit den großen Sängern ist von meiner Seite zwar nicht nur geduldet, sondern sogar ausdrücklich erwünscht, aber eine Solche sollte dann doch in eine Gesamtwürdigung integriert werden - gerade bei einem Sänger, der sicher zu den größten Wagnertenören des letzten Jahrhunderts zu zählen ist.


    Ich würde deshalb vorschlagen, dass ich in den nächsten Tagen einen ausführlichen Einführungstext zum Schaffen Völkers verfasse, der dann den Posts dieses Threads vorangestellt wird, auch mit neuem Titel. Denn wie gesagt, eine kritische Würdigung ist ja in jedem Sängerthread erwünscht.
    Falls eine "Zusammenlegung" nicht gewünscht ist, gibt es halt bald zwei Threads zum selben Thema - was ich aber für die schlechtere Lösung halte.


    Anlass für die Erneute Beschäftigung mit Völker ist übrigens seine Interpretation des Preisliedes, die ich heute erstmals ausführlich hören konnte.
    Nicht nur als Lohengrin und Siegmund ist er nahe dem Ideal, sondern auch als Stolzing. Die Aufnahme ist ein echter Ohrenöffner. Tonbildung, Phrasierung und Legato sind Musterbeispiele für lyrisches Singen. Und auch, wenn es sicher richtig ist, dass Völker in der Höhe begrenzt war: Die Stimme wird hier mühelos durch die unangenehme Tessitura des Preisliedes geführt, die Spitzentöne strahlen wie die besungene Morgensonne.


    :jubel: :jubel: :jubel: :jubel:


    Nach meiner bisherigen Hörerfahrung spielt nur noch Tauber in dieser Klasse, der zwar vor allem in der Höhe nicht so souverän agiert, aber dennoch mit seiner gewohnt eigenwilligen musikalischen Finesse lyrischen Zauber versprüht. Alle anderen sind deutlich distanziert. Melchior liegt die Partie nicht wirklich und Konya wirkt mit seiner allzu brustig produzierten Höhe doch eher kraftmeierisch denn lyrisch. Auch James King und Kollo können weder mit stimmlichen Mitteln, noch mit der sängerischen Finesse mithalten. Und die wackeren Recken des aktuellen Bühnengeschehens, Seifert und Heppner schlagen sich in der Szene achtbar, aber auch nicht mehr.


    Gruß
    Sascha

    Also ich lehne Videoprojektionen nicht prinzipiell ab, habe aber oft ein Problem damit. Es gelingt (mir oder dem Bühnenbildner ?) nämlich meist nicht, diese zweidimensionale Darstellung harmonisch in den dreidimensionalen Bühnenraum zu integrieren. Die Bühne als Ganzes bildet dann keine Einheit mehr, sondern zerfällt in Rampe und Leinwand.


    Wenn es allerdings gut integriert wird, was auch hohe Ansprüche beispielsweise an die Beleuchtung stellt, warum nicht.


    :hello:
    Sascha

    Lieber Christian,



    Das glaube ich Dir aufs Wort, obwohl meine Erfahrungen in der gehobenen Gastronomie bisher durchweg befriedigender ausgefallen sind, als in diversen McDoof-Filialen oder gar in als Brummifahrer-Geheimtipp gehandelten Autobahnraststätten.


    In besonders haarsträubender Erinnerung ist mir jedoch die intellektuelle Selbstbeweihräucherung eines spezifischen Klientels geblieben, dass ich während meiner Schul- und Studienzeit beim stunden- bis tagelangen Anstehen an der Philharmonie erdulden mußte. Da wurde wenig Hehl daraus gemacht, dass der Konsum von Kulturgütern lediglich als Substitution für nicht erreichbare monetäre Güter und gewisse gesellschaftliche Stellungen fungierte. Mahler mit Abbado wurde präsentiert wie die nicht bezahlbare S-Klasse, statt Diamantringen schmückte man sich mit Theateraufführungen. Nun ja.


    Aber die feelichen Ausführungen halte ich doch in einem Punkt für sehr treffend: Eine auf hohem Niveau zubereitete Küche stellt halt komplexe Anforderungen an die menschlichen Sinne. So, wie ein großartiger Rotwein, ein großer Roman von Thomas Mann oder eine Sinfonie von Mahler. Pommes Rot-Weiß, Lambrusco d´Aldi sued, Konsalik oder halt Hansi Hintersehers Alltime Klassiker "I koa zwoa net sin´g, tuas oba do", sind dann doch mit einem gröberen sensorischem Raster zu erfassen.


    Meine Erfahrung hinsichtlich der Auflösungsfähigkeit in bestimmten Bildungsschichten ist nun zwar, wie JR richtig feststellte, lediglich anekdotisch, jedoch reicht sie aus, um festzustellen, dass auch ein Doktortitel die Bevorzugung künstlerischer Hausmannskost nicht verhindert.
    Oder um es deutlicher auszudrücken und die durchaus schmachtenswerte Hausmannskost nicht zu beleidigen: Es scheint in jeder Bildungsschicht Menschen zu geben, denen es ausreicht, sich auf die Zufuhr von Flüssigkeit, Nahrung und das Unternehmen von Fortpflanzungsversuchen zu beschränken, und darüberhinausgehenden, komplexeren seelischen Input für verzichtbar anzusehen.



    Ansonsten stehe ich dieser Thematik mittlerweile relativ leidenschaftslos gegenüber, was nicht immer so war.
    Ich erinnere mich dunkel meiner Abiturzeit, wo ich mit einem Mitschüler stundenlange Streitgespräche darüber führte, ob Gustav Mahler oder Depeche Mode die bessere Musik geschrieben hätten. Heute führe ich solche Gespräche nicht mehr, sondern genieße den Mahler einfach.


    Andererseits mußte ich mich neulich dafür rechtfertigen, dass ich eine Schwäche für Ella Fitzgeralds Cole Porter Album habe...es sei schließlich das mieseste, was sie gemacht habe. Nun ja, immerhin höre ich nur noch selten Depeche Mode. :D


    Gruß
    Sascha

    Hallo zusammen,


    heute konnte ich endlich erstmals eine weitere Version von "Wotans Abschied" hören, auf die ich schon lange neugierig war.



    Nicht Al Capone stand, wie man dem Cover nach meinen könnte, im Plattenstudio, sondern der 1881 geborene Bass Nazzareno de Angelis.


    Er singt italienisch, verabschiedet das ungehörige Kind folglich mit "Addio sublime prole d´eroi".
    Der Anfang wird mit einer ungemein klangreichen und schallkräftigen Bassstimme mühelos in die Höhe gestemmt, was zusammen mit einem melancholischen Unterton im Stimmklang sehr expressiv wirkt. Wie schon bei Kipnis profitiert auch die Wiedergabe der tieferen Noten im Teil ab Muss ich Dich meiden... von einem echten Bassfundament, auf dem die Stimme ruht - und die dennoch spannungsfrei in die nötige Höhe aufsteigen kann. Etwas störend empfinde ich eine gelegentlich holprige Bindung der Phrasen, was aber an der Übersetzung liegen mag.


    Den Mittelteil "Der Augen leuchtendes Paar" singt er dann mit ganz zarter Mezza voce. So zart, dass der Wechsel in die Vollstimme dann von der Klangbalance für manchen sogar problematisch wirken mag. Auch bei "strahlendes Paar" bleibt die Stimme zurückgenommen.
    Das ist sehr bewegend gesungen, von der Stützung her meist großartig, manchmal aber auch arg auf Kante genäht. Ja, manchmal habe ich sogar den Verdacht, er wechselt aus Gründen der Stütze in die Vollstimme, und nicht nur aus musikdramatischen Gesichtspunkten.


    Der Schlussteil ab der Beschwörung von Loge fehlt leider. Schade, denn hört man den überwältigenden Anfang der Szene, kann man sich gut vorstellen, wie das geklungen haben mag.


    Fazit: Durchaus hörenswert, aufgrund der stimmlichen Präsenz, und der ausdrucksvoll eingesetzten, dynamischen Extreme eine bewegende und nicht nur wegen der Sprache ungewöhnliche Interpretation. Ich halte es aber wie der Inquisitore, und lasse auf Schorr und Kipnis nix kommen. ;)


    Gruß
    Sascha

    Die Beschränkung auf Tondokumente erzwingt immerhin, sich in erster Linie mit den vokalen Tugenden auseinanderzusetzen, was mir bei der Beurteilung von Sängern nicht unbedingt der verkehrteste Ansatz scheint.
    Weiterhin ist es eigentlich die Herangehensweise, die von den bedeutenden internationalen Autoren gewählt wird, was auch daran liegen mag, dass die Ursprünge Ihrer Werke in der "Plattensammler"-Szene zu suchen sind. Zu einer Zeit geschrieben, wo große Geldbeträge und viel Zeit in den Erwerb von Platten investiert wurden, die man heute innerhalb von Minuten für wenige Euro per Internet auf CD erstehen kann. In einer Szene, wo man sich vorwiegend am Singen als Kunsthandwerk ergötze, dessen Regeln sich halt aus der u.a. von Steane beschworenen "Grand Tradition" ableiten.


    Gerade im Fall von Böhme und Greindl möchte ich allerdings bemerken, dass Kesting durchaus auf die bestehende Bühnenwirksamkeit hinweist, und damit die Diskrepanz zwischen seiner Bewertung und der Präsenz der Sänger an den großen Bühnen zu erklären sucht. Bei Böhme wird sogar ausführlich ein Beispiel diskutiert. Steane hingegen erwähnt Greindl in seiner "Grand Tradition" nicht mal. Greindls Bayreuther Präsenz scheint mir mit dem Aufblühen der ersten Blüten des deutschen Regietheaters in Form von Wieland Wagner zusammenzuhängen, der lieber das intellektuelle Bühnentier Greindl auf die Bühne schickte, als die sängerisch eindeutig überlegenen Kollegen Ridderbusch und Frick.


    Bei Theo Adam ist ebenfalls erwähnenswert, das Kesting bei weitem nicht der einzige Henker ist. Steane müßte ich nochmal nachlesen, aber die Wortwahl ist mir sehr wohlwollend-euphemistisch in Erinnerung, was im angelsächsischen Raum oft einer Hinrichtung gleichkommt. Ich erinnere mich auch einiger giftiger weiterer Kritiken u.a. von Kenneth Furie über Adam.
    Und Jens Malte Fischer, der ja meist zumindest im Ton deutlicher milder als Kesting urteilt, widmet Adam nicht einmal eine einzige eigenständige Zeile! Mutmaßlich, weil seine Meinung wohl nicht konzilliant auszudrücken war. :stumm:



    Der dreibändige Kesting wird ja demnächst wohl neu aufgelegt. Ich weiß nur leider nicht, ob in überarbeiteter Version, oder nicht.


    Gruß
    Sascha


    Ja, den Klotz hab ich mir auch zugelegt. Witzig ist, dass direkt neben diesem Stapel noch der Böhm Ring und der entsprechende Böhm-Tristan lag, zusammengerechnet für fast 100€, was widerum mehr als dem doppeltem der Decca-Box entsprach. :wacky:


    Sprachlos war ich allerdings auch über die ja hier schon beklagten Wiener CD-Preise...ich hätte während meines Urlaubsaufenthaltes letzte Woche die Decca-Box für 69,00€ dort kaufen können. :no:



    Vorsicht geboten ist allerdings vor dem Booklet, das beispielsweise Siegfried und Rheingold auf angeblich 1971 datiert, während diese Mitschnitte meines Wissens nach 1966 entstanden sind, die anderen Teile 1967.


    :hello:
    Sascha

    Ich habe von dem Brand via Mundpropaganda in der U-Bahn erfahren, kam gerade von der Arbeit.


    Ich muß gestehen, dass ich schon einen Kloß im Hals hatte - wohl das erste Mal, dass mich ein Sachschaden an einem Gebäude seelisch bewegt hat. :(
    Ich verbinde mit dem Bau so viele wundervolle Konzerterlebnisse einschließlich meines ersten Konzertes, und hab mich innerhalb dieser tollen Architektur immer sehr wohl gefühlt, ob im großen Saal oder auch im tollen Foyer des Baus.


    Aktuell scheint es ja so auszusehen, als wenn der Brand selbst das Gebäude nicht existentiell bedroht. Zum Glück ist kein Personenschaden entstanden und die wichtigsten Instrumente sind in Sicherheit.
    Andererseits: Erfahrungsgemäß werden die Schäden durch das Löschwasser schon gravierend sein mit unmittelbaren Folgen für den Konzertbetrieb und nicht vorhersagbaren Tragödien angesichts der Dauerknappheit in den Berliner Kassen.


    Mit traurigen Grüßen
    Sascha

    Zwei Bemerkungen noch zum Meister:


    Hinsichtlich der bereits zu recht gelobten Individualität des Sängers finde ich hervorhebenswert, dass sie nicht nur auf der großen Eigenart der Stimme beruht, sondern sich vielmehr aus der gesamten sängerischen Signatur ergibt.
    Ein Sänger, den man auch sofort an seinem Singen erkennt, nicht nur an seiner Stimme.


    Zweitens ist es immer wieder verblüffend, wie subtil er sein gewaltiges Organ einsetzt. Ich nahm das erst neulich wieder einmal zur Notiz, als ich die deutsche Rundfunkproduktion der "Forza" unter Schmidt-Issersted hörte, wo Frick den Padre Guardiano singt. Ich hatte noch Siepi im Ohr, der mit stimmgewaltigem Wohlklang und balsamischem Legato überzeugt.
    Ich erwartete auch von Frick entsprechend machtvolle Entladungen, jedoch legt er die Partie viel lyrischer und verinnerlichter an.


    Gruß
    Sascha

    Lieber Harald,


    Zitat

    Original von Harald Kral
    Lieber Sascha,
    herzlichen Dank für Deinen profunden Beitrag.


    Erlaube bitte, dass ich noch etwas anfüge: Kurt Moll ist nicht nur der große, dramatische Sänger, er hatte durchaus auch viel Freude an komischen Rollen, die uns auf Tonträgern erhalten sind. Um nur ein paar Beispiele zu nennen: Van Bett, Osmin, Sir Morosus, Doktor Bartolo, Sir John Falstaff (Nicolai), Colas, Buff, Omar, Abul Hassan...


    LG


    Lieber Harald,


    vielen Dank für die Ergänzung. Viele der Rollen liegen leider in einem von mir noch nicht erschlossenen Repertoire, deshalb habe ich sie nicht angeführt.





    Lieber operus,


    Zitat

    die Reihenfolge unter den Größten Ihres Faches festzulegen ist schwieirg, wenn nicht gar unmöglich.


    Um eine Reihenfolge ging es mir auch nicht primär. Gerade bei Frick und Moll
    würde man den Geicheren unter den Gleichen suchen müssen. Mir war es nur wichtig, herauszuarbeiten, wo vor allem Molls Stärken, aber auch Defizite liegen. Und dies lässt sich gerade im Vergleich mit anderen Meistern Ihres Fachs gut herausheben. Den kompletten Sänger hat es leider nie gegeben (Wobei im Bassbereich Kipnis diese friedensstiftende These arg ins Wanken bringt!).


    Gerade aber beispielsweise für den Osmin lässt sich leicht sagen: Sowohl Moll als auch Frick liefern herausragende Interpretationen - aber zu unserem Glück nicht mit dem selben Focus der Meisterschaft.


    Gruß
    Sascha

    Hallo Johannes,


    danke für die Info. Die späteren Parsifal-Dirigate von Levine kenne ich und kann darüber nicht viel gutes sagen, die frühe Aufnahme soll aber zumindest wegen Meiers junger Kundry sehr hörenswert sein.
    Die Meistersinger klingen nicht vielversprechend, aber der Holländer ist wie gesagt sehr gut und selbst, wenn es ein anderer Tristanmitschnitt sein sollte, lohnte die Anschaffung wohl wirklich.
    Ich denke mal, ich werde meinen Kaufstopp aufweichen. :angel:


    Wir können dann ja einen Plan im Forum gemeinsam machen, damit die Box nicht allzulange eingeschweißt rumliegt. :D


    lg
    Sascha

    Ich hätte einige Fragen zu dieser Box, auf die mich ein Forumshinweis von Elisabeth aufmerksam machte:



    Enthalten sind folgende Livemitschnitte:


    Der Fliegende Holländer (Crass, Silja, Greindl, Sawallisch/
    1961)
    +Tannhäuser (Windgassen, Silja, Bumbry, Wächter, Greindl,
    Sawallisch / 1962)
    +Lohengrin (Thomas, Silja, Varnay, Vinay, Crass, Sawallisch / 1962)
    +Tristan & Isolde (Windgassen, Nilsson, Ludwig, Wächter,
    Talvela, Böhm / 1966)
    +Der Ring des Nibelungen (Nilsson, Windgassen, Rysanek, King,
    Adam, Neidlinger, Mödl, Talvela, Böhme, Dernesch, Silja, Köth,
    Stewart, Böhm / 1966 / 67)
    +Meistersinger (Ridderbusch, Hirte, Cox, Bode, Sotin, Varviso/
    1974)
    +Parsifal (Hofmann, Meier, Estes, Sotin, Salminen, Mazura, Levine/
    1985)


    Den Sawallisch-Holländer kenne ich, der war früher bei Phillips erschienen, jetzt aber leider lange Jahre nicht zu kaufen, weshalb sich schon alleine deshalb die Box lohnen würde. Ebenso habe ich den Eindruck, das der 85-Levine-Parsifal früher in einer Phillips-Box erhältlich war, und vor allem wegen Meiers Kundry sehr hörenswert sein soll, zumal Levine damals auch gar nicht so schlecht den Taktstock geschwungen habe ?



    Ist der 66er-Tristan ein Mitschnitt aus dem selben Zyklus, aus dem der DGG-Böhm-Tristan stammt - oder handelt es sich gar um die selbe Aufnahme ?


    Kann jemand etwas zu den anderen Aufnahmen sagen ?


    Danke und Gruß
    Sascha

    Neulich wars wieder so weit: Das "Neue-CD"-Regal quoll über und flehte nach Entlastung. Also machte ich mich daran, zu prüfen, welche CDs ich ins "Hauptregal" einsortieren könnte.


    Das Ergebnis war leider das Gleiche, wie bei jeder dieser Aktionen. ;(


    Verhängung eines sofortigen Kaufstopps (trotz geplanter Erwerbung der 33-CD-Decca-Wagner-Live-Box und diverser Naxosse) für ca. 1-2 Monate, um vielen kaum und mancher gar nicht gehörter CD die verdiente Zuwendung spenden zu können.
    Mal schauen, wie lange ich durchhalte...aber immerhin ziehe ich bisher meist rechtzeitig noch die Notbremse. :D


    Gruß
    Sascha

    Bei Horowitz sind es meist die Kleinigkeiten, die mich verblüffen. Da ist beispielsweise die Chopinsche F-Dur Etüde op. 10 Nr. 8 aus dem "Rückkehrkonzert" 1965 in der Carnegie Hall.
    Wie der Pianist dort das Rubato einsetzt, das erinnert mich an Sänger wie Maria Callas und Richard Tauber, die ähnlich virtuos mit dem Tempo spielen konnten. Im Englischen gibt es dafür das schöne Wort "pacing".
    Und wie wundervoll die linke Hand zur eigentlichen Melodiestimme wird.
    Wirklich ein kleiner musikalischer Schatz, nicht nur eine Geläufigkeitsübung. Diese Etüde habe ich schon virtuoser gehört, aber noch nie so ausdrucksvoll.


    Großartig auch, wie Horowitz dem Flügel eine Kantilene im Adagio aus BWV 564 abtrotzt. Wie gesagt, die Kleinigkeiten. Ansonsten geht es mir allerdings zunehmend wie Syrinx und ich ziehe gerade auch bei Liszt die immer wohlproportionierten Eruptionen eines Gilels den entfesselten Horowitzschen Extremen vor.


    Gruß
    Sascha

    Mal ganz ehrlich ein Gedanke, der mich am meisten betrübt:


    Immer wieder steht da der Vorwurf an die Regietheaterkraken im Raum, die Oper in den Untergang zu treiben. In der Umkehrung schallt es dann indirekt so zurück, dass erst nach der Überwindung des staubigen Gedankengutes überhaupt an eine Rettung der Oper zu denken sei.


    Das wirklich Tragische daran ist wohl, dass die größte Gefahr für die Existenz des Kunstgesanges, wie auch des Musiktheaters von einer Richtung ausgeht, die sich sowohl von sozialpsychologischer Interpretation, wie auch von ästhetisch ansprechender Realisation distanziert. Statt kunsthandwerklicher Klasse giert man nach kognitiver Reizmasse. Und das Bedürfnis nach anstrengender Analyse weicht wohltuender geistiger Paralyse.
    Man erklärt die Kunst, im Sinne der Verfeinerung, als überflüssigen Anachronismus, und pflegt die Vergröberung des Erlebens.


    Lustigerweise ist es diesen Menschen vollkommen egal, ob Haydn oder Messiaen, Zefferelli oder Konwitschny; man weiß sich einig in der Ablehnung. Derweil hat die Gruppe der leidenschaftlichen Liebhaber besagter bedrohter Kunstformen nichts besseres zu tun, als sich sozusagen in internen Konflikten aufzureiben. Denn allein die Tatsache, dass wir hier mit unserer Leidenschaft eine echte Nische darstellen, deutet doch abseits aller realen Differenzen auf bestehende Gemeinsamkeiten hin!


    Meint: Auch wenn friedliche Koexistenz das nicht jederzeit mögliche Ziel ist, kann die persönliche Feuerpause im Einzelfall viel bewirken - fürs private Befinden und auch für die Kunst.


    Freundliche Grüße
    Sascha

    Glänzend ist Cappuccilli als Simone Boccanegra aufgenommen worden, die entsprechende Aufnahme unter Claudio Abbado ist ja auch hier im Forum bereits vielfach gelobt worden.



    Andere Aufnahmen sind nicht so überzeugend gelungen, insgesamt scheint mir der Sänger oft unter seinen Möglichkeiten dokumentiert.


    Gruß
    Sascha

    Hallo zusammen,


    man muß sich einfach wirklich mal klarmachen, welch ein großartiger Sänger Moll in seiner Glanzzeit war.


    Die Stimme an sich genügt höchsten Anforderungen, vor allem bezüglich Klangreichtum, Volumen und individuellem Charakter. Der Stimmumfang ist für einen echten profondo sehr groß. Moll hat durchaus eine gute Höhe gehabt, höhensichere Kollegen gab es, bilden aber eher die Ausnahme (Frick beispielsweise).


    Technisch ist er ein wirklicher Meistersänger gewesen, mit einer beispielhaften Bildung des Gesangstones und vorbildlich bei farblicher und dynamischer Nuancierung und auch bezüglich des Legato. Wie er als Osmin die Triller bildet und die Verzierungen singt, ist angesichts der gewaltigen Dimension der Stimme ebenfalls zu würdigen.


    Er ist aber auch ein durchaus beeindruckender Interpret und Darsteller gewesen, man sehe sich nur mal seinen Ochs im Rosenkavalier an.
    Auch das Repertoire ist ungewöhnlich breit, trotz Schwerpunkt im "seriösem Bassfach" hat er auch gerade in geistlicher Musik großartiges geleistet. Herbert erwähnt Limitationen im Liedbereich, die ich gerne gelten lasse. Aber wieviele große wirkliche tiefe Bässe gab es, die große Liedsänger waren. ?


    Freilich gibt es Grenzen: Stimmcharakter, und auch das gezügelte künstlerische Temperament eignen sich nur für ein bestimmtes Repertoire.
    Die darstellerische Dämonie beispielsweise, die Frick eigen sein konnte, stand Ihm nicht zur Verfügung.


    Aber Maßstäbe (so zumindest meine ja bekannte Ansicht), ergeben sich aus dem Vergleich. Nach Moll hat es keinen basso profondo mehr gegeben, der dieses Niveau erreicht hat. Matti Salminen beispielsweise kann in Sachen sängerischer Finesse keinesfalls mithalten.
    Und davor ? Martti Talvela und Gottlob Frick spielen stimmlich klar in der gleichen Gewichtsklasse. Fricks Umfang ist sowohl bei der Stimme wie auch hinsichtlich des überzeugenden affektiven Spektrums ( von Sarastro bis Hagen) größer. Und Talvela (dies hochgradig subjektiv!) konnte die anrührenderen Menschenportraits abgeben.
    Aber beide überragt Moll hinsichtlich der gesanglichen Möglichkeiten.


    Ich kann mich deshalb Operus nur anschließen: Einer der größten Bassisten des Jahrhunderts. Und nach dem Krieg der bedeutenste basso profondo des Kunstgesanges. Es gab eindringlichere Charakterstudien von Kollegen mit großer Technik gesungen. Aber die Meisterleistungen von Molls Osmin, Sarastro, Daland und Ochs sind bezüglich des sängerischen Aspektes nach dem zweiten Weltkrieg einzigartig. Und auch stimmfachübergreifend ist diese sängerische Perfektion selten.


    Gruß
    Sascha