Beiträge von Antracis

    Jan schrieb:


    [Zitat]Also stehen sie der Interpretation nicht im Wege, sind mithin doch drittrangig! Ätsch![/zitat]


    Mich würde jetzt interessieren, welche Kriterien erst- und zweitrangig sind, die dann ins Spiel kommen, wenn denn der Künstler zumindest die richtigen Töne trifft. Musikalität und ?


    Gruß
    Anti

    In diesem Zusammenhang fand ich einen Fernsehbericht interessant. Es ging um Dirigenten, zu Wort kam unter anderem der Dirigent und Komponist Oliber Knussen, er kommentierte ein spätes Klemperer-Video, eine Aufführung Beethovens Neunter und beschrieb staunend, dass obwohl bei den teils unkoordinierten Bewegungen Klemperers faktisch gar kein Schlag mehr zu erkennen gewesen sei er es immer wieder schaffe, die Phrasierung mit einer einzigen H andbewegung auf eine vollkommen einleuchtende Art klar zu machen.


    Alfred schrieb

    Zitat

    Das deutschsprachige Intenet verschweigt die Geschichte diskret.


    Wobei Sie in meinem deutschsprachigen Interpretenlexikon erwähnt ist. ;)


    Gruß
    Anti

    Alfred schrieb:


    Zitat

    Also, Klemperer würde ich nicht als "grandios daneben" sondern einfach nur als "grandios" oder "monumental" einstufen... Wuchtig oder ehern wäre eventuell auch eine gute Umschreibung.


    Dem kann ich mich nur anschließen. Auch wenn die Tempi arg gewöhnungsbedürftig sind - Otto ist so langsam, dass ich nach dem Trauermarsch erstmal ne kurze Toilettenpause einlegen mußte =) - , doch bemerkenswert: Man hört vieles in den Nebenstimmen, was oft untergeht. Der Charakter der Musik verschiebt sich noch mehr ins ´titanische´, die Steigerungen gelingen atemberaubend. Ob es legitim ist, einen Satz mit der Überschrift Presto auch Andante zu spielen, kann man sicher diskutieren. Aber eine interessante Sichtweise eröffnet Klemperer damit auf jeden Fall. Über mangelnde Spannung kann ich mich trotz der extrem langsamen Tempi jedenfalls nicht beklagen, weitere Anschaffungen Ottos Beethoven sind geplant.

    Allerdings freue ich mich auch schon, mal wieder Gardiner zu hören, der ist 10 (!!) Minuten schneller mit der Eroica fertig. :)


    Gruß
    Anti

    Jan und Alfred:


    Eure gegenteilige Meinung zur Klemperer-Aufnahme ist in der Tat ein nicht unbedeutender Kaufanreiz. =)


    Hatte die CD schon mal ins Auge gefasst - entwickle mich in letzter Zeit zum Klemperer-Fan durch die remasterten EMI-Aufnahmen - wollte aber nochmal reinhören bezüglich der Soundqualität. Wie ist die denn so bei der Aufnahme (EMI)? Seine Exzellenz Hurrwitz gibt nur 6 von möglichen 10 Punkten - wobei er das vermutlich auswürfelt. 8)


    Gruß
    Anti

    Hallo zusammen,


    irgendwie empfinde ich diese Sinfonie heutzutage als etwas zurückgedrängt im öffentlichen Interesse hinter der Fünten, Sechsten, Siebten und Neunten. Dabei fand doch Beethovens Stil hier seinen endgültigen Durchbruch. Eine für damalige Verhältnisse skandalös lange und individuelle Durchführung *, durchgängige thematische Arbeit im ersten Satz und eine klare Zielpeilung auf das Finale als Höhepunkt des Werkes. Aber ich gestehe, auch bei mir stand sie lange Zeit im Schatten anderer Sinfonien. Dagegen hörte ich oft und gerne Beethovens Eroika-Variationen für Klavier, die das Thema des Finalsatzes aufgreifen.


    Wie auch immer, seit 2 Wochen ist sie wieder verstärkt im Player in Form von Gardiners Aufnahme.
    Mit dessen Deutung bin ich auch sehr zufrieden, aber man kann ja nie genug Sichtweisen kennen. Drumm also die Frage:


    Was sind eure bevorzugten Aufnahmen ? Welchen Stellenwert hat das Werk für Euch persönlich ?


    Gruß
    Anti





    (*) Sie ist so lang, dass zu Beginn der Reprise jeder Solohornist voller Ungeduld zu früh wieder mit dem Hauptthema beginnen will