Beiträge von Erich Ruthner

    Nachdem dieser Thread unverdientermassen etwas schwächelt, kommt noch ein Beitrag von mir:


    Damals – da hat es am Heiligen Abend geschneit.

    Damals – da hatten die Menschen mehr Zeit.

    Damals – da haben sich alle auf Weihnachten gefreut.

    Damals – da war es von Mensch zu Mensch nicht so weit.

    Damals – was ist seit damals geschehen?

    Damals war Weihnachten noch schön.

    Es war ein schöner Opernabend, mit guten Sängern, aber wir haben doch alle überzeugendere Stimmen im Ohr.

    Die Inszenierung war - wie Gerhard immer wieder schreibt - werkgetreu, aber mit etlichen überflüssigen versehen. Auch die geöffneten Striche bringen keinen echten Gewinn, man kann ruhig bei der üblichen Fassung bleiben.

    Doch nachdem wir schon so viele verunstaltete Abende gesehen haben, war das ein echter Gewinnfür den Opernfreund.


    Erich

    Eine kleine, aber wahre Nikolausgeschichte:

    Der kleine Erich ging in den Kindergarten (es war der Kindergarten der Pfarre, denn im städtischen Kindergarten war wegen zu später Anmeldung kein Platz mehr frei). Als am Tage des heiligen Nikolaus derselbe dort erschien, war die Freude groß. Der Heilige Mann (es war natürlich der Herr Pfarrer in Verkleidung) war stattlich, verteilte kleine Geschenke an die Kinder und sprach mit jedem einige Worte. Die dabei anwesenden Eltern standen hinter den Kindern längs der Wand und hörten gespannt den Antworten ihrer Sprößlinge zu. Dann kam der Nikolaus zum kleinen Erich und übergab ihm ein kleines Päckchen mit Süßigkeiten.

    Dann fragte er ihn: "Ich habe dich noch nie in der Sonntagsmesse gesehen. Warum kommst du nicht?"

    "Ich kann doch nicht alleine zur Kirche gehen!"

    "Aber kann denn deine Mutter nicht mit dir gehen?"

    "Nein, lieber Nikolaus, das geht doch nicht. Sie muss doch am Vormittag die Schnitzeln für und alle machen."

    Gelächter.

    Die Gedanken meiner meiner Mutter dazu gebe ich nicht wieder.


    Ja, lieber Michael, das Textbuch ist schon richtig. Aber da sind ja auch Regiehinweise drinnen .... und so mancher würde sich freuen, wenn seine Überlegungen dann zum Teil wenigstens zu sehen wären.


    Und wenn man dem Zuschauer keinen Freiraum für seine eigenen Überlegungen lässt, brauche ich gar nicht mehr hingehen und bin nur mit dem Textbuch bestens bedient.


    Erich

    Wenn wir hier über den Bildungsauftrag diskutieren, möchte ich wissen, wo wir ein Theaterstück (ich rede gar noch nicht von Opern) in einem Originalzustand sehen können, um sich seine eigenen Gedanken darüber zu machen und sich nicht eine Meinung über dieses Stück vorsetzen zu lassen, mit dem man sich (eventuell) anfreunden kann.

    Man sagt doch so gerne, dass man sich eine eigene Meinung bilden soll.


    Erich

    Türchen 2:

    Wenigstens am Heiligen Abend und an den Weihnachtsfeiertagen läuft der stupide, unerbittliche
    Mechanismus der Welt für einige Stunden langsamer ab, so dass wir uns erlauben können, ungehindert dem gesunden Menschenverstand zu folgen, dem unerschütterlichen guten Willen. Wir leisten uns das vollkommene, uneigennützige Vergnügen, andere mehr zu lieben als uns selbst.

    Wie seltsam uns das vorkommt, wie unnatürlich glücklich wir sind! Für ein paar Stunden wenigstens reinigen wir unsere Herzen von schlummerndem Groll.

    Wir erkennen, dass Hass eine Krankheit ist, dass hinter Misstrauen und Hochmut oft einfach Angst steckt und dass die Gemeinheiten anderer – kurioses Geflecht menschlicher Beziehungen! - letzten Endes vielleicht auf Lieblosigkeiten unsererseits beruhen.

    Türchen Nr. 1:


    Das erste Türchen bringt eine Aufklärung über althergebrachte Irrtümer um das Fest der Feste. Allerhand Mythen ranken sich um Weihnachten. Etwa dass das Fest früher besinnlicher war. Dass es öfters weiße Weihnachten gab. Und dass der Weihnachtsmann eine Erfindung von Coca-Cola ist.

    Doch was davon stimmt – und was ist bloß ein populärer Irrtum?


    Wer war zuerst da: Das Christkind oder der Weihnachtsmann?

    Eigentlich weder noch. Im Mittelalter brachte nämlich der Heilige Nikolaus am 6. Dezember Geschenke.


    Wie kam das Christkind auf die Welt?

    Die Protestanten hatten zwar nichts gegen die Geschenke einzuwenden, wohl missfiel ihnen aber der katholische Heilige Nikolaus. Martin Luther kritisierte diesen vorweihnachtlichen Kult: Er forderte stattdessen die Besinnung auf die Geburt des Kindes von Maria – also das Christkind. In protestantischen Haushalten war es fortan die Aufgabe des Christkinds, in der Nacht auf den 25. Dezember Geschenke zu verteilen. Die Katholiken hielten vorerst am Nikolaus-Brauch fest. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts beschenkte das Christkind auch die Kinder in katholischen Familien. Von da an wurde im Dezember eben zwei Mal beschert.


    Erfand Coca-Cola den Weihnachtsmann?

    Nein. Das war ein deutscher Einwanderer in den USA: Der gebürtige Pfälzer Karikaturist Thomas Nast zeichnete in den 1860er Jahren für die Zeitschrift Harper’s Weekly jenen gemütlichen, bärtigen Santa Claus, wie er heute allseits bekannt ist. Der Heilige Nikolaus inspiriere ihn, wobei der „echte“ Nikolaus - eine eher hagere Gestalt – mit dem heute populärem Weihnachtsmann optisch nicht allzu viel gemein hatte. Der Getränkehersteller sorgte jedoch für eine Vereinheitlichung des Outfits von Santa Claus – und trug im Laufe des 20. Jahrhunderts fraglos wesentlich zu seiner größeren Popularität bei.


    Feiern alle am 24. Dezember Weihnachten? Nein. Die Zeit um die Wintersonnenwende war seit alters her Anlass für Feste. Bereits die Römer beschenkten einander zu den Saturnalien zu Ehren des Gottes Saturn zwischen dem 17. und 23. Dezember. Dass das Weihnachtsfest am 25.12. stattfinden soll, beschloss das Konzil von Konstantinopel im Jahr 381. Für katholische Christen beginnt Weihnachten am Vorabend des 25. Dezember – also am „Heiligen Abend“. Bei Christen der anglikanischen Kirche findet die Bescherung erst am Morgen des 25. Dezembers statt. Russisch- und serbisch-orthodoxe Familien feiern in der Nacht vom 6. auf den 7. Jänner. Juden wiederum begehen während der christlichen Adventzeit das achttägige Chanukka.

    Ereignete sich die Geburt Jesu tatsächlich in einem Stall?

    Wahrscheinlich nicht. Der Ausdruck Stall findet sich nicht in den Weihnachtsgeschichten der Bibel. Dass Jesus zwischen Ochs und Esel geboren wurde, schloss man vor allem daraus, dass er in eine Futterkrippe gelegt wurde – und die vermutete man eben in einem Stall.


    Wie viele waren die „Heiligen Drei Könige“ tatsächlich?

    Ursprünglich könnten es zwischen zwei und zwölf Personen gewesen sein:
    Im Matthäus-Evangelium ist von entsprechenden Männern die Rede – allerdings werden sie als Sterndeuter bezeichnet. Erst knapp 200 Jahre später wurden sie zu Königen, um einer alten Prophezeiung

    zu entsprechen. Der drei Geschenke wegen – Gold, Weihrauch und Myrrhe – war später die Rede von drei Männern. Die Botschaft „C. M. und B.“, die Sternsinger hierzulande mit Kreide auf die Türstöcke schreiben, steht übrigens nicht für Caspar, Melchior und Balthasar. Es bedeutet „Christus mansionem benedicat“. Übersetzt heißt das: Christus segne dieses Haus.


    War der Weihnachtsstern der Halleysche Komet?

    Nein. Der berühmte Komet raste im Jahr 12 v. Chr. an der Erde vorbei. Jesus dürfte aber eigentlich zwischen 7 und 4 v. Chr. geboren worden sein. Kometen waren auch im Altertum bekannt – sie galten aber als schlechtes Omen.


    War Weihnachten früher wirklich besinnlicher?

    Nein. Als noch der Heilige Nikolaus regierte, galt der Advent gar als Zeit der Ausgelassenheit, der Spiele und der Maskerade. Die Besinnlichkeit spielt erst seit etwa hundert Jahre eine Rolle.


    Dazu noch eine kleine Fußnote: Das schnelle Thema aus der Ouvertüre der "Zauberflöte" erinnert frappant an die Klaviersonate B-Dur von Muzio Clementi.

    Mozart hört zehn Jahre vor der Zauberflöte dieses Stück in einem Wettspiel bei Hofe gegen Clementi. In späteren Jahren darauf angesprochen soll er gemeint haben: "Ja fehlt es denn jetzt dort?"


    Erich

    Sehr geehrter Schmidt,

    ich ersuche Sie hiermit im Auftrag des Wiener Tiergartens, jedwede Störung des Holzwurms zu unterlassen. Frau Direktor Schratter wird ihrem Nachfolger ein Holzwurm-Beobachtungs- und Untersuchungsteam ans Herz legen, um endlich alle Möglichkeiten und Tätigkeiten dieses inzwischen sehr selten gewordenen Tieres in all seinen Ausformungen näher zu untersuchen.

    Ein Aussterben dieser Tiergattung würde uns alle wesentlich beeinflussen und die Welt wäre wieder um eine Gattung seltener Tiere ärmer. Das wollen und können wir nicht zulassen, und werden daher auch rechtliche Schritte im Sinne des Tierschutzgedankens ins Auge fassen.

    Mit tierischen Wünschen verbleibe ich

    ihr ergebener

    Professor Würmchen