Beiträge von Gustav Theodor

    Hallo!


    Ich habe für meine CDs auch schon einige Generationen an Katalogisierung hinter mich gebracht - zuerst "analog" mit Schreibmaschine auf Karteikarten, dann auf meinem ersten und allen weiteren PC eine immer größer werdende Datei mit einem amerikanischen Volltext-Datenbankprogramm namens asksam (war eine ziemlich geniale Lösung, weil vielseitig verwendbar, keine Einschränkung bei den Abfragen und gleichzeitig winzig im Speicherhunger, sah aber aus wie hulle). Als sich im PC plötzlich von jetzt auch nachher die Festplatte zerstörte, war ich natürlich der Verzweiflung nahe, glücklicherweise hatte ich ein Backup.


    Inzwischen mit einem Mac ausgerüstet, kann ich die Software "Bento" sehr empfehlen, da lagert die inzwischen hinübergerettete Datenbank wunderbar und ebenso flexibel, und außerdem sieht es noch ganz ordentlich aus. Die Bedienung ist auch für Nicht-Experten total einfach einzurichten. Kostet unter 40,- Euro, ist also wirklich bezahlbar.


    Das mit dem Einscannen (oder dem automatischen Erkennen von CDs) finde ich ziemlich unpraktisch, weil die Katalogisierungen von amazon etc. zum Teil total daneben und kontraproduktiv sind; da habe ich die Daten in die RICHTIGEN Felder schneller selbst eingetragen.


    Herzliche Grüße,
    Gustav Theodor

    Zitat

    Wie dem auch sei: einige frühe Werke aus der Feder von Glass sind noch recht reizvoll, er erreicht aber IMO zu keiner seiner Schaffensphasen das Niveau und auch die intellektuelle Durchdringung eines Steve Reichs, die durch Phasenverschiebung mündende resulting patterns, Augmentationstechnik o.ä. resultiert.


    Lieber Wulf,
    ganz so krass würde ich es nicht ausdrücken (wenngleich ich Dir durchaus zustimme, dass Reich der bessere Komponist ist, nicht zuletzt deshalb, weil er seine Qualität in der Weiterentwicklung gehalten hat...).


    Für mich steckte in beiden Komponisten ein unterschiedliches Interesse am Minimalismus: Reich hat radikaler am Rhythmus gearbeitet, mit Phasenverschiebungen und ist da gleich grundsätzlicher drangegangen, während Glass sich stärker vertikal, also für die Harmonien interessiert hat. Die eingängigen Dreiklangfolgen aus ihrem funktionellen Zusammenhang zu reißen, die scheinbar endlose Repetition mit kleinsten Änderungen, das ist die Arbeit von Glass (dem FRÜHEN!). Damit ist er aber schneller in der Sackgasse gelandet als Reich.


    Gruß,
    Gustav Theodor

    Hallo,
    eine der wenigen Reaktionen von Komponisten auf das Trauma von 9/11 ist "On the Transmigration of Souls" von John Adams (gewann 2003 den Pulitzer Preis).



    Seine Musik kannte ich als immer so gekonnt und effektsicher gesetzt, dass ich etwas Sorge hatte, ob das nicht zur Betroffenheits-Kitsch-Orgie wird. Aber als ich mir die CD aufgelegt hatte, stellte sich zwar nicht die letzte Ergriffenheit ein, aber ich fand es doch recht authentisch als Ausdruck der Erschütterung und Versuch der künstlerischen Verarbeitung.


    Grüße
    Gustav Theodor

    Sollten wir nicht mal lieber wieder zum Komponisten Glass zurückkehren? -- Das ist doch eine abseitige Diskussion, die letztlich zu wenig führt - wie eng oder weit der Begriff "Klassik" ausgelegt wird, hat mit Glass IMO wenig zu tun.


    Ich pflichte der Meinung bei, dass es einen "frühen", "Avantgarde"-Glass gibt mit Werken wie "Music in similar motion" (1969), "Music with changing parts" (1970), "Einstein on the Beach" (1975), einen Glass, der zusammen mit Reich, Riley und ein paar anderen wirklich etwas "Unerhörtes" wollte.


    Das lohnt sich allemal anzuhören, aber bitte nicht nebenbei beim Bügeln, weil es gerade bei der Minimal Music auf das aufmerksame, nachvollziehende Hören ankommt. Ich finde es immer wieder frappierend, die winzigen Veränderungen zu verfolgen, die auf einmal etwas ganz Neues ergeben. Dann ist das überhaupt keine leicht verdauliche Musik, sondern höchst anspruchsvoll und auf der Höhe der Zeit.


    Spätere Werke von Glass schielen viel stärker auf Konventionen. Im Gegensatz zu Reich hat er es offenbar nicht wirklich darauf angelegt, weiter "Unerhörtes" zu schaffen, sondern hat es sich auf der Straße des Erfolgs ganz nett eingerichtet. Ich gönn' es ihm, aber für mich ist das dann nicht mehr interessant, weil ich von allen Komponisten, ob in "Klassik" oder Gegenwart, erwarte, dass sie eben dieses "Unerhörte" schaffen wollen.

    Meine erste Bekanntschaft mit Bruckner machte ich über die günstig erstandenen Schallplattenaufnahmen mit Bernard Haitink (immer noch nicht die schlechteste Wahl heute...). Ich fand das Klangbad, das An- und Abschwellen faszinierend, ohne dass eigentlich in der Musik etwas passierte. Und die "Ladehemmung", die Fairy Queen kritisiert, hängt eben oft damit zusammen, ob der Dirigent es schafft, das als organisch darzustellen. Ich kann's aber auch nachempfinden, Bruckner gehört zu den Komponisten, bei denen ich entsprechend gelaunt sein muss, um ihn anzuhören. Nichts für fröhliche Stunden, man muss schon bereit sein, sich darauf einzulassen.


    Den richtigen Brucknerrausch gab's für mich aber dann im Konzert, Ende der 80er Jahre in der Hamburger Musikhalle bei Günter Wand, in Sätzen wie dem Fugen-Finale der Fünften, als das gesamte Orchester mit seinem Klang einem das Gefühl gab, in den Sitz gedrückt zu werden wie bei einem startenden Jet. Diese Konzerte waren meine Bruckner-Sternstunde.