Zitat
Original von Cosima
Aufgefallen ist mir bei der heutigen Lektüre jedoch ein Ausspruch Nietzsches, der wieder zur Thematik passt. Er findet in den Wagner-Opern jeweils dasselbe Motiv wieder; er schreibt dazu: „Der Unstete, Verzweifelte findet durch die erbarmende Liebe eines Weibes, das lieber sterben als ihm untreu sein will, die Erlösung von seiner Qual.“
Erlösung von ihrer Qual haben sie wohl alle gesucht, aber nur Wagner hat dieses „erbarmende Weib“ in der Person der Cosima gefunden.
Gruß, Cosima
Man muß hier noch hinzufügen, dass Cosima nicht nur das erbarmende Weib war: Cosima hat gelogen, betrogen, intrigiert, gekämpft, sich demütigen lassen, mit der ständigen Schuld gelebt, was sie von Bülow angetan hatte (der übrigens litt, aber dieses Leid hat seiner Bewunderung für Wagner keinen Abbruch getan). Aber sie blieb trotz all dem unbeugsam bei ihrer Entscheidung, Wagner ihr Leben zu weihen.
Nach seinem Tod, als sie nach Monaten aus ihrer Starre erwachte, hat sie beinhart, eiskalt, kompromisslos die Leitung der Bayreuther Festspiele übernommen (obwohl Wagner bis zu seinem Tod gar nicht auf die Idee kam, SIE könnte als seine „Erbin“ sein und ihr gemeinsames Werk, das Festspielhaus, fortführen) und für die Bewahrung seines Werks (also Treue zur Aufführungspraxis) gesorgt. Unter ihrer und Siegfried Wagner’s Leitung gab es keinerlei Kompromisse. Erst nach dem 2. Weltkrieg, unter Wieland, gab es eine Öffnung in die Moderne. Was ja schon aus politischen Gründen notwendig war.
Cosima’s Tagebücher sind ein absoluter Glücksfall, wir bekommen da Einblicke in ihren und Wagner’s Alltag, seine Gefühle, sie registriert und kommentiert jeden seiner Gedanken, Aussagen, seine Befindlichkeiten - sogar seine Blähungen sind erwähnt 
Wagner und Cosima’s Geschichte ist die Geschichte einer großen, kompromisslosen Liebe, die nur ein Ziel hat: Wagner’s Werk für die Nachwelt zu erhalten und zu sichern. Mich fasziniert das Widersprüchliche ihrer Person: einerseits die große Liebende, andererseits tun sich da Abgründe auf, die man mit „über Leichen gehen“ bezeichnen könnte. Ihre Ergebenheit war grenzenlos.
Austria
PS: um beim Thema zu bleiben
- sie haben anscheinend gemeinsam auch sexuell Erfüllung gefunden, es war also nicht nur eine rein geistige Liebe.