Beiträge von Martina-Sophie


    Genau die Ballade meinte ich - die Lieblingsballade meiner Großmutter - sie nannte ihren Hund dementsprechend auch Nöck.

    Zitat

    Original von Joseph II.
    Im "Rheingold" ist die Rede von Nickern. Ist das eine altertümliche Form von Nixen?


    Der Nöck (die männliche Form - auch als Gedicht von August Kopisch)
    gehört auch noch dazu. Du kannst Dir eine Menge dazu ergoogeln.



    Aber es gibt Fachliteratur zu Wagners Sprache im Ring


    z.B. hier: "http://books.google.de/books?id=pOWVGoO4kv8C&pg=PA81&lpg=PA81&dq=Wagner+Sprache+im+Ring&source=bl&ots=Ch2psTYufi&sig=pCrKJCyraa3TM91lYMUARXxvwfo&hl=de&ei=lYp1SrmqAdSF-Qaz8_2wCA&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=1#v=onepage&q=&f=false"

    Um bei Cosi fan tutte zu beginnen: Despina ist mE jung, die jüngste der Damen, aber diejenig mit gewissen sexuellen Erfahrungen, die Herren sind so alt und erfahren auch nicht, sonst würden sie sich nicht auf das Spielchen einlassen. Mitte 20, würde ich mal schätzen.


    Figaro - wieviel Zeit ist wohl zwischen dem Barbier und Figaros Hochzeit vergangen? Ungefähr 10 Jahre, dann könnte Figaro Anfang - Mitte 30 sein. Er war eine "Jugendsünde" Marzellinens, dann wird sie ca. 15-17 Jahre maximal älter sein als ihr Sohn.


    Dann das Alter bei den Meistersingern. Sachs ist bis Mitte 40 anzusetzen. Er ist zwar verwitwet, aber noch attraktiv genug für eine Eva, die ich immer so für 16-18 Jahre angesehen habe. David ist in etwa dem gleichen Alter, aber ein wenig älter als Eva, sonst wäre sie nicht die jüngste Gevatterin. Beckmesser etwas jünger als Sachs, aber über das Alter hinaus, in dem Mann sich damals verheiratete. Stolzing Anfang bis Mitte 20. Magdalene wird die Mitt 30 gut erreicht haben. Sie ist der Typ Mädchen, das zur Versorgung eines Babys/Kleinkindes ins Haus geholt wurde und am Anfang so 13 - 14 Jahre alt war.


    Der Holländer - tut mir leid - der kommt bei mir ein bisschen wie Errol Flyn (vielleicht nicht ganz so sportlich) oder Robert Taylor daher, so wie im "Herrn der sieben Meere" oder einem vergleichbaren Film.


    Siegfried im gleichnamigen Werk ist bei 17 Jahre - nur dann ist er mir richtig erträglich - in der Götterdämmerung ist er etwa 10 Jahre älter.


    Im Ring ist nur eine Altersangabe vorhanden. Hagen ist älter als Siegfried, allerdings beträgt der Altersunterschied weniger als neun Monate. Bei den Göttern usw. ist es schwierig, reale Altersangaben zu machen. Auch scheint Wotan als "Person" weniger schnell zu altern als einigermaßen "realistische" Zeitspannen zwischen den einzelnen Teilen des Rings es vermuten lassen würden.


    Im Rheingold mag er um die 30 sein, gar so jung ist er nicht mehr. Fricka auch nicht, man macht sich deutlich Sorgen um das Nachlassen der eigenen Attraktivät.
    In der Walküre müsste er gut 20 Jahre älter sein. Die Walküren haben schon eine ganze Zeit lang Helden für ihn gesammelt und ich halte das Zwillingspaar auch für über 20 Jahre.
    Seinem Verhalten nach würde ich ihn aber auf maximal 45 schätzen. Im Siegfried kommen dann noch einmal 18-20 Jahre dazu.

    Irgendwann Ende des 19. Jahrhunderts gab es eine Sängerin der Brünnhilde, die nicht durch ihre Sangeskunst sondern durch die Reitkünste von sich reden machte. Die sprang samt Pferd über ein Feuer - OK, das mag eine schwierige Übung für ein Pferd sein, aber mir sind Sängerdarsteller lieber, die außer wohlgeratenen Tönen mir auch die seelischen Abgründe einer Rolle, deren gesamtes Spektrum an Emotionen zeigen kann.
    Vor Jahren inszenierte Tobias Richter Rheingold und Walüre in der Kraftzentrale des Landschaftspark Duisburg Nord. Im zweiten Walkürenakt trat Brünnhild hoch zu Roß auf - Wotan hatte auch ein Pferd, aber da zeigte sich auch schon die Grenzen. Die Pferde mussten geduldig genug sein, um das ganze Spektakel drumherum zu ertragen und auch noch ungeübte Sänger so zu tragen, dass die nicht beim ersten Antraben aus dem Sattel fielen.
    Fricka trat leider nicht mit einem Widdergespann auf (hat man das jemals gemacht?) sondern in einem von Huskies gezogenen Wagen (die stanken auch nicht ganz so). Ist Tobias Richter deshalb ein Staubi?


    Ein anderes Beispiel ist der irgendwo in diesem Thread erwähnte Flieder in dem Meistersingern, der zu den so genannten unverzichtbaren Requistiten gehören soll. Nun dazu habe ich eine Frage: Wer von Euch hat einen Fliederbusch im Garten? Welcher von denen hat am 24. Juni noch geblüht? Gab es zu Sachsens Zeiten schon die häufig mit dem Namen Flieder bezeichnete Pflanzengattung Syringa in Mitteleuropa? Zu Wagners ja, das ist keine Frage. Zu Sachsens Zeiten nicht, ebenso wenig wie die Tulpe.
    Also ein Irrtum von Wagner? Nein, das nicht - aber der Irrtum von vielen Ausstattern.
    Mitte/Ende Juni blüht der Holunder, der früher als Flieder bezeichnet wurde, und der Holunder ist in seiner symbolischen, heilenden, magischen oder mythologischen Bedeutung wesentlich stärker als der Flieder. Wird dort je nach Farbschlag (Blau, violett, weiß) ein anderer Symolwert vermutet?


    Darum geht es doch eigentlich gar nicht! Führt das mich zum Kern des Fliedermonologs? Oder erhoffe ich das durch den Vortrag des Sängers zu erfahren? Mich hat ein unglücklich gewähltes Requsit nur zur Bschäftigung mit der Ausbreitung von Pflanzen geführt - also ganz weit weg von den Meistersingern.


    Muss die Regie nicht Wert darauf legen, dass sich mir der Kern des Werkes aus der Aktion der handelnden Personen erschließt?
    Aufzeigen wollte ich nur die Fallstricke, die sich ergeben aus dem bloßen Lesen und Ausführen der Wörter eines Librettos. Inszeniert werden sollte aus dem Text hinter dem Text aus der Bedeutungsebene heraus.

    Im Gunde ist jegliches Lesen (oder Hören) Interpretation. Ich übersetze in meinem Kopf Punkte und Striche oder Buchstaben und Noten in Texte oder Musik. Sobald ich meinen Mund aufmache und jemand anderem mitteile, was ich gelesen oder gehört habe, interpretiere ich.


    Deswegen werden ausführende Musiker etc. auch als Interpreten bezeichnet.
    Oder als Übersetzer von einem Medium in ein anderes.


    Auch in der bildenden Kunst gibt es stundenlange Diskussionen darüber, was das eigentliche das gemeinte Bild ist. Das kann man bei gemalten Bildern noch relativ leicht beantworten, aber bei Druckgraphiken oder Photograhien schon wesentlich schwerer. Ist es der Druckstock oder der Druck?
    Und ist nicht alle Malerei auch Interpretation, besonders die gegenständliche? Wie schrieb Magritte auf ein Bild? "Ceci n'est pas une pipe", nein, das ist keine Pfeife auf dem Bild nur das Abbild davon und damit die Interpretation einer Pfeife durch einen Maler.

    Zitat

    Original von petemonova


    Mir geht es ähnlich. Unsere Nationalhymne kann ich ebenso wenig leiden, obwohl sie von Haydn stammt.
    Musikalisch viel besser und interessanter finde ich aber die Nationalhymne der ehemaligen DDR "Auferstanden aus Ruinen", komponiert von Hanns Eisler.


    Gruß, Peter.


    Wobei der Becher-Text auch auf die Haydn-Melodie gesungen werden kann und der Hoffmann von Fallersleben -Text auf die Eisler-Melodie. Becher hat seinen Text bewusst so gestaltet.

    Vor Jahren hat mein damals ca. 14jähriger Bruder zwei vor uns sitzende etwas jüngere Knaben geohrfeigt, nachdem die auf seine Aufforderung, das Reden einzustellen, nicht reagiert hatten. Dann waren sie ruhig.


    Aber um auf das eigentliche Thema zurückzukommen, mein Vater (wie irgendwo erwähnt, Englischhornist) wurde häufiger gebeten, zur "Untermalung" bei Jubilar- oder Weihnachtsfeiern zu spielen, was er immer ablehnte, weil er das Gefühl hatte, er würde Perlen vor die Säue werfen.
    Nicht ablehnen konnte er die Auftritte eines Minichores, den er leitete und der Arbeiterlieder vortrug, vor diesem Publikum. Dass in der ersten Reihe dann einmal zwei Zigarren rauchende mit einander schwatzende Männer saßen, hat nicht nur ihn, der er ein starker Raucher war, sondern auch meine nichtrauchende mitsingende Schwester fast zum Abbruch des Vortrags gebracht.


    Vielleicht könnte man auch sagen, gerade weil sie hervorragende Musiker waren, konnten sie einen spontanten Einfall - gleich in welcher Lage, zu einem Kunstwerk ausformulieren, wobei ich nicht verhehlen mag, dass auch diese Musiker gute und schlechtere Tage hatten und nicht alles allerhöchstes Niveau hat. Es gibt Künstler, die sich Zeit ihres Lebens an irgendwelchen Abgründen befanden, und dennnoch Qualität abliefern konnten - es gibt sicher ebenso viele, die zwar begabt waren, aber wegen der Lebensumstände nicht in der Lage waren, dieses zu tun.


    Qualität hat nichts damit zu tun, wie schwer man sich etwas abgerungen hat - allerdings muss die Persönlichkeit, die etwas formuliert hat, erkennbar sein. Ein perönliches Zeugnis, das so viel Allgemeingültigkeit hat, dass es auch wenn es einer konkreten Situation entsprungen ist, darüber hinaus auch noch nach langer Zeit und Menschen in anderen Lebensumständen viel zu sagen hat. Etwas, das viele Antworten gibt, das dazu aufordert, mich näher damit zu beschäftigt, das mich reizt, immer wieder neue Fragen an es zu stellen, das ist für mich qualitätvolle Kunst.

    Ich weiß nicht, warum dieser Thread, der recht unerquicklich diskutiert wurde, als weiterführenswert erachtet wurde.
    Es mag sich auch um die Laune eines Forumsautomatismus handeln. Ich würde allerdings dafür plädieren, ihn wieder in der Versenkung verschwinden lassen.
    Auf die Frage gibt es meines Erachtens nur eine Antwort: Durch die Qualität! :stumm:

    Heute Mittag kam mir diese Frage, als mir der niederländische Klassikradiosender Ausschnitte ( :motz:) aus dem letzten Otello-Akt präsentierte.
    Dort kündigen die Kontrabässe den Auftritt Otellos an. Eine schwierige Angelegenheit für Kontrabassisten ist diese Stelle, die deshalb auch Pflichtstück für Probespiele ist.
    Toscanini hat zumindest in einer Einspielung die Stelle mit Celli "gedoppelt", wohl, weil er den Kontrabässen die höheren Lagen nicht zutraute(?).


    Fallen Euch noch andere Kontrabass-Soli ein?

    Zitat

    Original von Michael
    Ich schätze Richard Strauss als Komponisten hoch ein, hab auch einige Opern von ihm in Wien gesehen, und finde, als Bayer und wohl Sohn einer Bierbaronstochter, wenn ich nicht irre, hat er Wien gut verstanden und die Dekadenz von damals, wie ich finde, sehr gut eingefangen.
    Für mein Instrument hat er wohl wenig geschrieben, (Piano), daher ist er mir von daher nicht geläufig, er wird wohl eher ein großer Kenner der menschlichen Stimme und von Orchestern gewesen sein mit seinen berühmten Opern.


    lg Michael


    Und seine Frau muss eine hervorragende Sopranistin gewesen sein, die nach der Heirat (leider) ihre Karriere aufgegeben hat. Aber wenn man sich anhört, welche Musik er für Sopranistinnen geschrieben hat, ist es immer auch eine Liebeserklärung. (Auch wenn mir diese Lebensentwürfe nicht gefallen, erkenne ich dies durchaus an.)

    Wobei wir uns sicher einig sind, dass Boris Becker mal hervorragend Tennis gespielt hat.
    Aber es mag einen positiven Effekt haben: Wenn andere sehen, dass auch "einfache" Menschen sich mit Herzblut für klassische Musik begeistern können, wird es möglicherweise nicht als völlig abartige Beschäftigung angesehen.
    Wobei mir jetzt der Film mit dem Tänzer einfällt.

    Anfang/ Mitte der 70er Jahre brach sich die Sängerin der Maddalena (Killebrew?, ich weiß nicht mehr, wer es damals war) in der öffentlichen Generalprobe des Rigoletto in Duisburg ein Bein, als sie die Bühne verlassen wollte.


    Die Probe ging dann nach einer Pause weiter, die Partie wurde vom Regieassistenten übernommen, der den Gesang nur markieren konnte, aber hinreißend spielte.

    Hatte Paul Potts etwas Anrührendes an sich, weil oder wie er sang? Oder weil er etwas tat, was ich flapsig als völlig daneben bezeichnen würde.
    Die Telecom-Werbung setzt mE auf das zweite und suggeriert uns, dass alles möglich ist, wenn man nur fest daran glaubt.
    Für mich hat Paul Potts viel verloren, seitdem er nicht mehr so unbeholfen wie am Anfang auftreten darf und seine Zahnlücke verschwunden ist.

    Letzthin hörten wir im Autoradio ein Stückchen Boheme von einer hochgelobten jungen Sopranistin gesungen und - auf die Frage meiner Schwester, wie die Dame mir zusagte - zögerte ich und sagte dann, dass mich diese Mimi-Arie aus dem ersten Akt selbst einmal von einer recht unbekannten Sängerin live in einer experimentellen Aufführung vorgetragen wesentlich mehr berührt hatte als die Studio-Aufnahme, die wir gerade hörten. Emotional funktionierte es nicht.

    Zitat

    Original von Orpheus 2. . . Mir blieb nur ausdrücklich in Erinnerung, das Fritz Wunderlich seinerzeit die Rolle des Morosus aus "Die Schweigsame Frau" , perfekt meisterte und glänzende Kritiken erhielt.
    . . .
    Herzlichst
    Orpheus 2


    Mich dünkt, dass Morosus eine Basspartie ist.
    Aber nichts desto Trotz - Nun kann man eine Menge über Strauss sagen, zum Menschen Strauss kann ich auch jede Menge zusammentragen, was ich zweifelhaft finde, aber im Wesentlichen mag ich seine Musik. Gerade Salome und Elektra, aber je älter ich werde, auch den Rosenkavalier. Die angesprochene "Schweigsame Frau" finde ich äußerst erfrischend und einen gelungenen Versuch spielerisch alte Komödienstoffe neu zu interpretieren und in die Neuzeit zu transformieren.
    Es mag sein, dass ich keinen intellektuellen sondern einen rauschhaften Zugang zur Musik habe und dass Strauss mir in dieser Hinsicht entgegenkommt.

    Ich habe sie als Marta in Tiefland erlebt - und sie begeisterte durchaus. [SIZE=7] Schade, dass sie sich an ihre Duisburger Auftritte auf ihrer Homepage nicht erinnern kann. Dort spricht sie nur von der Rheinoper Düsseldorf. Das mag kleinlich sein, aber das nehme ich übel.[/SIZE]

    Zitat

    Original von Ulli


    Ein hochinteressanter Bericht - aber letztlich ja auch nichts Neues (nur, daß es endlich bewiesen werden kann!). Mozart komponierte ja z.B. auch einige Einlage- oder Ersatzarien zu Open fremder Komponisten. Aber hier fällt schon auf, daß sie stilistisch eben gerade nicht passen, da Mozart ja ganz anders komponierte als beispielsweise Paisiello (wenn auch stilistisch natürlich 'ähnlich' in dem Sinne, daß epochal betrachtet eh alles 'gleich' klingt). Außerdem wollte ja der jeweilige Fremdkomponist auffallen und brillieren...
    . . .
    Ulli


    Da liegt mE. ein kleiner Irrtum. Uns fällt auf, dass Mozart anders komponiert hat als Paisiello - aber wir hören Mozart mit unserer heutigen Wahrnehmung mit Sicherheit anders als seine Zeitgenossen. Gerade, weil die Musik ist so großartig ist, ist sie in der Lage auch heute zu wirken, das bedeutet aber nicht, dass das, was uns heute fasziniert war, auch das war, was Zeitgenossen begeisterte.


    Um auch da ein Beispiel aus der bildenden Kunst zu wählen. Han van Meegeren, der bekannte Vermeer-Fälscher, war irgendwann Gegenstad eines Referates, das ich zu halten hatte. Mich wunderte ehrlich, wie jemand einen van Meegeren stilistisch für einen Vermeer halten konnte.Van Meegerens Bildaufaufbau war mir zu eng, alles sah im Vergleich zu Vermeer sehr gedrängt aus. Ich vermisste Klarheit und Weite. Erst als ich ein drittes Bild (ich nahm irgendeinen Max Ernst als Zeitgenossen des Fälschers) als Vergleich dazu nahm, rückten Vermeer und van Meegeren näher zusammen. Gegen den Max Ernst wirkte Vermeer plötzlich ganz anders, er wurde enger, gedrängter. Draus schlossen wir, dass in den 1930er Jahren Vermeer im Verhältnis zu den Zeitgenossen anders gesehen wurde, man schätzte andere Qualitäten an seinen Bildern als wir heute - und vor diesem Hintergrund sahen sich die Bilder Vermeers und die van Meegerens sehr viel ähnlicher.


    Ich hoffe, ich habe mich einigermaßen verständlich gemacht. :(

    Jago ist ein recht beliebter Name bei Jagdhunderassen - in den letzten zwei Jahren sind mir da zwei Cocker Spaniels mit diesem Namen untergekommen, beide stammten aus Spanien, dürften ihren Namen aber von deutschen Tierschützern erhalten haben.