Beiträge von Martina-Sophie

    Es klingt häufig ein wenig angestrengt - da habt Ihr sicher recht.


    Aber zurück zu meinem Englisch Horn-Solo im Tannhäuser. Ein Englisch-Hornist erzählte uns mal, dass er in seinen jungen Jahren dort anstelle des komponierten Notentextes "Ein Jäger aus Kurpfalz" gespielt habe. Es wäre kaum aufgefallen.

    Zitat

    Original von Jacques Rideamus


    Genau das waren die Soli, mit denen Herr Strauss Sr. Richard Wagner so beeindruckte. :]


    Was hatte Herr Strauss senior mit einem Englisch Horn zu tun?
    Beeindruckende Leistungen von ihm auf diesem Instrument sind mir jedenfalls nicht überliefert, im Gegensatz zu denen auf seinem Waldhorn (French Horn)


    Aber bleiben wir beim zweiten Siegfried-Akt und dem dortigen Englisch-Horn-Solo. "Auf dem Rohre taugt die wonnige Weise mir nicht", singt Siegfried. Seine Versuche, auf der selbstgeschnitzten "Flöte", den Waldvogel nachzuahmen, werden vom Englisch Horn übernommen.


    Ebenfalls auf dem Englisch-Horn im Ring begleitet sind die Versuche Alberichs, sich in eine Kröte zu verwandeln, oder weniger humoristisch das kleine Solo vor "war es so schmählich" in der Walküre.


    Oder wechseln wir zu Wagners italienischem Kollegen Verdi und zu Otello - was wäre das Lied von der Weide ohne die Begleitung durchs Solo Englisch Horn und die Echos auf das Saliche.

    Leider fehlt, wie vor langer Zeit jemand schrieb, das, womit ich gerne abgestimmt hätte, nämlich nicht: "Egal, Hauptsache, es gefällt" sondern schlicht: "Hauptsache gut".


    Wenn eine aufgepeppte Inszenierung nur Gags liefert, die inhaltslos aneinandergereiht sind, wenn die Sänger zum Zwecke des Singens ihrer Arie an die Rampe treten und sonst nur unbeschäftigt oder mit dem Ausführen von Nebensächlichkeiten irgendwo auf der Bühne rumstehen, dann ist eine schlechte Inszenierung, egal ob das dem Regietheater oder dem konventionellen Inszenierungsstil geschuldet ist. Das langweilt und verärgert.

    Zitat

    Original von Knusperhexe


    Nö. Und Taminos Aussage, er sei ein Unmensch, ein Tyrann resultiert ja nur aus dem Weibergeschwätz. Insofern könnte ich so einer Inszenierung nichts abgewinnen.


    Ich glaube, das mit dem Weibergeschwätz ist das, was mich an der Zauberflöte schon immer gestört hat.


    Vielleicht sollten wir uns denn die Königin der Nacht als Emma-Herausgeberin Alice Schwarzer vorstellen?

    Jetzt kommen wir aber in grausige Vorstellungen. 8o


    Kein Künstler, kein Librettist, Schriftsteller, Komponist, Maler, Bildhauer etc. wählt einen historischen Stoff, um eine möglichst genaue Geschichtsdarstellung zu liefern. ;)Jeder, auch ein Historiker, betrachtet Geschichte unter dem Eindruck seines eigenen Erlebens, seiner Erfahrung. Und wo ich von dem Wissenschaftler einen sehr sorgfältigen Umgang mit den Quellen (und zwar allen ihm zur Verfügung stehenden Quellen) verlange, so ist das für mich ein wesentlich anderes Kriterium in der Beurteilung von Kunst.
    So halte ich Don Carlos immer noch für ein hervorragendes Drama, auch wenn aus einem möglicherweise etwas debilen (?) Jüngling eine Heldengestalt wurde.
    In der politischen wie auch der persönlichen Auseinandersetzung der historischen Personen erkannte Schiller genug Potential, um daran eine Aussage zu seiner Zeit und darüber hinaus zu allgemein gültigen Werten und Konflikten machen zu können.
    In seiner Geschichte des Abfalls der Niederlande verhält er sich anders.



    Und was machen wir mit Stücken, die in Zeiten spielen, die es möglicherweise gar nicht oder, so wie sie geschildert werden, nicht gab. Wo wohnen die Götter Walhalls? (Oben auf dem Berg, in einer Burg, die Walhall heißt - aber sind es nun die Schweizer Alpen oder doch irgendwo in Island oder ist es egal?) Wann lebten sie?
    Aida wurde schon irgendwo erwähnt.


    Oder ein kleines Beipiel: Shakespeare lässt seinen Caesar ein Buch besitzen. Was mache ich nun historisch korrekt? Zieh ich ihm nun Strumpfhosen an und gebe ihm ein Buch? Oder eine Toga und eine Schriftrolle? Oder eine Toga und ein Buch? Bei der dritten Möglichkeit könnte man sagen, dass man bei dieser Handlungsweise Kostüm und Requisit so wählt, wie es Shakespeare wahrscheinlich getan wurde.

    Ich habe doch nur gesagt, man muss sich das Szenario genau anschauen, um dann zu entscheiden, wie man damit umgeht. Ein bloßes Übersetzen in Gegenwartsklischees hilft da nicht weiter. Das funktioniert mE genauso wenig, als würde ich einen Goethe-Text oder auch nur einen Beitrag aus diesem Forum mit Hilfe eines Übersetzungsprogrammes ins Slowakische übertragen. (Das Übersetzungsprogramm ist zugegebenermaßen besonders schlecht, wie ich aus einigen Kommunikationsversuchen weiß.)


    Bleiben wir beim Waffenschmied, einem Beruf, der nun auch schon zu Lortzings Zeiten als Broterwerb überholt war. Dann ist nach meinem Vorgehen zu fragen, warum hat Lortzing seine Geschichte dort angesiedelt? Und dann kann ich weiter fragen: Gibt es ein Milieu, in dem die Geschichte stimmig ist, oder belasse ich das Szenario dort, wo ist ist. Das ist für mich aber nun nicht unbedingt die ständische Gesellschaft der beginnenden Neuzeit sondern diese Gesellschaft durch die Brille und die Erfahrungen eines aufgeklärten, die Demokratie verehrenden Bürgers des 19 Jh. gesehen.
    Vor diesem Hintergrund muss ich mir die Anlage und Führung der Personen anschauen und bei meiner Inszenierung berücksichtigen. Eine einfache Übernahme der Regieanweisungen zur Uraufführung schließt sich für mich daher aus.


    Dann lasst uns in eine andere Möglichkeit durchdenken:
    Nun ist der Stadinger ja auch noch Tierarzt, bei einem platten Übertragungsversuch könnte ich jetzt sagen: Juchhuh, den Beruf gibt es noch! Inzwischen sogar akademisch gebildet! Siedel ich das Stück doch einfach in einer Tierklinik an! Dann könnte man noch ein paar Gags mit weißen Kaninchen einbauen.


    Es tut mir leid, das würde nicht funktionieren. Ich kann doch nicht einfach die Wämse ausziehen und den heutigen Straßenanzug oder den OP-Kittel anziehen lassen.


    So, jetzt habe ich gesagt, was für mich nicht in Frage kommt. Allerdings müsste ich über eine schlüssige Lösung erst einmal etwas länger nachdenken.


    Ich weiß nur: Was für mich esentiell ist:
    Oper muss sinnlich erfahrbar sein, mit Ohren und Augen! (Mit der Nase nicht unbedingt - mir ist ein Tristan mal gründlich durch das Parfüm der neben mir sitzenden Dame verdorben worden.)
    Insofern hasse ich es, wenn die Inszenierung dies nicht hergibt sondern sich mir erst durch das Studium eines Wälzers von Programmheft erschließt.

    In der Theologie (jedenfalls in dem protestantischen Ableger davon) spricht man vom "Sitz im Leben", wenn man untersucht, warum ist z.B. ein Gleichnis ausgerechnet in ein bestimmtes Szenario eingebettet, was ist der Kern der vermittelten Botschaft, wie stehen das Szenario und die Erfahrungswelt der Menschen, denen das Gleichnis erzählt wurde, zueinander.
    Dann überlegt man, wie der heutige "Sitz im Leben" aussehen könnte. Ist das Szenario ohne Erläuterung für uns heutige Menschen verständlich? Ist das Szenario auf heutige Verhältnisse eins zu eins übertragbar? Oder gibt es Möglichkeiten, durch Veränderungen des Szenarios die Botschaft besser, aktueller zu vermitteln? Oder ist es mir möglich, durch kurze Erläuterungen oder andere Mittel das alte Szenario so zu beleben, dass es auch für uns heutige Menschen als Träger der Botschaft taugt.


    Nun habe ich selber ein Gleichnis gebraucht. ;)
    Ich bin nicht davon überzeugt, dass es ausreicht, alles so zu inszenieren, wie es in den Regieanweisungen steht. Unterschiedliche Zeiten nehmen unterschiedlich wahr.
    Nehmen wir mal als Beispiel ein übliches Brahmsportrait und wie es auf Menschen in den letzten 50 Jahren gewirkt haben mag. In den 50er Jahren, am Anfang der 60er Jahre galt sein Rauschebart nur als altväterlich. Ende der 60er/Anfang der 70er Jahre liefen eine ganze Reihe von Leuten mit einem ähnlichen Vollbart rum. Brahms wirkte jugendlicher, dynamischer.
    Heute geht die Jugend wieder glattrasierter oder mit Dreitagebart - wieder wertet man Brahms ganz anders.
    Diese - zugegeben sehr oberflächliche -Herangehensweise bestimmt allerdings das Vorurteil, mit dem man möglicherweise die Musik von Brahms wahrnimmt. (Ich rede jetzt nicht von Musikliebhabern.)


    Auf der anderen Seite interessiert es mich auch zu erleben, was passieren würde, wenn Fricka mit einem Widdergespann auf die Bühne gefegt käme!

    Also geh ich mal ganz weg weg und komme zu dem hier:


    Il Tabarro von Puccini, in der durch den Liedverkäufer und die Tanzmusik, zu der Giorgetta mit einem der Arbeiter tanzt, die Atmosphäre des Pariser Vorstadtflairs heraufbeschworen wird.
    Für mich klingen die Melodien sehr nach Paris, auch wenn ich nicht weiß, ob es echte Folklore-Einsprengsel oder von Puccini erfunden sind.


    Tut mir leid, manchmal hänge noch an der Ära Barfuss. Hänge also noch weiter zurück.


    Und der Ring von Horres hat mir nun absolut nicht zugesagt, mit dem Bonsaibäumchen in Hundings Hütte - nein, ich weiß nicht.

    Flandern wurde habsburgisch durch die im August 1477 geschlossene Ehe von Maria von Burgund mit Maximillian von Österreich. Vorher gehörte es zum Herzogtum Burgund.
    Maria war die Tochter von Karl dem Kühnen und starb recht jung an einer Fehlgeburt nach einem Reitunfall. Philipp der Schöne, ihr Sohn und Erbe, war Habsburger, kein Franzose. Im Gegenteil er war der erste Habsburger auf dem spanischen Thron, den seine Gemahlin Johanna erbte. Einer der Söhne aus dieser Ehe war Karl V, Kaiser des Heiligen Römischen Reiches.
    Dessen Söhne wiederum (Philipp und Ferdinand) wurden die Stammväter der spanischen wie der österreichischen Linien der Habsburger.

    Geographie darf in Libretti nicht gar so eng gesehen werden.
    Und im Schauspiel auch nicht: Wien liegt bekanntermaßen auch nicht am Meer, obwohl Herr Shakespeare es dort hin gepflanzt hat.


    Flandern ist ein Teil der südlichen Niederlande und hauptsächlich zum Gebiet des heutigen Belgiens gehörend. Der französische Teil Flanderns gehörte zu schon zur Zeit Peter des Großen zu Frankreich. Ein kleiner Teil - seeländisch Flandern - gehört zu den Niederlanden.


    Und nach diesem Exkurs, den man mir verzeihen mag, weil ich die Gegend sehr mag, komme ich auf die Rufe im Fliegenden Holländer, die - wie in einem Thread schon beschrieben - auf die Rufe der ostpreußischen Fischer und Schiffer zurückzuführen sein sollen, mit der Bootsmannspfeiferei im dritten Akt Hafenleben zur Segelschifffahrtszeit, mitthin ein folkloristisches Element, abbilden.

    Da ich sie nicht selbst nutzen kann, möchte ich hier zwei Karten für das Konzert (ab 22.30 Uhr) der Duisburger Philharmoniker im Landschaftspark Duisburg-Nord verschenken, das im Rahmen der ExtraSchicht stattfindet.



    Zitat

    Ab 22.30 Uhr spielt das Orchester am Hochofen mit glühender Hingabe Musik von John Adams, Johannes Brahms, Joseph Haydn, Arthur Honegger, Aram Khatchaturian, Peter Tschaikowsky, Richard Wagner, John Williams und anderen. Das Finale beginnt um ca. 24 Uhr und gipfelt in einem kunstvollen Feuerwerk.



    Leider ist es mir nicht gelungen, ein etwas aussagekräftigeres Programm zu finden.
    Ich würde die Karten bei Interesse im Park hinterlegen, ich bin selbst mit einem Cafe (nicht allein) und einer Ausstellung an der langen Nacht beteiligt.

    Ein finnische hochdramatische Sopranistin aus meinem Bekanntenkreis hatte in Deutschland enorme Probleme in ein Engagement zu kommen, da man sie für ihr Bühnenfach als zu jung bezeichnete. (40 ist da die Schallmauer, die oft genannt wird.)


    Das entspricht auch den Lebensläufen mancher Sänger und Sängerinnen, die dann erst in das Stimmfach wechselten, in dem sie dann bekannt oder sogar berühmt wurden.


    Ich erinnere da z.B. an Hans Hopf, der vor seinem 40. Lebensjahr (nach eigenem Bekunden) die Heldentenorpartien nicht gesungen hat, wie auch an Hildegard Behrens, die zunächst in Düsseldorf ganz andere Rollen verkörperte als in ihrer späteren Karriere.


    Taddei hat, meiner Erinnerung nach, die erste Schallplattenaufnahme gemacht, als er 46 war.

    Aus dem Anfang bis Mitte der 60iger Jahre gibt es Ausschnitte mit Josef Traxel aus einem deutschsprachigen Don Giovanni mit der Bjoner. Die Platte, die ich bis vorhin in meinem Besitz wähnte ?( , aber (noch) nicht gefunden habe :evil:, mag aus irgendeinem Anlass von der DOR herausgegeben worden zu sein. Sie gehörte den ersten Schallplatten in meinem Besitz. :(

    Vielleicht sollten wir mal eine weitere Ebene in die Diskussion einbeziehen, nämlich die für Subventionen zuständige Ebene der Kommunalpolitik, die ja die Masse vertritt oder vertreten sollte oder sich so fühlt, als ob sie die Masse vertreten würde.


    Leider sind selbst nicht alle Mitglieder der Kulturausschüsse an so genannter Hochkultur interessiert, von einer entsprechenden Bildung ganz zu schweigen.


    Diese Leute, auch wenn sie wohlmeinend sind und dem Gremium nicht nur angehören, um darauf zu achten, dass die Steuergelder auch effektiv eingesetzt werden, diese Leute sind angewiesen auf die Urteile von Fachleuten, um zu entscheiden.
    Eine geschickte sympathisch wirkende Fachverwaltung ist ohne weiteres in der Lage, diese Gremien genau dorthin zu führen, wo er sie hin haben möchte. Expertenmeinungen von außen werden höchstens zugelassen, wenn sie dem Feuilleton überregionaler Fachzeitungen entnommen sind. (Außerdem ist man froh, wenn man nicht negativ auffällt, weil man zu verständnislos vor sich hinguckt, wenn der Herr Intendant irgendetwas erklärt.) Da wird nichts hinterfragt, was Qualität angeht, ob dies oder jenes für die Entwicklung des Hauses förderlich ist.


    Vertreter dieser Gremien sitzen in den Aufsichts- oder Verwaltungsräten von Opernhäusern und bestimmen so den Etat mit und segnen die Programmgestaltung und die Auswahl der Regisseure ab.

    Mein Avatar zeigt nicht mich, we man sicher erkennen kann, sondern ist eine von den 26 Radierungen, die ich Rahmen meines Staatsexamen (Lehramt Sek 1) zu Wagners Ring gemacht habe. (Richard Wagners Ring des Nibelungen als Stimulus zu einem druckgraphischen Zyklus)

    Oder nehmen wir uns mal den Tannhäuser vor!


    Dessen tatsächliche Biografie ist ja weitghend unbekannt, aus seinen Werken - neben den erotischen ein ernsteren Dingen zugewandtes Werk war Anlass genug, ihm den Aufenhtalt im Venusberg und die Pilgerreise nach Rom anzudichten.


    Wobei Wagner noch die Verknüpfung Freia/Venus im Lied des Hirten deutlich macht:
    Frau Holda kam aus dem Berg hervor,
    zu ziehen durch Flur und Auen;
    gar süßen Klang vernahm da mein Ohr,
    mein Auge begehrte zu schauen: -
    da träumt' ich manchen holden Traum,
    und als mein Aug' erschlossen kaum,
    da strahlte warm die Sonnen,
    der Mai, der Mai war kommen.
    Nun spiel' ich lustig die Schalmei: -
    der Mai ist da, der liebe Mai!


    Aber wesentlicher ist die Verknüpfung mit der Überlieferung des Wartburg(sänger)krieges, die dann zu einer Gleichsetzung von Herinrich von Ofterdingen mit Tannhäuser führt, während Elisabeth von der Gattin des Landgrafen zu dessen Nichte mutiert.


    Geschickt oder eher doch dreist ist jedenfalls die Verknüpfung einer tatsächlich heilig gesprochenen historischen Frau mit der Frauengestalt, die durch ihren Opfertod die Erlösung Tannhäusers möglich macht.
    Heilige Elisabeth, bitte für mich!

    1. Puccini: Il Tabarro: Milnes, Domingo, Price, Leinsdorf
    2. Wagner: Tristan und Isolde: Vickers, Dernesch, Karajan
    3. Wagner: Der fliegende Holländer: McIntyre, Ligendza, Winkler, Sawallisch


    Aber noch lieber als von CD würde ich es gerne live hören, gespielt von der siebenköpfigen Bordkapelle der Titanic oder so.

    Ich weiß nicht, ob Ihr es kennt - das Programm Mus-e von er Menuhin-Stiftung, das hier ansetzt und sich gerade an Kinder aus benachteiligteren Stadtteilen richt.
    http://www.ymsd.de/mus-e.html


    In meiner Jugend war ich immer neidisch, nicht auf ein bestimmtes Jungengymnasium gehen zu dürfen, auch weil sie einen so vorzüglichen Musiklehrer hatten, der für sein Thema begeistern konnte. Einer seiner Schüler war Jürgen Kesting, der um einige Jahre älter ist als ich und der damals als Oberstufenschüler schon mit Begeisterung über die Welt berichtete, die ihm auch von seinem Lehrer eröffnet wurde.

    Zitat

    Original von Mengelberg


    Privatfinanzierung, die auf Profitmaximierung aus ist, hat einen negativen Einfluß auf die künstlerische Qualität, weil sie sich nach dem Geschmack der Massen richten muß.


    :hello:
    M.


    Das sehen wir ja bei den Dornröschens, Nussknackern und Zauberflöten, die von Tourneeveranstaltern auf die Reise geschickt werden.


    Nun mag auch die jeweilige regionale Herkunft und das dort übliche Sponsorenverkommen und -verhalten bei der Argumentation der Diskutanten eine Rolle spielen.
    Ich komme aus einer recht strukturschwachen Stadt, die durchaus von dem Zweistädtestatus der Rheinoper profitiert. Was bin ich froh, dass es subventioniert wird! Viele begeisterte Opernbesucher (Junge und alte engagierte begeisterte Menschen) könnten sich sonst keinen Eintritt leisten.
    Die wenigen florierenden Firmen, die es sich zur Ehre gereichen lassen, als Mäzen (uneigennützig fördernd) aufzutreten, sind hier äußerst rar gesäht, andere, die kulturelle Erzeugnisse nutzen, um damit für ihre Firma zu werben, gibt es auch nur wenige. Allerdings gilt in diesem Fällen das Motto, das platt ausgeprochen bekanntlich so lautet: Wer zahlt, bestimmt die Musik. Das kann es für mich auch nicht sein!


    Das muss ich leider so unterstreichen - die Sparmaßnahmen in den städtischen Haushalten haben vielen Opernhäusern nicht gut getan. Früher bin ich mit Lust öfter drimal die Woche ins Theater oder die Oper - heute kaum mal eimal im Monat. Wenn die Sparmaßnahmen nur dazu führen, dass die Zahl der Aufführungen auf ein Drittel geschrumpft werden, dazu jegliche Zweit- oder Drittbesetzung eingespart wird, mehr und mehr ensuite gespielt wird, warum soll ich mir dann manches mehr als ein- oder zweimal antun?
    Unabhängig von der Inszenierung interessierte mich die Doppelbesetzung von Rollen zu erleben, interesserte es mich früher wie jener Sänger mit dieser Sängerin harmonierte und wie es sich veränderte, wenn für einen von beiden oder beide jemand anderer einsprang.
    Dann bekam ich Lust, es mir mehrfach anzuschauen, und so ging es nicht nur mir.
    Es tut mir leid, dreimal kurz hintereinander ein Werk, das ich kenne und als guten Freund betrachte, in der selben Besetzung zu sehen, ruft selbst bei mir Langeweile hervor - oder ich fange an, Fehlerchen zu suchen.
    Bei Werken, die ich nicht kenne, konnte und kann es mir passieren, dass ich sie drei-/viermal ansah oder ansehe, bis ich mit ihnen einigermaßen bekannt bin.
    Da ich zahlendes Publikum (meine Hörgewohnheiten habe ich ja gerade dargelegt) bin, aber nicht in der Lage bin, mir jegliche Karte zu leisten, gehöre ich zu den Profiteuren des in Deutschland üblichen Opernbetriebes.


    Und jetzt habe ich noch nicht einmal etwas dazu gesagt, wie oder ob ich mich als Staubi oder Anhängerin des Regietheaters empfinde.
    Auch wenn sie von vielen Kritikern häufig gelobt wird, habe ich gegen manche Inszenierung, die nur der inneren Befindlichkeit eines Regisseurs geschuldet ist, die er unabhängig vom Sujet ausleben will, etwas. Auch Regie ist ein nachschöpfender kreativer Akt, genauso wie die Interpretation einer Sonate, eines Cellokonzertes oder sonst etwas.
    Dass eine Inszenierung das Publikum irgendwo "abholen" und ins Werk einführen sollte, ist für mich allerdings auch klar. Insofern wehre ich mich nicht grundsätzlich gegen jegliches Regietheater, wenn mir oder anderen damit der Zugang zum inszenierten Werk geebnet wird.


    Ich mag in diesem Zusammenhang als Gegenpart zum Regietheater das Wort konservativ nicht - es wäre mir lieber, von Werktreue zu sprechen.


    Wobei wir jetzt uns darüber unterhalten mögen, ob ein Werk wie Madame Butterfly, das einen exotischen, der damaligen Mode huldigenden Rahmen wählt (auch ein Kunstgriff), der dem Komponisten wie auch dem Librettisten ermöglicht, dem damaligen Publikum den zu Grunde liegenden Konflikt nahezubringen, heute anders zu inzsenieren als vor 100 Jahren, weil die Gesellschaft von 1900 nur noch in Teilen mit der von 2000 vergleichbar ist.


    Und wir sollten uns darüber unterhalten, wer inszeniert was für wen (über das Geld reden wir dann immer noch später einmal).
    Wenn es eine Inszenierung nur für eine kleine Schicht Gutbetuchter ist, die dem Feuilleton mancher überregionaler Zeitung als einzigem Maßstab huldigt, dann kann man diesen Ansatz vergessen.


    Oper soll Spaß machen, anrühren, zum Denken anregen, aufwühlen, aber nie langweilig sein, der Ansatz einer Inszenierung muss breit genug sein, um auch unterschiedliche Leute dort einzufangen, wo sie auch immer sind, und für das Werk einnehmen, also immer Mittel zum Zweck und nie nur auf sich selbst bezogen sein.