Zitat
Original von der Lullist
was würde denn eine Abschaffung der Subventionen bringen?
ersteinam würden nur noch größere Städte überhaupt über ein Theater verfügen, alles was weniger als 200.000 Einwohner hat guckt dann mit Sicherheit in die Röhre, weil diese Unternehmen niemals rentabel sein können.
Das Programm wäre nur noch darauf ausgerichtet was ein Großteil des Publikum sehen will - ich fürchte da ein Wiederaufleben der Operette... in jedem Fall wären es stets die gleichen Werke.
Neue Werke von zeitgenössischen Künstlern würden gar nicht mehr uraufgeführt werden.
Alles was jenseits des Mainstreams ist, wird ebenfalls nicht mehr aufgeführt.
Denn Experimente könnten ja daneben gehen.
Und das geforderte Plüsch - Theater würde es auch nicht geben weil es nun erst recht nicht mehr bezahlbar ist.
Außerdem denke ich, dass die Karten für das Theater oder die Oper so teuer wären, dass nur noch der gehobene Mittelstand sich das überhaupt leisten kann.
Das ganze würde uns in eine Zeit zurückführen, die man unmöglich nochmal haben möchte.
Dann schafft auch gleich das Bafög ab, damit nur noch die Kinder der besser gestellten studieren dürfen.
diese Überlegung führt nur in eine Sackgasse, nirgends wo anders hin.

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Das muss ich leider so unterstreichen - die Sparmaßnahmen in den städtischen Haushalten haben vielen Opernhäusern nicht gut getan. Früher bin ich mit Lust öfter drimal die Woche ins Theater oder die Oper - heute kaum mal eimal im Monat. Wenn die Sparmaßnahmen nur dazu führen, dass die Zahl der Aufführungen auf ein Drittel geschrumpft werden, dazu jegliche Zweit- oder Drittbesetzung eingespart wird, mehr und mehr ensuite gespielt wird, warum soll ich mir dann manches mehr als ein- oder zweimal antun?
Unabhängig von der Inszenierung interessierte mich die Doppelbesetzung von Rollen zu erleben, interesserte es mich früher wie jener Sänger mit dieser Sängerin harmonierte und wie es sich veränderte, wenn für einen von beiden oder beide jemand anderer einsprang.
Dann bekam ich Lust, es mir mehrfach anzuschauen, und so ging es nicht nur mir.
Es tut mir leid, dreimal kurz hintereinander ein Werk, das ich kenne und als guten Freund betrachte, in der selben Besetzung zu sehen, ruft selbst bei mir Langeweile hervor - oder ich fange an, Fehlerchen zu suchen.
Bei Werken, die ich nicht kenne, konnte und kann es mir passieren, dass ich sie drei-/viermal ansah oder ansehe, bis ich mit ihnen einigermaßen bekannt bin.
Da ich zahlendes Publikum (meine Hörgewohnheiten habe ich ja gerade dargelegt) bin, aber nicht in der Lage bin, mir jegliche Karte zu leisten, gehöre ich zu den Profiteuren des in Deutschland üblichen Opernbetriebes.
Und jetzt habe ich noch nicht einmal etwas dazu gesagt, wie oder ob ich mich als Staubi oder Anhängerin des Regietheaters empfinde.
Auch wenn sie von vielen Kritikern häufig gelobt wird, habe ich gegen manche Inszenierung, die nur der inneren Befindlichkeit eines Regisseurs geschuldet ist, die er unabhängig vom Sujet ausleben will, etwas. Auch Regie ist ein nachschöpfender kreativer Akt, genauso wie die Interpretation einer Sonate, eines Cellokonzertes oder sonst etwas.
Dass eine Inszenierung das Publikum irgendwo "abholen" und ins Werk einführen sollte, ist für mich allerdings auch klar. Insofern wehre ich mich nicht grundsätzlich gegen jegliches Regietheater, wenn mir oder anderen damit der Zugang zum inszenierten Werk geebnet wird.
Ich mag in diesem Zusammenhang als Gegenpart zum Regietheater das Wort konservativ nicht - es wäre mir lieber, von Werktreue zu sprechen.
Wobei wir jetzt uns darüber unterhalten mögen, ob ein Werk wie Madame Butterfly, das einen exotischen, der damaligen Mode huldigenden Rahmen wählt (auch ein Kunstgriff), der dem Komponisten wie auch dem Librettisten ermöglicht, dem damaligen Publikum den zu Grunde liegenden Konflikt nahezubringen, heute anders zu inzsenieren als vor 100 Jahren, weil die Gesellschaft von 1900 nur noch in Teilen mit der von 2000 vergleichbar ist.
Und wir sollten uns darüber unterhalten, wer inszeniert was für wen (über das Geld reden wir dann immer noch später einmal).
Wenn es eine Inszenierung nur für eine kleine Schicht Gutbetuchter ist, die dem Feuilleton mancher überregionaler Zeitung als einzigem Maßstab huldigt, dann kann man diesen Ansatz vergessen.
Oper soll Spaß machen, anrühren, zum Denken anregen, aufwühlen, aber nie langweilig sein, der Ansatz einer Inszenierung muss breit genug sein, um auch unterschiedliche Leute dort einzufangen, wo sie auch immer sind, und für das Werk einnehmen, also immer Mittel zum Zweck und nie nur auf sich selbst bezogen sein.