Mit großem Interesse lese ich mich gerade im Forum ein, bin ich doch erst ein paar Tage dabei. Ich bin selbst Cellist und fühle mich in der Kammermusik beheimatet. Als noch-Student (und derzeit Praktikant im Gürzenichorchester Köln) ist mein Werdegang nicht vorgezeichnet, aber ich wäre von mir selbst schockiert, wenn er nicht zu großen Teilen durch die Kammermusik geprägt werden sollte.
Bei Zusammenstellungen von Ensembles im Studium wird sich leider sehr selten darum gerissen, wer die zweite Geige spielen darf. Jedenfalls ist es mir noch nicht untergekommen. Ich glaube, dass es sehr viel Erfahrung und Reife bedarf, bis jemand zu der Einsicht kommt, dass er ein guter zweiter Geiger ist. Denn diese Erkenntnis setzt ja voraus, dass man sich allgemein gesprochen seiner Sache als Geiger sicher ist. Der Weg zum guten zweiten Geiger führt ja genauso über die Bach Sonaten und Partiten.
Zusätzlich zu dem Wissen um die eigene Gestaltungskraft und einem gesunden geigerischen Selbstbewusstsein muss aber noch in höherem Maße als beim "Primarius" Kommunikationsfähigkeit, kammermusikalisches Hören und die Fähigkeiten zum Zusammenhalt wie auch zur Unterordnung vorhanden sein. Man muss Spaß daran haben, der Kitt des Ensembles zu sein, der Dick Cheney des Streichquartetts (also jemand andern den ersten sein lassen, aber die Macht doch bei sich wissen).
@Michael
Sehr fasziniert hat mich die Geschichte vom Orlando-Quartett! Im August und September werde ich im Klaviertrio an der Sommerakademie Frenswegen teilnehmen (diese ist ja in etwa in Deiner Ecke und dürfte Dir bekannt sein). Wir fahren zwar hauptsächlich wegen Eberhard Feltz (Mentor unter anderem des Vogler- und des Kuss-Quartettes sowie des Quatuor Ebène) hin, aber auch Stefan Metz wird dort unterrichten.
Im letzten September hatte ich auch die Ehre, in einer kurzen Probe von einem (noch nicht so sehr etablierten, aber dennoch durch einen Preis bei einem der ganz großen Wettbewerbe relativ erfolgreich gewordenen, sich aber umformierenden) Streichquartett ausprobiert zu werden. Dies war aber von vorne herein sehr unrealistisch, da auch die räumliche Distanz sehr groß und die finanzielle Situation sehr prekär gewesen wäre und so ist daraus auch nichts geworden.
Viele Grüße aus Köln!