Beiträge von schmello

    Liebe Taminos,


    sehr gerne mache ich Euch auf einige Werke des legendären Cellisten Pau (Pablo) Casals aus seiner Jugendzeit aufmerksam. Während einige seiner Kompositionen zu seinen Lebzeiten veröffentlicht wurden und zumindest mäßige Verbreitung genießen konnten, gehören die Stücke für Cello und Klavier zu einer Reihe von Werken, die der katalanische Notenverlag Boileau erst kürzlich (2010) als Teil der Gesamtausgabe der Werke von Casals herausgegeben hat. Maßgeblich an der Edition beteiligt war der katalanische Cellist Lluis Claret.
    Diese Stücke sind noch im 19. Jahrhundert entstanden und sind stilistisch auch in diesem anzusiedeln (passen also zum Thema des Threads), auch wenn Casals selbst den Großteil seines langen und erfüllten Lebens im 20. Jahrhundert verbrachte.
    Ich erlaube mir, eine Live-Aufnahme von Katia Michel und mir vom vergangenen Sommer eines der Stücke einzufügen. Weitere Stücke (Pastoral, Albumblatt, Romanze) könnt Ihr auf meinem Youtube-Kanal finden.


    Beste Grüße
    Peter


    In jedem Fall nimmt das Es-Dur Trio eine Sonderstellung in Schuberts Werk ein. Bei der A-Dur-Sonate ist das Wiederaufgreifen des Motvis ebenso bemerkenswert, aber es wirkt mehr als Fingerzeig denn als alles dominierendes, unbeugsames Motto (eine Fantasie ist ja naturgemäß freier in seiner Form, daher finde ich diese Beispiele weniger bemerkenswert.). Im vierten Satz des Es-Dur Trios erscheint das dunkle Thema des zweiten Satzes in einer beschwingt ausgelassenen Umgebung, als wolle es zu etwas gemahnen. Erst am Schluss findet es eine versöhnliche Dur-Wendung, gerade so als sei der dem Tod endlich der Stachel genommen und als werde er freundschaftlich herbeigerufen.

    Hallo,


    gibt es von Schubert außer dem Es-Dur Trio noch ein bedeutendes Werk, in dem ein Thema aus einem vorigen Satz in einem späteren Satz direkt zitiert wird? Mir scheint, dass das so explizit nur in diesem Stück der Fall ist, aber es kann gut sein, dass ich falsch liege. Bei Beethoven findet man dies ja des öfteren (C-Dur Cellosonate, oder (wenn auch ohne kunstvolle Einarbeitung) in der 9. Symphonie uvm), auch bei Brahms hin und wieder (B-Dur Quartett, Klarinettenquintett). Aber Schubert? Vielleicht hat ihn dieses Thema nicht losgelassen?


    Übrigens denke ich, dass das Tempo des zweiten Satzes sich aus der Bewegung des vierten ableiten lässt. Bei einem gemütlichen Allegro moderato-Tempo sind die 16tel-Girlanden dennoch sehr schnell, die Wiederkehr des Themas aus dem zweiten Satz dagegen bewegt, ohne hastig zu sein. Es sei denn, man ist der Meinung, es sei für das Thema in einem anderen Kontext ein anderes Tempo zu wählen. Allerdings wäre das für Schubert nicht typisch, dessen Tempi in der Regel (vielleicht mit Ausnahme einiger Lieder) in sich ruhen.


    Schöne Grüße!

    Ich wollte damit nicht sagen, dass Effekte "schlecht" sind. In der Tat stimme ich zu, dass sich Effekt und musikalischer Gehalt nicht einfach trennen lassen. Bei den angesprochenen mahlerschen Sinfonien ist das Klangspiel ja zentral für die musikalische Aussage.


    Nur meinte ich, dass mit einem gewissen Verzicht (und auch das Brahmssche Klavierquintett verzichtet in all seiner Süffigkeit auf einen Bläsersatz) eine destilliertere Musik enststeht, die noch mehr von der Form und dem Gedankenspiel lebt.


    Dass Komponisten mit lange etablierten Formen und Besetzungen experimentieren und - wie Schönberg - Elemente, die eher mit anderen Gattungen assoziiert werden, in ihre Kammermusik integrieren, scheint mir dem nicht im Kern zu widersprechen.


    Aber ich gebe zu, dass das eine relativ pauschale Aussage ist, die im einzelnen wohl viele Gegenbeispiele zulässt (und mir dennoch einigermaßen zutreffend erscheint). Mich würde daher interessieren: was denkst Du/was denkt Ihr sind die eigentlichen (oder weitere) Hauptgründe, weswegen vielen Leuten der Zugang zur Kammermusik viel schwerer fällt, als zur sinfonischen oder vokalen Musik?


    Viele Grüße!

    Lieber Michael,


    ich habe bis zum Diplom 5 Jahre in München bei Wen-Sinn Yang studiert (zuvor war ich zwei Jahre Jungstudent in Augsburg bei Markus Wagner) und bin derzeit in Detmold eingeschrieben als Kammermusikstudent beim Auryn-Quartett. Für die Dauer meines Orchesterpraktikums in Köln bin ich allerdings beurlaubt. Zudem bin ich auf der Suche nach einem geeigneten Lehrer und einem Studienplatz für ein "Master"-studium (Konzertexamen gibt es seit neuestem nicht mehr). Ebenso bin ich auf der Suche nach einem Instrument (aber wer ist das nicht?). Dann beginnt auch schon der Probespielzirkus, sofern sich nicht etwas anderes auftut.


    Eben hatte ich eine erste Probe mit einem Quartett (ein bisschen Mozart, ein bisschen Schubert Rosamunde gelesen), aus dem sich noch mehr ergeben könnte (allerdings habe ich Bedenken). - Um beim Thema zu bleiben: hier hat es sich gut getroffen, dass die zweite Geige deutlich aufmerksamer und offener war als die erste. - Schön wäre auch, wenn aus dem Trio, welches wir für diese Sommerakademie Frenswegen beginnen, mehr werden würde.


    Im Thread "Mitglieder stellen sich vor" habe ich noch mehr über meine musikalischen Vorlieben und Schwerpunktbereiche Auskunft gegeben, wen's interessiert.


    Viele Grüße!!
    schmello

    Vielen Dank, Walter, für die netten Worte zum Einstieg! Euch abgebrühten unterstelle ich aber doch noch ein ebenso hohes Maß an Enthusiasmus!


    Mir fällt zum Thema noch folgendes ein: hat der erste Geiger einen schlechten Tag oder nicht genug geübt, kann jeder Zuhörer das sofort erkennen. Leistet sich der zweite Geiger aber auch nur die kleinsten Ungenauigkeiten, so wird (vom normalsterblichen Zuhörer) das ganze Quartett dafür verantwortlich gemacht. Es gibt "allgemeine Intonationsmängel" oder "Schwierigkeiten im Zusammenspiel". Für derartige (Mit-)Verantwortung braucht man Führungsqualitäten.


    Schöne Grüße!

    Mit großem Interesse lese ich mich gerade im Forum ein, bin ich doch erst ein paar Tage dabei. Ich bin selbst Cellist und fühle mich in der Kammermusik beheimatet. Als noch-Student (und derzeit Praktikant im Gürzenichorchester Köln) ist mein Werdegang nicht vorgezeichnet, aber ich wäre von mir selbst schockiert, wenn er nicht zu großen Teilen durch die Kammermusik geprägt werden sollte.


    Bei Zusammenstellungen von Ensembles im Studium wird sich leider sehr selten darum gerissen, wer die zweite Geige spielen darf. Jedenfalls ist es mir noch nicht untergekommen. Ich glaube, dass es sehr viel Erfahrung und Reife bedarf, bis jemand zu der Einsicht kommt, dass er ein guter zweiter Geiger ist. Denn diese Erkenntnis setzt ja voraus, dass man sich allgemein gesprochen seiner Sache als Geiger sicher ist. Der Weg zum guten zweiten Geiger führt ja genauso über die Bach Sonaten und Partiten.


    Zusätzlich zu dem Wissen um die eigene Gestaltungskraft und einem gesunden geigerischen Selbstbewusstsein muss aber noch in höherem Maße als beim "Primarius" Kommunikationsfähigkeit, kammermusikalisches Hören und die Fähigkeiten zum Zusammenhalt wie auch zur Unterordnung vorhanden sein. Man muss Spaß daran haben, der Kitt des Ensembles zu sein, der Dick Cheney des Streichquartetts (also jemand andern den ersten sein lassen, aber die Macht doch bei sich wissen).


    @Michael
    Sehr fasziniert hat mich die Geschichte vom Orlando-Quartett! Im August und September werde ich im Klaviertrio an der Sommerakademie Frenswegen teilnehmen (diese ist ja in etwa in Deiner Ecke und dürfte Dir bekannt sein). Wir fahren zwar hauptsächlich wegen Eberhard Feltz (Mentor unter anderem des Vogler- und des Kuss-Quartettes sowie des Quatuor Ebène) hin, aber auch Stefan Metz wird dort unterrichten.


    Im letzten September hatte ich auch die Ehre, in einer kurzen Probe von einem (noch nicht so sehr etablierten, aber dennoch durch einen Preis bei einem der ganz großen Wettbewerbe relativ erfolgreich gewordenen, sich aber umformierenden) Streichquartett ausprobiert zu werden. Dies war aber von vorne herein sehr unrealistisch, da auch die räumliche Distanz sehr groß und die finanzielle Situation sehr prekär gewesen wäre und so ist daraus auch nichts geworden.


    Viele Grüße aus Köln!

    Liebe Taminos,


    als blutiger Neuling dieses Forums wähle ich für mein "Jungfernpost" die Diskussion um Kammermusik, da dies das Gebiet ist, auf dem mich die Musik immer am unmittelbarsten berührt hat. Das hängt sicher auch damit zusammen, dass in der Kammermusik einige der schönsten Cellopartien anzutreffen sind, von denen ich manche zu spielen schon das Vergnügen hatte.


    Die Zugangsschwierigkeiten, die viele Leute zur Kammermusik haben, erkläre ich mir folgendermaßen. Im Vordergrund steht bei ihr weder das Klangfarbenspiel (wie bei großen Orchesterwerken) noch die Virtuosität (wie bei Solowerken) noch auch das Programm (wie bei den meisten Vokalwerken). Ich behaupte einfach mal (und bin gespannt, wie mir widersprochen wird), dass für viele Menschen eines dieser drei Merkmale von entscheidender Bedeutung bei der Rezeption und das Fehlen aller drei mitunter abschreckend ist.


    Was macht also Kammermusik so besonders? Statt (offenkundiger) Virtuosität gibt es Unterordnung unter die Musik, statt Programmatik gibt es (mit einigen Ausnahmen) "absolute" Musik und statt Klangfarbenspiel das Ausloten der klanglichen Möglichkeiten weniger Instrumente. Und durch dieses Weniger entsteht ein deutliches Mehr. Denn (so behaupte ich, wieder in gespannter Erwartung auf Gegenmeinungen) der Komponist sieht sich herausgefordert und konzentriert seine musikalische Aussage in dem Wissen, dass er sich nicht auf Effekte verlassen kann. Die Musik spricht für sich selbst.


    Die Schwierigkeiten der Kammermusik im Konzertbetrieb faszinieren mich ebenso und ich möchte sie sehr gerne in einem späteren Beitrag thematisieren. Doch jetzt muss ich mich zu einer Blattlesesitzung der Brahmsschen und Mozartschen (vielleicht noch Mahler und Dvorak) Klavierquartette begeben.


    Hier jedoch noch schnell eine Empfehlung eines relativ unbekannten Werkes: Quartett von Hindemith für Klarinette, Klavier, Violine und Violoncello (gleiche Besetzung wie Messiaen also). Auch wem Hindemith nicht unmittelbar zugänglich ist, kann insbesondere durch einen traumhaften zweiten Satz vielleicht doch noch gewonnen werden!


    Ein schönes Wochenende!