Beiträge von Alberich

    Ich komme gerade aus der heutigen Totenhaus-Vorstellung und bin auch etwas ratlos. Kosky findet viele starke Bilder und doch läßt einen das Geschehen merkwürdig kalt. Und trotz hervorragender Personenführung und durchweg guten Darstellern bleibt jede Empathie aus.
    Warum? Ich denke, es ist z.T. die Erwartungshaltung. Man kennt zumindest das Thema des Stückes, weiß, wie Kosky inszeniert und ist sich darüber im Klaren, dass ein Lager kein Ponyhof ist. So wird jede Art von Brutalität geradezu erwartet.
    Außerdem sind die Einzelschicksale nur "Inseln"; der Schwerpunkt der Regie liegt auf dem Kollektiv. Es bieten sich kaum Identifikationsfiguren an.
    Schließlich gibt es noch ein Janacek-Problem: Wenn man die Sprache nicht versteht, ist die auf die Sprachmelodie sich beziehende Musik ihres Sinnes teilweise beraubt. Man spürt, dass da etwas stattfindet, befindet sich aber im semantischen Blindflug.


    Gesungen wurde durchweg gut; von der Seitenbühne aus ersetzte Alfons Ebert den erkrankten Robert Künzli.
    Das Orchester: Weh und Ach geschrien! In der Ouverture etablierte sich ein Zweiparteiensystem im Graben, getrennt durch einen Sekundenbruchteil. Unfreiwillige Echoeffekte waren das Ergebnis. Die großen und oft ungewöhnlichen Intervalle, die bei Janacek so stilbildend sind, waren für einige Blechbläser an diesem Abend nur näherungsweise ausführbar, und zu laut war's auch wieder. Leider blieb heute jede Besserung aus.


    Dennoch: Ein aufgrund des guten Sängerensembles ein lohnender Opernbesuch - übrigens saß neben mir der ehemalige GMD Lü, der bei Einsetzen des Beifalls fluchtartig das Haus verließ.
    Ansonsten: Starker Beifall im halb gefüllten Saal.

    Ich möchte mich den vorausgegangenen Posts von Aquarius und Amfortas08 anschließen.


    Und ich möchte gerne einen neuen Namen in den Ring werfen: Reznicek. Viel, viel mehr als "Donna Diana".
    Ein weiterer Name wäre Franz Schmidt, und dann ist da noch Rossini, der immer noch unterschätzt ist.


    Genie ist allerdings, siehe obige Debatten, ein Begriff, der mir zu groß ist.