Beiträge von CRC

    Derzeit läuft:


    Brahms, Schumann-Variationen mit Peter Rösel.


    Natürlich kommt hier wieder mein "ceterum censeo":


    Auch hier ist Rösel superb: Allen Zweiflern sei der Vergleich der Variation Nr. 10 (poco adagio) zwischen ihm und Oppitz empfohlen.
    Rösel: innig und trotzdem klar mit schlüssigem Zeitgefühl
    Oppitz: so zerdehnt, so dass man Mühe hat, das Metrum zu erfassen.


    Fulminant die schnellen Variationen (z. Nr. 5 und 6)!

    Ohne mich auf ein Ranking oder gar auf eine fragwürdige Bewertung der Qualität einlassen zu wollen, gebe ich hier einfach mal meine Lieblinge an:


    Brahms, Sibelius, Schumann, Beethoven (die Kremer/Marriner-Aufnahme mit der "grässlichen" Schnittke-Kadenz!) sowie die Sinfonia Concertante von Mozart und das Doppelkonzert von Bach

    Hallo Moritz!


    Ich kann die Kissin-CD durchaus empfehlen. Sie ist eine von seinen besseren.
    Die "Wut" macht er wirklich toll. Die Chaconne spielt Kissin sehr farbig, hochvirtuos und z.T. bombastisch. Wenn schon Busoni - dann aber richtig!


    Die Kreisleriana ist ok. Mir hat Kissins Version im Konzert aber besser gefallen.

    Hinter dem heutigen 4. Türchen des Tamino-Advent-Kalenders liegen die Schweizer Alpen – genauer: die Flumserberge südlich von Zürich.


    Es ist ein wunderschöner Sommertag in der Mitte der achtziger Jahre. Wir – noch ohne Kinder – sind zum Wandern da. Früh brechen wir auf, steigen hinauf zu jenem märchenhaften kleinen See zwischen den Bergen, den wir bisher nur aus dem Ski-Urlaub als weißverschneite Ebene kennen. Starr und glatt ruht er nun vor unseren Augen und malt uns auf seiner Oberfläche das Abbild des herrlichen Bergpanoramas. Am Ufer liegt ein altes, verwunschenes Hotel mit spitzen Türmchen, das den Betrachter an die Kulissen aus der Verfilmung des Zauberbergs von Thomas Mann denken lässt. Ein Idyll des Friedens und der Stille, wie es schöner nicht sein kann. Wir schreiten aus, genießen den Anblick dieses Elysiums und merken mit Freude, wie die Seele zur Ruhe kommt.


    Mit einem Male höre ich Musik: weiche, getragene Töne, rund und voll, wie ein fernes Rufen von irgendwoher. Es ist ein Alphorn! Die Klänge hallen von den Hängen wider und fügen sich zu einer Melodie, die ich nur allzu gut kenne. Es ist Musik von Brahms, aus seiner Ersten Sinfonie.


    Kurz nach dem Adagio-Beginn des 4. Satzes mit dem zweifachen, zögernden Anlauf der Streicher im Pizzicato kommt jenes wilde Auffahren, das in einem verebbenden Paukenwirbel mündet, und dann…… Ja, was dann?


    Es geht die Mär, dass Brahms nicht nur an dieser Stelle stockte und mit dem Fortgang seiner Ersten Sinfonie haderte. 15 Jahre lang beschäftigte ihn das Projekt. Ab 1862 finden sich die ersten Entwürfe. Doch die Fertigstellung gelang ihm erst 1876.


    Nach jenem Paukenwirbel im vierten Satz kommt in Takt 30 eine der schönsten Wendungen der Sinfonie: eine Hornmelodie (sempre e passionato). Brahms soll lange gesucht haben, bis ihm die Idee kam, eine Alphorn-Melodie, die er einst in den Schweizer Bergen gehört hatte, als Überleitung zum Allegro des Finales einzufügen.


    Er kannte diese Melodie schon lange. Am 12. September 1868 hatte er sie schon einmal an Clara Schumann als Geburtstagsgruß geschickt mit der Überschrift „Also blus das Alphorn heut“. Unter die Melodie schrieb er damals an die geliebte Clara: „Hoch auf dem Berg, tief im Tal, grüß ich dich vieltausendmal.“
    Jahre später fand diese wunderschöne Melodie dann Eingang in das Finale seiner c-moll-Sinfonie.


    Als ich diese Melodie in den Flumserbergen hörte, durchfuhr mich ein köstlicher Schauer. Wir liefen den Tönen nach, kamen um eine Biegung, und da stand der Alphornbläser, in zünftiger Tracht, das lange Rohr mit beiden Händen fest umfassend. Den Trichter des Instruments hatte er zum See gerichtet und auf einem Baumstumpf aufgestützt. Niemand sonst war da. Wir gingen zu ihm, sprachen ihn an.


    „Das ist doch Brahms!“, sagte ich. „Ach ja?“ erwidert er. - Er wusste es nicht einmal! Wir suchten in den Noten, konnten zunächst nichts finden. Dann blätterte er noch einmal zurück und wies mit dem Finger darauf. Tatsächlich war es dort vermerkt, ganz klein. Er hatte es immer überlesen: „Alte Volksweise, von Johannes Brahms im Finale seiner 1. Sinfonie verwendet.“


    Eine Weile noch standen wir bei ihm und hörten zu. Dann gingen wir weiter in die Berge hinein und lauschten noch lange den verklingenden Weisen des Alphorns.


    Immer wenn ich die Erste Sinfonie von Johannes Brahms höre, denke ich an diesen Tag in den Alpen. Ich werde ihn nie vergessen.

    Kennengelernt habe ich die Rhapsodien mit Radu Lupu. So etwas prägt. Da ist man erst einmal befangen, was weitere Interpretationen betrifft.

    Trotzdem konnte mich der von mir so geschätzte Peter Rösel mit seiner klassisch unspektakulären Lesart ebenfalls überzeugen.
    Des weiteren besitze ich die Rhapsodien noch innerhalb der Gesamtaufnahmen von Katchen und Oppitz.
    Katchen rumpelt mir ein wenig zu sehr - wie auch in vielen anderen Brahmswerken. Oppitz ist mir zu unentschlossen.


    Zum Titel: Man kennt die Stücke nun einmal als Rhapsodien. Ob ein anderer Titel passender gewesen wäre....?
    Die anderen Bezeichnungen gibt es ja schon bei Brahms.
    Als Rhapsodien sind die beiden Stücke op. 79 wenigstens auch vom Titel her unverwechselbar.

    Auch in der Neuabmischung klingt die ABQ-Aufnahme immer noch recht hart. Die Verbesserungen im Vergleich zur ersten Veröffentlichung sind marginal.
    Ich habe beide Versionen im Regal stehen.
    Die Interpretation ist in der Tat packend und extrem dramatisch. Wenn der Klang nun noch ein wenig Raum und Aura hätte.....
    Man kann eben nicht alles haben.

    Komisch: Irgendwie dreht sich hier immer wieder alles um diese Beethoven-Box.


    Zur Sache: Der Unterschied dürfte einfach der sein, dass die Brilliant-Box die 1:1 -Wiederveröffentlichung der ersten CD-Überspielung sein dürfte. Brilliant kauft ja meines Wissens nur die Rechte und kopiert die Werke dann ohne weiteren Aufwand 1:1.


    Die 12-CD-Box hingegen enthält außer den Zusatzwerken eine Neuabmischung besagter amadeo-Bänder nach dem AMSI-Verfahren (links unten auf der Kassette ist das geschützte Logo zu sehen), was sich durch eine Reduzierung des Rauschens, einen prägnanteren Klavierklang und durch spürbaren Gewinn im Bass bemerkbar macht.
    In diesem Verfahren werden übrigens alle Titel der Eloquence-Reihe neu abgemischt.
    Brilliant dürfte dafür mit Sicherheit nicht die Rechte haben!


    Die Verbesserungen sind sehr gut hörbar, aber nicht dramatisch.
    An anderer Stelle hier im forum habe ich meine Klangeindrücke schon beschrieben.


    Es handelt sich beim Zyklus der 32 Sonaten in beiden Kassetten aber immer um dieselben Mutterbänder von 1968.


    Fazit: die 12-CD-Box aus der Eloquence-Reihe klingt besser als die Brilliant-Box, obwohl es sich ursprünglich um ein- und dieselbe Aufnahme handelt.

    Es ist dieselbe Aufnahme (Schloss Klesheim in Salzburg, 1970), aber eine neue Aufbereitung!


    Das Original war schon als LP sehr leise, rauschig und zischelig. Die von dir genannte Version (sie enthält Teil 1+2) stammt aus den neunziger Jahren. Ich vermute, dass sie noch nicht aufbereitet war - ebenso wie meine allererste CD-Version aus 1985 von Eurodisc.
    Die jetzt von mir gekaufte (nur Teil 1) ist von 2004. Teil 2 soll im nächsten Schwung der Reihe folgen.


    Die Tonqualität ist immer noch nicht berauschend, aber weitaus besser als in meiner allerersten CD-Version von eurodisc.


    Wie gesagt: Bei allen drei Versionen handelt es sich immer um dieselbe Aufnahme von 1970.


    Bei der jüngsten Ausgabe haben die Tontechniker aber mit Erfolg versucht, aus den Bändern das Letzte rauszuholen.
    Wunder kann man aber natürlich nicht erwarten.

    Sicher gibt es Arrau-Aufnahmen, die als Werbung für sein Klavierspiel weniger taugen als andere.


    Allen Zweiflern möchte ich aber noch einmal herzlich seine Kreisleriana von Schumann ans Herz legen. Es mag dutzende von Pianisten geben, die das Werk virtuoser präsentieren.
    Trotzdem ist Arraus Zugang für mich von manchmal betörender, manchmal erschütternder Tiefe.
    Vor allem die langsamen Sätze sind seine Welt.


    Erster Eindruck:
    Ich kenne die Aufnahme und habe schon vor vielen Jahren die erste Überspielung auf CD erworben.
    Die abgebildete Neuausgabe ist eine Neuabmischung mit 24 Bit/96 Kilohertz-Transfer.
    Nach dem Anspielen einzelner titel erfüllt sich meine Hoffnung:
    Das Rauschen ist deutlich schwächer, die zischeligen Verzerrungen sind ebenfalls zurückgegangen. Das Klavier klingt etwas voller als in der alten Abmischung.
    Dass es eine Jahrhundertaufnahme ist, steht für mich ohnehin außer Frage.

    Hallo tom!


    Das Repertoire nur bedingt. Eher schon: die Ernsthaftigkeit, sich einem Werk zu widmen, die Scheu vor auftrumpfender Geste und zur Schau gestellter Virtuosität, die ihnen zumindest im Alter (mit Abstrichen vielleicht bei Bolet) wohl auch nicht mehr zur Verfügung stand.
    Ich meine die Zurückhaltung im Auftritt, die "aristokratische" Erscheinung, die sich für mein Empfinden sogar in einer Ähnlichkeit der Gesichter zeigt.
    Manches von dem könnte wohl auch auf Brendel passen, doch m.E. nicht ganz. Das ist natürlich alles sehr subjektiv und vom meinem persönlichen Werdegang als Klassikhörer und Schallplattenkäaufer beeinflusst.
    Es ist eine spontane Zuordnung voller Respekt - nichts weiter.

    Wenn ich an Claudio Arrau denke, kommen mir immer auch zwei andere Pianisten in den Sinn, die für mich eine ähnliche Ausstrahlung haben wie er:


    Jorge Bolet und Arturo Benedetti Michelangeli.


    Für mich sind sie Brüder im Geiste und im Spiel.
    Wenn ich jemanden als "Grandseigneur" bezeichnen sollte, dann diese drei Pianisten der alten Garde.


    PS: Ich verehre Glenn Gould für seine Goldbergvariationen!

    Hallo JR


    Gesungenes Französisch kann m.E. sehr schön sein - obwohl ich dabei vor allem Chansons z.B. von E. Piaf im Ohr habe. Auch Carmen kann ich mir nicht anders als französisch gesungen vorstellen. Die Nasale stören m.E. weit weniger als die vielen Zischeleien im Deutschen.


    Ein wunderschönes Beispiel für den "Klang" der französischen Sprache ist eine Formulierung, die nur gesprochen schon pure Musik ist:


    "Au delà de la douleur".


    Man übersetze das einfach mal ins Deutsche und höre sich das an:
    "Jenseits des Schmerzes"


    An tastenwolf ein Dank für die wissenschaftliche Erklärung, warum Frauenstimmen oft weniger verständlich sind als Männerstimmen.


    Gruß!

    So, Duchables h-moll-Sonate ist angekommen. Gleich in den Player damit und durchgehört.
    Die Messlatte liegt hoch, denn mein Favorit ist Zimerman.


    Spontaner Eindruck: Duchable kommt heran, aber nicht ganz.
    Manches erscheint mir bei Zimerman noch zwingender gestaltet. Außerdem Schafft Zimerman es, bei den komplexesten Passagen noch mehr Durchhörbarkeit herzustellen. M.E. nähert er sich dem Werk von einer noch souveräneren Warte als Duchable.


    Der Erato-Klang ist gut, aber etwas kompakter als Zimermans exquisiter Klang auf DG. Die Explosvität und Dynamik kommt bei Zimerman also auch von der aufnahmetechnischen Seite besser rüber.


    Fazit: Duchable gefällt mir durchaus, aber Zimerman bleibt mein Favorit.