Beiträge von s.bummer

    Zitat

    Mir stellt sich ja angesichts einzelner *Künstler* weniger die Frage, warum sie heutzutage "gebasht" werden, sondern eher die, warum es menschenverachtende Muffköppe wie Karl Böhm zu Lebzeiten überhaupt so weit gebracht haben?


    Eine Erklärung?


    "Gott hat in seiner Schusseligkeit ein Riesentalent einem Riesenarschloch verliehen."
    Werner Burkhardt (leider nicht mehr unter uns) über Miles Davis
    Hier trifft es vielleicht auch zu.
    Gruß S.


    PS. Böhm als Naziprofiteur war für mich nie ein Thema. Das er einer war, habe ich erst sehr spät erfahren.
    Passt aber zu "Hitler war ein Deutscher und Beethoven Österreicher! (hahaha)"

    Zitat

    Bei einigen Aufnahmen, die ich im Internet ( JPC, Youtube, Amazon) probegehört habe, kamen mir sofort Bilder von alten Musikfilmen mit Furtwänglers Dirigaten in den Kopf. Sehr ungewohnt wirkte dazu die selbst über das Internet immer noch viel besserer Klangqualität der gehörten Musik ( als bei den alten Filmen)


    Ist das nicht die Lösung des Fenomehns?
    Thielemann als Wiedergänger von Dr. Willem Fu und Hans Kna in heutige rZeit mit deutlich verbesserter Klangqualität und auch noch live erlebbar?
    Immerhin werden diese beiden hier im Forum von vielen hoch gelobt, die Aufnahmen, die überliefert sind, klingen aber wie aus ferner Zeit herüber, eben mistig!


    Und das ist dann das ganze Geheimnis:
    Ein guter(?) Dirigent macht sich deren Dirigier-ideal zu eigen und liefert daher "ÄHNLICHES" im besten Klanggewand ab. Und die Leute feiern das ab!
    Weil es eben so authentisch ist!


    Und der alte Kaiser von der SZ fühlt sich wieder jung und schreibt hymnisches in die Tasten, während David Hurwitz sich übergeben muss (the most terrible Schumann cycle ever committed to disc)


    Oder ist das zu einfach gedacht??
    Gruß S.

    Hallo,
    auch wenn ich seit ca. 4- 5 Jahren definitiv nix mehr von Gustav Mahler gekauft habe, so verfolge ich doch neuere Aufnahmen.
    Die sind mir allerdings meist zu langsam und getragen.
    Hier also meine Lieblingsaufnahmen, es sind ältere zumeist.


    1: CVD vom SH Festival 2008 (oder wars 2007) Radiomitschnitt. Ansonsten die alten Aufnahmen von Mitropoulos oder Ancerl.


    2: Old Klemp, wer sonst? Ich habe 1951 Live, dann 1961 LPO, 1965 München Live mit der göttlichen Janet Baker und 1971 NPO Live. 1965 ist die Beste, 1971 die schwärzeste, 1951 die wildeste, 1961 die ausgewogenste. Aber alle sind toll!


    3: Levine CSO von 1976. Gielen, Abbado und Chailly habe ich noch, aber Jimmy ist einfach besser.


    4: Szell, wer sonst? Bei ihm bekommt die Satzbeschreibung "behaglich" einen richtigen Sinn! Klemp war super in den 50iger Jahren (Köln, München), aber seine Aufnahmen klingen so entsetzlich mistig, sie harren einer Auferstehung durc h modernes Remastering.
    Gielen ist mir zu didaktisch und seine neue Aufnahme (Rundfunk) mit Christine Schäfer zu langsam.


    5: Mag ich nicht besonders. Ich habe die kuriose Aufnahme mit Scherchen (3. Satz in 5 Minuten, also ca. 10 Minuten raus gekürzt) und die allgemein bekannte mit Solti. Beides zieht mich nicht vom Hocker.


    6: Geht mir ebenso wie mit der 5. Wobei ich die Abbado Aufnahme mit dem CSO wegen des schönen Andante ab und zu höre.
    Solti ist mir ein Graus, aber nur!! wegen der Grobi (Sesamstraße: nah und fern)- Effekte der Toningenieure, die alles versauen.
    Gielen habe ich auch, aber nur 1-mal abgehört. Und live habe ich es auch gehört. Mehrfach. Gielen, Sinopoli , Gillessen. War toll zu sehen, aber das war es denn auch .


    7: Eindeutig Scherchen Toronto 1965, dann Wien 1950, früher mal Horenstein, aber wenn man einen Scherchen zur Hand hat, dann, ja dann hört=sieht man auch über den mistigen Klang hinweg.
    Gielen ist wie Scherchen, nur mit besserer Klangqualität und MIT ERHOBENEM Zeigefinger (seht mal, was ich ich weiß) Und das verdirbt alles.
    Die Toronto Aufnahme Scherchens ist das "heißeste" Stück Mahler, das ich habe. Dass dabei das arme Orchester im 1. nicht immer mitkommt,... geschenkt!
    So einen Aberwitz muss man erst mal veranstalten können.


    8: Kann ich nicht leiden!


    9: Tja, da wird es schwierig. Horenstein im letzten Satz, aber der Rest?, Karajan im 1. und 4., aber 2 und 3, bei Klemp sind 2 und 3 auch zu langsam, dafür ist hier aber die Katastrophe im 1. Satz unglaublich klar gespielt. Und der 2. ist in seiner Langsamkeit und tapsigkeit doch wieder sehr gelungen, aber sehr gewöhnungsbedürftig.
    Barbirolli ist zu mir weich, Walter 1939 klingt zu mistig, Giulini ist mir auch in den Binnensätzen nicht gut genug.
    Scherchen gibt es nur in einer Aufnahme von 1951. Die ist zwar scherchenhaft irre!! und war ne zeitlang meine Lieblingsaufnahme.
    Doch aktuell seit ca. 2 Jahren geht mir nichts über Ancerl! Da stimmt für mich einfach alles: endlich mal sehr betonte Binnensätze, ein sehr flüssiger letzter Satz, der nicht in Schönheit stirbt und eine sich anbahnende Katastrophe im 1. wie ich sie sonst nie gehört habe.
    Nur....... Der Klang könnte besser sein.


    LvdE: natürlich Klemp und seit einiger Zeit auch Paul Kletzki mit Fidi als Mezzoersatz. Geht aber sehr gut. Besser als bei Lennie.


    So das wärs.
    Gruß S.

    Zitat

    Erzähl mal bitte. Wir sind neugierig...


    zur 7. gibt es nicht viel zu erzählen, außer dass YM = Yevgeny Mrawinsky das Werk nicht leiden konnte, er es aber quasi aufnehmen musste.


    Zur 13. (ich zitiere Tassie) gibt es folgende Aspekte:
    Es wird behauptet, YM habe sich vor dem Werk wegen der politischen Aussage gedrückt und DS und er waren sich fortan spinnefeind.


    Dazu ist anzumerken.
    - YM war als Uraufführungsdirigent gesetzt.
    - Er konnte das Werk nicht leiden, weil er sowieso Werke für Vokalsolisten und Chor nicht leiden konnte und kaum aufführte.
    Man gehen zum Beweis mal die Diskographie durch!
    Außerdem hielt er das Werk für zu sehr mussorgsky-like.
    - Er hatte das Angebot, auf USA Tournee zu der Zeit der angesetzten Uraufführung zu gehen und da seine Frau sterbenskrank war, was er DS verschwieg, wollte er ihr mit der Tournee noch ein paar schöne Reisemonate gönnen. Sie starb auch kurz nach der Tournee.
    - Er dirigierte auch nie die 14. (Vokalsolisten! sic!)
    - Er half aber DS bei der Fertigstellung der 15. die Uraufführung hätte er auch bekommen, wenn es nicht Maxim gegeben hätte. So wurde er der 2. und hat die 15. des öfteren aufgeführt.


    Bereits Mitte der 60iger fuhren DS und er wieder gemeinsam in Urlaub. Insofern war der "Krach" um die 13. nur von kurzer Dauer.
    Sie waren sich aber nie so nahe, dass man von enger Freundschaft sprechen konnte, eher von kollegialer, denn allzu Privates war stets ausgeklammert, auch die Religiosität von YM.


    Gruß S.


    Quelle:


    Nachtrag: Ein sehr interessantes Interview über Mrawinsky findet man hier:
    Interview

    Hallo,
    dass Mrawinsky, der so viele Uraufführungen von Werken Schostakowitsch verantwortet hat, auch große Lücken aufweist, ist bei der heutigen Manie, immer Gesamteinspielungen abzuliefern, schon bmerkenswert.
    Aber Mrawinsky war wählerisch.
    Dennoch ist es ein Verlust, seine Aufnahme der 9. nicht zu haben, sie soll nur 23 min lang gewesen sein.


    Auch gibt es keine Aufnahmen von 1,2,3 und 4, sowie 13 und 14.
    Um den Zank um 13. ranken sich Legenden und die 7. gibt es genau einmal.
    Dann hatte er von diesem Werk die Nase voll!


    Gruß S.

    Hallo,
    bei You Tube kann man sich jetzt die Aufnahme mit Klemperer von 1956 aus Rom anhören,- es gibt nur einzelne Bilder.
    Langsames Tempo, aber im Fond mit einer gehörigen Prise Kurt Weill sowie ätzendem Humor gewürzt.
    Als Tonträger dürfte die Aufnahme derzeit nicht verfügbar sein.


    Gruß S.



    Nachtrag: ES gibt übrigens KEINE Aufnahme der 9. mit Mrawinsky!
    Er hat sie zwar 1946 aufgenommen, doch " The recording has been lost, despite attempts to find the original masters"
    Gregor Tasssie. Yevgeny Maravinsky The noble conductor.
    Außerdem hier wird sie nicht erwähnt.
    http://www32.ocn.ne.jp/~yemrav…cography.htm#Shostakovich
    Folgerung: Es gibt keine 9. mit YM. Die Kollegen müssen sich verhört haben.

    Da war ich wohl etwas zu überwältigt oder
    "Gegen Liebe auf den ersten Blick hilft der zweite."
    Also, den CLuytens Zyklus habe ich heute nach den berechtigten Einwänden von Agon teilweise erneut gehört.
    Er hat mit seiner Kritik Recht.


    Die 9. ist bei weitem nicht so gut, wie ich gestern noch gepostet hatte.


    Einzig der zweite Satz bleibt stehen, das Adagio ist vertrödelt und spannungsarm, der erste Satz dito und im Finale weiß das Orchester nicht, ob es noch so spielen soll wie zu FUs Zeiten, oder ob die Neuzeit angebrochen ist
    So ist die Aufnahme nur Durchschnitt.
    Auf jeden Fall trifft auf diese Aufnahme nicht das berühmte Pynchon Zitat zu. (Woody Allen hat dies auch benutzt aber mit Wagner!)
    "Alles, was man fühlt, wenn man einen Beethoven ins Ohr kriegt, ist losmarschieren und Polen erobern."


    Was mich da gestern geritten hat? Tschuldigung!


    Ebenso maximal gehobenes Mittelmaß sind die 7., die 8, die viel zu langsam daherkommt und die 1.


    Sehr gut gelungen finde ich 2 und 4, einsame Klasse bleibt die Pastorale und an Cluytens Lesart der Eroica mag ich mich auch gewöhnen, ich finde sehr schön, wie auch die sicherlich ungewöhnliche 5. die zwischen zwei Lagern steht und daher eher zu Diskussionen anregen kann als zu Ablehnung und Begeisterung.
    Im Vergleich zu Hvks Zyklen, die vorher und später erschienen, kann Cluytens aber durchaus mithalten.


    Und für 7,99€ ist es wahrlich ein Hammer!


    Gruß S.

    ich wiederhole mich:

    Die Aufnahmen sind ihr Geld wert, nicht nur das, sie sind wunderbar!
    Es ist der Zyklus, der das BPO von Dr. Willem zu Hvk vermittelt und für mich das Supremum.
    Ich kenne Hvk 195x bei EMi und 1962 bei DGG, beides wunderbare Zyklen, und nun kommt Cluytens bei EMi mit dem BPO dazu.
    Nach erstem Hören liefert Cluytens den besten Zyklus, noch vor dem berühmten 1962iger Zyklus von Hvk.
    Warum?
    Nun, er ist bei aller Dramatik eleganter, entspannter, gelassener!
    Einfach wunderbar.
    Man höre nur 3, 4 und 9!
    Oder die 5. Hier hört man am deutlichsten, so finde ich, das Erbe von Dr. Willem, aber schon moderner und schlanker.
    Und die 9. ist so grandios, dass ich fast Klemp vergessen hätte.


    Und wenn man die 6. hört, glaubt man an garnix mehr. So was Gelungenes!


    Zur Zeit gibt es diesen Zyklus für 7,99€. Unglaublich.


    Gruß S.

    brachte nicht nur Bruckner sondern auch
    Beethoven mit Cluytens. Wahrlich ein Schnäppchen!

    Habe nach ein bisschen Bruckner als auf Ludwig van umgeschaltet.
    Und Oh, Wunder.
    Die Aufnahmen sind ihr Geld wert, nicht nur das, sie sind wunderbar.
    Es ist der Zyklus, der das BPO von Dr. Willem zu Hvk ermittelt und wenn ich ehrlich bin:
    Ich kenne Hvk 195x bei EMi, 1962 bei DGG und nun Cluytens bei EMi mit dem BPO.
    Cluytens ist der beste Zyklus, noch vor dem berühmten 1962iger Zyklus.
    Warum? Nun, er ist bei aller Dramatik eleganter, entspannter, gelassener!
    Einfach wunderbar.
    Man höre nur 3, 4 und 9!
    Gruß S.

    Volkmar Andreae, den heute kaum einer noch kennt, war mehr als 40!Jahre Chef des Tonhalle Orchesters in Zürich, er hat 1911 den Posten des Dirigenten des New York Philharmonic als Nachfolger Mahlers abgelehnt, mit der Begründung, er hätte in Zürich genug zu tun.
    Und Andreae hat mehr als 300mal Bruckner Sinfonien aufgeführt, aber davon gab es so gut wie nie was was auf LP oder gar CD (Orfeo hat ne 4. rausgebracht, die hier auch abgefeiert wurde!).
    Nun gibt es von Music and Arts alle Neune mit dem Te Deum dazu und ich glaube, das Kapitel der Bruckner Dirigenten hier im Forum muss um einen Namen ergänzt werden, wenn nicht sogar um einen kompletten Absatz.
    Denn was Andreae an Bruckner Interpretation abliefert, das ist, in schlichtem aber gut durchhörbarem Mono gehalten, einfach eine Sensation.
    Was für eine Luftigkeit in der 4., 5., 6., 7. , 8. und in der 9.! (Die anderen habe ich noch nicht gehört!)
    Alle sind sehr zügig gespielt, die 9. in knapp 50 Minuten!
    Und dabei frei der Erdenschwere und des ganzen katholischen Überbaus und der Manierismen, die u.a. Jochum für einen norddeutschen Agnostiker so unerträglich werden lassen.


    Eine Großtat, diese Aufnahmen wieder zugänglich gemacht zu haben. Nicht billig, aber gut!


    Gruß S.

    Hi,
    im sehr ausführlichen Begleitheft stehen folgende Angaben:
    "From the Archives of ORF/Radio Österreich 1
    Digital restoration by Aaron Z. Synder"
    Damit dürfte man die Originalbänder bearbeitet haben!
    Und dann zu den einzelnen Aufnahmen noch die Angaben, wann und wo sie gesendet wurden.


    Die 69,99€ halte ich für diese Sensation durchaus angemessen!
    Was für eine Arbeit dahinter stecken mag, dieses auszugraben, dann zu bearbeiten und zu wissen, dass man keine tausende davon verhökern wird!


    Ich habe jetzt 6,7 und 8 durch, 4 kannte ich bereits. Was für ein Zyklus!
    Gruß S.

    Der Briefträger brachte ein Paket.


    Und die 8. habe ich durch. Wunderbar und gerade verzaubert die 6.


    Der Klang ist gutes Mono (Aufnahmen von Januar/Februar 1953) und wie Ben Cohrs in seiner Rezension schrieb, entwickelt Andreae ein Brucknerbild, welches auch heute vorbildlich sein könnte, schlank, ohne Hysterie, zügige Tempi und ein sehr gutes Gespür für kammermusikalische Feinheiten.
    Ich hatte schon die 4., bei Orfeo, erschienen, nun habe ich alle.
    Was für ein Tag!


    Gruß S .

    Hallo,
    ich habe nun manche von mir nicht so gut gefundene Aufnahme nochmals gehört und muss leider selbstkritisch feststellen:
    Man muss sich in die Musik einhören, dann wird es besser.


    Im direkten A-B Vergleich geht das aber nicht.


    So gewinnen Ansermet und Friscay erheblich bei mehrfachem Hören, Friscay ist mir allerdings zu langsam im dritten Satz, ein Fenomen, welches nur Fu 1942 gültig lösen konnte.
    Der klingt an keiner Stelle langweilig durch die Langsamkeit. Und er ist weltrekordverdächtig langsam (über 20 Minuten).
    Auch Schuricht sollte man mehrfach hören und die kreissägenhaften Geigen ertragen lernen (EMI LPs). Er gewinnt bei mehrfachem Hören.
    Dann aber lese ich im Begleitheft zu Schuricht: "Schuricht betrachtete Wand als seinen Nachfolger."


    Hey, den habe ich doch auch noch!
    Wand 198x mit dem NDR Sinfonieorchester:
    Gehört und festgestellt:
    Eine schlimme Aufnahme!
    Sie hat KEINE FEHLER!
    Wie konnte ich die nur übersehen!
    Vor allem der typisch wandsche federne Rhythmus,- einfach nur genial. (Wand stand dann immer vorm Orchester und wippte zur Rhythmus in den Knien, die Ärmchen gerade ausgestreckt nach 4 Uhr zeigend) Die Aufnahme klingt sehr gut, die Geigen könnten besser sein, auch die Bläser mehr strahlen, aber das vergisst man sofort.
    Eine wunderbare Aufnahme!


    Ach, und dann habe ich noch Karajan 1955 mit den Londoner gefunden.
    Typisch Walter Legge: Immer nur vom Feinsten und "Her Masters Voice" Mrs Blackhead musste auch dabei sein.


    Wenn es diese Aufnahme nur in Stereo gäbe!
    Verglichen mit der von mir als schlank bezeichneten Aufnahme von Horenstein zeichnet sie eine ebenso frische
    Herangehensweise aus, aber mit viel viel mehr Details und einem wahrlich unglaublich guten Ensemble.
    Höffgen, Schwarzkopf, Haefliger, Edelmann, Chor der Gesellschaft der Musikfreunde Wien.
    Der Chor steht wie ne 1, (und für Österreicher singen sie sogar ziemlich gutes Deutsch :D) das kenne ich bei Ausländern sonst nur von Klemp/Pitz 1957 (auch Legge!!).


    Die 196x von Hvk habe ich noch nicht gehört, aber um das hier zu toppen, müsste die schon sehr gut sein.


    Und zum Abschluss des Tages Klemp mit dem Concertgebouw am 17. Mai 1956, also quasi eine Geburtstagsveranstaltung.
    Gre Brouwenstijn - soprano
    Annie Hermes - contralto
    Ernst Häfliger - tenor
    Hans Wilbrink - bass
    Amsterdam Toonkunst Choir
    Oh, wenn es die Aufnahme nur in besserer Tonqualität gäbe!
    Er ist nochmals viel besser als 1957, weil er viel flüssiger und zugleich härter spielen lässt. "No lingering at sideways." Das Concertgebouw Orchester war zu dieser Zeit sein Lieblingsorchester, man ahnt warum. Es muss wohl des Beste Europas zu der Zeit gewesen sein.
    Die Zeiten der Aufnahme sprechen für sich:
    Und dann sagen die Leute auch noch, Klemp sei langsam.
    16:24, welche Genauigkeit und Härte.
    14:49, nur so kann es sein, die anderen die schneller sind, verfehlen den ambivalenten Charakter.
    13:56 (ja, das Adagio!!) Järwi Tempo! Aber bei Klemp ist das viel intensiver, wie Extrakt! Unglaublich! Das Orchester spielt wie von einem anderen Stern.
    23:02 Hier versagt leider die Tontechnik! Und der geneigte Hörer muss interpolieren. Der Zuschnitt ist aber deutlich erkennbar und im Gegensatz zu Scherchen, dem das Orchester aus den Händen glitt bei den rasanten Passagen, scheinen die Amsterdamer sich dann besonders wohl zu fühlen. Unfassbar! Diese Intensität und die holt Klemp ohne Fus Mätzchen aus dem Stück heraus! Nur durch drängendes Spielen bei kaum spürbaren Tempomodifikationen.
    Der Chor singt besser als der aus Österreich, Willbrink hält sich recht gut Gre Brouwenstijn ist eine Bank.
    Und wenn man dann die Doppelfuge mit Klemp mit der von Scherchen vergleicht, dann möchte man posthum Scherchen in den Arm nehmen und ihn zutiefst bedauern, dass er dieses drittklassige Orchester dirigieren musste.
    Es ist definitiv die beste Aufnahme der 9. die ich kenne.
    Dann folgen für mich Fu 1942, dessen Faszination man sich nicht verschließen kann, neuerdings Järwi und dann gleich auf Klemp 1957 Live sowie Hvk 1955 und Günni Wand.


    Gruß S.

    Ich habe heute morgen nochmals Scherchens Aufnahme (1953) angehört und muss meine ablehnende Haltung etwas revidieren:
    Der 2 Satz ist ausgezeichnet gelungen, ebenso der 3. Im ersten Satz zieht er zum Ende die Musik dermaßen in die Länge und baut Spannungen auf, die gar nicht nötig wären. "Was soll denn das?" habe ich mich gefragt.
    Allerdings ist der 4. Satz meines Erachten komplett misslungen:
    Der Bass (Richard Standen) singt bardenhaft und klingt als hätte er schwersten Schnupfen, die Solisten ansonsten munter drauf los, sich mitunter gegenseitig überbrüllend und der Chor hat Schwierigkeiten mit der Artikulation "Übamm Sterrnenzält muss ein liba fata wohn"
    Dazu kommt Scherchens Neigung zu dramatischen Aufheizungen. Da kommt aber das Orchester dann nicht mehr mit. (Passage vorm Solo des Bass, Doppelfuge und auch das Sinfonieende). Tja, und das war es dann.


    Habe auch Horenstein nochmals auszugsweise (Satz 1 und 2 gehört)
    Eine wunderbar gemachte LP übrigens, (Leider wird man im Adagio zum Plattendrehen gezwungen) und vor mehr als 50 Jahren dürfte diese Version sicherlich Freunde gefunden haben, denn sie ist viel schlanker als alle Aufnahmen Furtwänglers. Das ist aber heute üblich. Und deswegen würde ich diese Version nur als Horenstein Fan kaufen. (Der war ich aber noch vor ca. 10 Jahren)
    Auf jeden Fall: Gegen Verriss aufs erste Hören hilft oft ein zweites Nachhören
    Gruß S

    Hallo,
    habe mich heute mal aufgerafft und in einer harten Session folgende Version von Beethoven 9
    zumindest in den ersten drei Sätzen durchgehört, den 4. nur auszugsweise.
    Klemp live 1957
    Järwi 2009
    FU 1951 Bayreuth
    Fu 1942 irgendwie März
    Schuricht 195x EMi
    Horenstein 195x
    Scherchen 195x Stereo
    Ansermet 195x Decca
    Friscay 195x DGG
    Abbado 2000
    Szell 1960


    Um es kurz zu machen, in der Auswahl fielen Ansermet (zu bieder),Horenstein, zu schlechte Umgebung und er zu starr, Friscay, zu hysterisch (finde ich völlig überschätzt), Fu 1951 (komplett neben der Spur), Scherchen (abgespult, so sehr ich Scherchen mag, manchmal war er einfach nur Sch…, wenn er keine Lust zu haben schien) sehr schnell raus.
    Übrig blieb zunächst Schuricht, aber seine Macken im 2. Satz und die schlimmen Streicher haben ihn rausfallen lassen.
    Szell geht auch nicht, weil er im vierten Satz Solisten mit extremen Artikulationsproblemen auftreten läßt. 1-3 Sind ok, aber dann.. , zugegeben, Scherchens Besetzung ist noch übler.
    Auch Abbdao hielt sich ne zeitlang, weil er mit frischen Tempi auswarten konnte, aber irgendwie, im Vergleich mit Järwi zu unentschlossen wirkte. Insgesamt aber ist eine Aufnahme, die ich nicht unterbrechen würde, wenn sie aufgelegt wird.


    Bei Furtwängler ist es ganz einfach: man höre nur die ersten 10 Minuten 1942 und dann 1951. Dann wird man die 1951 Aufnahme wegwerfen: Was für ein Müll im Vergleich zu 1942!
    Was 9 Jahre vorher soghafte (für mich manchmal pathologisch) Wirkung erzielte, wirkt später nur aufgesetzt und daher enttäuschend. Warum habe ich den Mist nur gekauft?


    Järwi, Klemp und Fu sind übrig geblieben, ich höre weiter, obwohl:
    Die Spreizung der Tempi bei Dr. Willem sind schon sehr gewagt. Ein viel zu langes Adagio, es steht in der Satzbeschreibung „Cantabile“!
    Järwi klingt mitunter recht dünn, die Orchesteraufstellung gefällt mir noch nicht: ganz rechts die Pauken.
    Und an Klemps langsame Deutung des 2. Satzes muss man sich erst mal gewöhnen.


    Gruß S.

    gab es in der letzten Woche in der SZ ein Interview mit Mariss Jansons,bekanntlich Chef des BR Orchester, in dem er auch seine Position zu Gastdirigenten darlegte und am Freitag (?) eine hymnische Rezension seines ersten Konzertes der neuen Saison in München.
    Und Kent Nagano ist ja auch in München beschäftigt.
    Es ist also nicht so, dass München künstlerisch ausblutet, wenn Thielemann weggeht.
    Insofern..... Reisende soll man ziehen lassen.
    Gruß S.

    Hallo,
    ASM hat anscheinend die Freiheit, Werke, die sie besonders mag, und die etwas abseits liegen, siehe oben, einspielen zu können und das bei einem Großlabel!
    Dafür liefert sie dann zusätzlich eine Portion Standardwerke ab.
    Hey, was wäre mancher Künstler selig, unter solchen Bedingungen arbeiten zu können! Ich würde sie nur beneiden!
    Gruß S.

    Hallo,
    ich erzeuge lieber zwei Beiträge, weil die beiden nicht viel miteinander zu tun haben.
    Bruckner und Länge ist kompletter "Käse."
    Es mag ja sein, dass ein norddeutscher Atheist Bruckner anders sieht als ein östrogenreicher Katholik, aber das es anders geht haben hunderte von Aufnahmen bewiesen.
    Ich habe zufällig am Wochenende Celis Aufnahme der 8 (3. und 4. Satz gehört).
    Es wird im Konzertsaal anders geklungen haben, hier was es für mich ein lahmes Buchstabieren mit eklig manirierten Steigerungen.


    Und Thielemanns Bruckner ist einfach nur rückwärts gewandt, zopfig, egal wie genial der Kerl dirigieren mag.
    Wir regen uns über Andre Rieux und seine reaktionäre Art, Walzer zu zergeigen, auf und erfreuen uns dann an einem Bruckner Bild, das mit Kna unter ging. Der hat aber wenigstens noch die falschen Partituren hochgehalten!
    Wobei ich zugeben muss, dass das Orchesterspiel bei Thielemann viel viel besser ist, als es bei Kna je war.
    Joachim Kaiser geht vor jedem in die Knie, der ihn an seine ersten Furtwängler Erlebnisse erinnern mag. Der ver-reich-ranitzki-d auch schon mächtig, ist ja auch schon 80, da darf man das.


    Gruß S,

    Hallo,
    ich wurde von Norbert gebeten, doch mal meine Kritik an der Walter Aufnahme der 7. zu präzisieren.
    Zunächst, wir sind im Wahlkampf, da macht es jeder Politiker, eine oder zwei Vorbemerkungen:
    1) Ich bin ein Sympathisant von Walters Aufnahmen, seine Mahler 9 aus den späten 30igern, seine 5. aus derselben Zeit, sein früher Beethoven und Mozart sind köstlich. Seine Brahms Aufnahmen kenne ich nicht, sie sollen aber super sein!
    Das "berühmte" Lied von der Erde mag ich nicht so, da gibt es Besseres, auch mit Bruno Walter am Pult.
    (Die Wiener konnten zu der Zeit halt keinen Mahler!)
    Außerdem muss er ein sehr sympathischer Mensch gewesen sein, ganz anders als sein Antipode Klemperer.
    2) Ich erhielt jüngst einen 4-LP Schuber mit der 4., 7. und 9. von Bruckner, aufgenommen in Walters letzten Lebensjahren.
    4 und 9 kannte ich schon, ich hatte sie seinerzeit mal vom NDR auf Tonband mitgeschnitten, aber selten gehört, vielleicht ein-zweimal die 4., die ich ganz ok fand, die 9. wird bei mir durch CMG aus Chicago in einsamer Höhe beherrscht, deshalb habe ich die Walter Aufnahme quasi vergessen.


    Nun also die 7., eines meiner Lieblingswerke.
    (Platte mit blauem, nicht orangem Etikett. Auf drei Seiten untergebracht)
    Und bereits beim 1. Satz mag ich nur noch Einwände geltend machen.
    Seltsam, was Bruno Walter da reitet, oder bin ich durch Klemp verdorben?
    - Wenn es leise wird, dann vergrößert er anscheinend die Notenwerte zusätzlich, es wird noch langsamer
    - In lauten Höhepunkten, die er drängend anstrebt, wird er langsamer. Damit erzielt er einen seltsamen Effekt, den ich vorher nicht kannte und der komisch wirkt.
    - Die Dynamik wirkt eingeebnet, so als ob er sich "volle Pulle" nicht zutraut.
    - In manchen Teilen buchstabiert er quasi, dadurch wirkt das Ganze auf mich betulich.
    - allerdings singt er schöne Stellen richtiggehend aus
    - ES kommt mir vor wie mit Weichzeichner aufgenommen, sehr warm, liebevoll, kommod, aber irgendwie kommt das Kratzbürstige in dieser Sinfonie nicht vor. Da höre man mal Günter Wand!
    Im 2. Satz läßt er tatsächlich das Becken aus, nimmt aber vorher aus heiterem Himmel enormen Tempoanlauf, um dann fast abzusterben. Was soll denn das? Eine singuläre Stelle!


    Zugegeben, das Scherzo ist sehr schön, weil es flüssig gespielt wird, aber im letzten Satz passieren wieder und wieder die gleichen Manirismen wie im ersten Satz.
    Fazit. Ein recht schönes Adagio mit seltsamen Höhepunkt, ein "super" Scherzo und sehr fragwürdige Ecksätze. Bruno Walter war schon viel besser!
    Ich habe allerdings auch bereits mit der 1954 Aufnahme von Testament geliebäugelt, denn der ganz späte Bruno Walter hat bei weiten nicht mehr die Qualität, die er in den frühen 50igern noch abliefern konnte.
    Aber am Ende war er in Stereo. Und das zählte anscheinend.


    Gruß S

    Höre grade mit großer Freude, während im Fernsehen die Frau im Nebenraum Carstensen und Stegner beim verbalen verprügeln zusieht, ganz entspannt Wilhelm (WILLIAM) Steinberg mit Bruckner7 und dem Pittsburgh Symphony Orchestra.
    Was dem alten Bruno Walter abging, nämlich eine Struktur durchzuhalten, seine CBS Aufnahme ist wirklich grottenschlecht, das gelingt Steinberg locker und sehr flüssig zudem.
    Das der nie gehypt wurde!!?? Ein Versäumnis.
    Statt dessen ärgere ich über prominente Mittelklasse oder solche Schlamper wie Knappertsbusch, der irgendwie Sonderstatus zu genießen scheint, obwohl er außer Wagner nix irgendwie....., aber, das wolln wir hier nicht erörtern.


    Gruß S:


    PS. Wer Klemperer mit der 7. hören will, der greife zu der Aufnahme mit dem NDR. DA merkt man auch den Unterschied zu Walter. Diese unbedingte aber dennoch subjektive (Widerspruch?,ne) Werktreue

    Also......
    am liebsten habe ich Ulrich Schreiber gelesen, gefolgt von Wolf Rosenberg und Kurt Blaukopf, ein Wiener, der noch was von Mahler verstand.
    Alfred Beaujean war auch nicht schlecht.


    Schlecht wirds mir beim Kaiser.
    Dieser manirierte Stil und dann immer der gleiche Aufbau (ich habe seit 30 Jahren die SZ im Abo). Insbesondere die Stelle, wo er das "Fehlende" beklagt.


    Und Hurwitz finde ich "geil". Der reisst manchmal Fenster auf und läßt frische Luft rein. Auch wenn er solch verschnarchte Dirigenten wie Jochum bei Bruckner hoch hält oder gar Bernstein bei Mahler. Aber davon soll es ja mehrere geben.


    Ich war z.B. früher mal auf Horenstein Tripp. Dann lese ich Hurwitz Verisse. Der Kerl ist doof,denke ich.
    Dann hole ich mir die Partitur.
    OOOOH, wehh, Hurwitz hat ja doch recht.
    Und ich höre genauer: (Mahler 7, eine Katastrophe!!) Hier was nicht zusammen, hier ein Tempowechsel verpennt.
    Nur "Muus und Gruus" (Kempowski)
    Nee, der Hurwitz mag anfechtbar sein, aber wo er Recht hat, hat er Recht.
    Gruß S.

    Hallo,
    habe heute per Zufall,- Nachbarn eines Freundes haben LPs ausgesondert, die hat er sichergestellt und ich durfte mal aussuchen-, einen Zyklus ergattert, der nur durch die Plattenlabels dokumentiert wird, kein Beipackheft oder sonst etwas, auch fehlen sämtliche Datumsangaben.


    ES klingt aber nach 60iger Jahren, manches älter, aber alles in Stereo.


    Für ergänzende Informationen wäre ich dankbar.


    Hier also die 9 Sinfonien:
    1, 3 und 5 sind mit SWR Orchester Baden Baden unter Paul Kletzki.
    Habe gerade die 3 gehört, nach dem ersten Hören finde ich die sehr gut! Leider muss man im Trauermarsch die Platte wenden.
    2 und 4 sind mit dem NDR Orchester unter Pierre Monteux


    6 ist mit dem Rotterdam Sinfonie Orchester unter Charles Münch


    7, 8 und 9 mit dem The Haque Philharmonic Orchestra unter Wilem van Otterloo + Maria Stader, Sophie van Santo, Eric Tappy und Franz Crass sowie dem Tonkunstkoor Amsterdam.


    Publiziert als Concert Hall und in Stereo.


    Kann also jemand mehr Informationen dazu beisteuern!


    Gruß S.

    Hallo,
    mal abgesehn davon, dass es heißt, "Am Tag, nachdem er gestorben war, war Böhm tot", gab es diverse Dirigenten, die nie richtig "leben durften".
    Dazu gehört Paul Kletzki.
    Ich kann nur empfehlen, sich der wenigen Aufnahmen Kletzkis anzunehmen.
    Und wer beispielsweise "Das Lied von der Erde" mit ihm besitzt, weiß, das er ne Referenz in den Händen hält, die keinen Vergleich mit Klemp oder Bernstein oder etwa gar Horenstein zu fürchten braucht.


    Gruß S.