Beiträge von Rienzi

    "Mit der Vorstellung des Rosenkavalier verbinde ich ein besonders berührendes Erlebnis. In einer Aufführung Mitte der neunziger Jahre sprang kurzfristig die große Lucia Popp als Marschallin ein. Nur sie selbst wusste, dass sie bereits todkrank war! Ich ging vor der Vorstellung zu ihr in die Garderobe, stellte mich vor und fragte, ob sie mit mir musikalisch etwas durchgehen wollte. „Nein“, meinte sie. „Ich schaue auf Sie. Und Sie hören auf mich“. So einfach kann dies sein! Sie sang mit unvergleichlicher, mozartischer Schlichtheit. Am Ende des ersten Aktes nach dem „Zeit“-Monolog waren alle in Tränen aufgelöst: Lucia Popp hatte ihren ganz persönlichen Abschied vom Leben gesungen – aber nur sie selbst wusste es. Ein paar Monate später war sie tot."


    Buch erschienen im Styria Verlag 2007


    Nach diesen Zeilen käme ich mir blöd vor, meine Verehrung für diese Künstlerin und die Aufnahmen mir ihr kundzutun.

    Die Fußballer spielen in der Champions League (der Neid könnte einen fressen).
    Du hast mich neugierig auf die Winterreise mit L. Polgár gemacht, danke.
    Um meine "Sammlerkompetenz" ins rechte Licht zu rücken, meine Aufnahmen mit Polgár
    Fierrabras: Boland
    Fidelio: Rocco (Harnoncourt und Rattle)
    Don Giovanni: Leporello

    Chor und Orchester der Covent Garden Opera/Antonio Pappano – 4,5


    Tristan – Placido Domingo – 4 (sängerisch hervorragend, leidenschaftlich, doch leider trübt sein Deutsch etwas die Darbietung) – bei dieser Aufnahme bin ich mit der Skepsis von Joseph II d‘accord. Bewertete man jedoch die Fähigkeit trotz mangelnder Sprachkenntnis den Tristan so zu singen - 7+
    Isolde – Nina Stemme – 5
    Kurwenal – Olaf Bär – 4
    Brangäne – Mihoko Fujimura - 5
    Marke – René Pape – 5
    Rest – 4, Bostridge und Villazón als Episodisten


    Aufnahme: 2004/2005
    Label: EMI


    Gesamt: 31,5/7 = 4,5

    Interviewer: Aber Sie haben jetzt fast im Nebensatz anklingen lassen, Richard Strauss und Richard Wagner sind auch nicht gerade das lhre.


    Nikolaus Harnoncourt: Da muss man sehr vorsichtig sein, weil ich Richard Strauss für das größte musikalische Genie seit Mozart halte. Was ich ihm übel nehme, ist das, was er damit gemacht hat; Wenn man so in der Dusche der Inspiration steht wie er, dass man dann so mit der linken Hand komponiert und schon an die nächste Tarockpartie denkt. Es ist für mich, wenn einer so von der Natur ausgestattet ist, wie er ...
    Interviewer: ...hochgenial, aber ein bisschen verschlampt.


    Nikolaus Harnoncourt: Hochgenial. Aber ein Genie hat einfach eine Verpflichtung.


    Nikolaus Harnoncourt irrt: Strauss spielte Skat


    Interview im Brucknerhaus-Magazin Dezember 2009

    glaube ich daran, (zu) viele Aufnahmen zu besitzen.


    Überredet zu Neuanschaffungen kann ich werden durch:
    1) böse Geister wie Ulli, der mir „Neudeuter“ meiner Lieblingskomponisten empfiehlt (blöderweise gefallen sie mir auch, die Neudeuter).
    2) Sonderangebote von Titeln, deren Anschaffung einstens mir zu teuer war.
    Norbert hat die Aufnahme „Tristan und Isolde“ mit Pappano erwähnt. Da werde ich schwach, löhne 22,9 Euro und habe den 12. Tristan ergattert.
    Übrigens: Diese Anschaffung war das Geld wert, wahrscheinlich auch den Originalpreis.
    3) Live-Aufnahmen zu erschwinglichen Konditionen, wenn auch mit der Einschränkung Tonqualität (wurde bereits erwähnt) - siehe z.B. Produktionen der MET mit Richard Tucker.

    Zitat

    Original von Ulli
    Der Leser der Bewertungen sollte sich natürlich im Klaren darüber sein, daß er ganz subjektive Beurteilungen liest und entsprechend an dem Glaubwürdigkeitsgrad des betreffenden Jurors messen (die meisten sind ja untereinander bekannt und man kann sich dann durchaus ein Bild von der Bewertung machen).


    :hello:


    Ulli


    Da gibt es eine Ausnahme vom Ulli'schen Theorem. Meine Bewertungen strotzen nahezu von Objektivität und überirdischer Sachkenntnis. Ich bin überzeugt, daß dies alle Taminos so sehen und nach meinen Bewertungen lechzen.

    Original von Theophilus:
    Ein sehr prominentes Ex-Mitglied des Forums bezeichnete Strauss als den überschätztesten Komponisten aller Zeiten...
    Meine Meinung dazu: Lieber ein "überschätzter Komponist" namens Strauss als ein überschätztes, sich selbstüberschätzt habendes "prominentes Ex-Mitglied".


    Revolutionär an seinem Schaffen waren m.M. nach Salome und Elektra.
    Perfekt inszenierte er die Opern danach (Markenzeichen "Aktschlüsse").
    Seine Tondichtungen gehören zum musikalischen Allgemeingut, mag man sie auch für plakativ halten, z'sammbringen muß man sie halt wie er.


    Strauss und das Nazi-Eck: Dieses Argument wird auch bei Wiederholung nicht richtiger (siehe Theophilus' Statement)

    Mengengerüst ohne Nicht-Klassikaufnahmen:


    2.099 Recordings
    3.353 CDs
    Da ich übersiedle, habe ich den Laufmeterbedarf ausmessen müssen.
    Laufmeterbedarf pro Recording (Textheft etc., mehrere Scheibchen) durchschnittlich 1,5 cm
    Laufmeterbedarf pro CD: durchschnittlich 0.94 cm


    Lagerung in mehreren Räumen (Nachteil: Man wird mit zunehmender Reife bequemer und spielt die Aufnahmen, die man nahe der Stereoanlage hat).
    Regale zum Teil Standard (KIKA) zum Teil "maßgeschneidert"
    Lagerordnung: Komponist, Werk alphabetisch
    Bei mehreren Komponisten nach Interpreten (1. Kriterium Dirigent)
    Bei Interpreten-Scheibchen nach Interpreten...
    etc.


    Verwaltung mit Programm ClassiCat


    Zu Agons Anmerkung über Sammler von Beethoven-Symphonien:
    Beethoven-Experte wird man dadurch nicht. Es macht den Sammlern Spaß und erweitert die Bandbreite des Hörens.

    Die Debatte ist hochinteressant. So richtig glauben kann ich daran erst, wenn Zahlenmaterial vorliegt.
    Auf Grund der Opern- und Konzertabos müßte ersichtlich sein, wer ein paar Buchstaben vor dem Vornamen trägt. Ich kann mir nicht vorstellen, daß z.B. die Ergebnisse Wien - Köln so unterschiedlich wären.
    Ebenso müßte die Tonträgerbranche Befragungen haben, aus denen der Akademikeranteil an den Klassik-Konsumenten hervorgeht. Die mir bekannten IFPI-Befragungen (Markt- und Segmentsanteile) liefern dies nicht.


    Frage: Wer käme an diese Zahlen heran?


    Zu den Ärztemusikern gibt es das Slezak-Bonmot, daß er sich von einem Tenor auch nicht den Blinddarm herausnehmen ließe.

    Ja, natürlich!!!!
    Die Zeiten, in denen Klassik nahezu ausschließlich in weihevollen Konzertsälen (mit Blick auf Komponistenbüsten) angeboten wurde, sind glücklicherweise vorüber.
    Die neue Vielfalt des Angebots soll auch der Klassik dienen.


    Die einzige Einschränkung für mich:
    Das Ganze ist werkabhängig. Die "Götterdämmerung" werde ich mir auf iPod in der U-Bahn nicht anhören, "Klassikradio-Hits" (nicht abwertend gemeint) schon.

    Da Fußball angesprochen, glaube ich, dass es zwischen gewissen Klassik“fans“ und Fußball“fans“ niveaumäßig wenig Unterschiede gibt:
    Das hat ja die Vergangenheit im Forum gezeigt.
    Brüllen die einen im Stadion „Schiri, Du A…loch“, posten die anderen „Karajan, Du Nazi“. Beide Gruppen haben ein Feindbild und fühlen sich in ihrer Beschränktheit wohl.
    Nimmt man diese intellektuellen Randgruppen in ihrer auch qualitativen Marginalität heraus, bin ich der Meinung von Hans Sachs, dass Unterschiede Klassik zu anderen Sparten nicht gravierend sind.


    Versuch einer Selbstanalyse
    Tonträgersammeltrieb (war bei mir überdurchschnittlich)
    Konzert- und Opernbesuche (geht so)
    Anzahl der angehörten Musikstücke (2 bis 3 pro Tag)
    Musik-Ausbildung (nicht vorhanden)
    Ergebnis: Konsumdodel mit Neigung zur klassischen Musik

    Meine Lücke ist primär eine einnahmen-ausgabenseitig verursachte.
    Meine Maßnahme: Gewagte Spekulationen gegen den Yen (die werden schön schauen, die Japaner...)
    Mißlingen diese, setze ich als prononzierter Verfechter der freien Marktwirtschaft staatliche Hilfe voraus.


    Aber dann, wenn das staatlich marktwirtschaftliche Honorar eintrifft:
    Tristan und Isolde (mein Lieblingsmusical) auf DVD von den Bayreuther Festspielen mit Rene Kollo. Meier etc.


    PS: Die "Jordi Savall"-Lücke in der CD-Sammlung empfände ich nicht als Fluch, sondern als Segen Gottes.
    Eingezwängt in der Mitte und mit selbstzerfleischender Rücksicht auf andere Konzertbesucher konnte ich bei den Darbietungen von Savall und seiner Combo in Wien nicht davonlaufen.

    Schostakowitsch
    Mahler: gefördert von L. Bernstein
    Cherubini: auch dank Riccardo Muti
    Britten
    Barockmusik wie Monteverdi, Lully...(ich kann damit leider ncihts anfangen) gefördert durch Neuentdecker wie Harnoncourt und Nachfolger.


    Das verleitet mich zum Schluß, daß gute Beziehungen zu Interpreten für Komponisten förderlich sind (Strauss-Krauss-Böhm).