Beiträge von peet

    Hallo Sagitt,


    zu Cliburn:


    Ich glaube, die Einschätzung einer Musikerkariere bzw. - Leistung sollte man nicht an der Zahl seiner Aufnahmen und deren Regelmäßikeit ausmachen. Für mich war und ist Cliburn nie "mein" Pianist, er spielte und spielt immer noch sehr gut und ist erfolgreich - im sehr engen Repertoir, in einem ganz bestimmten Stil. Er ist erkennbar und wird beim Publikum beliebt nicht nur als ein Politikum, sondern viel mehr als ein glaubwürdiges Relikt der romantischen Musikauffassung. Sein bescheiderener und verdienter Ruhm vergeht nicht und er wird in der Musikgeschichte ehrlich eingehen.


    Gruß

    Ich halte dagegen die Auffassung der Großen Fuge von Furtwängler für sehr wohl passend, wie eigentlich immer im Fall Beethoven-Furtwängler.


    Die dialektische Entwicklung der Gedanken sehe ich bei ihm bildhaft und überzeugend durchgesetzt, mit der Macht der großen Streicherbesetzung, mit vielen unterschiedlichen Farben, in den aufeinander abgestimmten Tempi und dem Rausch der großen Leidenschaft, sehr gestisch und suggestiv.


    Ich glaube, es ist die Geschmackfrage, obwohl auch die Auffassung der Musik von Beethoven spielt hier eine gewisse Rolle, ob man mit Furtwängler zu Beethoven geht oder ohne. :-)


    Dein Ausdruck, Albus, "Zuviel Liebe" wäre bei mir nie negativ besetzt. *g*


    Freundliche Grüße

    Zitat

    Original von Albus


    Die Orchesterfassung der Großen Fuge mißlingt für gewöhnlich (ob Furtwängler, Bernstein, zuletzt in Lübeck unter Dohnanyi).


    Hallo Albus!


    Ich kenne von den drei genannten nur die Aufnahme mit Furtwängler. Was gefällt dir da nicht?


    Gruß

    Zitat

    Original von gaspard
    Der Mensch DS war nicht frei von Schwächen.


    Hallo gaspard,


    wenn du auch offensichtlich etwas Gutes über Schostakowitsch schreiben wolltest, ist dir das hier - in dem zitierten Satz - nicht so ganz gelungen. Der Mensch Schostakowitsch lebte in der lebensbedrohlichen kafkaesken Erwartung des Bösen und war durchaus dadurch geprägt. Er war den Kollegen gegenüber viel freundlicher und hilfsbereiter als Prokofjew - daraus entstammen Äußerungen Schostakowitschs und sind keine Ausnahme. Prokofjew war halt anders und griff den jüngeren Schostakowitsch viel eher an.


    Gruß

    Schumann:


    "<...> Hier ist ausser meisterlicher musikalischer Technik der Komposition, noch Leben in allen Fasern, Kolorit bis in die feinste Abstufung, Bedeutung überall, schärfster Ausdruck des Einzelnen, und über das ganze endlich eine Romantik gegossen, wie man sie schon anderswoher an Franz Schubert kennt. Und diese himmlische Länge der Symphonie, wie ein dicker Roman in vier Bänden etwa von Jean Paul, der auch niemals endigen kann und aus den besten Gründen zwar, um auch den Leser hinterher nachschaffen zu lassen. Wie erlabt dies, dies Gefühl von Reichtum überall, während man bei andern immer das Ende fürchten muss, und so oft betrübt wird, getäuscht zu werden. <...>"



    Die Referenzaufnahme ist aus meiner Sicht die mit Furtwängler (1951).

    Zitat

    Original von Uwe
    Mahler-Aufnahmen mit Mengelberg habe ich leider nicht, auch noch keine gehört.


    Hallo Uwe,


    die Vierte Mahlers mit Mengelberg ist - mindestens aus meiner Sicht -eine Referenzaufnahme. Sehr empfehlenswert.


    Ansonsten - ein großartiger Künstler, einer der größten Dirigenten überhaupt. Ich halte es für Pflicht, alles von seinen Aufnahmen zu besitzen oder wenigstens kennezulernen.


    Gruß

    Zitat von GiselherHH

    <...> Denn Wagner stand politisch gesehen immer eher auf der "Linken". Zwar paßte sich der Revolutionär von 1848 später äußerlich an und schloß seinen Frieden mit den Kräften, die er damals bekämpfte. Doch tat er dies nur, um seine Festspielidee zu sichern, so wie er alles andere dieser einen Idee unterordnete.


    Hallo GiselherHH,


    diese deine These würde ich teilweise anzweifeln. Es ist aus meiner Sicht (und nicht nur aus meiner... :-) so, daß die linke oder auch rechte Komponente in der Gedankenwelt Wagners nur eine von vielen war. Er war genauso wenig ein echter Revolutionär im frühem Stadium wie auch wenig war er im Frieden mit seiner Umgebung später. Und - darin hast du absolut Recht - es sollte alles seiner Idee dienen, u.a. auch seiner Festspielidee. Diese Festspielidee war aber der Ausdruck seines künstlerischen und menschlichen Willens.


    Ich empfehle in diesem Sinne ein altes Buch von Paul Bekker über Wagner (1924)...


    Gruß

    Mit dem Habitus, Uwe, hast du bestimmt Recht: Es gibt Snobs, die es allen zeigen wollen... :rolleyes: Es ist auch manchmal lustig, wenn solche Leute massenweise in den ersten Reihen vor Augen der Orchestermusiker und des Dirigenten sitzen und ziemlich laut in ihren Noten blättern.


    Es gibt aber auch Studenten und Kritiker, die es einfach brauchen - für ihre Zwecke, und die sind nie so zahlreich in einem Konzert.


    Ich finde nichts blödes an dem Bild, wenn du vor Lautsprechern in deinem eigenen Heim mit einer Partitur Musik hörst. Es ist ein schönes Bild! :yes:


    Gruß

    Zitat

    Original von Uwe
    ich gehe natürlich auch nicht ins Konzert mit einer Partitur, das ist mir denn doch zu affig :D.


    Hallo Uwe!


    Wieso denn zu affig? :-)


    Wohl gemerkt, tue ich das seit Jahrzehnten nicht mehr, finde es aber sehr wohl nützlich - für Einsteiger, bei seltenen Werken, bei kritischem Herangehen usw.


    Gruß

    Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    Van Cliburn.
    <...> Sein letztes Auftreten war 1978, da war er 44 Jahre alt.


    Hallo Alfred!


    Das stimmt nicht. Van Cliburn tritt immer wieder auf, neulich war er laut Zeitungen wieder in Moskau, wo er schon wieder einen großen Erfolg hatte.


    Gruß


    P.S. Bei mir alles ohne Änderung. Die Post kommt aber noch. :-)

    Wie ich schon einmal woanders erwähnte, halte ich Rattle's Erste Symphonie von Sibelius mit Birmingham für die beste Aufnahme dieses Werkes.


    Sein Beethoven ist kein Ereignis. Auch nach der Werbung.


    Er ist ein guter Dirigent, mit telegener Optik beim Auftritt. Er arbeitet viel und soll es auch weiter tun. Sein Posten ist wichtig, sein Beitrag (noch) nicht der wichtigste. :-)

    Zitat

    Original von Rienzi
    Ich werde es Dir nicht aufgrund von 3/4-Pausen etc. erläutern.


    Das finde ich schade. Meine Frage war ehrlich gemeint. Ich bin tatsächlich interessiert an einer solchen Diskussion, nicht nur bei Tielemann - nur im verbalisierten Vergleich der Interpretationen lässt sich das Subjektive objektivieren.


    Ausserdem freue ich mich über deine Einschätzung meines Alters - ich empfinde mich auch jung. *g*


    Violinkonzert - 1868
    Schottische Phantasie - 1880

    Hallo Rienzi!


    Nicht so ganz.


    Du musst jetzt nicht schnellstens deine Meinung zu dem Deutschen Reuqiem ändern. :-)


    Mir würde genügen, wenn du deine Behauptung über Wagner-Aufnahmen belegst - nämlich durch den direkten Vergleich. Noch einmal, aufgrund meiner Erfahrungen behaupte ich meinerseits, daß auch darin keine Ähnlichkeit zwischen Tielemann und Furtwängler festzustellen ist.


    Gruß

    Zitat

    Original von Rienzi
    Seine breiten Tempi und doch mit ungeheurer Spannung erfüllt erinnert doch sehr stark an Furtwängler, was kein unbedingter Nachteil ist.


    Zu Alfreds Frage "Hoffnungsträger" - "keine Frage", er ist es und wird es sicher erfüllen.


    Ich bin damit nicht einverstanden. Die von dir hier angesprochene angebliche Ähnlichkeit kannst du mit Sicherheit nicht nachweisen. Weder bei Tempi noch bei der Spannung. Zu Wagner habe ich es nicht geprüft. Im anderen Fall weiß ich es ganz genau - "Deutsches Requem" bei Furtwängler und Tielemann kann ich beim Bedarf auseinandernehmen und belegen, daß der selbsternannte Preusse eine bescheidene Zukunft hat.

    Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    Thielemanss Klangideal ist ein dunkles, fülliges Klangbild, er fühlt sich Furtwänglers Dirigierstil verbunden.


    Hallo Alfred! Das ist ein totaler Widerspruch in sich. Tielemanns Klang ist tatsächlich wenig differenziert, und deswegen schon hat er wenig gemeinsam mit Furtwängler. Seine Tempi und Gestaltung der Werke insgesamt haben mit Furtwängler auch nichts zu tun. Wie auch die Qualität. :-)


    Gruß

    Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    Ich konnte mich mit vielem nicht anfreunden, was er dirigierte, vor allem sein Haydn und sein Schubert ließ mich kalt.


    Hallo Alfred!


    Was stört dich an seinem Schubert? Ich halte seine Unvollendete für sehr gut, ausgeglichen, sehr gut ausgearbeitet.


    Gruß

    @ BBB
    Um die Erste Prokofjews einzuordnen, würde ich den Begriff Neoklassizismus verwenden. Dementsprechend war es keine Studie in dem Sinne, sondern seine Beteiligung am neuen Stil - neben Strawinsky, Hindemith, Martinu etc.



    @ Alfred
    Prokofjew arbeitete mit Haydn ausschliesslich als Quelle für seine Inspiration.


    Gruß

    Hallo!


    Ich wäre nicht sehr daran interessiert zu erfahren, was sind es für besondere Eigenschaften des Dirigenten Norrington, die ihn so besonders wertvoll machen, da ich stark vermute, es gibt solche nicht.


    Im Unterschied zu Harnoncourt ist er auch dann blaß, wenn HIP im Vordergrung steht, und ohne HIP ist er gar kein Hip, wenn ihr meint, was ich verstehe.


    So! :-)


    Und wenn mir jemand ganz-ganz sicher sagt, eine Aufnahme von ihm sei ganz-ganz anders, bin ich bereit das nachzuprüfen. :-)


    Gruß

    Nicht grundsätzlich, sondern nur und im Moment ausschliesslich zu Botha.


    Vor ca. drei Wochen habe ich ihn im "Parsifal" bei Levine in München gehört und bin sehr unzufrieden geblieben. Keine Spur von der Individualität, von einer Ausstrahlung, von einer Rollenführung, eine 08/15 Variante. Da wäre sogar der aktuelle Bayreuth-Schlammschlachtheld gefühlvoller.