Beiträge von Dr. Pingel

    Es gibt deswegen nicht wenige, die den Film besser als den Roman finden, da hier weitaus besser ein Fokus auf das Wesentliche gelegt wurde und ein roter Faden erkennbar ist.

    Der Name der Rose.

    Bei mir war es so: ich habe erst das Buch gelesen, dann den Film gesehen. Der Film ist sozusagen ein Extrakt aus dem Buch, bei dem es nur um die Krimi-Handlung geht. Das Wesentliche ist demnach nicht die Handlung, sondern die geistige Auseinandersetzung; dies ist der rote Faden. Der Film ist schon eine Art Verstümmelung des Buches, allerdings wohl in Bezug auf die Kinokasse verständlich.

    Das Buch ist darüber hinaus eine spannende Auseinandersetzung innerhalb der scholastischen Theorie, also etwa des Realismus gegen den Nominalismus, was sich schon im Titel ausdrückt: ist eine Rose nach Platon das Abbild einer Idee der Rose oder nach Occam eine Rose, die wir auch Hund benennen könnten?

    Nicht umsonst prahlt der Abt damit, dass er Leichenträger des verstorbenen Thomas von Aquin war, der ja die Theologie mit den Lehren des Aristoteles verbinden wollte.

    Die Titelfigur heißt demnach auch William von Baskerville, worunter sich Wilhelm von Occam und der berühmte Hund verbergen. Zentral theologisch ist auch der Schluss: der Mörder Jorge möchte die 2.Poetik (über die Komik) des Aristoteles lieber vernichten als an die Öffentlichkeit dringen lassen. Die Menschen sollen nicht lachen und lesen, sondern sich in den Glauben vertiefen.

    Das ist ja eine Parallele zum heutigen "christlichen" Fundamentalismus, besonders unter jenem Präsidenten, der von Pastoren in Florida zum neuen "Messias" gesalbt wurde, der erst Amerika, dann die Welt retten sollte. Diese Salbung wurde im amerikanischen Fernsehen gezeigt und ist keine Erfindung von mir, weil ich das gesehen habe.

    Zum Glück gibt es auch Pfarrer, die sich dagegen erheben wie weiland die Propheten (man lese den Propheten Amos!).

    Ich spreche von Father David, einem Episcopalisten, der seinen Blog jeden Tag beginnt mit "Father David here" (leichtes Englisch mit englischen Untertiteln; mit Google leicht zu finden).

    Der benennt im Klartext jene Verbrechen und Lügen der Trump-Junta.

    Z.B." ...this criminal gang which is running the White House....". Oder die Bombardierung der venezolanischen Fischer .." an act of terrorism...".


    Kleine Nachbemerkung: im Buch werden zwei Fragen gestellt, von den Franziskanern gegen die, glaube ich, Dominikaner. Eine Antwort findet sich nicht.


    1. Hatte Jesus Geld?

    2. Hat Jesus gelacht?

    Eine dritte kommt heute dazu:

    3. Was Jesus verheiratet? Hatte er Kinder?


    P.S. Ich empfehle sehr den Beitrag von wikipedia über das Buch, dort wird die gesamte Breite des Buches kompetent dargestellt

    Ich habe gestern nach der Oper "Lady Macbeth von Mzensk" (Bericht folgt) hineingeschaut, aber nicht zu Ende gesehen. Einmal, weil ich mit Ballett eh nicht viel anfangen kann, wobei ja der obige Kommentar stimmt: die Winterreise ist die ultimative Darstellung der Einsamkeit, was konträr zu den Massen auf der Bühne steht. Auch Mauro Peter ist nicht der ideale Sänger für dieses Stück.

    Anderer Meinung bin ich über die Zendersche Bearbeitung des Stücks: sie bringt doch viele Zwischentöne aus dem Text und aus der Musik ans Licht. Allerdings hat meine Aufnahme auch einen Sänger, der dem gewachsen ist: Christoph Prégardien!

    links: Tzimon Barto, Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Christoph Eschenbach (Aufnahmejahr 2010)

    An diese Aufführung erinnert mich zweierlei: mein Unverständnis für das Konzert. Aber Tzimon Barto toppte das Unglück noch, indem er eigene Gedichte vortrug.

    (Ebenso wie dem Kollegen oben, der mit Tschaikowsky nichts anfangen kann, geht es mir auch; ich missioniere auch nicht, möchte aber seine 3 Streichquartette empfehlen, die es in guten Aufnahmen gibt.

    Diese Aufführung habe ich am 17.12. in meinem Abo (in diesem Fall ist das gut, weil die Leute den Saal stürmen werden).(Essener Philharmonie)

    Wir sehen ja häufig asiatische Sänger in der Oper. Man kann nicht leugnen, dass es auffällt, aber es sind doch einzelne und nach einer gewissen Zeit denkt man nicht mehr daran, besonders, wenn sie gut sind. Asiaten im Orchester und im Opernchor sind doch sehr geläufig.

    Ich habe das gesehen und war erstaunt über den Namen Karl Dönch, den ich in Wien und Düsseldorf gesehen habe. Hier im Forum ist sein Grab abgebildet. Leider gab es im Vorspann und Nachspann außer der Namensnennung keine Informationen.

    Trotz des Alters war die Produktion noch gut erhalten, wobei natürlich die Bühnenbildner nicht die Klasse heutiger Bühnenbilder haben, wobei man natürlich auch heute bessere Materialien hat.

    Gesungen wurde insgesamt gut, die Szene im Wald hätte etwas mehr Innigkeit gebraucht. Sehr schön waren die Kinderchöre.

    Ich habe das Werk lange nicht gehört und war erfreut, dass es seinen Rang nicht verloren hat, was vor allem für das Orchester gilt.

    Die Hexenszene war irgendwie sehr harmlos und schnell vorbei, aber da hat der Zahn der Zeit gewerkelt.

    Die Version kannte ich nicht, gefällt mir sehr gut, vielen Dank fürs posten.

    Es gibt eine Aufnahme aus der Elphi, ich glaube Metzmacher dirigiert. Ein tolles Stück und ein Beispiel davon, dass Bearbeitungen oft große Würfe sind. Irgendwo hier gibt es ein Thema von mir, das "Bearbeitungen" heißt und eine Reihe von richtigen Schätzen aufweist (Wesendonck-Lieder, Il ritorno d´Ulisse u.a.m.)

    Ehh, Ulli, Du bist mir zuvorgekommen - für nach Weihnachten hatte ich mir schon ein Chandos Anthem ausgesucht (ein anderes).


    Na ja, seufz, hartes Schicksal der Spätvorschlagenden....ggg

    Na ja, zum Ausgleich komme ich diesmal nach dir. Da solltest du auf Nummer Sicher gehen und z.B. was von Stockhausen vornehmen, den hatten wir noch nicht.:untertauch::cheers:

    Lieber Michael, dein "Uplifting" verstehe ich deshalb nicht als Konkurrenz, weil wir beide Konkurrenz grundsätzlich nicht kennen. Was den Josquin betrifft, das musst du nach Gusto handhaben. Es ist auch für mich hard core und richtig darüber was zu schreiben, dazu braucht es doch mehr theoretischen Verstand.

    D.h., dass ich mit dem Josquin immer noch dran bin. Dass er relativ wenig Anklang gefunden hat, ist ja sehr normal und heißt nicht, dass man keinen Musikverstand hat. Es ist sogar so, dass deine Domäne, Guitarre,

    Laute, Theorbe, doch ziemlich eingängig sind und mich besonders als sehr besinnliche Nachtstücke erfreuen.

    Ich hatte mich ja sehr beschwert über das magere Opernangebot (Konzerte ähnlich) hier in der Rhein-Ruhr-Schiene. Der Dezember bringt mehr.

    Oper:

    Katja Kabanowa, Giulio Cesare: Rheinoper

    Cinderella (Ballett, Prokofiew), Cardillac (Hindemith): Essen

    Konzerte in der Philharmonie Essen:

    -Voces8 (populäre Weihnachtslieder)

    -Messias (Tenebrae und Basler Kammerorchester. Zum Glück habe ich das in meinem Abo, denn das wird brechend voll)

    -Alpensinfonie (Strauss)

    - Sinfoniekonzert (Strauss, 4 letzte Lieder und Mahlers Vierte)

    Bei "uplifting" denke ich eher an Nasenkorrektur, daher sagen wir "Trost".

    Um den zu bekommen, brauche ich ja nur in meinen Schreibtisch zu gehen und das Thema wählen, was den "Trost" schon im Titel hat: "Mille regretz und der Trost der Polyphonie". Vor allem dort die Josquin-Messe "Mille regretz", die in meiner Vorstellung nach dem Lobo die Nr. 2 war und die völlig unbeachtet blieb. Das ist völlig in Ordnung, denn es ist schon "hard-core"-Polyphonie, an der ich auch immer noch arbeite. Nein, arbeite ist das falsche Wort, das richtige Gefühl für diese Musik habe ich in mir, ohne das jetzt präzise formulieren zu können.

    Mein Weihnachtsoratorium (1-3)wird wie jedes Jahr in der Essener Philharmonie stattfinden. Am 2. Feiertag gibt es das WO zum Mitsingen. 16.00Probe, 17.00 Aufführung. Der Chor sitzt - nach Stimmen getrennt - im Saal, Hörer auf den Rängen.

    Schon vorher sieht man jede Menge Leute - Sänger - mit ihren blauen Bach-Noten der Philharmonie zustreben. Das WO ist nicht so schwer wie andere große Werke, weil es viele Choräle enthält. Allerdings scheiden sich die Geister bei Nr. 1 (Jauchzet) und vor allem (21 oder 23?) bei "Ehre sei Gott" . Das ist ein echter Bach-Kracher. Allerdings: der Sopran rauscht souverän dadurch, den Alt hört man nicht und der Bass solide wie immer. Und der Tenor - also wir? Wir schmeißen das Stück - wie jedes Jahr. Trotzdem sind am Schluss alle glücklich. Übrigens müssen auch die Sänger Eintritt zahlen, denn das fabelhafte kleine Orchester und die ebenso guten Solisten müssen ja bezahlt werden.

    Eine ganze Reihe neuer Sänger, vor allem bei den Männern. Da ist diese Aufnahme etwa zu sopranlastig geworden. Aber vielleicht bilde ich mir das nur ein.

    Du siehst einen Plan, den ich nicht sehe ... 👀

    Es ist #39, von dir höchstselbst verfasst!

    Da wir gerade dabei sind.

    Mit meinem letzten Stück (Lobo) ging es mir wie bei Byrd, Janacek, Schütz auch. 1. Woche: wenig bis nix, 2. Woche: profunde Beiträge, wenn auch wenig. Am Schluß noch einige sehr gute Beiträge. Ich bin sehr angetan davon, dass ich euch 4 neue musikalische Welten habe vorstellen können.

    Diese Welten habe ich mir nicht ausgesucht. Schütz kenne ich schon sehr lange, das Stück von Byrd habe ich selbst gesungen, Janacek war eine Frucht der WDR-Produktion von Jenufa, Lobo ist ein Ableger davon, dass ich in meinem Vokalensemble zwei Messen von Palestrina gesungen habe, dazu eine von Josquin. Leider war die spanische siglo-de-oro-Musik nicht auf dem Bildschirm meiner Kantoren, sodass ich sie mir selber erarbeiten musste, wobei von "arbeiten" natürlich nicht die Rede sein kann. Im Alter noch so eine tolle Musik zu entdecken.....!! Allerdings unter Schmerzen, so etwas nicht mehr singen zu können.

    Dass Dr. Pingel und Michael Müller jetzt sicher ungläubig den Kopf schütteln zeigt halt, wie unterschiedlich wir Musikliebhaber ansprechbar sind. Auch dafür ist ein solcher Thread wie hier natürlich wunderbar! Danke also für gradezu entrückte fünf Minuten!

    Warum sollten wir den Kopf schütteln? Wenn ich denke, wie sich meine Kenntnis von Bach dank deiner Besprechungen vertieft hat!

    Auf die Polyphonie wäre ich nicht gekommen, wenn ich sie nicht selber gesungen hätte: 2 Messen von Palestrina, darunter die berühmte "Missa Papae Marcelli". Als meine beiden Dirigenten (ein Ehepaar) die Noten dieses Werks mitbrachten, haben wir ohne Ermüdung 3 Stunden geprobt, um einmal das ganze Stück kennenzulernen. Letztes Jahr war eine Josquin-Messe dran, die war richtig schwer. Palestrina ist nicht ganz so schwer, etwa von den Noten. Aber da alle Stimmen gleichgewichtig sind, darf man nicht rauskommen.

    Bei Freunden von mir spielt die älteste (16) Geige, lernt gerade Klavier, vor allem aber singt sie (s).

    Mit zwei anderen jungen Mädchen singt sie im besten Chor hier in der Stadt, einem Vokalensemble.

    Solche Ensembles haben so junge Stimmen gerne, weil der Sopran dann frischer klingt. Der Hauptgrund, warum es sich lohnt, in einem Vokalensemble zu singen: man hat so gut wie immer grandiose Chorwerke, die für einen normalen Chor nicht zu bewältigen sind, auch nicht durch mehr Üben.

    Vielleicht darf ich bescheiden darauf hinweisen, dass "Versa est in luctum" von Lobo der letzte Beitrag in der Reihe "Alle hören dasselbe Musikstück" war (Beitrag von mir). Ich habe dazu das YT-Video ausgewählt!

    Es zeigt die subtile Kunst der Sänger, die durch sehr gute Kameraführung begleitet wird. Dazu die sehr intensive Leitung von Nigel Short, der auch mitsingt. All das in einem wunderbaren Kirchenraum, der optisch und akustisch perfekt ist. Das bleibt einem verborgen, wenn man nur die CD hat.

    Zitat von Dr. Pingel: "Ein Stück von überirdischer Schönheit".

    Nach dem Abgang von Andrea Haines (The Voice) bei Voces8 ist Tenebrae die Nr. 1 weltweit bei den Vocal Consorts.

    Lieber Michael, danke für diese Zeilen, die beschreiben, was man hört, ohne jetzt in eine musikwissenschaftliche Analyse zu geben. Wenn ich dieses Stück höre (mehr als 50x ist es allemal), so schalte ich alles ab. Es gleicht ein bißchen dem Verfahren, was ich auch bei meinen Lieblingsgedichten anwende. Jeder hat schon erlebt, wie Gedichte einem anhand der Interpretation von Germanisten unter der Hand zu Grunde gehen. So auch hier. Eine solche Perfektion in Komposition und Ausführung hört man - mehr braucht man nicht. Dabei ist jetzt keine Abwertung der Musikwissenschaften gemeint, aber diese Musik findet in einem anderen Saal, besser noch in einer Kathedrale, statt.

    Wer mutig ist, sollte vielleicht auch mal in das zweite Stück hineinhören, Josquins Messe "Malheur me bat", gesungen von den Genfer Engeln. Hier ist der Zugang schwieriger, aber das konzentrierte Zuhören des Publikums und der enthusiastische Beifall am Ende sprechen für sich. An diesem Stück bin ich schon mehrere Monate dran. Ich empfehle es nicht ganz zu hören, sondern in Abschnitte, etwa die Sätze der normalen Missa.

    Die Sache mit den Feiertagen:

    1.11.: Allerheiligen; in 5 Bundesländern gesetzlicher Feiertag. Er dient in der katholischen Kirche zum Andenken an die Heiligen. Die Gläubigen haben diesen Tag umfunktioniert zum Angedenken an die toten Angehörigen, was zur Folge hatte, dass man auf die Friedhöfe pilgerte. Dafür war eigentlich der 2.11. vorgesehen, Allerseelen. Aber hier nutzte man den freien Tag.

    Der Totensonntag ist ein fixer Termin: immer der letzte Sonntag im November. In der evangelischen Kirche endet damit das Kirchenjahr. Das neue Kirchenjahr beginnt mit dem 1.Advent.

    Eigentlich ist bis zum Totensonntag Stille und Ruhe angesagt, aber der Moloch Konsumerismus hat gesagt "So lange wollen wir nicht warten." Daher jetzt schon der große Rummel.

    In einer Schlucht im Schwarzwald mit Nähe eines Dorfes liegt ein besonders begehrter Weihnachtsmarkt, für den man Tickets braucht, per Internet. Innerhalb von 2 Stunden waren alle 70.000 Tickets verkauft, obwohl Taylor Swift dort nicht auftritt und auch nicht die Amigos, geschweige denn die Wildecker Herzbuben.