Beiträge von Dr. Pingel

    Five: Obama (2)

    Ich habe jetzt alle 700 Seiten geschafft und freue mich auf den 2. Band. Auch der Rest nach 300 war spannend und gut geschrieben. Insgesamt ist es ein Werk der Zeitgeschichte mit ungewöhnlichen Fakten und Einsichten. Erst hatte ich vor, eine Gesamtwürdigung zu schreiben, fand aber in der FAS einen ausgezeichneten Leserbrief dazu von Frau Ernestine Buerstedde aus Bonn, der genau das beschrieb, was ich auch empfunden habe. Ich habe in Bonn angerufen, und wir hatten ein sehr interessantes Gespräch. Sie war auch einverstanden, dass hier ihr Leserbrief unter Namensnennung abgedruckt wird. Danke!

    In der Rezension der Memoiren Barack Obamas von Professor Stephan Bierling (FA vom 24.11.) irritiert der Satz: ' Über Obamas innerste Antriebskräfte erfährt der Leser wenig, eine echte Selbstoffenbarung, die große Memoiren auszeichnet, bietet er selten.'

    Meiner Meinung nach erfährt der Leser darüber sehr viel, eigentlich auf jeder Seite. Er beschreibt sich selbst als schüchtern; er denkt stark reflektierend über sich selbst und andere nach. Er hinterfragt sich ständig. Er zeigt sich als feinfühlend, und immer wieder drückt er das Bedürfnis aus, an sich selbst zu arbeiten, um dann - und das ist die ihn treibende Kraft - sich einzubringen für Amerika.

    Er will alle Amerikaner anfeuern, an den Idealen Amerikas festzuhalten und zu arbeiten, um so dem "Promised Land" näherzukommen. Er möchte kein Held sein, aber er möchte die kleinen stillen Helden mitreißen, damit es allen in Zukunft besser geht. "All they (the quiet heroes) try to do is just the right thing. That´s what we´re fighting for."

    Obama zeigt menschliche Nähe, scheut sich nicht, seine Emotionen zu beschreiben. Wenn er Konflikte zu lösen hat, versucht er, die andere Seite zu verstehen. Er beobachtet genau. Er tritt den Menschen mit Respekt gegenüber und erkennt Stärken und Schwächen ohne zu verurteilen. Er vertraut seinen Mitarbeitern, weiß ihre Arbeit zu schätzen. Er schätzt Humor und Sport. Er gibt alles und bereitet sich akribisch vor, wenn seine (und Michelles) Entscheidung gefallen ist; er riskiert nur, wenn die Chancen gut sind. Er zieht Bilanz. Das ist doch alles Selbstoffenbarung - sehr persönlich, geradezu intim.


    Nachtrag 1

    Der berühmte Wackeldackel fürs Auto erfreut sich wieder steigender Beliebtheit. In dieser Art gibt es auch einen Wackel-Obama. Der ist mir aber mit fast 40 Dukaten zu teuer.


    Nachtrag 2

    Angesichts des NS-Regimes in Deutschland veröffentlichte der amerikanische Schriftsteller Sinclair Lewis (über den wird hier noch viel stehen!) einen Roman: It Couldn´t Happen Here (1935; dt. wieder erhältlich), in dem den Aufstieg eine Populisten zum autoritären Präsidenten beschreibt.

    Words (3)

    *pizzazz Pep, Schwung (kein Fehler, also nicht pizza, gefunden bei Obama)

    *Paris-Hilton-Effekt famous for being famous

    * underwhelming ein Wort, das es nicht gibt, aber jeder versteht es

    * gas in Amerika so gut wie immer Benzin

    * cameo ein Auftritt im Film as himself oder as herself. Beispiel: Hitchcock taucht in jedem seiner Filme auf. In "Strangers on a Train" besteigt er einen Zug mit einem Kontrabass.

    * a megawatt smile (Obama)

    * as often as not

    * don' t call us, we call you euphemistisch für eine Absage, denn dieser Anruf kommt nie

    * to parrot (Papagei)

    * to paint the town red auf die Piste gehen

    43. Corona - Bier


    Ich könnte mir vorstellen, dass es jede Menge Leute gibt, die zur Vorbeugung mexikanisches Corona-Bier "einnehmen; doch davon hat man nie etwas gehört.

    Gestern an meiner Tankstelle, die ein kleines Sortiment von Rewe-Produkten, natürlich auch jede Menge Bier. Ich hatte Lust auf ein Corona-Bier, fand es nicht. Darauf der Verkäufer: "Das wurde aus dem Programm gestrichen!" Wir lachten beide, aber es war kein Scherz.

    42. Insula, die Insel, pinsula, der Pinsel, schwinum, das Schwein, verrücktes Latein

    Darüber haben wir uns, Fünftklässler (10 Jahre), schlapp gelacht. Auch das berühmte "studium fuga, inquit unus ignis quis vir, et

    multum ab audere" ("ei verflucht", sagte ein Feuerwehrmann und fiel vom Wagen), begeisterte uns.

    In den ersten Stunden des Lateinunterrichts ging es los mit einfachen Deklinationen und einfachen Verben. Die ersten Wörter, die wir kannten, waren ancilla (Magd), agricola (Bauer), gallina (Huhn), necare (schlachten). Also: ancilla gallinam necat. Das fand ich langweilig. Also: agricola ancillam necat (der Bauer schlachtet die Magd). Dafür wurde ich bestraft, heute vielleicht belobigt (wegen der korrekten Konstruktion).

    "...und er lockte eine Flöte aus der Streicherwand...": Götterboten, Rüttelfalken, selige Säuglinge, Chaoten"

    Ich spreche hier von Dirigenten. Wer viel Musik hört oder selbst singt, weiß auch einiges über Dirigenten. Das sind die Leute, die ihn gequält oder gelangweilt, aber auch begeistert haben. Eins soll aber von vorneherein deutlich sein: dies ist ein rein emotionales feuilletonistisches Thema. Vielleicht wäre es auch mal ein Thema für einen unserer Theoretiker (ernst gemeint!).

    1. Die Götterboten. Ich sage nur Karajan und "geschlossene Augen". In der frühen Zeit der Fernsehregie war er und andere Dirigenten fast pausenlos im Bild. Die neueren Fernsehregisseure haben offenbar eine Partitur, in der die Solisten oder Gruppen der Instrumente eingetragen sind. Ich könnte mir auch vorstellen, dass sie auch geheime Aufzeichnungen darüber haben, wann die attraktiven Frauen im Orchester porträtiert werden können. Davon gibt es eine Menge. Die attraktivste der letzten Zeit spielte - Trompete.

    2. Die Rüttelfalken. Das sind die meisten Orchesterdirigenten, etwa Franz Welser-Möst (wobei sein Dirigat der "Elektra" in Salzburg richtig toll war). Diese Version gibt es bei Chordirigenten nicht, etwa bei Howard Arman. Der Grund ist einfach: die Chorsänger, besonders die guten, kämen vor lauter Lachen gar nicht zum Singen. Auch die Dirigenten von Barockmusik machen das nicht, weil die Musiker so gut sind, dass die den Dirigenten sowieso weitgehend ignorieren.

    3. Die seligen Säuglinge. "Selig lächelnd wie ein satter Säugling", das ist von Christian Morgenstern. Diese Dirigenten lächeln immer. Kirill Petrenko und Andris Nelsons zählen dazu, Mariss Jansons konnte das auch. Das Gegenteil hiervon ist der grimmige Gergiev mit seinem Zahnstocher-Baton.

    4. Die Chaoten. Hier offenbart sich, dass die meisten Orchestermusiker so gut und so clever sind, dass sie möglichst wenig auf die tanzende und grimassierende Figur da vorne sehen. Hierzu zählen Kurt Masur, Adam Fischer (Düsseldorf) und auch Philippe Herreweghe, der selbst bekannte, dass er leider im Studium das Fach Dirigieren versäumt habe. Der hat aber nur die Alte-Musik-Elite vor sich, da geht das auch.


    Letzte Frage: in der Alten Musik, bei Proben und in der Oper geben sich die Meister des Taktstocks sehr moderat. Man sieht sie halt nicht.


    Nachtrag: als Wiederholung von 2020 wird ein Gedenkkonzert für Mariss Jansons auf arte gegeben: Mahlers 2. aus München. Dirigent: ein Freund von Jansons, Zubin Mehta. Da er schlecht laufen und stehen kann, dirigiert er im Sitzen. Er hat das ganze Stück auswendig drauf (seine Lippen lesen die Texte mit), der Fernsehregisseur zeigt überwiegend die Musiker und nicht den Dirigenten. Der dirigiert mit knappen Bewegungen - und alles klappt vorzüglich.

    Simon Rattle wird neuer Chef des Sinfonieorchesters des Bayrischen Rundfunks. Von dessen Qualität konnte ich mich 2019 in der Essener Philharmonie überzeugen. Der angekündigte Mariss Jansons war schon zu krank zum Dirigieren.

    Simon Rattle sagte u.a., dass er noch den großen Geist von Rafael Kubelik im Orchester spürte. Das kann ich gut verstehen, denn unter Kubelik gehörte das Orchester zu den führenden der Welt. Zwei Plattenaufnahmen habe ich: "Palestrina" von Pfitzner und Mathis der Maler" von Hindemith.

    Words (2)

    Aus Alltagsdingen können im Englischen neue Verben oder Adjektive entstehen. Bisher hatten wir *ritzy und *to inch.

    Die neuen Beispiele stammen alle aus Obamas Biographie. Ich übersetze sie nicht, sie erklären sich selbst.

    *to mushroom

    * Yes them to death

    *to soldier down

    *unchurched

    Hier muss man wissen, dass es in den USA einen Begriff wie *church shopping gibt. Das bedeutet nicht etwa eine Kirche kaufen, sondern ist eine Aktion, die man unternimmt, wenn man umgezogen ist. Man sieht sich dann in dem neuen Ort alle Kirchen bzw. Denominationen an, bis man weiß, welcher Kirche man beitritt. Das kann zu großen Problemen führen. Nehmen wir eine weiße Familie an, die in Cleveland, Ohio wohnt und dort zu den Baptisten gehört, die dann auch die Kirchensteuer bekommen. Aus Gründen eines Jobwechsels zieht die Familie nach Tuscaloosa (ALABAMA) um. Dort ist aber in ihrem Viertel die baptistische Kirche eine rein schwarze, wie das im Süden oft noch der Fall ist. Also muss man wechseln, etwa zu den Presbyterianern. Wer unchurched ist, hat es nicht unbedingt leichter, wenn er in eine kleine Gemeinde zieht, wo sich alle kennen und to be unchurched als unamerikanisch gilt. Bank-shopping gibt es auch. Als ich nach Oberhausen zog, habe ich das mit allen Banken gemacht, um die preiswerteste herauszufinden (nach einem Muster). Die meisten Banken waren darauf gar nicht vorbereitet.


    Preisfrage: was würde "do not tamino me" heißen oder "let me be your Alfred"?


    Das klingt mir ein wenig sehr nach dem im 19. Jahrhundert aufgekommenen Mythos vom Übermenschen Mozart. Es soll da einen gewissen Joseph Haydn gegeben haben, der für die Entwicklung der Symphonik angeblich bedeutender war, zumindest aber ebenbürtig.

    Ich kenne die meisten Sinfonien Mozarts und alle (!) Sinfonien Haydns, bis Nr. 88 in der Hogwood-Aufnahme, danach in verschiedenen Aufnahmen mit historischen Instrumenten. Ich ziehe die Haydnschen Sinfonien vor, vor allem die "Sturm- und Drang-Sinfonien" ab Nr. 40, hier besonders 44 (Trauer), 45 (Abschied) und 49 (La Passione).


    Letzte Frage: welcher Verein würde mit Mozart als Promi werben?

    Der Heilige Gral der Musik

    Ich weiß, dass das übertrieben ist; vor allem ist dieser Gral gar nicht mehr verborgen. Es handelt sich um die "Marienvesper" von Monteverdi. Das ist, glaube ich, das Stück, was ich seit 50 Jahren höre und das durch die sehr unterschiedlichen Interpretationen immer wieder neu ist.

    Dieser Ausschnitt ist nur ein "Appetithappen". Der Dirigent ist Howard Arman, einer der Top-Dirigenten für Alte Musik auf der Welt. Der Chor ist der des Bayrischen Rundfunks, der sonst alles singt. Aber Arman hat ihm schon den richtigen Tonfall beigebracht.

    Weitere atemberaubende Stücke werden hier folgen.

    Was mich immer auch fasziniert: in dieser Pracht muss man auch die großen Werke von Schütz spielen.


    41. Perlen der Übersetzung


    Beispiel 1: Latein

    In meiner Oberstufenzeit, Klassenarbeit Latein. Der Text: es wird von einer Belagerung berichtet. Am Ende der Schlacht kommen die Angehörigen, die die corpora volventes, d.h. sie, die Angehörigen, drehen die Leichen um. Natürlich um zu sehen, wo der tote Krieger die Wunden hatte. Vorne: im Kampf, ehrenhaft. Hinten: auf der Flucht, unehrenhaft. Einer unserer Mitschüler übersetzte dies: "die sich wälzenden Leichen".


    Beispiel 2: Einer meiner Freunde in der schon erwähnten Klasse war etwas schwach in Englisch. Als Heilmittel besorgte er sich ein Heft mit idiomatischen Ausdrücken, die er auswendig lernte. Schwanger sein heißt im Englischen to be pregnant oder to be with child. Im Deutschen gibt es den Ausdruck guter Hoffnung sein.

    In einem kleinen Aufsatz über die Erfindung der Dampfmaschine wollte unser Freund sagen, dass James Watt abends ins Bett ging und: er hatte die Hoffnung, am nächsten Tage seine Erfindung zu vollenden. Da schlug das Idioms-Heft zu. Er schrieb: he was with child...

    Als Theologe war dieses Buch für mich ein gefundenes "Fressen". Ich habe es bisher drei Mal gelesen und immer Neues entdeckt. Es geht um viele theologische Themen, z.B. über die Armutstheologie des Franziskus, diskutiert anhand der Frage: Hatte Jesus Geld? Darf die Kirche Reichtümer besitzen? (Übrigens fragen sich heute viele Katholiken, ob die Katholische Kirche nicht aus dem eigenen übergroßen Reichtum - etwa Immobilien in Kölns Hoher Straße - die Missbrauchsopfer großzügig entschädigen müsste).

    Der andere wichtige Punkt ist der Streit um "Realismus" und "Nominalismus", wobei die beiden Begriffe so ziemlich das Gegenteil bedeuten. Die "Realisten" sahen die Dinge der Welt (nach Platon) als irdische Abbilder der himmlischen Dinge, die Nominalisten sagten, dass die Dinge so heißen, wie wir sie benennen. Demnach ist die Rose eine Rose eine Rose, weil wir sie Rose nennen. Darauf spielt der Titel an. Auch eines der beiden Vorbilder der Figur des William von Baskerville ist hier verewigt, nämlich der Scholastiker Wilhelm von Occam. Der ist auch berühmt durch das Occamsche Rasiermesser, was besagt, dass bei verschiedenen Theorien die einfachste immer die beste ist.

    Der dritte Punkt bezieht sich auf die Poetik des Aristoteles. Eco erfindet, dass es einen zweiten Band dieser Poetik gibt, die Jorge von Burgos eifersüchtig bewacht. In dieser Poetik soll angeblich stehen, dass die Lust am Leben angenehm und erlaubt ist. Jorge ist einer von den vielen Kirchenführern, die die Lust als teuflisch diskreditieren. Da Aristoteles unter den Scholastikern einen so bedeutenden Ruf genießt, darf sie nicht gelesen werden. Diese Abwertung der Lust, des Körpers ist ja in der Katholischen Kirche heute noch aktuell. Beispiele braucht es hier nicht.

    Alle diese wichtigen Ideen können in einem Film natürlich nicht dargestellt werden.

    P.S. Es gibt viele köstliche Details im Buch, z.B. dieser running gag, dass der Abt beständig erzählt, dass er zu denen gehörte, die damals den toten Thomas Aquinas die Treppe herunter getragen haben.

    Monteverdi: Ave Maris Stella (Marienvesper)


    Die ganze Marienvesper ist zu schwer für Laienensembles, aber eines der Stücke, die gut aufzuführen sind, ist dieses. Ich habe es 2x gesungen und es war ein großes Erlebnis, in die faszinierende Monteverdi-Welt einzudringen.

    Auch zitiere ich eine Aufnahme aus den USA, nämlich aus Phoenix. Der Raumklang wird schon durch die Aufstellung deutlich. Auch hier überrascht es, wie mit wenigen Sängern (unterstützt durch Mikrophone) diese Pracht erreicht wird, deren Monteverdi immer bedarf.


    Das ganze Konzert beschäftigt sich mit mit venezianischen Komponisten, "Ave maris stella" beginnt bei 14' 20''.


    Vielleicht ist ein Faktor auch der, dass die Entdeckung neuer Opern eine Rolle spielt. Mit neu meine ich nicht zeitgenössische, sondern neu entdeckt. Auf zwei Trends möchte ich hinweisen. Es gibt z.B. eine ausgesprochene Janacek-Renaissance (zu meinem größten Vergnügen), dazu ein breites Repertoire der Barockoper, die z.T. auch von den großen Häusern gespielt werden (Händels Giulio Cesare in Düsseldorf).

    udohasso: Lortzings Regina wurde vor 40 Jahren in Oberhausen gespielt, als Oberhausen noch ein Drei-Sparten-Haus mit einem sehr kompetenten Intendanten war (Fritzdieter Gerhards). Das war eine tolle Oper!

    Israelis Brünnlein


    Die Motette "Was betrübst du dich meine Seele?" habe ich in meiner Chorlaufbahn in zwei verschiedenen Ensembles gesungen. Die Aufnahme hier stammt aus der Gesamtaufnahme von Philippe Herreweghe. Ein 5-köpfiges Ensemble unter Herreweghe hat vor einiger Zeit in der Essener Philharmonie das ganze Brünnlein aufgeführt - atemberaubend! Johann Hermann Schein war Thomaskantor; seine Sammlung hier kann man in der Qualität durchaus der "Geistlichen Chormusik" von Schütz an die Seite stellen. Schein wurde nicht alt (weniger als 50 Jahre), im Gegensatz zu Schütz, der über 80 wurde. Sie waren befreundet, und Schütz schrieb eine ergreifende Motette auf den Tod seines Freundes ("Es ist erschienen", auch diese Motette habe ich schon gesungen).

    Die Gesamtaufnahme mit Herreweghe hatte ich schon einige Zeit; nie hätte ich gedacht, dass ich das Israelisbrünnlein einmal ganz und in dieser Perfektion live hören würde.




    Ich hatte das Glück, Palestrina vor langer Zeit in Wien zu sehen und dann in den 80ern in Düsseldorf. Das ist tatsächlich eine Oper von Wagnerschen Ausmaßen, für die z.B. bei einer Neuinszenierung die gesamte deutsche Bass-Elite verpflichtet werden müsste.

    Perle zwei: Schischkov au dem "Totenhaus"


    Wenn der Kaufmann aber zwei kostbare Perlen findet, muss er beide kaufen.

    Meine Lieblingsaufnahme ist die aus Salzburg unter der kompetenten Leitung von Claudio Abbado. Es lohnt sich, die ganze Aufnahme anzuhören. In unserem Opernführer habe ich einiges über das "Totenhaus" geschrieben.

    Schischkovs Szene beginnt bei 1:02 (Minute 62).



    Die Perle - Janacek - Die Sache Makropulos - Beitrag 5000


    Dies ist mein 5000. Beitrag. Die Würdigung beginnt mit Matthäus 13, 45-46: "Wiederum ist das Reich der Himmel gleich einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte. Als er aber eine kostbare Perle gefunden hatte, ging er hin, verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie."

    Auf die Musik bezogen, ist das sehr häufig, dass man Perlen findet. Man erkennt sie daran, dass man ihrer nicht überdrüssig wird. Als Jugendlicher waren meine Götter Beethoven und Brahms, später dann Janacek und ab 40 mit dem Eintritt in ein Vokalensemble die Polyphonie (Palestrina) und Schütz und Bach.

    Beethoven und Brahms liebe ich immer noch, aber höre sie selten. Bei Janacek kann ich nicht zählen, wie oft ich seine Opern gehört habe. Die "kostbare Perle" sind eigentlich zwei: die Szene des Schischkov aus dem "Totenhaus" und die Schlussszene aus der "Sache Makropulos" (hier aus Glyndebourne mit Anja Silja).


    Joana Mallwitz in Salzburg - ein fesselndes Interview


    Das Interview spiegelt die Produktion von Cosi fan tutte in Salzburg, inszeniert von Christoph Loy. Tolle, Sänger, vorzügliche Dirigentin samt Orchester. Das Bühnenbild und die Kostüme minimalistisch, also eigentlich Regietheater, aber eines, das ich mir ansehen werde.


    Joana Mallwitz mit Schuberts Großer Sinfonie


    Ich glaube, jeder hier im Forum kennt und liebt sie, Schuberts "Große Sinfonie". Hier wird sie hinreißend dargeboten, dirigiert von Joana Mallwitz. Charme plus Präzision, mehr muss man dazu nicht sagen. Auch hier überzeugt die "Neue Bildregie", die viel mehr die beteiligten Musiker zeigt als den Dirigenten.


    Schuberts Oktett - Solisten können auch zusammen spielen


    Schuberts Oktett war die erste Platte, die ich nach dem Erwerb eines Plattenspieler in den 60er gekauft habe - ich habe sie zu Tode "geliebt", sie wurde dann ersetzt, insgesamt 3x.

    Hier haben wir eine Aufnahme mit ganz prominenten Solisten. Wunderbar zu sehen, wie differenziert sie spielen, vor allem die beiden Violinen sich ansehen, die ältere Geigerin und die junge Russin. So muss Kammermusik sein, ernsthaft, aber nicht verkrampft.

    Auch die Bildregie ist mustergültig, sie zeigt immer das Instrument, das ein Solo hat. Ein großes Plus ist auch, dass hier kein Dirigent dauernd gezeigt werden muss, der verzückt dreinsieht.


    Gut gelaunte Musiker - hinreißender Rameau


    Solisten, ein guter kleiner Chor, ein Orchester, das wohl die eigene Lieblingsmusik spielt, ein gutgelaunter Dirigent, der eine seiner Lieblingsmusiken dirigiert


    RE: Silvesterkonzert der Berliner PH mit Petrenko (ARTE)


    Wegen einem Gesichtsausdruck abzuschalten, halte ich für absolut verfehlt (um es harmlos auszudrücken =O).


    8)

    Bei allen TV-Konzerten geht es immer um Show, das war bei Karajan so, das ist heute nicht anders. Deswegen kann ich abschalten, wenn mir der Dirigent nicht gefällt. Ich könnte auch abschalten, wenn die Sopranistin im Kirchenkonzert schulterfrei oder in üppiger Robe auftaucht. Oft schalte ich auch wegen der Musik ab. Das Abschalten wird oft durch einen kleinen Fehler verursacht: "It´s the last straw that breaks the camel´s neck!" Also: ich kann abschalten, wenn ich will und bin hier niemandem Rechenschaft schuldig.:pfeif:

    Dottore,


    ich bemühe mich immer, dem Th.G. irgendwie nachzufühlen. Doch er stellt öfter so blöde Fragen. Theodor ist halt auch ein eleganter Mann und toller Dirigent und Bühnenstar (siehe Aufführung der Kourlianski- Idee), doch Th.G.s Cowboystiefel waren auch nicht ganz preiswert !^^^^^^

    Danke! Jetzt sehe ich etwas klarer! Du hast Recht, dass Stars sich auch als solche darstellen dürfen. Vor allem bei der Musik hat er tatsächlich eine tolle Figur gemacht.^^ Interviews liebe ich halt einfach nicht, und die von Th.G. überhaupt nicht.

    Mit dem Rachmaninoff war ich nicht vertraut. Im Gespräch mit Thomas Gottschalk erschien mir Currentzis in seiner total schwarzen Kluft etwas hochmütig. Die Sache mit dem Publikum war natürlich erstens von Haydn abgekupfert und zweitens konnte man sehen, dass praktisch keiner im Publikum mit dem Instrument zurecht kam. Dann ist es nur ein Gag. Das andere Konzert habe ich abgeschaltet, mich stört einfach das permanente Lächeln von Petrenko, und ich frage mich, warum er das macht.

    Ich würde noch hinzufügen: man liest jetzt Artikel, Bücher, Formulare mit*. Die ersten Fernsehsprecher stellen den * dar, indem sie eine Pause machen. Die Regierung setzt sich für eine Frauenquote für Vorstände ein, nicht aber für Bauarbeiterinnen (habt ihr auf den gefährlichen Autobahnen schon mal eine Bauarbeiterin gesehen?)

    Die Aufnahme des Weihnachtsoratoriums von Karl Richter ist auch meiner Ansicht nach die Reverenzaufnahme des Werkes schlechthin.

    Lustein

    Die Reverenzaufnahme (Reverenz=Verehrung) mag es sein, aber Referenz? In meiner Rubrik "Dr. Pingel´s Miniaturen" gibt es eine kleine Geschichte dazu (zu finden in Dr. Pingel´s Schreibtisch). Hier der Anfang:

    In ganz Deutschland wird jedes Jahr zu Weihnachten das Weihnachtsoratorium aufgeführt... In ganz Deutschland? Nein, eine verschworene kleine Truppe aus dem feindlichen Ausland (Österreich)...:pfeif:

    40. Jauchzet, frohlocket


    Weihnachten 2020. In ganz Deutschland (und im deutschsprachigen Raum) wird das Weihnachtsoratorium aufgeführt. Selbst der unbedeutendste Kantor irgendeiner Vorstadt hat ein kleines Orchester mit alten Instrumenten aufgetrieben, sich junge begabte Solisten aus der nächsten Musikhochschule gesucht und den unfähigsten Sängern aus seinem Chor die Mitwirkung untersagt.

    2020 zu Weihnachten wird in ganz Deutschland das Weihnachtsoratorium aufgeführt. In ganz Deutschland, Österreich, der Schweiz? Nein. In Wien hat sich eine verschworene Gemeinschaft gebildet, die ihr altes pompöses Weihnachtsoratorium nicht aufgeben will. Ihr Vorsitzender ist ein gewisser Schmidt-Wien, der zu diesem Behufe auch ein Klassikforum betreibt, "Ochsen-Forum" , genannt, was sich nicht auf die Mitglieder bezieht, sondern den Ochsen an der Krippe bezeichnet. Jedes Jahr Weihnachten wird irgendeine gemütliche Scheune aufgesucht, es wird ein Ochse gegrillt, aber vor allem natürlich die schöne alte Aufnahme des Weihnachtsoratoriums gespielt; 100 Vinylplatten gibt es davon als Reserve. Spötter behaupten, die Aufnahme stamme aus dem Mittelalter, sie ist aber aus den Sechzigern. Ihr Dirigiergott ist Karolus Judex. Bei der letzten Feier kam es zum Eklat, als der Vorsitzende Schmidt-Wien von einem Traum erzählte, in dem er auf Johann-Sebastian Bach getroffen war. Sie plauderten; schließlich fragte Schmidt Bach direkt nach dessen Meinung über Karolus Judex. Johann-Sebastian sagte nur: "Diesen Herrn kenne ich nicht!"

    Nach dem entstehenden Tumult wurde Schmidt-Wien aus dem Verein verbannt, der sich aber nicht auflöste, sondern jedes Jahr die oben beschriebene Weihnachtsfeier vollzog. Nur eine Änderung gab es: das Mitsingen war jetzt streng untersagt!