Beiträge von dr.pingel

    Ich muss sagen, dass Helmut Hofmanns Beitrag (91) - wie so oft - ein wohltuender Klassiker ist. Ich würde mir wünschen, dass er in diesen Debatten öfter zu Wort käme, habe aber volles Verständnis dafür, dass er es nicht tut, weil er sich hier nicht wohlfühlt. Mir geht es genau so, und manchmal, wenn ich nicht aufpasse, werde ich hier auch verhauen. Das übrigens oft zu Recht, nicht inhaltlich, aber weil ich mich als Esel aufs Eis begeben habe.

    Da bin aber glatt zu spät gekommen. Die aufgeführte Arie ist eine der schönsten ihrer Art, von allen Stars vernachlässigt. Im Bild, das auf dem Monde spielt, gibt es neben dem Rosenkavalier die schönsten Walzer.

    Aber ein As habe ich noch im Ärmel: Joseph Haydn, Il mondo della Luna. Da würde ich einigen kundigen Kollegen bitten, da mal ein paar Aufnahmen herauszusuchen, bei mir wird renoviert, da finde ich nix. (Kleine pingelige Anmerkung: Morgenschein statt Morgen schon. Ist ja auch poetischer:untertauch:)

    Mir fiel natürlich beim "Trovatore" (engl. "Troubledur") Leo Slezak ein, der in seinem sehr witzigen Opernführer gesagt hat: "Bei dieser Oper habe selbst ich keine Ahnung, was da vorgeht!" (So habe ich das Zitat im Kopf). Schade, dass Gerhard da noch nicht auf der Welt war. Bei der heutigen Aufführung der Zeffirelli-Inszenierung gefiel mir am besten der Japaner (wahlweise Koreaner) als Zigeuner.

    Ja, das hatte ich auch angenommen. Die ganze Sache hat mich verwirrt, weil so viele Beispiele zu Marius und Fanny eingegangen waren. Jedenfalls hatte ich Gerhard so verstanden. Vielleicht sollte ein Moderator die Sache dahin verschieben, denn da gehört sie tatsächlich hin!

    um die Hand der Tochter

    um die Hand ihrer Tochter Fanny

    dass noch ein Platz frei ist.

    dass doch noch

    Er rennt zum Hafen, kommt jedoch sofort wieder zurück, weil sein Vater dort steht. Da hilft ihm Fanny, die sich gerade in Césars Bar aufhält, durch dessen Keller zu entfliehen. Sie hält seinen Vater auf. Als das Schiff ablegt, bricht sie zusammen.

    Er rennt zum Hafen, sieht jedoch dort seinen Vater stehen. Er rennt zurück in die Hafenbar, wo er auf Fanny trifft. Sie hilft ihm, durch den Keller zu entkommen. Während sie den Vater aufhält, legt das Schiff ab. Sie bricht zusammen.

    Fanny mit Panisse zu verheiraten

    Panisse, dem Segeltuchmacher ( es ist immer wieder nützlich, zwischendurch die Rollen zu verdeutlichen...)

    auch Fanny küssen will,

    auch: weg (wen will er noch küssen?)

    Er erfährt von seinem Sohn, auf den

    Er erfährt, dass er einen Sohn hat, auf den....

    dürfe

    darf

    Aber auch Fanny beteuert, dass sie bei Panisse bleiben werde und César erklärt seinem Sohn

    Auch Fanny beteuert, dass sie bei Panisse bleiben will. César erklärt seinem.....

    Der Ursprung dieser Erzählung stammt von Platon und hat Gyges als zentrale Figur. Ich kenne die Geschichte als Drama von Friedrich Hebbel, der sie 1854 geschrieben hat. Sie heißt dort "Gyges und sein Ring". Wir haben dieses Stück wie auch Hebbels "Herodes und Mariamne" in der Oberstufe im Deutschunterricht besprochen. Das zentrale Motiv, der Ring, der unsichtbar macht, ist natürlich auch das Thema von Tolkien, wobei ich jetzt nicht weiß, wo er das herhat.

    Ich fand das Programm für eine Waldbühnenveranstaltung sehr anspruchsvoll. Die Ausführenden: Caruso hat uns damals Marianne Crebassa als Newcomer vorgestellt! Großartig. Die Auswahl von Romeo und Julia war hier rein nach Themen, ohne auf die Handlung Bezug zu nehmen, was in einem solchen Konzert absolut erlaubt ist. Das erste Stück, die sich auftürmenden Klangmassen, wo dann am Ende die hohen Streicher liegen bleiben, ist eine der besten Sachen, die Prokofiew geschrieben hat. Es taucht auch auf in meinem thread "Supernovae". Was das Publikum angeht, würde ich Rheingold zustimmen. Ich fand es sehr erfrischend, wenn die Kameras immer wieder in die Zuschauer zoomten. Für ein solches Programm muss ich sagen, dass das Publikum sogar sehr diszipliniert war. Und Prokofiew mit Bier, Wein und Frikadellen, das hat was, das hätte Prokofiew auch gefallen. Das einzige, was mir gefehlt hat, war der running gag, dass man gespannt war, wer die "Berliner Luft" dirigieren würde.

    Kammersänger wohl nicht, eher Planschbecken-Sänger. Übrigens, so gut wie Bob Dylan oder Herbert Grönemeyer singen sie in jedem Fall. Nicht vergessen wollen wir die Schlachtgesänge auf dem Fußballfeld von Arjen Robben.

    Ich bin rigoros. Ich besitze den Zyklus von der Academy of Ancient Music unter Christopher Hogwood, der bis zur Sinfonie 88 reicht und dann von diesen Schuften der Decca abgebrochen wurde. Die restlichen Sinfonien waren aber alle auch mit Originalinstrumenten verfügbar (Cappella Coloniensis, Bruno Weil, La petite bande und...und...). Was anderes kommt mir nicht ins Haus. Ich habe dann in einem 5jährigen Projekt alle Haydn-Sinfonien gehört, immer eine nach der anderen, manche 10-20x hintereinander. Vor allem in den Sturm-und-Drang-Werken (das sind die 40er) macht man aufregende Entdeckungen, etwa bei 44 (Trauer), 45 (Abschied), 49 (La Passione) oder 22 (Der Philosoph).

    Lieber Michael, wieder hast du ins Schwarze getroffen. Lobo als Komponist kenne ich natürlich, diese Aufnahme mit Tenebrae ist das Non-plus-ultra der Chormusik dieser Zeit. Intensiv, wie eine Stimme, schlackenlos! Ich glaube, Nigel Short singt auch mit. Auch das Requiem von Victoria ist die Referenzaufnahme mit diesem Ensemble, die habe ich natürlich auch. Ne irascaris von Byrd gehört zu den absolut besten Kompositionen der Polyphonie, auch das Ensemble ist tadellos. Dieses Stück habe ich schon gesungen in der Fassung für Sopran und 4stimmiges Männerensemble. Eine kleine Abschweifung: ich schätze Schubert sehr, die Lieder, die Klaviermusik, die große C-Dur-Sinfonie. Seine Chorstücke mag ich nicht besonders. Wir singen gerade seine Komposition über den Durchzug der Israeliten durch das Rote Meer, für Sopran, Chor und Klavier (Text von Grillparzer). Gerade wenn man die Musik in diesem hier Thema hört und liebt, kann man sich vor einem solchen Stück nur mit Grausen abwenden. Es ist gut gemacht, aber einfallslos. Dazu alles viel zu hoch und ein Gebrüll... also bei jeder Probe hasse ich das Stück mehr. Und woher kommt dieser "Hass"? Von der Perfektion der polyphonen Musik, etwa eines Werkes, das wir vorher gesungen haben, die "Lamentationens Jeremiae" von Tallis, wobei der 2. Teil aus Rücksicht auf den Chor gestrichen wurde, natürlich gegen meinen Willen.

    Noch zu Perotinus: ich war noch nie ein Freund des Hilliard-Ensembles. Der Grund ist einfach der: von jedem Stück, das die Hilliards singen, gibt es eine oder mehrere Aufnahmen von anderen Ensembles, die viel besser sind (Aussage einer Kritikerin: die Stücke, die die Hilliards singen, klingen vor allem - wie Stücke, die die Hilliards singen). Die ultimative Aufnahme von Perotinus und Machaut ist die mit dem Deller-Consort und dem Collegium Aureum. Fragt hier Joseph II., der weiß das auch.

    Ich habe jetzt in meiner neuen musikalischen Heimat, der Essener Philharmonie, 5 Konzerte fest gebucht, dazu weitere nach Bedarf. In der Reihe Alte Musik gibt es immer Karten an der Abendkasse. Hier meine Liste, ohne Daten und durcheinander. Wenn kein Orchester angegeben ist, spielen die Essener Philharmoniker.

    1. Orchestre de Champs-Elyées: Brahms Doppelkonzert, Dvorak 8. (meine Lieblingssinfonie von Dvorak)

    2. Strawinski Apollon, Schostakowitsch 15

    3. Le Concert d´Astrée: Rameau, Campra

    4. Händel Orlando, Franco Fagioli

    5. Bamberger Symphoniker, Ravel, Mahler 4

    6. Beethoven 10. (rekonstr. 1. Satz), Schuberts große S.

    7. Mahler 1, SWR-Orch., Currentzis

    8. Isabelle Faust, Bach Violinkonzerte

    9. Bruckner 4

    10. Karfreitag: Matthäuspassion Herreweghe ( der absolute Höhepunkt)

    11. Mahler 3

    12. Bruckner 8, Gewandhaus, Nelsons

    13 Dvorak 7

    14. Bruckner 9, Symph.Orchester des BR, Jansons

    15. Händel Alexanderfest

    16. Gurrelieder

    17. Dresdner Kammerchor, Schütz

    18. Bruckner, Messe 2, Sinf 2, Herreweghe

    19. Brahms 4

    20. Alle Brandenburgischen Konzerte, Concerto Copenhagen

    21. Les Arts Florissants, Gesualdo Madrigale

    22. Mahler Lieder (Gerhaher), Bruckner 6 (Mahler-Jugendorchester, Blomstedt)

    23. Weihnachtsoratorium zum Mitsingen


    Und das ist nur Essen. Duisburg, Düsseldorf, Bochumer Symphoniker, Dortmund, Neue Westfälische Philharmonie sind noch nicht drin, Essen aber ist von hier am bequemsten. Die Fahrt mit der Bahn ist im Ticketpreis mit drin! Take that, Berliner und Münchner!

    Aufgeben kommt für mich überhaupt nicht in Frage, es gibt hier trotz allem viele Anregungen, denn ich bin ja nicht nur Fan der Alten Musik, sondern auch der klassischen Moderne, wie Janacek, Prokofiew, Mahler, Strawinski, aber auch der modernen Entwicklungen wie z.B. Peteris Vasks.

    Was ich aber auf jeden Fall ändern werde, ist meine Haltung zu den Untouchables; da muss und da werde ich gelassener reagieren. Mein Vorbild hier ist Michael Müller, der immer locker und frech antwortet.

    Parallel zu meinen eigenen Sammlungen und den Tipps hier habe ich in der Essener Philharmonie eine Veranstaltungsreihe, die "Alte Musik bei Kerzenschein" heißt. Die vergangene Saison war sensationell, die neue verspricht es auch. Ein Abo habe ich nicht mehr, weil man an der Abendkasse immer Karten bekommt.

    P.S. Ich sehe gerade, dass Holger mitliest. Vielleicht könnte er mehr über die Alte Musik schreiben!!

    Da ist was dran. Nach dem Abgang von gombert und bachiania befinden wir wenigen Liebhaber Alter Musik uns ein wenig auf verlorenem Posten. Immerhin schreiben Michael Müller und bertarido weiter, auch Alfred ist fast immer dabei. Ich kenne zwar sehr viel Alte Musik, besonders Chormusik, weil ich auch viel gesungen habe. Aber so richtig schreiben kann ich darüber nicht. Immerhin kann man Tipps (besonders für CDs) geben. Das hat bei mir gut funktioniert, ich habe hier meinen Horizont sehr erweitert. Daher würde ich das nicht als Zeitverschwendung ansehen, obwohl ich dir, lieber Bachianer zustimmen muss mit der Schilderung der Truppe hier.

    Nachwort: die 5 Lieblingsjahrhunderte der Taminos:

    1. 19. Jh.

    2. 19. Jh

    3. 19. Jh

    4. 19.Jh

    5. 19.Jh

    danach kommt 5x das 18.Jh.

    2013 sangen wir hier im Vorstadtchor den "Messias", wobei ich zu den Proben erst später stieß. Der Kantor wollte es unbedingt auf Englisch. Als erstes habe ich jede Menge Fehler bei der Aussprache korrigieren müssen (ich bin Hobby-Anglist), denn die Hälfte des Chores konnte zu wenig. Und dass der deutsche Text nur schrecklich ist, kann ich auch nicht finden, weil sehr oft Bibeltexte zitiert werden, und zwar im Lutherdeutsch.

    Sollte es wirklich einen Streit geben, ob es Hallelujah oder Hällelujah heißen muss? Oder am Schluss singen alle natürlich Amen und nicht Eimen, wie es korrekt wäre.

    Lieber Holger, du hast Recht. Aber bei der Katja packt es mich stärker, wenn sie schreit: "...und ich muss sterben!" als wenn sie es auf tschechisch ruft (mrt ist der Stamm des Wortes für sterben. 3 Konsonanten hintereinander!). Auch wenn sich die Sprachmelodie auflöst, das dahinter stehende Gefühl macht das wieder wett.

    P.S. Woran sind sie in Münster bei "Taras Bulba" gescheitert. Das ist doch ein Orchesterstück!

    Hast du schon den Prokofiew gesehen?

    Ich denke, dass in der Oper Übersetzungen nicht so tragisch sind, weil da ja immer noch die Musik ist. Eine andere Lösung ist tatsächlich, Untertitel zu verwenden. Ich habe eine großartige Aufnahme der Sache Makropulos aus Glyndebourne (mit Anja Silja in Hochform), da funktioniert das gut, aber auch deshalb, weil ich diese Oper so gut kenne.

    Zum Thema der Unübersetzbarkeit. Einer der großartigsten, witzigsten und originellsten Schriftsteller der USA ist Damon Runyon, der Kurzgeschichten aus dem New Yorker Ganoven-Milieu geschrieben hat, die hier unter Schwere Jungs und leichte Mädchen unter Wert angeboten werden. Er hat eine Sprache entwickelt, die nur das Präsens kennt und die man auch als Runyonese bezeichnet. Ein wenig davon kann ich auch, aber es ist sonnenklar, dass diese Texte unübersetzbar sind. Ein anderes Beispiel sind die Short Stories aus dem amerikanischen Bürgerkrieg, die Ambrose Bierce geschrieben hat. Auch die sind wegen Inhalts und Stils nicht übersetzbar.

    Holger hat das treffend beschrieben: wenn der Preis zu hoch ist, soll man die Finger davon lassen. Das ist bei Gedichten fast immer der Fall, bei der Oper kann man eher Kompromisse machen.

    Ich möchte auf die Sprache in den Janacek-Opern rekurrieren. Ich habe mit der Jenufa angefangen (aus dem Radio), sie wurde deutsch gesungen und man konnte jedes Wort verstehen. Deshalb denke ich, die Janacek-Opern kann man erst auf Tschechisch genießen, wenn man weiß, was da passiert. Dazu kommt das Problem, dass Tschechisch so fremd ist, dass man lange Probenzeiten braucht, das zu lernen (mit Italienisch geht das einfacher). Selbst dann noch singen die meisten Sänger einen Text, den sie selbst nicht verstehen. Das kann für die Emotion nicht vorteilhaft sein. Zudem berichtet ein tschechischer Bekannter, dass sie nicht gerne in eine Janacek-Oper außerhalb von Tschechien gehen, weil sie das Tschechisch der nichttschechischen Sänger absolut lächerlich finden, was bei den ernsten Stellen nicht unbedingt so gut ist.

    Ich möchte hier noch ein Beispiel bringen, das ich schon öfter zitiert habe, das aber die Problematik deutlich macht. Vor Jahren gab es in Münster Katja Kabanowa mit einem tollen Orchester (unter Fabrizio Ventura) und großartigen jungen Sängern, von denen ich nicht einen einzigen kannte (ja, ja, die Sänger*innen auch). Es wurde deutsch gesungen (in einer neuen Übersetzung) mit deutschen Übertiteln.

    Der Schluss der Katja ist ja von ungeheurer Wucht. Sie singt in einem Monolog, wie schön die Blumen blühen, wie sie Vögel bewundert - und plötzlich bricht es aus ihr heraus "...und ich muss sterben!" Sie springt in den Fluss und wurde in Münster auch klatschnass wieder auf die Bühne gebracht. Das Orchester in Aufruhr, die meisten Zuschauer, also ich auf jeden Fall, obwohl ich das Stück gut kenne, klammern sich an ihre Sitze.

    Ideal ist bei Janacek, wenn man die Opern gut kennt, dann kann man sie auch im Original hören. Ich nehme dazu die Klavierauszüge, bei denen neben dem Originaltext auch die Übersetzung von Max Brod abgedruckt ist.

    Max Brod war ja nicht nur der Förderer Janaceks in Deutschland, sondern auch der von Franz Kafka. Wäre Kafka so faszinierend und berühmt, wenn er auf Tschechisch geschrieben hätte?

    William Byrd, Ne Irascaris Domine, Stile Antico - noch so ein vibratoarmer, klarstimmiger, seidenweicher, exakter Kleinchor (12 Personen) aus England. Sie haben zudem keinen Dirigenten.


    Ein Stück zum Dahinschmelzen von einem englischen Komponisten, der vor fast 400 Jahren gestorben ist.


    Ich habe über dieses Stück irgendwo hier im Forum geschrieben. Wir haben das als Männerchor mit 2 Frauen in der Oberstimme gesungen. Ich habe damals einige Aufnahmen verglichen; die obige mit stile (nicht Sile!) antico war die beste und so gut, dass man die anderen nicht hören muss. Vorbildlich und nicht die Regel sind die Bässe (geteilt), selbst bei guten Ensembles gibt es oft nur Baritone, aber selten so richtig schwarze Bässe. Beachtenswert ist auch die Abschattung der Lautstärken.

    Unsere Aufführung war passabel, aber bei YouTube stellen wir natürlich nichts ein.

    Lieber Michael, ich habe gerade Handwerker, kannst nicht auch mal hier die "Lamentationes Jeremiae" von Tallis einstellen? Hintergründe zu dieser Komposition findet man in meinem thread "Jerusalem 586 ante".

    Chapeau! :jubel::jubel::jubel:

    Ich habe immerhin Ersatz gehabt im Chorsingen. Ab 1982 habe ich in verschiedenen Vokalensembles gesungen und kann es bis heute.

    Nachtrag zu Dorothee Oberlinger: in einem Satz des Vivaldi-Konzertes gab es einige sehr virtuose Takte, die von flautino solo zu spielen waren, was ein ziemlich kleines Instrument ist. Ich saß etwa Reihe 22; das Instrument war glasklar zu hören.

    Jeder kennt natürlich die Spannungen, die in der Familie entstehen, wenn ein Kind das Spielen der Blockflöte erlernt. Eine meiner schrecklichsten Untaten war es, im Alter von 35 Jahren von meinem Kantor die Blockflöte zu lernen. Es war ein Desaster, das wir zum Glück ziemlich schnell wieder aufgegeben haben.

    Meine erste Stelle als Politiklehrer war in Essen am Helmholtzgymnasium. Da gab es eine Lehrerin (keine Musiklehrerin!!), die einen Flötenchor hatte. Es waren alles Jungs (wir hatten keine Mädchen), und es waren 50 Stück. Zum ersten Mal traten sie in der Aula auf, wo ich arglos als Zuhörer saß. Ich weiß nicht mehr, ob es ein Krankenwagen oder ein Sauerstoffzelt war, was mich rettete. Später erfuhr ich, dass der Leiter eines nahegelegenen Gefängnisses den Auftritt dieser Band nicht genehmigt hatte. Der Grund: Verbot von Folterungen.

    Gestern nun war ich in einem Konzert in der Essener Philharmonie mit einem tollen Ensemble auf barocken Instrumenten, die im Stehen spielten. Da gab es dann barocke Concerti (z.B. Corelli) und dann Flötenkonzerte etwa von Vivaldi und Telemann. Solistin: Dorothee Oberlinger. ATEMBERAUBEND. Das Konzert für Flautino und Streichorchester war von Vivaldi. Unfassbar die technische Perfektion der Solistin, die in diesem Konzert wohl lauter 64tel spielen musste. Sie spielte jedenfalls schneller als ich hören konnte. In diesem Konzert gibt es eine absolut virtuose Passage für flautino. Ich saß ganz oben, jeder Ton dieser Flöte war glasklar zu hören. Der Höhepunkt kam am Schluss: Bachs 4. Brandenburgisches Konzert, zu dem sich ein 2. Blockflötist gesellte. Das war natürlich von der Komposition der absolute Höhepunkt. Ich habe dann die Zugabe nicht gehört, weil mein Prinzip dieses ist: nach Bach möchte ich keine Zugabe(n) hören. Das Publikum in Essen bei alter Musik ist so sensationell wie die Musiker: keine Handys, kein Husten, kein Gequatsche. Dafür am Schluss Riesenbeifall.

    Also: meine Blockflötenversuche und die der Jungs sind vom Niveau her Tretroller, Dorothee Oberlinger der ICE. Sie kommt 2020 wieder.

    Die Sache ist doch einfach: Kunst ist, was auf dem Kunstmarkt als Kunst verkauft wird. Man hat z.B. ein Bild, nein, ein großformatiges Foto, von Gerhard Richter irgendwo gefunden, wo nur ein blauer Himmel und drei weiße Wolken zu sehen sind. Ich bin ein ganz guter Fotograf und habe 50 schönere Wolkenbilder als das von Richter, aber ich würde mich nie als Künstler bezeichnen.

    Wer denn zum Beispiel? Mir fällt spontan niemand ein.

    Ich möchte das hier nicht nennen, habe aber nach jeder Attacke von ihm auf mich ihn daran erinnert, dass er mal in dieser Hinsicht produktiv werden sollte. Du bist natürlich nicht damit gemeint, trotz aller Auseinandersetzungen bist du ja ein produktives Mitglied. Das habe ich ja auch bei der Debatte um Nemorino sehr deutlich gesagt. Zu dieser Debatte möchte ich noch dies nachtragen: ich hatte vorgeschlagen, dass man deine Beiträge moderieren sollte. Ich bin in Blogs , bei denen das mit allen Beiträgen gemacht wird. Aber für einen Einzelnen ist das Unsinn, denn wenn mir das geschehen würde, würde ich austreten. Das nehme ich ausdrücklich zurück.