Beiträge von Dr. Pingel

    Lieber musikalischer Wandervogel!

    Danke für diese Übersicht, mit der kann ich jetzt das ganze Werk noch besser hören. Kleine Korrektur: es heißt durch weg "L´Amfiparnaso) mit nur einem -s-. Für die Aussprache im Italienischen macht es wohl keinen Unterschied.

    Was mir auffiel an diesem Clip, wie gut wirklich die Beteiligten sind. Da spielt ein richtig gutes Jugendsymphonieorchester aus Wien. Sie spielen auch nicht nur ihre Instrumente sehr gekonnt, sondern wirken bei allen Pointen mit, die absolut genau sitzen. Sie erfüllen damit ein Grundgesetz dieses Humors: die Pointen müssen aus dem Können und dem Beherrschen des Instruments entstehen, nicht aus dem Versagen.

    Ich habe jetzt gelesen, dass Daniel Barenboim erzählt hat, dass er öfter nach dem Frühstück sich sofort wieder hinlegt. Das fand ich sehr sympathisch. Wir sind ja keine Napoleone, der alle als Memmen beschimpft hat, die mehr als 4 Stunden nachts schlafen. Ich habe jedenfalls immer gefunden, dass Schlafen ein wunderbares kostenloses Medikament der Natur ist, besonders natürlich jetzt. Wer meint, dass man dabei zuviel verpasst, betrügt sich ja selber, denn die meisten Dinge, die man ausgeschlafen tut, gelingen besser.

    Als damals die Gesamtschule etabliert und der Nachmittagsunterricht als Regel eingeführt wurde, habe ich mir folgende Sentenz ausgedacht: "Mittags gehört ein Lehrer aufs Sofa und Kinder auf die Straße!" Fast alle Lehrer erklären nach der Pensionierung, dass es im Ruhestand zwei Genüsse mehr gibt, nämlich Ausschlafen und die Erlösung vom ständigen Lärm.

    Eine Comicfigur beherrscht das noch besser als ich: Dagwood (Dankwart), der Mann von Blondie. Ich meine, er hätte den Power Nap erfunden.8-) Dabei gibt es in letzter Zeit viele Bestrebungen, die Mittagspause mit kurzen naps zu versehen, um das Mittagstief zu überstehen.

    Hier im Forum werde ich wohl mal registrieren, welche Taminos notorisch in der Mittagszeit schreiben.:untertauch: Die andere Gruppe wäre die, die sich die Nächte um die Ohren haut. Vielleicht könnte man Tamino-Flügel davon bilden...

    Was kommt jetzt ?

    Beethoven ist nie verkehrt

    Auch nicht , wenn es sich um sein angeblich schwächstes Werk handelt: Die 9. Sinfonie

    Aber das ist nur eine Vermutung. Die angebliche Schwäckhe der Sinfonie ist eher durch die Interpretationen begründet - durch die Nichteinhaltung des vorgeschriebenen Tempos.

    Die schlechteste Sinfonie von Beethoven ist die 10., sie ist so schlecht, dass sie nie erschien und im Moment vergeblich rekonstruiert wird.

    Entlich ist es mir gelunngen, Alfreds "mfg aus Wien" zu endziffern. Im Konntext seiner kreahtiven Orthogravvy kann es nur haißen: "mit fielen Grüßen aus Wien".

    Ich lese gerade dicke Romane, die ich von früher kenne. Welche Überraschung, denn man steigt ja nie in denselben Fluss. Es sind völlig andere Bücher als ich sie in Erinnerung habe. Gilt für Faust, Werther, Wilhelm Meister, Dichtung und Wahrheit und im Moment "Der brave Soldat Schwejk", ein Buch, das auch von MSchenk geschätzt wird. Über alles werde ich noch berichten, allerdings kürzer als die Werke selbst (alle ca. 700 Seiten).

    Stimmt, Werther nicht. Allerdings sind die psychischen Kosten bei diesem Elend so hoch, als ob er 700 Seiten hätte.

    @Rodolfo: Ist das nicht die alleinige Domäne von unserem chrissy?

    Ich werde am Karfreitag sehr traurig sein, denn ich hätte meine absolute Referenzaufnahme der Matthäuspassion unter Herreweghe (2010, live aus Köln, zum Glück mitgeschnitten) live in der Essener Philharmonie erleben können; eine Karte hatte ich auch schon.

    Öfter werden hier die Matthäuspassion und die Johannespassion verglichen. Es handelt sich um zwei grundverschiedene Werke. Die Johannespassion ist für mich die Oper, die Bach ja nie geschrieben hat. Die beiden Chöre "Kreuzige, kreuzige" und "Weg, weg mit ihm, kreuzige" gehören zu den rasantesten Chören, die je (das heißt: bis heute!) geschrieben wurden.

    Ich habe diese Passion in vier verschiedenen Ensembles gesungen. Am besten klingt sie, wenn sie von einem Kammerchor (25-30 Sänger) aufgeführt wird, denn nur trainierte Sänger in kleiner Besetzung können diese anspruchsvollen Kompositionen bewältigen. Auch das Orchester sollte klein und fein sein. In allen Chören waren wir immer ergriffen vom Schlusschor "Ruhet wohl, ihr heiligen Gebeine", dem dann noch ein Choral folgt, der diese Ergriffenheit wieder in Zuversicht ummünzt ("Ach Herr, lass dein lieb Engelein").

    Die Matthäuspassion ist ein viel kontemplativeres Werk, auch wenn es kompositorische Highlights hat wie "So ist mein Jesus nun gefangen", gefolgt vom Sturm des "Sind Blitze, sind Donner", das Rossini nicht hätte besser machen können. Bei der Matthäuspassion gibt es auch zwei Chöre, dazu ein Kinderchor. Das verleitet immer noch viele Dirigenten und Kantoren, das Werk als Monumentalwerk (sozusagen ein "akustischer Sandalenfilm") aufzuführen. In meiner Jugend in Düsseldorf sowieso, zuerst schoben sich immer 8 Kontrabässe rein, dann der Rest. Im letzten Jahr in Wuppertal auch: 100 Mann im Orchester, 120 im Chor.. Ich könnte meinen Beethoven-Spruch (den Alfred so liebevoll zitiert) so variieren, dass auch Dirigenten, die die Matthäuspassion in dieser Form aufführen, wegen Fälschung großer Kunstwerke die gleiche Strafe ertragen müssen wie die Fälscher von Beethoven-Sinfonien.


    P.S. Hier ein Geständnis: es gibt in der Johannespassion einen Chor, in dem ein Dialog mit dem Bass stattfindet. Der singt: "Eilt, ihr angefochtnen Seelen", der Chor fragt: "Wohin?", und das nicht nur einmal. Weder von den Einsätzen noch von den Tönen habe ich das je richtig gesungen, bei der letzten Aufführung habe ich nur so getan ...:untertauch: Also wie bei dem Cluster von Penderecki: es wird überall nur mit Wasser gekocht.

    Lieber Alfred, ich habe auch keine Langeweile. Wenn ich frei hab, dann lese ich, nehme mir die Streams auf, die von den Opernhäusern angeboten werden oder. anstatt neue DVDs zu bestellen, schaue ucu mir meine alten DVDs an. Und dann hab ich noch zwei Wellensittiche, und natürlich den Haushalt.

    Darf man fragen, wie sie heißen? Für einen Opernfreak wie dich gibt es ja genug Paare. Ich wäre für Waldorf und Statler oder Fafner und Fasolt!

    Samuel Barber Adagio for Strings - Agnus Dei


    Vlaams Radiokoor


    Dieses Agnus Dei von Samuel Barber geht zurück auf ein Adagio for Strings von 1936, eine Zweitverwertung also, allerdings eine gelungene. Es ist für gemischten Chor, der ab und zu in mehrere Stimmen aufgeteilt wird. Diese Fassung stammt aus dem Jahr 1967. Dieses Stück ist ganz Klang, der Text wird vorausgesetzt. Für einen Chor erfordert das große Disziplin. Die beste Aufnahme bei YouTube stammt diesmal nicht von Voces8, sondern vom Vlaams Radiokoor unter Marcus Creed. Marcus Creed war lange Jahre Leiter des Rias-Kammerchores, bevor er nach Stuttgart wechselte.

    Besonders an dieser Aufnahme ist, dass der Chor tatsächlich so genau und klangschön singt als wäre er ein Streichorchester. In dieser Perfektion (die Aufnahme entstand 2015) gehört er in die oberste Liga mit Voces8, Hesperion XXI oder Tenebrae.

    Dieses Stück ist oft als Filmmusik gebraucht worden, auch bei den Simpsons. Besonders gefragt ist es als Trauermusik, etwa bei den Beerdigungen von Roosevelt, John F. Kennedy, Grace Kelly, Albert Einstein, sowie zu den Feiern zu Nineeleven.

    Interessant fand ich bei diesem Chor die Aufstellung. Die Frauen vorne (13), die Männer hinten (11): die ideale Stärke sogar für große Werke, nicht die Matthäuspassion, aber die Johannespassion. Es handelt sich um Profis, da singt jeder für zwei. Dazu wird hier im Sitzen gesungen. Ich habe es bei mir selber gemerkt, wie sehr das lange Stehen und das Halten der Noten die physische Kraft schwächt, die man bei längeren Chorwerken unbedingt braucht. Sonst tritt eine Kurzatmigkeit ein, die den Klang nicht gerade verschönert. Dazu für jeden ein beleuchtetes Pult, sodass man die Noten nicht halten muss, was oft auch Verkrampfungen auslöst. Das sind alles Dinge, die der Zuhörer nicht wahrnimmt, aber für jeden Chorsänger essentiell sind, vor allem im vorgerückten Alter.

    Wir haben dieses Stück 2018 gesungen. Von den Tönen ist es nicht schwer, aber die lang auszuhaltenden Werte und die Dynamik sind sehr anspruchsvoll.

    Die hier vorliegende Aufnahme: Vlaams Radiokoor unter Marcus Creed (2015).


    Three: Small Texts and Big Jokes


    *Now one Sunday evening The Sky (ein Spitzname) is walking along Broadway, and at the corner of the Forty-ninth street he comes upon a little bunch of mission workers who are holding a religious meeting, such as mission workers love to do of a Sunday evening, the idea being that they may round up a few sinners here and there, although personally I always claim the mission workers come out too early to catch any sinners on this part of Broadway. At such an hour the sinners are still in bed resting up from their sinning of the night before, so they will be in good shape for more sinning later on.

    (Damon Runyon, died 1946, The Idyll of Miss Sarah Brown).

    Fortsetzung:

    There are only four of these mission workers, and two of these are old guys, and one is an old doll, while the other is a young doll who is tootling on a cornet. And after a couple of ganders at this young doll, The Sky is a goner, for this is one of the most beautiful young dolls anybody sees on Broadway, and especially as a mission worker. Her name is Miss Sarah Brown.


    *A woman is showing a huge diamond on her finger to some new friends. "This is the Klopman diamond, worth millions of dollars, but there is a terrible curse that goes with it!" "What is it?", ask her friends breathlessly. "Mr. Klopman!"


    * Guest to the waiter: "Please, how do you prepare your chicken?" Waiter: "Oh, nothing special; we tell them they´re gonna die!"


    *DUCK TEST

    If it looks like a duck, swims like a duck, and quacks like a duck, it is probably a duck.


    * Would you rather love the more, and suffer the more; or love the less, and suffer the less?

    Of course this is not a real question, because we do not have the choice. Who can control how much they love? If you can control it, then it isn´t love. I don´t know what you call it instead but it isn´t love.

    (Julian Barnes)


    * What were the gangster´s last words? "Who put that violin in my violin case?"


    *(Ein Cartoon)

    Ein Mann sitzt am Schreibtisch, hinter ihm ein großes Schild: "Society for Asking Stupid Questions". Vor ihm steht ein Mann, der fragt: "Excuse me, is this the Society for Asking Stupid Questions?"

    Ich glaube nach der Lektüre dieses Themas, dass ich hier der einzige bin, der schon mal was von Penderecki aufgeführt hat. Es ist das Agnus dei von 1981. Ich habe das erläutert in meinem "Schreibtisch" unter dem Thema "Dr. Pingel´s Chorbuch". Wir waren damals der 2. Chor in Deutschland, der das aufgeführt hat. Nicht wenig überrascht war ich, als ich hier las, dass Penderecki einen Hang zu Clustern hat, im Agnus Dei ist nämlich auch einer. Da bekommt jeder im Chor seinen eigenen Ton, den er mehr oder weniger treffen muss. Bei mir war das deutlich weniger, außerdem bei jeder Aufführung ein anderer. Beruhigend, dass unsere Chorleiterin das trotz ihres absoluten Gehörs nicht hören konnte. Da war ich fein heraus ...

    Penderecki Agnus Dei


    agnus dei



    Ein sehr bekanntes, aufregendes Agnus Dei schrieb K. Penderecki (gest. 29.3.2020) zum Tode seines Freundes, Kardinal Wyszynski, im Jahr 1981. Es wurde später ein Teil seines "Polnischen Requiems". Uraufgeführt unter Leitung des Komponisten wurde es 1982 in Nürnberg anlässlich der Orgelwoche, gesungen vom Chor des Süddeutschen Rundfunks. Wir (das Vokalensemble Fulerum, Essen) waren der 2. Chor in Deutschland. Es war schon ziemlich schwer. Es fängt klassisch-ruhig an, steigert sich dann bis zu einem Cluster (in der Regel bei 4'00''). Da hat jeder Sänger seinen eigenen Ton, den er mehr oder weniger trifft. Bei mir es eher weniger und bei jeder Aufführung ein anderer! Ideal war, dass eine solche Abweichung auch von unserer Dirigentin mit ihrem absoluten Gehör nicht zu kontrollieren war. Bei YouTube gibt es jede Menge Fassungen. Bei einem Chor gibt es die etwas groteske Szene, dass alle bis auf 4 auswendig singen. Tabu!

    Dieser von mir ausgewählte Chor ist der klangschönste, auch wenn ich nicht weiß, wer oder was Hover ist.

    Zum Tode seines Freundes Rostropovitch (Cellist!) arbeitete Penderecki das Werk für 8 Celli um. Es ist fast noch besser als das Chorstück, ist aber keins und passt deshalb hier nicht. Bei YouTube kann man es hören.


    Tamino monteverdi fragte nach der schönsten Vertonung des Agnus Dei. Meine Wahl fiel auf die beiden "Agnus Dei" aus der "Missa Papae Marcelli" von Palestrina. Die Messe markiert einen Wendepunkt in meiner Chorkarriere vom Kirchenchor zum Vokalensemble. In diesem Ensemble (Vokalensemble Fulerum, Essen) brachten unsere beiden Leiter eines Tages die missa papae Marcelli mit. Der Sage nach war das die Mustermesse, die Palestrina auf dem Tridentiner Konzil vorgelegt haben soll. Das Ziel: wieder größere Schlichtheit und Textverständlichkeit der Messe. Pfitzner hat dieses Sujet zu einer großartigen Oper gemacht, eine meiner Lieblingsopern (also auf Janacek-Höhe).

    Die ersten Sätze der Messe lösten bei uns ein ehrfürchtiges Staunen aus, wie man so wunderbare Musik komponieren konnte; und wir kannten viel Chormusik (Schütz, Bach). Die beiden agnus dei aber machten uns sprachlos. Wir haben dann lange daran geübt, manchmal bis zu drei Stunden, ohne dass jemand gemeutert hätte. Dann haben wir die Messe oft aufgeführt, einmal sogar als Messteile in einer regulären katholischen Messe.

    Für mich war es der "Beginn einer wunderbaren Freundschaft". Faszinierend war jetzt, eine richtige Stimme zu singen, gleichberechtigt mit allen anderen. Dabei ist etwa zwischen Tenor 1 und Tenor 2 kein Unterschied in der Wertigkeit Am Anfang ist das nicht leicht, weil man nicht rauskommen darf.

    Unser Ensemble hatte als Grundlage, dass wir immer an einem langen, schweren Stück geprobt haben, möglichst aus der Alten Musik. Es ist fazinierend, dabei zu sehen, wie aus dem anfänglichen Lernen der Töne richtige Musik und dann eine überzeugende Interpretation wird.

    Leider konnte ich nicht herausfinden, welches Ensemble hier singt, es trotzdem großartig (ich tippe auf England, z.B. auf die Tallis Scholars).

    Byrd "Ne irascaris" und "Civitas sancti" (Fortsetzung)


    Dieses Werk ist hier schon öfter vorgestellt worden, etwa auch von Michael Müller. Die drei besten Aufnahmen sind die von "Voces8" (Sopran 2, Altus 2, Tenor 2, Bass 1, Bass2); eine schlackenlose, intensive, aber zurückgenommene Aufnahme, deren Grundton Resignation ist. Dann "Stile antico" in größerer Besetzung; hier ist der Grundton Verzweiflung, daher ist die gesungene Emotion stärker als bei Voces8.

    Das dritte sehr gute Ensemble wird oben vorgestellt.

    Ein Ensemble wäre noch zu nennen, ein Chor aus der Kathedrale in Durham; dort kann man das Stück anhand der laufenden Noten verfolgen. Auch in großer Besetzung klingt hier das Stück sehr gut, ein weiterer Beweis für die Qualität englischer Chöre.

    Dazu dann noch die vielen Versuche, die eigentlich in die "Abteilung YouFail gehören; so furchtbare Aufnahmen, dass ich sie hier nicht zu Ehren bringen will.

    Der Text bezieht sich auf den Fall Jerusalems 586 (ante) und die Babylonische Gefangenschaft. Dazu habe ich ein eigenes Thema hier im Forum verfasst (Titel: "Jerusalem 586 ante").

    Wir haben das Stück Karfreitag 2019 mit unserem kleinen Männerensemble aufgeführt, ergänzt durch 2 Soprane (keine Angst, es findet sich nicht bei YouTube). Leider war es die letzte Aufführung unseres Männerensembles, das sich aufgrund persönlicher Schicksalsschläge auflösen musste. Übrigens sollte man ein Männerensemble nicht mit einem Männerchor verwechseln.

    Vorwort

    In diesem Chorbuch werden Stücke versammelt, die ich als Chorsänger schon gesungen habe. Dabei wird es keinen Unterschied geben zwischen Kirchenchor, Schola, Männerensemble und Vokalensemble. Es wird auch keinen Unterschied nach Jahrhunderten geben. Ars nova, Polyphonie, Barock, Klassik, Moderne Klassik, Moderne (hier z.B. ein "Agnus Dei" von Penderecki, der heute - 29.3.2020 - gestorben ist).

    Ich werde die Stücke YouTube entnehmen, wobei nicht gesagt ist, dass wir beim Singen die gleiche Qualität hatten. Zu jedem der Stücke habe ich die Noten oder die Noten laufen bei YouTube praktischerweise mit. Der Sinn ist, mit Noten die Stücke wieder aufzufrischen; das geht nur, wenn man mitsingt (Home Office in besonderer Art). Die großen Chorwerke (Bach, Händel, Schütz) werden irgendwann auch drankommen, dann aber nicht in ganzer Länge, sondern in markanten Ausschnitten (nur Chöre). In der Johannespassion wären das die Chöre "Kreuzige, kreuzige", "Weg mit ihm, kreuzige", "Lasset uns den nicht zerteilen" und der Schlusschor "Ruhet wohl, ihr heiligen Gebeine"; im "Messias" "Durch seine Wunden sind wir geheilet". Dieser Chor bereitet vielen Laienchören Mühe, weil er im älteren Stil der Polyphonie geschrieben ist, den diese Chöre so gut wie nie gesungen haben. Sowieso ist das Singen polyphoner Musik sehr hilfreich für die Bewältigung von Schütz, Händel und Bach.


    William Byrd, Ne irascaris domine/civitas sancti.


    Ich habe gestern zufällig 3sat eingeschaltet und noch den Schluss von "Aida" gesehen. Den Schluss kenne ich gut schon aus Kindertagen, damals gab es eine Platte mit "Aida", auf der Renata Tebaldi und Mario del Monaco (MDM:hello:) zu hören waren. Wir als Kids waren schon involviert in den Glaubensstreit, wer das bessere Team war, Tebaldi und Monaco oder Callas und... (weiß das einer?). Wir waren damals schon der Überzeugung, dass Tebaldi und Monaco besser singen konnten, aber das sind Kindertage...

    Aida: Gestern sang die Netrebko und ein Tenor, den ich nicht kannte, Dirigent Muti. Ich war sehr angetan, vor allem vom Tenor, der ein gutes pianissimo auf in der Höhe hatte. Ich schätze nicht alle Verdi-Opern, aber er hat schon wunderbare Sachen geschrieben, wie diesen Schluss z.B.

    Danach irgendwann in der Nacht Netrebko plus Ehemann. Netrebko: gut, aber zuviel Tremolo. Der Ehemann: man weiß ja, wie der an Engagements kommt.:untertauch: Vielleicht findet sich hier ein Verteidiger.


    Ich sehe gerade, dass das Konzert schon 2017 in der Waldbühne stattgefunden hat.


    Nachtrag: heute in Arte.


    16.55 Barcelona, Münchner Philharmoniker, unter Gustavo Dudamel: Mahler 2.

    20.15 Gangsterfilm, mit Lino Ventura, Regie J.P. Melville, ab 22.40 ein Porträt von ihm

    23.35 Eine Dokumentation über das Artemis-Quartett. Sie haben im vorigen Jahr in Essen gespielt und ein großes Publikum begeistert.

    0.30 Rheingau Musik-Festival. Die Bamberger Symphoniker

    Schon in der Alten Musik gibt es zahlreiche battaglias. Bei Wkipedia sind sie unter dem Stichwort "Musikalische Schlachtengemälde" verzeichnet.

    Davon kenne ich:

    * Clément Jannequin (1485-1558), La Guerre

    * Monteverdi, Combattimento di Tancredi e Clorinda

    * J.H. Schmelzer, Die Fechtschule.


    Interessant fand ich noch die Nennungen von Beethoven (Wellingtons Sieg), Tschaikowski (Ouv. 1812) und vor allem die berühmte Fassung der amerikanischen Nationalhymne durch Jimi Hendrix auf dem Woodstock-Festival.

    TWO: Sentences and Sayings


    * The growing good of the world is partly dependent on unhistoric acts; and that things are not so ill with you and me as they might have been, is half owing to the number who lived faithfully a hidden life, and rest in unvisited tombs (George Eliot, Middlemarch).


    * A man is of little use when his wife is a widow (Scottish proverb).


    * to add insult to injury. Dies ist präziser als das deutsche "Salz in die Wunden streuen".


    * Short, therefore, is a man´s life, and narrow is the corner of earth wherein he dwells (Motto von W. Somerset Maughams Buch "The Narrow Corner").


    *...reclaim the body from the nausea of news and traffic... (Don deLillo; nausea=Ekel).


    *Give strong drink unto him that is ready to perish, and wine unto the bitter in soul... (Marylinne Robinson, Gilead).


    * ...he fell upon his face. I sprang to assist him to rise; but when John Bartine rises we all shall rise (Ambrose Bierce).


    One: Words

    Hier werden einzelne Wörter und Begriffe vorgestellt, die ungewöhnlich, neu oder im Deutschen nicht vorhanden sind.


    *attaboy: ein umgangssprachliches Wort, etwa: braver Junge; gut gemacht, Kleiner. Attagirl gibt es auch.

    *tomboy: Bezeichnung eines Mädchens, das lieber ein Junge wäre oder aber bestimmte Attitüden von Jungen auch hat oder gern mit Jungs spielt. In meiner vorigen Grundschulklasse hatte ich ein solches Mädchen; sie kannte den Begriff nicht, stimmte aber dem Inhalt zu. Im Deutschen gibt es keinen Begriff dafür, im Französischen heißt er garconne (cédille unterm c).

    Dieses Wort ist ein gutes Beispiel dafür, dass ein Begriff die Beobachtungsgabe schärft.

    * trophy wife (´trou-fi): eine tolle gutaussehende Frau, die repräsentativ für die männliche Elite ist (Wirtschaft, Politik, Kunst). Der Begriff stammt von John Grisham. Wir würden vielleicht "Vorzeigefrau" sagen.

    *ritzy: luxuriös. Hier hat man den Namen der Hotelkette Ritz zum Adjektiv gemacht.

    *to inch: sich langsam vorarbeiten. Das ist tatsächlich das Längenmaß inch, das hier zum Verb wird.

    *home office: gerade sehr aktuell. Heißt im Englischen aber "Innenministerium".

    *public viewing: im Englischen nur die Leichenschau am offenen Sarg. Obwohl: wenn man sich erinnert an die Fußball-WM 2018 in Russland und an die Spiele unserer Mannschaft.......................... . In England und den USA wird diese Schau regelmäßig vom sog. "coroner" ausgeführt.

    *butt call: "butt" ist der Hintern. Wenn man sich mit dem auf sein Handy setzt oder sonstwie unwillkürlich sein Handy "bedient" und dann ein Anruf entsteht, das ist ein "butt call".

    *handy: Das heißt "zur Hand; praktisch". Unser Handy heißt "mobile phone" (GB) oder "cell(ular) phone" (USA).

    *pathetic: heißt im Englischen keineswegs " pathetisch", sondern "erbärmlich, armselig, elend".

    *East Jesus: heißt bei uns Jott-we-de.

    *gaffer: meist im Abspann von Filmen; Bedeutung: Boss, Vorarbeiter, Oberbeleuchter usw. Gaffer (sehr akut auf unsren Straßen) sind gaper oder gazer.



    Lieber Caruso, das Zentrum der exzellenten Provinz-Opernhäuser ist die Rhein-Ruhr-Schiene: Bonn, Köln, Düsseldorf, Duisburg, Essen, Dortmund, Krefeld, Mönchengladbach, Hagen, Wuppertal, Gelsenkirchen. Alles innerhalb einer Auto- oder Zugstunde. Das ist jetzt keine Kritik, denn dein Statement ist ja absolut richtig, nur eine Ergänzung.

    "Ceterum censeo theatrum scenae perversae esse delendum", sagt Cato Gerhardus

    Kapitel 9: Gn 10-11, der erste Wolkenkratzer


    Kapitel 10 und 11, 10-32 sind weitere Listen, an denen das AT reich, unser Interesse allerdings arm ist. Interessant ist höchstens 10, 8, in dem Nimrod als Jäger und Gewaltherrscher genannt ist. Näheres erfahren wir nicht, höchstens werden bei uns die Jäger mehr oder weniger spöttisch als "Nimrod" bezeichnet; zu Gewaltherrschern reicht es eh nicht.

    Interessant ist noch, dass natürlich nur Söhne genannt werden, denn nur die setzen die Nachfolge fort.

    Die Funktion dieser Listen ist eine Verbindung von Noah zu Abraham.

    Spannend ist die Beschreibung der Errichtung des Turms zu Babylon. Hier hat die Archäologie große Fortschritte gemacht; es gibt einige Vorbilder für unsere Geschichte. Allerdings sah der Turm nicht so aus, wie ihn Brueghel gemalt hat, sondern es war ein Turm mit aufeinanderfolgenden, nach oben kleiner werdenden Plattformen.

    Insgesamt ist das AT ein vollkommen humorfreies Buch, eine Ausnahme könnte 11,5 sein. Die Menschen sind stolz auf ihren Skyscraper, aber Gott muss sich tief herunterbeugen, um ihn überhaupt zu sehen; das erinnert ein wenig an die Geschichte von Liliput.

    Die Funktion dieses Mythos ist, die Sprachenvielfalt und die daraus entstehende Verwirrung zu erklären (das hebräische Verb für "verwirren" und das Wort "Babel" waren sich ähnlich, sodass hier eine Volksetymologie entstand).


    Dies ist das Ende des 1. Buches von Dr. Pingel´s Wanderführer durch den Bibeldschungel. Nach einer Pause geht es weiter mit dem 2. Buch, den sog. Erzvätergeschichten.

    f. Das Ende der Flut


    Nach 150 Tagen versiegen die Schleusen des Himmels und der Erde, d.h., vom Himmel regnet es nicht mehr, die Schleusen der Erde werden auf Abfluss geschaltet. Erzählerisch sehr schön ist die Geschichte, wie Noah Tiere aussendet, damit er prüfen kann, wie weit die Wasser abgelaufen sind. Ein Rabe kommt wohl zurück, Taube 1 auch. Nach 7 Tagen kommt Taube 2 zurück und trägt ein Ölblatt im Schnabel, danach kommt sie nicht zurück. Die Arche landet auf dem Berg Ararat (findige Forscher fanden Holzreste, die die Reste der Arche sein sollten). Noah nimmt das Dach ab (ohne Kran!), alle gehen raus.

    Die Taube mit dem Ölblatt im Munde wird in der Matthäuspassion zitiert, und zwar im Accompagnato "Am Abend, da es kühle ward", das der Arie "Mache dich mein Herze rein". Ich zitiere jetzt nicht diese Stelle, bei YouTube gibt es viele Aufnahmen. Auch eine theologische Deutung und Erklärung findet sich dort unter dem Stichwort "Ralf Popken".


    g. Bund und Wein (Gn 9)


    Auf dem Ararat baut Noah einen Altar und opfert ein Ganzopfer als Brandopfer (der Ausdruck dafür ist "Holocaust" - alles wird verbrannt). Gott schließt einen Bund mit Noah und schwört, die Erde nie mehr zu vernichten. Der Grund dafür ist seltsam: eine Vernichtung ist sinnlos, weil der Mensch unheilbar böse ist(8,21). Das Zeichen für den Bund ist der Regenbogen. Der Mensch erhält die Herrschaft über die Welt, besonders über die Tiere.

    Noah beginnt übrigens jetzt mit dem Weinbau, mit Erfolg, wie wir wissen.

    In 9, 18-28 wird eine seltsame Geschichte erzählt, vom betrunkenen Noah und den unterschiedlichen Reaktionen und Aktionen seiner 3 Söhne. Das sollte man selber lesen. Nur das, was im Text schamvoll als Blöße betrachtet wird, ist natürlich Noahs Penis.

    Sem, der Auserwählte, ist der Stammvater und Namensgeber der semitischen Völker.




    c. Der Bau


    Es gibt eine genaue Bauanleitung, 3 Stockwerke sind geplant, in allen Stockwerken abgetrennte Appartements, wahrscheinlich, um die Tiere vor dem Wunsch zu bewahren, sich gegenseitig als Nahrung zu betrachten.

    Von allen Tieren werden je 7 Paare der reinen Tiere aufgenommen, von den anderen je 1 Paar. Viren zählen ja nicht als Tiere. Als alle in der Arche sind, schließt Gott hinter ihnen ab (7,16).


    d. Die Flut (Kap.7)

    Die Schleusen des Himmels und der Erde öffnen sich, die "Glocke" läuft voll, sodass das Wasser sogar die Berge bedeckt. Noah war 600 Jahre alt, als er die Arche baute und seine Familie mit aufnimmt, dazu die Tiere (ich hoffe, es gab damals noch keine Holzwürmer:pfeif:). Um die Geschichte zu verstehen, muss man das alt-orientalische Weltbild kennen.


    e. Exkurs: das alt-orientalische Weltbild


    Hierzu gibt es eine Zeichnung, aber ich darf das nicht abdrucken (Abmahnung!). Daher folgt hier eine etwas mühsame Beschreibung.

    Was wir unter dem leeren Weltraum verstehen, war damals die Urflut ("tehom"), bestehend aus Salzwasser. Farbe blau, das konnte man ja am Himmel sehen.

    In ihr schwimmt ein seltsames Gebilde, nämlich eine Scheibe, die Erde. Sie wird getragen von den "Säulen der Erde" (Hiob 9,6 und 26,11). Darüber wölbt sich eine Art Glashalbkugel, die sehr fest sein musste, weil sie die Fluten des Urmeeres zurückhalten musste. Eine sehr feste Feste nennt man im Lateinischen "firmamentum", ein Ausdruck, den wir noch heute gebrauchen.

    Oben am Firmament war die Beleuchtung angebracht, Sonne, Mond und Sterne. Dazu gab es oben noch eine Reihe Schleusen, durch die Regen und Schnee herunterkam (die wir heute noch als Schleusen des Himmels bezeichnen). Die Schleusen unten auf der Scheibe dienten dazu, Bäche und Flüsse in die Scheibe zu leiten.

    Die Sintflut wird jetzt klar: 40 Tage öffnen sich sämtliche Schleusen oben und unten. Die Glasglocke läuft so voll, dass auch die Berge mit Wasser bedeckt sind. Diese Situation hat Bestand für 150 Tage.

    Die Sintflutgeschichte ist eine spannend erzählte, daher war es kein Wunder, dass Unterstufenkinder immer davon begeistert waren. Es gab einen Bastelbogen, der die Arche, die Personen und eine Menge Tiere zum Ausschneiden enthielt. Am spannendsten war es dann, wenn die Kinder von sich aus neue Tiere hinzufügten, etwa die Saurier oder Phantasietiere. Selbst "Alf" kam vor.

    Zur Sintflut gibt es eine lange Liste von wunderbaren Comics. Drei von ihnen (6.Klasse) stelle ich hier vor (die Originale haben die Kinder natürlich mitgenommen).

    1. Zwei (!) Saurier hinter der Arche. Saurier 1: "Warum müssen wir immer hinterher schwimmen?" Saurier 2:"Kannst du uns etwa klein zaubern?"

    2. Man sieht eine Arche, bewohnt von Menschen und Holzwürmern, die "Titanic" heißt. Noah sagt: "Ich dachte, es geschieht erst am 15.4.1912!"

    3. Die Arche ist eine Galeere, auf der die Tiere an den Rudern schuften. Vorne gibt Noah mit einer Trommel den Rhythmus an.

    Ich kenne den Rosenkavalier ziemlich gut. Vor allem in meinem Wintersemester in Wien habe ich drei Monate lang keine Aufführung von dieser Oper, von "Nozze di Figaro" und "Don Giovanni" verpasst, meist auf einem Stehplatz im 5. Rang.

    Da man niemals in denselben Fluss steigt, ist jeder Rosenkavalier für mich praktisch ein neues Stück. Berühmt ist ja die Rosenüberreichung im 2. Akt, die aber war es, die mich bewogen hat, den Fernseher auszumachen. Der Sophie fehlte wirklich der Silberglanz, das "Himmlische", wie hier oben ein Kollege schrieb. Vom Octavian war ich schon im ersten Akt zutiefst desillusioniert: keine Bühnenpräsenz, z.T. zu laut, zu hektisch agierend. Danach habe ich natürlich das 2. berühmte Stück, das Terzett am Ende, verpasst. Aber mit diesem Oktavian?

    Die Sensation war für mich diesmal der große, nur manchmal unterbrochene Monolog der Feldmarschallin im ersten Akt. Dieses Stück ist sowohl vom Libretto wie von der Komposition ein absolutes Meisterstück. Gibt es etwas Wahreres und Schöneres als "Die Zeit, sie ist ein sonderbar Ding..."? Dirigent, Regisseur und Sängerin waren wohl überein gekommen, dieses Stück zurückzunehmen und leise und melancholisch singen zu lassen. Das hat Camilla Nylund, auch wenn sie nicht Wienerisch sang, großartig gesungen (da habe ich ganz leise mitgesungen). Leider dachte ich auch zum ersten Mal, dass Strauss diese Perle in eine zu lärmende Umgebung gesetzt hat. Der erste Akt wird durch all die Figuren und den Lärm viel zu lang. Aber das ist jetzt nur eine Meinung von mir.

    Noch eine Anmerkung: vor einiger Zeit gab es einen Rosenkavalier, bei dem Jonas Kaufmann den "Sänger" sang (na gut, er gab den Sänger). Hier war nun ein veritabler italienischer Tenor mit einer bravourösen Vorstellung.

    Nachwort: vor vielen Jahren war der Rosenkavalier an der Deutschen Oper am Rhein auf dem Spielplan. Die Aufführung war in Duisburg, leider gähnend leer, mit der großartigen Jeanne Piland als Marschallin. Ich hatte mir meinen Lieblingsplatz im 2. Rang ganz an der Ecke besorgt. Ich war da ganz alleine, niemand konnte mich sehen. Ich hatte eine Taschenlampe und das Libretto mit, so konnte ich mitlesen, denn Übertitel gab es noch nicht. Dann habe ich mir die Schuhe ausgezogen (nicht mehr! Ich schwöre:untertauch:). Einen ganzen Rosenkavalier praktisch für mich alleine - das werde ich nie vergessen.

    Ich habe vor Jahren in meinem Essener Vokalensemble sehr oft die Missa Papae Marcelli von Palestrina gesungen. Als wir das erste Agnus Dei geprobt haben, meinten wir alle, noch nie so etwas Wunderbares gesungen zu haben. In dieser Messe gibt es aber noch ein 2. Agnus Dei. Wir konnten kaum glauben, dass dies noch ergreifender war.