Beiträge von Dr. Pingel

    Ich glaube, wir Älteren kennen das. Es ist ein wenig der "depressive Zyklus" (Morgentief und Abendhoch), der in der Medizin wohl bekannt ist. Danke für diesen Spruch, den ich auswendig lernen werde. Mein Beitrag ist ein Spruch, der Johannes Brahms zugeschrieben wird: "Das Leben raubt uns mehr als der Tod".

    Teil 2


    4. Yellow Mood/ Yellow Pages

    Das sind Artikel, die man auch die Boulevard-Seite des Forums nennen könnte (bilde mal einen Satz mit Boulevard:

    In Gips ward erst dem Melker klar,/ dass diese Kuh ein Boule vard). Manchmal nervig, vor allem im RT - Bereich. Manches aber ist auch sehr gut, wenn ich an die Themen von Erich Ruthner und operus denke. Meine beiden Lieblingskolumnen sind allerdings die Vorstellung von musikalischem Humor, wie sie Alfred postet, und natürlich die Seite von seicento, die in Bezug auf Ideen und technischem Know-how völlig einzigartig ist. Das sieht, glaube ich, hier fast jeder so.


    5. Dr. Pingel´s Rasiermesser

    Das Vorbild hier ist Occams Rasiermesser, nach der die wissenschaftliche Theorie die einleuchtendste ist, die am einfachsten ist. Nicht, dass ich mich auch nur im Entferntesten daran messen lassen möchte, da sei Holger vor! :pfeif: Ich habe nur die Grundidee geklaut.

    Die geht so: in vielen Musikstücken gibt es kompositorische Stellen, Höhepunkte, die dann auch konsequent und auf höchstem Niveau ausgeführt werden müssen. Tun diese einzelnen Stellen das nicht, nehme ich auf jeden Fall vom Kauf Abstand. Hier wurde das Lied von der Erde erwähnt. Im letzten Satz schildert die tiefe Stimme den Aufgang des Mondes. Beispielhaft ist dafür die Aufnahme mit Fischer-Dieskau. Ein anderes Beispiel: der vierte Satz mit dem Lied vom himmlischen Leben muss schlicht und einfach, wie von einem Mädchen, gesungen werden. Jeder Opernpomp ist hier zu vermeiden. Das gleiche Erfordernis, nämlich einen leichten, beweglichen Sopran zu besetzen, gilt für die führenden Rollen aus der Klugen (Orff), des Kindes in L´enfant et les sortilèges (Ravel), Ighino (Palestrina von Pfitzner) oder der Rolle der Margiana im Barbier von Bagdad (Cornelius). Ideale Sängerinnen waren hier Lucia Popp und Helen Donath.

    Für die Alte Musik gilt das auch, obwohl hier auch Händel dramatische Sopranstimmen verlangt (siehe meine Besprechung von Orlando; folgt hier in einem anderen Kapitel).


    6. Supernova

    Hiermit ist ein musikalischer Ausbruch gemeint, der einen starken Akzent setzt. Hier gilt auch das Pingelsche Rasiermesser: wenn dieser Ausbruch nicht gelingt, muss ich die Aufnahme nicht behalten. Es gibt darüber ein eigenes Thema (Supernovae), dort werden eine ganze Reihe von solchen Stellen genannt wie etwa der Ausbruch im ersten Satz von Mahlers 10. (nachkomponiert) oder die Schlüsse von Salomé und der Sache Makropulos).

    1. Das Pentagon - Prinzip (Fire and Forget)

    Im militärischen Bereich bedeutet das, dass das Pentagon in der Regel Waffen entwickelt, die nur abgeschossen werden müssen und die dann ihren Weg alleine finden.Hier bedeutet es, dass man einen Beitrag schreibt, ohne darauf zu schielen, wer das liest oder kommentiert; zuerst schreibt man ja für sich. Außerdem gewährt die Zahl der Zugriffe ja einen gewissen Anhaltspunkt.

    Mir ist es hier schon einige Male passiert, dass Kollegen mich zitiert haben mit Beiträgen, an die ich mich nicht mal erinnern konnte. Ich will jetzt nicht mutmaßen, dass es Taminos gibt, die über andere Taminos eine Akte führen, das wäre wirklich schräg.8)

    Eine Parallele gibt es beim Singen. Bei den vielen Konzerten in meinen Ensembles der letzten Jahre habe ich es mir abgewöhnt, ständig ins Publikum zu sehen, ob auch "alle" da sind. Das stört die Konzentration beim Singen. Auch hier: man singt erstmal für sich und seinen Chor (ja klar, auch für den Komponisten, obwohl der nichts mehr davon hat).


    2. The Untouchables

    Dieses Wort ist ambivalent. Positiv bedeutet es die Unbestechlichen. Es gibt einen Film über die beiden Reporter der Washington Post im Zusammenhang mit der Watergate-Affäre. Die negative Bedeutung ist die Unantastbaren, die der Kritik Enthobenen. Entgegen anders lautenden Gerüchten gibt es hier im Forum keine Untouchables, das haben sie mir selbst versichert.


    3. Die Tortenschlacht

    In der Mutter aller Tortenschlachten mit Laurel und Hardy (Kommentar einer 5jährigen: ich glaube, der Dicke ist auch doof) sieht man, dass der Sinn der Torten nicht darin besteht, verspeist zu werden. Vielmehr soll er auf diverse Körperteile, besonders das Gesicht, geworfen werden. In der Show Alles nichts, oder? vor Jahren (mit Hugo Egon Balder und Hella von Sinnen) war dies der Schlussgag. Die Gewinner durften die beiden Moderatoren mit Torten bewerfen. Dabei merkte man, dass die Gäste wohl schon bei den Bundesjugendspielen in der Grundschule ausführlich gefehlt haben müssen, denn es traf kaum jemand. Auch bei Loriot gibt es einen solchen Sketch.

    Für das Forum bedeutet es, dass die yellow pages (s.d.) sich nicht für Musik interessieren, sondern für die Fehler anderer Taminos, die dann natürlich zurückschießen.

    Dr.Pingel´s Gesetze


    MSchenk hat mich vor einiger Zeit auf drei Gesetze im Internet aufmerksam gemacht Nr. 3 (Rule 34 passt hier nicht, müsst ihr selbst nachschlagen):


    1. Godwin´s Law

    Dieses Gesetz besagt, dass im Laufe einer Diskussion (mündlich, Talkshow oder soziale Medien) unweigerlich an einem Punkt ein Nazi-Vergleich eingebracht wird.

    2. Poe´s Law (nicht Edgar Allen)

    Dieses Gesetz besagt, dass es nicht möglich ist, eine fundamentalistische Aussage zu parodieren, ohne dies durch einen Smiley oder ein anderes Kennzeichen kenntlich zu machen.:untertauch:


    Hier nun die neuen Dr. Pingel´s Laws:


    Pingel 1

    Im Klassikforum ergibt sich im Verlauf eines threads unweigerlich ein Punkt, an dem das Regietheater auf den Plan gerufen wird. Dazu gibt es meistens die Herabwürdigung eines Taminos, der anderer Meinung ist.


    Pingel 2

    entspricht oben dem Poe´s Law (etwas abgemildert). Dazu gehört noch dies: Wer das RT nicht grundsätzlich ablehnt, sondern eher ästhetische Bedenken gegen einzelne Inszenierungen hat, und wer weiterhin schlüssige RT-Inszenierungen sehen will, wird von den beiden RT-Parteien jeweils zum anderen Lager gezählt.


    Pingel 3

    Wer sich ständig darüber beklagt, dass seine Beiträge nicht kommentiert werden, kommentiert in der Regel die Beiträge anderer auch nicht.


    Pingel 4

    Die Zahl der Zugriffe zu einem Thema hängt (in dieser Reihenfolge) von drei Faktoren ab.

    1. reißerische Überschrift

    2. Ahnung von persönlichen Angriffen oder Insinuationen

    3. Sachinhalt

    Einige Nachbemerkungen.

    Ich habe jetzt bei Google Dr.Pingel´s Schreibtisch eingegeben. Mich traf der Schlag: diese Seite war als Nummer 1 gelistet. Auf der anderen Seite: wer gibt sowas ein?

    Danach kam Werbung für Dr. Pingel´s Schreibtischstuhl, mit z.T. gesalzenen Preisen.

    Die dritte Kategorie sind jede Menge Zahnärzte in Deutschland, da passt ja der Name, allerdings wohl weniger das Gehalt. Danach kommt weiteres medizinisches Personal.


    Ein schöner Spruch, der für alle meine Seiten gilt: Meinem Gefühl zufolge; Beweise finden hier nicht statt (Arthur Schopenhauer, Zur Ästhetik der Dichtkunst.


    Über Sprache wird hier noch einiges verhandelt werden. Gerhard schreibt ja den Opernführer, MDM macht die erste Korrektur, ich die letzte. Wir drei sind mit unserer Pingeligkeit (Komma, wo ist dein Stachel?) ja der Gegenpol zu Alfreds rhapsodischer Schreibweise. Wir nennen uns 8-) TOFFSG, die Tamino-Opernführer-Fehler-Such-Gang. Motto: "Kommata, ihr versteckt euch vergeblich.

    Meine Insel wäre natürlich Sylt; mein Beethoven ist weder bei jpc noch bei amazon verzeichnet. Es handelt sich um das Septett. Im vorigen Jahr wurde es aufgeführt von Isabelle Faust und ihren Musikern in der Essener Philharmonie. Es gibt dort eine Dependance der Buch-und Plattenhandlung Proust aus Essen. Die hatte eine Platte vorrätig, auf der Isabelle Faust und ihre Musiker das Septett zusammen mit dem Oktett von Schubert spielen. Da muss ich wohl im Hauptgeschäft nachfragen.

    Die von Hans Heukenkamp erwähnte Tote Stadt habe ich auch und empfinde sie gerade wegen Kollo als unerreicht.

    Die von Johannes Schlüter erwähnte Aufnahme des Lieds von der Erde besitze ich auch und gerade die von Johannes Schlüter erwähnte Szene vom Aufgang des Mondes ist eine zuverlässige Gänsehautstelle. James King ist nicht so schlecht, wie er hier immer dargestellt wird, aber Wunderlich ist natürlich besser. Mit Christa Ludwig als Sängerin des tiefen Parts kann ich nichts anfangen.

    Ich muss sagen, dass ich von diesem Thema sehr begeistert bin. So viele verschiedene Komponisten, auch abseits vom mainstream, hatte ich nicht erwartet. Einzelne Empfehlungen werde ich mir ausdrucken und in kleines Kästchen legen, wo ich Tipps zu unbekannten Musiken sammle.


    Heute ist meine dritte Empfehlung dran, und jetzt kommt natürlich Janacek zu seinem Recht. Ich könnte alle seine Opern (bis auf Sarka) nennen, auch Osud, Katja, Broucek.

    Ich habe mich aber für die Wahl zwischen dem Totenhaus (Grüber, Abbado, Salzburg, DVD DG) und der Sache Makropulos entschieden und dann für Makropulos.



    Das ist eine Aufnahme aus Glyndebourne, mit englischen Untertiteln. Da es sich um eine Literaturoper handelt, ist der Text schon wichtig. Ob in dem booklet Texte sind, weiß ich nicht, ich habe das Stück aus dem TV.

    Bei dieser Aufnahme stimmt alles. Grandios vor allem Anja Silja, deren Stimme natürlich nachgelassen hat, aber durch ihr großartiges Spiel alles wettmacht. In der übrigen Besetzung gibt es keinen Ausfall. Das Orchester unter Andrew Davis ist flawless. Makropulos ist eine anspruchsvolle Oper. Wie das Totenhaus ist sie eher für Janacek-Fortgeschrittene geeignet.

    Anfangen kann man sehr gut mit dem Schlauen Füchslein).

    Ich habe gerade noch mal (100x, 200x?) Ne irascaris Domine gehört. Dabei finde ich es interessant, dass sie von Tablets, nicht von gedruckten Noten singen.

    Mozart, Don Giovanni, Otto Klemperer



    Ich kenne niemanden, der dies nicht als eine Jahrhundertaufnahme betrachtet; und wer sie nicht kennt, den will ich auch nicht kennen lernen.:pfeif: Es ist sicher keine HIP-Aufnahme, sondern Grand Opera, aber von einer Wucht, die man selten findet (wenn man von Furtwänglers großer Interpretation in Salzburg absieht). Alle Sänger sind in Hochform, die Ensembles atemberaubend. Die Szene am Schluss mit den 3 Bässen Nicolai Ghiaurov (Giovanni), Franz Crass (Komtur) und Walter Berry (Leporello) erzeugt bei mir auch nach dem 100. Mal Gänsehaut.

    Es handelt sich hier um eine erweiterte Ausgabe, weil man auch alte Aufnahmen zum making of entdeckt hat. Bei amazon gibt es sie auch.

    Die erste Oper, über die ich aber bereits berichtet habe, ist Boris Godunow in Krefeld. Zu diesem Bericht gab es einige Ergänzungen und Kommentare. Dazu bitte ich, den Bericht hier im Forum nachzusehen, damit wir "Umsiedeln" vermeiden. Zu finden in der Rubrik "Gestern in der Oper).

    Der nächste Beitrag hier wird ein Bericht über die konzertante Aufführung von Händels Orlando am Sonntag in der Essener Philharmonie sein.

    Natürlich ist dieser Titel abgekupfert; mein Dr. ist ja auch nicht echt. Aber das Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen ist schon seit Jahrzehnten mein Stammhaus; da bin ich auch im Förderverein. Das MIR (so wird es abgekürzt) glänzt seit Jahren mit Opern, die sonst selten gespielt werden, schöne Ausgrabungen, ein inzwischen richtig gutes Orchester, vor allem aber ein gutes, festes Ensemble, das immer wieder große Sänger hervorbringt (z.B. Torsten Kerl, Mario Brell). Am liebsten sind mir die jungen Sänger und Sängerinnen aus dem Opernstudio, vor allem die Sopranistinnen. Sie werden hier behutsam an größere Rollen herangeführt. Das Theater ist wunderschön, überall sieht und hört man gut, allerdings ist der dritte Rang überflüssig; das hatte schon Rodolfo bemerkt. Die Preise sind zivil, das Personal im Haus ist eigenes Stammpersonal. Es gibt auch ein Kleines Haus, das früher regelmäßig bespielt wurde mit Kammeropern. Dort habe ich z.B. gesehen: "Der Leuchtturm" (P.M.Davies), "Lenz" (Rihm), "Der Bär" (Walton).

    In meinem Bericht über Boris Godunow in Krefeld habe ich mich ja zur deutschen Provinzoper (Düsseldorf und Essen gehören nicht direkt dazu) bekannt. Das wird hier fortgesetzt. Die Orte sind: Düsseldorf + Duisburg (Deutsche Oper am Rhein), Krefeld/Mönchengladbach (die können auch andre Sachen als Fußball; dieses Theater ist ein gutes altes Dreispartenhaus), Wuppertal, Hagen, Essen, Dortmund, Gelsenkirchen, Dortmund. Münster, eine Stadt, die ich im Studium gut kennengelernt habe, gehört auch dazu. In den Sechzigern gab es dort schon Opern wie Mathis der Maler, Die Ausflüge des Herrn Broucek, Katja Kabanowa usw.

    Erst hatte ich ja gedacht, das Ganze ein wenig zu verspotten, indem ich geneigt war, Wetten anzubieten, dass von den 100 Platten 30x Mozart, 30x Beethoven seien und der Rest bei Wagner, Brahms, Verdi, Puccini liegt.

    Aber bisher sieht es nicht so aus.

    Daher will ich an Joseph II. anknüpfen, weil er auch diese Platte einmal genannt hat.

    Es handelt sich um eine der frühesten Messvertonungen, nämlich die "Missa de Nostre Dame" von Guillaume de Machaut. Dies ist aber nicht in eine der HIP-Fassungen, von denen ich manchmal denke, dass die Sänger gerade ihre Schwindsucht auskurieren. Diese Aufnahme ist vielleicht nicht sehr historisch, hat aber eine Wucht, die auch im Zusammenwirken mit einigen Instrumenten entsteht. Manchmal könnte man denken, dass man Strawinski hört (der ein großer Verehrer von Machaut war).

    Es handelt sich um die Einspielung des Deller-Consorts mit dem Collegium Aureum. Damit habe ich die beiden Ensembles sogar live auf einem Kirchentag in Köln erlebt. Das ist lange her, aber ich werde es nie vergessen.

    Eine Einzelaufnahme ist nicht mehr verfügbar. Es ist die Disc. Nr. 2 einer Colllection von 6 CDs.


    Das ist auch eine der Aufnahmen, von der ich nicht sicher bin, ob ich sie erst 100x gehört habe oder doch schon mehr.

    Du Abtrünniger! Aber verstehen kann ich es. Im Gegenzug werde ich wahrscheinlich Alte Musik in meinem eigenen Kanal vorstellen, du kannst ja den alten thread und deinen neuen weitermachen. Lesen werde ich sowieso alles. Bei deinen berühmten Chören muss ich doch endlich mal den Rutter-Chor und den Stellenbosch hören. Zu den Top-Ensembles gehören aber auch Hesperion XXI, Les Arts florissants und die Ensembles von Herreweghe.

    Das Video oben ist wirklich witzig und exzellent gesungen. Ist das Mädchen mit dem roten Hut, der Zigarette und der deswegen tiefen noch dabei?

    Lieber Hans,


    ich habe deinen Bericht mit großem Vergnügen gelesen. Ich habe den Julius Cäsar mehrfach in "normaler Optik" gesehen, da kann man sich auch mal am RT vergnügen. Meine Lieblings-Arie ist die mit dem Solo-Horn. Damals in Düsseldorf gab es auch einen gruseligen Gag; da wurde das verhüllte Haupt des ermordeten Pompeius hereingetragen, dann enthüllt (unter leisem Aufschrei des Publikums) - und erwies sich als Kohlkopf.

    19.1.2020

    Schülertheater - kann gar nicht lang genug sein

    Wir haben aber nicht nur Schwänke gespielt, sondern in der Schultheatergruppe auch richtige Stücke. Wir hatten leider als Lehrer eine Reihe alter Faschisten und Kommissköpfe, aber auch gute Lehrer, wie z.B. den Kunstlehrer Albert Fürst, der selber Künstler war und einen ausgezeichneten Solobass abgab (Holger Kaletha hatte den auch, aber Generationen später). Unser Theaterleiter war ein toller älterer Herr, der lange Zeit in Japan gelebt hatte und wusste, wie man als kultivierter Lehrer und Mensch sich verhält. Wir nannten ihn liebevoll "Japs"; er und unsere Theatertruppe waren eine Oase im autoritären Elend. Unser erstes Stück war Das Wintermärchen von Shakespeare. Die Sensation für uns Jungs war, dass da zum ersten Mal in unserer Schule echte Mädchen auftauchten, von denen einige sehr gut spielten, andere immerhin gut aussahen. Was das in uns Jungs auslöste, brauche ich hier nicht zu erwähnen. Dieses Stück ist relativ unbekannt und gehört zu Shakespeares Romanzen, die eine Mischung aus Tragik und Humor darstellen. Der erste Teil spielt in Sizilien, der zweite an der Küste Böhmens (!), die es natürlich damals schon nicht gab. Ich hatte 2 kleine Rollen im ersten Teil, wobei der Kerkermeister bloß blöd herumstand. Im zweiten Teil hatte ich die komische Hauptrolle, den Text kann ich z.T. heute noch. Da wir keine richtige Aula hatten, spielten wir im sog. Gesolei-Saal der Firma Henkel, die auch Zuschüsse locker machte. Das Stück dauerte 4 Stunden, da waren wir erbarmungslos. Immer, wenn geprobt wurde, saß der Rest der Truppe im Zuschauerraum. Wenn einer hängenblieb, brüllte der ganze Chor im Zuschauerraum den Text hoch. Wir kannten fast alle den ganzen Text auswendig.

    Was besonders positiv am Schülertheater ist, ist die Tatsache, dass man lernt, öffentlich aufzutreten und frei zureden, z.B. als Theologe. Das wusste ja schon Goethe, der im Faust schrieb: "Ein Komödiant könnt einen Pfaffen lehren".

    Das Stück steht in Beziehung zu Harry Potter. Im Deutschen heißt das Mädchen Hermine, im Englischen Originaltext aber Hermione, wie die weibliche Hauptrolle in unserem Stück.


    19.1.2020

    Eine typische Pingelfehlleistung

    Das Thema Die beliebtesten Verdi-Tenöre wurde von mir ganz klar in Die beleibtesten Verdi-Tenöre "umgelesen"! Ich sage nur: ein Wespennest, das hier nicht aufgeschreckt wird.


    19.1.2020

    Wer schrieb die Barrings?

    Im Düsseldorfer Süden war meine halbe Schulklasse im CVJM (Christlicher Verein junger Männer). Es gab Bücher, Filme, Fußball, Sport, Ausflüge, alles, was man so braucht in dem Alter. Einer der Leiter hat später Karriere gemacht, erst Dr., dann Schulleiter, dann in der obersten Schulverwaltung für die Gymnasien im Regierungsbezirk Düsseldorf. Diese Leute kamen alle paar Jahre in die Gymnasien, um dort nach dem Rechten zu sehen. Wir Lehrer sitzen alle brav da, da kommt die Delegation herein. Wir (also mein ehemaliger Jungscharleiter und ich) sehen uns, rufen unsere Vornamen und fallen uns in die Arme. Große Verblüffung allerorts. Er war für diesen Posten sehr geeignet, ich überhaupt nicht, weil ich sonst hätte keine Kinder unterrichten und mit Ihnen Theater spielen können.

    In diesem CVJM gab es einmal im Jahr ein großes Sommerfest mit Eltern. Wir haben dann ein Theaterstück aufgeführt, ach was, eine Scharteke (dieser Begriff wird uns später noch bei der Vorstellung des Schauerstücks Die Familie Schroffenstein von Kleist) begegnen. Das war schon ein Ansatz von RT, aber eher aus Unfähigkeit. Bei diesem Stück mussten wir uns immer vom Publikum wegdrehen, weil wir selber so lachen mussten. Danach kam ein Quiz; es ging immer um Klassik in Musik und Literatur. Außer mir hatte keiner Lust dazu, weil ich das sowieso immer gewann (5000 Bücher!). Eines Tages kam die Frage: Wer schrieb die Barrings? Das war so B-Literatur, wie sie auch heute die Buchhandlungen verstopft. Ich war zur Verblüffung aller der einzige im Saal, der das nicht wusste. Sowas stand nicht bei uns zu Hause.

    P.S. Ich weiß bis heute nicht, wer die Barrings schrieb; vielleicht erbarmt sich mal einer von euch!8-)

    P.S.2 Heute Abend gibt es in der Essener Philharmonie konzertant eine Händel-Oper. Darüber werde ich natürlich berichten.

    18.1.2020, 21.00

    5000 Taler??? - 5000 Bücher!!!


    Die Firma Henkel ist ja neben ihren Weißmachern auch bekannt für die Unterstützung eines glücklosen Fußballvereins, der dazu (oder deswegen) den Namen Fortuna trägt. Als Kind und als Jugendlicher habe ich dort viel Zeit zugebracht, denn es gab da eine Schwimmhalle, einen Sportplatz und Tennisplätze. Wohlgemerkt nicht für die Chefs, sondern für alle. Die Chefs hatten dafür einen Sternekoch. Damals konnte man nicht so ohne weiteres in die Firma hinein, es gab einen pompösen Empfangssaal mit einer sehr netten Empfangsdame. Die freute sich immer, wenn ich da als kleiner Steppke in der mitwachsenden Lederhose auftauchte. Alleine durfte man nicht weiter gehen, dafür gab es Pagen (!) in Pagenuniform, die einen dann begleiteten. Obwohl wir oft im selben Alter waren, haben wir nie miteinander gesprochen. Der Schriftsteller Dieter Forte, Autor des Stücks Luther und Müntzer, war einer von ihnen und hat sich bitter über diese Zeit geäußert. Dann gingen wir zusammen in die - Bücherei. Das war nicht die chemische Bücherei, sondern eine Freihandbücherei für alle. Heute ist das sozialer Klimbim!

    Wer war nun der Herr in diesem Bücherhimmel? Mein Vater! Da war mein Schicksal zum Allesleser schon früh vorgezeichnet. Die Musik kam später. Selber zu Hause hatten wir 5000 Bücher (leider keine Taler); viele davon, besonders die Klassiker, hatte ich bis zum Abitur gelesen oder zumindest in der Hand gehabt. Da habe ich auch die Fähigkeit erworben, Bücher zu zitieren, die ich nie gelesen hatte; ein unschätzbarer Vorteil für zukünftige Examina.

    17.1.2020

    2009 war für mich ein wichtiges Jahr, weil ich gleichzeitig mit Kieser-Training und dem Tamino-Forum angefangen habe. Jetzt höre ich einige schon sagen: "Fehlt nur, dass er jetzt mit "mens sana in corpore sano" anfängt. Obwohl es abgedroschen ist, stimmt es. Allerdings denke ich, dass sich da Meinungen bilden wie diese: "Na ja, corpus können wir nicht beurteilen, aber 4.500 Beiträge - ob da wohl immer mens im Spiel war?" Sicher nicht; anyway. Zuerst meinen besonderen Dank an Alfred, der mir diese Seite gönnt.

    Dr.Pingel ist übrigens erwachsen geworden, er schreibt sich jetzt groß. Der Apostroph ist geblieben, gemäß der Regel: wenn man es kann, darf man es. Diese Regel habe ich von Alfreds souveräner Rechtschreibung gelernt (von Alfred lernen heißt siegen lernen).

    Wenn ich die anderen Beiträge hier in diesem Block sehe, muss ich sagen, dass es bei mir anders wird. Holger, Caruso, Woka und auch Helmut Hofmann sind Analytiker, ich nicht. Meine Beiträge hier werden im Spanischen am besten charakterisiert: sie heißen dort ensaladas. Kulinarisch sind das richtig wunderbare Speisen, weil man da alle leckeren Sachen reintun kann, die man hat. Es ist aber auch ein Begriff einer musikalischen Form, die wir hier noch kennen lernen werden.

    Die Bedingungen, die hier gestellt werden (also die yellows zu meiden), werde ich alle beachten. RT wird sehr kurz vorkommen, aber nur als Erwähnung, so wie ich es in meinem Bericht über "Boris Godunow" in Krefeld gemacht habe. Bis auf "Dr. Pingel´s musikalische Perlen vor Bach", die ja Michael Müller so toll betreibt, werde ich meine anderen threads erstmal stilllegen, bzw. sie hierhin verlagern.

    Zwei größere Projekte will ich aber schon mal erwähnen. Das erste ist die Beschäftigung mit Heinrich Schütz, mit dem ich durch vieles Singen sehr vertraut bin (ich weiß natürlich, dass wir hier mit sagitt einen richtigen Kenner haben). Das zweite Projekt habe ich schon angefangen: ich werde die "Provinzopernhäuser" hier im Rhein-Ruhr-Gebiet (Hagen, Krefeld, Wuppertal und besonders mein Stammhaus Gelsenkirchen) regelmäßig besuchen und darüber berichten. Da bin ich natürlich besser dran als meine Kollegen, etwa rodolfo, weil man diesen thread nicht kapern kann.

    Leider sind die hier vorgestellten Videos hier alle nicht erreichbar, man muss direkt auf YouTube gehen. Jetzt kommt etwas, lieber Michael, da muss ich dir den Titel Weltchampion der Trüffelschweine für Chormusik verleihen. Ich pflege in letzter Zeit die Qualität der Vokalensembles anhand von "Ne irascaris" und "Civitas sancti" (William Byrd) zu prüfen. Das ist nicht nur eines der wunderbarsten Stücke der Polyphonie, sondern ich kenne es gut, weil ich es selbst gesungen habe. Bisher war meine Referenzaufnahme die von Stile antico. Jetzt habe ich deine "Band" Voces8 gehört. Am Ende wollte ich nicht glauben, dass es eine solche Perfektion überhaupt gibt. Glasklare, reine Stimmen, differenzierte Dynamik und und und... Stile antico bleibt auch mein Favorit, sagen wir als Real Madrid, jetzt ist mit Voces8 FC Barcelona dazugekommen. Zur Kontrolle habe ich die von mir sehr geschätzten Tallis-Scholars gehört. Sehr gut, aber nicht so exzellent; sagen wir Bayern München. Seit einiger Zeit höre ich dieses Stück täglich ein paar Mal. Das gleiche Niveau hat auch Tenebrae.

    Ich liebe Beethoven auch sehr, aber angesichts dieser Musik hier werde ich ihn erst wieder zu seinem 500. Geburtstag hören.

    Ich habe es gerade noch einmal gehört. Diesmal war ich ergriffen von der unglaublichen Stimmung zwischen Schmerz und Resignation des "desolata est". Ich habe dann eine Reihe der Kommentare gelesen, alle hatten das so gehört wie ich. Eine absolut exzeptionelle Darbietung.

    Unfassbar! Sowas habe ich noch nie gesehen. Es zeigt übrigens wieder, dass die besten musikalischen Komiker auch ausgezeichnete Musiker sein müssen.

    Ein Loriot, den ich noch nicht kannte! Da sage ich nur: Hurz! P.S. Das habe ich geschrieben, bevor der echte Hurz zitiert wurde!

    Lieber Michael, die Gefilde des RT habe ich verlassen, nicht ohne durch Beendigung eines Themas die Diskussion zu versenken. Musikwanderer hat es nachgemacht.

    Ich hatte ein schwieriges Jahr 2019, jetzt geht es aufwärts. Ich bin dir absolut dankbar, dass du dieses Thema so toll verwaltet hast, auch mit mir völlig unbekannten Consorts. Dafür sei dir noch mal der Ehrentitel Trüffelschwein der Chormusik verliehen. Du weißt, dass in diesem Bereich das die höchste Auszeichnung ist, die es gibt (allerdings ohne finanzielle Remuneration). On der nächsten Zeit werde ich hier erstmal viel hören. Angefangen habe ich mit Ne irascaris von Byrd mit Voces8.

    An Beitrag 8 lässt sich ablesen, wie der yellow modus entsteht. Das Thema ist nämlich nicht die Sache, also hier Godunow oder die Provinz, sondern andere Taminos, die mal wieder zurechtgewiesen werden müssen. Die verteidigen sich dann oder greifen wieder an usw.

    Dringende Bitte noch mal an den Moderator, den Schluss von #9 zu realisieren, welcher Form auch immer.

    Ich möchte noch zwei Dinge nachtragen. Großartige Randfiguren im Boris Godunow sind ja Xenia, die Tochter von Boris, und der "Gottesnarr". Ich bin ja ein wenig sozialisiert auf den Karajanschen Boris, da interpretiert die Xenia diese Rolle eher still und resigniert. Auch der Narr ist so angelegt, dass er mehr Trauer als Wut zeigt. Das ist in Krefeld anders. Die Xenia ist laut und erregt, das passt gut, vor allem, wenn sie von einer grandiosen Sopranistin wie Maya Blaustein gesungen wird, die dazu auch noch erst im Opernstudio ist. Der Narr singt sehr differenziert, im Dialog mit Boris allerdings anklagend und stark. Bei Karajan gefällt mir gut, dass der Narr in der Oper das letzte Wort hat.

    In meiner "Opernkarriere" habe ich festgestellt, dass ich manche Opern überhaupt nicht mehr höre, z.B. Cosi fan tutte, Fidelio und vieles aus der italienischen Oper. Das hat mit Qualität überhaupt nichts zu tun. Andre Opern höre ich schon mein Leben lang, ohne dass ich sie über habe. Boris Godunow gehört auf jeden Fall dazu, die andern könnt ihr ja raten, was nicht schwer ist.

    Eine Bitte an die Moderatoren. Wie William es auch schon gehandhabt hat, bitte ich die Moderatoren dringend, dieses Thema nicht in denyellow modus abrutschen zu lassen, was gerade geschieht. Dazu wäre folgendes zu überlegen. Möglichkeit 1: diese Beiträge zu löschen. Möglichkeit 2: diesen thread zu schließen, denn ich finde, dass alles gesagt ist.

    In diese "Rubrik" passt dann auch das bekannte Gelaber über die Eröffnungstakte des WO. Die Paukenschläge symbolisieren die Hammerschläge der Kreuzesannagelung Christi. Jaja, "Tönet ihr Pauken"......wohl völlig übersehen.....

    Mir war es nicht bekannt, aber das sind ja ganz neue Ansätze. So erfahren wir aus der Tenor-Arie "Frohe Hirten", dass die Hirten Flöte gespielt haben, und das im Laufen! Und "Lasset uns nun gehen" ist ja "Alle meine Entchen", wobei dieses "gehen" dann den watschelnden Entchen nachempfunden wurde.:pfeif: Ich glaube, da ist noch mehr.

    Ich war aus verschiedenen Gründen jahrelang in keiner Oper, und auch gestern hatte ich die Wahl zwischen einem leicht zu erreichenden Bundeligaspiel im Hallenhockey und dem Boris in Krefeld. Zum Glück habe ich Boris gewählt, trotz eines Preises von 50 Zechinen. Ich habe ja hier oft das Lob der Provinz gesungen, vor allem die Häuser in Krefeld und in Gelsenkirchen sind Leuchttürme. Wenn ich das recht sehe, gibt es solche Perlen auch im Osten und in Liberec. Ich kannte nicht einen Sänger, aber bis auf einen quäkigen Tenor (Dimitri) waren die Sänger sehr gut, einige so überragend, dass sie sich auch an großen Häusern gut machen würden. Das Stück wurde russisch gesungen; für die Hauptrollen kein Problem, waren es doch meist Russen. Der Chor aber hatte lang geübt. Zum Glück wurde der Ur-Boris gespielt. Zu meinen am meisten negativen Einstellungen im Bereich der Oper gehört der sog. "Polenakt". Der fehlte hier.

    Das Stück hat ja eine große Dichte und Kraft; ich fühlte mich oft an die Wucht Janaceks erinnert. Mussorgsky erkennt man an seinem Stil ja sofort nach den ersten Takten. Die Macher hatten erkannt, dass es im Boris vier große Handlungsträger gibt: der Chor, Boris, Pimen und das Orchester. Alle vier hätten überall in Deutschland mit diesem Stück auftreten können. Die Krefelder selber waren gespalten. Viele verließen das Theater in der Pause, wie mir die Garderobenfrau erklärte. Der Rest aber lauschte gebannt, und der Applaus wollte kein Ende nehmen. Die Regie war kein RT, dazu relativ statisch, was mir gefallen hat, da dabei die Musik noch stärker wirkte. Vor allem gab es bei den Volksszenen kein sinnloses Herumwuseln, wie das viele Regisseure ja verlangen. Die Bühne war schlicht und düster, also angemessen. Nur mit den Kostümen war ich nicht zufrieden. Das war moderne Kleidung, aber sehr schlicht. Da hätte man auch Kostüme der Zeit nehmen können, auch sehr schlicht. Für die modernen Kostüme gab es also keinen Erkenntnisgewinn. Wo ist der, wenn Boris mit einem langen Mantel mit Pelzbesatz auftritt, dazu aber auch einen Schlips trägt?

    Besondere Mühe hatte man sich mit den Übertiteln gegeben. Sie waren nicht übermäßig groß, aber sehr gut zu lesen. Sie kamen auch immer rechtzeitig. Außerdem gab es, zum Entzücken von Dr. Pingel, fehlerlose Wörter und sogar Satzzeichen.

    Einige unserer Kollegen hier haben Berichte über die Oper aufgegeben. Ich werde es anders halten, weil ich wahrscheinlich immer der einzige bin, der sich das ansieht.

    Meine Erkundungsfelder werden hier vor allem die wichtigsten Provinzhäuser sein: Gelsenkirchen (da bin ich Mitglied im Förderverein - gut angelegtes Geld), Wuppertal, Hagen und natürlich - Krefeld. Die nächste Premiere ist hier "Dialogue des Carmélites".

    . Was nun das "Weihnachtsoratorium", um das es hier geht, anbelangt, kann ich mit technisch perfekten Aufnahmen nicht so viel anfangen wie mit solchen, bei denen ich - ich sagte es schon einmal - die harte Kirchenbank spüre. ;)

    Das bringt mich auf eine neue Geschäftsidee. Die WOs auf Schellack oder Vinyl werden nur zusammen mit einer Kirchenbank verkauft, die in der Sitzanzahl 1-2 variiert (dass sich dafür mehr als 2 Musikfreunde interessieren, kann ich mir nicht vorstellen). Dazu könnte man sich vorstellen, dass als Zugabe noch ein Saale-Unstrut-Rotwein aus dem Jahre 1945 plus einer Packung Talcid-Tabletten angeboten wird. Die Raumtemperatur darf 13 Grad nicht übersteigen. Mützen sind verboten, denn die Ohren müssen ja frei bleiben.