Beiträge von Dr. Pingel

    Zudem: was gibt es denn bei Rezitativen zu "komponieren"?

    Das sehe ich durchaus anders. Bei Barockopern, etwa bei Händel, bin ich ziemlich Rezitativ-resistent, obwohl dann, wenn er in der Handlung "Kilometer gemacht" hat, meist eine tolle Arie folgt. Aber bei den Bachschen Oratorien ist es doch anders, die sind absolut maßgeschneidert auf den Text. Bei mir sieht das so aus, dass ich mit dem Klavierauszug und einem guten Evangelisten die Rezitative der Matthäuspassion und besonders der Johannespassion mitsingen kann.

    Dass die Oboe auffällig ist, nimmt man ja sofort wahr. Gibt es nun musikalische Gründe, wieso hier der Chor mit der solistischen Oboe nicht zusammenpasst oder sind das bloße Hörgewohnheiten?

    Es sind bloße Hörgewohnheiten, es kann sogar an der Aufnahmetechnik liegen. Bei der Kantate "Ich habe genung" passt die Oboe sehr gut. In der Fassung für Sopran fehlt sie dann ganz.

    Der Evangelist 'macht Kilometer' mit der Handlung,

    Das finde ich eine richtig tolle und treffende Formulierung, die mein allgemeines Unbehagen am Rezitativ gut charakterisiert. Für die Barockoper gilt das besonders. Ich erinnere mich, dass ich mir für eine meiner Lieblings-Händel-Opern, Partenope, für Tonband eine rezitativlose Fassung hergestellt habe. Auch René Jacobs liebt Cavalli besonders, weil er der letzte Komponist gewesen sei, der durchkomponiert habe und ohne Rezitative auskam.

    Eine Frage habe ich noch. Das Wort teaser für die Einleitungschöre finde ich auch sehr treffend. Hier aber scheint mir die hochvirtuose Oboe mit dem Chor nicht recht zusammenzupassen.

    Nachwort: es gibt auch Werke, in denen die Rezitative sehr gut sind und untrennbar zum Werk gehören. Das gilt besonders für die Johannespassion. (Ich vermute mal, dass es einige Taminos gibt, die eine Menge von Musik mitsingen können. Gilt das auch für Rezitative?:pfeif:).

    Ich habe jetzt die Kantate in allen hier gebotenen Fassung gehört. Ich kenne nicht viele Kantaten von Bach und ich habe noch weniger gesungen. Die Gründe sind vielfältig. Vokalensembles singen das nicht gerne, weil da der Chor oft unterfordert ist. Den Hauptteil haben die Solisten mit Arien und Rezitativen. Für sehr gute Amateurchöre ist das kein gutes Geschäft. Solisten und Orchester sind teuer und der Chor ist nur Randerscheinung. Und Bachsche Motetten sind wunderbar, aber undankbar zu singen, weil Bach oft nicht chorisch denkt, sondern die Chorstimmen wie Streicher führt. "Jesu meine Freude" ist für Amateure ohne Gesangsausbildung schon sehr anspruchsvoll (und "Singet dem Herrn" kann ich bis heute nicht:untertauch:)

    In den letzten Jahren habe ich eine ziemliche Abneigung gegen Rezitative (auch in der Oper) entwickelt, obwohl ich viele Rezitative mitsingen kann. Ich sage es mal etwas krass: die Kantaten enthalten wunderbare Chöre, bei denen man dem Text oft nur nebenbei zuhört. Aber in den Rezitativen kommt dann die Dürftigkeit der Texte doch schmerzlich heraus. Gut, es war zeitbedingt, im Barock herrschte in der Welt das gleiche Chaos wie immer in der Geschichte und heute wieder.

    "An törichte Schätze das Herze zu hängen ist eine Verführung der törichten Welt", das ist eine Arie aus einer Bachkantate. Auch in den Predigten, nicht nur in der lutherischen Orthodoxie, war die "Welt" mit dem Bösen und dem Laster ein Ziel, das in jeder Predigt vorkam. Diese Einstellung ist bis heute bei allen fundamentalistischen Religionen wirksam, etwa bei den Evangelikalen bei uns und in den USA (die meisten sind Trump-Wähler). Natürlich auch die Rufe nach dem Kalifat gehören genau hierhin.

    Außerdem frage ich mich immer, was wohl die Könige, Fürsten und Erzbischöfe gedacht haben, wenn sie in der Kirche saßen (auf reservierten Plätzen, getrennt vom Volk) und hörten, wie von ihnen finanzierten Musiker und Geistliche erklärten, dass der "Lauf der Welt" die Menschen direkt in die Hölle führte. Und was war mit den Menschen der unteren Schichten, die nicht nur keine Schätze hatten, denen sie abschwören sollten, sondern nicht einmal die Dinge besaßen, die jeder zum Leben braucht. Im "Hessischen Landboten" ist das beschrieben.

    Ein anderes, modernes Beispiel. Unter die 5 Säulen des Islam, die jeder Muslim befolgen muss, gehört auch die Verpflichtung zu Almosen, d.h. in muslimischen Staaten darf es keine Armut geben; die Reichtümer sind im Überfluss vorhanden.

    Zum Schluss eine kleine persönliche Anmerkung. In den 60ern war ich Vikar in der Gemeinde, in der ich heute wieder wohne. Der Küster wollte immer einen Tag vor dem Gottesdienst die Lieder haben, die er ja anschlagen musste. Da habe ich das Gesangbuch oft nach vernünftigen Texten durchsucht, während viele Melodien einfach bis heute absolut schön und singbar sind.

    Nachtrag

    Übrigens finde ich im ersten Chor, dass die hochvirtuose Oboe da caccia zuviel Raum einnimmt, besonders im Beispiel Stuttgart ist sie zu dominierend. Ich muss aber zugeben, dass das an meinen Lautsprechern liegen kann.

    Viele der oben genannten Krimis habe ich auch gelesen, aber doch nur einen Bruchteil von dem, was da besprochen wird.

    In meiner Krimi-Pubertät habe ich auch Edgar Wallace gehabt, bei dem es mir sehr möglich war, nicht fasziniert zu sein. Agatha Christies Theaterstücke fand ich viel besser als wild die konstruierten Bücher ( möchte jemand wissen, wer der Täter in "The Mouse Trap" ist?Wird es nach wie vor gespielt?). Die Whodunits haben mich danach nicht mehr gereizt. Es gibt ja diesen wunderbaren Sketch von Loriot, bei dem Evelyn Hamann einen englischen Krimi ansagen muss (Netherthorpeston and Midddleprism oder so ähnlich).

    Ich habe erst wieder angefangen, Krimis zu lesen, als die Sjöwall-Wahlöö-Reihe erschien; da habe ich jeden Band gelesen.

    Fasziniert war ich auch von Mankell, mein erster Krimi war "Die 5.Frau". Vor zwei Jahren habe ich den noch mal gelesen und fand ihn viel zu lang. Die anderen habe ich dann nicht mehr erneut gelesen.

    Es scheint bei den Krimis so zu sein (jedenfalls bei mir), dass sich die Schriftsteller erschöpfen und trotzdem weiterschreiben. Dabei ist es durchaus nicht so, dass man nicht liest, weil man die Auflösung kennt.

    Ab den 50ern habe ich dann angefangen, die Amerikaner zu lesen.

    Chandler gilt ja als Meister des amerikanischen Krimis, sehr zu Unrecht. Seine Romane sind zwar tough, aber in der Handlung zu kompliziert und konfus. Er wusste das selber auch: "Immer, wenn ich nicht mehr weiter wusste, erschien einer mit einer Knarre an der Tür!" Sehr gelungen sind allerdings seine Kurzgeschichten, die muss ich aber noch mal lesen.

    Die anderen Amerikaner nenne ich nur, ich komme darauf zurück.

    Es sind Dashiell Hammett, Damon Runyon, John Grisham und der Meister (für mich): Cornell Woolrich("Rear Window" - "Fenster zum Hof"). Übrigens sind diese Bücher im Englischen komplett anders als in einer Übersetzung, aber das ist ja nicht neu!

    Immer die Lehrer! Ist halt für jedes Kabarettpublikum ein garantierter Lacher - und meist lache ich mit. Es gibt einen Kabarettisten, der das zum Thema macht und Ereignisse und Strukturen des Lehrerberufs aufzeigt - und zwar sehr treffend und witzig.

    Er nennt sich Herr Schröder, der Korrekturensohn.

    Ich sehe selten Quizze, "Gefragt - gejagt" ist doch sehr öde; darum wohl auch das optische Brimborium drumherum. "Wer weiß denn sowas" ist ziemlich originell, weil es da gar nicht auf Wissen ankommt. Außerdem wird die Lösung im Bild gezeigt und es gibt viele Haushalttipps. Übrigens habe ich festgestellt, dass Kandidaten mit Latein- und Griechischkenntnissen viele richtige Lösungen erraten können.

    Was hier einige schon gesagt haben: auch wir "Gebildeten" würden nicht bestehen, weil Naturwissenschaft, Popmusik und der ganze Filme-Hype uns nicht geläufig sind. Bei "Wer wird Millionär" ist es die größte Hürde, überhaupt auf den Stuhl zu kommen, denn da müssen sich Wissen und Schnelligkeit paaren.

    Ich respektiere Christian Bs. Abneigung gegen dieses Stück, bei mir hat es jedoch die umgekehrte Wirkung. Die große, pompöse Melodie, meist unschön von Fußballern zelebriert, gewinnt in dieser Form ihre Würde wieder zurück. Es ist wie eine Heimkehr einer schlichten und ergreifenden Melodie. Und wenn Christian es die "totgespielte Melodie" nennt, so sage ich: "die wieder lebendig gewordene Melodie!"

    Was grenzt an die Dummheit? Canada und Mexiko.

    Amerikanische Spezialitäten, heiter und ernst.

    Folge 1


    Husband: Your birthday is coming up and I still haven´t any idea what to buy you!

    Wife: I want a divorce!

    Husband: Sorry, dear, but I wasn´t planning on spending that much!


    In Jewish Orthodox families the man makes the coffee because the Scipture says "Hebrews".


    Obama zu seinen Multimillionären: "Meine Regierung steht zwischen Ihnen und dem Laternenpfahl!"


    Jesus and Satan were at their computers. Suddenly the power went off. When it came back on, Satan wept because he had lost everything. Jesus had no problems because Jesus saves.


    Was ist neu an einem Kanadier, der in die USA auswandert? Jetzt hat er keine Gesundheitsversorgung mehr, aber eine Knarre.


    "Nomadland" ist eigentlich ein Sachbuch über Campen in den USA. Der Film hat aber daraus eine Geschichte gemacht.

    Homeless people reisen gerne per Güterzug durch die USA (sogar in der Serie Alf kommt das vor!). In vielen kleinen Ortschaften bieten die christlichen Denominationen Versorgung der Homeless an. Aber der Preis ist, dass die sich erst einen Gottesdienst mit ausführlicher Predigt anhören müssen, dann erst gibt es was zu essen.

    Die amerikanischen Wohnmobile heißen "van". Ihre Benutzer lieben es, diesen "vans" Namen zu geben, die dann etwa so lauten:

    Van Buren (US-Präsident), Van Gogh und natürlich Van Beethoven.

    Das "Homeless-Modell" wäre doch was für die Verbreitung moderner Musik. Es wird eingeladen zu einem Konzert moderner Musik mit modernen Getränken, alles kostenlos. Die Getränke gibt es aber erst nach einer Stunde Musik!


    The Kennedy Curse

    1999 habe ich eine Tour im Mietwagen durch einige Staaten der Ostküste gemacht. In einem Waschsalon berichtete das Fernsehen über John F. Kennedy jr., der trotz fliegerischer Unerfahrenheit einen Nachtflug Richtung Hyannis Port im Nordosten der USA unternahm (mit seiner Frau), die Orientierung verlor und ins Meer stürzte. Die Medien kramten dann den Kennedy Curse hervor. Dazu schrieb ein Leser in USA Today diesen Leserbrief.

    If the Kennedy have experienced more tragedy than most other men, it is because they live differently from

    most other men.

    Most other men do not drive recklessly across secluded bridges in foggy darkness, carrying subordinate female employees who are not their wives.

    Most other men do not ski backwards down mountains at night playing snow football on ski resort slopes kept open especially for their exclusive use.

    And most other men do not solo-pilot when they are inexperienced, newly licensed viual-flight-rules pilots.

    If I were to describe the true nature of the so-called "Kennedy Curse", I would have to call it arrogantly stupid recklessness, fueled by excessive privilege and sycophantic media worship.

    Stan Roulevitch, Marlton (N.J.).


    Kurt Vonnegut

    America is the wealthiest nation on earth, butits people are mainly poor, and poor Americans are urged to hatethemselves.

    Every other nation have folk traditions of men who were poor but extremely wise ans virtuous, and therefore more estimable than anyone with power and gold. No such tales are told by the American poor. They mock themselves and glorify their betters.







    Ich fände angesichts der Zahl der Mitschreibenden einen Rhythmus von einer Woche pro Stück gut. Beim "Kaiserquartett" gab es fünf Tage relativ rege Beteiligung, danach kehrte Ruhe ein. Wenn mal jemand ein Stück wählt, das vielleicht nur einer Minderheit bekannt ist, wäre dieser Punkt vermutlich schon eher erreicht. Das könnte nach zwei Wochen auch zu endgültiger Ruhe führen...

    Ich wäre für eine flexible Lösung. Das würde bedeuten, dass der Themensteller zusammen mit dem Moderator entscheiden, wann ein neues Thema erstellt wird. Der "Neue" kann ja mitteilen, wieviel zeit er braucht.

    11.5.

    Johann David Heinichen - Einzelsatz aus den Dresden Concerti (Seibel 240)

    Musica Antiqua Köln




    Ein wunderbares, leichtes Stück; ich hatte es früher mal als Handyklingelton. Da war immer klar, wessen Telefon klingelte.

    10.5.

    Bach - Am Abend, da es kühle ward (Rez.) - Mache dich mein Herze rein (Arie)

    Matthäuspassion - Stephan McLeod



    https://de.video.search.yahoo.com/yhs/search?fr=yhs-fc-2461&ei=UTF-8&hsimp=yhs-2461&hspart=fc&WCF_AMPERSAND¶m1=7&WCF_AMPERSAND¶m2=eJwtjDEOgzAMRa%2FiESQETgIBwtoTdEUMaQg0IhAEVFQ9fY1aeXn%2F2f6j69umu98YIq9Qtkm3UK7ruiK8Vowj54KC%2BXkitxJyRKZqWykzCK4kohKs0EqLKlesZOSFuTpGG%2Bi6t4QvTTSHj%2FNeZ0WKEJ1u6cO5w3IAwxQbICHzBt4yj0Gvq7enfUzuyApRpkJCND2P2Sfg3WRhtGYKMZjnFmabMZ6neA3setCb%2B798AVB0QWA%3D&p=mache+dich+mein+herze+rein&type=fc_AC934C13286_s58_g_e_d120223_n9998_c999#id=8&vid=ffc8fe7a4e1ddf648b67b9b7d1087851&action=view,


    Eine meiner Lieblingsarien von Bach; sie läutet sozusagen das Ende der Passion ein (salopp: die letzte Runde, daher ein geeignete Nachtstück). Im Rezitativ die Anspielung auf die Genesis-Erzählungen der Schöpfung und der Sintflut. Sänger: einer meiner Lieblingsbässe.

    Genauso unbekannt wie die Musik ist die klassische Literatur, die deutsche, die Weltliteratur auch. Ich hatte hier schon einmal erwähnt, dass hier in unserer Vorstadt ein sehr erfolgreicher kleiner inhabergeführter Buchläden existiert. In diesem fand ich bei der letzten Umherschau nicht ein einziges Buch aus der klassischen und romantischen Epoche. Die Buchhändlerin: "Da fragt keiner nach! Ich kann aber alles bestellen!"

    Selbst unsere Nobelpreisträger Böll und Grass sind versunken (das habe ich allerdings schon gesagt, als ich erst 20 war).

    Haydn ist ja hier im Forum sehr präsent - zu Recht. An der Auswahl eines besonders schönen Streichquartetts merke ich, dass ich immer gewusst habe, dass die Quartette von Joseph Haydn genauso gut komponiert sind wie die Sinfonien, habe daraus aber bisher keine Schlüsse gezogen, davon mehr zu hören.

    Die Sätze 2 und 3 kannte ich. Ich hatte in Satz zwei eine schnelle Variation erwartet, aber das geht bei Cantus-firmus-Variationen wohl nicht, wie Johannes Roehl ja erklärt hat.

    Eine Frage: in den klassischen Sinfonien gibt es oft - so auch hier - im 3. Satz ein "Trio", das meist besonders schön ("anmutig") ist, besonders bei Schubert. Daher meine Frage: was bedeutet "Trio" (musikalisch natürlich), woher kommt diese "Vorschrift", welche sind die berühmtesten Beispiele?

    Ansonsten: ein guter Start!

    113. Raabe, Technisat-Glotze mit neuer Fernbedienung, der Tatortreiniger: Pingel´s Binge Night


    Nach langer Zeit gab der Fernseher seinen Geist auf, beginnend mit dem Totalausfall der Fernbedienung. Also mühsame Handschaltung, bis endlich alles aus war.

    Dann Fachgeschäft, Beratung, Lieferung mit Aufstellung, Einrichtung und Sortierung der Programme, dazu Abtransport des alten Möbels.

    Abends erstes Binge Watching: drei Folgen "Der Tatortreiniger", die ich nicht noch nicht kannte. Dann eine kleine Runde Zappen.

    Die Sensation: der Fernseher von Technisat wird mit 2 Fernbedienungen geliefert, die normale, große, die jeder nicht benutzt, und dann - o Wunder - eine einfache. Nur die Tasten, die man immer braucht. Dazu alle schön groß - eine Art Senioren-Bedienung.

    Der Tatortreiniger! Was für Dialoge, verrückte Geschichten und außer Bjarne Mädel jede Menge unbekannte tolle Schauspieler.

    Es war spät, aber noch nicht richtig spät. Also noch Binge-Lesen".

    Aus unserem Bücherturm hatte ich mir einen Klassiker mitgenommen, Wilhelm Raabes "Die Chronik der Sperlingsgasse." Ich habe es vor Jahrzehnten das letzte Mal gelesen, was bedeutet, das ich ein noch nie gelesenes Buch in der Hand hielt. Gerade dieses Buch (1863) gilt ja als etwas langweilig und biedermeierlich. So war es aber überhaupt nicht. Es schildert eine Zeit, ähnlich unserer Zeit, voller Krieg, Streit, Gleichgültigkeit, Standesdünkel, auch von Liebe, Tod und unendlichem Schmerz im privaten Leben. Da musste ich doch gleich die ersten 50 Seiten (von 200) lesen, denn dieser gute alte Raabe hat für mich das geschrieben, was die Amerikaner, meist zu Unrecht, einen page turner nennen. Zum Schlafen war dann der nächste Tag da.

    Ich hatte ja schon mehrfach nach der Länge gefragt. Ich denke, eine ganze Sinfonie muss drin sein, Mahler 8 eher nicht. Bei Opern gibt es eine Zwischenlösung. Ich hatte ja einen thread gestartet, der ungefähr dies meinte: Szenen ja, Arien nein. Man könnte auch 2 oder 3 typische Szenen nehmen und berichten, wie sie im Zusammenhang der Oper stehen.

    Eine Sache habe ich noch nicht verstanden. Sobald Nr. 1 seine Musik vorgestellt hat, können wir dann sofort kommentieren oder nach 1 Woche? Zur Dauer: das könnte der Starter doch selber regeln, indem er zum Start gleich sagt "14 Tage" oder einen Monat. Wenn ich die Liste sehe und die Bestimmung "Monat", da sind die weiter unten ja erst im Januar 2026 dran.:pfeif:

    Noch eine Bitte (klar pingelig): wenn alles besprochen ist, eine nach Punkten gegliederte "Satzung" erstellen.

    Nachtrag: die Rolle der Interpreten. Die Interpreten sollen ja nicht so eine Rolle spielen. Ich gehe davon aus, dass die Einsteller eine richtig gute Aufnahme auswählen. Wie war das aber jetzt noch mit den Sinfonien? Das sollten wir klären!! Wobei ich doch denke, dass man in einem Monat eine ganze Sinfonie hören kann, bei Haydn sogar alle Sturm-und Drang (40er):pfeif:

    Ich mache bei sowas gerne mit und melde mich an. Ich bin sogar inzwischen bereit, vorurteilslos (na ja, aber doch sehr entspannt, wozu die Diskussion hier - vulgo shitstorm - durchaus beigetragen hat!) bei jenem berühmten opus 125 mitzumachen:untertauch:.

    Ich habe übrigens hier vor einiger Zeit etwa Ähnliches gemacht: jeder konnte hier alle seine Lieblingsopern nennen, egal, wie viele (bei mir waren es 60). Danach musste jede Woche eine gelöscht werden. Das war schon sehr spannend. Bei zwei Kandidaten stand die Siegeroper von vorneherein fest, nämlich "Carmen" und "La Bohème", und auch bei war es nur die Frage, welcher Janacek es diesmal werden würde (das "Füchslein"). Gesamtsieger wurde dann "Tristan", sicher eine würdige Wahl.


    P.S. Ein Problem gibt es: ganze Sinfonien gehen nicht !? Oder doch? Oder nur einzelne Sätze? Das ist z.B. bei mir relativ häufig, dass bei mir bei einer Sinfonie einzelne Sätze die Favoriten sind. Z.B. bei der Rheinischen von Schumann, die ich insgesamt für sehr gelungen halte, warte ich immer sehnsüchtig auf Satz 4, den "Bläsersatz" (privat bezeichne ich dieses Stück als ein Porträt des "Kölner Domes"). Und bei op. 125 ist es Satz 2.

    Ich besitze alle Haydn-Sinfonien, zunächst ausschließlich in den Hogwood-Aufnahmen, danach einzeln mit verschiedenen Ensembles, alle aus HIP-Produktionen. Die hier neu erwachte Lust an Haydn-Sinfonien freut mich sehr, sodass ich beschlossen habe, mein damaliges Unterfangen zu wiederholen, und zwar 1. in der Hogwood-Reihenfolge und 2. zum Frühstück. Das ist sozusagen die Ergänzung zu "Pingels Nachtstück". Wie lange das dauert, war damals egal und ist es heute auch.

    "Eine gut gespielte Haydn-Sinfonie zum Frühstück ist besser als ein schlecht gekochtes Ei!" (Volksmund)

    Nachtrag zu Peter Konwitschnys "Totenhaus"-Inszenierung 2011 in Zürich


    In einem Statement erklärt Konwitschny die Grundlagen seiner Inszenierung. Vieles davon finde ich doch sehr bemerkenswert, auch wenn man den RT-Ansatz nicht teilt.

    Zwischendurch werden Szenen eingeblendet, mit der zugehörigen Musik. Selbst aus diesen kurzen Ausschnitten erkennt man die hohe musikalische Qualität der Produktion (Dirigent Ingo Metzmacher).


    ("Einfügen" klappt leider nicht. Daher am besten über die Suchfunktion mit den oben fett gedruckten Angaben).

    Johann Sebastian Bach - Komm, Jesu komm

    Diesmal gefällt es mir insgesamt sehr gut, vor allem der Teil "..du bist der rechte Weg...", der wie ein schöner Fluss dahinfließen muss und es auch tut. Mit den beiden Bässen (rechts außen, bzw. links von uns aus) war ich nicht so zufrieden, sie gehen etwas unter. Vor allem die Soloeinwürfe könnten markanter sein.

    Mit leider meinen eigenen Worten: Klassische Musik steht in einem Gegensatz zu Pop-Kultur. Pop-Konzerte haben mit ihrer Show eher die gesellschaftliche Aufgabe, Massen zu begeistern. Tetzlaff sieht in Facebook Aktionen, wie zum Beispiel der von Anne-Sophie Mutter, eine Tendenz vom Inhalt klassischer Musik abzulenken. Diesen definiert er am Ende als Ansprache eines Komponisten. Hier kommt es auf konzentriertes Zuhören an, was bei zuviel Ablenkung nicht mehr vermittelt werden kann.

    Ich höre viel Musik, aller Zeiten. Bei Polyphonie höre ich immer zu, oft mit den Noten, diese Musik kann ich nicht nebenbei laufen lassen.

    Im Auto höre ich die Rock-Klassiker (Doors, Iron Butterfly, Cream und und..) oder auch mal ein Hörspiel.

    Allerdings sind für das entspannte Autofahren (ich fahre auch auf der Autobahn nie mehr als 100 - hier im Ruhrgebiet ist das so gut wie überall vorgeschrieben) auch die instrumentalen Ouvertüren sehr geeignet, also Telemann, Bach, Fux, Heinichen, Fischer, Campra, Lully, Rameau usw., meist in meinen alten Aufnahmen der Capella Coloniensis. Dies lenkt mich nicht ab, sondern ist gut für mein entspanntes Fahren (50 Jahre ohne Unfall). Auch damals war diese Musik ja eher als Begleitung von höfischen festlichen Aktivitäten gedacht.

    Chormusik singe ich am liebsten selbst oder gehe in ein Chorkonzert. Sinfoniekonzerte gibt es für mich grundsätzlich nur live, also kein Beethoven, kein Brahms, kein Bruckner usw. aus der Konserve.

    Geistliche Musik höre ich seit ein paar Jahren am liebsten in der Essener Philharmonie, in der Reihe "Alte Musik bei Kerzenschein". Hier allerdings wühle ich mich durch YT, um neue Aufnahme kennen zu lernen. Auch die Kolumne des Kollegen Fiesco ist hier sehr aufschlussreich.

    Bei der Oper fahre ich doppelgleisig. Um viele Opern kennen zu lernen, sind Medien unerlässlich. Und gerade, wenn man eine Oper gut kennt, ist für mich der Genuss im Opernhaus doppelt.

    Kammermusik höre ich nur live, und, wenn möglich, nur in kleinen Sälen, wie etwa im Kammermusiksaal des Duisburger Lehmbruck-Museums; mit seinen vielen Skulpturen hat er hinreißendes Ambiente.

    Wenn ich Beifahrer habe oder Beifahrer bin, gibt es überhaupt keine Musik.