26.9.2026: Ein Samstag der Desaster: Fußball und Regietheater
An diesem Samstag gab es zwei Mega-Ereignisse, die im Fernsehen zu sehen waren. Ich hatte also die Möglichkeit, ständig zwischen ARD und 3sat umzuschalten. Zu Beginn wusste ich noch nicht, dass es ein desolater Abend würde.
ARD: Länderspiel in Augsburg, das zweite mit "Messias" Jürgen Klopp, das allerdings nicht mit dem "Hallelujah" endete. Da sehe ich mir doch lieber meine Bezirksliga an, die das letzte Spiel mit 8:5 gewonnen hat. Außerdem gab es dort die leckerste Bratwurst, die man in der Oper kaum erwarten kann.
Das andere (3sat) war die Premiere der Kölner Oper nach Jahrzehnten und endlosen Kosten.
Es wurde ein wirkliches grandioses Werk aufgeboten, der Rosenkavalier, der allerdings diese Premiere sehr lädiert überstanden hat.
Dauerndes Umschalten schien eine Lösung, aber wenn man zwischen zwei Desastern umschaltet, kommt auch nur Desaster heraus.
Das Länderspiel: ich habe es nicht zu Ende gesehen.
Die Oper: Regietheater reinsten Wassers von einer Französin. Es war alles dabei, moderne Kostüme, ein kitschiges Vorspiel ohne Musik, Octavian wurde von einer Frau gespielt. Das ist ja sowieso eine Hosenrolle, aber hier spielte eine Frau, die einen Mann darstellen sollte, diesen Mann als Frau. Gleich während der ersten, eigentlich intimen Szene, war der Bär los, Bedienstete, undefinierbare Statisten und ein Filmteam, das alles filmte. Hier zeigte sich, neben den ständigen Videoeinspielungen, was die Regisseurin vorhatte. Die drei Sopranistinnen (Octavian ist Alt) waren seltsam: Octavian wirkte älter als die Marschallin, vor allem im dritten Akt sah er aus, wie ein männlicher Pensionär, der sich bei der Tafel anstellt. Vieles habe ich dann verpasst, nicht aber die drei musikalischen Höhepunkte.
Nr. 1: der Monolog der Marschallin (..."die Zeit, sie ist ein sonderbar Ding). Wenn das eine relativ junge Frau mit einer ausladenden Frisur singt, vor allem auch nicht sehr gut, ist man irritiert.
Nr.2: die Überreichung der silbernen Rose. Die Sängerin konnte ihre Noten, aber die Innigkeit und der "silberne Sopran" gingen ihr ab.
Das Länderspiel war zu Ende und die Stimmung ähnlich schlecht wie beim Auftritt des Lerchenauers. Ein Sänger, der sehr gut spielte, aber im Singen farblos blieb, womit er den nationalen Fußballern sehr nahe kam.
Nr. 3: das Schlussterzett und das Schlussduett. In der Alten Musik ist bei kleinen Ensembles oft der Makel, dass jede Stimme ihren Part kann, aber es keinen Zusammenhang, keinen selbstverständlichen Fluss gab.
So auch hier. Drei Frauen können berückend schön singen, und das hatte Richard Strauss bei dieser Komposition auch im Sinn gehabt.
Also waren Augsburg und Köln an diesem Samstag keine glücklichen Orte. Und wenn man bedenkt, dass die Sportschau ausfiel (Augsburg) und der kleine Mohr am Schluss gestrichen war (Köln), musste man sich überlegen, wie man den Abend rettet. Das war einfach: die Messe von Josquin ("Malheur me bat") und "Immensee" von Theodor Storm.