Beiträge von Dr. Pingel

    158. Eine Oberstufenklausur mit Schere, Klebstoff und Buntstiften


    Bei meinen Oberstufenklausuren im Fach ev.Religion gab es normalerweise zwei Themen zur Auswahl. Thema 1: ein klassischer oder moderner Text mit Aufgaben zur Analyse.

    Thema 2: eine kreative Aufgabe, wenn mir eine einfiel.

    Beispiel 1: "Erfinde eine Sekte"

    Dies war eine Aufgabe, die das Thema "Kirche als Firma" zum Hintergrund hatte. Behandelt waren Strukturen von Gemeinden, Konfessionen, Sekten, Fundamentalismus. Hier sollte bei der Darstellung einer neuen, nichtexistierenden Sekte die Strukturen herausgearbeitet werden, von Riten, Gebäuden, Bräuche, Geschlechtertrennung, religiöse Erziehung usw.

    Mitzubringen (war vorher bekannt) waren: eine Schere, Buntstifte und Klebstoff.


    Thema 2: "Ein Dialog im Himmel". Das Thema, worauf die Klausur beruhte, war die klassische Religionskritik. Also Feuerbach, Marx, Freud, Sartre und das lautlose Verdunsten der Religion in unserer Zeit bzw. die Ersatzreligionen.

    Das Thema: "Feuerbach, Marx, Freud und Sartre sitzen mal wieder an ihrem Stammtisch -entweder in der Hölle oder im Himmel. Sie streiten darum, wer in puncto Religionskritik im Recht war!"

    Die Pointe meines Beitrags ist leider eine andere. Es geht niicht um Klavierlastigkeit, sondern um die Stücke selbst, die bei mir keine Reaktion auslösen, diese nochmal zu hören. D.h., diese Stücke bleiben im Dunstkreis der Klavieranhänger hier. Keineswegs verbinde ich damit eine Kritik an den Kollegen und ihrer Auswahl.


    Nachtrag: vielleicht oder wahrscheinlich liege ich schief, deshalb sollten wir diese Sache beenden und ich werde nicht mehr darauf zurückkommen.

    Warum fällt mir bei der Neuvorstellung ein Loriot-Sketch ein? Statt "ein Klavier, ein Klavier" muss es jetzt heißen "ein Klavierstück, ein Klavierstück"!

    Warum stellen bloß für ihre Klavieraffinität bekannte Mitglieder Klavierstücke ein ... seltsam bis unerklärlich ist das. :/


    Und: nein, ich schau mir hier nur um ...

    A very smart try to outpingel dr. pingel.

    Aber ist nicht dieses Thema dazu da, neue Hörer zu gewinnen? Ich denke da an meine Beiträge von Byrd, Lobo, Victoria, Janacek, Schütz, Tallis; für manche hier Neuland.

    Es gibt eine kleine Anekdote von Shaw, in der er gefragt wird, wie sein Verhältnis zu den biblischen Schriften sei. Auf seine negative Antwort antwortete ein Theologe, dass er sich nur intensiv bemühen müsse, die Bibel zu verstehen. Shaw: ja, das habe er gemacht. Aber je mehr er sich mühe und studiere, umso größer und begründeter werde seine Ablehnung.


    Im 19. Jahrhundert zog der Rechtsanwalt Robert Ingersoll durch ganz Amerika wie im vorigen Jahrhundert Billy Graham. Allerdings missionierte er nicht, sondern sprach aufgrund genauester Studien, vor allem zum AT, über die Irrtümer und schlimmste Gewalttaten im AT (Beispiele dafür finden sich in meinem Schreibtisch im Thema AT-Führer).


    Hier bei uns gibt es eine ganze Reihe, die Klavier und sogar Orgel spielen können. Die schätze und beneide ich sehr. Ich selber bin nicht so bewandert, obwohl ich viel kenne und liebe. Schubert, Brahms Bach, Beethoven: davon kenne ich viel. Aber sie bilden die Latte, an der sich die anderen messen müssen. Und so habe ich mir Schumann, Liszt, Ives, Rachmaninow, Ligeti geduldig angehört - und werde die hier vorgestellten Werke nie wieder hören. Auch die neuen Kommentare zeigen ja, dass die Pianisten hier unter sich sind.

    Mit Opern ist es ähnlich. Ich habe vor Jahren in Duisburg Lucia di Lammermoor gesehen und hier berichtet, was ziemlichen Unmut ausgelöst hat. Seit dem habe ich diese Oper nie wieder gehört oder gesehen. Am Sonntag habe ich in Duisburg "Der Kreidekreis" von Zemlinsky gesehen und werde da noch 2x hingehen.

    Noch einmal: das ist keine Abwertung unserer Klavierenthusiasten hier, aber ich bin halt keiner. Trotzdem werde ich die Beiträge hier weiter hören; ich habe aber festgestellt, dass ich meist nichts dazu schreiben kann.

    157. Fünfmal der Kreidekreis


    "Der Kreidekreis" ist eine uralte Geschichte oder Legende oder Märchen.

    1. Salomo (1.Könige 3)

    Zwei Frauen wohnen in einem Haus und bekommen in derselben Nacht ein Baby. Das Baby der einen Frau stirbt, da vertauscht sie die Kinder und behält das lebende. Die Sache kommt vor den Richter, in diesem Falle Salomo.

    Salomo stellt die Frauen in einen Kreis und befragt die Frauen. Beide Frauen wollen nicht nachgeben. Da befiehlt Salomo, das Kind mit dem Schwert zu teilen und jeder Frau eine Hälfte zu geben. Die richtige Mutter verzichtet aus Liebe zu dem Kind. Darauf spricht Salomo ihr das Kind zu.

    2. Eine chinesische Legende aus dem 14.Jahrhundert. Hier ist die junge Frau Zweitfrau bei einem reichen Mann und gebiert ein Kind. Die Erstfrau des Reichen vergiftet ihren Mann, eignet sich das Kind an und beschuldigt die Zweitfrau, die Untaten begangen zu haben.

    Vor Gericht stellt der Richter die beiden Frauen in einen Kreidekreis und befiehlt den Frauen, das Kind an einem seiner Arme zu sich zu ziehen. Das geschieht; die Erstfrau zieht stark, die Zweitfrau (als die wahre Mutter) lässt nach, um das Kind nicht zu verletzen. Der bestochene Richter spricht der Erstfrau das Kind zu, die Zweitfrau wird zum Tode wegen Mordes und Kindsraub zum Tode verurteilt.

    3. Ein Schauspiel von Klabund in den Zwanzigern, das auf der chinesischen Legende basiert. Hier geschieht alles wie oben, allerdings mit diesem Schluss: in Peking ist der Kaiser gestorben, sein Sohn Pao wird Kaiser. Er lässt alle, die zum Tode verurteilt wurden, nach Peking bringen. Dann kommt heraus, dass er vor einiger Zeit sich in die junge Frau verliebt hat und mit ihr das Kind gezeugt hat. Er liebt sie noch immer und akzeptiert das Kind als Prinzen. Die junge Frau wird Kaiserin.

    4. "Der Kreidekreis", Oper von Alexander Zemlinsky (Musik und Libretto).

    Diese Oper aus den Dreißigern folgt weitgehend dem Klabund-Text.

    Im September war die Premiere, ich war am Sonntag in Duisburg. Eine grandiose Aufführung, über die ich hier im Thema "Musiktheater im Revier" noch berichten werde.

    5."Der kaukasische Kreidekreis" von Bertolt Brecht

    In Kriegswirren rettet die Magd Grusche den Sohn einer reichen Frau, die flieht und ihr Kind im Stich lässt. Grusche zieht das Kind groß. Als der Krieg endet, kehrt die reiche Frau zurück und beansprucht das Kind. Der Richter spricht ihr das Kind zu, weil hier die Sorge schwerer wiegt als die leibliche Abkunft. Ein Stück episches Theater von Brecht.

    157. Ein Gedicht mit unglaublichen Bildern


    Dieses Gedicht habe ich irgendwo in der Wüste des Internets entdeckt. Ich nenne den Namen des Schreibers nicht, ich zitiere auch das Gedicht nicht (die Rechte!), aber nenne nur die Bilder.

    (das Original wird fett gedruckt).

    1. Strophe: da zittert irgendwas als wärst du Wal, der eine Brandung krault.

    Ein kraulender Wal in der Brandung, der dort krault oder surft. Da könnte man doch auf Sylt die Wal-Kraul-WM durchführen. Oder ein Walverfolgungsrennen mit Walen vorn und Haifischen hinten. Oder analog zum Triathlon ein WalAthlon. Man könnte auch überlegen, Walrennen mit Reitern durchzuführen.

    2. Strophe: hier wieder schwebt etwas als wärst du Aas, das einen Geier flieht.

    Also, ich dachte, dass das Aas vor dem Aas-Sein den Geier floh und zwar vergeblich.

    3. Dritte Strophe, eine Denkaufgabe für Theologen, Bereich Theodizee.

    Hier wird gewispert, als wärst du Gott, den seine Sünde reut.

    Das ist so gewaltig, dass mir nichts mehr einfällt.

    Morgen werde ich eine Zeitungsannonce aufgeben, in der ich Wale suche, die kraulen können und tote Tiere, denen man das Flüchten beibringt.

    Aber wahrscheinlich werde ich versuchen, den Verfasser zu finden; vielleicht hat er noch mehr von diesen Sachen.


    Tatsächlich habe ich den Verfasser gefunden, es ist Matthias Dornhege. Er spielt Tuba und ist Mitglied des "Geierabends". Leider macht er hauptsächlich Musik, einen Gedichtband von ihm würde ich mir sofort anschaffen.

    Mehr Info gibt es im Internet unter "Geierabend". Jeder, der Aas sein möchte, der den Geier sucht, findet dort reiche Beute. Es handelt sich um alternativen Karneval aus dem Ruhrgebiet, wahrscheinlich sowas wie die Stunksitzung in Köln.

    In der polyphonen Zeit gab es große Notenständer mit großen Noten, und die Sänger standen drumherum. Im Xantener Dom gibt es noch ein Exemplar. Zum Singen konnten wir allerdings nicht darauf zugreifen.

    Der Sage nach war der erste Dirigent, der auswendig dirigierte, Hans von Bülow. Bevor er auftrat, trug ein Diener mit großer Geste das Dirigentenpult weg.

    Wir hatten ein Bach-Oratorium (WO) mit einem sehr guten Barockorchester in kleiner Besetzung, aber es war klanglich sehr gut. Es gibt ja im WO eine Sinfonia (ich glaube, die Hirtenmusik), das hat mein Chorleiter nicht dirigiert. Eine sehr stimmige Verbeugung vor diesen Musikern.

    Ich habe den Liszt jetzt auch gehört und zwar in einem Rutsch die meisten Interpretationen, bis auf die neuesten. Mein Favorit dabei ist natürlich der Favorit eines Hörers, der sich in Klaviermusik nicht so auskennt: Lise de la Salle. Das Stück hat mir gut gefallen, vielleicht aber aus dem Grund, der hier dazu geführt hat, dass ab 2.850 nur noch von Bachs Orgelstück die Rede ist.

    Ein Qualitätsmerkmal ist doch im Sopran, dass die Sängerinnen gerne schulterfrei singen, in besonderen Momenten sogar nur mit einer freien Schulter:pfeif:.

    Auch die Programme haben sich vereinfacht, hin zum Volkstümlichen. Das war schon vor Jahren in Essen so, mit der Folge, dass die Essener Philharmonie zum ersten Mal, seit ich dort bin, komplett ausverkauft war. Ich hatte einen Platz im Rang hinter dem Podium, das habe ich bis heute noch nie erlebt.

    Der Tenor Blake Morgan hört ebenfalls auf und wird ersetzt durch einen Herrn namens Riley Eddins.

    Wer verlässt da das sinkende Schiff? Ich fand den Tenor immer überragend, also gleiche Höhe wie Haines.

    So ist mein Jesus nun gefangen

    Matthäuspassion - Herreweghe





    Dasselbe Stück, aber welch ein Unterschied: langsames Tempo und Ritardando am Schluss, der Chorklang sehr amateurhaft mit großer Sopranlastigkeit. Hier bei dem Gewitter müssen aber vor allem die Bässe im Vordergrund sein. Sehr enttäuschend die beiden Solistinnen. Ich habe beide selbst gesehen und gehört, Julia Hamari in Düsseldorf und Helen Donath in Essen. Sie sind von Karl Richter wohl angehalten worden, ein emotionales Opernduett zu singen.

    Der Wandel von Richter zu Herreweghe scheint mir hier offensichtlich zu sein.

    156. Soap Boxes - Seifenkisten


    In der Serie "Das war dann mal weg" finden sich sehr viele Dinge, die ich noch kannte. Sehr schön sind die Details, an die man sich auch erinnert; der Cassetten- Recorder: was tun bei Bandsalat? Richtig - zurückspulen mit einem Bleistift.

    In dieser Zeit (1966) gab es noch Seifenkistenrennen. Anfangs mit selbstgebauten Soap Boxes, woran man merkt, dass die Idee aus den USA kam und Gefährte benutzte, in denen normalerweise Seife transportiert wurde. Die Sache mit der Seife hat auch ihren Ursprung bei den Soap Operas, wobei da die Waschmittelwerbung Pate stand.

    In einigen Städten gab es Bahnen für diese Rennen; sie mussten abschüssig und asphaltiert sein. In Mülheim gibt noch einige Berge, besonders eine Straße führte (und führt bis heute) von der Stadtgrenze bis zur A3-Auffahrt, etwa 500m. Mindestens einmal im Jahr gab es ein Rennen, immer auch als Wettbewerb. Das Publikum wahr zahlreich und sehr begeistert. Heute nutzen Tausende am Tag die Route zur Autobahn, eine Sperrung wäre nicht möglich.

    Da rufe ich gleich mit! Ich werde musikwanderer demnächst besuchen, da veranstalten wir einen Brüllwettbewerb!

    Niedrigwasser in Köln, zeitgleich Rhein und Oper (Rosenkavalier).


    Ich habe nicht alles gesehen und ständig zwischen desaströsen Fußball und desaströsem Rosenkavalier hin und her geschaltet und mir ein paar Einzelheiten gemerkt, die den obigen philosophischen Beitrag nur "umspielen" sollen und zeigen, dass diese Inszenierung nicht nur im zentralen Thema verfehlt war, sondern auch reich an lächerlichen Details.

    1. Octavian ist eine Frau, die einen Mann darstellen soll, also eine Hosenrolle. Daraus macht die Regisseurin dann wieder eine Frau. Nicht der einzige Salto.

    2. Vorspann ohne Musik, ein Softporno auf Video (ein Kritiker: Blümchensex) mit lesbischen Frauen.

    3. Die Einleitung als Bühnensoftporno live, während ein Filmteam darum herumwieselt. Eine Kritik nannte diese Filmmasche ausgesprochen abgedroschen. Ich erinnere mich, dass bei dem letzten Boris Godunow in Amsterdam (Serebrennikow), der eigentlich absolut großartig war, der Regisseur den Polenakt retten wollte, indem er die Handlung als Filmdreh laufen ließ.

    4. Von Anfang an hatte ich den Eindruck, dass die Marschallin jünger aussah als Octavian.

    5. Im letzten Bild sah Octavian mit seiner Kurzhaarfrisur eher aus wie ein Rentner, der sich bei der Tafel anstellt (ein krudes Bild, aber ich eifere ulli mal nach (:cheers:))

    6. Musikalisch war es sehr mittelmäßig. Der große Monolog der Marschallin (..die Zeit, sie ist ein sonderbar Ding..) war ganz gut gesungen, aber das reicht nicht für eine Marschallin. Ich bin da etwas ungerecht, weil ich in der Wiener Staatsoper Elisabeth Schwarzkopf in der Rolle gesehen und gehört habe, und das nicht nur einmal.

    7. Sofie ist in der Rosenüberreichung das "Wiener süße Mädel" mit der "Silberstimme".

    Beides traf hier nicht so zu, und die Handlung an dieser Stelle war leicht unverständlich.

    8. Der Sänger des Ochs war schauspielerisch sehr gut, für diese Inszenierung zeigte er viel Bauch, viel Bass eher nicht so.

    9. Das Schlussterzett (+ Schlussduett) war eine einzige Enttäuschung. Es gibt kaum etwas Wunderbareres für Frauen als diese Komposition (von Victoria mal abgesehen). Wichtig ist dabei der Fluss, das Ineinanderschmelzen. Hier sang jede für sich.

    10. Dann der Schluss: da fehlte der Mohr. Dabei hätte man den doch bringen können, mit einem großen Schild gegen Rassismus in der Hand, zusammen mit einem Kameramann.

    11. Wenn man die Preise erfährt, müsste man Erstattung des Tickets verlangen.

    Das Stück wird noch den ganzen Oktober gespielt.

    Ich habe am Sonntag zeitgleich (zapping) das Fußballspiel und die Eröffnung der Kölner Oper mit dem Rosenkavalier gesehen. Beides war gleich desaströs. Da ich beide nicht vollständig sehen konnte, habe ich den Bericht dazu in meinen Schreibtisch verbannt, und zwar in die "Satiregruft" (#41). In Köln war es Regietheater, sehr ungekonnt, auch musikalisch nur Mittelmaß. Kräftige Buhrufe neben dem obligatorischen Beifall gab es am Ende.

    Ich habe als Sänger die Johannespassion in drei verschiedenen Ensembles gesungen und muss sagen, dass das obige Schumann-Zitat absolut zutreffend ist. Die Turbae-Chöre der Johannespassion (Lasset uns den nicht zerteilen; Wir haben keinen König; Kreuzige, kreuzige; Weg mit ihm, kreuzige, kreuzige) sind Chöre von einer beispiellosen Kühnheit bis heute. Auch gestandene Vokalensembles müssen das richtig üben, für große Chöre der alten Aufnahmen und besonders für normale (Kirchen-) Chöre ist dieser Gipfel unerreichbar.

    Der Schluss der Matthäuspassion ist wunderbar und bewegend, aber der Schlusschor der Johannespassion (Ruhet wohl, ihr heiligen Gebeine) ist auch für Sängerinnen und Sänger so ergreifend, dass man sich sehr konzentrieren muss, um nicht überwältigt zu werden. Und dann der allerletzte Teil, ein schlichter Choral (Ach Herr, lass dein lieb Engelein) ist durch seine Schlichtheit besonders ergreifend, sozusagen der einfache Abschluss für Sänger und Hörer als Trost nach dem gewaltigen Drama.

    Nach dem, was ich hier formuliert habe, ist es mir, wie immer, nicht möglich, die alten Aufnahmen mit großem Chor, großem Orchester und Opernstars mit Anteilnahme anzuhören.

    Die Johannespassion ist keine Oper und daher gibt es für mich keine Rückkehr zu diesen alten Aufnahmen, die allerdings zu ihrer Zeit gültig waren.

    Eine sehr schöne Aufnahme (live) gibt es auch von dem erweiterten Ensemble von Voces8; hier werden die Solopartien von Ensemblemitgliedern gesungen und ähnlich wie bei Herrweghes Matthäuspassion singen die Solisten auch die Chöre mit

    155. Talk-Runde - ein spezieller Gast


    Immer Freitags gibt es auf vielen Sendern eine Talkrunde: Köln, Bremen, Caren Miosga, Markus Lanz (tägl.), MDR usw.

    In einer dieser Runden (in welcher habe ich vergessen) tauchte eine Frau auf mit einem spektakulären Hobby: sie war fünffache Weltmeisterin im Tischfußball (allgemein, da wird nicht nach Geschlechtern getrennt). Training: drei Stunden am Tag.

    26.9.2026: Ein Samstag der Desaster: Fußball und Regietheater


    An diesem Samstag gab es zwei Mega-Ereignisse, die im Fernsehen zu sehen waren. Ich hatte also die Möglichkeit, ständig zwischen ARD und 3sat umzuschalten. Zu Beginn wusste ich noch nicht, dass es ein desolater Abend würde.

    ARD: Länderspiel in Augsburg, das zweite mit "Messias" Jürgen Klopp, das allerdings nicht mit dem "Hallelujah" endete. Da sehe ich mir doch lieber meine Bezirksliga an, die das letzte Spiel mit 8:5 gewonnen hat. Außerdem gab es dort die leckerste Bratwurst, die man in der Oper kaum erwarten kann.

    Das andere (3sat) war die Premiere der Kölner Oper nach Jahrzehnten und endlosen Kosten.

    Es wurde ein wirkliches grandioses Werk aufgeboten, der Rosenkavalier, der allerdings diese Premiere sehr lädiert überstanden hat.

    Dauerndes Umschalten schien eine Lösung, aber wenn man zwischen zwei Desastern umschaltet, kommt auch nur Desaster heraus.

    Das Länderspiel: ich habe es nicht zu Ende gesehen.

    Die Oper: Regietheater reinsten Wassers von einer Französin. Es war alles dabei, moderne Kostüme, ein kitschiges Vorspiel ohne Musik, Octavian wurde von einer Frau gespielt. Das ist ja sowieso eine Hosenrolle, aber hier spielte eine Frau, die einen Mann darstellen sollte, diesen Mann als Frau. Gleich während der ersten, eigentlich intimen Szene, war der Bär los, Bedienstete, undefinierbare Statisten und ein Filmteam, das alles filmte. Hier zeigte sich, neben den ständigen Videoeinspielungen, was die Regisseurin vorhatte. Die drei Sopranistinnen (Octavian ist Alt) waren seltsam: Octavian wirkte älter als die Marschallin, vor allem im dritten Akt sah er aus, wie ein männlicher Pensionär, der sich bei der Tafel anstellt. Vieles habe ich dann verpasst, nicht aber die drei musikalischen Höhepunkte.

    Nr. 1: der Monolog der Marschallin (..."die Zeit, sie ist ein sonderbar Ding). Wenn das eine relativ junge Frau mit einer ausladenden Frisur singt, vor allem auch nicht sehr gut, ist man irritiert.

    Nr.2: die Überreichung der silbernen Rose. Die Sängerin konnte ihre Noten, aber die Innigkeit und der "silberne Sopran" gingen ihr ab.

    Das Länderspiel war zu Ende und die Stimmung ähnlich schlecht wie beim Auftritt des Lerchenauers. Ein Sänger, der sehr gut spielte, aber im Singen farblos blieb, womit er den nationalen Fußballern sehr nahe kam.

    Nr. 3: das Schlussterzett und das Schlussduett. In der Alten Musik ist bei kleinen Ensembles oft der Makel, dass jede Stimme ihren Part kann, aber es keinen Zusammenhang, keinen selbstverständlichen Fluss gab.

    So auch hier. Drei Frauen können berückend schön singen, und das hatte Richard Strauss bei dieser Komposition auch im Sinn gehabt.

    Also waren Augsburg und Köln an diesem Samstag keine glücklichen Orte. Und wenn man bedenkt, dass die Sportschau ausfiel (Augsburg) und der kleine Mohr am Schluss gestrichen war (Köln), musste man sich überlegen, wie man den Abend rettet. Das war einfach: die Messe von Josquin ("Malheur me bat") und "Immensee" von Theodor Storm.

    Alfred Deller ist der einzige Counter, den ich sofort am timbre erkenne. Legendär ist seine Aufnahme der Missa von Machaut mit dem Collegium aureum. Dieses Stück habe ich vor Jahrzehnten live auf einem Kirchentag gehört und ich habe natürlich noch die CD.

    Die Einspielung ist von ungeahnter Kühnheit. Ein Freund, in der Musik nicht ganz unbewandert, hielt es für ein Werk von Strawinski. Von Strawinski wird überliefert, dass er ein Bewunderer von Machaut war!

    Ein Werk, das ich lange nicht gehört habe, ist der Sommernachtstraum von Britten. Fiesco sagt, dass Britten die Rolle des Oberon eigens für ihn komponiert habe. Das war mir neu!

    Für diese tolle Übersicht meinen Dank an Fiesco!!

    Statt der Orgelmusik möchte ich diese Kantate, die Trauerode, bei unserem Treffen gerne hören. Das ist nämlich meine absolute Lieblingskantate; na sagen wir, eine der vielen:angel:

    Nr.2 - die versemmelte Doku Bericht über den ARD-Musikwettbewerb


    Dieser Wettbewerb für Nachwuchsmusiker in verschiedenen Fächern dauerte nur 30 Minuten und da wurde alles reingepackt, verschiedene Musiker, Ausschnitte aus den Vorentscheidungen, Interviews, Entscheidungen. Das alles in 30-Sekunden-Takes, also alles in der Art der "Shorts" bei YouTube oder TikTok. Nur für eine junge Organistin war mehr Zeit, da wurde es ruhiger und sofort auch berührender, weil natürlich eine einzelne Person mehr Aufmerksamkeit bekommt, auch wenn die junge Organistin es nicht ins Finale schaffte.

    Zwei Musikdokus im TV


    Nr. 1, die gekonnte Doku im WDR: das WDR-Orchester in Rumänien

    Hier ging es um eine Reise und einen Auftritt des WDR-Sinfonieorchesters in Rumänien, und zwar in Temesvar (heißt eigentlich anders, aber zu schwierig; wie immer nur mit Konsonanten). Das ist die Heimat vom gegenwärtigen Chefdirigenten Christian Macelaru, dem 2027 die französische Dirigentin Marie Jacquot folgt. Hauptstück war das 2. Klavierkonzert von Johannes Brahms (dieses und sein erstes sind meine absoluten Lieblingswerke bei Klavierkonzerten). Da habe ich beschlossen, beide bald mal wieder ganz zu hören. Der Pianist war, glaube ich, Slowake; auch ein Name mit vielen Konsonanten, was mich an eine satirische Notiz aus dem New Yorker erinnert, der vorschlug, dass die UNO mal ein paar Milliarden Vokale über dem Balkan abwerfen sollte.

    In dieser Doku konnte man Auszüge aus den Proben sehen, Gespräche mit den Musikern, kurze Berichte über die musikalische Familie des Dirigenten, dazu Eindrücke aus einer sehr schönen Stadt und schließlich auch Auszüge aus dem Konzert. All das in einer ruhigen Art und lebendigen Mischung von Sprache und Musik.


    Nachtrag: beim Anklicken der Seite des Sinfonieorchesters des WDR fand ich eine Seite, die alle Mitglieder des Orchesters in Bild und Wort vorstellt. Ich suchte nach einer Schülerin aus Oberhausen, die Cello spielte. Stattdessen fand ich eine Frau, Gudula Finkentey -Chamot, ebenfalls Cellistin, die Anfang der 80er ein Gymnasium in Mülheim/Ruhr besuchte. Ich weiß nicht mehr, ob ich sie unterrichtet habe. Ich weiß aber noch, dass sie regelmäßig von der Schule beurlaubt wurde, weil sie bei einer damals sehr bekannten Cello-Lehrerin Unterricht hatte. Da sie natürlich eine sehr gute Schülerin war, war das kein Problem.

    154. Capri-Sonne


    Auf dem Weg zu einem Konzert in der Essener Philharmonie musste ich etwas trinken, woran im Essener Hbf. kein Mangel ist. Da es nur einer geringen Menge bedurfte, nahm ich eine Capri-Sonne, zum ersten Mal in meinem Leben. Dieses unschmackhafte Erzeugnis heißt heute Capri Sun, kostet 69 cent und hat neuerdings einen Strohhalm. Das hatte zur Folge, dass ich nicht wusste, wie man an die Flüssigkeit kommen sollte. Schließlich ging ich zurück und ein netter Mitarbeiter zeigte mir, wie es geht und machte das Ding auf, obwohl ich den Strohhalm schon ziemlich ruiniert hatte. Jetzt, wo ich weiß, wie es geht, werde ich es natürlich trotzdem nie wieder kaufen.

    Ich kann dem absolut zustimmen. Ich liebe Orgelmusik, bin aber kein Kenner, bin also die Person, die die großen Orgelkomponisten im Auge hatten.

    Also:

    1. Bach: siehe oben. Tunder, Buxtehude und die ganze norddeutsche Riege gehört dazu. Dazu Max Reger.

    2. Live in der Kirche. Ausnahme Essener Philharmonie. Auf CD oder im Internet nur zum kennenlernen.

    3. Von den Franzosen höre ich nur César Franck. Keinen Messiaen, vor allem nicht die gewaltigen Orgelsinfonien. In Essen wurde vor einigen Wochen die letzte Orgelsinfonie von Saint-Saens gespielt. Wahrhaft ohrenbetäubend.


    Bericht: vor einiger Zeit habe ich ein Orgelkonzert hier in unserer Klosterkirche gehört.

    Es begann mit einer jener furchtbaren Vorreden, die uns die Musik erklären, statt sie einfach zu spielen. Dazu kommt, dass die Mikrofone viel zu laut und dumpf sind, sodass man nur die Hälfte versteht.

    Das Programm: drei Triosonaten von Bach (BWV 525,526,527). Ich wusste bisher nicht, dass man sich bei Bach langweilen kann, wo doch jede Orgel die schönsten Register hat.

    Dann ein moderner Komponist, der selber spielte (hier in #37 erwähnt, ich sage aber nicht, welcher es war).

    Es waren Improvisationen mit jenen hochgestochenen, prätentiösen Titeln, die den zweifelhaften Wert dieser Musik erhellen sollten. Also: Wandlungen, Raumtiefe, Einstimmiges Echo, Schlaf, Strahlen, Schraffuren, Mars. Die Musik: Raunen!

    Meine Improvisation: Abhauen! Verduften! Dazu war die Pause gut geeignet.