Beiträge von rappy

    Es gibt eine ganze tolle DVD von Perlman, der zu seinem 60. Geburstag dieses Konzert mit Daniel Barenboim und den Berliner Philharmonikern eingespielt hat. Dies ist für mich die Referenzaufnahme. Im Gegensatz zu Schneiderhan spielt Perlman meiner Meinung nach im Finale mit mehr Kraft, Energie und vor allem Ausdruck. Wenn ich ihn spielen sehe, reißt es mich jedes mal vom Hocker - die DVD ist ein must have! Das geringfügig schnellere Tempo im Finale als bei Schneiderhan passt mir auch besser.

    Hallo,


    wie würdet ihr Beethovens 9 Sinfonien ordnen, beginnend mit eurer Lieblingssinfonie? Bei mir kommt definitiv die Achte an erster Stelle. Dennoch ist es nicht einfach, die Sinfonien zu ordnen. Denn irgendwie sind ja alle gut, und man will keine an den Schluss stellen - zumindest ich nicht.


    Ich versuch's trotzdem:


    8 - 7 - 4 - 9 - 6 - 5 - 3 - 2 - 1


    Ganz schwer ist es im Mittelteil, die Nr. 9, 6 und 5 würde ich auf dieselbe Stufe stellen. Würden nur die ersten Sätze zählen, wäre die Eroica auch ganz vorne mit dabei. Die 4. Sinfonie verdankt ihren vorderen Platz den fantastischen Ecksätzen, auf das Finale möchte ich nicht verzichten! Vor allem nicht auf die Einspielung von Bruno Walter (ColSO).


    Wie sieht's bei euch aus? Welche der Sinfonien mögt ihr besonders, welche weniger? Vielleicht kommen wir ja zu einem überraschenden Ergebnis. Ob die Neunte bei den meisten an erster Stelle steht? Sind die ersten wirklich die schlechtesten?


    rappy

    Hallo,


    auch ich möchte gleich mal meinen Geschmack präsentieren.


    Ich bekenne mich als HIP-Gegner (absolutes Gehör lässt grüßen), historische Aufnahmen klingen meiner Meinung nach verstimmt, matt und langweilig, bis auf ganz wenige Ausnahmen. Daher mag ich am liebsten die krassen Gegensätze, was nicht verwundern lässt, dass Herbert von Karajan einer meiner Lieblings-, wenn nicht DER Lieblingsdirigent ist. Ich höre auch gerne Karl Böhm, Bruno Walter, Adam Fischer, Jochum, Günther Wand, um nur mal ein paar zu nennen.
    Die zweite große Kategorie bilden die Pianisten, da bin ich großer Verehrer von Sviatoslav Richter. Aber zu den ganz Großen zähle ich zudem auch Gilels, Gould, Rubinstein, Pollini und Barenboim und natürlich noch viele mehr die mir jetzt gerade nicht einfallen.
    Mein Lieblingsorchester sind die Berliner Philharominker, dicht gefolgt vom Chicago Symphony Orchestra. Letzteres ist auch Interpret meiner absoluten Lieblingsaufnahme:



    Dieses Konzert betrachte ich als das großartigste Werk was jemals geschrieben wurde und niemals hätte ich gedacht, dass ein menschliches Wesen so brillant Klavier spielen kann. Mit tiefstem emotionalen Ausdruck bei jeder Note hebt sich Richter hier deutlich als Gott des Klavierspiels von anderen Pianisten ab, hiermit begründet sich auch meine Entscheidung (oben) für meinen Lieblingspianisten. Hört man den damals jungen Russen spielen, könnte man glatt meinen, er hätte das Konzert selber komponiert.
    Ganz großes Lob auch an Erich Leinsdorf, der den kranken Reiner kurz vor der Aufführung abgelöst hat und das Tempo gesteigert hat, was diese Einspielung so von den anderen hervorhebt.

    Hallo


    mein Lieblingswerk von Schumann wird leider selten erwähnt: die Klaviersonate Nr. 1 in fis-Moll. Herausragendes Werk, eines der schönsten größeren Kompositionen für Klavier! Alleine die Einleitung des 1. Satzes müsste der Sonate schon einen weitaus größeren Bekanntheitsgrad verschaffen. Danach folgt ein energischer, polyphoner und groß angelegter Sonatenkopfsatz.
    Die folgende Aria ist sehr kurz gehalten, aber das macht sie nicht schlecht, ganz im Gegenteil: ein bezaubernder langsamer Satz in A-Dur. So etwas verbinde ich mit Romantik!
    Nach der Aria folgt nicht etwa ein abschließendes Rondo, sondern ein flottes Scherzo mit einem wunderschönen Intermezzo.
    Ein letzter Höhepunkt ist das leidenschaftliche Allegro un poco maestoso - Più allegro, was das Werk abrundet. Über 10 Minuten dauert dieser sehr lange letzte Satz, der wie das Scherzo in fis-Moll steht, zwischendurch aber auch durch andere Tonarten wandert.


    Im Übrigen gibt es von der Sonate eine Glanzaufnahme von Maurizio Pollini, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

    Ok ich glaube ich hab mich etwas falsch ausgedrückt. Ich will Haydn nicht runtermachen, im Gegenteil, guck nur mal was ich in meinem Profil unter Lieblingskomponist stehen habe ;)
    Aber jeder Komponist, so gut er auch ist, hat eben auch seine Schwächen.
    Ich finde einfach, das z.B. Mozart in seinen späteren Werken mehr Neues gebracht hat. Er hat revolutionäre Stücke geschrieben, vor allem Opern, aber auch die instrumentalen Werke sind immer sehr individuell. Beispiel: Die Jupiter-Sinfonie mit der großartigen Fuge zum Schluss. Oder die Nr. 40 mit ihrem dramatischen Moll-Thema. Bei Haydn hat man das Gefühl nicht so sehr. Er hat sehr viel geschrieben, alles von hoher Qualität, aber auch nicht so viele musikalische Höhepunkte. Seine letzte "London" Sinfonie ist großartig, aber hebt sich nicht wirklich von den anderen ab, da fällt mir auch keine andere ein, außer vielleicht die 94., aber auch nur wegen einem Schlag ;)


    Also als Fazit, ich meinte das ganze so: Als Haydn allmählich bei den Pariser Sinfonien sein sinfonisches Schaffen perfektioniert hatte, hat er da nach nicht mehr viel Neues reingebracht, also nicht mehr viel revolutioniert, wogegen andere immer den Drang hatten, bei jeder neuen Komposition die Form, Besetzung o.Ä. zu erweitern/variieren.

    Hallo,


    ein echter Fanatiker hat mal zu mir gesagt, in Beethovens Klaviersonate Op. 111 steckt so viel drin, dass man selbst nach 10maligem Durchspielen noch nicht alles herausgeholt haben kann. Ich glaube das trifft auch auf andere Werke zu. Klassische Musik zeichnet sich durch ihren unheimlich großen emotionalen Gehalt aus, welcher mit einem Mal Spielen nicht annährend vollständig herübergebracht werden kann.
    Das ist ein rationaler Grund zum Sammeln verschiedener Interpretationen.

    Hallo,


    es gibt einige sehr schöne Menuette bei Haydn, z.B. aus den Sinfonien Nr. 93, 94, 97, 100 und 104 aber auch aus den früheren, das düstere Menuett der 39. Sinfonie ist sehr beeindruckend. Leider klingen die Menuette fast alle gleich (oder sehr ähnlich), da muss ich euch schon Recht geben. Ich frage mich besonders bei Haydn, warum er es nicht geschafft oder gewollt hat, die Menuette ein bisschen einfallsreicher und differenzierter zu machen. Sie haben fast alle einen lauten Tuttischlag auf der 1 und meistens dasselbe harmonische Schema. Dass ein Menuett auch abwechslungsreicher und innovativer sein kann, beweist ja Beethoven in seiner 8. Sinfonie.


    Allgemein habe ich bei Haydn das Gefühlt, dass er leider einmal perfektionierte Formen nicht gern variiert. Auch die anderen Sätze sind in den meisten seiner Sinfonien fast immer gleich strukturiert, die Instrumentenwahl ist auch oft sehr ähnlich. Mozarts späte Sinfonien klingen dagegen meiner Meinung nach individueller, die letzten drei beispielsweise haben insgesamt sehr wenig gemeinsam. Von Beethoven wollen wir gar nicht erst reden, aber der ist ja dafür sowieso schon bekannt.


    Gruß
    rappy

    Hi,


    also es kommt ja immer auch darauf an, was für klassische Musik man im Auto hört! Perfekt ist doch eine schöne Platte von Telemann oder Vivaldi. Oder eine Serenade von Mozart.


    Auf keinen Fall sollte man Musik mit viel Dynamik (z.B. Haydn) oder Musik, die Konzentration erfordert (z.B. Bach) im Auto hören. Nicht nur, dass es ablenkt - man kann es gar nicht richtig genießen.


    Gruß
    rappy

    Hallo,


    als Komplettaufnahmen der Sinfonien kann ich Bruno Walter mit dem Columbia SO, Herbert von Karajan mit den Berliner Philharmonikern und David Zinman mit dem Züricher Orchester empfehlen.
    Karajan ist vor allem in der 3., 5., 8. und 9. Sinfonie unübertrefflich. Bei der Eroica Sinfonie erkannt man schon an den ersten beiden Akkorden, dass man es bei Karajan mit der ultimativen Aufnahme zu tun hat.
    Bruno Walter glänzt vor allem in den früheren Sinfonien, bei den späteren hat man das Gefühl, dass er etwas nachlässt, vor allem bei einigen viel zu langsam gespielten Sätzen (1. Satz der Pastorale, 1. Satz der 7., 4. Satz der 8. um nur ein paar Beispiele zu nennen). Dafür ist seine 4. das Beste was man kriegen kann. Zinman ist ein guter Allrounder, seine 6. sagt mir sehr zu, manche klingen im Vergleich zu Karajan in meinen Ohren zu grob.


    Wichtig finde ich bei Beethoven flotte Tempi in den Ecksätzen. Beethoven selbst hat auch oft viel schnellere Tempi vorgeschlagen als man sie heute so zu hören bekommt, beispielsweise beim ersten Satz der Pastorale.


    Gruß
    rappy

    Hi,


    die 8. Sinfonie ist mein persönlicher Favorit unter den beethovschen Sinfonien. Besonders beeindruckend finde ich den ersten Satz. Generell wirkt die ganze Sinfonie einfach wie aus dem Herzen heraus komponiert, ein bisschen an Mozart und Haydn erinnernd. Man merkt, dass Beethoven bei diesem Werk großen Wert auf die Schönheit der Musik gelegt hat und diesen Aspekt nicht an zweite Stelle hinter den musikalischen Fortschritt und die Innovation (wie bei der 7. und 9.) gestellt hat.


    Hier gefällt mir im Übrigen die 1963er Einspielung von Karajan und den Berliner Philharmonikern am besten. Der karajansche Klang passt perfekt zu dem Werk. Eine wuchtige und kraftvolle Interpretation.