Beiträge von rico

    es wurde hier leider nicht von pogos haydn aufnahme (nr. 19 & 46) gesprochen: sie polarisiert wie ich weiss natürlich enorm, aber sie stellt für mich ein wunder der interpretationskunst dar. ich bin mir sicher, dass haydn sie so nicht im ohr oder "vor augen" hatte beim komponieren. sie erlaubt aber so viel einsicht, ist plattform für weitere gedanken, träumereien, etc. boßes dienen dem urtext hätte dies nicht erreicht. pogos manko ist leider daß nur antüpfeln von komponisten: mehr sonaten von haydn würd ich mir sehnlichst von ihm gespielt wünschen, wird aber sicher nicht realisiert werden.

    subjektiv aber dennoch muss ich es loswerden (auch wenn früher im forum drastisch das gegenteil artikuliert wurde): der liedgesang schreiers mit schiffscher begleitung gehört zum besten und erlesensten was auf tonträgern existiert, zB schwanengesang. dagegen fällt das psychologisieren fischer-dieskaus um der stimmlichen schwäche zu entkommen v.a. in den späteren aufnahmen, allzu schmerzlich auf. schreiers stimme leuchtet und geht auch über die grenzen. dass da ab und an ein kratzen oder ähnliches auftaucht macht ihn für mich oder eben spez diese aufnahme eher sympathisch.

    wobei geschmack wahrscheinlich in dieser frage zu eng gefasst ist. vielleicht sind es die individuellen präsdispositionen, sodass vielleicht zu jedem "sein" interpret passt, und dies vielleicht zu verscheidenen zeitpunkten oder auch lebensabschnitten-mehr oder weniger passend: worüber sich natürlich auch schwerlich diskutieren lässt (wir alle hier im forum es aber dennoch tun...)

    Zitat

    "Interessant wäre herauszufinden, ob dies ein ALLGEMEIN verifizierbares Phänomen ist - oder nur auf eine bestimmte Person, bzw einen Personenkreis zutrifft."


    Vielleicht ist dies der Kern der Interpretationsvielfalt und ihrer Rezeption. Vielleicht ähnelt dies dem Phänomen von Medikamenten und ihrer Wirkung; Musik wurde früher ja als solches auch gezielt eingesetzt.


    Ad Arrau-Brendel: ich habe ihn live hören dürfen, bin auch ein Anhänger seines Mozart und insbes. Haydnspiels. Seine Beethoveninterpretationen, und damit meine ich die Soanten und v.a. seine letzte Gesamteinspielung, die ich zT auch im Musikvereinssal sah und hörte wirkt einfach nicht. Wenn ich meine, er ist - etwa in so scheinbar simplen Stücken wie dem aus der Waldsteinsonate ausgegliederten Andante favori -zu verkrampft, das Verständnis und damit das "Hieinführen" des Hörers gelingt nicht, würde ich mich schon zu sehr ins interpretieren, warum seine Wirkung versagt, versteigen.

    wahrscheinlich ist die frage nach dem spezifischen charakteristikum eines interpreten inkl. seiner unverwechselbarkeit, einer der hauptmotoren all unserer gegenwärtigen beschäftigung mit klassischer musik.
    sehen wir von adjektiven und noch so guten beschreibungen eines interpreten und seiner kunst ab, so ist zumindest für mich seine WIRKUNG, d.h. sozusagen sein physiologischer effekt das prinzipiell ausschlaggebende. ein beispiel: meinem absoluten pianisten, claudio arrau, den ich persönlich leider nie live gehört habe, sind nach aussagen einiger fans, mit denen ich reden konnte, eine menge auch körperlich behinderter menschen gleichsam hinterhergereist, sie erwarteten gew. linderung durch arraus kunst, seinen anschlag, etc. mir gehts mit vielen seiner interpretationen ähnlich, sie wirken einfach und sei es nur "lindernd" auf die seele. man könnte meinen er habe - wie er es als ziel sah -sich dem komponisten, der komposition total untergeordnet, aber bei anderen piansisten, die dies auch als pränmisse ihrer interpretation sahen, fehlt etwa bei mir diese wirkung (zB Brendel-Beethoven). mit dieser wirkung erübrigen sich damit für mich unterscheidungsmerkmale zu anderen pianisten/künstlern, versuche dies zu vertstehen sind interessant, aber nur sekundär (für mich).