Beiträge von MatthiasR

    Dein letztes Gedicht hat mich unglaublich tief berührt. Ich hätte wirklich große Lust es in Töne einzufassen, hättest du etwas dagegen?


    Naja doch, eigentlich schon. Schließlich gibts ja Geld dafür :D Geld/Arbeit, je kleiner der Nenner wird, desto größer der Nutzen :D


    Hallo Lieber Padre,
    du scheinst wohl 150 Jahre Entwicklung in der Lyrik verpasst zu haben!
    Zum Einlesen würde ich dir den Band: Jahrhundertgedächnis empfehlen, erschienen im Reklamverlag. Darin findet sich eine Auswahl der bedeutendsten Dichter und deren Werke, vom Expressionismus bis heute.

    1. Allegri: Miserere



    Dann kommt lange lange nix :D



    2. Schütz: Die Himmel erzählen die Ehre Gottes


    3. Bach: Jesu Meine Freude - Motette


    4. Poulenc: O magnum mysterium


    5. Poulenc: Timor et tremor


    6. Bach: Komm süßer Tod - Choral


    7. Mendelssohn: Psalm 2 - Warum toben die Heiden


    8. Mendelssohn: Denn er hat seinen Engeln befohlen


    9. Poulenc: Ave verum


    10. Perotinus: Viderunt omnes

    Ja gut, das erklärt einiges. Bei den evangelischen sind die Anforderungen ja nicht sooo hoch.
    Bei uns Katholiken sind die Ansprüche an die C-KiMus sehr hoch.
    Das was du beschrieben hast, trifft bei uns eher den D-Schein.
    Naja mit Blick auf die Zukunft... schließlichen soll die mal die ganzen studierten KiMus ersetzten... :baeh01:


    Ich hab das alles bei Christian von Blohn gemacht.

    @Tamilfu:


    Da sieht man mal wieder wie unterschiedlich die Anforderungen sind ;)


    C-Prüfung im Bistum Speyer ( dort hab ich meinem Schein gemacht ):


    Die Ausbildung dauert 3 Jahre. Jedes Jahr findet eine Zwischenprüfung statt, man kann also sitzenbleiben.
    Unterricht Samstags von 8 bis 14 Uhr in der jeweiligen Außenstelle.
    1 mal die Woche Instrumentalunterricht. Mitgliedschaft in einem Chor ist Pflicht.


    Liturgisches Orgelspiel:


    1 Komplette Messreihe (Kyrie, Gloria, Sanctus, Agnus Dei)
    1 Komplette greorianische Choralmesse (zB. Lux et orgio)
    5 Zeitlieder
    Eine 5 minütige große Improvisation über ein GL Lied
    Alle Vorsänger-Teile sind auch selbst vorzutragen


    Danach kommt das
    Literaturspiel:


    3 Werke unterschiedlicher Epochen + 1 Stück aus Bachs Orgelbüchlein
    Davon muss ein Werk ein Trio sein.
    Ich habe damals gespielt:
    Hiller - Trio in E
    Bach - Komm Schöpfer
    Widor - Toccata aus der 5. Symphonie
    Dupré - Sortie


    Klavierprüfung


    Vortrag zweier Stücke verschiedener Epochen


    Chorleitung:


    20 minütige Prüfung beim Hauptchor der Kantorei


    1 dem Chor bekanntes Werk mittlerer Schwierigkeit (bei mir: Händel - Messiah: And he shall purify) - Hier wird Detailarbeit überprüft


    1 dem Chor unbekanntes Werk höherer Schwierigkeit (bei mir: 1. Satz aus der Wachet auf Kantate von Bach) - Hier wird die Fähigkeit schnell neues zu vermitteln überprüft


    Gehörbildung:


    4 Stimmigen Satz hören


    Rhythmusdiktat mit allen Besonderheiten (Taktwechsel, etc pp...)


    Akkordverbindungen hören, bei gegebenen Grundakkord, und notieren (T -> Dv / sn -> DD)


    Melodiedikat


    Pariturspiel


    Ein selbstgewähltes 4 - 8 stimmiges notiertes Werk der Chorliteratur vortragen, möglichst polyphon


    Vom-Blatt-Spiel einer 4-stimmigen Paritur (meist relativ einfach)


    Tonsatz Theorie


    Funktionsanalyse eines 4-stimmigen Satzes


    4-stimmiges Aussetzten einer Melodie


    Manchmal auch, je nach Leistungsstand des Kurses, Kontrapunkt



    Tonsatz Praxis


    Generalbasspiel (vom Blatt)


    Vortrag eines vorbereiteten, selbst harmonisierten Liedes aus dem GL


    Vom-Blatt-Harmonisieren eines GL Liedes


    Kadenz spielen (Tonart unbekannt)


    Diverse Zusatzaufgaben, je nach Laune der Prüfer (bei mir modulierende Kadenz)



    Greogorianik


    Theorieprüfung (Geschichte, Neumen etc pp)
    Praxisprüfung (Dirigieren eines gregorianischen Chorales)



    Liturgik


    Umfangreiche Prüfung über Details der katholischen Liturgie


    Selbstständiges Erstellen eines Liedplanes zu einem gegebenen Termin (unter Beachtung der Lesungstexte, der Zeit im Kirchenjahr und der Stimmung des Festes)



    Gesang


    Vortrag zweier Werke des Sololiteratur


    Vortrag eines neutestamentlichen Gesanges aus dem GL


    Vortrag eines gregorianischen Chorales


    Vom Blatt singen einer Intervallfolge (meist 4 Intervalle) und einer gegebenen Melodie


    Zusatzprüfungen


    Orgelbautheorie


    Theorie des deutschen Liturgiegesanges (Psalmmodelle übertragen etc pp)


    Musikgeschichte (Hörbeispiele musikalischen Schulen zuordnen + schriftliche Prüfung)



    Es geistert das Gerücht herum, die Aufnahmeprüfungen der Musikschulen wären leichter als die C-Prüfung bei uns in Speyer :D


    Nehmen wir einmal Bach und seine Zeitgenossen. Die sahen sich selbst als Handwerker, nicht anders als ein Schreiner der einen schönen, kunstvollen Stuhl fertigt.
    Wenn ich jetzt einen Stuhl vor mir habe, überlege ich mir ja auch keine Geschichte dazu, um besser zu wissen wie ich mich da draufzusetzten habe :D Ich schaue mir den Stuhl an und sehe: Aha, da ist die Sitzfläche, dann muss da wohl mein Hintern drauf. An an diese Lehne kommt mein Rücken. Man muss also lediglich wissen, wie das Ding gedacht ist.
    So ist es auch mit der Musik der Vorromantik.Wenn ich eine Bachfuge habe dann kann ich mir ziemlich sicher sein, dass es hier nur um Musik geht und sonst um nichts ;)
    Denn was gibt es reineres als eine Fuge? Eine Fuge ist ja doch wohl ein Meisterwerk der Konstruktion, der Idee. Das ist fast absolute Musik.
    Wozu da noch Geschichten? Das lenkt doch nur vom wesentlichen ab. Bach würde mir sicher die Ohren langziehen wenn ich mir da was reinüberlegen würde :D


    Nein. Das verhindert bei mir den Zugang zu einer schlüssigen Interpretation.
    Man heftet sich dann so stark an dieses außermusikalische Bild, dass das wesentliche in der Musik verloren gehen kann. Programmatische Gedanken in der Musik sind übrigens ziemlich neu. Erst im 19. Jhd. tauchen sie als solche auf. Wenn du also so an Klassische oder Barocke Stücke herangehst tust du der Musik nur unrecht.
    Es ist hilfreich bei Anfängern, aber um wirklich Musik zu machen gehört viel mehr dazu. Da sind andere Dinge wichtig. Der Anschlag, Agogik, Artikulation, langer oder kurzer "Atem", sich in den Stil des Komponisten hineindenken etc... Da lenkt sowas nur vom Wesentlichen beim üben ab. Wenn man hobbymäßig ein wenig klimpert aber bestimmt ganz nett.

    Ich höre zwar gerne Musik die scheinbar etwas erzählt, aber was wichtiger ist, Musik muss auch existieren ohne einen außermusikalischen Gedanken.
    Ich halte absolute Musik für höherwertiger als programmatische Musik, weil die die abstrakte Leistung höher schätze als die erzählende.
    Eine Bachfuge erzählt nichts. Sie ist einfach nur Musik. Reine Musik. Ein Meisterwerk von Idee und Konstruktion.


    Ich halte es hier mit Strawinski:


    "Musik kann nichts Außermusikalisches darstellen, Musik genügt sich selbst."


    Hallo lieber Alfred,


    ich glaube das macht der Altersunterschied. Ich bin einfach mit der Technik aufgewachsen und kann mir nichts anderes vorstellen.
    Es war schon immer so!
    Wenn ich etwas im Lexikon nachlesen wollte, legte ich die Encarta CD ein und suchte. Wollte ich Musik hören, klickte ich eine Mp3 Datei an. Einen Brief schreiben? Nur in der Schule von Hand. Fotos? Von der Digital Kamera, Fotoalben auf der Festplatte. Mit Freunden verabreden? Wozu Telefonkosten wenn es Messenger wie ICQ gibt. Es passiert häufiger sogar dass man statt seiner Telefonnummer in der Disco nach seiner ICQ Nummer gefragt wird.


    In meiner Generation hat diese Entwicklung hin zum pur digitalen bereits begonnen, ja ist schon fast abgeschlossen.


    Ich habe sogar in meinem letzten Urlaub zum ersten mal einen Roman auf dem PDA gelesen, da ich keinen Platz mehr im Koffer hatte :yes:


    Gruß
    Matthias



    PS: Von wegen unbezahlbare PC Technik!
    Mein universal System hat mit allen Zusatzgeräten 1700 € gekostet.
    Berechne ich nun was ein Vergleichbares System von traditionellen Einzelkomponenten wie Fernseher, CD-Spieler, Equilizer, DVD Spieler, Boxen etc pp. kostet, komme ich locker auf das doppelte!
    Sollte zu denken geben. :beatnik:

    Zitat

    Original von Padre
    Mezzo,
    als Frau wirst du dann auch wissen,dass Frauen bei Mozartmusik, viel leichter und schmerzfreier gebähren können. Mozart als Geburtshelfer!! Höher kann man nicht aufsteigen!! :yes: :yes: :yes:
    Padre


    Kommt wohl auf die Vorlieben an :D
    Wäre ich eine Frau und müsste ich solche Schmerzen und noch die Geburt ( :untertauch: ) ertragen, würde ich den Arzt eigenhändig erwürgen.


    Exakt! Dabei muss es so teuer gar nicht sein! Das hier schlummert z.B. in meinem Schätzchen:


    Ein paar technische Daten:
    * 24 Bit Analog/Digital-Wandlung der analogen Eingangssignale mit 96 kHz Abtastrate
    * 24 Bit Digital/Analog-Wandlung digitaler Signale bei 96 kHz zum analogen 7.1 Lautsprecher-Ausgang
    * 24 Bit Digital/Analog-Wandlung digitaler Stereosignale mit 192 kHz an den Stereoausgang
    * 16-Bit- bis 24-Bit-Aufnahmen mit folgenden Abtastraten: 8/11.025/16/22.05/24/32/44.1/48 und 96 kHz
    * ASIO 2.0-Unterstützung für Aufnahmen mit 16 und 24 Bit bei 44.1 kHz, 48 kHz und 96 kHz mit Direct Monitoring
    * Erweiterte SoundFont-Unterstützung bis zu 24 Bit Auflösung
    * 64 MB X-RAM


    Audio-Performance (Nennleistung bei 2 Vrms, typische Werte)


    * Rauschabstand (20-kHz-Tiefpassfilter, A-gewichtet)
    o Stereo-Ausgang 116 dB
    o Front- und Rear-Kanäle 116 dB
    o Center-, Subwoofer- und Side-Kanäle 116 dB
    * Klirrfaktor + Rauschen bei 1 kHz (20-kHz-Tiefpassfilter) = 0.0008 %
    * Frequenzumfang (+/- 3 dB, 24 Bit/96 kHz Eingangssignal) = <10 Hz bis 46 kHz
    * Frequenzumfang (+/- 3 dB, 24 Bit/192 kHz Eingangssignal) = <10 Hz bis 88 kHz (nur Stereo)



    Die Hardware in PCs ist der von Mittelklasse-Anlagen mittlerweile mindestens ebenbürtig! Ich biete dir, Santoliquido, im Gegenzug an mal mein universal Homestudio zu besuchen :D


    Zitat

    Was bedeutet hier lautlos? Ohne Lüfter? Solch einen Rechner habe ich jedenfalls noch nicht gesehen (und ich habe mal eine Kompaktanlage umgetauscht, weil man ein deutliches Laufwerkgeräusch, das sonst niemanden störte, gehört hat).
    Wenn eine CD ca. 0,6 GB hat, komme ich übrigens auf 1,2 TeraByte bei 2000 CDs. Aber der Speicherplatz ist heute wohl kaum noch ein Problem.


    Selbstverständlich gibt es PCs ohne Lüfter. Die werden passiv gekühlt durch sogenannte Heatpipes. Desweiteren gibt es Lösungen wie z.B. eine Wasserkühlung.
    Aber das ist alles gar nicht nötig. Was in normalen PC krach machtist lediglich die CPU-Fan, der große Kühler mit Lüfter auf dem Prozessor. Und den kann man ganz leicht lautlos stellen indem man das Innere des Gehäuses mit Dämmmatten abklebt. In Kreisen in denen ich mal verkehrte übliche Praxis, ebenso wie die Wasserkühlung. Natürlich nicht in Aldi PCs ;).
    Und von Notebooks rede ich gar nicht.
    Mir gehts hier um den ganz normalen PC.


    Multimedia PCs sind heutzutage schallgedämmt und passiv gekühlt.
    Desweiteren reicht eine Backupplatte vollkommen. In 11 Jahren PC-Besitz ist mir erst einmal eine Platte kaputt gegangen und das auch nur aus eigener Dummheit.
    Booklets interessieren mich weniger. Ehrlich gesagt hab ich noch nie wirklich eines gelesen.

    Zitat

    Original von Hans Sachs
    Ja, aber mal ehrlich: lohnt sich der Aufwand? Oder hast Du vor, nur noch über PC zu hören?
    :hello:Jürgen


    Ehrlich gesagt ja!
    Die meisten Leute in meinem Alter die kenne haben ein Gerät für alles. Den PC.
    An nem 19 Zoll TFT kann man auch fernsehen, DVDs gucken und mit entsprechender Ausstattung adäquat Musik hören. Nebenher arbeiten und surfen.
    Ich selbst besitze weder Fernseher, noch DVD Player noch Stereoanlage. Bei mir läuft alles über PC. Habe ein gutes Soundsystem, einen schönen TFT, ordentliches DVD Laufwerk und eine hervorragende Soundkarte. Meine gesamte CD Sammlung ist digitalisiert, die originale stehen in einer Kiste im Keller. Ich fand CD Hüllen schon immer furchtbar unpraktisch. Wenn ich was hören will drücke ich "SUCHE" und tippe. Muss nicht im Raum umherlaufen und nachdenken wo ich es einsortiert habe. Ich habe quasi unendlich Raum zur Verfügung für meine CDs, 1.5 TB sind schwer vollzubekommen :D (3x 500 GB) Sie verstauben nicht und können nicht kaputt gehen. Alle 4 Wochen gibts ein Backup auf externe Platten und gut ist!
    Das wird sich auch durchsetzten imho. Ich versteh ehrlich gesagt auch nicht wieso sich so viele dagegen sträuben. Es ist doch nur vernünftig.

    Mal gerade einwenig was fürs Köpfchen :D
    Da ich mich gerade mit dem Stil von Josquin Desprez und Palestrina beschäftige:



    Nebenher das übliche: Ein wenig griechische Myhtologie und Bibel. Aktuell Äneas, natürlich in der Übersetzung von Schwab, bzw. Korintherbriefe.
    Möchte auch unbedingt mal den Koran durchforsten. Jeder redet darüber, aber keiner hats gelesen. :rolleyes:

    Zitat

    Original von Kurzstueckmeister


    Nö, es braucht ein neues Publikum, das ohnehin stark im Wachsen ist. Die Lösung findet also bereits statt. Das alte konservative Publikum (eine Erfindung des 20. Jahrhunderts) mag ja weiter existieren, es spielt aber im Grunde keine Rolle.


    Da bin ich absolut deiner Meinung!
    Große Veränderungen, vorallem im Repertoire werden auf uns zukommen! Und da ich mich zu diesem neuen Publikum zähle, freue ich mich schon unheimlich auf den Tag, an dem das alte konservative Publikum verschwunden ist und endlich der Weg frei wird für längst fällige Veränderungen!

    Zitat

    Original von rappy


    2) Vollkommene Harmonik/Tonalität, wie wir wie bei den großen Meistern schätzen, musste im Laufe der Zeit erst gefunden werden und kam nicht einfach so. Natürlich konnte niemand sagen "ab heute schreiben viel in Tonika, Dominante, Subdominante und Dur und Moll!". Man hat sich langsam daran herangetastet, anfangen mit der frühen Mehrstimmigkeit, Parallelorgani, über modale Tonarten hin zum Barock.
    Man schöpfte nun alles, was die tonale Harmonik hergab, aus. In etwa, wie wenn man eine neue innovative Erfindung in die Hand bekommt und alle Funktionen erst einmal ausprobiert.
    Nun geht man allerdings danach nicht hin, und sagt, ich kenne sie jetzt alles, jetzt zerstöre ich sie!
    Das hat man in der Musik allerdings getan. Man hat ihr das Fundament geraubt, und ein Chaos geschaffen, kein Halt, wo sich der Hörer dran binden kann, um sich zurechtzufinden. Kein modernes atonales Werk heutzutage kann man mehr verstehen, ohne zur Elite zu gehören und ein Vorwissen zu haben, oft braucht man es vom Komponisten selbst. Und wenn man es dann "verstanden" hat, stellt sich immer noch die Frage, ob es überhaupt schön ist, ob es einem gefällt, ob die Musik nicht nur den Verstand antrifft.


    Dann erkläre mir doch bitte mal, warum die indische und arabische Musik, wo doch die tonale Musik das endgültige Ziel jedes künstlerischen Strebens ist, absolut nichts mit unserem Empfinden von Harmonie gemein haben?


    Glaubst du, dass du die alte Musik verstehst?

    Zitat

    ich habe bemerkt, dass das publikum wesentlich jünger als bei
    vergleichbaren "tonalen" konzerten war. der applaus war sehr stark -
    es dürfte also gefallen haben.


    wenn man jetzt bedenkt, dass das ältere "tonale" publikum mit der
    zeit weniger wird und das jüngere nachrückt, kann man schon vermuten,
    dass "atonale" musik keine temporäre erscheinung ist.


    Genau so ist es.
    Seien wir mal ehrlich. Schaut euch mal um im Konzert! Wie alt sind die Leute neben euch, wie alt ihr selbst. Wie viele werden nachrücken?
    Es ist einfach ein schiefgelaufenes Experiment. Das beharren auf nur der alten Musik hat sich als gescheitert erwiesen. Eine Modeerscheinung der letzten 80 Jahre, die nun zu Ende geht.

    Und genau aus diesem Grund sterben die Hörer der alten Musik langsam aber sicher aus. Es geht einfach auf die Dauer nicht gut, Kunst vollkommen von der Zeit abzukoppeln. Angesichts dessen kann ein "Alle Menschen werden Brüder", vielleicht kurzzeitig erfreuen aber letztlich bleibt die Frage nach dem "und weiter?". Musik ist unmittelbar an ihre Zeit gekoppelt. Das ist einfach so. Wie hat mein alter Musiklehrer gesagt: "Alles nur Geschwätz, würde Bach heute leben, würde er auch nicht Kutsche fahren"

    Zitat

    Original von Herbert Henn
    Ich bin der Meinung,
    daß die tonale Musik der Harmonie der Welt und damit der
    Harmonie des Menschen entspricht,und das sie die meiner
    Meinung nach modischen Strömungen jeder Art überleben wird.


    Das Empfinden von "Harmonie", hängt bei tonaler Musik unmittelbar mit Dissonanzen und Konsonanzen zusammen.


    Was nun aber konsonant und was dissonant ist, ist nicht allgemein festgelegt. Es gibt kein Naturgesetz welches uns erklärt was für unser Ohr schön klingt. Man höre sich nur Mozart und direkt danach Gesualdo an. Dieses Empfindungen ist Gewöhnungssache. Häufig hört man solche Aussagen wie "Ich habe mich an Schostakovich(oder jeden beliebigen anderen Komponisten des 20. Jhds.) gewöhnt". Das passiert alles auch im kleinen. Wir passen uns an.
    Andererseits stumpfen wir auch ab. Das können wir imho auch ganz leicht an uns selbst überprüfen.
    Wer lange Zeit an einer Hauptstraße wohnt, hört kaum Nachts noch den Lärm, welcher für einen Außenstehenen aus dem Dorf unerträglich wäre. Wie sonst könnten Menschen in einer Großstadt überleben ohne wahnsinnig zu werden?



    So wie wir sozialisiert sind, so Empfinden wir. So Aufgeschlossen oder eben nicht sind wir auch.


    Ein Freund von mir ist Anhänger der harten Metallmusik. Er ist ebenso ein sehr offener Mensch, wenn es um Musik geht. So habe ich den Versuch gewagt, ihn mit meiner Musik zu konfrontieren. Ich habe entsprechend seinen Vorlieben Musik gewählt, die so wie seine Musik, auf den Prinzipien des Geräusches, Zentraltönigkeit und der Rhythmik aufbaut. Kurzum, er war sehr angetan davon! Beflügelt von diesen Erfolgen spielte ich ihm eine Arie von Bach vor, worauf er mit anschaute und meinte: "Das klingt ja alles furchtbar falsch und schief! Ist das Absicht?" Das gab mir zu denken.
    Ich gab ihm einige CDs mit zeitgenössischer Musik, aber auch mit alter Musik aus dem 20. Jhd. mit und er war nach kurzer Zeit so begeistert, dass er nach immer mehr verlangte.
    Ich hatte unbewusst für mich entdeckt, dass in der Unterhaltungsmusik der Schlüssel stecken könnte in einer neuen Begeisterung für die "Kunst"musik (mag das Wort E-musik nicht)!
    Ich musste nur herausfinden was die Leute sonst so hören und schon hatte ich einen Anhaltspunkt. Die Hörerin sanfter Popballaden bekam zB von mir eine CD mit Chormusik von Withacre und auch hier funktionierte es.
    Ich hatte tatsächlich Erfolg bei der Vermittlung zeitgenössischer Musik, die zudem teilweise freitonal (ich sage nicht "atonal", das klingt wie "assozial") ist! Und das in der Generation der zukünftigen CD Käufer!



    Das harmonische Empfinden meiner Großeltern hingegen, schien im 18./19. Jahrhundert festgefressen zu sein. Als ich fragte warum, bekam ich die lapidare Antwort: "Sowas wie deine Musik, ah das hat sich nicht gehört!". Meine Großeltern waren im russisch besetzten Polen heimisch. Da durfte nix Modernes zum klingen kommen. Die Musik sollte bodenständig sein. Und so ist bis heute eine Abneigung geblieben. Auch meine Verwandten in Deutschland hörten von 33-45, gemäß dem Parteiwillen nicht die seriallisten und großen Umwälzer. Das gaben sie dann auch an ihre Kinder weiter. Meinen Eltern fehlt somit von klein auf das Verständnis dafür.
    Ich gehöre einer neuen Generation an. Das Internet ermöglicht es mir unbegrenzten Zugang zur Musik zu haben, unabhängig von CD-Läden.



    Was ist also Harmonie? Muss diese Empfindung unbegingt an tonale Musik gekoppelt sein? Zu mir hat mal jemand gesagt: "Mozart ist Harmonie". Ich verspüre nichts dergleichen. Für mich ist Poulenc Harmonie und auch Arvo Pärt. Diese Komponisten geben mir das Gefühl am meisten.
    Und wie meine Beispiele zeigen ist für jeden Harmonie etwas anderes.


    Das heute viele Komponisten wieder tonal komponieren, ist etwas ganz normales. Die Musikgeschichte ist ein ständiges Wechselspiel von Aktion und Reaktion. Auf den Schwulst und das Geschwafel der Romantik folgt das Theoretische und Reduzierte der 2. Wiener Schule, darauf folgt nun wieder eine Gegenphase.
    Und wer hier von modischen Strömungen redet, sollte bedenken, dass die von vielen so geliebte Klassik, gerade mal 50 Jahre dauerte.

    Ich habe aus irgendwelchen Gründen, die ich einfach nicht erklären kann das tiefe Gefühl, dass jeder irgendwann mal bei Bach mögen wird.
    Das ist zwangsläufig so :D
    Das war bei mir ganz genau so. Ich hab bis vor einiger Zeit Bach gehasst. Jetzt kann ich nicht ohne.