ZitatIch denke, beiden Seiten hatten damals geahnt, daß es einer der letzten gemeinsamen Begegnungen sein würde, denn ein Jahr später, kurz nach seinem 90. Geburtstag verstarb er.
Mit diesem Bewusstsein ist man eigentlich die ganzen letzten Jahre in seine Konzerte gegangen, er wirkte ja meistens auch sehr zerbrechlich. Ein Eindruck, der sich dann aber sofort gab, wenn die Musik erklang.
Ich hatte das große Glück, ihn in den letzten 10 - 12 Jahren in allen Konzerten in Hamburg erleben zu dürfen und es waren jedesmal Sternstunden. Jenseits der Interpretationen war für mich das entscheidende Moment die Demut, mit der Wand an die Werke heranging. Hier stand ein gänzlich uneitler Maestro auf dem Pult (und dabei sich seines Wertes durchaus bewusst), dem es immer darum ging, dem Werk zu dienen und es in seiner ganzen Größe erklingen zu lassen. Ich habe immer diese Haltung (und tue es immer noch) ob ihrer Menschlichkeit und auch ob ihrer Verweigerungshaltung allen vordergründigen und oberflächlichen Effekte gegenüber sehr bewundert.
Gleichzeitg waren es natürlich auch musikalische Sternstunden. Gerade BrucKners 8., die ich auch noch mehrfach erleben durfte, ist dafür ein Beispiel. Große, himmelanwärts stürnmende Architektur baute sich vor einem auf. Jedes Detail in dieser beinahe Kathedrale erkennbar und in einen Zusammenhang mit dem Ganzen gebracht. Wuchtige, äußerst wuchtige Entladungen, die einen quasi emportrugen, dabei niemals Krach, wie so oft, nie unangenehmer Lärm, immer genau das richtige Maß, eine Klangballung, in die man sich eingebettet fühlte, mitgenommen in andere Regionen.
Schuberts Unvollendete und Große Sinfonie, Beethovens 3., der ganze Brahms, aber auch Tschaikowskij, mit wieviel Gefühl und nicht dem Hauch von Sentimentalität. Und wer hat die Chuzpe nur Bruckner 4. auf's Programm zu setzen und dem Publikum zu vermitteln: Damit haben Sie genug zu tun.
Wir vermissen ihn sehr.
Grüße
Gustav
