Beiträge von Gustav

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    Ich denke, beiden Seiten hatten damals geahnt, daß es einer der letzten gemeinsamen Begegnungen sein würde, denn ein Jahr später, kurz nach seinem 90. Geburtstag verstarb er.


    Mit diesem Bewusstsein ist man eigentlich die ganzen letzten Jahre in seine Konzerte gegangen, er wirkte ja meistens auch sehr zerbrechlich. Ein Eindruck, der sich dann aber sofort gab, wenn die Musik erklang.
    Ich hatte das große Glück, ihn in den letzten 10 - 12 Jahren in allen Konzerten in Hamburg erleben zu dürfen und es waren jedesmal Sternstunden. Jenseits der Interpretationen war für mich das entscheidende Moment die Demut, mit der Wand an die Werke heranging. Hier stand ein gänzlich uneitler Maestro auf dem Pult (und dabei sich seines Wertes durchaus bewusst), dem es immer darum ging, dem Werk zu dienen und es in seiner ganzen Größe erklingen zu lassen. Ich habe immer diese Haltung (und tue es immer noch) ob ihrer Menschlichkeit und auch ob ihrer Verweigerungshaltung allen vordergründigen und oberflächlichen Effekte gegenüber sehr bewundert.
    Gleichzeitg waren es natürlich auch musikalische Sternstunden. Gerade BrucKners 8., die ich auch noch mehrfach erleben durfte, ist dafür ein Beispiel. Große, himmelanwärts stürnmende Architektur baute sich vor einem auf. Jedes Detail in dieser beinahe Kathedrale erkennbar und in einen Zusammenhang mit dem Ganzen gebracht. Wuchtige, äußerst wuchtige Entladungen, die einen quasi emportrugen, dabei niemals Krach, wie so oft, nie unangenehmer Lärm, immer genau das richtige Maß, eine Klangballung, in die man sich eingebettet fühlte, mitgenommen in andere Regionen.
    Schuberts Unvollendete und Große Sinfonie, Beethovens 3., der ganze Brahms, aber auch Tschaikowskij, mit wieviel Gefühl und nicht dem Hauch von Sentimentalität. Und wer hat die Chuzpe nur Bruckner 4. auf's Programm zu setzen und dem Publikum zu vermitteln: Damit haben Sie genug zu tun.
    Wir vermissen ihn sehr.
    Grüße
    Gustav

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    Original von Siegfried
    hallo Herbert,


    deiner an sich guten Auswahl möchte ich noch gerne hinzufügen:


    bei den Sopranen Rita Streich und Erika Köth
    bei den Bässen Cesare Siepi, Gottlob Frick und Ludwig Weber
    und bei den Tenören fiele mir auch noch mindestens Einer ein :angel:


    Und zu dem Einen kann ich nur sagen: Ja - Ja - Ja- er ist es. Darüberhinaus möchte ich aber auch noch Elisabeth Grümmer ins Rennen werfen. Auch wenn sie, wie so viel Mozartsänger der Fünfziger technisch nicht auf dem Stand singt, den wir vielleicht heute erwarten (Verzierungen), sie doch den vom Wiener Ensemble vorgegebenen entschlackten Stil sang (war halt so die Zeit), ist ihre Innigkeit und die Schönheit ihrer Stimme immer noch überaus berührend.
    Grüße Gustav

    Es ist interessant, wie sich Einschätzungen ändern: Vor 30 Jahren wurde Kurt Molls Osmin von Gesangsfachleuten als Jahrhundertleistung eingestuft. Heute erscheint er nicht einmal erwähnenswert zu sein...


    Hallo Theophilus!
    In Hamburg ist Moll immer noch unvergessen als Osmin (und als Sarastro). Neben Kipnis hat meiner Ansicht nach niemand die vokalen Anforderungen der Partie so erfüllt wie er.
    Grüße Gustav

    Im Moment
    Beethoven Violinkonzert
    Georg Kulenkampff
    Berliner Philharmoniker
    Hans Schmidt-Isserstedt, Berlin 1936

    und bin ein wenig ratlos.
    Ansich mag ich den Ton, finde aber in jeder Phrase immer wieder Stellen, die ich unangenehm finde.
    Grüße Gustav
    (hoffentlich klappt es mit dem Bild, wenn nicht, bin halt noch Anfänger)


    war schon fast perfekt...

    Als meinen ersten Beitrag versuche ich mich einmal an diesem Thema.
    Ich glaube nicht, dass Dirigenten den Zeitgeist "machen", das geht ja in Richtung Männer / Frauen machen Geschichte. Ich glaube auch nicht, dass sie sich dem Zeitgeist unterworfen haben, Heuchelei und Anbiederung rächt sich meistens (zum Glück). Es ist wohl eher eine Frage von zur rechten Zeit am rechten Ort. Letzlich ist es wohl ein Zusammenspiel von historischen, gesellschaftlichen und auch technischen Bedingungen- und einem Menschen, der diesen Strömungen (zunächst) unbewusst einen Ausdruck verleiht. Ein Böhm hat nicht die Fünfziger und Sechziger bedient, sondern diese Jahrzehnte fanden sich in ihm wieder. Das ist jetzt nicht diskreditierend gemeint, obwohl die Fifties oft ja keinen guten Ruf haben. Übrigens gilt dies ja auch für alle anderen Künstler.
    Interessant finde ich in diesem Zusammenhang aber auch die Frage, wieso Künstler, die sich selbst als nicht der Zeit entsprechend ansahen (Furtwängler) oder nach allgemeiner Auffassung als einer anderen Zeit enstammend (Horowitz) trotzdem Erfolg hatten und haben.
    Ich merke es an mir selber. Ich liebe René Jacobs bei Mozart, seine Spannung und Vitalität und gleichzeitg auch Furtwängler, obwohl er in diesem Fall eigentlich nicht meinen Klangvorstellungen entspricht. Warum ist in einer ansich (so empfinde ich es jedenfalls) sehr HIP-betonten Zeit die RIAS-Edition mit Furtwängler solch ein Erfolg?
    Soweit bis heute. Ich merke dass ich noch weiter denken muss, verschiebe dass aber auf später.
    Grüße Gustav